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Mittelstreckensysteme: Verlegbar!
(30. Juli 2024)Ohne parlamentarische oder gar öffentliche Debatte wurde verkündet, ab 2026 würden erneut extrem destabilisierende US-Mittelstreckensysteme in Deutschland stationiert (siehe IMI-Analyse 2024/33). Nun macht man sich allmählich daran, insgesamt wenig überzeugende Begründungen nachzuschieben. Vorausgeschickt wird dabei aktuell u.a. Ministerialdirektor Dr. Jasper Wieck, der politische Direktor im Verteidigungsministerium. Im Format „Nachgefragt“ auf der Bundeswehr-Seite ließ er eine weitere „interessante“ Information durch, nämlich, dass die nach Deutschland zu verlegenden Systeme potenziell ja auch noch weiter Richtung Russland verlegbar wären: „Diese Waffen schützten nicht nur Deutschland, denn sie würden über deutsche Grenzen hinaus verschiebbar sein. ‚Wir unterscheiden also zwischen Stationierung und Stationierungsort – und Einsatzort‘, erläuterte Wieck.“ (jw)
Niger: Pipelinesprengung
(29. Juli 2024)Ein Anschlag der »Front Patriotique de liberation« (FPL, Patriotische Befreiungsfront) auf die längste Ölpipeline Afrikas wird Nigers Aufschwung und die antikoloniale Putschregierung wohl etwas zurückwerfen. Die junge Welt sieht darin eine Destabilisierungskampagne westlicher Regierungen mit dem benachbarten Benin als Helfershelfer. Die FPL charakterisiert sie als: „Terror ohne Dschihad.“
„Unmittelbar nach dem Militärputsch gegen Präsident Mohamed Bazoum gegründet, fordert die FPL keinen Gottesstaat, sondern die umgehende Freilassung des Expräsidenten, die Wiederherstellung der alten »verfassungsmäßigen Ordnung«, aber auch die Stornierung eines 400-Millionen-US-Dollar-Kredits der Volksrepublik China, der mit Pipelineöl abbezahlt werden soll.“
Weiter: „2,3 Milliarden US-Dollar hat die Leitung nach Auskunft der nigrischen Regierung gekostet. Nimmt man die Bohrung neuer Löcher auf den Ölfeldern in Agadem dazu, den Bau von Pump- und Aufbereitungsstationen, Elektrizitätswerken etc., wurden um die sechs Milliarden US-Dollar investiert. Der allergrößte Teil des Geldes kam von der China National Petroleum Corporation und ihrer Tochter Wapco (Westafrican Oil Pipeline Company), dem Pipelinebetreiber.“ (pf)
Marokko: israelische Spionagesatelliten
(29. Juli 2024)Mitte Juli habe „das nordafrikanische Königreich für eine Milliarde Dollar beim Staatsunternehmen Israel Aerospace Industries (IAI) zwei »Ofek-13«-Spionagesatelliten geordert“, wie die junge Welt berichtete und dabei auf die spanische El Confidencial verwies. „Die Zeitung hebt hervor, dass Marokko und Israel sich seit der Normalisierung ihrer Beziehungen 2020 im Rahmen der »Abraham-Abkommen« immer weiter angenähert hätten. Da aber Marokkos Bevölkerung das Bündnis mit Israel ein Dorn im Auge sei und sie immer wieder gegen den Gazakrieg protestiere, würden solche Transaktionen jetzt »diskret« gehandhabt.“
„Beim »Ofek-17« handele es sich um den modernsten in Israel entwickelten Spionagesatelliten. Rabat gehe es vor allem darum, die Kampfverbände der Polisario-Front zu überwachen, mit der Marokko seit 2020 wieder Krieg in der Westsahara führt, von der es große Teile völkerrechtswidrig besetzt hält. Auch Algerien werde aus dem All ausgespäht. Und schließlich, warnt El Confidencial, sei Marokko mittels seiner Satelliten in der Lage, Bilder von Militäranlagen in Spanien zu erhalten.“ (pf)
Syrien: Hoffnung auf Frieden?
(29. Juli 2024)Ebenfalls vor knapp zwei Wochen berichtete Karin Leukefeld in der jungen Welt über eine mögliche Annäherung der Türkei und Syriens im Zuge des Besuchs des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga. Erdogan habe schon Anfang Juli geäußert, dass die Türkei ihre Hand in Freundschaft nach Syrien ausstrecke, sowie dass die entstandene Instabilität beendet werden müsse. Nach eigenen Angaben würde der Vorsitzende der oppositionellen türkischen kemalistischen Partei CHP, Özgür Özel, „demnächst zu einem Treffen mit Assad nach Damaskus reisen. Özel hatte sich als Vermittler für eine Annäherung zwischen Erdoğan und Assad angeboten.“ Klare Verhandlungspunkte sind für Syrien die Wiederherstellung der territorialen Integrität, also der Abzug der türkischen Besatzungstruppen im Norden“, und für die Türkei, die Rückkehr syrischer Geflüchteter. (pf)
Ukraine: Söldner gesteht Kriegsverbrechen
(29. Juli 2024)Schon vor zwei Wochen berichtete die junge Welt über einen tschechischen Söldner, der für seine Kriegsbeteiligung auf ukrainischer Seite in seinem Heimatland vor Gericht steht. „Er ist angeklagt, ohne die erforderliche Sondergenehmigung des Staatspräsidenten in einer ausländischen bewaffneten Einheit gekämpft zu haben – konkret dem zu Kriegsbeginn in der Ukraine von der faschistischen Swoboda-Partei aufgestellten Bataillon »Karpaten-Sitsch«. Dafür allein droht Siman eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren; für das, was bei den Ermittlungen sonst noch herauskam,“ könnte er noch ganz andere Konsequenzen zu fürchten haben, wie die jW urteilt.
Nicht nur gestand der Söldner gebilligt von der ukrainischen Führung an Plünderungen in ukrainischen Privathäusern teilgenommen zu haben. „Politische Bedeutung“ hätten die Aussagen Simans laut jW besonders „durch drei Aspekte: Erstens hat Siman eingeräumt, unter anderem in Butscha eingesetzt gewesen zu sein, wo nach der Rückeroberung der Stadt durch ukrainische Truppen im April 2022 die Leichen zahlreicher ermordeter Zivilisten entdeckt worden sind. Zweitens hat er erklärt, seine Truppe sei in jenen Tagen »Polizei, Gericht und Erschießungskommado in einer Instanz« gewesen. Schließlich hat er ausgesagt, sein Einsatz in der Ukraine habe bei ihm »traumatische Erlebnisse ausgelöst«, weil er erstmals in seinem Leben »Morde und Vergewaltigungen miterlebt« habe,“ welche der Logik nach von ukrainischer Seite ausgegangen sein müssten, da russische Kräfte Zeugen sicher beseitigt hätten. (pf)
Südkurdistan: Aufruf
(29. Juli 2024)Wie ANF berichtete, veröffentlichten am vergangenen Samstag (27. Juli) mehrere kurdische und internationalistische Frauenorganisationen unter dem Motto „Stoppt den Annexionskrieg der Türkei“ einen Aufruf zu Aktionen gegen das kriegerische Vorgehen der Türkei in Südkurdistan und die aktuelle Eskalation der Angriffe. Darin heißt es unter anderem: „Das türkische Militär hat seit dem 15. Juni 2024 eine neue Offensive in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak (KRI) gestartet. Es werden neue Militärbasen errichtet und Truppen verstärkt stationiert. Die Region wird massiv bombardiert und ganze Dörfer werden entvölkert. Unterstützt wird das türkische Militär dabei aktiv von der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP bzw. PDK). Die Angriffe auf die Region sind immens! Sie haben das Ziel, die Menschen aus der Region zu vertreiben und die Annexionspläne sowie wirtschaftlichen Interessen der Türkei voranzutreiben […] Der aktuell stattfindende Annexionskrieg in Südkurdistan findet medial kaum Erwähnung. Obwohl die Türkei NATO-Mitglied ist, schweigt die europäische Politik bisher und lässt diesen völkerrechtswidrigen Krieg zu. Wir fordern die deutsche Regierung und Medien auf, das Schweigen zu brechen!“ (yd)
Sudan: Hilfsgüter blockiert
(29. Juli 2024)Wie die New York Times am vergangenen Freitag (26. Juli) berichtete, hindert das sudanesische Militär die Vereinten Nationen zur Zeit daran, „enorme Mengen an Nahrungsmitteln über einen wichtigen Grenzübergang ins Land zu bringen, wodurch die Hilfe für Hunderttausende von hungernden Menschen in den Tiefen des Bürgerkriegs effektiv unterbrochen wird.“ Bei dem geschlossenen Grenzübergang handle es sich um den Hauptübergang vom Tschad in den Sudan in Adré. Expert*innen warnen nach Angaben der New York Times davor, dass bis zum Ende dieses Jahres noch bis zu 2,5 Millionen Menschen im Sudan an Hunger sterben könnten. Wie aus einem heute veröffentlichten und von Al-Jazeera besprochenen Report von Human Rights Watch hervorgeht, eskaliert im Sudan zur Zeit auch sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. (yd)
Grenzpolizei: Freifahrtschein
(29. Juli 2024)Nach dem Tod eines Soldaten im Juni, der an der polnischen Grenze patrouillierte und durch einen Zaun erstochen wurde, haben die Polnische Gesetzgeber*innen am vergangenen Freitag (26. Juli) dafür gestimmt, dass die Polizei, der Grenzschutz und Soldaten in Zukunft ohne Rechenschaftspflicht, also ungestraft, tödliche Waffen einsetzen dürfen, wie Euractiv berichtete. Der Gesetzentwurf, der noch die Unterschrift des Präsidenten benötigt um gültig zu werden, wird von Menschenrechtsaktivist*innen scharf verurteilt. So bemerkte etwa die polnische Juristin und Aktivistin Hanna Machinska gegenüber TOK FM Radio: „Die Frage der nationalen Sicherheit kann kein Freibrief für Handlungen sein, die gegen die Menschenrechte verstoßen“ und „Nichts rechtfertigt die Einführung von Regeln, die eine Lizenz zum Töten sind […]“. (yd)
Zinsen für Waffen
(29. Juli 2024)Erstmals sollen Zinsgelder eingefrorener russischer Vermögen für die Bezahlung u.a. auch deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine verwendet werden, berichtet u.a. das Redaktionsnetzwerk Deutschland (via Bpb-Newsletter): „EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte eine Freigabe in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an. (…) Das Geld, um das es jetzt geht, sind Zinserträge aus eingefrorenem Vermögen der russischen Zentralbank in der EU. (…) Das Geld fließt nun an Länder wie Deutschland oder Tschechien, die der Ukraine dann damit zeitnah Ausrüstung für die Luftverteidigung oder Artilleriegeschosse zur Verfügung stellen.“ (jw)
Frieden 2.0
(29. Juli 2024)Als einer der ersten kritisierte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich die geplante Stationierung von Mittelstreckensystemen in Deutschland. „Die Raketen haben eine sehr kurze Vorwarnzeit und eröffnen neue technologische Fähigkeiten. Die Gefahr einer unbeabsichtigten militärischen Eskalation ist beträchtlich.“ Ihm springen nun eine Reihe ehemaliger SPD-Spitzen, darunter der frühere Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans und der ehemalige Außenpolitiker Gernot Erler, zur Seite, die laut FAZ Teil des Projekts „Frieden 2.0“ seien„Sie seien ‚tief besorgt‘ über die ‚Schlagseite‘ der Debatte. Es gehe zu sehr um Abschreckung und zu wenig um Abrüstungsverhandlungen.“ (jw)
Grenzgewalt: Todesfall
(26. Juli 2024)Wie die Nichtregierungsorganisation No Name Kitchen berichtete, waren diese Woche zehn Menschen in Harmanli, Bulgarien, von einem Pushback betroffen, wobei einer von ihnen starb und von der Grenzpolizei in der Nähe der Grenze zurückgelassen wurde. Notsituationen und Gewalt an der Grenze nehmen nach Angaben der No Name Kitchen zu und die Notrufleitungen verhalten sich unkooperativ. Mehr Informationen zu Grenzgewalt an der türkisch-bulgarischen Grenze finden sich u.A in der IMI-Studie 2024/03 mit dem Titel: „Aufrüstung unter dem Stern des Schengen-Beitritts“. (yd)
Faber: Zynisch
(26. Juli 2024)Ziemlich zynisch, wie der FDP-Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Markus Faber, bei „X“ den Bedarf für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine begründet: „Liebe Freunde, die #Ukraine reduziert Tag für Tag #Putin|s Bedrohungspotenzial. Dafür können wir dankbar sein. Dabei mit militärischer Unterstützung zu helfen, ist in unserem nationalen Interesse. Von über 300 #Leopard2 müssen wir dabei mehr als 5 % zur Verfügung stellen.“ (jw)
„Kollaps im Donbass“?
(25. Juli 2024)Immer häufiger finden sich auch in deutschen Medien Berichte und Begriffe, die eine bevorstehende oder bereits stattfindende Niederlage der Ukraine andeuten. Der Titel eines Beitrags bei stern.de bedient sich mit „Kollaps im Donbass“ zwar einer relativ drastischen Begrifflichkeit, beschreibt die Lage aber ansonsten relativ nüchtern:
„Im Norden herrscht ein mörderisches Patt, im Osten geht Putins Strategie auf. Seit der Charkiw-Front rücken die Russen dort unentwegt vor. Es kommt nicht zu tiefen, operativen Einbrüchen, die man in diesem Krieg wohl nie sehen wird. Es bleibt bei den zähen Positionskämpfen. Aber hier erreichen die Russen regelmäßig Gewinne von mehreren Kilometern Tiefe. Etwa indem sie Stollen unter der Front anlegen, vorhandene Röhren benutzen oder indem eine Attacke von Sturmtruppen mit Quads und Enduros Erfolg hat. Kiew gelingt es nicht, auch nur einen dieser Einbrüche zurückzuwerfen. Im Gegenteil: Haben die Russen einen ‚Finger‘ im ukrainischen Gebiet erobert, dehnen sie ihn in alle Richtung aus. In der Sprache der Sowjet-Doktrin: Sie bringen ‚die Blume zum Blühen‘. Gemessen an den Bewegungsschlachten des Zweiten Weltkrieges geschieht das alles nach wie vor in Zeitlupe. An drei entscheidenden Punkten erreichten die Russen deutliche Erfolge…“
Nord Stream: Anfrage
(25. Juli 2024)Leider überlassen es auch im Falle der Anschläge auf die Nord Stream Pipelines die anderen Fraktionen im Bundestag weitgehend der extrem rechten AfD, der Bundesregierung Intransparenz vorzuwerfen und auf Aufklärung zu drängen. Diese hat eine Große Anfrage gestellt, auf die nun eine „Antwort“ vorliegt (und in der auch Aussagen von Angehörigen anderer Fraktionen aus den ansonsten kritisierten Leitmedien zitiert werden, die ebenfalls auf Aufklärung drängen).
Fast alle Fragen bleiben unbeantwortet. Obwohl die Bundesregierung in ihren Vorbemerkungen behautet, es sei ihr „ein wichtiges Anliegen, dass die Hintergründe der Tat aufgeklärt und die hierfür verantwortlichen Personen zur Rechenschaft gezogen werden“ und sie dabei „den durch die deutschen Ermittlungsbehörden unabhängig geführten Ermittlungen uneingeschränkt [vertraut]“, begründet sie dies mehrfach folgendermaßen:
„Die Bundesregierung ist nach sorgfältiger Abwägung zu der Auffassung gelangt, dass die Beantwortung der Frage aus Gründen des Staatswohls nicht erfolgen kann. Das verfassungsmäßig verbürgte Frage- und Informationsrecht des Deutschen Bundestages gegenüber der Bundesregierung wird durch schutzwürdige Interessen von Verfassungsrang begrenzt, wozu auch und insbesondere Staatswohlerwägungen zählen. Gegenstand der Frage sind solche Informationen, die den Restriktionen der ‚Third-Party-Rule‘ unterliegen, welche den internationalen Austausch von Informationen der Nachrichtendienste betrifft. […] Lägen solche Informationen vor, wären diese evident geheimhaltungsbedürftig, weil sie sicherheitsrelevante Erkenntnisse beinhalten, die unter der Maßgabe der vertraulichen Behandlung von ausländischen Nachrichtendiensten an die deutschen Nachrichtendienste weitergeleitet wurden. Ein Bekanntwerden von Informationen, die nach den Regeln der ‚Third-Party-Rule‘ erlangt wurden, würde als Störung der wechselseitigen Vertrauensgrundlage gewertet werden und hätte eine schwere Beeinträchtigung der Teilhabe der Nachrichtendienste des Bundes am internationalen Erkenntnisaustausch zur Folge. Selbst eine VS-Einstufung und Hinterlegung der angefragten Informationen bei der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages würde im vorliegenden Fall nicht ausreichen, um der besonderen Sensibilität der Informationen für die Aufgabenerfüllung der Nachrichtendienste des Bundes ausreichend Rechnung zu tragen.“
Ohne sich damit in irgendeiner Weise die Positionen der AfD zueigen zu machen, sei hier jener Abschnitt der Vorbemerkungen der Fragesteller zitiert, indem sie Forderungen anderer Politiker*innen nach Aufklärung (oder einer „plausible Erzählung“!) nach Aufklärung wiedergeben:
„Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste stellte Anfang Januar 2023 folgende Forderung: ‚Die Bundesregierung muss sehr bald ihr Schweigen brechen, Transparenz schaffen oder wenigstens eine plausible Erzählung der Ereignisse vom 26. September vorlegen.‘ Sein Stellvertreter stellte fest, dass die Öffentlichkeit informiert werden müsse, da wilde Spekulationen über die Täterschaft in dieser unklaren Situation nicht ungefährlich seien. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ralf Stegner erklärte Anfang März 2023: ‚Es ist sehr ungewöhnlich, dass man bei einem Angriff wie diesem – einem spektakulären Angriff wie diesem – nach Monaten keine Informationen hat, die öffentlich sind‘, sagte Stegner. ‚Ich kann mich an kein vergleichbares Ereignis erinnern, bei dem wir etwas Ähnliches gesehen hätten‘.“
Gaza und Westbank rechtswidrig besetzt
(25. Juli 2024)relativ ausführlich bespricht der Völkerrechtler Matthias Goldmann im IPG-Journal (online) das Urteil des IGH zur Rechtmäßigkeit der Besatzung palästinensischer Gebiete durch Israel – und wundert sich einleitend über das „verhältnismäßig geringe Medienecho“. Denn eigentlich müsse das Urteil „völkerrechtliche und geopolitische Konsequenzen nach sich ziehen – auch für Deutschland“.
„Der internationale Gerichtshof bewertete nämlich kurzerhand die gesamte israelische Besatzung des palästinensischen Gebiets, einschließlich Gaza, für rechtswidrig… Entgegen dem Anraten der USA, sich aus aktuellen Konflikten herauszuhalten, stellt der IGH in seinem neuerlichen Gutachten zunächst fest, dass Israel das gesamte palästinensische Territorium besetzt hält… Somit gelte auch Gaza vor dem 7. Oktober 2023 bereits als besetzt… Israel habe es nach seiner Siedlungspolitik und den weiteren, unter der ersten Frage untersuchten Handlungen darauf angelegt, das Westjordanland zu annektieren. Mithin sei die Besatzung rechtswidrig; Israel müsse so bald wie möglich abziehen. Dies betrifft alle Teilgebiete des palästinensischen Territoriums, einschließlich Gaza. Für rechtswidrig besiedelte Orte müsse Israel Reparationen leisten.“
Soweit ein knappe Zusammenfassung der deutlich ausführlicheren jursitischen Würdigung des Urteils durch Goldmann, der auch darauf verweist, dass das Urteil „mit überwältigender Mehrheit der Richterinnen und Richter erging, einschließlich der Stimmen der amerikanischen Richterin Sarah H. Cleveland und des deutschen Richters Georg Nolte.“
Die nun vermeintlich ausstehende Neuausrichtung versucht Goldmann dann – etwas befremdlich – mit der ausgerufenen „Zeitenwende“ zu vermischen. Auf jeden Fall erkennt er im gegenwärtigen außenpolitischen Handeln der Bundesregierung klare Inkonsistenzen:
„Dass der IGH nun die gesamte israelische Besatzungspolitik als völkerrechtswidrig einstuft, dies keineswegs auf die Taten der Netanjahu-Regierung begrenzt und damit der israelischen Justiz und Politik – die gerade die Zweistaatenlösung abgelehnt hat – kein gutes Zeugnis ausstellt, macht den Widerspruch zwischen der deutschen Israel-Politik und dem in der Zeitenwende beschworenen universellen Völkerrecht offensichtlich.“
100 Mrd. Lücke?
(25. Juli 2024)In diesem Jahr werden die Rüstungsausgaben mit prognostizierten 90,58 Mrd. Euro erstmals die ominösen 2% des Bruttoinlandsproduktes übertreffen (2,12%). Auch für die folgenden Jahre ist mit Ausgaben in ähnlicher Höhe zu rechnen (siehe IMI-Standpunkt 2024/14). Trotz sprudelnder Gewinne hindert dies Christoph Atzpodien, Chef des wichtigsten deutschen Rüstungslobbyverbandes BDSV, nicht daran, völlig ungeniert eine riesige Deckungslücke zu identifizieren, die geschlossen werden müsse. Im Fokus wird er folgendermaßen zitiert: „Diese Lücke, die wir bezogen auf die Bedarfe der Bundeswehr bis einschließlich 2028 mit weiteren 100 Milliarden Euro beziffert haben, die muss gefüllt werden.“ (jw)
Olympia: Sportsoldat*innen
(25. Juli 2024)Ein wichtiges Mittel, um den Ruf der Bundesweh aufzupolieren sind die von ihr geförderten Sportsoldat*innen (siehe IMI-Studie 2019/2). Das gilt natürlich auch aktuell für die anstehnden olympischen Spiele – dazu schreibt der Behördenspiegel: „Rund ein Drittel der deutschen Olympionikinnen und Olympioniken bei den Sommerspielen 2024 in Paris sind Sportsoldatinnen und Sportsoldaten der Bundeswehr. In absoluten Zahlen entspricht das 169 Athletinnen und Athleten.“ (jw)
U18: Höchststand
(25. Juli 2024)Unter anderem das Bündnis „Unter 18 nie!“ setzt sich gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr ein. Die WirtschaftsWoche berichtet über die neuesten Zahlen: „Die Bundeswehr hat in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 7.681 Minderjährige rekrutiert. Das geht aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Gruppe der Linken im Bundestag hervor. Ein Höchstwert wurde demnach im vergangenen Jahr mit 1.996 Rekruten unter 18 Jahren verzeichnet, nach 1.773 im Jahr davor.“ (jw)
Rüstungsbericht: Kosten
(25. Juli 2024)Im neuen Rüstungsbericht der Bundeswehr wird einmal mehr über den Stand der Großprojekte informiert. Auffällig sind die schon jetzt ordentlichen Kostensteigerungen einiger der jüngeren Vorhaben: Die Eurodrohne kostet 1,3 Mrd. Euro (38%) mehr als veranschlagt, die Fregatte F-126 810 Mio. Euro (13%) und das U-Boot U212CD 396 Mio. Euro (14%), (jw)
Ukraine: Umfragen
(24. Juli 2024)Eine wachsende Zahl der Befragten in ukrainisch kontrollierten Gebieten spreche sich für die Aufgabe eines Teils des Territoriums aus, um so schnell als möglich zu einem Frieden zu gelangen. Dies habe laut antiwar.com eine Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS)ergeben: „It found that 32% of respondents agreed that Ukraine could give up territory to achieve peace as quickly as possible, while 55% opposed the idea. […] When KIIS asked the question in May 2023, only 10% agreed with territorial concessions for peace. In December 2023, 19% favored the idea.“ (jw)
EU: Offensive Aufstellung
(24. Juli 2024)Gestern wurde FDP-Frontfrau Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Renew) zur Vorsitzenden des Unterausschusses für Sicherheit und Verteidigung (SEDE) gewählt. Wahrscheinlich wird das Gremium künftig zu einem Vollausschuss aufgewertet, eine diesbezügliche Entscheidung wird in Kürze erwartet. Zusammen mit anderen EU-Spitzenposten ist die Botschaft jedenfalls klar, der militärnahe Journalist Björn Müller schrieb auf „X“: „Strack-Zimmermann Vorsitzende des #Verteidigungsausschuss im #EU-Parlament. Katja Kallas ist designierte Außenbeauftragte. Die bis dato offensivste Aufstellung der Union in der Außen- u. Sicherheitspolitik seit ihrem Bestehen.“ (jw)
Ukraine: Stellungskrieg
(24. Juli 2024)Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer wiederholte noch einmal seine Einschätzung, in fünf bis acht Jahren seien Moskaus Streitkräfte materiell und personell für einen Angriff auf NATO-Gebiet in der Lage – Grundlage für die Einschätzungen seien laut Welt: Er nannte eigene Analysen, Hinweise von Geheimdiensten und verbündeten Streitkräften sowie Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin als Grundlage für die Einschätzungen.“
Außerdem geht Breuer von einem verfestigten Frontverlauf in der Ukraine aus, wörtlich wird er in der Welt folgendermaßen zitiert: „Wir werden auf dem ukrainischen Gefechtsfeld absehbar keine weiträumigen Bewegungen erleben. Der Verlauf und die Befestigung der Front machen dies weitgehend unmöglich“, sagte Breuer. Und: „Kleine langsame Operationen sind denkbar, großangelegte Offensiven nur schwer. Ein Zusammenziehen von Truppen würde sofort erkannt und zu Gegenmaßnahmen führen.“ Update: Eine ziemlich entgegengesetzte Position vertrat gestern der österreichische Militärexperte Markus Reisner bei n-tv: „Entlang der gesamten Front im Donbass greifen die Russen an und wir sehen nun zunehmend mehr Einbrüche in die ukrainischen Stellungen. […] Für die ukrainischen Truppen ist die Front überdehnt. Sie mussten wichtige Reserven Richtung Charkiw verschieben, als die Russen dort angegriffen hatten. Diese Truppen fehlen im Donbass und ermöglichen es den Russen, dort erfolgreich zu sein.“ (jw)
NATO vs. Russland: Überlegen
(23. Juli 2024)Nicht alle aus dem SPD-Umfeld teilen die Auffassung, aus Sicherheitsgründen müsse nun umfassend aufgerüstet werden. So schreibt etwa Ernst Hillebrand, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Budapest, bei der Internationalen Politik und Gesellschaft: „Eine seltsame Begeisterung für das Militärische hat dieses Land ergriffen und vor allem seinen politischen Betrieb. […] Für an Fakten und Zahlen orientierte Staatsbürger sind diese Forderungen nicht ganz einfach zu verstehen. […] Egal welche Indikatoren man heranzieht – rein numerische oder auch qualitativ bewertende –, ist die NATO Russland haushoch überlegen. Dies gilt, so das Webportal Global Firepower Index, selbst für Szenarien, in denen die NATO lediglich 25 Prozent ihrer Kapazitäten zum Einsatz bringt, Russland aber 75 Prozent.“ (jw)
Friedensforum: Aufruf
(22. Juli 2024)Anlässlich der angekündigten Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland ruft das Nürnberger Friedensforum dazu auf aktiv zu werden und den Aufruf „Nein zu Deutschland als Kriegspartei – Nein zu neuen Mittelstreckenraketen!“ unter https://friedenschaffen.net/. zu unterzeichnen, um eine starke öffentliche Kritik zu verdeutlichen. Das Friedensforum schreibt: „Wir fordern die Aufnahme von Verhandlungen über einen Waffenstillstand und den Beginn ernsthafter Friedensverhandlungen. Dies ist sowohl in der Ukraine als auch im Nahen Osten dringend notwendig […] Wir prangern die sinnlose Vergeudung von Geld und Ressourcen durch Hochrüstung an und warnen vor einem gefährlichen Wettrüsten. Die brandgefährliche Stationierung von Mittelstreckenraketen auf dem Gebiet der BRD muss verhindert werden. Durch diese Waffen, die für einen nuklearen Erstschlag eingesetzt werden können, machen wir uns zur Zielscheibe für einen solchen.“ (yd)
Ukraine: Kriegssteuer
(22. Juli 2024)Laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung (via Bpb-Newsletter) will die Ukraine u.a. die „Kriegssteuer“ für die Bevölkerung deutlich erhöhen: „Die Abgabe könnte nach den Plänen von bisher 1,5 auf 5 Prozent auf Einkommen steigen, teilten Regierungsvertreter in Kiew mit. Auch durch andere Steuererhöhungen, durch Kreditaufnahmen und durch die Umschichtung von Ausgaben im Haushalt sollen demnach rund 500 Milliarden Hrywnja (rund 12,4 Milliarden Euro) zusätzlich für die Finanzierung der Streitkräfte zusammenkommen, hieß es. Das Ministerkabinett billigte in Kiew einen Gesetzentwurf zur Änderung des Staatshaushalts und des Steuergesetzes.“ (jw)
Rüstungsstrategie: Roter Teppich (II)
(22. Juli 2024)Schon im Mai wurde berichtet, unter Federführung des Wirtschaftsministeriums befinde sich eine Neuauflage des Strategiepapiers der Bundesregierung zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Arbeit (siehe IMI-Aktuell 2024/329). Es solle bereits im August erscheinen, heiß es nun u.a. bei n-tv und vor allem bei Genehmigungsverfahren „Fortschritte“ bringen: „Laut „Handelsblatt“ sollen in dem Strategiepapier unter anderem beschleunigte Genehmigungsverfahren für die Errichtung von Rüstungsfabriken in Deutschland verankert werden. Nach dem Vorbild von Terminals für Flüssiggas (LNG) könnte der Gesetzgeber demnach Fristen verkürzen und Einspruchsmöglichkeiten durch Bürgerinitiativen beschränken, berichtete die Zeitung.“ (jw)
Essen: Polizeigewalt
(19. Juli 2024)Wie das Bündnis widersetzen, das Ende Juni Aktionen zivilen Ungehorsams gegen den AfD-Parteitag organisiert hatte, im Rahmen einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag (18. Juli) mitteilte, kam es bei den Protesten zu zahlreichen Fällen von Polizeigewalt und Grundrechtsverletzungen gegen Demonstrant*innen. Die Ergebnisse ihrer Aufarbeitung seien im Kontext der zunehmenden Einschränkungen von demokratischen Protestbewegungen in Deutschland und Europa zu verstehen und zeigten, ein schockierendes Bild einer intendierten Eskalation und Kriminalisierung der zivilgesellschaftlichen, friedlichen Demokratiebewegung, so das Bündnis. „Wie kann es sein, dass Minderjährige, Familienväter und Rentner*innen friedlich gegen die AfD protestieren und dabei mit Verletzungen und traumatischen Erfahrungen durch Polizeikräfte nach Hause gehen? Und wie kann es sein, dass wir darüber kaum etwas in den Zeitungen lesen? Hier geht es nicht um einen Einzelfall, sondern einen zutiefst demokratiegefährdenden, europaweiten Trend der Kriminalisierung friedlicher Protestbewegungen, den wir gesellschaftlich problematisieren müssen. Dazu gehört auch, dass Journalist*innen diesen Geschehnissen nachgehen und es vermeiden, die Aussagen der Polizeikräfte als einzige objektive Informationsgrundlage zu nutzen“, so Alassa Mfouapon, Pressesprecher des Bündnisses. (yd)
Soziales rauf- Rüstung runter
(19. Juli 2024)Wie Verdi München und GEW mitteilten rufen sie unter dem Motto „Soziales rauf – Rüstung runter“ dazu auf am Samstag, den 12. Oktober 2024, zur Kundgebung und Großdemonstration ab 14 Uhr auf den Odeonsplatz in München zu kommen. Im Aufruf heißt es u.A: “ Die Kürzungspolitik der Bundesregierung bedeutet allein für 2024 Milliardeneinschnitte für Millionen von Menschen! Ausgerechnet sozial Benachteiligte, Bedürftige und Schutzsuchende sollen noch stärker bluten: z.B. bei Renten, beim Bürgergeld und bei Asylleistungen. […] Welches Ressort aber muss als einziges im Bundeshaushalt 2024 nicht sparen? Der Etat des Bundesverteidigungsministeriums: Zu den 100 Mrd. Sonder-„Vermögen“ kommen nicht nur in diesem Jahr mindestens 2% vom BIP (Brutto-Inlands-Produkt) hinzu. Macht aktuell zusammen ca. 180 Mrd. Euro. Als ob man mit Hochrüstung und atomarer Abschreckung Kriege verhindern und Frieden sichern kann. Im Gegenteil: Die Kriegsgefahr erhöht sich. Und mehr noch: Finanzminister Lindner (FDP) will die Sozialausgaben auf drei Jahre einfrieren, um diese Hochrüstung zu finanzieren. […]Dabei wird es nicht bleiben, und das Geld für die jährliche Aufrüstung wird künftig im sozialen Bereich fehlen: für Klimaschutz, Gesundheit, Bildung, Kultur, Integration, Gleichstellung, für den Wohnungsbau und das Verkehrswesen etc. Wir brauchen Milliardeninvestitionen in eine menschenwürdige, lebenswerte Gesellschaft für alle – statt Milliarden für Hochrüstung und Bundeswehr.“ Details u. a. zum Ablauf und der Demoroute gibt es unter www.muenchen.verdi.de. (yd)
Permanenter Alarmzustand
(19. Juli 2024)Auch der ehemalige Brigadegeneral Helmut W. Ganser warnt in der taz vor den möglichen Folgen einer Stationierung von Mittelstreckensystemen in Deutschland: „Die USA könnten in der russischen Wahrnehmung aufgrund der Reichweite, Zielpräzision und eventuell bunkerbrechenden konventionellen Sprengkraft dieser neuen Waffensysteme von Deutschland aus strategische Atomwaffen, die in den westlichen Bezirken Russlands stationiert sind, mit kurzen Flugzeiten ausschalten. Die USA würden solche Angriffe zwar nicht führen, weil dies in einen großen Atomkrieg zwischen beiden Mächten münden würde. Aber allein diese Angriffsoption wäre destabilisierend und gefährlich, weil Russland im permanenten Alarmzustand verharren würde und weil Fehlalarme im schlimmsten Fall zum Start von Atomraketen führen können. Überdies muss wohl davon ausgegangen werden, dass mit der Stationierung der Marschflugkörper und Hyperschallgleiter eine Verlängerung des 2026 auslaufenden New-Start-Vertrags mit Obergrenzen für die strategischen Atomwaffen beider Seiten unmöglich wird.“ (jw)
Ukraine: Halbierte Waffenhilfe?
(19. Juli 2024)Laut antiwar.com sieht der Entwurf für des Bundeshaushalts 2025 eine Halbierung der deutschen Waffengelder für die Ukraine vor: „According to Germany’s draft budget for 2025, Berlin will bring its spending on Ukraine to 4 billion euros ($4.35 billion), down from 8 billion euros ($8.7 billion).“ Allerdings war auch in vorherigen Haushalten am Ende die ursprünglich angesetzte Zahl weit übertroffen worden. (jw)
Ukraine: Verhandlungsbereit?
(18. Juli 2024)In ihrem Ukraine-Liveticker berichtete die FAZ über neue Umfrageergebnisse aus der Ukraine: „Mehr als 40 Prozent sind für Friedensgespräche mit Russland, wie eine repräsentative Umfrage des ukrainischen Rasumkow-Zentrums im Auftrag des Internetportals Dserkalo Tyschnja ergab… Dabei sprachen sich vor allem Einwohner der zentralen und südlichen ukrainischen Gebiete für den Beginn offizieller Verhandlungen mit Moskau aus (49 Prozent in den zentralen, 60 Prozent in den südlichen Gebieten)… Mehr als 80 Prozent sind gegen die von Putin geforderten weiteren Gebietsabtretungen an Moskau. Gut 76 Prozent lehnen die Aufhebung der Russland-Sanktionen ab und knapp 60 Prozent sprechen sich auch gegen einen neutralen Status für die Ukraine aus.“
Land Cruise Missile
(18. Juli 2024)In Ergänzung zur angekündigten Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen ab 2026 wurde die Entwicklung eines europäischen Systems namens „Land Cruise Missile“ (LCM) angekündigt. Es soll von MBDA bestehend aus Airbus (Deutschland/Frankreich), BAE Systems (Großbritannien) und Leonardo (Italien) entwickelt werden. Das Handelsblatt liefert einige Details: „Die Industrie hat die Entwicklung der neuen europäischen „Abstandswaffe“ bereits eingeleitet. […] Doch das neue System braucht deutlich mehr Reichweite, die Rede ist von einer Distanz von bis zu 2000 Kilometern. Das LCM soll nicht nur von Schiffen, sondern auch von Abschusseinrichtungen an Land, zum Beispiel Lastwagen, eingesetzt werden können.“ (jw)
Bayern: Gesetz beschlossen
(18. Juli 2024)Das Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern eröffnet die Möglichkeit, unter anderem Schulen und Hochschulen eine enge Kooperationspflicht mit der Bundeswehr vorzuschreiben (siehe IMI-Analyse 2024/07). Dieses Gesetz wurde gestern beschlossen, berichtet unter anderem Legal Tribune Online: „Per Gesetz verpflichtet die Staatsregierung Hochschulen und Schulen zu einer engeren Kooperation mit der Bundeswehr. […] Kritiker beklagen, dass das Gesetz unzulässig in die Autonomie der Hochschulen, in die Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit und in die Grundrechte von Wissenschaftlern eingreife und zudem gegen die Gewissensfreiheit an Schulen verstoße.“ (jw)
DFG-VK: Eskalationsgefahr
(17. Juli 2024)In einer neuen Pressemitteilung äußert die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) scharfe Kritik an der kürzlich verkündeten Entscheidung, ab 2026 US-Mittelstreckenraketen in Deutschland zu stationieren und betont die damit verbundene erhebliche Gefahr für die Sicherheit in Europa. Darin heißt es unter anderem: „Die geplante Stationierung der neuen US-Mittelstreckenraketen, darunter Tomahawk-Marschflugkörper und Hyperschallwaffen, ist ein weiterer Schritt zu mehr Eskalation, wird Deutschland zu einem potenziellen Ziel eines gegnerischen Schlags machen und erhöht drastisch die Kriegsgefahr. Denn Mittelstreckenraketen lassen sich praktisch ohne Vorwarnzeit abfeuern und treffen binnen Minuten ihr Ziel – eine politische Reaktion ist kaum mehr möglich. Zudem lassen sich atomare und konventionelle Geschosse beim Anflug nicht unterscheiden.“
Des Weiteren fordert die DFG-VK die Bundesregierung in der Pressemitteilung auf, dieser gefährlichen Entwicklung entschieden entgegenzutreten und keine Mittelstreckenraketen auf deutschem Boden zuzulassen und stattdessen aktiv für neue Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge zu werben, um Frieden und Sicherheit in Europa zu gewährleisten. (yd)
Vortrag: Combatants for Peace
(17. Juli 2024)Am kommenden Montag (22.7) wird um 19 Uhr im Gemeindehaus Lamm, Am Markt 7, eine Veranstaltung mit Rotem Levin und Osama Eliwat für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina stattfinden. In der Ankündigung heißt es: „Rotem Levin, Ex-Kämpfer für Israel, und Osama Eliwat, Ex-Kämpfer für Palästina, berichten, warum sie sich weigern, Feinde zu sein und über ihren Kampf für einen gerechten Frieden für Israelis und PalästinenserInnen“. Zur Veranstaltung laden das Unikomitee für Palästina Tübingen, AK Palästina TÜ, Flüchtlingskinder im Libanon e.V. und die Evangelische Studierendengemeinde Tübingen. (yd)
Civaka Azad: Gegendarstellung
(17. Juli 2024)Im Bezug auf Meldungen, dass der türkische Präsident Erdoğan ein Ende der Militäroffensiven in Syrien und im Irak angekündigt habe, warnt Civaka Azad in einer Gegendarstellung zu den Pressemeldungen über ein Ende türkischer Angriffe davor, dass Erdoğan kein Ende des Krieges in Kurdistan, sondern dessen Eskalation plane. Seit Jahresbeginn habe die Türkei 1076 Angriffe auf die Kurdistan Region des Irak durchgeführt, allein 238 seit dem Start der jüngsten Offensive am 15. Juni, wobei die Einwohner:innen von 162 Dörfern bereits vertrieben worden seien, während weitere 602 Dörfer von Zwangsmigration bedroht seien und auch Şengal, der Lebensraum vieler Ezid:innen, regelmäßig Ziel türkischer Angriffe sei. Erst vor wenigen Tagen sei etwa der Journalist Murat Mîrza İbrahim bei einem Drohnenangriff getötet worden. In der Pressemitteilung heißt es weiter: „In der Kurdistan Region des Irak verfügt die Türkei bereits über 71 Militärbasen in einem Radius von 30 km landeinwärts. Zusätzlich wurden in den vergangenen Wochen 300 Panzer in die Region verlegt. Das Medienunternehmen Spee hat Dokumente veröffentlicht, wonach der türkische Staat plant, mehr als 800 syrische paramilitärische Banden, v.a. IS Mitglieder, in Uniformen der türkischen Armee einzuschleusen.“ (yd)
Litauen-Brigade: Verspätung
(17. Juli 2024)Eine „komplette Kleinstadt für rund 10.000 Menschen (5.000 Soldaten und Zivilangestellte plus Familien)“ auf einer Größe „etwas größer als die Stadtfläche von Mannheim“ will die Bundeswehr im Zuge der Stationierung ihrer Brigade in Litauen errichten, berichtete unlängst die Europäische Sicherheit & Technik. Zum Zeitplan äußert sich die Bundeswehr selbst heute noch optimistisch: „Die Ankunft des Vorkommandos der Brigade Litauen vor Ort am 8. April 2024 war ein bedeutender Meilenstein für die Bundeswehr. Seit dem Eintreffen vor 100 Tagen arbeiten die Soldatinnen und Soldaten intensiv an den Vorbereitungen zur vollständigen Stationierung des Großverbands, die bis 2027 abgeschlossen sein soll.“ Draus wird so wohl so aber nichts, wie ebenfalls heute von der Nachrichtenagentur dts berichtet wird: „Die Indienststellung der Bundeswehrbrigade in Litauen verzögert sich offenbar. […] Demnach könnte die Brigade erst Ende 2028/Anfang 2029 voll einsatzbereit sein, so ‚Business Insider‘.“ (jw)
US-Waffenstationierung: Umfrage
(17. Juli 2024)Die Ankündigung, ab 2026 würden US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert, sorgt für Aufsehen (siehe IMI-Analyse 2024/33). Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Stern (leider ohne Angabe zum sample) ergab folgendes Ergebnis: „47 Prozent der Bundesbürger fürchten, dass die Stationierung von Langstreckenwaffen das Risiko für einen Konflikt zwischen Russland und dem westlichen Verteidigungsbündnis erhöht. Nur 17 Prozent nehmen das Gegenteil an.“
Rheinmetall als Kriegs-Profiteur
(16. Juli 2024)Die deutsche Rüstungsindustrie hilft bei der Bereitstellung von Materialien für die Bundeswehr aus, allen voran geht dabei Rheinmetall. Die Firma bekommt etliche staatliche Aufträge der Bundeswehr, für schwere Waffen und Munition. So geht ein erheblicher Teil des staatlichen Sondervermögens an einen Rüstungskonzern und kurbelt somit dessen Profite kräftig an.
Der Süddeutschen Zeitung sagte der Rheinmetall Vorstandsvorsitzende Armin Papperger kürzlich: „Sie können davon ausgehen, dass am Ende zwischen 30 und 40 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zu uns kommen.“ Und zwar „für Flugabwehr, Lkw, Munition, unseren Anteil am F35-Programm, und vieles mehr“. Es müsse aber noch mehr (im Bundeshaushalt) „umgeschichtet“ werden, um in Zukunft wieder „kriegstüchtig“ zu sein. Ohne weiteres Geld sei „die Zeitenwende im Jahr 2026 beendet“. Deutschland habe dann zwar „mehr militärisches Gerät“, könne aber dessen Einsatz und die benötigten Soldat*innen „nicht mehr bezahlen“. Außerdem bräuchten ‚Wir‘ „einen Rüstungs-Champion“ um in „einer Liga mit den Amerikanern“ zu spielen, so Papperger.
EU-Gelder und staatliche Investitionen in ‚mehr Sicherheit‘ bedeuten auch steigende Marktmacht und Profite für Rheinmetall. *
Rheinmetall ist nicht nur heute profitierend in Krieg und Ausbeutung involviert. Im Zweiten Weltkrieg war die Firma Rheinmetall-Borsig AG eine der wichtigsten deutschen Waffen- und Munitionsproduzentenhatte, durch Kollaboration mit den Nationalsozialisten profitierten sie unmittelbar am Vernichtungskrieg und der Versklavung von Millionen Menschen. Allein am Produktionsstandort Unterlüß in der Lüneburger Heide gab es mehrere Lager mit Tausenden von Insassen, die in der Munitionsfabrik arbeiten, Schützengräben buddeln, Luftschutzbunker und Straßen bauen und den Untergrund für eine neue Fabrik planieren mussten, die einem anderen Rheinmetall-Betrieb in Neulüß 12 km weiter angegliedert werden sollte. Viele Mädchen arbeiteten am Fließband und mussten Patronen und Granaten mit ätzendem Sprengstoff füllen. Aus dem Außenlager Tannberg des Konzentrationslagers Bergen-Belsen wurden Tausend osteuropäische jüdische Frauen als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt, die für die Zwangsarbeit aus dem Vernichtungslager Ausschwitz nach Niedersachsen verlegt worden waren. **
*Interview: „Wir sind keine Kriegsgewinner“ in der Süddeutschen Zeitung vom 10.05.2024
**“Rheinmetall – zwei Seiten einer Konzerngeschichte, Gedenken,
Zwangsarbeit im Faschismus bei der Firma Rheinmetall-Borsig und der Rüstungsstandort Unterlüß
rheinmetallentwaffnen.noblogs.de (rw)
Mittelfristige Finanzplanung: Zahlen
(16. Juli 2024)Vorletzten Freitag hatten sich die Ampel-Spitzen auf den Rahmen für den Haushalt 2025 und den Mittelfristigen Finanzplan bis 2028 verständigt, der morgen vom Kabinett verabschiedet werden soll (siehe IMI-Standpunkt 2024/14). Einige konkrete Zahlen fehlten aber noch, die nun zB bei Augengeradeaus zu finden sind: 2025: 53,25 Mrd. Euro; 2026: 53,25 Mrd. Euro; 2027: 53,5 Mrd. Euro; 2028: 80 Mrd. Euro. Sofort fällt der Sprung um über 26 Mrd. zwischen 2027 und 2028 ins Auge, der „nötig“ wird, will man die Beträge aus dem dann beendeten Sondervermögen kompensieren. (jw)
Türkische Invasion im Irak
(15. Juli 2024)Wie ANF berichtete geben zur Zeit viele verschiedene Akteur*innen Erklärungen zur Invasion der Türkei in der Kurdistan-Region im Irak ab, über die auch am Rande des NATO-Gipfels in Washington gesprochen wurde. In dem Aufruf „Kurdistan gegen Besatzung und Verrat verteidigen!“ erklärte zuletzt der KCDK-E, dass die Türkei die Guerillagebiete, die Kurdistan-Region im Irak, Rojava und das ezidische Kerngebiet Şengal in Vernichtungsabsicht angreife und geschlossener Widerstand notwendig sei: „Der türkische Staat und seine Besatzungstruppen wollen alle von der kurdischen Freiheitsbewegung erkämpften Errungenschaften auslöschen. Sie wollen siegen und erklären dafür zivile Siedlungsgebiete, den Boden, die Wälder, die Tiere und alle Lebewesen in Kurdistan zum Angriffsziel. In Kurdistan werden Dörfer entvölkert und Wälder niedergebrannt, die Natur wird zerstört. Die türkische Armee setzt islamistische Söldner ein, um Massaker zu begehen. Für den schmutzigen Krieg werden Unsummen ausgegeben, und die armen Bevölkerungsteile der Türkei sollen die Wirtschaftskrise ausbaden. Das Ziel des türkischen Staates sind Besatzung und Annektion. Weil die faschistische AKP/MHP-Regierung in ihrem Vernichtungsfeldzug von internationalen Mächten unterstützt wird, hat dieser Krieg auch eine globale Dimension.“ Die türkische Armee nutze die politische Instabilität im Irak und in Südkurdistan, um sich in der Region festzusetzen, sei in weiten Teilen der Behdînan-Region präsent und kontrolliere die Bevölkerung, während Dörfer bombardiert und Menschen vertrieben werden, so ANF-News. Weil Bagdad und alle weiteren involvierten Stellen dazu schweigen, sei außerdem davon auszugehen, dass die Annektion von Teilen des irakischen Territoriums auf internationalen und regionalen Absprachen beruhe. Der kurdische Europaverband KCDK-E hat europaweite Proteste gegen den Krieg in Kurdistan angekündigt. Am vergangenen Samstagabend haben Aktivist*innen bereits unter dem Motto „Verteidige Kurdistan gegen Invasion und Verrat“ vor dem Parlamentsgebäude in Wien gegen die türkischen Besatzungsangriffe auf die kurdische Autonomieregion im Irak protestiert. Die Demonstrant:innen riefen nach Angaben von ANF„Türkische Armee raus aus Kurdistan!“ und „NATO finanziert, Türkei bombardiert“ und verurteilten das internationale Schweigen zu der türkischen Militäroperation im Nordirak. (yd)
NATO-Gipfel: Absage
(15. Juli 2024)Betrachtet man die Ergebnisse des jüngsten NATO-Gipfels, fällt neben den diversen Beschlüssen (40 Mrd. Euro „Ukraine-Hilfe“….) vor allem der laute Knall auf, mit dem das Bündnis in seiner Abschlusserklärung möglichen Verhandlungen mit Russland die Türe zuschlägt: „Russia must immediately stop this war and completely and unconditionally withdraw all of its forces from Ukraine in line with UN General Assembly resolutions. We will never recognise Russia’s illegal annexations of Ukrainian territory, including Crimea.“ (jw)
KDV: Stellungnahme
(15. Juli 2024)Anlässlich eines Interaktiven Dialogs über die Situation in der Ukraine im Rahmen der 56. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats vom 10. Juli veröffentlichte Connection e.V. gemeinsam mit War Resisters International eine Erklärung, in der das Ende des Krieges in der Ukraine und der Schutz der Menschenrechte der Kriegsgegner*innen gefordert und die Lage des Menschenrechtsverteidigers Yurii Sheliazhenko und seiner Organisation, der Ukrainischen Pazifistischen Bewegung, thematisiert wurden. Darin heißt es u.A: „Wir möchten diesen Rat auch auf die besorgniserregende Situation derjenigen aufmerksam machen, die sich weigern, an diesem Krieg teilzunehmen, und die daran gehindert werden, ihr Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung wahrzunehmen […] Aus den besetzten Gebieten wurde von Zwangsinhaftierungen russischer Kriegsverweigerer2 sowie von Inhaftierungen und Verfahren gegen mehrere Priester berichtet.3 Der neue Bericht des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO) stellt schwerwiegende Verstöße gegen das Recht auf Kriegsdienstverweigerung in der Ukraine fest. Das Recht wurde in der Praxis ausgesetzt.4 […] So werden ukrainische Verweiger*innen mit Geldstrafen6 verfolgt und in einigen Fällen willkürlich [von Militärrekrutierern]7 inhaftiert. […] Wir fordern Russland auf, die illegale bewaffnete Besetzung der Ukraine zu beenden, die Militärdienstpflicht in den besetzten Gebieten [die gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt14] und die Militarisierung des Schulsystems in der Region einzustellen15. Wir fordern die Ukraine auf, die Verfolgung von Kriegsdienstverweiger*innen und sie unterstützende Menschenrechtsaktivist*innen einzustellen.“ (yd)
Haubitze: Sondervermögen
(15. Juli 2024)KNDS soll laut Bundeswehr-Journal (auf Basis eines Spiegel-Online-Berichtes) in großem Stil Artillerie-Radhaubitzen RCH 155 an die Buneswehr liefern. Bezahlt sollen die Waffen aus dem Sondervermögen: „Wie der SPIEGEL berichtete, soll eine erste RCH-155-Tranche von rund 80 Systemen für das Heer ‚gut zwei Milliarden Euro kosten‘. Diese Ausgaben sollen im Wirtschaftsplan des 100-Milliarden-Sondervermögens ‚Bundeswehr‘ eingeplant sein. Das Verteidigungsministerium will den SPIEGEL-Informationen zufolge dem Parlament das Beschaffungsvorhaben ‚im vierten Quartal 2024‘ zur Entscheidung zukommen lassen.“ (jw)
Rheinmetall: Anschlagspläne?
(12. Juli 2024)Tagesschau.de fasst die Reaktionen einiger deutscher Politiker*innen auf vermeintliche russische Anschlagspläne gegen Rheinmetall-Chef Papperger zusammen, die als Reaktion eine härtere Gangart gegenüber Russland fordern. Auffällig ist, dass alle genannten Politiker*innen den Bericht und damit die Anschlagspläne und deren Urheberschaft für bare Münze nehmen. Der Bericht von CNN stützt sich jedoch nur auf fünf anonyme Quellen aus nicht näher genannten US- und westlichen Behörden. Offizielle Stellen diesseits und jenseits des Atlantiks haben hierzu keinen Kommentar abgegeben. Laut dem Bericht von CNN seien entsprechende Informationen von den USA an deutsche Stellen weitergegeben und von diesen daraufhin die Pläne vereitelt worden. Über Festnahmen oder Ermittlungen der Bundesanwaltschaft ist jedoch nichts bekannt. Die Informationen von CNN sind hochgradig unkonkret, es seien angeblich Amateure angeworben worden. Am konkretesten wird in diesem Zusammenhang von einem Ukrainer in Polen berichtet, dem über Telegram 7$ angeboten worden seien, um ein Antikriegs-Graffiti zu sprühen. Auch hier bleibt unklar, ob offizielle russische Stellen dahinterstehen. Ob diese ein entsprechendes Vorgehen nötig haben und dies plausibel ist, wird nicht in Frage gestellt.
Sicherlich kann an den Vorwürfen anonymer Quellen etwas dran sein. Nach den – offensichtlich vorschnellen – Schuldzuweisungen an Russland nach den Anschlägen auf die Nord Stream Pipelines wäre allerdings größere Zurückhaltung bei Politik und Medien angebracht. A Propos: Wie ist eigentlich der Stand der Ermittlungen zu den „gezielte[n] Anschläge auf das Rückgrat unserer Energieversorgung“ im September 2022?
Militärausgaben: 2,5%?
(10. Juli 2024)Kaum dass die vorläufige Mittelfristige Finanzplanung für 2028 eine Erhöhung von rund 53 Mrd. Euro auf 80 Mrd. Euro vorsieht, um auch nach dem Ende des Sondervermögens Militärausgaben von 2% des Bruttoinlandsproduktes zu gewährleisten (siehe IMI-Standpunkt 2024/14), legen interessierte Kreise gleich wieder nach. Bei zdf.de wird (mal wieder) Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik als Vortrommler zitiert: „Die Nato hat bereits eine neue Planung erstellt und daraus wird abgeleitet, was jeder einzelne Staat bereitstellen sollte. […] Wenn man die Kosten dafür umrechnet, würde das bedeuten, dass Deutschland über die kommenden Jahre dauerhaft 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zur Verfügung stellen muss.“ (jw)
Friedensaktivistin verurteilt
(10. Juli 2024)Wie Connection e.V berichtete, wurde die Friedensaktivistin und Leiterin des Internationalen Zentrums für Bürgerinitiativen Unser Haus (Nash Dom), Olga Karatch, die auch Vorstandsmitglied des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung ist, wegen ihrer Menschenrechtsarbeit in Abwesenheit von der belarussischen Justiz am 8. Juli zusammen mit Veranika Tsepkala, Yauhen Vilski, Anatoli Kotau und Vadzim Dzmitrenak zu 12 Jahren Haft und einer Geldstrafe von 170.000 € verurteilt. Nach Angaben von Connection e.V lauteten die Anklagepunkte: „Verschwörung zur Machtergreifung durch verfassungswidrige Mittel“ (Artikel 357 Teil 1 des belarussischen Strafgesetzbuches); „Förderung extremistischer Aktivitäten“ (Artikel 361-4, Teil 1 und 2) und „Diskreditierung der Republik Belarus“ (Artikel 369-1). Die Stellungnahme von Connection e.V., EBCO, WRI und IFOR kommentiert das Urteil wie folgt: „Die vom Brester Bezirksgericht verkündete Entscheidung sorgt für eine äußerst besorgniserregende Situation für Olga Karatch und ihre Organisation Nash Dom, die als Teil des Netzwerkes #ObjectWarCampaign Kriegsgegner*innen und Kriegsdienstverweiger*innen in Belarus unterstützt. Die Entscheidung des Gerichts richtet sich auch gegen andere Friedensaktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen aus Belarus und bedroht ihre Sicherheit.“ (yd)
Litauen: Streumunition
(9. Juli 2024)Soldat & Technik berichtet über litauische Pläne aus der Streubombenkonvention auszusteigen, die den Unterzeichnerstaaten Herstellung, Besitz, Einsatz und Weitergabe der meisten Arten Streumunition untersagt: „Die litauische Regierung hat […] einem Vorschlag des Verteidigungsministeriums zugestimmt, aus dem internationalen Abkommen über Streumunition auszusteigen. Parlament und Präsident müssen der Erklärung noch zustimmen.“ (jw)
Niger: Basenschließung
(8. Juli 2024)Lange sah es so aus, als ob sich Deutschland trotz oder gerade wegen des französischen Rückzugs militärisch in der Sahel-Region festsetzen würde. Diese Bemühungen scheinen nun gescheitert zu sein, berichtet u.a. die Tagesschau: „Die Bundeswehr wird ihren Lufttransportstützpunkt im westafrikanischen Niger aufgeben. Damit zieht sie die Konsequenz aus dem Scheitern von Verhandlungen über eine rechtliche Immunität deutscher Soldaten. Die Basis in Niamey solle bis zum 31. August geschlossen und die Soldaten nach Deutschland zurückverlegt werden, teilte das Verteidigungsministerium den Obleuten des Bundestages mit.“ (jw)
Litauen-Brigade: Dimensionen
(7. Juli 2024)Die Europäische Sicherheit & Technik wartet mit weiteren Details zur geplanten Bundeswehr-Brigade in Litauen auf: „Bis 2027 wird eine komplette Kleinstadt für rund 10.000 Menschen (5.000 Soldaten und Zivilangestellte plus Familien) errichtet. Neben dem bereits vorhandenen Truppenübungsplatz Rukla wird außerdem nahe der Hauptstadt Vilnius der neue Truppenübungsplatz Rudninkai gebaut, der für übende Panzer geeignet sein muss. Er ist mit 170 Quadratkilometern etwas größer als die Stadtfläche von Mannheim.“ (jw)
2028: Saftiger Anstieg
(5. Juli 2024)Nach dem Ende des Sondervermögens muss der Militärhaushalt von aktuell rund 52 Mrd. Euro ab 2028 stark anwachsen, um das NATO-Ausgabenziel von 2% des Bruttoinlandsproduktes zu erfüllen (zumindest solange die Union ein zweites Sondervermögen blockiert). Spiegel-Redakteur Matthias Gebauer twittert nun, dass dies nun in der aktuell in Arbeit befindlichen Mittelfristigen Finanzplanung abgebildet wird: „Jetzt habe ich es erfahren: Für 2028 steht in der Mittelfristplanung, dass der EP14 auf 80 Mrd anwachsen soll.“ Zusammen mit militärrelevanten Ausgaben nach NATO-Kriterien in anderen Ressorts könnten so tatsächlich das aktuell von der Bundesregierung auf 97 Mrd. Euro geschätzte 2%-Ziel erreicht werden. (jw)
Haushalt 2025: Erhöhung
(5. Juli 2024)Die Bild berichtet, die Ampel-Spitzen hätten sich auf Grundzüge für den Haushalt 2025 geeinigt, wobei gegenüber der Mittelfristigen Finanzplanung für 2025 (aus dem Sommer 2023) schon wieder Erhöhungen beim Verteidigugnshaushalt vorgesehen sind. Damals hieß es noch: „Die im Entwurf des Bundeshaushalts 2024 für den Einzelplan des BMVg vorgesehenen Ausgaben liegen bei insgesamt rd. 51,8 Mrd. € und damit rd. 1,7 Mrd. €über dem Finanzplanansatz 2024. Für die Finanzplanjahre 2025 und 2026 sind Ausgaben von 52 Mrd. € vorgesehen, dies entspricht einer Erhöhung ggü. dem geltenden Finanzplanansatz um 1,9 Mrd. € pro Jahr.“
Schlussendich wurden im Haushalt 2024 51,95 Mrd. Euro eingestellt, die im kommenden Jahr entgegen der Planungen nun laut Bild um 1,17 Mrd. erhöht werden sollen. Trotzdem titelt das Blatt „Pistorius verliert heftigen Milliarden-Poker“, weil er sich mit seinen Maximalforderungen – wie dies im Übrigen üblich ist – nicht durchsetzen konnte: „Bislang forderte der Verteidigungsminister 6,7 Milliarden Euro zusätzlich für neue Waffen. BILD erfuhr aus dem Verteidigungsministerium: Pistorius soll weniger als 1,2 Milliarden obendrauf erhalten. Von 1,17 Milliarden ist die Rede.“ UPDATE: Spiegel-Redakteur Matthias Gebauer twittert über einen Anstieg von 1,25 Mrd. Euro. (jw)
Sondervermögen: Satelliten
(5. Juli 2024)Spiegel Online meldet, die Bundeswehr habe bei Airbus zwei neue – und teure – Satelliten bestellt: „Das neue System wird laut Beschaffungsamt die noch in Betrieb befindlichen Satelliten ComsatBw 1 und 2 ablösen. Der Finanzbedarf des Gesamtprojektes belaufe sich auf insgesamt 2,2 Milliarden Euro, »inklusive Produktion, Herstellung und Betrieb«, heißt es in einer Mitteilung. Finanziert werde das Vorhaben aus dem Sondervermögen der Bundeswehr und ab 2027 aus dem Verteidigungsetat.“ (jw)
Rüstungsindustrie: Neueinsteiger
(5. Juli 2024)Ein Telepolis-Artikel berichtet darüber, dass immer mehr deutsche Unternehmen eine Rüstungssparte aufbauen: „Ein Beispiel ist der Motorenhersteller Deutz. Dessen Aktienkurs stieg in der vergangenen Woche um mehr als 20 Prozent, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, künftig auch Panzermotoren bauen zu wollen.“ (jw)
Klimacamp für nukleare Abrüstung
(4. Juli 2024)Am vergangenen Mittwoch (3.7) startete in Nörvenich in der Nähe der Airbase Nörvenich bei Köln ein Klimacamp gegen Atomwaffen, das unter anderem von Greenpeace, ICAN und IPPNW organisiert wurde und noch bis zum 7. Juli andauern wird. Im Aufruf heißt es: „Am Fliegerhorst Nörvenich übt die Bundeswehr im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Atombomben […] Die Klimakrise und die weltweite nukleare Aufrüstung gefähreden das Leben auf unserem Planeten. Weltweit geben die Industriestaaten Milliarden für Atomwaffen aus. Das Geld fehlt zur Bekämpfung des Hungers, der sozialen Ungleichheit und des Klimawandels, dessen Auswirkungen am stärksten den Globalen Süden betreffen[…] Treten wir gemeinsam ein für Klimagerechtigkeit, eine atomwaffenfreie Welt und den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland und den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag.“ Das Programm des Protestcamps findet sich hier. (yd)
Ukraine: US-Waffenpaket
(4. Juli 2024)Die USA haben ein neues umfangreiches Waffenpaket für die Ukraine beschlossen, berichtet u.a. das Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Das ukrainische Militär erhält dringend benötigten Nachschub. Die USA werden der Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffskriegs in Kürze weitere Militärhilfe im Umfang von rund 2,3 Milliarden US-Dollar (rund 2,14 Milliarden Euro) zur Verfügung stellen.“ (jw)
Finnland: US-Standorte
(3. Juli 2024)Finnland hat ein Abkommen unterzeichnet, das den USA bis zu 15 Militärstandorte ermöglicht, berichtet die FAZ: „Das Verteidigungsabkommen gilt als Lebensversicherung, sollte die Bedeutung der NATO unter einem möglichen Präsidenten Trump schwinden. (…) Zuvor hatte sich bereits der Auswärtige Ausschuss des Parlaments für das Defence Cooperation Agreement (DCA) ausgesprochen. Dieses regelt eine dauerhafte amerikanische Militärpräsenz im Land. Es sieht die Lagerung von Material und die Stationierung von Truppen vor; den USA wird damit der Zugang zu 15 finnischen Militärstandorten gewährt. Dort kann Amerika demnach auch Einrichtungen betreiben, die nur den eigenen Streitkräften zugänglich sind.“ (jw)
Ökonomen: Asozial
(3. Juli 2024)Was ist nur mit den Ökonomen los: Erst warb Clemens Fuest, der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo mit dem überaus fragwürdigen Spruch Kanonen statt Butter für höhere Militärausgaben (siehe IMI-Aktuell 2024/139). Dann titelte Moritz Schularick, der Chef des Instituts für Weltwirtschaft Kiel bei Spiegel Online, „Wir müssen aufrüsten für den Wohlstand“ und forderte in dem Artikel ebenfalls sich zugunsten von Kanonen statt Butter zu entscheiden (siehe IMI-Aktuell 2024/262). Und nun wird der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, u.a. in der Welt folgendermaßen zitiert: „Der Sonderfonds für die Bundeswehr beträgt 100 Milliarden Euro. Das reicht nicht aus […] Wir benötigen eine Aufstockung auf 250 bis 300 Milliarden Euro. Nur so erreichen wir eine kriegstüchtige Ausstattung unserer Armee.“ (jw)
Rheinmetall: Nächster Großauftrag
(2. Juli 2024)Rheinmetall hat laut Handelsblatt (via Bpb-Newsletter) den nächsten Großauftrag an Land gezogen, diesmal für Militär-LKW: „Ein Rahmenvertrag, der die Lieferung von bis zu 6500 Fahrzeugen im Wert von bis zu 3,5 Milliarden Euro vorsehe, sei unterzeichnet worden, teilte Rheinmetall am Montag mit. Der Haushaltsausschuss des Bundestags habe die Gelder bereits Ende Juni freigegeben. 610 Fahrzeuge mit einem Wert von über 300 Millionen Euro seien sofort geordert worden, 250 Lkw würden noch in diesem Jahr ausgeliefert.“ (jw)
Ukraine: Umfrage
(2. Juli 2024)Schon im Februar ergab eine Umfrage des Kiewer Internationale Institut für Soziologie, dass eine wachsende Zahl der Ukrainer*innen zustimmten, dass eine diplomatische Lösung im Krieg mit Russland gesucht werden sollte (72% im Vergleich zu 59% im Mai 2022 siehe IMI-Aktuell 2024/140). Diese Umfrage wird auch in einem neuen Telepolis-Artikel zitiert, zusammen mit anderen Indikatoren für eine kippende Stimmung in der Ukraine: Sinkende Zustimmungswerte für Präsident Selenskyj (Rückgang von 91% auf 63% innerhalb eines Jahre) oder eine weitere Umfrage über die Kampfbereitschaft unter ukrainischen Männern: „Eine Umfrage der ukrainischen Forschungsagentur InfoSapiens ergab jüngst, dass nur 35 Prozent der Männer, die noch nicht kämpfen, bereit sind, zu dienen. Das ukrainische Militär muss deswegen zu immer härteren Maßnahmen greifen, um sicherzustellen, dass es noch fähige Soldaten an der Front gibt.“ (jw)
EU: Neue „Diplomatin“
(2. Juli 2024)Wirklich „diplomatisch“ war die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas noch nie – besonders im Umgang mit Russland entpuppte sie sich ein ums andere Mal als Hardlinerin. Genau dies wird nun angesichts ihrer Nominierung als neue EU-Außenbeauftragte geloobt, beispielsweise in der FAZ (via Bpb-Newsletter): „Kein anderer Regierungschef in Europa ruft so entschlossen und beharrlich zum Kampf gegen Wladimir Putins Russland auf wie sie. Der Kreml hat sie sogar offiziell auf seine Fahndungsliste gesetzt. Das hat ihren Ruhm nur noch gemehrt, erst recht in Deutschland, wo die Ampelkoalition zaudert. Jetzt soll sie die nächste Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik werden, als Nachfolgerin von Josep Borrell, dem bisherigen Chefdiplomaten Europas. Das ist für Kallas nicht bloß eine Ehre. Es hilft ihr, der im Ausland mit Überschriften wie ‚Die Hellsichtige‘, ‚Die Unerschrockene‘ oder gar ‚Die Frau, vor der Putin Angst hat‘ Gerühmten, daheim in Estland aus der Bredouille. Denn dort sind ihre Umfragewerte im Keller, die Wirtschaft lahmt.“ (jw)
Militärübung im Pazifik: RIMPAC
(1. Juli 2024)Wie Democracy Now! berichtete begann am vergangenen Freitag (28. Juni) die weltgrößte internationale militärische Seeübung Rim of the Pacific (RIMPAC) in Honolulu, Hawaii. An der Übung, die noch bis zum 1. August andauern soll nehmen 25 000 Militärangehörige aus 29 Ländern teil, darunter Australien, Kanada, Südkorea, Japan, Indien, Brasilien, Chile, Mexiko, Israel und sieben europäische Staaten. Zeitgleich finden große Proteste statt, wie peoples dispatch berichtete. Dutzende von Organisationen aus dem gesamten Pazifikraum, die auf dem Protecting Oceania Summit zusammenkamen, forderten so etwa in einer Erklärung die Absage von RIMPAC. Darin heißt es unter anderem: „Wir stehen zusammen, um unsere heilige Pflicht zu erfüllen, gute Vorfahren zu sein, und lehnen die Militarisierung unserer Inseln und Ozeane entschieden ab… Diese Übungen bedrohen unsere Souveränität und unsere Gemeinschaften, menschliche und nicht-menschliche gleichermaßen, hier auf Hawaii, in Moananuiākea und überall auf der Welt.“ Die Friedensaktivistin Rose Elovitz von der Jüdischen Stimme für Frieden-Hawaiʻi kritisierte die Übung mit folgenden Worten: „Palästina ist ein Waffentestgelände für israelische Waffen, die weltweit an Käufer wie Japan, Frankreich, Brasilien, Australien und andere exportiert werden, die alle aktiv am diesjährigen RIMPAC beteiligt sind. Wie Gaza ist auch Hawaii ein Testgelände für Waffen und Schulungen. Die Bomben, die im heiligen Mākua-Tal getestet werden, sind dieselben Bomben, die auch in Gaza abgeworfen werden. Der weiße Phosphor, der dafür verantwortlich ist, dass unschuldige Palästinenser ersticken und verbrennen, ist derselbe weiße Phosphor, der in Mākua abgeworfen wird.“ (yd)
Rüstungsexporte: Plus 30%
(1. Juli 2024)U.a. die Süddeutsche Zeitung berichtet über den Anstieg der deutschen Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2024: „Vom 1. Januar bis zum 18. Juni erlaubte die Bundesregierung die Lieferung militärischer Güter für mindestens 7,48 Milliarden Euro ins Ausland. Im Vergleich zum gesamten ersten Halbjahr 2023 bedeutet das ein Plus von gut dreißig Prozent.“ (jw)
SARah: Dysfunktionale Satelliten
(1. Juli 2024)Auch in jüngster Zeit reißt die Pannenserie bei den Bundeswehr-Großprojekten nicht ab: Nach den Pumas (siehe IMI-Analyse 2023/02), den Flottendienstbooten (siehe IMI-Standpunkt 2023/024), Arrow 3 (siehe IMI-Aktuell 2024/029) oder den digitalen Funkgeräten (siehe IMI-Analyse 2023/46) wird nun über Probleme beim „Synthetic Aperture Radar“ (SARah) berichtet. SARah ist ein bildgebendes Radarverfahren zur militärischen Aufklärung, das aus drei Satelliten besteht, aber laut t-online nicht richtig funktioniert: „Bei zwei der insgesamt drei Satelliten des Systems SARah sei die operationelle Inbetriebnahme ‚aufgrund von technischen Einschränkungen‘ bislang nicht erfolgt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin.“ (jw)
Feiern ohne Militär
(28. Juni 2024)Wie der Friedensrat Müllheim mitteilte, wird es beim diesjährigen Müllheimer Stadtfest am Samstag, dem 29. Juni um 16.30 h unter dem Motto „Krieg ist kein (Stadt)Fest – Feste feiern ohne Militär“ erfreulicherweise einen Protest am Stand der Deutsch-Französischen Brigade geben. Bei dem Protest sollen Friedensballons und Flyer verteilt werden. In den Flyern heißt es treffend: „Statt einer weiteren Ausweitung der Kriege in der Ukraine, in Gaza, im Jemen und an anderen Orten in der Welt tritt der Friedensrat Markgräflerland ein für einen sofortigen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien. Im Krieg verlieren alle, es gilt den Frieden zu gewinnen, nicht den Krieg! Krieg ist nicht zu ehren. Auch nicht auf dem Stadtfest in Müllheim. Vielmehr geht es darum, uns die Hand zu reichen und gemeinsam zu beweisen, dass Geschwisterlichkeit, Solidarität und Frieden nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist. Völkerfreundschaft und Völkerverständigung haben mit Waffenbrüderschaft und gemeinsamen Kriege führen nichts zu tun. Waffen liefern keinen Frieden. Wir wollen miteinander feiern – ohne Militär!“ (yd)
Frontex: Abkommen mit Serbien
(27. Juni 2024)Nach mehr als einjährigen Verhandlungen hat Serbien mit der EU-Grenzschutzagentur Frontex ein Abkommen unterzeichnet, das vorsieht, dass Frontex in Serbien gemeinsame Einsätze starten und eigene Beamte auf serbischem Staatsgebiet ,einschließlich der Grenzen zu den benachbarten Nicht-EU-Ländern, zur Verstärkung des Grenzschutzes einsetzen darf, wie der Standard berichtete. „Eine Verstärkung des Grenzschutzes entlang der gesamten Migrationsroute ist unerlässlich, um die Zahl der irregulären Einreisen zu verringern“, so die Europäische Kommission diesbezüglich. Extreme Gewalt gegenüber people on the move in Serbien dokumentiert unter anderen Nichtregierungsorganisationen immer wieder die No Name Kitchen. Diese warnt auch immer wieder davor, dass die Aufrüstung an Personal und Technik auf der sogenannten Balkanroute dazu führt, dass Geflüchtete immer gefährlichere Routen wählen müssen, um der Grenzpolizei zu entgehen und so noch mehr Menschen als bisher an Erschöpfung, Kälte und Dehydration sterben werden. (yd)
Finanzplanung: Lackmustest
(27. Juni 2024)Am 3. Juli hätte eigentlich der Haushaltsentwurf sowie die Mittelfristige Finanzplanung für die nächsten Jahre vorgelegt werden sollen – das ist jetzt wohl erst einmal bis Ende Juli verschoben. Besonders die Mittelfristige Finanzplanung wird „interessant“, weil sie erstmals Aufschluss geben könnte, woher die Gelder für hohe Rüstungsausgaben nach dem Ende des Sondervermögens kommen sollen, erklärt die Europäische Sicherheit & Technik: „Neben dem Haushaltentwurf für das Jahr 2025 wird die Bundesregierung auch die Finanzplanung bis 2028 vorstellen. Insbesondere das Jahr 2028 dürfte von besonderem Interesse sein, da zu diesem Zeitpunkt das Sondervermögen für die Bundeswehr aufgebraucht sein wird. Die Erreichung des Zwei-Prozent-Minimums der NATO wird dann nur durch erneute Schulden oder eine extrem starke Anhebung des regulären Verteidigungshaushalts zu erreichen sein. Einem Bericht des SPIEGELS zufolge plane man im Ministerium mit einem Haushalt von ca. 97 Milliarden Euro im Jahr 2028, um allein die NATO-Vorgabe zu erfüllen. Einen Bedarf von weiteren zehn Milliarden Euro sehen man allerdings noch zusätzlich, um alle Bedarfe decken zu können. Dies entspräche einer Verdopplung des aktuellen regulären Einzelplan 14.“ (jw)
Artilleriemunition: Milliardenbestellung
(26. Juni 2024)Spiegel Online zufolge will das Verteidigungsminister für viele Milliarden Artilleriemunition bei Diehl Defence und Nammo Raufoss bestellen: „„Verteidigungsminister Boris Pistorius will nach SPIEGEL-Informationen einen weiteren milliardenschweren Deal für den Einkauf von bis zu 2,35 Millionen Schuss Artilleriemunition abschließen. […] Insgesamt hat der Rahmenvertrag ein Rekordvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro.“ (jw)
Schule: Erziehung für Wehrdienst?
(26. Juni 2024)Die Sorge geht um, dass sich zu wenige Interessent*innen für den neuen am 12. Juni vorgestellten (weitgehend) freiwilligen Wehrdienst begeistern könnten. Eine Idee, hier Abhilfe zu schaffen, nämlich über Jugendoffiziere schon in der Schule die Begeisterung zu wecken, stammt von den zwei CDU-Bundestagsabgeordneten Serap Güler und Thomas Jarzombek. In der Welt schreiben sie: „Durch das neue Konzept von Boris Pistorius für den Wehrdienst müssen sich junge Menschen mit der Bundeswehr auseinandersetzen. Deshalb ist es wichtig, dass Jugendoffiziere die Schüler informieren. […] Die Zeitenwende muss gesamtgesellschaftlich verinnerlicht werden. […] Ziel sollte es sein, dass jede Schülerin und jeder Schüler ab der 9. Klasse einmal pro Schuljahr die Gelegenheit zum sicherheitspolitischen Austausch mit einem Jugendoffizier erhält.“ (jw)
Ukraine: Zinserträge
(25. Juni 2024)Die Europäische Union hat einen neuen kreativen Weg gefunden, um die ungarischen Blockaden weiterer Gelder für Waffen an die Ukraine zu umgehen. Die Presse schreibt: „Die rund 1,4 Milliarden Euro sind Zinserträge aus eingefrorenem Vermögen der russischen Zentralbank in der EU. […] Ungarn blockiert seit Monaten die Auszahlung von EU-Geldern für Militärhilfen für die Ukraine.“ (jw)
Rheinmetall: Munition
(24. Juni 2024)Schon einige Tage älter, aber der Vollständigkeit halber hier der Verweis auf Meldungen u.a. von Zeit Online, dass Rheinmetall einen der größten Verträge der Firmengeschichte an Land gezogen hat: „Die Bundeswehr hat beim Rüstungskonzern Rheinmetall Artilleriemunition für bis zu 8,5 Milliarden Euro bestellt. Es sei ein entsprechender Rahmenvertrag über die Lieferung von Munition des Kalibers 155 Millimeter unterzeichnet worden, teilte das Unternehmen mit.“ (jw)
Putin-Paradoxon
(22. Juni 2024)Endlich weist jemand auf die völlig hanebüchenen Widersprüche hin, in die sich viele Befürworter von immer mehr Waffenlieferungen an die Ukraine verstricken. Prägnant fasste Philipp von Becker die eklatanten Widersprüche der Waffenfans in der Berliner Zeitung folgendermaßen zusammen (auch wenn man sonst ggf. nicht jedem Absatz vorbehaltslos zustimmen muss): „Das westliche Kriegs- und Aufrüstungsnarrativ ist in jedem Fall paradox: Einerseits wird Putin als böser Wahnsinniger dargestellt, der ganz Europa unterwerfen und angeblich nicht verhandeln will – auch wenn die Verhandlungen in Istanbul und mehrere Äußerungen aus jüngster Zeit das Gegenteil nahelegen. Andererseits muss die ‚Strategie‘ der Eskalation der Lieferung und des Einsatzes von Waffen, die nun auch Ziele in Russland angreifen dürfen sollen, aber darauf basieren, dass Putin kein irrationaler Wahnsinniger ist, der einen atomaren Gegenschlag auf einen Nato-Staat ausführen würde – zumindest falls der Westen keine suizidalen Absichten hat.“ (jw)
NATO: Rutte Generalsekretär
(21. Juni 2024)Nach gefühlt 100 Jahren tritt NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg demnächst ab – sein Nachfolger dürfte der ehemalige niederländische Ministerpräsident Mark Rutte werden, berichtet der Stern: „Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis zog seine eigene Kandidatur zurück, wie die Präsidentschaftskanzlei am Donnerstag in Bukarest bekanntgab. Zugleich unterstütze Rumänien nunmehr die Kandidatur Ruttes, hieß es weiter. Dies entschied der oberste Verteidigungsrat des Landes (CSAT), in dem Iohannis den Vorsitz führt. (…) Aus Bündniskreisen hieß es am Donnerstag, es sei sehr wahrscheinlich, dass Rutte nun bereits in der kommenden Woche offiziell als Nachfolger Stoltenbergs präsentiert werden könne.“ (jw)
EU: Stracker Vollausschuss?
(21. Juni 2024)Schon kurz nach der Wahl begibt sich das Europäische Parlament auf Kriegskurs. Der Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung soll zu einem Vollausschuss aufgewertet werden, heißt es bei Table Security. Und wer soll sich laut diesem Bericht bereits für die Leitung des neuen Ausschusses in spe in Stellung bringen? Ausgerechnet Oma Courage Agnes Strack-Zimmermann! (jw)
Panzer auf pump
(21. Juni 2024)Aus einer vertraulichen Vorlage für den Haushaltsausschuss des Bundestags soll laut Spiegel Online hervorgehen, dass das Verteidigungsministerium noch vor der Sommerpause die Zustimmung will, um die Leopard-Panzerflotte um rund ein Drittel vergrößern will – und das, ohne dass die Kosten dafür bislang budgetär abgesichert wären: „Trotz knapper Kassen treibt Verteidigungsminister Pistorius die Modernisierung seiner Truppe voran. Nach SPIEGEL-Informationen will er mehr als hundert Leopard-Panzer in der modernsten Version einkaufen – für fast drei Milliarden Euro. […] In den Unterlagen betont das Finanzressort, dass die Kosten für die Panzer weder durch das 100-Milliarden-Sondervermögen noch durch die bisher angepeilten Jahresbudgets des Wehrressorts für die Jahre ab 2025 abgedeckt seien. Es solle stattdessen eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung erteilt werden. Damit garantiert der Bund, dass die Rechnungen am Ende bezahlt werden und der Auftrag ausgelöst werden kann. […] Mit dem Modell schafft das Ministerium von Pistorius auch für mögliche Nachfolgeregierungen Fakten.“ (jw)
Friedenskonferenz: Bericht
(20. Juni 2024)In der Wochenzeitung Kontext findet sich ein ausführlicher Bericht über die Friedenspolitische Gewerkschaftskonferenz, die am vergangenen Wochenende in Stuttgart unter dem Motto „Waffen runter, Löhne rauf!“stattfand. Dabei seien vor allem Möglichkeiten ausgelotet worden, wie Gewerkschaften und Klimaschutzbewegung verstärkt zusammenarbeiten können, so die Kontext, die auch monierte, dass der Konferenz nur wenig Medieninteresse entgegengebracht wurde. Das Programm der Konferenz wurde aufgenommen und kann in zwei Teilen auf YouTube nachgeschaut werden. (yd)
Transportkorridore: 30 Mrd.?
(20. Juni 2024)Mit der Einrichtung von Musterkorridoren soll unter dem Schlagwort „Militärische Mobilität“ die Verlegefähigkeit von Truppen und Gerät nach Osteuropa beschleunigt werden. Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) bemängelt in diesem Zusammenhang erhebliche Defizite der Infrastruktur und fordert eine erkleckliche Summe für deren Behebung. Außerdem benennt der Bericht die dramatischen Investitionsstau der Bahninfrastruktur, nur um dann eine Prioritätensetzung nach militärischem Bedarf einzufordern: „The German government should set up a fund of at least EUR 30 billion to finance the most urgent upgrades. The investment should target existing as well as proposed military corridors and be complemented by biennial reports on the condition of all transportation infrastructure. […] The scheduled renovation of 40 high-performance DB corridors between 2024 and 2030 should be reprioritized. Routes that can be used as military corridors should take priority (e.g., renovation of the tracks between Bremen and Osnabrück and between Osnabrück and Münster currently planned for 2030)”. (jw)
Schweden: Abkommen
(20. Juni 2024)Spiegel Online zufolge ist das schon länger vereinbarte Stationierungsabkommen mit den USA nun endgültig beschlossen worden: „Im Dezember hatten sich die beiden Nato-Länder auf das Verteidigungsabkommen geeinigt. Danach dürfen US-Truppen 17 Militäreinrichtungen in Schweden nutzen. Dazu gehören Militärflugplätze und Marinestützpunkte sowie Standorte für Bodentruppen, die über das ganze Land verstreut sind und auf denen die USA Militärpersonal und -ausrüstung einsetzen und Übungen durchführen dürfen. (…) Kritiker bemängelten, das Abkommen enthalte keine Formulierungen zur Stationierung von Atomwaffen. Die Regierung wies dagegen darauf hin, dass Schwedens Position, in Friedenszeiten keine Atomwaffen auf schwedischem Boden zuzulassen, bekannt sei und respektiert werde.“ (jw)
Libanon: Israelische Offensive
(19. Juni 2024)Aktuell wird zum Beispiel im ZDF gemeldet, Israel habe eine Offensive im Libanon beschlossen: „Israels Militär hat Pläne für eine Offensive im Libanon abgesegnet und damit Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts mit der proiranischen Hisbollah-Miliz geschürt. Ranghohe Kommandeure hätten bei einer Lagebeurteilung ‚operative Pläne für eine Offensive im Libanon‘ genehmigt, teilte das Militär am Dienstagabend mit. […] Israels Außenminister Israel Katz drohte auf der Plattform X: ‚In einem umfassenden Krieg wird die Hisbollah zerstört und der Libanon schwer getroffen‘.“ (jw)
F-126: Ausgelöst
(19. Juni 2024)Kürzlich hat der Haushaltsauschuss kürzlich die Gelder für die Auslösung einer Option auf zwei weitere Fregatten F-126 bewilligt – und das, obwohl die Schiffe mit zusammen 3 Mrd. Euro deutlich teurer geworden sind. Heute nun meldet das „Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr“ die offizielle Optionsauslösung: „Nach der feierlichen Kiellegung der ersten von ursprünglich geplanten vier neuen Fregatten des Typs F126 (‚Niedersachsen-Klasse‘) Anfang Juni und genau vier Jahre nach Vertragsschluss wurde heute durch die erfolgte Optionsauslösung ein weiterer Meilenstein im bis dato größten Schiffbauprojekt für die Deutsche Marine erreicht, der die zukünftige Stückzahl der neuesten Schiffe für die Bundeswehr von vier auf sechs erhöht. Die Lieferung des fünften und sechsten Schiffes soll jeweils im Jahr 2033 und 2034 erfolgen.“ (jw)
MGCS: Absichtserklärung
(19. Juni 2024)Das deutsch-französische Panzersystem MGCS macht „Fortschritte“. Bei der Eurosatory soll gestern eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) unterzeichnet, in dem die Gründung einer Projektgesellschaft zur Entwicklung des Panzers vereinbart worden sein soll. Zum weiteren Zeitplan schreibt die Europäische Sicherheit & Technik: „Verteidigungsminister Pistorius hat am 26. April erklärt: ‚Die Verträge sollen fertig sein bis Ende des Jahres.‘ Im nächsten Jahr sei die Zeichnung der Verträge geplant. Unbestätigten Meldungen zufolge soll die 25-Mio-Euro-Vorlage bis Mitte des Jahres erarbeitet sein.“ (jw)
Frankreich: Reduzierte Präsenz
(19. Juni 2024)Ein Tweet von Björn Müller fasst die Kernergebnisse eines Beitrags bei france24 über die Reduzierung der französischen Präsenz in Afrika zusammen: „Gabun: 350 auf 100 Senegal: 350 auf 100 Elfenbeinküste: 600 auf 100 Tschad: 1000 auf 300 Unter Afrika-Kommando in Paris Künftiger Schwerpunkt: Ertüchtigung statt Ops“. (jw)
Dänemark: Blockade?
(18. Juni 2024)Spiegel Online berichtet über auf Druck der EU verfolgte dänische Pläne, russischen Schiffen den Zugang zur Ostsee abzuschneiden. Als Hebel soll die Versicherungspflicht dienen: „Solch ein Schritt könnte Russland schwer treffen – und zu einer Konfrontation mit der Führung in Moskau führen. Schließlich verläuft etwa ein Drittel des russischen Ölexports durch die dänische Meeresenge, die als Tor zur Ostsee dient. Das sind etwa 1,5 Prozent der weltweiten Öllieferungen. […] Versicherungen sind für den Fall von Kollisionen, Umweltschäden oder Angriffen für Handelsschiffe international zwingend. Mindestens 90 Prozent dieses Versicherungsmarktes werden jedoch von Anbietern aus der EU oder Großbritannien abgedeckt – Staaten, die aufgrund der Sanktionen keine russischen Schiffe mehr versichern dürfen.“ (jw)
SIPRI: mehr Atomwaffen
(17. Juni 2024)Das kostenfrei herunterladbare Kapitel des heute veröffentlichten Jahrbuch des Stockholm International Peace Research Institutes (SIPRI) mit dem Titel World Nuclear Forces berichtet mit aktualisierten Daten über eine weitere Modernisierung der Atomwaffenarsenale fast aller Atommächte, worunter neben den USA und Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, und Israel seit ein paar Jahren auch Nord-Korea aufgelistet wird.
Während die Zahlen der verfügbaren und aktiven Atomwaffen bei den westlichen Atommächten USA, Großbritannien und Frankreich, aber auch Pakistan und Israel konstant blieben, sind die Arsenale von China, Indien und auch Nordkorea angewachsen, wobei sich die Zahlen von Nordkorea auf Schätzungen anhand der Plutonium-Anreicherungskapazitäten beruhen. Den absolut stärksten Zuwachs verzeichnete China, welches sein Arsenal von 410 auf 500 erweiterte und im letzten Jahr wohl zum ersten mal Atomsprengköpfe auf direkt abschießbare Raketen in Startvorrichtungen platzierte. Die aktiven Sprengköpfe reuzierte nur Russland, welches auch, zusammen mit den USA, je 200 ausgemusterte Sprengköpfe abbaute.
Es wurde auch besonders die Abnahme der Abrüstungsdiplomatie und der gültigen Übereinkommen in der atomaren Rüstungskontrolle kritisiert. So hatte Russland im Januar 2023 seine Teilnahme am New START Abkommen und im November dann, auf die nicht Ratifizierung durch die USA verweisend, auch zumindest die Ratifizierung des Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty (CTBT) zurückgenommen. Auch das Ende der Nuklear-Diplomatie mit dem Iran und Israels fernbleiben einer regionalen Konferenz zu dem Thema werden für die Schlussfolgerung angeführt, dass man nun sehe, dass „seit dem Ende des kalten Kriegs nukleare Waffen keine so prominente Rolle in den internationalen Beziehungen mehr gespielt haben, wie wir es jetzt sehen.“
Gegebenenfalls als Reaktion auf die Veröffentlichung, kündigte der Generalsekretär der NATO, Jens Stoltenberg, gestern an, dass die NATO mehr atomare Sprengköpfe aktivieren, also schnell abschießbar stellen, wolle. (pf)
Militärische Mobilität: Donau
(17. Juni 2024)Im Zuge der Militärischen Mobilität soll die Infrastruktur europaweit für schnelle Truppen- und Personalverlegungen nach Osteuropa fit gemacht werden. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, könnte dies auch die Donau betreffen: „Die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres – Rumänien und Bulgarien – wollen den Transportkorridor des Flusses optimieren, sagen der ehemalige Nato-Militärkommandant Ben Hodges, der rumänische Politiker George Scutaru und [der] Diplomat Kaush Arha in einem von Euractiv veröffentlichten Artikel.“ (jw)
IMI-Cartoon: Wehrdienst II
(17. Juni 2024)Zur momentan hitzig geführten und in diversen Szenarien diskutierten Wehrpflichtdebatte und der Debatte um die Einführung der Wehrpflicht auch für Frauen im Speziellen gibt es zwei neue Cartoons! (yd)
KSK: Neuer Kommandant
(17. Juni 2024)Wie unter anderem das Schwäbische Tagblatt berichtete hat das KSK seit dem 14. Juni einen neuen Kommandanten: Alexander Krone. Dort löste er Brigadegeneral Ansgar Meyer ab, der nach Angaben des Bunderwehrverbands Kommandeur des Zentrums Innere Führung in Koblenz werden wird. (yd)
We shall overcome: Tagung
(17. Juni 2024)Unter dem Motto „We shall overcome!“ – Gewaltfrei aktiv für die Vision einer Welt ohne Gewalt und Unrecht“ lädt vom 19. bis zum 20. Oktober das Lebenshaus Schwäbische Alb – Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V. zu einer Tagung in Gammertingen. Dabei soll es unter anderem darum gehen wie es engagierte Menschen „in dieser Welt voller Kriege und Ungerechtigkeit schaffen, sich sozial zu engagieren, weiter zu streiten und gesund zu bleiben, ohne sich aufzureiben, aufzugeben oder zynisch zu werden“. In der Einladung heißt es, dass Menschen eingeladen sind, die sich austauschen und ermutigen lassen wollen in ihrem eigenen Engagement für eine gerechtere, friedvollere und zukunftsfähige Welt. Anmeldungen sind erwünscht bis zum 11. Oktober 2024. (yd)
Högl: Pflicht
(17. Juni 2024)Bis auf den Zwang für männliche Jugendliche, einen Fragebogen über ihre Bereitschaft zum Dienst bei der Bundeswehr auszufüllen, soll es keine Pflicht zum Wehrdienst geben. Vorerst zumindest, wie u.a. die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) in der Zeit unterstrich: „Sollte die Zahl der Freiwilligen nicht reichen, ‚muss es die Pflicht geben‘, sagte Högl weiter. ‚Da bin ich mir mit Boris Pistorius einig‘.“ (jw)
Streitkräftemodell: Übertroffen
(17. Juni 2024)Beim NATO-Gipfel in Vilnius wurde ein neues Streitkräftemodell beschlossen, bei dem ab 2025 100.000 Soldat*innen in höchster (10 Tage) und weitere 200.000 in hoher (30 Tage) vorzuhalten. Laut FAZ sollen diese Ziele bereits jetzt deutlich überfüllt worden sein: „Eine wichtige Zahl legte Generalsekretär Jens Stoltenberg aber nach dem Treffen offen. ‚Wir haben heute 500.000 Soldaten in hoher Bereitschaft über alle Domänen (der Kriegsführung)‘, sagte er, ‚deutlich mehr als das Ziel, das beim Gipfeltreffen in Madrid 2022 gesetzt wurde‘.“ (jw)
Ukraine-Konferenz: Gescheitert
(17. Juni 2024)German-Foreign-Policy kommentiert die Ergebnisse des Schweizer „Friedensgipfels“, der vor allem das Ziel gehabt habe, die Ukraine in eine stärkere Position zu bringen. Doch das angestrebte Ziel, hierfür möglichst viele Staaten hinter eine Abschlusserklärung zu bekommen, sei weit verfehlt worden, so GfP. Von 160 eingeladenen Staaten hätten lediglich 92 Staaten Vertreter*innen geschickt – und von denen häte wiederum ein gewichtiger Teil die Unterzeichnung der Abschlusserklärung abgelehnt: „Die Abschlusserklärung wiederum wurde lediglich von 78 Staaten unterzeichnet; die Schwergewichte des Globalen Südens – etwa Indien, Brasilien, Südafrika, Saudi-Arabien – verweigerten sich. [… ] Das Ziel, die Ukraine in eine Position der Stärke zu bringen, wurde damit klar verfehlt. Ganz im Gegenteil: Es hat sich erneut gezeigt, dass der Westen sogar mit äußerstem Einsatz nicht mehr in der Lage ist, globale Mehrheiten für seine Vorhaben zu mobilisieren.“ (jw)
Panzer: SPD-Brief
(17. Juni 2024)Spiegel Online berichtet über die Forderung der SPD-Verteidigungspolitiker*innen, eine vorhandene Option für den Ankauf von Leopard-Panzern zu ziehen: „Die Verteidigungspolitiker der SPD-Bundestagsfraktion fordern Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dazu auf, rasch 123 Kampfpanzer Leopard 2 A8 für das deutsche Heer zu beschaffen.“ (jw)
Panzermarkt: Bewegung
(14. Juni 2024)Der Panzermarkt ist in Bewegung: Kaum wurde verkündet, dass die geplante Zusammenarbeit zwischen Leonardo (Italien) und KNDS (Deutschland/Frankreich) gescheitert sei, stand auch schon Rheinmetall in den Startlöchern und witterte seine Chance mit dem Panther ins Italien-Geschäft einzusteigen, schreibt die Welt: „‘Es gibt jetzt eine neue Chance für Rheinmetall‘, sagt ein Insider, der nicht namentlich genannt werden will.“ Dementsprechend habe der Konzern für die am 17. Juni beginnenden Pariser Rüstungsmesse Eurosatory einen neuen Kampfpanzer-Demonstrators ankündigt, heißt es in dem Artikel weiter. Und tatsächlich berichtet das Manager Magazin gestern, Leonardo strebe nun ein Bündnis mit Rheinmetall an. Hier könnte auch ein möglicher Rivale für die wohl in der Bundeswehr ab den frühen 2030ern geplante Einführung einer neuen Panzergeneration entstehen, die die Zeit (wenn überhaupt, wohl irgendwann zwischen 2040 und 2050) bis zur Auslieferung des in Planung befindlichen deutsch-französischen MGCS-Systems überbrücken soll.
Um dieser Konkurrenz zu begegnen, kündigte KNDS für die Eurosatory die Präsentation eines Leopard 2 A-RC 3.0 (als Nachfolger zum Leopard 2 A8) und eines Leclerc Evolution (als Nachfolger des Leclerc XLR) mit den nicht unbescheidenen Worten an, die Besucher*innen erwarte „ein Meilenstein in der Geschichte der Kampfpanzerentwicklung“, schreibt das Fachportal hartpunkt.de. „KNDS bewertet den Leopard 2 A-RC 3.0 eigenen Angaben zufolge ‚nicht nur als Brückenlösung bis zur Einführung des Landkampfsystems der nächsten Generation MGCS, sondern auch als entscheidenden technologischen Vorläufer des MGCS‘. Es wird darauf erwiesen, dass der Leopard 2 A-RC 3.0 trotz ‚seiner bahnbrechenden Innovationen‘ vollständig abwärtskompatibel ist.“ (jw)
NATO übernehmen sie
(14. Juni 2024)Die NATO hat gestern beschlossen, die Koordination und den Ausbau der Waffenlieferungen an die Ukraine federführend zu übernehmen, berichtet die Welt: „Die Nato will künftig Waffenlieferungen an die Ukraine international koordinieren. […] Die Unterstützungsaufgaben werden bislang federführend von den Vereinigten Staaten wahrgenommen. […] Das neue Projekt wird derzeit bündnisintern als „Nato Security Assistance and Training for Ukraine“ (NSATU) bezeichnet.“ (jw)
IMI-Cartoon: Wehrdienst
(14. Juni 2024)Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland finden sich mögliche Prämien, um eine Entscheidung für den geplanten neuen Wehrdienst zu versüßen: „Im Falle einer Verpflichtung ist eine Prämie von 5.000 Euro ebenso angedacht wie kostenlose Sprachkurse oder ein kostenloser Führerschein.“ Siehe zum geplanten Wehrdienst auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Wehrdienst: Zielgrößen
(14. Juni 2024)Der Sozialdemokratische Vorwärts erläutert die Zielgrößen, die Genosse Pistorius mit seinem neuen Wehrdienst perspektivisch verfolgt: „Zunächst sollen 5.000 Rekrut*innen eine Grundausbildung erhalten. Mehr geben nach Aussage des Verteidigungsministers die bestehenden Kapazitäten der Bundeswehr (Kasernen, Ausbilder*innen usw.) nicht her. […] Boris Pistorius geht davon aus, dass etwa ein Viertel jedes Jahrgangs interessiert sein könnte. Bei rund 400.000 18-jährigen Männern wären das etwa 100.000. Diese sollen aber nicht alle ein Angebot erhalten. Nach Aussage von Pistorius sollen etwa 40.000 bis 50.000 junge Männer zu einer verpflichtenden Musterung eingeladen werden.“ (jw)
Kleine-Brockhoff: DGAP
(14. Juni 2024)Unter anderem unter der Ägide von Moritz Kleine-Brockhoff als damaligem Chef des German Marshall Funds wurde 2012 und 2013 das Projekt „Neue Macht – Neue Verantwortung“ durchgeführt. Dessen Kernforderung bestand darin eine als hinderlich empfundene „Kultur der militärischen Zurückhaltung“ durch eine militärischer Führungsansprüche zu ersetzen. Brockhoff wurde 2013 vom damalige Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Leiter seiner Stabsstelle Planung und Reden berufen, insofern wundert es nicht, dass diese „Botschaften“ dann auch den Kern von Gaucks viel beachtetem Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2014 bildeten (siehe IMI-Studie 2015/02). Lange Rede kurzer Sinn: Brockhoff wurde nun zum neuen Chef der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ernannt, wie die Organisation gestern mitteilte. (jw)
Wehrdienst: Sanktionen
(13. Juni 2024)Die gestern vorgestellten Pläne für einen „Wehrdienst“ als eine mögliche Vorstufe für eine Re-Aktivierung der Wehrpflicht sehen für Männer die verpflichtende Beantwortung von Fragebogen vor, auf deren Grundlage bei Interessierten spätere Musterungen erfolgen sollen. Es war zwar davon auszugehen, aber das Verteidigungsministerium bestätigt auf seiner Internetseite auch noch einmal explizit, dass noch nicht näher benannte Sanktionen für „Fragebogenverweigerer“ anvisiert werden: „Es wird auch Sanktionen geben müssen. Das muss im weiteren Verfahren geklärt werden.“ (jw)
Tschechien: Leopard 2
(13. Juni 2024)Schon länger wird über ein tschechisches Interesse an leopard-2-Panzern berichtet. Nun findet sich bei hartpunkt.de die Meldung, eine Bestellung sei beschlossen worden – auch ein Preisschild wird in dem Artikel mitgeliefert: „Die tschechische Regierung hat sich heute im Rahmen einer Aktualisierung der Liste der strategischen Projekte für die Beschaffung von mindestens 61 Leopard-2-Kampfpanzern in unterschiedlichen Varianten ausgesprochen. [E]s [ist] geplant, 61 Systeme in sechs unterschiedlichen Ausführungen für den Preis von 39,8 Milliarden tschechischen Kronen, was rund 1,6 Milliarden Euro entspricht, zu erwerben. Zudem ist eine Option für den Erwerb von 16 weiteren Kampfpanzern zu den gleichen Bedingungen und zum gleichen Preis, wie Deutschland sie kauft, vorgesehen. Für die Auslösung dieser Option wären weitere 500 Millionen Euro notwendig.“ (jw)
Bukarest 9: Kein Konsens
(12. Juni 2024)Bei einem Treffen der sogenannten Bukarest 9 (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Ungarn, Tschechien und Polen) am vergangenen Dienstag (11. Juni) verhinderte der bulgarische Präsident Rumen Radev die Verabschiedung eines gemeinsamen Standpunkts über die Bereitstellung von Militärhilfe für die Ukraine, wie Euractiv berichtete. „Der diesjährige Gipfel unterscheidet sich von allen bisherigen. Zum ersten Mal wird es keine gemeinsame Erklärung aller Teilnehmer geben, und Sie werden meinen Namen nicht unter dieser Erklärung sehen. Stattdessen wird es eine Erklärung der beiden Ko-Vorsitzenden, Polen und Rumänien, und des Gastgebers Lettland geben. Der Grund dafür ist, dass es keinen vollständigen Konsens über den Text dieser gemeinsamen Erklärung gibt, insbesondere über die unterschiedlichen Ansichten darüber, wie ein Ausweg aus diesem blutigen Krieg gefunden werden kann […] Im Ergebnis wurde die Position eingenommen, dass jedes Land für sich und nach seinen eigenen Möglichkeiten entscheiden soll, ob und wie es der Ukraine helfen will – sei es mit militärischer, finanzieller oder humanitärer Hilfe“, so Radev nach Angaben von Euractiv. Auch seine Position zu Verhandlungen machte der bulgarische Präsident deutlich: So betonte er, dass der Krieg nur durch friedliche Verhandlungen oder durch die Bereitstellung zusätzlicher materieller, finanzieller und personeller Ressourcen durch die NATO-Länder beendet werden könne, die der Ukraine fehlen und fragte im Hinblick auf die zweite Option rethorisch: „Sind Sie der Meinung, dass wir diesen Weg einschlagen sollten, der zu absolut nichts führt und ein enormes Risiko für die globale Sicherheit darstellt?“(yd)
FDP: Positionspapier
(12. Juni 2024)Unter anderem n-tv berichtet über ein von der FDP-Bundestagsfraktion beschlossenes Positionspapier: „Gefordert werden ein leichterer Zugang zu Krediten, beschleunigte Beschaffungsprozesse und ein besserer Zugang zu Rohstoffen. Zudem solle die Schwelle, ab der eine parlamentarische Befassung mit Rüstungsvorhaben nötig ist, in der nächsten Legislaturperiode von 25 auf 50 Millionen Euro erhöht werden.“ (jw)
Asow-Regiment: US-Bewaffnung
(12. Juni 2024)Das rechtsextreme ukrainische Asow-Regiment war bislang von dne USA mit einem Embargo belegt, das nun laut Tagesspiegel aufgehoben wurde: „Die USA haben ihr Waffenembargo gegen die ukrainische Asow-Brigade aufgehoben. Durch die Entscheidung werde eine „neue Seite in der Geschichte unserer Brigade“ aufgeschlagen, erklärte die Militäreinheit am Dienstag im Onlinedienst Telegram.“ (jw)
Auswahlwehrdienst
(12. Juni 2024)Heute stellt Verteidigungsminister Boris Pistorius seine Pläne in Sachen Wehrpflicht vor. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll es ein „mehrstufiges Wehrdienstmodell“ geben. Der Dienst selbst soll – zumindest vorerst – nicht verpflichtend sein ,wohl aber die erste Stufe dahin: „Dem Pistorius-Plan zufolge sollen alle Männer eines Jahrgangs, der 18 Jahre alt wird, verpflichtend einen Online-Fragebogen ausfüllen, indem sie Angaben zur körperlichen Fitness machen und vor allem, ob sie überhaupt zur Bundeswehr wollen.“
Für Frauen solle dies freiwillig sein, alle jungen Menschen, die sich prinzipiell eine Tätigkeit bei der Bundeswehr vorstellen können, sollen dann zur Musterung gebeten werden. Eine Wehrpflicht ist damit keineswegs vom Tisch – viel mehr als dies war ohnehin nicht mehr in dieser Legislatur möglich, gut möglich, dass darauf aufbauend zu einem späteren Zeitpunkt dann eine Wehrpflicht wieder komplett reaktiviert wird, wie auch die Bild andeutet: „Der Vorschlag des SPD-Politikers ist damit ein erster Schritt zur möglichen Wiedereinführung einer neuen Wehrpflicht. Zugleich will Pistorius jetzt die Schritte einleiten, die noch in dieser Legislaturperiode praktisch möglich erscheinen.“ (jw)
IPPNW: Gut gesagt
(11. Juni 2024)Unter dem Titel „Aufrüstung Europas widerspricht dem Friedensgebot des deutschen Grundgesetzes“ veröffentlichte die Berliner Zeitung einen Gastbeitrag der IPPNW-Vorstandsmitglieder Angelika Claußen und Ralph Urban, dessen Einleitung wir hier gerne zitieren:
„Zu Beginn des Jahres gingen in Deutschland Hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu protestieren. Diese Proteste gegen eine drohende Wiederkehr des Faschismus sind bemerkenswert und unbedingt zu unterstützen. Gleichzeitig darf der Fokus unseres antifaschistischen Engagements nicht bei rechtsnationalen Vereinigungen und der AfD enden. Schon jetzt beobachten wir eine gefährliche Aushöhlung rechtsstaatlicher und demokratischer Prinzipien in Europa. Besonders augenfällig geschieht dies in der Asylpolitik, etwa durch die Einführung der Grenzverfahren mit abgesenktem Rechtsschutz an der EU-Außengrenze.
Doch der Rechtsruck gilt auch für die Außen- und Sicherheitspolitik: Europa rüstet auf wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Der Ruf nach ‚Kriegstüchtigkeit‘ lässt den militärisch-industriellen Komplex florieren. Eine antifaschistische Bewegung sollte auch vor den verheerenden Folgen von Krieg und Aufrüstung für unsere Gesellschaften warnen. Für die ärztliche Friedensorganisation IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) gehören ‚Nie wieder Faschismus‘ und ‚Nie wieder Krieg‘ untrennbar zusammen. Dieser Zusammenhang, die notwendige Beziehung zwischen innerem und äußerem Frieden, kommt im derzeitigen Europawahlkampf viel zu kurz.“
BRD/Gaza: Klage abgewiesen
(11. Juni 2024)Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) berichtet in einer Pressemitteilung, dass seine Klage gegen die Genehmigung von Waffenlieferungen nach Israel vom Verwaltungsgericht Berlin abgewiesen wurde – erkennt darin jedoch auch einen Teilerfolg. Wir dokumentieren die entsprechende Pressemitteilung:
ECCHR: Klage gegen deutsche Exportgenehmigungen für Waffenlieferungen nach Israel abgewiesen
BERLIN, 11. JUNI 2024
Das Verwaltungsgericht Berlin hat heute die Klage gegen deutsche Exportgenehmigungen für Waffenlieferungen nach Israel abgewiesen.
Wir sind der Überzeugung, dass die Bundesregierung aus völkerrechtlichen Gründen keine Kriegswaffen nach Israel liefern darf, die in Gaza zum Einsatz kommen. Deshalb hat das ECCHR im Namen von fünf im Gazastreifen lebenden Palästinensern, deren Familienangehörige bei israelischen Raketenangriffen getötet wurden, am 11. April 2024 Klage gegen deutsche Kriegswaffenexporte eingereicht. Die Klage haben wir mit Unterstützung des Palestinian Center for Human Rights (PCHR) in Gaza, dem Al Mezan Center for Human Rights in Gaza und der Menschenrechtsorganisation Al Haq aus Ramallah eingereicht. Es gibt Gründe, dass Deutschland seine nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz geforderten völkerrechtlichen Verpflichtungen verletzt. Insbesondere machen die Kläger Verstöße gegen die gemeinsame europäische Rüstungskontrolle, den Vertrag über den Waffenhandel, die Völkermordkonvention sowie die Genfer Konventionen geltend. Im Kern richtet sich unsere Klage gegen die Art und Weise der israelischen Kriegsführung und ist auf den Widerruf bereits erteilter Ausfuhrgenehmigungen sowie auf den Stopp künftiger Lieferungen gerichtet.
„Die Ablehnung der Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin ist bedrückend, unsere fünf Kläger aus Gaza hatten darauf gehofft, in Deutschland insoweit Gerechtigkeit zu erfahren, als das ihre Fälle angehört und juristisch beschieden werden. Nun sagt ihnen das Gericht, dass ihre Klagen nicht durchgedrungen sind. Das ist beschämend. Unser Antrag scheiterte vor allem daran, dass gegenwärtig seitens der Bundesregierung keine Kriegswaffen nach Israel genehmigt werden. Damit gibt es juristisch nichts, was man im Rahmen einer Klage angreifen könnte. Das Gericht bestreitet auch in keiner Weise, dass unsere palästinensischen Mandanten grundsätzlich Anspruch darauf haben, gehört zu werden. Es ist als kleiner Fortschritt zu verbuchen, dass die Bundesregierung seit Januar 2024 keine Kriegswaffen mehr nach Israel genehmigt hat. Hier zeigt sich eine veränderte Genehmigungspraxis, die wir als Reaktion auf die Kriegsführung Israel und die internationale Kritik daran zurückführen. Positiv an diesem Beschluss ist der Umstand, dass die Bundesregierung nun sehr genau bei kommenden Waffenexporten hinschauen muss, ob die israelische Armee damit völkerrechtswidrige Einsätze in Gaza durchführt. Hier stellen wir ein erhöhtes Problembewusstsein fest“, so Alexander Schwarz, Völkerstrafrechtsexperte am ECCHR. „Inwieweit wir Rechtsmittel gegen diesen Beschluss einlegen, werden wir prüfen. Unabhängig von diesem Beschluss sollte die Bundesregierung aber nicht nur begründen, warum ihre Waffenlieferungen nach Israel unbedenklich wären, sondern sich aktiv für eine umfassende Klärung der aktuelle Vorwürfe vor dem Internationalen Strafgerichtshof gegen Israel und die Hamas einsetzen. Das heißt vor allem auch, dass etwaige Haftbefehle und Ermittlungen selbst gegen israelische Politiker in dem Sinne unterstützt werden, wie die Bundesregierung auch andere Ermittlungen des IStGH in der Vergangenheit unterstützt hat“.
Als ECCHR sind wir davon überzeugt, dass unsere Klage, wie auch die anhängigen Verfahren vor den zwei internationalen Gerichtshöfen in Den Haag, mit dazu beigetragen hat, dass die Bundesregierung mit ihren Waffenlieferungen an einen Partnerstaat, der im dringenden Verdacht steht in Gaza Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben, aktuell sehr vorsichtig umgeht.
Im Namen der fünf palästinensischen Kläger möchten wir betonen, dass der andauernde Krieg in Gaza beendet werden muss. Die noch verbliebenden israelischen Geiseln müssen freikommen und die palästinensische Bevölkerung hat ein elementares Recht auf Schutz und Unversehrtheit, so wie es die israelische Bevölkerung hat.
Wehrpflicht: Altersgefälle (II)
(11. Juni 2024)Schon im März ergab eine Umfrage ein deutliches Altersgefälle bei der Befürwortung der Re-Aktivierung der Wehrpflicht (siehe IMI-Aktiv 2024/199). Dies bestätigt nun auch eine neue Yougov-Umfrage, über die in der Welt berichtet wird: „Während die von einer Pflicht betroffene Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen mehrheitlich dagegen ist (43 zu 47 Prozent), wächst die Zustimmung mit zunehmendem Lebensalter. Schon die 30- bis 39-Jährigen sind mehrheitlich dafür (49 zu 40), bei den über 70-Jährigen sind 77 Prozent dafür und 17 Prozent dagegen.“ (jw)
Haushaltsauschuss: Liste
(11. Juni 2024)Die FAZ berichtet über die Rüstungsprojekte, die am Mittwoch durch den Haushaltsausschuss gewunken werden sollen: Größter Batzen wäre die Option für zwei weitere Fregatten F-126 (€3 Mrd.). Ebenfalls happig: €2,1 Mrd. für neue von OHB gebaute Satelliten. Vergleichsweise günstig dagegen ist die geplante Bewilligung neuer Eurofighter-Display im Wert von €40 Mio. (jw)
Truppengröße
(11. Juni 2024)Offizielles Ziel ist es, die Bundeswehr auf 203.000 zu vergrößern – um die NATO-Ziele zu erreichen, bedürfe es allerdings einer Truppenstärke von mindestens 272.000 heißt es im Verteidigungsministerium. In jüngster Zeit ist die Truppengröße aber sogar rückläufig, wie auch die neuesten Zahlen vom April 2024 bestätigen: 180.517 (im Juli 2020 waren es noch 185.000)! (jw)
Wiesbadener Erinnerung
(10. Juni 2024)Bei der Martin-Niemöller-Stiftung wird über die Unterzeichnung der Wiesbadener Erinnerung gegen Atomwaffen informiert. Dabei werden vier konkrete Handlungsoptionen benannt: „Zum ersten könne sich Deutschland ‚für eine gesamteuropäische atomwaffenfreie Zone unter Einbindung Russlands einsetzen‘. Sodann könne Deutschland mit den NATO-Verbündeten einen Fahrplan erarbeiten mit dem Ziel, die nukleare Teilhabe zu beenden. Drittens könne Deutschland dem Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) beitreten. Zuletzt könne Deutschland die Atomwaffenstaaten nachdrücklich daran erinnern, ihre im noch gültigen Atomwaffensperrvertrag von 1970 erklärte Absicht endlich umzusetzen, ‚auf die nukleare Abrüstung gerichtete wirksame Maßnahmen zu ergreifen‘.“ (jw)
Reservist*innen: Aufwuchs
(10. Juni 2024)Spiegel Online berichtet, die Bundeswehr plane einen deutlichen Ausbau beorderter Reservist*innen: „Im Verteidigungsministerium laufen nun Planungen für eine deutlich verstärkte Reserve. Ziel der Militärplaner ist es, künftig bis zu 60.000 Männer und Frauen als Reservisten in einer sogenannten Grundbeorderung zu haben, die in diesem Status für eine feste Aufgabe eingeplant und befähigt sind. Bisher gibt es rund 44.000 Grundbeorderte.“ (jw)
Lufthansa: Rüstungsgeschäft
(9. Juni 2024)Lufthansa Technik will seine Rüstungssparte ausbauen, berichtet n-tv: „Die Lufthansa Technik betreut seit Jahrzehnten die Flugbereitschaft der Luftwaffe und baut zivile Flugzeuge zu Regierungsmaschinen um. Nun will sie sich noch stärker im Rüstungsmarkt engagieren. Das Ziel: die deutsche Luftwaffe „auch jenseits der Betreuung der Flugbereitschaft stärker unterstützen“, wie es etwa im Geschäftsbericht 2023 heißt.“ (jw)
Truppengröße: 272.000?
(8. Juni 2024)Schon länger wird gemunkelt, die bisher anvisierte Erhöhung der Bundeswehr von rund 180.000 auf 203.000 müsse deutlich höher ausfallen. Bislang war dabei die Rede von 240.000 bis 250.000 Soldat*innen. Spiegel Online berichtet nun über von möglicherweise noch einmal deutlich größeren Zahlen: „Im Nato-Hauptquartier in Brüssel geht die Zahl von 140 Kampfbrigaden um. Deutschland stellt bisher rund zehn Prozent der Nato-Kräfte. Will es bei der Quote bleiben und die MCR2024-Vorgaben erfüllen, braucht es 75.000 weitere Soldatinnen und Soldaten. […] Ein vertrauliches Papier aus seinem Haus rechnet vor, dass die Nato-Planungen »absehbar« eine Erhöhung des deutschen Personalziels von bisher 203.000 auf »tendenziell deutlich über 272.000« Soldaten erfordern. Wie das ohne echte Wehrpflicht gehen soll? Das scheint auch Pistorius nicht zu wissen.“ (jw)
Cartoon: Kriegstüchtig
(7. Juni 2024)Aktuell wird in den Medien, etwa bei Spiegel Online, die neue Kriegstüchtigkeits-Aussage von Kriegstüchtigkeitsminister Boris Pistorius hoch und runter zitiert: „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein […]. Wir müssen Abschreckung leisten, um zu verhindern, dass es zum Äußersten kommt.“ Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Frankreich: Kampfjets
(7. Juni 2024)Heute treffen sich der ukrainsiche Präsident Selenski und sein französischer Amtskollege Macron, wobei u.a. die Entsendung von Militärausbildern thematisiert werden soll. Gesern schon kündigte Frankreich laut Spiegel Online die Lieferung von Kampfjets an: “Wie Präsiden Emmanuel Macron ankündigte, will Frankreich der Ukraine eine ungenannte Zahl von Kampfjets vom Typ Mirage-2000-5 überlassen.“ (jw
Mehr F35?
(7. Juni 2024)Der Business Insider berichtet, dass nach der Ankündigung,. 20 weitere Eurofighter zu bestellen und nach der bereits erfolgten Order von 35 F-35-Flugzeugen der Ankauf weiterer Flieger des US-Herstellers Lockheed Martin erwogen werde: „In Politik-, Industrie- und Bundeswehrkreisen wird folgende Lösung für möglich gehalten: Die Bundeswehr bestellt weitere acht F-35, komplettiert damit ihr Geschwader der US-Kampfjets und schließt die Tornado-Lücke. Kostenpunkt: womöglich um die 2,3 Milliarden Euro.“ (jw)
ICAN: Wahl-Check
(6. Juni 2024)Im Vorfeld der anstehenden Wahlen hat die deutsche Sektion der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) die EU-Spitzenkandidat*innen der Grünen, SPD, FDP, CDU/CSU und der Linken zu ihrer Position zu Atomwaffen und Abrüstung befragt. Die Antworten der jeweiligen Kandidat*innen lassen sich auf ican.de nachlesen. Die ICAN schreibt dazu: „Die bevorstehenden EU-Wahlen bieten eine historische Chance, Abgeordnete zu wählen, die sich klar und mutig für den Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag #AVV einsetzen und so eine aktive Rolle in der Gestaltung einer friedlicheren Welt übernehmen. Eine Welt ohne Atomwaffen bedeutet mehr Sicherheit und erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile. Gelder, die derzeit in Atomwaffenarsenale fließen, könnten stattdessen in Bildung, Gesundheitswesen, Klimaschutz oder Unterstützung für die Ukraine investiert werden.“(yd)
Militärausgaben: Brandbrief
(6. Juni 2024)Über einen „Brandbrief“ eines „breiten Rüstungsbündnisses“, das eine „breite Front“ bilde, um „Druck im festgefahrenen Haushaltsstreit um die deutschen Verteidigungsausgaben“ zu machen, berichtet das Handelsblatt. So breit ist die Angelegenheit nun auch wieder nicht, schließlich handelt es sich bei den Unterzeichnenden, ausschließlich um Personen, die mittelbar oder unmittelbar von höheren Militärausgaben profitieren. Dazu gehören Rheinmetall-Chef und Präsident der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V., Armin Papperger, Präsident Bundesverband, Michael Schöllhorn, Airbus-Chef und Präsident Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. e.V.. mit dabei auch Oberst André Wüstner, Bundesvorsitzender Deutscher Bundeswehrverband e.V. und Claus Günther, Präsident Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. sowie Hans Peter Bartels, Präsident Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. , Wolfgang Köpke, Präsident Förderkreis Deutsches Heer e.V., Karsten Schneider, Präsident Deutsches Maritimes Institut e.V., Patrick Sensburg, Präsident Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. und Klaus Habersetzer, Präsident Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V.
Sie fordern zuerst einmal der Forderung von Verteidigungsminister Boris Pistorius nachzukommen, den Haushalt 2025 zusätzlich zum, Sondervermögen um weitere 6,5 Mrd. Euro zu erhöhen. Insgesamt brauche es weitere 100 Mrd. Euro (über die 2 %/BIP hinaus). Der ganze Brief lässt sich bei der Europäischen Sicherheit & Technik finden, wo nach dem Motto verfahren wird: Es ist uns völlig egal, woher die Gelder stammen, das soll gefälligst die Politik verantworten: „Es ist nicht unsere Aufgabe, sondern die der politisch Verantwortlichen, darüber zu entscheiden, auf welche Weise diese Mittel mobilisiert werden können: Durch ein weiteres Sondervermögen, durch eine Lockerung der Schuldenbremse oder durch politisches Um-Priorisieren vorhandener Mittel. […] Mehr Geld für Sicherheit und Verteidigung auszugeben, bedeutet immer zugleich weniger Geld für andere wichtige Aufgaben verfügbar zu haben. Aber kann es Wichtigeres geben als unsere Sicherheit und die Aufrechterhaltung des Friedens?“ (jw)
Zivilklauseln: DEMO AM FREITAG
(6. Juni 2024)Das geplante bayerische Bundeswehr-Gesetz hat es wahrlich in sich: Damit sollen Zivilklauseln für „unzulässig“ erklärt und Hochschulen auf Anweisung der Staatskanzlei zur Kooperation mit der Bundeswehr verpflichtet werden können.
Allerdings gibt es auch Widerstand. Unterstützt von der GEW rufen Angestellte und Studierende der Hochschulen für kommenden Freitag, 7. Juli, um 17h in München zu einer Demonstration auf. Im Aufruf heißt es u.a.:
„Der Gesetzesvorschlag ist Teil der ‚Zeitenwende‘ und soll Hochschulen und Schulen ‚kriegstüchtig‘ machen. Die erste Beratung im Landtag hat bereits stattgefunden. Ab 11. Juni wird das Gesetz in den Fachausschüssen behandelt, Mitte Juli soll es vom Landtag beschlossen werden.
In Zeiten von Krieg und Rechtsruck sollten friedenswissenschaftliche Ansätze in Forschung und Lehre gestärkt und finanziert werden, anstatt Grundsätze der politischen Bildung über Bord zu werfen und die Hochschulen zu Werkzeugen von Armee und Verteidigungsministerium zu machen. Wir wollen mit unserem Protest zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind.“
Eurofighter: Tranche 5 (II)
(6. Juni 2024)Schon seit einiger Zeit wird massiv Druck auf eine weitere Bestellmarge („Tranche“) Eurofighter ausgeübt (siehe IMI-Standpunkt 2024/002). Nun deutete Kanzler Olaf Scholz bei der Internationalen Luftausstellung an, es sei eine Entscheidung in diese Richtung gefallen, heißt es beim ZDF (via Bpb-Newsletter): „’Die Bundesregierung hat größtes Interesse an einer starken Luft- und Raumfahrtbranche in Deutschland und Europa‘, sagte Scholz. ‚Deshalb werden wir noch in dieser Legislaturperiode 20 weitere Eurofighter bestellen – zusätzlich zu den 38 Flugzeugen, die derzeit noch in der Pipeline sind‘.“ UPDATE: Bei defensenews.com findet sich auch ein geschätztes Preisschild: „Now, the 20 new Eurofighters, expected to cost about €2 billion (U.S. $2.2 billion), will help aircraft manufacturer Airbus keep the production line humming ‚continuously,‘ Scholz said.“ UPDATE II: Bei der FAZ ist nun von Kosten in Höhe von 4 Mrd. Euro die Rede. (jw)
MIK: Silicon Valley
(6. Juni 2024)Bei „Costs of War“, einem Projekt der Brown University, ist ein Papier erschienen, das die zunehmende Bedeutung von Silicon Valley im amerikanischen Militärisch-industriellen-Komplex hervorhebt: „Over the past decade, the center of America’s military-industrial complex has been slowly shifting from the Capital Beltway to Silicon Valley. […]A conservative estimate indicates that U.S. military and intelligence agencies awarded $28 billion to Microsoft, Amazon, and Alphabet (Google’s parent company) between 2018 and 2022. […] In the meantime, major VC firms such as Sequoia Capital and Andreessen Horowitz — and dozens of smaller ones — have ramped up investments in defense tech startups. More than $100 billion in venture capital funding went to defense tech startups between 2021 and 2023.” (jw)
ILA: Greenwashing
(5. Juni 2024)Unter dem Titel „Zeitenwende am Flughafen“ berichtet Ole Hilgert bei tagesschau.de über die gewachsene und selbstbewusstere Präsenz von Rüstungsgütern auf der ILA – die eigentlich schon lange eine Rüstungsshow war. Zur Frage einer nun möglicherweise stattfindenden „Militarisierung“ der Luftfahrtausstellung wird dann eine Person zitiert, die führend and der Konzeption der Veranstaltung beteiligt sein dürfte:
„Eine Militarisierung der ILA kann dagegen Aletta von Massenbach nicht erkennen. Die CEO der ‚Flughafen Berlin Brandenburg GmbH‘ geht vielmehr davon aus, dass sich die unterschiedlichen Segmente der Branche ergänzen: ‚Die zivile Luftfahrt profitiert von der Forschung im militärischen Bereich genauso wie von der Raumfahrttechnologie.‘ Nur durch dieses Zusammenspiel erreiche man das Ziel, die Zukunft des Fliegens emissionsfrei zu machen.“
Hoppla, da wurde aber ganz subtil die Rüstung als Triebkraft bei der Bekämpfung des Klimawandels ins Spiel gebracht. Und so geht es dann auch weiter, diesmal ohne Zitate, in den Worten des Journalisten:
„Damit spricht die Flughafen-Managerin den zweiten wichtigen Teil der diesjährigen Ausstellung an: die nachhaltige Transformation der Luftfahrt. Längst erforschen und testen Wissenschaft, Industrie und Regierungen Möglichkeiten, die schlechte Klimabilanz des Fliegens in den Griff zu kriegen. Rolls-Royce etwa stellt auf der ILA eine kraftstoffsparende Turbine aus. Airbus präsentiert den Prototyp eines elektrisch betriebenen Flugtaxis. Und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zeigt neuste Forschungsergebnisse zu nachhaltigen Brennstoffen. Gleichzeitig sind alle drei Aussteller auch im militärischen Segment tätig.“
Dass elektrisch betriebene Flugtaxis – die ja trotzdem enorm viel Energie verbrauchen und obendrein auf sehr leistungsfähige Akkus und die damit verbundenen Rohstoffe angewiesen sind – irgendwie einen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilitätswende darstellen würden, ist jedenfalls ausgemachter Blödsinn. „Kraftstoffsparende Trubinen“ reduzieren auch keine Treibhausgasemmissionen, wenn sie dazu führen, dass in sinnlosen Kriegen künftig noch mehr Luftfahrzeuge noch länger in der Luft bleiben oder sich als Kamikazedrohnen über noch größere Entfernungen ins Ziel steuern können.
Mit Verdrehungen dieser Art werden dann Aufrüstung und Wachstum der Rüstungsindustrie als nachhaltige Erfolgsgeschichte verkauft:
„Wirtschaftlich stehen die Zeichen in der Branche nach dem Schock der Corona-Zeit wieder auf Erholung. Die vom BDLI kürzlich veröffentlichten Zahlen zeigen: Im vergangenen Jahr erreichte die Luft- und Raumfahrtindustrie erstmals die Werte von vor der Pandemie. So lag der Gesamtumsatz im Jahr 2023 lag bei 46 Milliarden Euro. Laut Branchenverband ist ein großer Teil davon dem Bundeswehr-Sondervermögen zu verdanken. Aber auch die zivile Luftfahrt wächst wieder. Eine weitere Nachricht vor einigen Wochen dürfte alle Beteiligten erfreut haben…“
Frühwarnanlagen: Gefährlich
(5. Juni 2024)Eine aufschlussreiche Einordnung, wie riskant die ukrainischen Angriffe auf russische Frühwarnanlagen waren, liefert Theodor Postol bei Responsible Statecraft: „The Ukrainian attack at Armavir was a big deal. […] Since these radars basically form the singular foundation of Russia’s strategic nuclear early warning capabilities, any tampering with their functions in any unpredictable global situation is accompanied by very grave risks of misinterpretations of intentions that could lead to a massive launch of Russian nuclear forces.” (jw)
Rheinmetall: Munition
(5. Juni 2024)Bei Rheinmetall soll mehr Munition als bislang geplant bestellt werden, berichtet tagesschau.de: „Das Verteidigungsministerium will beim Rüstungskonzern Rheinmetall mehr Artilleriemunition kaufen als bislang geplant. Der bereits geschlossene Rahmenvertrag mit der Rüstungsschmiede über rund 880 Millionen Euro solle um mindestens 200.000 Granaten des Kalibers 155 Millimeter aufgestockt werden.“ (w)
SWP: Neue Prioritäten
(5. Juni 2024)Für eine Fokussierung auf die Landes und Bündnisverteidigung (aka Auseinandersetzungen mit Russland) plädiert eine neue Studie der regierungsberatenden „Stiftung Wissenschaft und Politik“. Davon Ressourcen abziehende Auslandseinsätze im Globalen Süden seien künftig zu vermeiden und selbst das neue militärische Engagement im Indo-Pazifik wird darin in Frage gestellt: „Die deutsche Beteiligung am internationalen Krisenmanagement wird hingegen auf ein absolutes Minimum reduziert werden müssen, auch wenn Instabilität, Terrorismus und Krisen in der europäischen Peripherie die Regel bleiben werden. […] Es hat vereinzelte Versuche gegeben, die Bundeswehr mittels einer Streitkräftepräsenz und Manövern im Indopazifik […] zu einem Anbieter von Sicherheit zu stilisieren. Dies kann kein Ausdruck einer ernsthaften Orientierung der deutschen Sicherheitspolitik sein, wenngleich Sicherheit im Indopazifik weit wichtiger für die Wirtschaftskraft Deutschlands ist als der Krieg in der Ukraine.“ (jw)
Rheinmetall: Nach Fußball nun Eishockey-Partner
(4. Juni 2024)Das „Sportswashing“ geht weiter: Nachdem der Rüstungskonzern vor einigen Tagen zum Sponsor für den Fußballverein Borussia Dortmund erkoren wurde, wird nun der nächste Deal bekannt gegeben. Wohl unter Vermittlung der Stadt Düsseldorf steigt Rheinmetall als Sponsor der Düsseldorfer Eishockey-Klub „Düsseldorfer EG“ ein. Deren Geschäftsführer begründete den Schritt mit Rheinmetalls „Traditionsreichtum“ sowie der Relevanz als Arbeitgeber in der Region. Entsprechend der Zuschauer*innenzahlen beläuft sich die Fördersumme seitens Rheinmetall lediglich auf einen sechsstelligen Betrag und nicht, wie beim Fußball-Bundeligisten, auf einen im zweistelligen Millionenbereich. (ju)
Wingman: Airbus Kampfdrohne
(4. Juni 2024)Die Flugrevue berichtet über ein Kampfdrohnenmodell, das Airbus auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) präsentierte: „Es handelt sich um eine kampffähige Drohne, die von einem Piloten in einem aktuellen Kampfflugzeug wie dem Eurofighter kommandiert wird und risikoreiche Missionsaufgaben übernehmen kann.“ (jw)
Litauen: Rheinmetall
(4. Juni 2024)Die Europäische Sicherheit & Technik berichtet über ein neues Auslandswerk von Rheinmetall: „Die litauische Ministerin für Wirtschaft und Innovation, Aušrinė Armonaitė, hat mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall ein Abkommen unterzeichnet, das die Ansiedlung des deutschen Unternehmens in Litauen regelt. Dem Projekt wurde der Status der staatlichen Bedeutung zuerkannt, wie das Ministerium am 3. Juni bekannt gegeben hat. […] Mit einer Investition von mehr als 180 Mio. EUR wird das neue Werk voraussichtlich auch mindestens 150 neue Arbeitsplätze schaffen“, sagte Minister Armonaitė.“ (jw)
Tübingen: Kundgebung Khartoum-Massaker
(3. Juni 2024)Morgen Mittag wird es auf dem Holzmarkt in Tübingen eine kleine Mahnwache und Kundgebung im Gedenken an das Khartoum-Massaker geben, welches sich nun zum fünften Mal jährt. Da die IMI beteiligt ist, dokumentieren wir hier den Aufruf:
Mahnwache zum 5. Jahrestag des Khartoum-Massakers und in Solidarität mit der sudanesischen Revolution
4. Juni 2023 – 14 Uhr – Holzmarkt/Stiftskirche Tübingen
Am 3. Juni 2019 bewies der kurz zuvor an die Macht gekommene Übergangsmilitärrat („Transitional Military Council“) im Sudan, dass er nicht auf der Seite der demokratischen Kräfte steht, obwohl er, ihnen scheinbar stattgebend, den Jahrzehnte währenden Diktator Omar al-Bashir beseitigt hatte. Die Protestierenden wollten ihr Protestcamp vor einem Verwaltungskomplex, in dem auch das Verteidigungsministerium und die oberste Militärzentrale liegen, nicht räumen, bevor die Verhandlungen zwischen ihren Vertretern, der Forces of Freedom and Change, und den Putschisten nicht eine zivile Regierung erreicht hätten. Am 3. Juni lösten die Streitkräfte des Militärs und der Rapid Support Forces (RSF) das Protestcamp dann mit Tränengas und scharfen Schüssen auf, wobei sie über 100 Protestierende Töten.
Die Mahnwache möchte über dieses mörderische Verbrechen informieren und auf die schreckliche Situation im Sudan aufmerksam machen, die von eben jenen verbrecherischen Generälen zu verantworten ist.
English:
Memorial vigil for the Khartoum massacre and solidarity with the sudanese Revolution
On 3 June 2019, the Transitional Military Council, which had recently come to power
in Sudan, proved that it is not on the side of the democratic forces, even though it removed the decades-long dictator Omar al-Bashir seemingly in their favour. The protesters were decisive to keep up their protest camp in front of an administrative complex, which also houses the
Ministry of Defence and the supreme military headquarters, as long as the negotiations between their representatives, the Forces of Freedom and Change, and the putschists had not reached a civilian government. On 3 June, the military and the Rapid Support Forces (RSF) then dispersed the protest camp with tear gas and heavy gunfire, killing over 100 protesters.
The vigil aims to inform about this murderous crime and draw attention to the terrible situation in Sudan, for which those same criminal generals are responsible for.
Unterstützung für Demarkationslinie?
(3. Juni 2024)Russland schlug vor einiger Zeit einen Waffenstillstand entlang der Demarkationslinie vor. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, hinter den Kulissen gäbe es im Westen hierfür zunehmend Unterstützung. Die ukrainische Position, es müsse weitergekämpft werden, bis sämtliche Gebiete von Russland geräumt wären, finde „nicht mehr viel Unterstützung“. Es sei erforderlich, zumindest vorrübergehend eine „Demarkationslinie“ zu akzeptieren, hätten Gespräche der F.A.S. mit Regierungsvertretern aus mehreren NATO-Ländern ergeben: „‘Inoffiziell sind alle mehr oder weniger der Ansicht, dass das notwendig wird‘, aber keiner wolle das offen ‚zum Ausdruck bringen‘. Nach außen gelte die Sprachregelung, dass Kiew seine Ziele ‚selbst definieren‘ müsse. Es gebe allerdings ‚Bemühungen, der ukrainischen Regierung einen Kontext vorzubereiten‘, in dem sie auf einen territorialen Kompromiss eingehen könne.“ (jw)
Reservisten: Rückgriff
(3. Juni 2024)Schon lange erfreut sich die Reserve wachsender Beliebtheit, um den Personalproblemen der Bundeswehr entgegenzutreten (siehe den AUSDRUCK-Schwerpunkt Dezember 2020). Womöglich auch zusammenhängend mit der – zumindest vorläufigen – Verschiebung der Re-Aktivierung einer Wehrpflicht könnte der in den Medien stark beachtete Vorschlag von FDP-Hardlinerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, jetzt noch stärker auf die Reserve zu setzen. Im Focus etwa ist zu lesen: „Sie rief dazu auf, ‚die ungefähr 900.000 Reservisten zu aktivieren, die wir in Deutschland haben‘. Diese müssten zunächst registriert werden. Die Bundeswehr habe Soldaten und Soldatinnen, die aus dem aktiven Dienst ausgeschieden seien, über Jahrzehnte nicht mehr erfasst. ‚Wenn wir nur die Hälfte davon mit ihrer entsprechenden Expertise als Reservisten gewinnen könnten, wäre das ein unglaubliches Pfund‘, sagte sie.“ (jw)
F-126: Option
(3. Juni 2024)Die Wirtschaftswoche berichtet über den im Haushalt nicht gedeckten Plan, die Option für zwei weitere F-126-Fregatten zu ziehen: „Das Verteidigungsministerium plant den Kauf von zwei neuen Kriegsschiffen F126 – offenbar ohne die Bezahlung geklärt zu haben. […] Die Schiffe fünf und sechs haben laut Vorlage einen Gesamtauftragswert von 2,88 Milliarden Euro. Dazu kommen noch einmal zusätzliche Leistungen in Höhe von knapp 300 Millionen Euro. ‚Die Lieferung von Schiff 5 soll im Januar 2033 und von Schiff 6 im Januar 2034 erfolgen‘, schreibt das Finanzministerium.“ (jw)
Erlangen: Demonstration
(31. Mai 2024)Am Samstag, den 1. Juni wird es in Erlangen ab 14 Uhr ebenfalls eine wichtige Demonstration geben: Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Akteur*innen aus der Friedensbewegung und Jugendorganisationen wollen mit der Forderung „Bundeswehr raus aus Schule und Uni“ auf die Straße gehen. „Die Hochrüstung Deutschlands, an der nahezu alle etablierten Parteien beteiligt sind und zu der das Gesetz einen Beitrag leisten soll, halten wir für brandgefährlich. Noch mehr Aufrüstung wird die Kriegsgefahr in Europa nicht verkleinern sondern vergrößern! Wir denken auch, dass die Inhalte des Gesetzes einen antidemokratischen Charakter haben. Aushebelung demokratischer Prozesse in der Bauordnung, Verbot von Zivilklauseln und eine Pflicht für Schulen und Hochschulen mit der Bundeswehr zusammenzuarbeiten – das alles halten wir für Vorhaben, die aufhorchen lassen sollten“, so Clara Noch, Pressesprecherin des Bündnisses. Das Bündnis fordert: Gesetzentwurf zur Förderung der Bundeswehr verwerfen! Zivilklauseln statt Kooperationspflicht! Bundeswehr raus aus Schule, Uni und beruflicher Orientierung! Waffenexporte verbieten! Schluss mit Militarisierung und Aufrüstung! Deutschland entmilitarisieren – Bundeswehr abschaffen! (yd)
Reutlingen: Rechte Welle brechen
(31. Mai 2024)Am Samstag, den 1. Juni wird ab 15:30 im Bürgerpark in Reutlingen eine Demonstration unter dem Motto „Die rechte Welle rollt weiter – Zeit, sie zu brechen!“ stattfinden. Im Aufruf heißt es unter anderem: „In den letzten Monaten sind über eine Million Menschen in ganz Deutschland auf die Straße gegangen. Gemeinsam haben wir gezeigt, dass sich gegen die AfD und ihre Deportationspläne Widerstand regt. Jetzt heißt es: Darauf aufbauen, weitermachen und die AfD überall, wo sie auftaucht, mit Protest zu konfrontieren! Eine Woche vor den Kommunalwahlen in Baden- Württemberg und drei Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen rufen wir die antifaschistische Bewegung und alle, die sich ihr anschließen wollen, dazu auf, mit uns auf die Straße zu gehen: gegen die AfD und eine Politik der sozialen Kälte, die den Aufstieg der Rechten immer weiter befeuert. Am 1. Juni heißt es deshalb für Reutlingen und Tübingen: Gemeinsam brechen wir die Rechte Welle!“ Der komplette Aufruf, den wir als IMI unterstützen, findet sich unter gemeinsam-solidarisch.de. (yd)
Türkei: Gesetzesentwurf
(30. Mai 2024)Wie ANF berichtete soll dem türkischen Parlamentspräsidium noch diese Woche ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der dem türkischen Präsidenten die Vollmacht erteilen wird „bei Bedarf“ ohne Einbeziehung des Parlaments das Militärbudget aufzustocken, wodurch der Militärhaushalt von jeder Kürzung ausgenommen wird. Der Ökonom Özgür Müftüoğlu schreibt über den Gesetzesentwurf: „An einer Stelle wird der Rüstungsindustrie die Botschaft vermittelt: ‚Keine Sorge, ihr werdet von diesen Sparmaßnahmen nicht betroffen sein.‘ In einer Wirtschaft, in der der Mindestlohn jetzt die Hungergrenze ist, wird ein Segment des Kapitals privilegiert. Dabei handelt es sich um die Rüstungsindustrie. Es handelt sich nicht um eine Investition, durch die die Grundbedürfnisse der normalen Menschen nach elementarsten Lebensmitteln, Fleisch, Milch, Weizen, befriedigt werden. Die Waffenindustrie wird über alles gestellt.“ (yd)
Niger: Bundeswehr bleibt!
(29. Mai 2024)Im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern ist es der Bundeswehr laut Spiegel Online gelungen, ihre Präsenz im Niger beizubehalten: „Franzosen und Amerikaner müssen Niger verlassen, die Bundeswehr aber wollte nicht abziehen – und verhandelte diskret mit der Putschistenregierung. Nun gibt es ein Abkommen mit der Militärjunta: Deutsche Soldaten dürfen vorerst bleiben. […] Der Stützpunkt wurde zuletzt von etwa 100 Männern und Frauen der Bundeswehr betrieben. […] Als Umschlagplatz für Material und Personal eröffnet der Stützpunkt weiterhin Handlungsoptionen in der strategisch wichtigen Region[…].“ (jw)
Macron: Friedenspreis
(29. Mai 2024)Am vergangenen Dienstag (28.Mai) erhielt der französische Präsident Emmanuel Macron am letzten Tag seines Deutschland-Besuchs den mit 100.000 € dotierten westfälischen Friedenspreis, wie beispielsweise die Taz, Deutschlandfunk und T-online berichteten. Der französische Präsident erhielt den Preis offiziell „für sein Engagement für eine vertiefte europäische Zusammenarbeit und den Frieden in Europa“ obwohl er wenige Tage zuvor eine Atomwaffenübung mit Blick auf Russland fliegen ließ, wie der Guardian berichtete- worüber die Tagesschau, Deutschlandfunk und die Frankfurter Rundschau schwiegen. Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde Macron bei der Preisvergabe als unermüdlichen „Mutmacher“, der „uns vor Augen führt, dass wir wehrhafter werden müssen“ gelobt, der schon „lange vor dem russischen Angriff die europäische Souveränität beschworen“ habe. Der Bundespräsident betonte bei der Gelegenheit auch, dass Frankreich und Deutschland mit Blick auf die Ukraine alles versucht hätten, um den Krieg auf politischem Weg zu verhindern, dass aber die „gemeinsames Bemühen um den Frieden in Europa“ an Moskau gescheitert seien. Macron und auch die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen nutzten die Preisverleihung für weitere Kriegspropaganda: So betonte etwa von der Leyen die„Notwendigkeit eines eigenen Luftabwehrschirms für Europa“ und Macron warb für eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik. Atomkraftgegner*innen und Friedensaktivist*innen protestierten vor Ort mit Bannern, Pfiffen und Protestrufen. „Macron lässt sich hier als angeblicher Friedenskämpfer feiern. Doch mit seiner Atompolitik finanziert er Putins Angriff auf die Ukraine“, so etwa Bettina Ackermann von der Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ nach Angaben der Taz. (yd)
EUMAM: 100.000
(29. Mai 2024)Rund 50.000 ukrainische Soldaten sind bislang im Rahmen der EU-Mission EUMAM nicht zuletzt auch in Deutschland ausgebildet worden, nun ist wohl ein neues Ziel ausgegeben worden, berichtet Bruxelles2: „Goal 100.000? This is the number put forward this Tuesday morning by Estonian Defense Minister Hanno Pevkur.” Uneinigkeit habe dem Bericht zufolge in der Frage geherrscht, ob auch auf ukrainischem Boden ausgebildet werden solle. (jw)
Wehrpflicht: Alternative?
(29. Mai 2024)Erst einmal soll keine Wiedereinführung der Wehrpflicht erfolgen, sondern ein Attraktivitätspaket zu mehr Freiwilligen führen: Dazu gehören kostenlose Führerscheine, Studienvergünstigungen und ähnliches. Bei Zeit Online äußert sich ein Artikel überaus skeptisch, ob dies die gewünschten Resultate zeitigen wird: „Das Konzept von Pistorius erinnert stark an das ‚Attraktivitätsförderungsgesetz‘, mit dessen Hilfe Ursula von der Leyen 2015 die von ihr selbst zuvor ausgerufene „Trendwende Personal“ hinbekommen wollte […]. Das Ergebnis: Die Förderung der Attraktivität hat zu viel Spott und viel Häme geführt – und unterm Strich zu immer weniger Soldaten. Mit seinem ‚Flecktarn de luxe‘-Ansatz wird Pistorius die Lücke von 20.000 Kräften also kaum füllen können.“ (jw)
Petition: Rheinmetall und BVB
(29. Mai 2024)Wie die DFG-VK in einer Pressemitteilung mitteilte, haben BVB-Fans und Friedensaktivist*innen eine Petition gegen einen Werbedeal des Rüstungskonzerns Rheinmetall mit dem Fußballverein Borussia Dortmund gestartet. Für mindestens drei Jahre soll der Düsseldorfer „Rheinmetall“-Konzern „Champions Sponsor“ des Fußballvereins Borussia Dortmund werden und sogar bei den Vorbereitungen auf das Finale der Champions League solle schon Bandenwerbung des Konzerns gezeigt werden, obwohl dieser selbst Diktaturen hochrüste, so die Pressemitteilung weiter. Die Petition richtet sich an Hans-Joachim Watzke, Lars Ricken und die weiteren Verantwortlichen beim BVB und fordert: „Bitte kündigen Sie umgehend die Werbepartnerschaft mit der Düsseldorfer Rheinmetall AG. Ein Waffenhersteller als Sponsor passt nicht zu den Werten, die der BVB – und Fußball insgesamt – vertritt.“ Update: Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (yd)
Wehpflicht: Vom Tisch?
(28. Mai 2024)Spiegel Online berichtet, die faktische Re-Aktivierung der Wehrpflicht sei erst einmal vom Tisch. Favorisiert werde nun eine Stärkung des Freiwilligen Wehrdienstes (FWD). Dies solle durch eine Mischung von breiterer direkterer Ansprache 18jähriger sowie Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung geschehen. Dadurch wird aber das Rekrutierungsproblem der Truppe nicht einmal ansatzweise behoben. Es ist davon auszugehen, dass das gerade bei jüngeren brisante und unbeliebte Thema aus dem Europawahlkampf und erst recht aus dem kommenden Bundestagswahlkampf herausgehalten werden soll. Gut möglich, dass die Wehrpflicht dann unter einer neuen Bundesregierung wieder aufs Tapet kommt. Das legen auch die Schlusssätze des SPON-Artikels nahe: „Anders als bislang angekündigt, wird Pistorius seine Wehrdienstpläne öffentlich wohl erst im Juni vorstellen, nach der Europawahl. Die SPD und allen voran Kanzler Scholz wollen das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten. Wie zielführend das nun skizzierte Modell sein wird, ist schwer abzusehen. Letztlich wird nur der Freiwillige Wehrdienst attraktiver gemacht. In internen Papieren aus dem Wehrressort wird dem Modell wenig Wirkung zugeschrieben. Diese Variante sei »im Sinne der Bedarfsdeckung am wenigsten Erfolg versprechend«, heißt es. Es sei zu befürchten, »dass keine ausreichende Zahl von Bewerbenden angesprochen wird«. Pistorius will es trotzdem versuchen.“ (jw)
Ukraine: Mehr Militärunterstützung
(28. Mai 2024)Bereits etwas älter ist die Meldung der Bild-Zeitung, Deutschland wolle in diesem Jahr noch einmal deutlich mehr Militärhilfe an die Ukraine senden, als bislang geplant: „Die Ampel hat in diesem Jahr 7,1 Milliarden Euro Militärhilfe für Kiew bereitgestellt. […] Jetzt schlug das Verteidigungsministerium regierungsintern Alarm: Das Pistorius-Haus meldete nach BILD-Informationen für das laufende Haushaltsjahr bei der Ukraine-Hilfe einen Mehrbedarf von 3,8 Milliarden Euro an!“ (jw)
Steadfast Defender 2024: teuer
(27. Mai 2024)Wie spiegel.de berichtete ist die Teilnahme am noch bis Ende des Monats (Mai) andauernden Manöver „Steadfast Defender 2024“, an dem sich die Bundeswehr mit 12.000 Soldat*innen beteiligt, sehr teuer. So kostet die Teilnahme der Bundeswehr an dem Manöver fast 90 Millionen Euro. Auf spiegel.de heißt es dazu: „Mit 50 Millionen Euro sind die Transportkosten der größte Ausgabenposten. Acht Millionen Euro entfallen auf Mieten und Pachten, 5,5 Millionen Euro auf Dienstreisen. 23,5 Millionen Euro weist das Verteidigungsministerium als ’sonstige Übungskosten‘ aus.“ Im Rahmen des Manövers fand mit der Übung „Swift Response“ die bisher größte Luftlandeübung in der Geschichte der NATO statt. (yd)
IMI-Hausbar: 27. Mai
(27. Mai 2024)Am Mittwoch den 27.5 wird es in der Hausbar der Schellingstrasse 6 noch mal einen Vortrag zum Thema der Broschüre „Warum die AfD keine Friedenspartei ist“ geben. Die extrem rechte Alternative für Deutschland (AfD) inszeniert sich seit Beginn des Kriegs in der Ukraine immer vehementer als Friedenspartei – ja zum Teil sogar als die vermeintlich einzige Friedenspartei. Doch was ist wirklich dran? Wie steht die AfD zu Aufrüstung? Wie steht sie zu Rüstungsunternehmen? Wie steht sie zur Bundeswehr und zur NATO? Welche Widersprüche gibt es in der Selbstdarstellung der AfD als vermeintliche Friedenspartei? Wir sollten das Thema Frieden nicht den Rechten überlassen! Deshalb möchten wir die Veranstaltung auch nutzen, um zum Protest gegen den „Tag der Bundeswehr“ am 8. Juni in Stetten am kalten Markt zu mobilisieren. Beginn: 19 Uhr. Vortrag: 20 Uhr. (yd)
Ukraine: Atomabwehr angegriffen
(27. Mai 2024)Die Ukraine attackierte in der Nacht von Sonntag 26. Mai auf Montag 27. Mai 2024 mit Drohnen ein russisches Voronezh-M Frühwarn-Radar für ballistische Raketen. Während das ukrainische Verteidigungsministerium den Angriff auf die über 1,800km entfernte Station in der russischen Region Orenburg dafür feiert, einen neuen Rekord der Angriffsdistanz für Kamikaze-Drohnen aufgestellt zu haben, nannte der norwegische Militäranalyst Thord Are Iversen auf X, dass diese Art von Ziele anzugreifen „keine besonders gute Idee“ sei. Es sei in unser aller Interesse, „dass das russische Raketenwarnsystem gut funktioniert, insbesondere in Zeiten der Spannung.“ (pf)
Lindner: Entwicklungshilfe & Bürgergeld
(27. Mai 2024)Im Focus-Interview weiß Finanzminister Christian Lindner (FDP) ganz genau, wo er den Hebel ansetzen möchte, um hohe Militärausgaben zu finanzieren: „Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, aber wir sind der zweitgrößte Geber für internationale Projekte. Kein anderes G7-Land machte letztes Jahr bezogen auf die Wirtschaftsgröße so viel wie wir. Das kann nicht fortgesetzt werden, weil wir uns auf harte Sicherheit und die Unterstützung der Ukraine konzentrieren müssen. Außerdem werden wir die Treffsicherheit des Sozialstaats diskutieren. Wir müssen mehr Menschen aus dem Bürgergeld in Arbeit bringen. Wir können nicht tolerieren, wenn Leistungsbezieher das Bürgergeld angebotenen Jobs vorziehen.“ (jw)
Hofreiter: 400 Mrd. EU-Fonds? (II)
(27. Mai 2024)Vor knapp zwei Wochen hieß es noch, der völlig entsicherte Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter fordere einen EU-Rüstungsfonds im Umfang von 400 Mrd. Euro (siehe IMI-Aktuell 2024/310). Jetzt hat sich der Grüne nochmals selbst übertroffen, wie in der Welt nachzulesen ist: „‘Mein Vorschlag wäre ein europäischer Verteidigungsfonds, der um die 500 Milliarden Euro bereitstellt‘, fuhr er fort. Damit sollten Rüstungsprojekte, an denen mindestens drei Mitgliedsstaaten beteiligt sind, bis zu 30 Prozent finanziert werden – ‚vorausgesetzt, das investierte Geld geht zu 80 Prozent an europäische Unternehmen‘. […] Zur Finanzierung schlug der Grünen-Politiker vor, den Verteidigungsfonds ähnlich wie den Corona-Wiederaufbaufonds zu gestalten. ‚Dafür würde die EU-Kommission an den Kapitalmärkten Kredite aufnehmen‘.“ (jw)
Bundeswehr: TikTok
(27. Mai 2024)Die Personalnot der Bundeswehr zwingt die Truppe, alle möglichen Dinge auszuprobieren, u.a. will sie nun laut Spiegel Online auch TikTok zur Rekrutierung nutzen: „Derzeit arbeitet das Verteidigungsressort an kurzen Werbeclips, in denen die Bundeswehr als Arbeitgeber vorgestellt wird. Die ersten Spots sollen am 8. Juni auf TikTok veröffentlicht werden.“ (jw)
Identitäre Bewegung
(27. Mai 2024)Der Militärische Abschirmdienst (MAD) prüfe die Verbindungen zahlreicher Bundeswehrsoldat*innen zur rechtsextremen Identitären Bewegung, schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag: „Es geht um ‚eine mittlere zweistellige Zahl an Verdachtspersonen‘, heißt es in dem Dokument. […] Das Innenministerium betont in seiner Antwort, dass es aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit eine ‚lediglich kursorische Durchsicht des Aktenbestands‘ vorgenommen habe. Die nur „‘kursorische Durchsicht‘ deutet auf eine hohe Dunkelziffer hin.“ (jw)
„Fahnenflüchtige“: Kein Bürgergeld?
(26. Mai 2024)In der Bild wird Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit der Fordering zitiert, Ukrainern, die nicht im Krieg kämpfen wollen, das Bürgergeld zu entziehen: „‘Es kann keine Prämien geben für die, die fahnenflüchtig sind‘, sagte er in einem Gespräch mit dem Fernsehsender WELT TV (gehört wie BILD zu Axel Springer). Der CSU-Politiker fordert, zumindest Männern im wehrpflichtigen Alter das Bürgergeld zu streichen. […] Mindestens 200 000 der in Deutschland aufgenommenen 980 000 Ukrainer könnten in ihrer Heimtat gegen die russischen Aggressoren kämpfen.“ (jw)
Ukraine: Waffenstillstand?
(24. Mai 2024)Unter Berufung auf hohe russische Quellen berichtet Reuters heute, Wladimir Putin sei zu einem Waffenstillstand im ukraine-Krieg entlang der aktuellen Frontlinie bereit – entgegen vorherigen Andeutungen allerdings, nach denen russischerseits anschließend Verhandlungen auf Basis des Istanbuler Kommuniqués aufgenommen werden könnten (siehe IMI-Aktuell 2024/275), das im Kern eine ukrainische Neutralität und den Rückzug der russischen Truppen auf den Stand vor dem 24. Februar 2022 vorsieht, geben die zitierten Quellen an, es sei keine Option, die eroberten Gebiete wieder zurückzugeben: “Russian President Vladimir Putin is ready to halt the war in Ukraine with a negotiated ceasefire that recognises the current battlefield lines, four Russian sources told Reuters, saying he is prepared to fight on if Kyiv and the West do not respond. […] Putin’s insistence on locking in any battlefield gains in a deal is non-negotiable, all of the sources suggested. […] All five sources said Putin had told advisers he had no designs on NATO territory, reflecting his public comments on the matter.” (jw)
Neukaledonien: Interessen
(24. Mai 2024)Aktuell finden in Neukaledonien schwere Auseinandersetzungen um eine geplante Verfassungsreform statt, von der französischstämmigen Bewohner*innen bei Wahlen profitieren würden. Das Handelsblatt (via Bpb-Newsletter) fasst die dortigen französische Interessen bündig zusammen: „Für Macron geht es um viel mehr als das Wiederherstellen der öffentlichen Ordnung in dem französische Überseeterritorium. Es geht ihm auch um die dort lagernden Rohstoffe und den Einfluss seines Landes in einer Region, in der China immer machtbewusster auftritt. (…) Für Frankreich ist Neukaledonien, das über große Nickelvorkommen verfügt, nicht nur wegen dieses Rohstoffschatzes von besonderer Bedeutung. Die französischen Streitkräfte unterhalten in der Hauptstadt Nouméa auch einen Marinestützpunkt. Die Präsenz ist ein Pfeiler der Indopazifik-Strategie des europäischen Landes.“ (jw)
Angriffe auf russischem Gebiet?
(24. Mai 2024)In der Biden-Regierung soll laut New York Times (via Bpb-Newsletter) diskutiert werden, den bisherige Verbot mit US-Waffen Ziele auf russischem Gebiet zu beschießen, aufzuheben: „Propelled by the State Department, there is now a vigorous debate inside the administration over relaxing the ban to allow the Ukrainians to hit missile and artillery launch sites just over the border in Russia – targets that Mr. Zelensky says have enabled Moscow’s recent territorial gains.” (jw)
EIB: Rüstungsfinanzierung
(24. Mai 2024)Noch ist es der Europäischen Investitionsbank (EIB) eigentlich verboten, Gelder für Rüstungsgüter auszuschütten. Als Behelf wurde die Lösung gefunden, Produkte mit doppeltem, also auch militärischem Verwendungszweck („Dual-use“) hiervon auszunehmen. Im Jahr 2023 erhöhte der EIB-Verwaltungsrat die hierfür bis 2027 zur Verfügung stehenden Mittel auf acht Milliarden Euro. Bislang musste der zivile Anteil an finanzierbaren Projekten aber noch – relativ – hoch sein, das wurde aber kürzlich praktisch komplett einkassiert. In der entsprechenden EIB-Pressemitteilung heißt es: „Die bisherige Anforderung der EIB, dass Dual-Use-Projekte mehr als 50 Prozent der erwarteten Einnahmen aus zivilen Anwendungen erzielen müssen, um für eine Finanzierung im Bereich Sicherheit und Verteidigung infrage zu kommen, entfällt künftig. Die EIB-Gruppe darf nun Projekte und Infrastruktur finanzieren, die militärisch oder polizeilich genutzt werden und auch zivilen Zwecken dienen. Eine Mindestschwelle für den Erlös aus zivilen Anwendungen oder einen Mindestanteil an zivilen Nutzern gibt es nicht mehr.“ (jw)
Litauen-Brigade: Veto
(23. Mai 2024)Ziemlich überkreuz liegen derzeit Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Die zeigt nun auch die Meldung bei Spiegel Online, das Finanzministerium habe ein BMVg-Gesetzesvorhaben, mit dem über höhere Besoldung Personal für die Litauen-Brigade gewonnen werden soll, aufgrund unklarer und mutmaßlich mit 248,39 Mio. Euro zu niedriger Kostenschätzungen gestoppt. Kritik an dem vorhaben wurde in einem Schreiben von Finanzstaatsekretär Steffen Saebisch geäußert, über dessen Inhalt Spiegel Online schreibt: „Nach SPIEGEL-Informationen hat Lindners Finanzministerium sein Veto gegen einen Gesetzentwurf eingelegt, mit dem Pistorius zum 1. Januar 2025 neue finanzielle Zulagen für Soldaten und Soldatinnen einführen will. […] Ganz am Ende wird die Mail dann noch mal richtig böse. So rät Saebisch dem Wehrressort ziemlich deutlich, den ambitionierten Zeitplan für das Gesetz aufzugeben. Stattdessen solle das Haus von Pistorius klären, ob »ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2025 zwingend erforderlich ist, um genug Personal für Litauen zu gewinnen oder ob eine Regelung der höheren Leistungen auch zum Beispiel 2027/2028 hinreichend ist«.“ (jw)
Anerkennung Palästinas
(22. Mai 2024)Irland, Norwegen und Spanien haben heute gemeinsam angekündigt, nächste Woche Palästina als Staat anzuerkennen. Israel reagierte mit dem Abruf seiner Botschafter aus des Ländern. Eine Sprecherin von Außenministerin Annalena Baerbock bestätigte zwar, dass ein eigener Staat Palästina „festes Ziel deutscher Außenpolitik“ bleibe, doch scheint Deutschland zuvor einen Friedensvertrag abwarten zu wollen – zu dessen Grundbedingung, einem Waffenstillstand, jedoch nicht gedrängt wird.
Das ZDF schreibt: „Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kam 2019 zu dem Schluss, dass es schon jetzt keine grundsätzlichen völkerrechtlichen Vorbehalte gegen eine deutsche Anerkennung Palästinas gebe.“ und „Eine Anerkennung Palästinas könne es ohne europäische Sicherheitsgarantien für Israel aber nicht geben.“
Dabei ist die größere Frage eigentlich, wie es einen Staat Palästina ohne Sicherheitsgarantien für diesen geben könne, solange die israelische Regierung erstens überzeugt ist, einen solchen nicht zuzulassen, und zweitens den Raub palästinensischer Gebiete durch die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik vorantreibt. (pf)
D.R. Kongo: Putsch vereitelt
(22. Mai 2024)Am Sonntag, 19. Mai 2024, vereitelte das kongolesische Militär einen scheinbar sehr schlecht geplanten Putsch, nahm rund 50 Putschisten fest und tötete sechs, darunter den vermuteten Rädelsführer mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, Christian Malanga. Drei weitere Kongolesen(?) mit amerikanischer und einen mit britischer Staatsbürgerschaft wurden festgenommen. Einige kongolesische Polizisten und Soldaten wurden von den Putschisten getötet, die in den Präsidentenpalast eindrangen und das Haus des Präsidenten, Felix Tshisekedi, (erfolglos) angriffen. Die Putschisten übertrugen ihren Angriff live auf Facebook, wobei wohl zu sehen war, wie vor und im Präsidentenpalast die Flagge der New Zaire Bewegung gehisst wurde, deren Anführer Malanga ist. 2017 floh er wohl nach einem missglückten Übernahmeversuch in die USA.
Zwei der weiteren festgenommenen amerikanischen Staatsbürger sind Malangas 21jähriges Sohn, sowie dessen Geschäftspartner Benjamin Zalman-Polun. Die dritte Person ist nicht bekannt. In den sozialen Medien, wo Verschwörungstheorien über eine Beteiligung der CIA zirkulieren (ohne diesen wegen dem Wort einen notwendigen negativen Wahrheitsgehalt zuzusprechen), sind auch Videos zu sehen, wo ein weißer Mann mit einem schwarzen Mann von kongolesischen Soldaten aus einem Uferschilf gezogen und festgenommen wird. Reuters scheint ein Video mit zwei weißen Männern unter den festgenommenen gesehen zu haben.
Die amerikanische Botschafterin in dem Land, Lucy Tamlyn, versicherte jedoch sogleich auf X, „dass wir bei der Untersuchung dieser Straftaten in vollem Umfang mit den Behörden der Demokratischen Republik Kongo zusammenarbeiten und jeden an Straftaten beteiligten US-Bürger zur Rechenschaft ziehen werden.“ (pf)
IStGH: Anklage gegen Israels und Hamas-Führung
(22. Mai 2024)Am Pfingstmontag beantragte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, Karim Khan, Haftbefehle für den israelischen Premierminister, Benjamin Netanyahu, und dessen Verteidigungsminister, Joaw Gallant, sowie für die Hamas-Führer Jahia Sinwar, Mohammed Diab Ibrahim Al-Masri, und Ismail Haniyeh. Ob diese ausgestellt werden, obliegt nun den Richtern des internationalen Gerichts, dem Israel, wie die USA, Russland und China, nicht angehört, welches aber wegen der palästinensischen Unterzeichnung des Rom-Statuts, seine Jurisdiktion in dem Fall im letzten Jahr bestätigt hat.
Den Hamas-Führern wird wegen dem Terrorangriff am 7. Oktober 2023 Mord, Geiselnahme, Vergewaltigungen und Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Netanyahu und Gallant wird vorgeworfen, seitdem für das Aushungern von Zivilisten als Methode der Kriegsführung sowie für willkürliche Tötungen, Mord und zielgerichtete Angriffe auf Zivilisten verantwortlich zu sein, was ebenso Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt.
Wenn die Haftbefehle ausgestellt werden, sind alle Vertragsstaaten verpflichtet, die Angeklagten festzunehmen und dem Gericht zu übergeben. Alle Europäischen Staaten gehören dazu.
Die israelischen Politiker reagierten erbost. Netanyahu bezeichnete den Chefankläger Khan als einen „der großen Antisemiten der Moderne“. Gallant erklärte: „Die Parallele, die er zwischen der Terrororganisation Hamas und dem Staat Israel gezogen hat, ist verachtenswert.“
Auch der Präsident der Vereinigten Staaten, Jo Biden, beklagte die Gleichsetzung von Hamas und Israel. Staatssekretär Antony Blinken ließ sogar durchscheinen, dass man in Richtung einer Sanktionierung der Würdenträger des IStGH arbeite, wie es republikanische Abgeordnete schon vorher forderten. (Siehe IMI-Aktuell 2024/326: USA warnen IStGH gegen Israel zu ermitteln, 7. Mai 2024) Der Senator Lindsey Graham erinnerte diesbezüglich auch daran, dass der IStGH somit auch US-amerikanische Staatsbürger wegen Kriegsverbrechen in den USA anklagen könne. „We are next!“ war seine Warnung.
Auch die Hamas kritisieren, die Entscheidung. Sie vergleiche „das Opfer mit einem Henker und ermutigt die (israelische) Besatzung, den genozidalen Krieg fortzusetzen“
Während sich Frankreich aussprach, den Internationalen Strafgerichtshof, seine Unabhängigkeit und den Kampf gegen Straflosigkeit in allen Situationen zu unterstützen, wohinter sich auch Belgien stellte, und Norwegen bestätigte, den Haftbefehl Folge zu leisten, sollte er ausgestellt werden, kritisiert das deutsche Auswärtige Amt unter der grünen Außenministerin, Annalena Baerbock, dass „durch die gleichzeitige Beantragung der Haftbefehle ist der unzutreffende Eindruck einer Gleichsetzung entstanden“ sei.
Unterstützung bekam Khans Antrag jedoch von internationalen Hilfsorganisationen wie Human Rights Watch oder auch der deutschen Medico International. (pf)
Kein Tag der Bundeswehr
(22. Mai 2024)Am 8. Juni findet in Stetten am kalten Markt leider wieder ein Tag der Bundeswehr statt. Die DFG-VK ruft auf zum Protest! Die Kundgebung startet voraussichtlich um 11:30 in Stetten am kalten Markt. Es ist auch eine gemeinsame Anreise von Tübingen und Stuttgart aus geplant. (yd)
Verhandlungen: Gebot
(22. Mai 2024)Erfreulich auch mal ein Plädoyer für Verhandlungen bei der SPDnahen Internationalen Politik und Gesellschaft zu lesen: “Angesichts des unendlichen Leids und der vielen Toten nach Wegen zu suchen, wie der Krieg gestoppt werden kann, statt wider die Faktenlage an der Hoffnung eines militärischen Sieges als der einzig annehmbaren Option festzuhalten, ist ein Gebot moralischer Realpolitik.“ (jw)
Grenzregime: Desert Dump
(22. Mai 2024)Das barbarische und mörderische Grenzregime der Europäischen Union war ja bereits häufig Gegenstand diverser IMI-Texte, zuletzt in einer Studie zur türkisch-bulgarischen Grenze (siehe IMI-Studie 2024/03). In der jungen Welt wird ebenfalls auf eine neue Studie namens „Desert Dump“ (Wüstenhalde) hingewiesen. Ihr zufolge sollen Tunesien, Marokko und Mauretanien systematisch Migrant*innen aufgreifen und in der Wüste aussetzen. Ganz entgegen offizieller Verlautbarungen sei Brüssel hier aber Mittäter, die junge Welt zitiert aus der Studie, dass „Europa wissentlich die systematische Vertreibung von schwarzen Flüchtlingen und Migranten in Wüsten und abgelegene Gebiete in drei nordafrikanischen Ländern finanziert und manchmal sogar direkt daran beteiligt ist, um sie daran zu hindern, in die EU zu kommen“. (jw)
MGCS: Kanonenstreit
(22. Mai 2024)Es stottert mächtig bei der Entwicklung des geplanten deutsch-französischen Panzerprojektes MGCS. Ungelöst ist vor allem weiter, ob auf eine 140mm (KNDS France) oder eine 130mm (Rheinmetall) Kanone gesetzt werden soll. Die Entscheidung ist von erheblicher Tragweite, wie das Fachportal hartpunkt.de erläutert: „Die zukünftige Kanone hat das Potenzial, den Standard für die zukünftige NATO-Panzermunition zu setzen. Und ähnlich wie bei dem Geschäft mit den Druckern, wird der größte Teil der Marge nicht bei dem einmalig gekauften Drucker, sondern bei den sich ständig verbrauchenden Druckerpatronen erzielt.“ (jw)
Rüstungsstrategie: Roter Teppich
(22. Mai 2024)Im Jahr 2015 wurde das erste „Strategiepapiers der Bundesregierung zur Stärkung der Verteidigungsindustrie in Deutschland“, mit dem der deutschen Waffenbranche gezielt unter die Arme gegriffen werden sollte (siehe IMI-Standpunkt 2015/024). Ihm folgte 2020 das „Strategiepapier der Bundesregierung zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie“, in dem einige neue Maßnahmen hinzukamen (siehe IMI-Analyse 2020/06).
Nun arbeiten Wirtschafts- und Verteidigungsministerium an einer neuen Fassung, die laut Wirtschaftswoche noch vor der Sommerpause vorgelegt werden könnte. Der Grund: „Die Grünen haben dem Vernehmen nach entscheidende inhaltliche Widerstände aufgegeben.“ Das Papier solle ein „‘Deutschland-Tempo‘ für die Rüstung ermöglichen“, schreibt das Blatt und erläutert, was dazu so alles beitragen soll: „mehr Fachpersonal aus Branchen wie der Autoindustrie, weniger Sicherheitsüberprüfungen, sichere Lieferketten etwa von relevanten Chemikalien, bessere Förderung und einfachere Finanzierung von Rüstungsforschung, Startups und Dual-Use-Produkten.“ (jw)
Keine Rüstungsfreundschaft
(21. Mai 2024)Unter anderem im Aachener-Vertrag haben sich Deutschland und Frankreich darauf verständigt, in Rüstungsfragen eng zusammenzuarbeiten. Dennoch kracht es in jüngster Zeit immer heftiger, wie auch ein jüngster französischer Parlamentsbericht zeigt, über den bei defensenews.com berichtet wird: „France’s lower-house defense committee took a swipe at what it described as Germany’s self-interested approach in European defense matters, saying the Berlin government’s promotion of domestic firms comes at the expense of the greater industrial cooperation that is needed to increase strategic autonomy in the European Union. […] While France and Germany have moved ahead on joint programs to develop a sixth-generation fighter and a new battle tank, the rapporteurs said that Germany torpedoed several joint programs, didn’t involve France in the launch of its European Sky Shield Initiative, and is using the war in Ukraine to expand its defense-industry presence in Eastern Europe.” (jw)
Wehrpflicht: Freiwillig?
(21. Mai 2024)In den Medien, zb beim Redaktionsnetzwerk Deutschland, wird gemeldet, SPD-Chef Lars Klingbeil habe sich dafür ausgesprochen, trotz massiver Rekrutierungsprobleme auf Freiwilligkeit statt auf einen Pflichtdienst zu setzen. „Ich finde, wir sollten es freiwillig probieren, indem wir die Bundeswehr noch attraktiver machen“. Klappt dies aber – wie absehbar – nicht, dürfte es mit der Freiwilligkeit nicht weit her sein. So schreibt der ehemalige Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels in der Mai-Ausgabe der Europäischen Sicherheit & Technik (S. 40f.) von einer Auswahlwehrpflicht: „Das heißt: alle erfassen und mustern, die Tauglichen fragen, ob sie auch kommen wollten […]. Wenn es aufgeht, niemanden gegen seinen Willen. Wenn nicht, gilt die klassische Pflicht.“ (jw)
Büchel: Aktionstag 25.Mai
(16. Mai 2024)Am Samstag, 25. Mai, wird es in Büchel in der Eifel am dortigen Bundeswehr Fliegerhorst den 7. Kirchlichen Aktionstag für eine atomwaffenfreie Welt geben, wie die seit Dezember 2017 bestehende Projektgruppe „Kirche gegen Atomwaffen“ in einer Pressemitteilung mitteilte. Im Mittelpunkt soll dabei ein ökumenischer Gottesdienst direkt vor dem Haupttor des Luftwaffenstützpunktes stehen. Es soll aber auch workshops und ein Kulturprogramm mit mehreren musikalischen Beiträgen geben. (yd)
Herons an der Heimatfront
(16. Mai 2024)Spiegel Online berichtet über die fünf von Israel geleasten waffenfähigen Drohnen vom Typ Heron TP, die ursprünglich für Auslandseinsätze vorgesehen waren, jetzt aber fürs inland vorgesehen sind: „Nun aber soll die modernere Heron an der Heimatfront ihre Kreise am Himmel ziehen. Geplant sind zunächst Aufklärungsmissionen zur Unterstützung der Bundeswehr, sagt Luftwaffengeneral Günter Katz in Jagel.“
Die Bundeswehr gibt an, (zumindest vorerst) sei vorgesehen, die Drohne im Inland unbewaffnet fliegen zu lassen, eine Bewaffnung sei ausschließlich für Auslandseinsätze vorgehsehen. (jw)
CDU: Drohnenarmee
(16. Mai 2024)Die CDU fordert in einem Antrag, der heute im Bundestag behandelt wird, den Aufbau einer Drohnenarmee: „Der Aufbau einer Drohnenarmee und die Entwicklung von Fähigkeiten zur Bekämpfung von Drohnen und dem Schutz vor Drohnen sind daher ein erster wichtiger Schritt für eine kriegstüchtige Bundeswehr und für den Schutz ziviler und militärischer Kritischer Infrastruktur gegen Sabotage und Terroranschläge als Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung.“ (jw)
„Gipfel der Dummheit“
(15. Mai 2024)So nennt Willem Staes von der belgischen Organisation 11.11.11., zu der 60 Nicht-Regierungs- und Menschenrechtsorganisationen gehören, den neuen EU-Libanon-Deal, der vorsieht dem Libanon rund 1 Milliarde Euro bis 2027 zur Verfügung zu stellen, um Geflüchtete im Land aufzuhalten und sie an der Flucht nach Zypern und Europa zu hindern (siehe u.a. tagesschau 02.05.24). Im Interview mit der dw verweist Staes auf eine Untersuchung, die seine Organisation Ende April unter syrischen Geflüchteten im Libanon durchführte: „Die überwältigende Mehrheit der Befragten war in der sich verschlechternden Sicherheitssituation für Syrer im Libanon sehr in Sorge vor Ausweisung. 88 Prozent von ihnen sagten, das habe direkten Einfluss auf ihre Entscheidung, zu versuchen, nach Europa zu gelangen.“ Staes betont gegenüber der dw: „Statt effektive Maßnahmen zu ergreifen gegen diese Deportationen, gibt von der Leyen der libanesischen Armee mehr Geld und erhöht damit ihre Möglichkeiten internationales Recht zu verletzen.“ Das Geld werde weder das Leben syrischer Geflüchteter noch libanesischer Bürger verbessern. Das Abkommen sei gefährlich und werde mehr Todesfälle, mehr Gewalt und mehr illegaler Migration verursachen. Dies sei „bezeichnend für die problematische europäische Politik, die nur von Wahl-Kalkül getrieben wird statt von der Realität vor Ort.“ (rw)
Den Krieg verraten
(15. Mai 2024)Auch Sprecher*innen des Bündnisses Rheinmetall entwaffnen erklärten sich anlässlich des internationalen Tags der Kriegsdienstverweigerung solidarisch mit allen, die den Kriegsdienst verweigern, wie ANF berichtete. „Die Geschichte hat gezeigt, dass massenhafte Desertion, Kriegsdienstverweigerung und Solidarität Kriege beenden kann […] Eine Position, die wir im letzten Jahr stark gemacht haben ist, die staatliche Logik des Krieges und Verfügung über die zum Krieg gezwungenen Menschen grundsätzlich abzulehnen, kurz: den Krieg zu verraten“, so ein Sprecher des Bündnisses, das den internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung „angesichts der globalen Aufrüstung und Kriege, die immer mehr Menschen zur Flucht, aber auch in ihren Dienst zwingen“ als „wichtiger denn je“ bezeichnete. Es folgte ein Aufruf zum Protest vom 3.-8. September in Kiel: „Lasst uns deshalb an all jene denken, die den Krieg verraten haben, die sich gegen Nationalismus und Militarismus gestellt haben. Lasst uns zusammen dafür sorgen, dass es auch in Zukunft noch viel mehr werden! Und welcher Ort wäre dafür geeigneter als Kiel, in dem Soldaten, Matrosen und Arbeiter:innen 1918 gemeinsam den Krieg verrieten, sich Militärs und Adel verweigerten und sich daran machten, kämpfend eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Wir als Rheinmetall Entwaffnen hoffen, an diese historische Bewegung anknüpfen zu können. Deswegen sehen wir uns im September in Kiel!“ (yd)
Forderung: Ersatzreisepässe
(15. Mai 2024)Anlässlich des internationalen Tags der Kriegsdienstverweigerung (15. Mai) fordert Connection eV. zusammen mit Pro Asyl die Innenminister*innen der Länder und den Bund auf zu beschließen, dass die Rückkehr Militärdienstpflichtiger in die Ukraine als unzumutbar erachtet wird und ihnen daher als Passersatz „Reiseausweise für Ausländer*innen“ ausgestellt werden. Die Forderung wird damit begründet, dass die Ukraine im Ausland befindlichen Staatsbürger*innen im militärdienstpflichtigen Alter seit dem 23. April keine Reisepässe mehr ausstelle, wodurch ukrainische Militärdienstpflichtige im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, die sich in Deutschland aufhalten, Reisepässe nur noch in der Ukraine erhalten können. “Ohne den gültigen Pass droht nicht nur zahlreichen derzeit aufenthaltsberechtigten, seit Jahren in Deutschland lebenden Militärdienstpflichtigen aus der Ukraine der Verlust ihrer Aufenthaltstitel. Auch braucht man Pässe für eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, zur Eheschließung, bei der Geburt eines Kindes, bei einer Kontoeröffnung und vielem mehr”, so Tareq Alaows, flüchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL. „Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht, auch im Falle eines Krieges […] Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einer Grundsatzentscheidung festgestellt. Die Ukraine hält sich aber nicht daran, schickt Verweigerinnen und Verweigerer an die Front oder unterwirft sie langen Haftstrafen“, so auch Rudi Friedrich von Connection e.V. (yd)
USA: 1 Milliarde
(15. Mai 2024)Wie Al-Jazeera und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei ungenannte US-Beamte berichteten, hat die Regierung Biden dem Kongress am vergangenen Dienstag mitgeteilt, dass sie plant, ein Militärhilfepaket in Höhe von 1 Mrd. USD an Israel zu senden. Das Paket, das noch genehmigt werden muss, umfasst nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press etwa 700 Mio. USD für Panzermunition, 500 Mio. USD für taktische Fahrzeuge und 60 Mio. USD für Mörsergranaten. Eine Woche zuvor gab Präsident Biden noch an, dass er eine Lieferung von 907 kg-Bomben (2.000 kg) und 1.700 500 kg-Bomben an Israel verschoben habe, weil er befürchtet, dass sie für die Invasion in Rafah verwendet werden könnten. (yd)
Australien: Kriegsverbrechen-Whistleblower verurteilt
(15. Mai 2024)Seitdem die Kriegsverbrechen australischer, wie auch anderer westlicher Spezialkräfte in Afghanistan öffentlich wurden, überzieht der australische Staat die Medienagentur ABC, die die Kriegsverbrechen dokumentierte, und die Whistleblower mit Repression (IMI-Analyse 2021/05: Gesetzeslose Soldaten. Wie Regierungen Kriegsverbrecher vor Bestrafung schützen).
Nun kam es zur ersten Verurteilung in dem Fall, und zwar gegen Militäranwalt David McBride. „Sein Verbrechen ist jedoch nicht deren Ausführung, sondern ihr Aufdecken. Am Dienstag wurde der Whistleblower David McBride von einem Gericht in Australiens Hauptstadt Canberra zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, eine Chance auf Bewährung besteht frühestens in zwei Jahren und drei Monaten“, schreibt die junge Welt in „Gerechtigkeit Down Under“.
Außerdem: „Am selben Tag ist ein Kriegsverbrecherprozess zu Afghanistan vertagt worden.“
EU-Atomwaffen: Erinnerung
(15. Mai 2024)Gustav Meibauer und Christopher David Laroche kommentieren auf „War on the Rocks“ die deutsche Diskussion um die Anschaffung und Entwicklung deutscher oder „europäischer Atomwaffen“. Diese würden das Sicherheitsdilemma Deutschlands nicht lösen und vielmehr in die „Superwaffen-Falle“ führen – die Vorstellung außenpolitische Probleme durch eine vermeintliche Superwaffe zu lösen:
„Berlin should not fall for the bait. To develop and deploy a nuclear deterrent, even within a European institutional framework yet to be developed, German politicians would have to overcome their population’s misgivings about atomic bombs and legal commitments to the nonproliferation regime, including the Treaty on the Final Settlement with Respect to Germany that made reunification possible. Even then, a nuclear weapons program would be difficult to operate, flout international norms, and potentially worsen rather than improve German security. A German contribution to a French-led Eurodeterrent, though it might spare Berlin some of these difficulties, would face many of them nonetheless — in addition to credibility and control problems of its own.“
Der eher beiläufige Hinweis auf den Zwei-Plus-Vier-Vertrag – die „abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“ von 1990, welche die sog. Wiedervereinigung ermöglichte und Deutschland erstmals nach 1945 unter den dort formulierten Bedingungen die volle Souveränität ermöglichte – ist durchaus relevant. Denn dort heißt es bereits in Artikel 3, Absatz 1:
„Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigen ihren Verzicht auf Herstellung und Besitz von und auf Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische Waffen. Sie erklären, daß auch das vereinte Deutschland sich an diese Verpflichtungen halten wird. Insbesondere gelten die Rechte und Verpflichtungen aus dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen vom 1. Juli 1968 für das vereinte Deutschland fort.“
Wehrpflicht: Widersprüchlich
(15. Mai 2024)Aus der Bundeswehr werden Stimmen lauter, dass nicht einmal die – ohnehin ambitionierte – Zielsetzung von rund 180.000 auf 203.000 Soldat*innen anzuwachsen reichen werde, um die NATO-Planziele zu erfüllen. Die Rede ist inzwischen von 240.000 bs 250.000 Soldat*innen, Hier liegt eine wesentliche Ursache für die Überlegungen, die Wehrpflicht in der einen oder anderen Form zu reaktivieren. Auf der anderen Seite scheint der Kanzler die Personallage überaus entspannt zu betrachten. So ist etwa in der Mitteldeutschen Zeitung zu lesen: „Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht geäußert. Bei einem Besuch in Schweden, wo der Pflichtdienst bei der Armee vor sieben Jahren reaktiviert wurde, bezeichnete der SPD-Politiker den Personalmangel bei der Bundeswehr als ‚überschaubare‘ Aufgabe.“ (jw)
Lavender: Gut gesagt!
(14. Mai 2024)Anlässlich des auch von der IMI gezeichneten und veröffentlichten Positionspapiers „Targeted? Killing“ zum Einsatz von KI im Gaza-Krieg hat netzpolitik.org Reiner Rehak interviewt, der für das „Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung“ (FIFF) an der Formulierung des Papiers beteiligt war. Darin spricht er von Skalierungseffekten beim/durch den Einsatz „Künstlicher Intelligenz“ bei der Zielfindung:
„Bei ‚Lavender‘ war es manchmal sogar so, dass sie alle aktuellen Ziele, die das System ausgespuckt hatte, angegriffen hatten, aber, salopp gesagt, trotzdem noch Bomben für den Tag übrig hatten. Deshalb sollen sie sich dafür entschieden haben, die sowieso schon geringen Genauigkeitsanforderungen noch weiter herunterzusetzen. Sie haben also an ein paar Parametern gedreht und den Fokus ungenauer gemacht, dann produziert das System weitere Ziele. Diese Möglichkeiten sind ein Beispiel für Skalierungs-Effekte.
Als Mensch würde man vielleicht auf die Karte gucken und zufällig auf Häuser zeigen. Das wäre eindeutig Willkür und ganz furchtbare Kriegspraktik. Wenn es aber eine Maschine macht, bekommt das so eine Art ‚Goldstaub des Gezielten‘. Das stimmt aber nicht und das wissen diejenigen, die es einsetzen, auch genau. Trotzdem benutzen sie es so.“
Faber: Sozialkürzungen
(14. Mai 2024)Sechs bis acht Mrd. will Verteidigungsminister Boris Pistorius zusätzlich zu den Unsummen, um die die Militärausgaben bereits angewachsen sind, im kommenden Jahr mehr. Finanzminister Lindner lehnt erstmal ab, wobei die Liberalen die Situation zu nutzen versuchen, um schon im kommenden Haushalt deutliche Kürzungen im Sozialbereich durchzudrücken. So äußerte sich der FDP-Bundestagsabgeordnete Markus Faber im MDR. „Die Bundeswehr braucht grundsätzlich mehr Geld, ja. […] Wenn man an der einen Stelle mehr ausgeben will, dass muss man auch sagen, wo man an der anderen Stelle weniger ausgeben will. […] Wenn Herr Pistorius mit seinem Parteifreund Heil redet, dem Minister für Arbeit und Soziales, und dem plausibel macht, warum wir in dem Bereich einsparen, dann ist Christian Lindner glaube ich total offen für den Vorschlag, da gibt’s dann gar kein Problem.“ (jw)
Schweiz: Ukraine-„Friedens“konferenz
(13. Mai 2024)Das Onlinemagazin German-Foreign-Policy berichtete unlängst über die neusten Versuche des Westens, die internationale Gemeinschaft bezüglich des Ukrainekriegs auf seine Seite zu ziehen, genauer: die ukrainische Grundlagendokumente für Friedensverhandlungen zu unterstützen, wofür 160 diplomatische Delegationen zur für Mitte Juni angekündigten Ukraine-Konferenz am Vierwaldstättersee in der Schweiz eingeladen sind.
Wirkliche Friedensverhandlungen mit Russland scheinen jedoch erst für die zweite Hälfte des Jahres 2025 gedacht zu sein. „Denn Anfang 2026 werde Russland aufgrund von Knappheit an Material wie auch an Ingenieuren in ernste Schwierigkeiten mit seiner Rüstungsproduktion geraten – eine günstige Zeit, Moskau unter Druck zu setzen.“
Da Russland auf dieser schweizer Konferenz außen vor bleibt und der auf Maximalforderungen basierende, eigentlich eine russische Kapitulation fordernde, Vorschlag der Ukraine angesichts der Lage auf dem Schlachtfeld realistischerweise keine Verhandlungsgrundlage liefert, der sich Russland unterziehen wird, betitelt das GFP den Artikel mit Das Schweizer PR-Event für die Ukraine.
Während unter anderem Scholz dafür wirbt, wird eine eher verhaltene Teilnahme des Globalen Südens erwartet und selbst europäische PolitikerInnen, wie der Präsident der Slowakei, Peter Pellegrini, möchten stattdessen „die Diplomatie mobilisieren“.
Wehrpflicht: Modelle
(13. Mai 2024)Der Welt liegen die Optionen vor, die für eine Re-Aktivierung der Wehrpflicht aktuell wohl diskutiert werden: „Spätestens Anfang Juni wird der Minister einen entsprechenden Vorschlag öffentlich machen. Auf einer Leitungsklausur seines Hauses vorige Woche in Osnabrück bekam er die ersten Konzepte dafür vorgelegt. Drei sind es an der Zahl […].Der erste Vorschlag ist der vorsichtigste. Er sieht keine Wehrpflicht vor, sondern den Versuch, sämtliche Möglichkeiten des freiwilligen Wehrdienstes auszuschöpfen. […]Der zweite Vorschlag für den Minister enthält tatsächlich eine Pflicht, und zwar „die Wiedereinführung einer grundgesetzkonformen Auswahlpflicht“. Während Frauen weiterhin auf freiwilliger Basis angeschrieben werden sollen, werden der Online-Fragebogen und die eventuelle Musterung für Männer verpflichtend. […]Die dritte Variante geht am weitesten. Damit würde die Auswahlwehrpflicht um Geschlechterneutralität erweitert.“ (jw)
2,5% BIP?
(13. Mai 2024)Zeit Online berichtet über Forderungen des britischen Außenministers David Cameron das NATO-Ausgabenziel zu erhöhen, sobald alle Mitglieder die Marke von 2% des BIP erreicht hätten: „Und dann müssen wir schnell 2,5 Prozent als Zielmarke einführen.“ (jw)
Hofreiter: 400 Mrd. EU-Fonds?
(11. Mai 2024)Anfang des Jahres sorgte EU-Industriekommissar Thierry Breton mit seiner Forderung nach einem 100 Mrd. Euro EU-Rüstungsfonds für Aufmerksamkeit (siehe IMI-Analyse 2024/23). Bei der Europäischen Sicherheit & Technik findet sich eine Vorabinformation über ein bald erscheinendes Interview von Anton Hofreiter, der anscheinend noch einmal ganz andere Dimensionen im Auge hat: „In einem Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“, das am 25. Mai erscheint, plädiert der Vorsitzende des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union des Deutschen Bundestages, Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) für die Einrichtung eines EU-Verteidigungsfonds in Höhe von bis zu 400 Milliarden Euro. Aus dem Fonds sollen gemeinsame EU-Rüstungsprojekte und weitere Unterstützung der Ukraine finanziert werden.“ (jw)
Schuldenbremse: Gutachten
(9. Mai 2024)Laut Handelsblatt habe das Verteidigungsministerium ein Rechtsgutachten erstellen lassen, demzufolge – welche Überraschung – es möglich sei, Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse auszunehmen: „Die Schuldbremse bliebe ja bestehen, aber die Ausgaben für Verteidigung und Zivilschutz würden nicht dort eingerechnet“, sagte Pistorius am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Sein Haus habe dazu ein Rechtsgutachten erstellt. […] Pistorius beruft sich in seiner Argumentation auf die Verfassung, in der sowohl die Schuldenbremse als auch die Verteidigungsfähigkeit der Streitkräfte verankert sind. Unterschiedliche Aufgaben aus der Verfassung dürften nicht gegeneinandergestellt werden, forderte der Minister.“ (jw)
Unis in Militärübung
(8. Mai 2024)Wie in der italienischen Zeitung Il Manifesto berichtet wird, nehmen aktuell 13 italienische Universitäten an einer NATO-Übung im Mittelmeerraum teil. Die Übung heißt – zynischer könnte es angesichts der sterbenden people on the move im Mittelmeer nicht sein – „Mare Aperto 2024“ bzw. „Offenes Meer 2024“. Diese vierwöchige Übung wird von Italien koordiniert – mit dabei sind 9.500 Soldat*innen aus 22 Staaten, 11 davon NATO-Mitgliedsstaaten. Wie bereits bei der Übung Mare Aperto 2023 sind auch dieses Jahr wieder Universitäten mit dabei: Die Universitäten „Bari, Alma Mater Studiorum Bologna, Genua, Triest, Statale Milano, Cattolica Milano, Politecnico Milano, Iulm Milano, Federico II Napoli, Sant’Anna Pisa, La Sapienza Roma, Luiss Roma, Tuscia“. Das Verteidigungsministerium ließ verlauten: „An Bord unserer Schiffe werden 65 Studenten und Dozenten sein, die sich je nach Studiengang in das Personal an Bord integrieren werden.“ Die Studierenden und Dozent*innen beteiligen sich damit an einer Übung, bei der hundert Schiffe, Kampfflugzeuge, Drohnen, U-Boote und – weil die Übung mit der französischen Übung Polaris 2024 zusammenwirken wird – zwei Flugzeugträgern. Zum großen Teil soll die Übung im sardischen Polygon von Capo Teulada stattfinden, doch auch an den Küsten Südfrankreichs, Korsikas und Siziliens. Es sei eine Militärübung im Mittelmeerraum, der durch den Krieg in Palästina und den Spannungen im SWANA-Raum (South West Asia and North Africa) an Bedeutung gewinnt. Und wie navalnews berichten, hebte der Admiral Aurelio De Coralis hervor, die italinienische Marine habe noch nie so zahlreiche und anspruchsvolle Verpflichtungen gehabt. Diese erstrecken sich aktuell auf den gesamten Mittelmeerraum und lägen auch in „der taktischen Leitung aller drei laufenden europäischen Marineeinsätze – Atalanta, Aspides und Irini – über die Task Force 153 im Rahmen der Combined Maritime Forces bis hin zum Einsatz Gabinia im Golf von Guinea“. Für diese Einsätze ist die Übung Mare Aperto 2024 wichtig: „Mare Aperto ist ein inzwischen konsolidiertes und international anerkanntes Übungsformat, das es uns ermöglicht, Seestreitkräfte zu trainieren, damit sie diese Führungsaufgaben mit Kapazität und Autorität wahrnehmen können, und dabei anspruchsvolle Übungsszenarien zu entwickeln, die dem aktuellen globalen geostrategischen Rahmen entsprechen.“ Mit dabei die Universitäten, die Italien helfen sollen, militärisch an Bedeutung zu gewinnen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Proteste für ein Ende des Krieges in Palästina an den Universitäten Italiens und die damit einhergehende Auseinandersetzung mit der Rolle der eigenen Universitäten in der Rüstungsindustrie und Kriegen bzw. in Militärbesatzung und Siedlerkolonialismus, dazu führen, dass auch die Trennung von Militär und Universitäten in Italien wieder schärfer gezogen wird. (ja)
Indo-Pazifik: Abfahrt
(8. Mai 2024)Gestern begann die Marine ihr diesjähriges „Indo-Pacific-Deployment“, mit dem sie militärisch Flagge in der konfliktreichen Region teigen will. Die Bundeswehr schreibt: „Am 7. Mai sind die Fregatte „Baden-Württemberg“ und die Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ zu ihrem großen Übungsvorhaben ausgelaufen. […] Die „Baden-Württemberg“ tritt mit rund 180 Soldatinnen und Soldaten an Bord die weltumrundende Tour an, die formell als Ausbildungsfahrt definiert ist, aber auch operative Anteile haben wird. An Bord der „Frankfurt am Main“ befinden sich rund 200 Soldatinnen und Soldaten.“ UPDATE: Und gleich gibts einen neuen IMI-Cartoon zum Thema. (jw)
USA warnen IStGH gegen Israel zu ermitteln
(7. Mai 2024)Nachdem der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) zwar Nicaraguas Eilantrag gegen Deutschland abgelehnt hat, ermittelt er trotzdem weiter sowohl im Tatbereich Genozid, als auch wegen verschiedener Kriegsverbrechen Israels. Diese Ermittlungen scheinen so weit fortgeschritten, dass einige US-amerikanische Abgeordnete und Senatoren fürchten, der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu und verschiedene Minister und führende Militärs könnten einen Strafbefehl des gegen Personen (nicht wie der Internationale Gerichtshof (IGH) gegen Staaten) ermittelnden internationalen Gerichts bekommen, dessen Jurisdiktion weder die USA noch Israel anerkennen. Da der, in diesem Gericht anerkannte, Staat Palästina Teil der nötigen Verträge ist, sieht das Gericht jedoch seine Jurisdiktion im Falle der Angriffe auf palästinensischem Territorium und an Palästinensern.
In einem Brief des republikanischen Senatoren Tom Cotton und anderer republikanischer Senatoren, dem sich mittlerweile auch Abgeordnete der Demokraten anschlossen, werden der Chefermittler Karim Khan und andere Mitarbeiter des Gerichts gewarnt, Strafbefehle gegen Israelis auszusprechen, wie Springers internationales Politikmagazin Politico gestern berichtete.
„Wenn Sie Israel angreifen, werden wir Sie angreifen“, werden die Mitarbeiter des Gerichts explizit gewarnt; und weiter: „Wenn Sie die im Bericht genannten Maßnahmen vorantreiben, werden wir die gesamte amerikanische Unterstützung für den IStGH beenden, Ihre Mitarbeiter und Partner sanktionieren und Sie und Ihre Familien aus den Vereinigten Staaten ausschließen.“
Laut dem Sprecher des Abgeordnetenhauses, Mike Johnson, habe Staatssekretär Antony Blinken bestätigt, dass auch die Biden-Regierung diese Position habe.
Senator Tom Cotton hatte schon zu Anfang des Jahres eine Gesetzesvorlage eingereicht, die eine solche Sanktionierung fordert, die jedoch auf eine Rücknahme eines Dekrets von Trump durch Biden folgte, welches ähnliches besagte. Man befürchtet einen Präzedenzfall, nach dem auch US-amerikanische Akteure verfolgt werden könnten.
Mit dem American Service-Members‘ Protection Act besteht jedoch immernoch ein Gesetz, laut welchem die USA „alle nötigen Mittel“ bis zum militärischen Angriff gegen das Gericht anwenden dürfe, um einer Verfolgung eigener Militärs oder Politiker*innen durch das Gericht zu verhindern. (pf)
Deutschlandfunk: Keine teuren Sozialprojekte
(7. Mai 2024)Wie schon bei Rolf Clement, dem früheren fällt auch bei Marcus Pindur, dem aktuellen sicherheitspolitischen Korrespondenten des Deutschlandfunks die Nähe zu den Wunschvorstellungen von Militär und Rüstungsindustrie auf. Im Hausblatt der Branche, der Europäischen Sicherheit & Technik, schreibt er: „Der Gesamtinvestitionsbedarf bei der Bundeswehr wird von Verteidigungsminister Pistorius mit mindestens 300 Milliarden Euro beziffert. Und ob es bei zwei Prozent bleiben können wird, ist überhaupt nicht klar. Manche Experten sagen, dass Deutschland eher dauerhaft drei Prozent des BIP für Sicherheit ausgeben müsste. […] Teure Sozialpolitische Projekte verbieten sich in kommenden Jahren. Die Schuldenbremse muss zugunsten der Sicherheit reformiert werden. Alle drei Koalitionspartner werden Federn lassen müssen.“ (jw)
Kriegsdienstverweigerung: Aktionswochen
(6. Mai 2024)Vom 7. Mai bis zum 1.Juni wird es rund um den Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung (15.Mai) weltweit Veranstaltungen und Aktionen geben. Eine Liste der geplanten Aktionen und Veranstaltungen findet sich auf connection-ev.org. Dort heißt es: „Mit den Veranstaltungen fordern wir echten Schutz für alle, die sich dem Krieg verweigern. Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht, gerade auch im Krieg. Verfolgte Kriegsdienstverweiger*innen und Deserteur*innen brauchen Asyl!“ Am 15. Mai startet auch die Aktion #RefuseWar, bei dereine interaktive Karte mit Verweigerungserklärungen erstellt wird. (yd)
Fregatte: Straße von Taiwan?
(6. Mai 2024)Im Gegensatz zu den USA hat es Deutschland bislang vermieden, die Straße von Taiwan mit einem Kriegsschiff zu passieren, die mit einer Breite zwischen 130km und 180km in Chinas Ausschließlicher Wirtschaftszone von 200 Meilen liegt. Im Hintergrund stehen unterschiedliche Auslegungen des Seerechts und des „Recht der friedlichen Durchfahrt“, das nach Auffassung Chinas (und großer Teile des globalen Südens) nicht für Kriegsschiffe gilt, während die USA diese Sichtweise ablehnen (siehe IMI-Studie 2022/1). Laut Wirtschaftswoche soll in Kürze nun auch ein deutsches Kriegsschiff die Straße von Taiwan passieren: „Bundesaußenministerin Annalena Baerbock schließt nun nicht aus, dass die Fregatte ‚Baden-Württemberg‘ bei ihrer bevorstehenden Pazifik-Mission die Straße von Taiwan durchquert.“ (jw)
Leopard A8: Bestellung
(4. Mai 2024)Zwar scheint die Entwicklung des deutsch-französischen Kampfpanzersystems der Zukunft (MGCS) in jüngster Zeit wieder (kleine) „Fortschritte“ zu machen, mit einer Auslieferung dürfte aber, wenn überhaupt, frühestens ab 2035 (wahrscheinlich eher später) zu rechnen sein. Aus diesem Grund hat die Bundeswehr bei der Nachbeschaffung der 18 an die Ukraine abgegebenen Leopard auch eine Option auf den Kauf von bis zu 105 weiteren Leopard 2 A8 zum Preis von 2,4 Mrd. Euro gesichert (siehe IMI-Aktuell 2024/299). Schon vor zwei Wochen gab es Gerüchte, mindestens 35 davon sollten gekauft werden, um die Brigade in Litauen damit ausstatten zu können (siehe IMI-Aktuell 2024/282). Laut der Fachseite hartpunkt.de scheint sich dies nun zu konkretisieren: „Wie hartpunkt aus gut unterrichteten Kreisen bestätigt bekommen hat, sollen in einem ersten Schritt rund 35 zusätzliche Kampfpanzer des Typs Leopard 2 A8 aus dem bestehenden Rahmenvertrag mit KNDS Deutschland abgerufen werden. […] Die für die Beschaffung der etwa 35 Kampfpanzer notwendigen Haushaltsmittel dürften sich dem Vernehmen nach auf etwa eine Milliarde Euro belaufen. […] Plan der Bundeswehr ist es, das zukünftig in Litauen stationierte Panzerbataillon vollständig mit diesem aktuell modernsten Panzertyp auszustatten.“ (jw)
Immenser Personalbedarf (II)
(4. Mai 2024)Ursprünglich wollte die Bundeswehr bis 2025 von derzeit rund 180.000 auf 203.000 Soldat*innen anwachsen. Aufgrund massiver Rekrutierungsprobleme wurde das Datum auf 2031 nach hinten verlegt, dennoch kommt die Bundeswehr hier nicht voran (siehe IMI-Analyse 2023/9). Allerdings gab kürzlich Martin Schelleis zu Protokoll, der Inspekteur der Streitkräftebasis, an, es bedürfe eigentlich eines Umfangs von 250.000 Soldat*innen (siehe IMI-Aktuell 2024/286). Ähnlich äußerte sich nun CDU-Verteidigungsexperte Johann Wadepuhl in der Europäischen Sicherheit & Technik: „Letzte und vielleicht wichtigste Baustelle bei der Bundeswehr ist die Personalfrage. Die Bundeswehr soll wachsen. Geplant – und Minister Pistorius hat daran bislang nichts verändert – sind seit Jahren 203.000 Soldatinnen und Soldaten. Doch die Bundeswehr verharrt bei um die 182.000. Und absehbar, weil durch die NATO eingeplant, sind zukünftig wohl eher um die 240.000 Soldatinnen und Soldaten erforderlich.“ (jw)
Vom Strohfeuer zum Flächenbrand
(3. Mai 2024)Die 100 Mrd. Euro aus dem Bundeswehr-Sondervermögen seien eine gute Sache sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Ohne dauerhafte massive Erhöhungen des Verteidigungshaushaltes von aktuell 52 Mrd. auf 82 Mrd. Euro drohe dies aber zu einem „Strohfeuer“ zu werden: „Wenn diese 30 Milliarden nicht investiert werden in Deutschland, dann wird die Zeitenwende scheitern“, wird Papperger in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Siehe zum immer nassforscheren Auftreten des Konzerns die IMI-Studie 2024/1. (jw)
Macron: Bodentruppen?
(3. Mai 2024)Der französische Präsident Emanuel Macron hat zum wiederholten Mal über eine mögliche Entsendung westlicher Bodentruppen in die Ukraine spekuliert, schreibt n-tv: „Anfang des Jahres sorgt Macron mit seiner Aussage für Furore, man können die Entsendung westlicher Bodentruppen in die Ukraine nicht ausschließen. Nun legt der französische Präsident seinen Vorschlag erneut auf den Tisch. […] ‚Falls die Russen die Frontlinien durchbrechen und falls die Ukraine darum bittet – was bislang nicht der Fall ist – dann müssten wir uns zu Recht diese Frage stellen‘“, wird Macron zitiert. (jw)
Lindner: Klares Programm
(2. Mai 2024)Sollte das erklärte Ziel, auch ab 2028 nach dem Ende des aktuellen Sondervermögens 2% des BIP an Militärausgaben aufzuwenden, mit Mitteln aus dem Haushalt erreicht werden, drohen massivste Sozialkürzungen (siehe IMI-Analyse 2024/6). Wiederholt hat Finanzminister Christian Lindner betont, dass er genau das beabsichtigt (sollte er dann noch im Amt sein), zuletzt nun in der Frankfurter Rundschau: „Voraussichtlich hilft uns bis 2027 das Sonderprogramm im Grundgesetz, um die Nato-Quote bei den Verteidigungsausgaben von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen“, so Christian Lindner. „Ab 2028 müssen wir das dann aus dem regulären Haushalt stemmen. Das wird funktionieren, wenn wir die Ausgaben des Staates nicht schneller wachsen lassen als die Einnahmen.“ (jw)
Ukraine: Desertationen
(30. April 2024)Während die Front in der Ukraine unter anhaltenden Angriffen der russischen Armee an mehreren Stellen zusammenzubrechen scheint, finden sich auf tagesschau.de zwei Beiträge, die das Bild einer einheitlichen und zum Weiterkämpfen entschlossenen ukrainischen Nation infrage stellen. Einerseits findet sich im Liveblog vom 30.4.2024 eine kurze Meldung, wonach „nach Angaben des Grenzschutzes seit Kriegsbeginn 2022 etwa 30 Männer bei dem Versuch ums Leben gekommen [sind], sich mit einer illegalen Flucht ins Ausland einer Einberufung zur Armee zu entziehen.“ Einen eigenen Artikel widmet tagesschau.de der „Debatte über Auslandsukrainer“, der Umsetzung des neuen Mobilisierungsgesetz und der offenbar doch massenweisen Versuche, sich zu entziehen:
„Viele Männer verstecken sich oder verlassen das Land. 650.000 Männer im wehrfähigen Alter sollen sich nach Berichten des österreichischen ‚Express‘ in der Europäischen Union aufhalten… Etliche Videos kursieren im Internet, die Männer in Uniform zeigen, wie sie Wehrfähige mit Gewalt festnehmen. An Bushaltestellen, auf dem Weg zur Arbeit oder in Fitnessstudios. Besonnener gehen da die Männer in Kiew vor […]. Sie gehen von Tür zu Tür – aber treffen in den Wohnungen nur selten Männer an. Oft öffnen Frauen – und geben keine Auskunft darüber, wo sich ihr Mann oder Sohn gerade aufhält. Zu groß ist die Angst vor der Front.“
Arktis: Machtkampf
(30. April 2024)Blumig beschreibt die Europäische Sicherheit & Technik den Grund für die zunehmenden Auseinandersetzungen um die Arktis mit folgenden Worten: „Die neue geopolitische Dynamik und die sich um die Arktis verändernde physische Umgebung machen sie zu einem strategischen Plus, das man nicht preisgeben möchte.“ (jw)
MGCS: Struktur
(29. April 2024)Als “Meilenstein” bezeichnet das Verteidigungsministerium eine Vereinbarung zum Kampfpanzer der Zukunft (MGCS), die von den Verteidigungsministern Boris Pistorius und seinem französischer Amtskollegen Sébastien Lecornu unterzeichnet wurde. Es werde eine Projektgesellschaft aus den Firmen KNDS Deutschland, KNDS France, Rheinmetall Landsysteme und Thales SIX gegründet, heißt es weiter. Das Vorhaben werde auf acht Säulen verteilt, zwei unter deutscher, zwei unter französischer und vier unter gemeinsamer Führung (wobei Deutschland weiter die Führung über das gesamte Projekt innehaben soll). (jw)
Wehrpflicht: Skepsis
(29. April 2024)Aus der Wirtschaft mehreren sich stimmen, die gegenüber einer sich abzeichnenden wie auch immer gearteten Re-Aktivierung der Wehrpflicht skeptisch sind. In der FAZ werden in diese Richtung sowohl Positionen aus dem Mittelstand als auch diversen Dax-Konzernen wiedergegeben. Auch soziale Einrichtungen sprechen sich gegen eine Re-Aktivierung der Wehrpflicht aus, der nahezu sicher auch eine Art Zivildienst folgen würde: „Käme die Wehrpflicht zurück, dann könnte ein alternativer Dienst im zivilen Bereich dazukommen – so wie einst der Zivildienst. Doch heute fordert keine der sozialen Einrichtungen, mit denen die F.A.S. gesprochen hat, einen Pflichtdienst zurück, trotz allgegenwärtigen Personalmangels. Eine Dienstpflicht ‚würde erhebliche Kosten und enormen administrativen Aufwand nach sich ziehen‘, sagt Joß Steinke vom Deutschen Roten Kreuz. ‚Auf keinen Fall kann man einfach eine halbe Million junge Menschen in ein unterfinanziertes und unterbesetztes System schicken. Das kann nicht gut gehen‘.“ (jw)
Strukturreform: Osnabrücker Erlass
(27. April 2024)Die letzte große Reform der Bundeswehrstrukturen fand mit dem Erfurter Erlass 2012 statt (siehe IMI-Standpunkt 2012/020). Nun will Pistorius die Strukturen auf Kriegstüchtigkeit trimmen (siehe IMI-Analyse 2024/21). Das Verteidigungsministerium meldet nun, dass die neue Reform in wenigen Tagen mit einem neuen Erlass auf den Weg gebracht werden soll: „Mit der feierlichen Unterzeichnung des Osnabrücker Erlasses am Dienstag, 30. April 2024, wird der Dresdner Erlass aus dem Jahr 2012 abgelöst.“ (jw)
Cartoon: Veteranentag
(26. April 2024)Zu dem Beschluss des neuen Veteranentags am 15. Juni (siehe IMI-Aktuell 2024/237) gibt es ein neues Cartoon. In einer Pressemitteilung der DFG-VK heißt es zur Einführung des Veteranentags unter anderem: „Der Veteranentag ist ein weiterer Schritt zurück zu einer ‚Blut & Ehre‘-Mentalität um deutsche Soldat*innen(…) Eine Überhöhung des Soldatentums hatten wir in Deutschland schon häufiger und die Folgen waren immer übel.“ Man brauche keine „Helden“, die in den Krieg ziehen, sondern „Helden“, die Kriege verhindern, Kriege nicht unterstützen und sich weigern auf andere Menschen zu schießen. Die DFG-VK fordert statt eines Veteranentags einen Ehrentag für Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen. (yd)
Litauen-Brigade: Teuer
(25. April 2024)Wow: Erst wurde so getan, als ließe sich die Aufstockung Bundeswehrpräsenz in Litauen auf Brigadegröße (rund 5.000 Soldat*innen) so nebenher machen. Dann war Anfang des Jahres von sieben Milliarden Euro die Rede (siehe IMI-Aktuell 2024/001). Nun nannte das Verteidigungsministerium gegenüber dem Verteidigungsausschuss laut Süddeutscher Zeitung einen noch einmal deutlich höheren Preis: „Demnach werden vier Milliarden für die Anschaffung von Großgerät wie Panzern und Fahrzeugen sowie sechs Milliarden Euro für Investitionen vor Ort veranschlagt. Hinzu komme etwa eine Milliarde Euro jährlich für Betriebskosten. […] Noch nicht eingerechnet sind die hohen Auslandszulagen“. (jw)
Briten: 100 Mrd.
(24. April 2024)Großbritannien plant eine massive Erhöhung der Militärausgaben durch Kürzungen in andern Bereichen, schreibt Reuters: „Prime Minister Rishi Sunak said on Tuesday he would increase defence spending to 2.5% of GDP to reach 87 billion pounds ($108 billion) a year by 2030. […] This would be funded by a previously-announced plan to reduce the size of the civil service, saving 2.9 billion pounds, and 1.6 billion pounds allocated to defence research and development from an existing increase in overall R&D funding.” (jw)
Habeck: Rüstungsminister
(23. April 2024)Peinlich ist dem grünen Wirtschaftsminister wohl kaum mehr was, auch nicht in der FAZ zitierte Aussagen, er sehe sich nun auch als „Rüstungsindustrieminister“: „‘Wir müssen auch die Wehrindustrie in Deutschland höher skalieren‘, sagte Habeck am Montag im Deutschlandfunk. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei jetzt auch ‚Rüstungsindustrieminister‘ zu sein.“ (jw)
Polen: US-Atomwaffen?
(23. April 2024)Auch die neue polnische Regierung signalisiert Bereitschaft zur Stationierung von Atomwaffen, schreibt tagesschau.de: „Westliche Atomwaffen direkt vor Russlands Toren: Polen ist laut Präsident Duda für eine Stationierung bereit, sollte die NATO das für nötig erachten.“ (jw)
Halbkrieg
(23. April 2024)Mit dem Operationsplan Deutschland will sich die Bundeswehr eng mit den Blaulichtorganisationen verzahnen, um so permanent für einen möglichen Kriegszustand gewappnet zu sein. Das geht soweit, dass Stimmen bereits von einer Art Halbkriegszustand sprechen, so etwa auch André Bodemann, der Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, in der FAZ (via Bpb-Newsletter): „Früher gab es nur Null oder Eins, Frieden oder Krieg. Heute liegt dazwischen eine lange Strecke hybrider Bedrohungen. Schon heute gilt: Wir sind nicht im Krieg, formaljuristisch, aber wir befinden uns auch schon lange nicht mehr im Frieden, weil wir täglich bedroht und auch attackiert werden.“ (jw)
MGCS: Thales
(23. April 2024)Das Fachportal hartpunkt.de berichtet über Gerüchte, denen zufolge nun womöglich auch Thales beim geplanten Bau des deutsch-französischen Kampfpanzers MGCS mit ins Boot geholt werden soll: „Dem Vernehmen nach soll es Gespräche darüber gegeben haben, dass von französischer Seite KNDS Frankreich und Thales sowie von deutscher Seite KNDS Deutschland und Rheinmetall in das Gemeinschaftsunternehmen einsteigen sollen. Die Entwicklungsarbeiten werden demnach in acht ‚Pillars‘ aufgeteilt und auf die Unternehmen verteilt.“ (jw)
SIPRI: neuer Report
(22. April 2024)Aus einem neuen Report des Stockholm Peace Research Institutes geht hervor, dass sich die Verteidigungsausgaben der Ukraine im Jahr 2023 mit 64,8 Milliarden Dollar auf 59% der russischen Ausgaben beliefen und auf 91%, wenn man die ausländische Militärhilfe mit einbezieht, wodurch das Land Platz 9 der Länder mit den größten Militärausgeber erreichte und sich die Differenz der russischen und ukrainischen Militärausgaben signifikant verringerte, wie Euractiv berichtete. Russland habe im Jahr 2023 109 Milliarden Dollar für das Militär aufgewendet, womit 24% mehr als im Vorjahr und 57% als 2014 ausgegeben wurden. (yd)
Zypern: EU-Deal mit dem Libanon
(22. April 2024)Wie ANF und das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichteten wird derzeit von der Europäischen Union ein Abkommen mit dem Libanon ausgearbeitet, um Geflüchtete aus Syrien an der Weiterreise nach Zypern und damit in die EU zu hindern. „Wir wollen dem Libanon helfen, mit den Flüchtlingen umzugehen, damit nicht noch mehr nach Zypern kommen“, so der Präsident Zyperns, Nikos Christodoulidis, der außerdem angab, dass Anfang Mai eine Reise mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in den Libanon geplant sei „um ein konkretes Finanzpaket der Europäischen Union anzukündigen.“ Das geplante Finanzpaket soll nach Angaben des zyprischen Präsidenten auch die Unterstützung der libanesischen Streitkräfte beinhalten. (yd)
US-Waffenpaket
(22. April 2024)Der Vollständigkeit halber hier auch nochmal die Meldung, dass der Kongress ein riesiges Waffenpaket u.a. für die Ukraine freigegeben hat. Nachzulesen zB in der Europäischen Sicherheit & Technik: „[D]as Repräsentantenhaus [hat] am 20. April dem Gesetzentwurf zur umfassenden Auslandshilfe in Höhe von 95 Milliarden Dollar zugestimmt. Davon sind 60,8 Milliarden Dollar (umgerechnet 57 Milliarden Euro) für die Unterstützung der Ukraine vorgesehen, der Rest für die Unterstützung Israels und Taiwans.“ (jw)
Veteranentag
(22. April 2024)Medienberichten zufolge sollen sich Ampel und Union auf einen gemeinsamen Antrag zur Einführung eines Veteranentages mitsamt Datum verständigt haben: „Die Ampelfraktionen und die Union im Bundestag haben sich auf einen gemeinsamen Antrag zur Einführung eines jährlichen Veteranentages in Deutschland geeinigt. Laut Tagesordnung berät der Bundestag am kommenden Donnerstag erstmals darüber. Als Datum wurde der 15. Juni vorgeschlagen.“ (jw)
Auf Hessen folgt Hamburg
(20. April 2024)Die Bundeswehr entsendete die Fregatte „Hessen“ im Rahmen des EU-Einsatzes Aspides zur Kontrolle der Seehandelswege am Roten Meer (siehe IMI-Analyse 2024/10). Wie die Bundeswehr nun informiert, kehrt die Hessen nun zurück und wird von August bis Dezember durch die Fregatte „Hamburg“ ersetzt. (jw)
Kundgebung zum Tag der Kriegsdienstverweigerung
(19. April 2024)Unter dem Motto „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ lädt die DFG-VK Stuttgart am 15.5. um 18.00 Uhr bei der Dorotheenstraße Ecke Goerdelerstraße (Nähe Hotel Silber) zur Kundgebung anlässlich des Internationalen Tags der Kriegsdienstverweigerung. Am Ort der Kundgebung sollte nach einem Verlegungsbeschluss der Stadt Stuttgart aus dem Jahr 2020 seit einen Jahr ein Deserteurdenkmal stehen – ein Beschluss den die Stadt bis jetzt nicht umgesetzt hat. Redner*innen sind voraussichtlich: ein russischer Kriegsdienstverweigerer, Johanna Tiarks (Stadträtin und Fraktionsvorsitzende die FrAKTION) und Marah Frech (Connection e.V.). (yd)
Australien: Erhöhung
(18. April 2024)Der Financial Times zufolge plant Australien erhebliche Erhöhungen der Militärausgaben: “Australia is to increase defence spending by more than A$50bn (US$32bn) over the next decade as it prepares its military forces to be able to “resist coercion” that may arise in the Indo-Pacific.” (jw)
Rüstungsindustrie: Studie
(18. April 2024)Im Jahr 2015 erschien die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellte Studie „Analyse der strukturellen Lage der Verteidigungsindustrie in Deutschland”. Bereits Ende 2021 wurde eine Folgestudie beauftragt, die nun endlich erschien, allerdings unter Verschluss ist. Auf dem Blog des Journalisten Björn Müller ist ein Überblick zu finden: Bei schweren Waffensystemen sei man gut aufgestellt, düster sehe es dagegen bei Führungsfähigkeiten, elektronischer Kampfführung und dergleichen aus. Eine strategische Rüstungspolitik sei nicht zu erkennen, so die Kritik, die wohl auch ausschlaggebend dafür sei, dass das Papier nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicke, so Müllers Einschätzung: „Warum diese Studie die innere und äußere Sicherheit tangieren soll, ist nicht ersichtlich. Klar ist dagegen: Die angestrebten, aber ausstehenden Verbesserungen sind ein Ballast für Deutschlands Sicherheitspolitik. Darin dürfte der Grund liegen, warum die SVI-Studie vom grün geführten Wirtschaftsministerium nicht öffentlich gemacht wird. Sie zeigt, dass die Gestaltung einer strategischen deutschen Rüstungspolitik auf der Stelle tritt.“ (jw)
Cartoon: Sparen für die Rüstung
(17. April 2024)Zum Themenkomplex „Sparen für die Rüstung“ gibt es ein neues Cartoon. Mehr Informationen zu dem Thema Aufrüstung und Sozialabbau finden sich außerdem in der Studie „Zeitenwende heißt Sozialabbau- Die Auseinandersetzungen über Sozialkürzungen zugunsten von Militärausgaben und 2%-Ziel sind eröffnet.“ (yd)
Fairstrickt: Schwerpunkt Frieden
(17. April 2024)Vom 24. April bis zum 11. Mai finden in Tübingen die diesjährigen Aktionstage des Netzwerks für Faire Textilien,Menschenrechte und Klimagerechtigkeit unter dem Motto „Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg“ statt. Die Organisator*innen schreiben: „In unserem Verständnis ist das Engagement für die Eine Welt immer auch Friedensarbeit. Mit euch machen wir uns auf die Suche nach dem, was Frieden bedeutet.“ Das Programm der Aktionstage beinhaltet unter anderem Vorträge, Workshops, Theater, Filmvorführungen, Kleidertausch und Stadtrundgänge. Anmeldungen zu Workshops an fairstrickt@werkstadthaus.de. (yd)
Rheinmetall: Neues Werk in Litauen
(17. April 2024)Gestern unterzeichnete der Konzern mit der litauischen Regierung ein Absichtsabkommen für ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem baltischen Staat. Einzelheiten über den Charakter des Werks und seine Produktion würden nun verhandelt. Zusammen mit KNDS wird von Rheinmetall in Litauen bereits ein Wartungszentrum für Panzer betrieben. Im Baltikum als Ort der NATO-Ostflanke kristallisieren sich die Aufrüstungsbemühungen der NATO besonders, auch die Bundeswehr plant 2027 eine ständige Brigade von 5000 Soldat*innen dort zu stationieren. (ju)
Bundeswehr: Frauen
(17. April 2024)Zahlen zum Anteil von Frauen in der Bundeswehr sind bei der Deutschen Welle (via Bpb-Newsletter) zu finden: „Im Dezember 2023 dienten über 24.000 Frauen in der deutschen Armee. Hinzu kommen neue Anlaufstellen wie militärische Gleichstellungsbeauftragte. ‚Auf formaler Seite ist da einiges passiert‘, ergänzt Apelt. Und dennoch: Auf die gesamte Bundeswehr gesehen, ist der Frauenanteil immer noch gering. Gerade einmal rund 13 Prozent der militärischen Angehörigen sind Frauen. Die meisten – über 8000 – dienen im Sanitätsdienst.“ (jw)
BW: Psychologische Kriegsführung
(17. April 2024)Auch das ist vielleicht Teil der Zeitenwende: Recht offen berichten verschiedene Medien anlässlich eines Truppenbesuchs des Bundesverteidigungsministers in Mayen über die Aufgabe des dortigen „Zentrums für operative Kommunikation“: Die „psychologische Kriegsführung“. Der SWR z.B. berichtet:
„Die Soldaten des Zentrums sind darauf spezialisiert, Krieg mit Worten und Bildern zu führen. Dabei nutzen sie psychologische Tricks, die auch im modernen Marketing oder in der Werbung genutzt werden. ‚Dazu verfügen diese Kräfte über ein weitreichendes Verständnis der Kommunikationsziele und sind mit den kulturellen Gegebenheiten vor Ort sowie den spezifischen Kommunikationsgewohnheiten der Zielgruppe vertraut‘, heißt es zum Auftrag der Einheit… Pistorius ließ sich einige der Methoden der psychologischen Kriegsführung bei seinem Besuch in Mayen demonstrieren. Soldaten der so genannten ‚taktischen Direktkommunikation‘ schilderten dem Minister zum Beispiel, wie sie über Lautsprecherdurchsagen oder persönliche Gespräche gezielt feindliche Truppen oder die Bevölkerung ‚lenken, täuschen oder demoralisieren‘ können… Neben solchen eher herkömmlichen Methoden der psychologischen Kriegsführung führten die Soldaten des Zentrums operative Kommunikation Minister Pistorius modernste Anwendungen der Kriegsführung in den Sozialen Medien und im Internet vor. ‚Ich habe einiges gesehen, was geheim bleibt‘, sagte Pistorius im Anschluss.“
Klima & Krieg: Anfrage
(16. April 2024)Die Bundesregierung antwortet auf eine BSW-Anfrage u.a. darauf, wieviel CO2 von der Bundeswehr emittiert worden sei, folgendermaßen: „Die Treibhausgas-Gesamtemissionen der Bundeswehr betrugen im Jahr 2022 1,77 Millionen Tonnen (Mio. t) CO2-Äquivalente […].“ Das eigentliche Problem ist aber, dass in dieser Zahl (2023 ist noch überhaupt nicht erhoben) eine ganze Menge fehlt, insbesondere die einstmals zugesagte Berücksichtigung der – immensen – Emissionen als Folge der Herstellung von Rüstungsgütern. Aus die Frage, weshalb dies auch im fünften Nachhaltigkeitsbericht des nicht geschehen sei, obwohl dies bereits 2019 angekündigt worden sei, antwortete die Bundesregierung lapidar: „Die CO2-Emissionen bei der Produktion werden gemäß Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) § 4, Anlage 1 dem Sektor Industrie zugeordnet und dort bilanziert.“ Siehe zur Thematik auch unser Factsheet Klima & Krieg. (jw)
Bayern: Bundeswehrgesetz
(16. April 2024)Nachdem im Ausdruck bereits auf die Bestrebungen der Bayerischen Staatsregierung hingewiesen wurde, Bayern per Bundeswehrgesetz zum Musterland der Militarisierung zu machen, ist der zugehörige Gesetzentwurf nun auf dem Weg ins Parlament – die erste Lesung ist schon am 17.4.2024. Demnach ist friedlich Forschen nicht einmal mehr eine Option, sondern Forschungsergebnisse müssen dem Militär zur Nutzung zur Verfügung stehen und Zivilklauseln werden ausgeschlossen. Schulen müssen dulden, wenn die Bundeswehr Minderjährige in Schulveranstaltungen werben möchte, sei es nun mit Jugendoffizieren oder mit Karriereberater*innen (oh sorry … ohne *innen). Denkmalschutz, Raumordnung und Bauordnung werden dem Militärischen unterworfen. Widerstand regt sich auch: „Unsere Kinder nicht für ihren Krieg!“ (Link folgt noch). (as)
KNDS: Boom
(15. April 2024)Nicht nur Rheinmetall, auch der andere wichtige deutsche Panzerbauer, Krauss-Maffei Wegmann (KMW) eilt umsatztechnisch von Rekord zu Rekord. Der deutsch-französische Konzern KNDS, an dem KMW mit 50 Prozent beteiligt ist (Nexter hält die andern 50 Prozent), habe gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg des Auftragseingangs von über 130 Prozent im Geschäftsjahr 2023, berichtet hartpunkt.de: „Wie aus der der Mitteilung weiter hervorgeht, lag der Auftragsbestand von KNDS Ende 2023 bei 15,7 Milliarden Euro. Der Umsatz des Konzerns sei im Geschäftsjahr 2023 um 2,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro gestiegen.“ (jw)
Luftschläge: „beispiellos“?
(15. April 2024)Sowohl der EU-Außenbeauftragte, der französische und die deutsche Außenministerin, der deutsche Botschafter in Israel und der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Nils Schmid, werden im Bezug auf den iranischen Angriff auf zwei Ziele mit etwa 300 Raketen und Drohnen mit dem Adjektiv „beispiellos“ zitiert. Leitartikel u.a. bei Welt und Handelsblatt machen sich diese Einschätzung zueigen, selbst die Moderatorin der Nachrichtensendung des Deutschlandfunks „Das war der Tag“ vom 14. April 2024 plapperte ihn nach und stellte damit schlicht als Fakt dar, was westliche Politiker*innen so behaupten: Der Angriff des Iran auf Israel sei „beispiellos“. So auch ein Titel bei tagesschau.de: „Beispielloser Großangriff des Iran auf Israel“. Nur die taz sieht das anders, dort konstatiert Gilda Sahebi: „Dieser Angriff war weder beispiellos noch unverantwortlich. Er folgte der brutalen Logik der iranischen Machthaber“.
Dabei gibt es ziemlich konkrete Vorbilder. So titelte etwa der Bayrische Rundfunk am 3. Februar 2024: „US-Militär beginnt Vergeltungsangriffe in Irak und Syrien“. Demnach seien über 30 Minuten „mehr als 125 Präzisionsraketen oder Präzisionsbomben zum Einsatz gekommen“ um „mehr als 85 Ziele an sieben Standorten im Irak und Syrien“ anzugreifen. Tagesschau.de (wo jetzt von einem „[b]eispiellosen Großangriff“ getitelt wird) hatte bereits Ende Oktober 2023 geschrieben: „Das US-Militär hat Luftangriffe auf zwei Orte im Osten Syriens geflogen… US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte, die ‚Präzisionsschläge zur Selbstverteidigung sind eine Reaktion auf eine Serie anhaltender und zumeist erfolgloser Attacken auf US-Personal im Irak und in Syrien durch vom Iran unterstützte Milizengruppen, die am 17. Oktober begonnen‘ hätten. Präsident Joe Biden habe die eng begrenzten Luftangriffe angeordnet, ‚um klarzustellen, dass die Vereinigten Staaten solche Attacken nicht dulden und sich, ihr Personal und ihre Interessen verteidigen werden‘.“
Im Prinzip folgte das iranische Regime ziemlich exakt diesem Playbook, hatte Reaktionen auf den Tod seiner Soldaten in einem Drittstaat angekündigt, einige Tage verstreichen lassen und dann Schläge auf Standorte durchgeführt, die vermeintlich mit den Angriffen auf die eigenen Kräfte in Verbindung stehen. In beiden Fällen wurde auch klargestellt, dass die Luftschläge von höchster Ebene angeordnet wurden und mit längeren Vorwarnzeiten operiert. Während die USA sich aber weitere Schläge offenhielten oder tw. sogar ankündigten, versuchte das iranische Regime klarzustellen, dass sich die Sache damit für sie erledigt hätte.
Kaum jemand hätte damals geschrieben, dass dies „der brutale Logik der US-amerikanische Machthaber“ folge.
Auch die Masse der eingesetzten Flugkörper ist keineswegs beispiellos. Die Angriffskiege der USA und ihrer Verbündeten etwa auf Jugoslawien 1999, auf den Irak 2003 und Libyen 2011 begannen mit deutlich umfangreichen Luftschlägen gegen deutlich mehr Ziele.
In einigen Beiträgen findet sich eine Erklärung für den Begriff „beispiellos“. Noch nie zuvor habe der Iran Israel direkt angegriffen. Das trifft grob zu, der Begriff „beispiellos“ allerdings bildet das nur sehr verzerrt ab.
Sparen für die Bundeswehr
(15. April 2024)Zeit Online berichtet über einen Auftritt von CDU-Chef Friedrich Merz: „‘Der Bundeskanzler verspricht, bis weit in die 2030er-Jahre hinein mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben‘‘, sagte Merz. Das sei die Mindestverpflichtung, Ausgaben von 75 bis 80 Milliarden Euro. ‚Das Verteidigungsministerium selbst geht für die Zeit nach der Ausschöpfung des Sondervermögens von 95 Milliarden Euro aus und kalkuliert bereits für die fünf Jahre danach mit einem Budget von gut 100 Milliarden.‘ Das heiße nicht mehr nur mehr Schulden für die Verteidigung, sondern auch einen Wandel der Prioritäten in den öffentlichen Haushalten. Man darf das wohl als nette Umschreibung verstehen für Sparen zugunsten der Bundeswehr.“ (jw)
Generalinspekteur: Heißer Stuhl?
(15. April 2024)Schon einige Tage gibt es Gerüchte, es solle eine große Personalrochade im Verteidigungsministerium geben. Wie der Business Insider schreibt, könne davon Gerüchten zufolge auch der Generalinspekteur betroffen sein: „Jetzt kursiert auf den Fluren ein Gerücht, das eine Vielzahl von Top-Generälen von Minister Boris Pistorius betrifft. So sei eine groß angelegte Personalrochade im Gespräch, in dessen Zuge Breuer abgelöst werde.“ (jw)
Immenser Personalbedarf
(12. April 2024)Aktuell will die Bundeswehr von derzeit rund 180.000 Soldat*innen auf 203.000 bis 2031 anwachsen – allerdings schafft sie es derzeit gerade eben so, die Zahl konstant zu halten, weshalb u.a. über Modelle zur Re-Aktivierung der Wehrpflicht nachgedacht wird. Aber selbst damit wäre es wohl bei weitem noch nicht getan, das gab laut Security Table zumindest Generalleutnant Martin Schelleis zu Protokoll, der Inspekteur der Streitkräftebasis: „Die Bundeswehr hat bereits jetzt zu wenig Soldaten, um die von Deutschland zugesagten Verpflichtungen der Nato zu erfüllen – und wird langfristig ihre Aufgaben mit weniger als einer Viertelmillion aktiver Soldatinnen und Soldaten nicht erfüllen können.“ (jw)
ECCHR: Klage wegen Gaza
(12. April 2024)Das verdienstvolle European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) aus Berlin hat dort Klage beim Verwaltungsgericht gegen weitere Rüstungsexporte nach Israel eingereicht. In der Pressemitteilung hierzu heisst es:
„Mit dem Ziel die von der deutschen Regierung erteilten Exportgenehmigungen für Waffenlieferungen nach Israel aufzuheben, hat das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) – mit Unterstützung des Palestinian Center for Human Rights (PCHR) in Gaza, dem Al Mezan Center for Human Rights in Gaza und der Menschenrechtsorganisation Al Haq aus Ramallah – eine Klage beim Verwaltungsgericht Berlin eingereicht. Die Klage reichen wir im Namen von fünf im Gazastreifen lebenden Palästinensern ein, deren Familienangehörige bei israelischen Raketenangriffen getötet wurden.“
Mehr zum Fall findet sich hier.
Wirecard: Näheverhältnisse
(12. April 2024)„Recherchen von ZDF, ‚Spiegel‘ und ‚Standard'“ belegen angeblich Aktivitäten des flüchtigen früheren Wirecard-Chefs Jan Marsalek für russische Geheimdienste. Etwas weiter unten im Beitrag des ZDF wird dann deutlich, wie diese Recherchen u.a. ausgesehen haben:
„Die Ermittler haben Tausende Chatdateien zwischen Marsalek und Roussev ausgewertet. ZDF frontal, ‚Spiegel‘ und ‚Standard‘ konnten sie einsehen.“
Solche Sätze ließt man gegenwärtig häufig, wenn sog. „Rechercheverbünde“ privater und öffentlich-rechtlicher Medien (vermeintliche) Skandale aufdecken. Dabei sollten sie durchaus aufhorchen lassen. Abgesehen von der Legalität der Weitergabe von Ermittlungsakten an Journalist*innen geht damit ein Wettbewerbsvorteil für diese und ihre Medien hervor, ein gewisses „Näheverhältnis“, das vielleicht dazu beitragen kann, dass die Berichterstattung etwas mehr im Sinne der Nachrichtendienste und der dahinterstehenden Regierung erfolgt.
So ist z.B. im genannten Beitrag des ZDF keine Rede mehr davon, dass Wirecard über Jahre auch von der deutschen Regierung (Angela Merkel) und zentralen Personen des deutschen Sicherheitsapparates protegiert wurde, dass lange eher diejenigen mit Strafverfolgung konfrontiert waren, die auf die Bilanzierungstricks des Unternehmens hinwiesen und dass auch BND und deutscher Verfassungsschutz Dienste des Finanzdienstleisters wie spezielle Kreditkarten für ihre V-Leute in Anspruch genommen hatten.
Ukraine: Mobilmachung
(11. April 2024)Nach zähem Ringen hat das ukrainische Parlament eine Reform ihres Mobilmachungs-Gesetzes beschlossen, um mehr Menschen für den Krieg rekrutieren zu können. Dem Bericht bei Tagesschau.de ist zu entnehmen, dass es dabei offenbar auch darum geht, die Daumenschrauben für diejenigen anzuziehen, die sich der Rekrutierung bislang entzogen haben, da sie im Ausland leben:
„Innerhalb von zwei Monaten müssen die Männer auch ihre persönlichen Daten auf den aktuellen Stand bringen, ansonsten drohen Strafen. Neue ukrainische Reisedokumente im Ausland werden künftig nur noch bei vorhandenen Wehrpapieren ausgestellt. Diese sind jedoch nur bei einer Rückkehr in die Ukraine erhältlich.“
Vielsagend ist auch die Aussage eines Abgeordneten, der in dem Beitrag zitiert wird:
„Der Abgeordnete Olexander Fedienko sagte, die Verabschiedung des Mobilmachungsgesetzes sei eine ‚Botschaft an unsere Partner, dass wir bereit sind, unser Territorium zurückzuerobern, und dass wir Waffen brauchen'“.
Leopard 2: Bedarf
(11. April 2024)Im Tagesspiegel wird berichtet, Verteidigungsminister Boris Pistorius hätte einen Bedarf von weiteren 35 Leopard 2 A8 Kampfpanzern angemeldet, um die Litauen-Brigade auszustatten: „Demnach unterrichtete das Verteidigungsministerium den Haushaltsausschuss des Bundestags darüber, dass 35 weitere Leopard-2-Kampfpanzer des modernsten Rüststandes A8 bei der Industrie bestellt werden sollten.“ (jw)
Rüstung durch Schulden?
(11. April 2024)Grüne und SPD machen sich derzeit für ein zweites Sondervermögen oder eine Änderung des der Schuldenbremse stark, um künftig (nach dem Ende des aktuellen Sondervermögens ab 2028) hohe Militärausgaben garantieren zu können. Das dürfte aber nicht gelingen, wodurch nur haushaltsinterne Umschichtungen (v.a. aus dem Sozialhaushalt) unumgänglich wären (es sei denn, man würde sich endlich vom 2%-Ziel verabschieden), wie sich u.a. bei msn.com nachlesen lässt: „Eine Änderung des Grundgesetzes, ob für ein neues Sondervermögen oder eine Reform der Schuldenbremse, geht nicht ohne die Opposition. Die will das aber nicht. ‚Ich kann mir das nicht vorstellen‘, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion. Thorsten Frei.“ (jw)
Indopazifik: Flagge zeigen!
(10. April 2024)Im Jahr 2021 begann die Bundeswehr im Indopazifik mit der Entsendung der Fregatte Bayern Flagge zu zeigen. Danach wurde angekündigt, nun regelmäßig militärisch in der Region präsent sein zu wollen (siehe IMI-Standpunkt 2022/035). „Flagge zeigen gegen China“ lautet nun auch der Titel eines Artikels bei msn.com, in dem über die diesjährigen Pläne in diesem Zusammenhang informiert wird: „Peking stellt im Südchinesischen Meer immer offensiver Gebietsansprüche. Gemeinsam mit Partnern setzt Deutschland nun ein militärisches Zeichen – auch aus Sorge um Handelswege. […] Die Marine schickt von Mai bis November die Fregatte „Baden-Württemberg“ und den Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ auf Weltumrundung. Nach gemeinsamen Übungen mit US-Amerikanern und Kanadiern an der Ostküste Nordamerikas geht es durch den Panamakanal in den Ostpazifik und nach Hawaii. […]Die Luftwaffe schickt gemeinsam mit Frankreich und Spanien 50 Kampfjets auf die Reise, die unter anderem nach Japan, Australien und Hawaii führt. Erstmals ist auch eine gemeinsame Übung mit der indischen Luftwaffe geplant. Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz sagt dazu: „Wir zeigen ein europäisches Gesicht im Indopazifik.“
Darüber hinaus zaubert der Artikel auch noch eine Expertin der regierungsberatenden Stiftung Wissenschaft und Politik aus dem Hut, die in der Entsendung deeskalierende Maßnahmen sieht:„‘Es wird China durchaus beeindrucken, dass Deutschland trotz der Krise in Europa versucht, Präsenz im Indopazifik zu zeigen‘, sagt SWP-Expertin Stanzel. Ihre Hoffnung: Je engagierter der Westen im Indopazifik auftrete, desto zurückhaltender werde China bei Schritten sein, die zu einer militärischen Eskalation in der Region führen könnten.“ Das Gegenteil dürfte der Fall sein (siehe zum Eskalationspotenzial in der Region ausführlich IMI-Studie 2022/1). (jw)
Gaza: Deutsche Waffenhilfe und Kritik
(9. April 2024)Die taz berichtet über eine Studie von Forensis, der deutschen „Schwesterorganisation der britischen Rechercheagentur Forensic Architecture“, wonach „Deutschland [seit 20 Jahren] durchgehend den zweiten und in manchen Jahren sogar den ersten Platz“ bei Waffenlieferungen nach Israel einnehme:
„Über einen längeren Zeitraum von fünf Jahren betrachtet – zwischen 2019 und 2023 – machten Lieferungen aus Deutschland immerhin 30 Prozent aller Waffenimporte aus, während 69 Prozent aus den USA stammten. Diese Waffen werden zumindest zum Teil auch in Gaza eingesetzt… Seit 2003 hat Deutschland demnach 4.427 Einzelgenehmigungen für Rüstungsexporte nach Israel erteilt, mit einem Gesamtwert von circa 3,3 Milliarden Euro. Das geht aus den jährlichen Rüstungsexportberichten der Bundesregierung hervor. Nur 54 Ausfuhrgenehmigungen wurden abgelehnt, was einer Genehmigungsquote von 99,75 % entspricht.“
Diese neben den USA herausragende Rolle Deutschlands bei der Ausrüstung der israelischen Armee ist einer der Gründe, warum sich Deutschland gerade vor dem internationalen Gerichtshof (IGH) gegen den Vorwurf der Beihilfe zum Völkermord verteidigen muss. Hierüber berichtet u.a. die junge Welt:
„Bis zu einer endgültigen Entscheidung des Gerichts im Hauptsacheverfahren fordert Nicaragua die Verhängung von Sofortmaßnahmen, darunter einen unmittelbaren Stopp von Waffenlieferungen. Ein diesbezügliches Urteil, das völkerrechtlich bindend ist, wird in etwa zwei Wochen erwartet.“
Auch Telepolis berichtet hierüber und ergänzt, dass mittlerweile auch innerhalb Deutschlands juristisch gegen Waffenexporte nach Israel vorgegangen würde:
„Gleichzeitig hat eine deutsche Anwaltsgruppe gegen die Scholz-Regierung einen Eilantrag beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht. Damit soll ebenfalls die Genehmigung von Kriegswaffenexporten nach Israel gestoppt werden. Die Anwälte klagen im Namen von Palästinensern in Gaza. Es gebe Grund zu der Annahme, so das Juristen-Team, dass die Waffen für Völkerrechtsverletzungen wie Völkermord und Kriegsverbrechen eingesetzt werden… Insgesamt sind in Deutschland nun drei Klagen anhängig, die sich auf die Unterstützung Israels beim Krieg in Gaza beziehen… Die Kläger verweisen auf andere erfolgreiche Klagen. So entschied ein niederländisches Berufungsgericht am 26. Februar, dass die Lieferung von Ersatzteilen für die Kampfjets F-35 an Israel gestoppt werden muss.“
„Darüber hinaus besteht eine Initiative aus dem Regierungsapparat selbst heraus, wie wiederum die junge Welt berichtet. Demnach hätten mittlerweile 600 Bundesbeamte anonym einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie fordern, „Waffenlieferungen an die israelische Regierung mit sofortiger Wirkung einzustellen“.
„Grundlage für die Forderungen des offenen Briefs seien das Bundesbeamtengesetz, die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes aus dem Jahr 1948 sowie die Eilentscheidungen des IGH vom 26. Januar und 28. März, so eine Quelle, die in einem Bundesministerium arbeitet, am Montag gegenüber jW. Als Bundesbeschäftigte seien sie den „Fundamentalprinzipien des Grundgesetzes verpflichtet“, die aktuelle Politik der Regierung mit diesen aber nicht vereinbar.“
F126 & Fuchs: Großbestellungen
(9. April 2024)U.a. t-online.de berichtet unter Berufung auf Blomberg, das Verteidigungsministerium plane eine Großbestellung von Kriegsgerät im Umfang von sieben Mrd. Euro – vermutlich wird das Geld aus dem Sondervermögen stammen, dies geht aus dem Bericht aber nicht hervor, wird aber zum Beispiel durch einen Bericht bei Heute im Bundestag nahegelegt. Laut t-online.de soll mit der Auslieferung der Fuchs-Transportpanzer bereits 2025 begonnen werden, womit die Ende 2022 angekündigte Verschiebung auf nach 2027 endgültig einkassiert wurde (siehe IMI-Aktuell 2022/527)- Eine Überraschung ist auch die Beauftragung von Rheinmetall, noch im Februar war berichtet worden, der finnische Rüstungskonzern Patria habe die Nase vorn (siehe IMI-Aktuell 2024/126). Zu den prognostizierten Kosten schreibt t-online.de: „Geplant ist dem Bericht zufolge der Kauf von zwei weiteren Fregatten des Typs F126 für rund drei Milliarden Euro. Zunächst war der Erwerb von vier Fregatten geplant gewesen. Der Bund hatte dafür mit rund 5,3 Milliarden Euro kalkuliert. […] Bei den gepanzerten Fahrzeugen handelt es sich Bloomberg zufolge um 900 Stück des Transportpanzers Fuchs. Die Kosten beliefen sich auf bis zu vier Milliarden Euro.“ Siehe zu r F-126 auch unsere Sonderseite zum Sondervermögen. Update: Etwas verwirrend wird nun doch wieder berichtet, Rheinmetall gehe nun doch leer aus. Die Bild schreibt, der finnische Patria werde angeschafft: „Damit hat sich das Verteidigungsministerium nach BILD-Informationen gegen den Transportpanzer Fuchs Evolution des Rüstungsunternehmens Rheinmetall entschieden – anders als in einem Bericht von Bloomberg am Montag behauptet worden war.“ (jw)
Pistorius: Schuldenbremse
(9. April 2024)Bevor sich die SPD darauf verpflichtet hat, mindestens 2% des Bruttoinlandsproduktes für das Militär auszugeben, hätte sie sich vielleicht Gedanken über die Refinanzierung machen sollen. Nun schlägt Verteidigungsminister Boris Pistorius vor, Sicherheitsfragen bei der Schuldenbremse auszuklammern: „Es wird nicht alleine durch Umschichtungen gehen, bei den Beträgen, über die wir reden. Im Zweifel wird man auch über zusätzliche Schulden reden müssen – in dieser Koalition oder in der nächsten.“ (jw)
Reservisten: Aufwuchs
(8. April 2024)Die eklatanten Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr sollen auch durch einen Ausbau der Reserve abgemildert werden (siehe dazu den AUSDRUCK-Schwerpunkt Dezember 2020). Laut Tagesspiegel setzt sich der Chef des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg, für eine umfassende Einplanung vorhandener Reservisten ein: „Es gebe rund 900.000 Ex-Soldaten und ehemalige Wehrpflichtige, die den Status Reservist hätten, so Sensburg. So viele wie möglich sollten eingeplant werden und wieder üben. […]Um Deutschland im Ernstfall verteidigen zu können, benötige man 800.000 Soldaten, lautet Sensburgs Analyse. Es gebe rund 900.000 ehemalige Soldaten beziehungsweise Wehrpflichtige, die den Status Reservist hätten und unter 65 Jahre alt seien, sagte Sensburg weiter. […] Wenn nur die Hälfte gesundheitlich imstande dazu sei, ‚hätten wir schon fast die nötige Zahl an Reservisten, die wir brauchen“, sage Sensburg. Zunächst solle die Bundeswehr die Zahl von derzeit 34.000 jährlich dienenden Reservistinnen und Reservisten auf 50.000 erhöhen‘.“ (jw)
NATO vs. Neutralität
(8. April 2024)In der NATO werde weiter ernsthaft über die Option diskutiert, die bisherigen russischen Gebietsgewinne zu akzeptieren und im Gegenzug die Ukraine sofort in das Bündnis auszunehmen, berichtet die Bild unter Berufung auf La Republica: „Die Nato soll angeblich über die Möglichkeit nachdenken, die Ukraine im Tausch gegen abgetretene Gebiete an Russland in das Verteidigungsbündnis aufzunehmen. […] Die Transaktion würde bedeuten, dass die Ukraine die aktuell von den Russen besetzten Gebiete aufgeben würde, jedoch mit der Garantie, dass die verbleibende ‚West-Ukraine‘ sofort der Nato beitritt.“
So sollen – unterstellten – russischen Ambitionen auf weitere Gebietsgewinne ein Riegel vorgeschoben werden. In dieses Bild passt aber nicht, dass es bei den Istanbuler Verhandlungen im März 2022 Russland laut Aussagen des ukrainischen Verhandlungsführers Dawyd Arachamija vor allem um die Neutralität der Ukraine und nicht (abseits der Krim) um weitreichende Gebietsgewinne gegangen sein soll (siehe IMI-Standpunkt 2023/047).
Ebenfalls nicht ins Bild passt, dass nun der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu laut Spiegel Online erneut die Möglichkeit von Verhandlungen auf Basis der Istanbul-Vereinbarungen ins Spiel gebracht haben soll: „Schoigu soll nun in dem Telefonat als Ausgangspunkt für einen neuen Dialog die »Friedensinitiative von Istanbul« genannt haben. […] Mögliche künftige Verhandlungen mit der Ukraine könnten auf einem Vorschlag basieren, der während der russisch-ukrainischen Gespräche in Istanbul im März 2022 diskutiert wurde, hieß es aus dem russischen Verteidigungsministerium. Medienberichten zufolge sah der Entwurf damals vor, dass die Ukraine ihren Antrag auf Beitritt zur Nato aufgibt und neutral bleibt. Die Gespräche wurden damals aber nach kurzer Zeit abgebrochen.“ (jw)
Bundeswehr: Umbau (IV)
(4. April 2024)Die Ergebnisse zum Umbau der Bundeswehr lassen sich heute auf der Internetseite Verteidigungsministeriums unter dem vielsagenden Titel „Bundeswehr der Zeitenwende: Kriegstüchtig sein, um abschrecken zu können“ finden. Wie sich bereits abgezeichnet hat, soll es künftig weniger Teilstreitkräfte geben: „Ausgerichtet auf den Verteidigungsfall wird es künftig vier Teilstreitkräfte geben sowie ein Operatives Führungskommando und ein Unterstützungskommando.“ Eine ausführliche Bewertung folgt in Kürze. (jw)
Bulgarien: Tödliche Grenze
(4. April 2024)Am vergangenen Samstag (30. März) starb der 17- jährige Syrer Fadi Abbas-Al Daher nach der Überquerung der türkisch-bulgarischen Grenze im Wald nahe von Marmanchevo an Erschöpfung, wie beispielsweise das nationale bulgarische Fernsehen berichtete. Die Nichtregierungsorganisation No Name Kitchen berichtet von einer Vielzahl von Todesfällen von Migrant*innen in Bulgarien und Serbien aufgrund von Kälte, Wassermangel und Erschöpfung. Der Tod von Fadi erfolgte nur 10 Tage nachdem Frontex 500-600 neue Grenzschützer an die bulgarische Grenze schickte, was nach Angaben der No Name Kitchen dazu führen wird, dass Migrant*innen noch gefährlichere Fluchtrouten wählen müssen und das Risiko zu erfrieren, zu verdursten oder an Erschöpfung und Verletzungen zu sterben steigt. Auch Lighthouse Reports berichtete im Dezember 2023 von 155 unidentifizierten toten Migrant*innen in Leichenhallen entlang der sogenannten Balkanroute. (yd)
Tag der Bundeswehr: Überblick
(4. April 2024)Bei Soldat & Technik findet sich ein „guter“ Überblick über die zehn Standorte, an denen am 8. Juni der Tag der Bundeswehr gefeiert werden soll. (jw)
Ukraine: Kollaps?
(4. April 2024)Politico berichtet, hochrangige ukrainische Militärs würden einen Kollaps der Frontlinie befürchten: „According to high-ranking Ukrainian officers, the military picture is grim and Russian generals could find success wherever they decide to focus their upcoming offensive. […] Moreover, thanks to a much greater weight in numbers and the guided aerial bombs that have been smashing Ukrainian positions for weeks now, Russia will likely be able to “penetrate the front line and to crash it in some parts,” they said.” (jw)
Schwarzmeerregion: „Tor nach Europa“
(3. April 2024)Ein Artikel von Simon Cleven, der am vergangenen Sonntag (31. März) auf T-online veröffentlicht wurde, diskutiert erstaunlich ausführlich die Bauarbeiten am rumänischen Luftwaffenstützpunkt „Mihail Kogălniceanu“, der mit einer geschätzten Bauzeit von 20 Jahren voraussichtlich zur flächenmäßig größten Nato-Basis Europas avancieren wird (siehe IMI-Aktuell 2024/234). Bereits begonnen worden sei der Ausbau von Zufahrtsstraßen und eines Stromnetzes, während weitere Start- und Landebahnen, weitere Rollfelder und Hangars für Militärmaschinen, Wartungshallen, Treibstofflager, luftfahrttechnisches Material, Simulatoren, Verpflegungseinrichtungen, Unterkünfte, Schulen, Kindergärten, eine Klinik und Geschäfte nach Angaben von T-online noch entstehen sollen. Der ehemalige Diplomat und Direktor der Denkfabrik Black Sea House Association Dorian Popescu nannte die Schwarzmeerregion gegenüber T-online ein Tor nach Europa, das verteidigt werden müsse, „damit Bedrohungen wie etwa russische Schläge mit konventionellen Waffen nicht nach Europa eindringen könnten.“ Weiter sagte er: „Wenn dieses Tor fällt, dann fällt ganz Europa.“ Auch weitere Stimmen betonten gegenüber T-online die geopolitische Bedeutung der Schwarzmeerregion. So sagte etwa der ehemalige Nato-General Hans-Lothar Domröse: „Rumänien ist geopolitisch exponiert und nach dem russischen Überfall in der Ukraine vor zwei Jahren besonders wichtig für die Nato-Verteidigung Europas.“ (yd)
Senegal: demokratische Wahl
(3. April 2024)Nachdem viele wegen den undemokratischen Taktiken des Amtsinhabers Macky Sall, die neben der Sperrung und sogar Inhaftierung bestimmter Kandidaten, auch wiederholte Wahlverschiebungen beinhalteten, die Demokratie in Gefahr sahen – wie auch wir hier: IMI-Aktuell 2024/097: Senegal: Demokratie-Aus? (7. Februar 2024), hat sich diese, und damit Senegals Titel als Bastion der Demokratie in der Region, letzte Woche halten können.
Der 44 jährige Bassirou Diomaye Faye von der Partei Afrikanische Patrioten Senegals für Arbeit, Ethik und Brüderlichkeit (PASTEF) des wahrscheinlich aus politischen Motiven gesperrten und inhaftierten Ousmane Sonko ist nun der jüngste demokratische gewählte Präsident Afrikas. Nachdem der Amtsinhaber Sall, dem lange eine Kandidatur trotz seiner verfassungsmäßig aufgebrauchten zwei Amtszeiten nachgesagt wurde, und sein handverlesener Nachfolgekandidat, Amadou Ba, Faye am 25. März gratulierten, stiegen auch die senegalesischen Staatsanleihen wieder, die mit dem Auszählen der Wahlergebnisse wahrscheinlich aus Angst der Investoren vor einem Putsch gesunken waren.
Doch der Umbruch bleibt weiter spannend. Der nun für die Geschicke der Nation verantwortliche Faye hat noch nie ein Mandat bekleidet. Die Partei PASTEF steht für einen radikalen Bruch mit dem aktuellen politischen und wirtschaftlichen System. Sie gliedert sich in den in Westafrika immer wieder aufflammenden antikolonialen Kurs mit ein, der die wirtschaftliche Dominanz Frankreichs brechen will, und nun auch die Putschregierungen in Mali, Burkina Faso und Niger beflügelt. Eine Annäherung an Russland bleibt zwar im Falle Senegal nicht zu erwarten, doch wurde schon vor der Wahl angekündigt die Nutzung der mittlerweile an den Euro gekoppelten, seit der Kolonialzeit bestehenden Westafrikanischen Francs zu überprüfen. (pf)
Stoltenberg: Waffenpaket
(3. April 2024)Pünktlich zum aktuellen Treffen der NATO-Außenminister*innen schlägt Nato-Chef Jens Stoltenberg ein riesiges Ukraine-Waffenpaket vor, berichtet Spiegel Online: „Der Nato-Generalsekretär hat ein fünfjähriges Militärhilfepaket im Wert von 100 Milliarden Euro für die Ukraine vorgeschlagen.“ (jw)
Etat: Nächste Schnapsidee
(3. April 2024)Finanzminister Christian Linder kommt mit einer neuen Idee herum, wie er meint das Geld für Militärausgaben im Umfang von 2% des Bruttoinlandsproduktes nach dem Ende des Sondervermögens 2027 aufzubringen. Wie u.a. der Tagesspiegel berichtet, will er durch sofortige Haushaltskürzungen den Schuldenstand von aktuell 63 Prozent so reduzieren, dass er die Möglichkeit sieht, Kredittilgungen aus der Coronazeit zu reduzieren: „Aktuell sei ab 2028 eine Schuldentilgung von jährlich neun Milliarden Euro vorgesehen, sagte Lindner. ‚Wenn aber die Belastung der Pandemie im Schuldenstand dann schon überwunden ist, könnte die Tilgung wesentlich reduziert werden‘, kündigte er an. ‚Damit stünde ein Milliardenbetrag zur Verfügung, der uns nach dem Ende des Sonderprogramms für die Bundeswehr helfen wird, den Sprung zum Nato-Ziel im Bundeshaushalt zu erreichen‘.“ Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Westsahara: gebogenes internationales Recht
(2. April 2024)Die Befreiungsbewegung der von Marokko besetzten Westsahara hatte in den letzten Jahren einige Rückschläge einzustecken, so wie die Wiederaufnahme des Krieges und die Anerkennung der marokkanischen Souveränität über das besetzte Land durch die USA, aber einen kleinen Sieg zu feiern, als der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor ein paar Jahren ein Handels- und Fischereiabkommen kippte, das die EU mit Marokko ausgehandelt hatte und das die Gewässer der Westsahara mitbehandelt, ohne dass die international Anerkannte Vertretung der sahrauischen Bevölkerung, die Befreiungsfront der Westsahara POLISARIO, miteinbezogen wurde.
Dieser Etappensieg hat nun am 22. März einen herben Rückschlag erlitten, wie die Tageszeitung junge Welt berichtete: „In der ersten Instanz hatte das Gericht die Abkommen gekippt. Doch Brüssel hatte dagegen Widerspruch eingelegt. Jetzt geht es um den abschließenden Entscheid. Der ist zwar erst in ein paar Monaten zu erwarten. Aber normalerweise deckt er sich mit dem, was die Chefankläger ankündigen – und das weicht erheblich von den vorigen Urteilen ab. Demnach plädiert Ćapeta dafür, im Fall des Fischereiabkommens der Klage der Polisario-Front nachzugeben. Was aber das Handelsabkommen angeht, soll sie abgewiesen werden.
Erstaunlich ist die Begründung. So spricht Ćapeta plötzlich der Polisario-Front ab, die »offizielle oder anerkannte« Vertretung der Sahrauis zu sein. Außerdem heißt es, dass Marokko aus Sicht der EU »Verwaltungsmacht der Westsahara« sei und es daher keinen Rechtsverstoß darstelle, wenn Rabat im Namen der Sahrauis Abkommen mit Brüssel abschließe.“
Vorherige IMI-Texte, so wie IMI-Standpunkt 2023/011: Gegen Partei, Bevölkerung und Völkerrecht, dokumentieren europäische, besonders spanische und deutsche Versuche, das internationale Recht und Resolutionen der Vereinten Nationen im Bezug auf die Westsahara zu untergraben.
Mit der Sichtweise des Chefanklägers und evtl. dann mit dem Urteil bewegt sich auch der oberste Gerichtshof der EU weg von den rechtlichen Gepflogenheiten und es würde, wie die jW schreibt, „in der EU ein anderes Recht gelten als auf Ebene der UNO oder der Afrikanischen Union. Beide Institutionen erkennen die Polisario-Front seit langem als legitime Repräsentantin der Sahrauis an und haben sämtliche Ansprüche Marokkos auf die Westsahara zurückgewiesen.“ ‚(pf)
Rüstungsindustrie beliebter bei Bewerber*innen
(2. April 2024)Die Politik der Zeitenwende und die damit einhergende Enttabuisierung von Krieg und Aufrüstung helfen der Rüstungsindustrie nicht nur bei den Aktienkursen. Nach Angaben des Konzerns Rheinmetall bewarben sich im Jahr 2023 108.000 Menschen, was mehr als doppelt so viel als im Vorjahr ist. Junge Mitarbeitende geben an, für ihre Tätigkeit nun mehr Anerkennung zu bekommen als noch vor wenigen Jahren. (ju)
Tschechien: Leopard 2 A8
(2. April 2024)Schon letzten November hieß es, die Tschechische Republik gehöre zu den Interessenten für die neueste Version A8 des Kampfpanzers Leopard 2 (siehe IMI-Aktuell 2024/757). Nun scheint sich die laut Europäischer Sicherheit & Technik zu konkretisieren: „Tschechien will 76 Kampfpanzer Leopard 2 in der modernsten Version A8 beschaffen. […] Für den Leopard 2 A8 interessieren sich weitere NATO-Länder. Hierzu gehören Italien, Litauen, Schweden und die Niederlande. Die italienischen Beschaffungsabsichten sind bereits sehr weit gediehen.“ (jw)
Bundeswehr: U18
(2. April 2024)Das Bündnis Unter 18 nie! wendet sich insbesondere gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr. Doch obwohl im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP vereinbart worden war, dass die Bundeswehr „volljährigen Soldatinnen und Soldaten vorbehalten“ bleiben solle, scheint der Anteil der jüngsten Altersgruppe tendenziell sogar zu steigen, wie Spiegel Online berichtet: „1996 Soldaten waren zum Zeitpunkt ihrer Einstellung erst 17 Jahre alt. Das entspricht einem Anteil von 10,6 Prozent nach 9,4 Prozent im Vorjahr.
Kanonen statt Butter (II)
(30. März 2024)Nachdem kürzlich bereits Clemens Fuest, der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, mit der unsäglichen Kanonen statt Butter Phrase herumhantiert hatte (siehe IMI-Aktuell 2024/139), will sich nun wohl auch Moritz Schularick, der Chef des Instituts für Weltwirtschaft Kiel bei Spiegel Online nicht lumpen lassen: „Deutschland und Europa müssen aufrüsten, auch wenn die Konsequenzen für die Staatsfinanzen dramatisch sein werden. […] Wie viel mehr Geld müssten wir dafür ausgeben? Wenn wir uns an anderen Ländern orientieren, scheint eine Erhöhung der Militärausgaben bis zum Ende des Jahrzehnts auf 150 Milliarden Euro jährlich realistisch. […] Wie kann und wie sollte ein solches Paket daher finanziert werden? Mittelfristig wird kein Weg daran vorbeiführen, harte Budgetentscheidungen zwischen »Kanonen und Butter« zu treffen.“(jw)
Haushalt 2025: Abrissbirne
(30. März 2024)Auch wenn Grünen-Chef Robert Habeck vollmundig verlautbaren lässt, an den Sozialausgaben solle nicht zugunsten des Rüstungsbudgets gespart werden, wird ihm wenig anderes übrig bleiben, sollte an dem Ziel, 2% des BIP an Militärausgaben aufzubringen, auch nach dem Ende des Sondervermögens festgehalten werden (siehe IMI-Analyse 2024/06). Schon jetzt sollen nach den Plänen von Finanzminister Christian Lindner im kommenden Haushalt das Außenministerium mit 5,1 Mrd. Euro 1,6 Mrd. Euro weniger als im Vorjahr erhalten, beim Verkehrsministerium wären es mit 39 Mrd. Euro 5 Mrd. weniger. Das Familienministerium solle rund 900 Mio. Euro einsparen, das Entwicklungsministerium 1,3 Mrd. Euro, wird in den Medien berichtet. (jw)
Rekrutierung: Mehr Mittel
(29. März 2024)Die Bundeswehr sieht bei ihren Rekrutierungsbemühungen weiter kaum Land. Wie Augengeradeaus berichtet, ist die Truppengröße (die eigentlich auf 203.000 anwachsen soll) wieder unter 182.000 gefallen. In diesem Zusammenhang sind beim MDR Zahlen zu den Rekrutierungsbemühungen zu finden: „Die Bundeswehr hat derzeit mit Nachwuchssorgen zu kämpfen: Gab es im Jahr 2021 noch 49.200 Bewerbungen bei der Bundeswehr, ging die Zahl bis 2023 auf 43.900 zurück. […] Die Bundeswehr hat die Mittel für die Nachwuchsgewinnung deutlich auf 58 Millionen Euro für dieses Jahr erhöht. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Bundestagsgruppe Die Linke hervor, die MDR Investigativ vorliegt. […] Aus der Kleinen Anfrage der Linken geht ebenfalls hervor, in wie vielen Schulen die Bundeswehr um Nachwuchs wirbt: Für das zweite Quartal 2024 seien insgesamt 201 Auftritte an Schulen geplant, teilt das Bundesverteidigungsministerium mit. Im vierten Quartal 2023 – damals fragte die Linke zuletzt die Auftritte ab – waren es 119 Auftritte.“ (jw)
Rüstung: Vorschriften-Moratorium?
(28. März 2024)Im bayerischen Bundeswehrgesetz wird bereits die Möglichkeit eröffnet, Bauvorschriften und Umweltauflagen zugunsten militärischer Vorhaben zu lockern (siehe IMI-Analyse 2024/7). Im Zuge der Berichterstattung über ein Treffen von Wirtschaftsminister Robert Habeck mit der Rüstungsindustrie, macht sich die Wirtschaftswoche für ein ähnliches aber deutschlandweites Modell stark: „Experten fordern schon lange ein Vorschriften-Moratorium für die Industrie, damit diese ihre Anlagen und Fertigungsstraßen schneller hochziehen kann – zumindest bis die Bundeswehr das hat, was sie braucht. Sicherheitsüberprüfungen, Umweltauflagen, Bürokratie: all diese Regeln könnte Habeck lockern. Ein ‚Deutschlandtempo‘ für die Rüstung würde dem Minister zumindest in der Branche schon einmal einige Freunde machen.“ (jw)
Frankreich: Kriegswirtschaft
(28. März 2024)Laut FAZ droht der französische Verteidigungsminister mit Beschlagnahmungen, um die vorgesehenen Rüstungsziele zu erreichen: „Das Produktionsniveau der französischen Rüstungsindustrie bei Munition und Flugabwehrraketen ist von den Zielsetzungen der Regierung weit entfernt. Verteidigungsminister Sébastien Lecornu hat jetzt mit Beschlagnahmungen gedroht, damit die Rüstungsindustrie schneller und mehr in der Ukraine dringend benötigte Munition produziert. ‚Zum ersten Mal schließe ich nicht aus, das Gesetz voll auszuschöpfen und gegebenenfalls Requisitionen anzuordnen, wenn Produktionsrate und Fristen nicht eingehalten werden‘, sagte der Minister bei einer Pressekonferenz am Dienstag.“ (jw)
Sachsen: Logistik-Bataillon 471
(28. März 2024)Insgesamt 700 Mio. Euro wolle die Bundeswehr in Standorte in Sachsen investieren, schreibt die FAZ. Der Löwenanteil werde für den Bau eines komplett neuen Standorts für das Logistik-Bataillon 471 gehen, das künftig in Bernsdorf (Landkreis Bautzen) seinen Sitz haben solle. (jw)
Lybien: Massengrab
(27. März 2024)Vor wenigen Tagen wurde in Südwestlybien ein Massengrab mit den Leichen von mindestens 65 Migrant*innen gefunden, wie unter anderem BBC berichtete. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) erklärte öffentlich, dass sie „zutiefst schockiert“ über den Fund sei und vermute, dass die Toten beim Schmuggeln durch die Wüste in Richtung Mittelmeer gestorben seien. Wenige Tage zuvor ertranken mindestens 60 Migrant*innen, die von Lybien aus starteten, im Mittelmeer. Nach Angaben der IOM vom Beginn des Monats war das Jahr 2023 „das tödlichste Jahr für Migrant*innen seit Beginn der Aufzeichnungen vor einem Jahrzehnt war, in dem weltweit mindestens 8.565 Menschen auf den Migrationsrouten ums Leben kamen.“ Am 10. April soll in Brüssel die GEAS-Reform final beschlossen werden, die die Rechte Geflüchteter Menschen noch weiter einschränken und die Militarisierung der europäischen Außengrenzen noch weiter verschärfen wird. (yd)
Deutsche Profiteure (2)
(27. März 2024)Der Rüstungskonzern Rheinmetall gibt an, über 130 Millionen Euro Fördergelder aus dem EU-Programm ASAP (insgesamt 500 Millionen) zur Erhöhung der schweren 155mm-Munitionsproduktion zu erhalten. Insgesamt sechs Projekte des Konzerns in Deutschland, Rumänien, Ungarn und Spanien werden davon profitieren. Konzernchef Papperger zeigte sich dankbar gegenüber der europäischen Subventionierung und kündigte einen zuverlässigen Ausbau der Kapazitäten an. (ju)
Leipzig: Antirepressionskongress
(27. März 2024)Vom 12. bis 14. April wird im Pöge-Haus im Leipziger Osten ein Antirepressionskongress unter dem Motto „Unsere Vernetzung gegen ihre Repression!“ stattfinden, wie ANF berichtete. Teil des Programms sollen neben theoretischen Überlegungen auch praktische Workshops sein. Ziel des Kongresses soll nach Angaben der Veranstalter*innen unter anderem sein „den Zusammenhang zwischen zunehmender Repression und der Verstetigung eines autoritären Staates zu kritisieren und den Blick für diese Entwicklung zu schärfen“, aber auch Akteur*innen aus Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Aktivist:innen zu vernetzen. „Repression beginnt nicht erst, wenn die Polizei in Deiner Wohnung steht. Sie ist Teil einer autoritären Formierung des Staates. Sie beschränkt und beschneidet Freiheitsrechte. Willkürlich agierende ‚Sicherheitsbehörden‘ & ihre rechten Netzwerke sind dabei Ausdruck einer Logik, in der Freiheit mit Sicherheit stirbt. Das AntifaOst-Verfahren, Repression gegen Klimaaktivist:innen oder gegen migrantische Communities sind dabei nur die Spitze des Eisbergs“, so die Organisator*innen. (yd)
dtec.bw: Jahrestagung
(27. März 2024)Das „Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr“ (dtec.bw) ist eine von vielen neuen Einrichtungen, die militärisch relevante Forschung vorantreiben und durch Kontakte mit Kapital und Industrie auch in Produkte überführen soll. In diesem Fall ist die Einrichtung an die beiden Hochschulen der Bundeswehr in Hamburg und München angedockt. Auf der Homepage stellt sich das dtec.bw recht zivil dar und schreibt:
„Das dtec.bw ist ein von beiden Universitäten der Bundeswehr getragenes wissenschaftliches Zentrum und Bestandteil des Konjunkturprogramms der Bundesregierung zur Überwindung der COVID-19-Krise. Es unterliegt der akademischen Selbstverwaltung. Die Federführung liegt bei der Universität der Bundeswehr München. Die Mittel, mit dem das dtec.bw vom Geschäftsbereich BMVg ausgestattet wurde, werden an beiden Universitäten der Bundeswehr zur Finanzierung von Forschungsprojekten und Projekten zum Wissens- und Technologietransfer (insbesondere zu Förderungen von Gründungen) eingesetzt. Mit der Aufnahme in den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan (DARP) wird dtec.bw von der Europäischen Union – NextGenerationEU finanziert.“
Tatsächlich zeigt eine Auflistung der bisherigen Forschungsprojekte, dass dabei durchaus auch Anwendungen im Bereich der Infrastrukturen, Produktion und Mobilität angestrebt werden.
In der Ankündigung der ersten Jahrestagung der Einrichtung (17.-18.9.2024) wird jedoch v.a. auf die militärischen Dimensionen Bezug genommen:
„Das dtec.bw fördert die Digitalisierungs- und Technologieforschung zu Schlüssel- und Zukunftstechnologien, angefangen von Satellitenmissionen bis hin zu quantensicheren Kommunikationsnetzen und taktischer Künstlicher Intelligenz. Der Fortschritt der geförderten Forschungsprojekte wird entlang der Dimensionen Cyber, Weltraum, Luft, See, Land und Mensch präsentiert. Ausgewählten Vertreterinnen und Vertretern aus Bundeswehr, Ministerien, Behörden, Wirtschaft und Gründerszene wird während der Transferkonferenz in verschiedenen Vorträgen und Demonstrationen der Forschungsfortschritt, der durch die von den beiden Bundeswehr-Universitäten geförderten Forschungsprojekte erzielt wurde, hautnah präsentiert.“
Militärforschung stärken?
(27. März 2024)Unter dem Titel „Militärforschung stärken? Die Berliner Unis sind skeptisch“ spricht sich die Präsidentin der TU Berlin, Geraldine Rauch, im Tagesspiegel gegen die Angriffe auf die Zivilklauseln aus: „Die Trennung von militärischer und ziviler Forschung an Universitäten darf nicht aufgeweicht werden.“ Es gebe außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die schon lange militärische Forschung betrieben. „Öffentliche Hochschulen hingegen sind unabhängig und dürfen weder von wirtschaftlich-industriellen noch von militärischen Zielen getrieben werden. Auf keinen Fall dürfen öffentliche Hochschulen direkt oder indirekt für Aufrüstungsprojekte missbraucht werden.“ (hü)
MGCS: Einigung?
(26. März 2024)Lange zog sich das Hauen und Stechen um Anteile am deutsch-französischen Kamppanzersystem der Zukunft (MGCS) hin, nun soll es laut Frankfurter Rundschau zu einer Einigung gekommen sein: „Deutschland und Frankreich haben jetzt die Entscheidung getroffen, als gemeinsames Rüstungsprojekt einen modernen Kampfpanzer zu bauen. […] Am 24. April unterzeichnen beide Seiten eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), das die Details festlegt. Bis Ende dieses Jahres soll dann ein Vertrag mit den beteiligten Industrien fertig sein.“ (jw)
Tschad: Russland und Ungarn
(25. März 2024)Während große Teile des französischsprachigen Sahels sich nach Putschen vom Westen und besonders der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich abwendeten, sitzt der francophile Übergangspräsident des Tschads, Mahamat Idriss Déby, scheinbar immernoch fest im Sattel. Im IMI-Aktuell 2024/195: Tschad: Familienfehde vor Wahl dokumentierten wir die jüngsten antidemokratischen Maßnahmen zum Machterhalt des 2021 durch eine nicht-verfassungskonforme Übergabe an die Macht gekommenen Sohn des jahrzehntelang regierenden profranzösischen Diktators Idriss Déby Itno.
Nun scheint sich dieser, wie in der IMI-Analyse2024/04: Stabilisierung im Sahel gemutmaßt, dem Trend im Sahel anzupassen und die Kooperation mit Russland intensivieren zu wollen. Zumindest hatte sich Déby bei einem Besuch im Kreml ablichten lassen.
Nun trat jedoch auch ein im Sahel und ganz Afrika neuer Akteur auf das Spielfeld. Das zur EU gehörenden aber auch zu Russland nur wenig Distanz nehmende Ungarn möchte nun wohl 200 Soldat(*inn)en zur Ausbildung und Migrationsbekämpfung in den Tschad entsenden, wie die DW berichtete. Zudem würde die staatliche Entwicklungshilfe- und humanitäre Organisation Hungary Helps nun ihr erstes Büro auf dem afrikanischen Kontinent eröffnen.
Die DW sucht dabei nach weiteren Gründen, neben der Vermeidung von Migration, die Ungarn dank der bald abgesegneten Veränderungen am Gemeinsamen Europäischen Asylsystem bald zwingen könnte, auch Geflüchtete aufzunehmen oder für die Weigerung zu zahlen. Sie zitiert dabei András Rácz von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) der eine mögliche Erklärung in der Übung der Kräfte sieht: „Sie hängt zusammen mit dem Ende des NATO-Einsatzes in Afghanistan 2021, an dem auch ungarische Spezialkräfte beteiligt waren und die seitdem nur noch Trockenübungen abhalten können: ‚Um diese Art von Fähigkeiten unter den Spezialkräften aufrecht zu erhalten, braucht es reale Einsätze in hochintensiven Umgebungen. Diese grundsätzliche Logik ergibt Sinn. Aber sie erklärt nicht, warum ausgerechnet Tschad‘, sagt der DGAP-Wissenschaftler im DW-Gespräch.“
Eine andere von Rácz‘ Erklärungen geht auf die Rolle von des Sohns des ungarischen Ministerpräsidenten ein, der auch in der Delegation vor Ort gesichtet wurde. (pf)
Gaza: Petitionen gegen Waffen
(25. März 2024)Besonders die US-amerikanische Petitionsplattform Ekō, zuvor lange bekannt als Sum of Us, versucht immer wieder auch (US-)außenpolitischen Themen ein Ohr zu geben und engagiert sich immer wieder auch für die Rechte von Palästinenser*innen. Beispielsweise sammelt sie Geld für eine Kampagne, die den italienischen Rüstungshersteller Leonardo davon abbringen soll, weiterhin Waffen an Israel zu liefern. Zudem führt die Plattform eine Petition gegen die Diskriminierung von Palästinensern durch den Online-Zahlungsdienstleister PayPal von Elon Musk, der seine Dienste zwar Israelis in illegalen Siedlungen nicht aber der, unter deren Besatzung lebenden palästinensischen Bevölkerung anbietet.
Campact ist die bekannteste solcher Plattformen in Deutschland, aber scheint kaum Menschen in ihrer Gefolgschaft zu haben, die sich gegen das durch die palästinensische Bevölkerung erfahrene Leid einsetzen wollen, oder solche Petitionen nicht zuzulassen. Eine Suche nach dem Wort Israel, ergab drei Petitionen die beispielweise eine Antisemitismusdefinition, die Feindschaften, die sich „kollektiv gegen alles (vermeintlich) jüdische, wie z.B. den als jüdisches Kollektiv wahrgenommenen Staat Israel richten“, in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufnehmen wollen, oder eine gegen ein Willkommenheißen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayip Erdogan nach dessen Äußerungen um den 7. Oktober fordern. Alle drei wurden kaum unterschrieben.
Eine auf der Seite beworbene Petition der israelischen Schwesterorganisation von Campact, Zazim, jedoch fordert die Bundesregierung auf, sich als Vermittlerin zwischen Israel und Hamas zu betätigen, und somit das (zur Veröffentlichung der Petition noch vermutete) Massenbombardement Gazas durch die rechtsextreme israelische Regierung zu verhindern. Diese Petition kam auf 55.000 der nötigen 75.000 Unterschriften. (pf)
Taurus-Lieferung: danach nackt?
(25. März 2024)Schon letzten Montag verwies die junge Welt auf Äußerungen des Bundeswehr-Generalinspekteurs, Carsten Breuer, vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags eine Woche zuvor, die im Falle einer Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine wohl ein nicht gering zu schätzendes Sicherheitsrisiko für Deutschland andeuteten.
Einerseits habe dieser gegenüber T-Online durchblicken lassen, „die ukrainischen Streitkräfte könnten den TAURUS nur dann ohne eine aktive Beteiligung deutscher Militärs mit all seinen Fähigkeiten nutzen, wenn man ihnen zusammen mit den Raketen selbst auch die eigens für ihren Einsatz entwickelten hochkomplexen IT-Systeme liefere. Davon jedoch habe die Bundeswehr nur so wenige, dass sie blank dastehe, wenn sie der Ukraine welche übergebe.“
Diese Bedrohung ergebe sich jedoch, wenn man dem Narrativ eines verwegenen, NATO-Staaten angreifenden Russland glaube. So mutmaßte T-online laut der Tageszeitung junge Welt: „wenn man den TAURUS mitsamt den IT-Systemen liefere, die Ukraine aber trotzdem den Krieg verliere und die russischen Streitkräfte dann auf einmal an Polens Ostgrenze stünden? Dann werde es ernst – und der Bundeswehr fehle zugleich eine ihrer gefährlichsten Waffen: Deutschland sei nicht mehr hinlänglich abwehrbereit.“
Hier noch gar nicht erwähnt werden die Risiken, die aus einer möglichen Dekonstruktion und Analyse dieser kritischen IT-Systeme und der Marschflugkörper durch Russland und den dann nichtig werdenden technologischen Errungenschaften resultieren könnten. (pf)
Rumänien: Bau und Kandidatur
(25. März 2024)Wie die Neue Züricher Zeitung berichtete, verdeutlicht der Bau des flächenmäßig größten NATO-Stützpunktes in Rumänien (siehe IMI-Aktuell 2024/234) die strategische Bedeutung des Schwarzmeerraums und kann im Kontext der eine Woche nach Baubeginn erfolgten offiziellen Ankündigung des rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis verstanden werden, für die Nachfolge von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu kandidieren. Bisher ist Rumänien nach Angaben der NZZ ein wichtiges Transitland für westliche Militärhilfe an die Ukraine, das Seit November des letzten Jahres auch ein Nato-Schulungszentrum für F-16-Piloten betreibt und wo zurzeit bereits „Zufahrtsstrassen angelegt und die infrastrukturellen Voraussetzungen für das Stromnetz [des neuen Stützpunkts] geschaffen [werden].“ Andrei Klimow vom aussenpolitischen Ausschuss des russischen Föderationsrats nannte das Projekt nach Angaben der NZZ eine Gefahr für Rumänien, die es wahrscheinlicher mache, dass Rumänien bei Vergeltungsschlägen ins Visier genommen werde. (yd)
Ankündigung: Filmvorführung
(25. März 2024)Anlässlich des 25.Jahrestages des völkerrechtswidrigen NATO-Angriffskrieges gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien wird am Mittwoch, den 27. März um 19 Uhr im Gemeindehaus Lamm in Tübingen die WDR-Dokumentation „Es begann mit einer Lüge“ gezeigt. Im Aufruf heißt es: „Der Film beschäftigt sich mit den Kriegslügen der Bundesregierung und der NATO, die einen Kriegseintritt der NATO ohne UN-Mandat rechtfertigen sollten. Dies war ein Tabubruch der rot-grünen Bundesregierung, die damit erstmalig seit Ende des Zweiten Weltkrieges wieder deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg schickte. Am 24.März 1999 begannen 19 NATO-Mitgliedsstaaten mit 200 Flugzeugen, militärische und zivile Ziele in Jugoslawien zu bombardieren, der Krieg kostete zehntausende Menschen das Leben. Sanktionen für diesen Völkerrechtsbruch gab es für die NATO-Staaten nicht. Im Anschluss an den Film soll auch über Kriegslügen damals und heute diskutiert werden, die nicht nur Russland sondern auch die NATO-Staaten immer wieder verbreiteten, um Kriege und Militäreinsätze zu legitimieren. Auch die Rolle der Medien bei der Verbreitung von Kriegslügen soll dabei kritisch beleuchtet werden.“ Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung wird organisiert von Gesellschaft Kultur des Friedens, Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen. (yd)
Kanada: Waffenlieferungsstopp
(22. März 2024)Wie Antiwar.com und Democracy Now berichteten hat die kanadische Regierung, nachdem das kanadische Parlament eine nicht bindende Resolution zu diesem Thema mit 204 zu 117 Stimmen verabschiedet hat, angekündigt, Waffenlieferungen an Israel zu stoppen. „Seit dem 8. Januar hat die Regierung keine neuen Genehmigungen für Waffenexporte nach Israel mehr erteilt, und das wird so lange so bleiben, bis wir die vollständige Einhaltung unserer Ausfuhrbestimmungen sicherstellen können“, so die kanadische Außenministerin Melanie Joly am vergangenen Mittwoch (20.März). (yd)
Bundeswehr: Rekord
(22. März 2024)Der Jahresbericht 2023, der dem Bundestag durch die Wehrbeauftragte am 12. März vorgelegt wurde enthält einen neuen Rekord: So verzeichnete die Bundeswehr im vergangenen Jahr 49 „Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung“, während es in den Vorjahren 2022: 34, 2021: 23 und 2020 noch 25 waren. Dies entspricht im vergangenen Jahr einem Anstieg um fast 45%. Zusätzlich gab es im vergangenen Jahr 385 „Meldepflichtige Ereignisse wegen des Verdachts auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“, während es 2022: 357; 2021: 303; 2020: 224; 2019: 345; und noch 2018: 288 waren. (yd)
Niederlande: Kampfjets und Drohnen
(22. März 2024)Nach Angaben von The Defense Post wird die Niederlande insgesamt über 350 Millionen Euro (381 Millionen Dollar) für den Kauf von F-16 Kampfjets und modernen Aufklärungsdrohnen für die Ukraine bereitstellen, die voraussichtlich im Sommer 2024 in der Ukraine eintreffen sollen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Sommer mit der Lieferung von F-16 beginnen werden… Dänemark zuerst, und wir haben einen Zeitplan… also werden die niederländischen F-16 in der zweiten Jahreshälfte in diese Richtung gehen“, so die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren. Außerdem wird die Niederlande 18 F-16 Kampfjets für die Ausbildung ukrainischer und rumänischer Piloten zur Verfügung stellen, wie The Defense Post berichtete. (yd)
Bundeswehrbericht: „Zeitgemäße Menschenführung“
(21. März 2024)Der Jahresbericht 2023, der dem Bundestag durch die Wehrbeauftragte am 12. März vorgelegt wurde ist in verschiedener Hinsicht erschreckend. Nach der Lektüre des Kapitels „Überzogene Härte in der Ausbildung“, in dem die Wichtigkeit einer „zeitgemäßen Menschenführung“ betont wird, verwundert es nicht warum die Bundeswehr mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat: So schildert etwa ein ehemaliger Rekrut, die Ausbilder hätten ihn und seine Kameradinnen und Kameraden kontinuierlich angeschrien und einer habe geäußert, „sie sollten so werden wie Soldaten der Nationalen Volksarmee und Soldaten von früher […], wenn man das Politische außer Acht lässt“. Auch hätten sie so lange strammstehen und sich körperlich ertüchtigen müssen, bis drei Rekruten zusammengebrochen seien. An anderer Stelle wird beschrieben, dass für drei Tage jeweils der Rekrut, der zuletzt etwas falsch gemacht hatte, einen Vorschlaghammer, als „Hammer der Schande“, bei sich führen musste. „Ein Gruppenführer eines Grundausbildungszuges bezeichnete bei einer Stubenkontrolle einen Rekruten als „Straßenhippie“ und „Falschgeld“ und forderte ihn auf, sich zu erhängen. Einem anderen Soldaten sagte er, dieser könne froh sein, nicht zur Luftwaffe zu gehen und führte aus: „So hässlich wie Sie mit diesem Pullover aussehen, würde man Sie ohne Fallschirm aus dem Flugzeug werfen.“ (yd)
Bulgarien: Militärtransporte
(21. März 2024)Vom 19. bis 24. März 2024 wird militärische Ausrüstung per Zug von Griechenland nach Rumänien und gleichzeitig von Griechenland aus mit der Bahn durch Bulgarien transportiert werden, um bei der gemeinsamen bulgarisch-amerikanischen Ausbildung auf dem Übungsplatz Novo Selo genutzt zu werden, wie das bulgarische Verteidigungsministerium mitteilte. Nach Angaben des bulgarischen Verteidigungsministeriums ist der Transport von militärischem Gerät von Griechenland nach Rumänien und Bulgarien und umgekehrt Teil der regionalen logistischen Unterstützung der Rotation von Militärverbänden, die an der Operation Atlantic Resolve der US-Streitkräfte teilnehmen, wie The Sofia Globe berichtete. (yd)
Mehr als Rekrutierungsprobleme
(21. März 2024)Wie Politico berichtete gibt es in verschiedenen westeuropäischen Armeen nicht nur Probleme dabei neue Soldat*innen zu rekrutieren, sondern auch dabei, die noch vorhandenen Soldaten zu halten. So sei etwa aus einem Bericht, der dem deutschen Bundestag am 12. März vorgelegt wurde, hervorgegangen, dass im Jahr 2023 rund 1.537 Soldaten die Bundeswehr verließen, wodurch sich die Zahl der Soldat*innen auf 181.514 verringert habe. Der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu stellte nach Angaben von Politico wenige Tage später einen Plan vor, wie Soldat*innen in der Armee gehalten werden sollen. (yd)
Schwerer Waffenträger: Bewilligt
(21. März 2024)Auf unserer Sonderseite zum Sondervermögen versuchen wir einigermaßen den Überblick über die zahlreichen aus dem „Sondervermögen“ der Bundeswehr finanzierten Projekte zu behalten. Eines davon ist die Anschaffung des Schweren Waffenträgers Infanterie auf Basis des Radpanzers Boxer für die neu geschaffenen Mittleren Kräfte der Bundeswehr. Laut hartpunkt.de wurden gestern die Gelder dafür bewilligt, gebaut werden sollen sie im Rheinmetall-Werk in Australien: „Der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages hat heute unter Auflagen den Weg für die Beschaffung von insgesamt 123 sogenannten Schweren Waffenträgern Infanterie für mehr als 1,9 Milliarden Euro freigemacht. […] Parallel dazu hat der Ausschuss einen fast 750 Millionen Euro schweren „Integrated Logistic Support“-Vertrag gebilligt, um die Einsatzfähigkeit der neuen Radpanzer-Flotte nach der Lieferung sicherzustellen. Die Finanzierung erfolgt über das Sondervermögen Bundeswehr. […] Die Lieferung der ersten 19 Serienfahrzeuge ist demnach für 2025 geplant. Danach sollen jedes Jahr rund 25 Waffenträger bis Anfang 2030 zulaufen.“ (jw)
ASAP: Deutsche Profiteure
(21. März 2024)Mit dem Programm ASAP nimmt die Europäische Union Gelder zur Ankurbelung der Munitionsproduktion in die Hand. Wie das Handelsblatt berichtet, profitieren davon nicht zuletzt deutsche Konzerne: „Wie die zuständige EU-Kommission […] mitteilte, werden von den insgesamt 500 Millionen Euro mehr als 130 Millionen für deutsche Projekte zur Verfügung gestellt. Darunter sind von den Unternehmen Rheinmetall, Nitrochemie und Alzchem koordinierte Pläne zur Steigerung der Produktionskapazitäten für Geschosse und die dafür notwendigen Treibladungen. Zudem bekommt die MBDA Deutschland GmbH Geld für ein Lenkflugkörper-Projekt.“ (jw)
Veteranentag: Beschlossen
(21. März 2024)Die Ampel soll sich auf die „Feier“ eines Veteranentags geeinigt haben, berichtet u.a. Spiegel Online: „Als Termin vorgesehen ist der 15. Juni, nach einem möglichen Bundestagsbeschluss nach Ostern könnte der Veteranentag 2025 zum ersten Mal begangen werden. […] Der Kreis der mit dem Begriff Gemeinten ist relativ groß: Als Veteranin oder Veteran der Bundeswehr gilt, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist. Damit sind fast alle derzeitigen und ehemaligen Bundeswehrangehörigen Veteranen.“ (jw)
Borrell: „Freiluftfriedhof“
(20. März 2024)Immer mehr internationale Akteur*innen und Organisationen weisen immer dringlicher auf die schon jetzt katastrophale Hungersnot in Gaza hin, die sich laut einem Bericht der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) vom vergangenen Montag (18.März) vor allem im nördlichen Gazastreifen immer mehr verschärft. Michael Fakhri, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, sagte nach Angaben von Democracy Now, die USA seien „mitschuldig an der Hungersnot des palästinensischen Volkes in Gaza“, und forderte die Regierung Biden auf, einen Waffenstillstand zu fordern und die Lieferung von Waffen und Geld an Israel einzustellen. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, und der Leiter des UNRWA, Philippe Lazzarini, sowie der EU-Spitzendiplomat Josep Borrell verurteilten am Montag die „vollständig von Menschen verursachte“ Hungersnot. Borrell fügte nach Angaben von Democracy Now, hinzu: „Vor dem Krieg war der Gazastreifen das größte Freiluftgefängnis. Heute ist es der größte Friedhof unter freiem Himmel“. (yd)
Rheinmetall entwaffnen: Aufruf
(20. März 2024)Seit gestern (19. März) findet sich auf der Internetseite von Rheinmetall entwaffnen ein Aufruf zu Camp und Aktionstagen vom 3.- 8.September 2024 unter dem Motto „Kiel entwaffnen- Rüstungsindustrie versenken!“ Darin heißt es unter anderem: „Unsere Welt droht im Krieg zu versinken und Deutschland ist Teil dieses global eskalierenden Kriegsregimes. In Kiel produzierte Kriegstechnik und Waffen verbreiten unsägliches Leid. Das massenhafte Morden an den Kriegsfronten in der Ukraine, der zehntausendfache Tod und die Vertreibung in Gaza, das Leid in Kurdistan sind nur wenige Beispiele für die Folgen der globalen Aufrüstung des kapitalistisch patriarchalen Systems. Und selbst dort, wo kein »heißer« Krieg ausgefochten wird, wird offensichtlich alles dafür getan, um ihn herbeizuführen, durch eine beispiellose Militarisierung, flankiert von erstarkendem Nationalismus und den Profitinteressen riesiger Konzerne[…] Kiel ist der passende Ort für unser Vorhaben: Nur in wenigen Gegenden in Deutschland finden sich so viele Orte von Bundeswehr, Marine und Rüstungsindustrie. Gleichzeitig ist Kiel ein Ort des Widerstands, mit beeindruckender revolutionärer Geschichte wie dem Matrosenaufstand von 1918. Und auch heute gibt es zahlreiche Widerstandsbewegungen und Verbündete vor Ort. […] Lasst uns gemeinsam ein Camp gegen Krieg, Aufrüstung und Abschottung gestalten! Für ein solidarisches Miteinander und eine gemeinsame widerständige Praxis gegen das globale Kriegsregime.“ (yd)
Rumänien: riesiger Luftwaffenstützpunkt
(20. März 2024)Wie Merkur.de und Euractiv berichteten soll in Rumänien mit einer Größe von über 3.000 Hektar die größte Nato-Militärbasis in Europa entstehen. Der Stützpunkt soll nach Angaben von Merkur.de mehr als 10.000 Soldaten beherbergen und im Bau etwa 2,5 Milliarden Euro kosten. Auf dem Stützpunkt sollen nach Angaben von Nicolae Crețu, dem Kommandeur des Flugstützpunkts 57 in Rumänien „Wartungshallen, Treibstofflager, Munition, Ausrüstung, luftfahrttechnisches Material, Simulatoren, Verpflegungseinrichtungen Unterkünfte; alles was für den Betrieb und die Aufgaben einer Basis dieser Größe erforderlich ist“ entstehen bzw. zukünftig gelagert werden. (yd)
Ukraine-Unterstützung durch Waffen und…Zölle?
(20. März 2024)Während die Debatten um Waffenlieferungen mit immer mehr Eskalationspotential weiter laufen, will die EU Zölle für ukrainische Agrarprodukte wieder in Kraft setzen. Dies geschehe vor allem um jeweiligen nationalen Interessen der Landwirtschaft zu schützen. Zuvor hatten schon einzelne Staaten wie Polen, Ungarn oder die Slowakei einen Exportstopp für ukrainische Agrargüter verhängt. Der Wille zur unbedingten Verteidigung der westlichen Werte in der Ukraine scheint sich auf die militärische Ebene zu begrenzen. (ju)
Rheinmetall-CEO streicht fünf Millionen Euro ein
(20. März 2024)Bei dem hohen Kurs, den die Rheinmetall-AG zurzeit erfährt, lässt sich durch Aktienhandel ordentlich Kasse machen, wenn man zum richtigen Zeitpunkt verkauft. Das weiß auch CEO Armin Papperger, der am Dienstag Aktien im Wert von ca. fünf Millionen Euro verkaufte. Auch wenn er das Wort „Krisenprofiteur“ ablehnt, sich und seinen Konzern eher als „Krisenhelfer“ ansieht, bei der Systemrelevanz darf anscheinend auch der persönliche Verdienst nicht zu kurz kommen. „Insider“-Verkäufe werden am Markt allerdings nicht gern gesehen, weswegen der Kurs zunächst wieder fällt. Dem allgemeinen Trend dürfte das aber keinen Abbruch tun. (ju)
Stark-Watzinger: Rückendeckung
(20. März 2024)Wenn der ehemalige Welt-Kolumnist Alan Posener zur Feder greift, weiß man gleich, dass was Übles rauskommt. So mischte er sich schon vor fast 20 Jahren mit Forderungen, dass „Europa seine imperiale Bestimmung realisiert“ in die Debatte ein (siehe Studien zur Militarisierung Europas 32/2007). Nun springt er auf Zeit Online Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger mit ihrer Forderung nach der Bundeswehr an Schulen und Projekttagen mit Zivilschutzübungen beiseite, nachdem diese selbst vom bildungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Jarzombek, Kritik erfuhr: „Wir müssen unsere Kinder schultüchtig machen und nicht kriegstüchtig.“ Posener dagegen meint: „Die Bildungsministerin wünscht, dass in der Schule auch Zivilschutz gelehrt wird. Richtig so! Noch besser wäre es, wenn auch gleich Nichtdeutsche in die Armee dürften.“ (jw)
Scholz: Zögerlich?
(20. März 2024)Kanzler Olaf Scholz verwahrt sich gegen den Vorwurf, zu „zögerlich“ hinsichtlich Waffenlieferungen an die Ukraine zu sein. „Wir haben ja als Deutsche, wenn ich das über Zögern nochmal sagen darf, fast alle gefährlichen Waffen als allererste geliefert“, wird er im Kölner Stadtanzeiger zitiert. Beispiele seien Artillerie und Kampfpanzer. „Ich könnte diese Liste unendlich verlängern.“ (jw)
Mützenich: Einfrieren
(19. März 2024)Viel Kritik erntet SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich derzeit für seine Überlegung, den Ukraine-Krieg „einzufrieren“, um auf dieser Basis Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen. Einer der wenigen positiven Kommentare auf Mützenichs Äußerungen findet sich beim ZDF: „Deutschland steht an der Seite der Ukraine, das ist klar. Doch bei all dieser Diskussion, bei all den Stimmen stellt sich unweigerlich auch eine Frage: Muss nicht doch auch über einen möglichen Waffenstillstand, über mögliche Verhandlungen diskutiert werden? Trotz Putin? Muss dieser Gedanke nicht auch in all den politischen Überlegungen eine Rolle spielen? Es verwundert doch, wie wenig in der deutschen Politik darüber geredet wird. Vielleicht hat Rolf Mützenich ja eine breitere Diskussion auch darüber angestoßen.“ (jw)
Schweden: Wunden und Bakterien
(19. März 2024)Im Interview mit Euractiv sagte der schwedische Unfallchirurgs Gunnar Sandersjöö, der die Traumaabteilung des Karolinska Universitätskrankenhauses in der Nähe von Stockholm leitet, in dem seit Beginn des Kriegs in der Ukraine Soldat*innen behandelt werden die eine Spezialbehandlung benötigen, dass viele Soldat*innen bei ihrer Ankunft in Schweden oft tiefe Infektionen haben, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden und dass sich die Art der Kriegsverletzungen allgemein gewandelt zu haben scheint: „Das liegt daran, dass wir fast keine kampfbedingten Schussverletzungen mehr sehen. Was wir meistens sehen, sind schwere Explosionsverletzungen durch Artilleriegranaten und Minen, die oft die Extremitäten betreffen und eine intensive Operation erfordern. Das bedeutet auch, dass wir viel Zeit darauf verwenden, Arme und Beine zu rekonstruieren“, so Sandersjöö. Einige der Bakterienstämme, die in Wunden gefunden wurden, seien sogar gegen alle Antibiotika resistent gewesen. Nach Angaben von Euractiv wurden inzwischen mehr als 3.000 Patient*innen, darunter neben Soldat*innen zum Teil auch Menschen mit schweren Krebserkrankungen aus der Ukraine in andere europäische Krankenhäuser gebracht, wobei vor allem Norwegen viele Patient*innen aufgenommen habe. (yd)
Trump: „Blutbad“?
(19. März 2024)Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ohio am vergangenen Wochenende warnte Donald Trump vor einem „Blutbad“ in den Vereinigten Staaten, sollte er die Wahl gegen Joe Biden verlieren, wie Democracy Now berichtete. „Wenn ich nicht gewählt werde, wird es ein Blutbad für die ganze Welt geben – das ist noch das geringste Problem. Es wird ein Blutbad für das Land sein. Das wird das Geringste sein“, so der Präsidentschaftskandidat. In der gleichen Rede sagte Trump, dass er manche Migrant*innen nicht als Menschen betrachte. (yd)
Neuer Unterstützungsfonds
(19. März 2024)Am vergangenen Montag (18. März) hat der Rat der Europäischen Union beschlossen, die finanzielle Obergrenze der Europäischen Friedensfazilität (EPF) um fünf Milliarden Euro zu erhöhen und diese Aufstockung für die Ukraine zweckgebunden zu verwenden, indem ein spezieller Unterstützungsfonds für die Ukraine (UAF) innerhalb der EPF eingerichtet wird, wie The Sofia Globe berichtete. Durch den Beschluss wird sich die finanzielle Obergrenze der EPF für den Zeitraum 2021-2027 voraussichtlich auf mehr als 17 Milliarden Euro belaufen. „Die verbesserten Governance-Regeln werden auf gut funktionierenden nationalen Beschaffungsstrukturen sowie auf bestehenden Rahmenverträgen aufbauen, wobei sowohl ein Lead-Nation-Ansatz als auch die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) zum Tragen kommen und die gemeinsame Beschaffung der erforderlichen Verteidigungsgüter durch die europäische Verteidigungsindustrie und Norwegen – einschließlich kleiner und mittlerer Unternehmen – vorgesehen ist, während gleichzeitig Flexibilität in den Lieferketten ermöglicht wird, die Betreiber mit Sitz oder Produktionsstätten außerhalb der EU oder Norwegens umfassen können“, so der Rat in einer Erklärung. (yd)
Musk: Spionage-Satellitennetzwerk?
(18. März 2024)Wie Reuters am vergangenen Samstag (16. März) berichtete, deuten Informationen von fünf anonymen Informant*innen, darauf hin, dass das Raumfahrtunternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk im Rahmen eines geheimen Vertrags mit einem US-Geheimdienst ein Netzwerk aus Hunderten von Spionagesatelliten aufbaut. Das Netzwerk werde von der SpaceX-Geschäftseinheit Starshield im Rahmen eines 2021 unterzeichneten Vertrags im Wert von 1,8 Milliarden Dollar mit dem National Reconnaissance Office (NRO) gebaut, einem Geheimdienst, der Spionagesatelliten verwaltet, so die Quellen nach Angaben von Reuters. „Das National Reconnaissance Office entwickelt das leistungsfähigste, vielfältigste und widerstandsfähigste weltraumgestützte Nachrichten-, Überwachungs- und Aufklärungssystem, das die Welt je gesehen hat“, so ein Sprecher des NRO. Reuters berichtet nach unspezifischen Berichten des Wall Street Journal im Februar zum ersten Mal, „dass es sich bei dem SpaceX-Vertrag um ein leistungsfähiges neues Spionagesystem mit Hunderten von Satelliten handelt, die die Erde abbilden und als Schwarm in niedrigen Umlaufbahnen operieren können, und dass die Spionagebehörde, mit der Musks Unternehmen zusammenarbeitet, das NRO ist.“ Die Satelliten seien in der Lage, so die anonymen Quellen nach Angaben von Reuters, Ziele am Boden zu verfolgen und diese Daten an den US-Geheimdienst und das Militär weiterzugeben, was die US-Regierung in die Lage versetzen würde, schnell und kontinuierlich Bilder von Aktivitäten am Boden fast überall auf der Welt zu erfassen und so nachrichtendienstliche und militärische Operationen zu unterstützen. Das Pentagon sei bereits ein großer Kunde von SpaceX und nutzte die Falcon 9-Raketen, um militärische Nutzlasten ins All zu befördern, so der Reuters-Artikel weiter. (yd)
Olympische Spiele: Waffenstillstand?
(18. März 2024)Bei einem Interview am vergangenen Samstag (16. März) gab der französische Präsident Emmanuel Macron an, dass Russland aufgefordert werde, während der Olympischen Spiele in Paris vom 26. Juli bis zum 11. August einen Waffenstillstand in der Ukraine einzuhalten. „Wir werden darum bitten“, so Macron nach Angaben von Euractiv. Am vergangenen Donnerstag (14. März) hatte der Präsident des Russischen Olympischen Komitees erklärt, dass einige russische Athlet*innen trotz Beschränkungen des IOC ohne Flagge am Wettbewerb teilnehmen werden. (yd)
Niger: US-Militär unerwünscht
(18. März 2024)Am vergangenen Samstag (16.März) kündigte der nigerianische Oberstleutnant Amadou Abdramane nach dem Besuch einer US-Delegation in Niger an, dass die militärische Zusammenarbeit mit den USA und die damit verbundene US-Präsenz im Land beendet werden solle, wie antiwar.com berichtete. „Die Regierung von Niger beschließt unter Berücksichtigung der Bestrebungen und Interessen ihres Volkes mit voller Verantwortung, das Abkommen über den Status des Militärpersonals der Vereinigten Staaten und der zivilen Mitarbeiter des amerikanischen Verteidigungsministeriums auf dem Territorium der Republik Niger mit sofortiger Wirkung zu kündigen“, so Abdramane, der nach Angaben von CNN auch betonte, dass das 2012 unterzeichnete Abkommen zwischen den beiden Ländern „nicht nur in seiner Substanz zutiefst ungerecht“ sei und „nicht den Wünschen und Interessen des nigrischen Volkes“ entspreche, sondern Niger regelrecht aufgezwungen wurde und gegen die „verfassungsmäßigen und demokratischen Regeln“ der Souveränität der westafrikanischen Nation verstoße. Nach Angaben von antiwar.com gab es schon zu Beginn des Jahres 2024 Hinweise im Wall Street Journal, dass sich die USA, die im Niger mit der sogenannten Air Base 201 eine große Drohnenbasis für Operationen in Westafrika unterhielten, auf die Möglichkeit eines Rauswurfs vorbereitet haben und Gespräche mit anderen westafrikanischen Staaten, darunter Benin, die Elfenbeinküste und Ghana, über die Stationierung von Drohnen auf ihrem Territorium führten. (yd)
Unverkrampft?
(16. März 2024)Kürzlich forderte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, André Berghegger, „Projekttage“, um Kinder auf mögliche Kriege vorzubereiten (siehe IMI-Aktuell 2024/189). Ähnlich plädiert nun Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) laut Berliner Zeitung dafür, künftig Zivilschutzübungen an Schulen abzuhalten. Auch sonst sollten die Schulen stärker auf die Bundeswehr zugehen: „Sie rief die Schulen dazu auf, ein ‚unverkrampftes Verhältnis zur Bundeswehr‘ zu entwickeln. ‚Ich halte es für wichtig, dass Jugendoffiziere in die Schulen kommen und berichten, was die Bundeswehr für unsere Sicherheit tut‘, sagte sie den Funke-Zeitungen. Vorbehalte diesbezüglich könne sie ‚nicht nachvollziehen‘.“ (jw)
Saarland: Freie fahrt
(16. März 2024)Der Militärischen Mobilität, Maßnahmen zur schnellen Verlegung von Truppen und Gütern, kommt immer größere Bedeutung zu. Ende Januar informierte das Verteidigungsministerium über die Einrichtung des ersten „grenzüberschreitenden Musterkorridors“ für Verlegungen zwischen den Niederlanden, Deutschland und Polen. Nun berichtet Augengeradeaus über privilegierte Straßennutzungsrechte für die Bundeswehr im Saarland: „Als erstes Bundesland hat das Saarland eine Vereinbarung mit der Bundeswehr unterzeichnet, die den Streitkräften eine einfachere und vor allem schnellere Nutzung von Straßen ermöglichen soll. Damit werden große Marschkolonnen mit militärischen Fahrzeugen und Groß- und Schwertransporte ohne das derzeitige langwierige Genehmigungsverfahren möglich.“ (jw)
Webinar: Wurzeln der Friedensbewegung
(15. März 2024)Das Friedensmuseum Nürnberg bietet ein interessantes Webinar an: „Grundwissen Frieden! Die 3 Wurzeln der Friedensbewegung“ heißt es und soll am Freitagabend (26. April, 19h-20h30) und Samstagvormittag (27. April 10h-11h30) stattfinden. Aus dem Einladungstext: „Eine „Friedensbewegung“, die sich selbst als solche bezeichnet, gab es schon im 19. Jahrhundert. Sie hat sehr unterschiedliche Wurzeln – und es hilft auch unserem heutigen Verständnis, sie zu kennen! „Frieden durch Recht„, sagten die einen. Die bekannteste Vertreterin ist sicher Bertha von Suttner. Ganz anders der Ansatz der Arbeiterbewegung: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen„, meinte Jean Jaurès, der große französische Friedenskämpfer, und der Deutsche Karl Liebknecht betonte die Notwendigkeit der „antimilitaristischen Propaganda“ gegen den preußischen Militarismus. Auf das Gewissen des Einzelnen und sein ethisches Handeln setzten religiöse wie nicht-religiöse Gewaltfreie wie Leo Tolstoi oder die Feministin Helene Stöcker.“
Wer teilnehmen möchte, erhält den ZOOM-Link bei Anmeldung – bitte unbedingt angeben, ob Sie Freitag oder Samstag – unter friedensmuseum@online.de (jw)
Rotes Meer: weitere Angriffe
(15. März 2024)Am vergangenen Donnerstag (14.März) kündigte der Houthi-Anführer Abdul Malik al-Houthi nach Angaben von antiwar.com an, dass die jemenitische Gruppe ihre Angriffe auf mit Israel verbundene Handelsschiffe ausweiten werde, um auch Schiffe im Indischen Ozean zu treffen, die versuchen, das Rote Meer zu umfahren. „Unser Hauptanliegen ist es, Schiffe mit Verbindungen zum israelischen Feind daran zu hindern, nicht nur das Arabische Meer, das Rote Meer und den Golf von Aden zu passieren, sondern auch den Indischen Ozean in Richtung Kap der Guten Hoffnung. Dies ist ein wichtiger Schritt, und wir haben begonnen, unsere diesbezüglichen Operationen durchzuführen“, so al-Houthi. Die neue US-Bombardierungskampagne gegen die Houthis habe die Situation nur noch verschärft, da die jemenitische Gruppe, als Reaktion darauf auch amerikanische und britische Handelsschiffe ins Visier genommen habe. „Unsere Marineoperationen gehen weiter, solange die Aggression gegen Gaza anhält“, sagte al-Houthi. „Die amerikanische und britische Hartnäckigkeit hat nur ein Ergebnis, nämlich die Ausweitung des Konflikts und des Krieges auf regionaler Ebene.“ Nach Angaben von Antiwar.com und des Jemen Data Project wurden seit Beginn der Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer mindestens ein Zivilist getötet und 10 wurden durch US-amerikanische und britische Luftangriffe verwundet. (yd)
Internationaler Tag gegen Polizeigewalt
(15. März 2024)Anlässlich des internationalen Tags gegen Polizeigewalt heute (15.März) finden weltweit Protestaktionen statt, die auf 15mrz.org mitverfolgt werden können. Zu dem Thema Polizeigewalt gibt es auch eine aktuelle Ausgabe von kritischlesen unter dem Titel „Wer braucht eigentlich die Polizei“. (yd)
Haiti: Gewalt, Flucht, Guantanamo?
(15. März 2024)Seit Beginn des Jahres wurden nach Schätzungen der UN mindestens 34.000 Haitianer*innen durch Bandengewalt, vor allem in und um die Hauptstadt Port-au-Prince, aus ihren Häusern vertrieben. Jonathan Katz, der Autor des Buches „The Big Truck That Went By: How the World Came to Save Haiti and Left Behind a Disaster, erklärte gegenüber Al Jazeera, dass Länder wie die USA zwar die haitianische Nationalpolizei ausrüsten, die Grenze zwischen den Beamten und den Banden, die sie bekämpfen sollen, jedoch oft durchlässig sei.Schon im Oktober 2022 fordert der damalige haitianische Premierminister Ariel Henry die internationale Gemeinschaft nach Angaben von Al-Jazeera auf, eine „bewaffnete Spezialeinheit“ zu entsenden, um die Ausbreitung der Bandengewalt in Haiti zu bekämpfen, woraufhin Kenia sich im Juli 2023 bereit erklärte Streitkräfte nach Haiti zu entsenden und möglicherweise eine multinationale Sicherheitsmission zu leiten, was zwar vom UN-Sicherheitsrat unterstützt wurde, aber im Januar von einem kenianischen Gericht als „illegal und ungültig“ befunden wurde und nach Angaben von kenianische Beamten am vergangenen Dienstag verschoben werden soll bis eine neue Regierung im Amt sei. „Im Oktober 2022 waren die meisten Haitianer gegen eine internationale Truppe“, so Pierre Esperance, Geschäftsführer des Nationalen Netzwerks zur Verteidigung der Menschenrechte in Haiti (RNDDH), nach Angaben von Al-Jazeera, „Aber heute werden die meisten Haitianer sie unterstützen, weil die Situation noch schlimmer ist und sie das Gefühl haben, dass es keine anderen Optionen gibt.“ Wie Democracy Now berichtete erwägt US-Präsident Biden Haitianer*innen in Guantánamo Bay unterzubringen, falls durch die Gewalt weiter viele Migrant*innen versuchen in die USA zu gelangen. Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, hat nach Angaben von Democracy Now bereits Soldaten der Nationalgarde eingesetzt, um Haitianer*innen daran zu hindern, Florida zu erreichen. (yd)
Frankreich: Wehrpflicht?
(15. März 2024)Im Reservistenmagazin „loyal“ (via Bpb-Newsletter) wird berichtet, auch in Frankreich werde über die Wiedereinführung einer Dienst- oder Wehrpflicht debattiert: „Ein Referendum zur Frage der Wiedereinführung einer Dienst- oder Wehrpflicht, zuletzt immer wieder ins Spiel gebracht, würde wohl positiv ausfallen: Mehrmals hat sich zuletzt eine klare Mehrheit (je nach Umfrage zwischen 66 und 75 Prozent) dafür ausgesprochen.“ (jw)
Militärausgaben: Drei Prozent?
(15. März 2024)Im Sommer 2023 unterzeichneten alle NATO-Mitglieder das Abschlussdokument des Gipfels von Vilnius, in dem sie einer Untergrenze der Militärausgaben von zwei Prozentdes Bruttoinlandsproduktes (BIP) zustimmten (siehe IMI-Standpunkt 2023/027). In der Washington Post (via Bpb-Newsletter) setzt sich Polens Präsident Andrzej Duda für NATO-Militärausgaben von drei Prozent des BIp ein: „Ten years ago, at the NATO summit in Newport, Wales, all allies pledged to spend at least 2 percent of their annual GDP on defense. I believe that, because of growing threats, the time has come to increase that number to 3 percent of GDP. I intend to persuade our allies to do so, in both America and Europe.“ (jw)
Rüstungsexporte: Klatsche
(15. März 2024)Vernichtend fällt das Gutachten „Deutsche Rüstungsexporte vor dem Hintergrund europäischer und internationaler Verpflichtungen“ des Völkerrechtlers Prof. Dr. Marauhn im Auftrag der Organisationen Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!, terre des hommes und Ohne Rüstung Leben aus: „Geht Deutschland einen restriktiven Sonderweg in der Rüstungsexportpolitik? Die vorliegende Studie widerlegt diese Behauptung der Rüstungsindustrie und von Teilen der Politik eindeutig. Ganz im Gegenteil zeigt sie, dass ein großer Teil der von der Bundesregierung erteilten Rüstungsexportgenehmigungen gegen das Völkerrecht und europäisches Recht verstößt“. (jw)
Militarisierung der Medien
(14. März 2024)Bei mmm.verdi.de findet sich eine kritische Bestandsaufnahme in Sachen „Militarisierung der Medien“ des Journalisten Jan-Timo Schaube: „Bei aller Liebe zur Presse- und Meinungsfreiheit: Die Massivität, mit der ein großer Teil der Leitmedien schon seit Sommer 2023 den „zaudernden“ Kanzler Scholz zur raschen Lieferung des Taurus drängen, lässt diese mehr und mehr als Einpeitscher militärischer Eskalation erscheinen. ‚Schwerter zu Pflugscharen‘? Das ist vorbei. Die Verfechter der ‚Zeitenwende‘ fordern Pflugscharen zu Marschflugkörpern. […] Die Deutungshoheit in den allermeisten Printmedien und leider auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk liegt inzwischen fast ausschließlich bei Kräften, deren politische Strategievorschläge sich in der Losung ‚Waffen, mehr Waffen, noch mehr Waffen für die Ukraine“ erschöpfen‘.“ (jw)
Korea: Militärübungen
(14. März 2024)Während in Südkorea die gemeinsamen Militärübungen Südkoreas und der USA andauern, die nach Angaben von Al-Jazeera „in der jüngste Runde ein computersimuliertes Gefechtsstandstraining und 48 Arten von Feldübungen“ umfassten, nahm der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un nach Angaben der amtlichen Koreanischen Zentralen Nachrichtenagentur (KCNA) zum dritten Mal im vergangenen Monat an einer Militärübung teil, äußerte sich „sehr zufrieden“ darüber, dass ein neuer Panzer, seine Schlagkraft unter Beweis gestellt habe und forderte seine Truppen auf, ihren „Kampfgeist“ zu stärken und die „Kriegsvorbereitungen“ abzuschließen. Nach Angaben von Al-Jazeera drohte das nordkoreanische Verteidigungsministerium in der vergangenen Woche mit „verantwortungsvollen militärischen Aktivitäten“ als Reaktion auf die südkoreanisch-amerikanischen Übungen, die der Norden als Proben für eine Invasion ansehe und Kim Jong Un, ordnete erhöhte Kriegsbereitschaft an. (yd)
Papst: Cartoon
(14. März 2024)Nachdem Papst Franziskus u.a. mit seiner Äußerung „schämt euch nicht, zu verhandeln, bevor es noch schlimmer wird“ im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg für Aufsehen sorgte, wird er nun von allen möglichen Seiten buchstäblich unter Beschuss genommen. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Dänemark: All Gender Wehrpflicht
(14. März 2024)Wie die dänische Premierministerin Mette Frederiksen am vergangenen Mittwoch (13.März) vor Reporter*innen erklärte wird die bisher auf vier Monate begrenzte Wehrpflicht in Dänemark im Rahmen einer Gesetzesänderung, die im Jahr 2025 erfolgen und 2026 in Kraft treten soll, auf 11 Monate verlängert werden und zukünftig auch Frauen umfassen, wie Al-Jazeera berichtete. „Wir rüsten nicht auf, weil wir Krieg, Zerstörung oder Leid wollen. Wir rüsten gerade jetzt auf, um Krieg zu vermeiden in einer Welt, in der die internationale Ordnung in Frage gestellt wird“, so Frederiksen. Bisher gibt es nach Angaben von Al-Jazeera in Dänemark 9.000 Berufssoldaten und 4.700 Wehrpflichtige in der Grundausbildung und die Regierung will die Zahl der Wehrpflichtigen um 300 auf insgesamt 5.000 erhöhen. Außerdem soll der dänische Verteidigungshaushalt in den nächsten fünf Jahren um 40,5 Milliarden dänische Kronen (5,9 Mrd. USD) erhöht werden. „Eine breitere Basis für die Rekrutierung, die alle Geschlechter einschließt, ist notwendig“, so der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, da dies „eine vielseitigere und vollständigere Verteidigung“ schaffen werde. (yd)
Türkische Kriegsverbrechen: Gutachten
(14. März 2024)Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags veröffentlichte ein Gutachten zu Kriegsverbrechen der Türkei, in dem festgehalten wird, dass die Angriffe auf zivile Infrastruktur in Rojava durch die Türkei den Tatverdacht von Kriegsverbrechen nahelegen, wie ANF berichtete. Das Gutachten folgt auf die Initiative von Gökay Akbulut (DIE LINKE), die das Gutachten wie folgt kommentierte: „Die Türkei hat ohne jeden Zweifel Kriegsverbrechen begangen, indem sie die zivile Infrastruktur gezielt angegriffen hat. Dies wird auch aus der Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages deutlich. Hierbei ist nicht zuletzt die Zerstörung des Kobane Medical Centers zu nennen. Dabei handelt es sich um eine zivile medizinische Einrichtung, die definitiv nicht militärisch genutzt wird. Dieser Angriff dient nicht der Selbstverteidigung, das ist ein Kriegsverbrechen.[…] Da die USA den Luftraum dort kontrollieren, liegt die Vermutung nahe, dass die Angriffe von den USA toleriert werden. Die Türkei setzt dabei Kampfdrohnen ein, deren Technologie zum Teil aus Deutschland kommt. Diese Waffen töten auch immer wieder Zivilisten. Der Export von Waffen und Waffentechnologie an das Erdogan-Regime muss daher gestoppt werden. […] Schon allein wegen ihrer Waffenexporte steht die Bundesregierung in einer besonderen Verantwortung, sich für ein Ende dieser Angriffe einzusetzen. Die Kriegsverbrechen der Türkei müssen aufs Schärfste verurteilt werden. Es ist absolut inakzeptabel, wenn die ‚Bündnispartnerin‘ Türkei das Völkerrecht derart missachtet. Deutschland muss sich für die Beendigung der türkischen Militäroperationen einsetzen.“ Der türkische Außenminister Hakan Fidan hatte bereits am 5. Oktober angekündigt, dass alle Infrastrukturen und Energieanlagen, die der PKK und YPG im Irak und in Syrien gehören, legitime Ziele der türkischen Sicherheitskräfte seien. (yd)
Rheinmetall-Boom nicht zu bremsen
(14. März 2024)Der Rüstungskonzern verzeichnet erneut Rekordwerte beim Umsatz, der 2023 auf 7,2 Milliarden Anstieg und im Aktienkurs, der aktuell innerhalb eines Jahres um 80 Prozent auf 445 Euro gestiegen ist. Vor allem die gewaltigen staatlichen Aufrüstungsprogramme und der verlängerte Krieg in der Ukraine sichern dem DAX-Konzern auf Jahre einen weiteren Anstieg und sind für Vorstand und Aktionäre ein Grund zur Freude. Dieses Jahr erwartet der Konzern erstmals einen Umsatz über der 10 Milliarden-Marke. (ju)
Friedensfazilität: Aufstockung
(14. März 2024)Über die EU-Friedensfazilität werden wesentliche Teile der Waffenlieferungen an die Ukraine finanziert (bislang 5,6 Mrd. Euro). Lange wurde über eine weitere Aufstockung des Budgets diskutiert, nun scheint es – vorbehaltlich einer abschließenden Zustimmung des Ministerrates – laut euractiv zu einer Einigung gekommen zu sein: „Die EU-Staaten einigten sich auf die Einrichtung eines mit fünf Milliarden Euro ausgestatteten Hilfsfonds für die Ukraine (UAF). Dieser soll bei Bedarf bis 2027 auf bis zu 17 Milliarden Euro zu aktuellen Preisen (20 Milliarden Euro zu Preisen von 2018) aufgestockt werden.“ (jw)
Varna: Seemine zerstört
(13. März 2024)Die bulgarische Marine zerstörte am vergangenen Dienstag (12. März ) nach Angaben des bulgarischen Verteidigungsministeriums in der Nähe des Kabakum-Strandes, 250 Meter vor der Küste von Varna eine Mine, wie The Sofia Globe berichtete. Die Besatzung des Minenräumbootes „Struma“ identifizierte die Mine, die nach Angaben von The Sofia Globe von einem Bürger an die Koordinierungsstelle für die Seenotrettung gemeldet worden war, als eine Mine des Typs Yam und zerstörte sie durch eine kontrollierte Explosion. In einer Erklärung konstatierte die bulgarische Marine, dass sie sich weiterhin für Minenbekämpfungsaktionen bereit halte, um eine sichere Schifffahrt in bulgarischen Gewässern zu gewährleisten. Schon im Januar 2023 häuften sich die Berichte treibender Ankertauminen im Schwarzen Meer. So wurde etwa im Marineforum von einer Ankertaumine der Bauart Yam berichtet, die nur 200 Meter von der rumänischen Küste entfernt gefunden worden sei. Seit Beginn des Ukraine-Krieges habe die ukrainische, rumänische, bulgarische und türkische Marine etwa 40 treibende Minen vernichten können, hieß es schon im Januar 2023. (yd)
USA: Tödliche Polizeigewalt
(13. März 2024)Am vergangenen Samstag (9.März) wurde in San Bernadino County, östlich von Los Angeles, der 15-jährige schwarze, autistische Teenager Ryan Gainer durch Polizeischüsse getötet, wie unter anderem Democracy Now und The Guardian berichteten. Der Jugendliche soll ein Gartengerät in der Hand gehalten haben, als er in seinem Haus in Kalifornien von einem Hilfssheriff des San Bernardino County Sheriff’s Department erschossen wurde. „Es gibt große Fragen, ob es angemessen war, tödliche Gewalt gegen ein 15-jähriges autistisches Kind anzuwenden, das einen Anfall hatte“, so DeWitt Lacy, der Anwalt der Familie des ermordeten Teenagers. Lacy sprach davon, dass Gainer möglicherweise von drei Kugeln, unter anderem in den Oberkörper und den Unterleib getroffen wurde und äüßerte Besorgnis darüber, dass die Polizeibehörde sich weigert, das Filmmaterial von den letzten Momenten der Schießerei zu veröffentlichen und Angaben dazu zu machen wo Gainer erschossen wurde, wie viele Kugeln abgefeuert wurden, ob mehrere Hilfssheriffs auf ihn geschossen haben und die Namen der Hilfssheriffs am Tatort zu veröffentlichen. Während die Familie des ermordeten Teenagers nach Angaben von The Guardian berichtete, dass die Hilfssherriffs vor Ort keine erste Hilfe leisteten, sondern diese verzögerten und sie „nach der Schießerei aus dem Haus gedrängt wurde, während die Beamten ihr Haus durchwühlten und nach einer Rechtfertigung für die Erschießung von Ryan suchten“ gab die zuständige Polizeibehörde an, dass die Hilfssheriffs schnell medizinische Hilfe geleistet hätten. Die Abteilung des Sheriffs von San Bernardino wurde schon letztes Jahr verklagt, weil sie den 44-jährigen Tony Garza auf der Flucht während einer psychischen Krise erschossen hatte. The Guardian berichtet von einer zunehmenden Besorgnis darüber „dass die Polizei vorschnell tödliche Gewalt gegen Personen anwendet, die keine Waffen in der Hand halten“ was etwa durch einen Vorfall im Februar verdeutlicht werde, bei dem die Polizei von Los Angeles einen Mann erschoss, der eine Plastikgabel in der Hand hielt, auf den weitere Vorfällen folgten, bei denen LAPD-Beamte auf Menschen schossen, die harmlose Gegenstände, darunter ein Telefon, ein Fahrradteil und ein Autoteil in der Hand hielten. Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in psychischen Ausnahmezuständen sind auch in Deutschland besonders betroffen von tödlicher Polizeigewalt, wie etwa Zeit.de berichtete. (yd)
Wien: „Block Gas-Block War“
(13. März 2024)Schon eine Woche vor Beginn der European Gas Conference (EGC) in Wien, bei der sich vom 25. bis 27. März Vertreter*innen der großen Gas- und Erdölkonzerne unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Vertreter*innen des Finanzkapitals und der Politik treffen werden, wird über ganz Wien verteilt in den Räumen von Vereinen, der Kunstszene oder linker Parteien auch dieses Jahr von „Menschen in Wien, die unter den Folgen der Abhängigkeit des Energiesystems von Gas leiden und sich für eine Zukunft ohne Gas und andere fossile Energieträger einsetzen“ wieder ein People’s Summit organisiert, wie ANF berichtete. Am 27. März ist in Wien eine Großdemonstration gegen die Gaslobby unter dem Motto: „Block Gas – Block War“ geplant. Im Aufruf zum internationalistischen Block wird nach Angaben von ANF unter anderem die Rolle der Türkei und Aserbaidschans bei der Gasversorgung Europas kritisiert, da 80 Prozent der Export-Einnahmen Aserbaidschans aus dem Verkauf von Gas und Erdöl stammen und somit den Krieg und die Vertreibung von Armenier*innen durch das aserbaidschanische Regime mitfinanzieren würden. Im Aufruf wird des Weiteren kritisiert, dass auch das türkische Regime von den Gas-Geschäften profitiere „weil durch die Türkei mit Turkstream und der Transanatolischen Pipeline zentrale Pipelines für die Gasversorgung Europas laufen“. Das vollständige Programm des „Peoples Summit“ findet sich hier. (yd)
Frz. KI-Einheit
(12. März 2024)Der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu hat den Aufbau einer militärische KI-Einheit mit einem jährlichen Budget von 300 Millionen Euro angekündigt und diese Pläne in die Tradition des französischen Atomprogramms gestellt, wie das Handelsblatt berichtet. Diese solle demnach „auf dem am westlichen Stadtrand von Paris gelegenen Stützpunkt Mont Valérien angesiedelt werden. Dem Verteidigungsministerium schwebt dabei eine enge Zusammenarbeit mit der École Polytechnique vor, der wichtigsten Kaderschmiede für französische Ingenieure und IT-Fachleute.“
Die Ambitionen sind demnach groß: „Lecornu gab das Ziel aus, dass Frankreich bei der militärischen Nutzung von KI „die Nummer eins in Europa“ werde und weltweit zu den drei führenden Ländern gehöre.“
Deutsche DARPA?
(12. März 2024)Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat sich mal wieder dafür ausgesprochen, „die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der zivilen und militärischen Forschung vertiefen“, wie die FAZ berichtet. Wirklich neu sind die vorgebrachten Vorschläge/Forderungen allerdings nicht:
„Sowohl die Münchner Sicherheitskonferenz als auch die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hätten gezeigt, dass es an der Zeit sei, die strikte Trennung zwischen ziviler und militärischer Forschung in Deutschland neu zu bewerten, sagte die Ministerin der F.A.Z. Im vergangenen Jahr wie auch in diesem Jahr hatte die EFI Deutschland in ihrem Jahresgutachten aufgefordert, sich an der amerikanischen Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) zu orientieren, die für die Entwicklung risikoreicher und kostenintensiver Militärtechnologien zuständig ist. Als weiteres Vorbild wird die israelische Militäreinheit 8200 genannt, eine Einheit der Streitkräfte zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung, die etwa für Informationsgewinnung und Codeentschlüsselung verantwortlich ist.“
In der Folge geht es in dem längeren Artikel v.a. auch darum, wie man den Abfluss von Forschungsergebnissen nach China verhindern will – u.a. in dem man Institutionen, die dort mit dem Militär zusammenarbeiten, von Kooperationen ausschließt. Das ist im Gesamtzusammenhang nicht ohne – bittere – Ironie:
„‚Vorbild für einen Baustein einer solchen Plattform kann hierbei ggf. der vom Australian Strategic Policy Institute (ASPI) entwickelte China Defence Tracker sein‘, heißt es in dem Text [einem Positionspapier des BMBF, das der FAZ „exklusiv vorliegt“]. Ähnlich hat Kanada im Januar 2024 eine Liste mit ausländischen Institutionen veröffentlicht, deren direkte oder indirekte Verbindungen zum Militär, zur Landesverteidigung oder zu staatlichen Sicherheitsorganen in Kooperationen ein Risiko für die nationale Sicherheit des eigenen Landes birgt. Vorstellbar wären auch für Deutschland Negativlisten für die Zusammenarbeit mit ausländischen Wissenschaftseinrichtungen.“
Stoltenberg: 32 Musketiere
(12. März 2024)Am vergangenen Montag (11. März) wurde zum ersten Mal nach dem offiziellen Nato-Beitritt Schwedens am 7 März (siehe IMI-Aktuell 2024/185) die schwedische Flagge im Alliierten Kommando Operations (SHAPE) in Mons (Belgien) und im Alliierten Kommando Transformation in Norfolk, Virginia (Vereinigte Staaten) gehisst, wie The Sofia Globe berichtete. Bei der Zeremonie dankte Stoltenberg Kristersson und betonte, dass der schwedische NATO-Beitritt „gut für Schweden, gut für die Stabilität im Norden und gut für die Sicherheit unseres gesamten Bündnisses“ sei. Der Beitritt Schwedens habe auch gezeigt, dass „die Tür der Nato offen bleibt“ und niemand diese schließen könne, da jede Nation hat das Recht habe ihren eigenen Weg zu wählen“. Die NATO-Mitgliedsstaaten verhielten sich dabei zueinander, so Stoltenberg, wie Musketiere: „Schweden hat seinen rechtmäßigen Platz am Tisch der Nato unter dem Schutz von Artikel 5 eingenommen – der ultimativen Garantie für unsere Freiheit und Sicherheit. Alle für einen und einer für alle“. The Defense Post berichtete am selben Tag bereits von einem ersten schwedischen Überwachungsflug in der Nähe zu Russland.(yd)
Golf von Oman: Militärübung
(12. März 2024)Zeitgleich mit dem NATO-Großmanöver Steadfast Defender 24 findet unter dem Titel „Maritime Security Belt 2024“ im Golf von Oman bis zum 16. März die fünfte gemeinsame Militärübung der Seestreitkräfte Chinas, des Irans und Russlands statt, an der Kriegsschiffe und Flugzeuge beteiligt sein sollen, wie Al-Jazeera berichtete. Die Übung soll nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums auf den Schutz der „maritimen Wirtschaftstätigkeit“ konzentrieren werden, während das chinesische Verteidigungsministerium angab, dass die Übungen darauf abzielen, „die regionale Seesicherheit gemeinsam aufrechtzuerhalten“ und die iranischen Staatsmedien erklärten, dass das Ziel der Übung unter anderem darin bestehe, „die Sicherheit des internationalen Seehandels zu stärken und Piraterie und Terrorismus auf See zu bekämpfen“, wie Al-Jazeera berichtete. An der Übung, die zu einem Zeitpunkt erhöhter Spannungen in der Region stattfindet, zu dem eine von den Vereinigten Staaten geführte Marinekoalition seit Dezember 2023 in den Gewässern des Roten Meeres operiert, um die Angriffe der Houthi abzuwehren, sollen nach Angaben von Al-Jazeera auch Vertreter*innen der Marinen von Aserbaidschan, Indien, Kasachstan, Oman, Pakistan und Südafrika als Beobachter teilnehmen. (yd)
Wehrpflicht: Altersgefälle
(12. März 2024)Wenig überraschend gibt es ein starkes Altersgefällt bei der Frage einer Befürwortung oder Ablehnung einer Re-aktivierung der Wehrpflicht. Die dpa berichtet über eine Umfrage im Auftrag des Stern, derzufolge sich 52 Prozent der Befragten für einen verpflichtenden Dienst bei der Bundeswehr aussprechen würden – allerdings, wie gesagt, mit einem starken Altersgefälle: „Die stärksten Befürworter einer Wehrpflicht fanden sich den Angaben zufolge in der Altersgruppe über 60 Jahren – hier sprachen sich 59 Prozent dafür aus. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren hingegen 59 Prozent gegen einen militärischen Pflichtdienst.“ (jw)
Malediven: Tausche Indien gegen China
(12. März 2024)Die Malediven scheinen sich geopolitisch umzuorientieren, berichtet die taz (via Bpb-Newsletter): „“Die neue Regierung der Malediven macht mit ihrer ‚Indien raus‘-Kampagne Ernst. Präsident Mohamed Muizzu forderte Indien schon vor Wochen auf, seine rund 80 Soldat:innen bis zum 10. Mai vom Inselstaat abzuziehen. Doch jetzt wurde bekannt, dass seine Regierung mit Peking ein Abkommen zur militärischen Unterstützung schloss. Das soll die Lücke, die Indien hinterlässt, füllen. Bisher betreiben Indiens Militärkräfte auf den Malediven Flugzeuge für humanitäre Einsätze.“ (jw)
Bundeswehr: Umbau (III)
(12. März 2024)Ursprünglich am 1. April hätten die Vorschläge für einen Umbau der Bundeswehr vorgelegt werden sollen – dies ist nun eine Ecke früher mit dem Bericht „Bundeswehr der Zukunft“ von der Projektgruppe „Struktur Bundeswehr“ erfolgt. Auch für diesen Umbau gilt die „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ (Verteidigungspolitische Richtlinien). Im Bericht heißt es dazu: „Sich kriegstüchtig für den Verteidigungsauftrag aufzustellen setzt, neben gut vorbereitetem Personal, verfügbarem hochwertigen Material, und einem Umdenken aller beteiligter Personen, auch strukturelle Veränderungen voraus. Nicht weniger als die Neuausrichtung der Bundeswehr von einer Armee im weltweiten Kriseneinsatz hin zu einer effektiven Verteidigungsarmee, die auch zu internationalem Krisenmanagement befähigt ist, ist erforderlich.“
Zu den wesentlichen Vorschlägen des Berichts zählt die Zusammenlegung von Einsatzführungskommando (für das Ausland) und Territorialem Führungskommando (für das Inland)“ sowie die Reduzierung von aktuell sechs auf vier Teilstreitkräfte. Es bleiben Heer, Luftwaffe, Marine und Cyber/Informationsraum (CIR), die bisherige Eigenständigkeit von Streitkräftebasis (SKB) und Zentralem Sanitätsdienst wird beendet. Eine ausführliche Auswertung folgt (hoffentlich) in einiger Zeit. (jw)
Israel und Hisbollah: Krieg unausweichlich?
(11. März 2024)Die schiitisch dominierte Miliz Hisbollah und Israel tauschen schon seit dem Beginn der israelischen Luftangriffe auf Gaza vermehrt kleine Angriffe aus. In einem zuerst im Foreign Policy Magazin erschienenen, auf dnyuz.com jedoch ohne PayWall zu lesenden Artikel meint der Autor Steven A. Cook vom Council on Foreign Relations wohl entgegen der unter Fachleuten verbreiteten Meinung, dass ein Krieg zwischen Israel und der Hisbollah unausweichlich würde.
Die bremsenden Faktoren, der Iran, der die Miliz, in die er am meisten investiert habe, nicht in einem offenen Krieg mit dem hochgerüsteten und vom Westen unterstützten Staat Israel zermürben lassen wolle, und die USA, die den Konflikt auch lieber weiter einfrieren wollten, würden schwächer. Die USA hätten immer weniger Einfluss auf Israel und können es doch nicht fallen lassen, und der Iran müsste die Hisbollah langsam von der Leine lassen, bevor die Hamas, ebenfalls durch den Iran aufgerüstet und Teil der sogenannten Widerstandsachse, zerstört wäre.
Zudem hätten durch die USA und Frankreich angestrengte diplomatische Bemühungen weder für die Hisbollah noch Israel strategische Bedürfnisse befriedigt.
Eine mögliche Eskalation des Krieges wird in dem Papier auf die Verabschiedung des Hilfspakets für Israel durch den US-Kongress datiert, da Israel besonders seine Bestände an Präzisionsraketen auffüllen müsse. (pf)
Tschad: Familienfehde vor Wahl
(11. März 2024)Der amtierende Übergangspräsident des Tschads, Mahamat Idriss Déby Itno, hat vorletztes Wochenende seine Kandidatur für die auf 6. Mai angesetzte Präsidentschaftswahl eingereicht – was in dem Übergangsplan, nachdem die Generäle des Landes ihm im Jahr 2021 entgegen der Verfassung nach dem Tod seines Vaters die Macht übergaben, eigentlich untersagt ist, in der im Dezember 2023 durch ein Referendum angenommenen Verfassung jedoch legitimiert ist.
Pünktlich dazu stieg die Repression gegen andere Bewerber für das selbe Amt extrem an und es breiteten sich Unruhen aus. Dabei wurde die Zentrale der Partei Parti Socialiste Sans Frontiere (PSF: Sozialistische Partei ohne Grenzen) vom Militär umstellt und beschossen und deren Chef, Yaya Dillo Djérou, Cousin des Übergangspräsidenten, getötet. Ein Neffe des Getöteten und der Saleh Déby Itno, Bruder des ehemaligen Präsidenten, und somit Onkel des Übergangspräsidenten, wurden festgenommen, wie die junge Welt berichtete. Während den darauf folgenden Protesten seien in der Hauptstadt verschiedene Arrondissements abgeriegelt, Privatschulen geschlossen und das Internet abgeschalten worden.
Das französische Außenministerium hat diesbezüglich noch keine Stellungnahme veröffentlicht. Frankreich würdigte damals die nicht verfassungskonforme Machtübergabe an Déby Itno, die eine Kontinuität zu der Frankreich sehr ergebenen Langzeitherrschaft dessen Vaters darstellte. Doch Lippenbekenntnisse zur Demokratie sind in diesbezüglich auch gegenüber Verbündeten eher die Norm und ein Aussparen hier doch auffällig. (pf)
Türkei: Friedensgipfel?
(11. März 2024)Nach einem Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Zelenskyy am vergangenen Freitag (8. März) in Istanbul erklärte der türkische Präsident, dass die Türkei bereit sei, ein Gipfeltreffen zwischen der Ukraine und Russland zur Beendigung des Krieges auszurichten, wie Euractiv berichtete. Nach Angaben von Euractiv wurden bei dem Treffen unter anderem die Entwicklungen im ukrainisch-russischen Krieg, die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer und die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie besprochen. „Wir leisten unseren größtmöglichen Beitrag, damit der Krieg auf der Grundlage von Verhandlungen beendet wird. Wir sind bereit, einen Friedensgipfel auszurichten, an dem auch Russland teilnehmen wird“, so Erdoğan nach dem Treffen. Der ukrainische Präsident bestätigte, dass Russland zwar nicht zum kommenden Friedensgipfel in der Schweiz eingeladen sei, dass aber ein russischer Vertreter zu einem Folgetreffen eingeladen werden könne. (yd)
Petr Pavel: Bodentruppen debattierbar
(11. März 2024)In einem Interview mit Czech Television am vergangenen Freitag (8.März) sagte der tschechische Präsident Petr Pavel, dass es seiner Meinung nach nicht gegen internationale Regeln verstoße, wenn NATO-Truppen Unterstützungsmaßnahmen direkt auf ukrainischem Gebiet durchführen würden, da die Unterstützung bei der Ausbildung und Wartung von Ausrüstung in einem souveränen Land keine Kampfbeteiligung darstelle,wie Euractiv berichtete. Es müsse klar unterschieden werden zwischen der Entsendung von Kampftruppen und der möglichen Beteiligung von Truppen an „unterstützenden“ Aktivitäten. „Aus der Sicht des Völkerrechts und der UN-Charta würde nichts dagegen sprechen, dass die Truppen der NATO-Mitgliedstaaten – aber auch Zivilisten – bei der Arbeit in der Ukraine mitwirken“, so Pavel nach Angaben von Euractiv. „Heute beliefern wir die Ukraine nicht nur mit Kleinwaffen, sondern auch mit Panzern, vielleicht bald auch mit Flugzeugen, mit Mittelstreckenraketen, und trotzdem hat es keinen Angriff auf NATO-Gebiet gegeben. Russland weiß sehr wohl, dass dies ein weitaus größerer Rechtsverstoß wäre als das, was es jetzt tut“, so Pavel nach Angaben von Euractiv weiter. Auf die Frage, ob er eine Beteiligung von NATO-Truppen an der direkten Unterstützung der Ukraine auf ihrem Territorium unterstützen würde, antwortete Pavel: “ Ich würde eine Debatte über dieses Thema keineswegs ablehnen. Wenn wir uns mit den Verbündeten darauf einigen könnten, dass es beispielsweise viel sinnvoller wäre, ein paar Dutzend Ausbilder auf ukrainisches Territorium zu verlegen und dort ukrainische Soldaten auszubilden, anstatt ukrainische Soldaten auf dem Territorium von NATO-Mitgliedsstaaten auszubilden und Tausende von Soldaten beispielsweise nach Polen oder in die Tschechische Republik zu verlegen.“ (yd)
Dt. „Beschützersatelliten“?
(11. März 2024)Andere Länder „rüsten auf“ im Weltraum, entwickeln und stationieren „Weltraumwaffen“. Deutschland und die dem VERTEIDIGUNGSministerium unterstehende BundesWEHR wollen diesem Trend offenbar folgen, nutzen aber halt andere Begrifflichkeiten. Dementsprechend denkt man dort wohl aktuell über „BESCHÜTZERSatelliten“ nach, wie welt.de berichtet:
„So sollen in einem Krisenfall deutsche Militär-Objekte im All einen kleinen Begleiter bekommen, „der auf unsere großen Satelliten aufpasst“, erklärte jüngst der Kommandeur des Weltraumkommandos, Generalmajor Michael Traut, in einem Bundeswehr-Video. Auf Nachfrage von WELT AM SONNTAG räumte ein Sprecher jedoch ein, dass es bislang weder konkrete Entwicklungs- oder Beschaffungsinitiativen, noch eine Ausschreibung gäbe … Die Palette für den Krieg im All reicht vom Abschuss von Satelliten von der Erde aus über das Abhören der Kommunikation bis zu deren Lahmlegen, etwa durch das Abschleppen mithilfe von anderen Satelliten. China hat dies im Jahr 2022 an einem eigenen Satelliten gezeigt. Denkbar wäre auch, über einen Laserstrahl von der Erde aus die Optik von Aufklärungssatelliten zu zerstören. Über einige dieser Werkzeuge könnte womöglich im Falle seines Einsatzes ein Beschützersatellit für deutsche Militärsatelliten verfügen. Details sind allerdings noch nicht bekannt.“
Macron: kalte Füße
(11. März 2024)Obwohl der französische Präsident Emmanuel Macron in der vergangenen Woche energisch an seiner stark umstrittenen Aussage, dass die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nicht mehr ausgeschlossen werden solle, festhielt (siehe IMI-Aktuell 2024/171) scheint er selbst nach dem Besuch des griechischen Premierministers Kyriakos Mitsotakis in der ukrainischen Hafenstadt Odessa, bei dem am Mittwoch (6. März) eine russische Rakete den ukrainischen Präsidenten und den griechischen Premierminister nur um wenige Hundert Meter verfehlte, nicht überzeugt davon seine eigenen Füße auf ukrainischen Boden zu setzen. So wurde ein Besuch Macrons in die Ukraine, nach Angaben von Euractiv und der französische Ratspräsidentschaft am Sonntag (10. März) zum dritten Mal seit Februar verschoben. (yd)
Ostsee: NATO-Meer?
(11. März 2024)Als „NATO-Meer“ wird die Ostsee mittlerweile gerne bezeichnet, was aber laut FAZ (via Bpb-Newsletter) nach Ansicht der schwedischen Marine-Chefin Konteradmiral Ewa Skoog Haslum gefährlich ist: „Falsch deswegen, weil Russland gezwungen sei, die Ostsee für den Transport von Gütern wie für die Versorgung der Enklave Königsberg zu nutzen. Russland werde deswegen seine Position aktiv verteidigen und sein Recht zur Nutzung des Meeres demonstrieren, sagt Haslum. ‚Gefährlich ist der Begriff zudem, weil er uns dazu verleitet anzunehmen, dass die Ostsee sicher sei, dass Schifffahrts- und Militärtransporte ohne Probleme durchgeführt und dass militärische Ressourcen woanders genutzt werden könnten‘, sagt Haslum.“ (jw)
Kriegszustand: Bunker & Projekttage
(9. März 2024)Der neue Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, André Berghegger, fordert laut Spiegel Online nicht nur den Neubau von Bunkern, sondern auch „Projekttage“, um Kinder auf den Kriegszustand einzuschwören: „Konkret forderte Berghegger mehr Bunker in Deutschland. Von den 2000 öffentlichen Schutzräumen aus dem Kalten Krieg seien nur noch 600 vorhanden, die rund 500.000 Personen aufnehmen könnten. […] Schülerinnen und Schüler sollten »an Projekttagen oder in Arbeitsgruppen« für die neue Gefahrenlage sensibilisiert werden – und lernen, wie man sich im Verteidigungsfall verhält.“ (jw)
Schwedisches Modell?
(9. März 2024)Verteidigungsminister Boris Pistorius will 2025 über die Frage einer Re-Aktivierung der Wehrpflicht entscheiden und scheint dabei derzeit das „schwedische Modell“ zu befürworten. Dabei wird ein gesamter Jahrgang gemustert und dann nur die „geeignetsten“ in der gewünschten Anzahl eingezogen, in Schweden sollen das von rund 100.000 Jugendlichen eines Jahrgangs 8.000 sein. „Dass ich einen Faible für das schwedische Modell habe, daraus habe ich nie einen Hehl gemacht“, wird Pistorius bei n-tv zitiert. Bei Zeit Online wird auf einige Probleme des Modells aufmerksam gemacht: „Bei zehn Prozent, so rechnet es der Minister vor, wären es in Deutschland allein 40.000 Männer im Jahr. Da seien Frauen, die in Schweden ebenfalls gemustert werden, noch gar nicht eingerechnet. […] Das Heer und die gesamte Bundeswehr können keinesfalls fünf oder gar zehn Prozent eines Jahrgangs vernünftig in den laufenden Betrieb integrieren. […] Ohne eine allgemeine Dienstpflicht für alle jungen Leute, die dann zwischen einem Einsatz im sozialen Bereich, im Naturschutz, bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei Hilfsorganisationen oder eben in den Streitkräften wählen können, lässt sich eine Wehrpflicht dauerhaft kaum umsetzen, so sehen es auch Pistorius und seine Berater.“ (jw)
Rotes Meer: Erste Todesfälle
(8. März 2024)Bei einem Angriff von Houthi-Rebellen auf das Handelsschiff M/V True Confidence im Golf von Aden im Roten Meer, wurden am vergangenen Mittwoch nach Angaben von CNN 3 Besatzungsmitglieder, darunter zwei philippinische Seeleute getötet und vier weitere verletzt. Sie stellen die ersten bekannten Todesopfer der Houthi-Rebellen in ihrer Kampagne gegen Handelsschiffe im Roten Meer und für eine Waffenruhe in Gaza dar, wie Democracynow.org und CNN berichteten. “A red line may now have been crossed with the casualties,” so Peter Sand, Chefanalyst bei Xeneta, einem in Norwegen ansässigen Unternehmen für Schiffsanalysen nach Angaben von CNN und prognostizierte, dass er erwarte, dass der Prozentsatz der zur Zeit noch etwa 30 % der üblichen Containerschiffe, Massengutfrachter, Autotransporter und Tanker, die Öl und Flüssigerdgas transportieren, die das Rote Meer und den Suezkanal nutzen „to a new low“ sinken werde. Zur Lage im Roten Meer siehe auch IMI-Analyse 2024/10.(yd)
8. März: Geschenk
(8. März 2024)Am Dienstagmorgen (5.März) hat eine militante Gruppe in einer Aktion, die sie als ein „Geschenk zum 8. März“ bezeichnete, die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide unterbrochen und damit die Produktion des Großkonzerns, der die Erweiterung des Werks um weitere 100 Hektar plant, voraussichtlich bis Ende nächster Woche lahmgelegt, wie ANF berichtet. Zu Beginn der Woche wurde von einem Schaden im „hohen neunstelligen Bereich“ gesprochen. In einem Bekenner*innenschreiben der Aktivist*innen heißt es unter anderem: „Die Gigafactory ist durch ihre extremen Ausbeutungsbedingungen bekannt geworden. Die Fabrik verseucht das Grundwasser und verbraucht für ihre Produkte riesige Mengen der ohnehin knappen Trinkwasserressource. Ohne Skrupel wird dem Land Brandenburg-Berlin für Tesla das Wasser abgegraben. Die Kritiker:innen in den Wasserwerken, die Anwohner:innen, die Ökoaktivist:innen, werden mundtot gemacht. Zahlen werden geschönt. Gesetze gebeugt. Menschen betrogen. Dabei lehnt ein großer Teil der Bevölkerung rund um Grünheide die Gigafactory wegen Wasserraub und Gentrifizierung ab.“ Tesla wird in dem Bekenner*innenschreiben als „ein Symbol für ‚grünen Kapitalismus‘ und einen totalitären technologischen Angriff auf die Gesellschaft“ bezeichnet, der für „Kolonialismus, Landraub und eine Verschärfung der Klimakrise“ stehe. Auch die Überwachungstechnologie, die durch Tesla implementiert werde, die Arbeitsbedingungen im Tesla-Werk und Musk als ein neuer „Typus eines neoliberalen und patriarchalen, neokolonialen Raubtierkapitalisten“ wurden von den Aktivist*innen kritisiert. Der brandenburgische Innenminister Michael Stübgen (CDU) erklärte nach der Aktion, dass die Aktivist*innen Verbrecher seien, die er „mit allen Mitteln, die unser Rechtsstaat zur Verfügung stellt“ jagen werde. (yd)
Schweden: „Historischer Tag“
(8. März 2024)Am Donnerstag (7. März) wurde Schweden fast zwei Jahre nach dem Beginn der Beitrittsbemühungen offiziell das 32. Mitglied der NATO, nachdem Premierminister Kristersson dem amerikanischen Außenminister Anthony Blinken die Beitrittsdokumente in Washington überreicht hatte, wie Euractiv und ANF berichteten. “Sweden is leaving behind 200 years of neutrality and military non-alignment. This is a huge step, but at the same time a very natural step” so Kristersson, der auch von einem „wahrhaft historischen Tag“ sprach. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, dass der Beitritt Schwedens die NATO stärker und Schweden und das gesamte Bündnis sicherer machen werde und betonte, dass der Beitritt Schwedens zur NATO aufgezeigt habe, dass die Tür der NATO offen bleibe und dass jede Nation das Recht habe, ihren eigenen Weg zu wählen. Der schwedische Verteidigungsminister Micael Bydén sagte nach Angaben von Euractiv, dass sein Land „von der ersten Minute an“ bereit sein werde, da es sich seit fast zwei Jahren auf diesen Moment vorbereitet habe. Das neue Mitgliedsland bringt nach Angaben von Euractiv „a navy well calibrated for the Baltic Sea, an air force equipped with locally developed Saab Gripen fighters, and a ‘home-grown’ defence industry“ mit in das Bündnis. Die schwedische Flagge soll voraussichtlich am Montag (11. März) im NATO-Hauptquartier in Brüssel gehisst werden. (yd)
Taurus: Eskalationspotenzial
(8. März 2024)Selten sind im medialen Einheitsbrei Stimmen zu finden, die vor einer Lieferung von Taurus-Raketen warnen. Eine davon ist Florian Harms bei t-online.de: „Von der Nordgrenze des ukrainischen Territoriums bis zum Kreml sind es Luftlinie 452 Kilometer. […] Stellen Sie sich vor, in einer so aufgeladenen Situation schlügen Taurus-Raketen mitten in Moskau ein. Ob es eine davon durch die Luftabwehr sogar bis in den Kreml schafft? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Man möchte sie gar nicht erst stellen müssen. Die deutschen Marschflugkörper würden der ukrainischen Führung eine Waffe in die Hand geben, mit der diese in der Stunde der Not über die globale Eskalation des Krieges entscheiden könnte. Dort gehört die Entscheidung nicht hin. Und die Taurus-Marschflugkörper deshalb auch nicht.“ Die Taurus-Leaks werden auch unserer Onlineveranstaltung am heutigen Freitag um 18h sein. (jw)
Aspides: Kritisch
(8. März 2024)Erstaunlich kritische Töne schlägt das Reservistenmagazin „loyal“ zur deutschen Beteiligung am Aspides-Einsatz im Roten Meer an (siehe dazu IMI-Analyse 2024/10): „Die Begeisterung in manchen Medien über die plötzliche Entschlossenheit der Bundesregierung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine wirkliche Strategie zum Umgang mit den Huthis fehlt. Mit jedem amerikanischen Luftangriff wächst ihre Unterstützung im Jemen, aber auch in weiten Teilen der arabischen Öffentlichkeit. Und so befindet sich die internationale Gemeinschaft auch im Roten Meer erneut in einer Zwickmühle, aus der es zumindest keinen militärischen Ausweg gibt.“ (jw)
Taurus: Vertrauen?
(7. März 2024)Am 26. Februar hatte der deutsche Bundeskanzler sich darauf festgelegt, es dürfe „keine Bundeswehr-Soldaten auf ukrainischem Boden geben, diese würde eine Taurus-Lieferung aber notwendig machen“. Das von Russland abgehörte und veröffentlichte Gespräch über die Möglichkeiten einer Lieferung von Taurus erörterte Möglichkeiten, eine Lieferung ohne die Entsendung deutscher Kräfte umzusetzen und beweist damit, dass es diese grundsätzlich gibt (s. IMI-Standpunkt 2024/006). U.a. bei der gestrigen Ausgabe der Talksendung „maischberger“ im ARD wurde der Kanzler deshalb der „Lüge“ bezichtigt. Eine andere Erklärung für dessen Haltung bestand dann darin, dass er bei Lieferung der Taurus eine Anwesenheit deutscher Kräfte für nötig halte, um „den Ukrainern auf die Finger zu schauen“ und mündete dann in den anschließenden Vorwurf des „mangelnden Vertrauens in die Ukrainer“. In einer ähnlichen Weise hatte sich bereits am 27. Februar Christian Mölling von der DGAP gegenüber dem Spiegel geäußert:
„Es liegen längst Lösungen für alle diese Bedenken auf dem Tisch [was in dieser Eindeutigkeit offenbar unwahr ist]. Die Aussagen des Kanzlers deuten meiner Einschätzung nach auf etwas anderes: Es fehlt offensichtlich an grundlegendem Vertrauen in die Ukrainer und zwar so sehr, dass nicht einmal pragmatische Lösungen für ihn denkbar sind.“
Christian Mölling als vermeintlichem Experten für Sicherheitspolitik dürfte eigentlich klar sein, dass „Vertrauen“ eine Kategorie ist, die in Fragen des Militärischen und insbesondere im Krieg wenig tragfähig ist. Dasselbe sollte auch den versammelten Außenpolitiker*innen und Medienschaffenden bei maischberger einleuchten. Das ganze militärische Prinzip von Befehl und Gehorsam ist Ausdruck davon, dass man im Krieg nicht einmal in den „eigenen Reihen“ auf „Vertrauen“ setzt. Erst recht nicht gegenüber einer Dritten Partei, die, wie die Ukraine, zunehmend mit dem Rücken zur Wand steht und sehr viel persönliches Unheil vom „Feind“ erdulden muss(te). Im speziellen Fall der Ukraine wäre zu ergänzen, dass mittlerweile offenbar die führenden Sicherheitsbehörden auch der NATO-Staaten davon ausgehen, dass die Sprengung der Nord Stream Pipeline auf ukrainische Militärkreise zurückgeht oder diese zumindest daran beteiligt waren. Keine gute Voraussetzungen für einen „Vertrauens“-Vorschuss.
Schwarzmeerhafen: Im Visier
(7. März 2024)Bei einem Besuch des griechischen Premierministers Kyriakos Mitsotakis am Mittwoch (6. März) in der ukrainischen Hafenstadt Odessa verfehlte eine russische Rakete den ukrainischen Präsidenten und den griechischen Premierminister nur um wenige Hundert Meter, wie Euractiv berichtete. Dmytro Pletenchuk, der Sprecher der ukrainischen Marine, erklärte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform, dass das Ziel des Angriffs bei dem fünf Menschen getötet worden seien, die Hafeninfrastruktur von Odesa gewesen sei. Das russische Verteidigungsministerium erklärte nach Angaben von Euractiv seine Truppen hätten einen Hangar angegriffen, in dem ukrainische Marinedrohnen im Hafen untergebracht waren, und fügte hinzu, das Ziel sei erreicht worden sei. Die ukrainische Hafeninfrastruktur am Schwarzen Meer ist seit Mitte Juli, als Moskau eine von den Vereinten Nationen ausgehandelte Vereinbarung über die sichere Durchfuhr ukrainischen Getreides aufkündigte und Kiew einen eigenen Exportkorridor einrichtete, nach Angaben von Euractiv ein ständiges Ziel russischer Angriffe, auf das seither mehr als 880 Angriffsdrohnen und über 170 Raketen abgefeuert worden seien. “We discussed what other means we can use to expand the security space in the Black Sea. How we can add protection to our people – both military and civilians. We need more air defence“, so der ukrainische Präsident zu dem Besuch. (yd)
Cartoon: KSK-Munitionsklau
(7. März 2024)Zum Kommando Spezialkräften im Allgemeinen und dem dortigen Munitionsklau im Besonderen findet sich unter anderem in unserer Broschüre „Keine Einzelfälle! Wie der Staat mit rechten Soldat*innen und ihren Netzwerken umgeht“ Hintergrundinformationen. Auch der neue IMI-Cartoon beschäftigt sich mit dem KSK-Munitionsklau. (jw)
Special Air Service: Kriegsverbrechen
(7. März 2024)Gegen fünf aktive Mitglieder des Special Air Service (SAS) wird aufgrund möglicher Kriegsverbrechen, die sie während illegaler britischer Operationen in Syrien im Jahr 2022 begangen haben sollen, ermittelt, wie The Cradle berichtete. Ihnen wird vorgeworfen „übermäßige Gewalt“ angewandt zu haben, da sie eine ihnen verdächtig erscheinende Person, erschossen anstatt sie zu verhaften. Neben dem ermordeten Syrer wurde nach Angaben des SAS eine „präparierte Selbstmordweste“ gefunden, die er jedoch zum Zeitpunkt seines Todes nicht trug. In einer Erklärung des britischen Verteidigungsministerium heißt es: „We hold our personnel to the highest standards, and any allegations of wrongdoing are taken seriously. Where appropriate, any criminal allegations are referred to the service police for investigation.“ Der SAS ist seit zehn Jahren aktiv in Syrien im Einsatz und wurde in der Vergangenheit bereits für Kriegsverbrechen in Afghanistan stark kritisiert. So wurde nach Angaben von The Cradle etwa vor einem Jahr bekannt, dass SAS-Soldaten bei Razzien in Afghanistan zwischen 2010 und 2013 mindestens 80 Zivilisten ermordeten, wobei es regelmäßig vorgekommen sein soll, dass nach der Ermordung von Zivilisten Waffen neben ihren Leichen deponiert wurden, um ihre Tötung zu rechtfertigen. Einer der Soldaten, die in Afghanistan operierten, soll 35 afghanische Männer bei Hausdurchsuchungen persönlich ermordet haben. Bei vergangenen Ermittlungen von Kriegsverbrechen der SAS-Truppen in Afghanistan im Jahr 2014 kam es nach Angaben von The Cradle jedoch zu keiner strafrechtlichen Verfolgung von Soldaten. (yd)
Türkei: Neue „Sicherheitszone“
(7. März 2024)Am Montag (4.März) drohnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Anschluss an eine Kabinettssitzung mit neuen Kriegshandlungen entlang der Südgrenze der Türkei und erklärte, dass Ankara seine Bemühungen zur Schaffung einer 30 Kilometer langen „Sicherheitszone“ entlang der Grenze zu Syrien wiederaufnehmen wolle, wie ANF berichtete. „Wir setzen den Kampf gegen den Terrorismus mit Entschlossenheit innerhalb und außerhalb unserer Grenzen fort“, so Erdogan nach Angaben von ANF. „Mit Gottes Segen werden wir in diesem Sommer auch die Frage unserer Grenzen zum Irak endgültig lösen.“ Ankara habe außerdem Vorbereitungen getroffen, „die denjenigen, die glauben, die Türkei mit einem Terrorstaat an ihrer Südgrenze in die Knie zwingen zu können, neue Albträume bescheren werden“ und werde nicht aufhören, „die Bedingungen zu verschärfen, bis diejenigen, die die Entschlossenheit unseres Landes und unserer Nation, den Terrorismus zu bekämpfen, immer noch nicht verstehen können, diese Realität akzeptieren“, so Erdogan nach Angaben von ANF. (yd)
Bundeswehr: Umbau (II)
(7. März 2024)Aktuell werden unter Leitung von Generalinspekteur Carsten Breuer und Verteidigungs-Staatssekretär Nils Hilmer Vorschläge für einen Umbau der Bundeswehr erarbeitet, über die Verteidigungsminister Boris Pistorius kurz nach Ostern entscheiden wolle. Laut Thomas Wiegold, der Betreiber des Blogs Augengeradeaus, ähnelten die Vorschläge den unter Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer im Mai 2021 veröffentlichten „Eckpunkten für die Bundeswehr der Zukunft“ (siehe IMI-Studie 2021/05).
Das bedeute laut Wiegold, dass das – zwischenzeitlich von Pistorius selbst als womöglich unrealistisch infrage gestellte – Ziel, den Umfang der Bundeswehr von aktuell rund 180.000 auf 203.000 Soldat*innen auszubauen, beibehalten werde. Ferner solle aus Einsatzführungskommando (für das Ausland) und Territorialem Führungskommando (für das Inland) ein gemeinsames Operatives Führungskommando der Bundeswehr (OpFüKdoBw) werden. Streitkräftebasis (SKB) und der Zentrale Sanitätsdienst sollen verteilt und dadurch die bislang sechs Teilstreitkräfte auf vier reduziert werden (hierüber hatte vor einiger Zeit schon die Bild berichtet. siehe IMI-Aktuell 2024/129). Und möglicherweise deutet sich in den Vorschlägen bereits ebenfalls eine Entscheidung für die Re-Aktivierung des Wehrdienstes an: „Neben dem militärischen Bereich sollen auch die zivilen Organisationsbereiche auf das Ziel der Kriegstüchtigkeit ausgerichtet werden. Dazu gehört der Aufbau von Strukturen zur Wiederaufnahme der verpflichtenden Einberufung zum Grundwehrdienst, also die im zurückliegenden Jahrzehnt abgeschaffte Möglichkeit, eine eventuell wieder auflebende Wehrpflicht auch umzusetzen.“ (jw)
Taurus: Ablehnung
(7. März 2024)Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (via Bpb-Newsletter) berichtet über eine zunehmende Ablehnung von Taurus-Marschflugkörperlieferungen an die Ukraine: „In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur befürworten nur 28 Prozent die Bereitstellung der Bundeswehr-Raketen mit einer Reichweite von 500 Kilometern für den ukrainischen Abwehrkampf gegen Russland. 58 Prozent sind gegen die Lieferung dieses Waffensystems. Mehr als die Hälfte davon (31 Prozent) lehnt die Unterstützung der Ukraine mit deutschen Waffen sogar grundsätzlich ab.“ Damit ergeht auch noch einmal eine herzliche Einladung zu unserer Onlineveranstaltung zu den Taurus-Leaks am Freitag um 18h. (jw)
Rheinmetall-Russland-Deal größer als bisher gedacht
(6. März 2024)Der 2014 geplatzte Aufrtrag an Rheinmetall, für die russische Armee Übungszentren aufzubauen, war offenbar umfangreicher als bisher angenommen. WDR Investigativ zufolge sollte nicht nur ein Zentrum in Mulino, sondern insgesamt acht Anlagen gebaut werden. Die Kosten dafür hätten sich auf rund eine Milliarde Euro berufen. Der Deal platze, bevor die erste Anlage gebaut werden konnte, da sich die politische Position der Bundesregierung 2014 mit der Krim-Krise änderte. Zuvor hatten sowohl Regierung als auch Bundeswehr eine deutsch-russische Rüstungskooperation politisch maßgeblich unterstützt. Zurzeit erhebt Rheinmetall noch immer Ansprüche auf Schadenersatz von rund 130 Millionen Euro von der Bundesregierung. Das Verfahren liegt auf Eis. (ju)
Schwerer Waffenträger: Verzögerung
(6. März 2024)Für die neue Heereskategorie der „Mittleren Kräfte“ sollen 123 Radpanzer, der Schwere Waffenträger Infanterie, beschafft werden (siehe IMI-Analyse 2022/45). Bewilligt wurden 2 Mrd. Euro, nach Kritik des Rechnungshofes und Kostensteigerungen kommt die Vorlage nun aber anscheinend erneut vor den Haushaltsausschuss berichtet defence-network: „Der Preis für die 123 Fahrzeuge ist demnach im gesamten Prozess um über 500 Millionen Euro gestiegen, also etwas über vier Millionen pro Fahrzeug. […] Nun steht die Vorlage für den Schweren Waffenträger Infanterie zumindest auf der Agenda der Sitzung des Haushaltsausschusses am 13. März.“ (jw)
Taurus: IMI-Cartoon
(6. März 2024)Passend zum „Taurus-Leak“ und der dementsprechenden IMI-Onlineveranstaltung am Freitag um 18 haben wir soeben auch einen neuen IMI-Cartoon hochgeladen. (jw)
Sudan: „Breaking Point“
(6. März 2024)Der Krieg im Sudan droht nach Angaben der Geschäftsführerin des World Food Programmes, Cindy McCain, wenn die Kämpfe nicht aufhören, die weltgrößte Hungerkatastrophe zu verursachen. Mehr als 25 Millionen Menschen im Sudan, Südsudan und Tschad seien aufgrund des Bürgerkrieges in einer „Spirale“ der Ernährungsunsicherheit gefangen und es sei Helfer*innen aufgrund der „unerbittlichen Gewalt“ unmöglich, 90 Prozent der Menschen zu erreichen, die mit einer „akuten Hungersnot“ zu kämpfen hätten, so McCain am Dienstag (5.März) nach Angaben von Al-Jazeera. Am Ende eines Besuchs im Südsudan sagte die Geschäftsführerin des WFP: “Millions of lives and the peace and stability of an entire region are at stake.” und sprach von einem „Breaking Point“ und davon, dass die Bewohner*innen des Landes zwei Jahrzehnte, nachdem die Welt auf die Hungersnot im sudanesischen Bundesstaat Darfur reagierte, vergessen worden seien. Derzeit könne sich nur fünf Prozent der sudanesischen Bevölkerung „eine anständige Mahlzeit pro Tag leisten“, so die UN-Agentur nach Angaben von Al-Jazeera. “Ultimately, a cessation of hostilities and lasting peace is the only way to reverse course and prevent catastrophe,” so McCain. Nachdem sowohl der RSF als auch der Armee vorgeworfen wurde, wahllos Wohngebiete zu beschießen, auch Zivilist*innen ins Visier zu nehmen und lebenswichtige Hilfsgüter zu blockieren und zu beschlagnahmen erklärte die sudanesische Regierung sich am Mittwoch nach Angaben von Al-Jazeera zum ersten Mal bereit humanitäre Hilfe über den Tschad und den Südsudan zu liefern. Zum Bürgerkrieg im Sudan siehe auch: IMI-Analyse 2023/23. (yd)
Frontex in Gaza?
(6. März 2024)Gestern (5. März) erklärte der Exekutivdirektor der EU-Grenzschutzagentur Frontex gegenüber Reporter*innen, dass derzeit „potenzielle Szenarien“ erarbeitet würden, um zu bewerten, wie Frontex bei Bedarf zusätzliche Unterstützung an den Grenzen zum Gazastreifen leisten könnte, wie Euractiv berichtete. “We are preparing ourselves, and we will be starting to make scenarios to understand what might happen and of course, to enable us to react as the European Border and Coast Guard community, but specifically, as the European Border and Coast Guard Agency,” so Leijtens am vergangenen Dienstag. Mehr als 1,3 Millionen Menschen aus dem Gazastreifen seien vertrieben und in Rafah, dem 64 Quadratkilometer großen Gebiet an der Grenze zu Ägypten, gefangen und die Situation eskaliere, da Israel seine Angriffe verstärke, so der Frontex-Direktor. Dies werde wahrscheinlich zu einer Reihe von Szenarien an der Grenze führen, die Frontex derzeit auswerte. Auf die Frage, welche Szenarien und welche Art von Einsatz vorgesehen sind, sagte ein Frontex-Sprecher gegenüber Euractiv, es sei „zu früh, um Details zu besprechen“, aber die Agentur bereite sich auf zusätzliche Unterstützung und Szenarien verschiedener „Grenzabschnitte“ vor, wobei sie die heikle Situation vor Ort, einschließlich möglicher Kriegsverbrechen, berücksichtige. (yd)
Macron: Beharren auf Bodentruppen
(6. März 2024)Obwohl der französische Präsident Emmanuel Macron in der vergangenen Woche für seine Aussage, dass die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nicht mehr ausgeschlossen werden solle stark kritisiert wurde (siehe IMI-Aktuell 2024/145) blieb er am Dienstag während einer Pressekonferenz mit seinem tschechischen Amtskollegen Petr Pavel in Prag dabei, dass seine Äußerungen „clear, unambiguous and precise“ gewesen seien, wie Euractiv berichtete. Er habe mit seiner Aussage die EU-Länder aus ihrer Komfortzone herausholen und aufrütteln wollen, um entschlossen für die Ukraine zu handeln und „die Initiative zurückzugewinnen“ in der Hoffnung, „diesen Krieg zu gewinnen, der für uns von strategischer Bedeutung ist“, so Macron am Dienstag nach Angaben von Euractiv. “If we’re passive and continue to do what we’ve been doing in the past two years, the risk we’re facing is to suffer setbacks on the ground and possible setbacks from the Americans,” so der französische Präsident. (yd)
Albanien: Umgebauter Luftwaffenstützpunkt
(5. März 2024)Am Montag (4. März) wurde in Kucova auf dem Gelände eines Luftwaffenstützpunkts aus Sowjetzeiten eine neu renovierte NATO-Airbase 90 Kilometer südlich der Hauptstadt Tirana eröffnet. Die Renovierungsarbeiten zur Wiedereröffnung des Stützpunkts begannen kurz vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und kosteten nach Angaben von defensenews.com 50 Mio. € (54 Mio. $). Die Renovierung des Stützpunkts wird es der Allianz nach Angaben von defensenews.com ermöglichen die 1,2 Meilen lange Start- und Landebahn für logistische Aufgaben, Luftoperationen, Schulungen und Übungen der NATO zu nutzen. “This is a base that (will add) another element of security for our Western Balkans region which we all know is endangered from the threat and neo-imperalist ambitions of the Russian Federation,” so der albanische Premierminister Edi Rama bei der Eröffnungszeremonie, bei der italienische Eurofighter sowie US-amerikanische F-16 und F-35 einflogen. “The makeover of Kucova air base is a strategic investment and shows that NATO continues to strengthen its presence in the western Balkans, an area of strategic importance to the alliance,” so der Natosprecher Dylan White anlässlich der Eröffnung. Am Montag erklärte der albanische Premierminister Rama, dass er hoffe, zusätzlich auch einen neuen Marinestützpunkt in Porto Romano in Albanien für die NATO eröffnen zu können, wie defensenews.com berichtete. (yd)
Habeck: Militärforschung
(5. März 2024)Unter dem Header „Habeck im Interview zu Militärforschung“ hat das Handelsblatt ein viel beachtetes Interview mit dem Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) veröffentlicht, aus dem u.a. die Badischen Neuesten Nachrichten unter der Überschrift „Ein neues Denken“ (5.3.2024) zitieren:
„‚Wir müssen bei Sicherheit und Wehrtechnik besser werden. Und das heißt auch, Innovationen zu stärken‘, so der Grünen-Politiker. Er verweist auf Länder wie Israel, die auf diesem Gebiet weiter seien. ‚Die dort vibrierende Start-up-Branche ist auch aus dem militärischen Komplex erwachsen: Drohnen, Hightech, Cybersecurity. Aus der Arbeit daran entstanden viele Nebenprodukte‘, sagte Habeck. Deutschland hingegen habe ‚in der leider irrigen Hoffnung, der ewige Frieden habe den Kontinent erreicht‘, lange zu wenig für die Sicherheit getan. ‚Im Grunde haben wir auch bei Innovationen und Forschung abgerüstet‘, sagte Habeck. … Die Debatte angefeuert hatte zuvor jedoch die ‚Expertenkommission Forschung und Innovation‘, die ebendies [Abschaffung von Zivilklauseln] forderte. Die Experten beraten die Bundesregierung in forschungspolitischen Fragen und haben nun zum zweiten Mal in Folge eine Aufhebung der strikten[sic] Trennung zwischen militärischer und ziviler Forschung gefordert“.
In der IMI-Analyse 2023/35 hatten Chris Hüppmeier und Robin Lenz bereits vor einem „Aufbruch in einen militärisch-universitären Komplex?“ gewarnt, die IMI-Analyse 2024/02 beschreibt die Rolle der Startup-Nation Israel bei der Einführung von KI in die Kriegführung. Die offenbar strategisch vorbereitete Militarisierung der Hochschulen wird ein Thema des nächsten Zivilklauselkongresses Mitte März in Frankfurt sein.
Finnland: Mehr als 2%
(5. März 2024)Das gerade erst im April 2023 als 31. Mitglied des Bündnisses der NATO beigetretene Finnland zeigte sich in einer Ansprache des Generals und Kommandeurs der finnischen Verteidigungsstreitkräfte Timo Kivinen am Montag (4.März) vor der Eröffnung des Nationalen Verteidigungskurses deutlich übermotiviert. So forderte Kivinen, dass die europäischen Länder ihre Verteidigungshaushalte und die Kapazität ihrer Verteidigungsindustrie angesichts der angespannten geopolitischen Lage in Europa auf über 2 % ihres BIP erhöhen sollten, wie Euractiv berichtete. “ It seems to me that the level of defence spending of 2% of GDP agreed by NATO countries will not be enough to cover everything that Europe has to do“, sagte Kivinen nach Angaben von Euractiv. Finnland ist mit 1.340 km das NATO-Land mit der längsten direkten Grenze zu Russland. (yd)
Russische Schwarzmeerflotte: beschädigt
(5. März 2024)Der ukrainische Militärgeheimdienst meldete am Dienstag (5. März) über die Nachrichten-App Telegram, dass seine Spezialeinheit Gruppe 13 das Patrouillenschiff der russischen Schwarzmeerflotte Sergej Kotow in der Nähe der Straße von Kertsch vor der besetzten Krim mit Ukrainische Seedrohnen angegriffen und beschädigt habe, wie Euractiv berichtete. “As a result of a strike by Magura V5 maritime drones, the Russian ship Project 22160 Sergey Kotov sustained damage to the stern, starboard and port sides,” so die Meldung auf Telegram. Auf X, ehemals Twitter schrieb das ukrainische Verteidigungsministerium, dass die Sergey Kotov im Wert von 65 Millionen Dollar „zu einem U-Boot aufgerüstet“ worden sei. Im Gegensatz zu militärischen Niederlagen an Land, wie zuletzt beim Rückzug aus Awdijiwka, wurden der Ukraine im Bezug auf die russische Schwarzmeerflotte zuletzt vermehrt militärische Gewinne zugesprochen. So berichtete etwa Al-Jazeera, dass Überwasserdrohnen und von Großbritannien und Frankreich bereitgestellte Storm Shadow-Raketen in der Lage gewesen seien die Hälfte der russischen Schwarzmeerflotte in den Gewässern um die Krim zu versenken oder funktionsunfähig zu machen. Auch The Sofia Globe bestätigte Ende Dezember 2023 den Rückzug der russischen Schwarzmeerflotte aus dem westlichen Schwarzen Meer aufgrund ukrainischer Raketen und Seedrohnen und die Bedrohung von Schifffahrtswegen im Schwarzen Meer: „Since August, Ukraine has managed to keep open an export shipping corridor from its Odesa region ports. So far, about 160 civilian cargo ship have used this shipping lane, which hugs the coasts of Ukraine, Romania, and Bulgaria. Yet Russian planes have sown sea mines in the area. Two cargo vessels hit mines in October.“ Dem Schwarzen Meer und der Schwarzmeerregion wird in den Auseinandersetzungen zwischen Russland und der NATO eine große strategische Bedeutung beigemessen. (yd)
Wehrpflicht: Re-Aktivierung 2025?
(5. März 2024)Spiegel Online zufolge soll Verteidigungsminister Boris Pistorius bis 1. April Konzepte angefordert haben, noch in dieser Legislatur wolle er eine Entscheidung auf den Weg bringen: „Verteidigungsminister Boris Pistorius macht bei der Wiedereinführung einer Wehrpflicht in Deutschland Tempo. Nach SPIEGEL-Informationen hat er sein Haus angewiesen, bis zum 1. April »Optionen für ein deutsches Wehrdienstmodell vorzulegen, das bedrohungsangepasst auch kurzfristig skalierbar einen Beitrag zur gesamtstaatlichen Resilienz liefert«.“
Favorit könnte das schwedische Modell sein, berichtet Spiegel Online weiter: „In Schweden gilt seit 2017 wieder die Wehrpflicht, allerdings in einer anderen Form als in Deutschland vor der Aussetzung im Jahr 2008. So werden in Schweden alle Schulabgänger gemustert, die Armee spricht dann gezielt Männer und Frauen an, die für die Truppe geeignet sind.“
Allerdings würde dabei in Schweden 10% eines Jahrgangs eingezogen, was in Deutschland jährlich rund 40.000 Wehrpflichtige wären, weit über den 3.000 bis 4.000, die von Pistorius als realistische jährliche Zielgröße angegeben wurden. Ferner Stelle sich die Frage der Wehrgerechtigkeit: „Ein weiteres Problem bei einer Wiedereinführung eines verpflichtenden Militärdienstes ist die Frage der Wehrgerechtigkeit. In Deutschland hatte das Verfassungsgericht noch zu Zeiten der Wehrpflicht geurteilt, dass »möglichst alle verfügbaren Wehrpflichtigen« und nicht nur ein kleiner Teil eingezogen werden.“ (jw)
Friedensdividende? Kriegswirtschaft!
(5. März 2024)Heute will die Kommission ein Industrie- (engl. EDIS) und ein Investitionsprogramm für den Rüstungsbereich (engl. EDIP) vorlegen. Als „vorsichtig ausgedrückt, ambitioniert“ bezeichnet Spiegel Online die Pläne und zitiert anschließend einen anonymen EU-Beamten: „Edip ist das Programm für den Wechsel von der Friedensdividende zur Kriegswirtschaft“. Weiter schreibt das Portal u.a. aus dem EDIP-Entwurf zitierend: „Das Vermeiden von Engpässen bei wichtigen Rüstungsgütern »rechtfertigt verhältnismäßige Eingriffe in Grundrechte«, heißt es im Edip-Entwurf – »etwa in die unternehmerische Freiheit und das Eigentumsrecht«. Mit anderen Worten: Notfalls sollen EU-Firmen gezwungen werden können, ihre Produktion umzustellen. Selbst die Beschlagnahme von Rüstungsgütern erscheint unter diesen Umständen nicht ausgeschlossen.“ (jw)
Gewerkschaft: Gegen Rüstung
(5. März 2024)Nachdem sich zuletzt die IG Metall für ein Bekenntnis zur Aufrüstung stark gemacht hat (siehe IMI-Standpunkt 3/2024) kommt nun die Gegenposition zu Wort. „Gewerkschaften gegen Aufrüstung“ trägt einige Positionen aus der jüngeren Vergangenheit zusammen und begründet damit den Widerstand gegen den Kriegskurs. Es ist ein Appell an die Gewerkschaften, sich dem Gerede von Kriegstüchtigkeit zu widersetzen und für ein friedliches Miteinander einzusetzen. (as)
Militärforschung: FAZ schizophren
(5. März 2024)Als Begleitmusik zu den aktuellen Angriffen auf die Zivilklauseln an zahlreichen deutschen Hochschulen wird in der FAZ ein Loblied mit dem Titel „Ein Hoch auf die Militärforschung“ an: „Die Mikrowelle, das GPS-System für globale Navigation, das Insektizid DDT. Das Radar, die Massenproduktion von Penicillin, die Atombombe. Raketen- und Düsenantrieb, Computertechnik, das Internet oder Malaria-Medikamente. Die Liste der Erfindungen und Produkte, die im Auftrag des Militärs aufkamen oder signifikant verbessert wurden, ist lang. Es sind diese Leuchttürme der Forschung, die in den Vereinigten Staaten immer wieder als Rechtfertigung für staatlich finanzierte militärische Forschung gefeiert werden. Die Transformation des zur Verteidigung generierten Wissens in die zivile Verwendung verspricht einen wirtschaftlichen Nutzen, der weit über die Notwendigkeit der Abschreckung hinausgeht.“
Tatsächlich wirken sich Investitionen in die Rüstungsforschung negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus, wie unter anderem die Wissenschaftler des Projektes „Costs-of-War“ an der Brown University errechnet haben. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die „Spin-offs“, also die beschriebenen militärischen Innovationen, die dann auch im zivilen Bereich übernommen werden, lange her sind. Heute versucht das Militär händeringend, Innovationen der zivilen Wirtschaft für sich nutzbar zu machen („Spin-in“). Schon 2021 wurde der Inspekteur des Heeres, General Alfons Mais, dazu im Handelsblatt zitiert: „Die Zeit, in der die militärische Forschung die zivile Forschung angetrieben hat, ist lange vorbei.“
Richtig krude wird es dann, wenn dann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (03.03.2024) gleich auch noch fast das genaue Gegenteil wie im oben zitierten FAZ-Artikel zu lesen ist: „Wie selbstverständlich prüfen in aktuellen Studien über die Folgen militärischer Forschung und Rüstung Ökonomen die Kosten des entgangenen Nutzens. Enrico Moretti, Claudia Steinwender und John Van Reenen etwa finden heraus, dass 10 Prozent mehr staatlich finanzierte Militärforschung weitere 5 bis 6 Prozent mehr an privater Forschung nach sich ziehen. Eine Empfehlung, mehr Steuergeld für militärische Forschung auszugeben, leiten die Forscher daraus nicht ab. Denn das Geld könne an anderer Stelle vielleicht besser verwendet werden.“ (jw)
Israel: Ansprechpartner
(4. März 2024)Der Premierminister Israels, Benjamin Netanyahu, ist offenbar erbost über eine Einladung seines Kriegsministers Benny Gantz in die USA, wo dieser hochrangige Vertreter der US-Regierung wie Vizepräsidentin Kamala Harris un Staatssekretär Jake Sullivan treffen sollte. Die Reisepläne seien Netanyahu nicht wie vorgeschrieben unterbreitet und von ihm gebilligt worden. „Israel hat nur einen Premierminister,“ sei seine Aussage gewesen. Gantz Nationale Einheit Partei bezahle den Trip, der laut dem Büro des Ministers weiterhin geplant sei. Der Koalitionspartner von Netanyahus Partei, könnte diesem im Falle von Wahlen gefährlich werden.
Auch in anderen Kontexten wurde bei Kabinettssitzungen wohl schon Vorwürfe laut, die aktuelle Regierung würde von Regierungsmitgliedern hinterlaufen, die eine andere Regierung planten. Auch der amerikanische Präsident Biden warnte vor Kurzem, Israel riskiere seine internationale Unterstützung zu verlieren, wenn es an dieser „unglaublich konservativen Regierung“ festhalte. (pf)
Rotes Meer: Schiff gesunken
(4. März 2024)Zum ersten Mal ist eines der von den Houthi im Jemen angegriffenen Schiffe gesunken. Die Rubymar tourte unter der Flagge Belizes und wurde vom Libanon aus betrieben. Seit der Entführung durch die Houthi trieb sie dann leer im Meer und ist nun nach einem Sturm im roten Meer gesunken, wie die international anerkannte Exilregierung des Jemen verkündete. Das US-amerikanische Central Command warnte, dass dies zu einer Umweltkatastrophe im Roten Meer führen könne, da die Rubymar Düngemittel geladen habe.
Unklar ist, ob nicht noch weitere Umstände dem Sinken des Schiffes hinzugerechnet werden müssen. Die Times of Israel weißt auf das private Sicherheitsunternehmen Ambrey hin, das im Bezug auf die Rubymar am Freitag verkündete, dass „einige Jemeniten Berichten zufolge bei einem Sicherheitsvorfall Schaden genommen“ hätten.
Die Zeitung berichtet auch, dass es den Houthi wohl nicht gelungen sei, ihre Angriffe nur auf Schiffe, die von oder nach Israel gehen, zu begrenzen, und sie auch ein Schiff, das auf ihren einzigen bekannten staatlichen Unterstützer, den Iran, zulief, und ein Schiff das Hilfsgüter in den Jemen bringen sollte angegriffen hätten.
Israel: Proteste für Geiselbefreiung
(4. März 2024)Am 27. Februar begann eine Demonstration, maßgeblich organisiert und angeführt von Familienangehörigen einiger während des Angriffs der Hamas am 7. Oktober entführter Geiseln, die vom Gelände des durch schockierende Bilder weltbekannt gewordenen Nova Tribe Festivals nahe der Grenze zu Gaza startete und am Samstag bei der Residenz des Premierministers, Benjamin Netanyahu, am Pariser Platz in Jerusalem bei einer regelmäßigen lokalen Kundgebung zu diesem Zweck endete. Sie forderten Die Regierung auf, mehr für die Befreiung ihrer Angehörigen zu tun. Zumindest einige teilen dabei die Hoffnung auf die aktuellen Waffenstillstandsverhandlungen. Hareetz zitiert einen Angehörigen, der dies „das einzig menschliche was passieren kann“ nennt.
Derweil scheinen beispielsweise in Tel Aviv noch energischere Proteste gegen die Regierung stattgefunden haben – die wiederum von einer kleinen Gruppe, die Regierung unterstützenden Gegendemonstranten getrennt werden musste.
Frankreich: Ertüchtigung
(4. März 2024)In Deutschland spielt die „Ertüchtigung“, die Aufrüstung lokaler Akteure als vermeintlich personal- und kostengünstigere Variante der Machtprojektion schon lange eine wichtige Rolle (siehe IMI-Studie 2012/17). Nun wolle sich auch Frankreich künftig stärker „ertüchtigend“ betätigen, schreibt Le Monde, nachdem es seine direkte Präsenz in Afrika reduzieren muss (oder teils will) (übersetzt mit deepl.com): „Da Frankreich nun offen die Neudefinition seines Militärs in Afrika vorantreiben will, indem es insbesondere eine Verringerung seiner ständigen Truppenstärke in Gabun, Senegal, der Elfenbeinküste und dem Tschad in Erwägung zieht, könnte ein neuer Akteur im Rahmen dieser heiklen Aufgabe an Macht gewinnen: die Firma Défense conseil international (DCI), der Hauptbetreiber des französischen Militärministeriums für die Überwachung der Exportverträge für Tricolore-Rüstungsgüter und den Transfer des damit verbundenen militärischen Know-hows. Angesichts der zunehmenden Ablehnung der französischen Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent ist es das Bestreben der Streitkräfte, die Zahl der ständigen uniformierten Soldaten, insbesondere der mit ihren Familien stationierten Soldaten, die das Bild eines abgeschotteten Frankreichs aufrechterhalten konnten, künftig so weit wie möglich zu begrenzen. Eine Positionierung, von der DCI profitieren könnte. Das Unternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern, von denen 80 % ehemalige Militärangehörige sind, und einem Umsatz von 230 Millionen Euro, an dem der Staat derzeit mit 55 % beteiligt ist, arbeitet seit langem weltweit Hand in Hand mit dem Armeeministerium. ‚Die DCI ist ein Instrument des Armeeministeriums zur Einflussnahme, das bei Bedarf eine diskrete französische Präsenz gewährleistet […], auch in sehr kritischen Bereichen‘, erklärte [DCI-Chef] Fringant im Rahmen einer Anhörungsrunde, die der Verteidigungszusammenarbeit mit Afrika gewidmet war.“ (jw)
Südkorea: Jährliche Militärübung
(4. März 2024)In Südkorea beginnt heute ( 4. März) die 11-tägigen Militärübung„Freedom Shield“ bei der das US-amerikanische und das südkoreanische Militär nach Angaben der United States Forces Korea (USFK) und des südkoreanischen Verteidigungsministeriums zusammen trainieren um ihre Verteidigungsposition und ihre Zusammenarbeit „in den Bereichen Luft, Land, See, Weltraum, Cyber und Spezialoperationen“ zu verbessern, wie CNN berichtete. Die USFK erklärte, dass die Übungen Lehren aus aktuellen und laufenden Konflikten einbeziehen, aber nicht darauf beschränkt sein werde, um die Gefechtsbereitschaft und die gemeinsame Verteidigungsposition der Einheiten zu erhöhen sowie die Sicherheit und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in ganz Nordostasien zu stärken. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un hatte im Januar den Süden nach Angaben von CNN als „Hauptfeind und unveränderlichen Hauptfeind“ des Nordens bezeichnet, den Abriss eines Wiedervereinigungsdenkmals in der nordkoreanischen Hauptstadt angeordnet, erklärt dass der Norden nicht länger eine Versöhnung und Wiedervereinigung mit dem Süden anstrebe und eine „exponentielle Erhöhung“ des Atomwaffenarsenals seines Landes gefordert. (yd)
Berlin: SEK Razzien
(4. März 2024)Bei der Fahndung nach Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, denen vorgeworfen wird Mitglieder der 1998 aufgelösten Roten Armee Fraktion (RAF) gewesen zu sein, kam es am Sonntag zu Razzien linker Wohnprojekte in Berlin Friedrichshain bei denen Spezialeinheiten Bewohner*innen und Anwohner:innen terrorisierten und Sprengstoff und Blendgranaten einsetzten, wie ANF berichtete. „Am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr stürmten schwer bewaffnete Mitglieder von Spezialeinheiten des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts Niedersachsen ein linkes Wohnprojekt in Berlin Friedrichshain. Neben schweren Offensivfahrzeugen, einem Euphemismus für Bürgerkriegspanzer, ging die Polizei bei ihrem Angriff mit massiver Gewalt vor. So wurde eine Tür gesprengt und Blendgranaten ins Innere geworfen. Eine Polizeisprecherin deutet einen Schusswaffeneinsatz bei einer Türöffnung an. Man kann nur von Glück sagen, dass sich keine Menschen im Wirkungsradius des Angriffs befunden hatten. Offenbar nahm die Polizei bei ihrer Fahndung Menschenleben in Kauf. Die Bewohner:innen des Wagenplatzes wurden aus ihren Betten gerissen, mussten teilweise fast unbekleidet in der Kälte stehen oder wurden zu „Personalienfeststellung“ gleich mitgenommen. Der S-Bahnverkehr wurde aufgrund der Polizeiaktion ebenfalls für mehrere Stunden eingestellt. Die Operation war jedoch erneut ein Schlag ins Wasser und die Betroffenen sind mittlerweile wieder frei.“ Am Sonntagabend wurde nach Angaben von ANF von schwerbewaffneten Spezialeinheiten eine weitere Wohnung am Boxhagener Platz gestürmt. Am kommenden Dienstag (5. März um 19 Uhr am U-Bhf. Moritzplatz) und am kommenden Samstag ( 9. März um 18.00 Uhr am Mariannenplatz in Kreuzberg) sind bereits Antirepressionsdemonstration unter dem Motto: „Schluss mit den Staatsschutz-Razzien – Freiheit für Daniela Klette und die anderen!“ und„Stoppt den Staatsterrorismus – Solidarität mit den Untergetauchten und Gefangenen“ angekündigt. (yd)
Türkei: Hoffnung auf Verhandlungen
(4. März 2024)Bei einem Treffen des türkischen Außenministers Hakan Fidan mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Antalya erklärte Fidan gegenüber Reporter*innen am Sonntag (3.März), dass er hoffe, dass bald Gespräche über einen Waffenstillstand in der Ukraine beginnen werden, wie Euractiv berichtete. “On the issue of Ukraine, our view is that both sides have reached the limits of what they can get by war. We think that it is time to start a dialogue for a ceasefire,” so Fidan. Dies bedeutete nicht, dass die russische Besetzung anerkannt werde, aber die Fragen der Souveränität und des Waffenstillstands sollten getrennt diskutiert werden, so Fidan weiter. “The death and injury of more than 500,000 people and the complete destruction of the infrastructure and superstructure of an entire country is not a reality that is bearable for us,” so der türkische Außenminister nach Angaben von Euractiv. “This has to stop somehow. To stop this, there should be some discussions and everybody should get used to this idea.” (yd)
Militärübung: “Trojan Footprint”
(1. März 2024)Vom 4. bis zum 15. März 2024 wird im Rahmen der Nato-Übung Steadfast Defender 2024 in Bulgarien, Georgien, Deutschland, Griechenland, Nordmazedonien und Rumänien die internationale Übung „Trojan Footprint 2024“ stattfinden, wie das bulgarische Verteidigungsministerium am 29. Februar mitteilte. An der Übung, die seit 2016 vom US Special Operations Command Europe (SOCEUR) durchgeführt wird und nach Angaben von TheSofiaGlobe die Fähigkeit der USA, der Nato-Verbündeten und der Partnernationen demonstrieren soll, auf jede Bedrohung aus jeder Richtung entschlossen zu reagieren, werden Spezialeinsatzkräfte aus Albanien, Bulgarien, Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Montenegro, Nordmazedonien, Portugal, Rumänien, Spanien, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten teilnehmen. Nach Angaben des United States Special Operations Command Europe stellt Trojan Footprint die wichtigste Übung für Spezialeinheiten in Europa dar. “While the exercise is focused on improving the ability of SOF to counter myriad threats, it also increases integration with conventional forces and enhances interoperability with our NATO allies and European partners,” so das US Special Operations Command Europe nach Angaben von TheSofiaGlobe. (yd)
Grenzschutz: Aufstockung
(1. März 2024)Nach einem Besuch des Exekutivdirektors von Frontex, Hans Leijtens und des bulgarischen Innenministers Kalin Stoyanov an der bulgarisch-türkischen Grenze kündigte Leijtens am 29. Februar an, dass die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, im März 500 bis 600 zusätzliche Mitarbeiter*innen zur Zusammenarbeit mit der bulgarischen Grenzpolizei entsenden werde, wie TheSofiaGlobe berichtete. Bulgarien spiele eine sehr wichtige Rolle bei der Bewachung der EU-Außengrenze, so Leijtens nach Angaben von TheSofiaGlobe. Im Vergleich zum letzten Jahr sei die Zahl der Personen, die versuchten, die bulgarisch-türkische Grenze illegal zu überschreiten, um fast 80 Prozent zurückgegangen, so Stoyanov. Die Beteuerungen Stoyanovs, dass alle Maßnahmen ergriffen worden seien, um die grundlegenden Rechte ausländischer Bürger zu garantieren stehen im extremen Kontrast zu den Berichten von Organisationen zur Unterstützung Geflüchteter wie der NoNameKitchen, die vor Ort immer wieder illegale Push-backs und extreme Gewalt dokumentieren: „The Turkish – Bulgarian border sadly is the first most fatal border along the Balkan route, as concerningly expressed by the recent Lighthouse Report and Bulgaria Border monitoring, resulting in dozens of deaths in the past two years alone. People on the move crossing through Bulgaria must face a long journey through harsh nature and violent weather conditions, battling illnesses, and sheer exhaustion all while avoiding Border Police, which “systematically expels refugees and migrants to Turkey, without an individual examination of the risk of torture, inhuman or degrading treatment”. (yd)
EU: Rüstung auf Hochtouren
(1. März 2024)Allmählich sickern Elemente der bereits mehrfach verschobenen und nun auf den 5. März terminierten EU-Strategie zur Förderung der Rüstungsindustrie (engl. EDIS) und des Rüstungsinvestitionsprogramms (engl. EDIP) durch. Als Problem wird identifiziert, dass 75% der Rüstungsinvestitionen in außereuropäische Produkte gehen würden (davon allein 68% in die USA). Die EDIS tritt an, um dies zu ändern, das Handelsblatt zitiert aus dem Entwurf: „Mitgliedstaaten sollten den derzeitigen Trend umkehren, die große Mehrheit ihrer Verteidigungssysteme von nicht europäischen Industrieanbietern zu erwerben“.
Auch die Berliner Zeitung beschäftigt sich mit der Strategie: „Europa sollte danach streben, die nächste Generation von kampferprobten operativen Fähigkeiten zu entwickeln und herzustellen“, wird Kommissionspräsidentin von der Leyen zitiert. „Das bedeutet, dass wir unsere Kapazitäten in der Verteidigungsindustrie in den nächsten fünf Jahren auf Hochtouren bringen müssen.“ Aus der Strategie selbst zitiert die Berliner Zeitung u.a. folgenden Passus: „Die EU muss die Fähigkeit zur Massenproduktion von Verteidigungsgütern wie Munition und Drohnen beherrschen.“ (jw)
Kroatien: Innenpolitische Konflikte
(1. März 2024)Nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron am vergangenen Montag angedeutet hatte, dass ein künftiger Einsatz westlicher Truppen in der Ukraine nicht endgültig „ausgeschlossen“ werden solle, kam es zu Anfeindungen zwischen dem kroatischen Premierminister Andrej Plenković und dem kroatischen Präsidenten Zoran Milanović, wie Euractiv berichtete. Plenković, der an dem Treffen in Paris teilnahm, gab dort gegenüber Reporter*innen an, dass Kroatien nicht beabsichtige, Soldaten in die Ukraine zu entsenden, aber die Ukraine weiter- wirtschaftlich, finanziell, militärisch und menschlich zu unterstützen und verwies darauf, dass im Dezember 2022 nur vier Stimmen im Parlament nötig waren, um Kroatiens Beteiligung an der EUNAM-Ausbildungsmission für ukrainische Soldaten zu genehmigen. Das Büro von Milanović reagierte nach Angaben von Euractiv scharf auf Plenkovićs Worte und warf ihm neben fehlenden Absprachen mitunter vor, dass es ihn besonders störe dass er Kroatien jetzt nicht in eine noch größere Katastrophe führen könne indem er willkürlich anbiete kroatische Soldaten in die Ukraine zu schicken: “What exactly was discussed in Paris, and what did Plenković promise there on behalf of Croatia (as last year he promised to train Ukrainian soldiers without consulting the President of the Republic)? […] In whose name and for whose interest does Plenković claim the right to even participate in discussions about the participation of Croatian soldiers in the war in Ukraine? Is Plenković pushing for mandatory military training in Croatia to prepare Croatian soldiers to be sent to war in Ukraine?” Die Pressemitteilung Milanovićs zieht ein drastisches Fazit: “If there was no Croatian Parliament and the President of the Republic, it is clear that Plenković would have directly involved Croatia in the war in Ukraine.” (yd)
Von Sprind zur DARPA?
(1. März 2024)Es scheint Überlegungen zu geben, einen militärischen Ableger der Bundesagentur für Sprunginnovation (Sprind) zu shcaffen, berichtet die FAZ: „Anders als Darpa ist Sprind auf die zivile Forschung beschränkt. Während die Darpa ein Jahresbudget von 4 Milliarden Dollar hat, stehen für Sprind 200 Millionen Euro bereit. […] Sprind-Chef Laguna sagt: Deutschland ‚bräuchte eine Einrichtung wie eine militärische Sprind. Die sollte von der zivilen Sprind strikt getrennt sein – räumlich wie auch personell.‘ Beide Sparten könnten unter dem Dach einer Holding stehen, da jede der beiden Seiten Ergebnisse hervorbringt, die sich von der anderen nutzen lässt.“ (jw)
Indo-Pazifik: Pitch Black 2024
(1. März 2024)Die Bundeswehr will ihre Präsenz im Indo-Pazifik „verstetigen“ (IMI-Standpunkt 2022/035). Dazu gehört auch die erneute Teilnahme an einer Luftwaffenübung, über die auf der Bundeswehrseite informiert wird: „Pitch Black 24 versammelt in Australien mehr als 150 Luftfahrzeuge aus zahlreichen Nationen und ist ein Baustein der übergreifenden Verlegeübung Pacific Skies 24, die sich zwischen Mitte Juni und Mitte August aus fünf einzelnen Übungsvorhaben zusammensetzt. Für die deutsche Beteiligung stellt die Luftwaffe zwölf Tornados, acht Eurofighter und vier A400M.“ (jw)
Frontex: Kritik
(29. Februar 2024)Am Mittwoch (28. Februar) wurde im Anschluss an eine Untersuchung der Frontex-Einsätze auf See, nach dem Ertrinken von etwa 600 Menschen im vergangenen Juli in der Nähe der griechischen Küstenstadt Pylos, ein Bericht der EU-Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly veröffentlicht, der die EU-Grenzschutzagentur Frontex auf verschiedenen Ebenen kritisierte und festhielt, dass diese nicht in der Lage sei „ihrer Grundrechtsverpflichtung nachzukommen“, wie Euractiv berichtete. O’Reilly prangerte unter anderem das Fehlen eines angemessenen Untersuchungssystems auf EU-Ebene an, mit dem unabhängig überprüft werden könnte, ob bei Such- und Rettungseinsätzen (SAR) in internationalen Gewässern internationales Recht nicht eingehalten wurde. “While the Greek Ombudsman is investigating the actions of the Greek coastguard, there is no single accountability mechanism at EU level that could independently investigate the role of the Greek authorities, the role of Frontex, and the role of the European Commission, which is responsible for ensuring compliance with fundamental rights provisions under the EU treaties,” so O’Reilly. Ein Frontex-Sprecher gab nach der Veröffentlichung des Berichts gegenüber Euractiv an, dass die EU-Grenzschutzagentur Frontex sich strikt an ihr Mandat halte “ which does not include the coordination of rescue efforts — a responsibility that rests with national rescue coordination centres”. Birgit Sippel, die Berichterstatterin des Parlaments für einen Teil des EU-Migrationspakts war, gab gegenüber Euractiv an, dass die Untersuchung „unsere langjährigen Bedenken über strukturelle und systemische Probleme bei Frontex bestätigt und in mancher Hinsicht mehr Fragen aufwirft als beantwortet“ und plädierte für „an independent commission of inquiry to give a clearer picture of the facts surrounding this tragedy“. (yd)
Bulgarien: Neues Waffenpaket
(29. Februar 2024)Bulgarien bereitet ein neues „Militärhilfepaket“ für die Ukraine vor, das in finanzieller Hinsicht um ein Vielfaches größer sein wird als die bisher an Kiew gelieferten Waffen und Munition, so Verteidigungsminister Todor Tagarev in einem Interview mit bTV am 28. Februar, wie TheSofiaglobe.com berichtete. “Until the entry of the cabinet, the aid that was given was worth 13 million euro. At this moment, the aid that we have given only from the army’s warehouses is valued at 47 million euro,” so Tagarev zum Umfang der bulgarischen „Militärhilfe“. Im Bezug auf die Äußerungen Macrons zur Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine positionierte sich der bulgarische Verteidigungsminister dagegen ablehnend:“We will not send soldiers to Ukraine, this issue is not discussed in our country. Our position is clear”. Bulgarien gilt als größter Produzent von Munition sowjetischer Bauart in Europa und spielt dadurch eine wichtige Rolle für die militärische Versorgung der Ukraine.(yd)
Texas: Waldbrand vs. Nuklearwaffenanlage
(29. Februar 2024)Angesichts des fünftgrößten Flächenbrands in der Geschichte von Texas sah sich eine Nuklearwaffenanlage außerhalb von Amarillo am Dienstag (27. Februar) gezwungen ihren Betrieb vorübergehend einzustellen, wie democracynow.org berichtete. Das sogenannte „Smokehouse Creek Fire“ hat seit Montag mehr als 300.000 Hektar Land verbrannt und zu Evakuierungen in Teilen von Texas und Oklahoma geführt. Im gesamten Mittleren Westen wurden Hitzerekorde gebrochen, die sich nach Informationen von democracynow.org am Montag in Dallas mit bis zu 94 Grad Fahrenheit beziffern liefen. (yd)
Rotes Meer: Friendly Fire
(29. Februar 2024)Mit großem Enthusiasmus wurde im Web 2.0 bei militärnahen Kreisen der erste Abschuss einer Drohne durch die ins Rote Meer entsendete Fregatte Hessen gefeiert – nach dieser gestrigen FAZ-Meldung dürften die Töne wieder etwas leiser werden: „Im Roten Meer hat die Fregatte Hessen irrtümlich auf die Drohne eines Verbündeten geschossen. Welchem Land diese Drohne im Nachhinein zugeordnet wurde, teilte die Bundeswehr nicht mit.“ (jw)
Gaza: Prognosen zur humanitären Katastrophe
(28. Februar 2024)Ein neuer Bericht der London School of Hygiene und der Johns Hopkins University über die humanitäre Katastrophe in Gaza geht davon aus, dass aufgrund des Ausmaßes der Zerstörung der Infrastruktur in der Region unabhängig davon, ob Israel seine militärischen Angriffe fortsetzt, weiterhin Tausende von Palästinenser*innen an Krankheiten, Unterernährung, Dehydrierung und Hunger sterben werden, wie democracynow.org berichtete. „Im Falle einer Eskalation würden etwa 85.000 Menschen sterben“, so Zeina Jamaluddine, Ernährungswissenschaftlerin und Epidemiologin, während ein sofortiger Waffenstillstand und eine damit einhergehende Wiederaufnahme von Hilfslieferungen etwa 75.000 der prognostizierten Todesfälle verhindern könne. Auch Ramesh Rajasingham, Koordinationsdirektor des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, erklärte am Dienstag (27. Februar) vor dem Sicherheitsrat, dass mindestens 576.000 Menschen im Gazastreifen – ein Viertel der Bevölkerung – nur noch einen Schritt von einer Hungersnot entfernt seien und dass eine weit verbreitete Hungersnot „fast unvermeidlich“ sein könnte, wenn nicht gehandelt wird, wie Euractiv berichtete. “Very little will be possible while hostilities continue and while there is a risk that they will spread into the overcrowded areas in the south of Gaza. We therefore reiterate our call for a ceasefire,” so Rajasingham. Eines von sechs Kindern unter zwei Jahren im nördlichen Gazastreifen leide an akuter Unterernährung und praktisch alle 2,3 Millionen Menschen in der palästinensischen Enklave seien auf „völlig unzureichende“ Nahrungsmittelhilfe angewiesen um zu überleben, während Hilfsorganisationen durch „crossing closures, restrictions on movement and communication, onerous vetting procedures, unrest, damaged roads and unexploded ordnance“ vor „überwältigenden Hindernissen“ stünden um nur ein Minimum an Hilfsgütern in den Gazastreifen zu bringen. (yd)
Nordkorea: Essen gegen Artilleriegranaten?
(28. Februar 2024)Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministers Shin Wonsik gegenüber der Nachrichtenagentur Yonhap am vergangenen Dienstag (27. Februar) hat Nordkorea im Austausch gegen Lebensmittel seit September etwa 6.700 Container mit Millionen von Munition sowie Teile und Rohstoffe für die Waffenherstellung nach Russland geschickt. Die Container hätten mehr als drei Millionen 152-mm-Artilleriegranaten oder 500.000 122-mm-Geschosse enthalten können und man könne davon ausgehen, dass mindestens mehrere Millionen Granaten verschickt worden seien, so Wonsik. Während Hunderte von nordkoreanischen Munitionsfabriken wegen des Mangels an Rohstoffen und Strom nur mit etwa 30 Prozent ihrer Kapazität arbeiteten, liefen Fabriken, die Artilleriegranaten für Russland produzieren, „auf Hochtouren“, so Wonsik, wie Al-Jazeera berichtete. Im Gegenzug für die Munition versorge Russland Nordkorea mit Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Teilen für die Waffenherstellung, wobei das Volumen der von Russland nach Nordkorea verschifften Container etwa 30 Prozent größer sei als das Volumen der im gleichen Zeitraum von Pjöngjang nach Moskau verschifften Container. “It seems that food accounts for the largest proportion [of shipments from Russia], which is believed to have stabilised food prices in North Korea, with other necessities also included,” so Wonsik nach Angaben von Al-Jazeera. (yd)
Macron: Abfuhr
(28. Februar 2024)Nachdem der französische Präsidenten Emmanuel Macron nach einer Ukraine-Hilfskonferenz in Paris am vergangenen Montagabend (26.Februar) die Möglichkeit von Bodentruppen im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht hatte (siehe IMI-Aktuell 2024/135) hagelte es eine Vielzahl ablehnender Reaktionen. In ganz Europa wurden Macrons Äußerungen mit Skepsis oder offener Ablehnung aufgenommen, wie Euractiv berichtete. „Es wird keine Bodentruppen, keine Soldaten auf ukrainischem Boden geben, die von europäischen Staaten oder NATO-Staaten dorthin geschickt werden“, so der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz am Dienstag vor Reportern bei einem Besuch in Freiburg. Auch der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson, der portugiesische Premierminister António Costa, die spanische Regierungssprecherin Pilar Alegría, der bulgarische Präsident Rumen Radev und der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis äußerten sich ablehnend. In Frankreich lösten Macrons Äußerungen Kritik von Seiten der französischen Opposition und Forderungen nach einer formellen Parlamentsdebatte über Frankreichs Ukraine-Strategie aus, wie Euractiv berichtete. (yd)
Ukraine: Frontverschiebung
(28. Februar 2024)Unter dem Titel „Chaotischer Rückzug führt zu hohen Verlusten“ bestätigte am 28.2.2024 mit der Frankfurter Rundschau auch ein deutsches Leitmedium, was hier zuvor v.a. als russische Propaganda abgetan wurde, nämlich dass es beim ukrainischen Rückzug aus Awdijiwka auch zu chaotischen Szenen und damit hohen Verlusten für die Ukraine gekommen sei. Trotzdem ist auch hier von einem „pyrrhischen Sieg“ die Rede.
Dafür gibt es allerdings bislang keine Hinweise. Den russischen Truppen ist es auf Höhe von Awdijiwka offenbar gelungen, weitere Dörfer einzunehmen, in denen die ukrainischen Streitkräfte zuvor Stellung bezogen hatte. Dies meldet sogar tagesschau.de, aber auch Kyivindependent mit Verweis auf das bislang eher optimistische, rüstungsnahe US-Institute for the Study of War (ISW), das auch einen weiteren Vormarsch der russischen Truppen für möglich hält. Zugleich geht aus den Berichten des ISW auch hervor, dass diese nahezu entlang der gesamten Front auf dem Vormarsch sind bzw. ihren Druck erhöhen. Vor diesem Hintergrund stellt die FR in o.g. Beitrag die Frage: „Der Verlust Awdijiwkas als Wendepunkt im Ukraine-Krieg?“
Das ist der Hintergrund, vor dem nun über Bodentruppen aus NATO-Staaten diskutiert wird.
Zeitenwende Infrastruktur
(28. Februar 2024)Das Bundesverteidigungsministerium berichtet über die „Fachkonferenz Infrastruktur“, die wohl aktuell in dessen Räumlichkeiten stattfindet. Der Bericht enthält wenig konkretes, aber es geht offenbar darum, Bauprojekte schneller umsetzen zu können und dafür auch die Zuständigen auf Länderebene für militärische Belange zu sensibilisieren. Etwas konkreter wird es bei Bedarf und Kosten:
„Für Beschaffungen wie das neue Kampfflugzeug F35, den schweren Transporthubschrauber Chinook oder das Luftverteidigungssystem Arrow werde die Bundeswehr neue, ganz spezielle Bauten benötigen, sogenannte Sonderinfrastruktur. Es geht weiterhin um Munitionslager, insgesamt 16 sollen bundesweit ertüchtigt werden. Darüber hinaus müssen Unterkunftsbauten renoviert oder neu gebaut werden. Dies alles fällt unter den Begriff Infrastruktur. Der Projektbedarf, den das BMVgBundesministerium der Verteidigung dafür identifiziert hat, wird in den kommenden Jahren auf über 24 Milliarden Euro veranschlagt – für insgesamt 7.000 Bauvorhaben. Die Fachkonferenz Infrastruktur, die sich an diesem Tag auf Minister- und Staatssekretärsebene im Bund-Länder-Format im BMVgBundesministerium der Verteidigung versammelte, sei bislang einzigartig, so Boris Pistorius.“
Aspides: Scharfer Schuss
(28. Februar 2024)Noch bevor der Bundestag auch nur darüber beraten hatte, brach die Fregatte Hessen am 8. Februar in Wilhelmshaven zu ihrem Einsatz zum „Schutz der Handelsschiffahrt“ im Roten Meer auf. Noch bevor ein Mandat vorlag besuchte der Verteidigungsminister unterwegs in Griechenland Schiff und Besatzung, produzierte martialische Bilder und die Rede von der „gefährlichsten Marine-Mission in der Geschichte der Bundeswehr“. Kaum war das Mandat am vergangenen Freitag, 23.2.2024, erteilt, folgte bereits am folgenden Dienstag der erste scharfe Schuss. Die Hessen habe zwei Drohnen abgeschossen, teilte das Einsatzführungskommando mit. Um was für Drohnen es sich gehandelt hat, was deren mutmaßliches Ziel war und welche Wirkmittel dabei zum Einsatz kamen, ist allerdings bislang nicht bekannt bzw. bestätigt. Letzteres wäre z.B durchaus interessant im Hinblick auf die Effektivität des Einsatzes: Viele Wirkmittel zur Luftabwehr sind ein Vielfaches teurer, als einfache Drohnen, wie sie die Houthies und andere Milizen gerne nutzen. Interessant wäre auch, ob zukünftig verstärkt Handelsschiffe mit Bezug zu Deutschland ins Visier der Houthies geraten – die allerdings als Urheber der abgeschossenen Drohnen ebenfalls noch nicht feststehen.
Aktionsplan Infrastruktur
(28. Februar 2024)Einen „Aktionsplan Infrastruktur“ hat Verteidigungsminister Pistorius laut BMVg-Internetseite vorgestellt, mit dem ambitionierte Baumaßnahmen auf den Weg gebracht werden sollen: „Es geht weiterhin um Munitionslager, insgesamt 16 sollen bundesweit ertüchtigt werden. Darüber hinaus müssen Unterkunftsbauten renoviert oder neu gebaut werden. Dies alles fällt unter den Begriff Infrastruktur. Der Projektbedarf, den das BMVg dafür identifiziert hat, wird in den kommenden Jahren auf über 24 Milliarden Euro veranschlagt – für insgesamt 7.000 Bauvorhaben.“ (jw)
Ukrainer*innen für Verhandlungen
(28. Februar 2024)Wie multipolar berichtet, ergab eine Umfrage Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS) Ende Februar 2024: „72 Prozent der Befragten plädieren dafür, dass die Ukraine „zusätzlich zu militärischen Anstrengungen auch nach einem diplomatischen Weg sucht, den Krieg mit Russland zu beenden, um die menschlichen Verluste zu minimieren“.“
Genauer heißt es: „23 Prozent der Befragten glauben laut der aktuellen Umfrage hingegen daran, dass die Ukraine Russland nur mit militärischen Mitteln besiegen könne – „egal wie hoch die Opferzahlen sind“. Vier Prozent der rund 1.200 Befragten konnten sich nicht für eine der beiden Antworten entscheiden. Eine Antwortmöglichkeit mit der Forderung nach Diplomatie ohne parallele militärische Aktionen war in der Umfrage, die vom 5. bis 10. Februar telefonisch durchgeführt wurde, nicht enthalten. Im Mai 2022 plädierten bei der KIIS-Umfrage nur 59 Prozent der Befragten für eine diplomatische Lösung, während noch 35 Prozent sich für einen streng militärischen Kurs aussprachen.“
Auch der Glaube an einen Sieg der Ukraine im Krieg scheint zu schwinden: „Die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung ist laut der Befragung weiterhin sicher, dass ihr Land den Krieg gewinnen wird. Jedoch ist der Glauben an einen „definitven“ Sieg der Ukraine von 80 Prozent im Mai 2022 auf nur noch 60 Prozent im Februar 2024 gesunken. Auf die Frage, zu wessen Gunsten sich die Kampfhandlungen aktuell entwickeln, antworteten lediglich 24 Prozent mit „Ukraine“. Zudem vermutet eine wachsende Minderheit von inzwischen 32 Prozent der Befragten, das der Krieg mit territorialen Verlusten für die Ukraine enden werde.“
Abgefragt wurden in einer weiteren Umfrage auch die Unterstützung von Selenskij und von der Zwangsmobilisierung: Die Umfragewerte von Selenskij sanken auf 16,2%, die Wahlen, die eigentlich im März 2024 stattfinden sollten, verschob der Präsident mit Verweis auf den laufenden Krieg (die Zustimmungswerte für General Walerij Saluschnij lagen hingegen bei 38,2%).
90% der befragten Ukrainer*innen lehnten die Zwangsmobilisierung ab. (ja)
Gaza: Hoffnungen auf Frieden
(27. Februar 2024)Der vom palästinensischen Präsidenten, Mahmoud Abbas, eingesetzte Übergangspremierminister, Mohammad Shtayyeh, reichte gestern seine Abdankung ein. Das Foreign Policy Magazin folgte in seiner Analyse der New York Times, dass dies geschehe, um US-amerikanische Forderungen nach politischen Reformen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zu entsprechen. Man erhoffe sich ein besseres Bild der oft als korrupt beschriebenen PA und dadurch Aufwind für Verhandlungen um eine Zwei-Staaten-Lösung, in der die PA über Westbank und Gaza regiere.
Die israelische Regierung unter Benjamin Netanyahu weigert sich jedoch weiterhin, die Errichtung eines (völkerrechtlich vorgesehenen) palästinensischen Staates oder auch nur die Übergabe des seit 2007 von der radikalen Hamas regierten Gaza-Streifens an die PA als Option zu diskutieren.
Am Mittwoch treffen sich Vertreter der PA und der Hamas in Moskau, um den Krieg und unter Umständen auch eine Wiedervereinigung zu diskutieren.
Derweil führte die starke Ablehnung der US-amerikanischen Position und Politik in dem Konflikt selbst innerhalb des stark mit Israel kooperierenden Militärs zu drastischen Solidaritätsbekundungen. Aaron Bushnell, ein aktiver Bediensteter der US Air Force, folgte am Sonntag dem Beispiel verschiedener Menschen, die seit Jahrzehnten so auf Ungerechtigkeiten verweisen wollen, und zündete sich vor der israelischen Botschaft in Washington selbst an. Auf der Online-Plattform Twitch verkündete er seinen Zuschauern er auf dem Weg in Uniform seine Motivation für die drastische Handlung. Er werde nicht länger „mitschuldig am Genozid“ sein. Während er sich anzündete rief er „Free Palestine“. Mittlerweile erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Kanonen statt Butter
(27. Februar 2024)Clemens Fuest, der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, wirbt in einem Artikel der Tagesschau mit fragwürdigen Metaphern für Aufrüstung, die zu Kürzungen im Sozialbereich führen werden: „Kanonen und Butter – das wäre schön, wenn das ginge. Aber das ist Schlaraffenland. Das geht nicht. Sondern Kanonen ohne Butter.“
Damit befindet sich Fuest in zweifelhafter Gesellschaft. „Kanonen ohne Butter“ forderten Rudolf Heß und Josef Goebbels bereits in der NS-Zeit.
Goebbels warb 1936 mit folgenden Worten für Aufrüstung: „Wir werden zu Not auch einmal ohne Butter fertig werden, niemals aber ohne Kanonen.“ Rudolf Heß warb mit der Parole „Kanonen statt Butter“ in einer Rede am 11. Oktober 1936 für Aufrüstung und schwor die Bevölkerung darauf ein, Versorgungsengpässe hinzunehmen.
Bertold Brecht fand bereits damals aus dem Exil eine passende Antwort darauf:
„Sonst aber wäre zu sagen, dass Kanonen auf den leeren Magen nicht jedes Volkes Sache sind“ (ak)
Südmexiko: Aktivist verurteilt
(27. Februar 2024)Am 7. Februar wurde der indigene Landverteidiger David Hernández Salazar aufgrund von Verbrechen verurteilt, die er nachweislich nicht begangen hat. „Er soll für 46 Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, eine Geldstrafe von 182.818 Pesos (umgerechnet etwa 10.000 Euro) entrichten und eine Schadensersatzzahlung von 1.000.001 Pesos (umgerechnet etwa 60.000 Euro) leisten“ wie ANF berichtete. Der Aktivist David Hernández Salazar wurde seit 2017 etwa für den Widerstand gegen die Errichtung einer elektrischen Umspannstation des mexikanischen Militärs oder wegen seiner Rolle als Gemeindevertreter von Puente Madera und als Mitglied der Versammlung der Indigenen Pueblos des Isthmus zur Verteidigung von Land und Territorium (APIIDTT) wiederholt widerrechtlich festgenommen, geschlagen und vor Gericht gestellt. Die APIIDTT ruft mit folgendem Aufruf zur Solidarität auf und lädt zu einer Feier vom 14. bis 17. März 2024 in der rebellischen Gemeinde Puente Madera, San Blas Atempa, Oaxaca, von drei Jahren Widerstand zur Verteidigung von El Pitayal ein: „Von der Barrikade in El Pitayal aus bekräftigen wir: El Pitayal zu verteidigen heißt, das Gemeingut zu verteidigen; es heißt, das Leben zu verteidigen! Wenn sie einen von uns berühren, berühren sie uns alle!“ ANF spricht von einem Beispiel „des zunehmenden Krieges gegen die indigenen Gemeinden im Widerstand: Parallel kam es 2024 etwa bereits zu brutalen Angriffen der Kartelle gegen Gemeinden des Nationalen Indigenen Kongresses (CNI) in Michoacán und zu massiven Vertreibungen indigener Menschen in Chiapas, u.a. aus der zapatistischen Gemeinde Moíses y Ghandi.“ Noch vor einem Jahr äußerte sich eine internationale Protestkarawane gegen die zusammenhängenden Megaprojekte des interozeanischen Korridors und des Tren „Maya“ Puente Madera wie folgt: „ (…) Seit 100 Jahren taucht das Projekt des Interozeanischen Korridors immer wieder auf. Es sind die gleichen extraktivistischen Projekte, gegen die wir seit jener Zeit kämpfen. Fällt der Isthmus, fällt so viel mehr. Deshalb ist die Lage so ernst, und das Handeln so dringend erforderlich, compas. Deshalb haben wir zu dieser Karawane aufgerufen. Fällt der Isthmus, fällt so viel mehr, etwa ganz Mittelamerika: Waren, Unternehmen, Waffen, alles kann von hier aus eindringen und gen Süden transportiert werden, wenn der interozeanische Korridor Realität wird – was wir niemals zulassen werden!“ (yd)
Schwedischer NATO-Beitritt: Grünes Licht
(27. Februar 2024)Mit einer großen Mehrheit von 188 Ja-Stimmen und sechs Gegenstimmen votierte das ungarische Parlament am Montag den 26. Februar „nach 20 Monaten des Wartens und der Verzögerung“ für den Beitritt Schwedens zur NATO, wie Euractiv berichtete. Der schwedische NATO-Beitritt war zunächst auch von der Türkei blockiert worden, die im Rahmen der Beitrittsverhandlungen unter anderem verschärfte Terrorgesetze, mit dem Ziel einer stärkeren Kriminalisierung der kurdischen Bewegung in Schweden, durchsetzen konnte. Das ungarische Votum folgte unmittelbar nach einem wichtigen Militärabkommen zwischen Ungarn und Schweden am vergangenen Freitag (23. Februar), welches vorsieht „ (…)dass Ungarn vier weitere in Schweden gebaute Gripen-Flugzeuge des Typs JAS 39 kauft und den laufenden Vertrag über Unterstützung und Logistik um zehn Jahre von 2026 bis 2036 verlängert“ und wurde von Stoltenberg mit den Worten: „Die Mitgliedschaft Schwedens wird uns alle stärker und sicherer machen“ begrüßt, wie Euractiv berichtete. Mit den neuen NATO-Mitgliedschaften und der US-Militärpräsenz in Skandinavien beschäftigt sich für mehr Hintergrundinformationen die Analyse „Nordischer Brückenkopf“. (yd)
Assange: Entscheidende Prozesstage
(27. Februar 2024)Die von Protesten begleitete Auslieferungsanhörung von Julian Assange, dem inhaftierten Journalisten und Gründer von Wikileaks, dem für die Veröffentlichung geheimer Dokumente, die US-Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan aufdeckten, die Auslieferung an die Vereinigten Staaten und eine 175-jährige Haftstrafe drohen, endete am 21. Februar mit dem Hinweis der beiden Richter des High Court, dass sie mehr Zeit für eine Entscheidung benötigen, wie peoplesdispatch.org berichtete. Assanges Anwältin, Jennifer Robinson, äußerte sich, wie democracynow.org berichtete, dahingehend, dass eine Auslieferung einen gefährlichen Präzedenzfall für die Pressefreiheit schaffen würde: “If Julian is extradited and goes on trial under the Espionage Act, this is a case which is going to set precedent which criminalizes journalistic activity and will be used against the rest of the media.” (yd)
Bodentruppen?
(27. Februar 2024)Während im Kanzleramt rund um die Taurus-Debatte wenigstens ansatzweise Anstrengungen unternommen werden, nicht völlig offen als Kriegspartei in Erscheinung zu treten, zündelt der französische Premier Macron auf unverantwortliche Weise herum, indem er die Möglichkeit von Bodentruppen im Ukraine-Krieg ins Spiel bringt. Bei der Welt heißt es etwa: „Laut dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ist nichts ausgeschlossen, um das Ziel zu erreichen, dass Russland den Angriffskrieg auf die Ukraine nicht gewinnt. Dazu gehöre auch die Entsendung von Soldaten durch sein Land.“ (jw)
Sudan: Kurzzeiteiger Lichtblick?
(27. Februar 2024)Der Krieg im Sudan schafft eine humanitäre Katastrophe, dies zeigt ein aktueller Artikel von Peoples Dispatch auf: „Im kriegsgebeutelten Sudan, wo 25 Millionen Menschen, d. h. weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes, an Hunger leiden, sterben jeden Tag zahlreiche Menschen. Etwa 40 % der Hungernden leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit, darunter 3,8 Millionen unterernährte Kinder.“ Weiter heißt es in dem Artikel von Peoples Dispatch: „“In den fünf Bundesstaaten von Darfur werden in diesem Jahr voraussichtlich 200.000 Kinder an lebensbedrohlichem Hunger leiden“, warnte Peter Graaff, amtierender WHO-Vertreter im Sudan, Anfang des Monats. Die meisten von ihnen befinden sich in den Binnenvertriebenenlagern der Region, in denen vor allem Menschen leben, die während des 2003 in Darfur ausgebrochenen Bürgerkriegs vertrieben wurden. Diese Binnenvertriebenen lebten seitdem von der Nahrungsmittelhilfe des UN-Welternährungsprogramms (WFP). „Nach dem Ausbruch des Krieges zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) im April 2023 wurden diese Lebensmittelrationen eingestellt“, so Rojal[, Adam Rojal, Sprecher der Generalkoordination der Vertriebenen und Flüchtlinge].““
Doch wie in vielen islamisch geprägten Staaten bietet der ab dem 1. März 2024 beginnende Fastenmonat Ramadan eine Gelegenheit für einen Waffenstillstand, so forderte auch Yasir Arman, „eine führende Persönlichkeit der Allianz der Zivilen Kräfte Tagadum“ auf der Plattform X einen Waffenstillstand von den Kommandeuren der SAF und der RSF. Angesichts um nur wenige Tage zeitversetzten Treffen in Libyen von libyschen Politikern mit den zwei libyschen Führern der RSF (Mohamed Hamdan Dagalo) und der SAF (Abdel Fattah Al Burhan), sprachen libysche Quellen gegenüber der Presseagentur „Agenzia Nova“ davon, dass dies zu einem Waffenstillstand führen könnte. Ob sich dies bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Ein weiteres längeres Ausbleiben eines Waffenstillstandes dürfte angesichts der desolaten Lebensmittelversorgung in nur geringen Zeit zu weitaus mehr Toten führen. (ja)
Gestwa: Propagandapreis
(27. Februar 2024)Einer der vehementesten und krawalligsten Fürsprecher für Waffenlieferungen an die Ukraine ist der Osteuropaforscher Klaus Gestwa. Ausgerechnet diese Person will die – über eine Zivilklausel verfügende – Universität Tübingen mit einem Preis „Wissenschaftskommunikation“ (dotiert mit 10.000 Euro) für seinen „unermüdlichen Einsatz bei der politischen und historischen Einordung des Ukrainekonflikts…“ würdigen. Die Universität schreibt als Motive der Jury, Gestwa habe sein „umfangreiches Wissen über Geschichte, Gesellschaft und Politik Osteuropas in den vergangenen Jahren genutzt, um die deutsche Öffentlichkeit über die Ursachen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland aufzuklären und dabei weit verbreiteten Annahmen und Irrtümern entgegenzutreten. Dabei habe er Mut bewiesen und sei auch öffentlichem Streit und Anfeindungen nicht aus dem Weg gegangen.“ (jw)
Berlinale: Eklat?
(26. Februar 2024)Nach der Berlinale ist überall von einem Eklat und Antisemitismus die Rede. Während viele spätere kritische Statements zum Gesagten ausführlich zitiert werden, gilt das für die mutmaßlich antisemitischen Aussagen selbst nicht. Beispielhaft dafür erfüllt etwa ein Beitrag bei Spiegel.de die im Titel geweckten Erwartungen nicht. Der Titel lautet „Eklat bei der Berlinale-Gala – wer hat was gesagt?“. Tatsächlich werden die umstrittenen Aussagen nur sehr knapp wiedergegeben:
„Der US-amerikanische Experimentalfilmer Ben Russell (»Direct Action«) ging bei der Veranstaltung mit einem Palästinensertuch auf die Bühne und äußerte Genozid-Vorwürfe wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Dabei wurde vom Publikum applaudiert. Vorwürfe gab es auch gegen den palästinensischen Filmemacher Basel Adra (»No Other Land«). Adra forderte in seiner Dankesrede Deutschland auf, keine Waffen mehr an Israel zu liefern. Sein israelische Kollege Yuval Abraham rief zu einem Waffenstillstand und einem Ende der Besatzung auf. Auf der Bühne trugen mehrere Personen an ihrer Kleidung Zettel mit der Aufschrift »Ceasefire now« (»Waffenstillstand jetzt!«), unter anderem die französische Filmemacherin Véréna Paravel – sie war Jurorin im Dokumentarfilmwettbewerb.“
Die Vorwürfe eines mutmaßlichen Genozids wird aktuell vom internationalen Gerichtshof verhandelt, weil er sie für plausibel erachtet. Reichen eine Positionierung in dieser Fragestellung sowie die Forderungen nach Einstellung der Waffenlieferungen und einem Waffenstillstand – letzteres eine Forderung, die von einer Mehrheit der Regierungen weltweit erhoben wird – für einen Eklat, für den Vorwurf des Antisemitismus? Ganz offensichtlich: ja.
Auch die Sendung Kultur Heute vom 25. Februar 2024 auf Deutschlandfunk gab nur sehr allgemein wieder, was (angeblich) gesagt wurde und sprach mehrmals von „Israel-Bashing“ auf der Berlinale. Dazu spielte sie „Anmerkungen“ des „Historiker[s], Buchautor[s] und jüdischen Publizisten Michael Wolffsohn“ ein, einem ehemaligen Professor der Bundeswehr-Universität München, der in der Vergangenheit mehrfach durch ziemlich rechte Positionen in Erscheinung getrteten ist. Sein Kommentar war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, u.a. durch einen völlig unnötigen und politisch schwierigen Vergleich der palästinensischen Führung mit den „Nazis“ (Die Palästinenser wären dann von ihrer Führung befreit, welche wie einst die Nazis die eigene Bevölkerung als Kanonenfutter missbraucht). Seltsam auch, dass er das „Leid der Gaza-Palästinenser“ zwei Sätze später zweideutig als „Palästinenser-Leiden“ aufgreift („… das Palästinenser-Leiden kann aber unverzüglich aufhören, wenn die Hamas kapituliert und die israelischen Geiseln freilässt“).
Die Forderung nach einer Einstellung der Waffenlieferungen hält er hingegen für „dumm“:
„Der [sic] israelische und palästinensische Preisträger forderten Deutschland auf, keine Waffen mehr an Israel zu liefern. Das deutsche Publikum jubelte. Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun, denn: Deutschland ist mehr von Israels Waffen abhängig, als Israel von deutschen. Israels Raketen und Drohnen schützen Deutschland und Europa und ohne Israel wären Deutschlands Terrorprävention oder IT-Fortschritte quasi in non-existent. Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.“
Daran ist vieles bestenfalls halb-zutreffend und es bleibt unklar, welchen Metzger sich die deutschen Kälber auswählen, wenn sie keine Waffen mehr an Israel liefern. Aber auf Fakten und inhaltliche Präzision kommt es wohl auch im Kulturradio nicht an, wenn nur die Position stimmt.
Protestcamp: STOPMICRO38
(26. Februar 2024)vom 4. bis zum 7. April 2024 findet ein Protestcamp von der Gruppe Stopmicro38 zum Thema „Wasser, keine (Mikro-)Chips“ in den französischen Städten Grenoble und Gresivaudan statt. Der Hintergrund des geplanten Austausches und Protests: „Am 1. April 2023 demonstrierten mehrere tausend Teilnehmende in Crolles gegen die Monopolisierung von Ressourcen durch die Elektronikindustrie und die Vergrößerung von STMicroelectronics, ein Unternehmen, das Mikrochips herstellt. Jetzt will das Nachbarunternehmen Soitec expandieren um Halbleiter für Batterien von Elektroautos herzustellen.Die Vereinnahmung von enormen Wassermengen in Zeiten wiederholter Dürreperioden, die Freisetzung von Chemikalien, ein irrsinniger Stromverbrauch, und das alles für die Produktion von “smart Devices“ und für die Waffenindustrie/Aufrüstung: Diese Pläne zur Aufstockung von Fabriken sind weitere Schritte in Richtung einer Umweltkatastrophe.“
Die Rolle für die Rüstung dröselt die Gruppe weiter auf: „ST-Halbleiter werden in den KUB-BLA-Kamikaze-Drohnen der russischen Armee eingesetzt und ST ist ein wichtiger Partner im Bereich der Verteidigungstechnik. Dies gilt auch für Soitec, das seit langem in der Rüstungsindustrie aktiv ist. Die SOI-Technologie wurde von der CEA entwickelt, um über Komponenten zu verfügen, die für die militärische Atomkraft geeignet sind. Führend in der Industrie des «death.augmented» sind ST und Soitec Komplizen von Kriegen und der nuklearen Bedrohung. Ihre Aktivitäten basieren auf Tod und Zerstörung: Hierbei stehen moralische Bedenken klar im Hintergrund.“ Das geplante Protestcamp ist ein spannendes Beispiel von einer linken, antimilitaristischen und klima-/umweltbewussten Bewegung, die sich kritisch mit dem Technosolutionismus und seinen Mythen befasst, den Kriegstrommeln wiedersteht und andere Wege aus der Klimakrise sucht. (ja)
31.000 Gefallene?
(26. Februar 2024)Am Abend des Sonntags nach dem zweiten Jahrestag des russischen Einmarsches in die Ukraine brachte der Deutschlandfunk über Stunden folgende Meldung, teilweise als Top-Meldung:
„Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor zwei Jahren sind nach Darstellung von Präsident Selenskyj 31.000 ukrainische Soldaten getötet worden. Das teilte Selenskyj auf einer Pressekonferenz mit. Es ist das erste mal, das Kiew offizielle Opferzahlen nennt. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Russland macht grundsätzlich keine Angaben zu eigenen militärischen Verlusten.“
Sehr vieles spricht dafür, dass es sich hier um eine völlig unrealistische Zahl handelt, die immerhin in diesem Fall korrekt in der indirekten Rede zitiert ist. Die folgende Behauptung allerdings, „[d]ie Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen“ schrammt bestenfalls knapp an einer Falschaussage vorbei. Denn zumindest die Plausibilität der Zahl ließe sich durchaus überprüfen und einordnen, z.B. anhand eines Vergleiches mit früheren Einschätzungen ansonsten gerne zitierter Verbündeter der NATO. So hatten sowohl der damalige Vorsitzende des US-Generalstabs als auch der Befehlshaber der Streitkräfte, Eirik Kristoffersen, die urkainischen Verluste (die auch Verwundete und Gefangene umfassen) bereits im November 2022 auf etwa 100.000 geschätzt. Im August 2024 wurde über Schätzungen der USA berichtet, wonach bislang etwa 70.000 ukrainische Soldat*innen getötet worden seien. Auch hier dürfte es sich eher um eine „vorsichtige“ Schätzung gehandelt haben.
Wie ist es einzuordnen, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der zentralen Frage der Verluste in einem „Banutzungskrieg“ offenbar recht unrealistische Zahlen wiedergibt, von der er behauptet, sie nicht überprüfen zu können? In einem ausführlicheren Beitrag des Deutschlandfunks zu den Angaben des ukrainischen Präsidenten, ebenfalls vom 25.2.2024, heißt es:
„Beide Kriegsparteien nutzen in Berichten zur militärischen Lage auch Zahlen zu angeblichen Verlusten des Gegners für propagandistische Zwecke. So sagte Russlands Verteidigungsminister Schoigu im Dezember, dass 383.000 ukrainische Soldaten seit Kriegsbeginn getötet oder verletzt worden seien.“
Schlicht falsch ist übrigens die Behauptung, dass Russland „grundsätzlich keine Angaben zu eigenen militärischen Verlusten“ mache. Im September 2022 bezifferte das Verteidigungsministerium die Zahl getöteter russischer Soldaten auf 5.937 – was ebenfalls grob geschönt sein dürfte. Bei der Schlacht um Bachmut räumte der damalige Wagner-Chef mehrfach Verluste im fünfstelligen Bereich ein.
Italien: Leopard
(26. Februar 2024)Dass Italien größere Mengen Leopar-2-Panzer bestellen will, ist schon länger bekannt – auf hartpunkt.de findet sich nun auch ein Preisschild: „Der Verteidigungsausschuss des italienischen Parlamentes hat am 21. Februar 2024 den Regierungsentwurf für die Beschaffung von 132 Leopard 2 Kampfpanzern sowie 140 Unterstützungsfahrzeugen gebilligt. Wie einer Parlamentsveröffentlichung zu entnehmen ist wird für das Beschaffungsprogramm, einschließlich mehrjährigen Kosten für Logistik, Ausbildung und Munition, mit einem Gesamtkostenvolumen von 8,246 Milliarden Euro gerechnet.“ (jw)
Bundeswehr: Umbau
(25. Februar 2024)Schon in den unter Verteidigungsministerin Kramp Karrenbauer am 18. Mai veröffentlichten „Eckpunkten für die Bundeswehr der Zukunft“ wurde die Auflösung zweier Teilstreitkräfte vorgeschlagen (siehe IMI-Studie 2021/05). Anfang April soll nun eine Bundeswehrreform per Erlass verkündet werden, die auf dasselbe hinauslaufen soll, berichtet Bild: „Statt sechs soll es künftig nur noch vier Inspekteure geben. Nur die Teilstreitkräfte für die Bereiche Land, Luft, See und Cyber werden von einem eigenen Drei-Sterne-General geführt. Die Sanität (medizinische Versorgung der Soldaten) und die Streitkräftebasis (Logistiker der Truppe) werden aufgelöst und in einem Unterstützungsbereich verschmolzen.“ (jw)
Houthi vs. Reaper
(22. Februar 2024)Die Auseinandersetzung zwischen der Houthi-Miliz im Jemen und der westlichen Militärallianz im Roten Meer entwickelt sich immer mehr in Richtung Drohnenkrieg. Nahezu täglich berichtet das US-Militär über abgefangene Drohnen und Raketen der Houthi. Mittlerweile haben jedoch auch die Houthi offenbar mehrere unbemannte Flugkörper der US abgeschossen, darunter bestätigten Berichten zufolge am Montag, den 19. Februar, bereits die zweite US-Drohne vom Typ MQ-9 Reaper. Die bewaffnungsfähige Drohne mit einem Stückpreis von etwa 30 Mio. US$ symbolisierte über zwei Jahrzehnte die Überlegenheit US-amerikanischer Militärtechnik und kam u.a. in Afghanistan, Irak, Syrien, am Horn von Afrika und der Sahel-Region zum Einsatz, in Afghanistan, Syrien und Somalia auch für sog. „gezielte Tötungen“. Bereits im Januar war wohl auch im Irak eine MQ-9 von schiitischen Milizen abgeschossen worden.
Kreitmayr: Verfahren eingestellt
(22. Februar 2024)Am Montag den 19. Februar, an dem sich die rassistischen Morde in Hanau zum vierten mal jährten, wurde in Tübingen das Verfahren gegen den ehemaligen KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr, dem vorgeworfen wurde an der Vertuschung von Munitions- und Sprengstoffdiebstählen im Wert von etwa 28.000 € beteiligt gewesen zu sein, bei denen die Befürchtung naheliegt, dass sie in den Waffendepots militanter Neonazis gelandet sind, gegen eine Zahlung von 8000€ eingestellt. Schon am 6.2 berichtete swr.de wie folgt: „Munitionsaffäre: Steht der KSK-Prozess in Tübingen vor dem Aus? Überraschende Wendung im KSK-Prozess: Das Tübinger Landgericht geht nur noch von einem ‚geringen Maß an Schuld‘ des Angeklagten aus.“ Maßgeblich für das Urteil waren wohl entlastende Zeugenaussagen wie die eines Zeugen, der aussagte, dass er „nicht das Gefühl gehabt [habe], dass Kreitmayr etwas ‚unter den Teppich kehren wollte'“, wie swr.de weiter berichtete. Kreitmayr gilt nach dem Urteil nicht als vorbestraft. 13000 Schuss Munition und 62 Kilo Sprengstoff bleiben verschwunden. (yd)
Finnische Panzer für die Bundeswehr
(22. Februar 2024)Der Finnische Rüstungskonzern Patria wird statt (wie vorher spekuliert) Rheinmetall den Ersatz für rund 1000 Transportpanzer der Bundeswehr produzieren. Grund dafür war das kostengünstigere Angebot des finnischen Konzerns. Der Panzertransportwagen „6×6“, der pro Stück rund eine Million Euro kosten wird, soll den zurzeit genutzten Panzer „Fuchs“ ersetzen. Ein Deal zur gemeinsamen Produktion zwischen Patria und Rheinmetall platze wohl, weshalb Patria den Panzer in Deutschland in Kooperation mit Defence Service Logistics (DSL) und der Flensburger Fahrzeug Gesellschaft (FFG) produzieren wird. (ju)
Waffenlieferungen: Umfrage
(21. Februar 2024)Bei Telepolis wird auf eine Umfrage zur sinkenden Unterstützung für Waffenlieferungen an die Ukraine hingewiesen: „So findet nach einer Meinungsumfrage von YouGov, die vom 2. bis 6. Februar 2024 durchgeführt wurde, eine Mehrheit, 39 Prozent der Deutschen, dass die deutsche Militärhilfe zu groß ist. Es seien zu viele Waffen an die Ukraine geliefert worden. Demgegenüber sagen 18 Prozent, dass noch mehr militärische Ausrüstung geliefert werden sollte. 26 Prozent halten das derzeitige Maß für angemessen.“ (jw)
Taurus: Cartoon
(21. Februar 2024)Die Lieferung von Taurus-Raketen ist aus mehreren Gründen extrem problematisch (siehe dazu IMI-Standpunkt 2023/035). Dennoch will u.a. FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann die Bundesregierung mit einem Antrag zur Lieferung dieser Raketen unter Druck setzen. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Frankreich: Militärausgaben steigen
(20. Februar 2024)Laut euobserver findet in Frankreich nun auch eine Kürzung des Sozialetats zu Gunsten der Militärausgaben statt: „Die französische Regierung hat weitere Ausgabenkürzungen in Höhe von 10 Milliarden Euro angekündigt. Die Verteidigungsausgaben sollen jedoch deutlich steigen, und zwar von 295 Mrd. EUR auf 413 Mrd. EUR, während 400 Mio. EUR aus einem Fonds gestrichen wurden, der für die Renovierung von Schulen, die Einrichtung von Fahrgemeinschaften und andere Umweltprojekte bestimmt ist.“ (übersetzt mit deepl.com) (ja)
Büchel: Flugplatz-Ausbau deutlich teurer
(20. Februar 2024)Der für die Nutzung von F35-Tarnkappenbomber notwendige Ausbau des Luftwaffenstützpunkts in Büchel wird wohl rund 670 Millionen Euro mehr kosten, als geplant. Dies geht aus vertraulichen Unterlagen des Bundestags hervor, Business Insider und Wirtschaftswoche berichteten. Verantwortlich dafür sei vor allem der strenge Zeitplan. Die schnelle Nutzung der atomwaffenfähigen F35 gilt als alternativlos für die Teilhabe am US-amerikanischen Nuklearschirm. Dies war der Grund für die eilige Bestellung der Tarnkappenbomber, für deren Unterbringung es aber bisher an geeigneter Infrastruktur mangeln würde. (ju)
Sondervermögen oder Sozialabbau?
(20. Februar 2024)Eine nahezu alle Parteien umfassende große Koalition ist sich darin einig, dass die Militärausgaben dauerhaft mindestens bei 2% des BIP liegen sollten. Etwas uneins ist man sich lediglich, wie die Finanzierung ab spätestens 2028 aussehen soll, wenn das Sondervermögen aufgebraucht ist. Das ist eine zentrale Frage, immerhin geht es hier um beträchtliche Summen: „Wie der SPIEGEL berichtete, gehen die Haushälter im Verteidigungsministerium davon aus, dass im Jahr 2028 zwei Prozent der Wirtschaftsleistung rund 97 Milliarden Euro entsprechen. [Im Kanzleramt] geht man von einem Mehrbedarf von rund 25 Milliarden aus.“
Die Grünen wollen eine erneute Aussetzung der Schuldenbremse und ein Sondervermögen II, wofür sich auch Union-Verteidigungsexperte Kiesewetter kürzlich aussprach (die CDU lehnte aber umgehend eine nochmalige Aussetzung der Schuldenbremse ab). Die FDP hat sowieso niemandem etwas vorgemacht, dass das Geld über Umschichtungen aus dem Haushalt und damit von den aus ihrer Sicht ohnehin zu hohen Sozialausgaben abgezogen werden müsste. Und Kanzler Scholz wird nun bei Spiegel Online mit Worten zitiert, die nahelegen, dass er hier ganz bei der FDP zu sein scheint: „Mein Ziel ist es, dass wir nach dem Auslaufen des Sondervermögens die Ausgaben für die Bundeswehr aus dem allgemeinen Haushalt finanzieren.“
Das ist insofern überraschend, weil führende Sozialdemokraten wie der SPD-Haushaltspolitiker Andreas Schwarz und sogar jetzt jüngst Boris Pistorius sich für eine Neuregelung der Schuldenbremse stark machen. Augenscheinlich existieren hier innerhalb der SPD unterschiedliche Positionen, in Fraktion und Kanzleramt, denn die Welt berichtet heute: „Die SPD-Bundestagsfraktion lässt ein koalitionsintern höchst umstrittenes Vorhaben ausarbeiten: eine Reform der Schuldenbremse zugunsten von Investitionen. […] Die SPD werde ‚nicht zulassen, dass die Hilfe für die Ukraine gegen die Unterstützung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, gegen die Rente, gegen die soziale Sicherung oder auch den Kampf gegen den Klimawandel ausgespielt wird‘, sagte Mützenich.“ (jw)
Hochprozentig
(20. Februar 2024)In diesem Jahr steigen die Militärausgaben erstmal sauf über 85 Mrd. Euro an (siehe IMI-Analyse 2024/6). Dennoch gab es vor, während und nach der Münchner Sicherheitskonferenz mal wieder kein Halten, wenn es darum ging, noch höhere Militärausgaben zu fordern. Außenministerin Annalena Baerbock will eine Aufstockung des Bundeswehr-Sondervermögens. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius argumentierte nun bei der Sicherheitskonferenz, das aktuelle Ausgabenniveau (von 2%/BIP) könne „nur der Anfang sein“. Und Tagungsleiter Heusgen brachte gleich mal Beträge zwischen 130 und 180 Mrd. Euro ins Spiel: „Wir müssen irgendwie zurückkommen zu Zeiten, die wir bis zur Wiedervereinigung hatten, wo drei bis vier Prozent des Volksvermögens für Verteidigung ausgegeben worden sind.“ (jw)
Rheinmetall: Ukraine -Produktion
(19. Februar 2024)Noch in diesem Quartal wolle Rheinmetall mit dem Bau einer Munitionsfabrik („Ukrainisches Kompetenzzentrum für Munition“) in der Ukraine beginnen, berichtet das Handelsblatt. Dazu sei ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem ukrainischen Partner gegründet worden, an dem Rheinmetall 51 Prozent halte: „Am Rande der Sicherheitskonferenz hat Rheinmetall eine Absichtserklärung mit einem ukrainischen Partnerunternehmen unterzeichnet. Das Joint Venture will ein neues Artilleriewerk in der Ukraine bauen.“ (jw)
Positionspapier: Offener Brief
(19. Februar 2024)Kürzlich wurde ein unsägliches Rüstungspositionspapier von der IG Metall, dem Wirtschaftsforum der SPD und dem Lobbyverband BDSV veröffentlicht (siehe IMI-Standpunkt 2024/003). Dagegen hat der Friedensrat Markgräflerland nun einen Offenen Brief an Jürgen Kerner, dem zweiten Vorsitzenden der IG Metall, verfasst: „Daß sich die Vertreter der Rüstungsindustrie die Parole ‚Krieg ist Frieden‘ zu eigen machen, ist aus deren Sicht nachvollziehbar. Krieg ist ihr Geschäft – die Entwicklung ihrer Profite spricht für sich. Daß Sie sich namens der IG Metall als Organisation der arbeitenden Menschen diesem Chor der Aufrüstungsbefürworter anschließen, statt sich für zivile Konfliktprävention und Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen, ist für uns nicht nachvollziehbar […] Uns gibt Hoffnung, dass Ihre Stellungnahme nicht die Haltung ‚der‘ IG Metall wiedergibt. Wir verweisen an dieser Stelle beispielhaft auf die Konferenz der IG Metall Hanau-Fulda ‚Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg!‘ vom Juni 2023.“ (jw)
Teurer Boxer
(19. Februar 2024)Unter Berufung auf den Spiegel berichtet Zeit Online, der Rechnungshof habe von der Anschaffung von 123 gepanzerten Transportfahrzeugen vom Typ Boxer abgeraten: „Das Fahrzeug ‚Boxer‘ löst das ‚Wiesel‘ ab, doch das wird einem Bericht zufolge teurer als erwartet: Fast 700 Millionen Euro Mehrkosten erwartet der Bundesrechnungshof.“ (jw)
Cartoon: EU-Atomwaffen?
(19. Februar 2024)Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz zeigte nun auch Leiter Christoph Heusgen im ZDF eine Offenheit gegenüber der Möglichkeit europäischer Atomaffen: „Wofür stehen Atomwaffen? Atomwaffen stehen dafür, was Europa im Kalten Krieg den Frieden gebracht hat […] Das Wichtigste ist doch unsere Sicherheit, dass wir die garantieren können. Und da, finde ich, sollte man über solche Elemente durchaus reden“ Heusgen ist damit der nächste in einer langen Reihe jüngster Politiker*innen und Expert*innen, die sich in diese Richtung äußern. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Atomwaffen: Beobachterstatus
(16. Februar 2024)Die Rufe nach europäischen Atomwaffen werden immer lauter – weil das aber nicht so einfach ist, haben die Nuklearwaffenfans nun einen aus ihrer Sicht gangbaren Zwischenschritt gefunden, den sie nun einfordern. Schweden habe kürzlich die Vertragsstaatenkonferenz des Atomwaffenverbotsvertrags verlassen, so die FAZ. Dagegen nehme Deutschland weiterhin eine Beobachterrolle wahr, wovon es sich schleunigst verabschieden solle, so das Blatt. Für Argumente, welche „Vorteile“ das hätte, wird der „Sicherheitsfachmann” Camille Grand vom European Council on Foreign Relations zitiert: „Das ist nicht nur eine Beobachterrolle, damit werden auch deutsche Beiträge fällig und nimmt Deutschland an Kampagnen gegen die nukleare Abschreckung teil.“ Und um das abzurunden wird gleich noch ein Zitat von Maximilian Terhalle nachgeschoben, der schon seit Jahren für deutsche Atomwaffen trommelt (siehe IMI-Standpunkt 2017/022): „Friedenspolitik ist ein ideologisches Relikt, weshalb der Austritt aus dem Verbotsvertrag ein spätes Signal deutscher Strategiefähigkeit gleichermaßen an Alliierte und Feinde wäre.“ (jw)
Rheinmetall: Profiteur
(15. Februar 2024)Obwohl es laut Handelsblatt den Anschein hat, als würde Rheinmetall bei der Nachfolge des Transportpanzers Fuchs leer ausgehen, kann sich das Unternehmen nicht beklagen. Die Welt beschreibt die überaus komfortable Auftragslage des Panzerbauers mit folgenden Worten: „Der Konzern ist in Deutschland ohnehin einer der Hauptprofiteure der Zeitenwende und meldet einen Rekord nach dem anderen. Papperger verweist auf Aufträge und Rahmenverträge über zehn Milliarden Euro, die das Unternehmen von der Bundesregierung bekommen habe – für die Bundeswehr und für die Ukraine. In diesem Jahr werde sich diese Summe auf mindestens 15 Milliarden Euro erhöhen. Der Bestand an festen Aufträgen plus Rahmenvereinbarungen könnte von rund 40 Milliarden Ende 2023 auf rund 50 Milliarden Euro in diesem Jahr steigen.“ (jw)
Haushalt: „Spitze“
(15. Februar 2024)Lauter „Spitzenwerte“ kann der mit Veröffentlichung im Amtsblatt nun offizielle (Militär)Haushalt 2024 melden. Wie Zeit Online berichtet, werden mit ihm erstmals seit 32 Jahren Militärausgaben von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes knapp überschritten (2,01%). Er liege damit 20% über den Ausgaben des Vorjahres. Der „offizielle“ Haushalt soll sich auf 51,95 Mrd. Euro belaufen, hinzu kommen jetzt 19,8 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr (lange war hier „nur“ von 19,17 die Rede). Addiert werden müssen dann noch die Ausgaben nach NATO-Kriterien, mindestens 14,5 Mrd. Euro 2024 was zusammen 86,25 Mrd. Euro macht (siehe IMI-Analyse 2024/6). (jw)
EU-Atomwaffen (III)
(15. Februar 2024)Auch FDP-Chef Christian Lindner hat sich nun kürzlich in der FAZ zur Frage europäischer Atomwaffen geäußert: „Machen wir uns nichts vor: Solange es Nuklearwaffen auf der Welt gibt, wird auch Europa an einem System der nuklearen Abschreckung festhalten müssen, um nicht schutzlos der Erpressung autoritärer Staaten ausgeliefert zu sein. […] Die Frage ist: Unter welchen politischen und finanziellen Bedingungen wären Paris und London bereit, die eigenen strategischen Befähigungen für die kollektive Sicherheit vorzuhalten oder auszubauen? Und umgekehrt, welchen Beitrag sind wir bereit zu leisten? Wenn es um Frieden und Freiheit in Europa geht, dürfen wir diese schwierigen Fragen nicht scheuen.“ (jw)
Worst-Case vs. Augenmaß
(14. Februar 2024)Deutschland und die NATO müssten bei der Rüstung die Beine in die Hand nehmen, in sechs bis zehn Jahren hätte Russland seine Armee soweit wieder aufgebaut, dass sie eine ernste Bedrohung für die NATO darstellen könne, Diese Einschätzung wurde schon voriges Jahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik vertreten. Inzwischen wird sogar immer häufiger – weitgehend belegfrei – in den Raum gestellt, mit einem russischen angriff müsse jeden Moment gerechnet werden. Generalinspekteur Carsten Breuer hat sich jetzt für den Korridor von fünf bis acht Jahren entschieden, bis Deutschland vollumfänglich „kriegstüchtig“ werden müsse. „Das heißt nicht, dass es dann Krieg geben wird. Aber er ist möglich“, wird Breuer zitiert.
Das ist aber ein zentraler Punkt: denn zwischen „möglich“ und „wahrscheinlich“ liegt doch ein gewaltiger Unterschied. Dennoch dienen diese Äußerungen als Grundlage für die immensen Steigerungen des Militärhaushaltes. In dieser Stimmung ist es wohltuend, einen Artikel von Hellmut Hoffmann, Botschafter a.D., der zwischen 1982 und 2016 im Auswärtigen Dienst tätig war, in der aktuellen WeltTrends zu lesen (abgedruckt auch bei Telepolis). Hoffmann kommt auf Grundlage eines Vergleichs der militärischen Kapazitäten beider Seiten zu dem Schluss: „Die NATO ist Russland militärisch klar überlegen. […] Aufwendungen zur Absicherung vor äußeren Gefahren müssen mit jenen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und politischen Stabilität (Grundlagenforschung, Bildung, Infrastruktur, Wohnungsbau, Digitalisierung, Zuwandererintegration, Sozialpolitik) in ein rationales Verhältnis gebracht werden. Dies erfordert Augenmaß und kein Denken in überspannten Worst-Case-Szenarien.“ (jw)
Rheinmetall: Spatenstich
(13. Februar 2024)Mit viel Tamtam und Kanzler Olaf Scholz erfolgte der Spatenstich für ein neues Rheinmetall Munitionswerk in Unterlüß. Dort sollen künftig jährlich 200.000 Artilleriegranaten sowie bis zu 1.900 Tonnen RDX-Sprengstoff hergestellt werden, informiert der Konzern. Scholz kommentierte den Baubeginn laut tagesschau.de mit den Worten: „Wir müssen weg von der Manufaktur – hin zur Großserien-Fertigung von Rüstungsgütern“. (jw)
Kiesewetter: 300 Mrd.?
(13. Februar 2024)CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter fordert laut Süddeutscher Zeitung eine drastische Erhöhung des Sondervermögens der Bundeswehr: „ „Eine Erhöhung des Sondervermögens für die Bundeswehr würde ich nicht ausschließen. Es ist ja völlig klar, dass wir eher 300 statt 100 Milliarden benötigen, damit die Bundeswehr kriegstüchtig wird.“ (jw)
EU-Atomwaffen (II)
(13. Februar 2024)Die Debatte um europäische Atomwaffen zieht immer weitere Kreise, nun schließt sich auch die SPD-Spitzenkandidatin für die EU-Wahl den Forderungen an, berichtet Zeit Online: „Die SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Katarina Barley, bezweifelt, dass Europa durch den US-Atomschirm geschützt ist. ‚Angesichts der jüngsten Äußerungen von Donald Trump ist darauf kein Verlass mehr‘, sagte Barley dem Tagesspiegel. Auf die Frage, ob die EU eigene Atombomben brauche, antwortete die SPD-Politikerin: ‚Auf dem Weg zu einer europäischen Armee kann also auch das ein Thema werden‘.“ (jw)
SPD, IG Metall, BDSV
(13. Februar 2024)Da wächst zusammen, was eigentlich nicht zusammengehören sollte (aber sich schon seit Langem immer mehr annähert). Jedenfalls haben das Wirtschaftsforum der SPD, die IG Metall und die wichtigste deutsche Rüstungslobbyorganisation, der BDSV, ein gemeinsames Papier zur Stärkung der Rüstungsindustrie verbrochen: „Deutschland und Europa brauchen ein industriepolitisches Konzept zur Stärkung der SVI und zum Aufbau und zur Entwicklung eigener leistungsfähiger Verteidigungssysteme in den Dimensionen Land, Luft und See. […] Ein umfassendes industriepolitisches Konzept für die Verteidigungsindustrie existiert bislang nicht. Ein solches Konzept ist allerdings unverzichtbar, um die Leistungsfähigkeit der Industrie zu sichern und ihre Möglichkeiten zur Produktentwicklung und Produktproduktion relevanter Verteidigungssysteme in den Dimensionen Land, Luft und See zu ermöglichen.“ UPDATE: Das Papier ist zwischenzeitlich umgezogen und jetzt hier zu finden. (jw)
Ukraine: angeführt vom „Schlächter“?
(12. Februar 2024)Der Austausch des bisherigen Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, gegen den nun führenden General Olexander Syrskyj wird verschiedenen Medien zufolge mit Misstrauen in der ukrainischen Armee beäugt. Das deutsche Online-Magazin German Foreign Policy sammelte Beiträge, die nahelegen, der Neue sei „dafür berüchtigt, seine Soldaten rücksichtslos in hoher Zahl in den sicheren Tod zu schicken“, wie er es in seiner Rolle als Kommandant bei den Kämpfen um Bakhmuth getan habe. Dadurch habe seien ihm innerhalb des Militärs die fragwürdigen Titel „Schlächter“ und „General 200“, in Anlehnung an 200 in einer Operation gefallene Soldaten, verliehen worden.
Saluschnyj war im Herbst 2023 mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgefallen, als er öffentlich „die im Juni 2023 gestartete ukrainische Offensive für gescheitert und den Krieg für faktisch nicht mehr zu gewinnen erklärt hatte.“ Da er Zwischendurch mit 88% Zustimmung in der Bevölkerung sogar beliebter war als Selenskyj selbst mit 66%, mutmaßten verschiedene Zeitungen, er könne versuchen in der nächsten Wahl das Amt des Präsidenten streitig machen wollen. Die Wahl soll nun laut Selenskyj vorerst verschoben werden.
Springers internationales politisches Flaggschiff Politico zitiert einen ukrainischen Captain, der den Wechsel als „sehr schlechte Idee“ klassifiziert und einen Soldaten, der kaum ein Blatt vor den Mund nehmend so kommentierte: „We are all fucked.“
Ein ehemaliger ukrainischer Offizier in der Reserve veröffentlichte unter dem Namen Tatarigami_UA auf X:
„General Syrski’s leadership is bankrupt, his presence or orders coming from his name are demoralizing, and he undermines trust in the command in general. His relentless pursuit of tactical gains constantly depletes our valuable human resources, resulting in tactical advances such as capturing tree lines or small villages, with no operational goals in mind.“
Der personellen Entwicklung der ukrainischen Armee, die wohl nur noch über rund 35% der veranschlagten Kräfte verfügt und auf ein Durchschnittsalter von 43 Jahren komme, wird dies wohl kaum zuträglich sein. (pf)
NL: Rüstungsexport nach Israel gestoppt
(12. Februar 2024)Wie Al Jazeera berichtet, ordnete eine Gericht in den Niederlanden die Lieferung von F35-Teile an Israel einzustellen. Demnach hatten letztes Jahr bereits Menschenrechtsorganisationen in den Niederlanden der Regierung vorgeworfen, durch den Export der Kampfjetteile Mitschuld an Kriegsverbrechen und Völkerrechtsverletzungen Israels zu tragen. In der ersten Instanz wurde das Argument der Menschenrechtsorganisationen zurückgewiesen, „dass die Lieferung der Teile zu angeblichen Verletzungen des Völkerrechts durch Israel beigetragen habe.“ Auf den darauffolgenden Einspruch der Menschenrechtsorganisationen hat das Gericht nun beschlossen, die Lieferungen einzustellen. Erst im Januar hatte der Internationale Gerichtshof Israel aufgefordert, jegliche Aktivitäten in Gaza zu unterlassen, die einen Völkermord darstellen könnten. Doch anstatt eine Waffenruhe zu erklären, greift Israel weiterhin Gaza an.
Laut dem Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Oktober 2023 mehr als 28.340 Menschen getötet, davon 164 in den letzten 24 Stunden (11.-12.2.2024); mehr als 67.984 Menschen verwundet. Damit wurden rund 4,3% der Bevölkerung Gazas getötet oder verletzt. (ja)
Heusgen: Minsk III? (II)
(12. Februar 2024)Die Penetranz, mit der jüngste der nicht gerade als Putinversteher bekannte Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, die Notwendigkeit von Verhandlungen im Ukraine-Krieg betont, ist bemerkenswert. Nachdem er Anfang des Monats bereits einen Auftritt bei Mauischberger dazu hatte (Siehe IMI-Aktuell 2024/082), legte er nun nochmla u.a. bei ZDF.de nach: „Es darf nicht so ausgehen wie im Ersten Weltkrieg mit Hunderttausenden von Toten. Es ist deshalb richtig, dass man überlegt, wie man zu einer Verhandlungslösung kommt.“ Und weiter: „Und ich denke, man kann sich dabei durchaus am Minsker Abkommen orientieren“. (jw)
Militärausgaben und Sozialabbau
(12. Februar 2024)Der emeritierte Politikprofessor Christoph Butterwegge meldet sich in der Frankfurter Rundschau engagiert zur Frage von Militärausgaben und Sozialkürzungen zu Wort: „Widersinnig ist es, das Ausmaß der Rüstungsanstrengungen eines Landes vom Bruttoinlandsprodukt, also von seinem Wirtschaftswachstum, statt von der militärischen Bedrohungslage abhängig zu machen. Jedenfalls verstärkt Aufrüstung die soziale Ungleichheit, denn sie macht die Reichen reicher und die Armen zahlreicher. Hauptprofiteure der außen-, energie- und militärpolitischen Zeitenwende sind die Großaktionäre deutscher und US-amerikanischer Rüstungskonzerne. Dass ihr fast zwangsläufig eine sozialpolitische Zeitenwende folgt, wird zur Senkung des Lebensstandards der Bevölkerungsmehrheit führen.“ (jw)
NATO: Koordination Waffenlieferungen?
(10. Februar 2024)DTS berichtet unter Berufung auf das Handelsblatt über Pläne der NATO noch stärker ins ukrainische Kriegsgeschehen involviert zu werden: „In der Nato werden offenbar Pläne vorangetrieben, die Koordinierung der Waffenlieferungen für die Ukraine zu übernehmen. […] Die Nato hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine großen Wert daraufgelegt, dass es sich bei den Waffenlieferungen an die Ukraine um souveräne Entscheidungen der einzelnen Mitgliedstaaten handele – und diese kein Programm der Allianz seien.“ (jw)
ESG-Übernahme: Keine Bedenken
(9. Februar 2024)Das Kartellamt hat laut Süddeutscher Zeitung den Weg für die Übernahme der Rüstungselektronikfirma ESG durch das ebenfalls im Schwerpunkt in diesem Bereich tätige Unternehmen Hensoldt frei gemacht: „ESG wird bei der Übernahme mit einem Unternehmenswert von mindestens 675 Millionen Euro bewertet. Hensoldt will den Kauf mit einer Kapitalerhöhung und Schulden stemmen.“ (jw)
Saluschni: Laufpass
(9. Februar 2024)Schon lange gibt er Berichte über heftige Konflikte zwischen dem ukrainischen Präsidenten Selenski und seinem Armeechef Saluschni (siehe IMI-Standpunkt 2023/047). Die Entscheidung wird häufig im Zusammenhang mit den sinkenden Zustimmungswerten Selenskis gesehen, so etwa im Blick: „Während zuletzt gerade noch 62 Prozent der befragten Ukrainer angaben, dass sie auf Selenski zählen würden, sprachen 88 Prozent der Befragten Saluschni ihr Vertrauen aus. Der General veröffentlichte Meinungsbeiträge und schien sich als politische Figur für die eigentlich für dieses Jahr angesetzten Präsidentschaftswahlen ins Spiel zu bringen. Das passte Selenski offenkundig nicht. Wahlen will er dieses Jahr keine durchführen lassen.“ (jw)
Ukraine: IGH ermittelt Genozid
(8. Februar 2024)Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen (IGH) in DenHaag bestätigte am 2. Februar 2024 die Jurisdiktion in einer Klage der Ukraine gegenüber Russland zu haben, ob die Ukraine in Donezk und Luhansk die Genozid-Konvention von 1948 verletzt habe, wie die Washington Post berichtete. Ein Verfahren darüber, ob Russland die Konvention mit seinem Einmarsch darauf verletzt habe, wie die Ukraine einklagen wollte, könne das Gericht jedoch nicht einleiten. Der russische Angriffskrieg verletze internationales Recht und sei eine unlegitime Gewaltanwendung, dies jedoch nicht unter der Genozid-Konvention.
Das Gericht hatte Russland schon zu Anfang des Krieges aufgefordert den illegalen Angriffskrieg abzubrechen.
Die Ukraine begrüßte das Ergebnis. So könne nun bestätigt werden, dass die Ukraine keinen Genozid an der russischsprachigen Bevölkerung dieser Region verübt habe und ein russisches Kriegsnarrativ entkräftet werden. Das Rechtsteam der Ukraine am Gericht erwägt auch eine Klage unter der UN-Charta, in der die unlegitime Gewalt gegenüber einem anderen Staat geregelt ist.
Die russischen Verteidiger verließen den Raum wortlos. Einige Trostpreise gab es jedoch auch für sie: Das Gericht schloss, die legitime Anerkennung anderer Staaten sei ebenso in anderen Verträgen geregelt, und Russlands Anerkennung der beiden vorgeblichen Republiken im Donbass kein Genozid.
Ebenso wurde Russland schon drei Tage zuvor von den meisten Terrorismus-Klagen freigesprochen, die die Ukraine wegen der finanziellen Unterstützung der abtrünnigen östlichen Provinzen gegen es erhoben. Es hätte jedoch in die illegalen Geldflüsse von russischen Oligarchen ermitteln müssen und muss dies nachholen. Schadensersatz, wie es die Ukraine forderte, muss es jedoch nicht zahlen.
Jedoch habe Russland seit seiner Besetzung der Halbinseld Krim die ukrainische Sprache in dortigen Schulen nicht genügend gefördert und damit gegen die Konvention zur Eliminierung der rassistischen Diskriminierung verstoßen. (pf)
2,8 Mrd für Kopfhörer?
(8. Februar 2024)Wir Unternehmen-Heute berichtet, warnte der Bundesrechnungshof „die Haushälter des Bundestags vor einem Großvorhaben des Verteidigungsministeriums“. Genauer heißt es: „In einem als Verschlusssache eingestuften Bericht fordern die Prüfer, einen geplanten Auftrag für bis zu 203.000 moderne Gehörschutzkopfhörer mit Sprechfunktion mit einem Volumen von knapp 2,8 Milliarden dringend anzupassen, da dieser unwirtschaftlich sei.“ Dabei kritsiert der Rechnungshof, dass nur etwa ein Fünftel der Soldat*innen überhaupt mit Funkgeräten ausgestattet seien und dadurch erst die Sprechfunktion nutzen könnten. Ein Kopfhörer solle demnach einen Wert von etwa 2.000 oder 2.600 € kosten – die Planung läuft seit 2019 und der Bundestag muss noch seine Zustimmung geben. Ein kostpieliges Unterfangen: „[D]ie Kalkulation mit 2,8 Milliarden Euro umfasst die Beschaffung und Nutzung der Geräte bis 2051.“ Angesichts der Tatsache, dass momentan Sozialkürzungen im Raum stehen, um die steigenden Ausgaben für das Verteidigungsministerium zu blechen, ist es absurd, dass hier laut Rechnungshof ein Einsparpotenzial von 1,2 Mrd Euro besteht – für Kopfhörer, für Lärmschutz. (ja)
Beschaffungsbilanz
(8. Februar 2024)In der Europäischen Sicherheit & Technik findet sich Bilanz und Ausblick zur Zahl der vom Bundestag bewilligten bzw. zu bewilligenden Bundeswehr-Beschaffungsprojekte: „Von den 70 für 2023 angekündigten 25-Mio-Euro-Vorlagen wurden dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 55 Vorlagen zur Billigung zugeleitet. […] Nach inoffiziellen Informationen will das BMVg im ersten Halbjahr 2024 dem Haushaltsausschuss mehr als vierzig 25-Mio-Euro-Vorlagen vorlegen. Das könnte einen weiteren Schub für die Ausrüstung der Bundeswehr geben.“ (jw)
Senegal: Demokratie-Aus?
(7. Februar 2024)Der Senegal gilt seit langem als demokratischer Musterknabe Westafrikas, da er im Gegensatz zu allen Nachbarländern seit der formalen Unabhängigkeit von Frankreich noch keinen Putsch erfahren hat. Doch das allein ist noch kein Garant für eine echte Demokratie: immer wieder versuchen auch dort Staatschefs, sich durch Verfassungsänderungen oder den Ausschluss von Oppositionskandidaten weitere Amtszeiten zu sichern. Dem amtierenden Präsidenten Macky Sall fliegen solche Machenschaften derzeit auf der Straße um die Ohren: Zuletzt hat er das Parlament gebeten, die auf 25. Februar angesetzte Wahl zu verschieben, was ihm von der Opposition als Versuch ausgelegt wird, seine Amtszeit zu verlängern. . Am Montag bestätigte das Parlament, dass die Wahl auf den 15. Dezember verschoben würde.
Salls Begründung dafür verweist auf andere Unregelmäßigkeiten: Vor der Wahl, bei der er wegen der Amtszeitenbegrenzung nicht mehr antreten darf, sollten Unregelmäßigkeiten bei der Kandidatenliste und Korruptionsvorwürfe gegenüber des dafür verantwortlichen Verfassungsgerichts geklärt werden.
Zwei aussichtsreiche Kandidaten sind gesperrt: Einerseits der Sohn von Salls Vorgänger, Karim Wade, der die Verschiebung begrüßt, da sie seine Suspendierung wegen einer doppelten (französischen) Staatsbürgerschaft aufheben könnte. Und andererseits Ousmane Sonko, ein junger antikolonialer Politiker, der die enge Verflechtung der senegalesischen Politik und Wirtschaft mit der französischen Elite kritisiert. Seine Kandidatur-Sperrung wegen einer Verurteilung wegen Verführung der Jugend (nach einer öffentlichen Schlammschlacht, da er sich auf seine 20 jährige Frisörin eingelassen haben soll) wird wohl kaum aufgehoben, obwohl dies über das Jahr 2023 ein hin und her war.
Doch, wie François Conradie, Analyst bei Oxford Economics Africa, gegenüber Bloomberg sagte, war Sall überzeugt, sein auserwählter Nachfolger, Amadou Ba, würde gegen den nun durch Sonko unterstützten Kandidaten Bassirou Diomaye Faye von Sonkos Partei unterliegen. Doch auch dieser ist derzeit in den Händen der Justiz.
Wenn das antikoloniale Lager in der verschobenen Wahl gewinnen würde, könnte Frankreich ein weiteres Land in Westafrika und die damit verbundenen Einnahmen und strategischen Vorteile verlieren. (pf)
Sahelstaaten verlassen ECOWAS
(7. Februar 2024)Die seit Putschen zwischen 2020 und 2023 durch Militärjunten regierten westafrikanischen Staaten Mali, Burkina Faso und Niger, kündigten am 28. Januar an, „mit sofortiger Wirkung“ die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (englisches Kürzel: ECOWAS) verlassen zu wollen, wie beispielsweise die junge Welt berichtete. Zuvor hatten sie im Herbst die Militärallianz G5-Sahel verlassen, die zusammen mit der französischen Mission Barkhane verschiedene dschihadistische Gruppen im Sahel bekämpfte, und mit der Alliance des États du Sahel (AES) ein eigenes, bisher nur die drei Länder umfassendes, Verteidigungsbündnis gegründet, welches durch vertiefte Integration zu einer, andere Bereiche umfassenden, Regionalorganisation ausgebaut werden soll.
Die AES installierte auch eine Arbeitsgruppe, die die Möglichkeiten einer neuen geteilten Währung erarbeiten soll. Bisher benutzen alle drei Länder noch den, aus der Kolonialzeit stammenden und an den Euro gekoppelten westafrikanischen Franc (CFA), dessen Beibehalt Frankreich den Ländern bei der formalen Entkolonialisierung aufzwang. An dem damals austretenden Guinea statuierte es ein Exempel durch die weitreichende Zerstörung der Infrastruktur. Bis heute verdient Frankreich an den Reserven der Länder, die im Rahmen dieses Deals in der französischen Nationalbank lagern müssen, und durch vereinfachte Investition und Abnahmemärkte dank der Konvertibilität. Während Burkina Fasos regierender General Ibrahim Traoré schon öffentlich bekannt gab, einen Ausstieg aus dem CFA-Franc zu erwägen, versicherte Mali vorerst noch das Gegenteil. (pf)
Kriegsgefahr: Überbietungswettbewerb
(7. Februar 2024)Kein Tag vergeht derzeit ohne drastische Warnungen vor möglicherweise bald bevorstehenden russischen Angriffen auf NATO-Gebiet. „Polen bereitet sich auf Krieg mit Russland vor: ‚Rechne mit jedem Szenario‘“, titelt etwa der Merkur. Oder: „Plant Putin die nächste Eskalation? Dänischer Geheimdienst hält russische Militäraktionen auf Nato-Gebiet für ‚sehr wahrscheinlich‘“, eine Überschrift, die zum Beispiel beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zu finden ist. Immerhin kommt beim RND auch Ex-Nato-General Hans-Lothar Domröse zu Wort, der sich kritisch demgegenüber äußert: Er halte das für „aberwitzig“. Russlands Aufmerksamkeit und Kräfte seien zu sehr in der Ukraine gebündelt. „Ich habe sehr große Zweifel, ob Russland diesen Schritt wagen würde. Vor allem nicht, solange Joe Biden Präsident ist.“
Und die Kritik von Gerhard Mangott, Politikwissenschaftler und Russland-Experte der Universität Innsbruck, an den dänischen Warnungen könnte in ähnlicher Form sicher auch auf Deutschland übertragen werden: „Angst vor einem militärischen Angriff Russlands auf die Nato dient wohl auch dazu, Kriegsmüdigkeit in den europäischen Bevölkerungen aufzuhalten oder zurückzudrängen“, sagt Mangott: „Damit könnten dann dänische Militärhilfe für die Ukraine und erhöhte Ausgaben im dänischen Verteidigungshaushalt gerechtfertigt werden.“ (jw)
Manöver: Anstieg
(7. Februar 2024)Seit Jahren nehmen Manöver an Bedeutung zu (siehe hierzu den AUSDRUCK-Schwerpunkt März 2022). Aktuell stehen die Großmanöver Steadfast Jaguar und Quadriga auf dem Programm (siehe IMI-Analyse 2024/05). Auch in Zahlen schlägt sich dies laut einer DTS-Meldung nieder: „So sind im Jahr 2023 Gesamtkosten in Höhe von 251 Millionen Euro entstanden, wie aus der Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dagdelen (BSW) hervorgeht, über die die „Rheinische Post“ in ihrer Mittwochausgabe berichtet. 2022 lagen die Ausgaben noch bei knapp 190 Millionen Euro.“ (jw)
Moderate Verschlankung
(6. Februar 2024)Kürzlich wurde ein Brandbrief des Personalratsvorsitzenden Michael Richter bekannt, in dem eine Reform des Verteidigungsministeriums scharf kritisiert wurde – ohne dass allerdings Details bekannt geworden wären, was konkret verändert werden soll (siehe IMI-Aktuell 2024/085). Die werden nun von der FAZ geliefert, scheinbar geht es nur darum, einen überschaubaren Teil der in den letzten Jahren angehäuften Planstellen wieder zurückzubauen: „Seit 2017, also noch unter CDU-Ministerinnen, ist die Zahl der Beamtenstellen im Verteidigungsministerium um 39 Prozent gestiegen. […] Den Angaben zufolge wurden seit 2017 im Verteidigungsministerium 433 neue Planstellen geschaffen. […] Wie das Ministerium auf Nachfrage mitteilte, soll der Apparat durch die Organisationsreform zum 1. Februar 2024 um mehr als einhundert Dienstposten ‚verschlankt‘ werden.“ (jw)
Kosovo: Aufstockung
(6. Februar 2024)Unter Verweis auf Russland wird die Bundeswehr-Präsenz im Kosovo aufgestockt, berichtet Spiegel Online: „Die Bundeswehr baut ihre Präsenz im Westbalkan aus. Weitere rund 160 Soldatinnen und Soldaten sollen in das Kosovo entsendet werden. Verteidigungsminister Pistorius spricht von »klaren Signalen nach Moskau«.“ (jw)
Renk: KNDS-Einstieg
(6. Februar 2024)Voreiniger Zeit scheiterte der Börsengang des (Panzer-)Getriebebauers Renk (siehe IMI-Aktuell 2023/641). Wie Spiegel Online berichtet steigt nun der deutsch-französische KNDS-Zusammenschluss, bestehend aus Krauss-Maffei Wegmann und Nexter, als Ankeraktionärin ein: „Panzerbauer und Großkunde KNDS soll als Ankeraktionär an Bord kommen. Der Hersteller des »Leopard 2«-Panzers zeichnet bei der Privatplatzierung allein Renk-Aktien für 100 Millionen Euro und hat das Recht, später bis auf 25 Prozent aufzustocken.“ (jw)
Einkaufsliste
(6. Februar 2024)Bei DefenceNetwork findet sich ein Artikel mit einem „guten“ Überblick über die Rüstungsprojekte, die im ersten Halbjahr 2024 angeschoben werden sollen: „Zu diesen Großvorhaben zählen beispielsweise der Schwere Waffenträger Infanterie, Boxer Skyranger, zwei zusätzliche Fregatten F126, bis zu 191.000 Sprechsätze mit Gehörschutz, mehrere Vorhaben für den Eurofighter sowie für D-LBO.“ (jw)
Eurodrohne: Teurer, später…
(6. Februar 2024)Auf den 18. Rüstungsbericht der Bundesregierung hatten wir ja bereits kurz hingewiesen (siehe IMI-Aktuell 2024/070). Aufgeführt ist darin u.a. auch die waffenfähige Eurodrohne, mit der wir uns schon seit einiger Zeit beschäftigen (siehe zB IMI-Studie 2016/2). Als Liefertermin wurde ursprünglich 2025 ausgegeben, zuletzt war von 2029 die Rede (IMI-Standpunkt 2021/043). Aufgrund vertraglicher „Mängel“ war zudem recht wahrscheinlich, dass der Kostenrahmen nicht würde eingehalten werden können (siehe IMI-Standpunkt 2021/015b). Das Reservistenmagazin loyal weist nun in einem Tweet unter Verweis auf den besagten Rüstungsbericht nun tatsächlich auf Verzögerungen und Kostensteigerungen hin: „Bei der Entwicklung der #Eurodrohne hakt es. Laut neuestem #Rüstungsbericht verzögert sich die Auslieferung von 2029 (geplant) auf 2030. Außerdem wird das Projekt um 38 % (1.392 Mio. Euro) teurer – gemessen an der ersten parlamentarischen Befassung.“ (jw)
Deutsche Bombe?
(5. Februar 2024)Der nächste, dem Raum gegeben wird, um öffentlich eine deutsche oder zumindest europäische Atombombe zu fordern, ist Airbus-Verwaltungsratschef René Obermann bei Zeit Online. Unter der Überschrift „Ist Deutschland reif für die Bombe?“ wird er folgendermaßen zitiert: „In Europa verfügen nur die Franzosen und die Briten über eine eigene Atomstreitmacht. Eine Frage könnte lauten: Gibt es die Möglichkeit, hier eine europäische Sicherheitsarchitektur zu entwerfen, auch mit deutscher Beteiligung? […] Auch wenn dafür rechtlich derzeit keine Voraussetzung gegeben ist, Deutschland wird über kurz oder lang gezwungen sein, im Rahmen einer europäischen nuklearen Sicherheitsarchitektur mehr Verantwortung zu übernehmen – über die heutige sogenannte nukleare Teilhabe hinaus.“ (jw)
Personal: Statistiken
(5. Februar 2024)In der Faz findet sich ein Artikel, mit einer Menge Informationsmaterial über diverseste Aspekte der Bundeswehr-Personalsituation. So etwa die Anzahl unbesetzter Stellen (16,3%), das Durchschnittsalter (33,5 Jahre; 2010: 28,5) oder auch die Frauenquote: „Die Frauenquote in der Bundeswehr ist in den vergangenen 20 Jahren kräftig auf gut 13 Prozent gestiegen. Das ist allerdings immer noch niedrig im Vergleich zum Frauenanteil in Behörden und Unternehmen.“ (jw)
Minderjährige: Rekord
(5. Februar 2024)Zum Jahresende lag die Zahl der Soldat*innen laut Augengeradeaus mit 181.500 rund 1.500 unter der des Vorjahrs. Gleichzeitig kletterte die Anzahl Minderjähriger auf ein Rekordniveau, schreibt die Welt: „Die Zahl der minderjährigen Rekruten bei der Bundeswehr ist 2023 auf ein Rekordhoch gestiegen. Von den 18.802 Soldatinnen und Soldaten, die 2023 ihren Dienst bei der Bundeswehr angetreten haben, waren 1996 bei ihrem Dienstantritt erst 17 Jahre alt und damit minderjährig. Das entspricht 10,6 Prozent aller neu eingestellten Soldatinnen und Soldaten.“ (jw)
Umbau: Ablehnung
(3. Februar 2024)Ein Umbau der Organisationsstruktur des Verteidigungsministeriums trat am 1. Februar in Kraft. Wenig Begeisterung dafür legt der Gesamtpersonalrat (GPR) in einem Schreiben des Personalratsvorsitzenden Michael Richter an den Tag, aus dem Spiegel Online zitiert: „Es ist uns wichtig, Ihnen und den Beschäftigten mitzuteilen, dass der GPR die Entscheidungen zur Neuorganisation des Ministeriums nicht mitträgt […] Darüber hinaus stellen wir auch eine erhebliche Unruhe und Unzufriedenheit unter den Angehörigen des BMVg fest“. (jw)
Rüstung: Abnahmegarantien?
(2. Februar 2024)Stichwort Kriegswirtschaft (dazu wird’s in absehbarer Zeit auch ausführlichere IMI-Analysen geben) – Spiegel Online berichtet über Pläne für Abnahmegarantien für die Industrie, um hohe Produktionskapazitäten zu garantieren: „Scholz will die Produktionskapazitäten der deutschen Rüstungsindustrie ausweiten. […] Die Bundesregierung will das Problem nun lösen, indem sie der Industrie langfristige Abnahmegarantien gibt. Eine Möglichkeit hierzu wären Bestellungen mit anderen EU-Partnern. Die Rüstungskonzerne sollen zusätzlich Geräte und Geschosse künftig auch auf Vorrat produzieren dürfen, damit sie im Ernstfall sofort verfügbar sind. Diese Pläne setzen jedoch eine Abkehr von der restriktiven Rüstungspolitik voraus. Ohne Gesetzesänderungen wird es nicht gehen, heißt es in der Bundesregierung.“ (jw)
Nach dem Fuchs ist vor dem Boxer
(2. Februar 2024)In der Presse wird aktuell über eines der größten Auslandsgeschäfte von Rheinmetall berichtet und Algerien nun eine Option in dreistelliger Millionenhöhe gezogen haben soll. Wie das Handelsblatt berichtet, hofft Rheinmetall nach dem Transportpanzer Fuchs auch Radpanzer an das Land verkaufen zu können: „Insgesamt wird das Geschäft mit Algerien früheren Angaben zufolge auf 2,7 Milliarden Euro taxiert. Für den Konzern wäre es einer der größten Aufträge aus dem Ausland. Der letzte Fuchs-Panzer soll im algerischen Werk im Jahr 2028 vom Band laufen. Das dürfte allerdings nicht das Ende der Kooperation sein: Die Regierung in Algier erwägt die Anschaffung weiterer Panzer. Im Gespräch soll dabei der Radpanzer Boxer sein, der moderner als der Fuchs ist.“ (jw)
Heusgen: Minsk III?
(2. Februar 2024)Eigentlich fiel der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, in letzter Zeit eher durch markige Sprüche auf. Dass er nun bei Maischberger die Notwendigkeit einer Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg ins Spiel brachte, ist aus diesem Grund durchaus erwähnenswert: „Wir haben ja eine ähnliche Situation 2014/2015 gehabt, wo es dann zu einem Abkommen gekommen ist, wo man dann das Minsker Abkommen geschlossen hat, wo zumindest für einige Jahre Ruhe war. Und da können wir vielleicht drüber sprechen. Wir sind noch nicht so weit, aber wir müssen natürlich gucken, wie können wir diesem Sterben ein Ende setzen, wie können wir doch zu irgendwie einem Waffenstillstand kommen. (…) Wir müssen ja sehen, dass wir irgendwann zu einer Situation kommen, wie wir sie 2015 hatten. Seinerzeit, 2015, hat ja Putin Poroschenko als Präsidenten akzeptiert. Die saßen zusammen.“ (jw)
Rotes Meer: Abfahrt
(2. Februar 2024)Völlig ungerührt angesichts der Tatsache, dass bislang keinerlei Bundeswehr-Mandat vorliegt, soll die Fregatte Hessen nächste Woche in See stechen, um sich dann in die ebenfalls noch nicht beschlossene EU-Operation Aspides einzuklinken, die am 19. Februar beginnen soll. Zeit Online schreibt: „Die Bundeswehr-Fregatte Hessen soll als Teil der deutschen Beteiligung an einem EU-Militäreinsatz zur Sicherung der Handelsschifffahrt im Roten Meer kommende Woche in See stechen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, soll das Schiff am 8. Februar von Wilhelmshaven aus auslaufen und so Ende des Monats das Einsatzgebiet erreichen.“ (jw)
Grüne Armeen?
(2. Februar 2024)Auch das Analyse- und Rechercheteams des EU-Rates hat das Thema CO2 und Armeen für sich entdeckt, nur natürlich anders als zum Beispiel das IMI-Factsheet zum Thema. Interessant aber an der Ankündigung der Studie „Greening the armies. Is a sustainable approach to national defence possible?” ist schon, dass ein Problem mit CO2-Emmissionen des Militärs und der diesbezüglichen Berichtspflicht eingestanden wird: „Das Militär ist nicht dazu verpflichtet, Informationen über seinen ökologischen Fußabdruck offenzulegen, es ist jedoch für bis zu 5,5 % der gesamten weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.“ Dann geht es aber vor allem darum, wie „Klima- und Verteidigungsprioritäten miteinander in Einklang gebracht werden können“ – spoiler: von Abrüstung ist da nicht die Rede. Die englische Studie findet sich hier. (jw)
IGH zu Gaza: Aufruf
(1. Februar 2024)In unregelmäßien Abständen schickt uns Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes, ausgewählte und durchweg lesenswerte Presseberichte zu den Kriegen in der Ukraine und Gaza zu – wofür wir uns auch an dieser Stelle bedanken möchten. Aktuell verweist er auch auf mehrere Beiträge im Kontext der kürzlichen Entscheidung des IGH zu israels Vorgehen in Gaza.
Darunter ein Beitrag auf zdf.de mit dem Titel „Deutsche Waffen für 20 Millionen an Israel“. Darin heißt es u.a.: „Das für Waffenexporte zuständige Wirtschaftsministerium erklärte im November, dass als Konsequenz aus den Terrorattacken „Anträge auf Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel prioritär bearbeitet und beschieden“ würden. Der größte Teil der Genehmigungen ging nach früheren Angaben auf die Zeit nach dem 7. Oktober zurück.“
Verwiesen wird auch auf einen Beitrag im IPG-Magazin der Friedrich Ebert Stiftung. Darin Urteilt Kenneth Roth: „Mit seinem Entscheid im Verfahren um Südafrikas Völkermordklage stellt der Internationale Gerichtshof (IGH) sich mit Macht gegen Israels Verweigerungshaltung. Mit überwältigender Mehrheit erklärte das Gericht die Klage für „plausibel“ und ordnete Sofortmaßnahmen an. Diese seien erforderlich, um zu verhindern, dass Israel mit seinem weiteren Vorgehen in Gaza ‚irreparable Schäden‘ verursacht und die Rechte verletzt, die den Palästinensern aufgrund der Völkermordkonvention zustehen. […] Mit seiner Entscheidung weist der Gerichtshof auch Israels westliche Unterstützer in die Schranken. Die Biden-Administration hatte das Verfahren als ‚wertlos‘ bezeichnet, die britische Regierung nannte es ‚unsinnig‘. Mit 15 zu 2 Stimmen kamen die Richter zu einem anderen Urteil.“
Dazu passend der Hinweis auf einen offener Aufruf internationaler humanitärer Organisationen an alle UN-Mitgliedsstaaten“, die Lieferung von Waffen, Waffenteilen und Munition an Israel und bewaffnete palästinensische Gruppen unverzüglich einzustellen, solange das Risiko besteht, dass sie eingesetzt werden, um schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht oder die Menschenrechte zu begehen oder solche zu erleichtern.“
FCAS: Aktion!
(1. Februar 2024)Matthias Monroy berichtet für das Neue Deutschland über den Start einer neuen Kampagne gegen das Mammut-Rüstungsprojekt „Future Combat Air System“ FCAS. „Sie zielt auf die Abgeordneten des Bundestages, die über die Milliardenausgaben noch abstimmen müssen“. Illustriert ist der Artikel mit dem Bild einer kleinen, aber aussagekräftigen Aktion vor dem deutschen Parlament. Die IMI hat kürzlich ebenfalls auf zwei Studien zum FCAS hingewiesen und bereits vor einem Jahr am Beispiel Stuttgart dargestellt, wie FCAS auch auf lokaler Ebene dazu beitragen kann, die Industrie- und Hochschullandschaft zu transformieren.
Ukraine: Training
(1. Februar 2024)EUAM lautet das Kürzel der EU-Mission, in deren Rahmen zehntausende ukrainische Soldaten für den Krieg gegen Russland nicht zuletzt in Deutschland ausgebildet werden, obwohl es zumindest strittig ist, ob damit nicht die Schwelle zu einer Kriegsbeteiligung überschritten wird (siehe IMI-Analyse 2023/07). Laut Welt, sollen in diesem Jahr noch einmal enorme Anstrengungen in diesem Bereich unternommen werden: „Rund 40.000 ukrainische Soldaten sind bereits in der EU ausgebildet worden. Deutschland will noch in diesem Jahr weitere 10.000 trainieren. […] Nach Angaben der Bundeswehr waren zuletzt durchschnittlich rund 1500 Bundeswehrangehörige an der Mission beteiligt. […] Ein Bundestagsmandat gibt es für den Einsatz nicht, da er keinen Einsatz bewaffneter Streitkräfte im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes darstellt.“ UPDATE: Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland findet sich die zusätzliche Information, dass von allen EU-Ländern zusmamen 20.000 Soldaten bis zum Sommer ausgebildet werden sollen. (jw)
Rotes Meer: Problematisch
(1. Februar 2024)Interessanterweise äußert sich ausgerechnet der sonst eher hartgesottene Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik bei Spiegel Online durchaus skeptisch gegenüber dem geplanten EU-Militäreinsatz im Roten Meer. So fehle es an einem klaren politischen Ziel, vor allem aber äußert er die Kritik, mit dem Einsatz gehe man eine strategische Partnerschaft mit Saudi Arabien ein: „Mit der Beteiligung an einem solchen Einsatz übernähme die Bundesregierung nicht zuletzt die saudische Lesart der regionalen Entwicklungen: Die Huthis hätten sich mit iranischer Unterstützung in den vergangenen Jahren zu einem destabilisierenden Faktor entwickelt, der nicht mehr nur Saudi-Arabien bedrohe, sondern dessen Angriffe sich mittlerweile gegen die internationale Gemeinschaft richteten. Dagegen müsse sich das Land verteidigen, was auch die Unterstützung westlicher Staaten verdiene. […] Riad wird damit vom Paria der deutschen Außenpolitik zum strategischen Partner […]. Wer die deutsche Teilnahme an Aspides befürwortet, wird auch diesem Kurswechsel bei Rüstungsexporten zustimmen müssen. Es sind zwei Seiten derselben politischen Medaille.“ (jw)
Angriffe in der Tiefe des Raums
(1. Februar 2024)Das Fachportal hartpunkt.de berichtet über einen Vortrag von Lutz Kohlhaus, dem stellvertretenden Inspekteur der Luftwaffe, bei der DWT-Tagung „Perspektiven der Verteidigungswirtschaft“ in Bonn. Es habe sich gezeigt, dass man auch zu Schlägen in der Tiefe des russischen Raums fähig sein müsse – nur zur Verteidigung versteht sich (was Moskau allerdings halt nicht wissen kann): „Da in einem potenziellen Krieg nicht davon ausgegangen werden kann, dass die NATO immer in der Lage sein wird, den eigenen Luftraum vollständig zu schützen, wird es nach Aussage des Luftwaffen-Generals in Zukunft erforderlich sein, das offensive Luftkriegspotenzial des Gegners bereits auf seinem eigenen Territorium zu zerstören. In diesem Zusammenhang werde in der NATO das Thema ‚Deep Precision Strike‘ umfassend diskutiert.“ (jw)
Spiegel: 56 Mrd. Loch?
(31. Januar 2024)Pünktlich und pflichtschuldig zur heutigen Bundestagsdebatte über den Verteidigungshaushalt meldet der Spiegel völlig unseriös, die Bundeswehr stehe vor einem „finanzpolitischen Abgrund“, einer Lücke von 56 Mrd. Euro. Dieser Betrag fehle 2028, wenn das Sondervermögen aufgebraucht sei, so die internen Finanzbedarfsanalyse des Verteidigungsministeriums. Dabei handelt es sich allerdings um nichts anderes als ein Bundeswehr-Wunschetat, für den nun 107,8 Mrd. Euro in den Raum geworfen wurden. Das sind immerhin noch einmal 10 Mrd. Euro mehr als die 97 Mrd. Euro, auf die 2028 2% des BIP geschätzt werden. Wie sich diese Mondzahl zusammensetzt, erschließt sich aus dem Artikel nicht. Die progostizierte Deckungslücke von 56 Mrd. Euro kommt deshalb zustande, weil die aktuelle Mittelfristige Finanzplanung für 2027 bislang den Betrag von 51,9 Mrd. Euro vorsieht und das Sondervermögen 2028 nicht mehr zur Verfügung steht, um den Haushalt aufzustocken (der Spiegel macht sich zudem auch noch die Auffassung der Bundeswehr zu Eigen, dass die Ausgaben nach NATO-Kriterien in anderen Haushalten hier ausgeblendet werden sollten). Das Blatt webt damit an dem Stimmungsteppich mit, der letztlich darauf abzielt, massive Sozialkürzungen zugunsten der Militärausgaben den Weg zu bereiten (eine ausführliche Analyse folgt in den nächsten Tagen). (jw)
Friedensfazilität: Erhöhung?
(31. Januar 2024)Nachdem über die Europäische Friedensfazilität (EFF) zu einem zentralen Instrument für die Finanzierung von Waffenlieferungen an die Ukraine wurde, wurde das Budget (bis 2027) kontinuierlich von 5,7 Mrd. auf 12 Mrd. Euro erhöht. Ungarn blockiert seither eine weitere Aufstockung, der Fachdienst Bruxelles2 meldet allerdings, es bahne sich eine Lösung an. Das Prinzip der konstruktiven Enthaltung solle erweitert werden, um es Ungarn zu ermöglichen seinen EFF-Anteil anderen Ländern zukommen zu lassen. Im Raum stünden zunächst einmal weitere 5 Mrd. Euro mit einer Entscheidung sei beim Europäischen Rat am 21./22. März zu rechnen. (jw)
MSC: Hinterzimmer
(31. Januar 2024)Zum 60ten Mal findet – diesmal vom 16.-18. Februar – die Münchner Sicherheitskonferenz statt. Die Agenda wurde von Konferenzleiter Christoph Heusgen laut Europäischer Sicherheit & Technik mit folgenden Worten skizziert: „Neben zahlreichen anderen Herausforderungen haben wir einen Krieg in Europa, dessen Verlauf bestimmend für die Zukunft unserer regelbasierten Ordnung und der europäischen Sicherheitsarchitektur sein wird“, so Heusgen, und „daher wird die transatlantische Unterstützung für die Ukraine ein zentrales Thema auf der Konferenz sein.“ Verständigt wird sich dabei vor, vor allem aber hinter den Kulissen, wie zu Recht kritisiert wird: „Das erfahrene MSC-Team geht fest davon aus, dass das Interesse, sich abseits der öffentlichen Wahrnehmung in den Hinterzimmern des Bayrischen Hofes austauschen zu können, größer sein wird, als je zuvor.“ (jw)
US-Rüstungsexporte: Rekord
(30. Januar 2024)Das Handelsblatt berichtet über einen Rekord der US-Rüstungsexporte: “Die Rüstungsexporte der USA haben im vergangenen Jahr ein Rekordvolumen erreicht. Der Gesamtwert sei um 16 Prozent auf 238 Milliarden Dollar gestiegen“. (jw)
Stavridis: Verhandlungsperspektive
(30. Januar 2024)Die Berliner Zeitung berichtet über Einschätzungen des ehemaligen US-NATO-Oberbefehlshabers in Europa, James Stavridis: „‘Ich denke, gegen Ende dieses Jahres, wahrscheinlich nach den US-Wahlen, haben wir einen Moment für mögliche Verhandlungen‘ […] Der Konflikt werde enden ‚wie der Korea-Krieg, was bedeutet, dass Russland wahrscheinlich immer noch die Kontrolle über einen Teil der Ukraine, die Krim und die Landbrücke nach Russland haben wird‘, sagte Stavridis.“ (jw)
Geodaten: Dual use
(30. Januar 2024)Den Dual-use-Charakter von per Satelliten erhobener Geodaten veranschaulicht der General Michael Traut vom Weltraumkommando in Uedem sehr „schön“ in der Freien Presse Chemnitz: „Es gibt so gut wie nichts im Weltraum, das ich nicht auch militärisch einsetzen kann. Der Landwirt, der auf einem Satellitenbild die Fruchtbarkeit und die Feuchtigkeit seines Bodens beurteilt […]. Genau mit demselben Bild können Sie feststellen, ob der Boden mit schweren Fahrzeugen befahrbar ist.“ (jw)
Bundeswehr: 18. Rüstungsbericht
(30. Januar 2024)Der mittlerweile 18. Rüstungsbericht der Bundeswehr ist erschienen. Ihm zufolge sollen im kommenden Jahr 21.955 Mrd. Euro (19,17 Mrd. Euro aus Sondervermögen und 2.78 Mrd. Euro) für Rüstungsinvestitionen ausgegeben werden – auch in den kommenden Jahren soll dieser Wert konstant über 20 Mrd. Euro liegen. Im Jahr 2022 wurden in diesem Bereich noch 8,86 Mrd. Euro ausgegeben, 2018 waren es sogar „nur“ 4,78 Mrd. Euro. Kernstück des Berichtes ist weiter die Darstellung der größten Bundeswehr-Beschaffungsprojekte, ihrer Verzögerungen und Kostensteigerungen. Demzufolge wiesen die untersuchten Vorhaben zusammen eine Verspätung von durchschnittlich 29 Monaten bei und Gesamtkostensteigerungen von 14,18 Mrd. Euro auf – im 17. Rüstungsbericht waren es noch 11,84 Mrd. Euro (siehe dazu und auch etwas ausführlicher zu den Rüstungsberichten IMI-Standpunkt 2023/21). (jw)
Panzer statt Kitas
(29. Januar 2024)Auch in anderen Ländern nimmt die „Sozialabbau-für-Rüstung-Debatte“ fahrt auf. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über Finnland und die mutmaßliche Funktion der massiven Warnungen vor einem russischen Angriff: „Sie seien, sagt die finnische Verteidigungsexpertin Ålander, wohl vor allem ein ‚Weckruf‘ an die Bevölkerungen in Europa – ein Versuch, argumentativ die Grundlage dafür zu legen, dass künftig mehr Geld für Rüstung ausgegeben werden müsse, das dann vielleicht für andere Dinge fehle: ‚Panzer oder Kindergärten – diese Debatte wird die Gesellschaften belasten‘, sagt Ålander.“ (jw)
Myanmar: Chinesischer „Waffenstillstand“?
(29. Januar 2024)Ein Anfang des Monats durch China vermittelter Waffenstillstand zwischen der burmesischen Armee und der Three Brotherhood Alliance, „an alliance between the Arakan Army, Myanmar National Democratic Alliance Army, and the Ta’ang National Liberation Army formed in June 2019 and supported by the pro-democracy civilian-led government and defense forces“, scheint wie Tommy Walker für die Deutsche Welle berichtet, von beiden Seiten gebrochen zu werden.
Zuvor hätten die gegen das seit einem Putsch regierende Militär rebellierenden Kräfte ihr Ziel, die ganze Provinz Laukkai einzunehmen, erreicht. Dies sei auch im Interesse Chinas, welches neben einem Ende der Aufnahme von Geflüchteten aus dem Kriegsgebiet und Renormalisierung des Handels wohl auch eine Bekämpfung von cyberkriminellen Gruppen, die chinesische Staatsbürger in die Region verschleppten oder lockten und in Sklaven-ähnlichen Zuständen für ihre kriminellen Geschäfte arbeiten ließen. Die Militärregierung habe sich demnach nicht genügend für eine Lösung des Problems eingesetzt.
Die paramilitärischen Gruppen wollen den Kampf gegen die Militärjunta jedenfalls trotzdem weiterführen. China galt lange als prominentester Unterstützer letzterer. (pf)
Großbritannien: US-Atomwaffen
(27. Januar 2024)Die FAZ berichtet über Pläne zur Stationierung weiterer US-Atomwaffen in Europa: „Vor 15 Jahren haben die USA ihre Atomwaffen aus Großbritannien abgezogen. Wie die britische Zeitung ‚The Telegraph‘ berichtet, sollen diese nun zurückkehren.“ (jw)
Spiegel: Rüstung durch Sozialabbau
(27. Januar 2024)Seit einiger Zeit wird einer fiesen Debatte der Weg bereitet, in der die Notwendigkeit hoher Militärausgaben als Argument für massive Sozialkürzungen ins Feld geführt wird (siehe IMI-Studie 2023/02). In seiner heutigen Ausgabe zieht auch der Spiegel das Thema prominent hoch. Zunächst wird in dem Artikel beschrieben, dass das Bundeswehr-Sondervermögen 2027 aufgebraucht sein dürfte und spätestens 2028 eine massive Erhöhung des Militärhaushaltes notwendig wäre, um die anvisierten 2% des BIP Militärausgaben zu erreichen. Abgebildet werden müsse dies bereits in der nächsten Mittelfristigen Finanzplanung, die in wenigen Monaten vorliegen und erstmals bis zum Jahr 2028 reichen werde.
Dazu wird Verteidigungsminister Boris Pistorius mit den Worten zitiert: „Wir haben die Zusage des Kanzlers, dass wir bis in die 2030er Jahre hinein mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts in die Verteidigung investieren. Also ausdrücklich auch dann, wenn das Sondervermögen ab 2027 aufgebraucht sein wird.“ Er verstehe ja diejenigen, „die nicht so viel Geld für Waffen und Munition ausgeben wollen“ – aber: „Am Ende geht es darum, dass wir in dieser Phase der Bedrohung neue Prioritäten setzen.“
Woher das Geld – 25 bis 35 Mrd. Euro – stammen soll, weiß Finanzminister Christian Lindner auch schon, der dem Spiegel zufolge diese Steilvorlage gerne aufgriff: „Kürzlich war Finanzminister Lindner im Verteidigungsausschuss des Bundestags zu Gast. In der vertraulichen Sitzung verriet der Major der Reserve, woher er das fehlende Geld für Waffen und Ausrüstung der Bundeswehr gern nehmen würde: aus dem Sozialetat. Hier gebe es Einsparpotenziale, die Freiräume für Wehrausgaben eröffnen würden, sagte Lindner laut Teilnehmern.“ (jw)
IGH: Gaza (Baerbock)
(26. Januar 2024)Nach der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs über den Eilantrag Südafrikas im Rahmen einer Klage wegen mutmaßlichen Völkermords in Gaza gegenüber Israel stellen auch im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Großteil der Kommentator*innen fest, dass das „Weltgericht“ offenbar hinreichend plausible Argumente, Hinweise oder das Risiko eines Völkermordes erkennt, um das Verfahren in der Hauptsache zu eröffnen – das sich vermutlich Jahre hinziehen wird. Ein sofortiger Stopp der Kampfhandlungen wurde hingegen nicht angeordnet, wohl aber die Sicherung von Beweisen, die auf einen Völkermord hindeuten und die Sanktionierung von Aussagen hochrangiger Politiker(*innen?), die hierzu aufgerufen haben könnten.
Auch die deutsche Außenministerin Baerbock wird in der Folge, hier bei zdf.de mit einer Reaktion zitiert: „Deutschland werde Israel weiter ‚mit aller Kraft unterstützen'“. Zugleich habe sie darauf hingewiesen, dass die „Vorgaben des Internationalen Gerichtshofs (IGH) … ‚völkerrechtlich verbindlich'“ seien und „Israel auch ‚dringend mehr humanitäre Hilfe nach Gaza … lassen'“ müsse. Man muss der ansonsten eher unbeholfenen deutschen Außenministerin hier ein glückliche Positionierung zuerkennen: Sich zugleich zum Völkerrecht zu bekennen und einem Staat, gegen den wegen mutmaßlichem Völkermord ermittelt wird, volle Unterstützung zuzusagen. Ein zähneknirschendes „Chapeau“ – diesmal nicht ironisch gemeint (vgl. IMI-Aktuell 2024/035) – hierfür.
Weitere Reaktionen und Einschätzungen werden vom Tagesspiegel zusammengefasst.
Gaza: IGH (IV)
(26. Januar 2024)Der Internationale Gerichtshof hat sein Urteil im Eilverfahren zum von Südafrika erhobenen Vorwurf eines Völkermordes durch Israel in Gaza heute (26.1.2024) verkündet. Anders als von einigen erhofft, hat es keine sofortige Waffenruhe angeordnet – wohl aber andere Maßnahmen, wie einen verbesserten Schutz von Zivilist*innen, besseren Zugang zu Hilfsgütern und öffentlicher Infrastruktur, eine Strafverfolgung gegen Aufstachelungen zum Völkermord (welche das Gericht damit zu erkennen scheint) und einen Bericht über die Umsetzung dieser Maßnahmen binnen eines Monats.
Wie viele Medien in Deutschland hervorheben, stellt dieses Urteil noch keine Entscheidnung in der Hauptsache – dem Vorwurf eines Völkermordes – dar. Auch die vorsitzende Richterin betonte mehrfach, dass diese Entscheidung noch keine Vorentscheidung in der Hauptsache wäre. Die Klage wurde aber auch nicht, wie von Israel beantragt, als unbegründet zurückgewiesen. Stattdessen wurde an mehreren Stellen betont, dass die Vorwürfe hinreichend plausibel wären, um verhandelt zu werden. Besonders deutlich wurde dies an der Stelle, an der das Kriterium der Dringlichkeit diskutiert wurde als Voraussetzung dafür, dass der IGH im Eilverfahren überhaupt Maßnahmen – wohlgemerkt: im Rahmen der Völkermordkonvention – anordnen kann. Auch hier zeigte sich, dass der IGH zumindest aktuell die Gefahr/Möglichkeit eines Völkermordes erkennt. Das könnte und sollte durchaus Auswirkungen z.B. auf die militärische Unterstützung Deutschlands und anderer Verbündete haben. Ebenso die implizit getroffene Einschätzung, dass hochrangige Politikers und Militärs Aussagen getroffen haben, die als Aufstachelung zum Völkermord gewertet werden können und sanktioniert werden müssen.
Nachtrag: Die Niederschrift der Entscheidung ist mittlerweile hier veröffentlicht.
Bayerisches Bundeswehrgesetz (III)
(26. Januar 2024)Mit einem „Gesetz zur Förderung der Bundeswehr“ versucht Bayern die Speerspitze der Militarisierung in Deutschland zu werden. Das Gesetz, das bereits das Kabinett passierte, sieht vor, dass der Austausch zwischen Wissenschaft und Wehrtechnik gefördert wird und dafür lästige Dinge wie Zivilklauseln unterbleiben müssen. Damit auch soldatischer Nachwuchs entsteht soll die Frequenz in der Uniformträger an Schulen auftreten, erhöht, ihr Zugang zu Veranstaltungen der beruflichen Orientierung, erleichtert und gefördert werden. Damit die „Drehscheibenfunktion“ Deutschlands für die NATO gestärkt wird, sollen alle Behörden und Ebenen die Verteidigung „mitdenken“ und stärker (positiv) berücksichtigen. Mögliche bürokratische Hürden (lästige Bauvorschriften, Umweltüberlegungen, Naturschutz,..) sollen für den Ausbau im militärischen Bauen ausgesetzt werden – selbst der Denkmalschutz darf im Hinblick auf militärische Anforderungen geschliffen werden. Postwendend regt sich Protest. Die GEW beklagt die Aufweichung des Beutelsbacher Konsens und fordert Friedensbildung und Zivilklauseln: „Die GEW fordert die Landesregierung auf, entsprechende Passagen im Kooperationsabkommen zu kündigen, statt den Einsatz von Militär im Klassenzimmer noch weiter auszubauen.“ (as)
Burkina Faso: Russische Truppen
(26. Januar 2024)N-tv berichtet über die Landung russischer Truppen in Burkina Faso: „Am Mittwoch hatte eine pro-russische Gruppe auf Telegram von 100 Soldaten berichtet, die zum Schutz des Machthabers Ibrahim Traore und des Volkes in Burkina Faso angekommen seien. Weitere 200 sollten folgen, berichtete der Kanal Afrikakorps, der nach eigener Darstellung dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt ist.“ (jw)
Einsamer Rufer
(26. Januar 2024)Im Tagesspiegel (via Bpb-Newsletter) meldet sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Müller zu Wort, neben Aufrüstung andere Aspekte wenigstens nicht völlig zu vergessen: „Die Menschheit steht am Scheideweg. Den multiplen Krisen durch zwischen- und innerstaatliche Konflikte und der dadurch vorhandenen Gefahr der Eskalation können nicht nur höhere Verteidigungsausgaben entgegengesetzt werden. Das wird nicht reichen. Die zurzeit notwendige Aufrüstung kann nur dann der richtige Weg sein, wenn wir parallel an politischen Formaten der Annäherung und Deeskalation arbeiten. (…) Es bleibt (…) die historische Verantwortung Deutschlands, alle diplomatischen Instrumente für Friedensinitiativen auszuschöpfen und zu Abrüstungs- und Rüstungsbegrenzungsabkommen aktiv beizutragen.“ (jw)
LVS NNbS
(26. Januar 2024)Der Haushaltsausschuss hat am 17. Januar die Gelder für die Entwicklung eines Luftverteidigungssystems Nah- und Nächstbereichsschutz (LVS NNbS) freigegeben. Bei der Europäischen Sicherheit & Technik findet sich nun, wie sich der Betrag auf die beteiligten Unternehmen verteilt: „Demnach teilt sich das Auftragsvolumen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro wie folgt auf: Rheinmetall 607 Millionen Euro, Diehl 339 Millionen Euro und Hensoldt 284 Millionen Euro.“ (jw)
Weber: Nukleare Option
(25. Januar 2024)Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), hat erneut europäische Atomwaffen gefordert – diesmal wird er damit bei Politico zitiert: „‘Europe must build deterrence, we must be able to deter and defend ourselves,‘ he said. ‘We all know that when push comes to shove, the nuclear option is the really decisive one.’ […] ‘I would like to see the European dimension of nuclear defense as a long-term goal,’ the EPP leader said. ‘But as long as this is not realistic, we should take up Macron’s offer and think now about how France’s nuclear armament can also be embedded in European structures’.“ (jw)
OPLAN Deutschland: Dauerhybridkrieg
(25. Januar 2024)Aktuell arbeiten laut Süddeutscher Zeitung Polizeibehörden, Bevölkerungsschützer, das THW, Wissenschaftler, Vertreter*innen der Energie- und Logistikbranche sowie Alliierte an der Erstellung eines Operationsplan Deutschland (OPLAN). Er solle festlegen, „wie im Spannungs- und Verteidigungsfall gemeinsam vorgegangen werden solle“, so die Süddeutsche sich auf Informationen von Generalleutnant André Bodemann stützend, dem Befehlshaber des territorialen Führungskommandos.
Dass es hier aber nicht „nur“ um eine enge Verknüpfung ziviler und militärischer Akteure im Spannungsfall geht, sondern weit vorher angesetzt wird, verdeutlicht diese Passage: „Die Militärs erwarten vier Bedrohungen, die teils schon jetzt zu beobachten seien, darunter Fake News und Desinformation: Der Gegner werde versuchen, Regierungsentscheidungen, die Meinung der Bevölkerung und vielleicht auch der Medien zu beeinflussen. Zudem werden Angriffe im Cyberraum erwartet gegen Energieunternehmen und die Telekommunikation. Das Dritte sind gezielte Ausspähungen. ‚Und der vierte Teil, gegen den wir uns jetzt schon wappnen müssen, ist ganz klar Sabotage auch durch beispielsweise Spezialkräfte, durch irreguläre Kräfte, die versuchen, das ein oder andere unbrauchbar zu machen, um damit den Aufmarsch zu behindern oder zu verhindern‘, sagte Generalleutnant Bodemann.“ (jw)
Bayerisches Bundeswehrgesetz (II)
(25. Januar 2024)Nun soll es vom Kabinett beschlossen worden sein, das „Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern“, berichtet br.de. Es handelt sich dabei um das „erste eines deutschen Bundeslands zur Förderung der Bundeswehr“, könnte aber im schlimmsten Fall zu einer Vorlage für eine flächendeckende Militarisierung verschiedenster Bereiche werden. Hier die „Highlights“ in der BR-Beschreibung: „Bayerns Staatsregierung will Universitäten und Hochschulen per Gesetz davon abhalten, eine militärische Nutzung ihrer Forschung zu verbieten. […] Staatliche Schulen sollen im Zuge der „politischen Bildung“ mit Jugendoffizieren zusammenarbeiten, sagte Herrmann. […] Auch bei Veranstaltungen zur beruflichen Orientierung soll sich die Bundeswehr demnach vorstellen dürfen. […] Der Bau von Kasernen und anderen militärischen Einrichtungen soll im Freistaat laut dem vom Kabinett verabschiedeten Gesetzentwurf ebenfalls erleichtert werden“. (jw)
Taurus: Ringtausch?
(25. Januar 2024)Laut Augengeradeaus (der sich auf einen Handelsblatt-Artikel bezieht) kursiert aktuell die Idee, einen Ringtausch mit Großbritannien zu machen. Dabei würden den Briten Taurus-Raketen geliefert, die dafür dann Marschflugkörper an die Ukraine abgeben könnten. Auf dem Blog wird aus besagtem Handelsblatt-Artikel zitiert: „Die Idee ist, dass die Bundesregierung Marschflugkörper vom Typ „Taurus“ nach Großbritannien exportiert. Dies würde der Regierung in London den Spielraum geben, die Ukraine mit weiteren Marschflugkörpern eines anderen Modells, des „Storm Shadow“, ausstatten zu können.“ (jw)
Israel: IStGH Ermittlung
(24. Januar 2024)Die Regierungen Mexikos und Chiles haben den Internationalen Strafgerichtshof aufgefordert, Ermittlungen in den aktuellen Krieg in Gaza und die Terrorakte der Hamas und ihrer Verbündeten am 7. Oktober 2023 aufzunehmen. Mexiko nannte „ein Vielzahl von Berichten der Vereinten Nationen welche viele Ereignisse beschreiben, die Verbrechen unter der Jurisdiktion des Internationalen Strafgerichtshof [IStGH] darstellen könnten.“ Der Chefankläger des IStGH, Karim Khan, bestätigte schon im Oktober, dass sowohl Kriegsverbrechen der Hamas und anderer palästinensischer Gruppen in Israel, als auch der israelischen Armee in den palästinensischen Gebieten unter die Jurisdiktion des Gerichtshof fallen. Im Februar 2021 urteilte das Gericht, dass es die Jurisdiktion über die auch seit 1967 von Israel besetzten Gebiete habe – auch obwohl Israel, so wie die USA, Russland und China, dem Gericht nicht angehört, weil es das Römische Statut nicht ratifiziert hat.
Khan brach damit ein seit seinem Amtsantritt dauerndes Schweigen zu den Ermittlungen im Falle Palästinas/Israels, welches ihm lange als Parteinahme mit der Seite Israels und der USA ausgelegt wurde. Seine Vorgängerin, Fatou Bensouda, wurde 2020 von dem damaligen Präsidenten der USA, Donald Trump, sanktioniert, weil sie die Ermittlungen gegen Israel und gegen die USA und ihre Verbündeten wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan in die Wege geleitet hatte.
Anders als der Internationale Gerichtshof (IGH), bei dem Südafrika seine Klage gegen Israel wegen Völkermords eingereicht hat, ermittelt der IStGH gegen Einzelpersonen. Bei einer Anklage wären alle Mitgliedsstaaten des Gerichts verpflichtet, sich für die Festnahme und Auslieferung der angeklagten Soldat*innen und Kommandeure der palästinensischen bewaffneten Gruppen und der israelischen Streitkräfte, sowie verantwortliche Politiker*innen einzusetzen. Dies würde die Bewegungsfreiheit dieser, wie zuletzt beim russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sehen war, extrem einschränken. (pf)
Eurofighter: Tranche 5
(24. Januar 2024)Schon seit einiger Zeit wird leider auch mit Unterstützung der IG Metall immenser Druck ausgeübt, damit eine weitere Bestellmarge („Tranche“) Eurofighter in Auftrag gegeben wird (siehe IMI-Standpunkt 2024/002). Laut Welt gibt es nun einige Anzeichen, dass diese Bestellung kommen wird: „WELT ist jetzt auf Ausschreibungs-Informationen gestoßen, die ein klares Indiz dafür sind, dass es einen solchen Auftrag geben soll. […] So kauft der Bund von Airbus Defence and Space zwölf Eurofighter-Entwicklungsberichte mit technischen Details zu dem Waffensystem. […] Mit dem Kauf der Pläne bekräftigt der Bund, dass der Eurofighter auch weiterhin eine wichtige Rolle in der deutschen und europäischen Luftverteidigung spielen soll.“ (jw)
NATO: Munitionsbestellung
(24. Januar 2024)Zeit Online berichtet über eine große NATO-Bestellung von Artilleriemunition, die für die Panzerhaubitze 2000 und dem Caesar-System verwendet werden kann: „Die Nato hat mit einem deutschen und einem französischen Hersteller einen Rüstungsdeal im Umfang von 1,1 Milliarden Euro geschlossen. Die Firmen Junghans Microtec aus Baden-Württemberg und der französische Rüstungskonzern Nexter sollen dabei 155-Millimeter-Artilleriegranaten liefern, kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an.“ (jw)
27.1.: Demo gegen Elbit
(23. Januar 2024)Diesen Samstag, am 27.1.2024 findet in Ulm die Demonstration „Shut Elbit Down“ statt.
Der Aufruf ist hier zu finden: instagram.com/
Ein Info-Vortrag zu Elbit ist hier auf Vimeo nachsehbar: „Das israelische Rüstungsunternehmen Elbit Systems und der weltweite Protest dagegen“
Abfahrt aus Tübingen:
Gemeinsamer Zugtreffpunkt ist um 09:15 Uhr morgens in der Eingangshalle vom Hauptbahnhof, Zugabfahrt ist um 09:33 Uhr mit Umstieg in Wendlingen. Ankunftszeit in Ulm ist um 10:51 Uhr – doch angesichts des Streiks, kann es zu Verspätungen und Zugausfällen kommen. Ein Autotreffpunkt ist um 11:00 Uhr auf dem Parkplatz des Hauptbahnhofs (Hegelstr. südliche Seite) – es ist kein organisierter Treffpunkt, alle Fahrer*innen mit freien Plätzen sind eingeladen, um 11:00 Uhr auf dem Parkplatz zu sein und interessierten Mitfahrplatzsuchenden einen Platz anzubieten. Gemeinsam ist die Fahrt ökologischer und beim Teilen der Spritkosten auch günstiger.
Haushalt 2024: Ungedeckte Schecks
(23. Januar 2024)In der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses wurde nun ein offizielles Militärbudget von 51,95 – 1,8 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr und 152 Mio. Euro mehr als noch im vom Verfassungsgericht einkassierten Regierungsentwurf festgelegt. Im Bundestag steht dann die Haushaltswoche zwischen dem 29. Januar und dem 2. Februar 2024 auf dem Programm – der Militärhaushalt soll am 31. Januar beraten werden. Auffallend ist vor allem, dass die Höhe der Verpflichtungsermächtigungen – ungedeckte Schecks für fixe Posten in künftigen Haushalten – noch einmal deutlich erhöht wurden. Bei Heute im Bundestag lässt sich nachlesen: „Neben einer Vielzahl kleinerer Änderungen und der Anpassung an Bedarfe sind zudem Verpflichtungsermächtigungen in Milliardenhöhe ausgebracht worden, etwa für die Beschaffung des Nachfolgers für den Transportpanzer Fuchs. Diese Verpflichtungsermächtigungen sind teilweise als Anschlussfinanzierung ab 2028 für Projekte aus dem Sondervermögen Bundeswehr gedacht. Die Verpflichtungsermächtigungen in dem Etat liegen nunmehr bei 49,04 Milliarden Euro. Das sind 7,22 Milliarden Euro mehr als im Regierungsentwurf.“ (jw)
Rotes Meer: Austritt griechischer Soldaten
(22. Januar 2024)Wie Millet News berichtet, quittierten 17 griechische Soldaten ihren Dienst, um sich nicht an der geplanten Entsendung der Fregatte Hydra der griechischen Marine ins Rote Meer zu beteiligen. In einer Erklärung des „Spartakos-Netzwerkes“, das sich laut Millet News für die Interessen und Rechte der Soldaten des griechischen Militärs einsetzt, traten sie aus der Marine aus „weil die [griechische] Regierung sich auf die Seite Israels stellte und die Soldaten erkannten, dass sie auf eine Selbstmordmission geschickt wurden.“ Weiter heißt es wörtlich (und übersetzt) in der Erklärung: „Die Houthis, die Schiffe angegriffen haben, welche Israel in seinem völkermörderischen Krieg gegen das palästinensische Volk unterstützen, setzen bewaffnete Drohnen ein, denen kein Marineschiff widerstehen kann“. Die Soldaten stellen auch in Frage, von wem sie sich in einen Einsatz schicken lassen wollen und erteilen der EU eine verbale Schelle, so heißt es in der Erklärung: „Wir fordern die Regierung auf, unser Land und das Personal der Marine nicht in eine Operation in einem Kriegsgebiet zu verwickeln, insbesondere nicht unter der Schirmherrschaft internationaler Organisationen oder der Europäischen Union.“
Weitere Faktoren für den Austritt der Soldaten dürften laut dem Nachrichtenportal Greek Reporter auch der verhältnismäßige geringe Lohn von rund 86€ pro Tag und die lange Einsatzdauer von sechs Monaten sein. Mit Verweis auf die griechische militärische Nachrichtenseite militaire.gr berichtet Greek Reporter zu großen Schwierigkeiten der griechischen Marine, die Besatzung für die Fregatte zu füllen – 30 Dienstposten von Militärs (im Artikel heißt es wörtlich von „executives“ – es besteht Unsicherheit von Seiten der Autorin bei der Übersetzung) verbleiben weiterhin unbesetzt. (ja mit Dank an gk fürs Zusenden)
Gaza: IGH (III)
(22. Januar 2024)Die Hilfsorganisation medico international hat einen gepfefferten Kommentar zur deutschen Rolle in den Verhandlungen des IGH über einen mutmaßlichen Völkermord in Gaza veröffentlicht:
„Die deutsche Ankündigung, im Fall eines vollumfänglichen Verfahrens zugunsten Israels zu intervenieren, ist ein deutliches Signal an Südafrika, den Internationalen Gerichtshof und an die Welt: Das Völkerrecht liegt entweder in der Deutungshoheit des Westens – oder es darf kein Völkerrecht geben. Damit sind alle Sätze der Bundesregierung über eine werte- und rechtebasierte Außenpolitik nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Das zunehmende Glaubwürdigkeits- und Legitimationsproblem eines von vielen als westlich und parteiisch empfundenen internationalen Rechts und seiner Institutionen wird weiter vertieft. So weist die Botschaft weit über den Gaza-Konflikt hinaus: Das Recht soll offenbar nur noch dann gelten, wenn es das Recht des Stärkeren absegnet.“
Aspides: Teilnehmende
(22. Januar 2024)Bruxelles2 berichtet, der Name der sich anbahnenden EU-Militärmission im Roten Meer dürfte Aspides (nicht die Einzahl, Aspis, wie zunächst berichtet weurde), lauten. Anfangs war die Rede von der Entsendung von drei Fregatten, nun scheinen es deutlich mehr Kriegsschiffe zu werden: „In addition to the French Languedoc frigate of the FREMM type already active in the area and its alter ego the Italian ITS Virginio Fasan (F-591), the German frigate Hessen (F-221) is expected in the area . Two ships, the Danish frigate Iver Huitfeldt (F-361) and the Greek frigate FS Hydra (F-452), will also be involved in the American operation. But they could join the European operation as soon as it is launched, according to certain sources. Finally, the frigate Louise Marie (F-931) and the Dutch HNLMS Tromp (F-803) should arrive by March (or April) as soon as they receive Dutch political approval (in the Second Chamber).” (jw)
Militär-Greencard?
(22. Januar 2024)Um den Rekrutierungsproblemen der Bundeswehr zu begegnen, erwäge Verteidigungsminister Boris Pistorius, den Dienst auch für Menschen ohne deutschen Pass zu öffnen. Laut tagesschau.de werde er hierbei auch von Union und FDP unterstützt: „Die Bundeswehr hat Personalnot – Soldaten ohne deutsche Staatsangehörigkeit könnten Lücken füllen. Diesen Vorschlag brachte Verteidigungsminister Pistorius ins Spiel. Unterstützung dafür kommt nun vom Ampelpartner FDP und auch aus der Union.“ Dies soll wohl dann den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft ermöglichen, so zumindest Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), die angibt, es müsse möglich sein, „dass Soldaten und Soldatinnen ohne deutschen Pass diesen durch den erfolgreichen Dienst in der Bundeswehr schneller bekommen können.“
Bayerisches Bundeswehrgesetz
(22. Januar 2024)Für Bayern kündigte Ministerpräsident Söder laut Süddeutscher Zeitung ein Bundeswehrgesetz an: „Der Freistaat möchte die Bundeswehr in Bayern stärken – und ihrer Arbeit einen Rahmen geben. Hierfür kündigt Söder ein eigenes bayerisches Bundeswehrgesetz an. Das Gesetz soll ein Gebot für Hochschulen enthalten, mit der Bundeswehr zu kooperieren. Und eine Kooperationspflicht für Hochschulen, wenn die nationale Sicherheit auf dem Spiel steht. Darüber hinaus sollen Jugendoffiziere in Schulklassen über ihre Arbeit berichten, und zwar verpflichtend.“ (jw)
Zivilklausel: Daumenschrauben
(19. Januar 2024)Mit „naiv-pazifistischen Vorstellungen“ will Alexander Müller, MdB, Vizepräsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP e.V.), aufräumen. Dazu gehört seine Forderung, Universitäten mit Zivilklauseln die Knete zu kürzen: „Dies [Zivilklauseln] widerspricht der gesetzlich garantierten Freiheit von Lehre und Forschung und ist sicherheitspolitisch brandgefährlich. Daher sollten Anreize geschaffen werden, diese Klausel zu beenden, zum Beispiel indem den betroffenen Hochschulen Fördermittel für Forschungsprojekte gekürzt werden, wenn sie die Freiheit der Forschung aus ideologischen Gründen einschränken.“ (jw)
IMI-Cartoon: Rüstungsfischer
(19. Januar 2024)In regelmäßigen Abständen gibt der grüne Ex-Außenminister Joschka Fischer seinen Senf zu aktuellen Geschehnissen zum Besten. In der Regel rückt er dabei mit jeder neuen Aussage weiter in die äußerste Militaristenecke, so nun zum Beispiel, als er eine „massive Aufrüstung“ forderte (siehe IMI-Aktuell 2024/040). Siehe dazu nun auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Rotes Meer: EU-Einsatz Aspis
(19. Januar 2024)Mit dem Wort für ein antikes griechisches Schild (Aspis) will die EU den im Grundsatz beschlossenen Einsatz von Kriegsschiffen am Roten Meer benennen, meldet Augengeradeaus. UPDATE: Bei Spiegel Online findet sich die Information, dass das Aspis-Mandat keine Angriffe an Land vorsehen soll: „Die zurückhaltende Linie ist unter den EU-Ländern offenbar Konsens. »Kein Mitgliedstaat forderte einen Einsatz von Wirkmitteln gegen Huthi-Stellungen an Land«, berichten die zuständigen Diplomaten an die Zentrale in Berlin.“ (jw)
Tag der Bundeswehr
(19. Januar 2024)Am 8. Juni soll in diesem Jahr der Tag der Bundeswehr gefeiert werden – auf der Internetseite der Truppe findet sich eine Übersicht, in welchen zehn Städten das passieren soll. (jw)
Verhandlungen: Westliche Absage
(19. Januar 2024)Laut Berliner Zeitung soll es am 16. Dezember in Riad zu einem Treffen von Sicherheitsberatern zahlreicher Staaten gekommen sein, um „den Versuchen Moskaus entgegenzuwirken, die Ukraine und ihre Verbündeten zu spalten“. Dabei sei der Aufnahme von Verhandlungen mit Russland westlicherseits eine Absage erteilt worden heißt es weiter: „Bei dem Treffen am 16. Dezember in Riad habe es keine großen Fortschritte gegeben, berichtet Bloomberg. Die Ukraine und ihre G7-Verbündeten hätten sich weiterhin Aufrufen der Länder des Globalen Südens widersetzt, direkt mit Russland zusammenzuarbeiten, heißt es.“ (jw)
Fischer: „Massive Aufrüstung“
(18. Januar 2024)Der grüne Ex-Außenminister Joschka Fischer plädiert in der Augsburger Allgemeinen für eine „massive Aufrüstung“: „Es ist eine massive Aufrüstung nötig. Glauben Sie mir, das ist nichts, was mir gefällt. Ich würde das Geld gerne anders ausgeben. Aber es ist ein Muss! Wir können Wladimir Putin nicht mehr vertrauen. […] Aber die versprochenen 100 Milliarden Euro, die die Zeitenwende bringen soll, sind eben nur der Anfang. Wir sind noch lange nicht am Ziel. In Zeiten des Kalten Krieges hat Deutschland drei bis vier Prozent seiner Wirtschaftsleistung in die Verteidigung investiert.“ (jw)
Israel: Exportgenehmigungen
(18. Januar 2024)N-tv (via Bpb-Newsletter) berichtet über deutsche Waffenexportgenehmigungen für Israel im Jahr 2023: „Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr den Export von Kriegswaffen im Wert von 20,1 Millionen Euro nach Israel genehmigt. (…) Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen vom Bündnis Sahra Wagenknecht hervor. Insgesamt genehmigte die Ampel-Regierung 2023 Rüstungslieferungen für 326,5 Millionen Euro an Israel – zehnmal so viel wie im Vorjahr.“ (jw)
Rotes Meer: Mandat
(18. Januar 2024)Nach der prinzipiellen Einigung der eU-Staaten, Kriegsschiffe ans Rote Meer zu entsenden, soll das entsprechende Mandat für eine deutsche Beteiligung Mitte Februar verabschiedet werden, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Das Mandat für einen Einsatz der Bundeswehr im Roten Meer im Rahmen einer EU-Mission soll bis Mitte Februar vom Bundestag verabschiedet werden. Das kündigte die Parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Siemtje Möller (SPD), nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) laut Teilnehmern am Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestages an.“ (jw)
ARD: Selbstzitat
(17. Januar 2024)Tagesschau.de veröffentlichte ein Interview mit dem „Militärexperten“ Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR). Angesichts der offensiven und tw. propagandistischen Ausrichtung dieses Thinktanks sind die Aussagen Gressels in der Sache relativ ausgewogen mit einem erkennbaren Zweckoptimismus gespickt. In der Darstellung allerdings offenbart die ARD hier wieder einmal eine absolute Verachtung journalistischer Mindeststandards. Denn das Interview ist überschrieben mit dem Zitat: „Putin wittert einen Moment der Schwäche“. Nun ist es keine Seltenheit, dass Interviews mit einem Zitat überschrieben werden, welches oft (vermeintliche) die Kernaussage der Interviewten auf den Punkt bringen soll – und auch so verstanden wird. Das hier verwendete Zitat, das Putin mit einem ansonsten nur für (Raub-)Tiere verwendeten Verb in Verbindung bringt, stammt allerdings vom ukrainischen Präsidenten und wird im veröffentlichten Interview nur von der Interviewerin, „Susanne Petersohn, WDR“ verwendet:
„tagesschau.de: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat davon gesprochen, dass Putin ein Tier sei, das Schwäche wittern würde. Kann das auch ein Grund sein – vielleicht auch hinsichtlich der Unterstützung der westlichen Verbündeten der Ukraine?
Gressel: Leider ist das auch richtig. Die Debatten um die Ukraine-Unterstützung, vor allen Dingen in den USA, die ja für Putin wirklich die zentrale Referenz sind, die sind nicht gerade erbauend. Und dementsprechend fühlt sich Putin jetzt natürlich in einer Position der Überlegenheit und der Stärke und kostet die auch in der Rhetorik dementsprechend aus.“
Bulgarien: Milliarden für die NATO
(17. Januar 2024)Von Litauen ist bekannt, dass es erhebliche Summen investieren will, um die Infrastruktur für die deutsche Dauerpräsenz im Zusammenhang mit der dortigen NATO-Brigade in die Hand zu nehmen. Auch in Bulgarien befindet sich einer der insgesamt acht NATO-Vorposten an den Grenzen Russlands (siehe IMI-Studie 2023/1). In diesem Zusammenhang meldet euractiv: „Bulgarien werde in Infrastruktur investieren, die im Bedarfsfall den Einsatz von NATO-Truppen an der Ostflanke unterstützen soll, aber auch für zivile Zwecke genutzt werden kann, kündigte Verteidigungsminister Todor Tagarev am Montag (15. Januar) an. […]Die Investition in Höhe von sechs Milliarden Euro habe nichts mit dem Verteidigungshaushalt zu tun und werde für die Straßen- und Eisenbahninfrastruktur verwendet, um im Bedarfsfall eine schnelle Verlegung von Militäreinheiten zu ermöglichen, so Tagarev.“ (jw)
Gaza: IGH (II)
(17. Januar 2024)Am Abend des 16. Januar 2023 berichtet tagesschau.de, dass die Bundesregierung die Lieferung von Panzermunition aus Beständen der Bundeswehr prüfe und ihr im Grundsatz bereits zugestimmt hätte. Ein Verweis darauf, dass der Internationale Gerichtshof aktuell darüber verhandelt, ob Israel möglicherweise einen Völkermord in Gaza begeht, fehlt in diesem Zusammenhang.
Erst in der Woche zuvor hatten Vertreter Israels und Südafrikas – das die Klage eingereicht hatte – erstmals vor Gericht ihre Positionen dargelegt. Gleich im Anschluss darauf hatte die Bundesregierung ihre Einschätzung über den Regierungssprecher verkünden lassen: „Die Bundesregierung weist den gegen Israel erhobenen Vorwurf des Völkermordes entschieden zurück. Er entbehrt jeder Grundlage.“ Kurz darauf gab es eine – ungewohnt – heftige Erklärung Namibias, über die tagesschau.de nur im Liveblog zum Nahost-Krieg vom 16. Januar kurz berichtete: „Namibia hat Deutschland für seine Entscheidung scharf kritisiert, die von Südafrika vor dem Internationalen Gerichtshof erhobenen Völkermord-Vorwürfe gegen Israel zurückzuweisen. ‚Namibia lehnt Deutschlands Unterstützung für die völkermörderischen Absichten des rassistischen israelischen Staates ab‘, erklärte Präsident Hage Geingob. Er warf Berlin vor, den ‚Tod von mehr als 23.000 Palästinensern (…) zu ignorieren‘ und beklagte ‚Deutschlands Unfähigkeit, Lehren aus seiner schrecklichen Geschichte zu ziehen’“. Den brisanten Zusammenhang zwischen beiden Stellungnahmen erläutert Dominic Johnson in der taz:
„Es war zwar Zufall, dass der Verhandlungsbeginn beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag über Südafrikas Klage gegen Israel wegen Völkermordes in Gaza mit dem 120. Jahrestag des Beginns des deutschen Völkermordes an den Herero und Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia zusammenfiel. Es war aber Absicht, dass die Bundesregierung als Regierung zu diesem Jahrestag kein Wort verlor und am gleichen Tag Südafrikas Völkermordvorwurf in einer Erklärung genau zum Ende des südafrikanischen Vortrags in Den Haag pauschal zurückwies: ‚Dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage‘. So, als hätten die südafrikanischen Juristen den ganzen Tag nur Blödsinn geredet und als brauche man gar kein IGH-Urteil abzuwarten, um das zu wissen. Missachtung der internationalen Justiz, Zurückweisung juristischer Argumente ohne Prüfung, Ignoranz eines Gedenktages – alles in einer einzigen dürren Erklärung. Chapeau. In Südafrika ist man über Deutschlands Arroganz irritiert.“
Außerdem hat die Bundesregierung angekündigt, sich als Drittpartei durch eine Nebenintervention zu beteiligen. Den delikaten Hintergrund, dass sich Deutschland zuvor bei einer Klage Gambias gegen Myanmar wegen des mutmaßlichen Völkermordes an den Rohingya ebenfalls eingeschaltet und damals für eine weite Auslegung der Völkermordkonvention eingesetzt hatte, erläutert Christian Walter auf dem Verfassungsblog. Er findet es richtig, dass Deutschland sich entsprechend einbringt, wobei unklar bleibt, ob es dabei unparteiisch agieren oder – wie in der Überschrift formuliert wird – „dem von Südafrika gegen Israel erhobenen Vorwurf des Völkermords entgegentreten sollte“. Gerade vor dem Hintergrund, dass der Autor hier eher staatstragend deutsch argumentiert, ist bemerkenswert, was gerade bei vielen deutschen Völkerrechtler*innen – oft eher zwischen den Zeilen – durchschimmert: Das Ergebnis des Verfahrens scheint auch für Christian Walter durchaus offen.
Zwar wird ein abschließendes Urteil erst in Jahren erwartet, eine Entscheidung zum südafrikanischen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz allerdings bereits in den nächsten zwei Wochen. Es kann z.B. durchaus sein, dass der IGH Anzeichen für einen drohenden Völkermord sieht und deshalb Israel zur sofortigen Einstellung seiner Kampfhandlungen auffordert – dass zumindest Einschränkungen angeordnet werden, scheint wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund ist die anhaltende Diskussion um Waffenlieferungen schwierig und befremdlich, insbesondere, wenn das laufende Verfahren dabei gar nicht einbezogen wird.
Zumindest in einem Punkt – der bislang selten angesprochen wird – ist mit einem klaren Urteil zu rechnen. Denn nach der Völkermordkonvention sind Personen, die zum Völkermord anstacheln, zu bestrafen. Südafrika hat in seiner Anklageschrift zahlreiche Zitate hochrangiger israelischer Politiker*innen und Militärs aufgeführt, die unter diesen Tatbestand fallen dürften. Israel dürfte aufgefordert werden, u.a. seinen Präsidenten, Premierminister und Verteidigungsminister wegen entsprechender Aussagen zu sanktionieren. Zumindest in dieser Hinsicht nämlich scheint die Einschätzung der Bundesregierung, die Anklage entbehre „jeglicher Grundlage“, daneben zu liegen.
Rotes Meer: EU-Einsatz
(17. Januar 2024)Gestern sollen sich die EU-Staaten auf einen Militäreinsatz am Roten Meer mit wahrscheinlich zunächst drei Fregatten, darunter die deutsche „Hessen“, verständigt haben, berichtet euractiv: „Die nächsten Schritte würden darin bestehen, dass die EU-Außenminister die neue Mission am 22. Januar erörtern, um sie bis spätestens 19. Februar ins Leben zu rufen. […] Die Mission würde in Abstimmung mit anderen gleichgesinnten Partnern in der Region arbeiten, um die Unterbrechung der wichtigen Handelsroute zu verhindern, sagten EU-Diplomaten.“ (jw)
Ukraine: Waffenerhebung
(17. Januar 2024)Mutmaßlich als Grundlage, um ein neues umfassendes EU-Waffenpaket zu beschließen, erhebt der Europäische Auswärtige Dienst aktuell Daten über die Waffenlieferungen der EU-Staaten an die Ukraine, berichtet die Financial Times: „The EU’s diplomatic service, the External Action Service (EEAS), is conducting the audit of weapons supplied by member states since Russia’s full-scale invasion of its neighbour in February 2022, three EU diplomats briefed on the plans told the FT. The EEAS aims to present the findings to capitals before a summit of EU leaders on February 1. […] The decision to conduct the audit follows a demand from German Chancellor Olaf Scholz last week that countries’ military deliveries to Kyiv be tallied up and compared.” (jw)
Israel: Deutsche Panzermunition
(17. Januar 2024)Augengeradeaus zitiert aus einer Spiegel-Meldung, derzufolge die Lieferung von 10.000 Schuss 120-Milimeter Panzermunition an Israel beschlossen worden sei: „Die Bundesregierung prüft, Israel mit der Lieferung von Panzermunition beim Kampf gegen die Terror-Miliz Hamas zu unterstützen. Nach Spiegel-Informationen haben sich die beteiligten Ressorts bereits grundsätzlich darauf geeinigt, eine entsprechende Bitte der israelischen Regierung zu erfüllen. […] Nach der grundsätzlichen Einigung wird nun hinter den Kulissen an der Umsetzung gearbeitet.“ (jw)
Taiwan: Spiegel-Rechnung
(16. Januar 2024)Unter der doch reichlich zurechtinterpretierten Überschrift „Taiwan sagt Nein zu Chinas Unterwerfungsbefehl“ kommentiert Spiegel Online (via Bpb-Newsletter) den Ausgang der Wahlen in Tailand. Tendenziell chinafreundliche Parteien hatten mit 60 Prozent Stimmanteilen die klare Mehrheit bei den Wahlen, spalteten sich aber auf, sodass der chinakritische William Lai mit 40Prozent als Sieger hervorging. Dies wertet dann Spiegel Online in ein klares Statement der Bevölkerung um: „In einem umkämpften Triell zwischen Lais DPP und den beiden chinafreundlicheren Oppositionsparteien KMT und TPP fiel das Votum am Ende klarer aus, als viele erwartet hatten: 40 Prozent für Lai, 33,5 Prozent für den KMT-Kandidaten Hou You-yi und 26,5 Prozent für TPP-Anwärter Ko Wen-je. Die KMT hatte wirtschaftliche Verflechtung mit China als Friedensstrategie versprochen, auch die TPP wollte Peking entgegenkommen. Lai hingegen warnte davor, sich auf den aggressiven Nachbarn zu verlassen – und wurde von der taiwanischen Wählerschaft belohnt. […] Taiwan, so lässt sich dieses Ergebnis lesen, sagt Nein zur Unterordnung unter China. Vor allem sagt es Ja zur Demokratie.“ (jw)
Hessen ans Rote Meer
(15. Januar 2024)Schon länger hatte Deutschland die Bereitschaft erklärt, sich mit Kriegsschiffen an einem europäischen Militäreinsatz im Roten Meer zu beteiligen. Wie am Wochenende nun u.a. bei n-tv gemeldet wurde, scheint die Entscheidung – vorbehaltlich einer Zustimmung des Bundestages – nun gefallen zu sein: „Bereits am 1. Februar soll die Fregatte „Hessen“ (Fregattentyp: F 124) in Richtung Rotes Meer starten, schreibt die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf hohe informierte Kreise in Berlin und Brüssel. […] Die „Hessen“ wird künftig eine von mindestens drei Fregatten beziehungsweise Lenkwaffenzerstörern sein, die das sogenannte Krisenmanagement-Konzept des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) als Mindestzahl für den Einsatz fordert. Die neue EU-Mission, die laut EAD-Plänen am 19. Februar bei einem Treffen der EU-Außenminister verabschiedet und bis Ende Februar einsatzbereit sein soll, wird zunächst auf ein Jahr befristet.“ (jw)
Arrow 3: Nutzlos
(13. Januar 2024)Für knapp 4 Mrd. Euro will die Bundeswehr das Flugabwehrsystem Arrow beschaffen. Schon im vorigen Jahr wurden Experten zitiert, die an der Sinnhaftigkeit des Beschaffungsvorhabens zweifelten (siehe IMI-Aktuell 2023/628). Diese Bedenken bestätigt nun laut Spiegel Online eine neue Studie des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). In dem Artikel werden die beiden Autoren der IFSH-Studie Timur Kadyshev und Moritz Kütt mit folgenden Worten zitiert: „Unsere Analyse zeigt, dass Arrow 3 zwar offensichtlich beeindruckende Fähigkeiten gegen Mittelstreckenraketen besitzt, aber gegen reale Bedrohungen für Deutschland oder Europa durch russische Raketen nutzlos ist.“ (jw)
Böckelnder Optimismus
(12. Januar 2024)Der teils völlig überzogene „Optimismus“ in rüstungsnahen Medien bröckelt, es mehren sich inzwischen Artikel, die ein deutlich pessimistischeres Bild der Lage in der Ukraine zeichnen. Beispielhaft aktuell etwa in der Welt: „Es läuft für Putin. Mitte 2022 sah das noch anders aus. Doch im vergangenen Jahr wendete sich das Blatt und Moskau konnte wichtige Erfolge erzielen. […] Und vieles spricht dafür, dass 2024 sein Jahr werden könnte. […] Im Jahr 2023 traten in der internationalen Staatengemeinschaft bereits deutliche Unterschiede bei der militärischen und finanziellen Unterstützung der Ukraine zutage, aber auch Streit über die richtige Strategie. ‚Es gibt unterschiedliche Sichtweisen auf die Dringlichkeit der Unterstützung“, heißt es in Nato-Kreisen. […] Intern scheinen nach fast zwei Jahren Krieg immer mehr Regierungen bereit zu sein, über Putins Angebot von Friedensverhandlungen nachzudenken. […] Die westlichen Hilfszusagen für die Ukraine sind laut dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel zwischen August und Oktober 2023 um 87 Prozent zurückgegangen.“ (jw)
Ukraine: Britische Erhöhung
(12. Januar 2024)Über eine (leichte) Erhöhung der britische Militärhilfe für die Ukraine berichtet die BBC: „Mr Sunak has chosen to spend £200m more than the last two years, when the UK’s annual military commitment to Ukraine was worth £2.3bn.” (jw)
Rotes Meer: EU-Einsatz mit allen Mitteln?
(12. Januar 2024)Das Fachportal Bruxelles2 berichtet, den EU-Mitgliedsstaaten sei ein Konzept für eine EU-Militäroperation zur Kontrolle der Handelswege am Roten Meer übermittelt worden. Frankreich und Deutschland seien dabei die treibenden Kräfte für eine eigenständige EU-Mission (statt sich den USA anzuschließen). Mindestens drei Fregatten samt Drohnen sollten entsendet werden, heißt es in dem Bericht weiter, in dem über die konkreten Aufgaben des Einsatzes folgendes zu lesen ist (übersetzt mit deepl.com): „Militärexperten Experten haben einen Plan für eine Militäroperation im Golf und im Roten Meer ausgearbeitet. […] Alles für ein Jahr (zumindest zuerst einmal). Die Operation würde in der Straße von Hormuz und im Golf von Oman aufrechterhalten, wobei das Operationsgebiet auf die Straße von Bab-el-Mandeb, den Golf von Aden und das Rote Meer ausgedehnt. […] Die erste Funktion ist nicht exekutiv. Sie umfasst die Begleitung von Schiffen, die das Rote Meer und die Straße von Bab-el-Mandeb durchqueren. […] Die zweite Funktion wird exekutiv sein (ein Vorschlag, der insbesondere von Deutschland stammt). Es geht darum, mit allen Mitteln auf Drohnenangriffe gegen Handelsschiffe oder Drohnenangriffe auf Handelsschiffe oder einen bewaffneten Angriff zu reagieren, um das Schiffes.“
Auffällig ist die treibende Rolle der Bundesregierung, die nun wiederholt auch bestätigte, sich an einem solchen Einsatz beteiligen zu wollen. Vermutungen mit welchem Schiff und Zeitplan lassen sich dazu bei Augengeradeaus finden: „Die Fregatte Hessen, eine der auf Verbandsflugabwehr optimierten Fregatten der Deutschen Marine, ist nach ihren NATO-Verpflichtungen für diese Aufgabe verfügbar. Allerdings, so berichten die Brüsseler Kollegen, werden die Beratungen auf EU-Ebene und die nötige Freigabe durch die Außenminister der Mitgliedsländer voraussichtlich nicht vor Ende des Monats oder erst im Februar abgeschlossen sein. Ein Beginn der Mission Ende Februar gilt damit als wahrscheinlich.“ (jw)
Jemen: US-Angriffe
(12. Januar 2024)U.a. tagesschau.de berichtet die USA hätten mit Großbritannien Ziele im Jemen attackiert: „Als Reaktion auf die Attacken der Huthi auf Handelsschiffe im Roten Meer haben die USA und Großbritannien im Jemen Stellungen der vom Iran unterstützten Miliz angegriffen. Man habe ‚erfolgreich‘ Ziele der Gruppe bombardiert, teilte das Weiße Haus in einer schriftlichen Stellungnahme von US-Präsident Joe Biden mit. Man werde die Angriffe auf Schiffe im Roten Meer ‚nicht tolerieren‘.“ (jw)
Rüstungskoalitionen
(11. Januar 2024)Das Reservistenmagazin loyal berichtet darüber, es seien im Sommer von 54 Staaten diverse Rüstungskoalitionen („Capability Coalitions“) gebildet worden, über die die Aufrüstung der Ukraine systematischer betrieben werden soll: „Die Waffenhilfe soll über die Versorgung mit einzelnen Systemen wie Leopard-Panzern hinaus gehen und zu einer langfristigen Ertüchtigung der ukrainischen Streitkräfte werden – zu Land, Wasser und zur Luft. Dabei soll auch deren Rüstung nach NATO-Standards erfolgen. […] Die Ukraine ließ im November 2023 verlauten, es gebe bereits fünf solcher Koalitionen. Für die Luftwaffe, für die Panzerwaffe, Artillerie, Luftverteidigung und Maritime Sicherheit. Jeweils geführt von zwei Staaten mit der Beteiligung von fünf bis zwanzig Ländern.“ (jw)
Gaza: IGH (I)
(11. Januar 2024)Am heutigen Donnerstag begann die Anhörung vor dem IGH zum Vorwurf des Völkermordes, den Südafrika Israel im anhalten Krieg vorwirft. Orf.at berichtet relativ ausführlich und erläutert:
„In der zweitägigen Anhörung geht es aber gar nicht um ein abschließendes Urteil. Eine solche Verurteilung ist auch höchst unwahrscheinlich, da die dafür zu erfüllenden und nachzuweisenden Voraussetzungen sehr hoch sind. Pretorias Ziel und Begehr ist vielmehr ein anderes: Der IGH soll eine Art einstweilige Verfügung erlassen, in der Israel zur Einstellung der Kampfhandlungen aufgefordert wird. Mit einer Entscheidung darüber wird rund ein, zwei Wochen nach der Anhörung gerechnet.“
Die meisten deutschen Medien schätzen die Erfolgsaussichten ziemlich gering ein – und erwähnen in diesem Zusammenhang auch nicht die militärische Unterstützung der Bundesregierung u.a. durch Waffenlieferungen. Bislang finden sich in der Berichterstattung auch nur sehr wenige Zitate aus der Anhörung selbst. Spiegel.de hat ein Interview mit dem Völkerrechtler Christian J. Tams veröffentlicht. Der meint u.a.: „Auch die Kritiker des Verfahrens tun gut daran, die Klageschrift zu lesen und sich mit den südafrikanischen Vorwürfen auseinanderzusetzen. Südafrika gibt eine ganze Reihe von Stellungnahmen israelischer Politiker wieder, die zu extremen Maßnahmen gegen Palästinenser aufrufen. Das heißt jedoch nicht, dass Südafrika mit seinem Ansinnen durchdringen wird.“
Ukraine: Rohstoffe
(11. Januar 2024)Auch wenn er später etwas zurückgerudert ist und sich falsch verstanden fühlte, so hatte der CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter gegenüber dem „Bericht aus Berlin“ in der ARD Mitte Dezember doch relativ klar ausgesagt, dass es beim Krieg in der Ukraine auch um Lithium ginge. Die entsprechende Textpassage („Und wenn Europa die Energiewende vollziehen will, braucht sie eigene Lithiumvorkommen. Die größten Vorkommen in Europa liegen im Donezk-Luhansk-Gebiet“) zitiert u.a. die Magdeburger Volksstimme.
In diesem Zusammenhang wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages im Oktober 2023 eine Ausarbeitung unter dem Titel „Rohstoffe der Ukraine“ veröffentlicht hat. Darin findet nicht nur Lithium Erwähnung. Einige Auszüge:
„Die nachgewiesenen Reserven und prognostizierten Ressourcen an Lithium seien vielversprechendund vielleicht die reichsten in Europa. Sie könnten nicht nur den Bedarf der heimischen Produktion, sondern auch die Nachfrage des europäischen Rohstoffmarktes vollständig decken“ … „Nach Angaben der ‚Extractive Industries Transparency Initiative'(2022) ist die Ukraine weltweit führend bei den nachgewiesenen Manganerzvorkommen“ … „Bashniaket al. (2022) zufolge gehören die Scandiumvorkommen zu den größten der Welt“ … „Die Ukraine gehört nach eigenen Angaben weltweit zu den zehn Ländern mit den größten nachgewiesenen Reserven an Titanerzen und liefert mehr als 6 % der weltweiten Produktion“ … „Laut Blum et al. (2023) besitzt die Ukraine die weltweitgrößten Reserven an kommerziell nutzbarem Eisenerz – 30 Milliarden Tonnen oder etwa ein Fünftel der weltweiten Gesamtmenge“ …. „Die Ukraine verfügt laut polnischem Verband der Arbeitgeber und Unternehmer (Związek Przedsiębiorców i Pracodawców – ZPP) über einige der fünf größten Graphitvorkommen der Welt mit insgesamt 19 Millionen Tonnen“ … „Laut Hong et al. (2022) ist die Ukraine ein Hauptlieferantvon Neon, das für die Halbleiterproduktion außerordentlich relevant sei. Sie liefere etwa 70 % des weltweiten Neonangebots und sei auch ein wichtiger Lieferant von Krypton und Xenon, die ebenfalls für die Chipherstellung von entscheidender Bedeutung seien“ … „Folgende Metalle und Nichtmetalle sind dem NATO Energy Security Centre of Excellence (2021) zufolge Schlüsselminerale für die Wirtschaft und die militärischen Fähigkeiten der NATO-Staaten: Aluminium, Antimon, Kobalt, Lithium, Naturgraphit, Nickel, Niob, Seltenerdmetalle, Silizium und Titan.“
100 Mrd. EU-Fonds? (II)
(11. Januar 2024)Die von Industriekommissar Thierry Breton gestern formulierte Forderung nach einem 100 Mrd. Euro schweren EU-Rüstungsbudget (siehe IMI-Aktuell 2024/016) wurde im selben Umfang bereits Ende Dezember in der Le Monde von dem französischen Diplomaten Michel Duclos ins Spiel gebracht: “An effective way forward would be to agree on a major loan along the lines of the one decided following the Covid-19 epidemic, totaling €385 billion. This loan could amount to at least €100 billion.“
Es ist unklar, ob dieser Betrag als konkrete Forderung mit der für 27. Februar angekündigten Verteidigungsinvestitionsstrategie der Kommission mit auf den Tisch kommen soll. Laut Euractiv werden jedenfalls innerhalb der Kommission bereits Überlegungen angestellt, wie dieses Geld aufgebracht werden könnte: „Woher die 100 Milliarden Euro für den Rüstungsfonds kommen sollen, ließ Breton offen. Aus dem EU-Budget wohl kaum. In Brüssel spielt man mit dem Gedanken, die Europäische Investitionsbank einzuspannen, um private Investitionen zu hebeln.“ (jw)
Rekrutierung: CDU-Konzeptpapier
(11. Januar 2024)Die beiden CDU-Verteidigungspolitikerinnen Kerstin Vieregge und Serap Güler haben ein Konzeptpapier zur Personalnot der Bundeswehr verfasst, aus dem in der Süddeutschen Zeitung zitiert wird: „In den vergangenen Jahren hat sich der militärische Personalkörper der Bundeswehr dramatisch negativ entwickelt“ […]. Die Sichtbarkeit der Bundeswehr als Dienstherr muss in Innenstädten, auf Jobportalen sowie in Schulen und Universitäten erhöht werden, etwa durch verpflichtende Besuche von Jugendoffizieren ab der 9. Schulklasse“. (jw)
Saudi-Arabien: Lenkflugkörper
(11. Januar 2024)Deutschland soll dem Export von Lenkflugkörpern an Saudi-Arabien zugestimmt haben, berichtet Spiegel Online: „Nach Informationen des SPIEGEL genehmigte der Bundessicherheitsrat Ende vergangenen Jahres den Export von 150 Luft-Luft-Lenkflugkörpern des Typs Iris-T.“ (jw)
Russische Signale
(11. Januar 2024)Kurz vor Weihnachten erschien in der New York Times ein Beitrag, demzufolge Russland hinter den Kulissen signalisiere, zu einem Waffenstillstand im Ukraine-Krieg bereit zu sein: “Mr. Putin has been signaling through intermediaries since at least September that he is open to a cease-fire that freezes the fighting along the current lines, far short of his ambitions to dominate Ukraine, two former senior Russian officials close to the Kremlin and American and international officials who have received the message from Mr. Putin’s envoys say.”(jw)
Völkermord? Anklageschrift
(10. Januar 2024)Am morgigen Donnerstag (11.1.2023) beginnt die Anhörung zur südafrikanischen Anklage Israels vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) wegen einem sich vermeintlich anbahnenden oder bereits stattfindenden Genozids in Gaza. Die Anklageschrift ist beim IGH einsehbar, umfasst 84 Seiten und hat viele Sachverhalte zusammengetragen, die (anders als ggf. deren Einordnung) weitgehend unumstritten sein dürften.
100 Mrd. EU-Fonds?
(10. Januar 2024)Politico zufolge will Industriekommissar Thierry Breton Ende des kommenden Monats den Vorschlag für ein neues EU-Rüstungsinstrument vorlegen, von dem er sich augenscheinlich verspricht, erhebliche Summen zu mobilisieren: „He’s slated to present the European Defence Investment Program (EDIP) on February 27, a cash pot aimed at boosting joint weapons procurement and putting the EU on more of a war footing by ramping up domestic arms and ammunition production. ‘I believe we have to have a huge defense fund to help to accelerate, even probably in the amount of €100 billion,’ Breton, who’s also in charge of defense, said at an event hosted by the liberal Renew Europe group at the European Parliament.” (jw)
Welt: Pro Eurofighter
(10. Januar 2024)In der Welt (via Bpb-Newsletter) wird wenig überraschend die jüngste Ankündigung, den Export von Eurofightern an Saudi-Arabien nicht mehr zu blockieren, voll und ganz begrüßt: „Richtig: Die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien entspricht in vielen Punkten nicht dem, was der Westen sich erhoffen und worauf er hinarbeiten sollte. (…) Doch wer wirklich ein Interesse an Menschenrechtspolitik hat, der muss einsehen, dass ein deutscher Rüstungsboykott an all diesen Missständen nichts ändern wird. (…) Eine Verweigerung westlicher Staaten bestärkt das Königreich im Zweifel nur, die schon begonnene Annäherung an China und Russland fortzusetzen, und das kann nicht im deutschen Interesse sein – weder aus menschenrechtlicher noch aus strategischer Sicht.“ (jw)
Vorfahrt Militär
(10. Januar 2024)Die Berater von PricewaterhouseCoopers beschäftigen sich in der Europäischen Sicherheit & Technik mit den Erfordernissen für die schnelle Verlegung von Truppen und Gerät nach Osteuropa. Hierfür schlagen sie unter anderem für einen neuen Rechtszustand einzuführen, der dem Militär den Vorzug bei der Nutzung ziviler Infrastruktur einräumen würde: „Das Grundgesetz kennt neben dem Verteidigungs- den Spannungsfall. Dieser ist allerdings gemeinhin so stark mit einer eskalierenden militärischen Situation verknüpft, dass die zu erwartende hybride Phase eines neuen Großkonflikts möglicherweise nicht ausreichen würde, um einen Spannungsfall rechtlich festzustellen. Doch auch und gerade in einer hybriden Phase muss es möglich sein, die notwendigen organisatorischen und logistischen Maßnahmen zu ergreifen, um der Bedrohung begegnen zu können. Der deutsche Gesetzgeber sollte deshalb einen Zwischenzustand definieren, dem gemäß die Bundeswehr schon vor der Feststellung des Spannungsfalls agieren und ihre Verpflichtungen im Zuge des ‚New Force Model‘ erfüllen kann – inklusive einer priorisierten militärischen Nutzung ziviler Infrastruktur.“ (jw)
Pazifismus gestrichen
(9. Januar 2024)Nicht dass einen bei den Grünen noch viel wundern würde, auch nicht die jüngste Ankündigung von Außenministerin Annalena Baerbock, die Blockade britischer Eurofighter-Exporte an Saudi-Arabien aufzugeben (siehe IMI-Standpunkt 2024/002). Wie üblich zeigen sich Teile der Partei ob dieser und unzähliger anderer Entscheidungen kritisch, nur um dann erwartbar kurz darauf wieder stramm zu stehen, wie die Wirtschaftswoche „schön“ zusammengefasst hat: „Immer tobte die Grünen-Basis, immer drückte ihre Führung sich gegen den Protest durch. Auch diesmal wird das so laufen. Es scheint eine schwer zu ertragende Wahrheit für Fraktionelle und Basis: Aber Annalena Baerbock, die Bannerträgerin der wertegeleiteten Außenpolitik, hat das Thema Pazifismus auf der Prioritätenliste längst gestrichen.“ (jw)
Atomwaffengegner verurteilt
(9. Januar 2024)Wie aus der Pressemitteilung der Angeklagten hervorgeht, verurteilte das Amtsgericht Cochem, bzw. Richterin Kürzel, gestern „die frühere Kindergärtnerin und Sozialpädagogin Ria Makein aus Bedburg-Hau (NRW) und den Theologen, Erzieher und Mathematiker Johannes Wollbold aus Weimar jeweils zu 60 Tagessätzen und Zahlung der Gerichtskosten wegen „Hausfriedensbruch“ auf dem Bundeswehrflugplatz Büchel“. Grund: „Am 28.5.2023 hatten beide das zurzeit im Umbau befindliche Militärgelände gemeinsam mit fünf weiteren Personen durch das offene Tor betreten, um auf die dortige Stationierung atomarer Massenvernichtungswaffen und den dadurch bewirkten Bruch von Grundgesetz und Völkerrecht aufmerksam zu machen.“
Die Angeklagten wiesen auf die aktuelle Eskalationsgefahr hin und darauf, dass „Atomwaffen töten, bevor sie eingesetzt“, bzw. dass bereits das Testen, der Uranabbau und die Produktion dieser Waffen schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Die Angeklagten legten Berufung ein.
Scholz: Eurofighter-Export
(9. Januar 2024)In dem gestern veröffentlichten IMI-Standpunkt zur Aussage von Außenministerin Annalena Baerbock, die Blockade des Exports britischer Eurofighter solle aufgegeben werden, wurde noch spekuliert, sie habe diese Entscheidung mutmaßlich in Absprache mit dem Kanzler getroffen. Nun betätigte laut Augengeradeaus Regierungssprecher Hebestreit, Kanzler Scholz unterstützte diese Position: „Ich kann es relativ kurz machen. Ja, der Bundeskanzler teilt diese Einschätzung. Ich kann Sie auch darauf verweisen, dass die Bundesregierung im Sommer des vergangenen Jahres das, was als Jemenklausel bekannt geworden ist, im Lichte der Entwicklungen der letzten Monate und Jahre im Konflikt im Jemen neu bewertet hat und, was sowohl die Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate als auch die Rolle Saudi-Arabiens anbetrifft, eine Neubewertung vorgenommen hat.“ (jw)
Irland: Zeitenwende
(9. Januar 2024)Auch im eigentlich neutralen Irland vollziehe sich eine Art Zeitenwende, berichtet die FAZ (via Bpb-Newsletter): „Die irische Armee will ihre Spezialeinheit, den ‚Ranger Wing‘, vergrößern und erneuern. Die Reform dieser Einsatzkräfte, die das militärisch neutrale Land zum Jahresbeginn angekündigt hat, ist der erste konkrete Schritt einer sicherheitspolitischen Zeitenwende, mit der Irland auf die Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine reagiert. (…) Weitere Reformen werden folgen: Das Verteidigungsbudget soll in den nächsten fünf Jahren um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigen.“ (jw)
KSK-Absetzgelände verzögert sich
(8. Januar 2024)Der Militärblog Soldat und Technik berichtet von der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage eines CDU-Abgeordneten zum neuen Absetzgelände des KSK: „Der Zeitpunkt für die Inbetriebnahme des Absetzgeländes ist von verfahrens- und genehmigungsnotwendigen Voraussetzungen abhängig, die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschließend abschätzen lassen. Es liegt im Interesse von Bund und Land Baden-Württemberg, diesen Prozess soweit wie möglich zu beschleunigen. Beide stehen hierzu im intensiven Austausch und arbeiten gemeinsam an entsprechenden Lösungen. (…) Mit einer Fertigstellung der Unterlagen und der Beantragung der Erteilung einer luftrechtlichen Genehmigung ist bis zum Abschluss des ersten Quartals 2025 zu rechnen.“
Wann tatsächlich die ersten KSK-Soldaten dort trainieren können, ist weiterhin unklar, da neben der fehlenden Genehmigung auch noch Gerichtsprozesse von Anwohner*innen die Inbetriebnahme verzögern können.
Der Autor schließt den Beitrag mit folgendem für Antimilitarist*innen ermutigenden Satz:
„Alles in allem zeigt sich, dass die Bundesrepublik Deutschland noch weit davon entfernt ist, die vom Bundeskanzler ausgerufene ‚Zeitenwende‘ zu leben, wenn selbst die Genehmigung von wenigen Quadratmetern Wiese für das Absetzen von Fallschirmspringern eines strategischen Hochwertinstruments deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik Jahrzehnte bedarf.“ (ak)
Eurofighter-Export: Bahn frei
(8. Januar 2024)Bereits im November erschien ein Artikel in der Time, demzufolge Deutschland erwäge, seine bisherige Blockade des Exports von britischen Eurofightern aufzugeben, weil Berlin überlege aus dem deutsch-französischen FCAS-Projekt aus- und ins britisch-geführte Kampfflugzeugprojekt einzusteigen (siehe IMI-Aktuell 2023/711). Ob die jetzigen Berichte damit zusammenhängen ist unklar, jedenfalls wird nun u.a. bei Augengeradeaus gemeldet, Deutschland wolle den Export freigeben: „Die Bundesregierung gibt offensichtlich ihren Widerstand gegen eine Lieferung weiterer Eurofighter-Kampfjets von Großbritannien an Saudi-Arabien auf und will dem Export zustimmen. Das kündigte Außenministerin Annalena Baerbock bei ihrer Reise nach Israel an. Da Teile des Flugzeugs in Deutschland gefertigt werden, ist eine deutsche Zustimmung erforderlich.“ (jw)
Keine Wehrpflicht: Begründung Masala
(8. Januar 2024)Die Debatte über eine Reaktivierung der Wehrpflicht nimmt immer mehr Fahrt auf. Auch in militärnahen Kreisen wird dies teils durchaus skeptisch beäugt. Einige der Argumente gegen eine Reaktivierung fasste Bundeswehrprof Carlo Masala bei n-tv zusammen: „2022 wurden in Deutschland fast 740.000 Kinder geboren. Bei einer wiedereingeführten Wehrpflicht im alten Stil müsste man vermutlich auch Frauen miteinbeziehen, nicht nur Männer. Nehmen wir 240.000 raus, weil sie gesundheitlich nicht in der Lage sind oder keinen deutschen Pass haben. Wenn von den verbleibenden 500.000 vielleicht 250.000 tatsächlich in die Bundeswehr gehen würden, dann wäre das ein Kontingent, das wir strukturell überhaupt nicht bearbeiten könnten. Dafür braucht man Ausbildungskompanien, Kasernen, Material – das haben wir alles nicht mehr. Diese Strukturen wieder aufzubauen, würde so viel Geld kosten, dass ich den dafür nötigen gesellschaftlichen Konsens nicht sehe. Auch nicht die Zustimmung des Bundestages.“
Allerdings wird deshalb vor allem das „Schwedische Modell“ als mögliches Vorbild herangezogen, bei dem „bedarfsgerecht“ nur die Zahl an Wehrpflichtigen eingezogen wird, die man auch tatsächlich zu benötigen meint. Einen Überblick dazu gibt ein Artikel bei Augengeradaus. (jw)
Wehrhafter Spitzenspieler
(8. Januar 2024)CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wurde bei web.de folgendermaßen zitiert: „Wir wollen Spieler auf der Weltbühne sein und nicht Spielball. Dafür braucht es ein wehrhaftes Deutschland, das seine Sicherheit und seine wirtschaftlichen Interessen auch mit militärischen Mitteln schützen kann“ (jw)
EU-Atomwaffen
(7. Januar 2024)Auch im neuen Jahr gehen die Forderungen nach EU-Atomwaffen weiter, so etwa von Bundeswehrprof Carlo Masala, der bei n-tv zitiert wird: „Wenn die Amerikaner keinen Schutz mehr garantieren, brauchen wir einen europäischen Nuklearschirm.“ Ein pro (Eckhard Lübkemeier) und contra (Michael Rühle) zum Thema findet sich in der aktuellen Internationalen Politik. Rühle hatte im selben Medium bereits Anfang Dezember Argumente zusammengetragen, weshalb er EU-Atomwaffen für eine Schnapsidee hält. (jw)
Comlog: Patriot-Auftrag
(6. Januar 2024)N-tv berichtet, die NATO habe die Beschaffung einer großen Menge von Patrio-Raketen geordert (an wen die Raketen gehen und ob dies von den Mitgliedstaaten bezahlt wird, wird nicht berichtet): „Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat die Nato mit dem deutschen Rüstungshersteller Comlog einen Vertrag über bis zu tausend neue Patriot-Luftabwehrraketen geschlossen. […] Das Unternehmen Comlog ist eine Tochter der Rüstungshersteller MBDA und Raytheon, für den Auftrag bekommt die Firma nach Angaben der Nato rund 5,5 Milliarden Euro.“ (jw)
Lehrplan: Geostrategie
(6. Januar 2024)Mit „interessanten“ Vorschlägen wartete der Präsident des Lehrer-Verbandes, Stefan Düll, im Interview mit der BZ auf: „An den Schulen wird schon jetzt diskutiert, was Verteidigungsminister Pistorius mit dem Begriff ‚kriegstüchtig‘ meint. Auch die Frage der Wehrpflicht wird diskutiert. […] Ob man die Lehrpläne im Hinblick auf Bedrohung, Geostrategie und Verteidigungsbereitschaft nachschärfen muss, ist zu überprüfen.“ (jw)
Rüstungsexporte: Rekordjahr
(5. Januar 2024)Wie sich schon länger angedeutet hatte, erreichten die Rüstungsexporte im vergangenen Jahr ein Allzeithoch, berichtet u.a. Zeit Online: „Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr Rüstungsexporte im Gesamtwert von 12,2 Milliarden Euro genehmigt. Das entspricht einer Steigerung von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist damit der höchste je genehmigte Umfang binnen eines Jahres. […] Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, entfielen 4,4 Milliarden Euro davon auf die Waffenlieferungen an die Ukraine.“ (jw)
Litauen-Brigade: Nachschlag
(5. Januar 2024)Ende des Jahres wurde bekanntgegeben, die geplante Bundeswehr-Brigade in Litauen solle 2025 in Dienst gestellt werden. Kurz darauf wurde eine auf Ende November datierte Mail von Heeresinspekteur Mais an seinen Vorgesetzten Generalinspekteur Breuer an den Spiegel durchgestochen. Darin beklagte sich Mais, dies sei ohne zusätzliche Finanzmittel nicht zu machen: „Einen Gesamtpreis für die Ausstattung der Brigade kann man aus den schier endlosen Tabellen nicht ablesen. Mais aber macht in der Mail zumindest eine vielsagende Andeutung. So sei es wünschenswert, die Kosten für den Verband auch im Haushalt der kommenden Jahre abzusichern. Als ungefähre Referenz nennt der General das Budget für den neuen Transporthubschrauber der Bundeswehr, das mit rund sieben Milliarden Euro taxiert wird.“ (jw)
Litauen-Brigade: Zeitplan
(18. Dezember 2023)Nun wurde ein Zeitplan für die offizielle Indienststellung der geplanten Bundeswehr-Brigade in Litauen bekanntgegeben, lässt sich bei der dpa nachlesen: „Die für Abschreckung und Verteidigung in Litauen geplante Kampfbrigade der Bundeswehr soll im Jahr 2025 mit einem formellen Appell in Dienst gestellt werden.“ (jw)
Ukraine: Verhandlungen?
(18. Dezember 2023)Schon vor einiger Zeit berichtete die Bild-Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen, Deutschland und die USA würden die Ukraine zur Aufnahme von Verhandlungen mit Russland drängen (siehe IMI-Standpunkt 2023/047). Laut Berliner Zeitung deuten Aussagen des russischen Außenministers in dieselbe Richtung: „Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat behauptet, dass mehrere westliche Politiker an ihn herangetreten seien, um über mögliche Friedensverhandlungen mit der Ukraine zu sprechen. Er wiederholte, Moskau sei im Gegensatz zu Kiew zum Dialog bereit.“ (jw)
Schwedisches Modell?
(18. Dezember 2023)Seit August lasse Verteidigungsminister Boris Pistorius diverse Optionen für eine Re-Aktivierung der Wehrpflicht oder die Einführung einer Dienstpflicht prüfen, Darunter befinde sich auch das „Schwedische Modell“, berichtet n-tv: „Verteidigungsminister Boris Pistorius lässt angesichts eines Personalmangels bei der Bundeswehr Modelle einer Dienstpflicht prüfen. Darunter sei das in Schweden praktizierte Modell. ‚Dort werden alle jungen Frauen und Männer gemustert, und nur ein ausgewählter Teil von ihnen leistet am Ende den Grundwehrdienst. Ob so etwas auch bei uns denkbar wäre, ist Teil dieser Überlegungen‘, sagte Pistorius der ‚Welt am Sonntag‘. Er prüfe alle Optionen.“ (jw)
Zivilklauseln: Offener Brief
(16. Dezember 2023)Nachdem die kommende Regierungskoalition aus CDU und SPD in Hessen nun auch im Entwurf ihres Koalitionsvertrages den dort bestehenden Zivilklauseln den Kampf angesagt hat (s. IMI-Aktuell 2023/794), gehen nun auch deren Verteidiger in die Offensive: In einem offenen Brief heißt es u.a.:
„Beinahe zwei Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine und der daraufhin ausgerufenen „Zeitenwende“ der Bundesregierung ist die drastische Verengung auf militärische Logiken scheinbar unverrückbare Maxime, die mittlerweile ganz offen sowohl materiell als auch mental zu einer gesamtgesellschaftlichen „Kriegstüchtigkeit“ führen soll. Als Wissenschaftler:innen und Studierende wissen wir, dass heute wie damals kein Krieg ohne die Einbindung von Wissenschaft geführt werden kann. Denn der geschichtsbewusste Blick macht offenkundig, dass globale militärische Aufrüstung immer auch ein technologisches Wettrüsten in der Konkurrenz um die elaboriertesten Gewaltmittel bedeutet.“
[…]
Wir fordern: HÄNDE WEG VON DER ZIVILKLAUSEL!
- Keine Militarisierung der öffentlichen Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Hessen und überall!
- Für die zivile Ausrichtung von Wissenschaft & Lehre und die dafür notwendige bedarfsgerechte öffentliche Ausfinanzierung!
- Das Wesen der Zivilklausel stärken unter Studierenden, Forschenden wie Lehrenden für die Ausbildung und Befähigung zum kritischen Denken eines mündigen, gesellschaftlichen und demokratischen Menschen!
- Mehr Demokratie wagen! Förderung und der Ausbau der demokratischen Selbstverwaltung der Hochschulen durch umfassende paritätische Einbindungs- und Mitwirkungsgremien aller Hochschulangehörigen.
Erstunterzeichner:innen:
- Hessische Landes-ASten-Konferenz
- Initiative „Hochschulen für den Frieden – Ja zur Zivilklausel!“
- Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen (BdWi)
- freier zusammenschluss von student*innenschaften (fzs. e.V.)
Mittlerweile haben weitere Einzelpersonen und Organisationen den Offenen Brief unterschrieben.
Den aktuellen Stand der Unterschriften und die eigene hinzufügen kann man in diesem Google-Formular: https://forms.gle/ecpbATyRavnqbUD57.
Der ganze Aufruf bzw. offene Brief findet sich (ohne google) hier: http://zivilklausel.de/.
Rheinmetall unter Druck
(15. Dezember 2023)Turbulent geht es aktuell auf dem europäischen Panzermarkt zu: Die Ankündigung, KNDS (Nexter & KMW) sowie Leonardo würden beim Panzerbau künftig eng zusammenarbeiten (siehe IMI-Aktuell 2023/793) ist eine klare Kampfansage an Rheinmetall, wie auch in der Welt nachzulesen ist: „In Europa entsteht ein neuer grenzüberschreitender Rüstungsriese mit einem Schwerpunkt im Panzerbau. […] Italiens größter Rüstungskonzern Leonardo wird sich in einer strategischen Allianz mit KNDS verbünden, teilten die Unternehmen mit. Es ist der bedeutendste Konsolidierungsschritt in Europas Rüstungsindustrie seit Jahren. […] Die neue Allianz KNDS-Leonardo ist ein Gegengewicht zum größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall und seinen eigenen Panzer-Ideen. Dazu zählt die Entwicklung des eigenen schweren Kampfpanzers Panther oder zur Rolle von Rheinmetall bei der Entwicklung des von Grabenkämpfen geprägten Zukunftspanzerprojektes MGCS (Main Ground Combat System).“
Rheinmetall regierte auf diese Entwicklung prompt, indem es verkündete, der als Konkurrenz in dem von Nexter (und künftig wohl Leonardo) dominierten deutsch-französischen Panzerprojekt MGCS konzipierte Kampfpanzer Panther KF51 werde in Ungarn bis zur Produktionsreife fortentwickelt (siehe IMI-Aktuell 2023/796). (jw)
GCAP: Startschuss
(15. Dezember 2023)Anfangs unter dem Namen Tempest, nun als Global Combat Air Programme bezeichnet, hatte Großbritannien eine Alternative zum geplanten deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS entwickeln wollen. Dieses Vorhaben scheint nun einen guten Sprung nach vorn gemacht zu haben, nachdem Italien und Japan nicht nur Absichtsbekundungen geäußert haben, sich beteiligen zu wollen, sondern laut Flugrevue gestern auch ganz offiziell einen Vertrag zur Gründung des Global Combat Air Programme unterzeichnet haben: „Am 14. Dezember starteten Grant Shapps, Guido Crosetto und Minoru Kihara offiziell das Global Combat Air Programme (GCAP) mit der Unterzeichnung eines trilateralen Vertrages. Allerdings müssen die Parlamente der drei Länder das Abkommen noch ratifizieren. Die Entwicklungsphase des neuen Kampfjets soll 2025 beginnen.“ (jw)
Panther KF51: Auftrag
(15. Dezember 2023)Mutmaßlich, weil das Unternehmen mit seiner untergeordneten Stellung beim deutsch-französischen Superpanzerprojekt MGCS unzufrieden ist, präsentierte Rheinmetall vor einiger Zeit mit dem Panther KF51 eine mögliche Alternative (siehe IMI-Studie 2022/7). Wie Rheinmetall nun in einer Pressemitteilung verkündete, hat der Konzern von Ungarn den Auftrag erhalten, den Panzer weiterzuentwickeln: „Rheinmetall ist von der ungarischen Regierung beauftragt worden, den Panther KF51 bis zur Serienreife zu entwickeln. Ein entsprechender Vertrag wurde jetzt im ungarischen Zalaegerszeg unterzeichnet. Der Entwicklungsauftrag hat einen Wert von rund 288 MioEUR. Die Arbeiten sehen den Bau und die Qualifikation eines Demonstrators vor, welcher die Serienfertigung vorbereitet.“ (jw)
FCAS: Supertriebwerk
(15. Dezember 2023)Auch im Triebwerkbau soll das geplante „Future Combat Air System“ zum Technologietreiber für europäische Rüstungsunternehmen werden – in diesem Fall für MTU und Safran, berichtet das Handelsblatt: „Dafür muss das Triebwerk nicht nur den Vortrieb sichern, sondern soll auch als Generator für die elektronische Kampfführung dienen. Überschall, Gleitflug und Kraftwerk: Die Technik ist ein bislang einzigartiges Vorhaben, mit dem sich die europäischen Triebwerkhersteller an die Spitze der Branche setzen wollen.“ (jw)
Hessen: gegen Zivilklauseln
(14. Dezember 2023)Es deutete sich bereits an (z.B. im entsprechenden Beitrag auf dem IMI-Kongress 2023), dass die kommende Regierungskoalistion aus CDU und SPD in Hessen den dortigen Zivilklauseln den Kampf ansagen wird. Dies ist nun Gewissheit. Im Entwurf für einen Koalitionsvertrag, über den am 18.12. abgestimmt werden soll, findet sich unter der Überschrift „Förderung des Wissenstransfers“ folgender Passus:
„Hessen ist ein Land freier Wissenschaft. Wir stehen für eine offene Forschungskultur ohne Denkverbote. Wir werden den Schutz der Wissenschaftsfreiheit wo immer erforderlich gewährleisten. Auch die aktuelle geopolitische Entwicklung verlangt nach einem neuen Nachdenken über Fragen unserer Sicherheit und der entsprechenden Infrastruktur. Wir werden daher die Hochschulen dabei unterstützen, die Friedens- und Konfliktforschung, Sicherheitsforschung und sicherheitsbezogene Forschungsansätze weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch eine Unterstützung der Hochschulleitungen bei der Überprüfung von Zivilklauseln.“
KNDS & Leonardo: Kooperation
(14. Dezember 2023)U.a. das Handelsblatt berichtet über eine gestrige Kooperationsvereinbarung zwischen der deutsch-französischen KNDS und der italienischen Leonardo, mit der der Einstieg des Konzerns in das MGCS-Panzergroßprojekt (mutmaßlich zum Nachteil Rheinmetalls) wahrscheinlicher werden dürfte: „Ziel der Allianz ist es, die nationale industrielle Basis der drei beteiligten Länder zu stärken sowie die zukünftige Generation von Kampfpanzern, einschließlich des Main Ground Combat System (MGCS), in Europa zu produzieren.“ (jw)
Haushalt 2024: Sondervermögen
(14. Dezember 2023)Noch sind viele Details zur gestrigen Einigung auf den Bundeshaushalt unklar. Unangetastet sollen scheinbar die im Regierungsentwurf vorgeschlagene Erhöhung des offiziellen Militärhaushaltes auf 51,8 Mrd. Euro bleiben. Auch die im Allgemeinen Haushalt (Einzelplan 60) angesiedelten Gelder für die „Waffenhilfe“ an die Ukraine bzw. deren kürzlich vorgeschlagene Erhöhung von vier auf acht Mrd. Euro soll wohl beibehalten werden (siehe IMI-Aktuell 2023/790). Daraus scheinen künftig aber „nur“ noch Abgaben der Industrie bezahlt zu werden, wie Spiegel Online nun berichtet. Durch die Bundeswehr weitergegebene Rüstungsgüter, die bisher ebenfalls über den Allgemeinen Haushalt ersetzt wurden, müssen künftig über das Sondervermögen angeschafft werden: „In einem internen Papier des Bundesfinanzministeriums zur jüngsten Einigung heißt es nun: »Die Ausgaben für die Wiederbeschaffung aus Ertüchtigung werden künftig vom Sondervermögen Bundeswehr getragen.« Allein für das kommende Jahr beziffert das Haus von Lindner die Ausgaben auf 520 Millionen Euro; das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor.“ (jw)
Sondervermögen: Ungedeckte Schecks
(14. Dezember 2023)Die Bundeswehr schreibt mit Unterstützung des Haushaltsausschusses munter weiter ungedeckte Schecks aus, indem Rüstungsprojekte aufgelegt werden, die noch nachdem das Sondervermögen aufgebraucht ist, Kosten verursachen werden. So zum Beispiel bei der gestrigen Billigung von insgesamt 2,6 Mrd. Euro für 62 (plus Option auf 20 weitere) Leichte Kampfhubschrauber H145M. Dazu schrieb Spiegel Online: „Eigentlich sollten die zunächst insgesamt 62 neuen Helikopter ausschließlich aus dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro bezahlt werden. Nun aber erfolgt aus dem Sondertopf lediglich eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Vom Jahr 2028 an sollen weitere 741 Millionen Euro aus dem regulären Verteidigungsetat fließen, heißt es in einem Papier des Bundesrechnungshofs. Die Ausgaben seien aber noch nirgends fixiert.“ (jw)
Greenpeace: Lobbystrategien
(14. Dezember 2023)Die Greenpeace-Studie „Revolving Doors – wie Politik und Rüstungsindustrie gemeinsame Sache machen“ beschäftigt sich mit Lobbystrategien und Akteuren der Rüstungsindustrie: „Die Rüstungslobby hat verstanden, wie zentral die privilegierten Zugänge zu politischen Entscheidungsträger:innen sind. Deshalb zeichnet sich die Personalpolitik der Rüstungsindustrie und ihrer Lobby strukturell dadurch aus, dass sowohl in den Lobbyabteilungen der Rüstungsunternehmen, in den Branchenverbänden, in den Lobbyagenturen sowie bei Denkfabriken ehemalige Politiker:innen, Mitarbeiter:innen aus dem Verteidigungsministerium, der Bundeswehr und nachgeordneter Behörden sowie ehemalige Mitarbeiter:innen von Abgeordneten tätig sind. […]Überdies unterstützt die Bundesregierung die in der Recherche aufgeführten Think Tanks DGAP und SWP, sowie Begegnungsforen wie die MSC, mit umfangreichen Mitteln […]. Dadurch wird eine Infrastruktur zur Beeinflussung der Öffentlichkeit und der Politik geschaffen, die andere gemeinwohlorientierte Gruppen so nicht replizieren können.“ (jw)
Haushalt: Rüstung unantastbar
(13. Dezember 2023)Diverse Medien berichten, die Bundesregierung habe sich auf den Haushalt 2024 geeinigt. Die Schuldenbremse werde nicht ausgesetzt, stattdessen sollen – nochmalige – Einsparungen das nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimafonds entstandene Haushaltsloch von 17 Mrd. Euro zuzuschütten. Vor allem der Klima- und Transformationsfonds (KTF) solle um zwölf Milliarden Euro gekürzt werden. Unangetastet bleibt augenscheinlich der Militärhaushalt – zumindest ist von Kürzungen in keinem der dazu bislang erschienenen Beiträge die Rede –, der 2024 als einziges Ressort sogar eine substanzielle Erhöhung erhält (siehe IMI-Standpunkt 2023/041). Explizit berichtet Spiegel Online, dass auch die im Allgemeinen Haushalt (Einzelplan 60) verortete Aufstockung der Gelder für Waffenlieferungen an die Ukraine von vier auf acht Mrd. Euro beibehalten werden soll. In seiner Regierungserklärung betonte Scholz außerdem, die Gelder für die militärische Unterstützung der Ukraine könnten bei Bedarf sogar noch erhöht werden: „Sollte sich die Situation durch Russlands Krieg gegen die Ukraine verschärfen, etwa weil die Lage an der Front sich verschlechtert, weil andere Unterstützer ihre Ukraine-Hilfe zurückfahren oder weil die Bedrohung für Deutschland und Europa weiter zunimmt, werden wir darauf reagieren müssen.“ UPDATE: Der Bundeswehrverband schreibt nun explizit, Kürzungen im Vertgeidigugnshaushalt werde es nicht geben: „Kürzungen im Haushalt des Verteidigungsministerium seien demnach erstmal nicht vorgesehen – eine erfreuliche Nachricht.“ (jw)
Rotes Meer: (Deutscher) Militäreinsatz?
(13. Dezember 2023)Nach dem Beschuss eines norwegischen Tankers, für den die Huthi-Rebellen (die sich selbst Ansarullah nennen) im Jemen verantwortlich gemacht werden, scheinen die USA über einen maritimen Militäreinsatz in der Region nachzudenken. Dem Handelsblatt wollen sie dafür auch die Bundesregierung mit ins Boot holen: „Die USA wollen ein Marinebündnis zum Schutz des Schiffsverkehrs im Roten Meer schmieden und führen deshalb auch Gespräche mit der Bundesregierung. Die Amerikaner hätten ein grundsätzliches Interesse an einer stärkeren maritimen Kooperation an den Inspekteur der Marine herangetragen, erfuhr das Handelsblatt aus Berliner Regierungskreisen.“ (jw)
Golf von Guinea: Ertüchtigung
(13. Dezember 2023)Der Rat hat einen neuen EU-Ertüchtigungseinsatz in drei Ländern Westafrikas beschlossen, wird auf dessen Internetseite berichtet: „Mit der Initiative werden Côte d’Ivoire, Ghana, Togo und Benin dabei unterstützt, die Fähigkeiten ihrer Sicherheits- und Verteidigungskräfte auszubauen, sodass sie den von terroristischen bewaffneten Gruppen in den nördlichen Gebieten ihrer Länder ausgeübten Druck eindämmen und darauf reagieren können, um so wieder sichere Rahmenbedingungen für Stabilisierung und Entwicklung zu schaffen.“ (jw)
Russland: Ölverkäufe
(12. Dezember 2023)Trotz – oder womöglich sogar wegen – der westlichen Sanktionen, sind die monatlichen russischen Gewinne aus den Ölverkäufen höher als vor dem Angriff auf die Ukraine, berichtet Bloomberg: „Russia’s net oil revenues of $11.3 billion in October accounted for 31% of the nation’s overall net budget revenue for the month, according to Bloomberg calculations that are built around Russian finance ministry data, but smooth out profit-based tax revenue. That was the highest since May 2022 and exceeded any single month in the year before the invasion of Ukraine, which initially caused huge volatility to the nation’s exports.” (jw)
Indo-Pazifik: Kollision
(12. Dezember 2023)Im konfliktreichen Südchinesischen Meer sollen ein chinesisches und ein philippinisches Schiff kollidiert sein, berichtet n-tv (via Bpb-Newsletter): „Der Vorfall ereignete sich nach Angaben beider Seiten am Sonntag während einer philippinischen Versorgungsmission für einen kleinen Militärposten am Second-Thomas-Riff, das zu den Spratly-Inseln gehört. Manila und Peking gaben sich gegenseitig die Schuld an dem Vorfall in dem von beiden Ländern beanspruchten Seegebiet. […] Erst am Samstag hatten die Philippinen der chinesischen Küstenwache vorgeworfen, mit Wasserwerfern drei Boote ‚behindert‘ zu haben, die Proviant an philippinische Fischerboote in der Nähe des Scarborough-Riffs vor der Hauptinsel Luzon liefern sollten.“ (jw)
Weltraumkommando: Aufgestellt
(11. Dezember 2023)Die USA haben auf dem auf dem Luftwaffenstützpunkt in Ramstein ein neues Weltraumkommando für Europa und Afrika in Dienst gestellt, berichtettagesschau.de: „Es klingt wie Science-Fiction, ist aber längst Realität: Der Weltraum ist zum militärischen Operationsraum geworden, Satelliten gehören zur kritischen Infrastruktur. Ob Aufklärung, abhörsichere Kommunikation oder Einsatzführung – militärische Operationen finden längst nicht mehr nur auf dem Erdboden statt.“ (jw)
Bundeswehr: Aufräumen!
(8. Dezember 2023)Der Rechnungshof bemängelt u.a., dass die Bundeswehr ihre Lagerflächen erweitern will – die Begründung: „Die Bundeswehr baut weitere Lagerkapazitäten auf, ohne zu wissen, wie viel neue Lagerflächen sie braucht. Die bestehenden Lager könnte sie durch Aufräumen und moderne Regalsysteme optimieren.“ (jw)
Schweden: US-Zugang
(7. Dezember 2023)U.a. bei euractiv wird berichtet, dass ein neues US-amerikanisch-schwedisches Abkommen den USA einen umfassenden Zugang zu schwedischen Militärbasen garantieren soll: „Sweden and the United States have signed an agreement giving the US military access to 17 Swedish bases, which has been viewed as a response to Budapest and Ankara delaying Stockholm’s NATO bid.” (jw)
Kissinger: Zwei Perspektiven
(7. Dezember 2023)Keiner hat das Bild des „elder statesman“ mehr geprägt, als Henry Kissinger – als ob die tatsächliche Geschichte an ihm abperlt, feierte ihn das deutsche Feuilleton als ein Vorbild für uns alle. Die nach ihm benannte Professur in Bonn, samt Institut (CASSIS) lobt in ihrem Nachruf die „Glaubwürdigkeit seiner Biografie“ mit der er habe helfen können, dass Deutschland nach der „politischen und moralischen Katastrophe des ‚dritten Reiches‘“ das Vertrauen der Welt, zurückgewinnen habe können.
Eine etwas andere und nicht minder zu bedenkende Perspektive bietet die mexikanische Tageszeitung La Jornada: „Henry Kissinger: Vermächtnis des Todes“.
„In einer Welt, in der Gerechtigkeit herrscht, wäre er [Henry Kissinger] für die zahlreichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die auf seinen Befehl oder Rat hin begangen wurden, im Gefängnis gestorben.
In der globalen Ordnung, die er mehr als jeder andere mit aufgebaut hat ‒ eine Ordnung, die Washingtons Flugzeugträgern, Militärbasen, Bombern, Drohnen und Raketen unterworfen ist ‒ verschied er inmitten von Huldigungen und Lobpreisungen des Establishments, für das er unermüdlich arbeitete.“ (as)
Niger: EU-Abkehr
(7. Dezember 2023)Große Teile des Sahel wenden sich vom Westen ab – kürzlich entwarfen Mali, Burkina Faso und Niger eine Konföderation, mit dem die westlich initiierte G5-Sahel wohl Geschichte sein dürfte (siehe IMI-Standpunkt 2023/048). Nun forderte der Niger laut tagesschau.de die Beendigung der im Land operierenden EU-Missionen: „Niger wendet sich weiter von Europa ab und rückt näher an Russland: Sowohl die zivile als auch die militärische EU-Mission solle beendet werden, teilte die Junta mit. Zudem vereinbarte sie ein Abkommen mit Moskau.“ (jw)
Hensoldt: ESG-Übernahme
(6. Dezember 2023)Gestern unterbreitete Hensoldt ein Angebot für die Übernahme des Militärdienstleister ESG. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart, der Konzernwert wird im Handelsblatt auf von 675 Mio. Euro geschätzt: „Mit der Übernahme entsteht in Deutschland ein schlagkräftiger Anbieter für Rüstungselektronik, der auf Augenhöhe mit Unternehmen aus Frankreich und den USA ist. Das ist auch im Interesse der Bundesregierung.“ (jw)
F-126: Zeitplan
(6. Dezember 2023)Im Juni 2020 erging der Auftrag zum Bau von vier Fregatten F-126 zum Preis von 5,7 Mrd. Euro. Unklar ist aktuell, ob noch eine Option für zwei weitere F-126 gezogen wird. Pünktlich jedenfalls zum Baubeginn wurde nun ein Zeitplan in der Europäischen Sicherheit & Technik veröffentlicht: „Der uns exklusiv vorliegende Zeitplan sieht die Indienststellung von Schiff 1 am 16. Juni 2028 vor, Schiff 2 soll am 15.03.2030, Schiff 3 am 14.02.2031, Schiff 4 am 17.12.2031 folgen.“ (jw)
Rotes Meer: Maritime Task Force?
(6. Dezember 2023)Laut n-tv denken die US über eine maritime Militärpräsenz im Roten Meer nach: „‚Wir führen derzeit Gespräche mit anderen Ländern über eine Art maritime Taskforce, an der neben den Vereinigten Staaten auch Schiffe aus Partnerländern beteiligt sind, um die sichere Durchfahrt von Schiffen im Roten Meer zu gewährleisten‘, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan. Die Gespräche dauerten noch an, Konkretes gebe es noch nicht zu verkünden.“ (jw)
Fischer: EU-Atomwaffen
(5. Dezember 2023)Nach Herfried Münkler (siehe IMI-Aktuell 2023/769) trommelt mit Joschka Fischer eine weitere prominente Figur für EU-Atomwaffen, wie Spiegel Online berichtet: „Auf die Frage, ob zu der Abschreckung auch gehöre, dass Deutschland sich eigene Atomwaffen anschaffe, sagte er: »Das ist in der Tat die schwierigste Frage. Sollte die Bundesrepublik Atomwaffen besitzen? Nein. Europa? Ja. Die EU braucht eine eigene atomare Abschreckung.« Denn: Die Welt habe sich verändert, und Russlands Präsident Wladimir Putin arbeite »auch mit nuklearer Erpressung«.“ (jw)
Indo-Pazifik: US-Mittelstreckenraketen
(5. Dezember 2023)Um die militärische Balance zu den eigenen Gunsten zu verschieben, planen die USA schon seit einiger Zeit die – bis zur US-Aufkündigung vom INF-Vertrag verhinderte – Stationierung von Mittelstreckenraketen im Indo-Pazifik (siehe IMI-Studie 2022/01). Die entsprechenden Raketen mussten erst noch entwickelt werden. Wie jetzt aber Nikkei Asia berichtet, soll dieser Plan im kommenden Jahr umgesetzt werden: „The U.S. military plans to deploy ground-based intermediate-range missiles in the Indo-Pacific in 2024, a U.S. official told Nikkei, establishing its first arsenal in the region since the end of the Cold War to enhance deterrence against China.” (jw)
Ukraine: „All In“?
(4. Dezember 2023)Unter dem Titel „‚Dieses elende Fegefeuer bringt kein Ergebnis'“ veröffentlichte tagesschau.de am vergangenen Sonntag (3.12.) ein Interview mit dem österreichischen Oberst Markus Reisner, der zu den eher nüchternen vielzitierten Experten zum Kriegsverlauf in der Ukraine gehört. Darin äußert er die Meinung, dass die Ukraine den Krieg verlieren werde, wenn der Westen seine Unterstützung nicht massiv ausweite und „All In“ gehe:
„Europa scheint den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben. Warum? Weil das verbunden sein müsste mit tatsächlich signifikanten kriegswirtschaftlichen Anstrengungen. Die NATO sagt selbst: Das Fass ist langsam leer, mehr haben wir nicht. Produktionskapazitäten hochzufahren dauert Jahre, nicht Monate. […]
Wenn wir zum Schluss kommen, dass wir nicht bereit sind, die Ukraine so zu unterstützen wie notwendig, dann muss man das aus meiner Sicht kommunizieren und beginnen möglicherweise Verhandlungen zu führen. Dann hat Russland uns aber genau dort, wo es uns haben will, und Russland wird mit dem weiter machen, was es will. Und das ist die Vernichtung der Ukraine.“
„All In“ ist eine Metapher aus dem Poker und bedeutet, dass man alles setzt, was man hat. Wenn man dann verliert, verliert man alles, kann auch nicht weiterspielen…
Leopard vs. Abrams
(4. Dezember 2023)Hinter den Kulissen machen sich die USA (Abrams) und Deutschland (Leopard 2A8) relativ rau Konkurrenz, wer vor allem den Bedarf osteuropäischer Staaten nach neuen Kampfpanzern bedienen wird. Vor diesem Hintergrund sind wohl aktuell vermehrte Berichte in den deutschen Medien zu verstehen, der Abrams-Panzer zeige im „Praxistest“ schwächen. So titelt zum Beispiel die Frankfurter Rundschau „Abrams-Panzer entpuppt sich auf Schlachtfeld der Ukraine als Diva“, wobei sie schreibt: „US-Praktiker hatten lange vor dem Einsatz gewarnt, inzwischen weiß die Ukraine auch warum. Den von manchen zum besten Kampfpanzer der Welt erklärten us-amerikanischen Abrams M-1 plagen in der Gegenoffensive gegen Russlands Invasionsarmee die Wehwehchen – ihm geht mitten im Ukraine-Krieg schlicht die Puste aus.“ Nach einer langen Aufzählung der Probleme des Abrams auf den ukrainischen Schlachtfeldern lautet denn auch die letzte Überschrift des Artikels: „Für ihren Sieg über Russland braucht die Ukraine eher mehr Leoparden“. (jw)
Russland: Aufstockung
(4. Dezember 2023)Neben einem gestiegenen Militäretat will Russland laut Deutschlandfunk auch die Truppenzahl aufstocken: „Russland will die Zahl seiner Soldaten um 15 Prozent erhöhen. Präsident Putin unterzeichnete ein entsprechendes Dekret, wie der Kreml mitteilte. Demnach soll es künftig rund 1,3 Millionen Soldaten geben – und damit rund 170.000 mehr als bislang.“ (jw)
Greenpeace: Kaputtgespart?
(4. Dezember 2023)Auch eine neue Greenpeac-Studie nimmt sich der Behauptung an, die Bundeswehr sei kaputtgespart worden. Sie kommt laut taz zu anderen Ergebnissen: „Deutschland hat innerhalb eines Jahrzehnts seine Militärausgaben um 42 Prozent gesteigert, Italien um 30 Prozent – und Spanien gar um 50 Prozent.“ Dazu wird in der taz Greenpeace-Experte Alexander Lurz zitiert: „Die Bundeswehr wurde in den vergangenen Jahren bereits finanziell stark bevorzugt und keineswegs kaputtgespart.“ (jw)
Feiertage streichen?
(1. Dezember 2023)German-Foreign-Policy.com wies heute auf einen Beitrag des Direktors der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) hin. Darin forderte Guntram Wolff im Handelsblatt, dem dänischen Beispiel zu folgen und zur Finanzierung hoher Militärausgaben gleich zwei Feiertage zu streichen: „Die Zeit der Friedensdividende nach dem Fall der Mauer ist vorbei. […] Neben der durch eine Verfassungsänderung abgesicherten 100 Milliarden Euro Schuldenaufnahme in ein Sondervermögen, das vor allem den Aufwuchs an militärischem Material finanzieren soll, werden jährliche Mittel von 0,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) notwendig sein, um verteidigungsfähig zu sein. […] Diese langfristig notwendigen zusätzlichen Belastungen von fast einem Prozentpunkt des BIP für den Haushalt könnten durch die Abschaffung zweier Feiertage teilweise finanziert werden.“ (jw)
Münkler: EU-Atomwaffen
(1. Dezember 2023)In der Berliner Zeitung wird der prominente Politikprofessor Herfried Münkler mit seinen Forderungen nach EU-Atomwaffen zitiert: „Wir brauchen einen gemeinsamen Koffer mit rotem Knopf, der zwischen großen EU-Ländern wandert.“ (jw)
Rüstungszahlen: ASD & EDA
(1. Dezember 2023)Während die NATO bereits seit einiger Zeit mit Schätzungen zu den Militärausgaben ihrer Mitgliedsstaaten für das Jahr 2023 aufwartet, hinkt die Europäische Union bzw. die damit beauftragte EU-Verteidigungsagentur (EDA) traditionell deutlich hinterher. In ihren soeben veröffentlichten Defence Data sind gerade einmal die Zahlen für 2022 zusammengefasst. Demzufolge sei 2022 die Rekordsumme von €58 Mrd. für Rüstungsgüter verausgabt worden, die Verteidigungsausgaben seien ebenfalls auf ein Allzeithoch von €240 Mrd. geklettert (wobei angemerkt werden muss, dass die EDA-Zahlen das tatsächliche Ausmaß der Ausgaben nicht voll erfassen, da militärrelevante Beträge außerhalb der Verteidigungshaushalte nicht erfasst werden). Ebenfalls frisch veröffentlicht sind die Zahlen des größten europäischen Rüstungslobbyverbandes ASD. Sie weisen für 2022 eine Umsatzsteigerung der EU-Rüstungsunternehmen von rund 10% auf €135 Mrd. aus. Die eigentlichen Steigerungen werden aber sich aber erst in den Zahlen für 2023 abbilden, die dann wieder einige Zeit auf sich warten lassen dürften. (jw)
FCAS: Aufnahme Belgiens?
(30. November 2023)Laut Europäischer Sicherheit & Technik konkretisieren sich die belgischen Pläne, in das deutsch-französische-spanische Luftkampfsystem FCAS einsteigen zu wllen: “Noch in diesem Jahr will Belgien das Beobachterabkommen unterzeichnen und sich ab 2024 in die Programmarbeit einsteigen. Der offizielle Beitritt in das FCAS-Programm ist für Juni 2025 geplant.“ (jw)
Eurofighter: EloKa
(30. November 2023)Aus dem Sondervermögen sollen Eurofighter für die Elektronische Kampfführung „ertüchtigt“ werden. Zuerst sollen sie in die Lage versetzt werden, Flugabwehrsysteme zu identifizieren und auszuschalten, in einem späteren Schritt soll dann noch die Fähigkeit zum Stören („Jamming“) hinzukommen. Wie das Handelsblatt berichtet, wurden gestern die Gelder für den ersten Schritt freigegeben: „Der Haushaltsausschuss und der Verteidigungsausschuss gaben am Mittwoch grünes Licht für den ersten Schritt des Rüstungsprojekts im Umfang von mehr 380 Millionen Euro, mit dem 15 Maschinen Zusatzausrüstung erhalten sollen, wie der Deutschen Presse-Agentur erklärt wurde.“ (jw)
Sparen unnötig
(30. November 2023)Schon einige Zeit ist klar, dass das Sondervermögen der Bundeswehr vom jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht berührt sein dürfte. Ob allerdings in möglichen neuen Haushaltsverhandlungen nicht doch auch der offizielle Militärhaushalt zum Beispiel seine 1,7 Mrd. Euro Erhöhung gegenüber dem Vorjahr einbüßen könnte, war zumindest nicht ausgemacht. Nach jüngsten im Deutschlandfunk wiedergegebenen Aussagen von Verteidigungsminister Boris Pistorius scheint dies aber sehr unwahrscheinlich: „Bundesverteidigungsminister Pistorius sieht trotz der Haushaltskrise keine Notwendigkeit, in seinem Etat zu sparen. Es gebe bislang keinerlei Anforderungen an ihn, einen Beitrag zur Konsolidierung zu leisten, sagte Pistorius bei einer Regierungsbefragung im Bundestag.“ (jw)
Positionspapier: Software Defined Defence
(30. November 2023)Das „Bundesministerium der Verteidigung, Abteilung Cyber/Informationstechnik“, der „Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V.“, der „Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V.“ und der „Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.“ haben zusammen ein Positionspapier Software Defined Defence (SDD) veröffentlicht. Als Ziel wird darin der „Aufbau eines Digitalisierungsökosystems“ ausgegeben, um über SDD die Schlagkraft der Bundeswehr zu erhöhen: „Um die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr gem. Auftrag der „Zeitenwende“ kurz- und mittelfristig zu steigern und an neue Anforderungen des sich immer schneller verändernden Gefechtsfeldes anpassen zu können, ist eine größtmögliche Nutzung der Möglichkeiten von Digitalisierung zur digitalen Ertüchtigung von bereits in Nutzung befindlichen Systemen und bei der Entwicklung von neuen Systemen entscheidend – Software ist der wesentliche Enabler moderner militärischer Operationen ganz im Sinne von Multi-Domain-Operations (MDO). Ein zentrales Leit-Prinzip für die Streitkräfteentwicklung der Zukunft ist hierbei ‚Software Defined Defence‘ (SDD). Im Mittelpunkt steht das Ziel, die enormen Potenziale von Software für die stetige Verbesserung bzw. Erweiterung der Fähigkeiten der Waffensysteme und damit der (flächendeckenden) Steigerung der Leistungsfähigkeit der Bundeswehr zu nutzen.“ (jw)
„Halten ist Gewinnen“
(29. November 2023)Laut FAZ sind die NATO-Ziele im Ukraine-Krieg nach einer jüngsten Neudefinition nun deutlich weniger ambitioniert: „Entsprechend schraubt die NATO ihre Ziele herunter. „Halten ist Gewinnen“, lautet nun die Parole, und das ist deutlich weniger ambitioniert als das, was der Westen sich von der jüngsten ukrainischen Offensive erhofft hatte: dass Kiew nämlich mit westlichen Waffen einen Durchbruch erkämpfen kann, der Putin dann an den Verhandlungstisch zwingt. Das wird auf absehbare Zeit nicht geschehen.” (jw)
Neutralität gegen Kriegsende
(29. November 2023)Immer mehr Quellen bestätigen, dass Ende März 2022 eine Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg möglich gewesen wäre, in deren Zentrum die Neutralität des Lands im Tausch gegen Sicherheitsgarantien und den russischen Rückzug auf den Stand vor dem 24. Februar 2022 gestanden hätte (siehe IMI-Aktuell 2023/693). Nun weist infosperber.ch auf Aussagen von Dawyd Arachamija hin, der bei den Istanbul-Gesprächen die ukrainische Verhandlungsdelegation geleitet hatte, die dies ebenfalls untermauern: «Die Russen haben wirklich fast bis zum letzten Moment gehofft, dass sie uns zwingen würden, ein solches Abkommen zu unterzeichnen, damit wir die Neutralität annehmen. Das war das Wichtigste für sie. Sie waren bereit, den Krieg zu beenden, wenn wir – wie einst Finnland – der Neutralität zustimmten und uns verpflichteten, der NATO nicht beizutreten. Das war in der Tat der entscheidende Punkt. Alles andere über Entnazifizierung, die russischsprachige Bevölkerung und blablabla war nur Rhetorik und politische ‹Würze›.» (jw)
Wadepuhl: Dienstpflicht
(29. November 2023)Mit einem achtseitigen „Konzept“ (eigentlich ist es eher ein Plädoyer) wirbt Johann Wadepuhl, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, für die Einführung einer Allgemeinen Dienstpflicht: „Denn zur Abwehr oder Bewältigung von Bedrohungen und Krisen braucht es auch in unserem hochtechnisierten 21. Jahrhundert vor allem eines: eine große Zahl zupackender Hände. […] Doch diese zupackenden Hände werden von Jahr zu Jahr weniger. […] 2025 wird sogar aufgrund fester Zusagen an die NATO eine Personalgröße [der Bundeswehr] von 203.000 Soldatinnen und Soldaten beabsichtigt – eine Zahl, die von hochrangigen Bundeswehroffizieren als eh zu niedrig angesetzt gesehen wird. […] Ein einjährige Allgemeiner Gesellschafts-dienst für Männer und Frauen muss Teil der Modernisierungsagende für unser Land sein.“ (jw)
EU-Sondervermögen?
(28. November 2023)Schon im Juni wurde im Flaggschiff der außenpolitischen Establishment, der Internationalen Politik, gefordert, auch auf EU-Ebene ein militärisches Sondervermögen auszuloben. Wie das Handelsblatt nun berichtet, scheint diese Idee nun auf estnische Initiative prominent auf EU-Ebene diskutiert zu werden: „Europa hat die Möglichkeit eines Trump-Comebacks lange verdrängt, doch inzwischen lässt sich das Risiko nicht länger leugnen. Hinter verschlossenen Türen wird in Brüssel deshalb diskutiert, einen neuen Milliardenfonds aufzulegen – nach dem Vorbild des Corona-Wiederaufbauplans ‚Next Generation EU‘. Der entscheidende Unterschied: Dieses Mal sollen die Mittel nicht in Klimaschutzmaßnahmen, sondern in die Aufrüstung fließen.“ (jw)
Frankreich: Erspartes für Rüstung
(28. November 2023)Im Handelsblatt ist nachzulesen, dass Frankreich das Livret A, auf dem Ersparnisse der Bevölkerung lagern, künftig für Rüstungsprojekte nutzbar machen will: „Frankreich erschließt eine neue Quelle zur Finanzierung der Verteidigungsausgaben: die Ersparnisse seiner Bürger. Ein Passus im Haushaltsgesetz für 2024 ermöglicht, die Milliardeneinlagen des französischen Volkssparbuchs Livret A auch für Investitionen in Rüstungsprojekte zu nutzen. Bisher flossen diese Mittel nur in den sozialen Wohnungsbau.“ (jw)
IMI-Kongress: Fundsachen
(28. November 2023)Nach dem gut besuchten Kongress der IMI am vergangenen Wochenende, sind in den weitläufigen Räumlichkeiten der Hepper-Halle verschiedene Gegenstände liegen geblieben, die vermutlich von Besucher*innen vergessen wurden, darunter ein blauer Regenschirm und türkisene Turnschuhe. Irgendwer hatte sich auch offensichtlich reichlich und lecker für die Rückfahrt eingedeckt. Die enthaltenen Lebensmittel wurden weitgehend verteilt, die orangene Tasche, in der sie sich befanden, befindet sich in unserer Obhut.
Wer einen der angesprochenen Gegenstände oder weitere vermisst, darf sich gerne bei uns melden (imi@imi-online.de oder Tel.: 07071 49154).
Tagblatt zum IMI-Kongress
(28. November 2023)Am vergangenen Wochenende (25./26.11.) fand der mittlerweile 27. Kongress der IMI in Tübingen statt (ein ausführlicher Bericht wird hier folgen). Thema war insbesondere vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges die Fragestellung „Deutschland im Kriegszustand?“. Das Schwäbische Tagblatt berichtete über den Kongress v.a. auf Grundlage des ersten Beitrags von Tobias Pflüger:
„Ein besonderer Aufhänger für ihn seien aber die erst kürzlich veröffentlichten und somit nicht in die Vorbereitung eingeflossenen verteidigungspolitischen Richtlinien. Die Bundeswehr müsse wieder ‚kriegstüchtig‘ gemacht werden, ein Begriff, den er nicht nachvollziehen könne. ‚Es haut mir selten den Hut weg, aber dieses Mal haben sie es hingekriegt‘, so Pflüger. Dabei zitierte er aus dem Richtlinienpapier: Die Bundeswehr müsse bereit sein, Konflikte gegen ebenbürtige Gegner zu gewinnen, bereit sein, im hochintensiven Gefecht Erfolge zu erzielen. Deutschland müsse ein Rückgrat der Abschreckung und der kollektiven Verteidigung in Europa sein. Dafür bedürfe es laut Verteidigungsminister Boris Pistorius eines Mentalitätswechsels in der Gesellschaft.
Pflügers Meinung nach brauche es etwas anderes, einen gesellschaftlichen Aufschrei. ‚Es braucht ein Nein‘, bekräftigte er unter Applaus der Zuhörerinnen und Zuhörer, ‚wir sind nicht kriegstüchtig, wenn, dann wollen wir, dass es Friedenstüchtigkeit gibt‘. Er glaube fest daran, dass die Kriegsunterstützung politische Absicht sei. Er kenne die alten Papiere aus den Verteidigungsausschüssen, die Projekte wie der F35-Flieger, sagte er, ohne das genauer zu erläutern. Deutschland wolle das zentrale militärische Land in Europa werden, der Ukraine-Krieg habe einfach die perfekten Außenbedingungen geboten, die Aufrüstung durchzubringen.“
Puma: Verspätung
(28. November 2023)Als im Juni 2021 der letzte von 350 Schützenpanzern Puma ausgeliefert worden war, waren knapp 70 Monate Verspätung und Mehrkosten von rund 1,5 Mrd. Euro angehäuft worden – und dann war das Teil so veraltet, dass es für teuer Geld erst einmal wieder modernisiert werden musste. Einige der bereits modernisierten Versionen wurden dann im Dezember 2022 getestet und dabei gaben alle 18 eingesetzten Pumas den Geist auf (siehe IMI-Analyse 2023/02). Kurz wurden daraufhin die bereits freigegebenen Gelder für die Nachrüstung der restlichen 143 Pumas gestoppt, bald darauf dann aber wieder freigegeben. Wie das Verteidigungsministerium meldete, verspätet sich die Auslieferung nun erneut, wenn auch erst einmal nur um einige Monate: „Die ersten umgerüsteten Gefechtsfahrzeuge für das Heer sollten bis Jahresende 2023 von der Bundeswehr abgenommen werden. Wegen notwendiger Nacharbeiten insbesondere an der Software, die nach Angaben der Industrie im Februar 2024 abgeschlossen sein sollen, wird sich die Abnahme dieser ersten Fahrzeuge auf Ende Februar 2024 verschieben.“ (jw)
Leopard 2A8: Interessenten
(27. November 2023)Im Mai wurde ein Vertrag zum Kauf von 18 Leopard 2A8-Panzern abgeschlossen, um zuvor (in einer älteren Version) an die Ukraine abgegebene Panzer zu ersetzen. Der Vertrag enthielt eine Option auf die Lieferung von bis zu 123 Panzern für die es nun Interessenten zu geben scheint, wie hartpunkt.de berichtet: „Die Bundesrepublik Deutschland ist offenbar in Gesprächen mit der Tschechischen Republik, Litauen, Schweden und den Niederlanden über eine Beschaffung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 A8 aus dem kürzlich geschlossenen Rahmenvertrag der Bundeswehr.“ (jw)
Schweizer Leopard
(24. November 2023)Die Schweizer Regierung habe der Lieferung von 25 „Leopard-2“-Panzern nach Deutschland zugestimmt, berichtet die Deutsche Welle: „Die Kampfpanzer sollen an den Hersteller Rheinmetall Landsysteme zurückverkauft werden. (…) Zur Begründung hieß es vom Schweizer Bundesrat, Deutschland habe zugesichert, dass die Panzer in Deutschland oder bei NATO- oder EU-Partnern verbleiben würden, um eigene Lücken zu schließen. Mehrere europäische Länder hatten zuvor Panzer an die Ukraine geliefert und damit die eigenen Bestände ausgedünnt.“ (jw)
Sondervermögen: Gesperrt?
(23. November 2023)Zeit Online berichtet, auch das Sondervermögen der Bundeswehr sei von der aktuellen Haushaltssperre betroffen: „Das Bundesfinanzministerium hat nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch das Verteidigungsministerium mit einer Haushaltssperre belegt. Der Zahlungsstopp betrifft nicht nur den regulären Wehretat, sondern auch das Sondervermögen der Bundeswehr, wie aus einem Schreiben des Ressorts von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hervorgeht, das der Augsburger Allgemeinen vorliegt.“ UPDATE: Nun meldet das Verteidigungsministerium, von der Sperre sei des Bundeswehr-Sondervermögen wieder ausgenommen worden: „In gemeinsamer abschließender Abstimmung mit dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) konnten wir klarstellen, dass das Sondervermögen Bundeswehr von den Vorgaben der Haushaltssperre ausgenommen ist und die Verpflichtungsermächtigungen aus dem Wirtschaftsplan 2023 des Sondervermögens keiner Sperre unterliegen. (jw)
Ukraine: „Aufbaujahr“?
(22. November 2023)Tagesschau.de hat den „Militäranalyst“ Franz-Stefan Gady zur Lage an der Front in der Ukraine interviewt. Eher zwischen den Zeilen räumt er ein, dass die Lage dort für die ukrainische Armee nach der eher gescheiterten Gegenoffensive eher schwieriger geworden ist. Entsprechend schlägt er für 2024 ein „Aufbaujahr“ vor, in dem sich die Ukraine mit umfangreicher westlicher Hilfe auf kommende Offensiven vorbereiten kann:
„Deshalb halte ich es für dringend notwendig, an den meisten Teilen der Front so früh wie möglich in die strategische Defensive überzugehen und gleichzeitig das nächste Jahr dazu benutzen, ein Aufbaujahr einzuleiten. Unter diesem Motto sollte 2024 für die ukrainischen Streitkräfte stehen… Aufbaujahr bedeutet erst einmal, dass die einzelnen Einheiten gut trainiert und ausgebildet werden. Es bedeutet, dass Training und Ausbildung systematischer von westlichen Partnern unterstützt werden und dies synchronisiert geschieht… Dann müssen die einzelnen Einheiten wieder aufgefrischt werden durch zusätzliche Reservisten, damit sie wieder die volle Sollstärke erreichen. Ausrüstung und Waffensysteme müssen instandgesetzt werden, und dann muss genug Munition herangeschafft werden für weitere etwaige offensive Operationen.“
Rheinmetall: Verdreifachung angepeilt
(22. November 2023)Im Jahr 2022 kam der Rüstungriese Rheinmetall auf einen Umsatz von 5 Mrd. Dollar. Laut Süddeutscher Zeitung strebt der Rüstungsriese Rheinmetall fast eine Verdreifachung seines Umsatzes an – zum Vergleich, das würde deutlich über dem EU-Spitzenreiter des Jahres 2022 liegen (Navantia mit 12,9 Mrd. Dollar): „Bis 2026 soll der Umsatz auf 13 bis 14 Milliarden Euro zunehmen, wie das im Dax notierte Unternehmen am Dienstag anlässlich einer Investorenveranstaltung im niedersächsischen Unterlüß mitteilte.“ (jw)
Ukraine: Waffenpaket
(22. November 2023)Bei seinem Besuch in der Ukraine kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius gestern ein weiteres Waffenpaket das Land an, schreibt Augengeradeaus: „Verteidigungsminister Boris Pistorius hat der Ukraine ein weiteres Paket mit deutschen Waffensystemen im Krieg gegen Russland zugesagt. Die Lieferung von Flugabwehrsystemen, Artilleriemunition und Panzerabwehrminen hat einen Wert von 1,3 Milliarden Euro.“ (jw)
Malische Armee in Kidal
(21. November 2023)Vor einer Woche hat die malische Armee die Stadt Kidal im Nordosten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Die Stadt ist die am weitesten von der Hauptstadt gelegene größere Stadt Malis und war eine der ersten die zu Beginn des Sezessionskriegs der von ethnischen Tuareg geführten Bewegung für die Befreiung des Azawads (MNLA) von dieser und kurz darauf von islamistischen Milizen besetzt wurde.
Nachdem die Islamisten nach einem Bündnis der ursprünglichen Tuareg mit der Regierung Malis und Hilfe der französischen Interventionstruppen der Operation Serval (später Barkhane) aus den größeren Städten gedrängt wurden, hatte die MNLA bzw. die später gegründete Dachorganisation Koordination der Bewegungen des Azawad (CMA) die Macht in der Region. Seit Ende der Militärkooperation mit Frankreich verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den ehemaligen Rebellen und der Zentralregierung wieder. Im Januar 2023 verließen die Gesandten der Rebellen den Verfassungsgebenden Prozess, deren Referendum sie später in den Gebieten unter ihrer Kontrolle behinderten. Im August erklärten die Rebellen den Friedensvertrag von 2015 für gescheitert. Seitdem kommt es immer wieder zu Scharmützeln um die Stützpunkte der mittlerweile ebenso aus dem Land verwiesenen UN-Mission MINUSMA.
Auch in Kidal verließ die MINUSMA Anfang November eine ihrer Militärbasen, wohl zwei Wochen vor dem geplanten Abzug. Die Rebellen übernahmen diese dann, was laut der malischen Regierung nicht den Protokoll entspreche. Als die Armee nun auf Kidal zu rollte, zogen sich die Milizen der Tuareg jedoch wohl „strategisch zurück“. Laut Reuters-Berichten seien während der Einnahme auch Zivilisten durch Drohnenschläge getötet worden.
Jahresbericht Marine: Ostsee-Dauerpräsenz?
(21. November 2023)Heute veröffentlichte die Marine ihren Jahresbericht. Erwartungsgemäß erhalten dort mögliche Konflikte mit Russland in der Ostsee einiges an Raum. Vor allem in einem Beitrag namens „Die ‚Zeitenwende‘ im Kontext von kritischer maritimer Infrastruktur, Eskalationsgefahren und deutschem Führungswillen“ kommt dies klar zum Ausdruck: „Vor diesem Hintergrund sollten Deutschland und seine Verbündeten im erweiterten Ostseeraum eine ständige Präsenz in der Nord- und Ostsee anstreben. Dazu sollten sie Einheiten der Länder in einer gemeinsamen Anstrengung rotieren lassen, vorzugsweise unter Leitung eines regionalen maritimen Hauptquartiers. Zweck dieser Bemühungen wäre, das Lagebild und das maritime Situationsbewusstsein zu verbessern, kritische maritime Infrastruktur zu schützen, die Seewege zu sichern und eine notwendige Abschreckung aufrechtzuerhalten.“ (jw)
Tiger-Nachfolge: Teurer
(21. November 2023)An der Entscheidung, als Nachfolge des schweren Kampfhubschraubers Tiger das leichtere Modell auf Basis des H145 von Airbus Helicopters zu nehmen, gab es ohnehin bereits einiges an Kritik (siehe Sonderseite-Sondervermögen). Nun wird auch noch berichtet, die Bestellung werde wohl – mal wieder – deutlich teurer als gedacht: „Die Bundeswehr plant, bis zu 82 H145M-Hubschrauber von Airbus zu erwerben. Wie der “Business Insider” unter Berufung auf Regierungsunterlagen berichtete, wird dieses Vorhaben voraussichtlich teurer als ursprünglich geplant. Statt der veranschlagten 1,8 Milliarden Euro könnten die Kosten um 400 bis 500 Millionen Euro ansteigen.“ (jw)
Kleindrohnen: Task Force
(20. November 2023)Die Bundeswehr will die Bedeutung von Kleindrohnen untersuchen, berichtet Augengeradeaus: „Angesichts der umfassenden Nutzung von handelsüblichen Kleindrohnen im Krieg in der Ukraine will die Bundeswehr den Einsatz solcher unbemannten Flugsysteme, aber auch den Schutz davor untersuchen. Nach Angaben von Generalinspekteur Carsten Breuer wurde in dieser Woche eine Task Force Drohnen eingesetzt, die sich mit einer Nutzung auch in den deutschen Streitkräften beschäftigen soll.“ (jw)
Vorkaufsrecht?
(20. November 2023)Spiegel Online zufolge soll erwogen werden, eine Art Vorkaufsrecht auf deutsche Rüstungsgüter einzuführen: „Um die Aufrüstung zu beschleunigen, spielt Verteidigungsminister Pistorius mit einer ungewöhnlichen Idee: Die Bundeswehr soll nach SPIEGEL-Informationen beim Einkauf das erste Zugriffsrecht auf deutsche Rüstungsgüter bekommen.“ (jw)
Poseidon bewilligt
(18. November 2023)Am 17. November bewilligte der u.a. 1,1 Mrd. Euro für den Kauf von drei Seefernaufklärer P-8A Poseidon. Interessant an der dazugehörigen Nachricht des Verteidigungsministeriums ist, dass trotz dieser Beschaffung bei einem US-Hersteller zumindest laut dieser Meldung am deutsch-französischen MAWS-Projekt festgehalten zu werden scheint, das damit Viele für erledigt erachtet hatten: „Außerdem können weitere drei Seefernaufklärer des Typs P-8A Poseidon bei der US-Regierung bestellt werden. Die erforderlichen knapp 1,1 Milliarden Euro kommen aus dem Sondervermögen Bundeswehr. […] Die P-8A Poseidon des US-Herstellers Boeing sollen ab Ende 2024 als Zwischenlösung die U-Boot-Jagd und Seefernaufklärung von der P-3C Orion übernehmen. Langfristig sollen diese Fähigkeiten durch das deutsch-französische Kooperationsprojekt Maritime Airborne Warfare System (MAWS) abgedeckt werden.“ (jw)
Flecktarnfahrten: Nachschlag
(17. November 2023)160 Mio. Euro hätte die Schnapsidee, Soldat*innen kostenlos bahnfahren zu lassen, im kommenden Jahr kosten sollen. Wie der Spiegel nun berichtet, reicht auch dieser Betrag nicht aus: „Kostenlos Bahn fahren, auch privat: Diese Möglichkeit kommt bei den Soldaten der Bundeswehr so gut an, dass Verteidigungsminister Pistorius eine Aufstockung des Budgets um 15 Millionen Euro beantragen muss.“ (jw)
Antrag: Abgelehnt
(17. November 2023)Obwohl das Verteidigungsministerium als eines der wenigen Ministerien 2024 mehr Geld als im Vorjahr erhalten soll, forderte die Union in einem Antrag statt die vorgesehenen 51,8 Mrd. Euro einen Etat von 60,5 Mrd. Euro. Nach einer gut einstündigen gestrigen Aussprache im Bundestag wurde der Antrag abgelehnt. (jw)
CDU: Taurus statt Migration
(16. November 2023)Ziemlich kurzfristig hat die Unionsfraktion im Bundestag einen Antrag eingebracht, der im Kern die Lieferung von Marschflugkörpern des Typs Taurus fordert. In der Pressearbeit zum Antrag tut sich insbesondere Roderich Kiesewetter von der CDU hervor – und versucht dabei auch, populistisch mit der Angst vor Migration Stimmung zu machen. Das gibt u.a. tagesschau.de wieder:
„Die Oppositionsfraktion wird zwar mit ihrem ‚Taurus‘-Antrag vermutlich keine Mehrheit bekommen, aber den Kanzler vielleicht zum Nachdenken bringen, hofft zumindest Kiesewetter: ‚Am Ende muss die Lieferung stehen, weil ansonsten Massenflucht aus der Ukraine und der Zerfall der Ukraine droht. Das müssen wir mit den geeigneten Waffensystemen verhindern.‘
Auch sonst ist der ARD-Beitrag weitgehend auf Linie der Antragssteller. Mögliche Gefahren werden weitestgehend negiert:
„Frankreich, Großbritannien und mittlerweile auch die USA haben der Ukraine Marschflugkörper und Raketen geliefert. Allerdings mit geringerer Reichweite und Durchschlagskraft. Und auch die möglicherweise nötige Ausbildung durch Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten am Waffensystem ‚Taurus‘ wird von Expertinnen und Experten nicht als unlösbares Hindernis angesehen. Sie befürchten nicht, dass Deutschland schon dadurch zur Kriegspartei wird.“
Zitiert und namentlich genannt wird jedoch nur ein (vermeintlicher) Experte, „der Militärhistoriker Sönke Neitzel“. Ein Beitrag auf n-tv.de nennt jedoch auch weitere Argumente gegen die Taurus-Lieferung (siehe dazu auch IMI-Standpunkt 2023/035):
„Scholz begründete sein Nein damit, eine Eskalation des Krieges vermeiden zu wollen. Es müsse verhindert werden, dass Deutschland Teil der Auseinandersetzung werde, sagte er bei einem NATO-Gipfel im spanischen Granada. Aus Sicht des Kanzleramtes müssten für den Taurus-Einsatz Geodaten aus Deutschland zugeliefert werden oder deutsches Personal, möglicherweise sogar Bundeswehrsoldaten, vor Ort sein. Das würde allerdings einen Beschluss des Bundestags erfordern. Offenbar gibt es im Kanzleramt die Befürchtung, dass dies von Russland als direkte Beteiligung am Kriegsgeschehen gewertet werden könnte.“
Beide Beiträge nennen auch das „Argument“, dass Frankreich und Großbritannien mit Storm Shadow bzw. Scalp bereits ähnliche Waffensysteme geliefert hätten – gehen allerdings übereinstimmend von einer geringeren Reichweite dieser Marschflugkörper aus (n-tv.de konkreter von 250km vs. 500km bei Taurus).
Gaza: UNSC-Resolution
(16. November 2023)Für die ARD berichtet Antje Passenheim über die Resolution des UN-Sicherheitsrates zu Gaza, in der die Freilassung aller Geiseln und „ausgedehnte humanitäre Pausen“ gefordert würden:
„Fast sechs Wochen hat der UN-Sicherheitsrat gebraucht, um mit einer gemeinsamen Sprache auf die beidseitige Gewalt in Nahost zu reagieren. Eineinhalb Monate nach den brutalen Terrorattacken der Hamas in Israel und den dadurch ausgelösten brutalen Gegenangriffen der israelischen Armee kommt die erste gemeinsame Haltung zustande.“
Möglich wurde die Verabschiedung dadurch, dass die USA keine Veto eingelegt, sondern sich (wie Russland und UK) enthalten haben. Laut Passenheim begründete die UN-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield dieses Abstimmungsverhalten so:
„Die USA hätten ihren Einspruch nicht länger rechtfertigen können – angesichts dieser Verletzungen des Menschenrechts: Ausgehungerte, eingekesselte Zivilisten, die Bombardierung von Krankenhäusern, alle zehn Minuten ein getötetes Kind.“
Die Stellungnahmen der aktuell im Sicherheitsrat vertretenen Staaten sind auch in einem ausführlichen Bericht der Pressestelle der UN zusammengefasst. Diese legen nahe, dass nicht nur humanitäre Pausen, sondern zumindest perspektivisch ein Waffenstillstand angestrebt wird. Der Text der Resolution selbst ist auf der Homepage des Sicherheitsrates aktuell noch nicht abrufbar.
Vivian Silver getötet
(16. November 2023)Wie u.a. die NZZ berichtet, wurde die kanadisch-israelische Friedensaktivistin Vivian Silver als eine der Getöteten im Zuge des Angriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober identifiziert.
Sie hatte sich seit Jahrzehnten für Frieden im Nahen Osten eingesetzt. U.a. war sie eine der Freiwilligen, die palästinensische Kinder aus dem Gazastreifen an der Grenze abholten, um ihnen eine Behandlung in israelischen Krankenhäusern zu ermöglichen. Sie sprach sich mehrfach gegen die Blockade des Gaza-Streifens aus.
Zunächst war vermutet worden, sie sei unter den Entführten gewesen. Die NZZ schreibt: „Yonatan Zeigen, einer ihrer beiden Söhne, erzählte der israelischen Zeitung Haaretz später, seine Mutter habe sich in einem Schrank in einem sicheren Raum versteckt. Als die Schüsse näher kamen, habe die 74-Jährige ihm weiter Textnachrichten geschrieben: ‚Wir könnten Zeuge eines Massakers werden.‘ Ihre letzte Nachricht verschickte Vivian Silver um 11 Uhr 07. Ihr Handy wurde später in Gaza lokalisiert, deswegen hofften ihre Söhne, sie habe überlebt.“ (ak)
Görlitz oder Bautzen?
(16. November 2023)Zwei Landkreise in Sachsen buhlen gerade um die „Gunst“ künftig ein Bundeswehr-Bataillon beherbergen zu dürfen, wird beim mdr berichtet: „In Ostsachsen gibt es ein Rennen um eine Ansiedlung der Bundeswehr. Im Raum steht die Stationierung von voraussichtlich zwei Bataillonen in der Region – einem Logistikbataillon und einem Artilleriebataillon. […] Unklar ist bisher noch, wo genau die beiden Bataillone angesiedelt werden sollen. Im Fokus stehen mehrere Kommunen in den Landkreisen Görlitz und Bautzen.“ (jw)
KSK: Waffenlager?
(16. November 2023)Laut Süddeutscher Zeitung hätten Ermittler nun bereits mehrfach auf dem Gelände des Kommando Spezialkräfte nach Waffenlagern gesucht: „Demnach sagte ein Soldat nach der Großrazzia im ‚Reichsbürger‘-Milieu im Dezember 2022 bei der Polizei aus. Er berichtete von dem Gerücht, dass der damalige Fallschirmjäger-Offizier Rüdiger von P. gemeinsam mit Kameraden abgezweigte Waffen und Munition auf einem Übungsgelände versteckt haben soll. Die Rede sei von mehreren Paletten unter anderem mit AK-47-Sturmgewehren gewesen. […] Zuletzt in der vergangenen Woche rückten die Ermittler erneut an, um nach dem möglichen Waffenversteck zu suchen.“ (jw)
Sondervermögen: Illegal?
(15. November 2023)Wie heute bei Telepolis dargestellt wurde, könnte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Corona-Geldern auch weitreichende Konsequenzen für das Sondervermögen der Bundeswehr haben: „Zudem – und das kann weitere Folgen haben – stellt das Gericht fest: Sondervermögen dürfen nur in dem Haushaltsjahr, für das sie bereitgestellt wurden, eingesetzt werden. […]Somit stellt sich die Frage, was aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr wird, dessen Bereitstellung Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ende Februar 2022 im Zuge der ‚Zeitenwende‘ verkündet hat. Jeweils 20 Milliarden zusätzlich für fünf Haushaltsjahre.“ (jw)
EU-Weltraumstrategie: Angenommen
(15. November 2023)Die militärische Bedeutung des Weltraums wächst immer weiter (siehe den AUSDRUCK-Schwerpunkt vom Juni 2022). Dem trägt nun auch die gestern vom EU-Rat angenommene auf 13. November datierte neue EU-Weltraumstrategie Rechnung. Darin wird unmissevrständlich betont, dass der „Weltraum eine Schlüsselrolle für militärische Missionen und Operationen innehat“ und gefordert, „dass die Weltraumdimension vollständig in die Planung und Durchführung von Missionen und Operationen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) einbezogen werden muss“. (jw)
medico zu Gaza
(15. November 2023)Absolut lesenswert ist der aktuelle Newsletter der Hilfsorganisation medico international zum Krieg in Gaza. Verlinkt und in Teilen zitiert ist darin u.a. die Erklärung „Den Horror in Gaza beenden“. Darin heißt es u.a.:
„Israels Armee ist außer Kontrolle, außerhalb der Verhältnismäßigkeit und außerhalb völkerrechtlicher und wertegeleiteter Bahnen. Die Menschen in Gaza durchleben seit Wochen die blanke Hölle und kein Tunnel unter ihnen rechtfertigt die Fortsetzung dieses Albtraums. Seit dem 7. Oktober finden flächendeckende Angriffe auf alle Teile Gazas statt, die etwa die Hälfte aller Wohnhäuser beschädigt, zerstört oder bis auf weiteres unbewohnbar gemacht haben. 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht, so viele wie noch nie in Palästina. Sichere Zufluchtsorte gibt es nicht, bombardiert wird überall. Ganze Familien werden durch Luftangriffe ausgelöscht.
Das vorläufige Ergebnis: Binnen vier Wochen sind in Gaza mehr als doppelt so viele Frauen und Kinder dem Kriegsgeschehen zum Opfer gefallen, wie in der Ukraine seit Kriegsbeginn durch Verbrechen der russischen Armee den Tod fanden. Fast 11.000 Menschen sind bei israelischen Angriffen getötet worden, etwa 68 Prozent davon Frauen und Kinder. Schätzungsweise 2.650 gelten als vermisst, auch davon etwa 1.400 Kinder. Die meisten dürften unter den Trümmern ihrer Häuser begraben liegen. In keinem Konflikt weltweit haben die Vereinten Nationen bisher so viele Personal verloren wie in Gaza: 100 Mitarbeiter:innen kamen bei den Angriffen seit dem 7. Oktober ums Leben.“
Zur Rolle Deutschlands wird dort u.a. ausgeführt:
„Die deutsche Bundesregierung ist ein politischer Akteur und trägt Verantwortung. Bundeskanzler Scholz war der erste Regierungschef, der Israel nach dem 7. Oktober besuchte, die Bundesregierung und die gesamte Parteienlandschaft in Deutschland haben sich solidarisch mit Israel – was in dieser Situation auch bedeutet: solidarisch mit dem Krieg gegen Gaza – gezeigt und die Bundesregierung hat hierfür einen Freifahrtschein ausgestellt, der sich moralisch aus dem blutigen Überfall des 7. Oktobers ableiten soll.“
Ebenfalls verlinkt im Newsletter ist ein Kommentar von Mario Neumann zum Diskurs in Deutschland unter dem treffenden Titel „Rechtsruck im Schafspelz“, darin:
„Was sich in Deutschlands politischer Mitte, die auch Ausdruck einer neuen Republik in Zeiten heraufziehender Krisen ist, seitdem breitmacht, ist eine neue Begeisterung für die Lösung politischer Probleme durch Polizei, Militär und Machtvollkommenheit. Ein neuer Autoritarismus der Mitte, der bis nach links ausstrahlt. Dies ist der Untergrund des rechten Durchmarschs der letzten Monate, bei dem sich die tatsächlich rechten Kräfte entspannt zurücklehnen konnten… Das Ergebnis ist ein ziemlich sinnentleertes progressives Geraune, hinter dem sich die Mentalität eines neuen deutschen Autoritarismus versteckt. Die Auseinandersetzung zu den Massakern der Hamas und um den Krieg in Gaza sind in dieser Hinsicht die jüngste und vielleicht auch die größte Augenwischerei der letzten Jahre. Wenn man morgens im Deutschlandfunk Hubert Aiwanger über den Antisemitismus der Migrant:innen herziehen hört, weiß man, welche Stunde geschlagen hat: Das Kulturkampf-Narrativ der politischen Rechten wird jetzt in der Sprache des Nahostkonflikts neu codiert. ‚Ausländer raus‘ heißt jetzt ‚Antisemiten raus‘. Die deutschen ‚Lehren‘ aus der Geschichte werden gegen die Migrationsgesellschaft ausgespielt und Debatten um die notwendige Dekolonisierung Deutschlands und der Welt gleich mit erledigt.“
Hensoldt: ESG-Übernahme?
(15. November 2023)Möglicherweise schon im Dezember scheint der Rüstungskonzern Hensoldt eine Übernahme des Militärdienstleisters ESG zu planen, berichtet das Handelsblatt: „ESG sitzt in München und beschäftigt nach eigenen Angaben 1300 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 285 Millionen Euro. Das 1967 gegründete Unternehmen arbeitet unter anderem für die Bundeswehr und betreibt IT- und Elektroniksysteme. Mit Hensoldt arbeitet ESG bereits im Rahmen des europäischen Kampfflugzeug-Projekts FCAS zusammen.“ (jw)
US-Israel-Politik: Brief
(15. November 2023)Über einen von 400 Regierungsvertreter*innen aus 40 Regierungsinstitutionen unterzeichneten Brief berichtet die New York Times. In ihm wird die US-Israel-Politik scharf kritisiert: „“We call on President Biden to urgently demand a cease-fire; and to call for de-escalation of the current conflict by securing the immediate release of the Israeli hostages and arbitrarily detained Palestinians; the restoration of water, fuel, electricity and other basic services; and the passage of adequate humanitarian aid to the Gaza Strip”. (jw)
Vergleichbare Streitkräfte
(15. November 2023)Das Märchen von der kaputtgesparten Bundeswehr diente wesentlich dazu, Zustimmung für die riesigen Summen zu erhalten, die nun in den Militärapparat gepump werden. Das stimmt nicht nur finanziell, sondern auch materiell und personell nicht, wie eine von Greenpeace beauftragte Studie des Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) ergab: „Die Bundesrepublik ist entgegen aller Behauptungen nicht verteidigungsunfähig und unterhält im Vergleich zu den gemeinhin einsatzbereiter und kampfkräftiger eingeschätzten Streitkräften Frankreichs und Großbritanniens hinsichtlich Bewaffnung, Personalstärke (und Mittelaufwand hierbei) und Einsatzbereitschaft vergleichbare Streitkräfte.“ (jw)
BW: Waffen an Israel
(14. November 2023)Die Deutschlandfunk berichtet, soll die Bundeswehr „nach dem Willen der Bundesregierung Waffen aus eigenen Beständen kostenlos an Israel abgeben können.“ Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss den Vorschlag am Donnerstag, den 16.11.23 annehmen und das Parlament muss dem Haushalt im Dezember zustimmen, so dlf. Bislang galt diese Regelung laut dlf für die Ukraine, doch „[i]n einem aktualisierten Entwurf des Bundesfinanzministeriums für den Haushalt 2024 wird diese Regelung auf Israel ausgeweitet.“ Der Grund dazu sei die aktuelle Bedrohungslage: „Die Bundeswehr soll demnach eigenes Material auch dann an Israel abgeben können, wenn dies zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr führt.“ Diese Entscheidung folgt dann der Entscheidung der Bundesregierung, die Entscheidungungen über Einzelgenehmigungen zu Rüstungsexporten nach Israel prioritär zu behandeln. Deutschlands Beteiligung an den Kriegsverbrechen in Gaza scheint zu steigen. (ja)
IMI-Cartoon: Kriegstüchtig (II)
(14. November 2023)Die unsägliche Formulierung von Verteidigungsminister Boris Pistorius, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden, fand nun auch Eingang in die kürzlich erlassenen neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien (siehe IMI-Standpunkt 2023/42). Auch andere darin verwendete Begrifflichkeiten wie „Wehrhaftigkeit“ oder „Szenario des Kampfes“ sind eine martialische Verschärfung des bisherigen Sprachgebrauchs. Siehe dazu auch den neuen IMI-Cartoon. (jw)
Gaza: BRD gegen Waffenstillstand
(13. November 2023)Wie der br berichtet, lehnt die Bundesregierung weiterhin ab, „eine sofortige Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der Hamas zu forden.“ Zitiert wird hierbei der Regierungssprecher Hebestreit. Er „bezeichnete es mit Verweis auf die Bedrohungslage als „naiv“, dass man über eine Waffenruhe oder einen Waffenstillstand Frieden in Nahost und vor allem Frieden und Sicherheit für Israel gewährleisten könnte. Er betonte, dass Deutschland aber gemeinsam mit der EU zu Feuerpausen im Gazastreifen aufrufe, um humanitäre Hilfen zu gewährleisten.“ Deutschlandfunk berichtet, dass am Montag, den 13.11.2023, auch Bundeskanzler Scholz weiterhin ein klares „Nein“ zu einem Waffenstillstand vertritt: „Er finde entsprechende Forderungen nicht richtig, erklärte der SPD-Politiker bei einer Veranstaltung der „Heilbronner Stimme“. Eine längere Feuerpause führe zu einer Erholung der Hamas, die dann neue Raketen beschaffen und Israel wieder beschießen könne. Das sei nicht zu akzeptieren, betonte Scholz. Er räumte jedoch ein, dass humanitäre Pausen sinnvoll seien, um Verletzte aus dem Gazastreifen herauszuholen.“ Mehr als die Hälfte der Gebäude im Gazastreifen sind durch israelische Streitkräfte zerstört oder beschädigt, die Krankenhäuser klagen über ausgehenden Treibstoff – mindestens 22 Krankenhäuser und 49 medizinische Zentren sind nicht mehr in Betrieb. Entweder wurden sie von Bomben getroffen oder haben schlicht keinen Treibstoff mehr. Mehr als 11.180 Menschen wurden getötet, fast die Hälte – rund 4.609 von ihnen – Kinder. Mehr als 3.250 Menschen werden unter den Trümmern befürchtet. Die WHO warnt, dass durch die anhaltende Blockade und die unzureichenden Hilfslieferungen und die ausstehende Erlaubnis durch israelische Behörden, Treibstoff nach Gaza zu lassen, mehr Menschen an Hunger, Dehydration und durch wasserbürtige Krankenheiten sterben dürften. (ja)
Arsenale, Aufträge, Amigos
(13. November 2023)Vor etwa eineinhalb Jahren kritisierte eine im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie von Michael Brzoska die großen Ineffizienzen des Bundeswehr-Beschaffungsapparates (siehe IMI-Aktuell 2022/250). Über seine aktuelle Greenpeace-Studie „Arsenale, Aufträge, Amigos“ berichtet unter anderem tagesschau.de: „Alle Reformen, die die Beschaffung seit der vom Kanzler ausgerufenen ‚Zeitenwende‘ verbessern sollen, seien „weitgehend gescheitert“. Darüber hinaus hätten die „Zeitenwende“ und das enorme Geld, das dem Apparat damit zur Verfügung stehe, dazu geführt, dass Rüstungsindustrie, Bundeswehrbürokratie, Bundestag und Bundesregierung noch stärker verflochten seien, zum Nachteil der Steuerzahler.“ (jw)
Scholz: Endlose Ausgaben
(13. November 2023)Wie bereits zigmal betont, wird es nach dem Ende des Sondervermögens 2027 oder 2028 wohl massivster Haushaltskürzungen in anderen Bereichen bedürfen, sollte auch danach das Niveau von 2% des BIP an Militärausgaben erreicht werden (siehe IMI-Studie 2023/02). Sich von diesen irrsinnig hohen Ausgaben zu verabschieden, scheint aber nicht in Frage zu kommen, so meldete sich zB Kanzler Scholz auf der Bundeswehrtagung laut Welt folgendermaßen zu Wort: „Wir werden dauerhaft diese zwei Prozent gewährleisten, die ganzen 20er-Jahre über, die 30er-Jahre. Diese Zusage gilt.“ (jw)
Leonardo: Panzerbau
(13. November 2023)Die FAZ berichtet über Pläne des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo, im großen Stil ins Panzergeschäft einsteigen zu wollen. Eine im Raum stehende Verdopplung der Auftragsmarge für die neueste Leopard-Generation, könnte dabei als Türöffner für eine Zusammenarbeit mit KMW oder Rheinmetall fungieren: „Italien will vom nächsten Jahr an mindestens 125 Leopard-2-Panzer vom neusten A8-Typ in Deutschland bestellen, wie die italienische Staatssekretärin Isabella Rauti im Sommer gesagt hat. Sie sprach auch die Möglichkeit an, die doppelte Zahl zu ordern. […] Leonardo will sich in Zeiten internationaler Spannungen und wachsender Rüstungsausgaben auf jeden Fall nicht von seinem Panzergeschäft trennen. Stattdessen sucht man einen Partner, unter Umständen für ein Gemeinschaftsunternehmen. Favorisiert wird von Leonardo offenbar KNDS gegenüber Rheinmetall“. (jw)
Ukraine: Verdopplung
(12. November 2023)Laut Bild soll kommendes Jahr deutlich mehr Geld für die „Waffenhilfe“ an die Ukraine bereitgestellt werden als bislang geplant war: „Deutschland verdoppelt die Militärhilfen für die Ukraine im nächsten Jahr. Statt vier Milliarden Euro gibt es jetzt acht Milliarden Euro! […] Das Milliarden-Plus hat auch einen Effekt auf unsere NATO-Quote: Laut Berechnungen des Ministeriums erreicht Deutschland 2024 nun sogar 2,1 Prozent.
Pipeline: Ukrainischer „Koordinator“
(12. November 2023)Zahlreiche Medien berichten über eine ursprünglich von „Spiegel“ und „Washington Post“ veröffentlichte Story, derzufolge Roman Tscherwynsky, ein langjähriger Agent der ukrainischen Geheimdienste, „Koordinator“ der Angriffe auf die North-Stream-Gaspipelines gewesen sein soll- Der eigentliche Knaller besteht in der Meldung, deutsche Ermittlerkreise gingen mit großer Sicherheit davon aus, dass hohe ukrainische Regierungskreise in die Sprengung verwickelt waren. N-tv schreibt: „Eine neue Recherche vom ‚Spiegel‘ und der ‚Washington Post‘ legt jedoch nahe, dass ein ukrainischer Spezialkräfte-Kommandeur eine maßgebliche Rolle bei den Nord-Stream-Anschlägen im September 2022 gespielt habe. […] Ermittler von Bundeskriminalamt, Bundespolizei und des Generalbundesanwalts hätten darüber hinaus inzwischen zahlreiche Spuren zusammengetragen, die in die Ukraine führen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, es sei kaum vorstellbar, dass nicht zumindest der ukrainische Generalstab über die Sabotageaktion informiert gewesen sei.“ (jw)
Wendland: Catch the tank!
(10. November 2023)Im Wendland mobilisieren antimilitaristische Gruppen gegen das vom 11. – 16.11.2023 geplante NATO-Manöver „Recce Reload“ beim Landkreis Lüchow-Dannenberg.
Laut keinruhigeshinterland.org heißt es: „Das Manöver umfasst laut dem Schreiben 2500 Soldat*innen der Niederländischen Streitkräfte, 350 Radfahrzeuge und 32 Kettenfahrzeuge. Die Art der Übung wird mit „FTX-Übung“ bezeichnet, was im Militär als Abkürzung für „Field Training Exercise, freilaufende Übung der Volltruppe angegeben“, geläufig ist.“
Die Übung findet auch im zivilen Raum – auf zivilen Straßen statt: „Besonderer Teil der Übung mit freilaufenden Soldaten sowie Fahrzeugen in der Region ist das Nachstellen von Frontabschnitten, zunächst am Elbe-Seiten-Kanal, und dann in den Gemeinden Hitzacker, Dannenberg, Lüchow, Clenze, Luckau, Wustrow, Küsten und Lübbow.“ Ob das niederländische Militär weiß, worauf es sich im Wendland einlässt?
Im Wendland wird aufgerufen: Manöver Nö“!
„Wir rufen weiterhin zu Protest, zivilem Ungehorsam und Widerstand auf und bleiben weiter wachsam. […] Sagt es weiter, informiert Freund:innen und Nachbar:innen — wenn die Soldatinnen mit ihrem Tötungsgerät hier aufmarschieren – lasst uns unser ganz klares NEIN zu KRIEG und AUFRÜSTUNG auf vielfältige Art und Weise zum Ausdruck bringen! Hängt Plakate und Banner auf, hinterlasst Parolen um den Kriegsstrateginnen zu zeigen, dass sie hier unerwünscht sind. Übt Euch in Zivilem Ungehorsam – schließt Euch mit Freund:innen und Nachbar:innen zusammen, stellt Euch quer und blockiert z.B. Straßen oder Brücken wenn die Panzer anrollen, und/oder markiert Kriegsgerät z.B. mit pinker Farbe. Werdet kreativ, denkt Euch selber was feines aus…“
Weitere Infos beim InfoPunkt im Gasthof Meuchefitz, auf der Aktionstickerseite manoever.aktionsticker.org und unter der Nummer vom Infotel: 0163 – 52 74 52 0
Auf ins Wendland – Catch the tank! (ja)
Heron-Drohne: Inland
(10. November 2023)Bislang operierte die Drohne German Heron TP (GHTP) „nur“ im Ausland. Das Fachportal hartpunkt.de berichtet nun über eine Entscheidung des Haushaltsausschusses, mit der sich das ändert: „Mit seiner Entscheidung hat der Haushaltsausschuss nun den Weg frei gemacht für einen sechsmonatigen Demonstrationsbetrieb des Projekts GHTP in Deutschland, mit dem das System im deutschen Luftraum erprobt werden kann.“ (jw)
VPR 2023
(10. November 2023)Die Bundeswehr hat gestern ihre neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien veröffentlicht, die fortan als ranghöchstes Dokument der Truppe fungieren. Eine ausführliche Analyse folgt demnächst. (jw)
EU-Mitgliedschaft: 90 Prozent?
(9. November 2023)In der Berichterstattung war gestern viel von einem „historischen Tag“ die Rede. Damit wurde ein Begriff aufgegriffen, den die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen selbst vorgegeben hatte, als sie in ihrer offiziellen Funktion für die Kommission die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine empfahl. Den Abgeordneten des ukrainischen Parlaments soll sie aus diesem Anlass versichert haben: „Sie haben schon mehr als 90 Prozent des Weges hinter sich“.
Das grenzt schon hart an Fake-News. Schließlich müssen alleine für die Aufnahme von Beitrittsgespräche erstmal noch alle(!) Mitgliedsstaaten zustimmen. Vielsagend sind alleine die Meldungen, die am Tag der Empfehlung der EU-Kommission gemeinsam mit dieser auf den verschiedenen Liveblogs deutscher Leitmedien veröffentlicht wurden. Hier eine kurze Auswahl bei zdf.de:
„Selenskyj lehnt Präsidentenwahl wegen Krieges ab
Präsident Selenskyj spricht sich klar gegen Initiativen für die Abhaltung einer Präsidentenwahl im März trotz des andauernden russischen Angriffskrieges aus. ‚Ich meine, dass Wahlen jetzt nicht angebracht sind“, so Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft‘. […]“
„Ukraine bekennt sich zu Anschlag auf pro-russischen Politiker
Die Ukraine hat einen tödlichen Anschlag auf einen pro-russischen Lokalpolitiker und früheren Separatistenchef verübt. […]“
„Innenminister in Kiew spricht nach Tod von Offizier von Unglücksfall
Nach dem Tod des Adjutanten des ukrainischen Oberbefehlshabers bei der Explosion einer Granate hat Innenminister Ihor Klymenko in Kiew von einem Unglücksfall gesprochen. Der persönliche Assistent des Oberkommandierenden Walerij Saluschnyj hatte scharfe Granaten zuhause, wie Klymenko bei Telegram mitteilte. Demnach hatte der Major einige ihm zum Geburtstag geschenkte Granaten seinem Sohn gezeigt. Dabei sei zufällig die Granate entsichert und der Vater bei der Explosion getötet worden. Das Kind wurde verletzt. […]“
In der Abendsendung „Das war der Tag“ des Deutschlandfunks (ab 13:12) zeigte sich nicht nur der Moderator Stefan Heinlein euphorisch und wiederholte die Floskel eines „historischen Tages“ mehrfach, sondern auch die von ihm interviewte Parlamentarische Staatssekretärin der Grünen im Auswärtigen Amt, Anna Lührmann. Einerseit zeigte sie sich erfreut, dass es nun gelinge, „diese Grauzonen, die wir jetzt noch in unserer Nachbarschaft haben, in unseren Rechtsrahmen, in unseren Raum der Freiheit, der Sicherheit, der Demokratie zu integrieren“. Andererseits begrüßte sie die Ankündigung von Beitrittsgesprächen auch deshalb, weil das zeige „wofür die Menschen da gerade kämpfen und ihr Leben auch riskieren in der Ukraine, nämlich dafür, dass sie unserem Raum des Recht und der Freiheit angehören können“. Das wiederholte sie; die Beitrittsperspektive „dient eben den Ukrainerinnen und Ukrainern dafür, eine Perspektive zu haben, wofür sie da kämpfen.“ Für falsche Versprechen oder zumindest auf der Grundlage falscher Behauptungen darüber, wie weit (90%) man dabei bereits gekommen sei?
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Weltall: Erster Waffengang?
(9. November 2023)Das Weltall wird immer umkämpfter (siehe den AUSDRUCK-Schwerpunkt Juni 2022). Nun meldet die Europäische Sicherheit & Technik, womöglich habe der erste Waffengang im Weltall stattgefunden: „Den „Israel Defence Forces“ (IDF) soll es gelungen sein, mit dem amerikanisch-israelischen Raketenabwehrsystem ‚Arrow 2‘ Block 4 eine ballistische Mittelstreckenrakete vom iranischen Typ ‚Qader‘ abgeschossen zu haben, die angeblich von den schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen gestartet worden war. Das berichtet die israelische Tageszeitung ‚Haaretz‘. Der Zeitung zufolge wurde das Geschoss außerhalb der Erdatmosphäre abgefangen. Trifft dies zu, wäre es das erste Mal, dass auf dem Schlachtfeld eine Rakete exoatmosphärisch bekämpft wurde.“ (jw)
IG Metall: Eurofighter
(9. November 2023)Seit einiger Zeit wird einiger Druck auf die Bundesregierung ausgeübt, eine 5. Tranche Eurofighter zu bestellen (siehe IMI-Analyse 2023/47). Leider schmeißt sich nun auch die IG Metall hinter diese Forderung, wenn etwa Jürgen Kerner, Vize-Vorsitzender der IG Metall, im Merkur mit den Worten zitiert wird: „Wir brauchen aus Berlin ein klares Bekenntnis zur Entwicklung des Eurofighters“, weil Europa rüstungstechnisch „auf eigenen Füßen“ stehen müsse. Zuviel des Bundeswehr-Sondervermögens gehe in die USA, so Kerner: „Wir bekommen derzeit nur die Krümel.“ (jw)
Gaza: Appell Meinungsfreiheit
(8. November 2023)Die viel gelobte Rede des Wirtschaftsministers zu Antisemitismus und Gaza-Krieg enthielt die bemerksenswerte Passage:
„Die hier lebenden Muslime haben Anspruch auf Schutz vor rechtsextremer Gewalt – zu Recht. Wenn sie angegriffen werden, muss dieser Anspruch eingelöst werden und das gleiche müssen sie jetzt einlösen, wenn Jüdinnen und Juden angegriffen werden. Sie müssen sich klipp und klar von Antisemitismus distanzieren, um nicht ihren eigenen Anspruch auf Toleranz zu unterlaufen.“
Kritik an dieser infamen Aussage wurde u.a. auf Telepolis wiedergegeben. Zu ergänzen wäre die offenbar grundlegende Annahme, dass „hier lebende Muslime“ überhaupt irgendwie „Toleranz“ voraussetzen würden.
Ohne expliziten Verweis auf Habecks Rede wurde vor drei Tagen eine Online-Petition gestartet, die unter dem (etwas weit gehenden) Titel „Zurück zur Demokratie“ mehr Meinungspluralität und weniger bedingungslose Unterstützung für das israelische Vorgehen in Gaza einfordert. Darin heißt es u.a.:
„Ohne einen ernsthaften Umgang mit den Wurzeln dieses Konfliktes drehen wir uns jedoch weiter in einem Teufelskreis aus Terror und Gegenterror in einem sehr ungleichen Kampf, der uns allen schadet. Aus Sicht vieler AraberInnen und MuslimInnen macht sich Deutschland durch seine unbeschränkte Unterstützung des Staates Israel, unabhängig davon, wie er sich den Palästinensern gegenüber verhält, mitschuldig an der gegenwärtigen medizinischen und humanitären Katastrophe im Gazastreifen. Die Ablehnung eines sofortigen Waffenstillstandes mit ihren fatalen humanitären Folgen ist für uns ein extremer Beweis dieser Politik und stürzt uns in große Verzweiflung.“
Kriegstüchtig? Völlig daneben!
(8. November 2023)Ausgerechnet der ehemalige Chefredakteur des konservativen Cicero, Christoph Schwennicke, kritisiert heute bei t-online die „Kriegstüchtigkeitsrede“ von Verteidigungsminister Boris Pistorius scharf: „Aber kriegstüchtig? Diese Vokabel ist komplett daneben. Völlig missraten. […] Kriegstüchtig zu sein impliziert aber auch, einen Angriffskrieg führen zu können und zu wollen. Pistorius hat mit diesem Begriff – zu seinen Gunsten sei angenommen: ohne es zu wollen – die ganze Tradition der Bundeswehr über den Haufen geredet. Ich wäre gern in den Stäben dabei gewesen und hätte mitbekommen, was dort los war, als das Interview über den Sender ging. Interessanterweise ist aber so gut wie nichts passiert.“ (jw)
Kriegstüchtigkeit & Nationalbewusstsein
(8. November 2023)Was bedeutet im Detail die kürzlich getätigte Aussage von Verteidigungsminister Boris Pistorius, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden? Damit setzt sich Marco Seliger, ehemals u.a. für die FAZ und das Reservistenmagazin „loyal“ tätig, in der Neuen Züricher Zeitung auseinander: „Auch das gehört also zur «Kriegstüchtigkeit»: Die führenden Politiker des Staates müssen zur Nation stehen, sie müssen im Land ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür fördern. […] Man könnte es letztlich so formulieren: Die Zeiten, als die Bundesrepublik Checks ausstellte, in Krisen vermittelte und andere den Kopf hinhielten, sind vorbei. Deutschland müsste nun wieder kämpfen lernen. Kriegstüchtigkeit ist lediglich ein anderes Wort dafür. Allerdings hat es bisher kein einziges anderes Regierungsmitglied gebraucht. Die Gefahr droht, dass die vom Verteidigungsminister angeschobene Debatte mal wieder folgenlos verpufft.“ (jw)
„Panzerbrigade 42“
(7. November 2023)Das Verteidigungsministerium gab gestern weitere Details zur geplanten Stationierung einer Bundeswehr-Brigade mit 4.800 Soldat*innen in Litauen bekannt. „Panzerbrigade 42“ soll die Truppe heißen und sich aus drei Bataillonen zusammensetzen, dem Panzerbataillon 203 (Augustdorf) und dem Panzergrenadierbataillon 122 (Oberviechtach): „Das dritte Bataillon wird die zunächst weiterhin rotierende enhanced Forward Presence Battlegroup (eFPenhanced Forward Presence BG) sein. Sie wird durch in Deutschland stationierte Verbände, verstärkt durch Beiträge unserer multinationalen Partner, besonders den Niederlanden und Norwegen, gestellt.“ (jw)
Litauen-Brigade: Zuschläge
(7. November 2023)Die Bundeswehr tut sich schwer, ausreichend Soldat*innen zu finden, die bereit sind, sich auf Jahre für eine Stationierung in Litauen im Rahmen der von Deutschland geführten NATO-Brigade zu verpflichten (siehe IMI-Standpunkt 2023/29). Schon länger ist bekannt, dass es üppige Zuschläge richten sollen, unter Berufung auf ein internes Bundeswehr-Papier nennt Spiegel Online nun konkrete Zahlen: „Ein Hauptfeldwebel, der ohne seine Familie nach Litauen zieht, erhält zusätzlich zum Grundgehalt in Höhe von 3115 Euro netto einen steuerfreien Auslandszuschlag in Höhe von 1594 Euro, wenn er nach Litauen geht – am Standort Rukla betrüge der Auslandszuschlag sogar 2050 Euro. Ein verheirateter Hauptfeldwebel, der mit Partner und zwei Kindern nach Litauen übersiedelt, erhält zusätzlich zum Grundgehalt in Höhe von 3827 Euro einen steuerfreien Auslandszuschlag in Höhe von 2682 Euro – beziehungsweise ein Plus von 3464 Euro, wenn alle vier nach Rukla gehen.“ (jw)
Verhandlungen: Jahreswechsel?
(7. November 2023)German-Foreign-Policy.com berichtet unter Berufung auf US-Medien, der westliche Druck auf die ukrainische Regierung, Verhandlungen mit Russland aufzunehmen, nehme zu: „Laut dem NBC-Bericht sind inzwischen sowohl US-amerikanische als auch europäische Regierungsmitarbeiter dazu übergegangen, bei der ukrainischen Regierung unmittelbar auf die Aufnahme von Verhandlungen mit Russland zu dringen. In Washington setzt sich dabei die Überzeugung durch, solche Verhandlungen müssten spätestens zum Jahreswechsel oder kurz danach an Fahrt gewinnen.“ (jw)
Westjordanland: Angriff auf Pressefreiheit
(6. November 2023)Die Tagesschau berichtet darüber, dass das ARD-Team im Westjordanland von israelischen Soldat*innen angehalten und bedroht worden sei. Dabei seien auch immer wieder Waffen auf die Journalist*innen gerichtet worden. Dies stellt einen Angriff auf die Pressefreiheit dar. Es wird vermutet, dass es sich bei den Soldat*innen um Siedler*innen aus der Umgebung handle, die als Reservist*innen eingezogen wurden. (ak)
Wüstner: Rekrutierung
(6. November 2023)Immer wieder werden vor allem zwei Maßnahmen diskutiert, um den immensen Rekrutierungsproblemen der Bundeswehr (siehe IMI-Analyse 2023/09) begegnen zu können, so auch der Chef des Bundeswehrverbandes bei Spiegel Online: „Konkret will Wüstner über Methoden nachdenken, wieder mehr Männer und Frauen für die Truppe zu begeistern. Die Wiedereinführung von Werbung an Schulen hält er für nötig, auch die Rückkehr zur Wehrpflicht müsse diskutiert werden. […]»Was ist schlecht daran, unserem Land zu dienen und unseren Frieden, unsere Freiheit zu verteidigen?« Gelingt es der Bundesregierung nicht, die Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr zu stärken, so Wüstner weiter, »werden wir nicht darum herumkommen, uns mit Konzepten des Dienstjahres oder der Wehrpflicht erneut auseinanderzusetzen.«“ (jw)
Ukraine: Training in Deutschland
(6. November 2023)Obwohl dies Deutschland an den Rand einer Beteiligung am Ukraine-Krieg (oder sogar darüber hinaus) bringt, werden an einer Reihe von Orten hierzulande ukrainische Soldaten ausgebildet (siehe IMI-Analyse 2023/07). Im Tagesspiegel findet sich eine Angabe, wieviele Soldaten das bislang waren: „‘Die Bundeswehr hat gemeinsam mit unseren Partnern bereits über 8000 ukrainische Soldaten in Deutschland ausgebildet‘, sagte der Leiter des Sonderstabs Ukraine im Verteidigungsministerium, Generalmajor Christian Freuding, der ‚Stuttgarter Zeitung‘ und den ‚Stuttgarter Nachrichten‘.“ (jw)
FCAS: Vor dem Aus?
(3. November 2023)Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern, dass das deutsch-französische Rüstungsgroßprojekt “Future Combat Air System” (FCAS) schwer angeschlagen ist. Vor Aufsehen sorgte nun ein Times-Artikel, demzufolge Deutschland den Ausstieg erwäge und überlege, sich dem britisch japanischen Tempest-Projekt an. Als Geste des guten Willens erwäge Deutschland zudem, seine Blockade des Exports von Eurofightern nach Saudi Arabien aufzugeben, so die Times weiter. Wieviel an der Geschichte dran ist, lässt sich schwer einschätzen. Ganz aus der Luft gegriffen wird sie nicht sein, allerdings ist auch schwer zu glauben, dass das FCAS-Projekt, in das massiv (politisches) Kapital investiert wurde, so einfach versenkt werden wird. Jedenfalls wurden die Rückzugspläne seitens der Bundesregierung umgehend dementiert. (jw)
Regelsetzer
(3. November 2023)Wer die Regeln bestimmt, beherrscht die Welt! Jahrelang war das der Westen, worauf im Wesentlichen neben dem das System absichernde Militär seine Vorherrschaft basierte. Dass vor allem China inzwischen überaus erfolgreich alternative Regelsets propagiert wird als fundamentaler Angriff auf dieses „Regelbasierte Ordnung“ genannte System westlicher Vorherrschaft betrachtet. Im Handelsblatt wird dies so beschrieben: „Peking will den Ausbau seines globalen Einflusses nicht primär durch den Ausbau seiner militärischen Macht erreichen – zumindest nicht in Regionen, die weit weg von China sind. Insofern unterscheidet sich das Vorgehen stark von dem der USA. China geht einen anderen Weg, um seine geopolitische Macht auszubauen: durch die systematische Setzung von Standards, um die globale Ordnung zu seinen Gunsten zu beeinflussen. China will die bestehende globale Ordnung von innen heraus verändern.“ (jw)
Nahost: Deutscher Militäreinsatz?
(2. November 2023)Gefährlich jonglierte gestern Grünen-Chef Robert Habeck bei Markus Lanz mit der Möglichkeit eines deutschen Militäreinsatzes im Nahen Osten, um Israel zu unterstützen. Der Satz, Israels Sicherheit sei deutsche Staatsraison bedeute, „dass Israel militärischen Beistand bekommt“ und „Waffenlieferungen (…) erfüllt werden“. Er wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, aber sollte sich der Krieg ausweiten, stellte er dennoch klar: „Die Solidarität mit Israel schließt natürlich auch militärische Unterstützung mit ein.“ (jw)
Ukraine: Grenzschutz
(1. November 2023)Wehrpflichtigen im Alter von zwischen 18 und 60 Jahren ist die Ausreise aus der Ukraine verboten, dennoch versuchen zahlreiche Menschen sich dem Krieg zu entziehen (siehe IMI-Standpunkt 2022/049). In einem Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland finden sich – weil auf ukrainischen Angaben basierend mutmaßlich zu niedrige – Zahlen, die immerhin einen kleinen Eindruck von dem geben , was sich an den Grenzen abspielt: „Seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als 20 Monaten hat der ukrainische Grenzschutz nach eigenen Angaben mehr als 20 000 wehrpflichtige Männer an der Flucht gehindert. Die Flüchtigen werden immer wieder an der ‚grünen Grenze‘ vor allem zu Rumänien und der Republik Moldau aufgegriffen.“ (jw)
Gaza-Resolution: Bias
(31. Oktober 2023)In deutschen Medien wird teilweise verzerrend über eine Resolution der UN-Generalversammlung berichtet, die mit einer Mehrheit von 121 Staaten (bei 14 Gegenstimmen und 44 Enthaltungen) verabschiedet wurde und einen „dauerhaften und anhaltenden humanitären Waffenstillstand“ fordert.
Deutschland hat sich enthalten und wurde dafür von verschiedenen Seiten kritisiert. So berichtete etwa tagesschau.de:
„Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) reagierte auf das Verhalten der Bundesrepublik mit Entsetzen. ‚Wie kann Deutschland sich bei einer UN-Resolution enthalten, die als alleiniges Ziel hat, Israels Recht auf Selbstverteidigung zu delegitimieren? Deutschland hätte klar mit Nein stimmen sollen‘, sagte der Präsident der Gesellschaft, Volker Beck, laut Mitteilung.“
Der Beitrag vom 30.10. wird mit folgendem Text eingeleitet: „In einer UN-Resolution wird der Terror der Hamas nicht verurteilt – Deutschland kann sich trotzdem nicht zu einem Nein in der Abstimmung durchringen.“
Am Folgetag heißt es erneut im Liveblog von Tagesschau.de, anlässlich der Kritik von Altbundespräsident Gauck am deutschen Abstimmungsverhalten über die Resolution:
„Der Terror der radikalislamischen Hamas wurde darin nicht verurteilt. Deutschland hatte sich deshalb enthalten.“
Konkret steht allerdings in der Resolution: „unter Verurteilung aller gegen palästinensische und israelische Zivilpersonen gerichteter Gewalthandlungen, einschließlich aller terroristischen Akte und unterschiedsloser Angriffe, sowie aller Akte der Provokation, der Aufwiegelung und der Zerstörung“. Dass damit der Terror der Hamas nicht gemeint sein könnte, stellt schon eine gewagte Interpretation dar.
Auch ein Beitrag der taz über „Baerbocks unlösbares Dilemma“ orientiert sich stark an der Argumentation der Außenministerin und der israelischen Kritik an der Enthaltung und kommt dabei zu so mancher verzerrten Darstellung. So wird etwa auf die Zustimmung Frankreichs eingegangen: „Ausgerechnet Deutschlands engster Partner auf EU-Ebene setzt sich im Nahost-Kontext deutlich ab“. Dass neben Frankreich auch Spanien, Portugal, Belgien, Slowenien, Luxemburg und Malta für die Resolution gestimmt hatten, fällt dabei flux unter den Tisch. Zugleich wird von einer „Zerrissenheit der Weltgemeinschaft“ gesprochen, die „sich wenige Tage zuvor bereits beim EU-Gipfel gezeigt“ habe. Die „Zerrissenheit der Weltgemeinschaft“ zeigt sich auf einem EU-Gipfel und wird aus Anlass einer Resolution festgestellt, der von 121 Staaten zugestimmt wurde? Allerhand…
Im Beitrag heißt es übrigens, die Resolution sei „von Jordanien eingebracht und von 44 vor allem arabischen Staaten unterstützt worden“. Das „vor allem“ ist vielleicht gerade so noch sachlich richtig, aber suggestiv, denn es waren z.b. auch zahlreiche afrikanische und lateinamerikanische Staaten beteiligt. Um die „Zerrissenheit“ der Weltgemeinschaft zu dokumentieren, sei hier jedoch die vollständige Liste der Staaten dokumentiert, welche die Resolution einbrachten:
Ägypten, Bahrain, Bangladesch, Belize, Bolivien (Plurinationaler Staat), Botsuana, Brunei Darussalam, Demokratische Volksrepublik Korea, Dschibuti, El Salvador, Indonesien, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Komoren, Kuba, Kuwait, Libanon, Libyen, Malaysia, Malediven, Marokko, Mauretanien, Namibia, Nicaragua, Oman, Pakistan, Russische Föderation, Saudi-Arabien, Senegal, Simbabwe, Somalia, St. Vincent und die Grenadinen, Südafrika, Sudan, Türkiye, Venezuela (Bolivarische Republik), Vereinigte Arabische Emirate und Staat Palästina.
Der Resolution zugestimmt haben:
Afghanistan, Algeria, Andorra, Angola, Antigua and Barbuda, Argentina, Armenia, Azerbaijan, Bahamas, Bahrain, Bangladesh, Barbados, Belarus, Belgium, Belize, Bhutan, Bolivia (Plurinational State of), Bosnia and Herzegovina, Botswana, Brazil, Brunei Darussalam, Central African Republic, Chad, Chile, China, Colombia, Comoros, Congo, Costa Rica, Cote D’Ivoire, Cuba, Democratic People’s Republic of Korea, Democratic, Republic of the Congo, Djibouti, Dominica, Dominican Republic, Ecuador, Egypt, El Salvador, Equatorial Guinea, Eritrea, France, Gabon, Gambia (Republic of The), Ghana, Grenada, Guinea, Guinea-Bissau, Guyana, Honduras, Indonesia, Iran (Islamic Republic of), Iraq, Ireland, Jordan, Kazakhstan, Kenya, Kuwait, Kyrgyzstan, Lao People’s Democratic Republic, Lebanon, Lesotho, Libya, Liechtenstein, Luxembourg, Madagascar, Malawi, Malaysia, Maldives, Mali, Malta, Mauritania, Mauritius, Mexico, Mongolia, Montenegro, Morocco, Mozambique, Myanmar, Namibia, Nepal, New Zealand, Nicaragua, Niger, Nigeria, Norway, Oman, Pakistan, Peru, Portugal, Qatar, Russian Federation, Saint Kitts and Nevis, Saint Lucia, Saint Vincent and the Grenadines, Saudi Arabia, Senegal, Sierra Leone, Singapore, Slovenia, Solomon Islands, Somalia, South Africa, Spain, Sri Lanka, Sudan, Suriname, Switzerland, Syrian Arab Republic, Tajikistan, Thailand, Timor-Leste, Trinidad and Tobago, Turkey, Uganda, United Arab Emirates, United Republic of Tanzania, Uzbekistan, Viet Nam, Yemen, Zimbabwe.
Gaza und USA
(31. Oktober 2023)René Heilig stellt für das Neue Deutschland die – vorwiegend militärische – Reaktion der USA im Konflikt zwischen Israel und der Hamas dar:
„Seit Mitte vergangener Woche befinden sich zwei kampfstarke Flottenverbände vor Ort. Sie werden von den atomar betriebenen und mutmaßlich auch atomar bestückten Flugzeugträgern »USS Dwight D. Eisenhower« und »USS Gerald R. Ford« angeführt. Das US-Militär hat mehrere Luftverteidigungssysteme in die Region gebracht, F-16-Kampfjets wurden nach Griechenland verlegt… Neben den F16 der »Jersey Devils«-Staffel, die bereits bei diversen Luftoperationen im gesamten Nahen Osten reichlich Erfahrungen gesammelt hat, ist der Militärflughafen von Elefsina im Südwesten Griechenlands zugestellt mit Transportmaschinen der US-Luftwaffe… Präsident Joe Biden hat bereits vor einer Woche mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu gesprochen, um ihn – so sagt das Weiße Haus – über »die US-Unterstützung für Israel und die laufenden Bemühungen um regionale Abschreckung, einschließlich neuer US-Militärbasen«, zu informieren… Das Pentagon hat den Generalleutnant des Marine Corps [James Glynn] als Berater nach Israel entsandt, weil er Spezialeinheiten gegen den Islamischen Staat geführt und im irakischen Falludscha Erfahrungen im Kampf im urbanen Raum gewonnen hat… Am Donnerstag teilte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin mit, dass US-Streitkräfte »Selbstverteidigungsangriffe« auf zwei Einrichtungen im Osten Syriens durchgeführt hätten, die von den iranischen Revolutionsgarden und verbündeten Gruppen genutzt würden“.
Über die Bewertung, dass der „massive Militäraufmarsch“ dazu diene, „den Konflikt einzuhegen“, ließe sich allerdings streiten.
NATO und Startups
(31. Oktober 2023)Die Welt hat ein Interview mit David van Weel, beigeordneter Nato-Generalsekretär, veröffentlicht, in dem dieser sich u.a. für den Einsatz autonomer Waffensysteme ausspricht. Er nennt darin auch verschiedene Initiativen der NATO, wie sie neue Technologien schneller in eine militärische Verwendung überführen will:
„Wir haben ein Netzwerk für Innovationen im Verteidigungsbereich, kurz DIANA, aufgebaut. Dabei arbeiten die Spezialisten der Nato mit Start-ups oder Forschern an Spitzenuniversitäten – wie dem Imperial College in London oder dem MIT in Boston – zusammen, die nicht nur für zivile, sondern auch militärische Zwecke innovative Technologien entwickeln. Außerdem haben wir einen Innovationsfonds mit einer Milliarde Euro aufgelegt . Die Nato will damit vor allem junge Unternehmen in Europa fördern, deren Innovationen sich auch militärisch nutzen lassen.“
Taurus: Schulung erforderlich
(31. Oktober 2023)Es gibt viele gute Gründe, die gegen Waffenlieferungen an die Ukraine im Allgemeinen und die der Marschflugkörper Taurus im Besonderen sprechen (siehe IMI-Standpunkt 2023/035). Im Security Table wurde nun darüber hinaus darauf hingewiesen, dass die Raketen selbst bei sofortiger Lieferung erst in Monaten einsatzbereit wären: „Selbst im Falle eines grünen Lichts durch Bundeskanzler Olaf Scholz wären Marschflugkörper vom Typ Taurus frühestens 2024 in der Ukraine einsetzbar. Das machte der Geschäftsführer des Taurus-Produzenten, Joachim Knopf, vor internationalen Pressevertretern am Firmensitz von MBDA Deutschland in Schrobenhausen deutlich. So würden ’sicher mehrere Monate vergehen‘ bis ukrainisches Personal so geschult sei, dass es die Marschflugkörper vom Typ Taurus KEPD 350 auch einsetzen könnte, sagte Knopf.“ (jw)
EDIS: Verschoben
(31. Oktober 2023)Mit einer Europäischen Verteidigungsinvestitionsstrategie (European Defence Investment Strategy, EDIS) wollte die Europäische Kommission ursprünglich am 8. November einen Plan vorlegen, wie von EU-Seite aus systematisch die Produktion und Beschaffung von Rüstungsgütern gefördert werden kann. Wie die Kommission nun in einer Pressemitteilug informiert, wurde dies nun auf Anfang 2024 verschoben, mutmaßlich, um Unstimmigkeiten mit den Mitgliedsstaaten in der Zwischenzeit aus dem Weg zu räumen. (jw)
IMI-Cartoon: Kriegstüchtig
(30. Oktober 2023)Die gestrigen Aussagen von Verteidigungsminister Boris Pistorius, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden (siehe das vorherige IMI-Aktuell 2023/701) gekoppelt mit Habecks Ruf nach mehr Rüstungsgeldern (siehe das heutige IMI-Aktuell 2023/700) erwecken einige Aufmerksamkeit. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon.
Wesentliche Teile der Aussagen von Pistorius wurden bei Augengeradeaus transkribiert: „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel. In der Truppe, da ist er in vollem Gange. Das merke ich zum Beispiel, wenn wir über die Brigade Litauen sprechen. Wir brauchen ihn im BMVg, da haben wir die Weichen gestellt. Wir brauchen ihn aber auch in der gesamten Gesellschaft, und wir brauchen ihn auch in der Politik.(…) Aber, ganz wichtig, auch der Mentalitätswechsel in der Gesellschaft ist richtig. Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte, und das heißt, wir müssen kriegstüchtig werden, wir müssen wehrhaft sein und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“ (jw)
Pistorius: Mentalitätswechsel
(30. Oktober 2023)Kraftmeierische Sprüche gehören heute leider wieder zum Alltag. So etwa gestern Verteidigungsminister Boris Pistorius, der gestern in Bonn direkt laut Zeit online mit folgenden Worten einen „Mentalitätswechsel“ einforderte: „Und das heißt: Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein. Und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“ (jw)
Habeck: Aushebelung Schuldenbremse?
(30. Oktober 2023)Spätestens 2026 muss das „Sondervermögen“ der Bundeswehr verplant sein. Schon jetzt wird mächtig Druck für eine Folgeregelung gemacht (siehe IMI-Studie 2023/02). Dafür bringt Grünen-Chef Robert Habeck nun laut Zeit Online eine Aussetzung der Schuldenbremse ins Spiel: „Da das Sondervermögen absehbar aufgebraucht sein werde, empfiehlt Habeck die Aufnahme von Krediten über den bisher zulässigen Rahmen hinaus. ‚Die Schuldenbremse hat gute Gründe und sie gilt für die Arbeit dieser Koalition‘, sagte Habeck, der zugleich Wirtschaftsminister ist. ‚Aber wir sollten über den Tag hinaus denken und überlegen, ob die politischen Regeln, die wir uns gegeben haben, unverändert zu den veränderten Zeiten passen‘.“ (jw)
Zetkin: Kein Knoten!
(27. Oktober 2023)Das von der IMI unterstützte Aktionsbündnis „Kein Knoten für Zetkin“ hat einen Erfolg errungen. Die nach der Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin benannte Straße in Tübingen erhält keinen „Knoten“. Mit solchen Knoten werden Straßen markiert, die nach Personen benannt sind, die eigentlich keine Würdigung verdient haben. Neben Zetkin fanden sich auf der entsprechenden List fast ausnahmslos Kriegsverbrecher und Unterstützer*innen des NS-Regimes. Nun hat der tübinger Gemeinderat sich gegen einen Knoten für die Clara-Zetkin-Straße ausgesprochen. Das Aktionsbündnis schreibt:
„Wir freuen uns über diesen kleinen Sieg und hoffen, dass die Erfahrungen aus der erfolgreichen Arbeit unseres Bündnisses auch für zukünftige Kämpfe hilfreich sein werden. Wir wollen mit unserem Protest auch ein deutliches Zeichen an die bürgerliche Wissenschaft und Politik gesendet haben: Wir schauen genau hin und lassen es nicht zu, dass unter dem Deckmantel vorgeblicher Neutralität die Geschichte verdreht wird. Clara Zetkins Kampf um Befreiung, gegen Faschismus und Krieg muss verteidigt und weitergeführt werden.“
Auch das Schwäbische Tagblatt berichtet und setzt dem Erfolg noch ein kleines Krönchen auf. Statt Zetking erhält nun die Bismarckstrasse einen Knoten, wie die Linke Fraktion zwischenzeitlich gefordert hatte:
„Die Linke zog ihren Antrag in der Sitzung auf eine Markierung der Bismarckstraße zurück, nachdem klar war, dass die Zetkin-Straße keine erhalten soll. Diesen Antrag griff dann die Fraktion „Die Fraktion“ auf – und erreichte damit eine knappe Mehrheit.“
Nahost: US-Luftverteidigung
(27. Oktober 2023)Die „Sicherheitspolitische Presseschau“ der Bundeszentrale für politische Bildung verweist in ihrem Newsletter zum 26.10. auf einen Beitrag im Wall Street Journal, wonach die USA die israelische Führung überredet hätten, ihre Bodenoffensive in Gaza aufzuschieben. Der Grund ist Besorgnis erregend: Die USA wollten zuvor noch zusätzliche Systeme zur Luftverteidigung in die Region liefern, um ihre dortigen Basen besser schützen zu können. Es wird also mit einer weiteren Eskalation gerechnet:
„Israel has agreed, for now, to a request from the U.S. to delay its expected ground invasion of Gaza so the Pentagon can place air defenses in the region to protect U.S. troops, according to U.S. officials and people familiar with the Israeli planning. The Pentagon is scrambling to deploy nearly a dozen air-defense systems to the region, including for U.S. troops serving in Iraq, Syria, Kuwait, Jordan, Saudi Arabia and the United Arab Emirates, to protect them from missiles and rockets. U.S. officials have so far persuaded the Israelis to hold off until those pieces can be placed, as early as later this week.“
ISR/PAL: Friedensappell
(27. Oktober 2023)Das Netzwerk Friedenskooperative hat einen Appell veröffentlicht und sammelt hierzu Unterschriften. Gefordert wird u.a.: „Deeskalation und ein sofortiger Waffenstillstand, einschließlich des Stopps der Luftangriffe auf Gaza“.
EDIRPA: In Kraft
(26. Oktober 2023)Mit EDIRPA wird es möglich, den länderübergreifenden Ankauf von Rüstungsgütern über den EU-Haushalt teilfinanzieren zu lassen (siehe IMI-Standpunkt 2023/004). Mit der heutigen Veröffentlichung der EDIRPA-Verordnung im Amtsblatt der Europäischen Union ist das Instrument nun rechtskräftig geworden. (jw)
CTBT: Russische Kündigung?
(26. Oktober 2023)Einer der letzten großen Rüstungskontrollverträge, der noch Bestand hat, ist der Kernwaffenteststopp-Vertrag (CTBT). Laut antiwar.com erwägt Russland allerdings seine Ratifizierung zurückzuziehen: „ Russia is set to revoke its ratification of the Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty (CTBT), a treaty that prohibits all nuclear weapons tests and explosions, which the US has never ratified.” (jw)
Chagos: USA vs. China
(25. Oktober 2023)Es gehört zu den Besonderheiten der „Regelbasierten Ordnung“, dass China – durchaus zurecht – für sein Agieren im Südchinesischen Meer, wo es unter anderem einen Schiedsspruch des internationalen Schiedsgerichts in Den Haag ignoriert, kritisiert wird, der Westen aber seinerseits ebenfalls recht ungeniert besagte Regeln verletzt. So zum Beispiel im Falle der „britischen“ Chagos-Inseln mit ihrem US-Militärstützpunkt Diego Garcia, die aufgrund ihrer geostrategischen Bedeutung trotz mehrerer Gerichtsurteile nicht an Mauritius zurückgegeben werden (siehe IMI-Studie 2022/01). Im Reservistenmagazin „loyal“ wird ebenfalls auf den Stützpunkt verwiesen, er „spielt für die Militärmacht der USA eine global enorm wichtige Rolle.“ Früher oder später würden die Chagos-Inseln wohl an Mauritius zurückgegeben und es bestünden gute Chancen, dass die USA ihren Militärstützpunkt behalten könnten. Allerdings bestünde auch die Gefahr, dass die parlamentarische Demokratie sich auch China zuwenden könnte – und das ginge den Hütern der Ordnung dann doch zu weit: „Allerdings treibt die Amerikaner die Sorge um, dass Mauritius hoch pokern und Diego Garcia auch der Volksrepublik China mit ihren imperialen Interessen anbieten könnte. Die Sorge ist nicht unbegründet, denn Mauritius ist in Peking hoch verschuldet und könnte sich von dieser Last mit einem Schlag befreien. Dass die Amerikaner in diesem Fall widerstandslos abziehen und den Chinesen die Militärbasis überlassen könnten, gilt als ausgeschlossen.“ (jw)
CIA: Schattenkrieger
(25. Oktober 2023)Verdeckte Operationen in feindlichem Gebiet sind ein wichtiger Bestandteil jedweder Kriegführung (siehe IMI-Studie 2013/05). Die Washington Post (via Bpb-Newsletter) berichtet nun, die CIA bilde bereits seit knapp zehn Jahren „Schattenkrieger“ aus, die nun gegen Russland eingesetzt würden: „These operations have been cast as extreme measures Ukraine was forced to adopt in response to Russia’s invasion last year. In reality, they represent capabilities that Ukraine’s spy agencies have developed over nearly a decade – since Russia first seized Ukrainian territory in 2014 – a period during which the services also forged deep new bonds with the CIA.” (jw)
Hamas: Internationale Koalition?
(24. Oktober 2023)Aktuell wird etwa bei n-tv gemeldet, der französische Präsident Macron habe gefordert, Einsätze im Rahmen der Koalition zur Bekämpfung des sog. Islamischen Staates in Syrien und im Irak auf die Hamas auszuweiten: „Bei seinem Besuch in Israel hat sich Präsident Emmanuel Macron für den Einsatz eines internationalen Bündnisses gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas ausgesprochen. ‚Frankreich ist dazu bereit, dass die internationale Allianz gegen den Islamischen Staat, zu der wir uns für den Einsatz im Irak und in Syrien zusammengetan haben, auch die Hamas bekämpfen kann‘, sagte Macron nach einem Treffen mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu in Jerusalem.“ (jw)
Verhandlungen: Überblick
(24. Oktober 2023)Nachdem zuletzt auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder argumentierte, Ende März 2022 sei eine Verhandlungslösung zwischen Russland und der Ukraine nur wegen westlichem (britischem und US-amerikanischem) Widerstand gescheitert (siehe IMI-Aktuell 2023/690), wächst die Zahl der Quellen immer weiter, die dies bestätigen. Antwiwar.com zählt die wichtigsten davon auf: „Schröder’s newly published account of the Istanbul talks add to the evidence provided by Putin, Lavrov, Bennett and the Turkish officials that Ukraine and Russia might have arrived at a peace that satisfied both of their goals and avoided the horrid loss of life that has followed since had the US not intervened and put an end to the talks and the tentative agreement.” (jw)
Rheinmetall: Teure Ukraine-Munition
(24. Oktober 2023)Rheinmetall gehört zu den wichtigsten Munitionslieferanten für die Ukraine. Abseits aller hochmoralischen Verlautbarungen zeigen der Welt zugängliche Dokumente, wie knallhart das Unternehmen bei der wichtigen 155mm-Artilleriemunition Angebot und Notlage ausnutzt. Rheinmetall will u.a. bei seiner spanischen Tochter Expal produzieren lassen – Kostenpunkt: 3.600 Euro pro Stück: „Vor Beginn des russischen Überfalls im Februar 2022 galt ein Stückpreis von 2000 Euro pro Geschoss der Artilleriemunition als marktüblich. […] Rheinmetall rechnet damit, dass die neue spanische Tochter in diesem Jahr eine operative Gewinnspanne von um die 25 Prozent erzielt – ein sehr guter Wert. […] Expal soll also offenkundig seine hohen Gewinne auch mit der Munition für die Ukraine machen.“ (jw)
Ukraine: 1% BIP?
(23. Oktober 2023)Die Welt kommt mit dem Vorschlag rüber, einen fixen (und hohen) Betrag für die Ukraine zuzusagen: „Die westliche Welt sollte gerade jetzt darüber nachdenken, ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis auf Weiteres für die Ukrainehilfe bereitzuhalten. Das ist möglicherweise weit besser investiert als in die Nato. Der Ukraine-Krieg ist schließlich da, der Bündnisfall eben nicht.“ (jw)
Schröder: Verhandlungen
(22. Oktober 2023)Dass die Ukraine im März 2022 zu Zugeständnissen bereit war und eine Verhandlungslösung mit Russland in greifbarer Nähe war, bis dies von westlicher Seite torpediert wurde, wird inzwischen von mehreren Seiten bestätigt (siehe IMI-Analyse 2022/08). Eine weitere Quelle hierfür ist Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der für sich genommen womöglich wegen Einseitigkeit mit Vorsicht zu genießen wäre, dessen Aussagen sich aber mit denen aus anderen Quellen decken. In der Berliner Zeitung wird er mit der Schilderung widergegeben, er sei von der Ukraine explizit darum gebeten worden, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Nachricht zu überbringen. Um die Ernsthaftigkeit der Botschaft zu untermauern sei mit Rustem Umjerow, dem heutigen Verteidigungsminister, einer der engsten Vertrauten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mitentsandt worden. „Der ‚Berliner Zeitung‘ sagte Schröder, er selbst habe 2022 die Bitte aus der Ukraine bekommen, zwischen dem Land und Russland zu vermitteln. ‚Die Frage war, ob ich Putin eine Botschaft übermitteln könne. […] Er habe mit Umjerow zwei Gespräche geführt, dann mit Putin ein Vier-Augen-Gespräch und danach mit Putins Gesandten, sagte Schröder. Bei den Gesprächen am 7. und 13. März 2022 sei von Butscha noch nichts bekannt gewesen. Umjerow habe bei den Verhandlungen Bereitschaft zu Zugeständnissen gezeigt, etwa dass die Ukraine keine Nato-Mitgliedschaft wolle. ‚Er sagte auch, dass die Ukraine Russisch im Donbass wieder einführen will. Doch am Ende passierte nichts. Mein Eindruck: Es konnte nichts passieren, denn alles Weitere wurde in Washington entschieden‘.“ (jw)
Heer: Indopazifik
(20. Oktober 2023)Deutschland will seine militärische Präsenz im konfliktreichen Indo-Pazifik ausbauen. Einheiten von Marine und Luftwaffe wurden bereits seit 2021 zeitlich befristet entsandt und sollen auch wieder in die Region geschickt werden (siehe IMI-Standpunkt 022/035). Nun soll das Heer im Rahmen des Indo-Pazific Deployment 2023 folgen, schreibt die Europäische Sicherheit & Technik: „Die Teilnahme deutscher Fallschirmjäger der 4. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf und von Teilen des Seebataillons an der Übung ‚Talisman Sabre‘ in Australien bildete den Kern des Indo-Pazific Deployment 2023, das von den Antrittsbesuchen des Inspekteurs des Heeres in Australien, Japan, Singapur und Pakistan flankiert wurde. […] Das Engagement deutscher Streitkräfte in der Indopazifik-Region wird verstetigt. Auch das Heer bringt sich zukünftig regelmäßig ein.“ (jw)
Cislunar: Militarisierung
(20. Oktober 2023)Wenn allgemein vor einer Militarisierung des Weltraums gewarnt wird, sind davon bestimmte „Regionen“ besonders betroffen, argumentiert ein Beitrag im Reservistenmagazin „loyal“: „Die cislunare Region beginnt in der Höhe des geostationären Orbits und erstreckt sich bis zur Mondoberfläche. Bezeichnend ist, dass sämtliche Aktivitäten in dieser weitgehend unerschlossenen Domäne von den Großmächten wie China und den USA als Sicherheitsprobleme wahrgenommen werden und deshalb eine dortige Militarisierung vorantreiben.“ (jw)
Vernichtung als Kernkompetenz
(19. Oktober 2023)Die aktuelle Verrohung von Sprache und Inhalt lässt sich beispielhaft an einem Focus-Artikel von Gabor Steingart ersehen, der früher nicht unbedingt zu den Hardlinern zu zählen war. Es sei heute wieder erforderlich, „das Lexikon der Gewalt auswendig zu lernen“, so der ehemalige Spiegel-Redakteur. Es gehe einer Reihe von Staaten darum, „den Westen erst destabilisieren, ihn dann in seiner weltpolitischen Bedeutung relativieren, schließlich minimieren, um ihn dann womöglich liquidieren“ zu wollen. Dabei handele es sich nicht um eine „Verschwörungstheorie, sondern um eine Verschwörungsgewissheit.“ Das alles mündet dann in diese Sätze: „Das Militär und seine Kunstfertigkeit im Erkennen, Beschützen und dem möglichst präzisen Aufspüren und dann auch Vernichten von Gegnern ist die Kernkompetenz dieser Zeit. […] Es ist nicht die Zeit der Idealisten. Wer nachts von Abrüstung und Pazifismus träumt, muss aufpassen, dass er morgens nicht mit durchtrennter Kehle im Bett liegt.“ (jw)
ARROW: Bewilligung
(19. Oktober 2023)Das Verteidigungsministerium berichtet heute über die Freigabe von weiteren 4,4 Mrd. Euro durch den Haushaltsausschuss. Obwohl erhebliche Zweifel an der Praxisrelevanz des Systems bestehen (siehe IMI-Aktuell 2023/628), geht der Löwenanteil an das ARROW-System: „Das größte heute bewilligte Vorhaben betrifft mit rund 4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr die Beschaffung des Flugabwehrsystems ARROW, einschließlich der Lenkflugkörper ARROW 3 sowie Ersatzteil- und Ausbildungspakete.“ (jw)
MILEX23: EU-Eingreiftruppe
(19. Oktober 2023)Im Strategischen Kompass wurde im März 2022 der Aufbau einer 5.000 Soldat*innen umfassenden EU-Eingreiftruppe sowie der Ausbau des MPCC genannten EU-Hauptquartiers angekündigt, um Einsätze in dieser Größenordnung planen und leiten zu können (siehe IMI-Studie 2022/04). Seit dem 16. Oktober bis 22. Oktober findet MILEX23 statt, ein Manöver, an dem 2.800 Soldat*innen (die Bundeswehr soll sich erst kommendes Jahr beteiligen) teilnehmen. Es soll den für 2025 angekündigten Start dieser Truppe vorbereiten, wie die Europäische Sicherheit & Technik schreibt: „Gegenwärtig findet die erste echte Militärübung der Europäischen Union statt. Die sogenannte MILEX23 […] will die EU den Grundstein für eine militärische Handlungsfähigkeit legen. [Die Übung ist] ein wegweisender Schritt für den Aufbau der Rapid Deployment Capacity (RDC), einer bis zu 5.000 Personen starken schnellen Eingreiftruppe, die im Rahmen der EU bis 2025 durch die Mitgliedstaaten aufgestellt werden soll.“ (jw)
EDIP: 1. Mrd.
(19. Oktober 2023)Mit ASAP und EDIRPA wurden in diesem Jahr Mechanismen auf den Weg gebracht, um die Produktion und den Ankauf von Rüstungsgütern über den EU-Haushalt zu subventionieren (siehe IMI-Analyse 2023/21). Bei beiden handelt es sich um kurzfristig aufgelegte Programme, die 2025 wieder auslaufen bzw. in eine langfristig angelegte systematische Verteidigungsinvestitionsstrategie (EDIP) überführt werden sollen. Ursprünglich wollte die EU-Kommission diese Strategie am 8. November 2023 vorlegen, was aber nun auf das erste Quartal 2024 verschoben wurde. Beim Fachportal Bruxelles2 finden sich dennoch erste Informationen, vor allem über den mögliche finanziellen Umfang des Programms (übersetzt mit deepl.com): „EDIP mit nur 1 Milliarde? Dies hofft das Büro von EU-Kommissar Thierry Breton laut mehreren Quellen nun für die Finanzierung des Europäischen Verteidigungsinvestitionsprogramms (EDIP) für den Zeitraum 2026–2027 zu erreichen. Dies würde es EDIP ermöglichen, die Finanzierung von EDIRPA (gemeinsamer Erwerb von Munition) und ASAP (Stärkung der Munitionsproduktionskapazitäten) zu übernehmen, die im Jahr 2025 endet.“ (jw)
Ukraine: 50 Mrd.
(18. Oktober 2023)Das EU-Parlament hat umfassende Finanzen für die Ukraine abgesegnet – allerdings handelt es sich hier nur im kleineren Teil um Zuschüsse (17 Mrd. Euro), sondern überwiegend um Darlehen (33 Mrd. Euro), mit denen sich das Land bis über beide Ohren verschuldet. Die Europäische Sicherheit & Technik schreibt: „Das Europa-Parlament hat gestern der neuen Ukraine-Fazilität zugestimmt, mit der in den Jahren 2024 bis 2027 insgesamt 50 Milliarden Euro für die wirtschaftliche Erholung, Wiederaufbau und Modernisierung sowie die Vorbereitung zum EU-Beitritt der Ukraine bereitgestellt werden sollen.“ (jw)
Rüstungsexporte: Problem
(18. Oktober 2023)Obwohl tendenziell immer mehr Waffen exportiert werden, sei die angeblich viel zu restriktive Rüstungsexportpolitik ein großes Problem, wettert Airbus-Chef Herr Faury im gestrigen Handelsblatt: „Die Haltung der deutschen Regierung bei Rüstungsexporten in einige Länder stellt ein echtes Problem dar. Wir versuchen, unseren deutschen Gesprächspartnern gerade die sehr negativen Auswirkungen dieser Entscheidung zu erklären. Wir müssen exportieren können, um Innovation und Produktion zu gewährleisten. Wenn Deutschland ein vertrauenswürdiger Partner bei großen Rüstungsprojekten sein will, muss es die Frage der Exportkontrolle mit den anderen Europäern und nicht gegen sie klären. Berlin muss seine derzeit restriktive Politik weiterentwickeln.“ (jw)
Connection e.V. zu Gaza
(17. Oktober 2023)Der Verein Connection e.V., der Kriegdienstverweiger*innen weltweit hat „Stimmen für ein Ende der Gewalt und für Verständigung in Israel und Palästina“ gesammelt und zugänglich gemacht. In der entsprechenden Presseerklärung wird die Gruppe der Kriegsdienstverweiger*innen in Israel, Mesarvot, zitiert:
„Es gibt keinen Akt der Gewalt auf dieser Welt, der die Menschen, die wir verloren haben, wieder zum Leben erwecken kann. Es gibt keine Lösung, die aus dem Wunsch nach Rache und Leid erwachsen kann. Der einzige Weg zu einem sicheren Leben hier ist, die Gräueltaten des Staates Israel zu beenden und auf Frieden hinzuarbeiten. Nur Entgegenkommen wird uns aus dieser Hölle befreien.“
Israel/Hamas: zu den Opfern
(17. Oktober 2023)In einem insgesamt sehr lesenswerten Beitrag für die ak schreibt Hanno Hauenstein, „dass unter den Getöteten und Vermissten, mutmaßlich Entführten, auch langjährige Aktivist*innen gegen Israels Besatzungspolitik waren“, und bezeichnet dies als „zynischer Spiegel des moralischen Abgrunds dieser Katastrophe“:
„Etwa die Aktivistin Vivan Silver von Road to Recovery, einer Organisation, die in den letzten Jahren immer wieder half, Patient*innen in Not aus Gaza zur Behandlung nach Israel zu transportieren; Shahar Tzemach von Breaking the Silence, der Führungen in Hebron durchführte, um Menschen aus Israel-Palästina oder Besucher*innen über die Realität der palästinensischen Bantustans im Westjordanland aufzuklären; oder Hayim Katsman, der noch im Juni dieses Jahres für Ha’aretz eine bestechende Analyse über die Hegemonie-Bestrebungen der israelischen Rechten aufschrieb.“
Der Angriff der Hamas sei nicht zu rechtfertigen, dürfe jedoch auch keine Rechtfertigung sein, nun Kriegsverbrechen gegen die Palästinenser*innen zu begehen. Dazu brauche die amtierende Regierung auch keine Rechtfertigung, denn sie habe das schon zuvor getan. Am Schluss wagt der Autor dann noch einen hoffnungsvollen Abschluss:
„Die Linke wird durch die Situation auf eine ernsthafte Probe gestellt. Sie sollte nicht die Fehler ihrer Regierungen wiederholen und sich nullsummenhaft auf die Seite von Flaggen schlagen, kritische Stimmen übergehen und die Humanität ganzer Bevölkerungsgruppen ausblenden. Sie muss eine Form von aktivem Humanismus walten lassen, der Dehumanisierung ganzer Gruppen, Palästinenser*innen oder Israelis, Jüdinnen und Juden oder Muslime, unmissverständlich verurteilt. Das heißt, sie muss Widerstand leisten gegen Antisemitismus im Namen des antikolonialen Kampfes genauso wie Widerstand gegen institutionalisierten Rassismus im Namen der sogenannten Israelsolidarität. Die israelische Linke zeigt dieser Tage vorbildhaft, dass derartiger Humanismus möglich und essenziell nötig ist.“
KI: Rüstungsimpulspapier
(17. Oktober 2023)Mit einem Impulspapier will die Rüstungsindustrie in Sachen Künstlicher Intelligenz in die Offensive gehen. Herausgegeben wurde das Papier von den großen Lobbyverbänden BDSV, BDI, BDLI, Bitkom, sein Ziel sei es, den KI-Einsatz zu „entdämonisieren“, wie es laut TableSecurity bei einer gestrigen Vorstellung des Papiers hieß. Es gehe darum, einen Impuls zur „Formulierung einer nationalen militärischen KI-Strategie liefern“, heißt es in dem Papier. (jw)
Taurus: Umfrage
(17. Oktober 2023)Aus verschiedenen Gründen wäre die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine sehr problematisch (siehe IMI-Standpunkt 2023/035). Laut einer Umfrage, über die u.a. der Tagesspiegel (via Bpb-Newsletter) berichtet, sieht das auch eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung so: „In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur stellen sich 55 Prozent hinter das Nein des Kanzlers, nur 26 Prozent halten die Entscheidung für falsch. Scholz hatte Anfang Oktober nach monatelanger Prüfung entschieden, vorerst keine der Präzisionswaffen mit einer Reichweite von 500 Kilometern in die Ukraine zu liefern. Er begründete das damit, dass Deutschland in den Krieg hineingezogen werden könnte.“ (jw)
Atomarer Aufrüstungsreport
(17. Oktober 2023)Hans Kristensen, der wohl profilierteste Kritiker der US-Nuklearwaffenpolitik, weist auf einen neuen vom Kongress angeforderten Bericht hin, der anscheinend eine umfassende nukleare Aufrüstung der USA einfordert: “It includes recommendations for the United States to prepare to increase its number of deployed warheads, as well as increasing its production of bombers, air-launched cruise missiles, ballistic missile submarines, non-strategic nuclear forces, and warhead production capacity. It also calls for the United States to deploy multiple warheads on land-based intercontinental ballistic missiles (ICBMs) and consider adding road-mobile ICBMs to its arsenal.” (jw)
Niger akzeptiert algerischen Übergangsplan
(16. Oktober 2023)Die aus Generälen zusammengesetzte Übergangsregierung, die seit dem Putsch über den Niger herrscht, hat am 2. Oktober den Übergangsplan Algeriens akzeptiert, nach welchem ein inklusiver, alle politischen Strömungen miteinbeziehender und von einem Zivilisten geführter politischer Neuordnungsprozess den Weg zu neuen Wahlen innerhalb von drei Jahren ebnen soll. Algerien hatte sich von Anfang an gegen die von der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) angedrohte und von Frankreich und anderen EU-Ländern unterstützte militärische Intervention gestellt. Diese hätte einen Flächenbrand auslösen können. Algerien befürchtete als Nachbarland des Nigers gegebenenfalls einen großen Teil der Geflüchteten aufnehmen zu müssen, wie die junge Welt berichtete. Doch mit dem am 5. Oktober angekündigten Abzug der französischen Militärpräsenz scheint diese Gefahr vorerst gebannt.
Algerien konsultierte sich für diesen Plan nicht nur mit der nigrischen Junta und den die Intervention befürwortenden Staaten der ECOWAS, sondern auch mit den USA, die ihre (weltgrößte) Drohnenbasis im nigrischen Agadez behalten möchten. Mit diesem Erfolg knüpft Algerien an vorherige diplomatische Errungenschaften an, sowie dem Friedensvertrag „von Algiers“ der den Waffenstillstand zwischen Mali und den ursprünglich separatistischen Tuareg-Milizen, die Reintegration letzterer in Staat und Militärs Malis und den gemeinsamen Kampf gegen die Dschihadisten regelte, der jedoch kürzlich nach acht Jahren wieder zerbrach.
In dem Zusammenhang wurde auch ein Abkommen über wirtschaftliche Kooperationen vereinbart, die besonders die vernachlässigte Elektrifizierung des Landes betreffen. Außerdem „schlägt Algerien vor, eine internationale Konferenz zur Entwicklung der ganzen Sahelregion zu organisieren.“
Uran: Mongolische Alternative?
(16. Oktober 2023)Bekanntlich spielt Uran eine nicht unwesentliche Rolle, was die französischen Interessen im Niger anbelangt. Angesichts des notgedrungen beginnenden Abzugs aus dem Land, schaut sich Frankreich offenkundig nach Alternativen um. Wie NikkeiAsia berichtet, kam es in diesem Zusammenhang nun zu einem milliardenschweren Deal mit der Mongolei: „France and Mongolia have signed a 1.6 billion euro ($1.7 billion) deal that paves the way for the mining of uranium in the landlocked country, the chairman of French nuclear energy provider Orano told Nikkei Asia on Thursday.” (jw)
NATO-Kriterien: Überblick
(14. Oktober 2023)Im kommenden Jahr sollen Militärausgaben von 2% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreicht werden. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich dieser Wert auf 85,3 Mrd. Euro belaufen wird. Er soll über mehrere Posten erreicht werden: Der offizielle Verteidigungshaushalt soll 51,8 Mrd. Euro betragen, hinzu kommen 19,2 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen und 14,3 Mrd. Euro Militärausgaben nach NATO-Kriterien (siehe IMI-Studie 2023/2). Dabei handelt es sich um außerhalb des Verteidigungshaushaltes angesiedelten Militärausgaben, über die die Bundesregierung aber traditionell wenig Informationen herausrückt (siehe IMI-Standpunkt 2019/058).
Diese Ausgaben steigen erheblich, 2014 waren es laut Spiegel online noch 1,6 Milliarden Euro, 2020 dann schon 5,3 Milliarden. Dann stiegen die Ausgaben von 7,3 Mrd. Euro (2022) über 9,5 Mrd. Euro (2023) auf geplante 14,3 Mrd. Euro (2024) an. Ein wichtiger Grund hierfür sind die im Allgemeinen Haushalt verorteten Kosten für die Waffenlieferungen an die Ukraine – allein in diesem Jahr 5,4 Mrd. Euro. Doch auch an anderen Stellen seien die NATO-Kriterien erheblich ausgeweitet worden, schreibt Spiegel online und gibt einen Überblick.<
Im kommenden Jahr wären allein 11,5 Mrd. Euro beim Finanzministerium zu finden, und davon rund 4,5 Mrd. Euro, die auf Zinszahlungen entfallen würden. Die weiteren dortigen Posten: „So übernimmt Lindners Ressort die Kosten für die Flugbereitschaft der Bundesregierung genauso wie Aufwendungen für ehemalige militärische Liegenschaften. […] Zum Beitrag des Finanzministeriums zählen aber auch Versorgungsleistungen für Ex-Angehörige der Nationalen Volksarmee.“
Beim Entwicklungsministerium läge mit knapp einer Milliarde der zweitgrößte Posten, schreibt Spiegel online weiter. „Dabei handelt es sich größtenteils um Mittel für Krisenbewältigung und Wiederaufbau in Kriegsgebieten.“ Hinzu kämen 921 Millionen beim Kanzleramt, die primär auf die Kosten für den Bundesnachrichtendienst zurückzuführen seien. Beim Auswärtigen Amt werden 808,6 Millionen Euro verortet, u.a. die deutschen Mitgliedsbeiträge zur Uno. Im Familienministerium werden 47,2 Millionen Euro für Kindergeldzahlungen an Bundeswehrangehörige veranschlagt. (jw)
Eurofighter: Export erforderlich
(14. Oktober 2023)Die Auslieferung der 4. Tranche mit 48. Eurofightern (“Quadriga“) soll 2030 abgeschlossen sein. Laut Europäischer Sicherheit & Technik fordert die Industrie bereits eine 5. Tranche, verbunden mit der Drohung, sonst komme es zum „Ende des militärischen Kampfflugzeugbaus in Deutschland“ sowie dem „Verlust von Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen und insbesondere von Spitzentechnologien der Industrie.“ Doch selbst wenn es zu einer Beauftragung kommt, geht Airbus-Chef Schöllhorn von einem – aus seiner Sicht zumindest – zu geringen Umfang aus, weshalb er den Export des Kampfflugzeugs für zwingend erforderlich hält: „Damit eine wirtschaftlich erforderliche Mindest-Baukapazität von zehn Flugzeugen pro Jahr sichergestellt werden könne, sei auch der Export erforderlich, sagte Schöllhorn. Er rechnet nur mit einer Bestellung von etwa 40 Eurofightern für die Tranche 5 aus Deutschland und etwa 25 Fliegern im Projekt Halcon 2 für Spanien. Um die Dekade von 2030 bis 2040 und dem Start des FCAS-Programms zu überbrücken, müssten jedoch 100 Maschinen produziert werden.“ (jw)
Nachrichtenwesen: Außer Kontrolle
(14. Oktober 2023)Es ist nicht wirklich neu, dass die Kontrolle des eigentlich nur für bundeswehrinterne Fragen zuständigen Militärischen Abschirmdienstes (MAD), vorsichtig formuliert, Spiel nach oben hat. (siehe IMI-Analyse 2008/11). Was das auf das Ausland fokussierte Militärische Nachrichtenwesen (MilNW) der Budeswehr anbelangt, gilt dasselbe, wie nun eine neue Untersuchung ergab, über die Spiegel online berichtet: „Das Militärische Nachrichtenwesen der Bundeswehr operiert nach Ansicht von Experten ohne »ausreichende gesetzliche Grundlage«. Die geschätzt rund 7000 Beschäftigten des Bereichs unterlägen keiner wirksamen Kontrolle, heißt es in einer bislang unveröffentlichten Analyse der Berliner Denkfabrik Stiftung Neue Verantwortung. […] Ihre Aufgaben und Befugnisse sind allerdings nicht gesetzlich geregelt. Zudem unterliegen sie außer über den Verteidigungsausschuss des Bundestags keiner parlamentarischen Kontrolle.“ (jw)
Syrien: Begrenzte israelische Luftangriffe
(14. Oktober 2023)Spiegel online meldete bereits vorgestern, es sei zu israelischen Luftangriffen auf den Flughafen in Damaskus gekommen, Sie richteten sich aktuell „nur“ gegen den Flughafen und Ziele in Aleppo, aber hier steckt natürlich einiges an Eskalationspotenzial dahinter: „Israel hat erstmals seit Beginn des Kriegs gegen die Hamas auch Luftangriffe in Syrien geflogen. Hintergrund der Attacke auf den Flughafen in Damaskus sind laut Israels Botschafter in Deutschland Waffenlieferungen.“ (jw)
Gaza: Rekord-Bombenmenge auf Zivilisten
(13. Oktober 2023)Einem Post des israelischen Militärs (IDF) ist zu entnehmen, dass in 6 Tagen nun über 6000 Bomben auf den Gaza-Streifen abgeworfen wurden. Laut Washington Post wurden 3600 Ziele getroffen. Die Zeitung zitiert Marc Garlasco von der Dutch organization PAX for Peace und ehemaliger U.N.-Kriegsverbrechen-Ermittler in Libyen, der diese unglaubliche Menge mit anderen Kriegen vergleicht:
“Israel is dropping in less than a week what the U.S. was dropping in Afghanistan in a year, in a much smaller, much more densely populated area, where mistakes are going to be magnified.”
Dies seien so viele Bomben wie die USA in einem Jahr auf Afghanistan abgeworfen habe. Doch Gaza ist einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt.
Der Post der IDF behauptet all diese Bomben auf „Hamas-Ziele“ abgeworfen zu haben. Doch der Post ist mit einer FakeNews-Warnung ‚geflaggt‘, die darauf hinweißt, dass die meisten der Bomben auf Wohngebiete abgeworfen wurden, und einen Artikel des Guardian dazu verlinkt.
Seit die Hamas miz ihrer Terror-Offensive rund 1300 Israelis, davon mindestens 1000 Zivilist*innen, töteten, seien über 1400 Menschen in Gaza durch die israelische Bombardierung gestorben, davon 447 Kinder und 248 Frauen. Zudem kommunizierte Israel den Vereinten Nationen (UN), dass die rund 1,1 Millionen in Nord-Gaza lebenden Menschen die Gegend innerhalb von 24 Stunden verlassen sollten. Der Sprecher des Generalsekretariats der UN, Stéfane Dujarric, meinte: The United Nations considers “it impossible for such a movement to take place without devastating humanitarian consequences.”
Diese Vertreibung der Menschen der Region kommt zu einem Zeitpunkt, da die Belagerung bei großen Teilen der Bevölkerung schon zu Wassermangel führt, die Elektrizät wegen Treibstoffmangel in fast dem ganzen Gebiet schon ausgefallen ist, und der einzige Grenzübergang, über den die Bevölkerung das Gebiet von Rafah aus nach Ägypten verlassen könnte, geschlossen wurde, nachdem Israel ihn bombardierte. Dieses Vorgehen stellt laut internationalem Recht und Einschätzungen von zB Human Rights Watch ein Kriegsverbrechen dar.
Derweil kamen 1000 Bomben Nachschub aus den USA. Deutschland will Israel ebenso mit militärischen Gütern unterstützen und gibt als ersten Schritt zwei von Israel gealeste Heron II Drohnen zurück, bevor weitere Munition geschickt werden soll. (PF)
Polen: Besorgnis erregende Rücktritte
(12. Oktober 2023)In Polen sind zwei Generäle zurückgetreten, was n-tv (via Bpb-Newsletter) über die möglichen Hintergründe berichtet ist überaus Besorgnis erregend: “Während offiziell keine Gründe genannt wurden, berichteten polnische Medien über einen tiefgehenden Konflikt der beiden Militärchefs mit Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak. Sie hätten sich Versuchen zur Einbindung der Armee in den Wahlkampf widersetzt.“ (jw)
MGCS: Abgesang
(12. Oktober 2023)Ungeachtet jüngster Treueschwüre seitens des Verteidigungsministers Boris Pistorius mehren sich in Deutschland die Stimmen, die ein Ende des deutsch-französischen Panzerprojektes MGCS fordern. So etwa nun auch Redakteur Lars Hoffmann in der Europäischen Sicherheit & Technik: „Es spricht also vieles dafür, MGCS in seiner jetzigen Form zu begraben. Besser wäre es, stattdessen das Projekt des European Defence Fund (EDF) zur Entwicklung eines neuen europäischen Kampfpanzers zu verfolgen. Dabei sollte die deutsche Industrie aufgrund ihrer nicht zu bestreitenden Kompetenz die Führung übernehmen, aber Forderungen der anderen Partnernationen frühzeitig aufnehmen, um ein Produkt zu entwickeln, das auf die Bedürfnisse mehrerer Streitkräfte zugeschnitten ist. Nur so lassen sich große Stückzahlen zu akzeptablen Preisen produzieren.“ (jw)
IMI-Cartoon: Rüstungsaktien
(12. Oktober 2023)Nicht zuletzt die deutsche Rüstungsindustrie profitiert von den vielen Milliarden, die seit Beginn des Ukraine-Krieges zusätzlich ausgegeben werden. Dementsprechend stieg der Aktienkurs von Airbus – aufgrund des hohen zivilen Unternehmensanteils „nur“ – um rund 17%. Bei Rheinmetall kletterte der Börsenkurs sogar um 319% und bei Hensoldt waren es 243% (Stichtage jeweils der 30.12.2021 und der 4.8.2023 siehe IMI-Studie 2023/2). Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Litauen-Brigade: Leuchtturmprojekt
(11. Oktober 2023)Vor einer Weile kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius an, das Bundeswehr-Bataillon in Litauen auf Brigadegröße (4.000 Soldat*innen) aufstocken zu wollen (siehe IMI-Analyse 2023/29). Obwohl die Bundeswehr scheinbar Schwierigkeiten hat, dafür Personal zu finden (siehe IMI-Standpunkt 2023/032), kündigte das Verteidigungsministerium heute an, im kommenden Jahr „schrittweise mit der Aufstellung“ der Brigade beginnen zu wollen. In der Meldung wird außerdem ein Tweet von Verteidigungsminister Boris Pistorius zitiert, der dem Vorhaben einen hohen Stellenwert einräumt: „Die dauerhafte Stationierung der Brigade in #Litauen ist für mich DAS Leuchtturmprojekt der #Zeitenwende!“ UPDATE: Augengeradeaus weist in diesem Zusammenhang auf eine Formulierung des Verteidigungsministgers hin, die darauf hindeutet, dass es mit der lange betonten Freiwilligkeit, was eine mehrjährige Auslandsstationierung anbelangt, womögich doch nicht so weit her sein könnte: „Er gehe aber davon aus, dass sich Freiwillige für eine auch langjährige Stationierung in Litauen finden ließen, betonte Pistorius. Allerdings bleibe Freiwilligkeit ein Prinzip, aber am Ende zählt das Ergebnis, betonte der Minister. Dafür kämen auch Versetzungen wie bisher schon ohne die Zustimmung des Betroffenen infrage.“ (jw)
Breton: EU-Flugzeugträger?
(11. Oktober 2023)Am ganz große Rüstungsrad will scheinbar EU-Industriekommissar Thierry Bretton drehen. Bei einer Veranstaltung soll er laut Politico u.a. einen EU-Flugzeugträger gefordert haben: „Breton said it’s time to start discussing an aircraft carrier vessel to patrol the seas, a so-called Eurodome air defense system and a space-based ‘European threat detection and identification capability’.” (jw)
Ukraine: “Winterpaket”
(11. Oktober 2023)Deutschland hat laut Medienberichten ein weitere umfassendes “Winterwaffenpaket” im Wert von 1,1 Mrd. Euro für die Ukraine geschnürt: „Darunter seien das bereits in der vergangenen Woche zugesagte zweite Luftverteidigungssystem Patriot sowie acht weitere Startgeräte und mehr als 60 Lenkflugkörper, erklärte das Ministerium. Hinzu kämen weitere Iris-T-Systeme mit Lenkflugkörpern und drei Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ Gepard. […] In den nächsten Wochen sollen zudem weitere 10 Kampfpanzer Leopard, 15 geschützte Transport- und knapp 20 geschützte Sanitätsfahrzeuge in der Ukraine eintreffen.“ (jw)
CO2: NATO-Staaten
(10. Oktober 2023)Ende letzten Jahres war eine Studie der „Scientists for Global Responsibility“ zu dem Ergebnis gelangt, das weltweite Militär produziere 5,5% der weltweiten CO2-Emmissionen (siehe IMI-Aktuell 2022/541). Eine neue Studie von Nichtregierungsorganisationen wie Tipping Point North South, dem Centre Delàs und dem Transnational Institute beschäftigte sich nun speziell mit dem NATO-Beitrag und insbesondere mit den Folgen, die die NATO-Zielvorgabe von 2% Militärausgaben haben wird. Spiegel online berichtet über die Studie: „Laut dem Bericht hat allein das Militär des Nato-Verteidigungsbündnisses im Jahr 2021 fast 200 Millionen Tonnen CO2-Emissionen produziert. In diesem Jahr sollen es bereits 226 Millionen Tonnen sein. Das entspricht rund einem Drittel des deutschen Treibhausgasausstoßes. […] Bis Ende des Jahrzehnts könnten sie fast 300 Millionen Tonnen jährlich erreichen. Ein Grund dafür ist das sogenannte Zwei-Prozent-Ziel […]. »Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato gießt Öl ins Feuer der Klimakatastrophe, indem sie dringend benötigte Ressourcen abziehen und die Treibhausgasemissionen erhöhen«, erklärt Studienautor Nick Buxton vom Transnational Institute gegenüber dem SPIEGEL.“ (jw)
Funkgeräte: Noch länger auf Lager
(10. Oktober 2023)Der Einbau abhörsicherer und internetfähiger Funkgeräte in tausenden von Bundeswehrfahrzeigen gilt als wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung der Bundeswehr. Sie sollte zudem in einer Anfangsbefähigung soweit sein, dass die der NATO für 2025 zugesagte Division vollständig auf neue Funkgeräte hätte zurückgreifen können. Nachdem das dafür benötigte Geld im Dezember 2022 freigegeben wurde, wurde zwar eifrig bestellt, allerdings wurde gleichzeitig vergessen, dass man sich auch um den Einbau kümmern muss. Wegen diesem Fehler war zunächst von einer Verzögerung von einem Jahr die Rede (siehe IMI-Analyse 2023/46). Nun wird aber u.a. bei n-tv berichtet, die Sache werde sich noch einmal deutlich weiter nach hinten verschieben: „Bei der Umrüstung auf neue digitale Funkgeräte bei der Bundeswehr gibt es einem Bericht zufolge weitere Verzögerungen. Wie das Portal Table Media berichtete, dürfte die schlussendliche Verzögerung ‚etwa zwei Jahre‘ betragen.“ (jw)
Beschaffung: US-Dominanz
(10. Oktober 2023)Im Reservistenmagazin “loyal” wird über eine neue Studie des “Institut de Relations Internationales et Strategiques“ (IRIS) berichtet. Darin betrachtete sich Autor Jean-Pierre Maulny die Ursprungsländer der europäischen Beschaffungsprojekte nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges: „Sein zentraler Befund: 78 Prozent der Beschaffungen der Europäer seit Kriegsauftakt kommen von außerhalb der Europäischen Union. Den Löwenanteil davon bedienen die Vereinigten Staaten mit 63 Prozent. […] Der Primus der Rüstung, die innerhalb der EU erfolgt, ist Deutschland mit 11,5 Milliarden Euro. Fast die Hälfte der intra-europäischen Waffeneinkäufe erfolgten dort. Auf dem zweiten Platz liegt Schweden mit 4,7 Milliarden Euro an Waffenverkäufen. Frankreichs Anteil beschränkt sich dagegen auf nur 12 Prozent mit 2,5 Milliarden Euro.“ (jw)
Hauptquartier: Stockend
(10. Oktober 2023)Bis 2025 soll das MPCC genannte europäische Hauptquartier in der Lage sein, die Führung aller EU-Ertüchtigungseinsätze sowie von zwei kleinen oder eine mittleren Kampfmission in Brigadegröße (~5.000 Soldat*innen) zu übernehmen (siehe IMI-Studie 2022/4). Ein aktueller Artikel der Europäischen Sicherheit & Technik kritisiert, dass es damit wohl nur schleppend vorangeht: „Betrachtet man die personellen und infrastrukturellen Probleme, so bekommt man den Eindruck, dass der politische Wille bei den Mitgliedstaaten der EU für ein solches operatives Hauptquartier noch nicht vorhanden ist. Wird dieser nicht in absehbarer Zeit gebildet, dürften die angestoßenen Projekte samt der ambitionierten Zielsetzung der EU ins Leere laufen.“ (jw)
Nörvenich: Demo
(9. Oktober 2023)Zahlreiche Friedensgruppen rufen für kommenden Samstag, den 14. Oktober, zu einer Demo am Fliegerhost Norvenich auf. Der Anlass ist das „Atomkriegsmanöver“ Steadfast Noon. Im Aufruf heißt es hierzu:
„Die Bundeswehr wird Mitte Oktober 2023 im Rahmen des NATO-Manövers „Steadfast Noon“ erneut üben, wie man Atombomben an Tornado-Kampfjets anbringt und diese Bomben im Einsatzziel abwirft. Dieses Manöver findet jedes Jahr europaweit mit Beteiligung der USA und aller NATO-Staaten der „Nuklearen Teilhabe“ statt. Der Fliegerhorst Nörvenich bei Düren ist aktuell Ausweichstandort für die sonst auf dem Fliegerhorst Büchel (Eifel) stationierten Tornado-Kampfjets. Büchel wird bis 2026 für die neuen F-35-Atombomber und die neuen B61-12 Atombomben umgebaut. Dort wird ein „Notbetrieb“ aufrechterhalten, damit die „Nukleare Teilhabe“ nicht unterbrochen wird.“
Im Flyer zur Demo wird auch ein Busshuttle ab Busbahnhof Düren (Parkplatz Nordausgang Hauptbahnhof ) nach Nörvenich angekündigt. Außerdem heißt es dort: „Wer für Frieden eintritt, geht vom Grundsatz gleicher Rechte für alle Menschen aus. Rassismus und Nationalismus sind mit einer Politik der Verständigung und der Humanität nicht vereinbar.“
F-35: Kosten verdoppelt
(9. Oktober 2023)Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, haben sich die Kosten für das F-35-Kampfflugzeug, von denen auch die Bundeswehr 35 anschaffen will, nahezu verdoppelt: „Für das bereits 2001 beschlossene Programm zur Entwicklung und Produktion der fünften Kampfjet-Generation F-35 werden dem aktuellen Stand nach Kosten in Höhe von 438 Mrd. US-Dollar veranschlagt, aufgrund verschiedener Teuerungen inklusive Inflation. Die vor über 20 Jahren einkalkulierte Summe beläuft sich auf 233 Mrd. US-Dollar – der finanzielle Aufwand für den amerikanischen Haushalt hat sich seitdem also fast verdoppelt. […] Eine weitere erschreckende Zahl veröffentlichte jüngst der Rechnungshof der Vereinigten Staaten (GAO): Inklusive Anschaffungs- und Instandhaltungskosten über die gesamte Lebensdauer des Kampfjets F-35 wird der US-Haushalt mit finanziellen Aufwendungen von mehr als 1,7 Billionen US-Dollar belastet.“ (jw)
Hamas-Angriffe: Vergeltung löst nichts
(9. Oktober 2023)Angesichts des verheerenden Hamas-Angriffs auf Israel wurde dort der Kriegszustand ausgerufen und harte Gegenschläge angekündigt. Der Nahostexperte Michael Lüders warnt im Deutschlandfunk davor, dass Vergeltungsschläge das eigentliche Problem nicht lösen würden: „Die Strategie der israelischen Regierung […], nämlich mit Gewalt für Ruhe und Ordnung zu sorgen, dieses Konzept hat sich jetzt ganz offenkundig überlebt. […] Selbst wenn man jetzt, wie Netanjahu es angekündigt hat, in großem Umfang Vergeltung übt und den Gaza-Streifen in weiten Teilen zerstört, ja, damit ist ja aber das Problem nicht gelöst. Es Bedarf unbedingt einer politischen Lösung der Palästinafrage und das Versäumnis der israelischen Regierungen wie auch des Westens, der westlichen Politik besteht darin, dass man diese Zusammenhänge über Jahrzehnte komplett ignoriert hat […], es gab nie irgendwelchen Druck auf die israelische Seite, sich ins Benehmen zu setzen mit den Palästinensern und die israelische Besatzung, die ja im Übrigen völkerrechtswidrig ist, zu beenden.“ (jw)
Kosovo: Aufstandsbekämpfung
(9. Oktober 2023)Im Kosovo nehmen die Spannungen in jüngster Zeit wieder deutlich zu. Auch wenn die Bundesregierung einen Zusammenhang verneint, dürfte die jüngste Entscheidung, nach Jahren wieder Bundeswehrsoldat*innen dorthin zu schicken, sicher damit zusammenhängen. Augengeradeaus zitiert das Verteidigungsministerium: „Wir sprechen von einer Kompanie mit rund 90 Soldatinnen und Soldaten. Die Kompanie wird zur sogenannten „crowd and riot control“ befähigt sein. Weiterhin sind rund 65 Soldatinnen und Soldaten zur Unterstützung notwendig. Umfang und Auftrag der Kräfte sind vom aktuellen Mandat gedeckt. Das Mandat sieht eine Obergrenze von 400 vor.“ (jw)
Rüstungsexporte: Überlebenswichtig
(7. Oktober 2023)Ohne Rüstungsexporte keine eine einheimische Rüstungsindustrie, so simpel lässt sich die beobachtbare Praxis erklären, Exportrichtlinien möglichst löchrig zu gestalten (siehe IMI-Analyse 2022/57). Ins selbe Horn bläst in der aktuellen Europäischen Sicherheit & Technik auch Alexander Müller, MdB und verteidigungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: “Deutschland braucht eine starke Industrie, damit wir in Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern sicherheitspolitisch handlungsfähig bleiben. Darum liegt es in unserem Interesse, das anstehende Rüstungsexportkontrollgesetz der Zeitenwende anzupassen. Die Exportgenehmigungen müssen sich, so will es auch die Nationale Sicherheitsstrategie, an den deutschen sicherheitspolitischen Interessen orientieren. […] Nur wenn die Rüstungsunternehmen exportieren können, bleiben sie wirtschaftlich lebensfähig.“ (jw)
Haiti: UN-Mission
(7. Oktober 2023)Eine von Kenia angeführte UN-Truppe mit 1000 Polizisten soll nach Haiti entsendet werden, um die dortigen Kräfte zu unterstützen. Daniel Larson kritisiert die Entscheidung beim Center for Responsible Statecraft, wobei er eine Reihe von Gründen anführt, angefangen damit, dass die kenianische Polizei selbst nicht selten in Menschenrechtsverletzungen verstrickt sei, sie weder das Terrain kenne noch die Sprache spreche und deshalb für einen solchen Einsatz gänzlich ungeeignet sei. Vor allem aber schütze die UN-mission aber Machthaber Ariel Henry: “The U.S. has ignored the objections of Haitian civil society leaders that the de facto Haitian government under Ariel Henry is unelected and illegitimate and that an outside intervention will just prop up Henry’s rule without significantly improving security.” (jw)
Rekrutierung: Überblick
(6. Oktober 2023)Nichts wirklich Neues, aber einen sehr guten Überblick über die verschiedenen „Fronten“, an denen die Bundeswehr derzeit mit Rekrutierungsproblemen kämpft, liefert ein Artikel des WDR: „Bunte Youtube-Videos mit viel Action, Karrierecenter im ganzen Bundesgebiet, millionenschwere Image-Kampagnen: Die Bundeswehr bemüht sich seit Jahren, mehr qualifizierte junge Menschen für die Truppe zu gewinnen. Bisher mit überschaubarem Erfolg“. (jw)
Kanada: Verbrecherliste nach Staatsbesuch
(6. Oktober 2023)Nachdem bei einem Staatsbesuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kanada im vergangenen Monat der 98-jährige Veteran Jaroslaw Hunka, der im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Waffen-SS war, als Held gewürdigt wurde, der „für die Unabhängigkeit der Ukraine gegen die Russen“ gekämpft habe, erwägt das kanadische Parlament nun die Namen von Nazi-Kollaborateuren freizugeben, wie zeit.de berichtete. „Wir haben dafür gesorgt, dass hochrangige Beamte die Fälle sehr sorgfältig untersuchen, unter anderem durch das Durchforsten von Archiven“, so Premierminister Justin Trudeau. Die Freigabe einer Liste, die „mehr als 800 mutmaßlichen Kollaborateuren des Nationalsozialismus, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kanada eingewandert waren, und deren Namen bisher nicht veröffentlicht wurden“ umfasst werde von jüdischen Organisationen wie B’nai Brith und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum gefordert, sei aber bisher umstritten, so zeit.de. (yd)
US-Generäle: Drehtür
(6. Oktober 2023)Eine Studie des Quincy Center for Responsible Statecraft beschäftigt sich mit der hohen Zahl an US-generälen, die nach ihrem Dienst zur Waffenindustrie wechseln: „26 of 32 four–star officers who retired after June 2018 — over 80 percent — went to work for the arms industry as board members, advisors, executives, consultants, lobbyists, or members of financial institutions that invest in the defense sector.” (jw)
Polen: Rüstungsschulden
(6. Oktober 2023)Was Deutschland kann, kann Polen ebenfalls: Sich nämlich mit einer Art Rüstungssonderfonds massiv zu verschulden. Die Fachseite defence24.com beschreibt auf Basis der „Strategy for Debt Management in the Public Finances Sector” der polnischen Regierung die prognostizierten Schuldenstand des „Armed Forces Modernization Fund“ – Ende 2027 soll er 71 Mrd. US-Dollar Schulden angehäuft haben. (jw)
Renk: Kommando zurück
(5. Oktober 2023)Mit viel Pomp kündigte das nicht zuletzt für seine Panzergetriebe bekannte Augsburger Unternehmen Renk seit einiger Zeit seinen für heute anvisierten Börsengang an – der wurde nun laut Süddeutscher Zeitung mangels Interesse abgesagt: „Ob der Börsengang später nachgeholt wird, werde geprüft. Die Nachfrage nach den Papieren war offensichtlich viel zu gering.“ (jw)
Rekrutierung: Panzer im Einkaufszentrum
(5. Oktober 2023)Über den ganz alltäglichen Rekrutierungswahnsinn berichtet der WDR in Form eines Artikels, der sich darum dreht, dass die Bundeswehr mit einem Panzer in einem Solinger Einkaufszentrum neue Soldat*innen anzulocken versuchte: „Am Mittwochabend hat die Bundeswehr einen Luftlandepanzer in das Solinger Einkaufszentrum gebracht. Er soll dort die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Die Bundeswehr möchte so Nachwuchs gewinnen.“ (jw)
Ukraine: Kommentar
(5. Oktober 2023)Es mehren sich skeptische Stimmen, die eine Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg fordern. So etwas dieser Kommentar, der heute u.a. in der Neuen Osnabrücker Zeitung erschien: „Die Rebellion der Hardliner-Republikaner im US-Parlament verdeutlicht, wie enorm risikobelastet die Strategie des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist, alle von Russland annektierten Gebiete wieder zurückerobern zu wollen. […] Der Westen sollte zu einer realistischeren Ukraine-Politik kommen, bevor der Krieg in einem noch größeren Desaster endet. Ankündigungen wie die der deutschen Außenministerin Baerbock sind da wenig hilfreich, die EU werde sich bald bis nach Luhansk erstrecken. Zumindest geheime Verhandlungen über einen Waffenstillstand sollten kein Tabu sein.“ (jw)
Tunesien: doch kein Deal?
(4. Oktober 2023)Der Deal, in wessen Rahmen die EU dem nahezu bankrotten Tunesien im Gegenzug für eine verstärkte Migrationsabwehr finanziell unter die Arme greifen würde, droht zu scheitern. Letzte Woche verschob die Regierung des amtierenden Populisten Kais Saied kurzfristig ein Treffen mit einer Delegation der Europäischen Kommission und verweigerte der Delegation defacto die Einreise.
Mitte September lehnte er schon eine Delegation des EU-Parlaments ab, die sich über die Verhältnisse im Land bezüglich der Rechtsstaatlichkeit informieren wollte. Saied wird nachgesagt immer autoritärer zu werden. Erst gestern verhaftete er eine seiner größten politischen Konkurrentinnen. Insgesamt sitzen wohl 20 rivalisierende Spitzenpolitiker*innen wegen fadenscheinigen Gründen ein. Saied setzte zuerst 2021 die Verfassung außer Kraft, löste das Parlament auf und regierte im Ausnahmezustand, bis er dann die Verfassung änderte, und seiner Position als Präsident mehr Rechte einräumte. Grund zur Sorge bezüglich Autoritarismus gibt es also allemal. Kein Grund für die EU, ihre Interesse, die Reise der Migrant*innen nach Europa zu erschweren, nicht vorne an zu stellen.
Doch Saied stellt sich erstmal quer, bzw. will wahrscheinlich mehr aushandeln. Kürzlich stellte die EU die ersten 127 Millionen Euro die für die Migrationsbekämpfung gedacht sind frei. Insgesamt soll eine Milliarde zur Verfügung gestellt werden (wohl größtenteils als Kredite und Sicherheiten) um die Liquidität des Nachbarlands zu erhalten, das sich nicht an die Liberalisierungsvorschriften des Internationalen Währungsfonds halten will.
Wie die Zeit schreibt, geschehe die Ablehnung des Geldes „’nicht wegen des lächerlichen Betrags‘, sondern weil der Vorschlag der EU-Kommission nicht dem in Tunis unterzeichneten Abkommen und ‚dem Geist‘ des Migrationsgipfels in Rom entspreche.“ Welche inhaltlichen Divergenzen vom ursprünglichen Plan existieren, wurde jedoch nicht spezifiziert.
Sahel: Wahlen verschoben
(4. Oktober 2023)Die Putschistenregierungen von Mali und Burkina Faso verschieben die Wahlen, die die Rückkehr zu zivilen Regierungen bedeuten würden.
Die für Februar 2024 angesetzte Wahl in Mali wird aus technischen Gründen verschoben. Das mit verschiedenen islamistischen und neuerdings auch wieder separatistischen Tuareg-Milizen im Konflikt stehende Land Mali habe Probleme mit der Aktualisierung des Wählerverzeichnisses und einer Zensusdatenbank. Nachdem dieses Jahr eine neue Verfassung und Änderungen des politischen Systems durch ein Referendum verabschiedet wurde, waren die Hoffnungen auf einen baldigen Übergang zu einer zivilen Regierung groß.
Das ebenso mit islamistischen Milizen im Konflikt stehende Burkina Faso verschob die Wahlen weil die Sicherheitssituation solche nicht erlaube. Es sei Priorität, dass das Land erst befriedet werde und alle Bürger an den Wahlen teilnehmen können, so der Interimspräsident und Anführer der Putschisten, Ibrahim Traore. Der damalige Präsident des Nigers und Unterhändler der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, Mohamed Bazoum, sagte im Juni letzten Jahres gegenüber Al-Jazeera, dass die burkinische Regierung nur rund 60% des offiziellen Staatsgebiets unter ihrer Kontrolle habe. Zudem hätten die Militärjunta kürzlich einen erneuten Putsch gegen sie abgewehrt.
Tuareg-Front bröckelt
(4. Oktober 2023)Während der Konflikt zwischen der malischen Zentralregierung und den, lange mit einem Friedensvertrag verbundenen, separatistischen und von Mitgliedern der Tuareg-Ethnie dominierten Rebellen um die von Frankreich freigemachten Basen schon eine Weile wieder eskaliert, spaltete sich nun die erste Gruppierung aus der aktuellen Struktur »Ständiger Strategischer Rahmen« (CSP) der Rebellen ab. Sie wollen sich nicht in den Krieg mit der Zentralregierung hineingezogen werden.
In der jungen Welt stand dazu in der letzten Woche: „Zur Begründung für das Verlassen des nordmalischen Bündnisses verweist die MSA nach Angaben der Infoseite Malijet vom Dienstag darauf, dass der CSP nicht ihrem Hilferuf gefolgt sei, die Bevölkerung im Gebiet um die Städte Gao und Ménaka vor den regelmäßigen Angriffen des »Islamischen Staates« zu schützen, die seit dem vergangenen Jahr zugenommen haben. Angesichts der »Katastrophe, die die Bevölkerung durchlebt«, wolle die MSA nicht in einen weiteren Konflikt hineingezogen werden. Der Kampf gegen die Dschihadisten sei genug. Ausdrücklich beklagt die MSA die »Gleichgültigkeit« des CSP gegenüber den Leiden der Menschen.“
Diebstahl NATO-Pipeline
(4. Oktober 2023)Einem Bericht des Spiegel zufolge wird aktuell gegen eine Bande in Italien ermittelt, der vorgeworfen wird, im Jahr 2019 Kerosin aus einer NATO-Pipeline in Belgien abgezapft zu haben. Gestohlen wurden dem Bericht zufolge 800.000 bis 900.000 Liter Kerosin, das anschließend mit Diesel oder Öl vermischt und durch italienische Tankstellen an unwissende Autofahrer*innen verkauft wurde.
Der Spiegel schreibt: „Besonders brisant ist der Fall, weil das angezapfte zentral-europäische Pipelinesystem (CEPS) ein wichtiger Teil des Nato-Verteidigungssystems ist. Es erstreckt sich über Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande und ist darauf ausgelegt, jederzeit den Bedarf des Bündnisses an Erdölerzeugnissen zu decken. Dafür verbindet es etwa Luftwaffenstützpunkte wie die im rheinland-pfälzischen Ramstein und Büchel mit Speicheranlagen, Pumpstationen und Einspeisepunkten.“ Auch zivile Flughäfen in mehreren Großstädten würden durch die Pipeline beliefert. Es gebe ein „mehrschichtiges Sicherheitssystem“, mit dem das Pipeline-Netzwerk geschützt werde. (ak)
Ukraine: Fahrlässig
(4. Oktober 2023)Selbst aus Sicht der Welt ist der Umgang mit der Frage von roten Linien und einer westlichen Kriegsbeteiligung in der Ukraine „fahrlässig“: „Wo die roten Linien im Ukraine-Krieg verlaufen und wann ein Kriegseintritt der Nato droht, ist seit jeher die brisanteste Frage dieses Konflikts. Aber anderthalb Jahre nach Beginn des Krieges antwortet jedes Nato-Land unterschiedlich darauf. Das zeigte sich nun wieder: Der britische Verteidigungsminister kündigte an, dass seine Armee ukrainische Soldaten in der Ukraine ausbilden werde. Dass der britische Premier den Minister zurückpfiff, macht die Sache nicht besser. Sondern zeigt, wie fahrlässig der Umgang mit den roten Linien des Konflikts ist.“ (jw)
Ukraine: Industrieforum
(4. Oktober 2023)Beim Internationalen Verteidigungsindustrieforum (DFNC) letzten Freitag trafen such 252 Unternehmen aus 30 verschiedenen Ländern und berieten Optionen für die Vor-Ort-Waffenproduktion in der Ukraine. Laut Bruxelles2 hätten „ukrainische Industrien zwanzig Partnerschaftsabkommen mit ausländischen Partnern unterzeichnet, insbesondere für die Herstellung von Drohnen, die Reparatur und Produktion von gepanzerten Fahrzeugen und die Produktion von Munition. „Es handelt sich um einen ‚neuen Schritt zur Mobilisierung größerer Industriekapazitäten, um die notwendigen Munitions-, Waffen- und Luftverteidigungssysteme herzustellen‘, begrüßte NATO-Sekretär Jens Stoltenberg.“ (jw)
Ukraine: Britisches Militär?
(2. Oktober 2023)Der Berliner Zeitung zufolge solle Großbritannien die Stationierung von Soldat*innen in der Ukraine erwägen: „Erstmals will Großbritannien eigene Truppen in die Ukraine verlegen. Das sagte der britische Verteidigungsminister Grant Shapps der Londoner Tageszeitung ‚The Telegraph‘ im Interview. Das Ziel: Ein Trainingsprogramm für ukrainische Soldaten.“ (jw)
3. Oktober: IMI-Cartoons
(29. September 2023)Während die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit laufen, nehmen die Forderungen, nun auch Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern, weiter zu, obwohl sich Deutschland dadurch immer weiter Richtung direkter Kriegsbeteiligung bewegt (IMI-Standunkt 2023/035). Nicht zuletzt deshalb sind in vielen deutschen Städten auch Friedenskundgebungen angekündigt. Es wäre wünschenswert, wenn der Tag zum Anlass genommen würde, einmal darüber nachzudenken, ob nicht der Westen und speziell Deutschland eine erhebliche Mitschuld daran tragen, dass das Verhältnis zu Russland in den letzten knapp 35 Jahren derart den Bach runterging, dass wir uns heute in dieser fatalen Situation befinden. Siehe dazu auch die neuesten IMI-Cartoons. (jw)
Panther: Bau in Ungarn
(29. September 2023)Mit dem Panther stellte Rheinmetall im Juni 2022 für die allermeisten Beobachter*innen überraschend einen neuen Kampfpanzer vor (siehe IMI-Studie 2022/7). Nachdem es um das Vorhaben jetzt länger recht ruhig war, berichtet der NDR nun, dass der Konzern mit einem Werk in Ungarn (und später womöglich auch in der Ukraine) in relativ kurzer Zeit die Serienreife erreichen möchte: „Der größte deutsche Rüstungshersteller, der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern, wird seinen neuen Kampfpanzer „Panther“, den er als Nachfolger des „Leopard“ etablieren möchte, nach Informationen des NDR zuerst in Ungarn produzieren. Die dortige Regierung trage zudem die Kosten bis zur Serienreife des Modells, sagte Konzernchef Armin Papperger […]. ‚Wir brauchen noch etwa 15 Monate für die Serienreifmachung, das zahlt jetzt Ungarn‘, sagte Papperger in Düsseldorf.“ (jw)
Arrow: Historischer Rüstungsdeal
(29. September 2023)Bewilligt wurden die Gelder für (wahrscheinlich) drei Raketenabwehrsysteme Arrow sowie für die zugehörigen Lenkflugkörper Arrow 3 bereits vor einiger Zeit (siehe IMI-Aktuell 2023/371). Gestern unterzeichneten der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein israelischer Kollege Yoav Gallant eine Absichtserklärung (Letter of Intent) für den Kauf, der, wie u.a. Zeit online betont, durchaus einen historischen Umfang hat: „Die Kosten des Systems belaufen sich nach israelischen Angaben auf fast vier Milliarden Euro. Es ist der größte Rüstungsdeal in der israelischen Geschichte.“
Das Geld wird investiert, obwohl bereits im Juli 2023 bereits unter anderem aus den Reihen des Frankfurter Friedensforschungsinstituts (PRIF) darauf hingewiesen wurde, dass sich Arrow 3 überhaupt nicht für die Abwehr russischer Raketen eignet: „Die größte Bedrohung für Deutschland und Europa geht derzeit vor allem von russischen Kurzstreckenraketen des Typs 9K720 Iskander und der Hyperschallwaffe Kh-47M2 Kinzhal sowie von russischen Marschflugkörpern aus. Allen diesen Waffensystemen ist allerdings gemein, dass sie die Erdatmosphäre während ihres Fluges gar nicht verlassen. In anderen Worten: Arrow 3 kann russische Kurzstreckenraketen oder Marschflugkörper überhaupt nicht abfangen.“ Dementsprechend zitiert der PRIF-Artikel auch andere Forscher, die zu einem ähnlichen Ergebnis gelangen. Simon Højbjerg Petersen, Experte für die Abwehr ballistischer Raketen, wird mit dne Worten wiedergegeben, er halte den Kauf von Arrow 3 als „die seltsamste Beschaffungsentscheidung, die ich seit langem gesehen habe.“
Diese Kritik wird nun angesichts der Unterzeichnung der Kaufabsichtserklärung auch von der Welt (28.09.2023, Nr. 189, S. 10) aufgegriffen: „Der Deal wird aktuell so schnell abgewickelt wie kaum ein Rüstungsgeschäft vor ihm. So schnell, dass Kritiker des Deals kaum zu Wort kommen. Doch hinter den Kulissen der deutschen Verteidigungspolitik brodelt es. Diverse Experten zweifeln öffentlich am Nutzen der Arrow 3 für Deutschland und Europa. Sie monieren, dass praktische Gründe bei der Beschaffung augenscheinlich nur eine untergeordnete Rolle spielen – und dass die Bundesregierung die Kritik gar nicht erst wahrnehmen möchte.“ So wird Frank Sauer, Strategieexperte bei der Bundeswehruniversität München, mit den Worten zitiert: „Arrow 3 schließt eine Fähigkeitslücke, zu der es in Europa zurzeit gar keine passende Bedrohung gibt. […] Zur Abwehr klassischer Marschflugkörper oder auch zur Abwehr der neuen Hyperschallwaffen wie der russischen ‚Kinschal‘ ist [Arrow 3] nicht geeignet. Denn diese Raketen fliegen allesamt innerhalb der Atmosphäre.“ (jw)
Schweden: Militär im Inneren
(29. September 2023)Nachdem es in Schweden zu vermehrter Gewalt durch „kriminelle Netzwerke“ gekommen ist, will sich Ministerpräsident Ulf Kristersson laut Spiegel Online mit dem nationalen Polizeichef sowie dem Oberbefehlshaber des Militärs beraten, „um zu prüfen, wie die Streitkräfte die Polizei im Kampf gegen die Banden unterstützen können.“ (jw)
Russland: Steigende Militärrausgaben
(29. September 2023)Laut Moscow Times plant Russland für das kommende Jahr eine massive Erhöhung seiner Militärausgaben: „According to a Finance Ministry document published Thursday, defense spending is set to jump by over 68% year-on-year to almost 10.8 trillion rubles ($111.15 billion) — more than spending allocated for social policy.” (jw)
Ozeanien: Deutsche Kriegsschiffe?
(29. September 2023)Bekanntlich will Deutschland verstärkt militärisch auch im Indo-Pazifik Präsenzzeigen (siehe IMI-Studie 2022/1). Den Anfang machte die Entsendung der Fregatte Bayern (2021/2022), der im Sommer letzten Jahres die Luftwaffe im Rahmen einer Teilnahme an den Manövern „Pitch Black 22“ und „Kakadu 22“ folgte. Die Bundeswehr spricht bereits vom Ziel einer „verstetigten Präsenz“ in der Region (siehe IMI-Standpunkt 2022/035). In diesem Zusammenhang plädiert nun eine Studie des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), eine Kooperation der Führungsakademie der Bundeswehr und der Universität der Bundeswehr Hamburg, auch Ozeanien nicht aus dem (militärischen) Blick zu verlieren: „Vor diesem Hintergrund ist es erklärtes Ziel deutscher Außen- und Sicherheitspolitik im Indo-Pazifik, hegemonialen Tendenzen entgegenzuwirken und mit Kooperationsangeboten zur Diversifizierung von Partnerschaften beizutragen. Der Besuch eines deutschen Kriegsschiffes bzw. einer deutschen Marineeinsatzgruppe bei einem kleinen Inselstaat würde deutlich unterstreichen, dass trotz großer Distanz und nur gering ausgeprägter wirtschaftlicher und diplomatischer Beziehungen, die ozeanischen Inselstaaten auch in Europa mitbedacht werden und die Staaten der Region bei der Entwicklung ihrer außenpolitischen Beziehungen nicht darauf angewiesen sind, auf einseitige Kooperationsangebote einzugehen.“ (jw)
P-3C Orion: Portugal
(28. September 2023)Die Beschaffung von nun jetzt erst einmal fünf Seefernaufklärern Poseidon (ursprünglich waren einmal zwölf anvisiert worden), wurde Ende Mai 2023 genehmigt (siehe IMI-Aktuell 2023/299). Sie ersetzen die bisher genutzten P-3C Orion, die nun laut Europäischer Sicherheit & Technik an Portugal abgegeben werden (über einen Preis wird nichts berichtet9: „Die Flugzeuge und Material sollen nach Angaben des BAAINBw jetzt sukzessive von Nordholz nach Portugal überführt werden. Die Bundeswehr mache damit Platz und den Weg frei für die bereits bestellten neuen Seefernaufklärer P-8A Poseidon, die ab 2025 von Nordholz aus in den Einsatz gehen sollen.“ (jw)
Kenia-USA: Abkommen
(27. September 2023)AP berichtet vom Besuch des US-Verteidigungsministers Austin in Kenia, bei dem ein Verteidigungsabkommen zwischen beiden Ländern unterzeichnet worden sei. Demnach wollen die USA die kenianischen Streitkräfte finanziell und materiell unterstützen, die neben ihrem Einsatz im benachbarten Somalia künftig auch in Haiti gegen Gangs kämpfen sollen:
„Kenya has pledged to send 1,000 security officers to Haiti to combat gang violence in a mission that is pending the U.N Security Council’s formal approval but has received support from the U.N. and U.S. Duale said his country is ready to deploy to Haiti and cited Kenya’s “very long history of global peacekeeping” in Kosovo, neighboring Somalia and Congo. Human rights activists, meanwhile, have expressed concerns over the deployment, citing a history of human rights abuses during security operations in the country.“
Drohnen: Ukraine-erprobt
(27. September 2023)Verschiedene Portale (hier spartanat.de) dokumentieren eine Mitteilung, wonach die Bundeswehr für ihre Spezialkräfte 14 marktverfügbare Drohnen als „ferngeführtes Aufklärungssystem, luftgestützt, kurze Entfernung“ (FALKE) anschafft. Die Entscheidung sei auf die Drohne „Vector VTOL“ des Münchner Unternehmens Quantum Systems gefallen.
Unter dem Titel „Natürlich verdienen wir am Krieg“ hatte das ZDF im Mai letzten Jahres ein Interview mit dem Gründer des Startups veröffentlicht. Im Antext hieß es damals: „Es ist ein Auftrag eingefädelt über den ukrainischen Konsul in München, bestellt und bezahlt von ukrainischen Oligarchen, genehmigt von deutschen Behörden.“
Gründer Seibel verwies im Interview auf die vielen zivilen Anwendungen der Drohnen und stellte klar, dass er sich nicht als Teil der Rüstungsindustrie sieht: „Also Rüstungsindustrie sind für mich alte, weiße Herren in grauen Anzügen, und das sind wir definitiv nicht.“
Im Januar 2023 berichtete dann das Unternehmen selbst, dass es 105 weitere Vector-Drohnen sowie eine „Training and Support Facility“ an die ukrainische Armee liefern werde. In der entsprechenden Mitteilung des Unternehmens ließ sich auch Seibel wieder zitieren und zwar mit den Worten: „Being able to further equip Vector with combat proven features and capabilities in a short period of time is crucial for us as a manufacturer and the operators of our systems, from which all of our Vector customers will profit.“
Funkgeräte: Unterschätzte Komplexität
(27. September 2023)Kürzlich wurde berichtet, es seien zwar für teuer Geld hochmoderne Funkgeräte für die Bundeswehr bestellt worden, die nun nach und nach auch zuliefen, über den Einbau habe sich aber niemand Gedanken gemacht (siehe IMI-Aktuell 2023/618). Schnell versuchte Verteidigungsminister Boris Pistorius zu beschwichtigen, indem er suggerierte, das werde alles hoch gekocht und sei doch eher halb so wild. Dem Spiegel liegt nun allerdings eine interne Einschätzung der Bundeswehr selbst vor, die auf genau das Gegenteil hindeutet: „In dem vertraulichen Sachstand jedenfalls räumt sein Haus erhebliche Fehlplanungen bei der Beschaffung der neuen Funkgeräte-Generation ein. […] Im Kern räumt das als Verschlusssache eingestufte Papier ein, dass sich die Planer der Bundeswehr bei der Entscheidung für das Funkgerät D-LBO des Herstellers Rohde und Schwarz offenbar gar keine Gedanken gemacht hatten, wie man die Geräte in die verschiedenen Bundeswehr-Fahrzeugtypen einbaut. […] Der bisherige Zeitplan für die Einführung des Systems wirkt angesichts der Probleme völlig unrealistisch. »Die unterschätzte Komplexität«, so räumt das Ministerium jetzt ein, führe zu erheblichen Verzögerungen.“ (jw)
Renk: Details
(27. September 2023)Schon länger ist bekannt, dass das nicht zuletzt Panzergetriebe herstellende Unternehmen Renk plant, an die Börse zu gehen. Die Presse wartet nun mit Details auf: demzufolge soll der Handelsstart für den 5. Oktober geplant sein: „Der deutsche Getriebehersteller Renk peilt bei seiner Rückkehr an den Aktienmarkt einen Börsenwert von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro an. […] Triton hatte Renk Anfang 2020 für knapp 700 Millionen Euro vom Volkswagen-Konzern gekauft, der die frühere MAN-Tochter nicht mehr zum Kerngeschäft zählte. Renk baut Großgetriebe und erlebt angesichts der Aufrüstung derzeit eine Sonderkonjunktur.“ (jw)
Bergkarabach eingenommen
(25. September 2023)Der 30 Jahre dauernde Konflikt um die hauptsächlich von Armeniern bewohnte, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunionweit jedoch Aserbaidschan zugesprochenen Region Bergkarabach scheint im Interesse Aserbaidschans beendet worden zu sein. Die aserbaidschanische Armee konnte die Selbstverteidigungskräfte der separatistischen Autonomieregierung wohl innerhalb der letzten Tage zur Kapitulation bewegen. 2020 war der Konflikt zum letzten Mal richtig eskaliert. Über 7000 Menschen starben damals. Letzte Woche flammte der Konflikt wieder auf und war nach nur knapp zwei Tagen entschieden. Rund 200 Menschen starben wohl in dem Finale, darunter auch Kinder.
Russland gilt als Schutzmacht Armeniens und entsandte im Rahmen des Waffenstillstandsvertrags von 2020, nachdem Aserbaidschan große Teile des Gebiets unter seine Kontrolle brachte, Friedenstruppen in der Gegend. Diese zeigten sich jedoch weder bei der Sicherung des Warenverkehrs auf dem Latschin-Korridor zwischen Armenien und Bergkarabach, noch bei der Einhaltung des Waffenstillstandsvertrags in den letzten zwei Jahren und der letzten Woche viel Engagement ihren Aufgaben gerecht zu werden. Öffentlich forderte Russland während der Offensive nur äquidistant verlauten es rufe „die Konfliktparteien auf, das Blutvergießen und die Feindseligkeiten sofort einzustellen und zivile Opfer zu vermeiden“, und dies sogar nachdem wohl russische Beobachter von aserbaidschanischen Angreifern getötet wurden.
Bleibenden Rückhalt erfuhr derweil Aserbaidschan durch seinen mächtigsten Unterstützer, der Türkei, die sich in den Vereinten Nationen hinter Aserbaidschans Zielsetzung stellte.
Viele Kommentatoren sehen Russlands Untätigkeit als Rache für Armeniens Anerkennung über die Aserbaidschans Hoheit, Armeniens Beitritt zum Rom Statut und dem Internationalen Gerichtshof (der Putin für seine Völkerrechtsverbrechen sucht) und zu Armeniens jüngstem Manöver mit US-Truppen, die am Tag des Kriegs durchgeführt wurde. Die EU beschloss am Wochenende eine zivile Beobachtermission an die Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan zu entsenden.
Funkgeräte: Einbau vergessen
(25. September 2023)Ein wichtiges Element der Digitalisierung Landbasierter Operationen soll die kürzlich bewilligte Beschaffung zehntausender Funkgeräte für bis zu 5 Mrd. Euro sein. Wie sich nun laut Welt herausstellt, wurde nach dem bestellen vergessen, sich ums die Frage des Einbaus zu kümmern: „Am Ende könnte das Beschaffungsvorhaben ein Volumen von fast fünf Milliarden Euro haben, so sagen es die Haushälter. […] Seit Januar laufen Monat für Monat Funkgeräte zu – um dann in Depots eingelagert zu werden. […] Der Grund: In den zuständigen Abteilungen des Verteidigungsministeriums und des nachgeordneten Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung hat sich offenbar niemand um die Detailfrage der Montage gekümmert – jedenfalls nicht rechtzeitig und abgestimmt.“ (jw)
Niger: Abzug
(25. September 2023)Frankreich kündigt u.a. laut tagesschau.de den Abzug aus dem Niger an: „Die Spannungen zwischen den beiden Ländern verschärfen sich: Der französische Präsident Macron hat angekündigt, alle Soldaten und den Botschafter aus Niger abzuziehen.“ (jw)
Zeitenwende: Grundsatzkritik
(25. September 2023)Der emeritierte Politikprofessor und ehemalige Direktor des Instituts für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr Hamburg, August Pradetto, äußert sehr äußerst kritisch gegenüber dem Kern der sogenannten Zeitenwende. In der österreichischen International schreibt er: „Die Begründung einer umfassenden, auf Dauer angelegten NATO-Aufrüstung mit der Gefahr eines russischen Angriffskriegs gegen Europa ist manipulative Desinformation. Oder angstbesetztes Nachbeten antiwestlicher Vernichtungsphantasien extremer russischer Nationalisten. Mit dem Krieg hat Moskau auch noch die Reputation als starke Militärmacht verloren. Was Moskau bleibt, sind sein nukleares Drohpotenzial und der Terror. Beidem kann nicht in erster Linie durch konventionelle Aufrüstung im Westen begegnet werden. Das aber ist materiell und militärisch der wesentliche Inhalt der Zeitenwende.“ (jw)
5G-Geopolitik: Huawei
(22. September 2023)Schon seit einigen Jahren finden heftige Auseinandersetzungen um die Frage statt, ob chinesische Anbieter teil des europäischen Mobilfunknetzes sein dürfen (siehe IMI-Analyse 2020/09). Noch 2019 gaben sowohl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik als auch die Bundesnetzagentur zu Protokoll gaben, sie sähen keine Anzeichen für eine Bedrohung durch Huawei, doch seither hat sich der Windgedreht. Nun scheint laut Handelsblatt eine Entscheidung darüber gefallen zu sein, chinesischen Anbieter aus den deutschen Netzen teils komplett zu verbannen, teils ihren Anteil erheblich herunterzufahren: „Nach Informationen des Handelsblatts bedeutet das konkret: In der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg sollen innerhalb der nächsten drei Jahre alle chinesischen Netzbauteile entfernt und durch nicht chinesische ersetzt werden. Gleiches gilt für das Gebiet Köln/Bonn, in dem mehrere Bundesbehörden angesiedelt sind. In anderen Regionen darf weiter Huawei-Technologie verbaut werden. Deutschlandweit sollen aber in drei Jahren nicht mehr als 25 Prozent der Netzkomponenten von chinesischen Herstellern stammen. Bislang sind es zwischen 50 bis 60 Prozent.“ (jw)
Klimakrise: Militärinfrastruktur gefährdet
(22. September 2023)Laut einer aktuellen Bloomberg Government Analyse gefährdet die Klimakrise und das mit ihr einhergehende Steigen des Meerespiegels sowie den Hurrikanen, Sturmfluten und Monsterwellen in den kommenden Jahrzehnten US-amerikanische Einrichtungen im Wert von mindestens 387 Milliarden US-Dollar. Diese Einrichtungen umfassen neben dem Kennedy Space Centre und dem Plum Island Animal Disease Center hauptsächlich militärische Einrichtungen, wie dem größten Marinestützpunkt der Welt Naval Station Norfolk, die Tyndall Air Force Base (die bereits im Jahr 2018 durch Hurrikan Michael beschädigt wurde) oder auch Militärübungsplätze wie den National Guard Training Camp Sea Girt. (ja)
Shutdown: Folgen fürs Militär?
(21. September 2023)Wie Military Times berichten, könnte ein Shut-Down in den USA, also eine Stilllegung der US-Bundesverwaltung, am 1. Oktober 2023 zahlreiche Folgen für das Militär haben: Betroffen könnten militärische Leistungen wie medizinische Versorgung, Kinderbetreuung und die Zahlung des Militärgehalts sein. Sollte der mögliche Shut-Down der US-Regierung länger als zwei Monate dauern, könnten auch die Lebensmittelläden des Militärs betroffen sein. Einen Reservefonds gibt es, doch auch diese Reserve ist endlich: „Steve Rossetti, Präsident der American Logistics Association, schätzt, dass die Reservefonds der Commissary-Agentur etwa 200 Millionen Dollar betragen, die für den Betrieb, z. B. für die Bezahlung von Gehältern, Versorgungsleistungen und Transport, verwendet werden.“ [übersetzt mit deepl.com] (ja)
Übung: Absturz
(21. September 2023)Im Rahmen einer Bundeswehrübung ist am gestrigen Mittwoch (20.9.23) ein Kleinflugzeug eines privaten Dienstleisters abgestürzt. Dabei kamen beide Insassen – deren Identität bislang ungeklärt ist, ums Leben. Die Ursache ist ebenfalls noch unklar. Die Hessenschau schreibt zum Auftrag des Flugzeuges:
„Bei dem Flugzeug handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um das Modell ‚Pilatus PC-9‘, eine einmotorige Propellermaschine mit zwei Sitzplätzen, wie die Polizei erklärte. Sie sei von von einer Firma aus Kiel gechartert und im Auftrag der Bundeswehr unterwegs gewesen, bestätigte die Bundeswehr-Pressestelle auf hr-Anfrage. Vor Ort hieß es, dass der zivile Flieger im Zusammenhang mit einer aktuellen Übung des Kampfhubschrauberregiments in Fritzlar (Schwalm-Eder) in der Luft war. Eine Sprecherin des Heeres in Strausberg (Brandenburg) erklärte zu dem Einsatz auf Anfrage: Soldaten hätten Kommunikationsverfahren mit Flugzeugen geübt. Dabei sei es auch um die Zuweisung von Bodenzielen gegangen.“
Bereits im Mai diesen Jahres war ebenfalls im Rahmen einer Übung ein Flugzeug eines privaten Dienstleisters abgestürzt, auch hier kamen beide Insassen ums Leben. Tagesschau.de schrieb damals:
„Auf dem Gelände des Flugplatzes der Bundeswehr im Ort [Hohn (Kreis Rendsburg-Eckernförde)] ereignete sich nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ein Unfall mit einem zivilen Learjet des Typen LR-35A. Ein Sprecher der Bundeswehr bestätigte einen Flugzeugabsturz.
Learjets sind kleinere Maschinen und kommen daher oft zur Zieldarstellung der Luftwaffe zum Einsatz, bei der Bundeswehreinheiten gemeinsam mit der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) die Flugabwehr auf See und an Land üben. Deren Mutterfirma Airbus schrieb in einer Stellungnahme auf Twitter, die Maschine hätte von Hohn aus zu einem Trainingseinsatz mit Fluglotsen der deutschen Luftwaffe in Norddeutschland fliegen sollen.“
Digitale Großoffensive
(21. September 2023)Immer wieder wurde betont, um die anvisierten Großverbände mit Personal befüllen zu können bedürfe es erheblicher Rekrutierungsanstrengungen durch die Bundeswehr (siehe zB IMI-Analyse 2023/09). Bei netzpolitik.org findet sich ein „guter“ Überblick über die jüngsten Rekrutierungsmaßnahmen im digitalen Bereich: „Die Bundeswehr will durch aufwendig produzierte Web-Serien und eine starke Präsenz auf sozialen Medien neues Personal locken. Unterstützung gibt es von Influencer:innen auf Tiktok und Instagram. Nach der „Zeitenwende“ zeigt sich die Truppe im Netz selbstbewusst und ungewohnt martialisch.“ (jw)
FKIE: Jahrestag
(20. September 2023)Das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) weist in einer Pressemitteilung darauf hin, das seine Vorgängerinstitution, das Forschungsinstitut für Funk und Mathematik (FFM), vor 60 Jahren gegründet wurde, und bereits damals Gelder vom Verteidigungsministerium erhielt. Der Schwerpunkt Wehrwissenschaft wird in der Mitteilung, die u.a. der Informationsdienst Wissenschaft (idw) dokumentiert, selbstbewusst vorgetragen:
„‚In all den Jahren stand immer das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr im Fokus unserer Forschung. Unser Ziel ist es, auf Zukunftsfragen die richtigen Antworten zu liefern und so der Bundeswehr mithilfe unserer Technologien eine Informations-, Führungs- und Wirkungsüberlegenheit zu ermöglichen‘, sagt FKIE-Institutsleiter Prof. Dr. Peter Martini. Umso wichtiger sei es, auch künftig die Bundeswehr durch exzellente wissenschaftliche Arbeiten auf die Herausforderungen künftiger Konfliktszenarien vorzubereiten und hierfür entsprechende Systeme bereitzustellen.“
Auf der Homepage des FKIE selbst sind am Ende der Mitteilung „Impressionen wehrwissenschaftlicher Forschung in Wachtberg“ verlinkt und werden einige „Schlaglichter“ der Institutsgeschichte genannt. Das erste lautet:
„Mit der Gründung der Bundeswehr 1955 wurde auch die Notwendigkeit einer wehrwissenschaftlichen Forschung im Dienst der Landesverteidigung gesehen.“
Polen: Nukleare Teilhabe
(20. September 2023)Schon länger meldet Polen Interesse an, sich an der Nuklearen Teilhabe der NATO zu beteiligen. Beim International Institute für Strategic Studies findet sich ein Überblick über diese Ambitionen: „Poland is seeking a more active role in NATO’s nuclear-sharing mission. This could happen several ways, including by hosting B61 nuclear weapons on its territory, certifying its F-35A aircraft to carry nuclear weapons, or assuming a more significant role in decision-making regarding NATO’s nuclear doctrine.” (jw)
Waffenlieferungen: US-Skepsis
(20. September 2023)Umfragen zufolge nehme die Skepsis der US-Bevölkerung gegenüber weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine weiter zu, berichtet tagesschau.de: „Die Skepsis gegenüber weiterer Hilfe für die Ukraine wächst auch in der Bevölkerung. Eine CNN-Umfrage ergab Anfang August, dass 55 Prozent der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner zusätzliche Hilfe ablehnen. Unter Anhängern der Republikaner waren es 71 Prozent.“ (jw)
Neue Akteure – Neue Ideen
(20. September 2023)Eine recht positive Sicht auf die aktuellen Veränderungen der internationalen Kräfteverhältnisse findet sich im Tagesspiegel (via Bpb-Newsletter): „“Der Westen wird sich daran gewöhnen müssen, dass mit der gestiegenen Bedeutung der Länder des Globalen Südens auch deren Anspruch wächst, globale Entwicklungen und Krisenlösungen mitzugestalten. Und das ist ein Gewinn. Denn die jüngsten Vorstöße zeigen – von der afrikanischen Friedensinitiative für die Ukraine bis zum Aufschlag zur Lösung der Klimakrise beim ersten afrikanischen Klimagipfel Anfang September: Wenn neue Akteure hinzukommen, entstehen auch neue – und gelegentlich bessere – Ideen.“ (jw)
Ukraine: Überholt
(20. September 2023)Laut dem stets für noch mehr Lieferungen trommelnden Ukraine Support Trackers des Kieler Instituts für Weltwirtschaft sei die EU kürzlich an den USA in Sachen Umfang der Waffentransfers vorbeigezogen, berichtet zdf.de (via Bpb-Newsletter): „Über ein Jahr des Kriegs war es eine Gewissheit, an der niemand vorbeikam: Ohne die USA geht nichts. Grundsätzlich hat sich daran auch nichts geändert – immer noch liefern die USA zum Beispiel extrem viel Munition an die Ukraine. Doch in diesem Sommer hat die Europäische Union die USA überholt. ‚Das ist das erste Mal, dass wir das seit Ausbruch des Krieges so sehen‘, sagt [der Ökonom vom Kieler Institut für Weltwirtschaft] Christoph Trebesch. Der Grund dafür seien Mehrjahresprogramme – also Unterstützungszusagen, die Europa bis 2027 abgegeben hat.“ (jw)
Kriegsopfer Pakistan?
(20. September 2023)Wie Ryan Grim und Murtaza Hussain auf The Intercept berichten, hängen geheime Waffenverkäufe von Pakistan an die Ukraine, ein IWF-Kredit, die Absetzung des ehemaligen Premierminister Imran Khan und seine Position zum Krieg in der Ukraine miteinander zusammen. Sie zitieren Arif Rafiq vom Middle East Institute:“Die pakistanische Demokratie könnte letztendlich ein Opfer der ukrainischen Gegenoffensive werden“. (übersetzt mit deepl)
In dem Artikel heben die Autoren hervor: „Im April 2022 hatte das pakistanische Militär mit Unterstützung der USA ein Misstrauensvotum organisiert, um Premierminister Imran Khan abzusetzen. Vor der Absetzung äußerten Diplomaten des Außenministeriums gegenüber ihren pakistanischen Amtskollegen ihre Verärgerung über die, wie sie es nannten, „aggressiv neutrale“ Haltung Pakistans zum Ukraine-Krieg unter Khan. Sie warnten vor schwerwiegenden Folgen, falls Khan an der Macht bliebe, und versprachen, dass im Falle seiner Absetzung „alles verziehen“ würde.“ (übersetzt mit deepl)
Seit dem Sturz von Khan unterstützt Pakistan die USA im Krieg und als Munitionsproduktionsstandort verkaufte Pakistan Munition an die Ukraine und wurde nun mit einem Notfall-Kredit vom IWF belohnt, gegen den es im Land erst wieder Streiks gab. Die Militarisierung und Aufrüstungswelle haben einen hohen Preis – sie sind u.a. umwelt- und klimaschädlich, Waffendeals werden auf demokratiefeindliche Weise forciert und führen zu einer Verlängerung des blutigen Abnutzungskrieges in der Ukraine. (ja)
Risikokapital und KI-Landroboter
(19. September 2023)Mehrere Medien berichten über den Einstieg des Risikokapitalgebers Project A bei einem von Soldaten gegründeten Startup, das Landroboter für die Streitkräfte bauen will. „Die Roboterfahrzeuge sind in der Lage, Schussgeräusche zu imitieren, künstlichen Nebel zu erzeugen, Drohnen-Signale zu stören oder mit Laserstrahlen für Ablenkung zu sorgen“, heißt es etwa bei businessinsider.de. Über einen der Gründer des Statups wird berichtet, er sei „selbst … aktiver Offizier und Leiter Digitalisierungsprojekte im Bereich Robotik und militärisches IoT am Cyber Innovation Hub und an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg“.
Zitiert wird auch einer der Geldgeber, Uwe Horstmann von Project A, wonach „‚wir es uns nicht mehr leisten können, Startups im Bereich Dual-Use und Defense kategorisch zu ignorieren‘. Es gäbe hier großes Wachstumspotenzial und Gewinnchancen: Westliche Armeen müssten sich stärker digitalisieren, so der Investor, und öffneten sich dafür mehr und mehr auch jungen Firmen und deren Lösungen.“
Einem Beitrag bei Handelsblatt.de zum selben Thema ist zu entnehmen: „Partner Uwe Horstmann ist Reserveoffizier und hat auch schon in die Münchener Firma Quantum Systems investiert, die Aufklärungsdrohnen an die Ukraine liefert. Laut Horstmann würden Roboter und Drohnen in künftigen Gefechten eine tragende Rolle spielen.“
Ukraine-Paket
(19. September 2023)In schöner Regelmäßigkeit werden kurz vor Treffen der sog. „Ramstein-Kontaktgruppe“ der Staaten, die die Ukraine im Krieg mit Russland militärisch unterstützen, neue Waffenpakete geschnürt. Gestern wurde gemeldet, Deutschland beabsichtige ein weiteres Paket im Wert von 400 Mio. Euro zu schnüren, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius u.a. bei euronews zitiert wird: „Wir liefern zusätzliche Munition: Sprengmunition, Mörsermunition, Minenraketen. Denn Munition ist das, was die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den brutalen Angriffskrieg am dringendsten braucht.“ (jw)
Verschwunden: F-35 Kampfjet
(19. September 2023)Wie Al Jazeera berichtet, vermisst das US-Militär ein 80 Millionen $ teures Kampfjet des Typs F-35: „Nach einem von den US-Behörden als „Missgeschick“ bezeichneten Vorfall sprang der Pilot des F-35-Jets am Sonntag [17. September 2023] im südöstlichen Bundesstaat South Carolina aus dem Flugzeug. Er überlebte und wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo sein Zustand stabil war.“ [Übersetzung Deepl.com] Doch das Jet war nicht auffindbar – selbst ein Hubschrauber der South Carolina Law Enforcement Division wurde eingesetzt und die Bevölkerung wurde zur Mithilfe gebeten: „“Wenn Sie irgendwelche Informationen haben, die unseren Bergungsteams helfen könnten, die F-35 zu finden, rufen Sie bitte das Base Defense Operations Center an“, hieß es in einem Beitrag der Basis auf X, früher bekannt als Twitter.“ [Übersetzung Deepl.com] [ja]
Steadfast Defender: Großmanöver
(18. September 2023)An der der Übung Steadfast Defender sollen im kommenden Jahr zehntausende NATO-Soldat*innen für einen möglichen Krieg mit Russland proben, schreibt die FAZ: „Bisher fanden NATO-Manöver in einer Fantasiewelt statt. Künftig üben Soldaten die Verteidigung gegen einen Angriff Russlands in einem realistischen Szenario. [I]m Frühjahr 2024, soll die Übung dagegen umso größer ausfallen: mit 40.000 Soldaten des Heeres, mehr als fünfzig Marineschiffen und mehreren Staffeln von Kampfflugzeugen.[…] Aber auf den Landkarten für die Manöver sind die Mitglieder der Allianz klar zu erkennen: Russland und Belarus in ihren realen Grenzen.“ (jw)
FR: Waffenwerbung
(18. September 2023)Ein Beitrag in der Frankfurter Rundschau (online) verspricht im Titel, die Frage zu klären, „[w]ie deutsche Waffensysteme den Kriegsverlauf beeinflussen“. Der Inhalt ist dann allerdings ziemlich dünn. Angesprochen werden die „Panzerhaubitzen 2000“ („alle 14 von Deutschland gelieferten Exemplare [sind] nach wie vor unbeschädigt und im Einsatz“) und das deutsche Luftabwehrsystem Iris-T SLM („Trefferquote von fast 100 Prozent“). Substantielles ist dem Beitrag nicht zu entnehmen, aber eine Geschichte, deren Wahrheitsgehalt selbst in Frage gestellt wird:
„Bei seinem Besuch in Kiew habe [Generalmajor Christian Freuding] sogar gehört, dass es ukrainische Flugabwehrsoldaten gebe, die ihre Töchter Iris nennen. Ob das wahr sei, wisse er jedoch nicht, einen Taufschein habe er jedenfalls nicht gesehen. Aber: ‚Das ist zumindest eine schöne Geschichte und zeigt die ungeheuer große Wertschätzung, die die Ukrainer unserer Unterstützungsleistung entgegenbringen‘.“
Sahel-Allianz: Beistandspakt
(18. September 2023)Mali, Niger und Burkina Faso haben sich zu einer „Sahel-Allianz“ zusammengeschlossen, wie u.a. der Deutschlandfunk berichtet: „Ziel sei eine gegenseitige Unterstützung der Vertragsparteien und eine kollektive Verteidigung mit einer Beistandsverpflichtung.“ (jw)
Schwarzes Meer: Bedeutung
(18. September 2023)Auch im Schwarzen Meer nehmen die Konflikte zwischen Russland und der NATO stetig zu (siehe IMI-Studie 2023/01). In der Deutschen Welle heißt es dazu: „Russland betrachtet das Schwarze Meer seit jeher als ureigenstes Einflussgebiet. […] Bis heute gilt es als Sprungbrett, von dem aus Russland seinen Einfluss im Mittelmeer, Nahen Osten, Nordafrika und Südeuropa geltend machen kann. (…) Ist das Schwarze Meer schon für Russland als Handelsroute von großer Bedeutung, gilt das für die Ukraine umso mehr. […] Während Russland und die Ukraine also um die Handelsrouten in Nord-Süd-Richtung kämpfen, wird für Brüssel die Ost-West-Verbindung immer wichtiger. […] Auch die NATO hat […] starke sicherheitspolitische Interessen im Schwarzen Meer.“ (jw)
Pistorius: Markig
(18. September 2023)Mit markigen Worten fiel Verteidigungsminister Boris Pistorius bei der „Westfälischen Friedenskonferenz“ in Münster auf: „Wir werden und wir dürfen nicht zuschauen, wie hegemoniale Kräfte auf der Welt souveränen Staaten und Völkern ihren Willen aufzwingen“, wird er bei Zeit Online zitiert. „Nicht zuletzt weil wir als führende Handelsnation von der Sicherheit internationaler Seewege und Lieferketten und der Freiheit der Meere abhängen.“ (jw)
Militärische Nutzung ziviler Satelliten
(15. September 2023)Die Militarisierung des Weltraums schreitet voran (siehe den Schwerpunkt der AUSDRUCK-Ausgabe vom Juni 2022). Laut Spacenews dürfte in Kürze ein weiterer gravierender Schritt erfolgen, da das US-Weltraumkommando scheinbar Richtlinien für die militärische Nutzung ziviler Satelliten veröffentlichen will: „U.S. Chief of Space Operations Gen. Chance Saltzman said the Space Force is finalizing a blueprint for how it will integrate commercial satellite services into military activities.“ (jw)
Irak: Verlängerung
(15. September 2023)Der 2015 begonnene Einsatz in Jordanien und im Irak soll um ein weiteres Jahr verlängert werden. Das beschloss die Bundesregierung am 13. September und legt nun den entsprechenden Antrag dem Bundestag vor. Laut Antrag soll es weiter um den „Fähigkeitsaufbau der regulären irakischen Streit- und Sicherheitskräfte im Rahmen der NATO Mission Iraq“ gehen, wofür die bisherige Obergrenze von 500 Soldat*innen beibehalten werden soll. (jw)
Tuareg wieder im Krieg mit Mali
(14. September 2023)Eine mit „Kommunikation in Zeiten des Kriegs“ betitelte Verlautbarung der Koordination der Azawad Bewegungen (CMA), scheint den Friedensvertrag von Algiers zwischen dem malischen Zentralstaat und den separatistischen Tuareg implizit für gescheitert zu erklären. Im Norden Malis kämpfen seit 2014 sowohl die malische Armee wie auch die Tuareg-Milizen dschihadistische Gruppen, die dem Islamischen Staat oder al-Qaida die Treue schworen und sich auch gegenseitig bekämpfen. Auch zwischen den Tuareg und der malischen Armee kommt es seit diesem Jahr wieder vermehrt zu Zusammenstößen. So bezichtigt die CMA die Armee, kürzlich Stellungen der Tuareg und Zivilisten bombardiert zu haben und, zusammen mit Wagner-Söldnern, Kriegsverbrechen an Zivilisten begangen zu haben. Während verschiedene westliche Kommentatoren der souveränistischen Putschregierung eine Abkehr vom Friedensvertrag bezichtigen, sehen viele im Süden Malis die Tuareg als den Vertrag unterminierend und vermuten hierbei französische Einflussnahme.
Palastrevolution Gabun
(14. September 2023)Der Putsch in Gabun scheint sich nicht in die Welle antifranzösischer Putsche in anderen ehemaligen französischen Kolonien in Afrika einzureihen. Wie das Foreign Policy Magazin, auf verschiedene afrikanische Medien verweisend, berichtet, hat sich der Übergangspräsident, General Brice Oligui Nguema, mit dem französischen Botschafter getroffen und eine Stärkung der bilateralen Beziehungen verkündet. Oligui ist ein entfernter Cousin des letzte Woche abgesetzten Präsidenten, Ali Bongo Ondimba, der 46 Jahre lang herrschte und nun wieder freigelassen wurde. Seine Tochter gratulierte den Putschisten während sein ältester Sohn als Sündenbock (und wahrscheinlich um Ansprüche im Keim zu ersticken) angeklagt wurde.
„Albert Ondo Ossa, the candidate for the Alternance 2023 opposition platform who many suspect actually won the election, has accused Bongo’s sister Pascaline of being behind the coup. ‚It’s a palace revolution, so there’s no military coup,‘ Ossa said in an interview with French media outlet TV5 Monde.“
Bongo versuchte in den letzten Jahren, seine Angewiesenheit auf Frankreich zu verringern und diversifizierte seine Partner: Er trat dem von Großbritannien angeführten Commonwealth bei und versprach China, eine Marinebasis im Land eröffnen zu können.
Rüstungsexporte: Gutes Wort einlegen
(14. September 2023)Ein „gutes Wort für guten Export“ will Hans Christoph Atzpodien, der Hauptgeschäftsführer der wichtigen Lobbyorganisation BDSV, in der aktuellen Wehrtechnik 8IV/2023) einlegen: „Warum ist es an der Zeit, ein gutes Wort für guten Export einzulegen? Ganz einfach: Guter […] Rüstungsexporte ist nicht nur ein wichtiges Instrument deutscher Sicherheitspolitik. […] Verantwortungsvoller, mit den politischen Grundsätzen vereinbarer Rüstungsexport ist auch unabdingbar, um die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie im europäischen Rahmen wettbewerbsfähig zu halten.“ (jw)
Atomstrategie: Flexible Response
(13. September 2023)Die Zeitschrift Sirius versucht sich als Sammelbecken militaristischer Hardliner zu etablieren. Jüngstes Beispiel ist ein Artikel von Ex-NATO-General Heinrich Brauß, der über erweiterte NATO-Atomschlagsoptionen und die Reaktivierung der Kalte-Kriegs-Doktrin Flexible Response fabuliert: „Die Posture der NATO muss darauf angelegt sein, dass die russische Führung, sollte sie eine militärische Aggression gegen die NATO oder einen oder mehrere Verbündete ins Auge fassen, beim Abwägen von Erfolgswahrscheinlichkeit und Risiken zu dem Schluss kommt, dass selbst ein begrenzter Angriff sofort die gesamte NATO auf den Plan riefe, vor allem auch die USA, und die NATO bereit und entschlossen wäre, das gesamte Spektrum an Optionen zu nutzen. […] Die genannten Prinzipien und Mechanismen entsprechen grundsätzlich denen der Strategie der Flexible Response aus der ‚Hochzeit‘ des Kalten Kriegs, die auf der legendären MC 14/3 von 1967/68 basiert. […] Der Logik von Flexible Response folgend braucht man mehrere Optionen, um im Einsatzfall die erfolgversprechendste auswählen zu können. Vorstellbar sind landgestützte, präzisionsgelenkte Mittelstreckenraketen und/oder Marschflugkörper, die nukleare Gefechtsköpfe tragen können.“ (jw)
Streubomben-Drohne?
(13. September 2023)In einem sprachlich etwas holprigen Beitrag berichtet die Frankfurter Rundschau (online) über ein neues Produkt des finnischen Rüstungsunternehmens Insta mit dem Namen „Steel Eagle“ (Stahladler):
„Dem Bericht zufolge handelt es sich um einen ferngesteuerten Quadrokopter, eine Drohne mit vier Propellern. Beladen sei er aber mit ‚tausenden Metallkugeln‘ aus dem Material Wolfram. Dieses sei kompakt, schwer – und könne als Waffe eingesetzt große ‚Durchschlagskraft‘ entfalten. Vorgestellt wurde die Waffe bei einer seit Mittwoch (12. September) laufenden Messe in London.“
Als Quelle verweist der Artikel u.a. auf die enstsprechende Homepage des Unternehmens, die das Produkt u.a. mit einem Video bewirbt. Dies legt tatsächlich nahe, was auch der Beitrag in der FR vermutet – dass es sich hierbei im Prinzip um Streumunition handelt. Der Autor vermutet weiter, dass das Produkt v.a. für den Einsatz in bzw. durch die Ukraine gedacht sein könnte.
IRIS-T: Verkaufsschlager
(13. September 2023)Noch bevor die Bundeswehr ein einsatzfähiges Exemplar des bodengebundenen Luftverteidigungssystem IRIS-T bei der Bundeswehr vorhanden war, wurde es in der Ukraine erprobt – rüstungsnahe Stimmen vermuten sogar, das System wäre nie angeschafft worden, wäre es nicht zuvor „live“ im Einsatz gewesen (siehe IMI-Aktuell 2023/463). Nun jedenfalls entwickelt sich das System zum Verkaufsschlager: Am 11. September 2023 trafen sich die Verteidigungsminister Deutschlands, Estlands und Lettlands und unterschrieben IRIS-T-Beschaffungsverträge. Beim Bundeswehrverband ist darüber zu lesen: „Nähere Angaben dazu, wie viele IRIS-T-Systeme angeschafft werden sollen und zu welchem Preis, wurden nicht gemacht. Demnach werde es aber die größte Investition in die Luftverteidigung in der Geschichte Lettlands und Estlands sein.“
Nur kurz danach wurde berichtet, auch Österreich habe sich zur Anschaffung des Systems entschlossen – in diesem Fall wurden auch konkretere Zahlen mitgeliefert. die Kleine Zeitung schreibt: „Zwei Milliarden Euro wird das Bundesheer in den nächsten Jahren für die bodengebundene Luftabwehr ausgeben. […] Österreichs Teilnahme an der europäischen Luftabwehr-Initiative ‚Sky Shield‘ (ESSI) wird immer konkreter. Das Bundesheer wird gemeinsam mit Deutschland acht Feuereinheiten des Systems ‚Iris-T‘ beschaffen.“ (jw)
EDIRPA: Historisch
(13. September 2023)Gestern verabschiedeten die EU-Abgeordneten mit großer Mehrheit ein neues Instrument namens EDIRPA. Mit ihm, bzw. mit den 300 Mio. Euro, über die es zunächst verfügen soll, wird es künftig möglich, länderübergreifende Rüstungsbeschaffungen zu subventionieren (siehe IMI-Standpunkt 2023/004). Bislang waren „nur“ die Forschung und Entwicklung förderungsfähig, weshalb sich auch der stets um die Interessen der Rüstungsindustrie besorgte Berichterstatter des Europäischen Parlamentes, Michael Gahler, ob der Abstimmung zufrieden zeigte: „Die heutige Abstimmung markiert einen historischen Moment für die EU-Verteidigung und schafft das erste EU-Instrument für die gemeinsame Beschaffung durch die Mitgliedstaaten. Es wird ihnen helfen, ihre Bestände wieder aufzufüllen, die Interoperabilität zwischen unseren Streitkräften zu erhöhen, unsere Industrie zu stärken und zu unserer unerschütterlichen Unterstützung für die Ukraine beizutragen. Angesichts einer historischen Krise kann EDIRPA jedoch nur ein Ausgangspunkt für eine weitaus ehrgeizigere gemeinsame Verteidigungsagenda sein.“
Klima & Krieg: Überblick
(13. September 2023)Die wichtigsten Daten und Fakten rund um den Themenbereich Klima & Krieg haben wir in unserem im Juni aktualisierten Factsheet zusammengetragen. Größere Medien haben dem Thema bislang nahezu keine Aufmerksamkeit gewidmet, insofern ist es erfreulich, dass sich die Berliner Zeitung nun der Sache ausführlich angenommen hat. Wirklich neues ist nichtdabei, aber der aktuelle Stand ist gründlich aufgearbeitet worden, weshalb sich der Beitrag für einen Überblick gut eignet. (jw)
Schweden: 2 Prozent
(12. September 2023)Schweden befindet sich bereits seit Jahren auf NATO-Kurs (siehe IMI-Studie 2020/2). Mittlerweile steht das Land kurz vor der Aufnahme und reiht sich auch finanziell in das Bündnis ein, wie euractiv berichtet: „Der schwedische Verteidigungshaushalt wird 2024 um mehr als 27 Milliarden SEK (2,2 Milliarden Euro) aufgestockt. Damit würden die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des BIP steigen und die Zielvorgabe der NATO erfüllt, wie die Regierung am Montag mitteilte.“ (jw)
IMI-Cartoon: Chile 1973
(12. September 2023)Diese Woche finden überall in Deutschland Veranstaltungen zur Erinnerung an den Putsch der Allende-Regierung in Chile 1973 statt. Knietief verwickelt waren darin einmal mehr die USA und vor allem auch der damalige Nationale Sicherheitsberater Henry Kissinger (siehe IMI-Standpunkt 2013/025). In Deutschland wurde der bis heute hoch geachtete (und im Übrigen für viele weitere Verbrechen verantwortliche) Kissinger unter anderem mit der Einrichtung einer nach ihm benannten Professur in Bonn belohnt (siehe IMI-Standpunkt 2013/057). Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Gestoppt: Initiative gegen Rüstungsexporte
(12. September 2023)Einer, wenn nicht der zentrale Umschlagplatz für Waffenexporte ist in Deutschland der Hamburger Hafen, wie auch die Antworten auf eine kürzliche Linken-Anfrage zeigen. Dagegen mobilisiert eine Initiative, die über ein Volksbegehren diese Exporte stoppenwill, nun selbst aber laut taz gerichtlich gestoppt wurde: „Die ‚Volksinitiative gegen Rüstungsexporte‘ will deshalb ein Verbot dieser Geschäfte. Über 16.000 Hamburger*innen haben die Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützt, doch jetzt ist das Anliegen Geschichte, zumindest in seiner jetzigen Form: Das Verfassungsgericht hat das ‚Volksbegehren gegen den Transport und Umschlag von Rüstungsgütern über den Hamburger Hafen‘ gestoppt.“ (jw)
Kooperationsbinse
(12. September 2023)Gemeinschaftliche Rüstungsprojekte machen alles besser, besonders den Preis, so die in Rüstungskreisen verbreitete Binsenweisheit. Weshalb es aber nicht zuletzt Kooperationsprojekte wie der Airbus A400M sind, die mit die größten Kostenüberschreitungen aufhäufen, wird meist geflissentlich ausgeblendet. So etwa in einem aktuellen Artikel in der Europäischen Sicherheit & Technik: „Rüstungsprojekte werden immer teurer. Insbesondere europäische Staaten versuchen daher besonders kostenintensive Rüstungsgüter multinational zu entwickeln und zu beschaffen. Dies verteilt die Investitionskosten, erhöht die Produktionszahlen eines Systems und senkt damit den Stückpreis. Ein Beispiel ist das deutsch-französisch-spanische Projekt zur Entwicklung eines Luftkampfsystems der Zukunft (Future Combat Air System, FCAS) oder das deutsch-französische Projekt zur Entwicklung eines neuen Bodenkampfsystems (Main Ground Combat System, MGCS).“ (jw)
Personal: Nicht ausreichend
(12. September 2023)Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) ist ebenfalls skeptisch, ob die Bundeswehr Aussichten hat, das aktuell noch gültige Personalziel, die Truppe von derzeit rund 180.000 auf 203.000 Soldat*innen aufzustocken, erreichen zu können. Im dazugehörigen Spiegel-Artikel finden sich darüber hinaus interessante Zahlen über die Abbrecherquote neuer Rekrut*innen: „Eine Abbrecherquote von 21 Prozent der neu eingestellten Bewerberinnen und Bewerber im vergangenen Jahr sei »einfach zu viel«, sagte Högl. Bei den Heeres-Zeitsoldaten seien es sogar 33 Prozent gewesen.“ (jw)
Großmanöver: Steadfast Defender
(12. September 2023)Unter Berufung auf die Financial Times berichtet der Tagesspiegel über „Steadfast Defender“, ein weiteres Großmanöver, das kommendes Jahr sttatfinden soll: „Demnach sollen bis zu 40.000 Soldaten mit modellierten Manövern üben, wie sie in einer breiten Koalition einen Angriff Russlands gegen einen Mitgliedsstaat abwehren würden. Stattfinden solle die Übung in Deutschland, Polen und den baltischen Staaten im Februar und März. Laut dem Bericht sollen voraussichtlich zwischen 500 und 700 Kampfeinsätze in der Luft demonstriert werden. Zudem werden mehr als 50 Schiffe zum Einsatz kommen, heißt es weiter. […] Laut Financial Times sollen künftig zwei große Nato-Militärübungen pro Jahr statt wie bisher eine.“ (jw)
Iranische Drohnenproduktion
(11. September 2023)Das inhaltlich nicht immer ganz verlässliche Portal „War on the Rocks“ hat eine kurze Geschichte der iranischen Drohnenproduktion und -proliferation veröffentlicht und beschreibt diese, wie auch US-amerikanische (kinetische und nicht-kinetische) Gegenmaßnahmen als eine Art Stellvertreterkrieg. In Bezug auf die Nutzung iranischer Drohnen durch Russland heißt es dort u.a.:
„Iranian drone usage is following a concerning trajectory: The more these drones proliferate, the more lethal and sophisticated they become. Iran tested and refined its drone systems with sales to its proxy network before delivering them to Russia at scale during the Ukraine conflict, and its drones and manufacturing plants have also recently appeared in South America, Africa, and Central Asia. The more these drones spread, the greater the threat Iran will likely pose to U.S. and allied forces in the Middle East and beyond.“
Die zivilgesellschaftliche Organisation Air Wars, welche zu zivilen Opfern durch Drohnen recherchiert und publiziert hat kürzlich eine (grafisch überfrachtete) ausführliche Beschreibung über den Einsatz der iranischen Shahed-Kamikazedrohnen durch Russland in der Ukraine veröffentlicht:
„Since they were first documented on September 13th last year, nearly 2,000 Shaheds have been launched into Ukrainian territory by Russian forces, according to an analysis of publicly available data by Airwars. By tracking every reported launch, patterns in their usage and targets emerged – helping build a better picture of how Russian forces have turned a cheap suicide drone into a vital component of their war.“
Unterwasser-Kriegführung
(11. September 2023)Unabhängig davon, wer nun die Nord-Stream-Pipelines angegriffen hat, rückte das Thema „Schutz kritischer Infrastrukturen unter Wasser“ in den vergangenen Monaten auf der Agenda der NATO und der Bundeswehr deutlich nach oben und verband sich mit einem erhöhten Interesse an der Seekriegführung im Allgemeinen. V.a. Deutschland scheint sich hier profilieren zu wollen.
So berichtet die FAZ (online) ausführlich über (vermeintliche) russische Fähigkeiten und verschiedene ungeklärte Vorfälle und meldet:
„Unterdessen hat Deutschland der Nato die Fähigkeit zur Führung von Seestreitkräften in einem regionalen maritimen Hauptquartier für die Ostsee angezeigt. Ein Schreiben des Generalinspekteurs Carsten Breuer dazu liegt seit einigen Tagen beim Stellvertreter des Nato-Oberbefehlshabers Europa. Der dafür vorgesehene Stab führt auch das in der kommenden Woche beginnende Seemanöver ‚Northern Coasts‘. Daran nehmen mehr als 3000 Soldaten aus 14 Ländern teil, darunter neben Ostsee-Anrainern auch Italien, Frankreich, Kanada und die USA.“
Weiter geht es darum, dass zukünftig die Kooperation zwischen Industrie, zivilen Behörden und dem Militär ausgebaut und v.a. auch die militärischen Zuständigkeiten geklärt werden müssten.
Ins gleich Horn bliesen am Tag zuvor im (lesenswerten) Interview mit der Kölnischen Rundschau „zwei Experten des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), einer Denkfabrik der Bundeswehr in Hamburg“:
„In der Vergangenheit wurden meist die privaten Betreiber, denen die Kabel oder Pipelines gehören, als die angesehen, die für deren Sicherheit zuständig sind. Wir müssen aber die Zusammenarbeit dieser Privatfirmen mit Behörden wie der Polizei und auch mit dem Militär ausbauen. Weder die deutsche Marine noch die unserer Nato-Partner werden allein in der Lage sein, wirklich alles rundum zu überwachen. Wir müssen also die Überwachungsdaten verschiedener Seiten zusammenführen. Innenministerium, Verteidigungsministerium und Wirtschaftsministerium müssen sich abstimmen.“
Bulgarien: Raketen für die Küstenwache
(9. September 2023)Bulgarien hat damit begonnen seine Küstenwache mit Raketen auszustatten, damit „niemand es wagt, sich den Schwarzmeer-Städten des Landes zu nähern“, so der Ministerpräsident Nikolaj Denkow am Donnerstag, wie Euractiv berichtete. “At the moment, we do not see a direct threat to Bulgarian ports, but force is answered with force. That’s why we started buying missiles for the Coast Guard so that no one dares to approach our Black Sea cities”, so Denkow. In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an den Angriff des russischen Reiches auf Varna im Jahr 1915 und forderte, dass der Staat seine Seestreitkräfte ausbauen müsse, um ausreichend auf die Verteidigung des Landes vorbereitet zu sein. Auch der in NATO-Strategiepapieren vermehrt auftauchende Topos des Schwarzen Meeres als umstrittener See findet sich bei Denkow wieder: “A signal has been sent to NATO that Russia is trying to make the Black Sea a Russian lake, the only way to resist is to respond to force with force. Many, many years ago, Varna was shelled by Russia along the Black Sea. We should not allow it.” (yd)
BpB ventiliert Bündnisfall
(8. September 2023)Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) kämpft auf breiter Front gegen die Verbreitung von „Fake News“ – vor allem, wenn es um pro-russische oder NATO-kritische Berichterstattung geht. In der gestrigen (7.9.2023) Ausgabe ihres Newsletters „euro|topics“ bewegt sie sich aber selbst wieder nah an der Grenze zur Verbreitung von Falschnachrichten. Dort hat sie den Absturz einer russischen Drohne über Rumänien zur Top-Meldung gemacht – was vielleicht an sich schon eine zweifelhafte Entscheidung ist. Übersetzt und zitiert wird dann u.a. „[d]er Blogger Stefan Vlaston“:
„Diesmal hat der russische Drohnenangriff auf ein Nato-Land keine Opfer gefordert. Aber was ist mit dem nächsten Mal?“
Ebenfalls zitiert wird „der Journalist Dan Tapalaga“, welcher die zurückhaltende Reaktion der rumänischen Regierung in scharfen Worten kritisiert – sie habe sich „in großem, weltumspannendem Stil lächerlich gemacht“:
„Die höchsten Vertreter des rumänischen Staates haben vor der Welt zwei Tage lang Unsinn verzapft… Ich kann mich an keinen beschämenderen Moment in der jüngeren Geschichte des rumänischen Staates erinnern, an eine solches Feuerwerk von Inkompetenz, von dysfunktionalen Institutionen – dieser Staat ist eine Gefahr für sich selbst.“
Weiter geht es dann mit einem Kommentar, in dem Pierre Haski feststellt: „Nato-Truppen sind in Rumänien stationiert und bereit, das Gebiet zu verteidigen.“
Vermeintlich beschwichtigend wird dann unter der Überschrift „Weit entfernt von einem Bündnisfall“ die italienische Zeitung „La Stampa“ zitiert. Das Gegenteil hiervon haben jedoch v.a. diejenigen Stimmen nahegelegt, die der Newsletter hervorgehoben hat. Der NATO-Generalsekretär hingegen hatte gerade am Vortag klargestellt, dass keine Hinweise auf einen absichtlichen Angriff auf rumänisches Territorim vorlägen.
Den Zweck ihres Newsletters „euro|topics“ beschribt die BpB übrigens folgendermaßen:
„Die tägliche Presseschau euro|topics zeigt, welche Themen Europa bewegen. Wir zitieren wichtige Stimmen aus 32 Ländern, unsere Korrespondenten sichten dazu mehr als 500 Medien. Ziel von euro|topics ist die Stärkung der europäischen Öffentlichkeit und transeuropäischer Diskussionen.“
Ob es wirklich darum geht zu „zeigen“, „welche Themen Europa bewegen“ oder eher, die „transeuropäischen Diskussionen“ mitzuprägen, kann in Frage gestellt werden. Dabei Stimmen zu verbreiten, die wahrheitswidrig von einem „Drohnenangriff“ auf einen NATO-Staat zu sprechen, ist in jedem Fall zweifelhaft – und unverantwortlich.
Italien: Militärschulranzen
(8. September 2023)Wie Il Fatto Quotidiano berichtet, produziert die kommerzielle Vertriebsmarke des italienischen Militärs „Esercito“ Schulranzen (der Einheiten der Fallschirmspringer und Gebirgsjäger), die von dem Unternehmen Giochi preziosi („Wertvolle Spielzeuge“) verkauft werden. Das Osservatorio contro la militarizzazione delle scuole – die Beobachtungsstelle gegen die Militarisierung der Schule – kritisiert dies stark:“‚Die Kampagne'“‚, erklärte Lucivero gegenüber ilfattoquotidiano.it, ‚die von Giochi preziosi gemacht wurde, ist peinlich. Auf den sozialen Medien des Unternehmens wurden Bilder von Rucksäcken mit Worten wie ‚Tutti sull’attenti!‘ [Achtung!] veröffentlicht (und dann wieder entfernt), die im kollektiven Gedächtnis die dunkelste Zeit unserer jüngsten Vergangenheit wachrufen. Und was ist mit der Präsentation der Kollektion der Armeerucksäcke, die das Gefühl vermitteln, immer im Einsatz zu sein‘? Die Strategie der Werbesprache erreicht Ebenen von überraschender Zweideutigkeit und Schlüpfrigkeit. Die Darstellung der schulischen Aktivitäten als ‚Mission‘ suggeriert in Wirklichkeit einen gefährlichen kulturellen Erdrutsch, der die Schulen in Kasernen und die Schüler in angehende Soldaten verwandelt“ Das Unternehmen Giochi preziose rechtfertigte sich vor Il Fatto Quotidiano: „‚Wir haben diese Zusammenarbeit begonnen‘, sagt Dino Canuti, kaufmännischer Leiter der Gruppe, ‚mit dem Wunsch zu betonen, wie die Armee im Dienste der Bevölkerung steht, wenn es in unserem Land und darüber hinaus Not gibt. Wir denken dabei an Covid, ihre Zivilschutzaktivitäten und ihre Unterstützung für die Polizei.'“ Dies ist eine der typischen Folgen von Militarisierung des Katastrophenschutzes – es soll das Militär und seine vermeintliche Notwendigkeit legitimieren, obwohl es auch zivilen Katastrophenschutz geben kann. Geplant sind Proteste vor den Geschäften von Giochi preziosi in Mailand und Verona. Auch auf den sozialen Medien wird mit zahlreichen Hashtags mobil gemacht. (ja) [Zitate übersetzt mit deepl.com]
Krieg „hautnah“ durch VR
(7. September 2023)Vom 20. bis 29. September 2023 wird im Deutschen Bundestag eine Ausstellung zu sehen sein, die u.a. vom Ukrainischen Außenministerium und der ukrainischen Botschaft in Deutschland erstellt wurde. Der Titel lautet „Living the War“ und offensichtlich basiert die Ausstellung wesentlich auf Virtual Reality Technologie, jedenfalls wird auf der Webseite des Bundestags darauf hingewiesen, dass „für den Besuch in den verfügbaren Zeitfenstern alle 20 Minuten jeweils drei VR (Virtual Reality)-Brillen zur Verfügung“ stehen werden. Im dort ebenfalls verlinkten Flyer zur Ausstellung heißt es:
Living The War — Erleben Sie in dieser Ausstellung auf einzigartige und eindringliche Weise den Kampf des ukrainischen Volkes um seine Freiheit und Existenz. Herkömmliche Fotos und Videos lassen Sie nicht so tief eintauchen in das, was gerade mitten in Europa geschieht. Dank modernster Technologie werden die Besucherinnen und Besucher virtuell in die Ukraine versetzt und durchleben dort alle Emotionen hautnah. Unsere Botschaft ist klar und deutlich: Die Freiheit hat einen hohen Preis, aber der Preis der Unfreiheit ist noch viel höher.“
Großmanöver: Quadriga 2024
(7. September 2023)Als größtes Bundeswehr-Manöver seit Ende des Kalten Krieges wird „Quadriga 2024“ im Magazin des Reservistenverbandes beschrieben: „Quadriga ‚wird das größte Übungsvorhaben der Bundeswehr der letzten 30 Jahre sein‘, heißt es auf der Webseite der Streitkräfte. Quadriga ist vor allem ein Verbund von Verlegübungen, bei der die Bundeswehr den raschen Aufmarsch zahlreicher Kräfte an die NATO-Flanken trainieren will – mit Schwerpunkt im Osten. […] An dem Großmanöver werden alle drei Divisionen teilnehmen, sowie alle Kräftekategorien von leicht, mittel bis schwer, so eine Sprecherin des Heeres gegenüber loyal. […] Den Kern von Quadriga bilden vier Alarmierungs- und Verlegeübungen: Grand North in Norwegen (Mitte Februar – Mitte März), Grand Center mit Schwerpunkt Litauen (Mitte Februar – Ende Februar), Grand South in Rumänien (Ende April – Ende Mai 2024) sowie Grand Quadriga in Litauen (Mai).“ (jw)
Kampfpanzerallianz
(7. September 2023)Die junge Welt berichtet über Pläne zur Bildung einer „Kampfpanzerallianz“ zwischen Deutschland (unter Führung von Kraus-Maffei-Wegmann und Rheinmetall), Italien, Spanien und Schweden, bei der auch die IMI zitiert wird. Das Projekt könnte als Konkurrenz für, das seit einiger Zeit wegen Streitereien um die Führungsrolle in der Krise steckende deutsch-französische Panzerprojekt MGCS. (jw)
Ukrainische Verteidigungsfazilität
(6. September 2023)Fünf Mrd, Euro jährlich will der EU-Außenbeuftragte Josep Borrell bis 2027 jährlich für Waffen an die Ukraine ausloben, ein Vorschlag, der laut Bruxelles2 gut angekommen sein soll: „Sein Vorschlag für eine Ukraine-Verteidigungsfazilität (UDF), ein 20-Milliarden-Euro-Paket über vier Jahre, das im Rahmen der Europäischen Friedensfazilität geschaffen und im Juli vorgelegt wurde, sei von den Ministern seiner Meinung nach „ positiv “ aufgenommen worden“. (jw)
Mützenich: Weiter Fraktionschef
(5. September 2023)SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich war einer der wenigen, der sich öffentlich gegen das Militärausgabenziel von mindestens 2% des BIP ausgesprochen hat (siehe IMI-Studie 2023/2). Der Eindruck, dass der generell vergleichsweise eher militärkritische Mützenich in seiner Partei völlig isoliert sei, täuscht augenscheinlich. Wie u.a. das ZDF berichtet, wurde er nun recht deutlich für weitere 2 Jahre an die Fraktionsspitze gewählt: „Der 64-Jährige erhielt am Montag 94,7 Prozent der Stimmen. Von den 190 anwesenden Abgeordneten stimmten 180 für und neun gegen ihn bei einer Enthaltung. Eine Gegenkandidatur gab es nicht.“ (jw)
MGCS: Vor dem Aus?
(5. September 2023)Die Krisensymptome beim deutsch-französischen Panzerprojekt MGCS werden immer unübersehbarer. „Dem neuen deutsch-französischen Kampfpanzer droht das Aus“, titelt das Handelsblatt. Ab 2035 soll das System in den Armeen eingeführt werden können. Paris steht dabei mehr unter Druck als Berlin, da der Leclerc veraltet ist. Der Leopard 2 wird mit der Version A8 dagegen gerade auf ein neues technisches Niveau geholt. ‚Von der können wir 300 bis 500 allein in Europa absetzen‘, sagte eine mit den Planungen vertraute Person. […] Unterdessen verfolgt Paris das Ziel, Italien stärker am MGCS zu beteiligen. In französischen Medien wurde dies als Manöver gewertet, um Rheinmetall in Schach zu halten.“ (jw)
Northern Coasts 2023: Angriffsfähigkeit
(5. September 2023)Am Samstag soll das Manöver Northern Coasts 2023 unter deutscher Führung in der Ostsee beginnen. Recht unmissverständlich äußert sich das Militär, dass dabei auch offensive Fähigkeiten geprobt werden sollen, wie sich in der FAZ nachlesen lässt: „Der Inspekteur der Deutschen Marine, Vizeadmiral Jan Kaack, sagte am Freitag: ‚Zur glaubwürdigen Abschreckung gehört auch die Fähigkeit zum Angriff‘. Das soll unter anderem mit dem amerikanischen Docklandungsgboot ‚Mesa Verde‘ und 800 US-Marines an Bord unter Beweis gestellt werden, die beim lettischen Ventspils gemeinsam mit Angehörigen des deutschen Seebataillons eine amphibische Landungsübung durchführen wollen. Die US-Marine verfügt über zwölf weitere Schiffe dieser Bauklasse.“ (jw)
Waffen für Frühjahrsoffensive?
(4. September 2023)Die aktuelle überaus verlustreiche ukrainische Offensive ist noch nicht einmal zu Ende, da trommeln diverse Medien wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland bereits für Waffenlieferungen für eine kommende Frühjahrsoffensive: „Noch ist offen, wie weit die Ukraine bei ihrer derzeitigen Gegenoffensive vorstoßen kann. […] Spätestens im Herbst wird die Ukraine in die Verteidigung übergehen müssen und kann erst im Frühjahr eine erneute Offensive beginnen. ‚Der Westen muss jetzt schon darüber nachdenken, wie er die Ukraine für die nächste Frühjahrsoffensive aufstellt‘, stellt Militärstratege Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer klar.“
Diverse Politiker werden in dem Artikel zitiert, u.a. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit den Worten, man müsse nun den „großen Hammer schwingen“ und sämtliche Beschränkungen bei den Waffenlieferungen ad acta legen. Auch der Unionsverteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter kommt zu Wort. „Wir müssen jetzt konkrete Vorbereitungen treffen, um die Ukraine für die nächste Offensive im Frühjahr mit Waffen auszurüsten. […] Das Kanzleramt könnte der Regierung in Kiew zum Beispiel die Finanzierung von 300 Leopard 2 zusagen und die Ukraine zahlt später in Form von Rohstoffen oder Energie zurück.“ (jw)
Cartoon: Keine Verhandlungen
(4. September 2023)Der neue IMI-Cartoon beschäftigt sich mit den Verhandlungen zur Beendigung des Ukrain-Krieges – bzw. mit der Abwesenheit solcher. Unser Cartoonis hat auch gleich noch den passenden Reim dazu mitgeliefert:
„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull,
un do hammer dren studeet.
Unser Lehrer, dä hieß Welsch,
sproch en unverfälschtes Kölsch ...
… Dreimol Null es Null, bliev Null,
denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“ (jw)
Kongo: Protest gegen MONUSCO
(1. September 2023)Wie auf tagesschau.de berichtet wird, starben bei Protesten gegen die UN-Mission im Kongo, MONUSCO, mindestens 43 Menschen und mindestens 56 Menschen wurden verletzt.
Bei den Protestierenden soll es sich um Mitglieder „der sogenannten Wazalendo-Sekte“ handeln, diese „warfen den westlichen Ländern vor, kolonialähnliche Macht auszuüben. Sie beschuldigten die Soldaten nach dem Gewaltausbruch, wahllos mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen zu haben. Die kongolesische Armee erklärte, die Demonstranten hätten einen Polizisten zu Tode gesteinigt.“ Es ist nicht das erste Mal, dass gegen die MONUSCO-Mission demonstriert wird und es ist nicht das erste Mal, dass mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen wird. Erst im Juli 2022 endeten Proteste gegen die Mission für rund 15 Menschen tödlich. Seit 1999 läuft diese Mission, deren Mandat Ende des Jahres ausläuft. Kritik an der Mission ist groß: Es ist die einzige sogenannte UNO-Friedensmission bei der Soldaten bzw. „Blauhelme“ Waffen einsetzen dürfen. Der rund 14.000 Blauhelm-großen Mission wird vorgeworfen, diese Waffen auch gegen Demonstranten eingesetzt zu haben. Die Mission habe nicht beigetragen, die Gewalt in Kongo einzudämmern, die Milizen zu entwaffen und die Bevölkerung zu schützen, sondern sie sei bei Gewalt durch die Milizen untätig in ihren gut geschützten UN-Basen geblieben und habe hingegen selbst Gewalt an der kongolesischen Bevölkerung ausgeübt und Konflikte geschürt. (ja)
Äthiopien: 183 Menschen gestorben
(1. September 2023)Wie Democracy Now berichtet, „sind nach Angaben der Vereinten Nationen bei Kämpfen zwischen dem äthiopischen Militär und der regionalen Fano-Miliz in der Region Amhara im vergangenen Monat mindestens 183 Menschen getötet worden.“ Ursache für den Ausbruch der jüngsten Kämpfe erklärt Democracy Now wie folgt in ihrer kurzen Notiz: „Der jüngste Konflikt brach aus, nachdem die äthiopischen Streitkräfte wichtige Städte in der Nordregion zurückerobert hatten. Amhara-Soldaten kämpften während des zweijährigen Konflikts im nördlichen Tigray auf der Seite des äthiopischen Militärs.“ Die Spannungen zwischen den staatlichen Streitkräften und den Milizen stiegen wohl innerhalb der letzten Wochen wegen einer vorgesehenen Einverleibung in staatliche Polizei- und Armeestrukturen. (ja)
US-Air-Force: 6Mrd. für KI-Drohnen
(31. August 2023)Die US Air Force fordert rund 6 Milliarden Dollar in einem noch nicht vom Kongress abgesegneten Plan, Drohnen mit künstlicher Intelligenz zu entwickeln, die eigene Strategien zur Ausführung von Suizid-Bombardierung entwickeln können.
Aktivisten, sowie 2019 auch der UN-Generalsekretär, António Guterres, prangern es als unmoralisch an, Maschinen zu entwickeln die selbstständig Entscheidungen treffen um Menschen zu töten. Jedenfalls gibt es im Falle von Kriegsverbrechen, z.B der Tötung von Zivilisten, durch solche Drohnen, das Problem schwer ausmachbarer Verantwortlichkeiten.
Naht Frieden im Sudan?
(31. August 2023)Am Dienstag traf sich der sudanesische General Abdel Fattah al-Burhan, der seit Monaten mit dem ehemals verbündeten Milizenführer Mohamed Hamdan Dagalo einen Machtkrieg auf dem Rücken der Bevölkerung führt, mit dem ägyptischen (demokratisch nicht-legitimierten) Präsidenten Ägyptens, Abdel Fattah al-Sisi. Ägyptischen Medien zufolge habe sich al-Burhan positiv gegenüber al-Sisis Angebot einer Vermittlung für einen Monate dauernden Waffenstillstand geäußert. Er machte jedoch zur Bedingung, dass sich die von Dagalo kommandierten Rapid Support Forces aus der Hauptstadt Khartoum zurückzögen, wo sie Scharfschützen auf bewohnten Häusern platziert habe. Einen Tag zuvor verkündete al-Burhan noch vor der Armee, dass nicht mit Verrätern des Volks verhandelt würde und die Armee die Miliz zerschlagen würde.
Am Sonntag hatte Dagalo auf der Plattform X einen 10 Punkte Plan für den Frieden gepostet, der Demokratie, Föderalismus und eine geeinte Armee als Lösung anbot. Seine Miliz beging in der ersten Dekade des Millenniums einen Genozid an nicht arabischen Ethnien in der westlichsten Provinz Darfur (größer als Deutschland) und auch in diesem Jahr werden ihr sowohl ethnische Säuberungen in dieser Gegend, als auch Angriffe auf Zivilisten und Vergewaltigung als Waffe in der Hauptstadt vorgeworfen. Sprecher der basisdemokratischen Resistance Committees halten seinen Vorschlag deshalb nicht für glaubwürdig.
Auf einer Veranstaltung in Tübingen verkündete ein Aktiviste von Sudan Uprising Berlin, der zuvor als Medienbeauftragter in der Regionalkoordination der Resistance Committees in Khartoum arbeitete, dass die Bevölkerung den Konflikt als einen Krieg zwischen zwei kriminellen Generälen sieht, der sie nicht betrifft. Eigentlich wollten die Resistance Committees, dass internationale Akteure beiden keine Legitimation gäben, und die Resistance Committees als Vertretung der Bevölkerung akzeptierten.
Niger: Kritik an Sanktionen
(31. August 2023)Mit einer relativ dramatischen Stellungnahme fordert das International Rescue Committee (IRC) beschreibt das International Rescue Committee (IRC) die humanitären Folgen der Sanktionen gegen die Republik Niger und fordert Ausnahmeregelungen für die Lieferung humanitärer Hilfe:
„However, the impact of these sanctions has reverberated beyond politics, as vital humanitarian supplies–including nutritional aid and medical provisions–are held up at the border, the lives of over 4 million people hang in the balance… ‚The clock is ticking, and the lives of Nigerian children are hanging in the balance‘, warned Paolo Cernuschi, IRC Niger Country Director. ‚Without swift action to implement humanitarian exemptions, we risk losing the battle against malnutrition and preventable diseases‘.“
Verheugen: Reaktionen
(31. August 2023)Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Bremer Weser Kurier unter dem Titel „‚Das Gemetzel muss beendet werden'“ ein ausführliches Interview mit dem ehemaligen EU-Kommissars und SPD-Generalsekrtärs Günther Verheugen. Teile des Interviews mit dem Politiker, der zunächst in der FDP Karriere gemacht hatte, werden von der jungen Welt in der Rubrik „Abgeschrieben“ wiedergegeben, auch die Zeitung der DKP, „unsere Zeit“ zitiert Verheugen ausführlich unter dem Titel „Stimme der Vernunft“. Tatsächlich begeht Verheugen innerhalb der bürglichen Presse gleich mehrere Tabubrüche, verweist auf die Vorgeschichte des Krieges, bezeichnet die grüne Außenpolitik als funamentalistisch und meint: „Wegen meiner Freiheit und zur Verteidigung meiner demokratischen Rechte muss kein Mensch in der Ukraine sterben“.
Bemerkenswerter Weise greift auch die bürgerliche Presse Verheugens Stellungnahmen auf und zwar überwiegend ohne Schaum vor dem Mund. Die FAZ beispielsweise überlässt die kritische Kommentierung einem SPD-„Genossen“:
„Der SPD-Außenpolitiker Michael Roth kritisierte Verheugens Aussagen. ‚Was mich wieder fassungslos macht, sind 0,0 vorhandene Empathie gegenüber den angegriffenen, ermordeten, entführten, vertriebenen, vergewaltigten Menschen der Ukraine‘, schrieb er auf der Plattform X. Außerdem warf er Verheugen vor, ‚die Entspannungspolitik im Sinne Putins diabolisch umzudeuten'“.
Bahrain: Größter Hungerstreik
(31. August 2023)Wie Democracy Now berichtet, führen In Bahrain mindestens 800 politische Gefängnisinsassen den größten Hungerstreik politischer Gefangene in der Geschichte Bahrains. Der Streik findet im größten Gefängnis des Landes statt – im Jau Gefängnis – und Inhalte bzw. Forderungen sind: „Die Gefangenen prangern willkürliche Einzelhaft, das Einsperren in Zellen für 23 Stunden am Tag und den fehlenden Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung an.“ [Übersetzung mit deepl.com] Viele der beteiligten politischen Gefangenen wurden „nach den massiven Aufständen während des Arabischen Frühlings 2011 verhaftet, gefoltert und inhaftiert.“ [Übersetzung mit deepl.com] Die Aufstände in Bahrain wurden u.a. militärisch niedergeschlagen und viele der Protestierenden von Militärgerichten verurteilt. [ja]
SWP: Deutschland Kriegspartei?
(31. August 2023)Der aktuelle Newsletter der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) verweist in der Rubrik „Ausgewählte externe Fachpublikationen“ auf einen Beitrag ihres Senior Fellows Christian Schaller in der Zeitschrift „Journal on the Use of Force and International Law“. Der Beitrag untersucht die Frage, ab welchem Maß der Unterstützung für einen kriegführenden Staat die Schwelle zur eigenen Kriegsbeteiligung erreicht ist. Der Autor schlägt ein System mit verschiedenen Kategorien vor, um diese Schwelle zu definieren und kommt zu dem Schluss, dass die Unterstützung verschiedener NATO-Staaten für die Ukraine diese Schwelle überschreiten könnte und somit auch die Schwelle zur kollektiven Selbstverteidigung überschritten wäre – was dem Sicherheitsrat offiziell mitgeteilt werden müsse und die entsprechenden Staaten zur offiziellen Kriegspartei machen würde. Schaller begründet dies damit, dass das Ausmaß der Waffenlieferungen – verbunden mit Training etc. – notwendige Voraussetzung für die Art der Gewalt sei, welche die Ukraine dem russischen Angriff entgegensetzt und dass von verschiedenen westlichen Regierungen – hier wird v.a. die deutsche Außenministerin Baerbock zitiert – auch das explizite Ziel (die Absicht) bekundet wurde, Russland zu besiegen.
Da es sich um eine juristische Fachpublikation handelt, ist ihr Inhalt hier schwer zusammenzufassen und einzuordnen, ein Blick lohnt sich jedoch allemal: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/20531702.2023.2249347
Aus dem Fazit: „According to the standard proposed in this study, coercive intent would elevate an essential contribution from the level of aid or assistance in the use of force to an indirect use of force. Under these conditions, even the provision of weapons, training, and intelligence to a state using force against a third state may come within the ambit of Article 2(4) of the UN Charter. The military support rendered to Ukraine by some states might have already crossed this threshold“.
Antikriegstag: KDV
(31. August 2023)Connection e.V., die Ev. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und PRO ASYL haben anlässlich des Antikriegstags eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie einen besseren Schutz für russische Kriegsdienstverweigerer fordern:
„Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilte vor zwei Wochen gegenüber der Deutschen Welle mit, dass seit Beginn des Ukraine-Krieges in Deutschland bisher nur 83 russischen Flüchtlingen im wehrpflichtigen Alter Schutz gewährt wurde. Das sind gerade einmal knapp 38 Prozent von insgesamt 221 inhaltlich entschiedenen Anträgen aus der Gruppe von russischen Männern im Alter von 18 bis 45 Jahre. 138 Anträge wurden abgelehnt. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 24. Februar 2022 bis 31. Juli 2023. Den Kenntnissen von Connection, EAK und PRO ASYL zufolge, erfolgten die Ablehnungen vor allem bei Asylsuchenden, die zwar vor ihrer wahrscheinlichen Einberufung geflohen sind, aber noch keine Einberufung erhalten hatten. Nach Auskunft des Innenministeriums vom 11. Mai 2022 sollen Deserteur*innen vor allem nur dann Flüchtlingsschutz erhalten, wenn sie ihre Desertion nachweisen können, weil diese „als aktives Bekunden gegen die Kriegführung als Ausdruck einer oppositionellen Überzeugung gewertet“ werde.“
Cartoon zum Antikriegstag
(31. August 2023)Der heutige IMI-Cartoon ist zum Antikriegstag – einfach mal da und bei den dort auffindbaren anderen Cartoons reinschauen. (jw)
Putsch in Gabun
(30. August 2023)Ali Bongo Ondimba, der Präsident Gabuns, wurde heute von Offizieren seiner Armee entmachtet, wie Medienberichten zufolge, im staatlichen Kanal Gabun24 verkündet wurde. Erst gestern wurde seine Dritte Amtszeit mit 64,27% der Stimmen der am 26. August abgehaltenen Präsidentschaftswahlen verkündet, die von der Opposition jedoch als gefälscht gebrandmarkt wurden. Er regierte seit 2009, als er nach dem Tod seines Vaters zum Präsidenten „gewählt“ wurde. Dieser war seit 1967 an der Macht, was die Familie zu einem der längsten regierenden Herrscherclans des Kontinents machte.
Der Vater etablierte das ölreiche Land zu einem der festesten Pfeiler der sogenannten „Francafrique“, was ein wirtschaftliches und politisches System beschreibt, in dem die ehemalige Kolonialmacht bevorzugte Behandlung im Abbau von Bodenschätzen, in der Ausrüstung der Sicherheitskräfte und bei Militärallianzen genießt. Der Ölreichtum des relativ kleinen Landes mit nur 2,3 Millionen Einwohnern machte es zu einem der reichsten Länder gemessen am pro-Kopf-BIP, jedoch lebt rund ein Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut und 40% der jungen Erwachsenen zwischen 14 und 25 sind arbeitslos. Das Land benutzt den an den Euro (zuvor Franc) gekoppelten Zentralafrikanischen Franc, die französischen und britischen Ölkonzerne Total, Shell und Peresco machen rund 75% der nationalen Ölförderung aus und Frankreich hat rund 400 Truppen in dem Land stationiert.
Schon bei Bongos zweiter Wiederwahl im Jahr 2016 kam es zu blutigen Protesten, die Fälschung vorwarfen. Die Offiziere in den veröffentlichten Videos nannten auch diese Wahl gefälscht. Den fehlenden Ordensinsignien und Kampfanzügen zufolge scheint es, als hätten, wie zuvor in Mali und Burkina Faso (nicht aber im Niger), Offiziere niederer Ränge den Putsch vollzogen. Sie verkündeten die Auflösung aller verfassungsmäßigen Institutionen und die Schließung der Grenzen. Das Internet ist wohl abgeschalten und der Sender gabon24.tv ist, zumindest aus Deutschland, nicht zu erreichen. Die Putschisten nannten sich das „Komitee für Übergang und die Wiederherstellung der Institutionen“.
Auf der Plattform X sind verschiedene Videos zu sehen, die die Menschen auf den Straßen der Hauptstadt Libreville den Putsch feiernd zeigen. Bongo sendete derweil einen Hilferuf (auf Englisch) aus seiner Residenz. Dort sei alles ruhig, er wisse nicht was passiert.
Protest: Google Projekt Nimbus
(30. August 2023)Wie die Los Angeles Times berichtet, kam es am Dienstag, den 29. August 2023 im Rahmen einer Google Cloud Konferenz zu Protesten von Mitarbeiter*innen gegen den Vertrag des Unternehmens mit dem israelischen Militär: „Etwa 30 Demonstrant*innen, darunter ehemalige Google-Mitarbeiter*innen und lokale Aktivist*innen, ketteten sich auf der Howard Street aneinander, die durch das Kongresszentrum zwischen zwei großen Glasgebäuden und über eine nahe gelegene Fußgängerbrücke verläuft.“ [übersetzt mit deepl.com] Im Fokus des Protests stand das Projekt Nimbus, den 1,2 Milliarden Dollar schweren Vertrag zwischen Google, Amazon Web Services und dem israelischen Militär und der israelischen Regierung. Los Angeles Times betont: „Eine Gruppe von Arbeitnehmer*innen ist seit dem Start von Project Nimbus im Jahr 2021 dagegen, da sie befürchten, dass die Technologie von Google den israelischen Streitkräften dabei helfen könnte, Palästinenser*innen zu überwachen und zu schädigen.“ [übersetzt mit deepl.com] Interessant ist der Hinweis von Mohammad Khatami, einem YouTube-Software-Ingenieur, dass sich Gewerkschaftmitglieder der Alphabet Workers Union in einer antimilitaristischen Arbeitsgruppe engagieren – und die Ressourcen durch die Alphabet Workers Union zu Verfügung gestellt kriegen. Alphabet Inc. ist die Muttergesellschaft von Google. (ja)
Sahel: EU Memo
(29. August 2023)Euractiv berichtet in eigentümlichem Stil über ein Memo, das vom „diplomatischen Dienst der EU (EAD) erstellt und vor dem informellen Ministertreffen in Spanien an die Mitgliedstaaten verteilt wurde“. Der Titel des Beitrages, „Putsch im Niger: EU will Ansatz für die Sahelzone überdenken“ scheint jedoch in die Irre zu führen. Die EU sorgt sich weiterhin primär um ihren Einfluss in der Region und die Migrationskontrolle, die Mitgliedsstaaten sind sich dabei allerdings über die Prioritäten und Mittel nicht einig:
„Gleichzeitig zögern die EU-Mitgliedsstaaten, einer kurzfristigen militärischen Unterstützung der ECOWAS zuzustimmen, falls diese in Niger militärisch intervenieren sollte, wie sie es nach Angaben von EURACTIV könnte. Während die regionale Organisation den diplomatischen Dienst der EU gebeten hat, Kriegsausrüstung im Rahmen der Europäischen Friedensfazilität (EPF) zu erhalten, sind die Mitgliedsstaaten eher geneigt, nicht-tödliche Hilfe zur Unterstützung ihrer Krisenmanagement-Intervention zu schicken.“
In der Gesamtlinie orientiert man sich aber – vermutlich ohne die Konsequenzen zu Ende zu denken – an der Linie Frankreichs, die Putschregierung nicht nur nicht anzuerkennen, sondern ihre de-facto-Souveränität schlicht zu negieren:
„Die EU brachte am Montag ihre ‚volle Unterstützung‘ für den französischen Botschafter in Niger zum Ausdruck, nachdem die Soldaten, die die Macht in dem Land übernommen haben, seine Abreise gefordert hatten. ‚Die Entscheidung der Putschisten, den französischen Botschafter auszuweisen, ist eine neue Provokation, die in keiner Weise dazu beitragen kann, eine diplomatische Lösung für die derzeitige Krise zu finden‘, sagte die EU-Außensprecherin Nabila Massrali. Sie fügte hinzu, dass die EU die Behörden, die die Macht in Niger übernommen haben, ’nicht anerkennt'“.
Das ist ziemlich gefährlich und eskalativ. Z.B. wenn es um Überfluggenehmigungen und Stationierungsrechte geht.
Sahel: USA vs. Frankreich?
(29. August 2023)Seit dem Putsch in Niamey fällt v.a. Frankreich durch eine sehr harte Linie auf. Die Ausweisung des französischen Botschafters durch die neue Regierung wird abgelehnt, da deren Souveränität nicht anerkannt wird. Frankreich hat mehrfach bekräftigt, eine militärische Intervention der ECOWAS zu unterstützen und offenbar bereits in Algerien und Marokko Überflugrechte für eine eigene Intervention beantragt – wobei es in Algerien abgeblitzt ist, das die Anfrage darüber hinaus sogar öffentlich machte.
Das ist kein Wunder, denn die Aussagen der Putschisten richten sich sehr explizit und im Schwerpunkt gegen die französische Truppenpräsenz und Einflussnahme. In französischen Medien wird auch zunehmend die Versorgung mit Uran aus dem Niger problematisiert.
Deutlich zurückhaltender sind die Putschisten gegenüber den USA und auch die USA haben sich bislang deutlich zurückhaltender positioniert. Doch auch die USA haben gut 1.000 Militärs in Niger stationiert und unterhalten dort mehrere Drohnenbasen.
Ghanaweb.com hat vor diesem Hintergrund ein Interview mit Bakary Sambe vom Timbuktu Institute – African Center for Peace Studies geführt, in dem er das zu erklären versucht. Anders als Frankreich und andere europäische Staaten hätten die USA dort kein koloniales Erbe und einen relativ guten Ruf. Anstatt gemeinsam mit Frankreich weiter an Einfluss zu verlieren, sei man eher bereit, die enge Partnerschaft mit Frankreich zu lösen und den eigenen zu behalten. Auch Deutschlands Ambitionen werden in dem Interview angesprochen.
Litauen-Brigade: Baldiger Startschuss
(29. August 2023)Vor nicht allzu langer Zeit kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius an, das in Litauen stationierte Bundeswehr-Bataillon auf Brigadegröße mit 4.000 Soldat*innen aufstocken zu wollen (siehe IMI-Analyse 2023/29). Nun schreibt die Europäische Sicherheit & Technik, dass es damit bald losgehen soll: „Die Planungen zur dauerhaften Stationierung einer Brigade des Heeres in Litauen sollen dieses Jahr abgeschlossen werden. Die Umsetzung soll bereits im kommenden Jahr beginnen. Das kündigte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, heute bei einem Besuch in Litauen an.“ (jw)
NATO-Kriterien
(29. August 2023)Die Bundesregierung will im kommenden Jahr Militärausgaben von 2% des Bruttoinlandsproduktes erreichen – dafür will sie deutlich mehr militärrelevante Ausgaben außerhalb des offiziellen Verteidigungshaushaltes bei der NATO melden (siehe IMI-Studie 2023/2). Offiziell ist geheim, welche militärrelevanten Ausgaben über die offiziellen Verteidigungshaushalte hinaus bei der NATO gemeldet werden. Allerdings sind trotzdem einige Posten diverser Länder bekannt, über die sich das Handelsblatt ärgert: „Richtig absurd wird es jedoch, wenn jede Vergleichbarkeit fehlt. So verstehen alle Länder offenbar etwas anderes unter der Nato-Quote. Die Zwei-Prozent-Vorgabe lädt zum Betuppen geradezu ein. Frankreich etwa hat die Ausgaben für das Budget der Pariser Feuerwehr als Nato-Beitrag angemeldet, Spanien seine Löschflugzeuge der Berufsfeuerwehren, Deutschland schon vor Scholz‘ angeblichen Tricks Pensionszahlungen für ehemalige Wehrmachts- und NVA-Soldaten.“ (jw)
Niamey: Proteste Flughafen
(28. August 2023)Auch verschiedene deutsche Medien berichten über die Proteste von Anhänger*innen der Putsch-Regierung in Niger vor einem französischen Stützpunkt auf dem Flughafen in Niamey. Hintergrund ist die Auseinandersetzung um den französischen Botschafter, Sylvain Itté, den die neuen Machthaber aufgefordert hatten, binnen 48 Stunden das Land zu verlassen – was die französische Regierung demonstrativ verweigert (s. IMI-Aktuell 2023/553). Wie bei tagesschau.de basieren viele dieser Berichte auf einer Meldung von AFP und erwähnen nicht, dass es sich bei dem französischen Stützpunkt am Flughafen Niamey um jenes Luftdrehkreuz handelt, das Frankreich gemeinsam mit Deutschland betreibt und über das nach aktueller Planung die Kräfte der Bundeswehr aus dem benachbarten Mali abgezogen werden sollen. Ob Deutschland ohne zusätzliche Kräfte nach einem Abzug der Franzosen dies alleine bewerkstelligen kann, erscheint zweifelhaft.
Niger weist Botschafter aus
(28. August 2023)Die nigrische Putschregierung hat den französischen Botschafter, Sylvain Itté, aufgefordert das Land zu verlassen, nachdem sich dieser weigerte, den Außenminister der Übergangsregierung zu treffen und sich dort bezüglich der „Handlungen der französischen Regierung, die den Interessen des Nigers zuwiderlaufen“ zu rechtfertigen. Die französische Regierung lehnt die Entscheidung jedoch ab. Die Regierung sei nicht befugt einen Botschafter auszuweisen, der vom demokratisch gewählten Präsidenten, Mohamed Bazoum, akkreditiert wurde. Als die Putschisten in Mali und Burkina Faso die französischen Botschafter ihres Landes im Januar 2022 und respektive Januar 2023 auswiesen, akzeptierte Frankreich die Entscheidungen defacto. Nun scheint der Elyséepalast die Konfrontation zu bevorzugen.
Meldungen, dass auch der nigerianischem, der deutsche und US-amerikanische Botschafter ausgewiesen würden, dementierte das nigrische Außenministerium jedoch. In den sozialen Medien kursierende Briefe, die dies zu bezeugen suchen, seien Fälschungen. Laut RFI habe jedoch Putschistenführer Tchiani selbst die Ausweisung der Botschafter angeordnet, sei aber dann von anderen Generälen zurückgepfiffen worden, die meinen, man solle zwar Distanz von Frankreich nehmen aber nicht mit den anderen westlichen Regierungen brechen, da man sie noch brauche.
Irak: Krieg und Gesundheit
(28. August 2023)Wie Lyse Mauvais auf Al Monitor berichtet, haben die Krankenhäuser in Irak zunehmend mit multiresistenten Infektionskrankheiten zu kämpfen. So sagte Emad Ahmad, vom General Hosital in Mosul: „Es ist ein stiller Tsunami. Nach und nach verlieren wir die einzigen Medikamente, auf die wir noch hoffen können. […] Hier sehen wir, dass Ceftriaxon bei 90 % der Proben, die wir im Juni getestet haben, nicht wirkt. Wir beobachten sogar eine Resistenz gegen Meropenem, das bisher eines der wirksamsten [Antibiotika] war.“ Allgemein steht es schlecht um die Wirksamkeit von Antibiotika weltweit – so warnte die WHO 2020 laut Mauvais, dass „wir ohne dringende Maßnahmen auf eine post-antibiotische Ära zusteuern, in der gewöhnliche Infektionen und kleinere Verletzungen wieder tödlich sein können“. Mauvais sieht „die Iraker an der vordersten Front dieser Gesundheitskrise“ und weist auf Zusammenhänge mit dem langwährenden Krieg in Irak hin.
Zum einen heizten Kriege, Sanktionen und ein zusammengebrochenes Sanitärsystem eine „Kultur des Antibiotika-Missbrauchs“ an und zum anderen führten wohl auch die durch die Kriege und Kriegshandlungen hinterlassene Schwermetallbelastung zu Antibiotikaresistenzen. Mauvais zitiert hierzu Antoine Abou Fayad, Assistenzprofessor an der American University of Beirut und Autor einer im BMJ Global Health veröffentlichten Studie über antimikrobielle Resistenzen: „Es ist bekannt und dokumentiert, dass sich antimikrobielle Resistenzen bei Konflikten und Kriegen schneller und weiter verbreiten und schwieriger zu kontrollieren sind. […] Es gibt Faktoren, die wir alle kennen: Chaos, Vertreibung, fehlende Medikamente, fehlende Labors, fehlende Krankenschwestern.Aber es gibt auch noch andere: Wir haben einen Zusammenhang mit Schwermetallen festgestellt, die aus der Zerstörung, den Bombenangriffen und dem Chaos stammen.“ [übersetzt mit deepl] (ja)
BRICS: Neusortierung
(28. August 2023)Die Welt ist im Umbruch und sortiert sich neu – sehr deutlich wurde dies im Zuge des letzten BRICS-Gipfels, auf dem die Aufnahme von Ägypten, Äthiopien, Argentinien, Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten beschlossen wurde. Apropos sortieren, da lässt sich auch in den neuesten IMI-Cartoon reinschauen. (jw)
Sahel-Putschisten: Verteidigungsbündnis
(28. August 2023)Während die Drohung einer Intervention im Niger durch die Regionalorganisation Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (englisches Akronym: ECOWAS) immer noch besteht, haben die beiden suspendierten Mitgliedsländer des Blocks, Mali und Burkina Faso, die sich seit Beginn mit dem Niger solidarisierten, nun ein offizielles Verteidigungsbündnis mit dem Niger geschlossen. Sollte eines der drei Länder angegriffen werden, werden die anderen beiden zur Verteidigung beistehen, wie die Außenminister der drei Länder nach einem Treffen in der nigrischen Hauptstadt Ende letzter Woche verkündeten.
Die drei Sahelstaaten werden alle von Übergangsregierungen geführt, die innerhalb der letzten drei Jahren aus Putschen gegen gewählte Regierungen hervorgingen, und warfen die Militärmissionen der ehemaligen Kolonialmacht, Frankreich, und der EU hinaus.
Westafrika: EU-Einsatz
(28. August 2023)Bruxelles2 berichtet über den Beschluss der EU, eine zivil-militärische Mission zur „Ertüchtigung“ der westafrikanischen Anrainerstaaten des Golfs von Guinea zu starten. Zunächst konzentriert sich die EUSDI genannte Mission auf das Training von Polizei- und Militärkräften in Benin und Ghana, auch die Côte d’Ivoire und Togo sollen angefragt worden sein, ohne dass es bisher aber hier ein grünes Licht gebe, berichtet Bruxelles2. Das Fachportal schreibt weiter (übersetzt mit deepl.com): „Die Mission wird später, im Herbst, gestartet. Es zeugt vom Wunsch der Europäer, in dieser umstrittenen und konfliktreichen afrikanischen Region präsent zu bleiben.“ (jw)
Taz: Durchhalteparolen
(25. August 2023)Unermüdlich versucht die Taz (via Bpb-Newsletter) für Unterstützung einer Fortsetzung des Ukraine-Krieges zu trommeln. Hier in Form von Barbara Oertel, Chefin der Auslandsredaktion: „Doch die Unterstützung scheint zu bröckeln, das Verständnis und die Geduld vieler, und das nicht nur in Deutschland, scheinen schon jetzt endlich zu sein. Kriegsmüdigkeit, Unsicherheit und Verteilungskämpfe nehmen zu. […] Das ist nicht unser Krieg, heißt es immer wieder. Von wegen. Genau das ist er. Schon längst.“ (jw)
USA: Rekrutierungsprobleme
(25. August 2023)Wie WFTV berichtet, bestehen im US-Militär erhebliche Rekrutierungsprobleme. Neue Statistiken wurden veröffentlicht: „Aus diesen Zahlen geht hervor, dass die Armee ihr jährliches Rekrutierungsziel in diesem Jahr voraussichtlich um 15.000 Rekruten verfehlen wird. Bei der Marine werden voraussichtlich 10.000 Rekruten fehlen, und bei der Luftwaffe sind es weitere 3.000.“ Nur die Marine Corps erfüllen noch ihre Rekrutierungsziele.
Ganze 4 Milliarden US-Dollar wollen die USA für Rekrutierungsbemühungen ausgeben – diese werden u.a. in Werbungs gesteckt, die sich „an jüngere [US-]Amerikaner richtet“. Auch bittet das Militär nun den Kongress, den Zugang von Militärrekrutierer*innen zu High-School-Schüler*innen auszuweiten.
Als Gründe der Rekrutierungsprobleme spricht Armeegeneralleutnant Douglass Stitt folgendes an: „Diese beispiellosen Rekrutierungsherausforderungen werden zum Teil durch eine niedrige nationale Arbeitslosenquote, einen starken Arbeitsmarkt, einen intensiven Wettbewerb mit dem privaten Sektor und eine sinkende Zahl junger [US-]Amerikaner, die sich für den Dienst in der Uniform interessieren und dafür qualifiziert sind, angetrieben“. (ja)
Frontex: Erneuter Drohnenabsturz
(25. August 2023)Wie die griechische Tageszeitung naftemporiki berichtet, stürzte eine Drohne des Typs Heron verwendet von FRONTEX 70 Seemeilen südöstlich der Insel Kreta ab.Die Drohne war zum Zeitpunkt des Absturzes in eine Überwachungsmission im östlichen Mittelmeer eingebunden und habe aus noch unbekannten Gründen den Kontakt mit der Bodenkontrolle verloren und sei im Meer abgestürzt. Erst vor vier Jahren stürzte eine Drohne des Typs Hermes 900 von FRONTEX auf Kreta ab, wie u.a. Matthias Monroy berichteten: „Die Drohne war dazu auf Kreta stationiert, die Flüge erfolgten unter Verantwortung der EU-Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA). Anfang Januar 2019 ist das Luftfahrzeug auf der Startbahn des Flughafens Tympaki bei der Landung verunfallt.“ (ja)
Sondervermögen: Ungedeckte Schecks
(25. August 2023)Verschiedentlich wurde darauf hingewiesen, dass nach dem Ende des Sondervermögens eine riesige Lücke zwischen den angestrebten Militärausgaben von 2% des BIP und der bisherigen Finanzplanung existiert (siehe IMI-Standpunkt 2023/025). Eine „Lösung“ besteht darin, entweder nach dem Ende des Sondervermögens schlagartig den offiziellen Haushalt drastisch zu erhöhen oder schon in den kommenden Jahren damit anzufangen (vom 2%-Ziel Abstand zu nehmen, findet derzeit vorsichtig formuliert leider keine Mehrheiten). Im Interview mit der Welt plädiert Unions-Fraktionsvize Johann David Wadephul für deutliche jährliche Erhöhungen, die von ihm prognostizierte Entwicklung, sollte dies nicht kommen (und weitere am 2%-Ziel festgehalten werden, wie er es natürlich will), ist dennoch interessant: „Das Kernproblem ist, dass der Einzelplan 14 für die Bundeswehr nicht parallel zum sogenannten Sondervermögen erhöht wird, sondern gerade einmal der Ausgleich der gestiegenen Personalkosten vorgenommen wird. Ansonsten bedient man sich am schuldenfinanzierten Sondervermögen. Aber das ist eine Politik mit ungedeckten Schecks. Denn wenn dieser Topf Ende 2025, wie von der Bundesregierung geplant, leer ist, steht das Verteidigungsressort mit leeren Händen da – mit angefangenen Projekten und einer Finanzlücke Anfang 2026 von mindestens 30 Milliarden Euro zwischen dem bis dahin stagnierten Verteidigungshaushalt und den Ausgaben des Vorjahres. Ich habe keine Vorstellung, wie man diese Lücke dann decken soll.“ (jw)
Alaska: US-Truppenpräsenz
(24. August 2023)Die Konflikte zwischen dem Westen und Russland nehmen nicht nur in Osteuropa immer weiter an Schärfe zu, dasselbe gilt bswps. auch für die Polarregion (siehe IMI-Analyse 2023/14). „Die amerikanischen Streitkräfte passen ihre Truppenpräsenz in Alaska an, um die Abwehrbereitschaft sowie die regionale Offensivfähigkeit zu steigern. […] Der gestiegene Stellenwert der Arktis ist bereits daran ersichtlich, dass die Truppenstärke der in Alaska stationierten Streitkräfte seit der russischen Invasion der Ukraine von rund 19.000 auf mehr als 22.000 erhöht wurde. Hinzu kommen Reservekräfte der Luftwaffe und des Heeres in einer zusätzlichen Stärke von rund 5.000 Mann.“ (jw)
Bahnfahren in Uniform
(24. August 2023)Seit 2020 fahren Bundeswehrsoldat*innen gratis Bahn, wenn sie das in Uniform tun. Die Bild wartet mit neueren Zahlen hierzu auf: „1,6 Millionen mal fuhren Soldatinnen und Soldaten 2022 (2021: 900 000) in Uniform gratis mit der Deutschen Bahn quer durch Deutschland. […] Dementsprechend sind die Ausgaben der Bundeswehr für das „Bahnfahren in Uniform“ nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf 68 Millionen Euro im Jahr 2022 angestiegen (2021: 39 Millionen).“ (jw)
Militärisch-universitärer Komplex?
(23. August 2023)Am Montag forderte die FDP Bundesministerin für Forschung und Bildung, Bettina Stark-Watzinger, in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Überdenken der an rund 70 deutschen Universitäten und Hochschulen bestehenden Zivilklauseln. Stark-Watzinger will sich dabei ein positives Beispiel an den militärisch-universitären Verflechtungen in Israel und den USA nehmen. Darüber hinaus müsse die „systemische Rivalität“ mit China stärker mit gedacht werden – insbesondere in Dual-Use-Fragen, so die Ministerin in ihrem Gastbeitrag.
Derweil hat sich auch die Zivilklauselbewegung zu Wort gemeldet. In einem Interview in der jungen Welt vom Mittwoch hat der Arbeitskreis Zivilklausel Kassel eine Einschätzung zum Gastbeitrag abgegeben und urteilte, dass die Angriffe auf die Zivilklausel Ausdruck dafür sind, dass der militaristische Geist der „Zeitenwende“ nun auch vollends an Universitäten ankommt. Umgekehrt forderte der Zivilklauselaktive im Interview, das Wesen der Zivilklausel wieder stärker an den Campus zu bringen – gegen den Militarismus der Bundesregierung und für eine zivile und fortschrittliche Wissenschaft und Bildung.
Prigozhin in Afrika
(23. August 2023)Der Chef der russischen Söldner-Gruppe Wagner, Yevgeny Prigozhin, zeigte sich in seiner ersten Videobotschaft seit seiner missglückten Meuterei gegen den Kreml scheinbar in einer afrikanischen Steppenlandschaft. Er spricht, mit Sturmgewehr in der Hand, davon Russland „even greater on every continent“ und alQaida, dem Islamischen Staat und anderen „bandidos“ das Leben schwer zu machen. Wagner bringe den Afrikaner*innen „Frieden und Gerechtigkeit“ und befreie den Kontinent. Zuletzt hatte er in einem Tweet den Putsch im Niger unterstützt und die Dienste seiner Privatarmee angeboten und wurde auf dem Russland-Afrika-Gipfel in Sankt Petersburg gesichtet. In dem Video sagt er auch es habe 50°C und daraufhine „Everything is how we like it.“ Update: Inzwischen erhärten sich gestrige Berichte, dass Prigozhin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.
Algerien: Frankreich will intervenieren
(23. August 2023)Im staatlichen Radio Algeriens wurde offenbar verkündet, die Regierung habe eine Anfrage Frankreichs nach Überflugsrechten für eine Militärintervention (höchstwahrscheinlich) bezüglich des Nigers abgelehnt, wie beispielsweise der Guardian berichtete. Das Land bekundete schon Anfang des Monats seine Ablehnung gegenüber jeglicher Militärintervention im Nachbarland, in dem am 26. Juli Putschisten die prowestliche Regierung absetzten. Das französische Militär hat den Bericht jedoch zurückgewiesen. Überflugsrechte seien nicht angefragt worden.
Die Afrikanische Union (AU) hat sich zudem gestern gegen jede Intervention von außerhalb des Kontinents ausgesprochen. Die Implikationen einer Intervention durch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (englisches Akronym ECOWAS) sollen nun durch die Kommission der AU geprüft werden.
BpB zu Niger
(23. August 2023)Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein „kurz&knapp“ zum Militärputsch in Niger veröffentlicht, in dem die Eckdaten kurz dargestellt werden. Bei der kurzen Darstellung bleiben natürlich Lücken – die in diesem Fall insbesondere die Aspekte betreffen, welche eine westliche Mit-Verantwortung an der Lage nahelegen könnten. Die geopolitische Dimension, die Ausbeutung von Rohstoffen und Migrationsbekämpfung wird gar nicht, die westliche Militärpräsent nur am Rande und äußerst einseitig angesprochen:
„Die Sicherheitslage wurde von der Bundesregierung 2022 als ‚fragil‘ eingeschätzt. Als Gründe werden Aktivitäten von kriminellen Gruppierungen und Terroristen in den Grenzgebieten genannt… Ausländische Staaten hatten seit Jahren Militärhilfe geleistet, um den Staat im Kampf gegen die Extremisten zu unterstützen. Für Deutschland war Niger ein wichtiger Partner… Vor allem Anhänger der Putschisten gingen nach dem Staatsstreich auf die Straßen, um gegen den französischen Einfluss und gegen die verhängten Sanktionen der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS zu demonstrieren… Frankreich und die USA unterhalten weiterhin Militärstützpunkte in Niger“.
Patrick J. vs. Bundeswehr
(22. August 2023)Patrick J. war ein Soldat, der bei rechten Umtrieben in der Truppe nicht wegschaute, sondern diese an Vorgesetzte und den Militärischen Abschirmdienst (MAD) meldete. Das Nachrichtenportal T-Online schreibt über ihn:
„Er meldete zunächst einige wenige Verdachtsfälle von Rechtsextremen in Pfullendorf, später immer mehr. ‚Das Wort Jude wurde als Schimpfwort genutzt‘, sagt Patrick J. Bücher des Schriftstellers Ernst Jünger kursierten. Jünger gilt als ein intellektueller Wegbereiter der Nationalsozialisten, obwohl er der NSDAP nie beitrat. Aussagen, die auch von den Pegida-Demonstranten in Dresden hätten stammen können, seien an der Tagesordnung gewesen, sagt J. Zudem fand er in sozialen Netzwerken zahlreiche Soldaten, die mit Rechtsextremen vernetzt waren, die selbst rechtsextreme Inhalte teilten oder rechte Inhalte mit ‚gefällt mir‘ markierten“.
Diese Enthüllungen brachten ihm Ärger ein, wie T-Online weiter berichtet:
„Bundeswehr leitete ein Entlassungsverfahren gegen Patrick J. ein, in dem sie die von ihm gemeldeten Verdachtsfälle als ‚haltlos und unbegründet‘ darstellte. Nachdem ‚Der Spiegel‘ über seinen Fall berichtet hatte, postete die Bundeswehr auf der Plattform X (vormals Twitter) sogar zu seinem Fall. Dort schrieb sie: ‚In der Nebensache gründet die Entlassung auch auf der Vielzahl nicht ausreichend belegbarer Meldungen des Soldaten.‘ Gegen diese und weitere ähnliche Aussagen hatte Patrick J. daraufhin geklagt und jetzt recht bekommen. Das Verwaltungsgericht untersagte der Bundeswehr diese Aussagen weiterzuverbreiten.“ (lh)
Zypern: Auseinandersetzungen
(22. August 2023)Im Zypern-Konflikt kam es wieder einmal zu Auseinandersetzungen und (tw. schwer) Verletzten. Seit 1974 hält die Türkei einen Teil der Insel und der Republik Zypern – Mitglied der Europäischen Union – besetzt. Die Pufferzone wird von sog. Blauhelmsoldaten im Rahmen der Mission UNFICYP überwacht. Über die aktuellen Auseinandersetzungen berichtet das ORF:
„Angehörige der UNO-Friedenstruppe in Zypern sind heute bei einem Zwischenfall auf der geteilten Insel verletzt worden. Es sei zu Handgreiflichkeiten zwischen UNO-Friedenstruppen und türkisch-zypriotischen Sicherheitskräften wegen nicht genehmigter Bauarbeiten gekommen, teilte die Friedensmission mit. Dabei seien drei UNO-Angehörige schwer verletzt worden und hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen, sagte UNO-Sprecher Aleem Siddique. Einer sei mit Fußtritten zu Boden gebracht worden. Einem Zeugen zufolge wurden die UNO-Friedenstruppen von Menschen in türkisch-zypriotischen Polizei- und Militäruniformen angegangen.“
Regierung: Informationsunwillig
(22. August 2023)Lange bevor geklärt wurde, ob nicht sogar NATO-Verbündete hinter der Sprengung der Nord Stream Pipelines steckten oder diese deckten, hatte Bundeskanzler Scholz eine neue NATO-Struktur ins Spiel gebracht, die zukünftig kritische Infrastrukturen unter Wasser schützen solle. Die entsprechenden Pläne wurden rasch umgesetzt (s. IMI-Standpunkt 2023/006). Nun hat sich die AfD-Fraktion im Bundestag mit einer kleinen Anfrage nach dem Stand der Umsetzung erkundigt. Unter der Rubrik „Heute im Bundestag“ berichtet die Bundestagsverwaltung selbst über die Antwort der Bundesregierung:
„Die Bundesregierung macht keine Angaben darüber, wann das von der Nato geplante Zentrum für die Sicherheit kritischer Unterwasserinfrastrukturen innerhalb des Nato Maritime Command (MARCOM) einsatzbereit sein wird, mit welchen finanziellen und personellen Ressourcen es ausgestattet werden und über welche Befugnisse es verfügen soll.“
Bei aller Abneigung gegenüber der AfD kann man die Antwort der Bundesregierung nur als frech bezeichnen. Auf keine der 26 Fragen werden substatielle Inhalte geliefert. So werden die Fragen 1-5 zusammengefasst und im Schwerpunkt folgendermaßen beantwortet:
„Die Verantwortung der Bundesregierung gegenüber Parlament und Volk setzt notwendigerweise einen ‚Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung‘ der Bundesregierung voraus, der einen auch parlamentarisch grundsätzlich nicht ausforschbaren Initiativ-, Beratungs- und Handlungsbereich einschließt (vergleiche Bundesverfassungsgerichtsentscheidungen 67, 100 (139))“.
Eine kurze Recherche in den Bundestagsdrucksachen offenbart, dass entsprechende Formulierungen bereits zuvor, seit 1986, immer wieder, zuletzt aber gehäuft, gegen das parlamentarische Fragerecht in Stellung gebracht wurde. Ein zweites Beispiel, wo sich die Bundesregierung in einer kleinen Anfrage gleich sechs mal (auf zusammengefasste Fragen) auf den „Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung“ beruft und im Grunde jede Antwort verweigert, ließ sich jedoch auf Anhieb nicht finden.
Die Demokratie wird hier offenbar von zwei Seiten gleichzeitig unterwandert.
Saudi-Arabien: massakrierte Migranten
(21. August 2023)Ein heute veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erhebt schwere Vorfwürfe gegenüber Saudi-Arabien. Zwischen März 2022 und Juni 2023 sollen Grenzschutzbehörden hunderte, größtenteils aus Äthiopien stammende Migrant*innen, bei dem Versuch die Grenze von Jemen nach Saudi-Arabien zu übertreten, getötet haben. Dies geht aus der Sichtung von über 350 offen zugänglichen Videos (Soziale Medien etc.) und Telefoninterviews mit Asylsuchenden hervor. Der saudische Grenzschutz verwendete demnach scharfer Feuerwaffen und auch explodierende Munitionen (Granatenwerfer u.ä.) um die aus dem äthiopischen Bürgerkrieg Geflüchteten vom Eintritt in das Land abzuhalten und exekutierte teilweise auch festgenommene Gruppen. Das Vorgehen und die einzelnen Fälle stellen, wenn bestätigt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.
Zivilklauseln: Kongress
(21. August 2023)Ein Bündnis friedenspolitischer Akteure ruft Ende Oktober zu einem bundesweiten Kongress zum Thema Zivilklauseln auf. Auf der eigens hierfür nun online gegangenen Homepage https://zivilklausel-kongress.dfg-vk.de/ heißt es zur Begründung u.a.:
„Angesichts der immer schlechteren finanziellen Ausstattung des Bildungssektors auf der einen und dem Milliarden-Aufrüstungsprogramm der Bundesregierung für das Militär auf der anderen Seite, wächst der Druck auf Universitäten und Hochschulen sich für das Militär zu öffnen. Die bundesweit an etwa 70 Bildungseinrichtungen bestehenden Zivilklauseln – Selbstverpflichtungen von Universitäten und Hochschulen, Forschung und Lehre nur zu friedlichen und zivilen Zwecken zuzulassen – sind in Gefahr. Sie drohen zugunsten von Militärforschung abgeschafft zu werden.“
ARD: Eskalationsträume
(21. August 2023)Der Deutschlandfunk veröffentlichte am vergangenen Wochenende einen Kommentar des freien Journalisten Thomas Franke, in dem er sich für eine massive Ausweitung des NATO-Engagements in der Ukraine ausspricht:
„Die NATO-Mitgliedstaaten müssen so schnell wie möglich konsequent handeln und klarmachen, dass sie eine von Moskau diktierte Lage nicht akzeptieren. Sie müssen sich ihrer Stärke bewusst werden und alles tun, damit Russland diesen Krieg verliert. Das hieße nicht nur, den Luftraum über der Ukraine zu sperren. Es kann in letzter Konsequenz auch heißen, in der Ukraine die nicht umkämpften Gebiete mit Soldaten zu sichern. Niemand hat gesagt, dass das ungefährlich ist. Die NATO würde damit direkt in den Krieg eingreifen, müsste gegebenenfalls russische Flugzeuge abschießen.“
Tagesschau.de, die ebenso wie der Dlf zur ARD gehört, hatte bereits am Freitag zuvor ein Interview geführt, in dem Gustav Gressel vom European Council On Foreign Affairs ordentlich auf die Kriegstrommel einhaut. Das interessant ist, dass er dabei kein Szenario nennt, in dem die Ukraine gewinnen könnte, aber trotzdem verstärkte Anstrengungen fordert, um sie „im Krieg zu halten“:
„Es müssten mehr Panzer, Schützenpanzer, Lenkwaffen und Flugkörper gebaut werden, um die Ukraine über mehrere Jahre im Krieg halten zu können und nicht jedes Mal aufs Neue zu diskutieren, was man der Ukraine aus dem Bestand liefert. Wir haben viel Zeit mit sinnlosen Debatten vergeudet.“
Schwimmende Sperre am Ärmelkanal
(21. August 2023)Das ND berichtet über schwimmende Sperren, die französische Behörden an einem Fluss, der in den Ärmelkanal mündet, angebracht haben. Diese sollen Überfahrten von Geflüchteten nach Großbritannien verhindern. Die Sperren bestehen aus einer Kette von Schwimmbojen. (ak)
Nach MINUSMA
(18. August 2023)Christian Klatt, vielzitierter Büroleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bamako, spekuliert auf der Homepage des ipg-Journals über die Folgen des Abzugs der UN-Truppe MINUSMA aus Mali. Kurz gesagt: Es wird vermutlich alles schlechter und schwieriger.
Das klingt auch erstmal recht plausibel. Allerdings ist der Beitrag insgesamt dadurch gekennzeichnet, dass er ganz grundsätzlich malischen Akteuren ohne europäische Hilfe eigentlich gar nichts zutraut. Es fehlt auch jeder Versuch, nachzuvollziehen, warum der Abzug gefordert wurde und was sich die Junta und ihre Unterstützer*innen davon erwarten.
Kritisiert wird, dass die Junta angeblich alleine auf die militärische Karte setze:
„Bedingung für eine langfristige Stabilisierung des Landes wird der Dialog mit bestimmten bewaffneten Gruppen sein. Dies werden vor allem solche sein, die sich zwar dem al-Qaida Netzwerk angeschlossen haben, aber vor allem nationale oder lokale Ziele verfolgen und in Mali fest verankert sind. Dialogpartner können hingegen nicht Vertreter des Islamischen Staats sein, der sich zunehmend ausbreitet. Letzterer zeigt sich kompromisslos und einer harten islamistischen Ideologie verschrieben, während al-Qaida näher an der Bevölkerung ist und nicht immer dogmatisch auftritt. Die momentane Regierung lehnt jedoch jede Art von Dialog mit besagten Gruppen ab und setzt allein auf militärische Lösungen.“
Zugleich sei eine „robuste Komponente“ durchaus notwendig. Diese solle „idealerweise aus der afrikanischen Sicherheitsarchitektur kommen. Deutschland, Europa und westliche Staaten sollten darauf hinwirken, dass das malische Regime militärische Unterstützung in diesem Sinne in Erwägung zieht und finanzielle Unterstützung hierzu anbieten.“ Außerdem gelte es, „im Land selbst für die Vorteile von multilateralem, internationalem Engagement zu sensibilisieren und sich offen für die Unterstützung von regionalen oder kontinentalen Initiativen einzusetzen. Zeitgleich müssen für langfristige Stabilität entsprechende Akteure in der (Zivil-)Gesellschaft aufgebaut werden.“
Spätestens, wenn es heißt, die malische Armee könne „ihr Staatsgebiet nicht stabilisieren und die Zivilbevölkerung nicht schützen“, sondern „verschlimmert die Sicherheitslage sogar, weil Menschenrechtsverstöße seitens der Armee die Rekrutierung durch die Dschihadisten erleichtert“, scheint Ideologie durch. Denn das gilt für das „multilaterale, internationale Engagement“ sicher ebenso. Dass sieht Klatt nicht und entsprechend spricht er auch nicht über das Massakter von Bounti und andere Menschenrechtsverletzungen durch westliche Kräfte.
Ukraine: Drohnen
(18. August 2023)Ulrike Franke gibt für das European Council on Foreign Relations (ECFR) einen kurzen Überblick über die Nutzung von Drohnen im Krieg in der Ukraine. Im Wesentlichen kommt sie zu ähnlichen Ergebnissen, wie die IMI-Analyse 2023/13. Drohnen aller Art, vor allem aber billige, zivile Entwicklungen werden in großer Zahl genutzt und abgeschossen (oder elektronisch gestört) und sie kommen in einem großen Spektrum von Aufgaben zum Einsatz. Besonders hebt sie den zunehmenden Einsatz von unbemannten (Unter-)Wasserfahrzeugen hervor und zeigt sich am Ende optimistisch, dass die Ukraine nach dem Krieg ein wichtiger internationaler Anbieter für entsprechende Systeme sein könnte:
„Ukraine has become an important place for drone development and manufacturing. Joint private-public partnerships have led to the development or repurposing of drones for military use. The pressure of the war to innovate, the ingenuity of the Ukrainian people, and the opportunity to work closely with experts from many Western countries have helped establish a robust domestic defence industrial base. The Ukrainian drone industry is on track to become a serious international player once the war ends, able to export systems that are combat proven“.
Stoltenbergs Büro II
(18. August 2023)Wie berichtet, hat der Stabschef von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mögliche Gebietsabtretungen der Ukraine ins Spiel gebracht, um ihr „im Gegenzug eine NATO-Mitgliedschaft“ zu ermöglichen. Der Newsletter „Eurotopics“ der Bundeszentrale für politische Bildung hat dazu einige Reaktionen aus der europäischen Presse eingesammelt. So spricht die italienische La Stampa von einem „Ausflug in die Vernunft“. Der britische Daily Telegraph sieht hingegen ganz klassisch nur zwei Seiten, jene, „die mit der ukrainischen Sache solidarisch bleiben wollen, und [jene], die eine Verhandlungslösung unterstützen“. Die Reaktion der vermeintlich linken tageszeitung fasst der Newsletter so zusammen: „Die taz ist empört„.
2%: Fünfjahresschnitt?
(17. August 2023)Bislang steht im Gesetz zum Sondervermögen der Bundeswehr, ab 2022 müssten im mehrjährigen durschnitt von fünf Jahren Militärausgaben von 2% des BIP erreicht werden. Nach NATO-Angaben lag Deutschland 2022 mit 1,49% und 2023 mit 1,57% deutlich darunter, es fehlten – ganz grob – 40 Mrd. Euro, die bei einem angepeilten Fünfjahresschnitt in den Folgejahren über dem 2%-Ziel verausgabt werden müssten. Laut Angaben der Süddeutschen Zeitung sollte dieser Passus im Gesetz zum Sondervermögen im Zuge der Haushaltsverhandlungen dahingehend geändert werden, dass erst ab 2024 dann aber verpflichtend Militärausgaben von 2% als Untergrenze erreicht werden sollen (siehe IMI-Aktuell 2023/519). Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun, das Kabinett habe entschieden, bei der bisherigen Regelung zu bleiben: „Die Bundesregierung nimmt wieder Abstand von dem Plan, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato als jährliches Ziel in das Finanzierungsgesetz für den kommenden Haushalt zu schreiben. In dem an diesem Mittwoch im Kabinett verabschiedeten Entwurf sei der entsprechende Passus gestrichen worden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.“ (jw)
Stoltenbergs Büro
(16. August 2023)Überraschende Töne kommen vom Büro des bislang verlässlich als Hardliner aufgetretenen NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg. Laut n-tv denkt dessen Stabschef inzwischen zumindest über mögliche Optionen nach, wie der Krieg in der Ukraine beendet werden könnte: „Der Stabschef von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bringt mögliche Gebietsabtretungen der Ukraine ins Spiel. ‚Ich glaube, dass eine Lösung darin bestehen könnte, dass die Ukraine Territorium abgibt und im Gegenzug eine NATO-Mitgliedschaft erhält‘, zitiert die norwegische Zeitung ‚Verdens Gang‘ eine Aussage von Stoltenbergs Mitarbeiter Stian Jenssen bei einer Podiumsdiskussion in Arendal.“ (jw)
Tchiani: Portrait
(15. August 2023)Johannes Dieterich portraitiert für die Frankfurter Rundschau (online) den ehemaligen Leiter der Präsidialgarde und aktuellen Chef der Militärjunta in Niger, Abdourahmane Tchiani:
„Er kommt aus bescheidenen Verhältnissen und begann seine Karriere als gemeiner Soldat, um sich über vier Jahrzehnte hinweg von Dienstgrad zu Dienstgrad zu kämpfen. Als Offizier besuchte er Ausbildungskurse in Frankreich, dem Senegal und den USA und befehligte Friedenstruppen im Kongo, Darfur und der Elfenbeinküste.“
Dann wird es etwas unterkomplex:
„In Wahrheit war der inzwischen als Geisel gehaltene Präsident durchaus erfolgreich – hatte jedoch die Dreistigkeit, Tchianis rund 700-köpfige Truppe auch finanziell genauer unter die Lupe zu nehmen und ihren Kommandeur in den Ruhestand schicken zu wollen. Der Chef der Präsidentengarde begehrte gemeinsam mit dem von Bazoum bereits geschassten Generalstabschef Salifou Modi auf. In Wahrheit war der Coup die Revanche grantiger Generäle.“
Ukraine: US-Waffen
(15. August 2023)Gestern aktualisierte die US-Regierung ihre Angaben, wieviele Waffen sie bislang in die Ukraine geschickt hat: „The United States has committed more than $43.7 billion in security assistance to Ukraine since the beginning of the Biden Administration, including more than $43 billion since the beginning of Russia’s unprovoked and brutal invasion on February 24, 2022.” (jw)
Cartoon: Taurus
(14. August 2023)Die Bundesregierung will in diesem Jahr Waffen im Wert von 5,4 Mrd. Euro an die Ukraine liefern – für die kommenden Jahre sind bereits Verpflichtungsermächtigungen im Umfang von weiteren 10,5 Mrd. Euro beschlossen (siehe zur Problematik dieser Waffenlieferungen zB IMI-Analyse 2023/09). Dabei wiederholt sich bei jeder neuen Eskalationsstufe immer dasselbe Spiel: Erst zögert die Bundesregierung (oder sie tut zumindest so), dann läuft die Empörungsmaschinerie an und früher oder später werden dann doch die Abgabe der bislang umstrittenen Waffensysteme beschlossen. So wird es sich wohl auch bei den Taurus-Marschflugkörpern mit ihrer hohen Reichweite von bis zu 500km verhalten, auf deren Lieferung aktuell nicht zuletzt auch Grüne und FDP drängen. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Litauen: „Gutes Paket“
(14. August 2023)Möglichst bald soll eine deutsche Brigade (~4.000 Soldat*innen) dauerhaft in Litauen stationiert werden. Wie bereits beschrieben, handelt es sich hier um ein völlig anderes Modell als bisherige deutsche Auslandsstationierungen, da die Soldat*innen dort mehrere Jahre bleiben sollen. Wie sehr man sich dabei an US-amerikanischen „Vorbildern“ orientiert, zeigen Aussagen von Brigadegeneral Christian Freuding, Leiter des Planungsstabs im Verteidigungsministerium im Stern: „‘Da gibt es natürlich viele Modelle. Wir blicken da insbesondere auf die amerikanische Stationierung in Deutschland. Da wissen wir, welche soziale Einbettung es gibt von Schulen über Kindergärten, über Sozialeinrichtungen bis hin zu kulturellen Einrichtungen“, sagt Freuding. ‚Wir haben damit wenig Erfahrung, aber da werden wir ein gutes Paket mit den Litauern zusammen hinkriegen‘.“ (jw)
AlpenTex 2023: Gemeinsames Manöver
(14. August 2023)Gemeinsame Manöver von Polizei und Bundeswehr finden seit einiger Zeit immer häufiger statt (siehe IMI-Analyse 2019/35). Auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe finden sich zum Beispiel Informationen zur jüngsten Übung AlpenTex 2023: „Das Szenario der Übung: Ein Terroranschlag ereignet sich im südlichen Raum Bayerns. […] Um diesen terroristischen Großeinsatz adäquat bewältigen zu können, benötigt die Polizei die Unterstützung durch die Bundeswehr. […] Verfassungsrechtlich muss ein Einsatz der Streitkräfte im Inneren im Grundgesetz vorgesehen sein. Im Übungsszenario käme es zu einem Amtshilfeersuchen aufgrund eines ‚besonders schweren Unglücksfalles in einem Land‘.“ (jw)
2%: Auch nach 2026 bindend? (II)
(14. August 2023)Aktuell scheint Finanzminister Christian Lindner im Zuge des Haushaltsfinanzierungsgesetzes, das am Mittwoch im Kabinett beraten wird, auch gesetzlich festschreiben zu wollen, dass auch nach 2026 eine Verpflichtung existiert, mindestens 2% des Bruttoinlandsproduktes an Militärausgaben vorweisen zu können (siehe IMI-Aktuell 2023/519). Die Folgen davon wären mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit massive Kürzungen insbesondere der Sozialhaushalte (siehe IMI-Standpunkt 2023/025). Dennoch regt sich hiergegen bislang kaum Widerstand, einer der wenigen einsamen Ruferinnen wird mit der SPD-Abgeordneten Wiebke Esdar heute beim Redaktionsnetzwerk Deutschland zitiert: „Die Vorsitzende des Bundestagsgremiums, das die Verwendung des Sondervermögens überwacht, die SPD-Abgeordnete Wiebke Esdar, hält von dem Plan nämlich nichts. ‚Ich sehe keine Notwendigkeit, beim Zwei-Prozent-Ziel gesetzlich nachzusteuern, weil wir eine gute Regelung haben‘, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). ‚Und das ist der Fünfjahreszeitraum, der betrachtet wird‘.“ (jw)
Marine: Konsolidierung?
(12. August 2023)Immer wieder wird über ein Zusammengehen der großen deutschen Kriegsschiffbauer spekuliert – aktuell nun vom Lürßen-Chef, der in der Ostsee-Zeitung zitiert wird: „‘Eine Konsolidierung unter den richtigen Vorzeichen und mit der Zustimmung der Regierung macht in Deutschland auf jeden Fall Sinn‘, sagte Lürßen der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ (Samstag). Er bezog sich dabei auf die Marinewerften Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), German Naval Yards und Naval Vessels Lürssen (NVL).“ (jw)
2%: Auch nach 2026 bindend?
(12. August 2023)Das bisherige Gesetz zum Sondervermögen gibt für die Zeit nach 2026 kein klares Bundeswehr-Ausgabenziel vor, insbesondere keine Bindung an das sog. 2%-Ziel. Das soll sich laut der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung („Zwei Prozent ohne Wenn und Aber“, S. 6) aber nach der Sommerpause mit dem Haushaltsfinanzierungsgesetz ändern: „Aus dem Entwurf, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, geht hervor, dass die Regierung sich deutlich strikter an das Nato-Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung binden will. Das Gesetz für das Bundeswehrsondervermögen soll entsprechend geändert werden. Noch heißt es darin, mit Hilfe des Sondervermögens würden ‚m mehrjährigen Durchschnitt von maximal fünf Jahren‘ zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben nach Nato-Kriterien bereitgestellt. Künftig soll die Formulierung ‚ab 2024 jährlich‘ lauten. Auch für die Zeit, wenn das Sondervermögen aufgebraucht sein wird, bindet sich die Regierung strikter. Im Gesetz heißt es bislang nur, dass dann aus dem Bundeshaushalt Mittel bereitgestellt würden, ‚um das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr‘ und den deutschen Beitrag zu den Nato-Zielen zu gewährleisten. Nun soll eingefügt werden, dass es sich um Mittel ‚in Höhe von jährlich mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts‘ handeln soll.“ (jw)
Verfassungsschutz beobachtet amab
(11. August 2023)Der Berliner Verfassungsschutz beobachtet die Antimilitaristische Aktion Berlin (amab). Das geht aus dem am 27. Juni veröffentlichten Jahresbericht des Geheimdienstes hervor. In dem Schriftstück stört sich der Geheimdienst an zwei einfallsreichen und bildstarken Protestaktionen gegen Gazprom und die russische Botschaft, die die amab im Jahr 2022 organisierte.
Anlässlich der Beobachtung plant die amab eine Aktion am 28.8.2023 ab 12 Uhr vor dem Abgeordnetenhaus Berlin, um dagegen zu prostieren. Weitere Informationen dazu finden sich hier. (ak)
BWI: Vergabe-Roadmap 2023 bis 2028
(10. August 2023)Die Digitalisierung der Bundeswehr ist eine der wichtigsten Prioritäten der Truppe (siehe dazu den AUSDRUCK-Schwerpunkt im März 2020). Aus diesem Grund sollen auch rund 20% des Sondervermögens in diesen Bereich fließen. Einen guter Teil davon geht an die bundeseigene BWI, die nun ihre Vergabe-Roadmap für die Jahre 2023 bis 2028 veröffentlicht hat. Auf seiner Homepage informiert das Unternehmen darüber, es plane nun „Vergaben von rund vier Milliarden Euro an die Wirtschaft“, um die Digitalisierung der Truppe voranzutreiben. (jw)
Antikriegsstimmen: Repression
(10. August 2023)Antikriegsstimmen haben es derzeit überall schwer, besonders aber natürlich in Russland und der Ukraine. So wurde der bekannte marxistische Soziologe Boris Kagarlitzki wegen des dem Vorwurf, Terrorismus Vorschub zu leisten, von russischen Strafverfolgungsbehörden verhaftet, berichtet die taz. Vor wenigen Tagen informierte die Zeitschrift Wissenschaft und Frieden über einen frisch erschienenen, noch nicht ganz zu Ende bearbeiteten Artikel des ukrainischen Friedensforschers Yurii Sheliazhenko. Es handelt sich dabei um einen lesenswerten Text, der sich mit Möglichkeiten der Konfliktbeilegung beschäftigt. Das Magazin begründete die vorzeitige Veröffentlichung folgendermaßen: „Der Beitrag war noch in der Überarbeitung, als der Autor eine Hausdurchsuchung durch die ukrainischen Sicherheitsorgane über sich ergehen lassen musste. Er bat uns in der Folge, den Text zügig online zu stellen, um über seine Veröffentlichungen auch klar herausstellen zu können, dass der gegen ihn erhobene Vorwurf der ‚Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges‘ nicht aufrechterhalten werden kann.“ Eine Petition zur Freilassung von Kagarlitzki findet sich hier.
Über die „Handhabung des im März 2022 in der Ukraine in Kraft getretenen ukrainischen Strafrechtsparagrafen 436-2, der es verbietet, die „bewaffnete Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine, die 2014 begann, rechtfertigen, als rechtmäßig anerkennen oder leugnen“, berichtet das Neue Deutschland am Beispiel des ukrainischen Pazifisten Juri Scheljaschenko: „Juri Scheljaschenko, Sekretär der Ukrainischen Bewegung der Pazifisten, drohen mehrere Jahre Haft. Am Donnerstag hatten Beamte des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU die Wohnung des Pazifisten in Kiew aufgesucht, eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei einen Computer und ein Mobiltelefon beschlagnahmt.“ Siehe hierzu auch die Petition von World Beyond War. (jw)
Konfrontation USA-Iran
(9. August 2023)Wie Democracy Now! berichtet, hat die US-Regierung „Tausende von US-Marines und Matrosen in den Nahen Osten entsandt, um den Iran davon abzuhalten, Öltanker und andere Handelsschiffe in der Nähe der Straße von Hormuz zu kapern.“ Die Entscheidung falle auf Grund eines Berichts der Marine, die erklärte, „der Iran habe im vergangenen Monat versucht, zwei kommerzielle Öltanker im Golf von Oman zu kapern, nachdem er seit 2019 bereits Dutzende von Schiffen gekapert hatte.“ Als Antwort darauf habe der Iran „seine Marine mit Drohnen und Raketen ausgerüstet.“ Das Magazin zitiert Trita Parsi des Quincy Institute for Responsible Statecraft, welcher „sagte, die USA riskierten einen Krieg mit Iran für bessere Beziehungen mit Saudi-Arabien.“ Eigentlich befinden sich der Iran und Saudi-Arabien seit Monaten auf einem Kurs der Annäherung, den China vermittelt hatte.
OLAF vs. FRONTEX
(9. August 2023)Das Anti-Betrugs-Büro der Europäischen Kommission OLAF ermittelte offenbar gegen die Europäische Grenzschutzagentur FRONTEX wegen derer Mitwissen über illegaler Pushbacks, Vereitelung der Berichterstattung durch offizielle Menschenrechtsbeobachter, Einschüchterung von Mitarbeitern und Interessenkonflikten bei Einstellungen und der Vergabe von Beschaffungsverträgen. Der Spiegel veröffentlichte den offiziellen Bericht der OLAF dazu.
„Das OLAF kommt auf der Grundlage der während der Untersuchung gesammelten Beweise zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen bewiesen sind.“ (S.3) Es befindet drei wahrscheinlich führende Angestellte verantwortlich dafür und fordert deren Entlassung, jedoch keine juristische Folgeverfahren. Die Namen und Positionen der verantwortlichen Personen sind in dem veröffentlichten Dokument jedoch geschwärzt.
Aus Interviews waren persönliche Motivationen für die Verfahrensvergehen herausgearbeitet:
„Sie stützten ihre Entscheidungen teilweise auf ihre persönlichen Vorurteile und die geringe Wertschätzung, die sie der Europäischen Kommission (EG), insbesondere einige Beamte von (geschwärzt). Sie hielten letztere für zu sehr auf Grundrechtsfragen konzentriert und zu bürokratisch, ohne Verständnis für die operativen Herausforderungen des Außengrenzschutzes.“
„Rapid Viking“ Manöver
(9. August 2023)30 Piloten der deutschen Luftwaffe üben derzeit im Rahmen des „Rapid Viking 2023“ Manövers mit sechs Tornado-Kampfflugzeugen ihre First Responder-Fähigkeiten über Island und der Arktis, wie german-foreign-policy berichtet. „‚First Responder (‚Ersthelfer) sind diejenigen Kräfte, die im Konfliktfall als erste vor Ort sind und Maßnahmen ergreifen, bevor dann die Hauptkräfte eintreffen,“ so das Magazin. Dies sei, neben der „strategischen Message“ an wahrscheinlich Russland, wie die Bundeswehr zugibt, nötig denn: „vor der erfolgreichen Ausbildung in Island seien die teilnehmenden Bundeswehrpiloten nur ‚beschränkt kriegsfähig‘ gewesen, heißt es: Sie könnten zwar ‚in den Krieg ziehen‘, seien dann aber ’nicht ganz vorne mit dabei‘. Bei Rapid Viking lernten die deutschen Soldaten, ‚vorneweg zu fliegen‘,“ wie das Magazin einen Sprecher zitiert.
Äthiopien: erneut Kämpfe
(9. August 2023)Einheiten der regionalen Miliz Fano der Amhara haben laut der äthiopischen Regierung Kräfte der nationalen Armee angegriffen. Die Miliz unterstützte die äthiopische Armee in den letzten Jahren im Kampf gegen die separatistische TPLF im Nachbarstaat Tigray. Die Amhara beanspruchen Teile Tigrays für ihre Region und Ethnie und halten diese besetzt. Beiden Milizen sowie der nationalen Armee wurden Menschenrechtsverbrechen in diesem Konflikt vorgeworfen. Er endete offiziell im November mit einem Friedensvertrag und Addis Abeba beschloss im April die Entwaffnung aller regionaler Milizen. Doch die Amhara, die zweitgrößte Provinz und Ethnie Äthiopiens, sträuben sich. Sie befürchten ihre gewonnenen Gebiete könnten von der TPLF zurückerobert werden, wenn diese vorher nicht komplett entwaffnet wäre, oder die Zentralregierung könne sie zurück an Tigray geben.
Ukraine: Weitere Panzer
(9. August 2023)Das Handelsblatt berichtet, Rheinmetall hätte Leopard-Panzer aufgekauft, um sie nach Instandsetzung in die Ukraine zu liefern: „Die Panzer kommen aus Belgien, wo das Unternehmen OIP Land Systems die betagten Panzer auf Lager hatte und rund 50 an Rheinmetall verkauft hat. Die Fahrzeuge waren teilweise aber in so einem schlechten Zustand, dass einige nur als Fundgrube für Bauteile genutzt werden konnten – so sinkt die Zahl der lieferfähigen Panzer auf rund 30.“ (jw)
Krause: Abtritt
(9. August 2023)Der Leiter des Instituts für Sicherheitspolitik Kiel (ISPK), Joachim Krause, hat sich über Jahrzehnte zuverlässig immer wieder als Hardliner profiliert. Nun geht er in den Ruhestand, nur um allerdings gleich anzudrohen, er werde sich nun noch verstärkter publizistischen Aufgaben widmen – auf eine Sache hat er dabei schon länger besonders abgesehen: die Zivilklauseln an deutschen Universitäten, über die er sich in den heutigen Kieler Nachrichten folgendermaßen äußert: „Es muss etwas geschehen an deutschen Universitäten. Es kann nicht sein, dass ein wichtiger Bereich des realen Lebens aus Lehre und Forschung ausgeschlossen wird, nur weil unbelehrbare Pazifisten dagegen Sturm laufen und Politik und Universitätsleitungen es an Mut fehlen lassen.“ (jw)
NATO-Kriterien: Trickreich
(8. August 2023)Obwohl im kommenden Jahr mindestens 19,2 Mrd. Euro dem Bundeswehr-Sondervermögen entnommen werden sollen, fehlen zum sog. 2%-Ziel bei einem geplanten Haushalt von 51,8 Mrd. Euro noch rund 13 Mrd. Euro. Diese Lücke soll durch eine deutliche Ausweitung der NATO-Kriterien – militärrelevante Ausgaben, die sich in anderen Haushalten verstecken – erreicht werden. Sie sollen von 9,5 Mrd. Euro (2023) auf 14,5 Mrd. Euro steigen, indem künftig auch Zinszahlungen berücksichtigt werden sollen, berichtet die Welt: „Diese Milliarden glaubt man in der Regierung nun allerdings gefunden zu haben: bei den Ausgaben für die Bundesschuld, dem Einzelplan 32 des Haushalts. […] Deshalb will man zusätzlich aus den gesamten Zinsausgaben des Bundes in Höhe von 39 Milliarden Euro, die im nächsten Jahr erwartet werden, den Anteil des Verteidigungsministeriums herausrechnen und ebenfalls zu einer ‚verteidigungsrelevanten Ausgabe‘ erklären. Dadurch kommt man ziemlich genau auf die noch offenen fünf Milliarden Euro.“ (jw)
Mehr Kriegsdienstverweigerinnen
(8. August 2023)Wie auf mdr berichtet wird, hat sich die Zahl der Kriegsdienstverweiger*innen seit Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 verfünffacht. Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage, „stieg die Zahl von 142 Anträgen im Jahr 2020 und 209 Anträgen im Jahr 2021 auf 1.123 Anträge im zurückliegenden Jahr 2022. Unter den Antragstellern 2022 waren dem Bericht zufolge 450 Ungediente, 438 Reservisten, 226 Zeitsoldaten, acht Berufssoldaten und ein freiwillig Dienstleistender.“ Und auch 2023 ist die Zahl hoch: Von Januar bis zum 30. April 2023 reichten bereits 672 Kriegsverweiger*innen Anträge bei der Bundeswehr ein. (ja)
Kiffen verboten
(8. August 2023)Angesichts der anstehenden Cannabis-Legalisierung wurden laut Security Table Soldat*innen explizit ausgenommen: „Die geplante Legalisierung des Konsums von Haschisch und Marihuana soll ausdrücklich nicht für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gelten. Im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums für ein ‚Gesetz zum kontrollierten Umgang mit Cannabis‘ werden die Streitkräfte ausdrücklich ausgenommen.“ (jw)
BND: Ins BMVg?
(7. August 2023)Die beiden ehemaligen Präsidenten August des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning und Gehrhard Schindler, fordern in der Bild eine grundlegende Reform – als Problem identifizieren sie ein „Übermaß an Kontrolle“. Ein recht weitreichender Vorschlag, den sie machen, besteht in der Unterstellung des Dienstes weg vom Kanzleramt hin zum Verteidigungsministerium (BMVg): „Die Verbindungen und Schnittmengen unseres Auslandsnachrichtendienstes mit der Bundeswehr sind so groß und so intensiv wie noch nie seit Bestehen des Dienstes. Die Unterstellung des BND unter das Bundeskanzleramt hat sich daher überholt.“ (jw)
Repression gegen ukrainischen Pazifisten
(7. August 2023)Das Europäische Büro für Kriegsdienstverweigerung (EBCO), War Resisters’ International (WRI), der Internationale Versöhnungsbund (IFOR) und Connection e.V. (Deutschland) verurteilen aufs Schärfste die Tatsache, dass Yurii Sheliazhenko, Geschäftsführer der Ukrainischen Pazifistischen Bewegung, von der ukrainischen Regierung formell des Verbrechens der „Rechtfertigung der russischen Aggression“ angeklagt wurde.
Als einziger „Beweis“ werde dafür die Erklärung der Ukrainischen Pazifistischen Bewegung angeführt, die auf dem Treffen zum Internationalen Tag des Friedens am 21. September 2022 mit dem Titel „Friedensagenda für die Ukraine und die Welt“ beschlossen wurde. In der Erklärung wurde die russische Aggression ausdrücklich verurteilt. (ak)
Drohnenabwehr: Tierisch
(7. August 2023)Ein ausführlicher Artikel in der Süddeutschen Zeitung beschäftigt sich mit Bundeswehr-Strategien, Drohnenangriffe abzuwehren in die Abteilung kurios gehört dabei ein Absatz über französische Pläne: „Die Deutschen setzen bei ihren Versuchen zur Drohnenabwehr ganz auf klassische Technik. Doch es gäbe auch etwas exotischere Varianten. Das französische Militär etwa erprobte den Einsatz von Adlern und anderen Greifvögeln, die sich im Flug auf die Drohnen stürzen sollen. Falkner versahen dafür die Fluggeräte mit Fleischbrocken – und lehrten die Jungvögel so, die Drohnen als Beute zu betrachten.“ (jw)
Seenotrettung: Haltlose Argumente
(4. August 2023)Nicht dass das in irgend einer Weise die alltäglichen unterlassenen Hilfeleistungen rechtfertigen würde, aber wie aus einer neuen Studie hervorgeht, stimmt das reaktionäre Argument, durch Seenotrettung würde weitere Migration befördert, nicht einmal, berichtet gmx.de: „Rettungsaktionen für Migranten, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten, ziehen einer Studie zufolge keine zusätzlichen Migranten nach sich. Bestimmende Faktoren für den Aufbruch von Migranten seien vielmehr sich verschlimmernde Konflikte, Naturkatastrophen und steigende Preise für Lebensmittel in der Heimat. So heißt es in einer Studie, die die renommierte Fachzeitschrift „Scientific Reports“ am Donnerstag veröffentlichte.“ (jw)
Neue Wahrnehmung: Rüstungsindustrie
(4. August 2023)Der Geschäftsführer vom Unternehmen „Armoured Car Systems“ in Friedberg-Derching – Sebastian Schaubeck – gab BR24 einen Einblick und beantwortete zahlreiche Fragen.
Das Rüstunsgunternehmen produziert u.a. militärische Fahrzeuge. Erst vor kurzem erhielt es einen Großauftrag der Bundeswehr, innerhalb der nächsten 15 Jahre mehr als 3.000 Fahrzeuge zu produzieren.
Aus dem Interview klingt heraus, dass Rüstungsunternehmer und ihre Unternehmen seit der russischen Invasion in die Ukraine anders wahrgenmmen werden. Zum einen freute er sich über Medienaufmerksamkeit: „Man war ja sehr, sehr lange in ein dreckiges Eck gestellt worden und wir wollen einen Beitrag leisten zur Sicherheit des Landes.“ Dies gilt auch für Banken und Versicherungen: „Wir nehmen es auch bei Banken und Versicherungen wahr, wo wir früher sehr lange kämpfen mussten, um überhaupt Versicherungen für unsere Fahrzeuge und den Testbetrieb zu bekommen. Da gibt es jetzt schon einen gewissen Mindset-Wechsel.“ (ja)
Bundeswehr: Zielgruppen
(4. August 2023)Um ihre erheblichen Rekrutierungsprobleme abzumildern, will sich die Bundeswehr v.a. auf zwei Zielgruppen konzentrieren, soll Verteidigungsminister Boris Pistorius laut der Europäischen Sicherheit und Technik gesagt haben: „Zwei Zielgruppen für die Personalwerbung der Bundeswehr sieht Pistorius deutlich unterrepräsentiert. Zum einen Frauen. Diese würden lediglich zehn Prozent der Truppe außerhalb des Sanitätsdienstes ausmachen. Zum anderen deutsche Staatsbürger mit Migrationsgeschichte.“ (jw)
Starbucks Kaffee fürs Militär
(3. August 2023)Das Unternehmen Starbucks betont immer wieder, die US-Veteranen und der US-Militärcommunity stützend beiseite zu stehen. Starbucks verpflichtete sich u.a. bereits 2017 dazu, mehr Veteranen des US-Militärs einzustellen und beabsichtigte bis Ende 2021 100.000 Ehepartner*innen von Soldat*innen einzustellen.
Nun hat ein neues Engagement für die Militärcommunity und die Veteranen angekündigt hinsichtlich der Unterstützung von Starbucks-Angestellten für die Versetzung von Reservisten und Soldat*innen – :“Diese Ressource ermöglicht es den Partnern und ihren Familien, ihre Karriere innerhalb von Starbucks voranzutreiben und gleichzeitig den vom Militär geforderten Umzug zu bewältigen.“ Und Starbucks kümmert sich um die psychische Gesundheit von Partnern aus dem Militär und ihrer Familien: „Starbucks baut außerdem auf seiner Zusammenarbeit mit Lyra Health auf, um zu gewährleisten, dass Partner aus dem Militär und ihre Familien individuelle Unterstützung für ihre psychische Gesundheit erhalten.“
Zudem plant Starbucks die Zahl seiner Military Familiy Stores zu erhöhen: „Starbucks möchte die Anzahl seiner Military Family Stores mehr als verdoppeln und das Programm bis 2025 auf 250 Stores ausweiten. Starbucks wird 100 dieser neuen Läden auf Militärstützpunkten einrichten. Von diesen Läden werden ausgewählte Standorte so gestaltet, dass sie die einzelnen Streitkräfte auf besondere Weise würdigen und ehren.“
Damit stellt sich Starbucks verstärkt hinter das US-Militär, während das Unternehmen gleichzeitig auf die Zerschlagung gewerkschaftlicher Kämpfe seinen Filialen hinwirkt. (ja)
Personal: Anpassung?
(3. August 2023)Trotz massiver Rekrutierungsprobleme stand bislang das Ziel, die Truppenstärke der Bundeswehr von aktuell rund 180.000 Soldat*innen auf 203.000 anwachsen zu lassen, nicht zur Debatte. Nun aber deutete Boris Pistorius laut Augengeradeaus eine mögliche Änderung (aller Wahrscheinlichkeit nach unten) an: „Auf die Frage nach dem weiterhin gültigen Ziel, die Stärke der Bundeswehr auf 203.000 Soldatinnen und Soldaten – einschließlich der Reservistenstellen – zu erhöhen, reagierte Pistorius mit einer interessanten Aussage: Das sei eine Zahl, die deutlich vor meinem Amtsantritt erarbeitet wurde. Er habe jetzt angeordnet zu prüfen, wie diese Zahl begründet worden sei und wie sie mit den neuen Anforderungen im Fähigkeitsprofil der Bundeswehr übereinstimme. Am Ende werde eine neue Zahl stehen – das kann eine niedrigere, aber auch eine höhere sein. Allerdings sei die derzeit angepeilte Stärke von mehr als 200.000 ambitioniert, räumte der Minister ein.“ (jw)
Gegenoffensive: Ernüchterung
(2. August 2023)Selbst bei den Hardlinern wie der Welt (02.08.2023, Nr. 148, S. 7) setzt allmählich Ernüchterung ob der Ergebnisse der ukrainischen Offensive ein. In einem Leitartikel schreibt die Zeitung: „Die ukrainische Gegenoffensive […] scheiterte bisher. Unter enormen Verlusten konnte die Ukraine lediglich rund 240 Quadratkilometer – ein Gebiet von der Größe der Stadt Duisburg – zurückgewinnen. Die ukrainischen Streitkräfte kommen nur im Schneckentempo voran, und es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, weil im Oktober die Regenzeit einsetzt. […] Alles deutet derzeit darauf hin, dass die Ukraine im kommenden Winter nicht die erfolgreiche Zurückdrängung des russischen Aggressors feiern kann, sondern auf massiven Druck des Westens hin gezwungen sein wird, einen Waffenstillstand mit Moskau einzugehen. [I]m Westen macht sich nach dem bisherigen Verlauf der Gegenoffensive große Enttäuschung breit.“ (jw)
Cartoon: Rüstung & Sozialabbau
(2. August 2023)Die Bundesregierung angekündigt, auch nach dem voraussichtlichen Ende des Sondermögens 2027 Militärausgaben von mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen zu wollen. Ohne massive Kürzungen insbesondere beim Sozialhaushalt wird das nicht zu machen sein, wie teils auch bereits offen eingeräumt wird (siehe IMI-Standpunkt 2023/025). Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Bewerbungen: Sinkflug
(2. August 2023)Spiegel Online berichtet über ein Bundeswehr-Papier, das aufschluss über die sinkenden Bewerber*innenzahlen gibt: „„Millionenschwere Werbekampagnen und aufwendige Programme, um die Truppe attraktiver zu machen, verfangen offenbar nicht […] So bewarben sich bis Ende Mai dieses Jahres insgesamt 23.414 Frauen und Männern, rund sieben Prozent weniger Interessenten als im Vorjahreszeitraum. […] Wie drastisch die Entwicklung ist, zeigt sich, wenn man den Vergleich zu den ersten fünf Monaten 2019 zieht. Damals hatten sich noch fast 30.000 Männer und Frauen beworben. Seitdem fällt die Kurve recht steil ab.“ (jw)
Iran: US-Aufmarsch
(2. August 2023)Im Schatten des Ukraine-Krieges spitzt sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu, was sich u.a. an US-Truppenverlegungen in die Region zeige, berichtet Associated Press (via Bpb-Newsletter): „Thousands of Marines backed by advanced U.S. fighter jets and warships are slowly building up a presence in the Persian Gulf. It’s a sign that while America’s wars in the region may be finished, its conflict with Iran over its advancing nuclear program continues to worsen, with no solutions in sight.” (jw)
NATO: Start-up-Fonds
(2. August 2023)Beim letztjährigen NATO-Gipfel in Madrid wurde beschlossen, die Mittel für Hochtechnologien deutlich aufzustocken. Daraus ist nun der „NATO Innovation Fund“ geworden, dem sich 23 NATO-Länder (plus Schweden) angeschlossen haben und der mit rund 1 Mrd. Dollar befüllt werden soll. Laut NATO steht der Fonds, dessen Aufgabe Investitionen in Rüstungs-Start-ups sein sollen, kurz vor dem Start: „The NATO Innovation Fund is the world’s first multi-sovereign venture capital fund and will invest in start-ups developing cutting-edge technological solutions, leveraging the potential for commercial innovation to address critical defence and security challenges.“ (jw)
Personallage: Abstrus
(1. August 2023)Die Europäische Sicherheit & Technik äußert sich recht deutlich über die Personallage der Bundeswehr: „Bisher öffentlich wenig diskutiert, aber potenziell dramatisch entwickelt sich die Personallage der Bundeswehr. Während einzelne Organisationsbereiche weiterhin ungeniert zusätzliche Dienstposten für weitere Vakanzen fordern, bricht die Zahl der Neueinstellungen in wichtigen Bereichen stark ein. Schon das schwache Ist bröckelt. Das Soll zu erhöhen, scheint da abstrus.“ (jw)
Cartoon: Kiesewetter & Ukraine-Drohnen
(31. Juli 2023)Drohnen spielen eine wesentliche Rolle im Ukraine-Krieg (siehe IMI-Studie 2022/3 und IMI-Analyse 2023/13). Einen recht – flexiblen – Umgang mit der Drohnenfrage legte nun Roderich Kiesewetter an den Tag.
Der CDU-Politiker Kiesewetter ist nicht nur ehemaliger Offizier im Generalstabsdienst, sondern auch stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste. Bestens vernetzt gehört er auch der sogenannten „Pizza-Connection“ aus Bundestagsabgeordneten der Grünen und der CDU/CSU an, die seit 2013 von Jens Spahn und Omid Nouripour koordiniert wird.
Er braucht also kein Sommerloch, um Medienaufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Ende Mai setzte er die Botschaft in die Welt, damalige Drohnenangriffe auf Moskau seien wahrscheinlich vom Kreml inszeniert, um die russische Bevölkerung auf den Krieg einzuschwören und eine Schwächung des Rückhaltes für die Ukraine im Westen zu erreichen.
Jetzt verkündete er, „Drohnenangriffe auf Moskau mit sehr geringen Auswirkungen“ seien auch deshalb „nötig, weil sie die russische Bevölkerung trotz der Fehlinfos über den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine informieren.“
Dass er außerdem Marschflugkörper der Bundeswehr vom Typ Taurus und Eurofighter an die ukrainische Luftwaffe liefern will, um damit Ziele auf der Krim anzugreifen, wundert da schon nicht mehr. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (an)
PFC: „Moderate Kontaminationen“
(31. Juli 2023)In Bayern sollen mindestens 120 Bundeswehr-Liegenschaften mit dem Schadstoff PFC verseucht sein(siehe IMI-Aktuell 2022/510). Nun berichtet der MDR über einen Fall in Thüringen: „Auf dem Übungsplatz der Bundeswehr bei Ohrdruf sind Verschmutzungen des Bodens mit PFC-Chemikalien festgestellt worden. Es gebe „moderate Kontaminationen“ im Bereich der ehemaligen Standortfeuerwache, teilte das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUD) auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit. Konkret handele es sich um eine Fläche direkt am Gebäude der Feuerwache sowie um eine frühere Abstellfläche für Fahrzeuge.“ (jw)
AFD: Bock zum Gärtner
(31. Juli 2023)Die Taz berichtet, wie in Bundeswehr-AFD-Mitglied beim MAD Bedrohungseinschätzungen zu rechtsextremen Gefahren abgibt: „Stefan P. ist in der Abteilung J2, als Sachgebietsleiter für die Nachrichtenlage im Inland. Er bewertet Bedrohungen für die Bundeswehr und ihre Nato-Verbündeten in Deutschland. Dafür steht P. im Austausch mit den Geheimdiensten, dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) und dem Bundesnachrichtendienst (BND). Er gibt Einschätzungen ab zu äußeren Risiken, beispielsweise durch Russland, oder zu Gefahren aus dem Inneren der Truppe, etwa durch RechtsextremistInnen. […] Doch Stefan P. ist nicht nur Offizier in sicherheitsrelevanter Position bei der Bundeswehr. Er ist auch seit Jahren Mitglied der AfD.“ (jw)
Schnapsidee Steuersenkungen
(29. Juli 2023)Auf EU-Ebene wird bereits über Möglichkeiten diskutiert, ab 2024 gemeinsam beschaffte Rüstungsgüter von der Mehrwertsteuer zu befreien (siehe IMI-Standpunkt 2023/004). Nun will der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz diese Schnapsidee laut Spiegel Online auch national umsetzen: „»Die Umsatzsteuer sollte für eine befristete Zeit – etwa fünf Jahre – für Beschaffungen im Militärbereich von derzeit 19 auf null Prozent abgesenkt werden«, sagte der im Haushaltsausschuss für das Wehrressort zuständige Sozialdemokrat dem SPIEGEL und verwies auf das 100 Milliarden Euro umfassende Bundeswehr-Sondervermögen.“ (jw)
Niger: Kommentare
(28. Juli 2023)Obwohl noch unklar ist, ob der Putsch im Niger erfolgreich war oder der amtierende Präsident wieder eingesetzt werden kann, hat er bereits eine Welle vernichtender Kritik an der deutschen und europäischen Sahel-Strategie ausgelöst. In einem Kommentar der ARD-Korrespondentin Dunja Sadaqi heißt es z.B.:
„Doch daran, dass es im Sahel schon lange keinen verlässlichen Stabilitätsanker mehr gibt, ist Europa mitschuldig. Wie in Mali versuchte der Westen mit teuren Militärbündnissen zu lösen, was nicht mit Waffen zu lösen ist: Den Menschen fehlt es nicht nur an Sicherheit, sondern an echten politischen Reformen für Bildung, ausreichende Gesundheitsversorgung, eine bessere wirtschaftliche Perspektive und einen Staat, der auch in entlegenen Gegenden zumindest sichtbar für seine Bürger ist. Nur viel Geld hilft eben noch nicht viel.“
Der Kommentar endet mit dieser Bilanz:
„In dieser Gemengelage wurde Niger mangels Alternativen mal eben zur neuen Basis für die europäische Sahel-Politik erklärt. Dieses teure Manöver im Eilverfahren ist bitter gescheitert. Und Europa hat einmal mehr säckeweise Geld nach einem Problem geworfen – damit allerdings nichts gewonnen.“
Ihr Kollege, der Berlin-Korrespondent Stephan Stuchlik, spricht (hier im Video) ebenfalls in ungewohnter Klarheit ein Problem an, das bisher gerade in Berlin gerne ignoriert wurde:
„Es könnte sogar sein, dass einige von der Bundeswehr ausgebildete Spezialsoldaten am Putsch beteiligt waren. Sollte sich das wirklich bewahrheiten, müsste der Bundesverteidigungsminister einige unangenehme Fragen beantworten. Denn ein ähnliches Szenario, nämlich dass westliches Know How und westliches Material genutzt wurde für einen Putsch hat es in ähnlicher Weise schon in Mali gegeben.“
Militärhaushalt: Widersprüchlich
(28. Juli 2023)Anfang Juli 2023 legte Finanzminister Christian Lindner den Haushaltsentwurf für 2024 sowie die Mittelfristige Finanzplanung bis 2027 vor. Demzufolge soll der Bundewehretat entgegen vorheriger Planungen im kommenden Jahr nicht 50,1 Mrd. Euro, sondern 51,8 Mrd. Euro umfassen. Zusammen mit 19,2 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen und außerhalb des Verteidigungsbudgets angesiedelten militärrelevanten Ausgaben nach NATO-Kriterien (zB die Ausgaben für die Waffenlieferungen an die Ukraine) sollen so im kommenden Jahr erstmal Ausgaben in Höhe von mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreicht werden (siehe IMI-Standpunkt 2023/025).
Darüber hinaus soll der Etat laut Mittelfristiger Finanzplanung nach Angaben des Verteidigungsministeriums um insgesamt 7,3 Mrd. Euro steigen (eine exakte Aufschlüsselung nach Jahren war anders als bislang üblich bislang nicht zu finden). Bei dieser Planung würden sich die Ausgaben nach NATO-Kriterien nach dem voraussichtlichen Ende des Sondervermögens im Jahr 2027 allerdings „nur“ auf 65 bis 70 Mrd. Euro summieren. Selbst wenn sich die Ausgaben mit 70 Mrd. Euro am oberen Rand der Schätzungen bewegen würden, wären das „nur“ 1,47 Prozent von einem BIP von 4751 Mrd. Euro (IWF-Prognose vom April 2023). Um die beim NATO-Gipfel in Vilnius als Ausgabenuntergrenze eingeführten 2 Prozent des BIP einzuhalten (nach IWF-Schätzungen 95 Mrd. Euro im Jahr 2027), müsste der Verteidigungshaushalt also nach dem Wegfall der Gelder des Sondervermögens schlagartig um 25 bis 30 Mrd. Euro erhöht werden (siehe IMI-Standpunkt 2023/025).
Genau das soll laut Lindners neuen bei Spiegel Online zitierten Aussagen aber vermieden werden: „Also meine Absicht ist schon, dass es in den nächsten Jahren sichtbare Aufwüchse auch im Einzelplan 14 gibt. Mindestens wird es keinen Abbruch geben.[…] Also es wird nicht so sein: Wir machen zwei Prozent, und dann plumpsen wir zurück auf 1,4, wenn das Sondervermögen aufgebraucht ist. Das wird sichergestellt.“ Mit anderen Worten: Lindner widerspricht hier jetzt schon seiner eigenen Mittelfristigen Finanzplanung, die er erst wenige Wochen zuvor vorgelegt hat. (jw)
Ukraine: Abrams
(28. Juli 2023)Politico berichtet, in Kürze sollen US-Kampfpanzer vom Typ Abrams in der Ukraine ankommen – zuvor sollen sie aber noch einen Stop in Deutschland einlegen: „U.S. Abrams tanks are likely to arrive on the Ukrainian battlefield in September, according to six people familiar with the planning, as Kyiv’s forces push to retake territory in a counteroffensive that is picking up steam. The plan is to send a handful of Abrams tanks to Germany in August, where they will undergo final refurbishments. “ (jw)
Cartoon: Rüstungspipeline
(28. Juli 2023)Die Rüstungsproduktion, die -Beschaffung und der -Export sollen künftig schneller und reibungsloser erfolgen. Die Rüstungsproduktion soll u.a. über das EU-ASAP-Programm angekurbelt werden (siehe IMI-Analyse 2023/21); für die Beschaffung unterbreitete der Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums unlängst Vorschläge (siehe IMI-Aktuell 2023/479); und was die Exporte anbelangt, soll künftig für „befreundete“ Akteure ein vereinfachtes Verfahren gelten (siehe IMI-Aktuell 2023/477). Siehe dazu auch das den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Land 400: Zuschlag Südkorea
(27. Juli 2023)Obwohl Rheinmetall u.a. die Produktion von Radpanzern Boxer für die Bundesregierung in Australien durchführen will, um den Auftrag für ein rund 10 Mrd. Euro schweres Panzerprojekt zu erhalten (siehe IMI-Standpunkt 2023/481), ging das Unternehmen nun leer aus. Die Europäische Sicherheit & Technik informiert, das inzwischen auf ein Volumen von 3,1 bis 4,3 Milliarden Euro gekürzte Programm werde anderweitig vergeben: „Das südkoreanische Unternehmen Hanwha Defense hat im Programm Land 400 Phase 3 der australischen Streitkräfte (Australian Defence Force, ADF) den Zuschlag erhalten und damit das konkurrierende Angebot von Rheinmetall mit seinem KF-41 Lynx ausgeschlagen, wie lokale Nachrichtenquellen am 26. Juli 2023 berichtet haben.“ (jw)
ASAP: In Kraft
(27. Juli 2023)Am 25. Juni trat das ASAP-Programm zur Ankurbelung der europäischen Munitionsproduktion in Kraft (siehe IMI-Analyse 2023/21). Hier der endgültige Text der Verordnung. (jw)
Cartoon: Rheinmetall
(27. Juli 2023)Rheinmetall ist nicht nur einer der größten deutschen Rüstungskonzerne, sondern das Unternehmen gehört auch zu den Hauptprofiteuren aus dem Sondervermögen der Bundeswehr (siehe IMI-Analyse 2022/47). Dementsprechend stieg auch der Aktienkurs des Unternehmens, der Anfang 2022 noch bei rund 90 Euro lag, explosionsartig auf über 250 Euro an – der neues IMI-Cartoon fängt diese Entwicklung bildlich ein. (jw)
Boxer als Verkaufsargument
(26. Juli 2023)Wer sich über die Meldung gewundert hat, Deutschland plane die Anschaffung von wohl 128 Radpanzern Boxer, die in einem Rheinmetall-Werk in Australien gefertigt werden sollen, erhält nun eine Antwort (siehe IMI-Aktuell 2023/197). Laut ABC sei die Entscheidung im Zusammenhang damit zu sehen, dass damit die Chancen des Unternehmens auf einen extrem lukrativen Auftrag verbessert werden sollen: „As early as this week, a government decision is expected to be made on whether German company Rheinmetall or South Korean rival Hanwha is chosen to construct new state-of-the-art infantry fighting vehicles (IFVs) in a defence prize worth around $10 billion. […] Over the past few weeks, the German government has boosted its sales pitch with a pledge to buy more than 100 Australian-made Rheinmetall Boxer heavy weapon carriers, which company insiders concede is contingent on winning the much larger LAND400 deal.” (jw)
Gutachten II: Zivilklauseln
(26. Juli 2023)Das im letzten Aktuell erwähnte Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums namens „Bundeswehr besser ausrüsten – aber wie?“ lässt es sich leider nicht nehmen, wie derzeit üblich, auch eine Pfeil gegen die Zivilklauseln an den Universitäten abzufeuern: „Die restriktive Haltung gegenüber Forschung, deren Ergebnisse auch militärisch nutzbar sein könnten, sollte überdacht werden. Anträge auf staatlich finanzierte Forschungsförderung sollten nicht allein mit dem Argument abgelehnt werden, dass die Ergebnisse der Forschung auch militärisch genutzt werden könnten. Die Zivilklauseln in den Regelwerken vieler Universitäten und Forschungseinrichtungen sollten aufgehoben werden.“ (jw)
Gutachten I: Beschaffung
(26. Juli 2023)Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums hat das Gutachten „Bundeswehr besser ausrüsten – aber wie?“ veröffentlicht, in er sich mit dem Beschaffungswesen beschäftigt. Besonders wird darin die „Parlamentsschleife“ kritisiert, also das Rüstungsprojekte über 25 Mio. Euro von der Exekutive geplant, dann aber vom Haushaltsausschuss noch einmal separat abgesegnet werden müssen. Dies führe dazu, dass einzelne Abgeordnete Partikularinteressen geltend machen könnten: „Die Parlamentsschleife lädt zu Nachverhandlungen ein. Einzelne Mitglieder des Ausschusses können ihre Zustimmung von Bedingungen abhängig machen, die im Interesse ihres Wahlkreises liegen oder ihren politischen Präferenzen entsprechen. […] Der Parlamentsvorbehalt ist als zusätzliche Kontrolle gedacht, führt aber dazu, das Vergabeverfahren zu verteuern, intransparenter und lobbyanfälliger zu machen und zeitlich in die Länge zu ziehen.“ (jw)
Ukraine: Einschätzungen zur Offensive
(26. Juli 2023)Aktuell wird der Militärexperte Franz-Stefan Gady herumgereicht, der sich vor Ort einen Eindruck über den Verlauf der ukrainischen Offensive verschafft haben soll. Glaubt man seinen Ausführungen, so ist die erste Phase, die auf große Panzerverbände gesetzt hatte, um Durchbrüche zu erzielen, komplett gescheitert. Aus diesem Grund sei man auf „Infanterieangriffe, also Kompanien, Gruppen oder Züge, umgestiegen.“ Diese Taktik sei aber „langsam“ und gehe „wahrscheinlich unter erheblichen Verlusten“ vonstatten, so Gady.
Derweil berichtet der Merkur unter Berufung auf die Bild von einem Bundeswehr-Papier, in dem genau jene kleinteilige Kriegführung, die als Ergebnis des Scheiterns der ersten Phase der Odffensive eingeführt wurde, scharf kritisiert wird: „‘Die eigenen Truppenteile werden teilweise so kleinteilig aufgeteilt, dass zwar jeder Truppenteil etwas macht, aber eine gemeinsame Gefechtsführung nicht erkennbar ist‘, heißt es aus dem internen Schreiben der deutschen Streitkräfte, das der Bild vorliegen soll. Dadurch steige nicht nur ‚die Gefahr durch Friendly Fire, sondern die Manöverelemente fehlen dann im Schwerpunkt, um das eigene Momentum aufzubauen oder Feuerüberlegenheit herzustellen‘. […] Die Bundeswehr kritisiert demnach, dass die Ukraine ihre Soldaten in kleinen Gruppen von teils nur ein paar Dutzend Soldaten angreifen lässt.“
Inzwischen mehren sich außerdem Berichte über erhebliche Verluste unter den ukrainischen Truppen, in der Frankfurter Rundschau heißt es dazu: „Die Gegenoffensive im Ukraine-Krieg erfordert einen hohen Blutzoll. Nachdem Russland die Abwehrlinie stark vermint hat, kommen die ukrainischen Truppen nur mühsam voran. Trotz häufig überlegener West-Waffen sind die Verluste enorm hoch, wie ukrainische Soldatinnen und Soldaten vermehrt beklagen. […] Militärbeobachter zweifeln ebenfalls den Erfolg der Ukraine-Offensive an – und warnen vor einem langen und blutigen Stellungskrieg.“ (jw)
Rüstungsexporte: Beschleunigung
(26. Juli 2023)Unter der Ägide des grünen Wirtschaftsstaatssekretärs (und ehemaligen Attac-Mitgliedes) Sven Giegold wird aktuell an einem neuen Rüstungsexportgesetz gefeilt, mit dem Waffenausfuhren teils erheblich vereinfacht werden sollen (siehe IMI-Analyse 2022/57). Erweitert soll u.a. der Länderkreis werden, der EU- oder NATO-Mitgliedern gleichgestellt wird und in den Genuss besonders laxer Regeln kommen soll. Wie nun bekannt geworden ist, soll dazu ein beschleunigtes Verfahren zählen, worüber u.a. Spiegel Online berichtet: „Waffen sollen künftig schneller ins Ausland geliefert werden. So sieht es das Wirtschaftsministerium vor. Demnach will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei Rüstungsexporten Genehmigungsverfahren beschleunigen – gelten soll das für Lieferungen an ausgewählte EU- und Nato-Partner sowie enge Partnerländer. Das teilte das Wirtschaftsministerium mit.“ (jw)
Streubomben: taz-Apologie
(25. Juli 2023)Unter dem Titel „Dilemma mit Streuwirkung“ veröffentlichte die taz am 22. Juli einen Gastbeitrag einer Wissenschaftlerin der FU Berlin zur Lieferung von Streubomben durch die USA an die Ukraine. Der Entschluss der US-Regierung, diese zu liefern und das Verhalten der deutschen Regierung, dies nur zurückhaltend zu kritisieren, wird darin für richtig befunden:
„Die Lieferung wurde nur notwendig, weil die internationale Koalition, die die Ukraine bei der Verteidigung unterstützt, sie nicht ausreichend mit anderen Waffen versorgt hat.“
Dabei verwendet die Autorin auch eine exakt gleiche Formulierung, wie der Bundespräsident:
„Nachdem Berlin sich in den letzten Monaten für die Lieferung aller anderen Waffen samt ausreichender Munition ausführlichste Debatten gegönnt hat, wäre es wohlfeil, der Ukraine vom friedlichen Deutschland aus jetzt in den Arm zu fallen. Das ist freilich auch der Bundesregierung sehr wohl bewusst – und erklärt, warum der politische Protest, den Deutschland gemäß seiner Vertragsverpflichtungen einlegen musste, eher verhalten und selektiv ausfiel.“
Sehr viel positives kann der Beitrag diesen Entscheidungen abgewinnen:
„Erstens könnte das Verbot von Streumunition durch die Debatte womöglich am Ende sogar gestärkt, statt geschwächt werden… Zweitens ist für die Ukraine zu hoffen, dass sie nun, da die Entscheidung gefallen ist, ihre Streitkräfte und ihre Zivilbevölkerung möglichst gut vor diesen Waffen schützen kann und die Streumunition zugleich ihre Verteidigungsfähigkeit so weit erhöht, dass dieser Krieg schneller in ihrem Sinn enden kann, als er es ohne deren Einsatz tun würde.“
In den Kommentaren gibt es immerhin auch bei der taz noch Kritik an dieser Darstellung, z.B. von einer Person mit dem Pseudonym „Teets“:
„Ein Vorwand um geächtete Waffen ‚zähneknirschend‘ einzusetzen findet sich immer.“
Oder von „Diana Klingelstein“:
„Was wird geliefert, wenn die Streumunition alle ist? B+C Waffen? ‚Weil nichts anderes da ist?'“
Cartoon: Munition
(25. Juli 2023)20 Mrd. Euro will Verteidigungsminister Boris Pistorius in den kommenden Jahren allein für Munition ausgeben (siehe IMI-Aktuell 2023/471). Der aktuelle IMI-Cartoon greift dieses Vorhaben auf. (jw)
Unterwasser-Krieg: Vorbereitungen
(25. Juli 2023)Der Deutschlandfunk berichtet relativ ausführlich über die Gefahren für kritische Infrastrukturen unter Wasser, insbesondere in der Nordsee. Es wird auf Studien und Institute hingewiesen, die sich mit dem Thema beschäftigen und es werden auch einige Maßnahmen angedeutet, die ergriffen wurden oder in Planung sind:
„Großbritannien etwa hat ein Schiff mit unbemannten Tauchbooten in den Dienst gestellt, das den Meeresboden überwachen soll. Auch Frankreich hat seine Aktivitäten verstärkt. Und die Bundeswehr benennt in ihrer Strategie „Marine 2035“ den „Unterwasser-Seekrieg“ als eine reale Gefahr. Entsprechend will sich die Marine verstärkt mit moderner Sensorik und unbemannten Unterwasserfahrzeugen ausrüsten. Nach Ansicht von Claudia Lilienthal wird die Sicherung der kritischen Infrastruktur künftig aber gar nicht vor allem vom Militär übernommen werden. Deren private Betreiber werden vielmehr in die Pflicht genommen werden, glaubt sie.“
Leopard 2 A8: Litauen
(25. Juli 2023)Nach Tschechien und Italien (siehe IMI-Aktuell 2023/468) scheint sich nun auch Litauen für den Kauf von Leopard 2 A8-Panzern zu entscheiden, berichtet die Europäische Sicherheit & Technik: „Das wäre ein weiterer Schub für das Anlaufen der A8-Produktion bei KMW und den vielen Zulieferern. […] Bisher haben sich Tschechien mit einem Bedarf von 77 Kampfpanzern und Italien mit einem Bedarf von mindestens 125 Leopard 2A8 gemeldet. Vorher hatten Ungarn und Norwegen Beschaffungsverträge über 44 Leopard 2A7 HU bzw. 54 Leopard 2A8 NOR abgeschlossen. Damit ergibt sich derzeit ein potenzieller Auftragsbestand von mindestens 368 Leopard 2 in einer modernen Version aus sechs Ländern, von denen drei neue Leopard-Nutzer sind. Erste Auslieferungen – an Ungarn – werden noch in diesem Jahr erwartet.“ (jw)
Rüstungsforschung & Biometrie
(24. Juli 2023)Die Attacken auf die Zivilklauseln werden immer zielgerichteter gefahren – nun prescht der Vertreter des wichtigsten deutschen Rüstungslobbyverbandes vor, indem er fordert, Rüstungsforschung an den Universitäten mithilfe biometrischer Daten durchführen zu können. In den Stuttgarter Nachrichten (21.7.2023) ist darüber nachzulesen: „Die deutsche Rüstungsindustrie will ihre Spielräume in der Forschung deutlich erweitern. Hans Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, lobte im Gespräch mit unserer Zeitung zwar den ‚Innovationsgeist‘ der Unternehmen, bemängelte aber die politische Regulierung: ‚Auf EU-Ebene wird es Unternehmen derzeit schwergemacht, etwa KI-bezogene Entwicklungen mit biometrischen oder anderen persönlichkeitsrelevanten Daten zu betreiben, wie sie aber im Bereich der militärischen und sicherheitsausgerichteten Entwicklung notwendig sind‘.“ (jw)
Cartoon: 30 Mrd.
(24. Juli 2023)Bis zu 30 Mrd. Euro müssten künftig im Haushalt umgeschichtet werden, will die Bundesregierung das sog. 2%-Ziel auch nach dem Ende des Sondervermögens (vermutlich 2026) erreichen. Ganz offen wird deshalb derzeit Stimmung gemacht, dann müssten massive Kürzungen des Sozialhaushaltes es richten (siehe IMI-Standpunkt 2023/25). Um dieses Thema dreht sich auch der aktuelle IMI-Cartoon, den wir auf Wunsch auch in höherer Auflösung zuschicken. (jw)
20 Mrd. für Munition
(24. Juli 2023)Verteidigungsminister Pistorius will der Beschaffung von Munition „oberste Priorität“ geben – bis 2031 plant er dafür Ausgaben von „über 20 Milliarden Euro“, berichtet die Tagesschau online. „Bis 2031 müssen und wollen wir deutlich über 20 Milliarden Euro in Munition investieren“, so Pistorius. Es gehe auch um Artilleriemunition für die Panzerhaubitze 2000, die auch in der Ukraine zum Einsatz kommt. Es drängt sich die Frage auf, warum der geschätzte Bedarf von 20 Milliarden Euro nicht schon im 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr aufgenommen wurde.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall plant nach eigenen Angaben eine große Investitionsoffensive. „Wir werden unsere Jahresproduktion auf 600.000 Stück hochschrauben“, so der Rheinmetall-Chef Armin Pappberger. Damit würde allein sein Unternehmen 60 Prozent der eine Million Geschosse herstellen, die in der Ukraine benötigt würden. Die ersten Auslieferungen von Gefechts- und Übungsmunition im Wert von 127 Millionen Euro sollen schon bald beginnen. (ak)
Prüfungen: Stau
(24. Juli 2023)Eine Bundestags-Anfrage ergab einen erheblichen Stau, was Sicherheitsprüfungen des Bundeswehr-Personals anbelangt. Bei Spiegel Online heißt es dazu. „Sicherheitsüberprüfungen sollen Aufschluss geben, ob Mitarbeiter ein Risiko darstellen könnten – etwa mit Blick auf Extremismus oder Spionage. Doch bei der Bundeswehr sind laut einem Bericht fast 70.000 Verfahren nicht abgeschlossen.“ (jw)
Gegenoffensive: Sehenden Auges
(24. Juli 2023)Antiwar.com zitiert aus einem Artikel des Wall Street Journals, demzufolge es dem Westen bekannt gewesen sein soll, dass von großen Gebietsgewinnen der ukrainischen Gegenoffensive nicht auszugehen gewesen sei: „When Ukraine launched its big counteroffensive this spring, Western military officials knew Kyiv didn’t have all the training or weapons—from shells to warplanes—that it needed to dislodge Russian forces. But they hoped Ukrainian courage and resourcefulness would carry the day. They Haven’t.” (jw)
Dienstpflicht: Beschlossen?
(22. Juli 2023)Eine Idee, um die Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr zu überwinden, ist die Einfürung einer Dienstpflicht, wie sie zum Beispiel von Bundespräsident Steinmeier schon vor einiger Zeit gefordert wurde (siehe IMI-Analyse 2023/09). Laut rp-online scheint die SPD das Vorhaben nun umsetzen zu wollen – einschließlich einer Möglichen Dienstzeit bei der Bundeswehr: „Mindestens drei Monate und gerne bis zu einem Jahr, so lange soll nach dem Willen der SPD ein künftiger Pflichtdienst im sozialen Bereich dauern. […] Das Engagement könne dann in sozialen Einrichtungen, in der Pflege oder in Sportvereinen, der Flüchtlingsarbeit oder dem Umweltschutz sowie der Bundeswehr oder bei Blaulichtorganisationen geleistet werden.“ (jw)
Tschechien: Leopard 2 A8
(22. Juli 2023)Während Italien noch mit dem Gedanken spielt, Leopard 2 A8 anzuschaffen (siehe IMI-Aktuell 2023/460), hat sich die Tschechische Republik laut Handelsblatt bereits entschieden: „Tschechien plant die Beschaffung von 77 Leopard-Kampfpanzern in der modernen Ausführung 2A8 aus deutscher Produktion. Das kündigte die tschechische Verteidigungsministerin Jana Cernochova bei einem Besuch ihres deutschen Amtskollegen Boris Pistorius in Prag an.“ (jw)
Litauen-Brigade: Preisschild
(21. Juli 2023)Kürzlich erfolgte die Ankündigung, das Bundeswehr-Kontingent in Litauen auf eine Brigade (4.000 Soldat*innen) aufzustocken, die langfristig vor Ort stationiert werden soll – einschließlich Familien, Schulen, Kindergärten etc. (siehe IMI-Analyse 2023/29). Spiegel Online hat nun ein erstes vorläufiges Preisschild an das Vorhaben gehängt: „Der Zuschlag pro Kopf dürfte sich auf rund 2000 Euro monatlich belaufen – abhängig vom Grundgehalt. Hinzu kämen weitere Kosten, etwa für Mietzuschuss und Pauschalen für Ehepartner. Insgesamt sind pro Soldat und Monat Zusatzkosten in Höhe von rund 4000 Euro realistisch. Im Jahr kämen so Ausgaben von rund 190 Millionen Euro zusammen.“ (jw)
203k: Mehr oder weniger?
(21. Juli 2023)Ohne massive Rekrutierungsanstrengungen wird die Bundeswehr keinerlei Chance haben, ihre Zielgröße von aktuell ca. 182.000 Soldat*innen bis 2031 (früher war es mal 2025) auf 203.000 hochzuschrauben, was für erforderlich erachtet wird, um die der NATO zugesagten Großverbände auch personell bestücken zu können (siehe IMI-Analyse 2023/09). Dabei wird in Teilen inzwischen offen eingestanden, dass die Ziele wohl verfehlt werden dürften, zuletzt etwa seitens der Wehrbeauftragten Eva Högl, die gestern mit den Worten zitiert wurde: „“Es ist sehr fraglich, ob mit den bisherigen Maßnahmen und Ansätzen das ausgegebene Ziel, die Bundeswehr bis 2031 auf 203.000 Soldatinnen und Soldaten zu vergrößern, erreicht werden kann“. Gleichzeitig stellt sich nun der Chef des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg, hin und erklärt die ohnehin ambitionierte Zielgröße für zu niedrig: „“Ob da die 203.000 reichen, darf bezweifelt werden. Wir gehen von deutlich mehr aus.“ (jw)
ASAP: Durchgepeitscht
(21. Juli 2023)ASAP ist nicht nur die englische Abkürzung für „so schnell wie möglich“, sondern auch für ein neu aufgelegtes EU-Programm, mit dem die Ankurbelung der Munitionsproduktion mit 500 Mio. Euro gefördert werden soll (siehe IMI-Analyse 2023/21). Das Programm machte seinem Namen alle Ehre: Die Gesetzesvorlage wurde am 3. Mai von der Kommission vorgelegt und war dann Gegenstand einer Trilog-Vereinbarung zwischen Kommission, Rat und Parlament). Am 13. Juli wurde die Verordnung, die sich hier findet, vom EU-Parlament und gestern vom Rat abgesegnet: „Mit dieser Verordnung wird eine Reihe von Maßnahmen eingeführt und eine Mittelausstattung festgelegt, mit denen die Reaktionsfähigkeit der technologischen und industriellen Basis der europäischen Verteidigung (European defence technological and industrial base, EDTIB) rasch gestärkt werden soll, um die rechtzeitige Verfügbarkeit und Lieferung von Boden-Boden- und Artilleriemunition sowie Flugkörpern (im Folgenden „maßgebliche Verteidigungsgüter“) sicherzustellen“. (jw)
Ukraine: 5 Mrd. EU-Waffen jährlich?
(21. Juli 2023)Dem Fachportal Bruxelles2 zufolge, soll aktuell auf Grundlage eines vor wenigen Tagen vorgestellten Papiers des Europäischen Auswärtigen Dienstes diskutiert werden, ob es ab 2024 bis mindestens 2027 eine dauerhafte Finanzierung von Militärhilfe in Höhe von jährlich 5 Mrd. Euro von der EU für die Ukraine geben soll. „Am Mittwoch (18. Juli) fand ein erster Meinungsaustausch zwischen PSC-Botschaftern auf der Grundlage eines vom EAD vorgelegten zweiseitigen Papiers (zum Fonds) statt. Die Diskussion wird voraussichtlich Ende August und bis in den Herbst hinein in verschiedenen Formaten fortgesetzt.“ (jw)
Rüstungsprojekte: Export zentral
(21. Juli 2023)Kürzlich winkte der Haushaltsausschuss die Beschaffung des Luftverteidigungssystems Iris-T SLM durch, nachdem es zuvor bereits an die Ukraine geliefert und „live“ erprobt wurde. Aus Sicht der Europäischen Sicherheit & Technik untermauere das Beispiel, dass Rüstungsexporte nicht nur für größere Stückzahlen und damit niedrigere Preise zentral seien, sondern sogar dafür, dass wichtige Projekte überhaupt Zustandekommen: „Am Beispiel des Luftverteidigungssystems wird gleichzeitig deutlich, welche Bedeutung der Export für die deutsche Rüstungsindustrie hat: Nur weil ein ausländischer Kunde den Auftrag zur Entwicklung des Gesamtsystems erteilte, konnten die beteiligten Unternehmen Diehl, Hensoldt, Airbus Defence & Space, Rohde & Schwarz die einzelnen Komponenten zu einer Weltklasse-Lösung zusammenfügen. Das heißt mit anderen Worten: Ein Exportkunde sorgt nicht nur dafür, bestehende Produktionskapazitäten auszulasten und Skaleneffekte zu erzielen, wie das in der Vergangenheit oft der Fall war. Der Abnehmer im Ausland finanziert überhaupt erst die Entwicklung des gesamten Systems.“ (jw)
Caracal: Sondervermögen
(20. Juli 2023)Dem Merkur zufolge scheint das nächste große Rüstungsprojekt aus dem Sondervermögen der Bundeswehr kurz vor dem Abschluss zu stehen. Es geht um einen deutsch-niederländischen auftrag über insgesamt 3058 Militär-Fahrzeuge vom Typ ‚Caracal‘, Deutschland soll dabei 2054 und die Niederlande 1004 Fahrzeuge kaufen. Unter Bezug auf Rheinmetall-Angaben wird geschrieben: „Nach Unternehmensangaben geben die beiden Nato-Mitglieder dafür zusammen 1,9 Milliarden Euro aus. […] Der deutsche Anteil an der Summe kommt laut übereinstimmenden Medienberichten aus dem Sondervermögen […]. Auch der deutsche Autobauer Mercedes-Benz ist in den Deal involviert: Rheinmetall fertigt den militärischen Geländewagen auf Basis der Mercedes G-Klasse.“ (jw)
Gebirgsjäger nach Mali
(19. Juli 2023)„Steinmeier erwartet mehr Bundeswehreinsätze für Bündnispartner“, so der Titel eines in mehrfacher Hinsicht merkwürdigen Beitrags des Bayerischen Rundfunks über einen Truppenbesuch des Bundespräsidenten bei den Gebirgsjägern in Reichenhall.
„Die Gebirgsjäger sind regelmäßig in Auslandseinsätzen der Deutschen Bundeswehr stationiert. Besonders dafür bedankte sich Steinmeier bei der Truppe. ‚Ich bin Angehörigen dieser Einheit vielfach begegnet in Auslandseinsätzen, sei es in Afghanistan, im Irak, auf dem Balkan, in Afrika.'“
A Propos „in Afrika“: Beiläufig erfahren wir: „Ende des Jahres fliegen die Gebirgsjäger zu ihrem nächsten Einsatz: In Mali sollen sie den Abzug deutscher Truppen absichern und „so sicher wie möglich machen“, sagte Steinmeier in Bad Reichenhall.“
Ob die malische Regierung kurz vor Auslaufen des MINUSMA-Mandates die Stationierung zusätzlicher, noch dazu robuster deutscher Truppen genehmigen wird? Möglicherweise bahnt sich hier der nächste (vorprogrammierte) Eklat zwischen Deutschland und Mali an.
Italien: Leopard 2 A8
(19. Juli 2023)Nach der Tschechischen Republik (siehe IMI-Aktuell 2023/298) meldet laut der Europäischen Sicherheit & Technik auch Italien Interesse am neuesten Leopard-Panzer an: „Demnach beabsichtigt die Regierung, das Heer mit mehr als 250 modernen Kampfpanzern auszurüsten, um eine „radikale und signifikante“ Verbesserung seiner Landkampffähigkeiten zu erreichen. Dazu sollen mindestens 125 neugebaute Kampfpanzer Leopard 2 A8 aus Deutschland beschafft und eine ebenso große Zahl vorhandener Kampfpanzer Ariete auf den neuesten technischen Stand gebracht und werden. […] In früheren Veröffentlichungen wurden Beschaffungsumfänge zwischen 133 und 200 Stück genannt. Als Beschaffungszeitraum wird 2024 bis 2037 genannt und das Beschaffungsvolumen wurde auf vier Milliarden Euro geschätzt.“ (jw)
Artilleriemunition: Großauftrag
(19. Juli 2023)Rheinmetall informiert in einer Pressemitteilung, das Unternehmen habe einen Großauftrag für die Lieferung von Artilleriemunition an Deutschland und die Ukraine erhalten: „Die Bundeswehr hat Rheinmetall nun mit der Lieferung großer Stückzahlen an Gefechts- und Übungsmunition für die artilleristischen Kräfte im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro brutto beauftragt. […] Die neuerlichen Beauftragungen unterstreichen einmal mehr Rheinmetalls führende technologische Position in der Munitionsentwicklung und Fertigung in Europa. […] Für Rheinmetall gewährt die vertragliche Konstellation eine Grundauslastung der Munitionsproduktion für die nächsten Jahre.“ (jw)
Weltraum: Exzellenzzentrum
(19. Juli 2023)Die bis kürzlich 28 NATO-Exzellenzzentren sind so eine Art Speerspitze der militärischen Weiterentwicklung des Bündnisses (siehe IMI-Studie 2016/06). Angesichts der zunehmenden militärischen Bedeutung des Konfliktfelds Weltraum ist es nicht weiter verwunderlich, dass nun auch ein Exzellenzzentrum hinzukommt, das sich diesem Bereich widmet. Beim Allied Command Transformation, dem die Zentren unterstehen, ist nachzulesen: „The NATO Space Centre of Excellence in Toulouse, France, became the Alliance’s newest Centre of Excellence after receiving accreditation from the North Atlantic Council on July 14th, 2023. Consistent with NATO’s Approach to Space, the Centre will support NATO in accelerating work on Space-related matters, deepening and expanding its use of the Space Domain, and support the integration of Space in NATO, which is essential for the conduct of the Alliance’s activities, missions, and operations.” (jw)
Vergleich der Gewaltkulturen
(18. Juli 2023)Kurz nachdem Generalinspekteur Breuer mit der Devise „Gewinnen wollen. Weil wir gewinnen müssen.“ einen Kulturwandel in der Truppe anmahnte (siehe IMI-Aktuell 2023/456), greift auch das Reservistenmagazin „loyal“ diese Debatte auf. In einem Artikel eines Jacob Ross, Research Fellow mit dem Schwerpunkt deutsch-französische Beziehungen im Alfred von Oppenheim-Zentrum für Europäische Zukunftsfragen, wird ein „Kulturvergleich“ zwischen Deutschland und Frankreich in der Frage des Umgangs mit Gewalt versucht. Wer dabei aus Sicht des Autors besser wegkommt, ist relativ eindeutig: „Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Soldatenberufs und dem Platz in der Außen- und Sicherheitspolitik werden kaum gestellt. Französische Soldaten sind nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fast ununterbrochen in Kampfeinsätze geschickt worden. […] Regelmäßig finden Zeremonien im Invalidendom statt, die die Gefallenen und ihren Beitrag zur Sicherheit Frankreichs würdigen. Dieser Umgang mit Krieg und Tod mag aus deutscher Sicht befremdlich wirken. Französische Soldaten haben aber ein klares Bild ihres Auftrags, den sie im Zusammenspiel mit Politik und Gesellschaft erfüllen.“ (jw)
Generalinspekteur: Popcorn ist alle
(17. Juli 2023)Die neue Wehrhaftigkeit in diesem Land schlägt sich auch in einer Rede des Generalinspekteurs der Bundeswehr Carsten Breuer nieder, die er bei der Veranstaltung „Zeitenwende on tour“ in Berlin am 13. Juli gehalten hat. Mit diesem Format will die Münchner Siko ihre Vorstellungen einer stärkeren Militarisierung „hinaus in die Breite der Gesellschaft tragen“.
Der oberste Soldat der Bundeswehr fordert von der Truppe künftig alles gleichzeitig leisten zu können, weltweite Einsätze „ ob Sahel-Zone oder Indo-Pazifik“ und Landesverteidigung plus Verteidigung des NATO-Gebietes.
Dafür, so Breuer, ist der alte Grundsatz „kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“ nicht mehr genug. Künftig muss es heißen: „Gewinnen wollen. Weil wir gewinnen müssen.“
Er fordert daher auf allen Ebenen „eine neue Qualität von Führung. Agilität, Risikofreude und Verantwortungsübernahme“. Denn: „Nur so können wir gewinnen , nur so können wir einen Krieg gewinnen – und damit unserem verfassungsmäßigen Auftrag nachkommen. Platz auf den Zuschauerrängen gibt es nicht und Popcorn ist auch alle.“ (an)
FAZ: Sozialstaat kürzen
(17. Juli 2023)Es ist wirklich auffällig, wie zuerst die „Fachleute“ von der Europäischen Sicherheit & Technik die Debatte eröffnet haben, dass eine Umsetzung des sog. 2%-Ziels massive Sozialkürzungen erfordern würde siehe IMI-Standpunkt 2023/025) und nun die „normalen“ Leitmedien nachziehen. Da wäre zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung (siehe IMI-Aktuell 2023/453) oder auch die FAZ: „Das Problem wird auch bei den Verteidigungsausgaben auftauchen, allerdings längerfristig. Die dringend nötige Wiederaufrüstung der Bundeswehr finanziert Deutschland dank des Sondervermögens mit neuen Schulden. So muss die Ampel nicht an den üppigen Sozialstaat, dessen Ausbau die wahre ‚Friedensdividende‘ nach dem Kalten Krieg war. Aber früher oder später muss auch der reguläre Verteidigungshaushalt deutlich steigen, wenn Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel der NATO erfüllen will.“ (jw)
Russland: Getreidedeal läuft aus
(17. Juli 2023)Das im Juli 2022 erstmals unterzeichnete Abkommen, das ukrainische Getreideexporte über das Schwarze Meer regelte, wird heute Nacht um 24 Uhr (GMT) auslaufen. Das letzte Frachtschiff, das am Sonntag den ukrainischen Hafen in Odessa, durch den Getreidedeal abgesichert, über das Schwarze Meer in Richtung Istanbul verließ war das türkische Frachtschiff TQ Samsun, wie Euractiv berichtete. Von russischer Seite werde bisher keine Bereitschaft zur Verlängerung des Abkommens signalisiert, das im letzten Jahr den Export von „more than 32 million tonnes of Ukrainian grain“ ermöglichte, so Euractiv weiter. Vor allem China und die Turkei, sowie „countries facing critical food shortages such as Afghanistan, Sudan and Yemen“ profitieren derzeit von den Getreidelieferungen. Vor allem Staaten mit großen wirtschaftlichen Abhängigkeiten von ukrainischen und russischen Getreideimporten wie vor dem Deal Eritrea, Somalia, den Kongo oder Libyen könnte das Auslaufen des Getreidedeals erneut hart treffen (siehe IMI-Analyse 2023/11). (yd)
2%: Einspruch Mützenich
(17. Juli 2023)Mit Schwung wird gerade von interessierten Kreisen die Debatte lanciert, dass für ein Erreichen des sog. 2%-Ziels nach dem Ende des Sondervermögens der Bundeswehr (vermutlich 2026) drastische Kürzungen im Sozialhaushalt erforderlich sein werden (siehe IMI-Standpunkt 2023/025). Zur Erklärung beim jüngsten NATO-Gipfel in Vilnius, besagte 2% als künftige Untergrenze zu betrachten (siehe IMI-Standpunkt 2023/027), äußerte sich nun immerhin SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich kritisch. In der Süddeutsche Zeitung wird er mit den Worten zitiert: „Es gibt jetzt diese Verabredung der Staats- und Regierungschefs, aber über den Haushalt beschließt der Deutsche Bundestag.“ Die Süddeutsche interpretiert die Äußerung – vermutlich zu Recht – folgendermaßen: „Die Wortmeldung lässt erkennen, dass Teile der SPD keineswegs ihren Frieden mit dem Zwei-Prozent-Ziel gemacht haben. […] Tatsächlich bahnt sich hier einer der großen Verteilungskonflikte der kommenden Jahre an. Wer die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und die zwei Prozent wolle, ‚der muss am Ende sich auch bekennen, wie er das bewerkstelligen will‘, sagte Pistorius der ARD. Zu entscheiden sei dann, ob man die Schuldenbremse des Grundgesetzes aufgebe oder „andere Maßnahmen“ treffe. ‚Andere Maßnahmen‘ kann hier eigentlich nur die Chiffre sein für Einsparungen etwa im Sozialbereich – ein Vorschlag, mit dem die SPD eher nicht in den nächsten Wahlkampf ziehen dürfte.“ (jw)
Hochschulverband: Contra Zivilklauseln
(17. Juli 2023)Die jüngste Forderung von CDU-Chef Friedrich Merz nach Abschaffung der Zivilklauseln wird auch von Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes, unterstützt. In der Passauer Neue Presse wird er folgendermaßen zitiert: „Zivilklauseln, die jedwede militärisch nutzbare Forschungsaktivität unterbinden wollen, haben ohnehin lediglich Empfehlungscharakter. Der Deutsche Hochschulverband hält Zivilklauseln für rechtlich angreifbar und steht ihnen skeptisch gegenüber.“ (jw)
Paris: Geschäfte mit Modi
(15. Juli 2023)Bei einem Staatsbesuch des indischen Premierministers Narendra Modi in Paris wurde am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben, dass die indische Regierung „26 Kampfflugzeuge des Typs Rafale Marine und drei militärische U-Boote der Scorpene-Klasse von den französischen Unternehmen Dassault und Naval Group kaufen wird, wobei der Preis und andere Bedingungen noch ausgearbeitet werden“, wie Euractiv berichtete. Bei einem Treffen mit Emmanuel Macron betonte der hindunationalistische indische Premierminister, dass er Frankreich als „einen unserer wichtigsten globalen Partner“ sehe. „Ein Hauptziel Indiens war es, seine Rüstungsbeschaffungen zu diversifizieren, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, und Frankreich war dabei der wichtigste Partner“, so Garima Mohan, Senior Fellow im Indo-Pazifik-Programm des German Marshall Fund (GMFUS), gegenüber Euractiv. “India is central to the French Indo-Pacific strategy and on questions of security, particularly maritime security in the Indian Ocean, combatting climate change, and providing sustainable infrastructure – India is a key Indo-Pacific partner for France,” so Mohan weiter. (yd)
Schule & Hochschule
(14. Juli 2023)Die FAZ berichtet über Forderungen von CDU-Chef Friedrich Merz: „Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz fordert freien Zugang der Bundeswehr zu Schulen und Forschungskapazitäten an Hochschulen. „Die Bundeswehr muss wieder einen Platz in der Mitte der Gesellschaft einnehmen“, sagte der Fraktionschef der Union den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Dazu gehöre auch „ungehinderter Zugang“ zu den Schulen. Merz fügte hinzu: „Sogenannte Zivilklauseln, die militärische Forschung an den Hochschulen verbieten, sollten aufgehoben werden. Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Zivilklauseln verbieten etwa militärische Forschung oder die Einwerbung von entsprechenden Drittmitteln.“ (jw)
China-Strategie
(13. Juli 2023)Bereits die Nationale Sicherheitsstrategie sprach im Verhältnis zu China von „zunehmender systemischer Rivalität“ (siehe IMI-Standpunkt 2023/022). Heute wurde nun die darauf aufbauende China-Strategie der Bundesregierung veröffentlicht, die ähnliche Töne anschlägt: „Die systemische Rivalität zeigt sich darin, dass Deutschland und China in wichtigen Bereichen unterschiedliche Vorstellungen über die Prinzipien der internationalen Ordnung haben. Mit Sorge betrachtet die Bundesregierung Bestrebungen Chinas, die internationale Ordnung entlang der Interessen seines Einparteiensystems zu beeinflussen und dabei auch Grundfesten der regelbasierten Ordnung, wie bspw. die Stellung der Menschenrechte, zu relativieren.“ Der überaus problematische Ausdruck der „Regelbasierten Ordnung“ mutiert zunehmend zum Kampfbegriff in den sich immer weiter verschärfenden Großmachtkonflikten zwischen dem Westen und China (siehe IMI-Analyse 2023/19) (jw)
Chemiewaffen: Zerstört
(13. Juli 2023)Mal was Positives, nachzulesen bei der Europäischen Sicherheit & Technik: „Am 7. Juli ist im Blue Grass Army Depot in Richmond im Bundesstaat Kentucky die letzte Rakete mit dem chemischen Nervenkampfstoff Sarin im Militärarsenal der USA vernichtet worden. […]Noch am 7. Juli gab die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) bekannt, dass damit in den USA die letzte Chemiewaffe der weltweit deklarierten Lagervorräte aller Vertragsstaaten der Chemiewaffenkonvention (CWK) ‚irreversibel zerstört‘ wurde.“ (jw)
Litauen-Brigade: Pläne
(12. Juli 2023)Kürzlich kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius an, die deutsche Präsenz in Litauen von Bataillonsgröße auf Brigadestärke (~4.000 Soldat*innen) ausbauen zu wollen (siehe IMI-Analyse 2023/29). Nun ist in der Europäische Sicherheit und Technik zu lesen, dass konkrete Pläne noch in diesem Jahr abgeschlossen sein sollen: „Das Vorhaben, eine deutsche Brigade in Litauen dauerhaft zu stationieren, wird konkreter. In den kommenden Monaten sollen die Pläne zur Umsetzung ausgearbeitet werden und noch vor Ende des Jahres beschlossen werden.“ (jw)
Nächstes deutsches Waffenpaket
(11. Juli 2023)Laut Augengeradeaus hat Deutschland das nächste Waffenpaket für die Ukraine zugesagt: „Vorgesehen sind unter anderem Startgeräte für das Flugabwehrsystem Patriot, die aus Beständen der Bundeswehr kommen sollen. Außerdem sollen weitere 40 Marder-Schützenpanzer und ein Luna-Drohnensystem geliefert werden. […] Nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius hat das Paket einen Umfang von rund 700 Millionen Euro.“ (jw)
Schweden: NATO-Bahn frei
(11. Juli 2023)Scheinbar hat die Türkei ihren Widerstand gegen einen schwedischen NATO-Beitritt aufgegeben. Sie erhielt dafür einen „Sicherheitspakt“ zur „Terrorbekämpfung (also gegen die PKK) mit Schweden und die NATO wird einen Sonderbeauftragten für Terrorismusbekämpfung ernennen. Laut tagesschau.de ist die letzte Zustimmung damit nur noch Formsache: „Schweden fehlt dagegen nach wie vor die Zustimmung der Türkei und Ungarns, was in erster Linie an der türkischen Blockadehaltung gelegen hat. Ungarn hatte zuletzt erneut beteuert, sich der Aufnahme Schwedens nicht in den Weg stellen zu wollen, sollte die Türkei grünes Licht geben.“ (jw)
Ukraine: Kriegspartei?
(11. Juli 2023)Bereits im März 2022 erschien ein erstes Rechtsgutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das nahelegte, dass Deutschland mit seiner Unterstützung der Ukraine zu einer Kriegspartei zu werden drohte (siehe IMI-Analyse 2022/26). Im Auftrag der LINKEN-Abgeordneten Sevim Dagdelen wurde nun ein zweites ausführliches Gutachten angefertigt, das zunächst ausführlich auf die Problematik fehlender Kriterien eingeht, anhand derer sich klar beantworten ließe, ob Deutschland mit seinem Agieren zur Kriegspartei geworden ist.
Doch dann werden doch Kriterien aufgestellt, die genau dies nahelegen: „Zum einen muss die Unterstützungshandlung darauf ausgelegt sein, die gegnerische Konfliktpartei unmittelbar zu schädigen. Sie muss zur Schädigung der gegnerischen Konfliktpartei kausal und direkt beitragen (direct causation). Dazu muss die Unterstützung in zeitlicher und geographischer Nähe zum Schadensereignis stehen. Der Schaden muss dabei eine gewisse Intensitätsschwelle („threshold of harm“) überschreiten. Zum anderen müssen der Unterstützungsbeitrag und die Kampfhandlungen der unterstützten Konfliktpartei koordiniert werden. Durch die Koordinierung verbinden sich die Handlungen beider Partner zu einem gemeinsamen Vorgehen – einem Zusammenwirken im Sinne eines „pooling and sharing“. Die Koordinierung könnte beispielsweise durch eine Beteiligung des Unterstützerstaates an der taktischen bzw. operationellen Entscheidungsfindung erfolgen (etwa beim targeting oder durch integrierte Kommandostrukturen).“
Das abschließende Fazit fällt dann auch dementsprechend kritisch aus: „Das „Narrativ der Nichtkriegsführung“ gerät jedoch in dem Maße argumentativ unter Druck, wie sich westliche Hilfeleistungen am Maßstab von rechtlich ausdifferenzierten und weithin akzeptierten Kriterien der Konfliktteilnahme messen lassen müssen. Noch finden sich in der Völkerrechtslehre keine expliziten Rechtsauffassungen, welche die Unterstützung der NATO-Staaten zugunsten der Ukraine pauschal als eine Form der Konfliktbeteiligung bewerten. Doch lässt sich ein gewisses „Unbehagen“ an der juristischen und rhetorischen „Orchestrierung“ der westlichen Unterstützung kaum verhehlen. Das politische Schlagwort von der „Kampfjetallianz“111 geht jedenfalls schon rein semantisch über den logistischen Vorgang einer Lieferung von Flugzeugen hinaus.“ (jw)
NATO: Verteidigungspläne
(11. Juli 2023)Auf dem letztjährigen NATO-Gipfeltreffen wurde ein neues Streitkräftemodell beschlossen, demzufolge 100.000 Soldat*innen binnen 10 Tagen abmarschbereit sein sollen. Weitere 200.000 sollen in hoher Bereitschaft spätestens bis Tag 30 verlegbar sein und zusätzliche 500.000 bis zu Tag 180 (siehe IMI-Analyse 2022/34). Wo genau welche Einheiten dann hinverlegt werden sollen, regeln neue NATO-Verteidigungspläne, auf die die Mitgliedsländer kurz vor dem heute beginnenden Gipfeltreffen verständigt hatten. Bei n-tv heißt es dazu: „Die insgesamt mehr als 4000 Seiten starken Verteidigungspläne beschreiben detailliert, wie kritische Orte im Bündnisgebiet durch Abschreckung geschützt und im Ernstfall verteidigt werden sollten. Dafür wird auch definiert, welche militärischen Fähigkeiten notwendig sind. Neben Land-, Luft-, und Seestreitkräften sind auch Cyber- und Weltraumfähigkeiten eingeschlossen. […] Geografisch wurde das NATO-Gebiet für die Planungen in drei Regionen eingeteilt:
- Die erste erstreckt sich von den USA über den Atlantik bis nach Island, Großbritannien und Norwegen
- Die zweite umfasst Europa nördlich der Alpen mit Deutschland, Polen, Mittelosteuropa und einschließlich der baltischen Staaten.
- Die dritte zieht sich über den Mittelmeerraum und den Balkan bis hin in die Schwarzmeer-Regionen mit Ländern wie Rumänien und Bulgarien.“ (jw)
Lybien: Schüsse auf Seenotretter*innen
(10. Juli 2023)Die libysche Küstenwache feuerte am Freitag, den 7. Juli, nachweislich mehrfach auf zwei Boote der Nichtregierungsorganisation SOS Mediterranée, während diese in internationalen Gewässern elf Menschen in Seenot retteten. Die Schüsse wurden dabei von einem ehemaligen Boot der italienischen Finanzwache abgegeben, das die EU der libyschen Küstenwache wenige Wochen zuvor in einer Zeremonie geschenkt hatte, um „die Kapazitäten der zuständigen libyschen Behörden in den Bereichen Grenz- und Migrationsmanagement, einschließlich Grenzkontrolle und -überwachung, Bekämpfung von Menschenschmuggel und -handel sowie Suche und Rettung auf See und in der Wüste zu stärken“, wie Euractiv berichtete. In den Lagern, in die Migrant*innen von der lybischen Küstenwache zurückgebracht werden, werden Menschen nachweislich schwer misshandelt. „Die Zurschaustellung von Gewalt verstößt gegen alle Regeln der Seenotrettung und des humanitären Rechts. Wenn Menschen auf See andere Menschen retten, sollten sie wissen, dass es nicht nur eine Frage des gesunden Menschenverstandes, sondern auch der Gerechtigkeit ist, in einer Situation, in der bereits Gefahr besteht, Panik zu schüren und zusätzliche Gefahr heraufzubeschwören“, so ein Crew-Mitglied der SOS Mediterranée. Es sei erneut bewiesen worden dass es nicht darum gehe Menschen zu retten. Auf Twitter veröffentlichte die NGO Videos und sprach von einem „unacceptable event.“(yd)
NATO: 2%-Untergrenze
(10. Juli 2023)Zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Militär auszugeben ist nicht ohne drastische Kürzungen im Sozialhaushalt möglich, wie rüstungsnahe Kreise unumwunden zugebemn (und fordern) (siehe IMI-Standpunkt 2023/025). Ungeachtet dessen einigten sich die Mitgliedsstaaten der NATO laut Spiegel Online nun drauf, diesen wert als verbindliche Untergrenze beim anstehenden Gipfel in Vilnius (11./12. Juli) zu verabschieden: „Die Nato-Staaten haben sich angesichts der Bedrohungen durch Russland auf eine Verschärfung des gemeinsamen Ziels für die nationalen Verteidigungsausgaben verständigt. Die 31 Bündnismitglieder wollen künftig mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung ausgeben.“ (jw)
Militär statt Entwicklung
(10. Juli 2023)Um die Erhöhungen des Militärhaushaltes zu versüßen, koppelte die Ampel-Regierung dies an gleichzeitige Steigerungen der Entwicklungshilfe – dies wurde nun laut Zeit Online wieder einkassiert: „Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) rückt davon ab, die Ausgaben für Entwicklungshilfe im gleichen Maß zu steigern wie die für Verteidigung. Dieses Ziel war von der Ampel-Regierung im Koalitionsvertrag festgelegt worden. […]Die im Haushaltsentwurf der Bundesregierung festgelegte Kürzung des Entwicklungsetats für 2024 um 600 Millionen Euro nannte Schulze „sehr, sehr schmerzhaft“, diese sei angesichts der Haushaltslage aber notwendig.“ (jw)
Kraftstoffverbrauch
(10. Juli 2023)Im Handelsblatt findet sich eine Information, wieviel Kraftstoff die Bundeswehr im Kriegsfall schätzungsweise täglich verbrauchen würde: „‘An einem Standardkampftag benötigt eine Heeresbrigade der Nato 100 Tonnen Kraftstoff pro Tag‘, sagt [Rheinmetall-Managerin] Britzen. Andere Quellen prognostizierten sogar einen Bedarf von 60 bis 75 Liter pro Soldatin oder Soldat pro Tag. ‚Das wären hochgerechnet über 200.000 Tonnen für alle Streitkräfte der Nato in Europa pro Tag‘.“ (jw)
Schweden: Alles für den NATO-Beitritt
(8. Juli 2023)Vor dem Hintergrund der Anstrengungen Schwedens durch eine stärkere Kriminalisierung der kurdischen Bewegung die Türkei zur Zustimmung des schwedischen NATO-Beitritts zu bewegen wurde der erste Kurde aufgrund der neuen Antiterrorgesetze in Schweden zu viereinhalb Jahren Gefängnis und dem langfristigen Verlassen des Landes verurteilt. Dem Vierzigjährigen wird mit Verweis auf Informationen deutscher und französischer Geheimdienste neben Gewaltdelikten vorgeworfen, dass er versucht haben soll Geld für die PKK zu beschaffen, wie ANF berichtete. Der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte am Donnerstag in Brüssel an, dass es am kommenden Montag in Vilnius einen neuen und vielleicht letzten Vermittlungsversuch zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem schwedischen Regierungschef Ulf Kristersson geben werde. Bei den Beitrittsverhandlungen habe es zuletzt „gute Fortschritte“ gegeben, so Stoltenberg. (yd)
ASAP & EDIRPA
(8. Juli 2023)Gestern einigten sich die Verhandlungsführer von Parlament und Rat auf einen Kompromiss über die beiden Instrumente EDIRPA und ASAP, der schlussendlich im September vom Europäischen Parlament verabschiedet werden soll. Für EDIRPA, mit dem gemeinsame Waffenkäufe unterstützt werden sollen (siehe IMI-Standpunkt 2023/004), sollen 300 Mio. Euro zur Verfügung stehen; ASAP zur Beschleunigung der Munitionsproduktion (siehe IMI-Analyse 2023/21) wird wohl 500 Mio. erhalten. (jw)
Wissenschaft und Krieg: Umkämpft
(7. Juli 2023)Derzeit tobt an Universitäten und in deren Umfeld eine zunehmend heftige Debatte über Rolle und Aufgaben von Wissenschaft in Krieg und Rüstung. Aufhänger sind dabei oft Zivilklauseln, welche die Aufgaben der Universitäten auf zivile Zwecke und die Förderung des Friedenes festlegen sollen – und der Rüstung ein Dorn im Auge sind (s. IMI-Aktuell 2023/190).
In diese Agenda passen sich bspw. gleich zwei Seminare ein, welche die Konrad-Adenauer-Stiftung am 7.-9. Juli 2023 in Aachen und Dresden veranstaltet. Beim einen geht es speziell um die „MINT“-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) unter dem Titel „Wissen schafft Sicherheit – MINT im Konflikt“. Beim anderen will man sich ganz offensichtlich für kommende Auseinandersetzungen um Zivilklausel rüsten unter dem Titel: „Die Zivilklausel an deutschen Hochschulen – naiv in Zeiten militärischer Aggressionen?“ In der Ankündigung heißt es u.a.:
„Mit der russischen Invasion in der Ukraine scheint sich ein tiefgehender Wandel in der europäischen Sicherheitspolitik zu manifestieren, so dass die Zivilklausel mit zunehmender Aufrüstung in naher Zukunft Gegenstand kontroverser Debatten innerhalb der Hochschulpolitik werden könnte.“
Fast schon wie eine Antwort darauf wirkt eine Konferenz, die am 8. Juli mit anderen Vorzeichen an der Universität Mainz stattfinden wird. Unter dem Titel „Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden“ sieht man sich hier in der Tradition des Mainzer Appells, zu dem Malte Albrecht von der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative e. V. im Interview mit der jungen Welt erläutert:
„Aufrüstung führt letztlich zu kriegerischen Konfliktlösungen. 1983 unterzeichneten 12.000 Menschen, darunter überwiegend Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Studierende, den Mainzer Appell »Verantwortung für den Frieden«, um vor den Gefahren einer nuklearen Aufrüstungsspirale zu warnen. Die Erkenntnis damals: Mit dem Gleichgewicht des Schreckens ist Frieden nicht zu sichern. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit Russland ist genau das wieder zu befürchten. Wir stecken mitten in einem historisch beispiellosen nuklearen Aufrüstungsprozess, den sogar die institutionalisierte Friedenswissenschaft ideologisch unterstützt. Das wirft die Frage auf, wie Wissenschaft friedensfähig werden kann.“
Bewilligungsorgie
(7. Juli 2023)Kurz vor der Sommerpause gab der Bundestag noch einmal Gelder für eine Reihe von Rüstungsprojekten frei. Darunter der Schwere Transporthubschrauber (7,2 Mrd.) und auch Flottendienstboote (3,2 Mrd.). Sowohl der Transporthubschrauber (siehe IMI-Analyse 2023/024) als auch die Flottendienstboote (siehe IMI-Standpunkt 2023/024) sind jetzt schon deutlich teurer als geplant. Bewilligt wurde laut BMVg-Meldung auch die Beschaffung von „3.058 luftlandefähigen Fahrzeugen in verschiedenen Varianten einschließlich erforderlichem Zubehör.“ Zwar ist bei hartpunkt.de die Information zu finden, dass die diesbezüglichen Gelder aus dem Sondervermögen stammen sollen, eine Größenordnung taucht aber nirgends auf. (jw)
Rasmussen: Manichäisches Weltbild
(7. Juli 2023)Auch der ehemalige NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bemüht in der Internationalen Politik (via Bpb-Newsletter) das Bild vom Kampf der guten Demokratien gegen die bösen Autokratien: „Die Welt ist auf dem Weg in eine neue Phase des Wettstreits und der Konfrontation. Sie spaltet sich zusehends in zwei Lager. Ein demokratisches Lager, angeführt von den USA, und ein autokratisches unter der Führung Chinas. Wenn wir eine Zukunft in Freiheit wollen, müssen wir bereit sein, dafür zu kämpfen. Nirgends zeigt sich das zurzeit deutlicher als in der Ukraine und in Taiwan – was hier geschieht, wird die Geopolitik für Jahrzehnte prägen.“ (jw)
Mali: Waffenvernichtung
(6. Juli 2023)Der Deutschlandfunk meldet, die Bundesregierung habe im Grundsatz bestätigt, dass im Rahmen des Abzugs der Bundeswehr aus Mali dort vorsätzlich Waffen und Munition vernichtet würde, wenn diese „nicht sicher in der Luft transportiert werden könne oder ihr Verfallsdatum in Kürze erreicht sei“.
„Die Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ hatte zuvor berichtet, dass dutzende Panzerfäuste, mehr als eintausend Handgranaten und zehntausende 40-Millimeter-Geschosse vernichtet werden sollten, damit sie nach dem Abzug der Bundeswehr aus Mali nicht russischen Wagner-Söldnern oder islamistischen Terroristen in die Hände fielen.“
Außengrenze: rechtsfrei
(6. Juli 2023)Die Menschenrechtsgruppe Borderline-Europe hat systematisch Verfahren untersucht, die in Griechenland gegen Menschen geführt werden, denen die Beihilfe zur illegalen Einreise vorgeworfen wird. („Am 28. Februar 2023 befanden sich 2154 Personen in griechischen Gefängnissen, die des Schmuggels beschuldigt wurden (dies stellt die zweitgrößte Gruppe nach Straftat dar); fast 90 % von ihnen sind Drittstaatsangehörige (1897)“). Die alarmierenden Ergebnisse wurden in einer Studie zusammengetragen. Sie trägt den Titel „Ein rechtsfreier Raum. Die systematische Kriminalisierung von Geflüchteten für das Steuern eines Bootes oder Autos nach Griechenland“. In der Zusammenfassung, mit der die Studie angekündigt wird, heißt es u.a.:
„Im Durchschnitt dauern die Gerichtsverfahren 37 Minuten; in Verfahren mit Pflichtverteidiger*innen lediglich 17 Minuten; das kürzeste von uns dokumentierte Verfahren dauerte 6 Minuten; Die Verfahren führen zu einer durchschnittlichen Haftstrafe von 46 Jahren und einer Geldstrafe von 332.209 Euro; 52 % aller Verurteilten verbüßen eine Haftstrafe von 15 Jahren bis lebenslänglich;“
Sondervermögen 2024
(6. Juli 2023)Das Verteidigungsministerium hat nun die Summe bekanntgegeben, die 2024 dem Sondervermögen entnommen werden soll: „Ganz im Sinne der Zeitenwende können daneben aus dem im Sommer 2022 eingerichteten Sondervermögen Bundeswehr im Jahr 2024 rund 19,2 Mrd. Euro in Anspruch genommen werden. […] Mit dem Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt des Jahres 2024 und dem Finanzplan bis 2027 sowie dem Wirtschaftsplan 2024 des Sondervermögens Bundeswehr sollen ab dem kommenden Jahr 2% des Bruttoinlandsprodukts für NATO-Verteidigungsausgaben aufgewendet werden.“ (jw)
Athen: Räumung vor dem NATO-Gipfel
(5. Juli 2023)Nur wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Vilnius wurde heute Morgen das selbstverwaltete Geflüchtetenlager Lavrio, das ca. 60 Kilometer südlich von Athen gelegen ist und von 50 kurdischen Geflüchteten aus der Türkei, Syrien und dem Irak bewohnt wurde, von der griechischen Polizei geräumt, wie ANF berichtete. Da die Räumung des selbstverwalteten Geflüchtetencamps „kurz nach der Erklärung der neuen rechten Regierung Griechenlands, einen Neubeginn im Verhältnis zur Türkei zu starten“ erfolgte und das Camp „seit langer Zeit von der türkischen Regierung als ‚terroristisches Ausbildungslager‘ angefeindet“ wurde, wird die Räumung sowohl in kurdischen, als auch in griechische Medien als „Geste an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan“ im Vorfeld des NATO-Gipfels in Vilnius interpretiert. (yd)
Vorbote: Rüstung vs. Soziales
(5. Juli 2023)Wie an verschiedenen Stellen argumentiert wurde, reicht das Sondervermögen der Bundeswehr maximal bis ins Jahr 2026. Um danach das angepeilte 2%-Ziel der Militärausgaben zu erreichen, müsste spätestens 2027 der normale Verteidigungshaushalt drastisch erhöht werden – und weil dann wohl wieder die sog. Schuldenbremse gelten wird, könnte dies nur auf Kosten anderer Haushalte geschehen (siehe IMI-Analyse 2022/54). In interessierten Kreisen wird nun bereits für die anstehende Debatte „Aufrüstung durch Sozialabbau“ getrommelt, nun zum Beispiel in der Europäischen Sicherheit & Technik. Es bedürfe einer „grundlegenden gesellschaftlichen Debatte über die nationalen Prioritäten“, die am Ende auf eine einfach Wahl hinausliefe: „entweder die Kürzung sozialer Leistungen oder das Scheitern der Zeitenwende für die Bundeswehr.“ Weiter heißt es in dem Artikel: „30 Milliarden Euro mehr bräuchte es derzeit im Verteidigungshaushalt, damit dieser eigenständig das Zwei-Prozent-Ziel erfüllt. Der einzige Posten im Bundeshaushalt, der die Masse dieses zusätzlichen Bedarfes decken könnte, ist der des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Debatte wird sich also um die Streichung von Sozial-Ausgaben für Militär und Rüstung drehen. […] Der entscheidende Punkt und die damit verbundene Debatte wird allerdings erreicht werden, wenn das Sondervermögen verausgabt ist und man im Bundeshaushalt Prioritäten setzten muss. Voraussichtlich wird dieser Zeitpunkt auch mit der kommenden Bundestagswahl zusammenfallen. Rüstung oder Soziales. Dann wird sich zeigen, wie nachhaltig die viel zitierte Zeitenwende ist.“ (jw)
Ukraine-Krieg: Alternativlos?
(5. Juli 2023)Am 6. Juni veröffentlichte der kritische Ex-US-Militär Mathew Hoh einen später bei infosperber übersetzten Beitrag, in dem er bei aller Kritik an der NATO auch den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilte. Auf die ihm dahingehend entgegengebrachte Kritik, das russische Handeln sei alternativlos gewesen, äußerte sich Hoh nun in einem weiteren Beitrag mit dem Titel «Putin hatte keine andere Wahl» ist ein gefährliches Narrativ. Darin heißt es: „Wie für die USA in Afghanistan, im Irak, in Serbien, Syrien oder Libyen gab es auch für Russland in der Ukraine Alternativen. […] Anstatt im Februar 2022 die Ukraine militärisch anzugreifen, standen Russland viele wirtschaftliche und diplomatische Optionen zur Verfügung:
- Ein Energieembargo gegen Westeuropa;
- Die Schliessung der Grenzen und die Einschränkung des Handels mit der Ukraine;
- Eine Seeblockade der Ukraine (wäre allerdings auch als kriegerischer Akt anzusehen);
- Ein Versuch, die amerikanische Wirtschafts- und Währungshegemonie zu untergraben und alternative Handelsmechanismen durch Partnerschaften mit anderen Nationen zu schaffen. (Jetzt während des Kriegs sind solche Bemühungen im Gange.)
Am 15. März 2022 hatte David Swanson, Exekutivdirektor von World Beyond War, insgesamt dreissig nicht-kriegerische Möglichkeiten für Russland und dreissig für die Ukraine aufgezählt.“ (jw)
Rumänien: Bundeswehrtruppen?
(5. Juli 2023)In der Slowakei ist Deutschland mit mehreren hundert Bundeswehrsoldat*innen an der dortigen NATO-Kampftruppe beteiligt, erst kürzlich wurde zudem die Aufstockung der Präsenz in Litauen auf 4.000 Soldat*innen angekündigt (siehe IMI-Analyse 2023/29). Nun fordert laut Augengeradeaus auch der rumänische Präsident Marcel Ciolacu bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch Truppen der Bundeswehr: „Leider wird der Konflikt [mit Russland] langfristig sein. […] Aber ja, ich denke, dass deutsche Truppen ständig auf dem Gebiet Rumäniens stationiert werden müssen. Ich hoffe, dass wir zusammen mit dem Bundeskanzler so schnell wie möglich Entscheidungen in dieser Hinsicht treffen können.“ (jw)
Der ewige Stoltenberg
(4. Juli 2023)Durchgesickert war es schon länger, seit heute ist es offiziell, dass die Amtszeit des inzwischen fast neun Fahre an der Spitze der NATO stehenden Generalsekretärs Jens Stoltenberg noch einmal, diesmal bis 1. Oktober 2024 verlängert wird. (jw)
Offensive: Phase eins gescheitert
(4. Juli 2023)Bei n-tv gibt der Militärhistoriker und Oberst Markus Reisner einen Überblicküber die ukrainische Offensive, deren erste Phase seiner Einschätzung nach gescheitert ist: „Die erste Phase der ukrainischen Offensive ist aus meiner Sicht gescheitert. Man hat versucht, wie aus einem Lehrbuch der US-Armee massiert vorzustoßen. Im Prinzip ähnlich wie die Russen am Beginn des Krieges, also mit Panzerkolonnen, die schnell vorwärtsgefahren sind. Dann haben die Ukrainer gemerkt, dass die Russen zu gut vorbereitet waren, um so einen Durchbruch zu erzielen. Und es fehlte ihnen an den notwendigen Unterstützungsmitteln für einen derartigen massierten Angriff. Die Ukraine hat dann eine operative Pause eingelegt, sich konsolidiert und versucht nun, ihre Taktik und Gefechtstechnik zu ändern.“ (jw)
Ukraine: NATO-Mitgliedschaft?
(4. Juli 2023)Im Aufgalopp zum NATO-Gipfel in Vlinius (11./12.Juli) plädiert die Stiftung Wissenschaft und Politik in einer neuen Studie für eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine: „Sicherheitszusagen sollten politische, wirtschaftliche und militärische Pfeiler umfassen. Eine Nato-Mitgliedschaft wäre dabei zentral. Sie liegt im geostrategischen und normativen Interesse der Nato, auch wenn ihre Umsetzung risikovoll und schwierig ist. Die Alliierten sollten der Ukraine auf dem Gipfel im Juli praktische Schritte zum Beitritt aufzeigen, um den Übergang von Sicherheitszusagen zu -garantien zu definieren.“ (jw)
Haushalt 2024
(4. Juli 2023)Finanzminister Christian Lindner hat den Haushaltsentwurf für das Jahr 2024 vorgelegt, über den u.a. tagesschau.de berichtet: „Sparen sollen alle Ressorts – in unterschiedlicher Höhe und mit Ausnahme des Verteidigungsministeriums. Einige Ministerien sollen 2024 sogar mit weniger Geld auskommen, als bisher in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen war. […] Der Verteidigungsetat soll von rund 50,1 auf 51,8 Milliarden Euro zulegen“. (jw)
Israel: Luftangriffe und F-35-Jets
(3. Juli 2023)Das israelische Militär griff in der Nacht von Sonntag auf Montag mit Luftangriffen das Flüchtlingslager Jenin im nördlichen besetzten Westjordanland an und führte einen „groß angelegten Angriff durch, bei dem nach Angaben von Bewohnern und Behörden mindestens acht Palästinenser durch eine Rakete getötet wurden“, wie Aljazeera und CNN berichteten. Der palästinensische Krankenwagenfahrer Khaled al-Ahmad, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Montag im Bezug auf die Situation in Jenin von Zuständen wie in einem „echten Krieg“. Fast gleichzeitig berichtete AlJazeera, dass das israelische Verteidigungsministerium gestern den Kauf einer dritten Flotte von F-35-Tarnkappen-Kampfflugzeugen im Wert von 3 Mrd. USD genehmigte, die durch US-Militärhilfe finanziert werden. Durch den Kauf der zusätzlichen 25 Flugzeuge, die von Lockheed Martin hergestellt werden, steigt die Zahl der F-35-Jets in Israels Luftwaffe auf 75. „Dieses neue Abkommen wird die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen amerikanischen Unternehmen und der israelischen Verteidigungsindustrie bei der Produktion von Flugzeugteilen sicherstellen“, so das israelische Verteidigungsministerium. (yd)
NATO: Verteidigungspläne
(3. Juli 2023)Schon länger ist bekannt, dass die NATO auf ihrem Gipfel in Vilnius (11. und 12. Juli) neue Verteidigungspläne verabschieden will, darunter auch regionale Zuorndnungen. Was darunter zu verstehen ist, wird in der Welt etwas näher erläutert: „Auf dem Nato-Gipfel, der am 11. Juli in der litauischen Hauptstadt Vilnius beginnt, will die Allianz ihr gesamtes Gebiet […] in Regionen aufteilen, ihnen Verteidigungspläne für jeden Hügel, jeden Fluss und jede Brücke zuordnen – und diese Pläne vor allem mit Truppen hinterlegen, mit Divisionen, Brigaden und Bataillonen. So etwas hat es seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gegeben. […]Weil der Nato-Oberkommandierende in Europa viel weniger Truppen zur Verfügung hat als zu Zeiten des Kalten Krieges, setzt er auf flexible Verbände, die je nach Bedrohungslage schnell an jede Stelle des Bündnisgebiets verlegt werden können.“ (jw)
Funkgeräte: Deutch-französische Freundschaft?
(30. Juni 2023)Seit einiger Zeit verschlechtern sich die deutsch-französischen Beziehungen zunehmend. Was man sich hier gegenseitig zutraut, zeigt zum Beispiel die Episode um eine Thales-Klage gegen die Vergabe von Funkgeräten an Elbit Systems (Ulm) und Rohde & Schwarz (München). Diese Vergabe ist im Zusammenhang mit der deutschen Zusage zu sehen, der NATO bis 2025 eine voll ausgestattete Division zur Verfügung zu stellen, was auch beinhaltet sie digital auf den neuesten NATO-Stand zu bringen (siehe IMI-Analyse 2020/13). Diesem Zweck dient das Programm Digitalisierung landbasierter Operationen, dessen Finanzierung einen guten Teil der Gelder des Sondervermögens der Bundeswehr verschlingen soll. Ein wichtiger Teil davon besteht in der Anschaffung abhörsicherer und datentransferfähiger Funkgeräte, für die der Bundestag im Dezember einen milliardenschweren Auftrag bewilligte. Nun kommt es aber zu Problemen, die die deutsche, was unter anderem an einer Klage des Mitbewerbers Thales liegt, wie bereits vor einigen Tagen berichtet wurde (siehe IMI-Aktuell 2023/406).
Wirklich „interessant“ wird es nun, wenn in der Europäischen Sicherheit & Technik (ESUT) über die Motivation hinter der Klage spekuliert wird. Die Klage habe so gut wie keine Aussicht auf Erfolg und schädige das Unternehmen sogar, so die Einschätzung. Deshalb sei davon auszugehen, dass sie mit dem Mutterkonzern und, weil das Unternehmen unter „quasi unter Staatskontrolle“ befinde, mit der französischen Regierung abgestimmt sei. Der Grund: Frankreich sei derart erbost über diverse als unfreundlich empfundene Initiativen der deutschen Seite, vor allem über die ohne Absprache von Berlin lancierte European Sky Shield Initiative (ESSI), weshalb nun Gegenmaßnahmen wie die besagte Klage ergriffen würden: „Wie mehrere Insider übereinstimmend berichten, plant Frankreich überdies, wichtige Flugzeugbestellungen bei Airbus Defence and Space zu stornieren, was diese Division des Flugzeugherstellers, die unter deutscher Führung steht und den Großteil der Wertschöpfung in Deutschland aufweist, hart treffen würde. Für ein strategisches Kalkül bei der Klage vor dem OLG spricht überdies, dass sich Thales Deutschland damit Geschäftschancen verbauen dürfte.“ (jw)
Ukraine: ATACMS
(30. Juni 2023)Antiwar berichtet auf Basis von Informationen des Wall Street Journals, die USA würden die Lieferung des Army Tactical Missile Systems (ATACMS) an die Ukraine planen, das von bereits vorhandenen HIMARS-Systemen abgefeuert werden könne. Das ATACMS habe eine Reichweite von knapp unter 200 Meilen, bisherige HIMARS-Munition könne nur bis zu 50 Meilen weit Ziele zerstören. (jw)
Baerbock u. Südafrika
(29. Juni 2023)Eine beißende und lesenswerte Kritik veröffentlichte die Tageszeitung junge Welt zum Besuch der deutschen Außenministerin in Südafrika und verwies dabei auch auf Meinungsverscheideneheiten zwischen beiden Staaten während der Corona-Pandemie:
„Südafrika sei ‚Wortführer Afrikas bei den Vereinten Nationen, den G20 und der UN-Klimakonferenz‘ sowie ‚Schlüsselpartner‘ bei Themen wie ‚Klimakrise und Ernährungssicherheit‘, hatte Baerbock vor ihrer Abreise geschrieben und die Prognose gewagt: ‚Wenn das Land Nelson Mandelas und Desmond Tutus seine Stimme gegen Unrecht erhebt, hört die Welt hin. Deswegen will ich in Pretoria auch darüber sprechen, wie Südafrika sein Gewicht für ein Ende der russischen Aggression (…) in die Waagschale werfen kann‘. So kam die Außenministerin in einem Atemzug von ‚zuhören‘ zu ‚ich will sprechen‘. Obwohl gerade Deutschland überhaupt nicht hingehört hatte, als Südafrika etwa während der Coronapandemie mit anderen Ländern des globalen Südens die Freigabe der Impfstoffpatente forderte. Das wurde von Berlin blockiert. In Südafrika hat man das ebensowenig vergessen wie die Reiserestriktionen, die die Länder der EU nach der Entdeckung der Omikron-Variante durch südafrikanische Forscher Ende 2021 trotz Warnung der Weltgesundheitsorganisation gegen Südafrika verhängt hatten. In Pretoria rief Pandor in Erinnerung: ‚Wir hatten starke Meinungsverschiedenheiten während der Pandemie zu Fragen der Gerechtigkeit bei der Verteilung von Impfstoffen‘.“
Zugleich veröffentlichte die Zeitung noch einen Kommentar von Jörg Kronauer:
„Nein, weder Europa noch die USA nehmen den Verlust ihrer Dominanz kampflos hin; und während Baerbock, irgend etwas von einem Dialog ‚auf Augenhöhe‘ faselnd, in Pretoria wie gewohnt die Oberlehrerin in Sachen Menschenrechte gab, winken in den USA bereits manche mit wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegen Südafrika. Dessen Regierung wird aber wohl kaum klein beigeben. Denn letztlich geht es um nichts Geringeres als die Frage, ob der globale Süden die koloniale Weltordnung ein weiteres Stück durchbrechen kann.“
Rheinmetall: 45 Mrd.-Auftrag?
(29. Juni 2023)Rheinmetall steht der Welt zufolge möglicherweise kurz vor einem ganz großen Rüstungsdeal: „Das Bewerberfeld um das Nachfolgemodell für den US-Schützenpanzer ‚Bradley‘ ist von fünf auf nur noch zwei Kandidaten geschrumpft. Lediglich ein Konkurrent kann die 45 Milliarden Dollar schwere Zusage für Rheinmetall noch verhindern. Klappt der Deal, wird der Konzern zum globalen Riesen.“ (jw)
Schweiz: Keine Panzer
(29. Juni 2023)Versuche die neutrale Schweiz zu Panzerlieferungen an die Ukraine über den Umweg Deutschland zu bewegen, sind gescheitert, berichtet SRF: „96 Kampfpanzer des Typs Leopard 1 A5, die derzeit in Italien eingelagert sind, sollen nicht in Deutschland instandgesetzt und anschliessend in die Ukraine reexportiert werden dürfen. Der Bundesrat hat ein entsprechendes Gesuch der Ruag abgelehnt.“ (jw)
Litauen-Brigade: Gelebte Zeitenwende
(29. Juni 2023)Vor wenigen Tagen gab Verteidigungsminister Boris Pistorius an, es werde geplant eine Bundeswehr-Brigade mit 4.000 Soldat*innen dauerhaft in Litauen zu stationieren (siehe IMI-Analyse 2023/29). Im nun bei Augengeradeaus auffindbaren Tagesbefehl dazu, wird das Unterfangen auch in einen breiteren Kontext gerückt: „Das Ziel einer solchen dauerhaften Stationierung an der NATO-Ostflanke ist ambitioniert – und es ist ein Stück weit Neuland für Deutschland und die Bundeswehr. Vor allem aber ist es gelebte Zeitenwende und ein klares Signal, dass wir bereit sind, unsere gemeinsame Freiheit auch gemeinsam mit unseren Freunden und Verbündeten zu verteidigen“. (jw)
Sondervermögen: Verspätete Hubschrauber
(29. Juni 2023)Unter anderem 60 Schwere Transporthubschrauber vom Typ Chinook-47F sollen aus dem Sondervermögen bezahlt werden. Die werden nicht nur rund 2 Mrd. Euro teurer als geplant, auch die Auslieferung soll sich laut Süddeutscher Zeitung (via Bpb-Newsletter) verzögern: „Von 60 Hubschraubern, die Deutschland in den USA bestellen möchte, werden nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erst von September 2027 an und dann zunächst auch erst nur drei Maschinen an die Bundeswehr ausgeliefert. 2028 folgen weitere neun, dann erst steigen die Zahlen auf zwölf Hubschrauber in den jeweils folgenden Jahren bis 2031. In zehn Jahren soll der letzte Hubschrauber an die Bundeswehr übergeben werden.“ (jw)
Ukraine: Schulden statt Hilfe
(28. Juni 2023)Großspurig kündigte die Kommission am 20. Juni 2023 die Einrichtung einer Ukraine-Fazilität an: „Der heutige Vorschlag umfasst bis zu 50 Mrd. EUR für den Zeitraum 2024 bis 2027, um der Ukraine zu helfen, der Aggression zu widerstehen, und den Wiederaufbau eines modernen, wohlhabenden Landes zu ermöglichen.“ Die Unterstützung werde in Form von „Finanzhilfen und Darlehen“ gewährt, ohne dass aus der Meldung klar geworden wäre, in welchem Verhältnis beide Zueinander stehen. Da hilft nun das Fachportal Bruxelles2 aus (übersetzt mit deepl.com): „Die Zuteilung erfolgt in Form von Darlehen (33 Milliarden) und Zuschüssen (17 Milliarden).“ Es bleibt schleierhaft, wie die Ukraine solche Summen zurückzahlen soll, aber womöglich ist das auch nicht das Ziel der Übung. (jw)
„Risse“ und Propaganda
(28. Juni 2023)Unter dem Titel „Mit Propaganda Risse im System kitten“ veröffentlichte tagesschau.de einen Beitrag der ARD-Korrespondentin Christina Nagel über die aktuelle Berichterstattung staatstragender Medien über den Putsch in Russland:
„Was zählt, ist allein die Linie, die der Kreml vorgegeben hat. Und die nun gebetsmühlenartig wiederholt werden wird. Schicht für Schicht werden mit passenden Aussagen, Interviews und Reportagen die Risse, die im Machtapparat sichtbar wurden, übertüncht. So wie im Frühling Schäden an Geländern und Bänken einfach überpinselt werden. Je tiefer der Riss, desto mehr Farbe. Ein trügerischer Schein.“
Das allerdings ist ein bisschen witzig, weil die Analyse von den „Rissen“ im russischen Machtapparat auf den US-Präsidenten zurückgeht, daraufhin vom EU-Außenbeauftragten sowie der deutschen Außen- und dem Verteidigungsminister – und auch von vielen Medien übernommen wurde – regierungslinie eben.
Rüstungsexporte: Halbjahreswert
(28. Juni 2023)Aus einer Antwort auf eine Linken-Anfrage geht die Höhe der im ersten Halbjahr (bis 19. Juni) bewilligten Rüstungsexporte hervor, über die u.a. tagesschau.de berichtet: „Die Bundesregierung hat in diesem Jahr bisher Rüstungsexporte für mindestens 4,62 Milliarden Euro genehmigt. Das sind etwa zwölf Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.“ (jw)
MINUSMA: Ende Dezember
(28. Juni 2023)Reuters hat vorab den Entwurf einer UN-Resoution zu sehen bekommen, derzufolge die MINUSMA-Soldat*innen in Mali bis Ende des Jahres abgezogen werden sollen: „A decade-long United Nations peacekeeping mission in Mali is set to end on June 30, diplomats said on Tuesday, ahead of a Security Council vote on a draft resolution – seen by Reuters – that will give the 13,000-strong operation six months to withdraw.“ (jw)
Friedensfazilität: Nächste Erhöhung
(27. Juni 2023)Ursprünglich belief sich das Budget der im März 2021 ins Leben gerufenen „Europäischen Friedensfazilität“ (EFF) auf 5,7 Mrd. Euro für den Zeitraum 2021 bis 2027 (siehe IMI-Analyse 2022/21). Da über diesen Topf inzwischen ein Großteil der europäischen Waffenlieferungen an die Ukraine bezahlt werden, wurde sein Budget im Dezember 2022 zuerst auf rund 8 Mrd. Euro angehoben – außerdem wurde festgehalten, bei Bedarf könnten noch einmal 4 Mrd. Euro nachgeschossen werden. Diese Option wurde gestern gezogen, wie sich einer Pressemitteilung des Rates entnehmen lässt: „Mit der heutigen Anhebung beläuft sich die finanzielle Gesamtobergrenze nun auf mehr als 12 Mrd. € (zu jeweiligen Preisen).“ (jw)
Russland: Gefahr Djihadismus?
(27. Juni 2023)Raphael Parens hat auf warontherocks.com einen Beitrag veröffentlicht, der ganz offensichtlich tief in der westlichen „Werte-“ und Wahrnehmungsgemeinschaft verankert ist. Er stellt dabei fest, dass Russland bereits länger von djihadistischen Gruppen als einer der Hauptgegner ausgemacht worden sei und dass die Aktivitäten der Wagner-Gruppe auf dem afrikanischen Kontinent, welche auch aus Anti-Terror-Operationen gegen djihadistische Gruppen bestehen, diese Wahrnehmung verstärken könne.
„Although Wagner Group’s activities in Africa were initially hailed as a low-cost victory for Russia, the group’s activities may actually be fueling renewed jihadism in southern Russia and the borderlands. Wagner’s African operations are inflaming anti-Russian sentiment in the Sahel, which could come back to bite Russia, especially as the invasion of Ukraine has weakened Russian capacity elsewhere in its supposed sphere of influence, particularly the Caucasus and Central Asia. Should the proper spark set the tinder aflame, Russia could face its own wave of militant jihadism sweeping across its borders.“
Rheinmetall: Neue Ukraine-Aufträge
(27. Juni 2023)Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall kommt mit seinen Pressemitteilungen über neue Aufträge für die Ukraine kaum mehr hinterher. Am 23. Juni wurde gemeldet, die Bundesregierung habe 20 weitere Schützenpanzer Marder mit einem „Wert im unteren zweistelligen MioEUR-Bereich“ für die Ukraine bestellt. Wenige Tage später hieß es am 27. Juni in einer weiteren Pressemitteilung: „Die niederländische Regierung hat Rheinmetall mit der Lieferung von vierzehn Leopard 2A4 Kampfpanzern für die Ukraine beauftragt. […] Der jetzt erteilte Auftrag […] umfasst ein niedriges dreistelliges MioEUR-Volumen.“ (jw)
Schweden: Erdogans Wunschliste
(27. Juni 2023)Bei einem Telefonat von Recep Tayyip Erdogan mit dem NATO-Generalsekretär Stoltenberg am vergangenen Sonntag äußerte sich der türkische Präsident dahingehend, dass Schweden kurdische Proteste stoppen müsse, um von der Türkei grünes Licht für seinen NATO-Beitritt zu bekommen, wie Al-Jazeera berichtete. Die auf Druck der Türkei Anfang des Monats in Kraft getretenen verschärften Anti-Terror-Gesetze, die die kurdische Bewegung in Schweden stärker kriminalisieren, bezeichnete Erdogan in dem Telefonat als „bedeutungslose“ Maßnahme, solange es in Schweden noch Proteste von Unterstützer*innen der kurdischen Arbeiter*innenpartei gebe. Die eigene Haltung in den Verhandlungen zum schwedischen NATO-Beitritt beschrieb der türkische Präsident Stoltenberg gegenüber als konstruktiv. (yd)
DLBO: Gesperrt
(27. Juni 2023)Die Digitalisierung Landbasierter Operationen (DLBO) ist eines der Kernvorhaben der Bundeswehr (siehe IMI-Analyse 2020/13). Gleichzeitig stellt sie einen der größten Posten dar, der aus dem Sondervermögen bezahlt werden soll. Im Dezember 2022 gab der Haushaltsausschuss in einem ersten Schritt die Anschaffung von 20.000 Funkgeräten frei (siehe IMI-Aktuell 2022/583). Dies scheint nun angefochten zu erden, weshalb alle diesezüglichen Aktivitäten zum Erliegen gekommen sind, berichtet Augengeradeaus: „Zwar gab der Haushaltsausschuss des Bundestages im vergangenen Dezember einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von knapp 2,9 Milliarden Euro für die Beschaffung so genannter Führungsfunkgeräte frei. Dieser Vertrag, der an die deutsche Firma Rohde&Schwarz ging, wird allerdings vom französischen Konkurrenten Thales juristisch angefochten – inzwischen in der dritten Instanz. Damit verbunden und mit weitaus gewichtigeren Folgen hat der Bundestagsausschuss das ganze Haushaltskapitel für die DLBO-Beschaffung vorerst gesperrt. […] Rund 20 Vorhaben allein beim Heer sind betroffen, darunter auch etliche, die weit unterhalb der Schwelle von 25 Millionen Euro liegen, ab der eine gesondere [sic] Billigung des Haushaltsauschusses erforderlich ist. In der größten Teilstreitkraft werden bereits Stimmen laut, die warnen, dass bei weiter andauernder Sperre die der NATO zugesagte einsatzbereite Division 2025 nicht gestellt werden könne – jedenfalls nicht mit der geforderten sicheren Kommunikationstechnik.“ (jw)
SEK-Nazichat: Keine Konsequenzen
(26. Juni 2023)Wie das Westfalen-Blatt berichtet, sind alle Polizisten des Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei in Münster wieder im Dienst, nachdem sie im Juli 2022 suspendiert worden waren, weil sie Mitglieder in einer Chatgruppe waren, in der sie untereinander rechtsextreme Bilder austauschten. Von 16 beschuldigten Polizisten wurden damals acht suspendiert. 15 Verfahren seien bereits eingestellt worden, bei einem weiteren Polizisten werde derzeit abgewartet, ob er mit einer Einstellung gegen Geldzahlung einverstanden sei.
Das Westfalen-Blatt schreibt zum Inhalt des Chats:
„Im Chats der „3er-Gruppe“ (offenbar benannt nach dem dritten SEK des Polizeipräsidiums Münster) wurden alle Muslime als Terroristen dargestellt, Flüchtlinge als Sexualstraftäter und Sodomisten. Es gab frauenverachtende Chats und solche, die Bezug auf das Dritte Reich nahmen – wie ein historisches Foto Adolf Hitlers mit Offizieren an einem Kartentisch und dem Text: ‚Keine Sorge, Jungs! Frankreich ist machbar‘ – gepostet am 6. Juli 2016, einen Tag vor dem Halbfinale der Fußball-EM, das Deutschland 0:2 gegen Frankreich verlor.“ Zum Teil habe auch Kinderpornographie eine Rolle gespielt.
Es laufen zwar noch disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen neun Beamte. Da aber die Suspendierten wieder im Dienst sind, steht eine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis als disziplinarische Höchststrafe wohl nicht mehr im Raum. (ak)
Litauen: Deutsche Brigade
(26. Juni 2023)Beim NATO-Gipfel in Warschau wurde im Juli 2016 die Einrichtung permanenter NATO-Basen in den drei baltischen Staaten und in Polen beschlossen. Stationiert wurde zunächst jeweils ein Bataillon (~1.500 Soldat*innen), wobei Deutschland in Litauen die Führungsrolle übernahm. Beim NATO-Gipfel in Madrid wurden vier weitere NATO-Basen (Polen, Ungarn, Slowakei und Rumänien) sowie zumindest teils der Aufwuchs der Bataillone auf Brigadegröße (~5.000 Soldat*innen) beschlossen. Im deutschen Führungsbereich blieben zunächst weiter „nur“ 1.600 Soldat*innen stationiert, rund die Hälfte von ihnen aus der Bundeswehr. Außerdem sollte durch die Verlegung des Gefechtsstands einer deutschen Brigade mit etwa 20 Soldaten ins litauische Rukla bei Bedarf eine rasche Vergrößerung der Truppenzahl erlauben (siehe IMI-Analyse 2023/30). Nun hat allerdings Verteidigungsminister Boris Pistorius angekündigt, doch eine volle Brigade in Litauen stationieren zu wollen, schreibt u.a. Spiegel Online: „Die Bundeswehr will ihre Präsenz in Litauen festigen: Laut Verteidigungsminister Pistorius ist die Truppe bereit, eine Brigade mit 4000 Soldaten dauerhaft in dem Land zu stationieren. […] Unter Militärs heißt es, für eine dauerhafte Stationierung seien nicht nur der Bau von Unterkünften, sondern auch neue Übungsplätze notwendig. Der Truppenübungsplatz Pabrade, auf dem die Bundeswehr bisher übt, sei jedenfalls weitgehend ausgelastet, so die Insider.“ UPDATE: Bei Augengeradeaus wird darauf hingewisen, dass mit dieser Entscheidung die NATO-Russland-Akte mit ihrer Formulierung, keine substantiellen Kampftruppen dauerhaft in Osteuropa zu stationieren, endgültig Geschichte ist: „Die Aussage von Pistorius kam deshalb gleich mehrfach überraschend. Zum einen hatte die Bundesregierung die dauerhafte Stationierung der Brigade oder auch nur wesentlicher Teile bislang abgelehnt, unter anderem mit Verweis auf die fehlende Infrastruktur. Zum anderem gehörte Deutschland bislang zu den Nationen, die im Gegensatz zu osteuropäischen NATO-Staaten an der Vereinbarung in der NATO-Russland-Grundakte festhielten, keine substanziellen Kampftruppen dauerhaft auf dem Territoriuzm ehemaliger Mitglieder des Warschauer Vertrags zu stationieren.“ (jw)
Bundeswehr: Auftritte trotz Verbot
(26. Juni 2023)In einem Artikel, der sowohl im Merkur als auch bei der Frankfurter Rundschau erschien, wird berichtet, dass es trotz eines Werbeverbots zu zahlreichen Auftritten der Bundeswehr in Schulen in Baden-Württemberg gekommen sein soll – und das auch noch ohne, dass das Kultusministerium davon eine Ahnung gehabt hat: “Vor neun Jahren schränkte die damals rot-grüne Landesregierung die Auftrittsrechte der Bundeswehr ein. An den Schulen im Südwesten darf seitdem nicht aktiv für den Wehrdienst geworben werden. Die CDU will das ändern. Doch nach FR-Recherchen wird die nebulöse Regelung schon jetzt umgangen – sodass die Bundeswehr in Baden-Württemberg keineswegs unsichtbar ist. So fanden seit Januar 2022 mindestens 38 Vorträge von Karriereberatern statt […]. Hinzukommen mindestens 15 Vorträge an weiterbildenden beziehungsweise Berufsschulen […].Brisant ist allerdings, dass das baden-württembergische Kultusministerium nichts von diesen Terminen weiß.“ (jw)
Munition: Kurz- und mittelfristig
(26. Juni 2023)Spiegel Online zufolge sei dem Haushaltsausschuss des Bundestages ein Vertrag vorgelegt worden, demzufolge bis 2029 bis zu 333.000 Schuss 155-Millimeter-Haubitzenmunition bei Rheinmetall bestellt werden könnten. Auch die Ukraine soll bereits kurzfristig Munition erhalten: „Für die nächsten beiden Jahre ist laut den vertraulichen Papieren bereits ein erstes Paket von 20.000 Schuss für die Ukraine vereinbart, die Kosten von knapp 60 Millionen Euro werden von der Bundesregierung übernommen. Parallel dazu erhält auch die Bundeswehr eine Tranche von 20.000 Schuss, dieses Paket soll demnach schon 2023 ausgeliefert werden.“ (jw)
Air Defender: Fazit
(26. Juni 2023)Nach Abschluss der Großübung Air Defender zieht die Bundeswehr Bilanz: „‘Wir haben ein starkes Zeichen an uns selber gesetzt, dass wir in der Lage sind, dieses Bündnis zu verteidigen‘, sagte der Chef der Luftwaffe. […] Während der zehn Übungstage sind die Partnernationen 808 Missionen mit über 1.800 Flügen in den drei zu unterschiedlichen Zeiten aktivierten Lufträumen geflogen. Dabei kamen bei insgesamt 24 Composite Air Operations (COMAO) durchschnittlich je 52 Kampfflugzeuge zum Einsatz.“ Siehe dazu kritisch unsere Sonderseite zum Manöver. (jw)
USA: Kriegsgrund radioaktive Wolke
(25. Juni 2023)Bei einer Pressekonferenz am 22. Juni gaben der republikanische Senator Lindsey Graham und der Demokrat Richard Blumenthal bekannt, dass der US-Senat eine Resolution eingebracht habe, in der vorgeschlagen wird die Handlungen Russlands, Weißrusslands „oder eines Stellvertreters Russlands“ künftig als Angriff auf die NATO zu werten, wenn ihre Handlungen zu einer radioaktiven Verseuchung des Territoriums der NATO-Verbündeten führen sollten, wie EURACTIV berichtete. Somit könnte auch ein „nuklearer Unfall“ in einem zivilen Kernkraftwerk der Ukraine, wie im Kernkraftwerk Saporischschja, das zur Zeit von russischen Truppen kontrolliert wird, als Angriff auf die NATO und als Grund für die Anwendung von Artikel 5 der NATO und einen Krieg mit Russland betrachtet werden. „Die Bedrohung durch den Einsatz eines Atomsprengsatzes durch Russland ist real. Und die beste Art der Abschreckung ist, den Russen klar zu machen, was passiert, wenn sie das tun. Und unsere Botschaft an die Menschen im Umfeld Putins lautet. Wenn ihr das tut, wenn ihr seine Befehle befolgt – wenn er das jemals tut, könnt ihr mit einer massiven Reaktion der NATO rechnen. Und ihr werdet euch mit der NATO im Krieg befinden“, so Graham. Besonders heftig äußerte sich Blumenthal: „Diese Resolution […] soll eine Botschaft an Wladimir Putin und noch direkter an sein Militär senden: Sie werden vernichtet, sie werden ausgeweidet, wenn sie taktische Nuklearwaffen einsetzen oder wenn sie eine Nuklearanlage auf eine Weise zerstören, die die umliegenden NATO-Staaten bedroht. […] Sein (Putins) Militär riskiert die totale Auslöschung durch die NATO-Streitkräfte, wenn es so leichtsinnig und irrational ist, auf taktische Atomwaffen zurückzugreifen“. Nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der ICAN waren die Ausgaben der USA 2022 mit 43,7 Milliarden US-Dollar höher als die aller anderen nuklear bewaffneten Staaten zusammen. (yd)
Ukraine: Schwarz-Grünes NATO-Plädoyer
(23. Juni 2023)Da wächst zusammen, was zusammengehört: Anton Hofreiter (Grüne) und Roderich Kiesewetter (CDU) trommeln Hand in Hand in der FAZ für einen ukrainischen NATO-Beitritt: „Einen konkreten Beitrag zur europäischen Sicherheit hätte die Aufnahme der Ukraine in den folgenden vier Bereichen: ein strategischer Mehrwert für die NATO, eine glaubwürdige und langfristig friedenstiftende Sicherheitsgarantie für die Ukraine, eine glaubhafte Abschreckung in Europa und eine Stärkung der regelbasierten Ordnung. Nicht zuletzt wäre es ein deutliches Zeichen europäischer Freiheit.“ (jw)
Antikriegstag: DGB-Aufruf
(23. Juni 2023)Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat seinen Aufruf zum Antikriegstag 2023 veröffentlich – dieser ist erfreulich eindeutig. Die russische Regierung wird aufgefordert, den Krieg in der Ukraine „durch den Rückzug ihrer Truppen zu beenden und die territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen“. Außerdem bekennt sich der DGB zum Selbstverteidigungsrecht der Ukraine. Zugleich heißt es jedoch:
„Wir warnen aber eindringlich vor dem Irrglauben, immer mehr Waffen für die Ukraine würden zu einem schnelleren Ende des Krieges führen. Und wir warnen vor der einseitigen Fixierung der Debatte auf Waffenlieferungen und ein Denken in den Kategorien ‚Sieg‘ oder ‚Niederlage‘. Wir fordern die Bundesregierung auf, ihr Handeln stärker auf friedliche Ansätze zur Konfliktlösung zu fokussieren: Haben Sie den Mut, mehr Diplomatie zu wagen!“
Weiter heißt es:
„Jeder Euro, der zusätzlich für Aufrüstung ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle. Neue Waffensysteme dürfen nicht mit der Schließung von Krankenhäusern oder dem Verzicht auf Zukunftsinvestitionen bezahlt werden. Die jüngste Häufung weltweiter Extremwetterereignisse führt uns drastisch vor Augen, dass die Bekämpfung des Klimawandels keinen Aufschub duldet. Der dafür erforderliche Umbau unserer Wirtschaft und seine sozial gerechte Gestaltung werden nur gelingen, wenn dafür ausreichend öffentliche Mittel bereitstehen. Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, von einer – wie es die NATO fordert – weiteren Aufstockung des Rüstungsetats auf zwei Prozent des BIP oder sogar mehr abzusehen und sich mit ihren EU-Partner*innen und im Rahmen der internationalen Staatengemeinschaft für neue nukleare Rüstungskontrollabkommen und eine Eindämmung von Rüstungsexporten stark zu machen.“
Ukrainische Offensive: Stockend
(23. Juni 2023)Die Zeichen mehren sich, dass die „Erfolge“ der ukrainischen Gegenoffensive weit hinter den Erwartungen zurückbleiben (siehe auch IMI-Aktuell 2023/394). Bei CNN werden „Offizielle“ zitiert, die diese Einschätzung bestätigen: „The counteroffensive is ‘not meeting expectations on any front,‘ one of the officials said. […] Ukrainian forces are proving ‘vulnerable’ to minefields and Russian forces ’competent’ in their defense, one of the Western officials said.” (jw)
Kriegsdienstverweigerung: Petition
(23. Juni 2023)Bei change.org ist die online unterschreibbare Petition „Kriegsdienstverweigerung aktiv unterstützen, in Russland, Weißrussland und in der Ukraine!“ zu finden, die sich in ihrer Begründung vor allem auf Connection e.V. bezieht: „Wir fordern von den Politiker*innen der EU und der Bundesregierung die Öffnung der Grenzen und den Schutz und Asyl für Kriegsdienstverweiger*innen und Deserteur*innen aus Russland, Belarus und der Ukraine.“ (jw)
Frühjahrsoffensive: Selbstmordmission?
(22. Juni 2023)Telepolis hat einen Beitrag von zwei Mitgliedern der US-amerikanischen Friedensgruppe Codepink veröffentlicht, der eine ungewohnt klare Einschätzung zur „Frühjahrsoffensive“ der Ukraine enthält. Diese erscheine demnach bereits gescheitert und drohe zu einem „tägliche[n] Abschlachten und Zermalmen Hunderter tapferer junger Ukrainer“ zu werden.
Die Autor*innen berufen sich dabei auf US-amerikanische Einschätzungen – dort wird tatsächlich auch in den Leitmedien kontroverser über die Erfolgsaussichten diskutiert, als hierzulande – v.a. aber auf einen kurzen Beitrag bei asiatimes.com bereits vom 10. Juni. Wenn dieser vielleicht auch nicht alles hergibt, wofür er bei Telepolis als Quelle angegeben wird, so wird doch deutlich, dass es im britischen Militär große Skepsis gegenüber dem militärischen Vorgehen der Ukraine gibt, bei dem viele von ihm ausgebildete Kräfte fallen. So heißt es dort u.a.:
„‚A couple of Ukrainians tried to pull off a Guderian,‘ another military source said, referring to German General Heinz Guderian’s breakthrough at Sedan during the 1940 Battle of France. ‚But Guderian had 3,000 tanks, and these idiots have just gambled away the 30 they have.‘ ‚And without air superiority,‘ the source added, ‚it’s a suicide mission.'“
Bulgarien: Vielsagende Delegationsbesetzung
(22. Juni 2023)Nachdem die neue bulgarische Regierung unmittelbar nach ihrem Amtsantritt sehr deutlich machte, dass sie Waffenlieferungen in die Ukraine im Gegensatz zum Präsident Roumen Radev befürworte (siehe IMI-Aktuell 2023/354) wurde auf einer Kabinettssitzung am 21. Juni beschlossen, dass der neue bulgarische Premierminister Nikolai Denkov statt dem Waffenlieferungsgegner Roumen Radev, der Bulgarien bereits bei Gipfeltreffen in Wales, Madrid und Brüssel vertrat, die offizielle bulgarische Delegation zum Nato-Gipfel in Vilnius am 11. und 12. Juli leiten wird, wie The Sofia Globe berichtete. Die Entscheidung dass Denkov und nicht Radev die bulgarische Delegation beim Nato-Gipfel leiten wird, stehe im Widerspruch zu der seit mehr als einem Jahrzehnt geübten Praxis, dass das bulgarische Staatsoberhaupt an solchen Gipfeltreffen teilnimmt, so The Sofia Globe. Das Kabinett schlug bei der gleichen Sitzung auch den Vorschlag der inzwischen ausgeschiedenen geschäftsführenden Regierung aus, wonach für weitere Waffenlieferungen Bulgariens an die Ukraine eine Parlamentsabstimmung erforderlich sein sollte. Die Außenministerin Maria Gabriel kommentierte die Entscheidung bezüglich Radev wie folgt: „Ich denke, es sollte berücksichtigt werden, dass in dieser Situation, in der wir zum ersten Mal in zwei Jahren, nach fünf Wahlen, eine reguläre Regierung haben, die sich selbst als euro-atlantisch bezeichnet, es richtig ist, dieser Regierung die Gelegenheit zu geben, dies in den Foren eines so großen Formats zu erklären und die Führung zu übernehmen“. (yd)
Deutsches Drohnenopfer
(22. Juni 2023)Merkur.de berichtet, dass im Nordirak vermutlich ein deutscher Staatsangehöriger, geboren in Mainburg, bei einem türkischen Drohnenangriff getötet worden sein soll. Das Auswärtige Amt habe demnach den Bericht bislang nicht kommentieren wollen:
„Laut Anadolu griff die türkische Armee am 15. Juni im Nordirak eine Gruppe von mutmaßlichen Mitgliedern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK an, der auch der Deutsche angehört haben soll. Sie seien von Drohnen ’neutralisiert‘ worden, hieß es“.
Founders @unibw
(22. Juni 2023)Der Business Insider berichtet online von einem Besuch beim „Startup-Unterricht“ an der Universität der Bundeswehr in München. Diese wickelt viele Forschungsaufträge für Bundeswehr und BMVg ab. Der explizite Wunsch ist, dass sich Studierende (und andere Angehörige) der Bundeswehr selbstständig machen, und gerade im High-Tech-Bereich auf die Armee maßgeschneiderte Dienstleistungen anbieten. Der eher anekdotische Bericht bei Business Insider beginnt so:
„Wer an die Bundeswehr denkt, hat Flecktarn, Zucht und Ordnung im Kopf. In großen Teilen ist das selbst an der Universität der Bundeswehr der Fall: Die Studierenden laufen in Uniform durch die Hallen, alles ist durchstrukturiert – typisch Bundeswehr eben. Es gibt aber auch Orte, da ist das Gegenteil der Fall. Da darf man etwa auch dazwischenreden. Die Uniform gegen Jeans, T-Shirt und Sneakers eintauschen. Wie in den Räumen des Gründungszentrums der Bundeswehr-Uni in München. Das gibt es seit 2019 und trägt den hippen Namen ‚Founders @unibw‘.
EU: Wirtschaftliche Sicherheitsstrategie
(22. Juni 2023)Am 20. Juni veröffentlichten der EU-Außenbeuaftragte und die EU-Kommission mit einer Gemeinsamen Mitteilung eine „Europäische Strategie zur wirtschaftlichen Sicherheit“ vorgelegt. Die FAZ beschreibt wesentliche Elemente: „Mit ihrer neuen Sicherheitsstrategie will die Kommission die EU weniger erpressbar durch China machen und Pekings Zugang zu Schlüsseltechnologien einschränken. […] Sie fußt auf drei Säulen. Zum einen will man die eigenen Stärken fördern. Daneben soll die eigene Wirtschaft vor zu großen Abhängigkeiten von Dritten geschützt werden, aber auch vor Cyberangriffen oder dem Missbrauch von Schlüsseltechnologien aus der EU. Außerdem ist eine enge Kooperation mit einer möglichst großen Zahl von Partnern vorgesehen, ob auf G7-Ebene oder über Handelsabkommen.“ (jw)
TdBW: Kontext
(21. Juni 2023)Die Wochenzeitung „kontext“ hat den Tag der Bundeswehr in Bruchsal und die Proteste dagegen besucht und einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, der sich in Gänze zu lesen lohnt. Hier nur ein kurzer Auszug:
„‚Dieser Tag hat den stärksten Imagefaktor für die Bundeswehr‘, sagt Pressestabsoffizier Stephan-Thomas Klose. Bereits um halb zwei sind 10.000 Menschen auf den Bruchsaler Eichelberg gekommen, um zu den Klängen des Heeresmusikkorps Koblenz die Bundeswehrshow zu bestaunen. Von den wenig diversen Besucher:innen sind schätzungsweise zwei Drittel Familien mit Kindern unter zehn Jahren. Ein kleines blondes Mädchen im rosafarbenen Kleid mit gelben Blümchen bestaunt seinen Bruder, der sich aufgeregt einen mit Gras bedeckten Tarnhelm aufsetzt. Die Mutter steht mit dem Kinderwagen daneben und erkundigt sich, ob ihre Kinder auch die Tarnschminke mal ausprobieren dürften. Durften sie nicht.
Der ganze Spaß kostet laut Thomas Haschke 25 Millionen – und da seien die Gehälter noch gar nicht mitgerechnet. Haschke ist für die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) an diesem Tag in der Bruchsaler Innenstadt, wo verschiedene Friedensinitiativen für den Gegenprotest sorgen. Vier Mahnwachen, eine Abschlusskundgebung auf dem Bruchsaler Marktplatz und eine Protestaktion direkt auf dem Militärgelände: Acht Mitglieder des Offenen Treffens gegen Krieg und Militarisierung (OTKM) aus Stuttgart – etwa ein Dutzend wurde bereits beim Eingang rausgezogen – hätten kurzzeitig einen zur Schau gestellten Panzer besetzt und aus Konfettimaschinen Papierschnipsel verschossen, mit kämpferischen Parolen wie ‚Die Bundeswehr schützt nicht uns, sondern die Profite der Wirtschaft!‘, berichtet Maria Elena vom OTKM später auf der Kundgebung. Etwa 60 Aktivist:innen sind gekommen.“
KNDS: Marke
(21. Juni 2023)Im Jahr 2015 schloss sich der deutsche Panzerbauer KMW mit seinem französischen Kollegen Nexter zusammen. Für 2022 verkündete der Konzern unlängst ein sattes Umsatzwachstum um 19 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Bislang firmierten beide Unternehmen meist mit ihrem eigenen Namen, womit nun aber Schluss sein soll. Es gehe darum, lässt sich zumindest zwischen den Zeilen bei der Europäischen Sicherheit & Technik lesen, den Anspruch des Konzern als Platzhirsch unter den europäischen Landsystemherstellern (v.a. gegen Rheinmetall) zu untermauern: „Die Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Nexter sowie ihre Tochtergesellschaften werden ab sofort ausschließlich unter der Marke KNDS auftreten, so KNDS. […] Der Konzern will damit seinen Anspruch als treibende Kraft bei der notwendigen Konsolidierung der europäischen Industrie für militärische Landsysteme unterstreichen.“ (jw)
Pistorius: Wehrpflicht?
(21. Juni 2023)Im Interview mit t-online nannte Verteidigungsminister Boris Pistorius einige Gründe, die aus seiner Sicht gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sprechen: „Vielleicht wird die Wehrpflicht auch für Deutschland wieder eine Option sein. Im Moment ist sie das nicht. Derzeit ist die Wehrpflicht, die nur für Männer gilt, ausgesetzt. Würden wir sie wieder einführen wollen, müssten wir das Grundgesetz ändern, um die gesamte junge Generation zu erreichen. Und zur Wahrheit gehört: Die Bundeswehr hat gerade weder das Geld, noch das Personal, noch die Kasernen, um Wehrpflichtige ausbilden zu können.“ (jw)
Munitionskauf
(20. Juni 2023)In zeitlich vermutlich nicht zufälliger Nähe zu Berichten wie hier in der Welt, denen zufolge in den Munitionslagern der Bundeswehr „nach Sparrunden und Militärhilfen“ jetzt „riesige Lücken“ klaffen würden, ist bei Spiegel Online zu lesen, noch vor der Sommerpause solle ein großer Munitionskauf durch den Bundestag durchgewunken werden: „Nach SPIEGEL-Informationen plant das Ministerium, dem Haushaltsausschuss des Bundestags noch vor der parlamentarischen Sommerpause insgesamt neun Verträge vorzulegen, vor allem zum beschleunigten Ankauf von Artillerie- und Panzermunition. […] In einer ersten Vorlage geht es vor allem um eine Steigerung beim Einkauf von 155-Millimeter-Munition für die Haubitzen der Bundeswehr. So plant das Ministerium, einen bestehenden Rahmenvertrag mit der Firma Rheinmetall bis 2026 zu verlängern und für gut 118 Millionen Euro gut 16.000 zusätzliche Geschosse einzukaufen.“ (jw)
FCAS: Belgien will mitmachen
(20. Juni 2023)Am Montag kündigte Belgien Interesse daran an sich am Programm Future Combat Air System (FCAS) zum Bau der nächsten Generation europäischer Kampfflugzeuge, die 2040 in die Luft gehen und den französischen Rafale sowie die Eurofighter Deutschlands und Spaniens ersetzen sollen, zu beteiligen ,wie EURACTIV berichtete. „Wir ermöglichen es unseren Unternehmen, an der Spitze der Innovation zu bleiben und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Beschäftigung und die Stärkung der europäischen Verteidigung zu haben“, so die belgische Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder. Bis dato waren vor allem französische, deutsche und spanische Rüstungsunternehmen wie Dassault Aviation, Airbus, Safran, MTU Aero Engines und Indra an Europas bisher größtem Rüstungsprojekt beteiligt. (yd)
Air Show in Paris: neue Verträge?
(20. Juni 2023)Bei der Pariser Luftfahrtmesse am 19. Juni äußerte sich der stellvertretender Minister für strategische Industrien in der Ukraine, Sergiy Boyev, dahingehend, dass die Ukraine mit Waffenherstellern aus Deutschland, Italien, Frankreich und Osteuropa über die verstärkte Produktion von Waffen in der Ukraine selbst verhandle. „Wir befinden uns in sehr detaillierten Gesprächen mit ihnen. Und wir sind sicher, dass wir die Verträge in den nächsten Monaten unterzeichnen werden“, so Boyev gegenüber Reuters. Im Mai hatte bereits der ukrainische Präsident erklärt, dass das Land mit dem britischen Verteidigungsunternehmen BAE Systems zusammenarbeite, um einen ukrainischen Stützpunkt für die Herstellung und Reparatur von Waffen, von Panzern bis hin zu Artillerie, einzurichten, wie EURACTIV berichtete. (yd)
Myanmar: Stellvertreterkrieg?
(20. Juni 2023)Die Foreign Affairs (via Bpb-Newsletter) warnt davor, in Myanmar könnte sich ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und China entwickeln: “For much of the last two years, the Burmese crisis received minimal attention from the United States and China, despite unfolding at a time of intensifying great-power tensions. […] But this great-power restraint is now breaking down. Misperceiving several developments as indications that the antiregime forces are American proxies, Beijing is moving with increasing determination to shore up the junta. The result is what one might call Cold War-ization: the civil war is attracting outside meddling by great-power rivals, each fearing that inaction would benefit the other side.“ (jw)
MINUSMA: Rausschmiss
(19. Juni 2023)Am 16. Juni stand die aktuelle Lage in Mali auf der Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates. Hintergrund war u.a. das aktuelle Mandat der UN-Mission MINUSMA, das am 30. Juni ausläuft und deshalb erneuert werden müsse. Danach sieht es nun nicht mehr aus, denn der Außenminister Malis, Abduolaye Diop, erklärte auf der Sitzung, die MINUSMA sei mittlerweile Teil des Problems geworden und forderte die Mission zum Abzug ohne weitere Verzögerung auf. Russland meinte zugleich, die Meinung des Stationierungslandes sei entscheidend bei den Diskussionen über jede Änderung oder Verlängerung des Mandates. Es besteht also die Möglichkeit, dass das Mandat der MINUSMA Ende des Monats endet und dann ein sehr schneller Abzug auf dem Programm steht.
Die normalerweise um Neutralität bemühte Berichterstattung der UN selbst über die Debatte im Sicherheitsrat lässt durchblicken, dass der malisch-russische Standpunkt dort nicht sehr viele Anhänger*innen hat. Der Blog augengeradeaus.net hat mittlerweile die offiziellen Dokumente veröffentlicht, mit denen die Malische Regierung die MINUSMA zum Abzug auffordert. Die Diskussion zu diesem Eintrag dreht sich v.a. darum, ob Deutschland nun auch deutlich schneller abziehen muss, als vorgesehen. Der Bundestag hatte erst im Mai das Mandat der Bundeswehr in Mali noch (letztmalig) um ein Jahr verlängert, um einen „geordneten Rückzug“ zu ermöglichen.
Militärpraktikum?
(19. Juni 2023)Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach sich für eine Art Probepraktikum bei der Bundeswehr aus. Bei Spiegel Online wird er mit den Worten zitiert: „Junge Frauen und Männer könnten für eine gewisse Zeit am Truppenalltag teilnehmen, quasi wie bei einem Praktikum, dabei die Abläufe und verschiedene Bereiche kennenlernen“, gab Pistorius an. „So könnten wir das Interesse junger Menschen an einer Verpflichtung wecken.“ (jw)
Medien: Überwachung
(19. Juni 2023)Investigate Europe berichtet über EU-Pläne, künftig Journalist*innen legal ausspionieren zu können- treibende Kräfte seien unter anderem Frankreich, Deutschland und die niederlande: „EU governments want to allow state surveillance of journalists and their interlocutors, including the use of spyware, if security authorities deem it necessary. This is according to documents from the ongoing EU negotiations on the European Media Freedom Act (EMFA), seen by Investigate Europe, netzpolitik.org and Follow the Money.“ (jw)
Rüstungsindustrie: Ärger über Gästeliste
(18. Juni 2023)Die selektive Einladung der Gäste zu einem Treffen zwischen der Rüstungsindustrie und der NATO am 15. Juni führte vor allem in Spanien zu wütenden Reaktionen, wie EURACTIV und El Pais berichteten. Das Treffen der NATO-Verteidigungsminister*innen mit „führenden Vertretern von 25 großen westlichen Rüstungsunternehmen“ wurde veranstaltet, um die Rüstungsbetriebe anzuhalten ihre Produktion „kriegsentscheidender Munition“ aufgrund des Ukraine-Kriegs hochzufahren. Es seien vor allem Betriebe eingeladen worden, die sich auf die Herstellung von Munition, Raketen, Luftabwehrsystemen und Drohnen wie Caesar-Kanonen, Javelins, Patriot- und HIMARS-Raketenabwehrsysteme oder Munition aus der Sowjetzeit konzentrieren, so EURACTIV. Die Unternehmen Airbus Defence, Dassault, Safran, die amerikanische Boeing, die französische MBDA, Diehl, Hensoldt oder der spanische Munitionshersteller Expal seien dagegen nicht eingeladen worden. Mehrere Industrievertreter erklärten infolge dessen gegenüber EURACTIV anonym, dass die Gästeliste „nicht fair“ gewesen sei. Der spanische Verteidigungsminister, Margarita Robles, blieb dem Treffen nach Angaben der spanischen Tageszeitung El Paìs aus Protest fern und äußerte sich dahingehend, dass er dem Aktionsplan für die Verteidigungsproduktion nicht zustimmen werde, solange die Einbeziehung spanischer Unternehmen „nicht in Betracht gezogen wird.“ (yd)
Nord Stream: Ermittlungserfolge?
(16. Juni 2023)Nach einem Bericht von Reuters habe der schwedische Chef-Ermittler zu den Nord-Stream-Anschlägen angekündigt, bis zum Herbst die Ermittlungen abzuschließen und Anklage zu erheben. Zugleich habe er von einer Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesanwaltschaft gesprochen, ohne Details zu nennen.
Letztere geht davon aus, dass die Anschläge von einer sechsköpfigen, pro-ukrainischen Gruppe mit einer gemieteten Segeljacht verübt wurden. Der schwedische Ermittler hingegen hatte zuletzt damit für Aufsehen gesorgt, dass er weiterhin staatliche oder staatlich unterstützte Akteure am Werk sah. Zugleich verdichten sich die Hinweise, dass auch deutsche staatliche Stellen im Vorfeld des Anschlags vor entsprechenden ukrainischen Anschlagspläne gewarnt wurden.
Friedensappell von Soldaten
(16. Juni 2023)Ziemlich wohlwollend berichtet die Tageszeitung junge Welt über einen Appell spanischer Reservisten und pensionierter Soldaten gegen Waffenlieferungen und für sofortige Friedensverhandlungen:
„Sie verurteilen die »Invasion der Russischen Föderation in der Ukraine« genauso wie die »aggressive Rolle der NATO, des bewaffneten Arms der USA«, und fordern die Regierungen der EU-Länder auf, »ihre Kriegstreiberei sofort zu beenden und sich effektiv für Friedensverhandlungen einzusetzen, anstatt den Krieg mit immer mehr Waffenlieferungen anzuheizen«. Eine weitere Eskalation führe zu einer »unkontrollierbaren Situation, in der das Leben auf dem Planeten riskiert wird«. Die NATO »mit ihren permanenten und ungebremsten Einschüchterungen und Provokationen führt ganz Europa in die eigene Vernichtung«, warnen die Unterzeichner.“
USA: Ärger mit Ungarn
(15. Juni 2023)Der republikanische US-Senator Jim Risch, dem als Mitglied im Ausschuss für auswärtige Beziehungen nach US-amerikanischem Recht die Kompetenz zugesprochen wird größere Waffengeschäfte zu überprüfen, erklärte am Mittwoch, dass er einen Waffenverkauf im Wert von 735 Millionen Dollar an Ungarn nicht genehmigen werde, weil die ungarische Regierung noch immer den schwedischen NATO-Beitritt blockiere. „In Anbetracht der Versprechungen, die mir und anderen im letzten Jahr gemacht wurden, dass diese Abstimmung stattfinden würde, und der Tatsache, dass sie jetzt im Juni stattfindet und immer noch nicht abgeschlossen ist, habe ich beschlossen, dass der Verkauf von neuen US-Militärgütern an Ungarn auf Eis gelegt wird“, so der Senator, wie EURACTIV berichtete. Die ungarische Blockade-Haltung gegenüber dem schwedischen NATO-Beitritt hängt mit Äußerungen schwedischer Regierungsmitglieder zusammen, die gesagt haben sollen, dass es sich bei Ungarn nicht um eine Demokratie handle, so EURACTIV. Der ungarische Verteidigungsminister reagierte auf die Erklärung Rischs mit der Aussage, dass Ungarn sowieso kein Interesse mehr an den amerikanischen HIMARS-Systemen habe. (yd)
Mali: Verfassungsreferendum
(15. Juni 2023)Nachdem Deutschland durch die Entsendung mehrerer Bundeswehr-Kontingente über eine Dekade vermeintlich „Verantwortung“ in Mali übernommen hat, scheint das für Sonntag angesetzte Referendum über den von der Militärjunta vorgelegten Verfassungsentwurf in der hiesigen Politik- und Medienlandschaft so gut wie keine Rolle zu spielen. Entsprechend hier eine englischsprachige Meldung von AFP, welche u.a. von modernghana.com veröffentlicht wurde:
„It is a checkpoint on the road to a return of civilian rule in March 2024, under commitments made by the military itself. But less than nine months before the deadline, Mali has no clarity on the future role of the military, including junta leader Colonel Assimi Goita. Malians will vote on the draft constitution from 0800 GMT on Sunday, with green ballots for the „yes“ vote and red for „no“. The results are expected within 72 hours.“
Etwas mehr internationale Aufmerksamkeit erhielt demgegenüber ein erneutes Telefonat zwischen dem Führer der malischen Junta und dem russischen Präsidenten Putin am Mittwoch vor dem Referendum:
ObjectWar: 50T Unterschriften
(15. Juni 2023)Die #ObjectWarCampaign für den Schutz von Kriegsdienstverweigern aus Russland, Belarus und der Ukraine hat der Europäischen Kommission „fast 50.000 Unterschriften … übergeben“. In der entsprechenden Pressemitteilung heist es weiter:
„Am diesjährigen Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung haben 30 Organisationen aus Europa zum Schutz für alle Kriegsdienstverweigerer aus Russland, Belarus und der Ukraine aufgerufen. Gemeinsam mit den Organisatoren der #ObjectWarCampaign ist Connection e.V. am 15. Mai 2023 nach Berlin gereist, um an einer zentralen Aktion vor der Vertretung der Europäischen Kommission am Brandenburger Tor teilzunehmen. Die Aktion wurde mit Veranstaltungen in anderen Städten abgestimmt.“
Connection e.V. veröffentlichte aus diesem Anlass auch ein Interview mit Rudi Friedrich.
NATO: Deutsche Beiträge
(15. Juni 2023)In diesem Jahr steigen die deutschen Kosten für den NATO-Haushalt deutlich an, berichtet Spiegel Online: „In diesem Jahr wird Deutschland deutlich mehr Geld zur Finanzierung der Nato als im Vorjahr ausgeben. Die deutschen Zahlungen sollen sich 2023 auf bis zu 537 Millionen Euro belaufen. Im vergangenen Jahr gab die Bundesrepublik 446 Millionen aus. Das entspricht einem Plus von mehr als 20 Prozent.“ (jw)
Weißrussland: Atomwaffenverlegung
(14. Juni 2023)In einem Interview mit dem staatlichen russischen Fernsehsender Rossija-1 erklärte der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko, dass sein Land mit der Verlegung russischer taktischer Atomwaffen begonnen habe, von denen einige dreimal so stark seien wie die Atombomben, die die USA 1945 auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen haben. Zur Lagerung der Raketen und Bomben, die Weißrussland von Russland erhalten habe verfüge das Land noch über zahlreiche nukleare Lagereinrichtungen aus der Sowjetzeit, von denen fünf oder sechs wieder in Betrieb genommen worden seien, so Lukaschenko. Die Stationierung der Sprengköpfe in Weißrussland stellt die erste Stationierung von „weniger leistungsfähige Atomwaffen mit kürzerer Reichweite, die potenziell auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden könnten – außerhalb Russlands seit dem Zerfall der Sowjetunion“ dar, wie EURACTIV berichtete. (yd)
Sicherheitsstrategie: Zwei Prozent! (II)
(14. Juni 2023)Breits im Vorfeld der heute online gegangenen Nationalen Sicherheitsstrategie war berichtet worden, darin sei auch das sog. 2-Prozent-Ziel für die Militärausgaben verankert (siehe IMI-Aktuell 2023/367). Nun ist die entsprechende Passage in der Sicherheitsstrategie selbst nachlesbar: „Im Lichte der Zeitenwende müssen wir dabei in besonderem Maße in unsere Wehrhaftigkeit und Verteidigungsfähigkeiten investieren. Zunächst auch durch das neu geschaffene Sondervermögen Bundeswehr werden wir im mehrjährigen Durchschnitt unseren 2%-BIP-Beitrag zu den NATO-Fähigkeitszielen erbringen.“ (jw)
Stoltenberg: Nachricht an China
(14. Juni 2023)Bei antiwar.com wird au seiner Rede von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zitiert, in der er angibt, es gehe bei der Unterstützung der Ukraine auch darum, China eine “Nachricht” zu übermitteln: “President Putin must not win this war, because that will not only be a tragedy for Ukrainians, but also make the world more dangerous. […] It will send a message to authoritarian leaders all over the world, also in China, that when they use military force, they get what they want, and we will then become more vulnerable. So it’s our security interest to support Ukraine.” (jw)
ELOKA: Airbus raus
(14. Juni 2023)Aus dem Sondervermögen sollen 15 Eurofighter für die Elektronische Kampfführung „ertüchtigt“ werden. Eigentlich war davon auszugehen, dass der Auftrag hierfür Airbus D&S zugeschustert werden würde – auch deshalb, weil das Unternehmen hierüber in den Auseinandersetzungen mit Dassault um Anteile im deutsch-französischen Großprojekt Future Combat Air System (FCAS) gestärkt würde. Seit Amtsantritt von Verteidigungsminister Boris Pistorius gilt allerdings die Order, dass vor allem Gerät beschafft werden soll, das bereits marktfähig und erprobt ist, selbst wenn dies bedeutet, aus dem Ausland kaufen zu müssen. Airbus hätte die Technologie erst entwickeln müssen und geht deshalb nun laut Behördenspiegel wohl leer aus: „Eine interessante Rüstungsentscheidung ist anscheinend im BMVg getroffen worden. Wie Matthias Gebauer vom Spiegel auf Twitter berichtet, sollen die deutschen Eurofighter bis 2030 mit Integrated Electronic Warfare Systems ‚Arexis‘ von Saab – in Kooperation mit dem Unternehmen Helsing – zum elektronischen Kampf befähigt werden.“ (jw)
IRIS-T:Sondervermögen
(14. Juni 2023)Neben dem Raketenabwehrsystem Arrow, soll der Haushaltsausschuss ein weiteres Luftabwehrsystem abnicken, das ebenfalls aus dem Sondervermögen bezahlt werden soll, berichtet das Handelsblatt: „Die Bundeswehr plant den Kauf von sechs Flugabwehrsystemen Iris-T SLM für insgesamt rund 950 Millionen Euro und treibt auch den Kauf des israelischen Raketenabfangsystems Arrow für bis zu 4 Milliarden Euro voran. Die Beschaffungen, die aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen finanziert werden, das der Bund für die Modernisierung der Bundeswehr eingerichtet hat, sollen am Mittwoch in Berlin vom Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigt werden.“ (jw)
Ausgaben für Atomwaffen: gestiegen
(13. Juni 2023)Ein gestern veröffentlichter Bericht der International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN) mit dem Titel “Wasted: 2022 Global Nuclear Weapons Spending” stellte einen Anstieg der Ausgaben für Atomwaffen im dritten Jahr in Folge fest, während die globale Sicherheit abnehme. „Im Jahr 2022, dem Jahr des russischen Einmarsches in der Ukraine, gaben neun atomar bewaffnete Staaten 82,9 Milliarden Dollar für ihre Atomwaffen aus, das sind mehr als 157.000 Dollar pro Minute, ein Anstieg um insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gegenüber 2021“, so der Bericht. Dabei habe der private Sektor mindestens 29 Milliarden US-Dollar verdient und die Ausgaben der USA seien mit 43,7 Milliarden US-Dollar höher gewesen als die aller anderen nuklear bewaffneten Staaten zusammen. Russland habe mit 9,6 Milliarden US-Dollar 22% von dem ausgegeben, was die USA ausgaben und China mit 11,7 Milliarden US-Dollar etwas mehr als ein Viertel der US-Gesamtausgaben. (yd)
Friedensgutachten: Waffenlieferungen
(13. Juni 2023)Nun war das von einigen der größten Friedensforschungsinstitute herausgegebene Friedensgutachten noch nie ganz unproblematisch. Dieses Mal werden Waffenlieferungen an die Ukraine aber doch mit schmerzhafter Vehemenz gefordert: „Waffenlieferungen und Ausbildungshilfe bleiben notwendig, um die Selbstverteidigung der Ukraine zu ermöglichen und das Völkerrecht wiederherzustellen. Eine Beschwichtigung des Aggressors bietet gegenwärtig keinen gangbaren Weg zu einem nachhaltigen Frieden.“ (jw)
Wasserstoffpanzer?
(13. Juni 2023)Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit den (kaum vorhandenen) Perspektiven der Bundeswehr, bis 2045 klimaneutral zu werden: „Panzer sind dagegen für einen Wasserstoffantrieb nicht geeignet. Der „Leopard 2“ wird wohl noch lange vier Liter Diesel pro Kilometer verbrauchen. Auch ein Wasserstofftornado ist unrealistisch. […] Es gibt viele skeptische Stimmen, ob eine robuste Verteidigungspolitik mit einer klimaneutralen Bundeswehr erreicht werden kann.“ (jw)
Sicherheitsstrategie: Zwei Prozent!
(13. Juni 2023)Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland soll die mehrmals verschobene Nationale Sicherheitsstrategie am Mittwoch vorgestellt werden. Der Bericht gibt an, in der Strategie sei auch das überaus problematische 2-Prozent-Ziel enthalten (siehe IMI-Analyse 2023/24). Im Artikel heißt es dazu: „Lange wurde auch über eine zum Symbolthema gewordene Finanzierungsfrage gestritten: Das Bekenntnis, Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzustreben, wie es die Nato vorgibt, ist nun wohl enthalten. Im Koalitionsvertrag war von drei Prozent für das gesamte internationale Handeln die Rede, was deutlich mehr Interpretationsspielraum ließ.“ (jw)
Emissionsexplosion Ukrainekrieg
(12. Juni 2023)Der Krieg in der Ukraine hat in seinen ersten 12 Monaten zusätzliche Treibhausgasemissionen von rund 120 Millionen Tonnen verursacht, wie die Autoren des Berichts Climate Damage Caused By Russia’s War in Ukraine berechneten. Dies entspricht den jährlichen Emissionen eines mittelgroßen Landes mit hohem Lebensstandard wie Belgien.
In die Rechnung flossen, neben den direkt von den Militärs ausgestoßenen Emissionen, auch Brände von z.B. Wäldern, die für den kommenden Wiederaufbau benötigten Energien und Ressourcen, Fluchtbewegungen, Energieumstellungen (z.B. von Pipelinegas auf Flüssiggas, Kohle etc), längere Flugstrecken um den Kämpfen auszuweichen etc. mit ein. Auch das Nordstream-Leck zählt dazu.
Den größten Teil, knapp 50%, entfällt auf den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und Gebäude. Die rund 20%, die auf das Militär selbst entfallen, den Treibstoff für Panzer, Flugzeuge und anderes Militärgerät, aber auch die Produktion von Munition und Waffen und den Bau von Abwehrwälle etc., verdeutlichen welch Klimakiller die Militärmaschinerie selbst ist.
Eingesparte Energie wegen steigender Strom- und Benzinpreise („frieren für den ‚Frieden'“) würde komplett durch die höheren Emissionen durch den Umstieg auf andere Energieträger aufgewogen. Emissionen, die wegen dem Krieg entfallen (z.B. wegen der lahmgelegten industriellen Produktion) würden einfach in andere Gegenden ausgelagert.
Im ähnlichen Costs of War Forschungsprojekt wurden Emissionen von 440 Mio. Tonnen Treibhausgas für die US-Interventionen zwischen 2001 bis 2018 in u.a. Afghanistan, Irak und Libyen berechnet.
Iran’s Wunschallianz?
(12. Juni 2023)Der Chef der iranischen Marine kündigte letzte Woche an, sein Land plane eine Seeallianz mit Saudi-Arabien und drei anderen Golf Staaten, sowie Indien und Pakistan. „Die Länder der Region haben heute verstanden, dass nur Kooperation miteinander Sicherheit in die Region bringe,“ so zitiert Reuters den Admiral Shahram Irani. Dem Bündnis würden, neben den oben genannten Ländern, auch der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Katar beitreten.
Wahrscheinlich aufgrund der Absurdität dieser Ankündigung bekam das in den Raum gestellte Bündnis kaum internationale Medienaufmerksamkeit. Die beiden Länder Indien und Pakistan, die sich seit ihrer Gründung in einem, die meiste Zeit temperaturreduzierten Kriegszustand befinden, kann man sich kaum in einem Bündnis vorstellen. Und obwohl die Beziehungen zum langzeitigen Rivalen um die regionale Vorherrschaft, Saudi-Arabien, kürzlich unter chinesischer Vermittlung wieder normalisiert haben, scheint ein militärisches Bündnis mit dem Land etwas schnell vom Zaun gerissen. Die VAE waren Zeit des Konflikts auf saudischer Seite und das Bündnis boykottierte auch das Land Katar, dem vorgeworfen wurde mit dem Iran gemeinsame Sache zu machen. Die VAE waren zudem das erste arabische Land das seine Beziehungen zu Israel im Rahmen der von den USA vermittelten Abraham Accords normalisierte und auch Bahrain gehört zu den Unterzeichnern. Israel versucht seit langem den Iran diplomatisch zu isolieren – hatte diesbezüglich jedoch kürzlich eher Rückschläge einzustecken.
Da keine Regierung der genannten Länder offiziell Stellung bezog, kommentierte z.B. das Foreign Policy Magazin, dass es sich ggf. einfach um ein geopolitisches Wunschszenario des Kommandeurs handelte.
Katzenpropaganda
(12. Juni 2023)„Tausende Soldaten werden die Befreiung der von Russland besetzten Gebiete mit ihren Leben bezahlen“, meint Gesine Dornblüth in ihrem Kommentar für den Deutschlandfunk von vergangenem Samstag (10.6.2023) – und findet das richtig so: „Die Ukrainer haben keine Alternative“ (im Krieg wird auch beim DLF nicht gegendert). Begründet wird dies v.a. mit der Verbreitung ungeprüfter Narrative, nun vor dem Hintergrund der Zerstörung des Kachowka-Staudamms. Selbst Katzen werden für die Propaganda aufgegriffen:
„Während auf der ukrainisch kontrollierten Seite Katastrophenschützer und ehrenamtliche Helfer ihr Leben riskieren, um auch noch das letzte noch lebende Kätzchen aus den Fluten zu bergen, haben die russischen Besatzer viel zu spät mit der Evakuierung begonnen und die freiwilligen Helfer zum Teil sogar behindert. Ihnen sind Menschenleben egal. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie auf wehrlose Menschen, die sich aus den Fluten retten wollen, und ihre Helfer schießen. Das ist menschenverachtend.“
Auffällig ist das Streuen ungeprüfter Behauptungen auch in einem anderen Abschnitt des Kommentars, wo durch verschiedene Formulierungen („vermutlich“, „soll“, „offenbar“, „möglicherweise“) immerhin formal angedeutet wird, das das, was man sagt, nicht unbedingt wahr sein muss:
„Ein Blick auf die Front zeigt das. So ist es der ukrainischen Armee an einigen Stellen vermutlich gelungen, bis zur ersten Verteidigungslinie der Russen vorzudringen, teils soll sie aber wieder zurückgedrängt worden sein. Im Süden soll Russland seine Luftwaffe eingesetzt haben, um die Ukrainer zu stoppen. Teils sollen sich russische Einheiten ungeordnet zurückgezogen haben. Offenbar wurde auch westliche Ausrüstung zerstört, darunter möglicherweise ein Leopard Panzer. Auch ein Iris-T-Flugabwehrsystem soll beschädigt worden sein“.
Ein letztlich also sehr eingetrübter „Blick auf die Front“. Unter dem Titel „Staatswohl vor Aufklärung – Die Vierte Gewalt betreut die Heimatfront“ hat zuletzt das Portal Gewerkschaftsforum.de eine harsche Kritik der deutschen Berichterstattung über den Ukraine-Krieg veröffentlicht. Aus dem Fazit:
„Mit ihrer parteilichen und moralisierenden Berichterstattung tun Journalist*innen alles dafür, eine loyale Heimatfront herzustellen. Faktizität, Rationalität, Kontroversität und Logik werden von den Medienschaffenden in Kriegszeiten geopfert für die ‚gute Sache‘.“
Das freilich trifft nicht auf alle Medien und Journalist*innen zu, den genannten Kommentar des Deutschlandfunks charakterisiert es allerdings sehr gut.
Lumpenpazifismus: Warum nicht?
(12. Juni 2023)Eine neue Homepage, die offenbar aus dem gewaltfreien anarchistischen Spektrum kommt, greift selbstbewusst den Begriff „Lumpenpazifismus“ auf. Auf der Startseite von lumpenpazifist.de steht das namentlich nicht zugeordnete Zitat:
„Wenn es Lumpen bedarf den Krieg zu beenden, kann es gar nicht genug Lumpen geben.“
Air Defender: Erste Kundgebung
(12. Juni 2023)An einer ersten Kundgebung gegen das Manöver Air Defender beim hierbei zentralen Fliegerhors Wunstorf haben laut Bericht des NDR etwa 300 Menschen teilgenommen:
„Viele von ihnen hatten sich vorher an den Bahnhöfen in Neustadt und in Poggenhagen getroffen und waren anschließend zu Fuß oder mit Fahrrädern zum Haupttor des Luftwaffenstützpunktes gekommen – etwa 50 Demonstrierende bildeten einen Fahrradkorso. Zu dem Protest hatten mehrere norddeutsche Friedensgruppen aufgerufen, darunter die Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf, das Bremer Friedensforum und die Norddeutsche Friedenskonferenz.“
Belgorod: Hakenkreuz?
(12. Juni 2023)Dass unter den pro-ukrainischen Kämpfern in Belgorod in führenden Positionen Rechtsextreme sind, ist auch in der hiesigen Berichterstattung weitgehend unumstritten. Eher beiläufig erwähnt das Handelsblatt, dass diese zumindest in einem Fall auch das Hakenkreuz als Symbol nutzen:
„Allerdings: Wer die Einheiten führt und mit welchen Waffen sie kämpfen, könnte Kiew in Erklärungsnot bringen. Denn eine der beiden auf russischem Boden operierenden Einheiten, die russische Freiwilligenlegion ‚Freiheit für Russland‘, wird zumindest teilweise von Rechtsradikalen geführt. Auf einem der genutzten Panzer prangt ein Hakenkreuz. Für viele Russen wird das die Propagandathese aus Moskau bestätigen, dass die Ukraine von Nazis unterwandert ist.“
Wir können das natürlich weder bestätigen noch widerlegen. Erstaunlich aber ist, dass dies in der deutschen Presse auch sonst niemand versucht und diese Nachricht oder dieses Gerücht mittlerweile – bildlich gesprochen – achselzuckend hingenommen wird.
Pipelinesprengung: Polnische Operationsbasis?
(12. Juni 2023)Unverdrossen wird an der Behauptung festgehalten, Russland habe die North Stream Pipeline gesprengt, obwohl inzwischen einiges auf die Ukraine unter Mitwisserschaft hoher Regierungskreise hindeutet (siehe IMI-Aktuell 2023/352). Nun berichtet u.a. das ZDF auf Grundlage von Recherchen des Wall Street Journals, Polen solle als Operationsbasis und auch als „logistisches und finanzielles Zentrum“ gedient haben. Ob allerdings polnische Regierungsstellen involviert waren, lässt derf Artikel offen. Von polnischer Seite wurde postwendend dementiert: „Polen hat nichts mit der Sprengung von Nord Stream 1 und Nord Stream 2 zu tun“, so der Sprecher des Koordinators der Geheimdienste, Stanislaw Zaryn. „Die Hypothese bleibt gültig, dass die Sprengung von Russland begangen wurde, welches ein Motiv und die Fähigkeit hatte, eine solche Operation durchzuführen.“ (jw)
Arrow 3: Sondervermögen
(11. Juni 2023)Ständig erweisen sich die tatsächlichen Vertragsabschlüsse weitaus kostspieliger als die Beträge, die von der Bundeswehr im Sondervermögen für bestimmte Projekte veranschlagt wurden – zuletzt stiegen bspws. die ursprünglich auf maximal sechs Mrd. Euro veranschlagten Kosten für die Beschaffung Schwerer Transporthubschrauber auf 7,8 Mrd. Euro an (siehe IMI-Analyse 2024/24). Genauso scheint es nun beim Luftverteidigungssystem Arrow 3 zu laufen, das ebenfalls aus dem Sondervermögen bezahlt werden soll und gleichsam teurer als geplant zu werden scheint, wie die Wirtschaftswoche berichtet: „Die Beschaffung werde nun mit Kosten von ‚3,99 Milliarden Euro nach derzeitigem Kenntnisstand geschätzt‘. In dem aus neuen Schulden von 100 Milliarden Euro aufgebauten Sonderfinanzierungstopf der Bundeswehr war das Vorhaben nur mit drei Milliarden Euro veranschlagt.“ (jw)
Air Defender: Flugzeiten
(11. Juni 2023)Morgen beginnt das Großmanöver Air Defender (siehe dazu die entsprechende IMI-Sonderseite). Die Frankfurter Rundschau berichtet über die jeweiligen Zeiten, zu denen über bestimmten Räumen geflogen werden soll: „Die Flugzeiten richten sich nach Standorten. Über dem Übungsraum Ost wird zwischen 10 und 14 Uhr geflogen. Der Übungsraum Süd ist zwischen 13 und 17 Uhr reserviert, der Übungsraum Nord von 16 bis 20 Uhr.“ (jw)
Ukraine: US-Waffen
(10. Juni 2023)Laut Pentagon haben die USA seit Beginn des Ukraine-Krieges Waffen im Wert von 39,7 Mrd. Dollar an Kiew geliefert. Gestern wurde ein weiteres Waffenpaket angekündigt: „This package, which totals up to $2.1 billion and includes critical air defense and ammunition capabilities, is being provided under the Ukraine Security Assistance Initiative (USAI).“ (jw)
BMVg-Haushalt 2024
(9. Juni 2023)Erst sah es so aus, als sollte das Verteidigungsministerium als einziges Ministerium im Haushalt 2024 drei Milliarden Euro mehr erhalten, während alle anderen zu Einsparungen verdonnert werden sollen. Dann hatte es kurz den Anschein, als seien auch für das BMVg Erhöhungen vom Tisch, allerdings sollte es von Kürzungen ausgenommen werden (siehe IMI-Analyse 2023/24). Nun scheint es aber doch auf einen Anstieg des Militärhaushaltes hinauszulaufen, wie der Spiegel berichtet: „Nach eingehender Erörterung habe das Finanzministerium einen verbindlichen Bundeswehretat für die kommenden Jahre festgelegt, teilte Haushaltsstaatssekretär Werner Gatzer am Mittwoch vergangener Woche Pistorius und seinen Leuten schriftlich mit. 2024 steigt der Wehretat demnach auf 51,8 Milliarden Euro – 1,7 Milliarden Euro mehr als dieses Jahr. 2025 stünden 52 Milliarden Euro zur Verfügung, im Jahr darauf ebenso.“ (jw)
Beinahe-Zusammenstöße
(8. Juni 2023)Nachdem Ende Mai bereits beinahe ein chinesisches und ein US-amerikanisches Militärflugzeug zusammengestoßen sind, ist es laut Asia Times am 3. Juni zu einem weiteren Fast-Zusammenstoß gekommen. Ein chinesisches Schiff soll dabei fast mit einem US-Zerstörer in der Straße von Taiwan kollidiert sein: „The past few years have seen a deterioration in US-China relations. There have been no direct, high-level military talks between the two countries since 2019. […] The concern is that with tensions as they are – and with no official direct line of dialogue – a near miss during such a drill, or, worse still, an actual collision, could escalate beyond control, leading to military conflict.“ (jw)
Ukraine-Krieg: Co2
(8. Juni 2023)Alle Kriege, nicht zuletzt auch der Ukraine-Krieg sind immer auch eine schwere Umweltbelastung (siehe Ausdruck (Dezember 2022). Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet nun über neuere Berechnungen zu den Co2-Belastungen des Ukraine-Krieges: „Eine detaillierte Berechnung internationaler Forscher kommt zu dem Schluss: Allein im ersten Jahr hat der Krieg in der Ukraine etwa so viele Emissionen verursacht wie ein Land wie Belgien im gleichen Zeitraum – nämlich 120 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen-Äquivalente.“ (jw)
Bulgarien: Waffenlieferungen
(7. Juni 2023)Nachdem die neue „Europa-freundliche“ bulgarische Regierung von Nikolai Denkov gestern ihr Amt antrat, verkündete der neue Verteidigungsminister Bulgariens, Todor Tagarev, dass Bulgarien zeitnah Waffen an die Ukraine liefern werde, damit dieses ihre Gegenoffensive fortsetzen und ihre Gebiete befreien könne, wie Sofia Globe berichtete. Die neue bulgarische Regierungskoalition aus der pro-Europ- Partei GERB und der im Zuge von Antikorruptionsprotesten 2021 entstandenen Partei Wir setzen den Wandel fort“ befürworten Waffenlieferungen in die Ukraine, im Gegensatz zum Präsident Rumen Radev, der sich bis dato vehement gegen solche aussprach. Die militärische Unterstützung werde im Rahmen der Entscheidungen der Alliierten und der Beschlüsse der Nationalversammlung erfolgen und sei ein wichtiger Beitrag Bulgariens und seines Militärs zur Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität in der Schwarzmeerregion und in Südosteuropa, so Tagarev. „Wir werden Sicherheit haben, wenn der letzte Besatzer die Grenze der Ukraine verlässt und die aggressiven Absichten des Kremls blockiert werden. Nur so können unsere Region und unsere Zukunft garantiert werden“, so der neue Verteidigungsminister weiter. (yd)
NDR zu Wunstorf
(7. Juni 2023)Der NDR hat sich in der Umgebung von Wunstorf umgesehen und berichtet hierüber unter dem Titel „Wunstorf wird zur Drehscheibe für Operation ‚Air Defender'“. Neben der etwas eigentümlichen, wiederholten Bezeichnung des Manövers als „Operation“ wurden sowohl zustimmende, als auch kritische Stimmen von Anwohnenden eingefangen. Besonders hervorgehoben wird, dass es sich nicht um eine Übung der NATO handle, sondern diese auf deutsche Initiative zurückgehe:
„Die Planungen für die multinationale Übung mit 10.000 Soldatinnen und Soldaten und mehr als 220 Flugzeugen aus insgesamt 25 Nationen laufen bereits seit 2018. Seitens der Bundeswehr wird immer wieder betont, „dass es eine von Deutschland initiierte und geführte Übung ist und keine der NATO“. Rund um den Fliegerhorst denken viele, dass die Übung eine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist. Doch der zeitliche Vorlauf macht deutlich, dass die Operation nicht als Reaktion auf Putins Krieg geplant war.“
Nord Stream: Next Turn
(7. Juni 2023)Laut einem ausführlichen Bericht der Washington Post hätten den USA bereits im letzten Juni „detaillierte Pläne“ für die Sprengung der Pipeline Nord Stream 1 durch Spezialkräfte der ukrainischen Streitkräfte vorgelegen. Auch Tagesschau.de berichtet.
Diese Pläne wiesen starke Übereinstimmungen, aber auch Differenzen auf zu jener Version, die deutsche Leitmedien und Ermittlungsbehörden seit Monaten verfolgen: Ein sechsköpfiges Team mit einer geliehenen Yacht. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass nach dem Bericht der Washington Post zwar nicht Selensky persönlich, aber dessen Armeechef Walerij Saluschnyj die Operation angeordnet haben soll.
Brisanter allerdings ist die Tatsache, dass auch deutsche und andere europäische Behörden demnach bereits vor der Sprengung über entsprechende Pläne unterrichtet gewesen sein sollen. Zwar betrafen diese Pläne einen früheren Zeitpunkt, zu dem sie dann nicht umgesetzt wurden, die allgemeinen Schuldzuweisungen an Russland vor allem unmittelbar nach der Sprengung erscheinen vor diesem Hintergrund allerdings zweifelhaft.
Tagesschau.de umschreibt diesen Umstand so:
„Wie die ‚Washington Post‘ schreibt, sollen die USA die Informationen aus dem Juni 2022 mit Deutschland und anderen Europäern geteilt haben.“
In dem ausführlichen Beitrag der Washington Post heißt es dazu u.a.:
„…but the CIA shared the report with Germany and other European countries last June, according to multiple officials familiar with the matter, who spoke on the condition of anonymity to discuss sensitive intelligence operations and diplomatic discussions. The highly specific details, which include numbers of operatives and methods of attack, show that for nearly a year, Western allies have had a basis to suspect Kyiv in the sabotage… Officials in multiple countries confirmed that the intelligence summary posted on Discord accurately stated what the European service told the CIA…
But despite any reservations the CIA might have had, the agency communicated the June intelligence to counterparts in Germany and other European countries, officials said. The European service also shared it with Germany, one person said. German intelligence personnel briefed lawmakers in Berlinin late June before they left for their summer break, according to an official with knowledge of the closed-door presentation.“
Thyssenkrupp: Sperrminorität
(7. Juni 2023)Die Kriegsschiffsparte von ThyssenKrupp steht zum Verkauf – weil aber der Bereich vom Verteidigungsministerium in den Bereich der Schlüsselindustrien gerückt wurde, den es gilt weiter national zu kontrollieren, erwägt der Bund einen Einstieg (siehe IMI-Analyse 2020/06). Die FAZ schreibt: „Die sicherheitspolitischen Aspekte dürften den Verkaufsprozess allerdings ziemlich komplex machen. So gibt es Sondierungsgespräche nicht nur mit möglichen Finanzinvestoren oder strategischen Partnern, sondern es wird auch die Frage erörtert, ob der Bund direkt einsteigen könnte. Mit einer Sperrminorität (also einem Anteil von mindestens 25,1 Prozent) könnte der Bund unerwünschte Veränderungen frühzeitig unterbinden. Als Muster dafür gilt das Vorgehen im Fall des börsennotierten Rüstungsspezialisten Hensoldt.“ (jw)
Rafale vs. FCAS: Zweigleisig
(7. Juni 2023)Das Hauen und Stechen zwischen Deutschland (Airbus) und Frankreich (Dassault) um Anteile am geplanten Luftkampfsystem FCAS nimmt kein Ende – inzwischen wird mehr oder weniger offen vor einem Scheitern gewarnt. In dieses Bild passt eine Meldung der Europäischen Sicherheit & Technik, derzufolge Dassault zweigleisig fährt und die Entwicklung des Rafale-Kampfflugzeugs vorantreibt: „Da NGWS und FCAS – wenn überhaupt – nicht vor 2040 kommen werden, plant Dassault, die ‚Rafale‘ weiter zu modernisieren: Angeblich soll der F4-Standard ab 2035 nicht mehr den dann avisierten Anforderungen genügen und durch die ‚Rafale‘ F5 abgelöst werden; ein F6-Standard ist wohl ab 2040 angedacht. Als Technologieträger für FCAS hat Dassault die Stealth-Kampfdrohne ‚nEUROn‘ entwickelt und auch schon erprobt. Im Rahmen des F5-Standards wird jetzt auch über die Integration der ‚nEUROn‘ als ‚Loyal Wingman‘ der ‚Rafale‘ nachgedacht, das heißt: auch hier geht Frankreich zweigleisig – ‚Rafale‘ plus FCAS – vor.“ (jw)
Indo-Pazifik: Zwei Kriegsschiffe
(7. Juni 2023)Im Sommer 2021 schickte Deutschland erstmals im Kontext der ausgerufenen Systemkonkurrenz mit China mit der Fregatte Bayern ein Kriegsschiff in die konfliktreiche indopazifische Region (siehe IMI-Studie 2022/1). Im Sommer 2023 folgte dann die Verlegung von Eurofightern für die Manöver „Pitch Black 22“ und „Kakadu 22“. Gleichzeitig wurde von einer „verstetigten Präsenz“ gefaselt (siehe IMI-Standpunkt 2022/035). Im kommenden Jahr sollen nun wohl u.a. zwei Kriegsschiffe in die Region entsandt werden, berichtet das Handelsblatt: „Die Bundesmarine wird im kommenden Jahr zwei Kriegsschiffe in den Indopazifik entsenden. […] Eine Fregatte und ein Versorgungsschiff würden 2024 in die Region aufbrechen. […] Die Einsätze der Bundesmarine seien nicht gegen ein bestimmtes Land gerichtet, sagte Pistorius laut Redemanuskript. ‚Sie dienen dem Schutz der regelbasierten internationalen Ordnung, die wir alle unterzeichnet haben und von der wir alle profitieren sollten – sei es im Mittelmeer, im Golf von Bengalen oder im Südchinesischen Meer.‘“ Eine kritische „Würdigung“ der hier beschworenen regelbasierten Ordnung findet sich u.a. in IMI-Analyse 2023/19). (jw)
Militärhaushalt: Keine Kürzung
(6. Juni 2023)Nachdem zwischenzeitlich zusätzlich zum „Sondervermögen“ eine Erhöhung des Militärhaushaltes um nochmal drei Mrd. Euro im Raum gestanden hatte (siehe IMI-Analyse 2023/24), scheint dies nun wieder vom Tisch zu sein. Dies berichtet der Business Insider unter Berufung auf einen „Brief an das Verteidigungsministerium“, in dem Finanzminister Lindner klar gemacht haben soll, dass es „keine zusätzlichen Gelder“ geben werde. Allerdings soll das Verteidigungsministerium als einziger Bereich von einer Sparvorgabe ausgenommen werden, die ansonsten sämtlichen anderen Ressorts verordnet werden soll. (jw)
Sondervermögen: Eiltempo
(6. Juni 2023)Bei der Verausgabung des „Sondervermögens“ soll nun aufs Tempo gedrückt werden, kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius kürzlich u.a. in einem Tagesbefehl an: „Oberste Priorität ist für uns alle künftig der Faktor Zeit. Wir setzen für die Beschleunigung da an, wo wir uns selbst Regelungen gegeben haben, die uns stärker einschränken oder bremsen, als es die Gesetzeslage vorsieht. Wo wir uns selbst unnötig Fesseln angelegt haben, werden wir diese nun abwerfen. Ziel ist in erster Linie die schnellstmögliche Realisierung des für die Truppe nutzbaren Produktes.“
Wie das konkreter aussehen soll, erläuterte nun die neue Chefin des Beschaffungsamtes der Bundeswehr, Annette Lehnigk-Emden, im Interview mit dem Secutiy Table. Während im vorigen Jahr „nur“ 22 sog. 25-Millionen-Euro-Vorlagen zur Abstimmung im Haushaltsausschuss eingebracht wurden, soll diese Zahl rasant steigen: „Wir werden in diesem Jahr 91 Beschaffungsvorlagen mit einem Volumen über 25 Millionen Euro an den Haushaltsausschuss geben, so viele wie nie zuvor. Bis Ende des Jahres werden nach heutigem Stand zwei Drittel des Sondervermögens vertraglich gebunden sein – und im ersten Quartal 2024 voraussichtlich das volle Sondervermögen.“ (jw)
Anti-NATO-Proteste: Kriminalisierung
(6. Juni 2023)Nach einem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan am Sonntag verurteilte NATO-Generalsekretär Stoltenberg auf einer Pressekonferenz Proteste in Stockholm gegen den NATO-Beitritt Schwedens, wie ANF berichtete. Am gleichen Tag hatte das Bündnis „Nein zur NATO“ zu einer Großdemonstration in Stockholm aufgerufen. „Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind zentrale Werte in demokratischen Gesellschaften“, so Stoltenberg. Die Organisator*innen der Anti-NATO-Beitritts-Proteste wollten jedoch „den Beitritt Schwedens zur NATO blockieren, die Zusammenarbeit mit der Türkei im Kampf gegen den Terrorismus untergraben und das Verteidigungsbündnis schwächen“, weswegen nicht zugelassen werden könne, dass sie Erfolg haben. Die „Sicherheitsbedenken“ der Türkei, die Schweden vorwürft „ein Zufluchtsort für ‚Terroristen‘ zu sein“ und „die Auslieferung von zahlreichen Geflüchteten und Oppositionellen“ fordert, bezeichnete Stoltenberg als berechtigt, betonte jedoch auch, dass Schweden durch die „Verschärfung der schwedischen Anti-Terror-Gesetze und die Aufhebung des Waffenembargos gegen die Türkei“ bedeutende Schritte unternommen habe, um der Türkei entgegenzukommen. Am 12. Juni werde es erneute Verhandlungen der Türkei mit Schweden geben, so ANF. (yd)
Drohnen: Kauflaune
(6. Juni 2023)Viele Medien griffen den fast schon dramatischen Appell von Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr auf, dass die Bundeswehr viel mehr Drohnen im gesamten Spektrum bräuchte. Besonders tat sich dabei wieder einmal die Süddeutsche Zeitung hervor, welche die Forderung gleich auf die Titelseite brachte und zum Thema des Tages machte. Unter dem Titel „Das Drohnen-Defizit“ hieß es dann auf Seite zwei:
„Von Aufklärung bis zu bewaffneten Drohnen, die Bundeswehr brauche alles. Und zwar nicht nur teure Neuentwicklungen oder große Drohnen wie Heron TP, die mit 26 Metern Spannweite und fünf Tonnen Gewicht bisher vor allem für Aufklärungsflüge eingesetzt werden, sondern eben auch kleine Drohnen, die nur einige tausend Euro kosten… Man müsse nicht nur ein paar dieser großen teuren Drohnen anschaffen oder selbst entwickeln, sondern kaufen, was verfügbar ist. So könnte man zum Beispiel eine große Zahl der Bayraktar-Drohnen in der Türkei kaufen, die der Ukraine sehr geholfen hätten. Das wäre auch ein Hebel, um die deutsch-türkischen Beziehungen zu verbessern. ‚Der Ukraine-Krieg zeigt, dass die ganze Palette eingesetzt wird‘, sagt Masala.“
Zum AfD-Umfragehoch
(6. Juni 2023)In einer Kolumne für die linke Tageszeitung Neues Deutschland spricht Georg Fülberth in der aktuellen Debatte um den Höhenflug der AfD das aus, was viele Leitmedien gerne ausblenden:
„Wechseln wir von der Verteilungs- zur Außenpolitik. Die AfD macht die Mobilisierung des kollektiven Westens für einen zweiten Kalten Krieg nicht mit. Als Ursache dafür wird ihr ideologische Nähe zu Putin nachgesagt. Mag sein. Aber das ist nicht alles. Die AfD greift auf, dass viele Menschen in der gegenwärtigen Lage realistische Angst vor Krieg haben. Wer auf der Linken das Potenzial der Friedensbewegung verspielt, handelt verantwortungslos.“
Aufmerksam wurden wir auf diesen Beitrag über die Homepage des Friedensrats Müllheim, der diese Meldung mit einem aussagekräftigen Symbol illustriert.
Weltraum: SPD
(6. Juni 2023)Auch der Weltraum bleibt von den zunehmenden Konflikten unter den Großmächten nicht verschont – im Gegenteil (siehe dazu den Schwerpunkt in der Ausgabe Juni/2022 unseres Magazins). Auch die SPD hat das Thema nun mit einem eigenen Positionspapier für sich entdeckt, aus dem die Europäische Sicherheit & Technik zitiert. Es bedürfe eines Weltraumbudgets auf „auf Augenhöhe“ mit dem anderer Länder. Deutschland benötige außerdem, heißt es in dem SPD-Papier weiter, „unabhängigen Zugang zum Weltraum. Das heißt explizit, eigene Startkapazitäten und -plätze, sowie eigene Trägerraketen und Satelliten, die schnell Ausfälle kompensieren können.“ Als Grund wird u.a. Kevin Leiser, Weltraum-Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion, mit den Worten zitiert: „Der Krieg in der Ukraine zeigt, wer die besten Lagebilder hat, ist im Vorteil. Diese Lagebilder entstehen mit Hilfe von Satelliten.“ (jw)
Kolumbien: Rückschlag
(5. Juni 2023)Das erklärte Ziel des „totalen Friedens“ des linken Präsidenten Kolumbiens, Gustavo Petro, erhielt einen weiteren Rückschlag als die Regierung das Waffenstillstandsabkommen mit der Rebellengruppe Estado Mayor Central, abtrünnigen Teilen der linken FARC-Guerilla, die sich nicht am Friedensprozess von 2016 beteiligten, außer Kraft setzte. Die Gruppe hatte laut indigenen Vereinigungen vier Minderjährige erschossen, die sich der Zwangsrekrutierung durch die Gruppe widersetzten. Neben weiteren, sich kommunistisch oder sozialistisch verstehenden Guerillagruppen wie dem ELN sind auch rechte Paramilitärs und mächtige Drogenkartelle in militärische Auseinandersetzungen mit der Regierung und Angriffe auf die meist ländliche Zivilbevölkerung verwickelt.
Estland: NATO-Übung
(5. Juni 2023)Am Freitag endete die von Großbritannien, Estland und Frankreich vor der Küste Estlands ausgerichtete Übung „Spring Tempest“, an der mehr als 10.000 Soldat*innen aus 11 NATO-Ländern beteiligt waren, um „hochqualifizierte Fähigkeiten zu trainieren und gleichzeitig die Interoperabilität mit einem breiten Spektrum von NATO-Verbündeten zu verbessern“, wie EURACTIV berichtete. Der Übung sei „eine hervorragende Gelegenheit, Wirkungen im Land-, See- und Luftbereich zu integrieren“, gewesen und habe „die Fähigkeit des Vereinigten Königreichs und seiner Verbündeten, Präzisionsschläge durchzuführen, während sie tief im feindlichen Kampfgebiet operieren“ demonstriert, so Scott MacColl, der Commanding Officer des 140 Expeditionary Air Wing. Durch die Übung entstand eine verstärkte NATO-Präsenz an der Ostflanke des Bündnisses, die in einer NATO-Erklärung als als „Abschreckung gegen jegliche Aggression gegen die Grenzen des Bündnisses“ bezeichnet wurde. Vor der Übung „Spring Tempest“ hatte schon die Übung „Spring Storm“ mit einer Beteiligung von über 1.500 UK-Soldat*innen stattgefunden. (yd)
NATO-Struktur: Umbruch
(5. Juni 2023)Beim Vilnius-Gipfel in rund einem Monat will die NATO eine neue Struktur beschließen, dabei zeichne sich ein „massiver Umbruch in der militärischen Struktur der westlichen Allianz“ ab, so die NZZ. Unter Berufung auf zwei insider schreibt das Blatt zur künftigen Struktur des Bündnisses: „Die Nato soll nun eine Gliederung vornehmen, die es seit langem nicht mehr gegeben hat. So berichten es die beiden Insider. Unterhalb des militärischen Hauptquartiers in Mons («Supreme Headquarters Allied Powers Europe») und der drei operativen Kommandos in Brunssum (Niederlande), Neapel (Italien) und Norfolk (USA) werde es zwei Armeestäbe geben. Der Stab der «Armee Nord» solle in Wiesbaden, derjenige der «Armee Süd» im türkischen Izmir aufgebaut werden. Beide Armeen sollen wiederum Korps, Divisionen, Brigaden und Bataillone der Verbündeten führen.“
Weiter heißt es in dem Artikel, Deutschland wolle nicht nur bis 2025 eine schwere Division zum neuen – beim Gipfel in Madrid letztes Jahr beschlossenen – Streitkräftemodell beisteuern, was schon länger bekannt ist (siehe IMI-Analyse 2023/15). Auch zur Allied Reaction Force, 40.000 Soldat*innen, die künftig direkt dem NATO-Oberkommandeur (also einem US-Soldaten) unterstehen sollen, wolle Deutschland laut NZZ mit 17 000 Soldat*innen rund ein Drittel beisteuern. (jw)
China: Kein heißer Draht
(5. Juni 2023)Militärische Beinahe-Zusammenstöße zwischen US-amerikanischen und chinesischen nehmen vor allem im Indo-Pazifik immer weiter zu (siehe IMI-Studie 2022/1). Vor diesem Hintergrund ist es beunruhigend, dass die aus dem Kalten Krieg bekannten „Backchannels“ – heißer Draht, rotes Telefon… -, die im Eskalationsfall schnelle Kommunikationswege ermöglichten, heute laut Handelsblatt (via Bpb-Newsletter) scheinbar nicht existieren: „Schon seit Monaten weigert sich die chinesische Regierung, Anrufe von Verteidigungsminister Austin entgegenzunehmen. Daran habe sich bislang nichts geändert, teilte das Pentagon kürzlich mit. Anders als im Kalten Krieg zwischen Moskau und Washington gibt es zwischen Peking und Washington kein Deeskalationsprotokoll. (…) Wie real die Gefahr ist, zeigen Zwischenfälle immer wieder. Erst Mitte dieser Woche wurde bekannt, dass ein chinesisches und ein amerikanisches Militärflugzeug am vergangenen Freitag fast zusammengestoßen wären.“ (jw)
Australien: Kriegsverbrecherurteil
(4. Juni 2023)Der australische Unteroffizier und Kriegsverbrecher Ben Roberts-Smith, der die Zeitungen »Sydney Morning Herald«, »The Age« und die »Canberra Times« wegen ihrer Berichterstattung über seine Kriegsverbrechen in Afghanistan vor dem Bundesgericht in Sydney auf Verleumdung verklagte, hat den Prozess verloren, wie CNN und der Spiegel berichteten. Der ehemalige Angehörige des australischen Eliteregiments Special Air Services (SAS), der mit Australiens höchster Tapferkeitsmedaille und dem Victoria-Kreuz ausgezeichnet wurde, soll sechs unbewaffnete Gefangene in Afghanistan ermordet haben, von denen er einen eine Klippe herunterstieß. Auch Vorwürfe, dass Robert Smith einen Mann mit einer Beinprothese erschoss und die Prothese als “Trinkgefäß” für andere Soldaten mit nach Australien brachte, wurden vom Gericht für wahr befunden. Der Journalist Nick McKenzie bezeichnete den Tag der Urteilsverkündung als “ Tag der kleinen Gerechtigkeit für die afghanischen Opfer von Ben Roberts-Smith.” Roberts-Smith, der bei der Urteilsverkündung nicht anwesend war soll sich am Tag vor der Urteilsverkündung an einem Pool in Bali, Indonesien, aufgehalten haben. (yd)
US-Stützpunkte: Kosten
(4. Juni 2023)Die Nachdenkseiten berichten über eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen, in der es um Anzahl und Kosten der in Deutschland stationierten Soldat*innen geht. Der Antwort der Bundesregierung ist zu entnehmen, dass sich die Kosten für 38.361 US-Soldat*innen bzw. deren Liegenschaft auf 96,5 Mio. Euro beliefen (2022). (jw)
Bulgarien: Militärübung
(3. Juni 2023)Das bulgarische Militär wird vom 5. bis 9. Juni an der Schwarzmeerküste die taktische Übung „Shabla“ 2023 abhalten, bei der Schießübungen mit verschiedenen, Flugzeugen, Hubschraubern, Raketen und Artilleriewaffen, unter anderem mit dem Flugabwehrraketensystem S-300, geplant sind, wie Sofia Globe berichtete. „Es werden intensive Schießübungen mit verschiedenen Land- und Luftplattformen auf Luft- und Bodenziele durchgeführt“, so das Verteidigungsministerium. Neben bulgarischen Bodentruppen, der Luftwaffe, der Marine und dem Joint Special Operations Command sollen auch Flugabwehrraketeneinheiten und Piloten der serbischen Luftwaffe an der Übung teilnehmen. Bei einer ähnlichen Übung im Jahr 2021 starb ein Pilot, als die MiG-29, die er steuerte, ins Schwarze Meer stürzte. (yd)
Musterung: Wiedereinführung?
(3. Juni 2023)Die Wehrbeauftragte Eva Högl bringt angesichts der Bundeswehr-Personalprobleme eine Wiedereinführung der Musterung als „Anwerbeveranstaltung“, schreibt Die Welt, die sich gleichzeitig skeptisch ob der Effektivität einer solchen Initiative zeigt: „Das bringt Zweifel am Realitätssinn der Wehrbeauftragten auf. Eine Musterung muss ja kein traumatisches Erlebnis sein (wobei viele es als solches beschreiben), aber angenehm werden es wohl die wenigsten empfinden – und erst recht nicht als Motivation, danach den Wehrdienst anzutreten.“ (jw)
Schweden: Neue Terrorgesetze
(2. Juni 2023)Nachdem die Türkei deutlich machte, dass sie den NATO-Beitritt Schwedens so lange blockieren werde, bis das Land seine liberalen Anti-Terrorgesetze zu Ungunsten der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der in Rojava aktiven Volksverteidigungseinheiten (YPG) verschärft, sind nun die Anfang Mai vom schwedischen Parlament beschlossenen neuen Terrorgesetze in Kraft getreten, wie ANF berichtete. Durch die neue Gesetzgebung sind in Schweden erstmals „Anklagen wegen der reinen Mitgliedschaft in einer Gruppe, die ,terroristischer Verbindungen‘ verdächtigt wird“ möglich und dafür „sich an einer Terrororganisation zu beteiligen, eine solche Beteiligung zu finanzieren oder anderweitig zu unterstützen“ können mehrjährige Haftstrafen vergeben werden. Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson äußerte sich dahingehend, dass Schweden durch die neuen Terrorgesetze die Bedingungen der Türkei für den schwedischen NATO-Beitritt erfüllt habe und erklärte, dass seine Regierung die Türkei „voll und ganz gegen alle Bedrohungen“ unterstütze. (yd)
Air Defender: Führung
(2. Juni 2023)Worte wie „Führung“ und „Verantwortung“ sind seit einiger Zeit groß in Mode um deutsche Machtansprüche zu umschreiben (siehe IMI-Analyse 2023/19). Jüngstes Beispiel ist Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz, der sich angesichts der deutschen Rolle beim anstehenden Großmanöver Air Defender 2023 dieser Begrifflichkeiten bediente: „Mit Air Defender 2023 zeigen wir, dass Deutschland Führung kann und wir mehr Verantwortung übernehmen.“ Siehe dazu auch die IMI-Sonderseite zu Air Defender 2023. (jw)
KI: (Un)Friendly fire
(2. Juni 2023)Augengeradeaus berichtet über eine Computer-Simulation eines Drohneneinsatzes der U.S. Air Force, bei der sich eine KI gegen den Kontrolleur gewandt haben soll – allerdings scheinen noch viele Details unklar: „Bei der Computer-Simulation eines Drohneneinsatzes der U.S. Air Force, der von einer Künstlichen Intelligenz (KI) gesteuert wurde, entschied das System, das Haupthindernis für eine erfolgreiche Auftragserfüllung auszuschalten: seinen menschlichen Kontrolleur. […] Zusammengefasst: das KI-System sah es als seinen Kernauftrag, gegnerische Flugabwehrstellungen zu zerstören. Und weil der Mensch, der die letztendliche Entscheidung über die Vernichtung hatte, in einigen Fällen nicht zustimmte, wandte sich das System gegen diesen Kontrolleur.“ Update: Augengeradeaus schob inzwischen noch einmal eine Ergänzung nach, die das Ganze doch erheblich relativiert, da es sich um keine Militärsuimulation, sondern um eine Art Gedankenexperiment gehandelt haben soll. (jw)
AUKUS: KI-Erprobung
(2. Juni 2023)Im Jahr 2021 schlossen die USA, Großbritannien und Australien ein Bündnis („AUKUS“), mit dem chinesischen Einflussgewinnen in Ostasien begegnet werden soll (siehe IMI-Analyse 2021/42). Mit Abstand am prominentesten wurde dabei über die Lieferung atomgetriebener U-Boote an Australien berichtet, doch der Pakt sieht eine enge Zusammenarbeit in einer ganzen Reihe von Bereichen vor. So zum Beispiel bei der Künstlichen Intelligenz (KI): wie die Europäische Sicherheit & Technik berichtet habe dazu ein Manöver stattgefunden: „Dabei wurden KI-fähige unbemannte fliegende Plattformen aus Australien, Großbritannien und den USA in einem gemeinschaftlichen Schwarm eingesetzt, um militärische Ziele in Echtzeit in einem realistischen Umfeld zu erfassen und zu verfolgen.“ (jw)
KI kommunal: Interview
(1. Juni 2023)Zur Forschungsinitiative „Cyber Valley“ gab es v.a. in Tübingen massive Proteste. An diesen beteiligten auch Teile der Friedensbewegung, weil u.a. Amazon, das KI-Dienste für das Pentagon anbietet, beteiligt war (s.u.a. IMI-Standpunkt 2021/001, IMI-Studie 2020/03, IMI-Analyse 2019/16, IMI-Analyse 2018/18). Diese Proteste wurden auch in einer Ausstellung aufgegriffen, die aktuell im Tübinger Stadtmuseum zu sehen ist. Aus diesem Anlass lud das Freie Radio Wüste Welle einen Aktivisten der IMI zum Gespräch, in dem es zunächst um die Rahmenbedingungen der KI-Forschung generell und in Tübingen und gegen Ende auch um die aktuellen Entwicklungen militärischer KI geht. Das einstündige Interview kann hier nachgehört werden.
DFG-VK zu Air Defender
(1. Juni 2023)Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) fordert in einer Pressemitteilung „eine Absage der geplante Großübung der NATO“. Weiter heißt es dort: „Durch das militärische Muskelspiel drohe eine direkte Konfrontation zwischen dem Militärbündnis und Russland. Auch vom russischen Militär fordert die Friedensorganisation Deeskalation – etwa durch einen Rückzug aus der Ukraine.“
Zugleich sorge sich die DFG-VK aber „nicht nur um eine direkte Konfrontation: ‚Wer im Juni ein Militärflugzeug hört oder über sich sieht, sollte daran denken, dass es jede Sekunde enorme Steuergelder verfeuert, die etwa im Sozialen-, Bildungs- oder Gesundheitsbereich und beim Klimaschutz fehlen‘, macht Michael Schulze von Glaßer, politischer Geschäftsführer der DFG-VK, aufmerksam. Die Bundesregierung müsse endlich Umdenken und beim Militär sparen: ‚Die tatsächlich sicherheitsrelevanten Probleme der Menschen sind mit Militär nicht zu lösen‘, so Schulze von Glaßer“.
Chiapas: Bewaffnete Angriffe
(1. Juni 2023)Bei Angriffen der ORCAO[-Paramilitärs] wurde in der autonomen Comunidad Moíses y Ghandi im Landkreis Ocosingo, Chiapas, der Compañero und Tseltal-Indigene Gilberto López Sántiz schwer verletzt und schwebt in Lebensgefahr, wie ANF berichtete. Medizinische Hilfe werde Gilberto zur Zeit aktiv verweigert, wofür auch Polizei und Militär verantwortlich seien. Zur Zeit vergehe kein Tag mehr „ohne Nachrichten von bewaffneten Angriffen auf die indigene Autonomie im Bundesstaat Chiapas, insbesondere nahe den zapatistischen Gebieten und an der Grenze zu Guatemala“, wodurch eine „neue Eskalationsstufe“ erreicht sei. „Es mag im Vergleich zu anderen Aggressionen gegen Indigene in Mexiko noch harmlos erscheinen, aber wenn die EZLN ihre Unantastbarkeit in Mexiko verliert – und in diese Richtung entwickelt es sich gerade – dann eskaliert es völlig. Es braucht jetzt starke internationale Reaktionen“ ,so der Bericht weiter. (yd)
Air Defender: Nicht vertrauenserweckend
(1. Juni 2023)Angesichts des kurz bevorstehenden Großmanövers Air Defender (siehe IMI-Analyse 2023/22) gab Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz ein Interview, in dem er versicherte, die beteiligten Flugzeuge würden sich „nur vereinzelt“ nahe der Grenze zu Russland bewegen – und wenn, gehe es da natürlich ausschließlich um „defensive Szenarien“. Bleibt zu hoffen, dass Russland dies auch so sehen wird. Passend dazu die heutige IMI-Onlineveranstaltung „Air Defender 2023: Die NATO übt für den großen Krieg – Deutschland als Drehscheibe“ (19h auf Big Blue Button). (jw)
