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OHB: Fernaufklärung
(26. Februar 2018)Die euphemistisch oft als „Raumfahrtunternehmen“ bezeichnete Bremer Firma OHB hat bereits zahlreiche Satelliten für die Bundeswehr gebaut und übernimmt dabei auch wesentliche Teile des Betriebs. Dies gilt auch für die streng geheime Fernaufklärung, die offenbar von MitarbeiterInnen des Unternehmens u.a. im Zentrum für Strategische Aufklärung in Gelsdorf bei Bonn übernommen wird. Für entsprechende Dienstleistungen habe das Unternehmen OHB nun eine eigene Tochterfirma ins Leben gerufen: die OHB Satellitenbetrieb GmbH. Dies berichtet der Weser Kurier (online) und zitiert den Geschäftsführer der neuen Firma: „Wir stellen eine steigende Nachfrage nach Gesamtsystemen und dem dazugehörigen Betrieb im Markt fest“. Das bedeutet, dass die Bundeswehr offenbar bereit ist, umfassende Teilbereiche ihrer Tätigkeit in die Hände privater Unternehmen zu geben.
Stalag 13 in Afgh.
(26. Februar 2018)Die Stadt Büren im Landkreis Paderborn pflegt eine Partnerschaft mit dem Panzergrenadierbataillon 212 aus Augustdorf, das gegenwärtig Soldaten für den Einsatz in Afghanistan stellt. Diese sandten deshalb einen fotografischen Gruß aus dem Einsatz an die Stadt Büren, den diese wiederum veröffentlichte. Auf dem Foto, das mittlerweile auf vielen Nachrichtenseiten (wie etwa hier) zu sehen ist, stehen zwei Soldaten in Masar-e-Sharif neben einem Ortsschild von Büren. Neben ihnen erkennt man einen Durchgang, über dem gut leserlich die Aufschrift „Stalag 13“ prangt. Stalag steht für die sog. Stammlager der Wehrmacht, in denen Kriegsgefangene festgehalten wurden. Nach der Berichterstattung über diesen offenen Wehrmachtsbezug wurde das Schild „auf Weisung des deutschen Kontingentführers vor Ort sofort entfernt.“ Dass dieser vorher keine Ahnung von dem offenbar aufwändig gestalteten Schild hatte, darf bezweifelt werden.
Rüstungsatlas Hessen (II)
(26. Februar 2018)Kürzlich haben wir auf den frisch erschienen Rüstungsatlas Hessen aufmerksam gemacht, konnten aber damals noch keinen Link, sondern nur Medienberichte darüber finden. Der Link wurde uns nun zugesendet, der Atlas kann hier heruntergeladen werden. (jw)
EU-Parlament: „Auf der Strecke“
(23. Februar 2018)Mit der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) wurde das Konsensprinzip im EU-Militärbereich teilweise aufgebrochen (siehe IMI-Studie 2018/02). Bei der Münchner Sicherheitskonferenz vom 16. Bis 18. Februar erhob unter anderem Kommissionschef Jucker die Forderung, auch Teile der Außenpolitik, zum Beispiel „zivile“ EU-Einsätze zur Ausbildung und Aufrüstung „befreundeter“ Akteure („Ertüchtigung“), vom Konsensprinzip abzukoppeln (siehe IMI-Analyse 2018/05). Selbst die dem Prozess eigentlich wohlwollend gegenüberstehende Stiftung Wissenschaft und Politik merkt hierzu an, dass hier zwar eine Verlagerung von Kompetenzen auf die EU-Ebene stattfindet, aber ausschließlich in Richtung der Regierungen, während das Parlament weiter in diesem Bereich ein Schattendasein fristet: „Die parlamentarische Kontrolle dieser Politik bleibt dabei jedoch völlig auf der Strecke. Abkommen im GASP-Bereich benötigen nicht die Zustimmung des Europäischen Parlaments, nationale Parlamente werden zwar involviert, wenn die Abkommen mit Kosten für die beteiligten Staaten verbunden sind, geben aber in der Regel ihren Segen, weil die Parlamentsmehrheit ihre eigene Regierung nicht kritisieren mag.“ (jw)
Ostasien: Archipel-Verteidigung
(22. Februar 2018)Sowohl die Nationale Sicherheitsstrategie vom Dezember 2017 als auch die Nationale Militärstrategie (NMS) vom Januar 2018 betonen die Notwendigkeit, dass sich die USA für Großmachtkonflikte mit Russland und/oder China rüsten müsse. Auf Breakingdefense argumentiert Andrew F. Krepinevich, einer der renommiertesten US-Militärexperten, eine Operationalisierung der NMS für Ostasien müsse zu einem Konzept führen, das er als „Archipel-Verteidigung“ bezeichnet. Demzufolge werde eine Auseinandersetzung mit China zuerst entlang der Inselkette Japan, Philippinen, Taiwan stattfinden. Dort müssten die USA genügend Kräfte vorwärtsstationieren, um einen Kampf gewinnen zu können. Hierfür sei auch auf THAAD zu setzen, ein US-Raketenabwehrsystem, um dessen Aufbau es gerade in Südkorea heftige Konflikte gibt. Obwohl zumeist betont wird, THAAD richte sich ausschließlich gegen Nordkorea, ist das System technisch in der Lage, auch gegen China eingesetzt zu werden und kaum ein Beobachter geht davon aus, dass das noch eines der wesentlichen Ziele ist (siehe IMI-Analyse 2017/30). Dass THAAD in Kriegsszenarien mit China eine tragende Rolle spielt, zeigen die Überlegungen von Krepinevich: „The overall concept of Archipelagic Defense calls for a forward defense of the archipelago that comprises the Chain (hence the name). U.S. forces need to be deployed forward, on and around the islands before the conflict begins. […] The most difficult adaptation Archipelagic Defense requires of the U.S. military is that ground forces positioned along the First Island Chain must emphasize cross-domain missions. Land-based air and missile defense forces — Patriot, THAAD, and future laser or railgun weapons – focus on preventing the PLA from establishing air superiority.“ (jw)
NATO-Hauptquartiere: Details
(22. Februar 2018)Schon länger im Gespräch wurde die Aufstellung zweier neuer NATO-Hauptquartiere auf dem letzten Treffen der NATO-Verteidigungsminister Mitte letzter Woche konkretisiert. Eines wird wohl in den USA beheimatet sein und sich mit der Kontrolle von Seewegen beschäftigen, für das andere, bei dem die „Verbesserung“ der Logistik im Zentrum stehen soll, hat sich bekannterweise Deutschland angeboten (siehe IMI-Aktuell 2018/090). Defensenews bringt in seiner aktuellen Ausgabe nun einige weitere Details zur Anpassung der Kommandostruktur, die angeblich im November endgültig beschlossen werden soll. Nach dem Kalten Krieg wurde die NATO etwas abgespeckt: Die 33 Hauptquartiere mit 22.000 Soldaten wurden auf 7 Kommandos mit 6.800 Soldaten reduziert. Dies soll nun in Teilen mit Verweis auf die schlechten Beziehungen zu Russland wieder rückgängig gemacht werden. Insgesamt sollen in den Hauptquartieren, so Defensenews, 1.000 bis 1.500 zusätzliche Dienststellen geschaffen werden – davon sollen auf die beiden neuen geplanten Kommandos je 50 bis 100 entfallen. Als Name des in Deutschland ansässigen Hauptquartiers sei lange „Hinterlandkommando“ („Rear Area Operational Command“) im Gespräch gewesen, nun solle es wohl „Joint Support and Enabling Command“ heißen. (jw)
Afghanistan: Sammelabschiebung
(21. Februar 2018)Am gestrigen Dienstag (20.2.2018) fand die erste Sammelabschiebung im Jahr 2018 nach Afghanistan statt. Erst fünf Tage zuvor hatten viele Medien wie etwa tagesschau.de getitelt „Mehr als 10.000 zivile Opfer“. Besonders viele Opfer gingen auf Selbstmordanschläge zurück, wobei Kabul „weiter im Brennpunkt“ bliebe, so heißt es weiter: „Die Vereinten Nationen verzeichneten außerdem einen Anstieg der zivilen Opfer nach Luftangriffen um sieben Prozent. Die USA weiteten beispielsweise 2017 ihre Luftangriffe gegen Taliban und IS massiv aus – auf mehr als 2000 im ganzen Jahr (2016: knapp 1000). Zwar befindet sich die afghanische Luftwaffe noch im Training, aber sie schießt schon. Für 2018 wird nicht erwartet, dass die Opferzahlen weiter zurückgehen.“
Dessen ungeachtet wurden gestern vierzehn Menschen begleitet von Polizei in München in ein Flugzeug gebracht und von dort direkt nach Kabul abgeschoben. Tagesspiegel.de berichtet: „Bereits der zehnte Abschiebeflug in das Kriegsland seit Dezember 2016. Angaben darüber, wer in diesem Flieger sitzen soll und was genau diese Menschen verbrochen haben, gibt die Polizei vor Abflug der Maschine nicht. Der ‚Erfolg der Rückführungsmaßnahmen‘ solle nicht gefährdet werden, so die Bundespolizei. Ebenso wie bei den letzten Abschiebungen kam es zu Protestaktionen. Am Dienstagabend protestierten auf dem Marienplatz in München etwa 200 Menschen.“ in Tübingen beteiligten sich ca. 80 Menschen an einer spontanen Protestkundgebung, darunter auch zahlreiche Menschen aus Afghanistan. Einer von ihnen berichtete, dass er seinen Vater bei einem der großen Anschläge letztes Jahr in Kabul verloren habe.
Traditionserlass: Aufgepeppt
(21. Februar 2018)Im November 2017 erschien der Entwurf für einen neuen Traditionserlass der Bundeswehr (siehe IMI-Analyse 2018/01). Heute soll dem Verteidigungsausschuss die endgültige Fassung vorgelegt werden, die laut FAZ vor allem im – bereits im Entwurf durchaus auch vorhandenen – Positivbezug auf die Armee des Kaiserreichs noch einmal nachgelegt haben soll: „Und während im ersten Entwurfstext die Armeen des Kaiserreiches und der Zeit davor kursorisch als militärische Machtinstrumente feudaler und vordemokratischer Herrscher bewertet worden waren, heißt es nun, die ‚vielfältige Geschichte‘ dieser Armeen ‚spiegelt die Geschichte Deutschlands und ist Quelle erinnerungs- und damit bewahrungswürdiger Vorbilder und Geschehnisse der deutschen (Militär-)Geschichte.‘ Deutsche Streitkräfte hätten damals ‚zahlreiche fortschrittliche und richtungsweisende Verfahren, Strukturen und Prinzipien‘ entwickelt, ‚die noch heute Bedeutung haben, etwa die moderne Stabsarbeit, das Führen mit Auftrag, das Führen von vorne oder das Generalstabswesen‘.“ (jw)
Rüstungsatlas Hessen
(21. Februar 2018)Die Frankfurter Rundschau berichtet über einen im Auftrag der Linken erstellten Rüstungsatlas Hessen (der seltsamerweise noch nicht im Netz zu finden ist, Link wird nachgetragen): „Die Linken-Fraktion hatte 2011 einen ersten Rüstungsatlas Hessen vorgelegt, der ebenfalls von Henken recherchiert worden war. Damals hatte er 50 Firmen aufgeführt, diesmal sind es 61. Zudem enthält der Atlas Angaben über Militärstützpunkte.“ (jw)
Rheinmetall: PESCO-Projekt
(20. Februar 2018)Mit PESCO soll die europaweite Rüstungszusammenarbeit entscheidend vorangetrieben und u.a. über den geplanten künftigen EU-Rüstungshaushalt finanziert werden (siehe IMI-Studie 2018/2). Einem WDR-Bericht zufolge übernimmt Rheinmetall nun die Führung über ein Vorhaben im Rahmen der ersten vereinbarten PESCO-Projekte: „Der Rüstungskonzern Rheinmetall übernimmt die Führung bei einem EU-Projekt zur Vereinheitlichung der Ausrüstung von Soldaten in Europa. Das Projekt ist Teil der Ende 2017 vereinbarten europäischen Verteidigungsunion in Europa, für die zunächst 17 Projekte etwa bei der Ausrüstung, Logistik und bei der Fahrzeugentwicklung benannt wurden. Konkret geht es bei dem Projekt unter Rheinmetall-Führung darum, Sensoren, Software und Kommunikationssysteme für den Einsatz von Infanteristen aus neun EU-Ländern aufeinander abzustimmen.“ (jw)
Pfullendorf: Neue Ermittlungen
(20. Februar 2018)Spiegel Online berichtet über neue Ermittlungen über Vorkommnisse in der Staufer-Kaserne: „Die Staufer-Kaserne in Pfullendorf steht wieder im Mittelpunkt von Ermittlungen. Nach SPIEGEL-Informationen soll ein Ausbilder Soldaten bei einem Marsch so lange angetrieben haben, bis einer ohnmächtig zusammenbrach. […] Konkret soll der Ausbilder an dem Tag einen Marsch über mehrere Kilometer angeordnet haben – obwohl dies so nicht im Lehrplan vorgesehen war. Erst am Tag zuvor hatten die Soldaten ihre Fitness bei einem Sporttest unter Beweis gestellt. Auch nachdem bereits mehrere Soldaten bei dem Marsch zusammengebrochen waren, ließ der Ausbilder die Gruppe zunächst unerbittlich weiterlaufen.“ (jw)
NATO-Generalsekretärin?
(19. Februar 2018)Der Welt am Sonntag zufolge soll Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Gespräch für den Posten der NATO-Generalsekretärin sein, den sie in zwei Jahren übernehmen könnte: „Im Kreis der Nato-Staaten gibt es Überlegungen, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in zwei Jahren zur Nachfolgerin von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu machen. Das berichtet WELT AM SONNTAG unter Berufung auf informierte Kreise des Bündnisses.“ (jw)
Kosovo: Nix zu feiern!
(19. Februar 2018)Am 17. Februar 2008 erklärte die serbische Provinz Kosovo ihre Unabhängigkeit, ein Artikel auf RT Deutsch zeigt, dass es zehn Jahre später rein gar nichts zu feiern gibt: „Laut den Vereinten Nationen lebt ein Drittel der 1,8 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Das monatliche Durchschnittsnettogehalt beträgt rund 360 Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2015 nach Angaben der Weltbank bei 4.000 US-Dollar, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt bei etwa 5,5 Milliarden Euro. Damit bleibt das Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan und unter den ärmsten in ganz Europa.“ (jw)
Rüstungsindustrie: Überraschung!
(17. Februar 2018)Als ob es eine absolut überraschende Erkenntnis wäre, berichtet der Bayerische Rundfunk über eine Veranstaltung am Rande der Sicherheitskonferenz, auf der deutsche Rüstungslobbyisten mehr Geld für den Militärhaushalt forderten: „Gibt Deutschland genügend Geld für die Bundeswehr aus? Darüber wird bei der Sicherheitskonferenz heftig diskutiert. Nicht nur die US-Vertreter fordern einen höheren Wehretat, Gegenwind bekommt die Bundesregierung auch von der Nato und der deutschen Rüstungsindustrie. Diese diskutierte am Rande der Sicherheitskonferenz auf Einladung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft darüber. […] Claus Günther vom deutschen Luftfahrtausrüster Diehl aus Nürnberg ist ein Freund deutlicher Worte: ‚Verteidigung kostet Geld und ohne Moos nix los, um das mal deutlich zu sagen.‘“ (jw)
EU: Mehr militärisches Gewicht
(16. Februar 2018)Thomas Wiegold hat bereits die Rede von Verteidigungsministerin von der Leyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz online gestellt. Insgesamt ist wenig habhaftes dabei, am deutlichsten wurde die Rede bezüglich der „Notwendigkeit“ einer weiteren europäischen Aufrüstung: „Es geht um ein Europa, das auch militärisch mehr Gewicht in die Waagschale werfen kann. […] Der Aufbau von Fähigkeiten und Strukturen ist das eine. Das andere ist der gemeinsame Wille, das militärische Gewicht auch tatsächlich einzusetzen, wenn es die Umstände erfordern.“ (jw)
NATO-Marinebasis: „Nasse Nordflanke“
(16. Februar 2018)Schon vor einiger Zeit wurden Pläne bekannt, in Rostock eine NATO-Marinebasis aufzubauen (siehe IMI-Standpunkt 2017/397). Nun rückte die deutsche Marine mit weiteren Details heraus: „Der nationale Stab DEU MARFOR wird sich ab 2019 zum multinational besetzten Baltic Maritime Component Command (BMCC) weiterentwickeln. Mit diesem wird die Deutsche Marine von Rostock aus einen ganzen NATO-Flottenverband in der Ostsee führen können. Da ist es nur konsequent, dieses Führungszentrum der NATO als taktisches Hauptquartier zur Verfügung zu stellen. Das wird der ’nassen Nordflanke‘ des Bündnisses zusätzliche Stabilität geben und macht aus den Fähigkeiten zur Seekriegführung aller beteiligten Nationen mehr als die Summe ihrer Bestandteile.“ (jw)
USA: Unrekrutierbar
(16. Februar 2018)Die neokonservative Heritage Foundation schlägt Alarm: Von den 34 Millionen US-Einwohnern zwischen 17 und 24, die für einen Dienst in der Armee in Frage kämen, seien 24 Millionen untauglich: „If only 29 percent of the nation’s young adults are qualified to serve, and if this trend continues, it is inevitable that the U.S. military will suffer from a lack of manpower. A manpower shortage in the United States Armed Forces directly compromises national security.” (jw)
Bundeswehr: Überfordert?
(16. Februar 2018)Obwohl sich die Verhandler von CDU/CSU und SPD auf saftige Erhöhungen des Rüstungsetats geeinigt hatten, ging bereits nach Veröffentlichung des Sondierungspapiers das Gejammer der üblichen Verdächtigen los (siehe IMI-Standpunkt 2018/002). Nach der Veröffentlichung des Entwurfs für einen Koalitionsvertrag werden die Beschwerden sogar noch lauter. Aktuell stürzen sich alle Medien auf einen „vertraulichen“ Bericht, der dem notorisch bundeswehrnahen Thorsten Jungholt von der Welt zugeschanzt wurde und die angeblich mangelnde und mutmaßlich auf Unterfinanzierung zurückzuführenden Ausstattungsmängel der Bundewehr beklagt: „“Aus einem vertraulichen Papier des Verteidigungsministeriums geht hervor, dass der für die Aufgabe vorgesehenen Panzerlehrbrigade 9 in Munster derzeit nur neun von 44 vorgesehenen Leopard-2-Kampfpanzern zur Verfügung stehen. Von den 14 benötigten Marder-Schützenpanzern sind nur drei einsatzfähig. Gründe sind die mangelnde Ersatzteilversorgung und hoher Wartungsaufwand. Es fehlen auch Nachtsichtgeräte, Granatmaschinenwaffen, Unterstützungsfahrzeuge, Winterbekleidung und Schutzwesten. Das Heer will nun versuchen, die ‚existenten fähigkeitsrelevanten Defizite aus Beständen anderer Großverbände‘ zu decken, wie es heißt. Dadurch wird allerdings der Übungs- und Ausbildungsbetrieb anderer Teile der Bundeswehr lahmgelegt.“ (jw)
Kalkar/Uedem: Aufwuchs
(15. Februar 2018)Die Rheinische Post berichtet (online) über das Aschermittwochs-Fischessen im Bundeswehr- und NATO-Standort Kalkar, an dem u.a. Bundesumweltministerin Hendricks teilgenommen hat. Dabei wurde mitgeteilt, dass der Standort um 160 Dienstposten vergrößert und bis 2020 für insgesamt 130 Mio. Euro ausgebaut werden soll.
General Joachim Wundrak begründete den Ausbau demnach u.a. so: „‚Frieden und Wohlstand müssen verteidigt werden. Und zwar nicht nur bei uns, sondern in vielen Krisengebieten der Welt.‘ Aktuell seien etwa 50 in Kalkar stationierte Soldaten in Afghanistan, Kosovo, Jordanien, Niger und Mali im Einsatz“.
Bevölkerung: Rüstungsunwillig
(15. Februar 2018)Die Welt berichtet über eine neue Allensbach-Umfrage, derzufolge sich eine deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegen steigende Rüstungsausgaben ausspricht: „[D]ie Bevölkerung [ist] nicht bereit, mehr Geld für die Soldaten auszugeben: Nur 27 Prozent sprechen sich für mehr Investitionen in Ausstattung und Verteidigung aus.“ (jw)
Militär-Schengen (III)
(15. Februar 2018)Augengeradeaus hat einen Text des Verteidigungsministeriums veröffentlicht, in dem die künftigen Aufgaben des geplanten NATO-Logistikkommandos etwas genauer umsrissen werden: „Das Unterstützungskommando soll den Transport von Material und Personal sowie deren Schutz koordinieren. Zudem ist vorgesehen, dass militärische Verbände trainiert und aufeinander abgestimmt werden sollen. […]Die Verantwortung erstreckt sich auf den Verantwortungsbereich des SACEURs und reicht von Grönland bis nach Afrika, Europa und dessen Randmeere.“ (jw)
SiKo: Bundeswehr
(14. Februar 2018)Wie jedes Jahr hat die LINKE-Politikerin Ulla Jelpke bei der Bundesregierung den Umfang des Einsatzes von Bundeswehr-Soldaten im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz und das Ausmaß staatlicher Querfinanzierung erfragt. Ergebnis: Am kommenden Wochenende werden 230 Soldaten und 60 Feldjäger im Einsatz sein, staatlicherseits werden 500.000 Euro zugeschossen. (jw)
Island: Flugzeugträger?
(13. Februar 2018)Pläne zur stärkeren Nutzung Islands im Zuge der sich verschärfenden westliche-russischen Auseinandersetzungen liegen schon länger auf dem Tisch (siehe IMI-Aktuell 2016/109). Die NZZ greift das Thema ausführlich auf, berichtet über die verschiedenen Ideen, Island als eine Art riesigen „Flugzeugträger“ zu nutzen, aber auch über die Skepsis der Bevölkerung: „Der kalte Wind zwischen dem Westen und Russland und die Modernisierung der russischen U-Boot-Flotte rücken Island wieder ins Blickfeld der Nato-Militärstrategen. […] Eine neuerliche ständige Militärpräsenz der USA in Island wäre für die isländische Politik allerdings ein heisses Eisen. Dies umso mehr, als seit Ende 2017 eine von der links-grünen Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir geführte Regierung an der Macht ist. Der Koalition gehören zwar mit der Unabhängigkeits- und der Fortschrittspartei auch zwei Mitte-Rechts-Formationen an, die einer Rückkehr der US-Navy nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Die Links-Grünen aber haben ein dezidiert pazifistisches Profil und stellen sich nicht nur gegen jegliche «Militarisierung» Islands, sondern fordern sogar einen Austritt des Landes aus der Nato.“ (jw)
Siko & Cyber
(13. Februar 2018)Die Zahl der Veranstaltungen im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz steigt immer weiter an. Am Donnerstag vor der eigentlichen Konferenz wird nun in der Komödie im Bayrischen Hof die Cyber Innovation Night stattfinden, die u.a. von Verteidigungsministerin von der Leyen und Generalinspekteur Wieker eröffnet wird. Auf „gruenderszene.de“ findet sich ein (wahrscheinlich von der Bundeswehr verfasster) Beitrag mit dem Titel: „Die Bundeswehr lädt Startups zur Münchner Sicherheitskonferenz ein“. Darin heißt es u.a.: „Seit Mitte letzten Jahres ist der Cyber Innovation Hub (CIH), die Abteilung für digitale Innovation der Bundeswehr, dafür verantwortlich, digitale Produkte der Startup-Szene in das eigene Ökosystem zu integrieren… Das klappt bereits sehr gut. Schon im letzten Jahr lud die Bundeswehr 20 Startups im Rahmen der Kieler Woche auf die Fregatte Mecklenburg-Vorpommern ein – und das mit nachhaltigem Erfolg. Mehrere Firmen wurden unter Vertrag genommen… Am 15. Februar lädt der CIH zur ersten MSC Innovation Night ein. Im Hotel Bayrischer Hof stehen disruptive Technologien, globale Vernetzung, Big Data und exponentielle Veränderung die ganze Nacht lang im Fokus.“
Australien: Deutsche Panzer?
(13. Februar 2018)Dem Handelsblatt zufolge ist Rheinmetall kurz davor, einen großen Auftrag mit Australien zu schießen: „Rheinmetall bietet seinen modifizierten Schützenpanzer Boxer im Rahmen der Ausschreibung „Land 400“ Australien an. Letzter Gegenspieler um den Auftrag in einer geschätzten Höhe von 5 Milliarden Australischen Dollar (3,2 Milliarden Euro) ist BAE Systems mit seinem Patria AMV.“ (jw)
Logistik-Kommando: Hintergrund
(12. Februar 2018)Wie bereits berichtet, verdichten sich die Anzeichen, dass im Raum Köln-Bonn ein neues NATO-Oberkommando für schnelle Verlegungen in Europa entstehen soll (siehe IMI-Aktuell 2018/80). Darüber sind zwischenzeitlich zahlreiche Artikel erschienen, die zusätzliche Informationen enthalten. Ein „Hintergrund“ der Nachrichtenagentur Reuters beginnt jedoch irreführend: „Früher zählte es zum Repertoire der Nato, heute ist es jedes Mal aufs Neue ein Kraftakt: Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges sind die Verbündeten aus der Übung, was das Verlegen von Truppen und Material quer durch Europa angeht. Erst im Januar strandeten sechs amerikanische Panzerhaubitzen auf dem Weg von Polen zum bayerischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr an einer Autobahnraststätte bei Bautzen.“ Unter den Tisch fällt dabei, dass „früher“ etwa Polen noch nicht zur NATO, sondern zum Warschauer Pakt gehört hat und NATO-Truppenverlegungen „quer durch Europa“ in diesem Ausmaß eben nie zum Standardrepertoire der NATO gehört haben.
Die World Socialist Web Site ordnet das neue Kommando in den Kontext des Koalitionsvertrages ein und verweist auf ein weiteres interessantes Detail: „‚Besonderheit des neuen Hauptquartiers in Deutschland soll sein, dass es nicht in die bestehende Nato-Kommandostruktur integriert wird. Dies könnte ermöglichen, das Personal und die Fähigkeiten auch für nationale Übungen und Einsätze außerhalb des Bündnisses zu nutzen,‘ heißt es in den Artikeln der Deutschen Presse-Agentur.“
Rüstungshaushalt: Prioritär
(12. Februar 2018)Streitkräfte und Strategien macht noch einmal darauf aufmerksam, dass im Koalitionsvertrag nicht nur – und das wäre ja schon übel genug – ein kräftiger Aufwuchs des Rüstungshaushaltes von 38,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 42,4 Milliarden 2021 vereinbart wurde. Den CDU-Abgeordneten Johann Wadephul zitierend, wird darauf verwiesen, dass zusätzliche Haushaltsspielräume prioritär dem Bundeswehr-Etat zugeführt werden sollen: „Na immerhin steht drin, dass alle weiteren Haushaltsspielräume prioritär – und das soll halt betont werden, und das war auch umstritten – für diesen Bereich eingesetzt werden sollen.“ In eigene Worte übersetzt dies Streitkräfte und Strategien noch einmal folgendermaßen: „Das heißt: wenn die Steuereinnahmen besser ausfallen als berechnet und weitere Milliarden übrig bleiben, dann soll die Bundeswehr zusätzliches Geld erhalten, ‚prioritär‘, wie im Koalitionsvertrag steht.“ (jw)
Frankreich: Rüstungsoffensive (II)
(12. Februar 2018)Für die schon länger angekündigten Erhöhungen des französischen Rüstungshaushaltes (siehe IMI-Aktuell 2018/039) liegen nun konkrete Zahlen vor. Defensenews schreibt: „France unveiled Thursday a draft of its 2019-2025 military budget plan, setting €295 billion (U.S. $361 billion) on spending […]. That spending plan compares to €190 billion in the present 2014-2018 budget law. […] A first phase consists of €198 billion in the present five-year government term, with defense spending rising €1.7 billion each year to hit €44 billion in 2023. That compares to the 2018 budget of €34.2 billion.“ (jw)
Sicherheitskonferenz: Aufgalopp!
(9. Februar 2018)Am übernächsten Wochenende wird wieder die alljährliche Münchner Sicherheitskonferenz stattfinden. Seit einiger Zeit wird kurz zuvor vom Veranstalter der Munich Security Report veröffentlicht, um schon einmal bestimmte Impulse zu setzen. In diesem Jahr trägt er den Titel „To the Brink – and Back?“ Besonderes Augenmerk wird auf die Forderung nach einem deutlichen Aufwuchs der Rüstungsinvestitionen gelegt, die bereits in der im Auftrag der Sicherheitskonferenz von McKinsey angefertigten Papier „More European, More Connected and More Capable“ vom November 2017 erhoben wurde. In beiden Papieren wird vorgerechnet, dass die Einhaltung des NATO-2%-Ziels zu einer Steigerung der NATO-Rüstungsausgaben von 242 Mrd. Dollar (2017) auf 386 Mrd. Dollar (2024) führen würde., was von den Autoren natürlich jeweils begrüßt würde. (jw)
Noch mehr deutsche Waffen für die Türkei?
(8. Februar 2018)Neues Deutschland berichtet über die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag: „Trotz der Türkei-Offensive in Syrien mit deutschen Panzern will die Bundesregierung die Rüstungsexporte an den NATO-Partner Türkei vorerst nicht stoppen. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage der Grünen vor[…]. Darin schreibt Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD), die Bundesregierung werde die weitere Entwicklung in der Türkei und in der Region ‚genau verfolgen und wie bisher im Rahmen ihrer Genehmigungspraxis berücksichtigen‘. Die Regierung entscheide über die Genehmigung für solche Exporte im Einzelfall und nach sorgfältiger Prüfung und beziehe dabei ‚außen-und sicherheitspolitische Erwägungen‘ mit ein. Allerdings sei man sich einig, mit kritischen Vorhaben ‚bis zur Neubildung einer Regierung zu warten‘.“
Dies ist jedoch keinesfalls ausreichend. Alle Waffen-Exporte in die Türkei müssen umgehend gestoppt werden, da die Türkei deutsche Waffen für völkerrechtswidrige Kriege und gegen die eigene Bevölkerung einsetzt! (ak)
US-Rüstungshaushalt: Erhöhung (II)
(8. Februar 2018)Die von der Trump-Regierung vorgeschlagene saftige Erhöhung des US-Rüstungshaushaltes scheint vom Senat durchgewunken zu werden, berichtet Defensenews: „Senate leaders have reached a two-year deal that would set defense spending at $700 billion for 2018 and $716 billion for 2019.“ (jw)
NATO: Deutsches Logistik-Kommando?
(8. Februar 2018)Dass Deutschland ein Logistik-Hauptquartier der NATO zur „Verbesserung“ der schnellen Verlegefähigkeit nach Osteuropa stellen will, steht als Gerücht schon länger im Raum (siehe IMI-Standpunkt 2017/646). Nun scheinen sich die Hinweise darauf zu verdichten, wenn die FAZ schreibt: „Im Zuge der Aufrüstung der Nato wird die Bundeswehr aller Voraussicht nach ein neues Planungs- und Führungszentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte aufbauen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben sich die Bündnisstaaten grundsätzlich darauf verständigt, ein entsprechendes Angebot von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) anzunehmen. […] Standort für das neue Planungs- und Führungszentrum könnte nach dpa-Informationen die Region Köln-Bonn werden.“ (jw)
China: Warnung
(7. Februar 2018)Die Washington Post (via Bpb-Newsletter) berichtet über zwei Studien des Mercator Instituts und des European Council on Foreign Relations, die davor warnen, trotz der Konfrontation mit Russland auch den wachsenden chinesischen Einfluss zu berücksichtigen: „’Political elites in the E.U. and its close neighbors have started to embrace Chinese rhetoric and interests, including where they contradict national or European interests,’ write Thorsten Benner, Jan Gaspers, Mareike Ohlberg, Lucrezia Poggetti and Kristin Shi-Kupfer, in a study released Monday and financed by the Global Public Policy Institute and the Mercator Institute for China Studies, two Berlin-based think tanks. A report by the European Council on Foreign Relations with similar conclusions was released last December.” (jw)
Unterallgäu: Jugendarbeit
(6. Februar 2018)„Jugendarbeit in Pfaffenhausen“ ist ein Artikel in der Augsburger Allgemeinen (online) überschrieben, den man zunächst für Satire halten mag. Berichtet wird von einer „Aktion des Pfaffenhausener Jugendzentrums“, bei der sich Kinder, angeleitet von Angehörigen des Schützenvereins und der Bundeswehr, im Schießen üben konnten: „Viel Spaß hatten auch die anderen jungen Schützen an diesem Nachmittag. In den Pausen vergnügten sich die Kinder mit Karten- oder Knobelspielen. Auch die Mädels wie Viola Marz (10) und Julia Miller (11) fanden das Schießen „cool“ und trafen auch recht gut, mit Neun- und Zehn-Punkte Schüssen, wie sie stolz berichteten. Zuletzt spendierte der Pfaffenhausener Schützenverein noch Getränke und Pizza für alle.“ Leider aber ist das keine Satire, auch wenn der Titel des Artikels kalauert: „Juze-Aktion trifft ins Schwarze“.
Britische Stationierungen
(6. Februar 2018)Wegen der unklaren Zukunft einiger britischer Standorte in Mönchengladbach hat rp-online.de einen Beitrag über die Präsenz britischer Soldaten in Deutschland veröffentlicht: „Zurzeit sind noch rund 4000 britische Soldaten mit Schwerpunkt in Westfalen in Deutschland stationiert.“
Zitiert wird u.a. Mike Whitehurst, Sprecher der British Forces Germany: „Bis 2020 werden alle britischen Truppen Deutschland verlassen haben. Das ist der Plan, daran hat sich nichts geändert.“
Andererseits soll es jedoch Ausnahmen geben, wie ein „Depot für schweres Heeresgerät“ in den Ayrshire-Barracks bei Mönchengladbach: „Hier sind nur noch um die zehn Soldaten tätig, die durch eine unbekannte Zahl an Zivilangestellten ergänzt werden. Dieses Lager entlang der Autobahn 61 – auf Luftbildern sieht man rund 40 große Hallen, ausgedehnte Freiflächen und einen Bahnanschluss – soll über 2020 hinaus in Betrieb bleiben.“
Wenige Kilometer Westlich dieses Standortes liegt das noch deutlich größere ehemalige Joint Headquarter der britischen Armee „Rheindahlen“, das seit 2013 leersteht. Nun gibt es Gerüchte, dass die britische Armee es reaktivieren könnte: „[D]ie Nato hat zwei neue Kommandostäbe beschlossen und sucht dafür dem Vernehmen nach Standorte. Eines der Hauptquartiere soll Truppenverlegungen innerhalb Europas führen… Ein Blick auf die Landkarte macht deutlich, dass für die Briten zum Schutz der Nato-Nordostflanke, speziell Polen, Estland, Lettland und Litauen, eine Basis als Drehscheibe in Deutschland sinnvoll wäre… „
EU-Rüstungsdaten
(6. Februar 2018)Wie immer notorisch verspätet aber immerhin veröffentlichte nun die EU-Verteidigungsagentur ihre „Defence Data“ mit den entsprechenden Zahlen für das Jahr 2016. Auffällig der Anstieg der EU-Rüstungsausgaben von 193 Mrd. Euro (2005) auf 207 Mrd. (2016). (jw)
Dänemark: Militärhaushalt
(6. Februar 2018)Defensenews berichtet über massive Steigerungen des Rüstungshaushaltes in Dänemark: „On the immediate front, the agreement will increase defense spending by $134 million to $3.8 billion in 2018. In the long term, the deal will grow military spending by 20 percent, to $4.6 billion, in 2023.“ (jw)
China: OBOR & Afghanische Basis?
(6. Februar 2018)AFP meldet, Peking und Kabul befänden sich inmitten von Verhandlungen über die Errichtung einer chinesischen Militärbasis in Afghanistans. Offiziell wird das Vorhaben als Anti-Terror-Operation bezeichnet, der Artikel sieht die Motivation aber vor allem im Zusammenhang mit der chinesischen Neuen Seidenstraßeninitiative (OBOR), in deren Folge Milliardenbeträge u.a. in den China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) gepumpt werden sollen, zu dem womöglich auch bald Afghanistan gehören soll: „Worried about militants sneaking into a restive Chinese region from war-torn Afghanistan, Beijing is in talks with Kabul over the construction of a military base, Afghan officials say. […] The Chinese are pouring billions of dollars into infrastructure in South Asia. With Afghanistan’s potential to destabilize the region, analysts said any moves there would be viewed through the prism of security. […] It [China] recently flagged the possibility of including Afghanistan in the $54-billion China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) linking western China to the Indian Ocean via Pakistan. […] ‚The anti-terrorism motivation is an important one but it’s not as important as the bigger move to boost the CPEC,‘ said Willy Lam, a political analyst in Hong Kong.“ (jw)
Rüstung: Goldene Nasen
(5. Februar 2018)Erfreulich viel Publicity erhielten die Aktionen von Aktivistinnen in München, BR24 etwa berichtete: „Mit Skulpturen demonstrieren Rüstungsgegner heute auf dem Münchner Marienplatz gegen die Profiteure von Waffengeschäften. Die ‚goldenen Nasen‘ stehen sinnbildlich für führende Manager deutscher Rüstungsunternehmen. […] Die Veranstalter wollen mit der Aktion nach eigenen Angaben den Opfern eine Stimme und den Tätern Name und Gesicht geben.“ (jw)
USA: „Kleine“ Atomwaffen
(5. Februar 2018)Wie sich bereits im Entwurf angedeutet hatte, äußert die US-Regierung in der nun erschienenen Überprüfung ihrer Nuklearstrategie (Nuclear Posture Review) die Absicht, „kleine“ Atomwaffen entwickeln zu wollen. Diese seien „besser“ einsetzbar und könnten deshalb – so zumindest die vorgebrachte „Logik“ – den Einsatz solcher Waffen durch feindliche Akteure abschrecken. Die Frankfurter Rundschau schreibt: „Die US-Regierung von Präsident Donald Trump will die Entwicklung neuer Atomwaffen mit einer geringeren Sprengkraft vorantreiben. Die Veränderungen sollten vor allem der Abschreckung gegenüber Russland dienen, heißt es in einem Bericht zur neuen Nuklearstrategie, den das Pentagon veröffentlichte. […] Auch „kleine Atomwaffen“ („Mini-Nukes“) verfügen über ein gewaltiges Zerstörungspotenzial. Darunter fallen solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen. Zum Vergleich: Auch die Atombomben, die die USA über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, lagen beide unter 20 Kilotonnen.“ UPDATE: Auf tagesschau.de kritisiert die Direktorin der Kampagne für atomare Abrüstung (ICAN), Beatrice Fihn, die US-Pläne: „Es ist ein massiver Versuch, Atomwaffen aus den Bunkern zu holen und aufs Schlachtfeld zu verlegen“. (jw)
Rüstungsbeschaffung: Spitze!
(5. Februar 2018)Nicht nur bei den Rüstungsexporten war die Große Koalition gegenüber ihrer Schwarzgelben Vorgängerregierung „Spitze“ (siehe IMI-Standpunkt 2018/002), bei den Beschaffungen war es dasselbe. BAKS-Präsident Karl-Heinz Kamp schreibt im Focus: „In den letzten vier Jahren billigte der Bundestag Rüstungsprojekte für rund 32 Milliarden Euro – in der Legislaturperiode davor waren es nur 6 Milliarden.“ (jw)
Sturmgewehr: Teurer
(2. Februar 2018)Auch das geplante neue Sturmgewehr der Bundeswehr soll nun deutlich teurer als ursprünglich geplant werden, berichtet das Handelsblatt: „Die Einführung des neuen Sturmgewehrs für die Bundeswehr wird teurer als bislang bekannt. Nach Informationen des Handelsblatts soll die Anschaffung der Nachfolgewaffe des umstrittenen G36 mindestens 375 Millionen Euro kosten. Bislang war nur von 250 Millionen Euro die Rede. Für diesen Preis hatte das zuständige Beschaffungsamt (BAAINBw) in Koblenz im vergangenen Jahr den Kauf von 120.000 Sturmgewehren ausgeschrieben. Die Waffen sollen ab 2020 an die Bundeswehr ausgeliefert werden.“ (jw)
Kampfdrohne: Anschaffung
(2. Februar 2018)Wie sich schon bei den Sondierungsgesprächen angedeutet hatte, haben sich CDU/CSU und SPD nun bei den Koalitionsverhandlungen auf die Anschaffung einer waffenfähigen Drohne geeinigt. Beschafft werden soll eine Heron TP als eine Art „Brückenlösung“, bis eine EU-Drohne am, Start ist, wie u.a. das Handelsblatt berichtet: „Union und SPD wollen für die Bundeswehr waffenfähige Drohnen beschaffen. Im Sommer hatte die SPD das Projekt noch verhindert und auf reinen Aufklärungsdrohnen beharrt. […] ‚Wir werden im Rahmen der Europäischen Verteidigungsunion die Entwicklung der Euro-Drohne weiterführen‘, heißt es in dem Text, und: ‚Als Übergangslösung wird die Drohne Heron TP geleast‘“. (jw)
Taliban-Kämpfer
(2. Februar 2018)Einem NBC-Bericht zufogle wurden die Schätzungen zum Umfang der Taliban-Kämpfer in Afghanistan deutlich nach oben korrigiert: „In 2014, U.S. officials told NBC News that the number of Taliban fighters in Afghanistan was about 20,000. Four years later, one U.S. defense official said the current Taliban strength is at least 60,000. Another senior U.S. official said 60,000 ‚passes the sniff test,‘ while a third official said 60,000 is ‚a place to start.’” (jw)
Türkei blockiert liveuamap.com
(1. Februar 2018)Auf der Seite liveuamap.com lassen sich aktuelle Konflikte, v.a. der Syrien-Konflikt, nahezu in Echtzeit verfolgen. Um die Zusammenhänge im Syrienkonflikt besser verständlich zu machen, werden die Nachrichten aus der Krisenregion dort auf eine Google-Maps-Karte angezeigt und farblich der jeweiligen Konfliktpartei zugeordnet. Ukrainische Software-Entwickler_innen entwickelten die Nachrichtenkarte 2014 und wollten ursprünglich den Krieg in der Ukraine dokumentieren. Die auf der Karte dargestellten Nachrichten stammen zumeist von Meldungen der Twitter-Accounts bekannter Nachrichtenagenturen, aber auch von offiziellen Stellen. Auch die Nutzer_innen werden eingebunden, um eine einseitige Darstellung der Vorfälle zu verhindern.
Das türkische oppositionelle Nachrichtenportal Ahvalnews berichtet, dass die türkische Regierung den Zugang zu der Seite blockiert hat. Ein Zusammenhang mit dem türkischen Angriffskrieg gegen die nordsyrische Enklave Afrin ist naheliegend. Auf der Seite lässt sich der Fortschritt der türkischen Invasion nachvollziehen. Dass die türkische Armee und ihre Verbündeten bislang nur wenige Kilometer weit nach Afrin vordringen konnte, könnte ein Grund für die Zensur sein. Denn die auf der Karte dargestellten Informationen passen nicht zum Narrativ der staatlich kontrollierten Medien, die nur Erfolgsmeldungen über die Invasion veröffentlichen. Auch auf der Seite veröffentlichte Informationen über getötete oder verletzte Zivilist_innen durch türkische Luftschläge passen nicht zur Darstellung der türkischen Regierung. (ak)
Ischinger: Rüstung
(1. Februar 2018)Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz kommentiert deren Leite Wolfgang Ischinger, die Koalitionsverhandlungen. Er könne sich „nicht vorstellbar, dass eine Koalitionsvereinbarung zustande kommt, in der nicht mindestens das Fähigkeits-Bekenntnis zu den Nato-Zielen von Wales und Warschau vorkommt“. Diese Ziele sehen ja bekanntlich Verteidigungsausgaben in Höhe von 2% des BIP vor und damit tendenziell fast eine Verdoppelungen des jetzigen Verteidigungshaushaltes. Außerdem kritisierte Ischinger „die in den Sondierungen vereinbarten Restriktionen für Rüstungsexporte“, wie Reuters berichtet.
Rüstungshaushalt: Nörgelei
(1. Februar 2018)Obwohl sich SPD und CDU/CSU bei den Sondierungsgesprächen auf höhere Rüstungsausgaben geeinigt hatten, als dies wohl unter einer Jamaika-Koalition der Fall gewesen wäre, geht das Nörgeln unablässig weiter. Die Bundeswehr sei eine „potemkinsche Armee“ kritisieren Thomas Kleine-Brockhoff und Jan Techau in der Welt. Sie werfen der vor, sie betreibe eine „Hasardeurstaktik im Umgang mit nationaler Sicherheit.“ Eine konkrete Zahl, nämlich 7,5 Mrd. mehr als ohnehin beschlossen, benennt Ex-General Bruno Kasdorf, der von der Nachrichtenagentur dts zitiert wird: „Union und SPD handeln verantwortungslos. Ihre Pläne untergraben die Glaubwürdigkeit von Deutschland als Bündnispartner, sie gefährden die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und sie machen die Truppe als modernen Arbeitgeber unattraktiv.“ (jw)
Nato-Immunität
(31. Januar 2018)Khalid al-Hamedi, Präsident der International Organisation for Peace, Care and Relief (OPCR), verlor bei einem NATO-Bombenangriff auf sein Wohnhaus in Libyen 2011 dreizehn Familienmitglieder und hat deshalb in Belgien gegen die NATO geklagt, wie „der Freitag“ in seinem Blog berichtet. Das zuständige Gericht jedoch entschied, dass die Immunität der NATO deshalb nicht aufgehoben werden könne und bezog sich dabei auf das Ottawa-Abkommen über den Status der NATO von 1951, das die Organisation tatsächlich sehr weitgehend vor Ermittlungen und Strafverfolgung in den Mitgliedsstaaten schützt. Die entsprechenden Artikel V und VI lauten:
„Article V
The Organization, its property and assets, wheresoever located and by whomsoever held, shall enjoy immunity from every form of legal process except in so far as in any particular case the Chairman of the Council Deputies, acting on behalf of the Organization, may expressly authorize the waiver of this immunity. It is however, understood that no waiver of immunity shall extend to any measure of execution or detention of property.
Article VI
The premises of the Organization shall be inviolable. Its property and assets, wheresoever located and by whomsoever held, shall be immune from search, requisition, confiscation, expropriation or any other form of interference.“
Mali: Klartext
(31. Januar 2018)Die Heinrich-Boell-Stiftung hat ein E-Paper von Charlotte Wiedemann zur Lage in Mali veröffentlicht. Unter dem Titel „Viel Militär, weniger Sicherheit. Mali – fünf Jahre nach Beginn der Intervention“ wird Bilanz gezogen. Die Zusammenfassung lautet:
„– – Fünf Jahren internationaler Militärintervention haben für Malis Bevölkerung keine
Sicherheit gebracht. Vielmehr breiten sich die Zonen der Unsicherheit im Land
immer weiter aus.
– – Der offizielle Friedensprozess für Nordmali hat nicht zur Entmachtung der bewaffne-
ten Gruppen geführt, sondern zur Vervielfachung von Milizen. Die Grenzen zwischen
Bündnispartnern, Dschihadisten und Großkriminellen sind fließend. In Zentralmali
vermischt sich unterdessen Dschihadismus mit sozialer Revolte.
– – Den Dialog mit Dschihadisten zu tabuisieren wird als Diktat der europäischen Partner
empfunden und trägt zum Gefühl der Entmündigung bei.
– – Die UN-Mission Minusma und die Dominanz internationaler Akteure in der Entschei-
dung über malische Belange wird als Belastung gesehen.
– – Die Qualität der «Gouvernance», der Regierungsführung, hat unter Präsident Ibrahim
Boubacar Keita einen Tiefpunkt erreicht.
– – Die Krise hat neue Dynamiken in der jungen Generation und eine gestärkte Opposition
hervorgebracht. Beides wird für den Friedensprozess nicht genutzt.
– – Der Staat ist heute in weniger Gebieten präsent als noch vor fünf Jahren. Die für Juli
2018 geplanten Präsidentschaftswahlen sind deshalb fraglich geworden
– – Fazit: Ein in mehrfacher Hinsicht von außen dominiertes Vorgehen hat im Bünd-
nis mit einer miserablen Regierungsführung das Land noch näher an den Abgrund
gebracht.“
IS & US-Irak-Krieg
(31. Januar 2018)The Intercept (via Bpb-Newsletter) macht auf ein jüngstes Interview von David Kilcullen aufmerksam, einem der führenden US-Experten für Aufstandsbekämpfung, der in der Bush-Regierung hohe Posten bekleidete. Ihm zufolge sei die Entstehung des Islamischen Staates eine direkte Fogle des US-Einmarsches im Irak gewesen: „We have to recognize that a lot of the problem is of our own making. There, undeniably, would be no ISIS if we hadn’t invaded Iraq.” (jw)
Aden: Gefechte
(30. Januar 2018)Der Krieg im Jemen wird immer komplizierter. Erst im Dezember hatte der ehemalige Präsident Saleh sein Bündnis mit den aufständischen Huthis gegen den von Saudi Arabien gestützten Präsidenten Hadi aufgekündigt und war daraufhin verstorben bzw. getötet worden. Teile der ohnehin längst zersplitterten offiziellen Armee haben daraufhin ihrerseits den Kampf gegen die Huthi aufgenommen, an dem sich auch „seperatistische“ Kräfte beteiligt hatten. Diese gerieten nun in Aden offenbar wiederum mit der von Saudi Arabien unterstützten Hadi-Allianz aneinander. Beim Deutschlandfunk heißt es: „Fraglich ist, wie die Militärallianz, die Saudi-Arabien vor drei Jahren aus verschiedenen arabischen Staaten schmiedete, reagieren wird, wenn die Auseinandersetzungen weitergehen. Das Bündnis steht formal geschlossen auf der Seite von Präsident Hadi. Aber offenbar gibt es Brüche innerhalb des Bündnisses: Die Separatisten, die jetzt gegen Hadi und seine Leute kämpfen, sollen von Soldaten der Vereinigten Arabischen Emirate ausgebildet worden sein. Die Emirate sind jedoch gleichzeitig Teil der von Saudi-Arabien gebildeten Allianz für Präsident Hadi.“ Ein ausführlicher Beitrag zur Vorgeschichte erschien auf Telepolis.
Bundeswehr & Rechtsextremismus
(30. Januar 2018)U.a. die Welt berichtet über die massiv gestiegene Zahl – gemeldeter – rechtsextremer Verdachtsfälle in der Bundeswehr: „Seit der Affäre um den rechtsextremen Soldaten Franco A. geht der Militärgeheimdienst MAD so vielen mutmaßlichen Rechtsextremisten in der Bundeswehr nach wie seit Jahren nicht mehr. 2017 seien 400 neue Verdachtsfälle hinzugekommen, teilte die Behörde der Deutschen Presse-Agentur mit. In den Jahren seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 waren es im Schnitt 300 pro Jahr.“ (jw)
Tücken der Technik
(30. Januar 2018)Der Cyberwar fängt klein an – z.B. bei den Gewohnheiten von Soldaten beim Joggen. Wie die Zeitung „Welt“ berichtet ist eine Fitness-App schuld daran, dass die „geheimen Stützpunkte“ z.B. deutscher oder US-amerikanischer Soldaten im Internet sichtbar sind. Demnach sind Nutzer der App auf einer virtuellen Karte im Internet markiert, wenn sie Joggen und die App nutzen – auch im Einsatz z.B. in Mali. So ist es ihnen möglich virtuelle Wettkämpfe auszutragen – andere Funktionen sind z.B. der Austausch von Laufrouten. Vielleicht finden sich ja so auch die Spezialeinheiten des KSK bei ihren weltweiten Einsätzen. (as)
„Ostflanke“: Stolperdraht
(29. Januar 2018)Das Handelsblatt berichtet anlässlich des bevorstehenden Kontingentwechsels (und eines Jahrestages) über die Mission „Enhanced Forward Presence“ in Litauen: „Seit einem Jahr sind rund 500 deutsche Soldaten an der Ostflanke der Nato stationiert. Ihr Auftrag: Russland die Zähne zeigen … Die Bundeswehr führt den Gefechtsverband in Litauen an. Die Soldaten sind in Rukla stationiert, nur 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Hier üben sie mit anderen Nationen in den Wäldern den Ernstfall, die Militärmanöver nennen sich ‚Iron Wolf‘ oder ‚Flaming Thunder‘. So bedrohlich die Namen klingen mögen: Es geht in den Übungsszenarien nicht darum, den Feind im Ernstfall zu besiegen. Die paar Tausend Soldaten hätten einer russischen Invasion wenig entgegenzusetzen.“
Stattdessen übernähmen sie die Funktion eines „Stolperdrahtes“: „‚Wenn jemand da eindringt, löst er gewissermaßen den Draht aus‘, sagt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels der Deutschen Presse-Agentur. Die Abschreckung der Nato bestehe nicht darin, dass man ‚an vier Ecken 1000 Soldaten‘ habe, sondern dass das Bündnis in der Lage wäre, seine Kräfte im Osten rasch zu verstärken. Mit der Mission wird denn auch die Verlegung großer Waffensysteme geübt. Das habe man Jahrzehnte nicht mehr gemacht, sagt Bartels.“
US-Rüsungshaushalt: Erhöhung
(29. Januar 2018)Bloomberg berichtet über die Pläne der Trump-Adminstration, den US-Militärhaushalt im Haushaltsjahr 2019 noch einmal saftig anzuheben: „President Donald Trump will propose $716 billion in defense spending in his fiscal 2019 budget request, a 7.2 percent from his request for this year that backs the Pentagon’s push for a major buildup, a U.S. official said. […] The amount is a sharp increase from the $668 billion total Trump proposed last year for fiscal 2018 and also offered as a placeholder for fiscal 2019.“ (jw)
Polare Seidenstrasse?
(28. Januar 2018)Als ob es in der Arktis geopolitisch gesehen nicht schon eng genug zugehen würde, hat dem Diplomat zufolge China kürzlich erstmals eine eigene Arktis-Strategie veröffentlicht: “’China is an important stakeholder in Arctic affairs. Geographically, China is a ‘Near-Arctic State’, one of the continental States that are closest to the Arctic Circle,‘ the paper, which was issued by the State Council Information Office, said. […] Sharing ‚interests with Arctic States,‘ China hopes to work with all parties to ‚jointly build a ‘Polar Silk Road,’ and facilitate connectivity and sustainable economic and social development of the Arctic.'“
Aldi rekrutiert
(27. Januar 2018)Nicht nur Amazon (siehe IMI-Aktuell 2018/051), auch der Lebensmitteldiscounter Aldi scheint bei Bewerbern verstärkt soldatische Tugenden zu bevorzugen. Businessinsider schreibt: „Auch Aldi und hat die Nische für sich entdeckt. Der Discounter spricht seit 2015 gezielt Bewerber aus der Bundeswehr an. „Soldaten bringen stark ausgeprägte persönliche und soziale Kompetenzen mit, sind leistungsorientiert und in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Daher passt diese Zielgruppe richtig gut zu unseren Unternehmenswerten“, sagte eine Sprecherin von Aldi Süd 2016 der ‚Lebensmittelzeitung‘.“ (jw)
ITEC ohne Zukunft
(26. Januar 2018)Über einen schönen Erfolg berichtet die DFG-VK. Nachdem die Rüstungsmesse ITEC schon aus Köln nach Stuttgart abwandern musste, scheint auch ihr dortiger Unterschlupf nach Protesten nicht von Dauer zu sein. In einer DFG-VK-Pressemitteilung heißt es: „Im Mai soll in Stuttgart die umstrittene Rüstungsmesse ITEC stattfinden – nach Protesten versicherte der Bürgermeister, dass es auch das letzte Mal sein wird. […] Während draußen protestiert wurde, übergaben einige Aktivisten dem Ersten Bürgermeister der Stadt, Michael Föll, einige hundert Unterschriften gegen die Rüstungsmesse. Dabei sicherte Föll zu, dass die ITEC nach 2018 nicht noch einmal in der Stadt zugelassen werden“. (jw)
Erzwungene Rüstungskontrolle?
(26. Januar 2018)Aktuell kursiert ein Entwurf der Überprüfung der US-Nuklearstrategie (Nuclear Posture Review). Auf Defense One macht Michael Krepon (via Bpb-Newsletter) auf eine Passage mi Entwurf aufmerksam, die sich als hochgefährlich erweisen könnte. Die Rede ist darin nämlich davon, künftige Abrüstungsvereinbarungen müssten „erzwingbar“ („enfocable“) sein, was zumindest Spekulationen zulässt, dass hier eine Art militärische Zwangsabrüstung gemeint sein könnte: „By insisting that future arms control agreements be “enforceable,” the Trump administration could substitute military strikes for diplomacy.” (jw)
Unterseekabel (II)
(25. Januar 2018)Immer wieder sorgen die Meldungen der NATO über angeblich verstärkte russische U-Boot-Aktivitäten in der Nähe von Unterseekabeln für Medienresonanz (siehe IMI-Aktuell 2018/033). Nun berichtet auch das ZDF und relativiert ebenfalls: „Allerdings deuten die Berichte der U-Boot-Kommandanten eher darauf hin, dass die russischen Bootsbesatzungen genau das machen, was ihre amerikanischen Kollegen auch schon seit langem tun: Sie belauschen die Datenkommunikation. Die US-Marine hat im Jahr 2005 bereits das Spionage-U-Boot ‚Jimmy Carter‘ in Dienst gestellt. Nach Einschätzung von Geheimdienstexperten ist die ‚Jimmy Carter‘ das Mutterschiff von kleineren U-Booten, die mit Sonderanfertigungen von Biegekopplern für den Unterwassereinsatz ausgerüstet sind. Damit können auf dem Meeresboden liegende Glasfaserkabel angezapft werden. Moderne Lauschgeräte benötigen nur weniger als zwei Prozent der optischen Leistung der Glasfaser, um das komplette Signal abzugreifen und in Bits umzuwandeln. Die so gewonnenen Daten werden dann dem Mutterschiff übergeben und dort ausgewertet. Besonders wichtige Datenbestände werden sogar per Satellit von der ‚Jimmy Carter‘ an das Hauptquartier der National Security Agency in Fort Meade gefunkt.“
Amazon: Militärs gesucht
(25. Januar 2018)Die Internetseite Werben & Verkaufen macht auf eine neue „Personalstrategie des Internetriesens Amazon aufmerksam, die direkt an Soldaten gerichtet sei: „‘Im Zweifel: handeln!‘ heißt eines des Führungsprinzipien bei Amazon. Ein Fall für die Bundeswehr, findet der Konzern und sucht darum gezielt nach Offizieren, die den Dienst quittieren wollen. […] Gefordert werden u.a. ein Bachelor-Abschluss (gerne auch MBA) und ‚Entschlossenheit und Hartnäckigkeit‘, um ‚in einer dynamischen Umgebung schnell die Führung zu übernehmen‘.“ (jw)
Afghanistan: Armee und Menschenrechte
(25. Januar 2018)Die New York Times (via Bpb-Newsletter) berichtet über die neueste Ausgabe des Lageberichts des US-Sonderinspekteurs für Afghanistan. Besonders „interessant“ ist eine genaue Zahl „schwerer Menschenrechtsverletzungen, die in den letzten Jahren seitens der afghanischen Armee begangen worden sein sollen: „chtsverletzungen der verbündeten afghanischen Streitkräfte hinwegsehe. „On 5,753 occasions from 2010 to 2016, the United States military reported accusations of ‚gross human rights abuses‘ by the Afghan military, including many examples of child sexual abuse.“ (jw)
Afrin: Mobilmachung
(24. Januar 2018)Die von der Türkei unterstützte und in der Vergangenheit von den USA finanzierte syrische „Übergangsregierung“ hat von ihrem Sitz in Hatay, nahe der Grenze zu Syrien, Männer zwischen 18 und 50 Jahren aufgefordert, sich als freiwillige zu melden und der Operation Olivenzweig anzuschließen. Dies wird als Zeichen gewertet, dass die Operation auf einen längeren Zeithorizont ausgelegt ist.
Auf der Homepage http://syria.liveuamap.com, von der auch die Information über die Mobilmachung stammt, werden Mitteilungen der verschiedenen Konfliktparteien überprüft, geografischen Punkten zugeordnet und auf einer laufen aktualisierte Karte abgebildet. Sie veranschaulicht, wie massiv der türkische Angriff ist, der mindestens an sechs Stellen gleichzeitig erfolgt. Und sie veranschaulicht auch, wie umfangreich die Zusammenarbeit zwischen türkischer Armee und Milizen wie der FSA ist, die auf türkischem Gebiet nahe der Grenze offen vom türkischen Militär ausgerüstet wird und dann mit diesem gemeinsam angreift.
Somalia: US-Luftschläge
(24. Januar 2018)Der Guardian (via Bpb-Newsletter) macht auf die wenig beachteten Luftschläge der USA in Somalia aufmerksam, denen Recherchen der Zeitung zufolge zahlreiche Zivilisten zum Opfer gfallen würden: „“Dozens of civilians have been killed and wounded in Somalia as US-led airstrikes against Islamist militants increase to unprecedented levels, a Guardian investigation has found, raising fears that Washington’s actions could bolster support for extremists.“ (jw)
Siko: Mobilisierungsmaterial
(23. Januar 2018)Mitte Februar ist es wieder soweit: Die außenpolitischen Eliten, Rüstungsindustrie und die sog. Strategische Gemeinschaft treffen sich im Bayrischen Hof zur sog. Münchner Sicherheitskonferenz (Siko), wo traditionell jene Art der „militärgestützten Diplomatie“ verhandelt wird, die u.a. Libyen und Syrien ins Verderben geführt hat.
Am 17. Februar wird es auch dieses Jahr wieder Proteste gegen die Veranstaltung geben, zu denen überregional mobilisiert wird. Entsprechende Flyer und Plakate können hier angeschaut und bestellt werden. Per Mail wurden wir informiert, dass hierfür u.a. folgende Pakete zur Verfügung stehen:
Kleine Materialsendung (Maxibrief) Preis: 8,- €
50 Leporellos, 10 Plakate DIN A3
Große Materialsendung (Päckchen) Preis: 15,- €
bis 100 Leporellos, 20 Plakate DIN A3 oder 10 Plakate DIN A1
XXL – Materialsendung (Paket)
Größere Mengen nach Euren Angaben als Paket: 25.- €
Reservistenverband: Umtriebe
(23. Januar 2018)Die taz hat offenbar ausführlich recherchiert zum Streit um einen allem Anschein nach extrem rechten Mitarbeiter des Reservistenverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Da das daraus sich ergebende Bild weiter mit vielen Fragezeichen behaftet ist, sei die Lektüre des entsprechenden Artikels bei der taz und eines inhaltlich ähnlichen Artikels bei vice.com jedem/r selbst überlassen und empfohlen. Deutlich wird aber in jedem Fall, dass der Reservistenverband, der ja als „Mittler zwischen Bundeswehr und Gesellschaft“ fungieren soll, einerseits enge Kontakte zu den Geheimdiensten hat und anderseits attraktiv ist für Menschen mit extrem rechter und militaristischer Einstellung und dass es opffenbar schwierig ist, sich von diesen abzugrenzen.
USA: Top-Ölproduzent
(23. Januar 2018)Prognosen der Internationalen Energieagentur zufolge werden die USA aufgrund ihres Schiefergas-Booms bald zum weltweit zweitgrößten Ölproduzenten aufsteigen, schreibt Middle East Online (via Bpb-Newsletter): „The United States are set to overtake Saudi Arabia as the world’s number two oil producer after Russia this year, as shale companies, attracted by rising prices, ramp up drilling, the International Energy Agency said on Friday. (…) A global supply glut pushed oil prices as low as $30 per barrel at the start of 2016. But producing nations — both inside and outside the OPEC oil cartel — struck a deal at the end of 2016 to cut back production and drive prices higher. (…) And since the United States is not a party to the deal, its shale production can continue uninhibited. ‚US growth in 2017 beat all expectations … as the shale industry bounced back, profiting from cost cuts, (and) stepped up drilling activity,‘ the IEA said.“ (jw)
Deutsche Panzer in Afrin
(22. Januar 2018)Bei der völkerrechtswidrigen Invasion der Türkei in Afrin (Rojava, Nordsyrien) kommt einem Bericht von ntv offenbar auch deutsche Militärtechnologie zum Einsatz:
„Auf ersten Bildern von der ‚Operation Olivenzweig‘ sind unter anderem auch schwere Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 zu erkennen. (…) Das türkische Militär verfügt früheren Angaben zufolge über bis zu 354 Leopard 2, die im Rahmen eines umstrittenen Rüstungsexportgeschäfts ab 2005 an den Nato-Partner Türkei geliefert wurden. Dabei handelt es sich größtenteils um das ältere Modell der Version A4, wie ein Rüstungsexperte der Bundeswehr bestätigte. Die Panzer stammen aus ausgemusterten Beständen der Bundeswehr. Hersteller der rund 65 Tonnen schweren Gefechtsfahrzeuge ist der deutsche Rüstungskonzern Kraus-Maffei-Wegmann (KMW). Die Hauptwaffe der Panzer stammt von Rheinmetall. Mit dem Export des gebrauchten Militärmaterials sind üblicherweise lukrative Folgeaufträge für Ersatzteillieferungen oder Nachrüstungsprogramme verbunden. (…) Auf weiteren Aufnahmen aus den Aufmarschgebieten ist zu erkennen, dass das türkische Militär nicht nur auf deutsche Panzertechnik setzt. Zum Transport von Truppen und Material rollen auch militärische Lkw von Rheinmetall MAN und Daimler Richtung syrische Grenze. (…) Dass nun ausgerechnet deutsche Panzertechnik an den neuen Kampfhandlungen im Syrien-Krieg beteiligt sind, dürfte die amtierende Bundesregierung beschäftigen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte erst vor rund zwei Wochen erklärt, die Bundesregierung prüfe eine von Ankara gewünschte Aufrüstung der deutschen Panzer in den türkischen Streitkräften durch Minenschutz. ‚Es geht darum, dass es türkische Panzer im Kampf gegen die Terrororganisation IS gegeben hat, und zwar eine ganze Reihe, die auf Minen gefahren sind, bei denen eine Reihe türkischer Soldaten ums Leben gekommen sind.‘ Er sehe ‚keine richtige Argumentation‘, warum man dem Nato-Partner Türkei eine solche Aufrüstung verweigern sollte.“
Eine ausführlichere Darstellung zu deutschen Waffen, die beim Angriff auf Afrin zum Einsatz kommen, findet sich bei German Foreign Policy.
Bayerische EZ
(22. Januar 2018)Unter dem Titel „Wissen aus Bayern gegen Terror in Afrika“ berichtet die Passauer Neue Presse über den Besuch des entwicklungspolitischen Sprechers der CSU-Landtagsfraktion, Klaus Steiner, in Burkina Faso und Niger. Die dortige „Sicherheitslage im Herzen Westafrikas“ beträfe „aufgrund der Flüchtlinge auch Deutschland und Bayern unmittelbar“, so der Artikel.
Begleitet wurde Steiner bei seinem Besuch vom Präsidenten der bayerischen Bereitschaftspolizei; die (nicht näher genannten „hochrangigen Gesprächsteilnehmer aus Westafrika“ hätten bei diesem Anlass ein bereits seit Jahren laufendes Programm der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung begrüßt, in dessen Rahmen in Burkina Faso, Niger, Togo, Benin und Ghana die Polizei unterstützt wird. Steiner versprach, den Ausbau dieser Kooperation gemeinsam mit Stiftung und Führung der Bereitschaftspolizei voranzutreiben. Der nigrische Innenminister habe in diesem Zusammenhang auch den Mangel an Munition angesprochen, die u.a. in der „Ausbildung an der Waffe“ fehlen würde. Weiter heißt es: „Der Landtagsabgeordnete hob hervor, dass die Initiativen für Bildungs-, Schul- und Krankenhausprojekte oder in der Landwirtschaft oft verpufften, wenn die Sicherheit im Land nicht gewährleistet sei.“
Afghanistan: Weitere Erhöhung
(22. Januar 2018)Die Stuttgarter Nachrichten berichten über US-Pläne, die Truppen in Afghanistan noch einmal weiter aufstocken zu wollen: „Die ‚Washington Post‘ berichtete, Militärs erwarteten, bald 15 000 Soldaten im Land zu haben. US-Präsident Donald Trump hatte im August seine Afghanistan-Strategie vorgestellt und seitdem nach Jahren der Truppenabzüge die Zahl der US-Soldaten von rund 8400 auf rund 14 000 erhöht.“ (jw)
Türkei: Afrin-Krieg
(22. Januar 2018)Die junge Welt schreibt zum türkischen Einmarsch in der von Kurden bewohnten syrischen Region Afrin: „Artilleriebeschuss, massive Luftangriffe und der Einmarsch türkischer Truppen – Ankara hat einen großangelegten Militäreinsatz gegen die mehrheitlich von Kurden bewohnte und von ihnen selbst verwaltete Region Afrin im Norden Syriens begonnen. Die Invasion ist klar völkerrechtswidrig. Bombardierte werden häufig Wohngebiete, man will die Bevölkerung in Panik versetzen. Und von der türkischen Seite werden massenhaft Kämpfer islamistischer Banden eingesetzt.“ (jw)
US-Militärstrategie: Großmachtkonkurrenz
(20. Januar 2018)Nachdem bereits die Nationale Sicherheitsstrategie vom 18. Dezember 2017 China und Russland als Bedrohungen der USA eingestuft hatte (siehe IMI-Standpunkt 2018/001), verwundert es nicht weiter, dass nun auch die daraus abgeleitete Nationale Militärstrategie nachzog. Zwar werde die USA auch weiter Anti-Terroroperationen durchführen, sie seien aber nicht mehr wie bis zu diesem Zeitpunkt die Priorität der US-Militärpolitik, so Verteidigungsminister James Mattis bei der Vorstellung der Strategie: “We will continue to prosecute the campaign against terrorists, but great power competition—not terrorism—is now the primary focus of U.S. national security.” In der Nationalen Militärstrategie selbst heißt es dann: „The central challenge to U.S. prosperity and security is the reemergence of long-term, strategic competition by what the National Security Strategy classifies as revisionist powers. It is increasingly clear that China and Russia want to shape a world consistent with their authoritarian model – gaining veto authority over other nations’ economic, diplomatic, and security decisions.“ (jw)
Frankreich: Rüstungsoffensive
(20. Januar 2018)Der französische Präsident Emmanuel Macron hat eine saftige Erhöhung des Militärhaushaltes angekündigt, wie u.a. das Handelsblatt berichtet: „Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat dem Militär mehr Geld in Aussicht gestellt. Der Verteidigungshaushalt solle in diesem Jahr um 1,8 Milliarden auf 34,2 Milliarden Euro wachsen, sagte Macron […]. Bis 2025 sollten die Verteidigungsausgaben zwei Prozent des französischen Bruttoinlandsprodukts betragen, statt derzeit 1,8 Prozent. Die „Aushöhlung unserer militärischen Fähigkeiten“ müsse ein Ende haben.“ (jw)
Rüstungshaushalt: Zufrieden
(19. Januar 2018)Trotz Kritik aus der Rüstungsindustrie und anderen interessierten Kreisen zeigt sich das Verteidigungsministerium zufrieden ob der Sondierungsergebnisse bezüglich eines möglichen künftigen schwarz-roten Militärhaushaltes. Dem Handelsblatt zufolge liegt das Ergebnis weit über dem, was in einer Jamaika-Koalition wohl herausgekommen wäre: „Im Bundesverteidigungsministerium sieht man die geringe Steigerung gelassener: Größere zusätzliche Beschaffungen stünden ohnehin erst im Laufe der Legislaturperiode wirklich an, dafür gebe es dann die Haushaltsverhandlungen. Im Ministerium ist man sogar froh, dass es nicht zu Jamaika kam: Die Sondierer von Union, FDP und Grünen hätten keine Steigerungen vorgesehen, sondern sogar eine Rückkehr zu einem älteren Finanzplan verlangt – in den Jahren bis 2021 hätte die Bundeswehr damit von Jamaika zehn Milliarden Euro weniger bekommen als mit dem schwarz-roten Sondierungsplan.“ (jw)
Syrien: US-Dauerpräsenz
(19. Januar 2018)Der American Conservative (via Bpb-Newsletter) kritisiert US-Aussagen, dauerhaft Truppen in Syrien stationiert lassen zu wollen: „According to Tillerson, U.S. forces will remain in Syria on an open-ended mission to ensure that the recognized government of the country does not establish control over its own territory. To call this policy deranged would be too generous. The U.S. has no business in having a military presence in another country without its government’s permission, and it has no right to maintain that presence for the explicit purpose of preventing that government from exercising control inside its own internationally recognized borders. If another state did what the U.S. is now doing in Syria, Washington would condemn it as an egregious violation of international law and would probably impose sanctions on the government in question.“ (jw)
Bundeswehr: militaristisch?
(18. Januar 2018)Der Historiker Michael Wolffsohn meldet sich in der aktuellen Debatte über extrem rechte Einstellungen bei der Bundeswehr häufig zu Wort und ist dabei einer jener – der Bundeswehr nahestehender Kommentatoren – die offen einräumen und kritisieren, dass es diese offenkundig und auch zu oft gibt. Andererseits hält er dieses Problem für lösbar und die von Von der Leyen eingeleiteten Maßnahmen für „konsequent und effizient“, so auch in einem aktuellen Beitrag in der jüdischen Allgemeinen. Darin kommen auch gewisse Inkonsistenzen oder Widersprüchlichkeiten seiner Position zum Ausdruck:
„Die allgemeine Wehrpflicht ist faktisch abgeschafft. Das bedeutet mehr denn je, dass Bürger, die sich links und mitte-links verorten, kaum noch Soldaten werden. Sie meiden die Bundeswehr als ‚militaristisch‘. Das ist zwar Unsinn, aber die in jenem Milieu gültige Meinung. Daraus folgt wenig überraschend, dass in der Bundeswehr deutlich mehr Männer und Frauen mit Mitte-rechts- und Rechtspositionen zu finden sind als sonst.“
Dass rechtes Gedankengut in der Truppe häufiger vorkommt „als sonst“ sei also keine Folge ihrer „militaristischen“ Eigenschaft, sondern im Grunde Schuld der Linken, die aus diesem Irrglauben heraus nicht zur Bundeswehr gingen. Sofern das Wort „anteilig“ nicht versehentlich unter den Tisch gefallen ist, setzt dies schlichtweg voraus, dass auch die Rechten die Bundeswehr für „militaristisch“ halten und genau deshalb zur Bundeswehr gehen. Dass die Rechten und die Linken für Wolffsohn schlicht demselben Milieu zuzurechnen sind, ist durchaus denkbar, da seine Argumentation auch ansonsten eine gewisse Nähe zur Extremismustheorie aufweisen – schließlich sei es ja früher, als das Verhältnis zwischen Rechten und Linken noch ausgeglichener war, besser. Kommt ja irgendwie Mitte dabei raus.
Da aber die Bundeswehr nicht militaristisch, sondern dies nur ein an den politischen Rändern verbreiteter „Unsinn“ sei, reicht es für Wolffsohn, „demokratische Werte und historisch-politisches Wissen systematisch zu vermitteln, um gegenzusteuern“. Diese Annahme, dass sich politische Einstellungen in einer Institution wie der Bundeswehr von oben „steuern“ ließen, trägt selbst Züge eines autoritären – fast schon militaristischen – Denkens.
Russland: Aufholende Rüstung?
(18. Januar 2018)In Stars & Stripes wird Curtis M. Scaparrotti, Chef des für Russland zuständigen EUCOM, mit seinen Warnungen zitiert, Russland hohle im militärischen Bereich rapide auf: „Because of the modernization they’ve made, while we are dominant, we will not be in five years … if we are not adapting”. Angesichts dessen, dass im Artikel ebenfalls erwähnt wird, dass die Militärexperten von Janes’s das russische Budget für das Jahr 2017 auf gerade einmal 50 Mrd. Dollar schätzen, sind derartige Befürchtungen geradezu lachhaft. Schließlich schätzt die NATO selbst die Militärausgaben ihrer Mitgliedsländer für das Jahr 2017 auf etwas über 945 Mrd. Dollar. (jw)
Militärgeschichte: Leerstelle
(18. Januar 2018)Die Partei die Linke kritisiert dem Tagesspiegel zufolge Leerstellen beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw): „In einer Kleinen Anfrage wollte die Linkenfraktion vom Bundesverteidigungsministerium unter anderem wissen, welche Forschungen zum Holocaust sowie zum Zweiten Weltkrieg in Osteuropa in den vergangenen zehn Jahren am Zentrum durchgeführt wurden. Das ZMSBw habe seit 2008 „keine eigenständige Schrift zum Thema ,Holocaust‘ veröffentlicht und darüber hinaus auch keine weitere Forschung zu diesem Thema durchgeführt“, heißt es in der Antwort von Ralf Brauksiepe, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium.“ (jw)
Unterseekabel
(17. Januar 2018)Viel ist in den letzten Wochen wieder die Rede davon, dass sich russische U-Boote häufig in der Nähe zu Unterseekabeln aufhalten. Von Seiten der NATO wird das als potentiell ernstzunehmende Bedrohung dargestellt. Das Nachrichtenportal futurezone.at hat nun Stimmen gesammelt, nach denen diese Gefahr überschätzt werde: „Laut Starosielski werde nahezu jeden Tag eines der rund 428 Unterseekabel beschädigt – durch Felsstürze, Fischer, Anker oder Erdbeben. Zu Ausfällen kommt es aber in den wenigsten Fällen, da die Kabelverbindungen meist redundant verlaufen und gleich mehrere Kabel gleichzeitig die verschiedenen Regionen verbinden. Vor allem Europa und die USA verbinden zahlreiche Kabel… Für den Fall, dass russische U-Boote eines oder mehrere Kabel im Atlantik angreifen, könnten andere Atlantik-Kabel genutzt werden, oder überhaupt eine andere Route, beispielsweise über den Pazifik, so der Forscher. Die Auswirkungen auf die globalen Internetverbindungen wären also relativ gering. „Die Verbindungsgeschwindigkeiten wäre zwar nicht mehr die höchsten, aber es wäre nicht so, dass plötzlich gar keine Kommunikation mehr möglich ist“, wird Alan Mauldin, ein TeleGeography-Forscher, der sich auf Telekommunikation und Unterseekabel spezialisiert hat, von Wired zitiert“. Auf die explizit militärische Bedeutung der Kabel geht der Beitrag jedoch nicht ein.
Basenland Dschibuti
(17. Januar 2018)Als Auftakt zu einer Serie über „die kommenden Kriege“ (The coming wars) veröffentlicht politico.eu einen Bericht über Dschibuti, das demnach mehr ausländische Basen beherberge, als jedes andere Land (was die Gesamtzahl ausländischer Basen in dem kleinen Land angeht, darf das bezweifelt werden, was ihre „nationale Vielfalt“ angeht, trifft es sicherlich zu):
„As France — the first to maintain a military presence in the country — slowly abandons its bases due to budgetary constraints, others have been moving in. The United States recently opened a second base on Chabelley Airfield — unmentioned in its public list of overseas bases — after its drones interfered with air traffic at Camp Lemonnier. The country hosts China and Japan’s only foreign military bases. There’s an Italian base too and Saudi Arabia is building one as well. Djibouti has made overtures to Turkey. And, according to Mohammed, (and later an second independent source) Russia has made inquiries.
India too is rumored to be considering the possibility of acquiring a block of the most prized military real estate in the world. If it does, every major global power will have a Djibouti footprint and the country will resemble a live model of state conflict in the 21st century.“
Iran: Protestmotive
(17. Januar 2018)In der Neuen Züricher Zeitung (via Bpb-Newsletter) findet sich ein Artikel über die soziale Lage im Iran: „“Wirtschaftliche Forderungen standen im Vordergrund – gegen Korruption, Arbeitslosigkeit, Inflation und die Häufung des Reichtums in den Händen weniger. Nach Einschätzungen von iranischen Behörden leben zwischen 20 und 25 Prozent der Bevölkerung unter der (von Iran definierten) Armutsgrenze. Gemäß anderen Schätzungen liegt das Einkommen der halben Bevölkerung um die Armutsgrenze herum. 15 bis 25 Prozent leben in Slums; laut einigen Angaben ganze 15 Millionen Menschen – so viele wie die Einwohner der Metropole Teheran. In jüngster Zeit machte die Nachricht von Armen, die in offenen Gräbern übernachten, die Runde.“ (jw)
GSG9: Vergrößerung
(16. Januar 2018)Wo doch gerade alle Spezialkräfte ausgebaut werden, darf natürlich auch die GSG9, die Antiterroreinheit der Bundespolizei, nicht fehlen. Diese soll neben Sankt Augustin bei Bonn nun auch einen neuen Standort in Berlin erhalten, vermutlich in Spandau. Das Personal soll in diesem Zuge offenbar um etwa ein Drittel anwachsen. Den informativsten Beitrag zu dieser Ankündigung hat der Deutschlandfunk veröffentlicht. Demnach habe bereits „[i]m August vergangenen Jahres … die Bundespolizei ihre Spezialkräfte in einer neu geschaffenen Direktion 11 gebündelt: Neben der GSG9 gehören dazu der Flugdienst der Bundespolizei, sowie der Bereich ‚polizeiliche Schutzaufgaben im Ausland‘, der an den deutschen Auslandsvertretungen im Einsatz ist.“ Auch die GSG9 agiere weltweit, so der Beitrag weiter, und sie sei etwa 50 Mal im Jahr im Einsatz „ob bei Anti-Terror-Razzien oder bei der Bekämpfung von schwerer Kriminalität.“
Groko: 10 Mrd. Aufrüstung
(16. Januar 2018)Während die SPD um Zustimmung für die Große Koalition wirbt, hat Verteidigungsministerin von der Leyen gegenüber der Bild durchsickern lassen, was so klar noch nicht aus den veröffentlichten Ergebnissen der Sondierungsgespräche hervorging: „Wir haben bereits jetzt 10 Mrd mehr für die Bundeswehr durchgesetzt. Ich bin froh, dass – anders als bei Jamaika – der neue, 51. Finanzplan als Basis gilt. Auf dieses Fundament bauen wir jährlich weiter auf, so wie wir das in den vergangenen vier Jahren erfolgreich gemacht haben.“ Was das genau bedeutet, schlüsselt Tobias Pflüger in einer Pressemitteilung auf: „Damit würde der Militärhaushalt dann 2018 auf 38,4 Milliarden Euro, 2019 auf 39,6 Milliarden Euro, 2020 auf 40,9 Milliarden Euro und 2021 auf 42,3 Milliarden Euro steigen, macht zusammen 161,2 Milliarden Euro, das sind dann 10,2 Milliarden Euro, oder 6,8 Prozent mehr als im 50. Finanzplan festgeschrieben waren. Konzentriert werden soll sich vor allem auf ‚rüstungsinvestive Ausgaben‘, sprich Beschaffungsprojekte.“ Daraus gehe hervor, dass die Große Koalition anstrebe, das Zwei-Prozent-Ziel der NATO umzusetzen.
ARD über Rheinmetall
(16. Januar 2018)Die aufsehenerregende ARD-Dokumentation „Bomben für die Welt“ zeigt, wie der Rüstungskonzern Rheinmetall über Tochterfirmen im Ausland die Exportregeln Deutschlands „umgeht“, wie u.a. die Frankfurter Rundschau berichtet: „Sie werden aber exportiert. Nach Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten. Die führen Krieg, gegen den Jemen. Und das tun diese Staaten auch mit deutschen Waffen, geliefert vom Düsseldorfer Konzern Rheinmetall. Natürlich nicht direkt von Rheinmetall, das dürfte die Firma ja nicht, siehe oben. Aber sie macht trotzdem jährlich hunderte von Millionen Euro Umsatz in besagten Ländern. Denn sie hat Ableger im Ausland gegründet, in Sardinien zum Beispiel, oder in Südafrika.“
39 Fabriken für Waffen und Munition habe Rheinmetall bereits exportiert. „Die Rheinmetallaktie verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rekordzuwachs von 70 Prozent. Davon profitieren viele Kleinanleger, die beispielsweise in Deka-Fonds der Sparkassen investiert haben“, so tagesschau.de.
Nordkorea: Angriffspläne
(16. Januar 2018)Die New York Times berichtet über Angriffspläne des US-Militärs gegen Nordkorea. Solche Vorbereitungen seien zwar nicht ungewöhnlich, Umfang und Intensität, mit denen dies in diesem Fall betrieben werde, dagegen schon, so die Zeitung: „In the world of the American military, where contingency planning is a mantra drummed into the psyche of every officer, the moves are ostensibly part of standard Defense Department training and troop rotations. But the scope and timing of the exercises suggest a renewed focus on getting the country’s military prepared for what could be on the horizon with North Korea.“ (jw)
Algerien: Waffentests
(15. Januar 2018)Die „Planet“, ein Forschungsschiff der deutschen Marine, nimmt derzeit Kurs auf Algerien, um dort neue Waffensysteme der Marine zu testen. Darüber berichten die Kieler Nachrichten (online): „Von dem algerischen Marinestützpunkt Oran aus soll die ‚Planet‘ dann zwei Wochen lang Waffensysteme testen, wie aus Bundeswehrkreisen zu erfahren war. Dabei stehen auch Funktionsnachweise für die neuen algerischen Fregatten ‚Erradi‘ und ‚El Moudamir‘ auf dem Programm, die 2014 bis 2017 in Kiel bei German Naval Yards gebaut wurden. Diese Fregatten haben zum Teil Waffen an Bord, wie sie auch auf neuen Fregatten der Deutschen Marine zum Einbau kommen. Für diese Reise wurde die ‚Planet‘ mit drei Spezial-Containern sowie einem Container mit Ausrüstung beladen. Außerdem ist die ‚Planet‘ mit einem Schienensystem zum Ausbringen von Minen und Unterwasserdrohen in Kiel ausgerüstet worden.“
Die junge Welt hatte erst kürzlich berichtet, dass Algerien im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von 1,1 Mrd Euro kaufen konnte: „Die umfangreichen Rüstungsexporte an Algerien spiegeln ihrerseits zweierlei wider. Zum einen hat das Land zuletzt zwei teure deutsche Fregatten erhalten. Deutsche Marinekreise verbinden mit der Lieferung die Hoffnung, Algier werde künftig enger ‚mit europäischen Mittelmeermarinen‘ kooperieren, wie das Fachblatt Marine Forum Ende 2015 berichtete. Zum anderen hat Rheinmetall in Zusammenarbeit mit dem algerischen Verteidigungsministerium einen Ableger nahe Constantine gegründet; Rheinmetall Algérie soll Radpanzer des Modells ‚Fuchs‘ für die algerischen Streitkräfte herstellen. Daimler wiederum lässt in der Nähe von Algier Geländewagen und ‚Unimogs‘ montieren, mit denen ebenfalls die algerische Armee ausgestattet wird. Berlin setzt darauf, dass Algier auch weiterhin die Wüstengebiete des Landes scharf kontrolliert, um die Reise von Flüchtlingen ans Mittelmeer zu verhindern.“
MINUSMA u. G5-Sahel
(15. Januar 2018)Jens Borchert fasst in der aktuellen Ausgabe der NDR-Sendung „Streitkräfte und Strategien“ die in der Sahel-Region operierenden Interventionstruppen zusammen und berichtet (oberflächlich) über einen ersten Einsatz der G5-Interventionstruppe im November 2017. Dieser hätte Probleme bei Kommunikation und Koordinierung offenbart – obwohl auch Kräfte der französischen Operation Barkhane unmittelbar beteiligt waren. Überlegt wird nun offenbar, an den Grenzen Malis und damit im Einsatzgebiet der MINUSMA Logistikstützpunkte für die G5-Sahel einzurichten. Außerdem planen die USA demnach, künftig im Niger auch bewaffnete Drohnen zu stationieren. Das Manuskript der Sendung kann hier nachgelesen werden.
Jordanien: Dauerpräsenz
(15. Januar 2018)Obwohl die Stimmen nach einem Abzug der in den Anti-IS-Kampf agierenden Tornados aus Jordanien aufgrund der weitgehenden Zerschlagung der Terrororganisation naheliegend wäre, scheint sich die Bundeswehr auf eine Dauerpräsenz einrichten zu wollen. Das Handelsblatt zitiert Verteidigungsministerin von der Leyen mit den Worten „Wir werden in Jordanien bleiben“. Und weiter: „Wir sind hier, um Sie zu unterstützen“, so von der Leyen. Denn Jordanien sei „ein Anker der Stabilität im Nahen Osten“. Ergänzend kommt auch noch der CDU-Verteidigungspolitiker Henning Otte zu Wort: „Wir sollten die Region nicht Trump und Putin überlassen“. (jw)
Zivile Reservisten
(13. Januar 2018)U.a. BR24 berichtet, der Reservistenverband seinen Bestand mit Zivilisten auffüllen: „Der Reservistenverband der Bundeswehr will künftig auch Zivilisten an der Waffe ausbilden. Der Verband habe bereits 30 Kandidaten für ein Pilotprojekt ausgewählt. […] Dem Verband zufolge waren im vergangenen Jahr 27.750 Reservisten im Einsatz. Das seien mehr als 30.000 weniger als benötigt.“ (jw)
Tunesien: Armee vs. Unruhen
(12. Januar 2018)Kurz vor dem siebten Jahrestag der tunesischen Revolution finden seit Tagen große Proteste in Tunesien statt. Nun wird im Rahmen des ohnehin bestehenden Ausnahmezustands – eigentlich begründet mit terroristischen Bedrohungen – die Armee im Inneren eingesetzt, „zum Schutz von Verwaltungsgebäuden, Banken und Poststellen. Aber es ist ein Schritt, der durchaus verdeutlicht, wie ernst Tunesiens Regierung jene Protestwelle nimmt, die das Land seit Wochenbeginn in Atem hält“, so der Kurier (online) in einem Artikel, der auch die wirtschaftlichen Hintergründe benennt: „[Premierminister] Chaheds Optionen sind aber beschränkt. Vor einem Jahr hatte die Regierung angesichts mieser Budget- und Wirtschaftslage einen vier Jahre laufenden Kredit des Internationalen Währungsfonds IMF (2,8 Mrd. Dollar) erhalten, der an harte Sparmaßnahmen geknüpft ist. Damit hat Chahed die Wahl: Niederschlagung der Proteste, womit er im ‚Idealfall‘ nur eine Niederlage bei den Regionalwahlen im Herbst 2018 riskiert, oder er vergrault den IMF.“
Gewerkschaften und Militär
(12. Januar 2018)Das Neue Deutschland veröffentlicht ein Interview mit dem Historiker Malte Meyer, Autor des kürzlich erschienen Buches „Lieber tot als rot: Gewerkschaften und Militär in Deutschland seit 1914“. „[S]ie [die Gewerkschaften] akzeptierten den systemerhaltenden Charakter des Militärs. So kündigte der damalige DGB-Vorsitzende etwa im Jahr 2013 an, mit der Bundeswehr zu einer gemeinsamen Erklärung kommen zu wollen. Schon vorher hatte sich die IG Metall für den »Erhalt der wehrtechnischen Kernfähigkeiten im Marineschiffbau« starkgemacht. Es geht also längst nicht nur um Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie, wie von linken Gewerkschafter_innen gerne angeführt. […] Nach wie vor herrscht der Geist der letzten gemeinsamen Erklärung aus dem Jahr 1981, in der sich Bundeswehr und Gewerkschaften gegenseitig bescheinigten, Stützen des demokratischen Staates zu sein und ihn nach innen und außen gemeinsam zu verteidigen.“ (jw)
Crowdfunding: Dual Use
(11. Januar 2018)Der Münchner Künstler Franz Wanner recherchiert bereits seit drei Jahren zum Thema „Dual Use“ und hat bereits in mehreren Kunstwerken und Ausstellungen aufgezeigt, wie sich militärische Projekte mithilfe dieses Begriffes vor Kritik abschotten und er der Gesellschaft hilft, tatsächliche Militarisierungsprozesse zu verdrängen (siehe u.a. IMI-Mitteilung vom 21.6.2016). Zuletzt trug Franz Wanner auch auf dem IMI-Kongress vor und zeigte dort mehrere seiner Video-Sequenzen (dokumentiert u.a. hier als Audio). Nun sollen Recherche und bisherige Arbeiten in einem Film und einem Bildband zusammengeführt und per Crowdfunding finanziert werden. Informationen zum Projekt finden sich hier:
https://www.startnext.com/dual-use
NATO: Cyberwaffen
(11. Januar 2018)Der Deutschlandfunk berichtet kürzlich, dass sich die NATO nun umfangreich mit offensiven Cyberwaffen eindecken will deren Einsatz im Bündnis bisher noch „verboten“ gewesen und tw. noch heute umstritten sei. Dabei solle es künftig auch um Mittel gehen, mit denen „Cyberangriffe auf die Zivile Infrastruktur, wie Strom- und Wasserversorgung oder Bankennetze“ möglich seien, so der Deutschlandfunk in einer Meldung. In einem ausführlicheren Beitrag zum Thema heißt es: „… die Digitalwaffenexperten der NATO kaufen Sicherheitslücken ein, sie kaufen auch Teile von Schadsoftware am grauen oder schwarzen Markt ein und stellen dann ihr eigenes Waffenarsenal selbst zusammen… Bisher hat eben die NSA solche Software zusammengestellt. Jetzt fließt sie über das US-Militär in das NATO-Arsenal und wird dann durch weitere Zukäufe, insbesondere von israelischen Firmen, aufgewertet“. Hierzu baue die NATO ein eigenes „Entwicklungszentrum für digitale Waffen“ auf, so der Wissenschaftsjournalist Peter Welchering.
Ägypten: Waffen und Rüge
(11. Januar 2018)Im vergangenen Jahr wurden Waffenexporte nach Ägypten im Wert von mind. 428 Mio. Euro von der Bundesregierung genehmigt. Das berichtet u.a. die junge Welt: „Ägypten hat sich im vergangenen Jahr unter anderem die Lieferung von Luft-Luft-Lenkflugkörpern des Typs »Sidewinder« aus dem Hause Diehl Defence sowie die Lieferung von U-Booten aus der Produktion von Thyssen-Krupp Marine Systems genehmigen lassen. Insgesamt wird das Land vier deutsche U-Boote erhalten, zwei wurden bereits an die ägyptische Marine übergeben.“
Damit macht sich die Bundesregierung nicht nur am Krieg gegen den Jemen mitschuldig, sondern v.a. an der mit militärischen Mitteln innerhalb Ägyptens geführten Krieg gegen den Terror (s.
IMI-Standpunkt 2017/038). Dieser wurde in den vergangenen Wochen von der ägyptischen Regierung weiter eskaliert, nachdem wiederholt gruppenweise junge Männer vom ägyptischen Militär hingerichtet wurde. So wurden etwa am 26.12.2017 15 Männer auf der Sinai-Halbinsel nach einer vermeintlichen Verhandlung vor einem Militärgericht gehängt, weitere fünf Menschen wurden am 2. Januar hingerichtet. Ganz offensichtlich wurden dabei in keiner Weise rechtsstaatliche Standards eingehlten, was zu einer ungewöhnlich scharfen Rüge durch das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte führte: „We are seriously concerned that in all these cases, due process and fair trial guarantees do not appear to have been followed as military courts typically deny defendants’ rights accorded by civilian courts. In cases of capital punishment, trials must meet the highest standards of fairness and due process. Reports also indicated that the prisoners who were executed may have been subjected to initial enforced disappearance and torture before being tried. Despite the security challenges facing Egypt – in particular in Sinai – executions should not be used as a means to combat terrorism. We call on the Egyptian authorities to reconsider the use of death penalty cases in accordance with their international human rights obligations and to take all necessary measures to ensure that violations of due process and fair trial are not repeated.“
Russland: Umfrage
(11. Januar 2018)Das Handelsblatt berichtet über eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum über Bedrohungswahrnehmungen unter der russische Bevölkerung: „Als Staatsfeind Nummer eins gelten wenig überraschend die USA. Mit 68 Prozent (Mehrfachnennungen möglich) haben sie einen neuen traurigen Rekord aufgestellt: Als im Oktober 2012 das letzte Mal die Frage nach den wichtigsten Gegnern gestellt wurde, nannten ’nur‘ 56 Prozent der Befragten die USA. Dann kam die Ukraine-Krise, die die Amerikaner beim Durchschnittsrussen noch unbeliebter machte. Aber nicht nur das Image der USA nahm Schaden: So landeten nun auf den Plätzen zwei und drei die Ukraine (29 Prozent) und die Europäische Union (14 Prozent). Beide tauchten 2012 noch überhaupt nicht in den Nennungen der Feinde auf.“ (jw)
USA: Neue Atomstrategie
(11. Januar 2018)Eine der ersten Handlungen der neuen Trump-Regierung im Januar 2017 bestand darin, eine Überprüfung der US-Nuklearstrategie in Auftrag zu geben, die Ende des Monats fertig gestellt sein soll. Ein Bericht des National gibt unter Berufung auf Quellen, die den Entwurf gesehen haben sollen, an, er enthalte unter anderem eine Ausweitung des bisherigen Einsatzspektrums: „In a nuclear posture review (NPR) document set to be published by the Pentagon after the president’s state of the union speech at the end of January, it is expected the administration will widen the scenarios in which such weapons could be used and will propose developing lower yield missiles for reactive use against non-nuclear attacks.” UPDATE: Laut dem Atomexperten Hans Kristensen plädierte das einflussreiche Defence Science Board bereits im Dezember 2016 für flexibel einsetzbare Atomwaffen: „In December 2016, the US Defense Science Board – a semi-independent group that advises the Secretary of Defense – warned that “the nuclear threshold may be decreasing owing to the stated doctrines and weapons developments of some states.” Therefore, the DSB recommended DOD should “provide many more options in stemming proliferation or escalation; and a more flexible nuclear enterprise that could produce, if needed, a rapid, tailored nuclear option for limited use should existing non-nuclear or nuclear options prove insufficient.” This would involve “lower yield, primary only options” for strategic warheads on long-range ballistic missiles. (Emphasis added.)“ (jw)
Pfullendorf: Ermittlungen eingestellt
(10. Januar 2018)Nachdem im vergangenen Jahr Berichte über volksverhetzende, antisemitische, flüchtlingsfeindliche Bilder, die intern per Mail verschickt wurden, aus der Pfullendorfer Staufer-Kaserne bekannt wurden, hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nun eingestellt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die Schwäbische Zeitung berichtet: „‚Die gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Konstanz durchgeführten Ermittlungen erbrachten keinen Nachweis, dass eine derartige E-Mail versandt worden ist‘, teilte die [Staatsanwaltschaft] am Montagnachmittag mit. Eine Strafbarkeit des angezeigten Soldaten und seines Dienstvorgesetzten könne daher nicht festgestellt werden. …
Wie die Behörde mitteilt, hatte einer der angezeigten Soldaten im September 2016 allerdings Bilddateien versandt, auf denen Hakenkreuze abgebildet waren. ‚Insoweit kam es durch das Amtsgericht Sigmaringen bereits zu einer rechtskräftigen Verurteilung‘, heißt es in der Pressemitteilung. ‚In diesem Verfahren hatte der Dienstvorgesetzte völlig korrekt gehandelt und den Vorfall bei der Staatsanwaltschaft unverzüglich zur Anzeige gebracht.‘
Im anonymen Schreiben vom 8. Oktober wurde darüber hinaus ein weiterer Vorfall geschildert. Demnach habe ein Hauptfeldwebel einen Kraft- beziehungsweise Sportraum betreten, in dem einige Soldaten Sport ausübten. Daraufhin soll der Hauptfeldwebel ‚menschenverachtende‘ Worte gewählt haben: ‚Haut ab, ihr dreckigen Afghanen, ich will hier Sport machen!‘ Eine Strafverfolgung wegen Beleidigung sei in dieser Angelegenheit nicht möglich, weil der dafür erforderliche Strafantrag nicht gestellt wurde, schreibt die Staatsanwaltschaft Hechingen in ihrer Pressemitteilung. ‚Wegen dieses Vorfalls ist jedoch bei der Bundeswehr ein Disziplinarverfahren anhängig.‘
Wegen zweifelhafter Praktiken bei der Sanitäterausbildung und bei Aufnahmeritualen war die Staufer-Kaserne bereits im Januar 2017 bundesweit in die Schlagzeilen geraten. In Bezug auf die Ausbildungspraktiken hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen mittlerweile eingestellt. Das Ermittlungsverfahren bezüglich der Aufnahmerituale läuft hingegen noch. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen entschied im Juli 2017, dass vier Soldaten, die an den Aufnahmeritualen beteiligt waren, zurecht entlassen wurden. Drei der betroffenen Soldaten haben die Zulassung einer Berufung beantragt.“ (ak)
Ärmelkanal: Erlaubte Aggression?
(10. Januar 2018)Der Focus berichtet über russische Kriegsschiffe, die den Ärmelkanal durchqueren würden, was von Großbritannien als aggressive Handlung gewertet würde: „Offiziell verstößt die russische Marine auf dieser Route zwar nicht gegen das UN-Seerechtsübereinkommen – das Durchqueren des Ärmelkanals wird von der britischen Regierung dennoch als Aggression gewertet. […] Die NATO zeigt sich bereits seit Längerem besorgt über die zunehmende Aktivität der russischen Marine im Nordatlantik. Die Anzahl der russischen U-Boote dort sei zuletzt ähnlich hoch gewesen wie während des Kalten Krieges. Führende NATO-Militärs verdächtigen die russische Führung, Unterseekabel zur Datenspionage anzapfen zu wollen.“ (jw)
Rüstungsindustrie: Optimistisch
(10. Januar 2018)EUropa steht vor allem mit dem geplanten Rüstungshalt (siehe IMI-Analyse 2017/45) und der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit PESCO (siehe IMI-Standpunkt 2017/036) vor einem umfassenden Militarisierungssprung. Insofern verwundert es nicht, dass sich die deutschen Waffenbauer hiervon im kommenden Jahr einen „Rüstungsboom“ versprechen, wie das Handelsblatt schreibt: „Deutschlands Waffenhersteller hoffen darauf, dass gemeinsame europäische Programme einen neuen Boom bringen. […] Die Bundesregierung soll sich im Sinne der Branche engagieren und damit europäischen Programmen zur Aufrüstung zum Durchbruch verhelfen. Vor allem von einer Initiative namens Pesco erhoffen sich die Waffenbauer mittelfristig einen neuen Boom. […] Wenn Europas Staaten Ernst machen, könnten sie in den kommenden 20 Jahren Bestellungen im Wert von mehreren Hundert Milliarden Euro aufgeben, meinen Branchenvertreter. Und da die neuen Systeme gleichzeitig in hoher Qualität und großer Stückzahl gebaut werden sollen, „profitieren vor allem die technisch führenden deutschen Unternehmen“, sagt Heinz Schulte, Chef des Branchen-Informationsdienstes griephan. […] ‚Entscheidungen dürfen nur auf Grundlage der Fähigkeiten der Unternehmen getroffen werden‘, fordert Patrice Caine, Rüstungschef beim französischen Konzern Thales. Soll heißen: Bei vielen Aufträgen blieben die Kleinen draußen.“ (jw)
Nordkorea: Optionslos
(10. Januar 2018)Der keineswegs zu pazifistischen Neigungen tendierende Militärexperte Michael O’Hanlon äußerte sich in einem Beitrag für die Brookings Institution (via Bpb-Newsletter), er sehe keine „vielversprechende“ Möglichkeit für einen militärischen Angriff auf Nordkorea: „A review of the plausible military options available to the United States underscores two central points. First, the Trump administration is not alone in thinking about them. Previous U.S. administrations, including Democratic ones, have done so too. Second, however, none of those options really hold water. The risks of escalation are not worth the potential benefits.” (jw)
USA: Polizeitote
(10. Januar 2018)Nicht nur in Deutschland, vor allem natürlich in den USA ist ein „robustes“ Vorgehen der Polizei Alltag. Auf Zeit online (via Bpb-Newsletter) erschien nun ein Bericht, demzufolge 2017 987 Menschen in den USA infolge von Polizeigewalt ums Leben gekommen sein sollen: „In den USA sind im vergangenen Jahr laut einem Bericht 987 Menschen durch Polizeikugeln getötet worden. Dies seien 24 Todesfälle mehr als 2016, berichtete die Washington Post. […] Dem Bericht zufolge waren 22 Prozent der Erschossenen männliche Afroamerikaner, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung der USA nur sechs Prozent ausmacht.“ (jw)
Krieg und Spiele
(10. Januar 2018)Die Verbindungen zwischen Computerspieleindustrie und Militär sind vielfältig, werden nur leider kaum thematisiert (siehe IMI-Studie 2015/09). Besonders ärgerlich ist, dass die „Spielefachpresse“ das Thema weitgehend ausblendet. Eine Ausnahme macht nun die Seite spieletipps.de, die sich in einem ausführlichen Artikel dem Thema annimmt. Angenehm ist dabei auch die – in diesem Bereich keineswegs selbstverständliche – Positionierung, die am Ende des Beitrags vorgenommen wird: „Die Zusammenhänge zwischen Spiele- und Rüstungsindustrie sind vielfältig und nicht in ihrer Gänze durchschaubar. Spieler sollten aber in jedem Fall ein Bewusstsein für sie haben. Wie sie mit den Informationen umgehen, ist eine individuelle Entscheidung. Die Rüstungsindustrie ist eine Branche, die sich durch bewaffnete Konflikte und Kriegshandlungen bereichert und damit sicher ein Wirtschaftszweig, in den viele Gamer nicht unwissend investieren möchten. Steht ihr dem kritisch gegenüber? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!“ (jw)
Spanische Streitkräfte: Inlandseinsatz
(9. Januar 2018)Telepolis berichtet, dass die spanischen Streitkräfte im vergangenen Herbst bereit waren, gegen eine Loslösung Kataloniens von Spanien notfalls auch militärisch vorzugehen: „… mehr oder weniger unverhohlen drohte Verteidigungsministerin María Dolores de Cospedal wieder einmal mit dem Einsatz des Militärs. Sie räumte erstmals ein, dass die Streitkräfte schon ‚bereit waren‘, um in Katalonien einzugreifen.
Im November hatte die Anführerin der Republikanischen Linken (ERC), deren Chef Junqueras ist, bekannt gegeben, dass aus Spanien mit ‚Toten auf den Straßen‘ gedroht worden sei, wenn die Unabhängigkeit umgesetzt werde. Dass dann nicht mehr nur mit verbotenen Gummigeschossen, sondern mit scharfer Munition geschossen werden sollte, wurde damals noch wortreich aus Madrid zurückgewiesen.
Die Verteidigungsministerin bekräftige gegenüber dem Militärchef auch die ‚uneingeschränkte Verpflichtung‘ der Streitkräfte, für die Einheit Spaniens einzutreten. Von einem Dialog, den zuletzt auch wachsweich die Bundesregierung gefordert hatte, war weder von Cospedal noch vom König etwas zu hören, dabei weist die Verfassung dem eine Vermittlerrolle zu, doch er schlägt sich mit Brandreden seit Monaten nur auf eine Seite.“ (ak)
NATO-Erweiterung: Pech gehabt
(9. Januar 2018)So kann man es natürlich auch sehen: Nachdem jüngst veröffentlichte Dokumente (erneut glasklar belegen, dass Russland (bzw. damals der Sowjetunion) Anfang der 1990er mündlich feste Zusagen gemacht worden waren, dass die NATO keine Osterweiterung durchführen würde (siehe IMI-Aktuell 2017/741) darf , seinerzeit Botschafter Großbritanniens in Deutschland in der Welt seine Sicht der Dinge folgendermaßen präsentieren: „James Baker, der eindrucksvolle amerikanische Außenminister, sagte Gorbatschow Anfang Februar 1990, dass die Grenzen der Nato nicht über die Einheit Deutschlands hinausreichen würden. […] Die Russen wollten diese Punkte niemals schriftlich haben. Sie betrachteten allerdings die folgende Erweiterung der Nato um Polen und andere Staaten des Warschauer Pakts und die drei baltischen Staaten als ernsten Vertrauensbruch. Die Bemerkungen von Baker und Major waren nicht bindend. Aber die russische Bitterkeit ist verständlich. Ich bekenne jedoch, dass ich froh bin, dass es so kam mit der Nato.“ (jw)
Bundeswehr: Minderjährige
(9. Januar 2018)Erfreulicherweise scheint die Kampagne gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr langsam ein bisschen Früchte abzuwerfen (siehe auch IMI-Studie 2017/01). Das Thema wurde heute Morgen von allen möglichen Medien aufgegriffen, u.a. landete es auch unter den Top-Themen im Nachrichtenblock des Deutschlandfunks. Ausgangspunkt war ein Beitrag in der Rheinischen Post, in dem es zur Rekrutierung Minderjähriger hieß: „Ihre Zahl stieg nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf den neuen Rekordwert von 2128 Soldaten, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren. Darunter befanden sich 448 junge Frauen, wie aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linken hervorgeht. Damit ist die Zahl der Verpflichtungen von Minderjährigen seit Aussetzen der Wehrpflicht kontinuierlich gewachsen: von 689 im Jahr 2011 auf 1907 im Jahr 2016.“ (jw)
Zivilopfer: Verdopplung
(9. Januar 2018)Der Guardian (via Bpb-Newsletter)berichtet über die der Organisation „Action on Armed Violence“. Sie kritisiert eine Verdopplung der Zivilopfer in Folge von Explosivwaffen um 42% zwischen 2016 und 2017: „The rise – driven by airstrikes, which killed almost double the number of civilians in 2017 compared with the previous year – coincided with US-led military operations to reclaim the Islamic State strongholds of Mosul, in Iraq, and Raqqa, in Syria. (…) The global survey, compiled by Action on Armed Violence, an organisation that highlights civilian harm from explosive weapons, suggests the civilian death toll from air-launched explosives rose by 82%, from 4,902 in 2016, to 8,932 in 2017. The worst impacted countries were Syria, where civilian deaths increased by 55% to 8,051, Iraq, where there was a 50% increase, to 3,271, and Afghanistan, where 994 non-combatants died.“ (jw)
Rüstungsdeals mit der Türkei
(8. Januar 2018)Berichten von neues deutschland zufolge verhandelt die Bundesregierung mit der Türkei über Waffengeschäfte. Die türkische Regierung geht insbesondere in den kurdischen Gebieten militärisch gegen politische Gegner – v.a. Kurd_innen und Linke – vor und inhaftiert Oppositionelle sowie Journalist_innen unter fadenscheinigen Begründungen. Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yüzel ist mittlerweile seit fast einem Jahr in Haft. Die Bundesregierung zeigte Bereitschaft, im Falle einer Freilassung wieder vermehrt Waffen in die Türkei zu exportieren.
Nach dem Treffen von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu in Goslar kritisiert die Linkspartei die Bundesregierung scharf wegen möglicher Rüstungsgeschäfte mit Ankara. Hintergrund der Kritik sind Berichte, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall in der Türkei Kampfpanzer produzieren wolle und dazu auf eine Genehmigung wartet. Die Rede ist immer wieder von einer Panzerfabrik und der Entwicklung eines neuen türkischen Panzers unter Mitwirkung von Rheinmetall. Der Konzern hat dazu bislang erklärt, geplant sei „lediglich“, bereits vorhandene Leopard II-Panzer des türkischen Militärs mit zusätzlicher Schutztechnologie gegen Minen zu modernisieren.
Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, meinte hierzu: „Deutsche Geiseln in der Türkei gegen die Lieferung von Waffen und einer Panzerfabrik austauschen zu wollen, ist ein moralischer Offenbarungseid und eine politische Bankrotterklärung der Bundesregierung. In Erdogans Diktatur darf man nicht einmal ein Taschenmesser liefern geschweige denn eine ganze Panzerfabrik.“ (ak)
US-Atomtesttote
(8. Januar 2018)Ein Beitrag auf MortherJones (via Bpb-Newsletter) kommt zu der Einschätzung, dass den amerikanischen Atomwaffentests in den 1950er Jahren bei nahezu 500.000 US-Bürger zum Tod geführt haben könnten. Der Artikel verweist dabei auf die im Oktober 2017 erschienene Studie „Some Unintended Fallout from Defense Policy: Measuring the Effect of Atmospheric Nuclear Testing on American Mortality Patterns“. Angefertigt wurde sie von Keith Meyers von der Universität Arizona, der in der Zusammenfassung schreibt: „I find that fallout from nuclear testing led to persistent and substantial increases in overall mortality for large portions of the country. The cumulative number of excess deaths attributable to these tests is comparable to the bombings of Hiroshima and Nagasaki.” (jw)
Polizeisoldaten
(8. Januar 2018)Im Rahmen einer 2017 begonnen Ausbildungskooperation zwischen der Hamburger Polizei und der Bundeswehr seien nun die ersten elf ehemaligen Soldaten in den Polizeidienst eingestellt worden, berichtet welt.de: „Die Kooperation ist für beide Seiten interessant: Die Polizei kann dringend benötigten Nachwuchs generieren, der bereits „über langjährige berufliche Erfahrungen und spezielle Kenntnisse“ verfügt, wie Thomas Model, der Leiter der Polizeiakademie erklärte. Und die Bundeswehr kann ihren Zeitsoldaten einen attraktiven Weg aus dem Soldatenleben weisen. Der Polizeiberuf soll neben dem Zoll und der Bundespolizei zu den Wunschberufen scheidender Soldaten zählen. Attraktiv ist der Weg auch deshalb, weil für die bereits militärisch geschulten Polizeimeisteranwärter die Ausbildung verkürzt wurde: Aufgrund der Vorerfahrungen sollen sie in nur 18 Monaten, statt der üblichen 30 Monate, zum ausgebildeten Polizisten reifen.“ (jw)
Menschenrechte als Waffe
(8. Januar 2018)Noch aus 2017 stammt ein lesenswerter Bericht von Politico (via Bpb-Newsletter) über ein Memo für US-Außenminister Tillerson, demzufolge Menschenrechte instrumentell selektiv bei „Freunden“ ausgeblendet und bei Gegnern als Waffe eingesetzt werden sollten: „The May 17 memo reads like a crash course for a businessman-turned-diplomat, and its conclusion offers a starkly realist vision: that the U.S. should use human rights as a club against its adversaries, like Iran, China and North Korea, while giving a pass to repressive allies like the Philippines, Egypt and Saudi Arabia. ‚Allies should be treated differently — and better — than adversaries. Otherwise, we end up with more adversaries, and fewer allies,‘ argued the memo, written by Tillerson’s influential policy aide, Brian Hook. […] Hook’s memo ‚tells Tillerson that we should do exactly what Russian and Chinese propaganda says we do — use human rights as a weapon to beat up our adversaries while letting ourselves and our allies off the hook,‘ said Tom Malinowski, who served as an assistant secretary of state for democracy, human rights and labor in the Obama administration.“ (jw)
Weihnachtspause
(21. Dezember 2017)Mit diesem letzten Aktuell in diesem Jahr möchten wir uns bei allen bedanken, die uns in unserer Arbeit gegen Krieg und Militarisismus unterstützen!
Das IMI-Büro geht jetzt in eine kurze Weihnachtspause und ist ab dem 8. Januar 2018 wieder besetzt!
„Kodex“ autonomer Waffen
(18. Dezember 2017)Die aktuelle Ausgabe der NDR-Sendung „Streitkräfte und Strategien“ vom 16. Dezember berichtet u.a. über den Stand der Bemühungen zur internationalen Regulierung von autonomen Waffensystemen wie u.a. dem empfehlenswerten Newsletter der Sendung zu entnehmen ist. „Im Koalitionsvertrag von 2013 waren sich CDU/CSU und SPD einig. Autonome Waffensysteme müssen verboten werden. In der Vereinbarung von damals heißt es: Zitat „Deutschland wird sich für eine völkerrechtliche Ächtung vollautomatisierter Waffensysteme einsetzen, die dem Menschen die Entscheidung über den Waffeneinsatz entziehen.“ Kritiker*innen leiteten aus dem damaligen Verhalten in den entsprechenden UN-Konferenzen jedoch bereits ab, dass es sich hier um keine aufrichtige Position handeln könnte.
Nun hätte auf einer Folgekonferenz „die geschäftsführende Bundesregierung gemeinsam mit Frankreich ein Papier vor[gelegt], in dem von einem Verbot aber nicht mehr die Rede ist. Vorgeschlagen wird stattdessen, an der Definition von tödlichen autonomen Waffensystemen weiter zu arbeiten. Zudem wird sich dafür eingesetzt, die Transparenz bei Forschung und Entwicklung solcher Waffensysteme zu verbessern. Anschließend soll eventuell ein „Verhaltenskodex“ erarbeitet werden. Gegenüber den Aussagen des Koalitionsvertrages von 2013 sei dieser Ansatz ein Rückschritt…“.
Ein weiterer Beitrag, der sich ebenfalls im Manuskript der Sendung nachlesen lässt, beschäftigt sich im Übrigen mit der „Militarisierung der Sozialen Medien?“. Hier kommt u.a. Andrea Schneiker, Professorin für Internationale Beziehungen an der Universität Siegen, zu Wort, die „für das Stockholmer Friedenforschungsinstitut SIPRI untersucht, wie sich Rüstungsfirmen im Internet darstellen. Sie sind auf den wichtigsten Plattformen wie Facebook, Youtube, Twitter und Instagram vertreten und betreiben dort Imagepflege. Mit ihren Inhalten verändern sie auch die Sozialen Medien, sagt Schneiker. Denn letztlich wollen sie ihre Produkte oder Dienstleistungen verkaufen oder neue Mitarbeiter anwerben. Und deshalb propagierten sie ein rein ‚militärisches Verständnis von nationaler Sicherheit'“.
Medien: BND-Rolle
(17. Dezember 2017)Im Tagesspiegel findet sich ein Artikel über die Rolle des BND, der vor einem anti-russischen Auftritt seines Chefes ausgewählte Journalisten mit dementsprechenden Informationen versorgte: „Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat Journalisten heimlich mit russlandkritischen Informationen und Einschätzungen versorgt, bevor BND-Präsident Bruno Kahl diese Mitte November in einer Rede öffentlich machte. Dies bestätigte der BND jetzt dem Tagesspiegel. Zu dem Thema hätten zuvor nicht öffentliche sogenannte Hintergrundgespräche mit ausgewählten Pressevertretern stattgefunden, hieß es. Einzelheiten dazu würden nicht bekannt gegeben […]. Geheime Gespräche mit Journalisten gehören nicht nur zur Informationspraxis der Nachrichtendienste, sondern von Regierung und Bundesbehörden insgesamt. Die ausgewählten Pressevertreter verpflichten sich, die mitgeteilten behördlichen Informationen und Einschätzungen für sich zu behalten. Häufig fließen sie dennoch später in die Berichterstattung ein, meist jedoch ohne Nennung der staatlichen Quelle. Die Bundesregierung hält diese Art der Öffentlichkeitsarbeit für unentbehrlich.“ (jw)
Schießanlage: 25 Mio. Euro
(15. Dezember 2017)Die Standortschießanlage Pfaffental für das Jägerbataillon 292 in Donaueschingen-Grüningen wird gegenwärtig für 25 Mio Euro neu gebaut, so entnehmen wir nq-online.de, wo über einen Ortstermin der Lokalpolitik berichtet wird: „Wenn die neue Anlage Mitte 2019 an das Jägerbataillon 292 der Deutsch-Französischen Brigade übergeben wird, werden etwa 5000 Kubikmeter Beton verbaut und ein 20 000 Quadratmeter großes Lärmschutzdach eingebaut sein.“
IS: Waffen aus EU
(15. Dezember 2017)Eine Studie der Organisation Conflict Armament Research im Auftrag der Europäischen Union bestätigt, dass „[e]in großer Teil der Waffen, die im Irak und Syrien eingesetzt werden, … aus EU-Ländern [stammt]“. Dies gilt auch für die Waffen, die vom Islamischen Staat eingesetzt wurden, wie tagesschau.de berichtet:
„Vor allem erst kürzlich produzierte Munition aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien findet in Syrien und dem Irak großen Absatz. Unter Umgehung und teilweiser Missachtung von EU-Recht hatten Länder wie die USA und Saudi-Arabien Rüstungsgüter in Milliardenhöhe in Osteuropa gekauft und in teils geheimen Operationen an syrische Milizen wie die Freie Syrische Armee (FSA) weitergereicht. Laut Endverbleibszertifikat hätten die Waffen eigentlich bei den Streitkräften der USA und Saudi-Arabiens verbleiben sollen. Doch entgegen der Zusicherung wurden die Rüstungsgüter an nicht-staatliche Empfänger im Bürgerkrieg geliefert.“
Thomas Wiegold kommentiert das auf Augengeradeaus.net so: „Für die deutsche Politik ist das deshalb bedeutsam, weil sowohl das Auswärtige Amt als auch das Verteidigungsministerium beim Export deutscher Waffen immer wieder darauf verweisen, dass die vom Empfänger unterzeichnete Endverbleibsklausel ihr schärfstes Schwert ist, um eine illegale Weitergabe der Waffen zu verhindern. Wenn ausgerechnet die USA in diesem Zusammenhang als unzuverlässig angesehen werden müssen, wären eigentlich Konsequenzen bei Waffenexporten aus der EU nötig. Die allerdings kaum zu erwarten sind.“ Auch einige Kommentare zu diesem Beitrag sind lesenswert, so schreibt etwa „Pirat77“: „Es ist schon immer witzig, wenn die Realität aus dem Teppich dder politischen Defensivrethorik frech hervorlugt!“ „Alex“ meint ebenfalls nicht ohne Ironie: „Die EU inszeniert sich zum Opfer, man habe bemerkt, dass die Endverbleibeklauseln nicht eingehalten würden. Und trotzdem hat man munter weiter geliefert! Ja, klar, man kauft hunderte Tonnen nicht-standard-Waffen und Munition, schreibt auf das Formular ‚Spezialkräfte, Florida‘ drauf, aber niemand hebt da die Augenbrauen!“
Afghanistan: Schusswechsel
(15. Dezember 2017)Kaum hatte der Bundestag am Dienstag (12.12.2017) das Mandat der Bundeswehr zur „Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte“ verlängert, gab es bereits einen Schusswechsel zwischen der Bundeswehr und unbekannten Angreifern nördlich von Mazar-e Sharif. Der Vorfall habe sich während einer „Aufklärungsfahrt“ ereignet, wie sie von den deutschen Soldaten „routinemäßig zur Absicherung von Camp Marmal durchgeführt“ würde, ereignet, so das Bundeswehr-Journal. Die deutschen Soldaten, die mit zwei Radpanzern unterwegs waren, hätten das Feuer erwiedert und seien dann „ausgewichen und ins Camp Marmal zurückgekehrt“, so heißt es dort.
Auch die Bild-Zeitung berichtet (online) über den Vorfall und beschreibt aus diesem Anlass die Sicherheitslage folgendermaßen: „Allein im ersten Halbjahr 2017 seien bei Gefechten und Anschlägen 1662 Zivilisten getötet und 3581 weitere verletzt worden. Auch die Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) bestätigt diese Situationsanalyse. Allein in diesem Jahr habe der Krieg gegen die Taliban 350 000 Afghanen in die Flucht getrieben, erklärten die Uno-Experten. Selbst im früher als eher ruhig geltenden Norden des Landes würden mittlerweile 32 Prozent aller Kriegsvertriebenen registriert. Die Bundesregierung teilt diese Lageeinschätzung bislang nicht und lässt straffällige Flüchtlinge weiterhin nach Kabul abschieben – obwohl auch die deutsche Botschaft in Kabul Mitte des Jahres selbst Ziel eines schweren Bomben-Anschlags wurde. 160 Menschen wurden getötet, 450 verletzt.“
NATO-Zusagen
(15. Dezember 2017)Das 1985 gegründete und an die George Washington University angegliederte National Security Archive hat Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass es im Zuge der Verhandlungen über die Vereinigung von BRD und DDR sehr wohl Diskussionen und Versprechen dahingehend gab, dass sich die NATO nicht nach Osten hin erweitern würde. Ansonsten wären im Zwei-Plus-Vier-Vertrag enthaltene Passagen, die eine Stationierung von NATO-Truppen in Ostdeutschland ausschließen, auch schwer zu erklären.
„Deklassifizierte Dokumente belegen Wortbruch des Westens gegenüber Sowjetunion“, titelt daraufhin Russia Today, während kaum ein anderes deutschsprachiges Medium auf die Veröffentlichung eingeht. Rühmliche Ausnahme ist Telepolis, wo Verlauf und Kontext der Zusagen genauer dargestellt werden. Diese Darstellung deckt sich weitestgehend mit der Berichterstattung auf Bloomberg.com, das sich jedoch dann in die These versteigt, dass die Sowjetunion damals ohnehin zu schwach gewesen wäre, um irgendwelche Bedingungen zu stellen. Die gebrochenen Zusagen dienen dann nur noch der psychologischen Pathologisierung des heutigen russischen Präsidenten und führen zu der bemerkenswerten Schlussfolgerung: „For years, perhaps decades, maintaining a confrontation with Russia will be easier than rebuilding trust.“
Faschist als Munitionswart
(14. Dezember 2017)Wegen Umtrieben im Netz sind die rechten Kontakte von Schweizer Armeeangehörigen aufgeflogen. Wie die junge Welt berichtet, flog auf, dass fünf Schweizer Armee-Angehörige mit der „Misanthropic Division Switzerland“ sympathisieren. Diese sieht sich als Vertretung eines gleichnamigen Kampfverbands des faschistischen Regiments Asow, das im Ukrainekonflikt auf Seiten der ukrainischen Regierung kämpft. Das Logo der „Misanthropic Division Switzerland“: Ein Schweizerkreuz mit SS-Totenköpfen. Die Gruppe wurde mit dem Ziel gegründet, das Regiment Asow mit Spenden zu unterstützen. Das Regiment Asow bezieht sich positiv auf den Hitlerfaschismus und ist gemäß dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte mutmaßlich an Kriegsverbrechen wie Folter und Vergewaltigung beteiligt.
Drei der Aufgeflogenen sind Unteroffiziere, von denen zwei als Feldweibel (entspricht etwa dem Dienstgrad des Feldwebels bei der Bundeswehr) Munitionslager verwalten. (ak)
44.000 verlorene Soldaten?
(14. Dezember 2017)Telepolis berichtet darüber, dass das US-Verteidigungsministerium eingestanden habe, von 44.000 ihm unterstehenden Soldat*innen den Aufenthaltsort nicht mitteilen zu können.
Da sind sicher auch einige dabei, die tatsächlich irgendwie verschwunden sein könnten – immerhin gebe es „etwa 1,3 Millionen Soldaten und einige hunderttausende zivile Angestellte, da kann vielleicht schon die Übersicht verloren gehen“, so Autor Rötzer. Außerdem seien „kleinere ‚Ausbildungs- und Ausrüstungs‘-Teams wie Spezialeinheiten oder Contractors ‚in Afrika, im Nahen Osten und in Zentralasien allgegenwärtig'“. Es ist durchaus davon auszugehen, dass da auch einige sehr geheime Missionen dabei sind, die sich eben nicht in zentralen Verzeichnissen wie dem Fourth Estate Manpower Tracking System (FMTS) des Defense Manpower Data Center finden lassen, davon ist auszugehen.
Außerdem weißt Rötzer noch auf die vielen privaten Militärdienstleister (Contractors) hin, die in der Praxis tatsächlich manchmal nicht klar von Soldaten zu unterscheiden sind: „Im Nahen Osten sind nach einem Pentagon-Bericht vom Januar mehr als 40.000 Contractors beschäftigt. In Afghanistan waren Ende 2016 nach offiziellen Angaben, so ein Bericht des Congressional Research Service, 25.197 Contractors vom Pentagon beschäftigt, während 9.800 Soldaten im Einsatz waren.“
NATO CoE: Industry Day
(14. Dezember 2017)Das NATO-Exzellenzzentrum für militärisches Pionierwesen (MILENG CoE) in Ingolstadt pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie, über die Parlament und Öffentlichkeit jedoch kaum informiert werden (siehe IMI-Studie 2016/06 zu den NATO-Exzellenzzentren (CoE) in Deutschland). Erst kürzlich jedoch berichtete der Donaukurier offenbar recht exklusiv, aber auch wenig informativ über den dort ausgerichteten „International Day“ bei dem das Buffet im Mittelpunkt zu stehen schien (siehe IMI-Aktuell 2017/687).
Nun berichtet derselbe Autor des Donaukuriers über den ebenfalls vom Exzellenzzentrum ausgerichteten „Industry Day“ und beschreibt diesen „jährliche Rüstungsschau, auf der die Industrie so ziemlich alles zeigt, was in Sachen militärischen Bau- und Sperrwesens und Kampfmittelräumung so auf dem Markt ist.“ Abschließend heißt es: „Drohnen, allerlei Schutzausrüstung und auch ein paar Infanteriewaffen waren ebenfalls an den Ständen der 57 Aussteller zu sehen. Insgesamt konnte der Eindruck entstehen, dass das Handwerk seinen Mann ernährt.“
Konversionsstop: Penzing
(14. Dezember 2017)Heute wird das Lufttransportgeschwader 61 in Penzing bei Landsberg am Lech außer Dienst gestellt. Der Standort sollte eigentlich aufgegeben werden und die Gemeinde hatte schon umfangreiche Pläne für die zivile Nachnutzung des Geländes: „Auf dem 272 Hektar großen Fliegerhorst-Gelände sollen Häuser für ein Mehrgenerationenwohnen gebaut und einen Technik- und Innovationscluster errichtet werden. Penzing will neue Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen schaffen“, so der Bayerische Rundfunk. Doch daraus wird nun erstmal nichts, denn die „Bundeswehr ist gerade dabei, alle geplanten Rückgaben von Liegenschaften zu hinterfragen und neu zu bewerten. Und das betrifft ausdrücklich auch den Flugplatz Penzing. Als Grund dafür gilt die laut Ministerium deutlich verschärfte außen- und sicherheitspolitische Lage.“
Möglich wäre nun eine „Stillstandswartung“. Diese bezeichnet auch ein Beitrag auf kreisbote.de als „Höchststrafe“ für die umliegenden Kommunen: „Sie verlieren 900 Soldaten und Zivilangestellte, haben aber derzeit kaum Chancen auf ersatzweise Ansiedlungen von Unternehmen oder Einrichtungen.“
Konfliktzement
(13. Dezember 2017)Dass die großen Hersteller von Zement und anderen Baustoffen oft in einem dubiosen Umfeld aktiv sind, hat u.a. die Arte-Dokumentation „Sand – die neue Umweltzeitbombe“ (2013) eindrücklich dargestellt. Aktuell wird offenbar gegen den weltgrößten Zementhersteller LafargeHolcim ermittelt, weil dieser angeblich „Schutzgeld“ an den IS gezahlt haben soll, um den Betrieb seines Zementwerkes nordöstlich von Aleppo weiterführen zu können. Außerdem soll das Unternehmen Öl von der Terrorgruppe erworben haben, wie Zeit (online) berichtet: „Das Unternehmen LafargeHolcim hat schwere Fehler bei seiner Arbeit in Syrien eingestanden. Nun wird wegen Terrorfinanzierung und Verstoßes gegen EU-Sanktionen ermittelt.“
Augsburg: Cyber-Ausbildung?
(13. Dezember 2017)Die Stadtzeitung Graben/Untermeitingen/Lagerlechfeld berichtet (online) über den Besuch des Arbeitskreis für Außen- und Sicherheitspolitik der CSU bei der IT-Schule der Bundeswehr in Lechfeld. Deren Kommandeur beschrieb die räumliche Aufteilung der Komponenten des Kommandos Cyber- und Informationsraumes folgendermassen: „Während sich die Soldaten im Köln/Bonner Raum um Führung und Betrieb kümmern, sei in Berlin mit dem Cyber Innovation Hub eine Schnittstelle zwischen der Startup-Szene und Bundeswehr eingeführt worden. Im süddeutschen Raum entstehe an der Münchner Bundeswehr-Universität das größte deutsche Cyber-Forschungszentrum Cyber Defence (CODE) und in geographischer Nähe liege die IT-Schule der Bundeswehr.“
Entsprechend läge es nahe, die Ausbildungseinrichtungen im Süden weiter zu Clustern und dort einen „Cyberausbildungs-Hub zu etablieren“. Diese Idee sprach wohl auch Prof. Dr. Helia Hollmann von der Universität Augsburg an, die sogleich vorschlug, „ob neben der Universität der Bundeswehr nicht auch die Hochschule Augsburg in den Austausch mit aufgenommen werden könnte. Die Hochschule Augsburg gründete vor kurzem ein Institut für innovative Sicherheit und liegt in günstiger Nähe zu den auf dem Lechfeld beheimateten Anteilen der IT-Schule der Bundeswehr.“
PESCO-Projekte (III)
(13. Dezember 2017)Außer die Namen war bislang wenig über die konkreten Inhalte der 17 einzelnen PESCO-Projekte bekannt, die vom EU-Rat Anfang der Woche beschlossen wurden (siehe IMI-Standpunkt 2017/036). Dies gilt auch für die vier Vorhaben, bei denen Deutschland die Leitung übernimmt. Pivot area hat nun Details dazu veröffentlicht. Besonders „interessant“ ist die deutsche Führungsrolle beim Aufbau eines „EUFOR Crisis Response Operatione Core“ zur schnelleren Einsetzbarkeit – Beschreibung: „Identifizierung von notwendigen Fähigkeiten und Kräften für EU Operation zur Krisenbewältigung auf Grundlage einer gemeinsamen Bedrohungsanalyse und Einsatzvorausplanung; dadurch Verkürzung der Reaktionszeit bei Krisen; Verbesserung der EU Handlungsfähigkeit und des EU Krisenmanagements.“ (jw)
Rüstungsindustrie: Boom
(12. Dezember 2017)Zahlreiche Medien berichten über die neuen SIPRI-Zahlen, denen zufolge die weltweiten Waffenverkäufe wieder zugenommen haben. Beim Neuen Deutschland sind die Verkaufszahlen der 100 größten Waffenkonzerne seit 2003 aufgelistet. Demnach sei der Umsatz von 2003 (239 Mrd. Dollar.) bis 2016 (375 Mrd. Dollar) deutlich angestiegen. (jw)
PESCO-Projekte (II)
(12. Dezember 2017)Augengeradeaus hat den „BESCHLUSS DES RATES über die Begründung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) und über die Liste der daran teilnehmenden Mitgliedstaaten“ online gestellt. Am Ende findet sich auch eine offizielle Übersetzung des „Notifizierungspapiers“, in dem die „PESCO-Teilnahmebedingungen“ festgelegt sind. Dazu gehört vor allem die „regelmäßige reale Aufstockung der Verteidigungshaushalte“. Bei Augengeradeaus findet sich auch eine Liste der ersten 17 PESCO-Projekte. (jw)
Rüstungsausgaben: Doppelmoral?
(12. Dezember 2017)So kann man es als Journalistin es auch machen: Erst einmal die korrekte Tatsache festhalten, dass sich eine Mehrheit der Bevölkerung für einen Ausbau der EU-Verteidigungskooperation aussprechen und dann ignorieren, dass vieles darauf hindeutet, dass dies in der (Fehl-)Annahme geschieht, hierdurch würden Kosten gespart. Lieber kritisiert etwa das Handelsblatt, die vermeintliche „Doppelmoral“ der Bevölkerung: „Beim Thema Militär herrscht in Deutschland Doppelmoral. Fast drei Viertel der Bevölkerung sind überzeugte Europäer, wenn es um Verteidigung geht. […] Die Konsequenz daraus ist jedoch nur eine Minderheit bereit zu tragen. Sie lautet: Der Verteidigungsetat wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Mehr Geld ausgeben für Panzer, Kriegsschiffe und Kampfjets, für die Ausbildung von Soldaten, für die Beteiligung an militärisch-zivilen EU-Auslandseinsätzen in Afrika: Darüber verweigern allzu viele Bürger jede Diskussion. Wer für Frieden ist, ist gegen Aufrüstung“. (jw)
Bundeswehr: Adbusting
(11. Dezember 2017)Bei Indymedia findet sich ein Bericht mit Bildern über eine Adbusting-Aktion gegen die Werbung der B undeswehr: „Verantwortlich für die Adbusting-Aktion ist das Künstler*innen-Kollektiv B.U.N.D.E.S.W.E.H.R. (Bundesverband unreflektierter nichtnutziger dilettantischer erkentnisresistenter saublöder waschlappiger elchiger hackenstrunzvoller Rollmöpse). ‚Die Aktion ist ein Revangefoul gegen die Bundeswehr. Es ist eine Frechheit, dass die einfach regelmäßig die ganze Stadt zukleben, nur weil ihre Werbemillionen irgendwo hin müssen‘ erklärt Theodor Freiherr von und zu Schlechtenzwerg, einer der Künstler*innen.“ (jw)
9.12. Demo in Stuttgart
(8. Dezember 2017)Für eine Welt, in der niemand fliehen muss:
Morgen ist es soweit – dann wollen wir in Stuttgart ein kraftvolles Zeichen setzen gegen die Abschiebungs- und Abschottungspolitik Deutschlands, Rassismus, Krieg, Waffenexporte und für eine Welt in der niemand fliehen muss. Die landesweite Demonstration startet mit dem Auftakt in der Lautenschlagerstraße gegenüber vom Hauptbahnhof. Nach einer Zwischenkundgebung am Schlossplatz geht es weiter zur Abschlusskundgebung an der Paulinenbrücke, wo es auch einen afghanisch/arabischen Musicact geben wird. Folgende RednerInnen sprechen auf der Demonstration:
Seán McGinley – Flüchtlingsrat BW
Friedhold Ulonska – Sea Watch
Sadiq Zartilla– Geflüchteter aus Afghanistan
Eine Vertreterin vom Arbeitskreis Internationalismus Stuttgart
Tobias Pflüger – Bundestagsabgeordneter DIE LINKE & IMI e.V.
Rex Osa – Flüchtlingsaktivist
Ines Fischer – Asylpfarrerin
Weitere Informationen:
http://flucht-demo.de/
Aktuelle Pressemitteilung vom 7. Dezember.
Die Nummer des Ermittlungsausschuss lautet: 0152 05372805
Wieder Pfullendorf
(8. Dezember 2017)Erneut ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Soldaten vom Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf, wie die „Schwäbische“ (online) berichtet. Demnach geht es wohl um Volksverhetzung. So soll ein Stabsfeldwebel eine Fotomontage verschickt haben, die Auschwitz und Flüchtlinge in einen Zusammenhang bringt. Berichtet wird über weitere Vorfälle. Die Hinweise stammen offenbar von Soldaten aus der Kaserne, die jedoch anonym bleiben wollen: „Die Soldaten schreiben, dass es sich bei den geschilderten Vorfällen keineswegs um Einzelfälle handele. ‚Es ist in der Ausbildungskompanie an der Tagesordnung, dass solche Dienstvergehen vertuscht werden‘, heißt es in ihrem anonymen Brief. Deshalb solle die Staatsanwaltschaft dieser Angelegenheit nachgehen und die beteiligten Soldaten für ihre Straftaten zur Rechenschaft ziehen. Die Befürchtung der anonymen Briefschreiber: ‚Wenn wir uns outen würden, würde man uns mit Sicherheit lange Zeit schikanieren und die genannten Soldaten würden wahrscheinlich wieder einmal ungeschoren davon kommen.'“
Umfrage: Community ernüchtert
(8. Dezember 2017)Eine kürzliche Umfrage der Körber-Stiftung ergab erneut, dass sich eine Mehrheit der Bevölkerung gegen ein stärkeres außen- und militärpolitisches Engagement ausspricht (siehe IMI-Aktuell 2017/721). Zeit Online (via Bpb-Newsletter) wertet dies als ein Zeichen, dass die „Außenpolitik-Community“ noch weit davon entfernt ist, „Erfolg“ beim Versuch melden zu können, Zustimmung zu mehr deutschen Kriegseinsätzen zu erhalten: „Die Außenpolitik-Community hat, wenn sie die deutsche Bevölkerung von einem stärkeren außenpolitischen und militärischen Engagement überzeugen will, noch eine Menge Arbeit vor sich.“ (jw)
Honduras: Polizei streikt
(7. Dezember 2017)Nach den umstrittenen Wahlen in Honduras kommt es auch nach Verhängung einer Ausgangssperre weiterhin zu Massenprotesten. Nun haben offenbar mehrere Polizeieinheiten angekündigt, nicht mehr gegen die Anhänger der Opposition vorzugehen, wie Telepolis berichtet: „Die Spezialeinheit ‚Cobra‘ der Polizei legte ihre Arbeit nieder, ähnliche Reaktionen werden auch aus anderen Teilen des Polizeiapparats berichtet. Oppositionskandidat Salvador Nasralla rief die Armee in der Nacht zum Dienstag auf, ‚dem patriotischen Beispiel der Polizei zu folgen'“.
Noch ausführlicher berichtet die NZZ, die anders als viele deutsche Medien, den aktuellen Stand und die Unregelmäßigkeiten bei der Wahl gut zusammenfasst. Zum Streik bzw. Tendenzen der Meuterei im Sicherheitsapparat heißt es dort: „Doch die Lage spitzte sich Anfang Woche zu, als Hunderte von Polizisten der Spezialeinheit der Cobras sowie der Nationalpolizei bekanntgaben, dass sie nicht gegen demonstrierende Bürger vorgehen und während der Ausgangssperre auch keine Festnahmen machen würden. Sie verliessen ihre Kasernen, wo sie zur Bereitschaft zusammengezogen worden waren. Ein Sprecher der unzufriedenen Polizisten erklärte, wenn die Politiker nicht in der Lage seien, ihre Angelegenheiten zu regeln, so könnten sie nicht einen Kandidaten begünstigen und auf der Strasse gegen Bürger vorgehen. Die Regierung Hernández behauptete andererseits, der wahre Grund des Protests sei die Forderung nach höheren Löhnen, und stellte flugs 7,5 Millionen Dollar für Gehaltserhöhungen und Boni bereit.“
PESCO-Projekte
(7. Dezember 2017)Am 11. Dezember soll der EU-Rat endgültige die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (PESCO) beschließen, mit der ein kleiner Kreis von Mitgliedsländern per Mehrheitsbeschluss unter EU-Dach Rüstungsprojekte durchführen können soll (siehe IMI-Standpunkt 2017/036). Augengeradeaus berichtet nun über die ersten Projekte, die bereits angebahnt werden: „Insgesamt ist von 47 Projekten die Rede, 15 davon wurden inzwischen von Arbeitsgruppen ausgesucht und quasi beschlossen. […] Deutschland ist, wie von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bereits zuvor angedeutet und damit wenig überraschend, die Führungsnation bei drei Vorhaben: einem gemeinsamen europäischen Sanitätskommando, einem European Logistic Hub sowie bei einem Center of Excellence für EU-Ausbildungsmissionen.“ (jw)
Gabriel: EU-Machtprojektion
(6. Dezember 2017)Die Grundsatzrede „Europa in einer unbequemeren Welt“, die Außenminister Sigmar Gabriel am 5. Dezember 2017 vom Stapel ließ, hatte es in sich. Nicht nur, dass er forderte, dass „Deutschland in der Sicherheitspolitik etwas französischer werden“ müsse, sprich bereitwilliger auf die militärischer Karte setzen müsse als bislang. Bemerkenswert war vor allem die Deutlichkeit, mit der er für eine EU-Fähigkeit zur (militärischen) Machtprojektion war: „Die Selbstverständlichkeit, mit der wir die US-amerikanische Rolle – trotz gelegentlichen Zwistes – als behütend gesehen haben, beginnt also längst zu bröckeln. […] Der US-Rückzug geht nicht auf die Politik eines einzelnen Präsidenten zurück. Er wird sich auch nach der nächsten Wahl nicht grundlegend ändern. […] Wir müssen einsehen: Entweder wir versuchen selbst in dieser Welt zu gestalten oder wir werden vom Rest der Welt gestaltet. […] Die heute noch fehlende Machtprojektion der Europäischen Union hat jedenfalls dazu geführt, dass überall dort, wo sich die USA tatsächlich oder scheinbar zurückgezogen haben, keine Hinwendung zu Europa erfolgt ist, sondern zu anderen Staaten, von denen operationalisierte Macht weit eher erwartet wird: im Nahen Osten z.B. zu Russland und in Afrika zu China. […] Die One-Belt-One-Road-Initiative, die „neue Seidenstraße“, ist eben keine historische Handelsreminiszenz an Marco Polo, sondern letztlich eine geostrategische Idee, in der China seine Ordnungsvorstellungen durchsetzt. Handelspolitisch, geographisch, geopolitisch und letztlich womöglich auch militärisch.“ (jw)
NATO in Nahost
(6. Dezember 2017)Diese Meldung – hier etwa bei Zeit (online) – sollte aufhorchen lassen: „Da die Terrormiliz Islamischer Staat in den beiden Ländern 95 Prozent ihres Einflussgebiets verloren habe, werde es bei den Einsätzen der internationalen Anti-IS-Koalition künftig mehr um Stabilisierung als um Kampfeinsätze gehen, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Auftakt eines zweitägigen Außenministertreffen in Brüssel.“
Die Rolle der NATO in der Region beschränkt sich soweit bekannt weitgehend auf den AWACS-Einsatz. Was jedoch fliegende Kommandozentren zur Luftraumkoordinierung für einen Beitrag zur „Stabilisierung“ leisten könnten, bleibt unklar. Falls die Bekämpfung des IS nicht mehr primäre Aufgabe des Einsatzes sein sollte, wäre auch das entsprechende Mandat des Bundestags hinfällig.
Gegenkonversion: Mühlhausen
(6. Dezember 2017)Die Thüringer Allgemeine berichtet (online), dass der Rat der Kreisstadt Mühlhausen in Thüringen am kommenden Donnerstag über einen Antrag der Bürgerliste für Mühlhausen/FDP beraten werde, wonach sich die Stadt darum bewerben solle, „Standort des in Deutschland zu errichtenden Nato-Hauptquartiers“ zu werden. Vermutlich geht es dabei um das geplante Logistikkommando der NATO, dass insbesondere die Truppenverlegungen nach Polen und ins Baltikum koordinieren soll (vgl. IMI-Aktuell 2017/675 und 2017/709).
Bis 2013 war Mühlhausen Standort des Artillerieregiments 100, dann wurde die Kaserne entsprechend dem Stationierungskonzept von 2011 geschlossen und seither bemühte man sich um die zivile Nutzung der Flächen.
Linke und grüne Fraktion haben sich laut Thüringer Allgemeine bereits gegen die Bewerbung um ein NATO-Kommando ausgesprochen. Brisant wäre eine Bewerbung v.a. deshalb, weil bislang noch kein NATO-Kommando oder NATO-Standort auf dem Gebiet der ehemaligen DDR existiert, was gute Gründe hat. Denn so sieht es der sog. Zwei-Plus-Vier-Vertrag vor, der die Vereinigung von BRD und DDR ermöglichte und die Funktion eines „Friedensvertrages“ nach dem zweiten Weltkrieg einnimmt. Darin heißt es in Artikel 5 Absatz 3:
„Nach dem Abschluß des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte vom Gebiet der heutigen Deutschen Demokratischen Republik und Berlins können in diesem Teil Deutschlands auch deutsche Streitkräfteverbände stationiert werden, die in gleicher Weise militärischen Bündnisstrukturen zugeordnet sind wie diejenigen auf dem übrigen deutschen Hoheitsgebiet, allerdings ohne Kernwaffenträger. Darunter fallen nicht konventionelle Waffensysteme, die neben konventioneller andere Einsatzfähigkeiten haben können, die jedoch in diesem Teil Deutschlands für eine konventionelle Rolle ausgerüstet und nur dafür vorgesehen sind. Ausländische Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt.“ Das wird gemeinhin so interpretiert, wie es hier das „Lebendige Museum Online“ formuliert:
„US-Präsident George H.W. Bush sichert Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die Unterstützung der USA für die Herstellung der deutschen Einheit zu. Bedingung ist für ihn jedoch ein NATO-Beitritt des geeinten Deutschlands. Zusammen setzen sie diese Position in den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen durch. Am 31. Mai 1990 stimmt der sowjetische Staatschef Michael Gorbatschow einer freien Bündniswahl Deutschlands zu. Die Sowjetunion erhält im Gegenzug wirtschaftliche Hilfen, zudem dürfen in Ostdeutschland keine NATO-Truppen stationiert werden.“
Körber-Stiftung: Umfrage
(6. Dezember 2017)Die Körber-Stiftung hat die neuesten Ergebnisse ihrer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zur außenpolitischen Einstellung der deutschen Bevölkerung veröffentlicht. Gegenüber früheren Jahren ist die Zustimmung zu einer „aktiven“ Außenpolitik zwar leicht gestiegen, eine Mehrheit lehnt diese aber weiterhin ab. Außerdem ist damit auch noch lange nichts ber die Art des größeren Engagements gesagt, auch wenn stets mehr Engagement mit mehr militärischem Engagement gleichgesetzt wird: „Während international vielfach erwartet wird, dass Deutschland sein außenpolitisches Potenzial stärker nutzt, blicken die Deutschen weiterhin skeptisch auf ihre vermeintlich neue Rolle in der Welt: 52 Prozent sind für Zurückhaltung in internationalen Krisen, 43 Prozent befürworten stärkeres Engagement.“ (jw)
Propagandaopfer taz
(5. Dezember 2017)Beim IMI-Kongress über den „Krieg im Informationsraum“ kam öfters zur Sprache, dass die Propaganda Deutschlands, der EU und der NATO häufig darin besteht, eine Art Rauschen aus relativ unwichtigen Nachrichten zu erzeugen, in denen die eigentlich relevanten Fakten untergehen (der Bericht vom IMI-Kongress findet sich hier). Genau das passiert mit der Youtube-Serie „Mali“ des Bundesverteidigungsministeriums, wie aktuell mal wieder die Tageszeitung (taz) mit einem Artikel demonstriert, der unter dem Titel „Skorpione und Klappklos“ die Serie lobt und zu dem Schluss kommt, dass sie den Einsatz nicht verkläre: „So nah dran an den Soldaten wie in diesen YouTube-Filmen ist der Zuschauer sonst selten… Die Zuschauer bekamen auch Inhalte zu sehen, die potenzielle Rekruten eher abschrecken als anlocken könnten. Los geht das mit der Trennung von der Familie während des Einsatzes (Hauptfeldwebel Marko vor dem Abflug: ‚Es wird sehr, sehr schwer‘). Weiter geht es mit den hygienischen Bedingungen während einer Operation in der Wüste (vier Tage ohne Dusche bei über 40 Grad, Nachtlager mit Skorpionen und Kamelspinnen, Kacken durchs Klappklo auf den Sand). Und es endet mit dem Absturz eines Bundeswehr-Helikopters, bei dem während der Dreharbeiten zwei deutsche Piloten starben.“
Über die dramatische Eskalation der Lage in Mali verliert der Artikel jedoch kein Wort. Auch nicht über die Gefechte vor zwei Wochen, bei denen vier MINUSMA-Angehörige starben und 21 teils schwer verletzt wurden (siehe IMI-Aktuell 2017/707). Auch nicht darüber, dass die Regionalwahlen wegen der schlechten Sicherheitslage verschoben wurden und Verbündete der Bundeswehr für zahlreiche Übergriffe auf die Zivilbevölkerung verantwortlich sind (siehe IMI-Standpunkt 2017/033). Wer dazu schweigt und stattdessen über Klappklos berichtet, ist Opfer und Teil der Propaganda und verklärt selbst den Einsatz. Und beteiligt sich an einer zutiefst kolonialistischen Sichtweise, in der ein Krieg und ein Land auf die banalen Erfahrungen einiger deutscher Soldat*innen reduziert wird.
SIKO 2018
(5. Dezember 2017)Der Aufruf zu den Protesten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz 2018 ist online. Die zentrale Demo wird am Samstag den 17. Februar 2018 (13h Stachus) stattfinden. (jw)
Deutsch-Französischer Motor?
(4. Dezember 2017)Bereits vor einiger Zeit waren Meldungen zu vernehmen, dass es zwischen Deutschland und Frankreich, die eigentlich die Führungsrolle beim Vorantreiben der EU-Militarisierung übernehmen wollen, hinter den Kulissen zu erheblichen Konflikten kommt. Über eine weitere „Episode“ in diesem Zusammenhang berichtet Augengeradeaus. Deutschland habe beabsichtig, Generalleutnants Erhard Bühler als neuen Vorsitzenden des EU-Militärausschusses zu etablieren. Unabgesprochen hätte daraufhin Frankreich mit General Denis Mercier einen Gegenkandidaten ins Rennen geschickt. Im Endeffekt verhinderte Frankreich so den deutschen Kandidaten: „Die Generalstabschefs (Chiefs of Defence) der Mitgliedsländer entschieden sich daraufhin für den italienischen General Claudio Graziano. Unklar bleibt, ob die Nominierung Merciers als gezielte Aktion zu sehen ist oder ob nach dem Rücktritt des franzöischen Generalstabschefs Pierre de Villiers im Juli und Ernennung eines Nachfolgers zuvor getroffene Absprachen aus internen französischen Gründen nicht eingehalten wurden.“ (jw)
Afghanistan: Optionslos
(4. Dezember 2017)Die Bild interviewt den NATO-Oberkommandierenden in Afghanistan, John W. Nicholson, der einmal mehr betont, dass das Bündnis beabsichtigt, den Krieg ad infinitum fortzusetzen: „Ein Scheitern in Afghanistan darf keine Option für uns sein, die Kosten für ein Versagen wären viel zu hoch. Wenn wir jetzt abziehen, würden wir die Terroristen einladen, zurückzukommen und von Afghanistan aus Anschläge auf den Westen zu planen. Weltweit würden Dschihadisten ermutigt. Das Risiko wären neue Flüchtlingsströme nach Europa. Es ist in Europas eigenem Interesse, das zu verhindern. Je stabiler Afghanistan ist, desto sicherer werden wir sein.“ (jw)
McKinsey: EU-Rüstungsmilliarden
(2. Dezember 2017)Am 30. November 2017 veröffentlichte die Münchner Sicherheitskonferenz eine Studie zum EU-Rüstungssektor, mit deren Anfertigung die Unternehmensberatungsfirma McKinsey beauftragt wurde. Neben Fragen wie der Harmonisierung der staatlichen Rüstungsnachfrage und der Bildung europäischer Rüstungsgroßkonzerne beschäftigt sich das McKinsey-Papier „More European, More Connected and More Capable“ vor allem mit dem Umfang und der Richtung künftiger Rüstungsausgaben. Nassforsch gehen die Forscher dabei davon aus, dass das sog. 2%-Ziel, also dieser Anteil am Bruttoinlandsprodukt, spätestens 2024 von allen EU-Staaten erreicht wird (Deutschland aktuell ca. 1,2%). Damit stünden auf einen Schlag jährlich 116 Mrd. US-Dollar mehr zur Verfügung, die vor allem in Investitionen gesteckt werden sollten. Diese sollen gleichzeitig von der aktuellen Zielgröße von 20% der Gesamtausgaben bis 2024 auf Anteil von 30% steigen. In Zahlen würde das bedeuten, dass für Rüstungsinvestitionen dann jährlich statt 48 Mrd. Dollar dann satte 116 Mrd. Dollar verausgabt würden (es ist fraglich, ob die 20% aktuell erreicht werden, was sich allerdings nicht prüfen lässt, da die EU-Verteidigungsagentur lediglich Zahlen von 2014 bereithält, als es „nur“ 17,8% waren).
Ob diese Werte auch nur ansatzweise erreicht werden, bleibt abzuwarten. Allerdings finden die Grundaussagen der McKinsey-Studie bereits seit einiger Zeit nahezu überall Anklang und auch das aktuelle Papier wurde mit einer überaus wohlwollenden medialen Begleitmusik in die Welt hinausposaunt. Zumindest die Richtung scheint damit vorgegeben, wenn auch über das konkrete Ausmaß womöglich noch gestritten werden könnte. Doch auch das dürfte ausreichen, dass sich die Herren in den Chefetagen des im Entstehen begriffenen Europäischen Rüstungsindustriellen Komplexes bereits jetzt die Hände reiben. (jw)
EU-Kriminalitäts- informationszellen
(1. Dezember 2017)Wie Matthias Monroy von Netzpolitik berichtet, wolle die EU „Kriminalitätsinformationszellen“ errichten, „um Daten zwischen Polizei, Militär und Geheimdiensten auszutauschen“. Das erste Pilotprojekt soll bei der EU-Mission EUNAVFOR MED vor der libyschen Küste durchgeführt werden – einmal mehr dient der Mittelmeerraum als Experimentierfeld der EU. Matthias Monroy beschreibt die Form und Funktion der geplanten „Kriminalitätsinformationszellen“ wie folgt:
„In den „Kriminalitätsinformationszellen“ würden die zivilen und militärischen EU-Missionen miteinander verzahnt. Dies beträfe die Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) sowie den Bereich Justiz und Inneres (JI), die dem Auswärtigen Dienst oder der Europäischen Kommission unterstehen. Dabei geht es vor allem um den Austausch von Daten und Risikoanalysen. Die Zusammenarbeit soll durch die gegenseitige Entsendung von VerbindungsbeamtInnen vereinfacht werden. Der Datentausch soll „reziprok“ sein, die Militärs also auch Informationen aus dem JI-Bereich erhalten. Die bestehenden geheimdienstlichen EU-Strukturen könnten ebenfalls in zukünftige „Kriminalitätsinformationszellen“ eingebunden werden. Hierzu sollen die Beteiligten prüfen, ob das zivile Lagezentrum INTCEN und das militärische Lagezentrum EU MS INT die Verarbeitung und Analyse eingestufter Geheimdienstinformationen („classified intelligence”) übernehmen könnten.“
Dies hätte zur Folge, das Daten aus militärischen Quellen für die Strafverfolgung genutzt werden könnten. Während sich das BKA noch im Jahr 2011 die Teilnahme an einem anderen Projekt mit zivil-militärischen Datentausch verweigerte, prüfe laut Monroy die Bundesregierung derzeit, ob sich der BKA und der BND an diesem Projekt beteiligen können. Zudem kann dieses Projekt, welches sich gegen den Terrorismus richtet, dazu führen, dass sich das Mandat der EUNAVFOR MED erweitern könnte.
Es ist zwar nicht überraschend, aber dennoch absurd, wie zeitgleich kein Wort über den aus der EU-Migrationspolitik erwachsenen Terror gegen Migrant_innen und ihre Versklavung in Libyen kein Wort verloren wird.(ja)
Franco A.: frei
(1. Dezember 2017)Der Bundesgerichtshof hat den Haftbefehl gegen Oberleutnant Franco A. aufgehoben und ihn damit auf freien Fuß gesetzt. Das Verteidigungsministerium erklärte aus diesem Anlass, er wäre bereits während der Untersuchungshaft vorläufig des Dienstes enthoben worden und dass ein Uniformtrageverbot gegen ihn vorliege. Bundeswehrnahe Kreise sehen sich trotzdem in ihrer Kritik an der „Hysterie“ über rechtsextreme Umtriebe und Wehrmachtsdevotionalien bei der Bundeswehr bestätigt. So meint auch das Bundeswehr-Journal, das an anderer Stelle auch schon ausgewogener berichtet hatte, dass „der gesamte Fall … für lange Zeit von einer gewissen öffentlichen Hysterie getragen“ gewesen sei. „So bezeichneten die Medien Franco A. wenig vorurteilsfrei als ‚terrorverdächtigen Bundeswehroberleutnant‘, nach und nach schlichen sich auch Begriffe wie ‚Rechtsterrorist‘ oder ‚deutscher Terror-Offizier‘ in die Berichterstattung ein. Viele Beiträge verbanden Information und Emotion – so warnte beispielsweise das Westfalen-Blatt seine Leser: ‚Wer die Bundeswehr schon immer für einen Hort rechtsextremer Gesinnung gehalten hat, fühlt sich durch den Fall Franco A. bestätigt. In der Tat kann dieser Fall gar nicht ernst genug genommen werden.'“
Die rechtsextreme Gesinnung von Franco A. scheint jedoch weiterhin außer Frage zu stehen. Der „dringende“ Tatverdacht wurde auch nur hinsichtlich der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, also des geplanten Terroranschlags, auf einen Anfangsverdacht heruntergestuft. Weiterhin wird jedoch davon ausgegangen, dass Franco A. Waffen und Munition tw. bei der Bundeswehr entwendet und gehortet habe und dass er unter falscher Identität Leistungen nach dem Asylberwerberleistungsgesetz – zusätzlich zum Sold – bezogen habe. Außerdem hatten Ermittlungen in seinem Umfeld offenbar zur Gruppe „Nordholz“ (siehe IMI-Aktuell 2017/570) geführt. Rechtsextreme Gesinnung, falsche Identität, gestohlene Bundeswehr-Waffen – durchaus weiterhin ein Grund zur Beunruhigung, auch wenn dies das Bundeswehr-Journal offenbar nicht wahrhaben will.
Deutlich sachlicher als dort mal wieder der Blogeintrag bei Augengeradeaus.net, wo auch der entsprechende Beschluss des BGH verlinkt ist. Die Kommentare sind aber auch hier vielsagend bis beunruhigend.
Baltikum: Milizen
(1. Dezember 2017)The Atlantic dokumentiert eine Fotoreportage des Italieners Tomaso Clavarino, der im Baltikum Milizen besucht und begleitet hat, die sich für den Kampf gegen Russland vorbereiten. Zu sehen sind viele Kinder beim paramilitärischen Training, in den kurzen Texten zu den Fotos werden eine aufgeheizte Stimmung und massiver Nationalismus dargestellt: „Among the paramilitary volunteers are bikers, ex-soldiers, hunters, and stockbreeders. Each group has its own division dedicated to training young men and women in military tactics and patriotism; some volunteers are as young as 12 years old. These groups insist they are apolitical. They seek to defend their borders and train the warriors of tomorrow to prepare for whatever Putin has planned next.“
Somalia: US-Massaker?
(1. Dezember 2017)The Daily Beast hat (online) einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, wonach es starke Hinweise darauf gebe, dass US-Truppen und ihre Verbündeten der somalischen Armee (die u.a. auch von der Bundeswehr aufgebaut und beraten wird) am 25. August 2017 in Bariire, Somalia, ein Massaker begangen und anschließend vertuscht hätten. Das werfen ihnen zumindest Anwohner_innen und offenbar auch somalische Militärs und Politiker vor. Der Bericht wirkt glaubwürdig und gibt in jedem Fall einen guten Einblick in die gemeinsamen Operationen von US-Spezialkräften und somalischen Soldaten in Somalia, insb. in der Region Lower Shabelle.
Deutlich weniger glaubwürdig wirkt hingegen das Dementi des US-Afrikakommandos (Africom), wonach alle Getöteten bewaffnete Komabttanten gewesen seien:
„After a thorough assessment of the Somali National Army-led operation near Bariire, Somalia, on Aug. 25, 2017 and the associated allegations of civilian casualties, U.S. Special Operations Command Africa (SOCAF) has concluded that the only casualties were those of armed enemy combatants.“
Interessant auch die unterschiedliche Darstellung der Führung. Während der Bericht des Daily Beast es so darstellt, dass die Planung und Führung der Einsätze durch die US-Spezialkräfte (mit deutlich besserer aufklärungs- und Kommunikationsstruktur) erfolge, stellt es das Africom so dar, als habe die somalische armee den Einsatz geführt. Zugleich heißt es jedoch: „Before conducting operations with partner forces, SOCAF conducts detailed planning and coordination to reduce the likelihood of civilian casualties and to ensure compliance with the Law of Armed Conflict.“ Das wirkt, gelinde gesagt, widersprüchlich.
USA und Russland im Informationskrieg
(30. November 2017)Regierungen wollen den Bürger_innen zunehmend vorgeben, welche Nachrichten wahr und welche „Fake-News“ sind, so Telepolis. Nachdem das US-Justizministerium die staatlichen russischen Medien RT und Sputnik nach einem Gesetz aus dem Zweiten Weltkrieg gezwungen hat, sich als ausländische Agenten zu registrieren, hat die russische Regierung reagiert und ein ähnliches Gesetz verabschiedet. Mit diesem können ausländische Medien ebenfalls gezwungen werden, sich als ausländische Agenten zu registrieren. Russland scheint nun nicht, wie schon angedroht, den privaten Sender CNN als ausländischen Agenten zu bezeichnen, aber das russische Justizministerium forderte die Regierungssender Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) auf, sich zusammen mit einigen lokalen, von RFE/RL betriebenen Sendern als ausländische Agenten zu registrieren. Möglicherweise könnte auch die Deutsche Welle darunter fallen. Nach der amerikanischen Einladung zur Gegenreaktion hat nun Moskau freie Hand, welche Medien stigmatisiert werden. Moniert wird von russischer Seite denn auch, dass bislang nur russische Auslandsmedien, aber nicht die BBC, das chinesische CCTV, der französische Sender France-24 oder die Deutsche Welle registrieren lassen mussten. (ak)
Cyber-Grundgesetzänderung
(30. November 2017)Obwohl gegenwärtig im Grunde nur kommissarisch im Amt, werden von der Bundesregierung offensichtlich bereits dicke Bretter gebohrt. So berichtet das Handelsblatt (online) über aktuelle Pläne im Bundesinnenministerium, möglicherweise das Grundgesetz zu ändern, um den Behörden größere Spielräume bei der Manipulation von IT-Systemen zu geben. Es müsse möglich sein, in Systeme (und damit sind Systeme in Deutschland gemeint) einzudringen, wenn diese für Cyber-Angriffe genutzt würden, so die zugrundeliegende Argumentation. Der Verfassungsschutz träumt offenbar bereits vom direkten Zugang zu Bundestagsrechnern: „‚Wenn wir als Inlandsnachrichtendienst erkennen, dass (…) der Bundestagsserver gehackt ist und die Daten abfließen auf einen ausländischen Server, muss es im Sinn einer Nacheile möglich sein, diese Daten löschen zu können, bevor sie weiterverbreitet werden‘, erklärte er [Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen] im Oktober“.
EU-Afrika-Gipfel
(30. November 2017)Der Spiegel hat (online) einen Artikel veröffentlicht, in dem frühere Entwürfe der Abschlusserklärung des EU-Afrika-Gipfels in Abidjan mit den nun kurz vor der Finalisierung stehenden verglichen werden. Damit soll gezeigt werden: „Sowohl Europäer als auch Afrikaner haben unbequeme Passagen entfernt“. Demnach hätten die afrikanischen Regierungsvertreter Formulierungen hinsichtlich Demokratie und internationaler Strafverfolgung vermieden, die EU hingegen auf verbindliche Finanzierungszzusagen verzichtet. „Es kann nicht sein, dass die EU immer wieder Geld auf den Tisch legt, auf afrikanischer Seite aber wenig passiert“ und „Die Kernthemen sind Investitionen, Migration und Frieden“, so wird zum Ende hin der deutsche Afrika-Beauftragte Nooke zitiert und das ist bereits ein Hinweis darauf, wie sehr der Artikel von Europa aus gedacht ist.
Zutreffend allerdings ist, dass die Stimmung auf dem Gipfel deutlich schlechter ist als erwartet und viele Vertreter auf der afrikanischen Seite selbstbewusster auftreten, als in den vergangenen Jahren. Das hat sich bereits im Vorfeld angekündigt und einen einfachen Grund: Die Bilder von Sklavenmärkten und -auktionen in Libyen lösen auf dem afrikanischen Kontinent eine ganz andere Empörung aus und mehrfach wurde in den letzten Wochen bei gemeinsamen Pressekonferenzen etc. deutlich, wie wenig die europäische Außenpolitik das auch nur begreift.
Als eines von wenigen europäischen Medien berichtet EUObserver.com von einer Konferenz im Vorfeld des aktuellen EU-Afrika-Gipfels vor einer Woche im Europäischen Parlament. Was eigentlich gute Stimmung machen sollte, geriet nahezu zum Eklat, als der malische Außenminister den NATO-Krieg gegen Libyen als Ursache des aktuellen Chaos in Libyen scharf kritisierte. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Vorsitzenden der Afrikanischen Union und der EU-Außenbeauftragten setzte sich der Dissenz fort. Auf die Frage, wie die EU ihre Verantwortung für die Situation in Libyen sehe und was sie angesichts der Sklavenauktionen zu tun gedenke, antwortete Mogherini, man werde die Partner bzw. Autoritäten vor Ort auffordern, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Moussa Faki, aktuell Vorsitzender der Kommission der AU, meinte daraufhin: „Es gibt in Libyen momentan keinen Staat, keine Rechte und keine Gesetze“.
Logistikkommando: Deutschland
(29. November 2017)Bekanntlich will die NATO ja zahlreiche neue Kommandos aufstellen. Eines davon, das mit größerer Dringlichkeit verfolgt wird, ist ein Logistikkommando, das den Transport von Truppen, Fahrzeugen und Material durch Europa koordinieren soll. Als Standort hierfür ist bereits länger Deutschland im Gespräch. Hierfür sprach sich nun auch Ben Hodges, kommandierender Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa, bei der Berliner Sicherheitskonferenz aus, wie das Handelsblatt berichtet (ausführlicher dokumentiert bei Augengeradeaus.net). Gründe für Deutschland seien neben den bereits ohnehin umfangreichen US-Stationierungen in Deutschland („Wir sind da zuhause“) vor allem dessen Lage. Notwendigkeit zu Verbesserungen in Deutschland sah Hodges v.a. beim Schienentransport: „Momentan reicht die Kapazität der Deutschen Bahn nicht aus“.
Nordkorea: Raketentest
(29. November 2017)Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen schon seit einer Weile bedrohlich zu (siehe IMI-Analyse 2017/30). Jüngster Ausdruck dessen ist ein aktueller Raketentest, mit dem Nordkorea unter Beweis gestellt hat, potenziell jeden Fleck der Welt treffen zu können. Telepolis schreibt: „Wieder hat Nordkorea eine Langstrecke getestet. Sie flog nach südkoreanischen Angaben 960 km weit in einer Höhe von 4500 km in 50 Minuten. Nach dem Pentagon flog sie 1000 km und stürze in japanischen Gewässern ins Meer. Wäre die Rakete in einem normalen Winkel abgeschossen worden, wäre sie 10.000 km geflogen.“ (jw)
Mali: Gefechte etc.
(28. November 2017)Während in Deutschland munter über die Youtube-Serie „Mali“, eine Propaganda-Kampagne des Verteidigungsministeriums, berichtet wird, interessieren sich die Medien für die tatsächlichen Ereignisse in Mali wenig bis gar nicht. Vergangenen Freitag (24.11.2017) etwa wurden vier MINUSMA-Angehörige und ein malischer Soldat bei Gefechten getötet und 21 weitere verletzt, wie einer Pressemitteilung der UN zu entnehmen ist. Eines der Gefechte fand im Zentrum des Landes statt, das eigentlich noch als recht sicher galt, als die Bundeswehr Anfang 2016 mit zunächst 600 Soldaten das Camp Castor in Gao bezog. Das andere Gefecht tobte nur etwa 150km östlich von Gao, wo mittlerweile fast 1.000 Soldat_innen der Bundeswehr stationiert sind. Aus dem Arsenal des deutschen Kontingents kamen sowohl Kampfhubschrauber vom Typ Tiger wie auch Transporthubschrauber zur Evakuierung Verwundeter zum Einsatz, wie augengeradeaus.net berichtet (der Tiger hätte jedoch keine Waffen eingesetzt). Am Folgetag ging eine Drohne der Bundeswehr „verloren“, wie das Handelsblatt (online) berichtet. Der Artikel beschränkt sich jedoch darauf, dass es sich nicht um einen „Absturz“, sondern um eine „‚Sicherheitslandung‘ wegen eines technischen Defekts“ – offenbar aber an unbekanntem Ort – gehandelt habe. Anscheinend musste dann die Bundeswehr ausrücken, um die Drohne zu suchen und zu bergen, die – so deuten es jedenfalls auf Twitter veröffentliche Bilder an – zu diesem Zeitpunkt schon ihrer Elektronik beraubt war.
Wiederum einen Tag später kündigte die malische Regierung an, die eigentlich für Dezember vorgesehenen Regionalwahlen wegen der schlechten Sicherheitslage zu verschieben, eine Nachricht, die sich in Deutschen Medien ebenfalls ergebnislos sucht, aber u.a. von Al Jazeera verbreitet wird.
Syrien-Irak: US-Truppen
(28. November 2017)Antiwar berichtet, die seitens des Pentagon angegebenen Zahlen über US-Truppen in Syrien und im Irak seien zu niedrig gewesen, wie aus einem neuen Bericht des „Defense Manpower Data Center” hervorgehe: „In reality, there are 8,992 troops in Iraq and 1,720 in Syria, as of September,and the numbers have only risen since then. Even this more accurate figure from the DMDC, in addition to being months out of date, is just the low end of the real figure, because buried at the bottom of the per-country deployments is another number, 29,092 US troops, whose locations are simply ‚unknown.‘ That too seems like it should be more of a scandal than it is. The figure tacitly admits that some 10% of US troops deployed overseas are deployed so secretly that even the report responsible for accounting where they all are doesn’t have any idea where they might be.“ (jw)
Rekruten: Einbruch
(27. November 2017)Allen Werbemaßnahmen zum Trotz (siehe IMI-Studie 2017/01), berichtet u.a. der Tagesspiegel von einem Einbruch der Rekrutenzahlen: „Sechs Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht melden sich immer weniger Männer und Frauen zum freiwilligen Dienst an der Waffe. Bis Ende August bewarben sich in diesem Jahr 10.105 Männer und Frauen für den freiwilligen Wehrdienst – ein Rückgang von mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Mehr als jeder Vierte bricht den Dienst während der Probezeit wieder ab.“ (jw)
Ukraine: Maidan-Massaker
(27. November 2017)Unter anderem Monitor hatte schon vor einiger Zeit Indizien gefunden, dass die Todesschüsse während des „Maidan-Massakers“ in der Ukraine, in dessen Folge der gewählte Präsident Janukowitsch aus dem Land gejagt und durch pro-westliche Kräfte ersetzt wurde, möglicherweise von den Aufständischen selbst abgefeuert wurden, um so einen Vorwand für den anschließenden Putsch zu erhalten (siehe IMI-Studie 2015/6). German-Foreign-Policy berichtet n un über neue Hinweise, die diesen Verdacht weiter erhärten: „Schwere Vorwürfe gegen mehrere teils einflussreiche Politiker aus der Ukraine, darunter unmittelbare Kooperationspartner der deutschen Außenpolitik, ergeben sich aus einer italienischen TV-Dokumentation über das Maidan-Massaker vom 20. Februar 2014. Demnach haben Anführer der Proteste, die heute in Kiew als Parlamentsabgeordnete tätig sind, die Scharfschützen, die damals wahllos Polizisten und Demonstranten erschossen, mit Waffen ausgestattet.“ (jw)
Afghanistan: Karzais Kritik
(27. November 2017)Lange arbeitete der ehemalige afghanische Präsident Hamid Karzai eng mit den USA zusammen, doch schon gegen Ende seiner Amtszeit äußerte er sich zunehmend kritisch gegenüber den Besatzungstruppen. Aktuell kritisiert Karzai den geplanten erneuten Truppenaufwuchs scharf und fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Afghanistan-Politik, berichtet der Standard: „Sein Land sei ‚Schauplatz der Konfrontation ausländischer Mächte‘, sagte Karzai. ‚Die größten Hürden für den innerafghanischen Friedensprozess sind die USA und Pakistan.‘ Der Krieg der USA erzeuge Wut im Land und sei kontraproduktiv. Um im Krieg gegen den Terror erfolgreich zu sein, müssten die USA ‚die Zusammenarbeit mit maßgeblichen Mächten wie Russland, China und dem Iran suchen.‘“ (jw)
Informationskriege: EU-Aufrüstung
(24. November 2017)„Passend“ zum IMI-Kongresses „Krieg im Informationsraum“ am letzten Wochenende will die Münchner Sicherheitskonferenz am 30. November einen Bericht veröffentlichen, in dem vor allem eine massive digitale Aufrüstung der Europäischnen Union gefordert wird, wie Politico vorab berichtet: „Europe will need to spend up to €41 billion annually in the coming years to modernize its military forces for increasingly digitized warfare, according to analysis by defense policy experts.“ (jw)
Jägerbrück: Hochgestuft
(24. November 2017)Der NDR berichtet, der „Standortübungsplatz“ Jägerbrück bei Torgelow sei wieder zum Truppenübungsplatz hochgestuft worden: „‘Die sicherheitspolitische Lage hat sich schneller geändert als zunächst angenommen‘, sagte Generalleutnant Peter Bohrer aus der Leitung der Streitkräftebasis mit Blick auf aktuelle Konflikte wie in der Ukraine. Ab jetzt dürfe auf einer Fläche von zehn mal zwölf Kilometern zwischen Torgelow, Eggesin und Rieth wieder mir scharfer Munition geschossen werden, sagte Brigadegeneral Gerd Kropf, Kommandeur des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern“. (jw)
Mali im Bundestag
(23. November 2017)Am gestrigen Mittwoch (22.11.2017) debattierte der neue Bundestag das Mandat für den MINUSMA-Einsatz der Bundeswehr in Mali (siehe Plenarprotokoll 19/3). Dabei zeigte sich eine große Zustimmung der Fraktionen der CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen zum aktuell gefährlichsten Einsatz der Bundeswehr. Einher ging das mit einer bemerkenswerten Leugnung der tatsächlichen Lage im Land. So meinte etwa Pascal Kober in seiner Rede: „Nach wie vor ist allerdings der Friedens- und Stabilisierungsprozess nicht abgeschlossen, auch wenn 90 Prozent der Binnenvertriebenen in ihre Heimat zurückkehren konnten und die humanitäre Lage grundsätzlich verbessert werden konnte… das alles sind konkrete und ermutigende Fortschritte auf dem Weg zu Sicherheit und Stabilität Malis und damit der ganzen Region. Doch nach wie vor sind die malischen Sicherheitskräfte auf unsere Unterstützung angewiesen.“ Florian Hahn von der CSU bläst ins selbe Horn: „Als diese Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen, MINUSMA, 2013 eingesetzt wurde, herrschte Chaos im Land. Die Franzosen haben zwar Gott sei Dank durch ihr beherztes Eingreifen im Norden des Landes den Islamisten Einhalt geboten. Aber der Konflikt innerhalb Malis war noch längst nicht beigelegt. Er ist es auch heute noch nicht vollständig, sonst müssten wir nicht dort sein. Mit der internationalen Gemeinschaft leisten wir aber im Rahmen von MINUSMA seitdem einen substanziellen Beitrag zur Bewältigung dieses Konflikts. So hat sich beispielsweise die humanitäre Lage in Mali seit Beginn dieser internationalen Mission verbessert“.
Ihre Ablehnung des Einsatzes kündigte neben der Linken Fraktion die AFD an. Wenn deutsche Soldaten in Mali sein sollten, dann im genuin nationalen Interesse, dann sollte ein „Kampfauftrag gegen Schleuser“ her und der „Mut, gegen die erstarkenden Islamistengruppen im Norden Malis vorzugehen“.
Trotzdem applaudierten während der Debatte AfD- und CDU/CSU-Fraktion gemeinsam. Tatsächlich waren es auch neben der AfD v.a. die Unionsvertreter, die wiederholt die Rolle Malis und des Sahels als „wichtige Transitregion für Flüchtlinge in Afrika“ bzw. „neuralgischer Punkt für die Migration nach Europa“ betonten, um den Einsatz deutscher Soldaten zu legitimieren. Auch Christine Buchholz für die Linken beschreib den Einsatz im Kontext einer „Reihe von Maßnahmen zur Abwehr von Flüchtlingen“ und lehnte ihn u.a. deshalb im Namen ihrer Fraktion ab. Den zentralen Grund für den Einsatz dürfte jedoch Nils Annen von der SPD am treffendsten formuliert haben: Mali – das kann man, glaube ich, sagen – ist ein außenpolitischer Testfall für die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union. Mali ist aber auch ein Indikator für den Zustand der deutsch-französischen Zusammenarbeit und für die Frage der Ernsthaftigkeit“ (siehe: IMI-Studie 2017/06: Der Krieg in Mali als Folge der Formierung EUropäischer Außenpolitik).
EU-Militarisierung: Kompakt
(23. November 2017)Einen bündigen Überblick über die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Thema EU-Militarisierung hat das EU Institut für Sicherheitsstudien kürzlich online gestellt. (jw)
GETEX II: Vollübung
(22. November 2017)Eine wichtige Übung auf dem Weg zu umfassenderen Bundeswehreinsätzen im Inneren war im Frühjahr 2017 GETEX (siehe IMI-Analyse 2017/10). Bei der Stabsrahmenübung von Polizei und Militär wurde der Einsatz der Armee im Inland bei großen Terroranschlägen geprobt. In den Griephan Briefen (Nr. 44/2017) kündigt der bayrische Innenminister Joachim Herrmann mit einer Art GETEX II den nächsten Schritt an: „Wir bereiten das jetzt in Bayern, im nächsten Jahr, nachdem das jetzt ja zunächst eine Stabsrahmenübung war mit der bayrischen Polizei, dem Landeskommando der Bundeswehr in Bayern, vor, eine Vollübung durchzuführen. Weil wir es für notwendig halten, dass ganz konkret Polizeibeamte und Soldaten das auch konkret üben müssen, wie beispielsweise im Falle eines Terrorangriffs sich ganz konkret zu verhalten ist.“ (jw)
Drohnen: Ukraine rüstet auf
(21. November 2017)Die Ukraine kann bald eine eigens entwickelte Drohne einsetzen, so berichtet DefenseOne. Die Drohne mit dem Namen Gorlytsa kann bis zu 50 kg Bewaffnung mitführen, bis zu 5.000 Meter in die Höhe stiegen und bis zu sieben Stunden in der Luft bleiben. Die Reichweite soll ca. 1.000 Kilometer betragen. Ab 2018 soll sie eingesetzt werden können. Sie wurde am 8. November 2017 vorgestellt. Im Artikel heißt es: „Since 2014, the battlefields of eastern Ukraine have become a drone laboratory, where fighters modify commercial quadcopters for military service and launch novel crowd-funding schemes to fund their deployment. But their efforts generally trail those of the Russian-backed forces, which field more new types of drones and vastly superior electronic warfare and jamming technology. […] Presumably, the communications on Gorlytsa are better calibrated against the Russian equipment that the Ukranians are facing, but time (and the continuing conflict) will test that. The targeting technology “automatically recognizes, captures and follows moving targets, aiming ammunition,” according to a statement from the Ukrainian Defense Industry.”
Al Asrak: Ausbau
(21. November 2017)Die Luftwaffenbasis Al Asrak in Jordanien, wo nach dem Umzug aus Incirlik die deutschen Aufklärungs-Tornados und ein Tankflugzeug für den Kampf gegen den IS stationiert sind, sei massiv überlastet, berichtet augengeradeaus.net mit Verweis auf die US-Zeitschrift Stars and Stripes. Entsprechend wollten die USA den Stützpunkt mit 143 Mio. US$ ausbauen. Angeblich sei das mehr, als gegenwärtig für den Ausbau aller anderen US-Luftwaffenbasen im Ausland vorgesehen sei.
Traditionserlass: Abspaltung
(21. November 2017)Die Verteidigungsministerin hat den Entwurf für einen neuen Traditionserlass vorgelegt, den u.a. Spiegel (Online) veröffentlichte. Im auf den 16. November datierten Entwurf heißt es: „Die deutsche (Militär-)Geschichte ist geprägt von tiefen Zäsuren. Insbesondere aufgrund des folgeschweren Missbrauchs militärischer Macht, vor allem während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, gibt es keine ungebrochene deutsche Militärtradition. Die Bundeswehr ist sich des zwiegespaltenen Erbes der deutschen (Militär-)Geschichte mit ihren Höhen, aber auch ihren Abgründen bewusst. Tradition und Identität der Bundeswehr nehmen daher die gesamte deutsche (Militär-)Geschichte in den Blick und grenzen dabei bewusst jene Teile ab, die unvereinbar mit den Werten unserer freiheitlichen-demokratischen Grundordnung sind.“
Der Eintrag auf Wikipedia zu „Spaltung (Psychologie)“ ist in diesem Kontext womöglich hilfreich: „Als Spaltung oder Spaltungsabwehr bezeichnet man einen psychischen Abwehrmechanismus, der in einer Reaktivierung eines frühkindlichen psychischen Zustands besteht, in dem das Individuum noch keine Integration der positiven und negativen Aspekte des eigenen Selbst und der es umgebenden Objekte entwickelt hat. Die Spaltungsabwehr sorgt in spezifischen Belastungs- oder Konfliktsituationen dafür, dass unerträgliche Vorstellungen vom Selbst oder von den Objekten auseinandergehalten werden, mit dem Ergebnis, dass das Selbst bzw. die Objekte als entweder „nur gut“ oder „nur böse“ wahrgenommen werden.“
Deutsche Werften: Außen vor
(21. November 2017)Das Bestreben, die deutsche Rüstungsindustrie über die Förderung von Fusionen und Zusammenschlüssen auf EU-Ebene zu fördern, hat im Marinebereich durch einen italienisch-französischen Zusammenschluss einen Dämpfer erhalten, wie das Handelsblatt berichtet: „Die Europäer bauen eine gemeinsame Drohne, sogar ein neues Kampfflugzeug haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron im Sommer beschlossen. Doch bei den Werften ist die deutsche Industrie abgehängt: Franzosen und Italiener haben entschieden, dass sie die Marinewerften Naval Group und Fincantieri zusammenführen werden. Ohne die Deutschen.“ (jw)
Im Dauerkrieg mit Russland
(20. November 2017)Im neuesten Arbeitspapier der „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ (BAKS) wird Russland regelrecht auf Korn genommen: „Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben bzw. den Eindruck aufkommen lassen, dass der derzeitige Konflikt mit Russland von vorübergehender Dauer sei und wir in absehbarer Zeit wieder zur Normalität zurückkehren könnten. […] So wäre es zum Beispiel kontraproduktiv, der Ukraine ein inoffizielles Waffenembargo aufzuerlegen, ihr das Recht auf ein NATO-Beitrittsgesuch zu verweigern, gegen Russland verhängte Sanktionen ohne weitreichende Zugeständnisse aus Moskau zurückzunehmen oder weitere NATO-Truppenkontingente von der NATO-Ostflanke abzuziehen.“ Der Knaller ist aber das „Vorschlagsbündel“ zur Unterstützung der russischen „Zivilgesellschaft“, die schließlich zu einem Regimewechsel beitragen soll: „Wichtiger Bestandteil unserer Maßnahmen gegen Russland sollte das verstärkte Einbinden der russischen Zivilgesellschaft sein, sowohl in Russland selbst als auch im Ausland (unter anderem der russischen Diaspora), zum Beispiel durch die Förderung von unabhängigen Initiativen in den Medien, der politischen Debatte, des gesellschaftlichen Handelns etc. Obgleich sie keinen direkten Versuch darstellen, einen Regimewechsel in Russland herbeizuführen, könnten derartige Bestrebungen langfristig zur Entstehung alternativer politischer Eliten in Russland beitragen. Auch wenn dies aufgrund des rigorosen Vorgehens des Kremls gegen die politische Opposition, Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und unabhängigen Medien Russlands immer schwieriger wird, sollte deren Umsetzung mittels kreativer technologischer und rechtlicher Lösungen angestrebt werden, wie zum Beispiel Fördermittel, Netzwerkarbeit, Satellitenfernsehen, soziale Medien, Internetportale und das Umgehen von VPN-Sperren.“ (jw)
Europa: Dauerhaft
(20. November 2017)Defense One berichtet über die Forderung von General Mark A. Milley, Generalstabschef der U.S. Army: Dieser fordert mehr US-Truppen in Europa (aktuell sind es 62.000). Interessant sind auch einige Details zur früheren „European Reassurance Initiative“, mit denen die – zusätzlich zur NATO – erfolgende US-Aufrüstung in Osteuropa finanziert wird. Sie wurde nun in European Deterrence Initiative umbenannt und deutlich auf 4,6 Mrd.- Dollar jährlich erhöht. Vor allem aber wurde sie von einer Art Notfallbudget in den allgemeinen Militärhaushalt überführt, was Defense One, wohl korrekt, als ein Zeichen deutet, dass wir es hier mit langfristigen Stationierungen zu tun haben. (jw)
Anker heißt jetzt Affiliation
(17. November 2017)Öfter mal was Neues – im Kern bleibt es aber beim Alten: Der Versuch, Truppen Rumäniens und der Tschechischen Republik an die Bundeswehr anzudocken, firmierte zuletzt noch unter dem Begriff „Ankerarmee“ (siehe u.a. IMI-Analyse 2017/11). Nun scheint man sich eine neue Benennung ausgedacht zu haben – Affiliation, wie auf ostpol beschrieben wird. Dort finden sich auch genauere Details, wie und mit welchem Ziel dies erfolgen soll: „Prag wie Bukarest docken Brigaden (etwa 5.000 Soldaten) an Bundeswehr-Divisionen (bis zu 20.000 Soldaten) an. Diese sollen Plattformen sein für die Konsolidierung von Training und Ausbildung der Partner; perspektivisch soll das auch eine gemeinsame Rüstungsbeschaffung ermöglichen. Das langfristige Ziel: schlagkräftige Mehr-Nationen-Verbände, die militärisch starke Kontrahenten wie Russland abschrecken können. Das Ganze ist bei der Nato eingebettet und nennt sich ‚Rahmennationenkonzept‘.“ (jw)
Sprachenzentrum: Ausbau
(16. November 2017)Auch das Sprachenzentrum Süd der Bundeswehr in Ellwangen wird ausgebaut. Unter dem Titel „Bundeswehr braucht mehr Sprachausbildung“ berichtet schwaebische.de: „Unter anderem müssen zusätzliche Unterkünfte geschaffen werden, da die Lehrgangsteilnehmer in der Reinhardt-Kaserne wohnen. Derzeit sei der Ausbau der Anlagen im Gange, so dass Mitte 2018 schon 226 Unterkünfte zur Verfügung stehen werden. Für den Endausbau mit 250 Personen müssen dann noch weitere Zimmer und Klassenräume geschaffen werden.“
Begründet wird der Ausbau mit der Trendwende Personal: „Mehr Personal heißt auch mehr Bedarf an Sprachausbildung“, wird der Leiter der Einrichtung, Wolfgang Banek, zitiert.
Neuer Doppelbeschluss?
(16. November 2017)Forderungen nach einem Ausbau der in Deutschland stationierten US-Atomraketen werden schon seit einiger Zeit in den Raum gestellt (siehe IMI-Studie 2016/7). Allmählich werden sie aber immer lauter und näher am Mainstream artikuliert, etwa in der Welt: „Alles wie 1977: Die Russen modernisieren ihre Atomraketen, und die Nato braucht eine Antwort. […] Der Westen braucht einen neuen Nato-Doppelbeschluss. Im schlimmsten Fall wird es sogar nötig sein, dass die USA ihre Atomraketen auf den neuesten Stand bringen müssen und diese Waffen wie seit den Tagen des Kalten Krieges in der Eifel stationieren. Denn Moskau verhält sich derzeit wie vor 40 Jahren.“ (jw)
Mali: zwei Verletzte
(15. November 2017)Bei einer „ungewollten Schussabgabe“ in einem Schützenpanzer wurden zwei deutsche Soldaten in Mali „nicht bedrohlich verletzt“. Die entsprechende Mitteilung der Bundeswehr ist bei Augengeradeaus.net zu finden. Demnach rückte die Quick Reaction Force am frühen Dienstag Morgen (5 Uhr) aus dem Feldlager Camp Castor bei Gao aus, weil sich eine Person von außen am Zaun zu schaffen gemacht hatte. Die Person wurde festgesetzt. Weitere Informationen wurden nicht gegeben.
In den Medien fand der Vorfall kaum Resonanz. Soweit ersichtlich, berichtete nur RP Online unter dem Titel „Zwei Soldaten versehentlich von Kollegen verletzt worden“[sic]. Als hingegen neulich die Youtube-Serie „Mali“ einen Soldaten beim Toilettengang filmte, war das dem NDR eine Berichterstattung wert: „Selbst auf dem Klo ist die Kamera dabei. Der Zuschauer erfährt, dass bei Temperaturen von mehr als 40 Grad auch dieses Geschäft recht schweißtreibend ist.“
Donaukurier bei NATO COE
(15. November 2017)Im Jahr 2016 hat die IMI eine ausführliche Studie zu den NATO-Exzellenzzentren (COE) in Deutschland veröffentlicht. Bereits damals zeigte sich, dass das Exzellenzzentrum für militärisches Ingenieurswesen (MILENG) in Ingolstadt zwar enge Kooperationen mit der Wirtschaft pflegt, darüber hinaus aber so gut wie nichts über seine Aktivitäten an die Öffentlichkeit dringt.
Daran ändert sich auch nichts, dass nun Bernd Heimerl für den Donaukurier über den International Day berichtet hat. Denn der Artikel dreht sich fast nur um das Büffet. Über die Themen erfährt man lediglich, dass es diese „in Hülle und Fülle“ gab. Zu den Gästen heißt es: „Wie bei kaum einem anderen regionalen Anlass im Jahreskreis treffen sich hier Vertreter des sogenannten militärisch-industriellen Komplexes (der ist im Raum Ingolstadt/Manching nicht eben klein) mit solchen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung.“ Etliche von ihnen „hatten auch wieder ihre Gattinnen oder Partnerinnen mitgebracht. Das bringt beim International Day stets auch etwas mehr Farbe in die doch noch stark männerlastige Militärwelt – auch wenn einige Galauniformen der Herren durchaus etwas bunter geraten sind“. Dann kehrt der Fokus des Autors auch schon wieder zum Buffet zurück. Die Teller wurden demnach die Teller „mitunter auch mehrmals aufgefüllt. So bunt gemischt dürfte in Ingolstadt kaum ein anderes Büfett sein.“
US-Haushalt: 700 Mrd. Dollar
(15. November 2017)Ausgiebig feierte US-Präsident Donald Trump seien „historische“ Erhöhung des US-Militärbudgets für das Haushaltsjahr 2018 ab. Und in der Tat stellten seine beantragten 675 Mrd. Dollar (603 Mrd. Basisbudget plus die Kosten der Auslandseinsätze) einen Anstieg um satte 54 Mrd. Dollar gegenüber dem Vorjahr dar. Doch das ist der Legislative augenscheinlich nicht genug: Gestern stimmte das Repräsentantenhaus einem Militärbudget von 700 Mrd. Dollar (634 Mrd. Basisbudget plus die Kosten der Auslandseinsätze) zu, wie u.a. antiwar.com berichtet. (jw)
Waffenexporte
(14. November 2017)Deutschland exportiert mehr Waffen nach Saudi-Arabien. Allgemein sind die deutschen Rüstungsexporte in Staaten außerhalb der EU deutlich gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Abgeordneten Stefan Liebich (Linke) hervor. Demnach wurden im dritten Quartal dieses Jahres nach vorläufigen Zahlen Rüstungsexporte in Höhe von rund 1,27 Milliarden Euro genehmigt. Mit 871 Millionen Euro soll der überwiegende Teil dieser Rüstungsgüter in Länder geliefert werden, die nicht der EU angehören, keine Nato-Mitglieder sind und auch nicht zur Gruppe der Nato-gleichgestellten Staaten zählen. Im Vorjahreszeitraum war der Anteil der Exporte in sogenannte Drittstaaten deutlich geringer. Er betrug damals nur 485 Millionen Euro von insgesamt rund 1,14 Milliarden Euro.
Insbesondere Ausfuhren nach Ägypten und Saudi-Arabien sorgen für Kritik. Das Königreich Saudi-Arabien trägt als Kriegspartei im Jemen einen großen Teil der Verantwortung für die katastrophale humanitäre Situation in dem bitterarmen Nachbarland. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen die genehmigten Ausfuhren nach Saudi-Arabien noch bei 41 Millionen Euro. 2016 waren insgesamt Rüstungsexporte in Höhe von fast 530 Millionen Euro nach Saudi-Arabien genehmigt worden.
Der Linkenpolitiker Liebich kritisierte die „massiv gestiegenen Genehmigungen“ von Lieferungen nach Saudi-Arabien und Ägypten. Diese Lieferungen seien besonders verwerflich, weil Saudi-Arabien und Ägypten „mit ihrem schmutzigen Krieg in Jemen Tausende Tote zu verantworten haben“, sagte Liebich. (ak)
Renuklearisierung?
(14. November 2017)Der Sicherheitsexperte Otfried Nassauer warnt in der taz (via Bpb-Newsletter) vor einer möglichen Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen in Europa: „Während seiner letzten Tage im Amt sprach Außenminister Sigmar Gabriel eine deutliche Warnung aus: Es sei wahrscheinlich, ‚dass wir in Europa neue nukleare Mittelstreckenwaffen sehen werden‘. (…) Die USA haben vor, ihre rund 150 Atomwaffen in Europa zu modernisieren, die europäischen Partner sollen neue Trägerflugzeuge kaufen. Erste US-Politiker fordern schon, neue Mittelstreckenwaffen für Europa zu entwickeln, weil Russland solche Waffen angeblich auch stationiert. Gabriels Warnung ist das Eingeständnis eines völligen Versagens der beiden letzten Bundesregierungen durch Passivität in Sachen nukleare Rüstungskontrolle. Sie versteckten sich hinter der alleinigen Zuständigkeit der USA, denen die Waffen ja gehören, und hinter einer Nato, die Abrüstung ja ‚einstimmig‘ beschließen müsse.“ (jw)
PESCO: Aktivierung
(13. November 2017)Heute soll die „Ständige Strukturierte Zusammenarbeit“ (PESCO) beim Treffen des EU-Außen- und Verteidigungsministerrat im Grundsatz beschlossen werden. Damit soll es möglich werden, bestimmte Aspekte der EU-Militärpolitik in Kerngruppen auszulagern, die per Mehrheitsentscheidung gebildet und deren Teilnahme an Bedingungen gekoppelt ist. Der Süddeutschen Zeitung liegt das Dokument vor, das heute unterzeichnet werden soll: „Umsonst ist die Mitgliedschaft allerdings nicht. Jeder Teilnehmer muss 20 Verpflichtungen eingehen. Nummer eins: ‚Regelmäßig den Verteidigungshaushalt real erhöhen, um die vereinbarten Ziele zu erreichen.‘ Für Deutschland ist das kein Problem, denn die Forderung ist weit weniger konkret als das Zwei-Prozent-Ziel der Nato. Brisanter ist die Verpflichtung, die Einsetzbarkeit von Truppen zu beschleunigen. Die Rede ist da vom ‚Streben nach beschleunigten politischen Zusagen auf nationaler Ebene‘. Das schließe die ‚mögliche Prüfung nationaler Entscheidungsprozeduren‘ ein. Da geht es offenkundig auch um den deutschen Parlamentsvorbehalt, den europäische Partner als Unsicherheitsfaktor sehen, wenn sie sich auf gemeinsame Vorhaben einlassen.“ (jw)
Militär-Schengen (II)
(13. November 2017)Parallel zu den Plänen, ein NATO-Logistikhauptquartier zu schnelleren Verlegefähigkeit nach Osteuropa aufzubauen (siehe IMI-Aktuell 2017/675), wird schon länger unter dem Begriff „Militär-Schengen“ über EU-Beiträge zur „Verbesserung“ von Truppentransporten und ähnlichem diskutiert (siehe IMI-Aktuell 2017/465). Augengeradeaus weist in diesem Zusammenhang auf die neue kürzlich veröffentlichte Mitteilung der EU-Kommission „Improving Military Mobility in the European Union“ hin, die vor allem einen konkreten Zeitplan für Vorschläge vorlegt: „[T]he rapid and swift movement of military personnel and equipment across the EU is currently hampered by a number of physical, legal and regulatory barriers […]. By March 2018, the High Representative and the Commission will submit an Action Plan on Military Mobility for Member States’ endorsement. This plan will build upon the results of the European Defence Agency’s Ad Hoc Working Group on Military Mobility and will propose recommended actions, implementing actors and ambitious timelines on how to address identified barriers hampering military mobility within the European Union.“ (jw)
NATO: Skizze Kommandostruktur
(10. November 2017)„Von einst 64 Kommando- und Planungshauptquartieren im Jahr 1991 sind zurzeit nur noch sieben übrig geblieben (siehe Übersicht). Gleichzeitig sank die Zahl der dort eingesetzten Soldaten von 24.000 auf 7.000, erläuterte Stoltenberg, obwohl die Zahl der Mitgliedsstaaten inzwischen auf 29 angestiegen ist“, so das BMVg auf seiner Homepage unter dem Titel „Nato im Umbruch“. Anlass sind aktuelle Planungen, die Zahl der Hauptquartiere wieder deutlich zu erhöhen. Dazu liege nun eine „erste Skizze“ vor, so Verteidigungsministerin von der Leyen. „Es blieben aber ’noch viele offene Fragen über Details‘, die von Stoltenberg bis Februar 2018 ‚beantwortet und ausgearbeitet‘ werden müssten“.
Unter „Anpassung der Kommandostruktur“ verlinkt ist ein Dokument mit mehreren Grafiken, das tatsächlich bestenfalls als Skizze verstanden werden kann. Man fragt sich tatsächlich, ob das Verteidigungsministerium mit vergleichbar ausgearbeiteten „Skizzen“ in die Kriege in Afghanistan und Mali zog. Unbedingt anschauen!
SWP: Saudischer Staatsstreich
(10. November 2017)Guido Steinberg schreibt für die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) vom „Staatsstreich in Saudi“ Arabien. Besondere Aufmerksamkeit lenkt er dabei auf Mitab Ibn Abdallah: „Er kommandierte die saudi-arabische Nationalgarde, die mit 100.000 Mann nominell sogar stärker ist als die Armee. Nach der Verhaftung Mitabs haben König und Kronprinz nun die Kontrolle über alle militärischen Formationen des Landes, die bis dahin jahrzehntelang getrennt gewesen waren, um die Machtübernahme eines einzelnen Flügels der Herrscherfamilie zu verhindern. So müssen König Salman und sein Sohn keinen Staatsstreich ihrer Gegner mehr befürchten. Nach einem Ableben Salmans wird Muhammad ohne Rücksicht auf den Rest der Familie herrschen können.“
Erstaunlich, wie einfach sowas ist. Steinberg jedenfalls scheint überzeugt, dass der Kronprinz seine Macht gefestigt habe. Rückschläge könnte die Verhaftungswelle hingegen für die angestrebten „Wirtschaftsreformen“ bedeuten: „Die Verhaftungen werden zumindest westliche Investoren zögern lassen, in ein Land zu investieren, dessen Herrscher zu unberechenbaren Strafaktionen gegen die Wirtschaftseliten neigen.“
US-Kriege: 5,6 Bio.!
(10. November 2017)Offiziellen Pentagon-Angaben zufolge haben die Vereinigten Staaten für ihre Kriege seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zusammen1,5 Billionen US-Dollar ausgegeben. Das Projekt „Costs of War“ des Watson Institute of International and Public Affairs an der Brown University kritisiert die Regierungsangaben seit Jahren, da sie viel zu niedrig angesetzt seien. In einem neuen Papier wurde dort errechnet, dass sich die Gesamtkosten auf 5,6 Billionen Dollar belaufen würden – 23.000 Dollar pro Steuerzahler! (jw)
Zivilist_innen durch US-Luftschläge getötet
(9. November 2017)Telepolis berichtet, dass bei US-Luftangriffen am 4. November in Kunduz möglicherweise bis zu 60 Zivilist_innen getötet wurden. UNAMA geht von mindestens 10 getöteten Zivilist_innen aus. Das US-Militär dementiert diese Berichte und behauptet, ausschließlich Taliban-Kämpfer seien bei den Angriffen getötet worden. Die betroffenen Dörfer wurden allerdings von keinem Angehörigen des US-Militärs aufgesucht, um den Sachverhalt vor Ort zu untersuchen, weshalb diese Angaben mit Vorsicht zu genießen sind. Wie viele andere Distrikte in der Provinz wird Chardara von den Taliban kontrolliert. Bei Luftangriffen wird allerdings kaum zwischen bewaffneten Kämpfern und Zivilisten unterschieden. Laut dem Weißen Haus gilt jede männliche Person im Umfeld eines Angriffszieles als „feindlicher Kombattant“. Laut dieser Logik wären wohl auch alle männlichen Opfer des jüngsten Angriffs in Kunduz für die US-Regierung per se „Terroristen“.
Seit Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps wird der Luftkrieg des US-Militärs in Afghanistan zunehmend aggressiver fortgeführt. Im September wurden so viele Bomben über Afghanistan abgeworfen wie zuletzt 2012, als noch knapp 80.000 US-Soldaten im Land waren. Seit Januar fanden über 2.500 Luftangriffe im Land statt.
DFG-VK: Glückwunsch!
(9. November 2017)Heute feiert die älteste deutsche Friedensorganisation, die DFG-VK, ihren 125jährigen Geburtstag – auch von IMI-Seite: Herzlichen Glückwunsch! Wer ein wenig zur Historie und über aktuelle Projekte erfahren will, kann dies auf der „Geburtstagsseite“ nachlesen. (jw)
Afghanistan: Aufgestockt
(9. November 2017)Es war schon länger klar, dass nicht nur die USA, sondern auch andere NATO-Staaten das Kontingent im Afghanistan-Krieg aufstocken würden. Verschiedenen Medien zufolge ist die Entscheidung nun offiziell. Unklar scheint noch, woher außerhalb den USA die restlichen Truppen kommen sollen: „Die NATO hat Planungen für eine deutliche Verstärkung ihres Afghanistan-Einsatzes bestätigt. Laut Generalsekretär Jens Stoltenberg soll die Zahl der Soldaten zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte im kommenden Jahr von etwa 13.000 auf rund 16.000 steigen. Etwa die Hälfte der neuen Kräfte werde von den USA gestellt.“ (jw)
NATO: Neue Kommandos
(8. November 2017)Schon vor einiger Zeit wurde über Pläne zur Aufstellung eines neuen NATO-Logistikkommandos zur schnellen Verlegefähigkeit nach Osteuropa berichtet (siehe IMI-Standpunkt 2017/646). Nun schreibt unter anderem das Abendblatt, neben diesem, vermutlich dann in Deutschland ansässigen Kommando sei derzeit auch ein weiteres „Marinekommando“ zum Ausbau der Seepräsenz im Nordatlantik im Gespräch: „Vorgesehen sind für die neue ‚Operation Abschreckung‘ zwei neue Hauptquartiere: Eines in den USA, das sich auf den Schutz der Seewege konzentrieren soll, und eines in Europa, dass die schnelle Verlegung von Material auf dem Kontinent verbessern soll. Als Sitz des europäischen Kommandos könnte auch Deutschland infrage kommen.“ (jw)
PESCO: Sinnstiftend
(8. November 2017)Langsam berichten Massenmedien über die kurz bevorstehende Aktivierung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO), der für das Treffen des Außen- und Verteidigungsministerrat der EU am Montag geplant ist (siehe auch IMI-Standpunkt 2017/034). Erste konkrete Projekte sollen laut Morgenpost bereits am 11. Dezember beschlossen werden: „Das Projekt nennt sich Pesco und könnte für das Militär der EU einmal so bedeutend werden, wie der Euro für die Wirtschaft. […] Pesco wäre sinnstiftend für die Verteidigungspolitiker der ungleichen Partner. Für Europa sind alle, von der CSU bis zu den Grünen. [Es] sind vermutlich 20 der 28 Mitglieder dabei, womöglich noch mehr. [Es] haben sich bislang nur sieben bei Pesco nicht festgelegt, überwiegend kleinere Mitglieder wie Zypern, Malta oder Portugal. Gut möglich, dass am Ende alle dabei sein wollen, zumal EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit einem Anreiz lockt: einem Verteidigungsfonds in Höhe von 500 Millionen Euro ab 2019, ab 2021 dann von einer Milliarde Euro. Er käme gerade Pesco-Rüstungsprojekten zugute.“ (jw)
Drohnenangebot verlängert
(8. November 2017)Gegner_innen der Beschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr meinten schon aufatmen zu können: Da die SPD mitten im Wahlkampf dem umstrittenen Rüstungsprojekt nicht mehr zustimmen wollte, fiel die Anschaffung in der Vergangenen Legislatur flach. Damit wäre auch das entsprechende Angebot von Airbus ausgelaufen und das hätte bedeutet, dass der ganze Vertragsprozess – einschließlich rechtlicher Klagen konkurrierender Anbieter – von vorne losgehen hätte müssen – wenn die neue Regierung eines Tages die Geschäfte übernehmen sollte.
Doch nun haben sich alte Regierung und Airbus offenbar verständigt und Airbus hat das Angebot verlängert. Bis Ende des Jahres gelte der selbe Preis, bis Ende Mai 2018 das grundsätzliche Angebot bei „Aktualisierung der Preise“, so ist dem Handelsblatt (online) zu entnehmen.
Das zeugt möglicherweise von Optimismus bei der CDU/CSU-Fraktion oder von Panik beim Hersteller. Denn unter den bisherigen Umständen ist keine Mehrheit für Kampfdrohnen absehbar. Zumindest die Grüne Partei hatte sich mehrfach – u.a. in den „Wahlprüfsteinen“ der Kampagne Keine Kampfdrohnen klar gegen eine Beschaffung ausgesprochen, beim Handelsblatt heißt es ebenfalls: „Auch unter den Jamaika-Parteien ist die Anschaffung der Drohnen heftig umstritten. Die Union ist für die Beschaffung, FDP und Grüne dagegen.“
BND-Spionagesatellit
(8. November 2017)Der Bundesnachrichtendienst soll nach Angaben u.a. des Tagesspiegel bis zu drei eigene Spionagesatelliten erhalten. Hierfür seien bereits 400 Mio. Euro bewilligt worden. Für die Umsetzung des Projekt namens „Georg“ haben sich demnach bereits die üblichen Verdächtigen, der Bremer Satellitenhersteller OHB und Airbus in Stellung gebracht, womöglich folge noch ein Angebot des israelischen Herstellers IAI. Die Linke kritisierte das Projekt, sie erkenne hierfür „keinen überzeugenden Grund“ da die Bundeswehr bereits über ähnliche Systeme verfüge. Tatsächlich arbeiten BND und Bundeswehr in der Aufklärung eng zusammen bzw. sind hier bis zur Unkenntlichkeit miteinander verwoben.
Polizei setzte Kriegswaffen bei G20 ein
(7. November 2017)Im Zuge der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg setzte die Polizei in 82 Fällen Waffen ein, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, und handelte somit rechtswidrig. Der Spiegel berichtet, dass die Granatpistolen HK69 und HK169 zum Schießen mit Gummimunition und Reizgas eingesetzt wurden. Die Linken-Politikerin Schneider sagte, vor diesem Hintergrund prüfe ihre Fraktion „eine Strafanzeige gegen Gesamteinsatzleiter Hartmut Dudde und weitere Polizeiführer wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz“. Die Schütz_innen der Reizgasmunition gehörten zu Einheiten aus Sachsen, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Die Gummimunition verschossen Beamte des sächsischen SEK.
Diese nun öffentlich gewordenen Vorfälle sind Teil einer besorgniserregenden Entwicklung hin zu einer zunehmend militärisch agierenden Polizei. Sie sind auch im Kontext des Einsatzes von mit Maschinenpistolen bewaffneten Spezialeinheiten gegen Menschenmengen zu sehen (vgl. IMI-Analyse 2017/33). (ak)
IMI lädt ein: Krieg in Jemen
(7. November 2017)Heute im IMI-Büro „Der Krieg in Jemen – Akteure, Interessen und die Rolle Deutschlands“
Vortragsbeginn 7.11.2017 19:00, IMI-Büro im Sudhaus (Hechingerstr. 203)
Seit mehr als zwei Jahren tobt in Jemen, dem ärmsten arabischen Land, Krieg. Nach Angaben der UN wurden dabei fast 9.000 Menschen getötet und mehr als 58.600 verletzt. 17 Millionen Menschen – 60% der gesamten Bevölkerung – haben nicht genug zu essen und sieben Millionen stehen kurz vor dem Hungertod. Zu ändern wäre diese katastrophale und menschengeschaffene Lage schnell durch die Aufhebung der See-, Land- und Luftblockade, die die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition Jemen auferlegt hat. Der Vortrag soll herausarbeiten, welche Konfliktlinien in Jemen verlaufen, wer die involvierten Akteure sind und welche geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen sie antreiben. Ein besonderer Fokus wird dabei auf der Rolle und den Zielen Deutschlands in der Region liegen.
Wie immer mit Snacks und Getränken und Raum für anschließenden Austausch…
Raketenangriff: Kriegserklärung?
(7. November 2017)Am Wochenende wurde von jemenitischem Gebiet eine Rakete Richtung Saudi Arabien abgefeuert. Neu dabei ist der saudische Vorwurf, es habe sich um eine vom Iran ins Land geschmuggelte und von libanesischen Hisbollah-Kämpfern abgefeuerte Waffe gehandelt, was einer Kriegserklärung beider Länder gleichkomme. Antiwar weist darauf hin, dass der Vorwurf reichlich weit hergeholt ist, sich aber mit den saudischen interessen deckt: „This narrative aligns neatly with Saudi foreign policy goals, as they’ve long tried to present Yemen’s Shi’ite Houthi movement as an Iranian proxy, and have been keen to pick fights with Hezbollah over the group’s support for the Syrian government. Factually, however, the claim has major problems. Saudi and Yemeni officials were both identifying the missile as a Burqan 2H immediately after the interception. This is a known Yemeni model, meaning it’s not an Iranian missile smuggled into Yemen. There has likewise never been evidence of Hezbollah have any presence in Yemen, and no conceivable reason why Yemen would need a Lebanese militia to fire a Yemeni-made missile from inside Yemeni territory.” (jw)
Osteuropa: US-Spezialeinheiten
(7. November 2017)The Nation (via Bpb-Newsletter) berichtet über die Stationierung von US-Spezialeinheiten in nahezu jedem Land an der Grenze zu Russland: „For the past two years, the United States has maintained a special-operations contingent in almost every nation on Russia’s western border. […] According to Major Michael Weisman, a spokesman for US Special Operations Command Europe, elite US forces have deployed to 21 European countries in 2017 and conducted exercises with an even larger number of nations.” (jw)
Nordkorea: Optionslose Bodenoffensive
(6. November 2017)Voice of America (via Bpb-Newsletter) berichtet, das Pentagon habe in einem Brief an Kongressabgeordnete mitgeteilt, es sei nicht möglich, das nordkoreanische Atomwaffenarsenal „nur“ aus der Luft heraus zu zerstören – zwingend notwendig hierfür sei eine Bodenoffensive: „The only way for the U.S. to discover the extent of North Korea’s nuclear arsenal and destroy it is through a ground invasion. The Pentagon made that assertion in a letter to lawmakers who wanted to know about the logistics and human cost of any conflict with North Korea.” (jw)
Strategische Vorausschau 2040
(6. November 2017)Spiegel Online berichtet über ein Bundeswehr-Papier namens „Strategische Vorausschau 2040“. Das Papier wurde von Wissenschaftlern des Bundeswehrplanungsamtes erarbeitet und spielt sechs Szenarien durch, die allesamt für möglich gehalten werden: „In dem 102-Seiten-Dokument spielt die Bundeswehr zum ersten Mal in ihrer Geschichte durch, wie gesellschaftliche Trends und internationale Konflikte die deutsche Sicherheitspolitik in den nächsten Jahrzehnten beeinflussen könnten. […] In einem der sechs Szenarien (‚Die EU im Zerfall und Deutschland im reaktiven Modus‘) gehen die Autoren von einer „multiplen Konfrontation“ aus. Die Zukunftsprojektion beschreibt eine Welt, in der die internationale Ordnung nach „Dekaden der Instabilität“ erodiert, die Wertesysteme weltweit auseinanderdriften und die Globalisierung gestoppt ist. […] Im fünften Szenario (‚Westen gegen Osten‘) frieren einige östliche EU-Staaten den Stand der europäischen Integration ein, während sich andere ‚dem östlichen Block angeschlossen‘ haben. Im vierten Szenario (‚Multipolarer Wettbewerb‘) ist der Extremismus auf dem Vormarsch, und es gibt EU-Partner, die „sogar gelegentlich eine spezifische Annäherung an das ’staatskapitalistische Modell‘ Russlands“ zu suchen scheinen.“ (jw)
G5-Sahel: Erster Einsatz
(6. November 2017)Augengeradeaus berichtet über den ersten Einsatz der sog. G5-Sahel-Truppe, die sich aus Truppen der Staaten Niger, Burkina Faso, Tschad, Mali und Maurretanien zusmammensetzt, deren Aufstellung u.a. mit 50 Mio. aus einem EU-Entwicklungshilfetopf finanziert wird. „Interessant“ dabei der Verweis, dass perspektivisch auch die Bundeswehr mit involviert werden könnte: „Langfristig wird interessant, wie die Einsätze dieser afrikanischen Truppe nicht nur mit den französischen Truppen, sondern auch mit MINUSMA verzahnt werden – und wenn die UN das beschließen sollte, ob und wie das Auswirkungen auf die Bundeswehr und ihre Einsätze hat. Konkret also: Ob zum Beispiel deutsche Tiger-Kampfhubschrauber dann auch zu deren Unterstützung eingesetzt werden sollen und können.“ (jw)
Russland: Viele IS-Kämpfer
(4. November 2017)Al Jazeera berichtet über Zahlen des Soufan Center, denen zufolge mehr Kämpfer des sog. Islamischen Staates in Syrien und dem Irak aus Russland stammen (3500) als aus Saudi Arabien und Jordanien. Die Kämpfer stammen in erster Linie aus dem Nordkaukasus. Über die Hintergründe des Terrorismus in dieser Region (und ihr schwieriges Verhältnis zur russischen Regierung), hat die IMI-Analyse 2011/031 informiert. (mp)
BW-Rechenzentrum
(3. November 2017)Die Bundeswehr plant den Bau eines riesigen Rechenzentrums. Dies berichtet focus.de mit Hinblick auf Überlegungen, das Rechenzentrum auf oder bei dem Truppenübungsplatz Wildflecken zu errichten. Der dortige Bürgermeister jedenfalls gibt sich begeistert: „Die moderne Infrastruktur des Gefechtssimulationszentrums ist vorhanden, außerdem stehen enorm große Flächen zur weiteren Expansion bereit“, verspricht er laut focus.de. Eine abschließende Entscheidung über den Standort des Rechenzentrums wird jedoch erst im Laufe des Jahres 2018 erwartet.
KI: Google & Militär
(3. November 2017)Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten über Pläne einer (noch) engeren Zusammenarbeit zwischen Google und dem US-Militär: „Das Pentagon plant offenbar enorme Investitionen in die künstliche Intelligenz, um gemeinsam mit Konzernen wie Google die Militärtechnik zu revolutionieren. […] Eric Schmidt, Vorsitzender der Google-Muttergesellschaft Alphabet, wirbt in der Denkfabrik ‚Center for a New American Security‘ für eine Neuausrichtung der amerikanischen Rüstungsindustrie. In Zukunft hänge die Sicherheit in entscheidendem Maße von der künstlichen Intelligenz ab. Selbsthandelnde und selbstentscheidende Roboter würden zu einer enormen Herausforderung werden. Und die Vereinigten Staaten, die für sich in Anspruch nehmen, die schlagkräftigste Armee der Welt zu unterhalten, seien in Gefahr, ihren Vorsprung in dieser Technologie zu verlieren. Ganz offen spricht Schmidt den stärksten Mitbewerber an: Das chinesische Militär habe ein Programm zur künstlichen Intelligenz aufgelegt, das bis 2020 auf Augenhöhe mit den amerikanischen Neuentwicklungen stehen soll.“ (jw)
Ankerarmee (III)
(2. November 2017)Im Zuge des Ankerarmee-Konzeptes wurden schon Teile der Streitkräfte der Niederlande, der Tschechischen Republik, Rumäniens und Polens mit der Bundeswehr verwoben (siehe IMI-Aktuell 2017/083). Die junge Welt beschreibt das Vorhaben als Teil eines größeren Konzepts, des Rahmennationskonzeptes (Framework Nation Concept), das formal unter dem Dach der NATO sich befinde, die hieraus gebildeten Einheiten könnten aber genauso „gut“ im EU-Rahmen eingesetzt werden: „Welche Dimensionen hat das Vorhaben, das so unscheinbar mit Transportzügen und medizinischen Behandlungseinrichtungen daherkommt? »Bis 2032«, so hat es kürzlich die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) beschrieben, »soll es möglich sein, aus dem FNC-Streitkräftepool potentiell drei multinationale Divisionen mit jeweils bis zu fünf schweren Brigaden in den Einsatz zu bringen.« Dabei sollten zwei dieser drei Divisionen »aus deutschen Divisionsstäben und -strukturen gebildet« werden. […] Das FNC sehe zudem ein »deutsch dominierte[s] Marinekommando für die Ostsee« vor.“ (jw)
Atomare Nachrüstung?
(2. November 2017)Russland und die USA beschuldigen sich gegenseitig, den INF-Vertrag über landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen zu verletzen. Zeit-Journalist Jochen Bittner berichtet über US-Pläne für eine neue Nachrüstung nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa: „Doch all das reicht einigen Militärplanern und Kongressabgeordneten in Washington nicht. Sie wollen zusätzlich moderne, atomar bestückte Cruise-Missiles in Europa stationieren, sogenannte Langstrecken-Distanzwaffen oder Long-Range Stand-Off Weapons. Deren Abkürzung, LRSO, sollte man sich merken. Sie sind so etwas wie die neue Pershing II, also jener Raketen, gegen deren Aufstellung in Westeuropa 1983 Hunderttausende Deutsche auf die Straße gingen.“ (jw)
Syrien: US-Truppen
(1. November 2017)Antiwar berichtet über Aussagen des US-Generals James Jarrard, denen zufolge sich eine erhebliche Zahl an US-Truppen in Syrienaufhalten sollen: „Maj. Gen. James Jarrard told reporters today that the US has about 4,000 ground troops in Syria, which is nearly 4,000 more troops than they’ve ever admitted to before.“ (jw)
Syrien: US-U-Turn
(31. Oktober 2017)Vor nicht allzu langer Zeit gab US-Außenminister Tillerson an, es sei Sache der syrischen Bevölkerung, ob Machthaber Assad abgesetzt würde. Nun jedoch scheint er wieder umgeschwenkt zu sein. Antiwar.com zitiert ihn mit den Worten “[t]he reign of the Assad family is coming to an end. The only issue is how that should that be brought about.” (jw)
B-52: Alarmbereitschaft
(27. Oktober 2017)Telepolis berichtet, die USA planten ihre Atombomber wieder in ständige Alarmbereitschaft zu versetzen: „Jetzt scheint auch ein weiteres Element des Kalten Kriegs wiederzukehren. Nach einem Bericht von Defense One bereitet sich das Pentagon darauf vor, mit Atomwaffen bestückte Bomber wieder jederzeit, also Tag und Nacht, einsatzfähig zu halten. 1991 hat man diese Einsatzbereitschaft für Bomber, die startbereit mit Atomwaffen auf Militärflugplätzen standen, beendet.“ (jw)
Syrien: gelenkte Rebellen
(26. Oktober 2017)The Intercept berichtet von einem Dokument, aus dem hervorginge, dass der spätere stellvertretende Verteidigungsminister Saudi Arabiens, Prince Salman bin Sultan, in seiner damaligen Funktion beim saudischen Geheimdienst einen Angriff der Rebellen auf Damaskus zum zweiten Jahrestag der „Revolution“ in die Wege geleitet habe. Er habe diesen 120 Tonnen Waffen und Sprengstoff geliefert und sie aufgefordert, Damaskus in Brand zu stecken und den Flughafen dem Erdboden gleich zu machen, so The Intercept. Die USA, die offensichtlich bestens Einblick in die Unterstützung der Rebellen durch Drittstaaten wie Saudi Arabien hatten, wussten dadurch bereits drei Tage vor dem Angriff Bescheid, der am 18. März 2013 auch tatsächlich erfolgte.
Hardheim: Indienststellung
(26. Oktober 2017)„Mit der Indienststellung des Aufbaustabs einer neuen Führungsunterstützungskompanie wurde am Mittwoch in der Carl-Schurz-Kaserne die bundesweit erste der 2011 verkündeten Standortentscheidungen rückgängig gemacht“, berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung (online). Die Führungsunterstützungskompanie wird dem Kommando Spezialkräfte unterstehen und soll ein Kommando zur Führung internationaler Spezialeinsätze aufbauen. Geplant ist die Stationierung von 175 Soldatinnen und Soldaten (siehe IMI-Standpunkt 2017/30).
Schnöggersburg: Teilübergabe
(26. Oktober 2017)Nachdem dort kürzlich noch eine Protestaktion der Gruppe Lebenslaute stattgefunden hatte (siehe IMI-Podcast Ausgabe 12) wurden nun erste Teil der eigens für die Bundeswehr aufgebauten Übungsstadt Schnöggersburg auf dem Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres an die Bundeswehr übergeben. Das berichtet u.a. MDR Sachsen-Anhalt: „Sie soll wie eine normale Stadt aussehen – doch noch ist Schnöggersdorf in der Colbitz-Letzlinger Heide eine Geisterstadt. Das ändert sich nun. Am Donnerstag wird der erste Bauabschnitt des Truppenübungsplatzes an die Bundeswehr übergeben. In der Übungsstadt sollen Soldaten möglichst realitätsnah auf Straßen- und Häuserkämpfe vorbereitet werden.“
Erding: Wehrforschung
(25. Oktober 2017)Die Süddeutsche Zeitung berichtet (online) über das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe der Bundeswehr am Ortsrand von Erding. Der Beitrag liest sich jedoch wie recht simple Propaganda: Hier werde alles getan, „um Soldatenleben zu retten“ bzw. „die deutschen Truppen zu schützen“ und der Leiter des Instituts darf feststellen: „Die Bundeswehr ist eine Friedensarmee“. Wörtlich heißt es weiter zur Erforschung von Treibstoffen, Funkgeräten, Materialien für die Bundeswehr: „Man kooperiert, statt aufzurüsten“. Gemeint ist damit die Zusammenarbeit „mit Staaten wie den USA, Israel und Singapur“. Und falls es den Leser*innen noch nicht klar ist, was für eine tolle Sache Wehrforschung ist, wird – im Detail wahrheitswidrig – unterstrichen: „Viele große Erfindungen kamen aus dem Militär: Satelliten, GPS, Antibiotika, das Internet. Auch kleine Alltagsdinge wie die Tütensuppe, die Mikrowelle und der Sekundenkleber.“
Obwohl das Militär also im Wesentlichen für Zusammenarbeit und Innovation steht, gibt es jedoch – das verschweigt die Süddeutsche Zeitung nicht – „Einsatzgebiete“. Die spielen im Beitrag aber nur insofern eine Rolle, als dass dort zukünftig „3D-Drucker in Containern“ stehen würden, „und Ersatzteile herstellen, wenn was kaputtgeht.“
Iranische SSR
(25. Oktober 2017)Man kann getrost davon ausgehen, dass Alfred Hackensberger auch zumindest ein wenig übertreibt, wenn er in der Welt (online) behauptet, dass der Iran „der große Gewinner der staatlichen Auflösungserscheinungen in Folge des ‚arabischen Frühlings'“ sei. Zum Beispiel geht er so weit, den saudischen Krieg im Jemen geradezu als Verteidigungsmaßnahme darzustellen: „Der Iran führt auch im Jemen Krieg. Er unterstützt dort die schiitischen Huthi-Rebellen. Saudi-Arabien versuchte die iranische Übernahme des Landes zu verhindern und intervenierte militärisch.“ Der Iran „führt Krieg“, Saudi Arabien „intervenierte“…
Insgesamt sind seine Ausführungen natürlich mit Vorsicht zu genießen, weil sie darauf abzielen, den Iran als Aggressor darzustellen und militärische Interventionen Israels und der USA dadurch zu legitimieren. Dennoch steht außer Frage, dass insbesondere die iranischen Revolutionsgarden kräftig in Syrien und Irak mitmischen. Wie Hackensberger das beschreibt, klingt dieses Vorgehen allerdings ziemlich genau nach dem, was Deutschland und seine Verbündeten als Sicherheitssektorreform (SSR) bezeichnen und in vielen Ländern der Welt durchführen:
„Teheran hatte die gesamte syrische Armee restrukturiert. Milizionäre der Nationalen Verteidigungsfront (NDF) waren in der Nähe der iranischen Hauptstadt ausgebildet worden. General Suleimani von den Al-Kuds-Kräften hatte in Syrien den Oberbefehl aller Streitkräfte übernommen. Er holte zudem schiitische Milizen aus dem Irak, Jemen und Afghanistan nach Syrien“.
Niger: US-Engagement
(24. Oktober 2017)Der Tod von vier US-Spezialkräften in Niger an der Grenze zu Mali schlägt Wellen in den Vereinigten Staaten. Unter dem Titel „What Are U.S. Forces Doing in Niger Anyway?“ behauptet Jason Ditz, dass hierdurch überhaupt erstmals öffentlich wurde, dass US-amerikanische Soldaten an Kampfhandlungen in der Region beteiligt sind. Er zieht einen Vergleich zu einem ähnlichen Vorfall 2012 in Jemen und deutet an, dass sich Funktionsbeschreibungen wie „Ausbilder“ und „Berater“ in Kriegsgebieten zunehmend als falsche Etiketten für Bodentruppen entlarven würden.
Die Military Times berichtet ausführlich über die Informationen, die das Pentagun mittlerweile über das Gefecht in Niger veröffentlicht hat. Damnach sei erst eine Stunde nach dessen Beginn Hilfe angefordert worden. Zunächst kam ein US-Drohne, über deren mögliche bewaffnung die USA jedoch keine Angaben machen wollten. Etwa eine Stunde später kamen französische Mirage-Kampfjets hinzu und wiederum später französische Kampfhubschrauber. Ein US-Soldat galt noch nach den stundenlangen Gefechten einige Zeit als vermisst, bevor sein toter Körper gefunden wurde. Einige Aufregung hat demnach verursacht, dass seine schwangere Witwe den Leichnam vor dessen Beerdigung nicht sehen durfte. Bestätigt wurde außerdem, dass sich Niger mit aktuell etwa 800 US-Kräften zu einem zentralen Einsatzgebiet und Knotenpunkt des US-Militärs in Afrika entwickelt habe, außerdem wird behauptet, die USA hätten bereits seit 20 Jahren eine dauerhafte Präsenz dort.
Auch Voice of America wartet mit neuen Details zum Vorfall auf, wonach die Bewohner des nahegelegenen Ortes die Befragung durch nigrischen und US-Kräfte, die dem Angriff vorausging, wohl absichtlich in die Länge gezogen hätten. Im Dorf seien wohl feindliche Kräfte anwesend gewesen, wird spekuliert. Dessen Vorsteher sei nach dem Angriff festgenommen worden und befände sich nun an einem unbekannten Ort.
Vor dem Hintergrund der eskalierenden Lage in der Region ist umso brisanter, was Nick Turse in „The Intercept“ veröffentlichte: Demnach sei bereits im letzten Jahr eine großangelegte Truppenstationierung von US-Kräften in Westafrika in einem Maneuver simuliert worden, nachdem in einem fiktiven Szenario im Mai 2023 ein erneuter großer Terroranschlag New York heimgesucht hätte und die Al Quaida im islamischen Maghreb auf geschätzte 38.000 Kräfte angewachsen sei.
Irak: Deutsche Waffen
(24. Oktober 2017)Seit 2014 bilden deutsche Soldaten kurdische Peschmerga-Kämpfer nicht nur aus, sondern beliefern sie auch mit Waffen. Die Tagesschau berichtet nun, dass Teile dieser Waffen in den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen den Kurden und der irakischen Zentralregierung eingesetzt worden sein könnten: „Im innerirakischen Konflikt zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern werden auch deutsche Panzerabwehrraketen eingesetzt. Die Bundeswehr unterstützt vor Ort beide Seiten. Nun wird eine Neubewertung des Einsatzes im Krisenland gefordert.“ (jw)
Skripted Mali
(23. Oktober 2017)Über die Youtube-Serie der Bundeswehr über den Einsatz in Mali sowie den dazugehörigen „Chat-Bot“ wird gegenwärtig viel geschrieben. So schreibt etwa der „Merkurist“ (online): „Es scheint als wolle die Bundeswehr ihr Image polieren, als Heldenepos . Dabei sind viel dramatische Filmmusik, gut inszenierte Soldaten, viel Dreck und Wüste, Militärfahrzeuge und Hubschrauber im Spiel“. Zudem wird die Kritik zitiert, wonach „der Gefahrenaspekt vom Krieg … komplett unter den Tisch gekehrt [würde]“.
In einigen Texten und Kommentaren ist von „Skripted Reality“ die Rede, was zwar die Definition auf Wikipedia nicht ganz trifft, begrifflich der Sache aber recht nahe kommt. Gezeigt werden soll ein bestimmter, sorgsam ausgewählter Ausschnitt der Realität, mit sorgsam ausgesuchten Protagonisten. Was dabei unter den Tisch fällt, soll hier anhand zweier aktueller Berichten über die Lage vor Ort dargestellt werden:
„Frankfurt“ in der Ägäis
(23. Oktober 2017)Seit Donnerstag, dem 19. Oktober befindet sich der Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ auf dem Weg in die Ägäis, um dort nach aktueller Planung bis Ende März gemeinsam mit der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) an der Bekämpfung der Migration über das Mittelmeer teilzunehmen. Das Presse- und Informationszentrum der Marine teilt hierzu mit: „Der NATO-Verband trägt mit den Aufklärungsmitteln der Schiffe zu einem lückenlosen Lagebild in der Ägäis bei. Informationen über Schleuseraktivitäten im Seegebiet werden an griechische und türkische Stellen gegeben, um Transparenz über das Vorgehen von Schleusern herstellen zu können. Verbindungsoffiziere türkischer und griechischer Behörden sowie ein Beamter von „Frontex“ befinden sich als Schnittstellen an Bord des Führungsschiffs der SNMG2. Ziel des NATO-Einsatzes ist ein verbesserter Informationsaustausch zwischen diesen Behörden und der EU-Grenzschutzagentur. Die NATO dient in dieser Hinsicht als Kooperationsplattform der Anrainerstaaten.“
Die Stadt Frankfurt hingegen gilt als relativ fortschrittlich und offen in Umgang mit Flüchtlingen. Die Patenschaft wurde unter der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) übernommen, die das Schiff 2001 taufte. In der letzten Zeit wurde – anders als in anderen Städten – jedoch wenig positiv auf den Einsatzgruppenversorger der Bundeswehr Bezug genommen.
Bundeswehr: Landkriege
(22. Oktober 2017)„Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?“ heißt ein Thesenpapier, das laut Pivot Area von einem aus dem Heereskommando unter Leitung von Generalleutnant Frank Leidenberger verfasst worden sein soll. „Es umreißt aus militärfachlicher Sicht, wie das deutsche Heer ausgerüstet sein müsste und kämpfen sollte, um ab 2026 in Landkriegen gegen einen ‚gleichwertigen Gegner‘ zu siegen. Auch wenn Russland nicht namentlich als Kontrahent genannt wird, sind dessen militärischen Fähigkeiten (‚der Gegner verfügt über ein engmaschiges Netz weitreichender Luftverteidigungssysteme mit der Reichweite 400 Kilometer plus‘) offensichtlicher Bezugspunkt der Bewaffnungs- und Operationskonzepte in ‚Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?‘. […] Adressat der Fähigkeitsanalyse ist der parlamentarische Raum, wie es aus der Bundeswehr heißt. […] Um die Bewaffnungskonzepte des Thesenpapiers anschaulicher zu machen, wurden sie mit beispielhaften Operationsszenarien ergänzt. Deren Rahmen bildet ein fiktiver Angriff Russlands auf das Baltikum, der vom Deutschen Heer im NATO-Verbund zurückgeworfen wird. Dabei versucht Russland zunächst, über eine hybride Vorbereitung (U. a. Desinformationskampagnen sowie verdeckte Angriffe von Spezialkräften), für sich eine günstige Architektur des Schlachtfelds zu schaffen, und greift dann mit seinen Hauptstreitkräften an.“ (jw)
NATO: Deutsches Hinterlandkommando?
(21. Oktober 2017)Augengeradeaus macht auf einen aktuellen Spiegel Online Artikel aufmerksam (nur englisch, deutsch hinter Paywall), in dem über ein geheimes NATO-Dokument berichtet wird. Darin werden der NATO schwere Logistikprobleme attestiert und zur Abhilfe vorgeschlagen, ein hierfür zuständiges Zentrum in Deutschland zu schaffen: „Since the end of June, a report marked „NATO SECRET“ has been circulating in headquarters in Brussels that unsparingly lists the alliance’s weaknesses. Under the innocuous title „Progress Report on the Alliance’s Strengthened Deterrence and Defense Posture,“ the authors arrive at the shocking conclusion that ‚NATO’s ability to logistically support rapid reinforcement in the much-expanded territory covering SACEUR’s (Supreme Allied Commander Europe) area of operation has been atrophied since the end of the Cold War.‘ […] the distribution of supplies in Europe is also problematic, a concern that an additional command is to address. […] Poland has demonstrated great interest in leading this ‚Rear Area Operation Command.‘ […] But the Americans and other allies favor a different location: Germany’s geographic placement make it an ideal candidate. The command, after all, would be a kind of distribution center for troops that land in Bremerhaven or elsewhere in Central Europe.“ (jw)
Rüstungskooperation: Hürden (II)
(21. Oktober 2017)Am 13. Juli 2017 verkündeten Deutschland und Frankreich eine Reihe gemeinsamer Rüstungsgroßprojekte gemeinsam in Angriff nehmen zu wollen. Vor wenigen Tagen tauchten Berichte auf, hinter den Kulissen würde es bezüglich eines deutsch-französischer Kampfjets bereits knirschen (siehe IMI-Aktuell 2017/638). Die der Rüstungsindustrie positiv gegenüberstehende Internetseite hartpunkt.de berichtet nun, dass dies auch für das Vorhaben einer Eurodrohne gelte: „Einem Bericht des Handelsblattes von gestern zufolge kommen der europäische Flugzeugbauer Airbus und der französische Dassault-Konzern beim Thema Eurodrohne nicht ins Gespräch. […] Dassault beanspruche auf der Industrieseite die Führungsrolle, während Airbus diesen Anspruch ablehne, will das Handelsblatt aus Industriekreisen erfahren haben.“ (jw)
Kurden: Weiter Militärhilfe?
(20. Oktober 2017)Wegen des sich verschärfenden Konflikts zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung in Bagdad setzte die Bundeswehr kürzlich die Ausbildung und Aufrüstung kurdischer Peschmerga-Kämpfer aus. Nun berichtet aber Augengeradeaus, die deutsche Verteidigungsministerin habe eine Fortsetzung der Maßnahmen bereits zugesagt: „Nach Darstellung der kurdischen Autonomieregierung im Nordirak hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine weitere deutsche Unterstützung der kurdischen Peshmerga-Kämpfer zugesichert. Der Präsident der Autonomieregion, Masud Barzani, berief sich in einem Eintrag auf seiner Webseite am (heutigen) Donnerstagabend auf ein Telefongespräch mit der deutschen Ministerin.“ (jw)
Frankreich: Dreckiger Deal
(20. Oktober 2017)Die Times of Israel (via Bpb-Newsletter) berichtet über einen angeblichen Deal zwischen Frankreich und der irakischen Regierung, der besagt haben soll, dass jeder französisch stämmige Dschihadist, der in Mossul kämpfte, getötet werden sollte, um so sein Rückkehr nach Frankreich zu verhindern: „In June, French magazine Paris Match also published a report quoting Iraqi officials around the city of Mosul before it was recaptured by US and French-backed forces. Abdelghani al-Assadi, a top commander in the Counter-Terrorism Service, said the Iraqis had an understanding with France that they would mop up the jihadists to prevent them from returning home. ‚We will prevent as much as possible any French person leaving Mosul alive,‘ he was quoted as saying. ‚Our aim is to kill them so that no one from Daesh can flee.'“ UPDATE: Wieder in der Times of Israel (via Bpb-Newsletter) die französische Verteidigugnsministerin Florence Parly habe eingeräumt, kein Interesse an einer Rückkehr einheimsciher IS-Kämpfer zu haben. (jw)
Bundeswehr & Rewe: Kooperation
(20. Oktober 2017)German-Foreign-Policy berichtet über eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Lebensmittelhersteller REWE und der Bundeswehr: „Erst vor kurzem schlossen das Bundesverteidigungsministerium und der Handelskonzern REWE eine ‚Kooperationsvereinbarung‘, die die ‚gegenseitige Vermittlung von Beschäftigten‘ vorsieht. REWE erklärte sich außerdem bereit, seine Mitarbeiter für militärische ‚Reservistendienste‘ freizustellen, während die deutschen Streitkräfte zusagten, die Betreffenden dort einzusetzen, wo sie ‚nützliche Erfahrungen für den regulären Job‘ sammeln können.“ (jw)
Griechenland: Teure Rüstung
(20. Oktober 2017)Schon vor einigen Jahren kam die sehr lesenswerte Studie Guns, Debt and Corruption. Military spending and the EU crisis heraus, die überzeugend darlegte, dass hohe Rüstungsausgaben eine wichtige Rolle für die Krise in mehreren EU-Staaten, darunter Griechenland, gespielt haben. Den griechischen Ministerpräsidenten Tsipras, einst Hoffnungsträger (nicht nur) der griechischen Linken, ficht das augenscheinlich aber nicht an, er ging n-tv zufolge jüngst groß Rüstungsgüter einkaufen: „Die US-Regierung hat kurz nach dem Staatsbesuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in Washington einen milliardenschweren Exportantrag zur Lieferung von Rüstungstechnologie nach Griechenland genehmigt. […] Der Gesamtwert des geplanten Geschäfts liegt bei 2,4 Milliarden Euro.“ (jw)
Chinesisch-Russischer Handel
(19. Oktober 2017)Seit der Eskalation der Beziehungen mit dem Westen und den gegen Russland verhängten Sanktionen kam es zu einer spürbaren Annäherung des Landes an China, was sich laut Moscow Times (via Bpb-Newsletter) auch einem stark gestiegenem Handelsvolumen niederschlägt: „Russia’s drive to make China its most important trade partner in terms of dollar turnover is on track, as trade between the two new-found friends increases steadily. The partners are hoping that trade will hit $80 billion this year and $200 billion by the end of the decade. (…) From January to September trade between Russia and China increased by 22.4 percent year-on-year to $61.4 billion, the General Administration of Customs of the People’s Republic of China announced on Oct. 13.“ (jw)
BDI: Offensiv
(18. Oktober 2017)Schon vor einiger Zeit schrieb der „Bundesverband der Deutschen Industrie“ (BDI) egal welcher künftigen Koalition seine u.a. sicherheitspolitischen Präferenzen ins Stammbuch. „Handlungsempfehlungen der Deutschen Industrie für die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages“ nennt sich das Pamphlet. Darin enthalten u.a. die Aufforderung, die bundesregierung müsse „Cyberverteidigung auch militärisch offensiv führen.“ Auch die Waffenausfuhren müssten angekurbelt werden, schließlich sei der „Erhalt von Schlüsseltechnologien nur durch Export möglich.“ (jw)
Mandatsverlängerungen
(17. Oktober 2017)Die Berliner Morgenpost fasst einige Positionen zu den Bundeswehrmandaten zusammen, die noch während der Koalitionsverhandlungen verlängert werden müssten. Wie bereits berichtet, sollen diese zunächst mit den Stimmen der Großen Koalition (siehe IMI-Aktuell 2017/634) um drei Monate verlängert werden.
Der Einsatz im Nordirak, in dem jene Peschmerga ausgebildet und ausgerüstet werden, die sich nach dem Unabhängigkeitskeits-Referendum nun in Gefechten mit den irakischen Truppen wiederfinden (was absehbar war, als der Bundestag die Aufrüstung nichtstaatlicher, kurdischer Verbände im Nordirak beschloss), ist jedoch bereits ausgesetzt und könnte beendet werden. Möglicherweise aufgestockt werden soll hingegen der Einsatz in Afghanistan. Auch der Einsatz in Mali gilt der Morgenpost als „umstritten“. Tatsächlicher Hintergrund hierfür dürfte sein, dass sich die Sicherheitslage in Mali im freien Fall befindet, wie sich auch dem jüngsten Bericht des UN-Generalsekretärs entnehmen lässt.
ITEC: Kundgebung
(17. Oktober 2017)Nachdem die Rüstungsmesse ITEC aus Köln verbannt wurde, hat sie zumindest nach aktuellem Stand für 2018 mit der Messe Stuttgart einen neuen Austragungsort gefunden. Dagegen hat sich bereits Protest formiert (siehe IMI-Aktuell 2017/405). Nun soll die morgige Aufsichtsratssitzung der Messe Anlass für eine Kundgebung sein. Auf der Homepage von Ohne Rüstung Leben heißt es hierzu:
„Am kommenden Mittwoch findet die nächste Aufsichtsratssitzung der Landesmesse Stuttgart statt. ‚Bis jetzt will die Mehrheit des Aufsichtsrates im Mai 2018 den Roten Teppich für die Militärmesse ITEC ausrollen. Mit der Aktion ‚Roter Teppich‘ unterstützen wir diejenigen im Aufsichtsrat, die sich gegen die Präsentation von Drohnentechnik, Raketenabwehrsystemen und anderen Erfindungen wenden, mit denen sich Menschen im 21. Jahrhundert möglichst effektiv umbringen können,‘ sagt Paul Russmann von Ohne Rüstung Leben. Gemeinsam mit dem OTKM Stuttgart lädt Paul Russmann zur Kundgebung am 18. Oktober 2017 von 17.30 Uhr bis ca. 18:15 Uhr vor dem Verwaltungsgebäude der Landesmesse (gegenüber ICS / Eingang Ost).“
Rüstungskooperation: Hürden
(17. Oktober 2017)Beim Deutsch-Französischen Ministerrat am 13. Juli wurde der gemeinsame Bau zahlreicher Rüstungsgroßprojekte verkündet, darunter der eines Kampfflugzeuges und eines Kampfpanzers. Pivot Area (via Bpb-Newsletter) weist auf die Hürden einer solchen Zusammenarbeit hin: „So fällt mit Blick auf das geplante Großprojekt deutsch-französischer Kampfjet auf: Zahlreiche dafür wichtige Bereiche wie Sensorik, Luft-Luft-Flugkörper oder Führungssysteme klassifiziert die Revue als ’souveräne‘ Entwicklungsfelder (…). Dieselben Felder benannte auch die Bundesregierung als ’nationale Schlüsseltechnologien‘ in ihrem ‚Strategiepapier zur Stärkung der Verteidigungsindustrie in Deutschland‘ von 2015″ (jw)
Heimatschutz im BMVg
(16. Oktober 2017)Die Informationslage ist noch dünn, aber nach der aktuellen Ausgabe des gewöhnlich gut informierten griephan-Briefs wird aktuell darüber spekuliert, das Verteidigungsministerium zu einem „Superministerium“ auszubauen, dass zukünftig auch den „Heimatschutz“ umfassen soll.
Weltraumüberwachung
(16. Oktober 2017)Voller Technikbegeisterung berichten verschiedene Medien über die Vorstellung eines neuen Welraumüberwachungssystems, mit dem Weltraumschrott erkannt und beobachtet werden soll, um Kollissionen mit Satelliten zu vermeiden. Sowohl elektrotechniknet.de als auch der SWR zitieren dabei die folgende Aussage des Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz: „Denken Sie daran, was passieren würde, wenn mitten im Champions League Finale der ASTRA-Fernsehsatellit ausfallen würde.“
Ob entsprechende Meldewege zwischen dem Weltraumzentrum der Bundeswehr in Kalkar/Uedem und den Betreibern von Fernsehsatelliten jedoch jemals existieren werden, kann bezweifelt werden. Vielmehr geht es natürlich darum, die eigenen Kommunikations- und Aufklärungssatelliten zu schützen und wahrscheinlich v.a. auch darum, die Position „gegnerischer“ Satelliten zu bestimmen. Da aber wesentliche Teile der Umsetzung von zunächst zivil erscheinenden Bundeswehr-Dienstleistern erbracht werden – dem Deutschen Zentrum Luft- und Raumfahrt und dem Fraunhofer FHR, fällt der militärische Charakter des Projekts in der Berichterstattung weitgehend unter den Tisch. Dies gilt v.a. für den SWR, der auch gleich stolz betont: „Auch Koblenzer Studenten wirken mit“. Da wird elektrotechniknet.de schon präziser: Demnach „plant das Bundesamte für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz das Weltraumradar namens ‚German Experimental Surveillance and Tracking Radar‘ (GESTRA). Es wird am ehemaligen Standortübungsplatz Schmidtenhöhe in der Nähe von Koblenz angesiedelt sein und soll künftig Müllkollisonen verhindern… Die räumliche Nähe zu Koblenz – die beiden Orte sind rund 60 Kilometer voneinander entfernt – sei laut Dominik Wullers, Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz, der wichtigste Grund für die Standortwahl von GESTRA gewesen.“
Sanktionen: Zweifel
(16. Oktober 2017)Nach FDP-Chef Christian Lindner (siehe IMI-Aktuell 2017/473) äußert sich nun auch Parteivieze Wolfgang Kubicki skeptisch gegenüber den Sanktionen gegen Russland, schreibt u.a. die FAZ: „Vor den Koalitionsverhandlungen mit Union und Grünen bringt sich die FDP bei der Russland-Politik in Stellung. Der stellvertretende Parteivorsitzende Kubicki will statt Sanktionen mehr Dialog mit Moskau – und kritisiert die Nato-Präsenz an der russischen Grenze.“ (jw)
Mandatsverlängerung: Deal
(13. Oktober 2017)Die Bildzeitung berichtet (online) über einen dann doch wohl gar nicht so geheimen „Geheimdeal“, mit dem die noch amtierende Regierung die Bundeswehrmandate in Mali, Afghanistan, Syrien und Irak im Bundestag verlängern will, ohne die Koalitionsverhandlungen zu belasten. Demnach würden die Mandate mit den Stimmen der Union und der SPD verlängert, FDP und Grüne dürfen demnach nach eigenem Ermessen abstimmen. Von der am Wahlabend groß angekündigten Oppositionsrolle der SPD ist damit – zumindest in der Außenpolitik – bereits nach wenigen Wochen nicht mehr viel zu sehen.
Merkel: Migrationsaußenpolitik
(13. Oktober 2017)Die Süddeutsche Zeitung stellt kurz den neuen außenpolitischen Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor: „Der Jurist Jan Hecker, 50, wird nach Informationen der Süddeutschen Zeitung neuer außenpolitischer Berater Merkels und damit Nachfolger von Christoph Heusgen, der vor einigen Wochen als deutscher Botschafter bei den Vereinten Nationen nach New York wechselte. Hecker war zuletzt Leiter der Stabsstelle für die Koordinierung der Flüchtlingspolitik, die Merkel auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Oktober 2015 im Kanzleramt einrichten ließ“. Damit zeige Merkel laut SZ, dass sie der „internationalen Dimension der Flüchtlingspolitik“ eine hohe Bedeutung zumesse. Hecker sei „in den vergangenen zwei Jahren maßgeblich an den Verhandlungen mit Transit- und Herkunftsstaaten von Flüchtlingen und Migranten verantwortlich gewesen“ und habe die Kanzlerin bei Ihrer Afrikareise vergangenes Jahr nach Mali, Niger und Äthiopien begleitet. In Äthiopien sprach die Kanzlerin unmittelbar, nachdem dort wegen Protesten der Ausnahmezustand für ein halbes Jahr ausgerufen worden war. Sie sagte dabei verstärkte Hilfe für das Militär und die Polizei zu, die in den vorangegangenen Monaten für hunderte Tote Demonstranten verantwortlich war (siehe IMI-Analyse 2016/38).
Lahr: Proteste
(13. Oktober 2017)In Lahr will die Firma Saltech eine Munitionsfabrik bauen. Der Deutschlandfunk berichtet über Befüworter und Gegner des Vorhabens: „[N]icht nur im Gemeinderat gibt es Widerstände. Das Lahrer Friedensforum will die Munitionsfabrik verhindern und sammelt Unterschriften für eine Petition. […] Oberbürgermeister Müller setzt darauf, bei der Abstimmung im Gemeinderat am 23. Oktober eine Mehrheit für den Bau der Munitionsfabrik zu bekommen. Anschließend wird ein für das Industriegebiet zuständiger Zweckverband darüber abstimmen. Und auch Saltech wird wahrscheinlich noch darüber beraten, ob Lahr unter diesen Bedingungen der richtige Standort ist.“ (jw)
Libyen-Bericht: Unter Verschluss
(13. Oktober 2017)Ende Januar 2017 zitierte die Welt aus einem Drahtbericht der Deutschen Botschaft im Niger, welcher „das Bundeskanzleramt, das Auswärtige Amt sowie mehrere andere Ministerien über ‚allerschwerste, systematische Menschenrechtsverletzungen‘ gegen Flüchtlinge in Libyen unterrichtet.“ In dem Bericht mit dem Titel „Rückkehr aus der Hölle“ wird die Situation von Geflüchteten in libyschen Gefangenenlager geschildert. Laut der Welt ist darin von „KZ-ähnlichen Verhältnissen“ die Rede.
Unter Verweis auf besagten Artikel in der Welt berichtete netzpolitik.org Anfang dieser Woche: „Nach dem Willen des Auswärtigen Amts soll der Bericht jedoch geheim bleiben. Der Grund: Das Amt befürchtet bei einer Veröffentlichung des Berichts nach einer Anfrage per Informationsfreiheitsgesetz ‚nachteilige Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen‘ zu den Machthabern in Libyen sowie der Regierung in Niger.“ Weiterhin heißt es dort „Eine Abwägungspflicht zwischen öffentlichen Interesse und Auswirkungen auf auswärtige Politik gibt es nicht – der Erhalt von Beziehungen zu anderen Staaten übertrumpft damit regelmäßig das Recht auf Zugang zu Informationen.
So können die Diplomaten inzwischen recht willkürlich Dokumente zurückhalten. De facto hat sich das Auswärtige Amt eine Bereichsausnahme vom Informationsfreiheitsgesetz für die Außenpolitik geschaffen. Transparenz über den diplomatischen Dienst gibt es kaum.“ (cs)
Friends of Europe: Rüstungsrüffel
(12. Oktober 2017)Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine neue Studie von „Friends of Europe“, in der Deutschland scharf für seine „Versäumnisse“ im Militärbereich kritisiert wird: „Europas wirtschaftlich stärkste und bevölkerungsreichste Nation ist schon lange das schwächste Glied in der Kette, wenn es um militärische Entschlossenheit geht“, heißt es in der Studie. Deutschland müsse „nach dem systematischen Herunterwirtschaften der Bundeswehr und der Einlösung der Friedensdividende seit 1990 noch einen weiten Weg zurücklegen“ und „aus dem Schatten der Vergangenheit treten und mehr Verantwortung für die Verteidigung Europas und seiner selbst übernehmen.“ UPDATE: Die Studie ist jetzt auch online zu finden. (jw)
US-Rüstungsausgaben: Top 5
(12. Oktober 2017)William Hartung beschreibt im American Conservative (via Bpb-Newsletter), wie ein großer Teil des US-Militärbudgets an eine kleine Zahl von Großunternhemen fließt: „According to the Federal Procurement Data System’s top 100 contractors report for 2016, the biggest beneficiaries by a country mile were Lockheed Martin ($36.2 billion), Boeing ($24.3 billion), Raytheon ($12.8 billion), General Dynamics ($12.7 billion), and Northrop Grumman ($10.7 billion). Together, these five firms gobbled up nearly $100 billion of your tax dollars, about one-third of all the Pentagon’s contract awards in 2016. (…) The real question is: How much of this money actually promotes the defense of the country and how much is essentially a subsidy to weapons makers and other corporations more focused on their bottom lines than giving the taxpayers value for their money?“ (jw)
Drehscheibe Deutschland
(12. Oktober 2017)Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur Streitkräftebasis (SKB), verweist im Newsletter Verteidigung (11.10.17) einmal mehr auf die zentrale Rolle Deutschlands für den NATO-Aufmarsch in Osteuropa: „Aufgrund seiner zentralen geographischen Lage kommt Deutschland dabei eine besondere Rolle zu. Im Kern des potenziellen Transit- und rückwärtigen Operationsgebietes der Allianz gelegen, wird Deutschland zur zentralen Drehscheibe für alliierte Streitkräfte und befreundete Nationen.“ (jw)
Handelsblatt: Warnung
(11. Oktober 2017)In verschiedensten Foren wird aktuell auf einen Artikel von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart verwiesen, der schon in Sachen westlicher Russlandpolitik klare Worte gefunden hatte (siehe IMI-Standpunkt 2017/043). Nun warnt er recht deutlich vor der konkreter werdenden Kriegsgefahr aus Richtung USA: „Kaum hat Außenminister Rex Tillerson seinen Präsidenten in vertrauter Runde einen ‚Deppen‘ genannt, meldet sich via Twitter der dem Außenminister eng verbundene Senator Bob Corker zu Wort, seines Zeichens oberster Republikaner im Auswärtigen Ausschuss des Senats. Es sei eine Schande, dass sich das Weiße Haus zu einem ‚adult day care center‘, einer Seniorentagesstätte, entwickelt habe. […] Mit seinen unbeherrschten verbalen Angriffen auf andere Länder riskiere Trump, dass sich die Nation „auf den Weg in Richtung eines Dritten Weltkriegs begebe“. (jw)
Weißrussland: Charmeoffensive
(11. Oktober 2017)Das Verhältnis zwischen der EU und Weißrussland ist sehr wechselhaft – je nachdem wie wahrscheinlich Brüssel es halt, Minsk aus dem engen Bündnis mit Moskau herauslösen zu können. Nun scheint man die Zeit für eine erneute Charmeoffensive gekommen zu sehen. Radio Free Europe (via Bpb-Newsletter) berichtet, die EU plane das Land zum nächsten Gipfeltreffen der Östlichen Partnerschaft am 24. November einzuladen: „Sources close to the matter told RFE/RL on October 9 that Belarus was invited to participate in the November 24 summit in Brussels ‚without restrictions‘ – just like the five other EaP members: Armenia, Azerbaijan, Georgia, Moldova, and Ukraine. The invitations for the event were sent to EaP countries on October 6, according to the sources, who spoke on condition of anonymity because they were not authorized to speak publicly on the matter. Ahead of the previous four EaP summits, the EU made it clear that Lukashenka, who has ruled Belarus for 21 years and been called the ‚last dictator of Europe,‘ was not welcome.“ (jw)
Bundeswehr an der Hochschule
(10. Oktober 2017)Die Bundeswehr drängt zunehmend an die öffentlichen Hochschulen, auch jenseits der klassischen Rüstungsforschung. Ein eifriger Vertreter der „neuen deutschen Verantwortung“ ist Johannes Varwick, Professor für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, über den die IMI bereits berichtete (siehe IMI-Analyse 2015/035). Im Wintersemester 2017/18 bietet Varwicks Lehrstuhl zwei „sicherheitspolitische“ Seminare in Kooperation mit der Bundeswehr an.
Das Seminar „Sicherheitspolitik und Streitkräfte“ wird von Varwick selbst geleitet, während das Seminar „Internationale Organisationen und deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ durch den Bundeswehrmitarbeiter Dr. Tobias Hecht durchgeführt wird. Hecht hat bis 2014 bei Varwick promoviert. Beide Seminare werden von der Bundeswehr komplett finanziert und finden am „Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr“ in Strausberg statt. In dem besagten Zentrum werden unter anderem die sogenannten Jugendoffiziere betreut, welche in Schulen zunehmend Minderjährige für die Armee rekrutieren.
Afghanistan: Lebenslang Krieg
(10. Oktober 2017)Am 7. Oktober „feierte“ der Afghanistan-Krieg seinen 16. Geburtstag. Realcleardefense nahm dies zum Anlass, um auf einige Daten in der näheren Zukunft dieses Krieges zu blacken: 2019 sei es möglich, dass der erste Amerikaner in diesem Krieg kämpfen könnte, der zu seinem Beginn noch nicht einmal geboren war. 2021 wäre das Jahr, in dem die USA den ersten „generationenlangen Krieg“ erreicht hätte. Und im Jahr 2022 sei es wahrscheinlich, dass kein einziger Entscheidungsträger, der seinerzeit für den Krieg gestimmt hatte, noch im Amt sein wird. (jw)
Australien: Waffen halbiert
(10. Oktober 2017)Der Deutschlandfunk (via Bpb-Newsletter) weist darauf hin, dass Australien nach einem Amoklauf seine Waffengesetze drastisch verschärft habe, was zu einem spürbaren Rückgang der Opfer geführt hätte: „Australien hatte früher ein ähnlich laxes Waffenrecht wie die USA. Das änderte sich 1996 nach einen Amoklauf mit 35 Toten. Die Gesetze wurden in Rekordzeit verschärft, Hunderttausende Waffen verschrottet. Die Zahl der Todesfälle durch Schusswaffen halbierte sich daraufhin.“ (jw)
Krieg? Egal!
(10. Oktober 2017)Bei Tomdispatch (via Bpb-Newsletter) beklagt sich Andre Bacevich nachvollziehbarerweise über die „Wurstigkeit“ seiner Landsleute gegenüber den zahlreichen Kriegen, in die sein Land involviert ist, versucht aber gleichzeitig auch, den Ursachen nachzugehen: „Like traffic jams or robocalls, war has fallen into the category of things that Americans may not welcome, but have learned to live with. In twenty-first-century America, war is not that big a deal. […] Americans don’t attend all that much to ongoing American wars because: 1. U.S. casualty rates are low. […] 2. The true costs of Washington’s wars go untabulated. […] 3. On matters related to war, American citizens have opted out. […] 4. Terrorism gets hyped and hyped and hyped some more. […] 5. Blather crowds out substance. […] 6. Besides, we’re too busy. […] 7. Anyway, the next president will save us. […] 8. Our culturally progressive military has largely immunized itself from criticism. […] A collective indifference to war has become an emblem of contemporary America. But don’t expect your neighbors down the street or the editors of the New York Times to lose any sleep over that fact. Even to notice it would require them – and us – to care.“ (jw)
Bundeswehr: Mali-Reality
(9. Oktober 2017)Nachdem die Reality-TV-Serie der Bundeswehr „Die Rekruten” als großer Erfolg bewertet wurde, hat sich die Truppe nun ein neues Szenario vorgenommen – eine Reality-Soap direkt aus dem Mali-Einsatz! Ab 16. Oktober soll es losgehen, die Bild wirbt schonmal kräftig im Vorfeld die Werbetrommel, nähere infos finden sich u.a. bei Augengeradeaus. UPDATE: Auf der Bundeswehr-Seite finden sich ebenfalls weitere Details zur Serie. (jw)
Afghanistan: Mehr deutsche Soldaten?
(9. Oktober 2017)U.a. Spiegel Online berichtet, die Bundeswehr dränge auf eine deutliche Erhöhung des Afghanistan-Kontingentes: „Nach SPIEGEL-Informationen fordert die Bundeswehrführung, die deutschen Einheiten für die Nato-Trainingsmission ‚Resolute Support‘ um fast 50 Prozent aufzustocken – von bisher maximal 980 auf 1400 Soldaten. Der Grund: die gefährliche Lage am Hindukusch.“ (jw)
Korruptionsskandal bei Airbus
(6. Oktober 2017)Das Rüstungsunternehmen Airbus steckt tief in einem Korruptionsskandal. Dabei geht es um mögliche Schmiergeldzahlungen und schwarze Kassen. Nach SPIEGEL-Informationen wollen Münchner Staatsanwälte bald Anklage erheben.
Durch ein System schwarzer Kassen habe Airbus in den vergangenen Jahren den Verkauf ziviler und militärischer Flugzeuge etwa in Indonesien, Kasachstan oder China angeschoben. Interne Ermittler seien auf mehr als 100 mögliche Korruptionszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe gestoßen. Keimzelle der Korruption soll eine Abteilung des Unternehmens in Paris gewesen sein. Diese war auch beteiligt an der Gründung eines Geflechts aus Briefkastenfirmen rund um die Londoner Firma Vector Aerospace. Es sollte nach Ansicht der Münchner Staatsanwaltschaft dazu dienen, „Schmiergeldzahlungen an Entscheidungsträger (…) in Österreich“ zu leisten, die am Kauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen beteiligt waren.
Ramstein: Neubau
(6. Oktober 2017)Deutschlandfunk Kultur berichtet darüber, wie neben der Airbase Ramstein weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit das größte US-Hospital außerhalb der USA entsteht: „49 Hektar – das entspricht der Fläche von 70 Fußballfeldern – für ein Mega-Projekt: Ein Hospital, angelegt für alle US-Soldaten und ihre Angehörigen in Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Medizinische Anlaufstelle für 200.000 Amerikaner. Aber vor allem auch für die Verwundeten aus den amerikanischen Einsätzen im Irak und Afghanistan.“ Angesprochen wird auch die Rolle des Amtes für Bundesbau, das umfangreich in die Planung eingebunden sei und „seit Jahrzehnten mit und für die Amerikaner rund um die Airbase in Ramstein“ Aufträge abwickle. Die Planungskosten in Höhe von etwa 150 Mio. Euro übernehme die Bundesrepublik.
Waffenhandel: Bewährungsstrafe
(6. Oktober 2017)Ein Hauptmann der Bundeswehr, der zugleich „leidenschaftliche[r] Jäger, Schütze und Waffensammler“ sei, wurde vom Landgericht Kiel zu einer Bewährungsstrafe von acht Monate verurteilt. Wie das Hamburger Abendblatt und die Welt (jeweils online) berichten, wurden bei ihm u.a. drei Magazine und 1,2 Kilogramm Sprengstoff entdeckt. Darüber hinaus soll er weitere Waffenteile unterschlagen und gehandelt haben. Das Gericht blieb mit seinem Urteil explizit auch deshalb milde, damit der Hauptmann weiterhin bei der Bundeswehr tätig sein kann: Ab einem Jahr Haft- oder Bewährungsstrafe hätte der Soldat aus der Bundeswehr ausscheiden müssen.
Ende August war ein mutmaßlicher Teilnehmer der Proteste gegen den G20-Gipfel zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er Feuerwerkskörper dabei hatte, wie u.a. die taz berichtete.
Munitionsdepot: Event
(6. Oktober 2017)Nördlich von Frankfurt, etwa 3km westlich der Autobahn A5 auf der Höhe der Ausfahrt Friedberg (Hessen) befindet sich „das zweitgrößte Depot der Bundeswehr“ bzw. „eine der größten Munitionslager-Einrichtungen in Westeuropa“, wie der Usinger Anzeiger anlässlich eines Tages der offenen Tür berichtet. In 300 „aktiven Bunkern“ werde „Munition aller Art gelagert“, tätig seien hier „zurzeit 84 Menschen, von denen nur acht Soldaten sind.“
Der Tag der offenen Tür, der bis zu 3.000 Menschen angelockt haben soll, hatte offenbar Eventcharakter: „Auch wenn die militärischen Aspekte im Vordergrund standen, hatte die Bundeswehr auch befreundete Organisationen (die Feuerwehren Friedrichsdorf und Wehrheim, DRK, THW und Polizei) eingeladen, ihre Arbeit vorzustellen und zudem für ein kleines Rahmenprogramm (historischer Feuerwerker, historische Militärfahrzeuge, Live-musik mit „Freeway Music“ aus Büdingen, Kinderland mit Hüpfburg) und die (ausgezeichnete) Beköstigung der Gäste gesorgt.“ Außerdem konnten bei einer Verlosung „Erlebnisfahrten am Limes in einem gepanzerten Einsatzfahrzeug Spezialisierte Kräfte“ gewonnen werden.
Auch dieser Standort soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden: „Auf bereits gerodeten Waldflächen werden auch neue Gebäude entstehen. Ein Investitionsvolumen von bis zu zehn Millionen Euro ist im Gespräch.“
Russisch-saudischer Waffendeal
(6. Oktober 2017)Für den Guardian (via Bpb-Newsletter) signalisiert das jüngste Treffen zwischen dem saudischen König Salman und dem russischen Präsidenten Putin Moskaus endgültige Rückkehr auf die Bühne der Großmächte. Insgesamt seien Waffenkäufe im Wert von 3 Mrd. Dollar vereinbart worden, darunter auch die Lieferung des russischen Abwehrsystems S-400, das zuvor bereits von der Türkei bestellt worden war. (jw)
Frankreich: Ausnahmezustand
(5. Oktober 2017)Im aktuellen Ausdruck findet sich ein Beitrag über Inlandseinsätze des Militärs in Frankreich und den dortigen Ausnahmezustand, der per Gesetz nun teils in einen Dauerzustand überführt werden soll. Reuters (via Bpb-Newsletter) berichtet nun, dass besagtes Gesetzespaket nun vom französischen Parlament verabschiedet wurde: „Emergency powers in place since November 2015, when Islamist suicide bombers and gunmen carried out attacks in Paris that killed 130 people, have played a significant role in enabling intelligence agencies to disrupt plots, the government says. The new legislation would see many of those emergency powers enshrined in law, with limited oversight from the judiciary.“ (jw)
Afghanistan: Laxere Einsatzregeln
(5. Oktober 2017)Antiwar zufolge haben die USA die Restriktionen für US-Luftschläge in Afghanistan deutlich gelockert: „The removal of proximity requirements allows US forces to carry out airstrikes anywhere in Afghanistan they want, on essentially any pretext. Officials are presenting that as a way to try to speed up the escalation of the war.” (jw)
Somalia: Türkische Militärbasis
(4. Oktober 2017)Defense One berichtet, in Somalia sei eine türkische Militärbasis errichtet worden: „The $50 million base was opened on Saturday (Sept. 30) and will train more than 10,000 soldiers. […] By setting shop in Somalia, Turkey has become the latest country to set up a military facility in the horn of Africa nation. The United States runs clandestine operations from a base in the Lower Shabelle region, while the United Arab Emirates is expected to build a base in the self-declared region of Somaliland. […] The military base in Somalia is also a reminder that despite Turkey’s growing regional and national problems, Africa remains central to its global expansion strategy.” (jw)
Ukraine: Pipeline-Poker
(4. Oktober 2017)Im National Interest (via Bpb-Newsletter) wird darauf hingewiesen, dass 2019 sowohl Turkish Stream als auch North Stream, zwei Pipelines, mit denen Europa unter Umgehung der Ukraine mit russischem Gas versorgt werden kann, fertiggestellt sein sollen. Von da ab, könnte die Ukraine die russischen Transitgebühren verlieren, die einen wichtigen Teil der Staatseinahmen ausmachten: „ „Consistently, I am amazed at analysts who produce pages of plans about how to reorient Ukraine’s geopolitical focus Westward and embed Ukraine in the security architecture of the Euro-Atlantic world, yet assume that Ukraine’s economic relationship with Russia will continue unabated. […] We have a clear deadline: 2019, when the new lines are expected to be finished and the current Ukraine-Russia gas transit contract expires. Now is the time to consider the policies that would be needed to secure and promote Western interests — and not to assume that Russia will keep footing the bill.“ (jw)
Schwarzes Meer: NATO-Präsenz
(4. Oktober 2017)Harlan Ullman, der von 2004 bis 2016 als Berater des NATO-Oberkommandierenden in Europa tätig war, fordert im Observer eine verstärkte NATO-Präsenz im Schwarzen Meer: „[T]he Black Sea region could become a petri dish of military experimentation that would cause Moscow serious concern by circumventing its current military strategy and force posture. This would also apply to the Black Sea. As Kaliningrad in the Baltic is seen as a formidable Russian armed fortress, Constanta, one of Romania’s Black Sea ports likewise could ultimately be turned into a military buzz saw vis a vis Russia. […] A strategic pivot to the Black Sea is a vital political priority. Let us implore NATO’s leadership to give this serious attention and act accordingly.” (jw)
Hardheim: Kaserne bezogen
(3. Oktober 2017)Auch der Mannheimer Morgen berichtet nun über den Einzug einer Stabs- und Führungsunterstützungskompanie des Kommandos Spezialkräfte in die eigentlich stillgelegte Kaserne in Hardheim (siehe IMI-Standpunkt 2017/30). Aus dem Artikel geht hervor, dass „[i]m Vorfeld“ bereits „ein Vorkommando in der Carl-Schurz-Kaserne“ war, „um die erforderlichen Vorbereitungen für die Unterbringung der neuen Soldaten zu treffen“.
Darüber hinaus wird kräftig die Werbetrommel für die Bundeswehr und den Standort gerührt: „Die Beibehaltung der Einrichtung als Liegenschaft des Bundes wird der Gemeinde Hardheim vermutlich Ausgaben in Millionenhöhe ersparen, die vor einer Vermarktung durch die notwendige Übernahme der Liegenschaft hätten aufgebracht werden müssen“, wird der Bürgermeister Volker Rohm zitiert. „Weiterhin werden zu den zunächst zugesagten 175 Dienstposten eine Vielzahl an zivilen Arbeitsplätzen für unsere Bewohner aus der näheren Umgebung und Hardheim selbst entstehen.“ Im IMI-Aktuell 2017/557 hieß es hingegen: „Kleine, internationale Stäbe von Spezialkräften dürften in der unmittelbaren Umgebung wenig sichtbar sein und verhindern in diesem Falle die Konversion/zivile Nutzung eines großen, ortsnahen Areals.“
IT-Rekrutierung Minderjähriger
(3. Oktober 2017)„Vom 9. Oktober bis zum 3. November 2017 werden an vier Standorten der Bundeswehr für insgesamt 120 IT-affine Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 16 Jahren mehrtägige IT-Camps durchgeführt“, so das Presse- und Informationszentrum Personal der Bundeswehr in seiner Mitteilung vom 29.9.2017. Ziel sei es, den Interessierten berufliche Möglichkeiten als IT-Feldwebel“ näherzubringen. Die tw. minderjährigen Teilnehmer_innen sollen „den täglichen Arbeitsplatz der IT-Spezialisten und ihre Tätigkeiten kennen[lernen]“ und sogar auf den Bundeswehrstützpunkten in Gerolstein, Dillingen, Storkow und Parow übernachten: „So sollen eventuelle Berührungsängste schnell weichen und zusätzlich Interesse am Dienst der begleitenden Soldatinnen und Soldaten geweckt werden“.
Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, der über die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention wachen soll, hat der Bundesregierung bereits mehrfach empfohlen, „das Mindestalter der Rekrutierung für die Streitkräfte auf 18 Jahre festzulegen und alle Formen von Werbekampagnen für die deutschen Streitkräfte, die auf Kinder abzielen, zu verbieten“, so Terre des Hommes in ihrem Hintergrundpapier „Minderjährige und Bundeswehr Fakten, Risiken, Hintergründe“.
Özdemir: Wertegeleiteter Realismus
(3. Oktober 2017)Es liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für den Posten des Außenministers. Schon vor der Wahl hat der Grüne Spitzenpolitiker und wahrscheinliche nächste Außenminister seine Ansprüche mit einem Grundsatzartikel in der wichtigsten Zeitschrift der außenpolitischen Eliten, der „Internationalen Politik“, untermauert. Unter dem Titel „Deutschland muss mehr Verantwortung in der Welt übernehmen“ widmete er sich darin auch in Teilen militärischen Aspekten und stellte (einmal mehr) unter Beweis, dass er und seine Partei hier absolut koalitionsfähig sind: „Um Soft Power ausüben zu können, müssen wir jedoch auch über Hard Power verfügen. Dass wir manchmal, im äußersten Notfall, auch militärische Mittel brauchen, haben uns Srebrenica, Kosovo und Afghanistan gelehrt. Diese Erkenntnis ist Grundlage eines wertegeleiteten Realismus. […] Ohne Frage brauchen wir in Deutschland eine starke und leistungsfähige Bundeswehr. Aber sie sollte ihre Stärke daraus ziehen, dass sie Teil einer funktionierenden Europäischen Verteidigungsunion ist.“ (jw)
Ulm: NATO-zertifiziert
(3. Oktober 2017)Regio TV berichtet, das Ulmer „Kommando Operative Führung“ stehe kurz davor, eine NATO-Zertifizierung zur Leitung von Einsätzen im Umfang von bis zu 60.000 Soldaten zu erhalten: „Bis zu 60000 Soldaten aus verschiedenen Ländern koordinieren – sowohl auf dem Land, zu Wasser wie auch in der Luft. Und das im Namen der Nato. Einen Auftrag dieser Größenordnung ausführen zu können, daran arbeitet Ulmer Multinationale Kommando Operative Führung derzeit arbeitet intensiv.“ (jw)
CIA-Gegenplädoyer
(2. Oktober 2017)Der CIA sollen wieder deutlich mehr Kompetenzen in der amerikanischen Kriegführung eingeräumt werden (siehe IMI-Aktuell 2017/575). Stephen Kinzer bezieht im Boston Globe klar Stellung dagegen: „Instead of running agents, it launches drone attacks. The CIA is becoming a war-fighting machine: no cloak, all dagger. […] Using the CIA to run wars is wrong. The larger mistake is believing that any amount of American firepower, directed by anyone, can stabilize the Muslim world or make the United States safer.” (jw)
Kabul: Fehlbeschuss
(29. September 2017)Während des unangekündigten Besuchs des NATO-Generalsekretärs Stoltenberg und des US-Verteidigungsministers Mattis in Afghanistan wurde offenbar aus einem Wohnhaus heraus der militärische Teil des Flughafens Kabul beschossen, wo die Maschine stand, mit der der hohe Besuch angereist war. Anschließend wurde das Gebäude umstellt und von einer Drohne beschossen, wie rp-online.de recht detailliert berichtet. „Zusätzlich zu den drei Angreifern seien mindestens ein Zivilist getötet und elf verletzt worden als eine Rakete in einem Privathaus einschlug“, so der Bericht. Tatsächlich hat die Zahl der getöteten womöglich noch höher gelegen, denn die NATO sprach später von einem tragischen Fehler, wie der Deutschlandfunk berichtet: „In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind durch einen US-Luftangriff mehrere Zivilisten getötet worden. In einer Stellungnahme nannte die Nato keine genauen Zahlen, sprach aber von einem tragischen Fehler. Eines der Geschosse habe eine Funktionsstörung gehabt. Ziel des Angriffs war den Angaben zufolge eine Gruppe von Extremisten.“
Friedensnobelpreis: Spekulationen
(29. September 2017)Michael Brzoska hat für das IFSH in einem kurzen Text die gegenwärtigen Spekulationen über mögliche Preisträger des Friedensnobelpreises zusammengefasst. Mit dabei sind Autokraten, der Papst und Organisationen wie die Afrikanische Union, ECOWAS und die Internationale Organisation für Migration (IOM). Die Afrikanische Union führt seit Jahren einen brutalen und von Europa finanzierten Stellvertreterkrieg in Somalia, wo Menschen zu Tausenden verhungern. Besonders irrsinnig wäre die Preisvergabe an die IOM angesichts ihrer Rolle bei Abschiebungen – u.a. nach Afghanistan – und bei der Unabhängigkeit des Südsudan, wo die IOM viele Tausend Menschen aus dem Norden in den Süden umsiedeln wollte, die nun zwischen den Fronten des dort herrschenden Bürgerkrieges gestrandet sind (siehe IMI-Aktuell 2017/526).
Haiterbach: BI macht Druck
(28. September 2017)Nach dem eindeutigen Votum in Haiterbach vom 24.9.2017 gegen das Absprunggelände (siehe IMI-Aktuell 2017/594) äußert sich die Bürgerinitiative, die den Bürgerentscheid gefordert hatte, folgendermaßen: „Sorgen muss sich die Haiterbacher Bevölkerung keine mehr machen. Mit diesem klaren Wahlergebnis ist das Übungsgelände de facto vom Tisch“. Die Bürger hingegen hätten klaren Sachverstand bewiesen und sich nicht einlullen lassen. Sie könnten stolz auf sich sein, dass sie trotz Einschüchterungsversuchen (z.B. der Beschädigung von Plakaten der Bürgerinitiative) standhaft geblieben seien. Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, widersprechen die Landesregierung und der Haiterbacher Bürgermeister Andreas Hölzlberger (CDU) dem jedoch: Ob das bisherige gemeinsame Standortvotum von Bund und Land den rechtlichen Anforderungen tatsächlich genüge, könne nur durch ein Genehmigungsverfahren beim Luftfahrtamt der Bundeswehr rechtssicher geklärt werden. Dieses könne nur durch den Bund durchgeführt werden. Der Bürgermeister, der dem Projekt eigentlich eher positiv gegenüber steht, sich nun aber an den Bürgerentscheid halten muss, hat den Eindruck, dass der Bund das Gelände nun früher beziehen wolle als bisher und die Verhandlungen mit großem Druck führe.
Die Bürgerinitiative warnt jedoch: „Falls ihr Votum keine politischen Auswirkungen in Land und Bund haben wird, ist die Bevölkerung in Haiterbach bereit zum zivilen Widerstand“ (Fragen der BI, S. 9).
Rheinmetall: Kampfwertsteigerung
(28. September 2017)Die Korken knallen bei der Rüstungsindustrie, das Handelsblatt schreibt: „Weltweit wächst derzeit die Nachfrage nach Waffen und Munition. In den nächsten fünf Jahren rechnet Rheinmetall durchschnittlich mit zweistelligen Wachstumsraten in der Rüstungssparte“. Anlass für diese Feststellung ist ein Beitrag über einen weiteren Auftrag an Rheinmetall: Für 118 Mio. Euro sollen 104 Leopard-Panzer umgerüstet, also eine „Kampfwertsteigerung“ durchgeführt werden. „Der Düsseldorfer Konzern hat erst in jüngster Zeit mehrere große Rüstungsaufträge von der Bundeswehr bekommen – unter anderem einen 900-Millionen-Euro-Auftrag für knapp 2300 Lastwagen und einen größeren Munitionsauftrag“, so das Handelsblatt weiter.
Parlamentsarmee?
(28. September 2017)Spiegel Online berichtet von Plänen der Bundesregierung, wegen der anstehenden und sich als schwierig abzeichnenden Koalitionsverhandlungen die bis Ende des Jahres auslaufenden Mandate der Bundeswehreinsätze in Mali, Afghanistan, Syrien und Irak ohne Beteiligung des Parlaments um zunächst drei Monate zu verlängern. Augengeradeaus.net erläutert die rechtlichen Hintergründe und warum die Bundesregierung sich damit wohl nicht wird durchsetzen können.
Ein Kommentar unter diesem Beitrag bringt die Sache ganz gut auf den Punkt: „Für ein vereinfachtes Verfahren besteht gar keine Notwendigkeit, es ist Zeit genug bis zum Jahresende. Warum die Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt diese Flanke aufmacht ist mir unverständlich“.
Marine: Rüstungsgigant
(28. September 2017)Eigentlich ist es der Plan Deutschlands, aus einer Position der Stärke heraus den EU-Rüstungsmarkt aufzurollen. Doch zumindest im maritimen Bereich formiert sich hier mit der Fusion zweier Großunternehmen aus Frankreich (STX) und Italien (Fincantieri) mächtige Konkurrenz: N-tv schreibt: „Thyssenkrupp erhält auf dem hart umkämpften Schiffbaumarkt aller Voraussicht nach eine starke Konkurrenz. Italien und Frankreich schicken sich an, einen Werftengiganten zu schmieden […]. Die STX-Werft ist das einzige Werk in Frankreich, das groß genug ist, um Flugzeugträger und andere Kriegsschiffe zu bauen. […] Seit mehr als einem Jahrzehnt wird immer wieder auch von Seiten der Politik über einen europäischen Werftenverbund diskutiert. Dabei hatte der Mischkonzern Thyssenkrupp allerdings auf seine Führungsrolle gepocht.“ (jw)
NATO zu Atomwaffen
(27. September 2017)Die Online-Tageszeitung Telepolis berichtet über die Stellungnahmen der NATO zum Vertrag über das Verbot von Atomwaffen, der am 7. Juli von 122 Staaten beschlossen wurde: „Der Vertrag würde, so das Statement des Nato-Rats, die Abrüstung gefährden und den Atomwaffensperrvertrag aushöhlen. Solange nicht alle Staaten, die im Besitz von Atomwaffen sind, ein Verbot befürworten, könne ein Atomwaffenverbot nicht wirksam werden und auch nicht die ‚internationale Sicherheit und Stabilität‘ stärken. Riskiert würde damit eher das Gegenteil, da so ‚Spaltungen und Divergenzen in einer Zeit geschaffen werden, in der ein vereintes Vorgehen gegen die Verbreitung und Sicherheitsbedrohungen mehr denn je erforderlich ist'“.
Laut Telepolis sei der Vertrag bislang „nicht viel mehr als ein symbolischer Akt“, u.a., da er erst von drei Staaten ratifiziert sei, was jedoch bei den meisten internationalen Verträgen einige Zeit braucht. Betrachtet man hier die Liste der Staaten, die den Vertrag explizit unterstützt haben, ergibt sich ein optimistischeres Bild. So befinden sich u.a. Saudi Arabien und Agypten darunter, die zwischenzeitlich auch mit möglicher nuklearer Aufrüstung kokettiert haben. Neben Saudi Arabien, Indonesien, Südafrika, Brasilien, Mexiko und Argentinien befinden sich übrigens keine weiteren Staaten der G20 unter den Unterstützern des Vertrags, der in New York unterzeichnet wurde, während die G20 (darunter neun Staaten mit nuklearwaffen oder nuklearer Teilhabe) sich in Hamburg trafen um die „Probleme der Menschheit“ zu besprechen.
Macrons Verteidigungsunion
(27. September 2017)Hinsichtlich der europapolitischen Grundsatzrede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron war in der deutschen Presse über deren militärische Aspekte wenig zu lesen. U.a. die BBC geht aber hierauf ausführlicher ein. Konkret hat Macron die Bildung einer EU-Truppe (mutmaßlich stehend und nicht wie bisher ad-hoc) vorgeschlagen. Sie soll bis 2020 einsatzbereit sein und damit eine „autonome Handlungskapazitäten“ („autonomous capacity for action“) – also Kriegsführungsfähigkeit unabhängig von den USA – liefern. (jw)
Neuer Tiger nach Mali
(27. September 2017)Seit dem Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers in Mali im vergangenen Juli (siehe
IMI-Standpunkt 2017/023) hat das Interesse der Medien zugenommen. Zwar nicht das Interesse an der Lage in Mali oder der Absturzursache, aber an allem anderen, was mit den dortigen Hubschraubern der Bundeswehr zu tun hat. So berichtete u.a. der Spiegel (online) am 22.9.2017, es habe sich dort „beinahe erneut ein schwerwiegender Unfall mit einem Helikopter der Bundeswehr“ ereignet: „Bei einem Testflug fiel vor anderthalb Wochen eines der Triebwerke eines NH90-Mehrzweckhubschraubers kurz nach dem Abheben komplett aus, die Besatzung konnte sich aber durch eine Notlandung unversehrt in Sicherheit bringen.“ Kurz darauf wurde berichtet, dass die Bundeswehr „den Flugbetrieb für die drei verbliebenen Kampfhubschrauber in dem westafrikanischen Land wieder frei[gab]“, so etwa die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine (HNA, online).
Nun kann man u.a. der Berliner Morgenpost entnehmen, dass die Bundeswehr „nach dem Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers mit zwei toten Soldaten in Mali eine weitere Maschine nach Westafrika schicken“ will. Der abgestürzte Helikopter solle „zeitnah ersetzt werden“ – gab das BMVg ziemlich genau zwei Monate nach dem Absturz bekannt.
Ukraine: Asiatische Peacekeeper?
(27. September 2017)Eine interessante Überlegung zum einem weiteren möglichen Kalkül hinter dem Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin, UN-Truppen in die Ukraine zu entsenden, stammt von Irvin Studin in Russia in Global Affairs (via Bpb-Newsletter). Nicht von ungefähr habe Putin seinen Vorschlag beim jüngsten BRICS-Gipfel unterbreitet, schließlich müssten die Truppen aller Wahrscheinlichkeit nach aus Asien stammen, da sich solche der NATO und ehemaliger Sowjetstaaten ausschlössen: „Which countries in Asia? Answer: Likely India. Perhaps Indonesia. Chinese participation is not to be excluded. What is critical is that both Moscow and Kiev see the peacekeepers as neutral and professional. In the case of India, in particular, there is conspicuous historical sympathy among both Russians and Ukrainians for the Indians, many of whom were educated in the engineering and science faculties of the former Soviet Union.“ (jw)
Haiterbach: Nein zum KSK
(26. September 2017)Am Sonntag wurde in Haiterbach nicht nur der neue Bundestag gewählt. Im Zuge der Wahl wurde in der Gemeinde auch ein Bürgerentscheid zur Frage, wie sich die Gemeinde bezüglich eines Übungsgelände für das KSK inklusive Flugplatz positioniert, durchgeführt (siehe IMI-Analyse 2017/38). Der Schwarzwälder Bote berichtete darüber. Bei einer hohen Wahlbeteiligung (70,6%) votierten 1.871 Bürger_innen (59,3%) gegen das KSK-Übungsgelände. Nur 1.195 Bürger_innen (37,9%) waren für die Militarisierung des örtlichen Flugplatzes. Nun darf der Gemeinderat für drei Jahre keine Entscheidungen mehr zugunsten des Absprunggeländes treffen. Auch rechtliche Mittel gegen das Übungsgelände müssen ausgeschöpft werden. Die militärische Nutzung des Flugplatzes könnte zwar trotzdem durch die Bundeswehr erzwungen werden, möglicherweise führt eine ablehnende Haltung der Gemeinde jedoch zu einem Umdenken.
Rüstungsindustrie: Optimistisch
(26. September 2017)Consulting.de, eine Seite für Unternehmensberatung weist auf eiene neue Studie von Roland Berger hin, bei der für den Aerospace & Defense Issues Radar 2017 rund 220 Unternehmensführer und Manager aus der internationalen Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie zu den Gewinnaussichten befragt wurden: „Über 90 Prozent der befragten Manager aus der Rüstungsindustrie geht davon aus, dass aufgrund der aktuellen politischen Lage die Ausgaben der Verteidigungspolitik steigen werden. Für 2018 und 2019 erwarten 36 Prozent ein Wachstum zwischen 2 und 5 Prozent.“ (jw)
Nukleare Einsatzschwelle
(26. September 2017)Dass Russland die nukleare Einsatzschwelle gesenkt habe, wird heute in NATO-Kreisen als ein wesentliches Argument angeführt, das eigene Arsenal zu „modernisieren“. Betrachtet man die diesbezüglichen Passagen der russischen Militärstrategie, ist diese Behauptung zumindest zweifelhaft (siehe IMI-Studie 2016/7). Auch Kristin Ven Bruusgaard kommt bei War on the Rocks (via Bpb-Newsletter) zu diesem Ergebnis: „In fact, Russia’s doctrinal statements indicate an increased rather than a decreased nuclear threshold. Second, the idea of lowering the nuclear threshold logically flows from a lack of conventional capabilities, while in fact Russia’s conventional capabilities are rapidly improving. Third, it is difficult to understand why Russia would want to pursue military adventurism that would risk all-out confrontation with a technologically advanced and nuclear-armed adversary like NATO. While opportunistic, and possibly even reckless, the Putin regime does not appear to be suicidal.“ (jw)
Militärlogistik Norddeutschland (II)
(25. September 2017)Die USA tauschen gegenwärtig ihre im Zuge der Operation Atlantic Resolve in Polen und anderen osteuropäischen Staaten stationierten Kräfte aus. Als Logistikdrehscheibe dient dabei wiederum (vgl. IMI-Aktuell 2016/734) Bremerhaven, wo auch wieder Proteste stattfanden (vgl. IMI-Aktuell 2017/548). Am gestrigen Sonntag (24.9.2017) hat nun nach Angaben des NDR „das erste von zwei US-Transportschiffen aus Fort Riley (Kansas) in Bremerhaven festgemacht und Materialnachschub gebracht.“ Die Lausitzer Rundschau beschreibt (online) den weiteren Weg durch Brandenburg und auch die Unterstützung durch die Bundeswehr: „Die Fracht besteht den Angaben der Bundeswehr zufolge aus insgesamt 760 Containern, militärischen Fahrzeugen und Panzern, die anschließend nach Polen und in andere osteuropäische Länder transportiert werden. ‚Ein Teil der Ausrüstung wird mit der Deutschen Bahn aus dem Bremerhavener Kaiserhafen nach Polen gebracht. Darüber hinaus unterstützen zivile Speditionsunternehmen bei dem Transport des restlichen Materials zum Übungsplatz Bergen-Hohne bei Munster, wo dieses Gerät auf Züge verladen und dann ebenfalls nach Polen transportiert wird‘, teilt die Bundeswehr weiter mit. Die Streitkräftebasis der Bundeswehr stellt Lagerkapazität, Betriebsstoffe, Unterkünfte und Verpflegung sowie Instandsetzungsleistungen, Transport und Umschlag bereit“.
FDP: Militärpolitik
(25. September 2017)Da die Zeichen nach der Bundestagswahl auf Jamika stehen, lohnt ein kurzer Blick auf die sicherheitspolitischen Kernforderungen der FDP. Dazu wird aufgeführt, eine „Klare Haltung gegenüber Russland“ und ein „Bekenntnis zur NATO“, mitsamt einer „Stärkeren deutschen Beteiligung an NATO-Einsätzen“. Und weiter u.a. „Europa und die USA – Die westliche Wertegemeinschaft stärken“ sowie die „Schaffung einer Europäischen Verteidigungsunion“. (jw)
Syrien: Bulgarische Waffen
(25. September 2017)Vor einigen Tagen wurde ausführlich über das Pentagon-Programm zur Aufrüstung syrischer Rebellen mit osteuropäischen Waffen berichtet (siehe IMI-Standpunkt 2017/029). Detailliert mit der bulgarischen Rolle beschäftigte sich nun die MDR-Sendung „Heute im Osten“: „Bulgariens Rüstungsindustrie boomt, weil die USA seit Jahren für hunderte Millionen Dollar Waffen im Land kaufen, um sie nach Syrien oder in den Irak transportieren zu lassen. […]Im Juli Juli 2017 veröffentlichte die bulgarische Journalistin Dilyana Gaytandschieva in der Tageszeitung ‚Trud‘ Dokumente der aserbaidschanischen Botschaft in Sofia, die ihr kurz zuvor von ‚Anonymous Bulgaria‘ zugespielt worden waren. Diese scheinen zu belegen, dass die staatliche aserbaidschanische Fluggesellschaft Silk Way Airlines in den vergangenen drei Jahren rund 350 Flüge zum Transport von Waffen und Munition aus Osteuropa überwiegend in den Nahen Osten durchgeführt hat. Um tausende Tonnen Waffen und Munition unbehelligt von lästigen Kontrollen umschlagen zu können, soll Silk Way Airlines die Flüge unter diplomatischem Status durchgeführt haben.“ (jw)
Schleswig-Holstein: Ausbau
(25. September 2017)Die SHZ berichtet über den Ausbau zahlreicher Bndeswehr-Standorte in Schleswig-Holstein. Insgesamt sollen 500 Mio. Euro investiert werden. Konkret aufgeführt werden Kiel (126 Mio.), Eckernförde (130 Mio.), Flensburg (42 Mio.), Plön (19 Mio.) Boostedt (5 Mio.), Husum (13 Mio.), Jagel (63 Mio.), Schleswig (18 Mio.), Kropp (29 Mio.), Appen (19 Mio.), Stadum (18 Mio.). (jw)
Atomare Erstschlagspläne
(24. September 2017)Russia Today weist auf eine Studie der Nuklearexperten Theodore Postol, Hans Kristensen und Matthew McKinzie, in der die drei Wissenschaftler davor warnen, die aktuelle „Modernisierung“ des US-Arsenals mache nur im Zusammenhang mit atomaren Erstschlagsplänen Sinn (siehe dazu auch IMI-Studie 2016/7): „In Wirklichkeit geht es aber darum, durch die Einführung revolutionärer neuer Technologien die Zielerfassung und Treffsicherheit der ballistischen Raketen der USA gewaltig zu verbessern. Durch diese erstaunlichen Verbesserungen wird das Vernichtungspotenzial der vorhandenen US-Atomwaffen fast verdreifacht: Solche Vorbereitungen trifft ein Atomwaffenstaat nur, wenn er vorhat, einen Atomkrieg zu führen und zu gewinnen, indem er seine Feinde durch einen überraschenden atomaren Erstschlag entwaffnet.“ (jw)
Reservisten: Rückwärtsgewandt
(23. September 2017)In der Südwestpresse erschien ein Beitrag des CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter, in dem er zu den Gründen für seinen Rücktritt als Vorsitzender des Reservistenverbandes zitiert wurde: „In der Flüchtlingskrise hat sich der Verband aus meiner Sicht von der Mitte der Gesellschaft wegbewegt“, so Kiesewetter. „Ich wollte nicht das moderne, freundliche Gesicht eines rückwärtsgewandten Verbands sein“. (jw)
Ukraine: Reformkoalition
(23. September 2017)Auch bei Sirius, einem neuen deutschen militärpolitischen Magazin, wird die Unzufriedenheit mit der ukrainischen Führung betont (siehe IMI-Aktuell 2017/573). Den Ton gibt u.a. Andreas Umland vor: „Die sog. Europäisierung der Ukraine – d. h. ihre schrittweise Übernahme von EU-Standards im Rahmen des Assoziierungsprozesses – ist heute keine Ja-oder-Nein-Frage mehr, sondern eine Sache des Wie und Wann. Zwar verteidigt die alte patronalistische Führungsschicht um Präsident Poroschenko nach wie vor ihr kleptokratisches System der Selbstbereicherung, zentralisierten Kontrolle und informellen Tauschmechanismen, das nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991 entstand. Doch als Folge der Revolution der Würde von 2013–2014 sehen sich die berüchtigten Oligarchen und ihre Handlanger in Parlament und Regierung heute einer breiten Reformkoalition gegenüber, die an Einfluss gewinnt.“ So richtig es ist, die kleptokratische ukrainische Elite zu kritisieren, das Assoziationsabkommen hier als Leuchtstern dagegenzusetzen, ist nachgerade absurd (siehe ausführlich dazu IMI-Studie 2015/6). Geradezu satirisch mutet dann noch die Beschreibung von Umlands „Reformkoalition“ an, zu ihr zählt er unter anderem „zahlreiche hochmotivierte Berater und Emissäre aus der EU und Nordamerika in Kiew“. (jw)
Schule & Bundeswehr
(22. September 2017)Im vom DGB herausgegebenen Beamtenmagazin wird erfreulich deutlich zur Frage der Bundeswehr-Präsenz an Schulen Stellung bezogen: „Es ist höchst bedenklich, dass die Streitkräfte im Rahmen der politischen Bildung in Schule Einfluss auf junge Menschen nehmen können und gleichzeitig noch eine Exklusivstunde „Berufsorientierung“ bekommen. In Zeiten großer Nachwuchsprobleme ist eine solche Stunde für den Arbeitgeber Bundeswehr äußerst attraktiv. Denn über Karrierewege oder ein Studium bei der Bundeswehr kann ebenfalls gesprochen werden. Der DGB kritisiert den Einsatz der Jugendoffiziere an Schulen massiv. Die GEW fordert darüber hinaus die Aufhebung der Kooperationsverträge.“ (jw)
Syrien: Kollisionsgefahr
(22. September 2017)Die Gefahr russisch-amerikanische Zusammenstöße in Syrien ist weiter groß. Antiwar berichtet, russische Truppen seien in den vergangenen Tagen zweimal von US-unterstützten Rebellen unter Feuer genommen worden. Russland habe nun gewarnt, es werde mit Gewalt auf US-Truppen reagieren, wenn es „provoziert“ werde. (jw)
ANSF: Teuer
(22. September 2017)Der Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) hat laut dem neuesten Bericht des „Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction“ (SIGAR) 60 Prozent oder 74 Mrd. Dollar (inkl. 2017) aller für Afghanistan vorgesehenen US-Ausgaben verschlungen: „Since 2002, the ANDSF has been raised, trained, equipped, and deployed to secure Afghanistan from internal and external threats, as well as to prevent the reestablishment of terrorist safe havens. To achieve this, the United States devoted over $70 billion (60 percent) of its Afghanistan reconstruction funds to building the ANDSF through 2016, and continues to commit over $4 billion per year to that effort.“ (jw)
Türkei vs. PKK: Drohnenkrieg
(22. September 2017)Seit September 2016 haben türkische Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben 2000 Anhänger der PKK getötet, 600, also 30%, davon mit Drohnen. Das berichtet Al-Monitor. Eingesetzt wird die in der Türkei produzierte Drohne Bayraktar TB2. Die Türkei stieg in die Entwicklung eigener Drohnen ein, nachdem es unwahrscheinlicher wurde, dass die Anfrage nach US-Drohnen Erfolg haben würde. Bis 2021 möchte die Türkei über 120 bewaffnungsfähige Drohnen verfügen. Das Drohnenprogramm der Türkei wird ist bislang keiner Kontrolle unterworfen und es besteht auch keine Aussicht darauf, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird. Denn wenn kritische Fragen zu dem Thema gestellt werden, würde man des Verrats oder der Unterstützung der PKK bezichtigt, so heißt es in dem Artikel.
Auch die PKK benutzt inzwischen handelsübliche Drohnen und bewaffnet diese mit improvisierten Sprengsätzen und interessiert sich zunehmend für bewaffnungsfähige Drohnen.
Der Autor Metin Gurcan fasst die Situation wie folgt zusammen:
„[T]he increasing use by both Ankara and the PKK of armed drones indicates that we are now facing a new dimension in the Turkey-PKK conflict. There is as yet no extensive debate and reporting on this new dimension because the combat zone is far away, in remote rural areas of the country. If what has been so far an essentially rural-area combat is transferred to cities, there will be more civilian casualties. In short, if the drone-centric dynamic of the conflict combines with dynamics of urbanization of the conflict, the human cost of the Turkey-PKK conflict will be much higher. One can only hope that both Ankara and the PKK are aware of the ramifications.”
DLR: Kooperationsvertrag
(21. September 2017)Das deutsche Zentrum Luft- und Raumfahrt (DLR) hat einen Kooperationsvertrag mit dem Luftfahrtamt der Bundeswehr unterzeichnet, wie die Flugrevue berichtet. „Das Abkommen umfasst auch die Möglichkeit, Personal zwischen dem Luftfahrtamt der Bundeswehr und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auszutauschen“, so der Bericht, außerdem solle die Integration von unbemannten Flugkörpern, Drohnen, in den Luftraum im Mittelpunkt stehen. Das DLR ist u.a. im Auftrag der deutschen Regierung und der EU an zahlreichen Forschungsprojekten zu Drohnen, tw. federführend, beteiligt (siehe IMI-Studie 2013/11), das Luftfahrtamt der Bundeswehr ist für deren Zulassung zuständig. Wie praktisch…
Syrien: Bahn frei für China
(21. September 2017)Die Morgenpost berichtet, eine Gruppe von 18 Staaten habe das Ziel bekräftigt, den syrischen Machthaber Baschar-al-Assad stürzen und sich bis dahin nicht am Wiederaufbau des Landes beteiligen wollen (für dessen Zerstörung sie maßgeblich mitverantwortlich sind): „Die USA, Großbritannien sowie andere westliche und arabische Staaten wollen einen Wiederaufbau Syriens nicht unterstützen, solange Präsident Baschar al-Assad an der Macht ist. Voraussetzung sei ein politischer Wandel ‚weg von Assad‘“, sagte der britische Außenminister Boris Johnson am Montag in New York.“ Dies ist insofern zynisch, da Berichten zufolge China (und andere BRICS-Staaten) für genau diesen Fall schon länger bereitstehen sollen, um ihre Position im Mittleren Osten ausbauen zu können (siehe IMI-Aktuell 2017/073)
Libyen: Lager
(21. September 2017)Wiederholt wurden die Zustände in libyschen Flüchtlingslagern scharf kritisiert, auch die taz greift das Thema auf: „Weit über 10.000 Menschen hat die von der EU ausgebildete und unterstützte libysche Küstenwache in den letzten Monaten im Mittelmeer aufgegriffen und nach Libyen zurückgebracht. […] Berichte, nach denen es dort ‚regelmäßig zu äußerst schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen‘ gekommen sei, nennt das Auswärtige Amt glaubhaft. ‚Rechtsschutzmöglichkeiten fehlen‘, die Lager seien von ’starker Überfüllung, mangelhaften sanitären Verhältnissen, Nahrungs- und Arzneimittelengpässen‘ gekennzeichnet.“ (jw)
Tag der Bundeswehr 2018
(20. September 2017)Das Verteidigungsministerium fordert uns auf, sich den Tag der Bundeswehr 2018 vorzumerken. Er findet nächstes Jahr am 9. Juni statt und nun wurde auch die Liste jener Orte veröffentlicht, an denen Kasernen ihre Tore öffnen, auch um „das Potenzial des Arbeitgebers Bundeswehr [zu] zeigen“: „‚Willkommen Neugier‘ heißt das Motto von Flensburg im Norden bis Murnau im Süden, von Bonn im Westen bis Dresden im Osten Deutschlands – an diesen Orten präsentiert sich die Bundeswehr mit ihren Fähigkeiten, Facetten und ihrem Fachpersonal. Auch in Rostock, Appen und in Hamburg, in Oldenburg, Meppen und Wunstorf, in Holzdorf, Erfurt, in Baumholder und Mannheim, sowie in Ingolstadt und Feldkirchen beginnen die Vorbereitungen für den Tag der Bundeswehr“. In Bonn und Erfurt will sich die Bundeswehr dabei auch außerhalb der Kasernen im öffentlichen Raum feiern.
BUND zu Nordkorea
(20. September 2017)Der Regionalverband Südlicher Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert einen „blinde[n] Fleck der Wahrnehmung“ auf den Nordkoreakonflikt. Dieser nehme eine Dimension an, „die nicht nur Millionen Opfer fordern kann, sondern den Weltfrieden gefährdet“. Der blinde Fleck bestehe in der Rolle von Atomkraftwerken für die nukleare Aufrüstung von Staaten. „Weltweit“ bestehe die „Gefahr, dass immer mehr Länder, Diktaturen und Despoten über den Umweg der so genannten ‚friedlichen Nutzung der Atomenergie‘ in den Besitz von Atomwaffen kommen“, so die Meldung. Weiter heißt es: „Heute stellen wir öffentlich die Frage, warum sonnenreiche Länder (in politischen Spannungsgebieten) wie die Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate Atomkraftwerke bauen wollen, obwohl mit Photovoltaik und Windkraft doch zwischenzeitlich viel kostengünstiger Strom erzeugt werden kann… Kleine und kleinste ‚umweltfreundliche & grüne‘ Thorium-Atomkraftwerke sollen zukünftig überall auf der Welt gebaut werden und die Forschung wird mit EU-Geldern gefördert. Aus den alten, großen Druck- und Siedewasser-Reaktor würden unzählige Klein- und Kleinstreaktoren in allen Ländern der Welt. In jedem dieser Mini-Reaktoren entsteht die Radioakivität vieler Hiroshima-Bomben. Für die heutigen und zukünftigen Diktatoren der Welt brächte schon die Möglichkeit, ’schmutzige Bomben‘ zu bauen einen ’nordkoreanischen Machtzuwachs'“.
CIA-Drohnenangriffe
(20. September 2017)Nach Meldungen, die USA beabsichtigten, die CIA erneut mit der Befugnis auszustatten, in Afghanistan Drohnenangriffe durchzuführen (siehe IMI-Aktuell 2017/569), berichtet NBC News (via Bpb-Newsletter) nun, der US-Geheimdienst solle auch in allen anderen Ländern, wo dies für opportun erachtet wird, in dieser Hinsicht aktiv werden dürfen. Dies ist insofern hochrelevant, als die CIA deutlich niedrigere Hürden zur Vermeidung von Zivilopfern überspringen muss als das Militär: „The White House also is drafting a new written policy on counterterrorist operations outside of war zones that would supercede the so-called drone playbook that the Obama administration had hoped would govern the decisions of future presidents, several officials said. The drone playbook, known as the Presidential Policy Guidance, or PPG, includes a provision that no strike should go forward unless analysts determine that there is a near-certainty that no civilians will be harmed. And it includes a provision forbidding the addition of new detainees to the U.S. prison in Guantanamo Bay, Cuba. The Trump administration is contemplating removing both of those restrictions, officials involved in the planning told NBC News. These developments concern human rights activists, who argue that the CIA is less accountable than the military.“ (jw)
US-Militärhaushalt: 700 Mrd.
(19. September 2017)Der US-Senat hat es jetzt geschafft, die ohnehin üppigen Steigerungen im Antrag der Trump-Regierung für den nächsten Rüstungshaushalt noch zu toppen. Die Regierung hatte 668 Mrd. beantragt, der Senat hat nun für 700 Mrd. Dollar gestimmt. Das Handelsblatt schreibt: „Mit dem Gesetz bekommt das Pentagon im neuen Haushaltsjahr ab dem 1. Oktober 640 Milliarden Dollar für den Basisbetrieb des Militärs und weitere 60 Milliarden für Kriegsmissionen unter anderem in Afghanistan, Irak und Syrien.“ (jw)
Ukraine: Deutsch-amerikanische Achse?
(19. September 2017)Augenscheinlich mehr sich in Deutschland der Unmut über die ukrainische Führungsschicht, die mit so viel Mühe an die Macht geputscht wurde und sich nun scheinbar nicht mehr ganz an die Vorgaben zu halten scheint. Vor allem die Umsetzung des europäisch-ukrainischen Assoziationsabkommens scheint zu stocken, mit dem die Ukraine in die westliche Einflusszone integriert werden soll. Das alles läuft unter dem – sicher nicht falschen – Vorwurf, die Eliten wollten ihre Pfründe sichern, dürfte aber im Kern strategische Hintergründe haben. Dabei könnte sich nach zwischenzeitlich schweren Konflikten, wessen Potentat in der Ukraine das Sagen haben wird, nun eine Einigung zwischen Washington und Berlin auf eine neue Achse Saakaschwili-Timoschenko abzeichnen – beides ironischerweise Personen, die ihrerseits schwerster Korruption verdächtigt sind. Im Globalist heißt es: „From sources in Berlin, I am hearing that the German government is beyond being frustrated not only by the complete failure to address corruption of the past, let alone to slow the rampant expansion of corruption of the last few years. Germany has been a key supporter of the Kiev regime, but that support can no longer be taken for granted. […] Perhaps not so coincidentally, before embarking on his current cross country pied piper tour, Saakashvili spent a few months in the United States and then in Germany. Yulia Tymoshenko, the former Prime Minister of Ukraine (and erstwhile Presidential candidate) as well as other formerly pro-Porky-regime-now-anti-Porky [gemeint ist Präsident Poroschenko] regime leaders have also been on the Berlin-D.C. shuttle. It is highly unlikely that these developments are happening without at least a wink and a nod from Washington and Berlin.” (jw)
Myanmar: Geopolitische Bauern
(19. September 2017)The National (via Bpb-Newsletter) beschreibt die interessenspolitischen Hintergründe, weshalb der Westen sich trotz der massiven Menschenrechtsverletzungen in Myanmar in diesem Fall mit Kritik doch sehr zurückhält: „A few years ago it seemed that Myanmar – the poorest country in Southeast Asia – was destined to become an economic colony of China, which was interested in its minerals and timber and its location as a land route giving access to the Indian Ocean, bypassing the maritime bottleneck of the Strait of Malacca. For the military, falling into the clutches of China was a damaging prospect. The generals decided to deploy Ms Suu Kyi and announce a free election, which had the miraculous effect of bringing western support including a visit by President Barack Obama. India no less than China has an interest in the future of Myanmar. For India and the West, Ms Suu Kyi is key to balancing Chinese influence. To condemn her might drive her into the arms of China. […] For India and the West, Ms Suu Kyi is key to balancing Chinese influence. To condemn her might drive her into the arms of China. […] Brutally put, the fate of the Rohingya is a compromise that Ms Suu Kyi must make to stay in power. Pawns in a big power game, no one apart from the UN seems to care about them.“ (jw)
Eurofighter: Katar interessiert
(19. September 2017)N-tv berichtet über das Interesse Katars an einer Großbestellung von Eurofightern von Großbritannien: „Das Emirat Katar und die Regierung Großbritanniens haben sich auf den Verkauf von 24 Kampfjets vom Typ Eurofighter „Typhoon“ geeinigt. Bei dem geplanten Großauftrag für die europäische Rüstungsindustrie handelt es sich um eine Bestellung im Volumen von mehreren Milliarden Dollar. Finanzielle Details der Vereinbarung wurden nicht bekanntgegeben.“ (jw)
Reservistenverband: Terrorzelle?
(18. September 2017)Die taz berichtete am 15.9.2017, dass fünf der sechs Personen aus Mecklenburg Vorpommern, die in Zusammenhang mit Franco A. wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdende Straftat auffällig wurden, „in der Reservistenkameradschaft beim Fliegerhorst Laage organisiert“ seien. Bei ihnen wurden demnach „Ordner mit Namen, Adressen und Lichtbildern“ gefunden: „Darin verzeichnet: Rund 5.000 Personen, darunter rund 100 Politiker. Es sind Personen aus dem linken Spektrum, Flüchtlingsverbände, Unterstützer eines linken Wohnprojekts“.
Die Märkische Allgemeine berichtet noch ausführlicher über die Gruppe „Nordkreuz“: „Alle ‚Nordkreuz‘-Mitglieder vereint die Leidenschaft zum Schießen. Als Jäger oder Sportschützen sind die meisten von ihnen legal im Besitz von Waffen. Zusammen gehen sie zu Schießübungen nach Güstrow oder auf die Polizeischießbahn nach Plate bei Schwerin… Fünf von sechs ‚Nordkreuz‘-Mitgliedern, die im Visier der Bundesanwaltschaft stehen, sind Mitglied im Reservistenverband der Bundeswehr, und zwar im Kreisverband des Fliegerhorsts Laage. In höchsten Sicherheitskreisen heißt es: ‚Am Ende laufen bei ,Nordkreuz‘ alle Fäden bei der Bundeswehr oder im Reservistenverband zusammen.‘
Afghanistan: CIA-Drohnen
(18. September 2017)Newsweek (via Bpb-Newsletter) berichtet über Pläne der US-Regierung, die CIA mit der Befugnis auszustatten, in Afghanistan Drohnenangriffe durchführen zu dürfen (bislang „darf“ sie das „nur“ in Pakistan). Dies habe den „Vorteil“, dass die Angriffe und etwaige Zivilopfer nicht dokumentiert werden müssten: „The CIA is pushing for approval to conduct lethal drone strikes in Afghanistan for the first time, an idea that some in the Pentagon reportedly worry could place U.S. troops in danger. […] The Pentagon publicly acknowledges the drone strikes it conducts, which includes information on civilian casualties, but the CIA is not required to do so.” (jw)
Afghanistan: NATO-Truppen?
(18. September 2017)Schon bevor die USA entschieden hatten, ihr Kontingent in Afghanistan aufzustocken, einigten sich die Mitglieder bei der Tagung in Brüssel im Mai 2017 darauf, insgesamt mehr Soldaten zu entsenden (IMI-Analyse 2017/28). Über die konkrete Zahl – bzw. vor allem wer, mehr Truppen schicken soll – scheint es allerdings bislang zu keiner Einigung gekommen zu sein, wie aus einer Meldung bei Zeit Online hervorgeht: „Die Nato hat eine Entscheidung über die von den USA geforderte Truppenaufstockung in Afghanistan auf den kommenden Monat verschoben.“ (jw)
Irma: A400M-Panne
(15. September 2017)Wie berichtet, nahm die Bundeswehr selbst den Tropensturm Irma zum Anlass, zu zeigen, was sie kann (siehe IMI-Aktuell 2017/563). Nun berichtet Spiegel (online), dass der Militärtransporter A400M, der Touristen aus St. Martin abholen sollte, bereits auf den Azoren liegenblieb. Daraufhin wurde ein zweiter A400M geschickt, der Techniker auf den Azoren absetzte und anschließend „69 gestrandete Urlauber aus Deutschland, Holland, Frankreich, und einigen anderen EU-Ländern“ nach Guadeloupe ausflog. „Die Transportflieger der Luftwaffe halten sich nun weiter in der Region in Bereitschaft, vor allem die Karibikinsel Saint-Martin wird wohl noch weiter Hilfe aus der Luft brauchen“, so der Spiegel
Syrien: Russischer Einsatz
(15. September 2017)Der keineswegs Assad-freundliche französische Militärhistoriker Michel Goya kommt zu dem Ergebnis, dass der russische Einsatz in Syrien – gemessen an den jeweils ausgegebenen Zielen – weitaus effizienter als das westliche Engagement ist. Auf Telepolis wird die in Le Monde erschienene Analyse folgendermaßen zusammengefasst: „Sein aktuelles Resümée dürfte westlichen Militärs nicht gefallen. Russland habe seine Ziele mit dem Einsatz von vergleichsweise beschränkten Mitteln erreicht, stellt er fest. Nach seiner Analyse hatte Russland etwa 4.000 bis 5.000 Truppen und 50 bis 70 Flugzeuge als hauptsächliche Streitmacht im Einsatz. Die Kosten von etwa 3 Millionen Euro pro Tag würden geschätzt etwa ein Viertel oder ein Fünftel dessen betragen, was die US-amerikanischen Bemühungen in der Region benötigen. […] Anders als sonst üblich stellt Goya eine Rechnung auf, die den Einsatz der westlichen Verbündeten schlechter aussehen lässt. Goya behauptet, dass der russische Militäreinsatz mehr und mehr und mit zunehmendem Erfolg darauf geachtet habe, Zivilisten zu schonen.“ (jw)
Nordkorea: Kostspielig
(14. September 2017)Um in der Denkweise des US-Präsidenten Donald Trump zu bleiben, ein Krieg gegen Nordkorea, wie er derzeit zumindest nicht völlig ausgeschlossen erscheint, wäre ökonomisch ein schlechter „Deal“. Der National Interest (via Bpb-Newsletter) schreibt zu den Kosten eines möglichen Krieges: „Energy markets could be hit, particularly oil, given that around 65 percent of Asia’s refining capacity is located in Japan, South Korea and China. Oil and gas markets would also be affected, according to consultancy Wood Mackenzie. […] Global shipping may also be severely disrupted, since nine of the world’s ten busiest container ports, including South Korea’s Busan, are in Asia. China alone accounts for 13 percent of global exports and is the biggest single supplier to the United States. […] While speculation continues over the potential endgame for North Korea, unleashing ‚fire and fury‘ as threatened by President Donald Trump would come at a very high cost in both human and financial terms. With America still paying the price of the ‚war against terror‘ in Afghanistan and Iraq, another major conflict would tax the world’s biggest superpower to its very limit.“ (jw)
EU-Militarisierung: Mehrheitsentscheid?
(14. September 2017)Ein weiterer Aspekt in der „Rede zur Lage der Union“ von Jean-Claude Juncker scheint erwähnenswert – die Forderung nach Mehrheitsentscheidungen im Außenpolitikbereich. Dort gilt bislang das Konsensprinzip, das offensichtlich geschleift werden soll. Für den Militärbereich wird derzeit bereits versucht, dies mit dem sog. PESCO-Mechanismus zu erreichen. Nun dehnt Juncker diese Ambitionen auf den gesamten Außenbereich aus: „Die Europäische Union muss sich auch um mehr Gewicht auf der Weltbühne bemühen. Um mehr Gewicht zu erlangen, muss sie außenpolitische Beschlüsse schneller fassen können. Deshalb bitte ich die Mitgliedstaaten zu prüfen, welche außenpolitischen Beschlüsse nicht mehr einstimmig, sondern mit qualifizierter Mehrheit gefasst werden könnten.“ (jw)
Bundeswehr und Irma
(14. September 2017)Dem Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick wird das Zitat zugeschrieben: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel“. Und offenbar scheint die Bundeswehr gegenwärtig das bevorzugte Instrument der Außenpolitik und der Katastrophenhilfe zu sein.
So kommt die Bundeswehr nun auch infolge des Hurrikans „Irma“ zum Einsatz. Die FAZ berichtete (online) bereits am 11.9.2017, dass das Auswärtige Amt ein Krisenunterstützungsteam nach Florida entsandt habe zu dem neben zehn Angehörigen des Technischen Hilfswerks auch Angehörige der Bundeswehr gehörten.außerdem habe sich ein Militärtransporter A400M „mit Hilfsgütern an Bord auf den Weg in die Krisenregion gemacht.“ Der Spiegel (online) war ausführlicher: der A400M sei unterwegs nach Curaçao und solle auf dem Rückweg Urlauber*innen aus St. Martin abholen. Außerdem solle „ein Airbus 310 der Luftwaffe, der ohnehin schon in den USA war, bei Rettungs- und Evakuierungsflügen eingesetzt werden.“ Das Krisenunterstützungsteam sei von einem „Luftwaffen-Jet vom Typ A340“ nach Florida gebracht worden.
Wo immer etwas passiert, scheint also auch die Bundeswehr aufzutauchen. Oft ist sie auch bereits vor Ort, so auch in Florida. Dies konnte man zumindest der Bild (online) entnehmen, die berichtete, dass auch die MacDill Airforce Base bei Tampa, in der das US-Zentralkommando (CENTCOM) und das Kommando für Spezialoperationen (SOCOM) untergebracht seien, teilweise evakuiert werde: „Auch die Bundeswehr bringt ihre Soldaten vor Irma in Sicherheit. 22 Bundeswehrsoldaten seien derzeit bei CENTCOM eingesetzt, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber BILD… Der Leiter des deutschen Verbindungskommandos habe bereits am Freitag alle deutschen Bundeswehrangehörigen aus dem aktuellen Dienstbetrieb herausgenommen“.
Syrien: Waffen über Ramstein
(13. September 2017)Inzwischen sind weitere Details zu den US-Waffenlieferungen aus Osteuropa nach Syrien bekannt geworden (siehe IMI-Aktuell 2017/561). Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurden Teile davon über die in Deutschland liegende US-Basis Ramstein geliefert: „Die US-Regierung hat offenbar Waffen über den Militärstützpunkt Ramstein an syrische Rebellen liefern lassen. Eine Genehmigung hatte sie dafür nach Angaben der Bundesregierung nicht.“ (jw)
EU-Militarisierung: Segel setzen!
(13. September 2017)Vor einem Jahr drehte sich die „Rede zur Lage der Europäischen Union“ von Kommissionschef Jean-Claude Juncker noch primär darum, Maßnahmen zur Militarisierung der EU anzuschieben (siehe IMI-Analyse 2016/34). In seiner diesjährigen Rede ist dieser Themenbereich kaum vorhanden, augenscheinlich ist man einstweilen zufrieden, mehrere weitreichende Initiativen – insb. Hauptquartier, Rüstungshaushalt und Ständige Strukturierte Zusammenarbeit – auf die Schiene gesetzt zu haben und will sich nun auf deren Implementierung konzentrieren. Insofern passt für den Militärbereich auch seine Schlussbemerkung „Segel setzen, und jetzt den günstigen Wind nutzen.“ Konkret ist nur folgende Passage in der Rede zu finden: „Im Verteidigungsbereich sind weitere Anstrengungen vonnöten. Die Schaffung eines europäischen Verteidigungsfonds steht auf der Tagesordnung; die Permanente Strukturierte Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich ist auf gutem Weg. Bis 2025 brauchen wir eine funktionierende Europäische Verteidigungsunion.“ (jw)
Syrien: US-Waffenkanäle
(13. September 2017)Eine Untersuchung des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) und des Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) hat neue Kanäle für US-Waffenlieferungen nach Syrien aufgedeckt. Demzufolge soll nach dem Scheitern des weithin bekannten Pentagon Aufrüstungsprogramms für syrische Rebellen, die entweder aufgerieben wurden oder zum Gegner überliefen, im Herbst 2015 ein neues Programm aufgelegt worden sein. Dabei sollen massenweise Waffen aus osteuropäischen Ländern aufgekauft über die Türkei, Jordanien und Kuwait nach Syrien geschleust werden: „Arms factories across the Balkans and Eastern Europe – already working at capacity to supply the Syrian war – are unable to meet the demand. In response, the US Department of Defense (DoD) has turned to new suppliers like Kazakhstan, Georgia, and Ukraine for additional munitions […]. The Pentagon is buying the arms through two channels: the Special Operations Command (SOCOM), which oversees special operations across all services of the US military, and the Picatinny Arsenal, a little-known US Army weapons facility in New Jersey. The munitions are being transported by both sea and air from Europe to Turkey, Jordan and Kuwait. […] More than $900 million has been contracted to be spent by 2022, and nearly $600 million more has been budgeted or requested by the Trump administration. This brings the grand total of the Pentagon’s intended spending on its Syrian allies to $2.2 billion.” (jw)
Neue Korvetten
(13. September 2017)Nachdem es zwischenzeitlich zu Verzögerungen kam, scheint nun der Ankauf neuer Korvetten eingetütet zu sein, berichtet n-tv: „Die Bundeswehr hat nach einigen Verzögerungen den Bau fünf weiterer Korvetten des Typs K130 in Auftrag gegeben. Der Vertrag mit einem Konsortium sei unterzeichnet, teilte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit. […] Insgesamt kommt der Vertrag auf ein Auftragsvolumen von knapp zwei Milliarden Euro.“ (jw)
Türkei: Russisches Equipment
(13. September 2017)Die FAZ (via Bpb-Newsletter) berichtet über den türkischen Kauf des russischen Abwehrsystems S-400, der schon länger in der Diskussion war. „Die Türkei hat sich mit Russland auf den Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400 geeinigt. Es ist der bislang größte jemals geschlossene Rüstungsdeal des Nato-Mitglieds mit Moskau. […] Die Vereinigten Staaten hatten die Pläne des Nato-Partners zuvor kritisiert. Das Pentagon warnte, womöglich gebe es bei der Verwendung russischer Technologie Schwierigkeiten bei der militärischen Zusammenarbeit innerhalb der westlichen Allianz.“ (jw)
BW-Unis: Fakenews (II)
(12. September 2017)Die taz berichtet, dass die offenbar von den Bundeswehr-Universitäten ausgehende und rechts motivierte Änderungen von Wikipedia-Einträgen (siehe IMI-Aktuell 2017/514) offenbar folgenlos bleiben und nicht weiter untersucht werden: „Das Verteidigungsministerium verweist darauf, dass auch externe Nutzer der Universitäten Zugriff auf die Internetzugänge hätten. Verbindungsdaten würden dort ’nur zu technischen Zwecken und im erlaubten Umfang‘ gespeichert. Von der Wikipedia-Hetze habe man erst durch die taz-Recherchen erfahren. Zu diesem Zeitpunkt seien die Verbindungsdaten schon gelöscht gewesen.“
Hardheim: Aktion gegen KSK
(12. September 2017)„Bundeswehrgegner“ haben am vergangenen Donnerstag (7.9.2017) „in Hardheim für Unruhe gesorgt“, so die Rhein-Neckar-Zeitung: „Am Donnerstag blockierten sie auf der Panzerstraße einen Teil eines insgesamt 30 Fahrzeuge umfassenden Konvois der Bundeswehr. Und am Freitag wurden in der Erftalgemeinde Flyer mit fragwürdigen Behauptungen zum Kommando Spezialkräfte (KSK) unter die Leute gebracht.“ Anlass war offenbar die Verlegeübung „Flinker Sigfried“ und die unmittelbar bevorstehende Reaktivierung der Kaserne in Hardheim durch einen Führungs-/Unterstützungsstab der Division Schnelle Kräfte, zu der auch das KSK gehört. Zukünftig soll hier auch ein Gefechtsstand für gemeinsame Spezialeinsätze der NATO entstehen (siehe IMI-Aktuell 2017/538).
Während dem KSK auf den Flyern „Folter vorgeworfen, und den Soldaten … Rechtsextremismus unterstellt“ werde, bekannte sich der Bürgermeister Volker Rohm zur Bundeswehr und zur Reaktivierung der Kaserne. Vermutlich hofft die Gemeinde auf zusätzliche Einnahmen, dürfte dahingehend aber wahrscheinlich enttäuscht werden: Kleine, internationale Stäbe von Spezialkräften dürften in der unmittelbaren Umgebung wenig sichtbar sein und verhindern in diesem Falle die Konversion/zivile Nutzung eines großen, ortsnahen Areals.
Rüstungsexporte: Preisfrage
(12. September 2017)Bei Lagebeschreibung.de, einem neuen Blog, der sich mit Fragen der internationalen Politik beschäftigt, erschien ein interessantes Interview mit Olaf L. Müller, Professor für Philosophie und Wissenschaftsphilosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Als einer der wenigen Beobachter weist er völlig korrekt auf den Sachverhalt hin, dass eine einheimische Rüstungsindustrie mit niedrigen Stückpreisen zwingend auf Rüstungsexporte angewiesen ist. Auch wenn seine daraus abgeleiteten Forderung, stattdessen national höhere Preise zu bezahlen, aus friedenspolitischer Sicht doch etwas in die falsche Richtung führt, kommen seine Ausführungen dem Kern der Debatte doch deutlich näher als die meisten aktuellen Beiträge zum Thema: „Die Preise für unsere eigenen Waffen wären exorbitant hoch, wenn wir den Export in Drittstaaten nicht erlauben würden. Das heißt, wir subventionieren unseren eigenen Waffenbedarf durch eine laxe Waffenexportpolitik. […] Nun wäre es nicht opportun, unsere Waffenindustrie zu zerstören; damit wäre die Mehrheit politisch nicht einverstanden. Stattdessen sollte der Bund die entgangenen Profite einfach durch höhere Preise kompensieren. Im Ergebnis steigen unsere Beschaffungskosten, aber die Exporte können auf null reduziert werden.“ (jw)
Togo: Proteste (II)
(11. September 2017)Die Proteste gegen Präsidenten Faure Gnassingbé halten – unbemerkt von den meisten deutschsprachigen Medien – weiter an. Vergangenen Freitag (8.9.) berichtete zunächst Al Jazeera, später auch heise online, dass der Zugang zum Internet bzw. zum mobilen Internet von der Regierung unterbrochen worden wäre. Ein wenig informierter Bericht der Süddeutschen Zeitung titelte ebenfalls vergangenen Freitag: „Schwere Unruhen in Togo“: „Am Mittwoch und Donnerstag hatten sich auf den Straßen der Hauptstadt Lomé mehr als hunderttausend Demonstranten versammelt. In der Nacht gingen die Proteste weiter. Es ist bisher nicht bekannt, ob und wie viele Menschen verletzt wurden.“
Die taz berichtete am folgenden Sonntag (10.9., online) deutlich optimistischer: „Nach dem Erfolg mehrtägiger Massenproteste in Togos Hauptstadt Lomé vergangene Woche plant die Opposition des westafrikanischen Landes diese Woche weitere Aktionen gegen Präsident Faure Gnassingbé. Es seien Großdemonstrationen am kommenden Freitag geplant, hieß es.“
Rüstungsexporte: 500.000 Tote
(11. September 2017)Anlässlich der internationalen Konferenz zum Waffenhandelsvertrag, die heute in Genf beginnt, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) unter anderem die USA, Großbritannien und Frankreich scharf, wie u.a. der Deutschlandfunk berichtet: Durch deren Exporte „würden Konflikte angeheizt und jährlich etwa eine halbe Million Menschen weltweit getötet. Als Beispiel nannte Amnesty Waffenexporte der USA und Frankreichs nach Ägypten, wo die Regierung gegen Kritiker vorgehe. Großbritannien liefere Rüstungsgüter an Saudi-Arabien, das im Nachbarland Jemen auf Seiten der Regierung gegen Rebellen kämpft und dabei auch zivile Einrichtungen bombardiere.“
Saudi Arabien erhielt zuletzt auch umfangreiche Rüstungslieferungen aus Deutschland, häufig waren Bundeswehrkräfte vor Ort, um saudische Soldaten in den gebrauch deutscher Waffensysteme – darunter die Drohne Luna – einzulernen. Auch Ägypten erhält Rüstungsgüter aus Deutschland, v.a. aber auch Güter zur inneren Repression, darunter u.a. Spionagesoftware.
Ukraine: Saakaschwili unermüdlich
(11. September 2017)Einst war Michail Saakaschwili als georgischer Präsident der vom Westen bevorzugte Einflussgarant, besonders mit Blick auf die abtrünnige und Russland zutendierende Provinz Süd-Ossetien. So erfolgte unter seiner Präsidentschaft 2008 der Versuch, die Provinz m militärisch einzunehmen, was allerdings von Russland zurückgeschlagen wurde. Nachdem die georgische Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Veruntreuung aufgenommen hatte, emigrierte Saakaschwili im November 2013 in die USA. Ganz grotesk wurde es dann, als der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Saakaschwili einen Tag, nachdem dieser die Staatsbürgerschaft angenommen hatte, im Mai 2015 zum Gouverneur des Oblast Odessa ernannte (siehe IMI-Standpunkt 2015/022). Bereits Anfang 7. November 2016 trat Saakaschwili von einem Amt zurück, da er sich vom Präsidenten nicht ausreichend unterstützt fühlte. Der entzog Saakaschwili dann gleich auch wieder die Staatsbürgerschaft, wie Ende Juli 2017 bekannt wurde.
In westlichen Medien wird meist Saakaschwilis Begründung für die Streitereien aufgegriffen – der von ihm gegründeten „Bewegung für Säuberung“ gehe es um die Beseitigung der Korruption in der Ukraine und das sei auf Widerstand gestoßen. Das ist allerdings mit Blick auf Saakaschwilis georgische Vorgeschichte doch wenig glaubhaft. Eine neue Posse, über die Spiegel Online berichtet, könnte eher aufzeigen, um was es ging. Saakaschwili habe ohne gültige Papiere versucht, zweimal von Polen aus die Grenze zur Ukraine zu passieren, beim zweiten Mal erfolgreich. Mit in seinem Tross dabei war augenscheinlich u.a. Julia Timoschenko, langjährige enge US-Verbündete gegen die von Deutschland unterstützten Poroschenko und Klitschko (siehe hierzu IMI-Studie 2015/06). Womöglich liegt hier der Schlüssel für die „Uneinigkeit“ mit Poroschenko – Saakaschwili könnte schlicht auf andere „Sponsoren“ setzen: „Nun strebt er in der Ukraine eine neue politische Karriere an. Die Einreise ohne gültige Papiere begründete er damit, dass er vor Gericht um seine Staatsbürgerschaft kämpfen wolle. Saakaschwili wurde auf der Reise von der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko und mehreren ukrainischen und polnischen Abgeordneten begleitet.“ (jw)
Bahrein: US-Waffen
(10. September 2017)Bahrein, wo die schiitische Bevlkerungsmehrheit hart unterdrückt wird, wie zuletzt wieder in einem Bericht von Amnesty International kritisiert wurde, kauft laut antiwar.com in großem Stil US-Waffen: „The US State Department has approved $3.8 billion in weapons sales to the tiny island nation of Bahrain. The Pentagon confirmed the approval and the State Department has notified Congress, who held up a similar sale last year over Bahrain’s many, many human rights problems.“ (jw)
Sanktionen: Not amused
(9. September 2017)Wie angefressen der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft auf die neuen US-Sanktionen ist, zeigt ein Beitrag von Jens Böhlmann, der dort Leiter der Kontaktstelle Mittelstand ist, auf ostexperte.de: „Wie also umgehen mit den drohenden Sanktionen? Wenn es in diesem Prozess einen unabhängigen Beobachter gäbe, käme der mit einiger Sicherheit zu dem Schluss, dass einerseits eine Allianz zu erodieren droht, die uns in den letzten 70 Jahren Stabilität, Wachstum, vor allem aber Frieden gebracht hat. Andererseits würde er sich mit der Frage konfrontiert sehen, welche Interessen von wem mit welchem Ziel verfolgt werden. Darauf gibt es weder eine klare noch eine eindeutige Antwort, zu vielfältig sind die Partikularinteressen. Eines wird jedoch immer klarer, die Souveränität Europas, und insbesondere der Europäischen Union, wird zunehmend öfter in Zweifel gezogen, und sie droht im geopolitischen Machtpoker verloren zu gehen. Ein in zänkische Kleinstaaterei zurückfallendes Europa dürfte aber wohl kaum im amerikanischen Interesse sein.“ (jw)
Kassel entrüsten
(9. September 2017)Die Hanauer Neue Presse berichtet über Proteste beim deutschen Panzerbauer Krauss-Maffei-Wegmann: „‚Kassel entrüsten! – Rüstungsindustrie friedlich stören‘. Unter diesem Motto blockierten am Freitagnachmittag Antikriegsaktivisten von ‚Block War‘ in einer ‚Aktion zivilen Ungehorsams‘ zwei Werkstore des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann an der Wolfhager Straße.“ (jw)
Moldawien: Manövergerangel
(8. September 2017)Mit Igor Dodon wurde im November 2016 ein dem Westen verhältnismäßig skeptisch eingestellter neuer Präsident in Moldawien gewählt (siehe IMI-Analyse 2017/15). Dodon sprach sich nun auch gegen die Teilnahme von Soldaten seines Landes an einem NATO-Manöver in der Ukraine aus, sei aber laut Radio Free Europe von der Regierung „überstimmt“ worden: „Dodon announced on Facebook on September 5 that he had rejected the Defense Ministry’s request to send the troops, saying that „involvement by Moldovan servicemen in military exercises beyond the national borders“ is unacceptable. The Moldovan government later overruled Dodon’s decision.” (jw)
Bremerhaven: Demo
(8. September 2017)Bremerhaven wurde von den USA als zentraler Logistik-Knotenpunkt für Stationierungen östlich von Deutschland auserkoren (vgl. IMI-Aktuell 2016/734). Nun sollen offenbar wieder tausende Truppen und Fahrzeuge von hier nach Polen verlegt werden. Das Bremer Friedensforum ruft aus diesem Anlass zu Protesten auf:
„Im Rahmen der Operation ‚Atlantic Resolve‘ verlegte die US-Army im Januar dieses Jahres über Bremerhaven eine Panzerbrigade nach Polen. Die Seestadt als zentrale Drehscheibe für den Umschlag von Panzern, Helikoptern und Lkw, dagegen protestierten am 7. Januar zahlreiche Friedensgruppen bei Eisregen und Glatteis und warnten vor einem weiteren Säbelrasseln. Jetzt steht der erste Kontingentwechsel bevor. Nach neun Monaten soll die ‚Iron Brigade‘ abgezogen und durch eine neue Brigade ersetzt werden. Es geht um rund 3500 Soldaten. Hinzu kommt das komplette Material.
‚Eine der größten Truppenverlegungen seit dem Ende des Kalten Krieges sollte auch im September nicht widerspruchslos erfolgen‘, meint das Bremer Friedensforum und unterstützt den Aufruf für eine Demonstration in Bremerhaven am Freitag, 15. September.“
Reforger II?
(8. September 2017)Reforger war eine NATO-Großübung Ende der 1980er, an der etwa 115.000 Soldaten teilnahmen. Angesichts der russischen „Zapad-Übung“ mit ebenfalls etwa 100.000 Soldaten würden sich laut Defense One innerhalb der NATO die Stimmen mehren, die Manöver in Größenordnungen ähnlich der Reforger-Übung fordern würden. Zitiert wird dabei u.a. Alexander Vershbow, bis kürzlich stellvertretender NATO-Generalsekretär: „Given that Russia never stopped holding its Soviet-era Zapad exercises, a similar NATO effort could hardly be portrayed as escalation. What’s more, it would allow the Western alliance to address the gaps that have chewed away at its territorial defense capabilities over the past couple of decades. ‘Even before the capabilities are all in hand, NATO needs to wargame the reinforcement challenge in a scenario of an escalating large-scale, multi-domain conflict with Russia with multiple fronts, for example the Baltics and the Black Sea,’ says Alexander Vershbow”. (jw)
Israelische Luftangriffe
(7. September 2017)Vergangene Nacht haben israelische Kampfflugzeuge erneut Ziele in Syrien angegriffen, wie u.a. Tagesschau.de berichtet. Dabei sei eine „Fabrik in Syrien angegriffen [worden], in der nach US-Einschätzung Chemiewaffen hergestellt werden“. Der ehemalige nationale Sicherheitsberater Israels, Yaakov Amidror, wird zitiert, damit sei „erstmals sei ein syrisches Ziel und kein Konvoi mit Waffen für die libanesische Hisbollah-Miliz angegriffen worden“. Solche Angriffe auf mutmaßliche Konvois der oder für die Hisbollah habe es schon über 100 Mal gegeben.
Ausführlicher berichtet Bild.de. Demnach habe der Angriff von libanesischem Territorium aus stattgefunden und es wird spekuliert, dass die russische Luftabwehr womöglich zuvor informiert und gewarnt worden sei. Hier ist ausßerdem nicht von einer Fabrik, sondern einer „militärische Forschungsreinrichtung“ die Rede, die „nach Erkenntnissen des Syrien-Analysten Charles Lister und zahlreicher weiterer Experten mit dem Chemiewaffen-Programm des syrischen Regimes verbunden“ sei. Das klingt einerseits vager und andererseits plausibler als der Bericht von Tagesschau, der selbst von getöteten syrischen Soldaten beim Angriff auf die „Chemiefabrik“ spricht.
Selbst nach dem Chemiwaffeneinsatz bei Chan Schaichun wurde zwar spekuliert, dass in Syrien Restbestände von Chemiewaffen bestehen würden, auf die Existenz einer aktiven Produktionsanlage wies bislang jedoch kaum etwas hin – obgleich es das Assad-Regime nach Unterzeichnung des Chemiewaffenabkommens in arge Bedrängnis bringen würde.
Zwar titelt Bild.de dessen ungeachtet „Israel attackiert Assads Chemie-Waffen“, am Ende des Artikels wird jedoch auf einen anderen Hintergrund hingewiesen, der ebenso mit den Luftschlägen in Verbindung stehen könnte: „Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte dem Iran Ende August vorgeworfen, er wolle von Syrien und dem Libanon aus eine neue Front gegen Israel eröffnen. Teheran baue in den Israel feindlich gesinnten Nachbarländern Werke für präzisionsgesteuerte Raketen, sagte er. Israel könne dies nicht akzeptieren.“ Auch die Tagesschau gab den Kommentar des Ex-Chef des israelischen Militärnachrichtendienstes, Amos Yadlin, wieder, wonach „die Botschaft der Attacke [lautet], dass Israel die Herstellung strategischer Waffen nicht dulden werde und seine ‚roten Linien ziehen wird, auch wenn die Großmächte sie ignorieren'“.
Essen: BW bei Stadtfest?
(7. September 2017)Offenbar plant die Bundeswehr einen Stand auf dem Essener Stadtfest, dem „Essener Original“, mit dem sie für sich als Arbeitgeber werben möchte. Die WAZ berichtet (online), der DGB Essen und die dortige Gewerkschaftsjugend hätten sich deshalb an den Oberbürgermeister gewand, er solle die Bundeswehr wieder ausladen: die WAZ fasst die entsprechende Mitteilung so zusammen: „Unabhängig von ihrer Stellung als Parlamentsarmee im demokratischen Rechtsstaats, sei die Bundeswehr ‚kein normaler Arbeitgeber‘. Wer sich für den Dienst bei der Bundeswehr entscheidet, müsse wissen, dass er auch in Auslandseinsätze mit tödlichem Ausgang geschickt werden könne. Das passe nicht zu einem Familienfest.“
Dem kann man nur beipflichten. Bereits seit längerem steht die Bundeswehr auch bei Organisationen wie Terre des Hommes wegen der Rekrutierung Minderjähriger in der Kritik. Außerdem sind gegenwärtig zahlreiche Skandale über rechtsextreme Vorkommnisse beim KSK und rechtsextreme Netzwerke bei der Bundeswehr, über einen Todesfall und mehrere kollabierte Soldaten bei einem Übungsmarsch in Munster nicht aufgeklärt, die eben unterstreichen, dass die Bundeswehr kein normaler Arbeitgeber ist. Keine zwei Monate ist es außerdem her, dass zwei Soldaten der Truppe bei einem Hubschrauberabsturz in Mali umkamen.
Trotzdem findet Frank Stenglein in einem Kommentar für die WAZ die „Attacke“ des DGB gegen die Bundeswehr „unfair“. Von rechtsextremen Netzwerken mit Todeslisten, geklauten Waffen und Munition ist bei ihm natürlich nicht die Rede. Er meint: „Viele Bürger wollen zwar im Fall des Falles geschützt werden, die Voraussetzungen dafür zu schaffen gilt aber als anrüchig und schlimmeres“.
Interessant auch, dass in diesem Kontext von einer „Attacke“ gesprochen wird. Solch martialische Sprache ist denselben Kommentatoren in Berichten über die Einsatzgebiete der Bundeswehr selten zu entnehmen.
Fischer: Rüstungsbereit
(7. September 2017)Der Grüne Ex-Außenminister Joschka Fisher profiliert sich immer starker als Rüstungsbefürworter. Nun kritisierte er im Focus, Deutschland sei nur „bedingt abwehrbereit“: „Die nächste Bundesregierung muss sich entscheiden, ob sie ein überteuertes Ersatzteillager oder wirklich zur Sicherheit Deutschlands beitragen will“, erklärte Fischer. (jw)
Hollywood: Militärischer Einfluss
(7. September 2017)Bekanntlich versucht das US-Militär massiv Einfluss auf die Unterhaltungsindustrie auszuüben. The Independent (via Bpb-Newsletter) berichtet nun, dass die diesbezügliche Rolle noch stärker ist als bislang angenommen: „Files we obtained, mainly through the US Freedom of Information Act, show that between 1911 and 2017, more than 800 feature films received support from the US Government’s Department of Defence (DoD), a significantly higher figure than previous estimates indicate. These included blockbuster franchises such as Transformers, Iron Man, and The Terminator. On television, we found over 1,100 titles received Pentagon backing – 900 of them since 2005 […].“ (jw)
BND: rechte Sprüche
(6. September 2017)Die Badische Zeitung berichtet über eine Gerichtsverhandlung wegen einer Disziplinarstrafe gegen einen BND-Angehörigen, die dieser nicht akzeptieren will. Der Regierungsdirektor, der zuletzt in einer Dienststelle in Mainz gearbeitet habe, sei immer wieder durch „rechte bis rechtsradikale Äußerungen“ aufgefallen. „Wegen dieser fast täglichen Ausfälle gegenüber Politikern und dem Islam mieden Mitarbeiter … die Besprechungen“, so die Badische Zeitung. Diese hätten jedoch die Schwelle zur Strafbarkeit nicht überschritten. Ein tatsächliches Dienstvergehen sei jedoch das wiederholte Abhängen des Portraits des Bundespräsidenten gewesen, was der BND-Mann mit dessen Äußerung, der Islam gehöre zu Deutschland, begründete. Die Kürzung der Bezüge um bis zu zehn Prozent sei deshalb für einen begrenzten Zeitraum rechtens gewesen. Später wurde der Mann wegen einer „BND-Phobie“ krankgeschrieben, so der Artikel, der zahlreiche weitere Skurilitäten andeutet.
Atomwaffenverbot: Druck
(6. September 2017)Im Juli 2017 unterzeichneten über 120 Staaten den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen und setzten damit einen dringenden Kontrapunkt zur stetigen Aufwertung dieser Waffengattung in der letzten Zeit (siehe IMI-Standpunkt 2017/022). Die USA setzten von Anfang an alles daran, das Vorhaben zu sabotieren, nun kam laut Telepolis Schweden an die Reihe: „Die US-Regierung übt Druck auf das Land aus, das Abkommen nicht zu ratifizieren. So hat Verteidigungsminister Jim Mattis einen Brief an seinen schwedischen Kollegen Peter Hultqvist geschrieben und darin gedroht, dass eine Ratifizierung die militärische Kooperation gefährden könne, wie letzte Woche die Zeitung Dagens Nyheterin berichtete. Überdies sei das Gold-Card-Programm der Nato gefährdet, das Schweden privilegierte Rechte gewährt, und die Möglichkeit, in Zukunft der Nato beizutreten. Das heißt, Mitglied in der Nato zu sein, bedeutet auch, Atomwaffen als militärische Mittel zu akzeptieren bzw. deren Einsatz nicht unterbinden zu wollen.“ (jw)
Nordkorea: Resultat
(6. September 2017)Im Guardian(via Bpb-Newsletter) wird völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass die Konflikte um die Atomwaffenprogramme diverser „kleinerer“ Staaten nicht unwesentlich das Resultat dessen sind, dass die Atommächte ihren Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht nachgekommen sind – und dies wohl auch nie bebasichtigt hatten: „To work fully, the NPT relies on keeping a crucial bargain: non-nuclear-armed states agree never to acquire the weapons, while nuclear-armed states agree to share the benefits of peaceful nuclear technology and pursue nuclear disarmament with the ultimate aim of eliminating them. This, in effect, was the guarantee offered to vulnerable, insecure outlier states such as North Korea. The guarantee was a dud, however, and the bargain has never been truly honoured. Rather than reducing their nuclear arsenals, the US, Russia and China have modernised and expanded them.” (jw)
Frankreich: Drohnenbewaffnung
(6. September 2017)Frankreich wird die vor allem in Mali eingesetzten Drohnen des Typs MQ-9 Reaper, die bislang zu Aufklärungszwecken unbewaffnet zum Einsatz kamen, mit Waffen bestücken. Bereits ein Parlamentsbericht hatte diesen Schritt empfohlen, am 5 September 2017 gab nun die Verteidigungsministerin Florence Parly die Entscheidung bekannt. Diese wird hauptsächlich ökonomisch begründet. Da es bislang nur französisch-sprachige Artikel gibt und eine direkte Zitation der holprigen Übersetzung hier wenig sinnvoll ist, sei hier auf den Original-Artikel von LeParisien verlinkt und hier auf die deutsche Übersetzung (via Google-Translator). (ma)
Südwesten: Übungen
(5. September 2017)Der Südkurier berichtete bereits Ende August von einer Fallschrimspringerübung über dem Bodensee, die von der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft (DLRG) unterstützt wurde, welche half, die Soldaten wieder aus dem Wasser zu fischen: „Obwohl eigentlich drei Tage geplant waren, konnten die Soldaten aufgrund des Wetters nur an zwei Tagen springen. Während am Dienstag größtenteils die Freifallspringer für den Ernstfall probten, wurden am Mittwoch 180 Springer mit einem automatisierten Fallschirmsprungsystem über dem Bodensee abgeworfen. Ein Großteil von ihnen kommt aus der Bundeswehrkaserne in Pfullendorf“. In Pfullendorf ist das Ausbildungs- und Übungszentrum Spezielle Operationen stationiert, womit es sich bei der Übung um Spezialkräfte der Division Schnelle Kräfte gehandelt haben dürfte. Laut bericht starteten die Flugzeuge mit den Fallschirmspringern vom Flugplatz Radolfzell-Stahringen aus, der von der Flugsportvereinigung Radolfzell e.V. (FSVR) betrieben wird.
Der SWR und die Südwestpresse berichten aktuell von einer anderen Übung am anderen Ende Baden-Württembergs. Das Logistikbataillon 461 aus Walldürn führe vom Dienstag, 4.9. bis zum folgenden Freitag eine „groß angelegte Verlegeübung“ zwischen Külsheim, Altheim und Walldürn durch, durch die es auch zu Verkehrsbehinderungen kommen könne, auch der Neckar-Odenwald-Kreis könne betroffen sein.
Bei Külsheim handelt es sich um den Standortübungsplatz der eigentlich bereits aufgegebenen Kaserne in Hardheim, die nun für das Kommando Spezialkräfte reaktiviert wird. Ab ersten Oktober 2017 soll hier eine Führungs-/Unterstützungskompanie des KSK ihren Dienst aufnehmen und bis 2019 zu einem NATO Special Operation Component Command (SOCC) aufwachsen, welches die Einsätze von Spezialkräfte im Rahmen der NATO koordiniert, so berichtete kürzlich die Rhein-Neckar-Zeitung.
Nordkorea: Hysterie
(5. September 2017)Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, stieß antiwar.com zufolge scharfe Drohungne in Richtung Nordkorea aus. Das Land „betttelt um Krieg“, so die „Diplomatin“ und fügte hinzu, die US-Geduld mit Blick auf eine militärische Option sei „nicht grenzenlos.“ Demgegenüber äußerte sich der russische Präsident Wladimir Putin Spiegel Online zufolge in genau die entgegengesetzte Richtung: „Im Atomkonflikt mit Nordkorea hat der russische Präsident Wladimir Putin vor einer ‚militärischen Hysterie‘ gewarnt. Diese sei sinnlos und könne zu einer ‚globalen Katastrophe‘ führen. Für Putin ist klar: ‚Es braucht den Dialog.‘“ (jw)
Antifa-Demo: SEK-Einsatz
(4. September 2017)Bei einer antifaschistischen Demonstration mit etwa 400 Teilnehmenden in der sächsischen Kleinstadt Wurzen war am Samstag, 2.9. 2017, das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei zur Abschreckung vor Ort, wie die Zeitung Neues Deutschland berichtet. Das SEK ist eigentlich für Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiungen zuständig und dementsprechend militarisiert und hochgerüstet. Dass Spezialkräfte nach dem G20-Gipfel nicht einmal zwei Monate später bereits erneut gegen Menschenmengen eingesetzt werden, ist ein Skandal. Es sollte offensichtlich ein weiterer Präzedenzfall geschaffen werden, um die Bedrohung von Demonstrierenden durch mit Maschinengewehren bewaffnete Spezialkräfte zu normalisieren.
Neben dem SEK war ein massives Polizeiaufgebot, einschließlich mehrerer Wasserwerfer und eines Hubschraubers vor Ort, um die friedliche Demonstration abzusichern. Es wäre auch ohne das SEK möglich gewesen, ein Aufeinandertreffen rechter und linker Gruppen zu verhindern. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wurde hier ignoriert und missachtet.
Werden Panzerfahrzeuge und Schnellfeuerwaffen bald zum normalen Demonstrationsgeschehen in Deutschland gehören?
Iran: Atomdeal
(4. September 2017)Laut Reuters (via Bpb-Newsletter) bestätigt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) der Vereinten Nationen, dass der Iran die Vereinbarungen des Atomdeals einhält. Damit stellt sich die Organisation recht offfen gegen die Trump-Regierung: „“Iran has reiterated commitment to the terms of the deal despite Trump’s stance, but has also said its military sites are off limits, raising the risk of a stand-off if a request for access were put to a vote. That adds to the pressure to be clear on the grounds for an initial request. ‚If they want to bring down the deal, they will,‘ the first IAEA official said, referring to the Trump administration. ‚We just don’t want to give them an excuse to.'“ (jw)
Libyen: Brigade 48
(2. September 2017)In Italien kommen im Vergleich zum Vorjagr rund 90 Prozent weniger Flüchtlinge an. Diesen „Verdienst“ kann sich wohl die libyische Miliz „Brigade 48“ auf die Fahnen schreiben, die mit teils brachialen Methoden vorzugehen scheint. Die Welt schreibt: „Sabratha ist ein gefährlicher Ort für Migranten geworden – die „Brigade 48“ unterhält offenbar eigene Gefängnisse. Dort landen beispielsweise Menschen, die die Miliz zuvor beim Ablegen von einem Flüchtlingsboot heruntergeholt hat. Was mit ihnen geschieht, ob sie verkauft oder erpresst werden, ist unklar. Ebenso offen ist, ob die mysteriöse Bande mit der vom Westen anerkannten Regierung von Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch zusammenarbeitet. […] Ironie der Geschichte: Die kriminelle „Brigade 48“ tut das, was die Militärs und Grenzschützer der EU eigentlich selbst auf legalem Wege zusammen mit libyschen Behörden machen wollten – Flüchtlingsboote an Land zerstören, Schleuser festsetzen und Boote am Ablegen hindern. Solche Militäreinsätze gegen Schleuserbanden sind im Rahmen der sogenannten Phase drei der EU-Marinemission Sophia ausdrücklich vorgesehen. “ (jw)
Atomwaffen: Neue Nachrüstung?
(1. September 2017)Schon länger beschuldigen sich NATO und Russland gegenseitig, den INF-Vertrag zum Verbot von Mittelstreckenraketen zu verletzen. Im Zuge dessen wurden im Westen auch Stimmen lauter, die nach der Stationierung neuer Atomwaffen in Europa riefen (siehe IMI-Studie 2016/07). Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun darüber, dass genau solche Überlegungen in den USA und der NATO konkreter werden: „Im Kongress wurden bereits die ersten gesetzgeberischen Schritte eingeleitet, dass die USA 2019 den INF-Vertrag aufkündigen könnten – dann würde drohen, dass die USA neue Raketen bauen und auch in Europa stationieren. […] In dieser Lage haben nun auch in der Nato Überlegungen zu geeigneten Reaktionen begonnen. Allen Mitgliedstaaten wurde ein sogenanntes ‚Optionspapier‘ übermittelt. […] Mehr als ein Dutzend Vorschläge stehen in dem Papier, die aus Nato-Sicht mit dem Vertrag vereinbar wären. Viele würden die angespannten Beziehungen jedoch weiter verschärfen. Sie reichen von verstärkter Rotation von B-2– und B-52-Bombern aus den USA nach Europa, einem Ausbau der Frühwarnsysteme und der Raketen- oder U-Boot-Abwehr. Auch ist davon die Rede, militärische und zivile Infrastruktur gegen Angriffe zu härten, darunter Häfen und Flughäfen. […] Besonders heikel sind zwei Überlegungen: die sogenannte nukleare Zielplanung auszubauen – also bereits die Ziele für Atomwaffen aufzuklären und festzulegen. [Auch sind] Maßnahmen denkbar, die bisher in der Kategorie ’nicht ratsam‘ zu finden sind: Bau, Test und Stationierung einer neuen Klasse Raketen oder Marschflugkörper – ein weiterer Schritt hinein in einen neuen Kalten Krieg.“ (jw)
Sicherheits-Industrieller Komplex
(1. September 2017)Statewatch hat einen umfassenden Bericht namens „MARKET FORCES. THE DEVELOPMENT OF THE EU SECURITY-INDUSTRIAL COMPLEX” veröffentlicht. Er zeichnet detailliert nach, wofür die „Sicherheits“forschung der EU in den eltzten Jahren ausgegeben wurde. (jw)
Afghanistan: Mehr Soldaten
(31. August 2017)U.a. Augengeradeaus meldet, dass die USA nicht wie bisher angenommen 8.400 Soldaten in Afghanistan stationiert haben, sondern 11.000: „Dass die USA deutlich mehr Soldaten an den Hindukusch geschickt haben als bekannt, hatte bereits vor einer Woche das Wall Street Journal unter Verweis auf Quellen im Pentagon berichtet. In den öffentlichen Zahlen waren unter anderem die Einheiten nicht erfasst, die nur kurzfristig in das Einsatzland geschickt wurden.“ (jw)
Afghanistan: Klare Worte
(31. August 2017)Auch wenn es in der Bundesregierung vor allem seitens der CDU viel Lob für die „neue“ Afghanistan-Strategie der US-Regierung gab, mit der der Krieg fortgesetzt und wieder intensiviert werden soll (siehe IMI-Standpunkt 2017/027), findet sie nicht nur Freunde. Theo Sommer (via Bpb-Newsletter) findet auf Zeit Online etwa klare Worte: „Es gibt in Afghanistan keine militärische Lösung. Trump will sie jetzt mit unzulänglichen Mitteln erzwingen. Aber der Sieg, den er anstrebt (und nach dem erst er politische Gespräche mit den Taliban führen will), ist unerreichbar. Die Bundesregierung sollte sich seinem Ansinnen auf Unterstützung des neuerlichen surge verweigern. […]Der nach den Wahlen nächste „Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“ (Ibuk) sollte, ob Ursula von der Leyen oder ein Nachfolger, den Mut aufbringen, das Kriegsende ins Auge zu fassen.“ (jw)
Togo: Proteste
(30. August 2017)Seit einigen Wochen mehren sich in Togo die Proteste gegen die Regierung. Einen Hohepunkt erreichten diese am 19. August 2017, als in mehreren Großstädten Demonstrationen stattfanden und angeblich sieben Menschen von Soldaten erschossen wurden. Die taz berichtete daraufhin über die Hintergründe: „Zu den Protesten aufgerufen hatte die Nationale Panafrikanische Partei (PNP) unter Tikpi Atchadam, die noch vor einem Jahr unbekannt war. Schon in den vergangenen Monaten hatte sie mehrfach Proteste organisiert, um zu zeigen: Die Opposition hat die Nase voll vom politischen System. Lokalen Medienberichten zufolge hatten die Demonstranten am Samstag ’50 Jahre sind zu lang‘ gerufen und dazu aufgefordert, die Verfassung von 1992 wieder einzuführen. Neben der Einführung des Mehrparteiensystems sollte sie die Teilnahme an „friedlichen Protesten“ sowie am politischen Leben sicherstellen.“ In ihrer heutigen Ausgabe hat die junge Welt außerdem Bouraika Naboudja interviewt, Philosophieprofessor in Togo, der dort nach eigenen Angaben bereits 16 Monate wegen politischer Aktivitäten inhaftiert war. Er berichtet einerseits von anhaltender Repression und Verhaftungen von Leitfiguren der Proteste, kündigte aber auch an, dass diese weitergehen würden: „Die Bevölkerung ist aufgebracht, weil der Präsident ohne reguläre Wahlen und unter Ausschluss der Exiltogolesen an die Macht gekommen ist. Für den 30. und 31. August sind weitere Proteste in Togo und weltweit geplant.“
WDR über No MUOS
(30. August 2017)Neben dem Jugendnetzwerk JunepA, das u.a. Blockaden auf dem Atomwaffenstützpunkt Büchel und vor Waffenproduzenten organisiert hat, erhält die italienische Bewegung No MUOS am kommenden Freitag den Aachener Friedenspreis. Die IMI hatte bereits zuvor mehrfach über die Proteste gegen das Kommunikationsnetzwerk MUOS des US-Militärs auf Sizilien berichtet (siehe z.B. IMI-Analyse 2014/025). Darüber hinaus finden sich angesichts der Größe der Bewegung und ihrer Bekanntheit in Italien bislang sehr wenig deutsschprachige Berichterstattung über die Auseinandersetzungen in Sizilien. Anlässlich des Aachener Freidenspreises hat der WDR heute jedoch ein ausführliches Feature über die militärische Funktion des Kommunikationssystems und seine möglichen gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung ausgestrahlt, das sich weiterhin herunterladen lässt.
Becks Russlandbashing
(30. August 2017)Einmal mehr macht sich Marieluise Beck um ihren Ruf als Grüne Einpeitscherin in Russlandfragen verdient. In der NZZ (via Bpb-Newsletter) schreibt sie: „Die militärische Besetzung und Annexion der Krim sowie die Aggression in der Ostukraine haben klargemacht, dass der Kreml bereit ist, seine politischen Ziele mit militärischen Mitteln zu verfolgen. Internationales Recht und völkerrechtliche Verpflichtungen wie das Budapester Memorandum werden ohne Skrupel zur Seite geschoben. Dagegen möchte die EU militärische Gewalt aus der europäischen Politik verbannen. […] Während die EU auf die Stärke des Rechts setzt, übt Putin das Recht des Stärkeren aus.“ (jw)
Südsudan: Flüchtlinge
(29. August 2017)Stella Gaitano beschreibt auf fr.de die Situation vieler Flüchtlinge im Südsudan vor dem Hintergrund der Abspaltung des Landes und des kurz darauf ausgebrochenen Krieges. Viele dieser Menschen hatten zuvor im nördlichen Sudan gewohnt und wurden mit der Abspaltung ausgebürgert. Manche schafften es in den Süden, wo sie nun wieder zu Flüchtlingen wurden, andere verharren nun seit Jahren zwischen dem Norden und den Süden. Einige von ihnen kommen in dem Artikel von Gaitano ausführlich zu Wort.
Manöver: Aurora 17
(29. August 2017)Das jüngste chinesisch-russische Manöver in der Ostsee wahrgenommen wurde in der NATo als „Provokation“ deklariert (siehe IMI-Aktuell 2017/445). Selbst probt man seeseitig natürlich ebenfalls eifrig, in Kürz laut junge Welt mit einem großen Manöver Nahe Schweden: „Vom 11. bis 29. September findet an der Ostsee »Aurora 17« statt, das größte Militärmanöver auf schwedischem Boden seit einem Vierteljahrhundert. 19.000 schwedische Soldaten werden gemeinsam mit Truppen aus Finnland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Estland und anderen NATO-Staaten die Abwehr einer – wie es offiziell heißt – »Aggression aus dem Umfeld Schwedens« trainieren.“ (jw)
Civilians on the Battlefield: Szenario
(29. August 2017)Vor einiger Zeit wurde berichtet, die Arbeitsagentur vermittle für „Civilians on the Battlefield“ „Statisten“, die an Kriegsübungen des US-Militärs teilnehmen (siehe IMI-Aktuell 2017/181). Nun hat eine taz-Autorin (via Bpb-Newsletter) an einer solchen Übung teilgenommen: „Für die Übung werden Leute gesucht, die neben Englisch auch Russisch, Polnisch oder Tschechisch sprechen. Erstaunlich, mit welcher Nonchalance Leute rekrutiert werden, um ein Szenario gegen Russland zu proben […]. In Hasla leben laut dem Szenario 10.000 Einwohner […] Es gibt Nato-nahe und Skolkan-nahe Medien, Fake News und ein eigenes Twitter im Intranet. Skolkan ist ein Bündnis aus den Ländern Bothnia, Lindsey, Otso und Arnland. Es fiel im vergangenen Herbst in Estland ein, also Nato-Gebiet, wodurch der Bündnisfall eintrat. Lettland, Litauen, Polen und Tschechien sind bereits in Feindeshand. Nun stehen die Skolkan-Truppen in Bayern, die Nato muss endlich was tun. […] Nach ein paar Tagen Vorbereitung beginnt das Szenario, neun Tage Krieg. Über uns kreisen pausenlos Drohnen, Militärfahrzeuge rollen vorbei, nicht alles Panzer. […] In unserer Spielwelt hält die Friedensbewegung in der Universitätsstadt Raversdorf Mahnwachen ab, klagt unter #notmyarmy das Vorgehen der Nato-Truppen an und wird dabei von den Skolkan-nahen Medien vereinnahmt. Die echte Friedensbewegung ist eine gute Vorlage. […] Der Lohn: 88,40 Euro brutto für zehn Stunden Arbeit am Tag. Wer gegen Regeln verstößt oder früher abbricht, zahlt 150 Euro Strafe. Früher gab es 120 Euro pro Tag, erzählen mir altgediente Statisten.“ (jw)
Reinke, mal wieder
(28. August 2017)Oberfähnrich zur See Nariman Reinke, Vorsitzende des Vereins Deutscher Soldat, hat sich ja bereits in der Talkshow Dunja Hayali (siehe IMI-Aktuell 2017/460 und 2017/464) neulich als vehemente Fürsprecherin von Auslandseinsätzen und Aufrüstung ganz im Sinne des Bundesverteidigungsministeriums hervorgetan. Nun hat sie wohl ein Gespräch mit BamS-Redakteur Nils Mertens geführt, aus dem dieser ausführlich in der direkten Rede zitiert. Argumente finden sich darin keine, außer halt: „Es ist naiv zu glauben, man könne in Bürgerkriegsregionen Entwicklungshilfe ohne Militär machen. Das geht nur mit Schutz“. Deshalb brauche es „Politiker mit Rückgrat, die uns den Rücken freihalten“. Und natürlich Kampfdrohnen in Mali, bessere Unterkünfte, „funktionierende Toiletten, Duschen und Klimaanlagen.“ Dass die USA nun wieder mehr Truppen nach Afghanistan schicken wollen, findet Reinke „gut“ obwohl sie „gegen Donald Trump“ ist, weil: „Wir können unsere afghanischen Freunde und Kameraden in der jetzigen instabilen Phase nicht plötzlich allein lassen.“
Dass Politiker in einer Demokratie eigentlich die Interessen ihrer Wähler_innen vertreten sollen und nicht nur die des Militärs und dass der Verteidigungshaushalt nunmal auch irgendwie begrenzt ist, scheint ihr gar nicht in den Sinn zu kommen. Der Bild am Sonntag übrigens auch nicht.
KSK-Ausbau: „Sehr kontra“
(28. August 2017)Zwischendurch sah es so aus, als sei die Suche nach einem neuen Übungsgelände für das Kommando Spezialkräfte (und wahrscheinlich auch US-Spezialkräfte) längst abgeschlossen und Heiterbach der klare Favourit. Doch nun wurde öffentlich, dass das Egelseegelände zwischen Deckenpfronn und Oberjesingen und Weil der Stadt weiterhin im Rennen sind. Daraus erfuhren die lokalen Politiker_innen offenbar aus der Zeitung und zeigten sich wenig begeistert, wie der Gäubote berichtet. Eine Gemeinderätin zeigte sich „schockiert“, ein andere gab die Einschätzung ab, dass die Stimmung vor Ort „sehr kontra“ sei. Kritisiert wird natürlich v.a. der Fluglärm. An der Funktion der Elitetruppe, die durch zahlreiche Skandale (siehe IMI-Standpunkt 2017/026) auf sich aufmerksam macht, hatte zumindest Ulrich Lutz von der Freien Wählervereinigung (FWV): „‚Wenn man einerseits nach Sicherheit verlangt, muss man andererseits auch Übungsflächen bereitstellen.‘ In der gegenwärtigen Situation brauche man eine gut funktionierende Bundeswehr.“
Jemen: Absturz Spezial Einheiten
(28. August 2017)Wie die Washington Post berichtet, gehörte der am Freitag, den 25. August 2017, abgestürtze Black Hawk Helikopter zu der US-Spezialeinheit 160th Special Operations Air Regiment, das bereits 2011 in der Erfassung und Ermordung Osama Bin Ladens sowie in dem Einsatz in Jemen vergangenen Januar, bei dem nicht nur Soldat_innen sondern vor allem auch Zivilist_innen getötet wurden. Bei dem offiziell im Rahmen einer Abseilübung erfolgten Absturz konnten bis auf einen bis heute vermissten Soldaten alle anderen fünf Soldat_innen gerettet werden. Das Militär nutzt das Kriegsszenario in Jemen jedoch längst nicht nur als Übungsterrain. Das US-Militär unterhält einen Militärstützpunkt für seine Spezialkräfte unweit der jemenitischen Küstenstadt Mukalla – von dort und aus der nahe gelegenen Basis Camp Lemonnier in Djibouti führt das US-Militär immer wieder Luftschläge (auch durch Drohnen) und andere Einsätze der Spezialkräfte im kriegszerrütteten Jemen durch – laut Pentagon habe das US-Militär allein dieses Jahr mehr als 80 Luftangriffe auf Jemen geflogen. Bei dem Krieg in Jemen, in dem auch die USA unterschiedliche Funktionen von Waffenlieferungen in die Region bis zur aktiven Beteiligung an Kriegsaktivitäten Saudi Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate in Jemen erfüllen. Im Laufe der letzten zwei Jahre hat der Krieg mehr als 10.000 Menschen in Jemen getötet. (ja)
Schweden: Aufrüstung
(28. August 2017)Auch der schwedische Rüstungshaushalt soll in den nächsten Jahren erheblich ansteigen. Europe Diplomacy & Defence berichtet, das aktuell 5,3 Mrd. Euro umfassende Budget solle bis 2020 um 850 Mio. Euro anwachsen. (jw)
SPD: Lager in Afrika
(27. August 2017)Die SPD fordert Lager in Afrika, schreibt die FAZ: „Die SPD will Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa mit Lagern in afrikanischen Ländern vor ihrer Weiterreise nach Libyen aufhalten. […] Denkbar sei dies in Ländern wie Mali, Niger und Ägypten, die laut Oppermann sicherer sind als Libyen.“ (jw)
Trendwende Personal
(26. August 2017)Nach der Bundestagswahl soll wohl die neue Konzeption der Bundeswehr vorgelegt werden, in der u.a. ein wiederanwachsen der Truppe von aktuell 178.823 (Stand: 31. Juli 2017) auf über 200.000 festgelegt werden dürfen (siehe IMI-Analyse 201711). Gleichzeitig wurde die Rekrutierung neuer Soldaten durch die Aussetzung der Wehrpflicht deutlich erschwert und anfangs konnte dies auch durch erhöhte Werbemaßnahmen nicht kompensiert werden (siehe IMI-Studie 2017/01). Nun scheint aber die „Trendwende Personal“, wie es die Bundeswehr nennt, eingeleitet. Spiegel Online schreibt: „Mit einer PR-Offensive wirbt die Bundeswehr um Schulabgänger. Schließlich sind die Aufgaben der Truppe durch Auslandseinsätze zuletzt eher gewachsen. Die Werbung zeigt nun offenbar Wirkung. […] In diesem Jahr konnte die Bundeswehr mit 21.500 Einstellungen schon fast so viele Menschen unter Vertrag nehmen wie im gesamten Vorjahr, berichtet die „Rheinische Post“. Zudem verzeichnete die Bundeswehr in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 36.000 Bewerber. Nach eigenen Angaben lag sie damit über den Zahlen von 2016. […] Mit verschiedenen Initiativen hatte die Bundeswehr zuletzt versucht, ihr Image aufzupolieren. Dafür nahm sie viel Geld in die Hand: 2015 gab das Verteidigungsministerium für die Nachwuchsrekrutierung rund 35 Millionen Euro aus, fünf Millionen mehr als 2014.“ (jw)
Bundeswehreinsätze: Kosten
(26. August 2017)U.a. die FAZ berichtet heute über die Kosten der bisherigen Bundeswehr-Einsätze in Hhe von 21. Mrd. Euro. Berücksichtigt werden sollte hierbei allerdings, dass es sich hier um die offiziellen Kosten handelt, in die zahlreiche versteckte Posten nicht eingepreist sind. Für den Afghanistan-Krieg errechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung etwa Realkosten, die den Faktor 2,5 bis 3 über den offiziellen ANgaben liegen (siehe IMI-Standpunkt 2010/018). Die FAZ schreibt: „Die Auslandseinsätze der Bundeswehr haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums seit 1992 knapp 21 Milliarden Euro gekostet. Seit 1991 waren demnach rund 410.000 Soldaten in 52 internationalen Einsätzen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor“. (jw)
USA-Ägypten: Mehr Schein als Sein
(25. August 2017)Die Kürzung wirtschaftlicher (95.7 Millionen Dollar) und militärischer Hilfe (195 Millionen Dollar) der USA an Ägypten stellt weniger eine ernste Abmahnung der menschenrechtsverletzenden Politik Sisis dar, sondern vielmehr eine politische Entscheidung von symbolischem Charakter. Wie Farah Najjar in ihrem von Al-Jazeera veröffentlichten Artikel betont, erhält Sisi trotz der Kürzungen von rund 300 Millionen Dollar immer noch einen Großteil der insgesamt vorgesehenen 1.3 Milliarden Dollar Militärhilfe. Es wird davon ausgegangen, dass diese gestrichene Hilfe vermutlich nur schwer durch den Kongress gegangen wäre und die 195 Millionen Dollar dennoch ausgezahlt werden, da sie nicht gestrichen, sondern auf Eis gelegt wurden. Dafür reicht eine Bescheinigung des Kongress einer fortschrittlichen Entwicklung Ägyptens in Hinblick auf Menschenrechte. Analysten gehen davon aus, dass dies ein Zeichen des disfunktionalen Kongress sein könnte, in dem viele Stellen weiterhin unbesetzt sind. Es wird auch als ein Zeichen an Sisi gewertet, dass ihm zu verstehen geben soll, sich von Nordkorea und Russland zu distanzieren. Die Militärdiktatur in Ägypten erhält trotz katastrophaler Menschenrechtslage mit geschätzten 60.000 politischen Gefangenen zahlreiche militärische und polizeiliche Unterstützung u.a. durch die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland. Sicher ist: Die Entscheidung der Kürzung hat mit einem Eintreten für die Achtung der Menschenrechte in Ägypten herzlich wenig zu tun. (ja)
Niederstetten: Einsatz in Mali
(25. August 2017)Ab September wird das Transporthubschrauberregiment 30 in Niederstetten Transporthubschrauber vom Typ NH90 nach Mali verlegen und damit voraussichtlich Einheiten ersetzen, die bislang überwiegend vom Transporthubschrauberregiment 10 aus Fassberg bei Munster gestellt werden. Beide Regimenter gehören ebenso zur Division Schnelle Kräfte wie das Kampfhubschrauberregiment 36 aus Fritzlar, zu dem jene beiden Tiger-Piloten gehörten, die letzten Monat in Mali umkamen. Zu dieser Heeres-Division gehört außerdem das Kommando Spezialkräfte. Zu den Aufgaben der Heeresflieger heißt es auf der Homepage der Bundeswehr: „Das Transporthubschrauberregiment 30 führt Rettungsoperationen und Operationen zur Unterstützung von Spezialkräften und/oder spezialisierten Kräften durch“. Der Blog Augengeradeaus.Net erinnerte erst kürzlich daran, dass die NH90 auch in Mali genutzt werden, um Soldaten in den Einsatz zu fliegen: „Wenn es dazu [Einsätzen der NH90 in Mali] Mitteilungen der Bundeswehr gibt, stellen die meist die MedEvac-Rolle [Medizinische Evakuierung] heraus, ansonsten heißt es recht lapidar, die deutschen Hubschrauber transportieren Personal und Material für die Vereinten Nationen. Diese Transporte bedeuten allerdings unter anderem auch, Soldaten in scharfe Einsätze zu fliegen.“
BW-Unis: Fakenews
(25. August 2017)Die taz berichtet, dass offenbar von IP-Adressen der Bundeswehruniversitäten Wikipedia-Einträge manipuliert wurden. Unter anderem sei der Eintrag zu „Pizzagate“, einem vermeintlichen Skandal um Verbindungen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Clinton zu einem Kinderpornoring, so verändert worden, dass die entsprechenden Falschmeldungen als Tatsache erschienen. Außerdem wurde der Beitrag über die Arbeiterbewegung dahingehend geändert, dass aus der „Erkämpfung von politischen Rechten“ die „Erkämpfung von (unverdienten) Privilegien (sog. ‚politischer Rechte‘)“ wurde. Hinweise auf rechte Umtriebe an den betreffenden Unis seien hingegen gekürz worden. „In anderen Einträgen machten sich Nutzer aus den beiden Bundeswehr-Unis am menschengemachten Klimawandel, an sozialer Gerechtigkeit und Gendermainstreaming zu schaffen“, so die taz.
Ein Sprecher gab daraufhin an, dass die Internetzugänge eigentlich nur dienstlich genutzt werden dürften. Brisant ist der Vorfall im Informationsraum u.a., weil an der Bundeswehruniversität in München zukünftig in großem Stil Hacker_innen für die Bundeswehr ausgebildet werden sollen (vgl. IMI-Aktuell 2017/461). Wie deren Aktivitäten kontrolliert werden sollen scheint jedoch nicht ausreichend geklärt
Raqqa: Drohnenkrieg
(24. August 2017)Florian Rötzer schreibt über den Kampf um Raqqa und wie eng dabei Einheiten der kurdisch dominierten SDF, US-Spezialkräfte und von Nevada aus gesteuerte Kampfdrohnen zusammenarbeiten. Die SDF-Kommandeure könnten etwa auf sog. „Rover“ im Gefecht live mitverfolgen, was die Drohnen aus der Luft gerade aufnähmen und dann entweder selbst, oder durch US-Spezialkräfte Luftunterstützung anfordern. Dabei kämen die drohnengestützen Raketen mittlerweile auch sehr nah an Verbündeten Bodentruppen zum Einsatz, ein US-Drohnenpilot habe ausgesagt, „dass er einen Scharfschützen, der sich hinter einem Fenster in einem dreistöckigen Gebäude aufhält, treffen könne“.
Erneut entpuppt sich die Warnung der Technikphilosophin Jutta Weber aus dem Jahre 2013 als weitsichtig. Damals schrieb sie in einer Publikation der Böll-Stiftung (siehe IMI-Analyse 2014/07): „Paradoxerweise produzieren aber gerade diese Präzisionswaffen – wie zum Beispiel Roboterdrohnen für gezielte Tötungen – mehr zivile ‚Kollateralschäden‘ als traditionelle Bombardements, gerade weil die Rhetorik der ‚Präzision‘ dem militärisch-politischen Komplex die nötige Rechtfertigung gibt, um explosives Material auch in zivilen Umgebungen einzusetzen. Das führt natürlich zu einer Gefährdung, Verletzung und Tötung von Zivilist/innen.“
Syrien: Ahrar al-Shams Niedergang
(24. August 2017)Die Asia Times berichtet, dass die lange als „gemäßigt“ geltende Miliz Ahrar al-Sham in Idlib von Al Quaida-Verbündeten vernichtend geschlagen worden wäre und vor der Desintegration stehe. Viele Mitglieder liefen zu den Islamisten über. Dies sei ein großes Problem für die USA und die Türkei, die nun keine relevanten Stellvertreter mehr in Syrien hätten. Der Türkei bleibe wahrscheinlich nur, eine neue Stellvertreter-Miliz aufzubauen, was sich aber als schwer herausstellen könnte, da Russland nun große Teile des syrischen Territoriums und des Luftraums kontrolliere.
Die Darstellung klingt soweit nachvollziehbar und stimmt mit anderen Medlungen weitgehend überein, es handelt sich aber eben auch nicht um den ersten und wahrscheinlich auch nicht den letzten Bericht über die Auslöschung „gemäßigter“ Milizen und den vermeintlichen Sieg Russlands.
Würdigung: Schnelle Kräfte
(24. August 2017)So wünscht man sich die Heimatfront: Während eine ganze Kompanie des Kommandos Spezialkräfte (KSK) durch sexistische und möglicherweise auch rechtsextreme Handlungen aufgefallen ist (vgl. IMI-Standpunkt 2017/026), hängt der Landkreis Marburg-Biedenkopf demonstrativ und „als sichtbares Zeichen unserer Wertschätzung, des Respekts und der Solidarität mit den Einsatzsoldaten“ eine gelbe Schleife auf, wie das in Gießen erscheinende „Sonntag Morgenmagazin“ mit eindrücklichem Bild berichtet. Das Abzeichen der Division Schneller Kräfte, zu der das KSK gehört, und das einen Greifvogel im Sturzflug darstellt, ist dort schon länger „zwischen den Wappen der Städte und Gemeinden des Landkreises Marburg-Biedenkopf“ angebracht. Nun war das Aufhängen der Gelben Schleife ein weiterer Anlass, zu dem der Kreisrat mit „breiter Zustimmung“ seinen Rückhalt für die Truppe signalisieren könnte.
Etwas andere Töne kommen derweil vom ehemaligen Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, in der Jüdischen Allgemeinen. Er meint hier, dass „bereits die bislang vom Verteidigungsministerium bestätigten Fakten [ausreichen], um festzustellen, dass die geschilderten Rituale und Geschmacklosigkeiten unvereinbar mit den Prinzipien des Staatsbürgers in Uniform und der Inneren Führung sind“. „[W]enn sich die Nazi-Entgleisungen bestätigen sollten“, so Robbe, „hätte das KSK ein richtig großes Problem“. In diesem Zusammenhang erinnert er auch daran, dass „vor 15 Jahren … der KSK-General Reinhard Günzel aus der Bundeswehr entlassen [wurde], weil ihm zur Last gelegt wurde, mit Rechtsradikalen zu sympathisieren.“
Erstaunlich aber ist, dass Robbe sich „erstaunt“ gibt, dass gerade das KSK, das über „exzellent ausgebildete Soldaten mit einem sehr anspruchsvollen Fähigkeitsprofil“ verfüge und „als die Elitetruppe der Bundeswehr bezeichnet“ werde, solche Auswüchse zeige.
Ein anderer Zugang ergibt sich aus einem Bericht des MDR („Zeitreise“) über frühere Erkenntniss zum Rechtsextremismus bei der Bundeswehr, der auf eine Studie der Bundeswehr aus den frühen 1990er Jahren verweist, die warnte, „dass die neue Hin- und Rückwendung zu vordergründig militärstrategischen Konzeptionen problematisch sei, da sie eine besonders unter Offizieren ohnehin vorhandene Tendenz zur Absonderung, zur Vorstellung einer vom Rest der Gesellschaft getrennten Parallelgesellschaft Militär befördere. Tatsächlich sei „die Führungsebene der Bundeswehr alles andere als ein Spiegelbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft“.
Hessen: Bundeswehr finanziert KiTa
(23. August 2017)Die Gemeinde Burgwald im nordhessischen Waldeck-Frankenberg baut laut HNA ihre evangelische Kindertagesstätte aus – in Kooperation mit der Bundeswehr, die nicht nur 20.000€ für die Ausbaukosten beisteuert, sondern sich auch an den laufenden Betriebskosten beteiligen will. Uneigennützig ist diese Beteiligung für die Bundeswehrangehörigen der Burgwaldkaserne ganz und gar nicht: „‚Wir haben Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder von Bundeswehrangehörigen. Wir hatten deshalb sogar eine Ausschreibung von Kitaplätzen vorgenommen. Doch keiner hat sich gemeldet‘, schilderte Töpper. So habe sich die Bundeswehr direkt an die Gemeinde Burgwald gewandt und sei dort auf Kooperationsbereitschaft gestoßen.“ Bereits seit einigen Jahren besuchen Kinder von Soldat_innen diese KiTa, auch wenn die Eltern nicht in Burgwald wohnhaft sind und für sie wurde die Öffnungszeit – angepasst an ihre Dienstzeit – auf 6.30 Uhr morgens vorverlegt. Dies ist eines der vielen Beispiele von Militarisierung ziviler Räume durch die Bundeswehr. Mit Steuerngeldern wird ein KiTa ausgebaut, um auf die Bedürfnisse der Soldat_innen einzugehen, wodurch ihnen ein Sonderrecht über andere in Deutschland wohnhaften Menschen, die an der defizitären KiTa-Struktur leiden, einrichtet. Wie Thomas Mickan (siehe IMI-Analyse 2014/026) in Bezug auf die Sicherung von Belegplätzen in KiTas durch die Bundeswehr bereits schrieb: „Definitionsgemäß muss dies als Militarisierung verstanden werden, wenn hier vor allem Militärangehörige per Gesetz, Verordnung oder Regierungshandeln Privilegien gegenüber der Allgemeinheit erhalten.“ (ja)
FAZ: Maneuververgleich
(23. August 2017)Die FAZ hat nachgezählt und kommt unter dem reißerischen Titel „Russland übt den Krieg drei Mal so oft wie die Nato“ zu eben diesem Schluss. „Russlands Übungen mit mehr als 1500 Soldaten übersteigen die des Westens um ein Vielfaches“, so die FAZ und hält diese Ergebnisse für „für den Westen alarmierend.“ Augengeradeaus.net greift die Meldung auf und ergänzt: „Und diese ausführlich aufbereiteten Zahlen beruhen nur auf den englischsprachigen Veröffentlichungen des russischen Verteidigungsministeriums. Da ist also auch mehr denkbar“.
Die Zahlen mögen v.a. optisch ansprechend aufbereitet und spektakulär veröffentlicht sein, besonders seriös und aussagekräftig sind sie jedoch nicht. So schreibt die FAZ selbst zur Recherche, dass sowohl die Angaben zu russischen Aktivitäten „durch Weglassungen, Untertreibungen oder auch Übertreibungen verzerrt“ sein könnten, als auch auf NATO-Seite unvollständig waren. Überhaupt wurden in mehrfacher Hinsicht die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen verglichen, ein Bündnis einerseits mit einem Staat anderseits zum Beispiel. Zudem wurden in Russland alle Übungen erfasst, aufseiten der NATO jedoch nur jene „auf europäischem Nato-Gebiet“ und den angrenzenden Seegebieten. „Übungen in Amerika, Asien, Afrika, oder dem Nahen Osten“ wurden hier nicht erfasst.
Und damit kratzt das spektakulär verkündete Ergebnis der Maneuverzählerei eben doch hart an der Grenze zu Fake News. Dass der Autor Lorenz Hemicker Russland für den einzig denkbaren Aggressor hält, lässt er ohnehin offen durchscheinen, etwa wenn anlässlich einer anstehenden russischen Übung spekuliert wird, die „haushoch überlegenen russischen Streitkräfte“ könnten „mit einem militärischen Sichelschnitt vermutlich binnen Stunden die Nato-Truppen im Baltikum einkesseln“. Weiter heißt es: „Mit der Teilnahme der 1. Gardepanzerarmee gewinnt ‚Zapad‘ noch einmal an zusätzlicher, symbolischer Brisanz. Der neu aufgestellte Großverband war im Zweiten Weltkrieg eine der Speerspitzen der Roten Armee beim Vormarsch nach Berlin…“. Fast könnte man meinen, die Russen hätten damals angefangen.
RTL II: Keine Rekruten
(23. August 2017)Der Privatsender RTL2 habe sich nun doch dagegen entschieden, die Youtube-Serie „die Rekruten“ als dreistündige Dokumentation aufbereitet zu senden, so das Hamburger Abendblatt online. Diese Entscheidung habe jedoch „rein formale Gründe“: „Das Verteidigungsministerium habe auf einer zeitnahen Ausstrahlung bestanden, die der Sender nicht einhalten könne“. Damit bestanden offenbar keine grundsätzlichen Schwierigkeiten damit, als Privatsender eine mehrstündige Produktion des Bundesverteidigungsministeriums auszustrahlen.
Afghanistan: Re-Surge
(23. August 2017)Die Ankündigung Trumps, die US-Truppen nicht wie im Wahlkampf angekündigt abzuziehen, sondern wieder zu verstärken, hat international viel Zustimmung erfahren. In Deutschland hat die FAZ online einige Reaktionen zusammengefasst, wobei hier nur von der CDU klare Zustimmung zu vernehmen ist. Besonders die Verteidigungsministerin positionierte sich klar: „Es sei positiv, dass die Vereinigten Staaten jetzt lageabhängig ihre weiteren Schritte entscheiden und nicht nach dem Wahlkalender, sagte die Ministerin am Dienstag beim Besuch eines Marine-Ausbildungszentrums in Eckernförde. Positiv sei außerdem, in Afghanistan die Bereiche militärische Einsätze, Entwicklungshilfe und Diplomatie zu vernetzen und als ein Konzept zu betrachten“. Militärische Einsätze und Diplomatie als ein Konzept zu betrachten ist allerdings eine starke Forderung…
Obwohl es im Untertitel der FAZ heißt, die Ministerin habe „einer Forderung Trumps“ (wohl nach zusätzlichen Deutschen Truppen) eine „Absage“ erteilt, klingt das wiederum im eigentlichen Artikel viel weniger deutlich: „Auf die Frage, ob Deutschland seine Truppen in Afghanistan aufstocken werde, verwies von der Leyen darauf, dass die Bundeswehr im vergangenen Jahr ihre Truppenstärke um 18 Prozent erhöht habe, während andere Länder Truppen abzogen hätten. Sie sehe daher die Bundeswehr nicht an erster Stelle für eine weitere Verstärkung. Auf die Nachfrage, ob sie dem amerikanischen Verteidigungsminister James Mattis irgendwelche Zusagen gemacht habe, sagte von der Leyen: ‚Es ist überhaupt nicht über Zahlen gesprochen worden.'“
‚Lübeck‘ in der Ägäis
(22. August 2017)Nach wie vor findet in der Ägäis, zwischen der Türkei und Griechenland, der NATO-Marineeinsatz statt, der angeblich der Bekämpfung des Schlepperwesens dient, durch kontinuierliche Präsenz im östlichen Mittelmeer jedoch auch den Herrschaftsanspruch von EU und NATO zwischen Arabischer Halbinsel, Afrika und Europa unterstreicht. Seit Montag ist nun auch die Fregatte ‚Lübeck‘ von ihrem Heimathafen Wilhelmshaven unterwegs in diesen Einsatz, wie u.a. die junge Welt berichtet.
Zur Besatzung gehören gewöhnlich gut 200 Soldat_innen. Die ‚Lübeck‘ war bereits mehrfach im Rahmen der ATALANTA-Mission am Horn von Afrika und im Zuge des „Krieg gegen den Terror“ (Operation Active Endeavour) im Mittelmeer aktiv. 2007 machte sie von sich Reden, weil sie sich bei einem Übungsschuss aus der Bordkanone selbs beschädigte.
IT-Rahmenvertrag
(22. August 2017)Im Juni hatte das IT-Unternehmen Bechtle mit Hauptsitz in Neckarsulm bereits gemeinsam mit Dell Computers und GBS Tempest einen Rahmenvertrag mit der NATO unterzeichnet (siehe IMI-Aktuell vom 7.Juni). Nun meldet das Unternehmen, dass es nach 2009 und 2013 erneut einen Vertrag über die Auslieferung von PCs und Zubehör sowie den Betrieb von IT-Netzen abgeschlossen habe. Angaben zum Umfang des Vertrages machte das Unternehmen jedoch nicht.
Das Unternehmen scheint bestens aufgestellt für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Sein „Systemhaus IT“ befindet sich nicht nur in Bonn und damit unmittelbarer Nähe zum neuen Kommando Cyber und Informationsraum, sondern verfügt offenbar bereits länger über ein eigenes „Bundeswehr-Team“. Vor wenigen Tagen erst berichtete die Heilbronner Stimme über den Wachstum des Unternehmens: „33 Millionen Euro flossen in den ersten sechs Monaten des Jahres in neue Gebäude sowie in strategische Projekte wie den neuen Bechtle-Marktplatz, die Cloud-Plattform oder die Modernisierung des Rechenzentrums. Im Gesamtjahr rechnet Olemotz mit Investitionen von 60 Millionen Euro. Damit will Bechtle seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sichern.“
Jemen: Niederlage
(22. August 2017)Kürzlich wurde über eine geleakte Mail berichtet, derzufolge der saudische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman den Krieg seines Landes im Jemen schnellstmöglich beenden wolle (siehe IMI-Aktuell 2017/493). Dies mag mit einem vertraulichen UN-Bericht zusammenhängen, der Foreign Policy (via Bpb-Newsletter) zufolge zu dem Ergebnis gelangt, dass Saudi Arabien dabei ist, diesen Krieg zu verlieren: „’The Saudi Arabia-led coalition strategic air campaign continues to have little operational or tactical impact on the ground, and is only serving to stiffen civilian resistance,‘ according to a blunt verdict by a U.N. Security Council panel of experts. It is also helping to ‚consolidate‘ a military alliance between ethnic Houthi insurgents and Yemen’s disgraced former leader, Ali Abdullah Saleh, who control 13 of the country’s governorates, including the capital of Sana’a.“ (jw)
NATO-Russland: Neutrale Zone?
(21. August 2017)Der US-Sicherheitsexperte Michael O’Hanlon steht nicht im Verdacht, sonderlich pazifistische Neigungen zu haben (siehe etwa seine Vorschläge zur Eskalation des Afghanistan-Krieges: IMI-Analyse 2016/24). Bei der Vorstellung seines neuen Buches „Beyond NATO: A New Security Architecture for Eastern Europe” wartete er allerdings mit einem bedenkenswerten Vorschlag zur De-Eskalation der Beziehungen mit Russland auf, indem er für eine neutral Zone plädierte: „O’Hanlon outlined his proposal to lower tensions with Russia: a permanent zone of neutrality in which the currently non-aligned states—Finland, Sweden, Georgia, Ukraine, Moldova, Belarus, Armenia, Azerbaijan, Cyprus, and Serbia (and perhaps other neutral Balkan countries)—will never join NATO or a Russian equivalent.” (jw)
Bannon: Pendel zu den Falken
(21. August 2017)Der Einschätzung von Politico zufolge verschiebt sich mit dem Rausschmiss Stephen Bannons aus dem Beraterteam von US-Präsident Donald Trump die Balance weiter in Richtung Falken: „Bannon’s exit clears an obstacle for backers of an active U.S. foreign policy in line with recent presidencies — and is a resounding win for Bannon’s internal rival, national security adviser H.R. McMaster. […] ‘If you look at the balance of power of isolationists versus internationalists in the White House now, it seems safe to say that the pendulum has swung towards the internationalists,’ said Danielle Pletka, senior vice president for foreign and defense policy studies at the American Enterprise Institute.” (jw)
Bundeswehr im Inneren
(21. August 2017)Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer fordert der Welt zufolge umfassende Einsätze der Bundeswehr im Inneren: „Wenn es um den Objektschutz geht, um die Sicherheit auf Plätzen, auf denen sich viele Leute aufhalten, dann sollten das gut ausgebildete Bundeswehrsoldaten übernehmen, damit die Polizei ihre eigentlichen Aufgaben wahrnehmen kann“. (jw)
KSK: Abgesetzt
(21. August 2017)Nach den rechtsextremen „Vorfällen“ beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (siehe IMI-Standpunkt 2017/026), berichtet Spiegel Online über weitere „Einzelfälle“: „Im Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Hinweise auf Fehlverhalten der militärischen Führung. Die Bundeswehr will nach internen Ermittlungen jetzt den stellvertretenden Kommandeur der Eliteeinheit absetzen. Eine zivile Angestellte der Einheit, die im baden-württembergischen Calw stationiert ist, hatte sich über Oberst Thomas B. beschwert – wegen verbaler Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindlicher Sprüche.“ (jw)
Schulz: „Sparschwein“?
(18. August 2017)Die wahlkampfbedingte Debatte um die künftigen deutschen Rüstungsausgaben nimmt wirklich bizarre Züge an. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wirft der CDU nun allen Ernstes vor, die Bundeswehr als „Sparschwein“ benutzt zu haben, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Daran ist natürlich so überhaupt nichts wahr, tatsächlich stieg der Militärhaushalt zwischen 2014 und 2017 um 12 Prozent, wie die CDU unlängst erbost in einem „Faktencheck“ entgegensetzte (siehe IMI-Aktuell 2017/480). Und obwohl der Haushalt auch schon vor 2014 rasant angestiegen war (für Details zur Entwicklung siehe IMI-Analyse 2017/11), plädiert der SPD-Mann für weitere Erhöhungen – zwar nicht in dem von den USA gewünschten Umfang, den dürfte aber selbst in der CDU niemand ernsthaft anstreben. Den diesbezügliche Korridor gibt die Süddeutsche wieder: „Die Bundeswehr sei unter Verteidigungsministern der Union zum ‚Sparschwein‘ geworden. Deshalb halte er drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr mehr für den Verteidigungsetat für erforderlich.“ Da stellt sich doch die Frage 3 bis 5 Mrd. mehr von was bzw. ausgehend von welcher Grundlage? Ausgehend vom aktuellen Haushalt 2017 (37 Mrd.) oder auf Basis der ohnehin schon ausgegebenen Eckwerten des Finanzministeriums, die bereits jetzt eine Erhöhung auf 42,3 Mrd. Euro bis zum Jahr 2021 vorsehen. Doch solche „Details“ interessieren im Wahkampfgetöse augenscheinlich niemanden – weder Schulz noch die ihn interviewenden Journalisten. (jw)
Bayern: Rüstungsexporte
(18. August 2017)„Mehr als die Hälfte der im Jahr 2015 genehmigten deutschen Rüstungsexporte, rund 59 Prozent, kamen aus Bayern“, so eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die sich auch für das Jahr 2016 nach den Anteilen des Bundeslandes an den Exporten erkundigt. Nach Antwort der Bundesregierung ging dieser bei den Einzelgenehmigungen von 55,1 auf 32,8 und bei den Sammelgenehmigungen von 65,5 auf 54 Prozent zurück. Im Jahr 2015 wurden 55,9 und 2016 39% der Rüstungsgüter aus Bayern in Länder exortiert, die weder zur EU noch zur NATO gehören oder hinsichtlich der Exportbedingungen der NATO gleichgestellt sind.
Militär an der deutsch-dänischen Grenze
(17. August 2017)Wie die Kieler Nachrichten berichteten, hat der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen auf dem Parteitreffen der liberalen Partei Venstre am 11.08 vorgeschlagen, das dänische Militär ab September bei „Grenzkontrollen und Bewachungsaufgaben“ an der deutsch-dänischen Grenze einzusetzen. Durch die Maßnahme sollen zusätzliche Kapazitäten bei der Polizei freigesetzt werden, vor allem für die Bekämpfung der Bandenkriminalität im Land.
Bereits im Juni 2016 waren über 200 Freiwillige der sog. Heimwehr (Hjemmeværnet), einer Teilstreitkraft aus Reservisten, zur Unterstützung der Polizei bei stichprobenartigen Passkontrollen an die deutsch-dänischen Grenzübergänge abgestellt worden. Dass die Regierung nun mit dem Einsatz der Armee noch einen Schritt weitergehen will, stößt auch in Dänemark auf einige Kritik. Das Nachrichtenportal SHZ etwa berichtet: „So meint unter anderem der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Claus Oxfeldt, dass das Militär für solche Aufgaben nicht ausgebildet sei. Auch die Gewerkschaft der Soldaten steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber“ (SW)
KSK: Hitlergrüße?
(17. August 2017)Die ARD-Sendung Panorama berichtet vorab über ihren heutigen (17.8.2017) Beitrag zu einer Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des Kommandos Spezialkräfte am 27. April diesen Jahres. Demnach habe der verabschiedete Soldat auf der Feier auf einem Schießstand nahe Stuttgart einen Parcours – u.a. mit Bogenschießen und Schweinskopfwerfen – absolvieren müssen und sollte anschließend „als Preis“ Sex mit einer Frau haben, die extra zu diesem Zweck eingeladen worden war. Soweit bestätige die Bundeswehr den Vorfall, so Panorama. Zum Sex sei es jedoch nicht gekommen, weil der Betreffende zu betrunken gewesen sei. Darüber hinaus berichtet die Frau jedoch, dass auf der Feier auch rechtsradikale Musik gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sei. Dies wollte die Bundeswehr nicht bestätigen, leitete jedoch entsprechende interne Ermittlungen ein. Ob auch eine zivile Staatsanwaltschaft ermittelt, bleibt dabei unklar.
Sollten sich diese Vorwürfe auch nur ansatzweise bestätigen, brächte das die Bundeswehr in arge Bedrängnis. Dass ausgerechnet in einer Eliteeinheit, die weitgehend im Verborgenen und häufig zivil getarnt agiert, rechtsradikales Gedankengut offen gepflegt und von etwa 60 Soldaten – so viele sollen ungefähr anwesend gewesen sein – toleriert wird, wäre eigentlich nicht hinnehmbar. Andererseits handelt es sich um eine zentrale Einheit für Auslandseinsätze, die aufgrund ihrer hohen Leistungsanforderungen systematische Nachwuchsprobleme hat. Dass eine ganze Kompanie aufgelöst wird, ist insofern kaum vorstellbar, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das KSK aktuell und in jüngster Vergangenheit sogar ausgebaut wird. So wurde vor kurzem bekannt, dass das KSK neben ihrem Standort in Calw nun auch noch ein neues Übungsgelände in Nagold/Haiterbach erhalten und den bereits von der Bundeswehr aufgegebenen Standort Hartheim wiederbeleben soll.
Korea: Informationskriegsvisionen
(17. August 2017)Ein Kolumnist des Boston Globe träumt davon, einen Krieg gegen Nordkorea abwenden zu können, indem dort per Informationskrieg ein Regimewechsel durchgeführt werden sollte: „That does not mean going to war. It does mean working to induce North Korea’s military and political elites to depose the dictator. It means circumventing the information blackout Pyongyang imposes within its borders, and flooding North Koreans with accurate information about the crimes of their rulers — and encouraging them to rise up in their own liberation.“
Außerdem sollte – offenbar nach dem Vorbild Libyens und Syriens – eine Exilregierung aufgebaut und von der USA anerkannt werden. Wenn alles nur so einfach und harmlos wäre, wie in den Köpfen von Kolumnisten…
Korea: Dt. Marschflugkörper
(17. August 2017)Angesichts der Kriegsgefahr um die koreanische Halbinsel berichtet die Deutsche Welle über Waffenexporte deutscher Hersteller nach Südkorea. Besonders nachgefragt seien Marschflugkörper des Typs „Taurus“, der von einer Tochtergesellschaft der MBDA hergestellt wird, einer der wichtigsten deutschen Firmen für Explosivwaffen mit Sitz in Schrobenhausen nahe Ingolstadt. Die Taurus-Raketen seien darauf spezialisiert, im Tiefflug auch hochentwickelte Luftabwehsysteme zu durchdringen. 177 Stück seien schon geliefert und weitere 90 Exemplare zugesagt, so die deutsche Welle.
Doch auch ansonsten habe sich Südkorea im ersten Halbjahr 2016 zum viertgrößten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie (im Ausland) aufgeschwungen: „The sales encompass a broad spectrum of weapons systems, including, but not limited to, submarine parts, combat ships, missiles, missile defense systems, rocket parts, components for combat tanks and armored howitzers.“
Jemen: Widersprüchlich
(17. August 2017)Erst vor wenigen Tagen berichteten Medien wie der Independent, aus geleaketen Mails gehe hervor, der saudische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman wolle schnellstmöglich „raus“ aus dem Krieg seines Landes im Jemen. Auf der anderen Seite berichtet Antiwar heute, die Angriffe seien im ersten Halbjahr 2017 noch einmal massiv intensiviert worden: „Throughout 2016, the UN High Commission for Refugees counted 3,936 airstrikes in Yemen. The newly released figures for the first half of 2017 show that previous figure, which covered an entire year, is already far surpassed, with 5,676 airstrikes launched by the end of June.“ (jw)
Angriffe auf MINUSMA
(16. August 2017)Obwohl knapp 1.000 Soldat*innen der Bundeswehr an der MINUSMA-Mission in Mali beteiligt sind und erst Ende Juli zwei davon bei einem Hubschrauberabsturz getötet wurden, erwähnen nur wenige deutsche Medien die Angriffe auf zwei Stützpunte der MINUSMA am vergangenen Montag (14.8.2017). Spiegel Online berichtet, am „frühen Montagmorgen“ seien „vier Menschen bei einem Überfall auf einen Uno-Stützpunkt in Douentza ums Leben gekommen“. Beim etwas späteren „Angriff“ auf ein Feldlager in Timbuktu „und der anschließenden Verfolgung der Angreifer starben insgesamt 15 Menschen, unter ihnen fünf malische Wachtposten, ein Polizist und ein Zivilist“. Bei der Verfolgung seien auch Hubschrauber zum Einsatz gekommen, wobei nicht genannt wird, welche beteiligte Nation den Hubschraubereinsatz flog. Weiter heißt es, „[s]ieben Personen seien verletzt worden, unter ihnen auch mehrere Uno-Soldaten“. Bemerkenswert ist, dass bei Spiegel Online nicht von getöteten Soldaten die Rede ist.
Bei der jungen Welt heißt es hingegen: „Bei Angriffen mutmaßlicher Dschihadisten auf UN-Stützpunkte in Mali sind mindestens 17 Menschen getötet worden, darunter ein malischer und ein ausländischer Blauhelm-Soldat, ein Polizist und fünf Wachleute.“ Das bestätigt die Stellungnahme des Sprechers des UN-Generalsekretärs. Darin heißt es: A UN peacekeeper, a Malian soldier and a member of the Malian gendarmerie were killed as were six Malian contractors.
Rüstungskooperation: Kostensparend?
(16. August 2017)Auch wenn es derzeit überall behauptet wird: Es ist keineswegs ein Selbstläufer, dass eine verstärkte europäische Rüstungszusammenarbeit automatisch auch Kosten einspart (siehe IMI-Studie 2015/7). Im Zuge der jüngsten deutsch-französischen Ankündigung am 13. Juli 2017, gemeinsamen ein neues Kampfflugzeug bauen zu wollen (siehe IMI-Aktuell 2017/419), meldet nun auch Spiegel Online – wenn auch vorsichtig – Bedenken an: „Rüstungsprojekte der Europäer – etwa für den Transporter A400 M – zeigen, dass die Kosten oftmals höher sind als ursprünglich geplant und technische Fehler auftauchen können. Zudem besteht wie bei nationalen Projekten die Gefahr, dass mehr Geld für europäische Rüstungsvorhaben von der Industrie auch schamlos ausgenutzt werden kann – für immer neue, kostenintensive Nachforderungen.“ Auch Strategic Forecast sieht in solchen Kooperationsprojekten keineswegs einen Selbstläufer: „As highlighted by France’s departure from the Eurofighter project, disputes over work share and design authority have long plagued joint EU defense projects. Poland recently argued that Western European powers need to look upon it and other Eastern European states as equal industrial participants and not as client states if joint procurement is to be a success. As the dispute between France and Italy over the sale of the bankrupt STX shipyard shows, economic considerations over jobs and proprietary technologies can also pose considerable hurdles to greater collaboration, even when such collaboration is driven by greater strategic considerations — in this case France and Italy’s desire to set up a naval equivalent of the Airbus aeronautics company.” (jw)
Abgerüstet?
(16. August 2017)Der Focus zitiert im Zuge der Debatte um die deutschen Rüstungsausgaben den „Experten“ Albert A. Stahel, der allen Ernstes behaupten kann, die Bundeswehr sei „abgerüstet“ worden, ohne dass dies von dem Nachrichtenportal wenigstens für die Höhe des Haushalts korrigiert werden würde: „Die Bundeswehr hat bis 2016 abgerüstet. Angesichts der militärischen Lage in Europa und der sicherheitspolitischen Sprunghaftigkeit von Trump ist eine Trendumkehr angesagt.“ (jw)
Ukraine: US-Basis
(16. August 2017)Infosperber berichtet über den Bau einer US-Militärbasis nahe der Krim: „Am 19. Juli hat die US-Navy eine neue Zusammenarbeit ihrer Elite-Truppen mit den Elite-Truppen der Ukraine angekündigt. In Ochakiv (oft auch Ochakov geschrieben), am Schwarzen Meer, in unmittelbarer Nähe der Krim, sind nun vor wenigen Tagen die Arbeiten für einen neuen Militärhafen aufgenommen worden.“ (jw)
Nordkorea: Ziele
(15. August 2017)Sheila Miyoshi Jager, Historikerin und Ostasienexpertin am Oberlin College, argumentiert in Politico (via Bpb-Newsletter), die Ziele der Machthaber in Nordkorea hätten sich über die Jahre kaum verändert. Vorrangig sei ein Friedensvertrag mit den USA, danach die Wiedervereinigung: „What the regime wants, and has always wanted, is a peace treaty with the United States — a grand bargain that would lead to the eventual withdrawal of U.S. troops from the Korean peninsula, and that could be seen as a real step toward that objective.” Klar, viele „realistische” Beobachter werden dies als naiv abtun, sie attestieren Ländern wie Nordkorea einen pathologisch aggressiven Charakter, weshalb man sich Friedensverträge o.ä. eh sparen könne – was nie getan wird, ist die Gegenprobe: Weshalb nicht einen solchen Vertrag anbieten und schauen, ob sich damit die Probleme lösen lassen. Dies geschieht aus einem einfachen Grund nicht: Die USA wollen sich die „Angriffsoption“ auf Nordkorea mit Blick auf ihre gesamten Interessen in Ostasien offenhalten und genau das macht eine dauerhafte Beilegung des Konfliktes auch so schwierig (siehe zur US-Ostasien-Strategie IMI-Studie 2006/8) (jw)
Syrien : Gebietsgewinne
(15. August 2017)Über massive Gebietsgewinne der syrischen Regierungstruppen berichtet der Nachrichtensender Al Jazeera (via Bpb-Newsletter): „The Syrian government has increased the size of the territory under its control by two-and-a-half times in just two months, Russian Defense Minister Sergei Shoigu said on Sunday, as Syrian forces backed by regional allies and the Russian air force seized thousands of square kilometres from the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL, also known as ISIS) group in the centre of the country.” (jw)
BW hält an Wehrmacht fest
(15. August 2017)Entgegen der deklarierten Absicht des Verteidigungsministeriums, eine klare Trennlinie zwischen der Wehrmacht und der Bundeswehr ziehen zu wollen, steht die Umbenennung von nach Wehrmachtsoffizieren benannten Kasernen noch nicht mal zur Debatte, wie die Zeitung Neues Deutschland in Bezug auf eine kleine Anfrage berichtet. Zuletzt dachte Verteidigungsministerin von der Leyen eine Umbenennung solcher Kasernen nach der Festnahme des terrorverdächtigten rechtsextremen Bundeswehrsoldaten Franco A. an, überließ die Entscheidungshochheit jedoch den in den Kasernen stationierten Bundeswehrangehörigen. Im Herbst beginnt eine Workshopreihe zur Überarbeitung des Traditionserlasses – doch diese Reihe verspricht mal wieder mehr Schein als Sein zu werden, bedenkt man, dass die Distanzierung zu Wehrmachtsoffizieren bis heute fakultativ ist und Soldat_innen weiterhin ihre Stube in der Rommelkaserne etc haben. (ja)
EUROPOL-USA: Zivilmilitärischer Datensalat
(14. August 2017)Wie Matthias Monroy auf Netzpolitik berichtet, beginnt die EU“eine neue Kooperation zum zivil-militärischen Datentausch mit den USA“. Dazu soll die „EU-Polizeiagentur Europol in Den Haag […] Fingerabdrücke, DNA-Spuren, forensische Daten oder Abhörprotokolle verarbeiten, die das US-Militär in Syrien und im Irak sammelt“. Der Plan hierfür wurde vom EU-Anti-Terrorismus Koordinator Gilles Kerchove in einem EU-Ratsdokument erarbeitet. Erfolgen soll der Austausch im Rahmen der Militäroperation „Gallant Phoenix“: „Dabei handelt es sich um ein Aufklärungsprojekt des US-Militärs, das in Jordanien angesiedelt ist. Auch US-Geheimdienste nehmen daran teil. „Gallant Phoenix“ steht unter Leitung des Joint Special Operations Command, das die Spezialeinheiten aller US-Teilstreitkräfte (darunter auch Militärgeheimdienste) befehligt. Europol entsendet jetzt einen Verbindungsbeamten zu „Gallant Phoenix“. Darüber wäre es möglich, die dortigen Informationen direkt mit Europol-Datenbanken abzugleichen.“ Darüber hinaus nimmt eventuell auch der eingeladene Auslandsgeheimdienst BND (Bundesnachrichtendienst) der Bundesregierung an der Operation Teil. Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen EUROPOL und weiteren militärischen oder geheimdienstlichen Behörden weiten sich stetig aus – so steht perspektivisch auch ein biometrischen Datenaustausch mit der NATO im Raum. Somit entwickelt sich die EU-Polizeiagentur zu einem zunehmend bedeutsamen Player in der eher geheimdienstlichen Überwachungsarchitektur der EU. (ja)
BW: Drohneneinkäufe
(14. August 2017)Matthias Monroy gibt bei Netzpolitik.org einen Überblick über den Bestand unbemannter Luftfahrzeuge der Bundeswehr. Besondere Aufmerksamkeit richtet er dabei auf die sog. Nanodrohne des Typs ‚PD-100 PRS Black Hornet‘: Sie hat ein Gewicht von 18g und einen Rotordurchmesser von nur 120mm und soll als ‚Personal Reconnaissance System‘ mit einer Reichweite von 500m der „personengebundenen, geräuscharmen und verdeckten Aufklärung im Ortsbereich“ dienen.
Eine weitere Neuanschaffung seien „sechs Drohnen des Typs ‚Phantom IV‘ vom chinesischen Hersteller DJI … Sie sollen im Rahmen der EU-Militärmission EUNAVFOR MED zur Schleuserbekämpfung auf dem Mittelmeer bei Boardingoperationen eingesetzt werden. Die Maßnahme der Marine firmiert als ‚Sofortinitiative Seegestützte Aufklärung aus der Luft‘, die Bundeswehr bezeichnet das System als ‚fliegendes Auge'“.
Warnung vor dem Tiger
(14. August 2017)Am 26. Juli war in Mali ein Kampfhubschrauber des Typs „Tiger“ abgestürzt und ausgebrannt (siehe IMI-Standpunkt 2017/023). Obwohl das BMVg bislang offiziell keine möglichen Ursachen – auch einen Beschuss – ausschließen möchte, weisen dessen Veröffentlichungen und die öffentlichen Spekulationen fast alle in Richtung technischen Defekt. Zwei Wochen nach dem Absturz machte das BMVg bekannt, dass der Hubschrauber zu einem frühen Zeitpunkt des Absturzes, aber eher nicht ursächlich, seine Rotorblätter verloren habe (IMI-Aktuell 2017/478).
Die These vom technischen Defekt wird nun durch das Verhalten des Herstellers Airbus gestützt. Welt.de berichtet: „Airbus Helicopters erklärt jetzt alle vier Versionen seines Kampfhubschraubers ‚Tiger‘ für unsicher… ‚Da wir aufgrund der unklaren Lage nichts ausschließen können, was die Unfallursache angeht, müssen wir eine solche Warnung herausgeben‘, erklärt der Sprecher… Für Airbus ist das Szenario ein Fiasko. Für einen unsicheren Kampfhubschrauber lassen sich keine Neukunden finden. Bis Ende 2016 wurden insgesamt 151 Tiger an Deutschland, Frankreich, Spanien und Australien ausgeliefert. Damit verblieben nur noch 33 Hubschrauber im Auftragsbestand, die bis 2019 ausgeliefert werden sollen. Nach Recherchen der WELT wurde bei Airbus Helicopters in Donauwörth ‚zur Überwachung und Reduzierung der Risiken im Zusammenhang mit der Schließung der Produktionslinien‘ bereits das Projekt ‚End-of-line Tiger‘ aufgesetzt.“
Die durchaus seriöse NDR-Sendung „Streitkräfte und Strategien“ hingegen macht deutlich, dass es bundeswehrintern trotzdem durchaus Zweifel an der These des technischen Defekts gibt. Hier wird der Vorsitzende der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr, Schlepphorst, zitiert: „‚Es ist auf jeden Fall ungewöhnlich, dass sich während eines Sinkfluges oder während eines Absturzes Rotorblätter aus dem Hauptrotorsystem lösen.‘ Schlepphorst will deshalb in diesem Stadium der Untersuchungen andere Unfallursachen nicht ausschließen. Dazu gehört auch ein möglicher Beschuss des Tigers.“
Venezuela: Erneute Drohungen
(12. August 2017)Nachdem bereits US-Außenminster Rex Tillerson mehr oder weniger mit einem westlich forcierten Regimewechsel in Venezuela gedroht hatte (siehe IMI-Standpunkt 2017/024), zog nun auch Präsident Trump nach, wie Antiwar berichtet: „Trump claimed to have ‘many options available for Venezuela, including a possible military option’ against them.” (jw)
Schwerpunktkontrollen mit Bundesheer
(11. August 2017)„Einen besorgniserregenden Trend“ nennt kurier.at die vorhersehbaren Auswirkungen der stetig rigideren österreichischen Migrationsabwehr: „Die Zahl der aufgegriffenen Migranten in Österreich bleibt zwar von Woche zu Woche in etwa gleich. Doch die Schlepper suchen immer riskantere Ausweichrouten“. So verzeichnet die Polizei mehr und mehr Fälle von Menschen, die versuchen in Kastenwagen oder auf Güterzügen über die Brenner-Route in den Norden zu gelangen. „Allein im August wurden bei Güterzug-Kontrollen 49 Migranten entdeckt – so viel wie in den drei Monaten zuvor zusammen.“
Wie die Austria Presse Agentur (APA) berichtet, plant das Innenministerium im Zuge „intensiver, punktueller, schwerpunktmäßiger Kontrollen“ nun eine Ausweitung des aktuellen Assistenzeinsatzes des österreichischen Bundesheeres. Demzufolge soll das Militär den zivilen Behörden künftig auch in folgenden Bereichen assistieren: „verstärkt im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen (zB Verkehrsausleitungen und Kontrollen an Kontrollplätzen hinsichtlich Schleppungen in Fahrzeugen und Behältnissen) im grenznahen Bereich entlang der Nachbarstaaten Slowakei, Ungarn, Slowenien und Italien“, sowie bei „verstärkte[n] Güterzugskontrollen auf der Transitstrecke Italien/Deutschland.“ (SW)
Siehe auch IMI-Analyse 2017/35 „Bundesheer am Brennerpass?“
Rüstungsexporte: Kleinster Nenner
(11. August 2017)Die Welt berichtet über ein BDI-Papier, in dem der Industrieverband – einmal mehr – einheitliche europäische Rüstungsexportkriterien fordert. Obwohl bereits die deutschen Richtlinien löchrig wie ein Fischernetz sind, sind die der anderen EU-Staaten noch übler. Ziel der Industrie ist es offensichtlich, sich auf einen kleinsten europäischen Nenner zu einigen, gleichzeitig dann aber die nationalen Regelungen abschaffen zu können. „Die deutsche Industrie sorgt sich um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Rüstungsunternehmen. Die deutschen Exportbestimmungen für Waffen zählen zu den schärfsten weltweit.“ Tatsächlich gibt es auf EU-Ebene eigentlich rechtlich bindende Rüstungsexportrichtlinien – die Acht Kriterien des Gemeinsamen Standpunktes 2008/944. Würden sie eingehalten, würden sie tatsächlich große Teile der Rüstungsexporte verhindern – sie werden also offensichtlich ignoriert. Das rührt daher, dass es weder einen Überwachungsmechanismus noch einen Sanktionsmechanismus im Falle gibt, dass ein Mitgliedsstaat ein Kriterium verletzt. Versuche, dies zu ändern, werden massiv torpediert (siehe dazu IMI-Studie 2013/8). (jw)
FAZ zum Südsudan
(11. August 2017)Erstaunlich wenig ist auch anlässlich der Reise des deutschen Außenministers Gabriel nach Uganda und in den Südsudan in der Presse über die Hintergründe des dortigen Bürgerkrieges zu erfahren. Schuld sind eben meist verfeindete Warlords und Ethnien. Die Presseschau des Deutschlandfunks zitiert etwa die FAZ – warum auch immer:
„Der bitterarme, christliche Südsudan sagte sich 2011 vom muslimischen Norden los. Viele Hoffnungen waren mit der Unabhängigkeit verbunden, die sich bald an der Realität der Warlords zerschlugen. Heute ist jeder dritte Südsudanese ein Flüchtling, viele haben sich vor der Hungersnot und drohendem Völkermord nach Uganda in Sicherheit gebracht. Für den Südsudan gilt bestimmt nicht, was einige interessierte Kreise gebetsmühlenhaft wiederholen: Dass der Westen an allen Konflikten Schuld trage. Die Tragödie geht aber auch uns an.“
Man könnte einmal rekapitulieren: Der Sudan stimmte der Unabhängigkeit des Südens unter Druck von USA, NATO und EU zu. Erstere drohte mit einer militärischen Intervention, letztere flankierte das 2008 durch die Stationierung einer EUFOR-Truppe im benachbarten Tschad. Die NATO übernahm die Logistik für den internationalen Einsatz in Dafur. Noch bevor der Südsudan unabhängig wurde, erhielt das GOSS (Government of South Sudan) – damals eigentlich inexistent, de facto handelte es sich um den militärischen Flügel der Rebellengruppe SPLM – Panzer, Granatwerfer und Gewehre. Geliefert wurden die Waffen in US-amerikanischem Auftrag aus der Ukraine u.a. mit einem Frachter der deutschen Beluga-Reederei. Noch bevor der Südsudan unabhängig wurde, war das Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht an der Ausarbeitung einer Verfassung und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ, früher GtZ) am Aufbau lokaler Polizeistrukturen beteiligt. Weitere Funktionen des Staatsaufbaus übernahm u.a. der Referendum Basket Fund des UN-Entwicklungsprogramm. Die International Organization for Migration (IOM) registrierte auch im nördlichen Sudan zehntausende Menschen mit (angeblichen) südsudanesischen Wurzeln, die für die Unabhängigkeit stimmten und anschließend im neuen Staat angesiedelt werden sollten. Voraussetzung für die Abspaltung des Südsudan war die jahrelange Überzeugungsarbeit gegenüber der Rebellengruppe SPLM, statt auf Reformen im gesamten Sudan auf eine Sezession des ölreichen Südens hinzuarbeiten. Hilfreich war hierbei der Tod des ehemaligen SPLM-Führers John Garang bei einem rätselhaften Hubschrauberabsturz nach einem Treffen mit Vertreter_innen der USA und europäischer Staaten.
Rüstung: Faktencheck
(11. August 2017)So kann‘s gehen: Nachdem jahrelang fälschlich der Eindruck erweckt wurde, die Rüstungsausgaben befänden sich im freien Fall, sieht die CDU sich nun genötigt, dem SPD-Vorwurf, sie habe die Bundewehr „kaputtgespart“ mit einem Faktencheck zu begegnen: „Zwischen 2014 und 2017 ist der Verteidigungshaushalt um 12 Prozent angestiegen. Für den Zeitraum bis 2027 ist ein Anstieg um 27 Prozent geplant. Die Investitionen sind so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr. Bis zum Jahr 2024 will die Bundesregierung die Zahl der Bundeswehrangehörigen um 18.000 Menschen erhöhen.“ (jw)
Afghanistan: McCain-Strategie
(11. August 2017)Im offensichtlichen Versuch, der „Idee“, ein Söldnerheer nach Afghanistan zu entsenden (siehe IMI-Aktuell 2017/475), etwas entgegenzusetzen, hat Hardliner und US-Senator John McCain nun seinerseits Vorschläge veröffentlicht. Er präferiert augenscheinlich „normale“ Truppenerhöhungen, wie die russische Nachrichtenagentur Sputnik schreibt: „McCain schlägt eine Änderung zum Gesetz über den Schutz der nationalen Verteidigung für das Finanzjahr 2018 vor, die eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der US-Stellungen in der Region vorsieht: die Zahl der amerikanischen Truppen zu vergrößern, das Potential der afghanischen Regierung sowie Sicherheitskräfte im Land zu festigen und diplomatische Bemühungen zu aktivieren.“ (jw)
Tiger-Absturz: „Erkenntnisse“
(10. August 2017)Die Informationspolitik zum Absturz des Tiger-Kampfhubschraubers bleibt seltsam. Schon am Tag des Absturzes hatten sich die Bundeswehr und Verteidigungsministerium lange mit Informationen zurückgehalten, obwohl die UN die Informationen bereits veröffentlicht hatte (siehe IMI-Standpunkt 2017/023). Die ersten Informationen zum Hergang des Absturzes veröffentlichte dann Spiegel Online auf Grundlage der Aussage der Besatzung des zweiten Kampfhubschraubers der Rotte – schwer vorstellbar, dass diese Auskunft über das plötzliche und rapide absinken vor dem Absturz am Ministerium vorbei in der Presse landete.
Zwei Wochen später wurden die Obleute aus dem Verteidigungsausschuss über den (angeblichen) aktuellen Stand der Untersuchungen zur Ursache informiert. Das Schreiben wurde auf Augengeradeaus.net ausführlich zitiert. Darin heißt es: „Nach bisherigen Erkenntnissen lösten sich, nachdem das Luftfahrzeug in den starken Sinkflug übergegangen war, vor dem Aufschlag Teile vom Luftfahrzeug, darunter die Hauptrotorblätter.“ Neben dieser Information enthält das Schreiben lediglich die Aufforderung, von Spekulationen über die Ursache abstand zu nehmen. Darüber, dass sich Rotorblätter gelöst hatten, berichtete welt.de allerdings bereits am Tag nach dem Absturz, am 27.7.2017.
Aus der Bundespressekonferenz, deren entsprechende Teile ebenfalls bei augengeradeaus dokumentiert sind, geht darüber hinaus hervor, dass einer der beiden gefundenen Flugschreiber ausgelesen werden könne und dies bereits geschehe, dass Ergebnisse jedoch erst „in einigen Wochen oder Monaten“ zu erwarten seien. Auch zu Ort und Zusammensetzung des Untersuchungsteams wollte der Sprecher des BMVg keine konkreten Angaben machen.
Kleine Bemerkung am Rande: auch auf der Bundespressekonferenz zeigte sich wiedereinmal die Renitenz vieler Journalisten in Deutschland, die Bundeswehr mit Offensivwaffen in Verbindung zu bringen:
„FRAGE: Herr Flosdorff, ist bekannt, ob es schon einmal so ein Vorkommnis gab, dass bei einem Transporthelikopter die Rotorenblätter abgeflogen sind?
FLOSDORFF: Es handelt sich hier nicht um einen Transporthubschrauber, sondern um einen Kampfhubschrauber des Typs ‚Tiger'“
Offiziersschule: Ausbau
(10. August 2017)Die sächsische Zeitung berichtet (online) über den Besuch der Verteidigungsministerin Leyen an der Offiziersschule Dresden. „Die Bundeswehr wächst wieder“ soll sie dort verkündet haben: „‚Wir haben ein Plus von fünf Prozent an Offizieren, die in der Bundeswehr eingestellt werden‘. Ein Viertel dieser Einstellungen betreffe Frauen.“
Bild.de wird konkreter: „‚Per 1. Juli beträgt die Personalstärke der Bundeswehr wieder 170 000 Mann‘. Das sehe man auch an der wachsenden Zahl der Kursteilnehmer an der OSH. 2016 waren das 2.800 insgesamt, in diesem Jahr durchliefen allein bis Juli schon 2.400 Teilnehmer die Lehrgänge. In den kommenden zehn Jahren sollen auch deshalb in den Dresdner Standort rund 40 Mio. Euro investiert werden, so von der Leyen.“
Konversion: Bilanz
(10. August 2017)Während Parteien sich – zumindest auf Landesebene – allenfalls in der Opposition und im Wahlkampf zur Rüstungskonversion bekennen, ist für Kirchen und Gewerkschaften das Thema nach wie vor (oder wieder) aktuell. So könnte man einen ausführlichen Beitrag der Wochenzeitung Kontext zusammenfassen. Er beschreibt einerseits, wie sich die Grünen in Baden Württemberg und die Linken in Thüringen zur Rüstungsproduktion im jeweiligen Bundesland (nicht-)verhalten haben. Andererseits werden jedoch verschiedene Initiativen vorgestellt, die Fortschritte erzielen sollen: So habe die Evangelischen Landeskirche Baden seit Anfang 2016 das Projekt Rüstungskonversion und Rüstungsexporte mit einer eigenen Stelle besetzt. In Thüringen hätte ein „breites Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Friedensinitiativen, Menschenrechtsaktivisten“ einen „Trägerkreises Rüstungskonversion Jena“ eingerichtet. „Ziel ist die Einrichtung eines Fonds, der die Umstellung von Rüstungs- auf zivile Produktion ermöglichen soll, und der finanziert werden soll aus den Steuern von Rüstung herstellenden Betrieben sowie den Beteiligungen des Bundeslandes an diesen Unternehmen“.
Afghanistan: Koloniale Söldner
(10. August 2017)Bereits Mitte Juli wurde öffentlich, dass enge Berater von US-Präsident Donald Trump Erik D. Prince, Gründer der privaten Militärfirma Blackwater Worldwide und Stephen A. Feinberg, der mit DynCorp International verbunden ist, beauftragt hatten, eine „Söldnerlösung“ als Alternative zur anvisierten Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan auszuarbeiten – die komplette Kontrolle über das Land und die dortige US-Politik solle dabei originellerweise an einen „Vizekönig“ übertragen werden (IMI-Aktuell 2017/421). In der Washington Post wurden nun weitere Details dieses aberwitzigen, von einem Großteil des Kongresses mutmaßlich abgelehnten, von Trump anscheinend aber wohlwollend aufgenommenen Plans veröffentlicht: „ Prince has described the proposal in interviews this week as a plan to send 5,500 private military contractors to embed with Afghan National Security Forces units at the battalion level to fight the Taliban, supported by a 90-plane private air force. […]Prince’s proposal states that Afghanistan is headed to a complete meltdown and is effectively in “bankruptcy” with the best way forward analogous to a Chapter 11 reorganization. […] Prince wants Trump to appoint a “trustee” to preside over all U.S. policy in Afghanistan and Pakistan with authority over the military commanders, the U.S. ambassadors and even the Afghan military’s own decision-making regarding operations, targeting, rules of engagement and internal promotions. That handover of control to what Prince has called a “viceroy” is a non-starter for many on Capitol Hill, especially since that person would also control spending and contracting. […] There are signs Trump is open to the idea.“ (jw)
Nordkorea: Nachgelegt
(10. August 2017)Nach den Drohungen Donald Trumps gegenüber Nordkorea (siehe IMI-Aktuell 2017/471), hat nun auch Verteidigungsminister Mattis mit markigen Worten nachgelegt. Spiegel Online (via Bpb-Newsletter) schreibt: „US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, Nordkorea müsse ‚aufhören, sich selbst zu isolieren, und seinen Drang hin zu Atomwaffen aufgeben‘. Das Land solle jegliche Schritte unterlassen, die ‚zum Ende seines Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen werden“. Das Land würde gegen die Übermacht der USA „jedes Wettrüsten und jeden Krieg verlieren‘“. (jw)
Lindner: Shitstorm
(9. August 2017)Nachdem FDP-Chef Lindner einmal etwas Vernünftiges gesagt hat, nämlich, dass eine Deeskalation im gefährlich eskalierten Verhältnis zu Russland nicht an der Krim-Frage scheitern dürfe, die womöglich zumindest vorrübergehend als „Provisorium“ akzeptiert werden müsse (IMI-Aktuell 2017/466), schlug ihm der geballte Zorn der Medien entgegen. Bild zum Beispiel veröffentlichte eine „Medienschau“ mit ausgewählten Anfeindungen, nur um am Ende zufrieden zu konstatieren, die deutsche Journaille habe dem FDP-Chef gezeigt, wo der Russenhammer hängt: „Christian Lindner hat sich mit seiner Forderung nach einem Neustart bei den Russland-Beziehungen auf ungewohntes Terrain gewagt – und wurde abgestraft. Zum ersten Mal bekommt das Image des FDP-Chefs Risse. Kritiker sehen ihn entzaubert.“ (jw)
Philippinen: US-Drohnenschläge?
(9. August 2017)Es wird immer wilder, nun berichtet NBC News (via Bpb-Newsletter), das Pentagon würde Drohnenangriffe gegen den Islamischen Staat auf den Philippinen erwägen: „The Pentagon is considering a plan that allows the U.S. military to conduct airstrikes on ISIS in the Philippines, two defense officials told NBC News. […] The strikes would likely be conducted by armed drones.” (jw)
USA-Nordkorea: Theaterdonner?
(9. August 2017)Die Situation auf der koreanischen Halbinsel ist komplex (siehe IMI-Analyse 2017/030) und hoffentlich gibt es auch den ein oder andern Berater Donald Trump, der den US-Präsidenten genau darauf hinweist. Aktuell drehen seine Äußerungen auf Berichte, Nordkorea habe Fortschritte bei seinem Atom- und Raketenprogramm gemacht, erheblich an der Eskalationsspirale. Gestern drohte Trump Nordkorea eine Reaktion an, „Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“. Prompt reagierte Nordkorea heute mit der Drohung, den US-Stützpunkt Guam anzugreifen, da die dortigen US-Streitkräfte einen Angriff auf das Land vorbereiten würden. So beunruhigend dies ist, dem Korrespondenten des Deutschlandfunks ist wohl zuzustimmen, dass zum Glück auch einiges gegen eine Totaleskalation spricht: „Der Asien-Korrespondent des Deutschlandfunks, Hanefeld, spricht dennoch von ‚Theaterdonner‘. Er sagte im Deutschlandfunk, wenn Trump tatsächlich Nordkorea überfallen wolle, müsse er sich in der Sache zuvor mit China und Russland einigen. Aber: Beide Länder wollten ‚um Gottes Willen keinen Krieg in Ostasien – und das weiß auch Kim.‘ Analog sei die Drohung Pjöngjangs mit einem Überfall auf Guam zu verstehen: ‚Eine einzige Bombe auf Guam – und Nordkorea ist weg.‘“ (jw)
Flexible Nuklearwaffen?
(9. August 2017)Defense One veröffentlichte einen Artikel, in dem darüber berichtet wird, die US-Luftwaffe strebe eine Atomwaffe mit „flexibler Sprengkraft“ an, die „besser“ einsetzbar wären: „The U.S. Air Force is investigating more options for “variable yield” bombs — nukes that can be dialed down to blow up an area as small as a neighborhood, or dialed up for a much larger punch. […] the future of nuclear deterrence lies, at least in part, in smaller nuclear weapons that the United States might actually use, Air Force Gen. Paul Selva, the Vice Chairman of the Joint Chiefs of Staff, said Thursday at a Mitchell Institute event in downtown Washington.” (jw)
Ungarn: militärische und patriotische Schulen
(8. August 2017)Wie die Tagesschau berichtet, bereitet die ungarische Regierung zur Zeit neue Lehrpläne vor, in denen laut Ungarns Vize-Staatssekretär Marusza für Bildung „patriotische und militärische Erziehung“ betont werden solle. So könne er sich vorstellen, „entsprechende Inhalte auf mehrere Fächer zu verteilen, zum Beispiel durch Wehrübungen im Sportunterricht oder patriotische Lieder im Musikunterricht. An den ungarischen Schulen solle ein neues ‚Lebensgefühl‘ entstehen“. Bereits in den vergangenen Jahren hat die Regierung von Orban mehrmals in den Schulunterricht eingegriffen und ihn durch Schulbuchinhalten, durch die Patriotismus gestärkt wird, militarisiert. U.a. ist seit 2012 täglicher Sportunterricht Pflicht, wodurch die überlasteten Schulen „die Kinder in den Fluren oder auf der Straße turnen lassen“. Rund 200 Schießstände, die zukünftig landesweit errichtet werden, sollen auch für die Ausbildung Jugendlicher an der Waffe genutzt werden. Gegen diese Entwicklung regt sich auch Widerstand. Lehrer_innengewerkschaften und Elternvertreter_innen kritisieren seit Jahren die „drohende Militarisierung der Schulen“: „Der ungarische Bildungsforscher Peter Rado kritisierte in der unabhängigen Zeitung „HVG“, dass Sechs- bis Zwölfjährige Kinder mit Ideologien bombardiert würden. Sie würden Zwangsanpassung lernen, so dass die Regierung von Viktor Orban folgsame Untertanen bekomme.“(ja)
Rüstungsminister Gabriel
(8. August 2017)Zeit Online fasst die Erfolge Sigmar Gabriels in seiner Zeit als Wirtschaftsminister zusammen, in der er eigentlich die Rüstungsexporte drastisch senken wollte: „In den vergangenen Jahren lag Deutschland immerhin noch auf Platz drei der größten Exporteure und war Europameister. [N]och noch immer gehen 24 Prozent der deutschen Rüstungsausfuhren an Asien und Ozeanien, 23 Prozent in die Krisenregion Naher Osten und fast 9 Prozent nach Afrika […]Ein Trend ist in Gabriels Amtszeit klar auszumachen: So viele Waffen wie in den vergangenen vier Jahren gingen noch nie nach Nordafrika und in die arabische Welt. Allen Beteuerungen zum Trotz.“ (jw)
BW-Konzeption: Verzögerung
(7. August 2017)Verschiedene Agenturen melden mit Verweis auf den „Spiegel“, dass sich die Veröffentlichung mehrerer für diesen Sommer angekündigter Grundsatzdokumente für die Bundeswehr verzögern würde, darunter die „Konzeption der Bundeswehr“ und das „Fähigkeitsprofil“. Im Frühjahr war außerdem zu vernehmen, dass in Kürze ein neues Stationierungskonzept vorgelegt würde. Von diesem ist anzunehmen, dass es seit Jahren erstmals wieder von der Ausweitung und Vergrößerung von Bundeswehrstandorten geprägt sein werde. Der Verdacht liegt nahe, dass die Union das Thema Vergrößerung der Bundeswehr und Ausbau der Fähigkeiten möglichst aus dem Wahlkampf heraushalten will. So berichtet „finanznachrichten.de„: „‚Die Konzeption der Bundeswehr wird es vor den Bundestagswahlen nicht mehr geben‘, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Für die SPD ist das eine schlechte Nachricht. Sie sucht nach einem Anlass, um noch vor den Wahlen eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses durchsetzen zu können, schreibt der ‚Spiegel'“.
Krim: Provisorium?
(7. August 2017)Mehr Realitätssinn – zumindest in dieser Frage – als ein Großteil des restlichen Politikestablishment legt der FDP-Vorsitzende Christian Lindner beim Umgang mit Russland an den Tag – und handelt sich damit gleich viel Kritik ein. Laut Süddeutscher Zeitung argumentierte der FDPler: „Sicherheit und Wohlstand in Europa hängen auch von den Beziehungen zu Moskau ab.“ Dies erfordere aber einen Kurswechsel in der Krim-Frage: „Um ein Tabu auszusprechen: Ich befürchte, dass man die Krim zunächst als dauerhaftes Provisorium ansehen muss.“ Bislang wird eine wie auch immer geartete Entspannung im Verhältnis mit Russland kategorisch von einer Rückintegration der Krim in die Ukraine abhängig gemacht, etwa in der EU-Globalstrategie (siehe IMI-Analyse 2016/27) – da dies derzeit völlig unrealistisch ist, bedeutet dies nichts anderes als die Zementierung der Konfrontation. (jw)
Militär-Schengen
(7. August 2017)Politico (via Bpb-Newsletter) zufolge haben die Niederlanden eine Art Militär-Schengen vorgeschlagen: „European leaders have made a priority of greater military cooperation, yet the ability of NATO forces to operate in Europe is still hindered by border restrictions and mismatched infrastructure, according to uniformed commanders and EU defense ministers. […] To lift the roadblocks, and speed coordinated military action, the Dutch defense minister, Jeanine Hennis-Plasschaert, called on EU officials to create a so-called military Schengen zone.” (jw)
Mali: Debatte II
(4. August 2017)Nach der Talksendung Dunja Hayali (siehe IMI-Aktuell 2017/460) legen zwei der Beteiligten, Nariman Reinke vom Verein „Deutscher Soldat“ und der Ex-Soldat Daniel Lücking, nach. Reinke sprach hierzu mit der Bildzeitung, die berichtet: „‚Das Auftreten von Herrn Bartsch war respektlos allen meinen Kameraden gegenüber, die sich gerade in Auslandseinsätzen befinden‘, sagt sie. ‚Es war auch respektlos gegenüber den Menschen, die in Mali leben. Er betonte, dass Kinder in Mali an Hunger sterben, gleichzeitig sieht er aber keine Notwendigkeit für einen Militäreinsatz. Das empfinde ich als blanken Hohn‘, so die Bundeswehr-Soldatin“.
Lücking hingegen veröffentlichte einen eigenen Beitrag bei freitag.de in dem er Reinkes Position kritisiert: „Reinke verkörperte mit ihrem Auftritt ein typisches Verhalten von Soldat_innen. Die Ablehnung von Kriegseinsätzen der Bundeswehr wird persönlich genommen, die Linkspartei als weltfremd und ideologisch verblendet abgelehnt.“ Außerdem forderte Lücking eine intensivere kritische Auseinandersetzung mit den Auslandseinsätzen ein: „Es bleibt zu hoffen, dass es mehr Kritik an diesem Einsatzkonzept gibt, das sich in Afghanistan nicht bewährt hat und letztlich nur die Kolonialkriege auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringt. Der Schritt von einer Unterstützungsmission hin zu einem Kampfeinsatz dürfte auch in Mali nicht lange auf sich warten lassen“.
Rheinmetall: Profite
(4. August 2017)Die Zeit berichtet über das „gute“ Halbjahrsergebnis des deutschen Panzerbauers Rheinmetall: „Im ersten Halbjahr steigerte Rheinmetall seinen Umsatz um 8 Prozent auf 2,8 Milliarden. Das operative Ergebnis verbesserte sich sogar um 30 Prozent auf 134 Millionen Euro. Unter dem Strich lag der Gewinn mit 67 Millionen Euro um gut 26 Prozent über dem Vorjahresniveau.“ (jw)
Russland: US-Konfrontationskurs
(4. August 2017)Nach den harten Sanktionen gegen Russland (siehe IMI-Aktuell 2017/447), wird schon der nächste Schritt zur Eskalation der Beziehungen zwischen den USA und Russland vorbereitet – Waffenlieferungen an die Ukraine. Telepolis berichtet: „das Wall Street Journal und die New York Times [melden], einige wie üblich ungenannte Mitarbeiter des Pentagon hätten berichtet, dass das Verteidigungs- und das Außenministerium den Vorschlag gemacht hätten, nun endlich die Ukraine mit ‚letalen Waffen‘ aufzurüsten. Hier hatte Obama, womöglich auch auf Druck aus Europa stets sein Veto gegen solche regelmäßig kommenden Forderungen eingelegt und nur zugelassen, dass militärisches Gerät wie Fahrzeuge, Schusswesten oder Nachtsichtbrillen, aber keine Waffen geliefert werden. Zudem bilden US-Soldaten ukrainische Soldaten aus.“ (jw)
Cyber Campus
(3. August 2017)Zeit.de berichtet anlässlich des Richtfestes eines neuen Studierendenwohnheimes auf dem Bundeswehr-Campus Neubiberg bei München über den neuen Studiengang „Cyber-Sicherheit“, der dort ab Januar 2018 angeboten werden soll: „Das Verteidigungsministerium investiert 160 Millionen Euro in Neubiberg – in einen neuen Studiengang, neue Professoren und eine neue IT-Infrastruktur auf dem Campus.“ Neben einigen Informationen, die überwiegend bereits bekannt waren (siehe IMI-Aktuell 2016/425) ist der Bericht von Skepsis geprägt, ob der Campus und die Aufstellung der Bundeswehr im „Cyber- und Informationsraum“ ihren Aufgaben gerecht werden. Über diese Aufgaben jedoch scheint Unklarheit zu herrschen. So heißt es in dem Artikel, dass ein „Hacker-Angriff auf den Bundestag“ schlechte Presse für die Verteidigungsministerin bedeutet hätte und dass „[s]eit den Skandalen um Hacker-Attacken im amerikanischen und französischen Wahlkampf … ein Aufrüsten bei der Cyber-Sicherheit umso dringlicher“ erscheine. Etwas später ist dann noch vom „Kampf gegen Hacker-Angriffe auf die Demokratie“ die Rede, den die Bundeswehr führen solle. Dass zu einer Demokratie auch gehören würde, die Aufgaben und Befugnisse der Armee einzugrenzen – gerade wenn es um den Umgang mit Informationen im Wahlkampf geht – kommt der Autorin nicht in den Sinn. Tatsächlich gibt es bereits umfangreiche zivile Strukturen, die mit der Cybersicherheit beauftragt sind und denen vielleicht eher der Schutz des Bundestages vor Cyber-Attacken unterliegen sollte.
Konkurrenz sieht die Autorin hingegen eher zwischen der Bundeswehr und der zivilen Wirtschaft im Zusammenhang mit den vielzitierten „Rekrutierungsproblemen“ gerade im IT-Bereich. Denn tatsächlich arbeitet das Verteidigungsministerium längst daran, die zivile Wirtschaft in ihre Cyberkriegführung einzubinden. Über ein Beispiel, den „Cyber Innovation Hub“, berichtet ganz aktuell Golem.de: „Durch die neuen, flexibleren Strukturen will die Bundeswehr Innovationen aus dem dynamischen Startup-Umfeld besser für die Truppe nutzbar machen.“
Wenn die Autorin des Zeit-Artikels schreibt, dass „die Bundeswehr-Uni als Arbeitgeber mit dem nahen Hauptsitz des Dax-Technologiekonzerns Infineon und dem Ludwig-Bölkow-Campus für Luft- und Raumfahrt“ konkurriere, verschleiert das ebenfalls die längst stattgefundene Durchdringung von Armee und Wirtschaft. Der Ludwig-Bölkow-Campus ist dominiert vom staatsnahen Rüstungskonzern Airbus, der wesentliche Cyber-Technologien für die Bundeswehr bereitstellt. Darüber hinaus ist die Bundeswehr-Uni selbst beteiligt. Studieren tun hier bislang ausschließlich: Soldat_innen der Bundeswehr. Darauf hat kürzlich der Künstler Franz Wanner mit einer Ortsbegehung aufmerksam gemacht, über die auch die SZ berichtete.
Mali: Debatte
(3. August 2017)In der ZDF-Talkshow Dunja Hayali wurde ausführlich über den Mali-Einsatz diskutiert – und mehr natürlich noch über „Ausrüstungsmängel“ und „fehlende Anerkennung“ der Soldaten. Die Moderatorin war selbst zuvor im Camp Castor, wie ein relativ ausführlicher Bericht zur Einstimmung darstellt. Auch hier sieht man natürlich deutsche Soldaten mit Kindern, eine Sanitätssoldatin, einen Transporthubschrauber und die Drohne Luna, zu der dann ausdrücklich betont wird, dass sie keine Waffen trage, da „Kampfeinsätze“ ja nicht zum Auftrag gehörten. Vom Kampfhubschrauber Tiger war dann wegen des kürzlichen Absturzes doch die Rede – vom Kämpfen aber natürlich nicht.
Ursprünglich sollte auch die Verteidigungsministerin an der Diskussion teilnehmen, hat sich jedoch wohl wegen einer Fieberattake zurückgezogen. Vertreten wurde sie von einer Soldatin, die sich vehement für die Auslandseinsätze und eine entsprechende Aufrüstung aussprach.
Deutlich wurde in der Debatte insgesamt, dass das Thema Flucht und Verhinderung von Flucht sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Argumente der Befürworter_innen von Auslandseinsätzen geworden ist.
Niger: Bundeswehr
(3. August 2017)Bereits seit längerem unterhält die Bundeswehr im Zuge des MINUSMA-Einsatzes in Mali auch einen Logistik-Stützpunkt in Niger. Die taz berichtet nun über den gemeinsamen Besuch der deutschen und französischen Verteidigungsministerinnen in dem Land, das v.a. wegen seiner Uranvorkommen für Frankreich von herausragender Bedeutung ist. Dabei hat von der Leyen offenbar Hilfe bei der „Ertüchtigung“ der Sicherheitskräfte angekündigt. Die taz spekuliert vor diesem Hintergrund, dass womöglich schon bald „auch deutsche Grenzbeamte oder Bundeswehrsoldaten“ in der Region stationiert werden könnten, „um libysche und nigrische Truppen zu unterstützen“. Spannend an dem taz-Artikel ist v.a. die Schilderung zur Umsetzung der neuen G5-Sahel-Truppe. Zur konkreten Umsetzung der „Ertüchtigung“ Nigers erfährt man auf der Homepage des Verteidigungsministeriums mehr: „Die Bundeswehr unterstützt die Streitkräfte von Niger. Oberstleutnant Dirk Hamann wurde als Verbindungsoffizier in den westafrikanischen Staat entsandt und soll herausfinden, wie Deutschland die nigrischen Streitkräfte unterstützen kann. . Deutschland hat den nigrischen Streitkräften deshalb ein erstes Hilfspaket bestehend aus Geländefahrzeugen, Motorrädern und Satellitentelefonen übergeben. Mit den Fahrzeugen und Kommunikationsmitteln soll die Armee in die Lage versetzt werden, die Weiten des Landes besser zu überwachen. In der Stadt Agadez wird außerdem ein Gelände erschlossen, um dort Garagen und Werkstätten für die Fahrzeuge zu errichten.“
Afghanistan: Angriff
(2. August 2017)Am 2. August gab es offenbar einen Angriff auf einen NATO-Konvoi nahe Kandahar in Afghanistan gegeben. Die Taliban bekannten sich bereits zu dem Anschlag, bei dem es nach ersten Meldungen (z.B. bei Euronews) auch Opfer aufseiten der NATO gegeben hat.
Dt. Atom-U-Boote?
(2. August 2017)Maximilian Terhalle plädierte bereits am 27.7. in einem Gastbeitrag für die FAZ für eine stärkere Fokussierung der deutschen „Verteidigungspolitik“ auf konkurrierende Großmächte. In diesem Kontext greift er die Idee eines „europäischen Nuklearwaffenarsenals unter deutscher Führung“ auf. Konkret spricht er sich dafür aus, dass „nuklear bestückten Boote … zur Abschreckung in der Ostsee operieren“ sollten: „Im Verbund mit Polen und Balten muss Deutschland das Israel seit langem zur Verfügung gestellte Know-how für atomar aufrüstbare U-Boote nun auch zum Eigenschutz nutzen.“ (bk)
Von Incirlik nach Al Asrak
(2. August 2017)Am vergangenen Montag wurde der letzte Tornado aus dem türkischen Incirlik nach Büchel in der Pfalz verlegt, wie u.a. Spiegel Online berichtet. Demnach soll deren Einsatz in Syrien und Irak ab Oktober von der jordanischen Luftwaffenbasis Al Asrak aus fortgesetzt werden. Als Gründe für den Umzug werden meist die verschlechterten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie Probleme bei Besuchen von Bundestagsabgeordneten angegeben. Darüber hinaus könnte spekuliert werden, ob dem Verteidigungsministerium ein eigener quasi-Stützpunkt in Jordanien womöglich lieber sein könnte, als in Incirlik als Juniopartner von Türkei, NATO und USA zu agieren. Dass ein Zusammenhang zwischen der Bereitschaft Jordaniens, der Bundeswehr eine Basis zu bieten, mit der „Ertüchtigungsinitiative“ besteht, kann durchaus angenommen werden. So berichtete Zeit Online im Dezember 2016: „In einer feierlichen Zeremonie in der jordanischen Hauptstadt Amann hat die jordanische Armee die ersten 16 Marder-Schützenpanzer aus Deutschland erhalten… Bis Ende 2017 soll Deutschland noch weitere 34 Panzer an Jordanien liefern. Diese sollen von der jordanischen Armee zum Grenzschutz eingesetzt werden. Die Waffenlieferung ist Teil der sogenannten ‚Ertüchtigungsinitiative‘, mit der die Bundesregierung vertrauenswürdige Staaten in Krisenregionen stärken will. Das lässt sie sich in diesem Jahr 100 Millionen und im nächsten 130 Millionen Euro kosten. Informationen des Spiegel zufolge liefert Deutschland dabei nicht nur Panzer. Auch Technologie, mit der Mobilfunkgespräche, SMS-Nachrichten und Datenkommunikation abgehört werden können, sollen Anfang 2017 mitgeliefert werden.“ (bk)
Georgien: NATO-Übung
(1. August 2017)Radio Free Europe berichtet von einem „massiven“ Militärmaneuver in Georgien. Beteiligt seien neben 1.600 Kräften aus den USA und 800 aus Georgien auch Soldaten aus Deutschland, der Türkei, der Ukraine, Slowenien und Armenien – insgesamt 2.800 Soldat*innen. Die georgische Regierung nutzte das Maneuver natürlich, um die NATO an ihre Zusage zu erinnern, Georgien eine Beitrittsperspektive zu geben, es „unterstreiche die Unterstützung der NATO-Staaten, insbesondere der USA, für Georgien“. Die Dimension der Übung sei „präzedenzlos“, so der georgische Verteidigungsminister Levan Izoria. Insgesamt wirkt der Artikel recht dick aufgetragen… (bk)
WSH-Camp steht
(1. August 2017)Das „War Starts Here“-Camp in der Colbitz-Letzlinger Heide hat zum sechsten Mal seine Zelte aufgeschlagen, wie u.a. Volksstimme.de berichtet: „Die ersten Zelte stehen, und auch das Zirkuszelt vom vergangenen Jahr ist wieder aufgebaut. Hier sollen in dieser Woche zahlreiche Workshops stattfinden.“ Eine Übersicht über die Workshops findet sich auf der Homepage des Camps. (bk)
Systemkonkurrenz
(1. August 2017)Vor allem seit Robert Kagans 2008 erschienenem Buch „Die Demokratie und ihre Feinde“ ist es zunehmend en vogue, die sich verschärfenden Konflikte unter diversen Großmächten als eine Auseinandersetzungen zwischen „Demokratien“ (der „Westen“) und „Autokratien“ (v.a. Russland und China) zu beschreiben. Auch wenn es sich wohl eher um Konflikte zwischen Systemen mit unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen – neoliberal vs. staatskapitalistisch – handeln dürfte (siehe etwa IMI-Studie 2014/5), wird dieses Deutungsmuster zunehmend dominant. Ganz aktuell hat es sich zB eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (via Bpb-Newsletter) zu Eigen gemacht: “With the benefit of hindsight, it is clear that democracies long failed to realize that a new era of competition was underway between autocratic and democratic states. Such competition is visible in a number of spheres, including geopolitics. But it is massive investments in their own autocratic forms of “soft power” that have enabled regimes in Russia and China to make dramatic inroads in challenging the integrity and prestige of the democratic systems of the West.” (jw)
Sagitta: Jungfernflug
(31. Juli 2017)Das Bundeswehr-Journal berichtet über den Jungfernflug eines Im Maßstab 1:3 kleineren Demonstrators der Tarnkappendrohne Sagitta, die vom Rüstungskonzern Airbus gemeinsam mit dem DLR und zivilen Hochschulen entwickelt wird. Die IMI hatte bereits 2013 ausführlich über den Forschungsverbund und die entsprechenden Pläne berichtet (siehe IMI-Analyse 2013/024), danach war es lange still geworden um das Projekt, bis nun der erste Erprobungsflug in Südafrika stattfand. Dem Artikel im Bundeswehr-Journal ist auch zu entnehmen, wie die Hersteller die militärischen Aspekte in der Öffentlichkeitsarbeit gerne ausblendet und den Begriff „Kampfdrohne“ vermeiden, stattdessen lieber von „Grundlagenforschung“ (DLR) und einem „Meilenstein für die Kooperation von Forschung und Industrie“ sprechen. Dem werden Informationen der IMI und der Zeitung „Die Welt“ entgegengehalten. Letztere schrieb über die Konzeption der Nurflügler-Drohne mit Tarnkappen-Eigenschaften: „Die Idee ist nun, dass Sagitta auf dem Rücken fliegend sein Ziel ansteuert und damit möglichst lange von Radarstrahlen am Boden unentdeckt bleibt. Erst kurz vor dem Ziel dreht sich die Drohne dann wieder um. Schließlich müssten Bombenschächte oder Aufklärungstechnik nach unten zeigen.“
Rumänien: US-Basis
(31. Juli 2017)Die Stuttgarter Nachrichten berichten recht ausführlich über den Ausbau einer rumänischen Militärbasis nahe der Schwarzmeerküste, die zukünftig als zentrales Logistikdrehkreuz der US-Armee dienen soll. Obwohl man von einer dauerhaften Stationierung nicht sprechen will, ist die Unterbringung von etwa 2.500 Soldaten geplant und es soll sogar ein Hangar zur Wartung von Black-Hawk-Hubschraubern gebaut werden. „Die USA haben 2015 und 2016 laut Copeland 130 Millionen Euro in die Modernisierung von Einrichtungen im Baltikum, in Polen sowie Rumänien und Bulgarien investiert. Hinzu kommen rund 200 Millionen Euro der Nato. Und im – noch nicht verabschiedeten – US-Verteidigungshaushalt 2018 werden dafür sogar 290 Millionen Euro eingeplant“, so die Stuttgarter Nachrichten weiter. „Auf der Luftwaffenbasis organisiert die Logistik der größte private Militärdienstleister KBR (ehemals Kellog, Brown & Root). Als Baufirma fungiert die österreichische Strabag“.
Afghanistan: Eskalation
(31. Juli 2017)In der aktuellen Ausgabe der NDR-Sendung „Streitkräfte und Strategien“ (hier das Manuskript) beschreibt Jürgen Webermann ungeschönt die Lage in Afghanistan anhand einiger Vorfälle der letzten Monate. Neben dem Anschlag vom 31. Mai, bei dem 150 Menschen umkamen und das Hauptgebäude der deutschen Botschaft „zerstört“ wurde, wird auch über den Angriff auf eine Kaserne in Masar im April berichtet, bei dem in stundelnagen Gefechten mind. 140 afghanische Soldaten umkamen. In der Kaserne hielten sich zu diesem Zeitpunkt demnach auch deutsche Soldaten auf.
Lesenswert ist auch die Zusammenfassung der politischen Komplikationen nach der gescheiterten Präsidentenwahl 2014. Zu zivilen Opfern heißt es: „Die Vereinten Nationen haben in der vergangenen Woche ihre neueste Opferstatistik vorgestellt. Danach wurden seit Jahresbeginn weit mehr als 5-tausend Zivilisten in Afghanistan entweder getötet oder verletzt, darunter 1500 Kinder“. Webermanns Fazit und Ausblick: „Die USA reagierten jetzt mit der Ankündigung, die Kampftruppen in Afghanistan um mehrere tausend Soldaten aufzustocken. In weitaus größerem Stil hatte das Pentagon schon 2009 eine ähnliche Strategie verfolgt – mit dem so genannten „Surge“, also der „Truppenschwemme“. Erreicht haben die USA damit nichts. Ihr längster jemals ausgefochtener Krieg dauert jetzt seit 16 Jahren an und eskaliert in diesem Jahr sogar noch – ein Ende ist nicht in Sicht“.
Sanktionen: In Absprache?
(31. Juli 2017)Russland hat als Vergeltung für die vom US-Kongress beschlossenen Sanktionen beschlossen hat, 755 Diplomaten auszuweisen. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Stimmen, die das US-Vorhaben scharf kritisieren. Allerdings weist Klaus-Dieter Frankenberger in der FAZ (via Bpb-Newsletter) darauf hin, dass sowohl die Verbündeten als auch Präsident Trump weitreichende Mitspracherechte bezüglich neuer Sanktionen eingeräumt würden, weshalb er zur Gelassenheit mahnt: „Vielleicht sollte man sich die Sache noch einmal genauer anschauen und durchatmen, bevor man zum Gegenangriff bläst. Denn ausdrücklich heißt es in den von beiden Kammern angenommenen Entwürfen, dass über die neuen Sanktionen, die sich gegen russische Energieprojekte richten sollten, der Präsident befinden könne, und zwar nur in ‚Koordination mit den Verbündeten‘ in Europa. Von einem industriepolitischen Alleingang ist nicht die Rede. Vielmehr heißt es, der Präsident solle in der Sanktionspolitik gegen Russland die Geschlossenheit mit den Europäern und mit anderen Partnern wahren und suchen.“ (jw)
Russland: Solide Daten
(28. Juli 2017)Wer sich fragt, weshalb der russische Präsident Wladimir Putin augenscheinlich einigen Rückhalt in der Bevölkerung genießt (aktuelle Zustimmungswerte 81%), der sollte einen Blick auf die russischen Wirtschafts- und Sozialdaten werfen, die Spiegel Online zusammengestellt hat. So wird das Wachstum des Landes für 2017 trotz Sanktionen und Niedrigölpreis auf 1,4% geschätzt. Auffallend sind die durchweg deutlichen Verbesserungen in allen Bereichen, die seit Putins Amtsantritt im Jahr 2000 zu verzeichnen sind. Interessant weil wohl weitgehend unbekannt ist die – für ein demographisch extrem unter Druck stehendes Land wie Russland extrem bedeutende – Entwicklung der Geburtenrate. Kamen im Jahr 2000 noch 1,2 Kinder auf eine Frau, waren es 2014 schon 1,7. Die Armut sank von 36 Mio. Einwohnern 2000 auf 19 Mio. 2015, die Lebenserwartung von 64,5 (1994) auf 71,4 (2015). Die Staatsverschuldung sank von 62% des BIP (2000) auf 17,7% (2017). Die Einkommen stiegen von 61$ im Monat (1999) auf 540 (2016), die Renten von 18$ (1999) auf 195$ (2016). UPDATE: Auch Strategic Forecast veröffentlichte kürzlich einen Artikel, der in dieselbe Richtung argumentiert: „Why is Vladimir Putin so popular in Russia? […] Under Putin’s rule, millions of Russians have joined the global middle class. Aided, of course, by high-priced oil, the Russian economy easily outperformed its G-7 counterparts from 2000 to 2014. (jw)
Sanktionen: Kriegserklärung
(28. Juli 2017)Nach dem Repräsentantenhaus hat nun auch der US-Senat für die Verschärfung der Sanktionen gegenüber Russland gestimmt, die von Spiegel Online als „Kriegserklärung“ bezeichnet werden: „Das rund 70 Seiten umfassende Gesetz liest sich in Teilen wie eine wirtschaftliche Kriegserklärung gegen Russland. Firmen, die beim Bau oder Erhalt russischer Pipelines helfen, sollen bestraft werden. Das träfe nicht nur Russlands Energieexport nach Europa, der bis vor Kurzem noch bis zu 50 Prozent zum russischen Staatshaushalt beitrug – sondern auch zahlreiche europäische Energiekonzerne.“ (jw)
NATO-EU: PACE-Hybridmanöver
(27. Juli 2017)Auf dem NATO-Gipfel in Washington wurde ein gemeinsames EU-NATO-Dokument unterzeichnet, mit dem die Zusammenarbeit beider Organisationen erheblich „verbessert“ werden sollte. Die am 1. September beginnende „EU Parallel and Coordinated Exercise 2017“ (EU PACE17) Übung von NATO und EU wird in Papieren zur Kooperation der Institutionen als zentraler nächster Schritt bewertet. Statewatch gelangte nun an ein Ratsdokument, das die Übung beschreibt. Telepolis berichtet ausführlich darüber: „Ein besonderer Fokus liegt auf sogenannten hybriden Bedrohungen. Der Begriff ist nicht einheitlich definiert. Im sicherheitspolitischen Diskurs werden darunter aufeinander abgestimmte Aktivitäten staatlicher und nicht-staatlicher Akteure verstanden. Dies kann wie in der Ukraine militärische und para-militärische Aktionen bezeichnen, aber auch Cyberangriffe oder die Destabilisierung durch ‚Fake News‘. […] Obwohl die Beschreibung auch auf westliche Militäroperationen in Lateinamerika, im Irak oder in Libyen zutrifft, werden hybride Bedrohungen gemeinhin Russland zugeschrieben. […] Das spiegelt sich in ‚EU PACE17‘ wider: Die Übung spielt in einem geopolitischen Setting, in dem sich ein ‚quasi-demokratisches Land‘ mit seiner wirtschaftlichen und militärischen immer deutlicher gegen die Europäische Union stellt. […] In der Übung treibt auch eine „Antiglobalisierungsgruppe“ (AGG) ihr Unwesen. Sie wird als internationale Bewegung beschrieben, deren besondere Fähigkeit im ‚Organisieren von Krawallen, die sich als Demonstrationen tarnen‘ liegt.“ (jw)
Manöver: Provokation?
(27. Juli 2017)Die NATO und ihre Mitgliedsstaaten haben die Zahl ihrer Manöver in den letzten Jahren drastisch erhöht: 2016 waren es laut NATO Fact Sheet 242 und 2017 werden 249 Manöver erwartet. Ein Großteil dieser Übungen findet inzwischen in Osteuropa und/oder mit eindeutigen Russlandszenarien statt. Obwohl mit diesen Manövern die Gefahr „versehentlicher“ Zusammenstöße mit russischen Einheiten massiv zunehmen, wie unter anderem Untersuchungen des European Leadership Council gezeigt haben, gibt es in den westlichen Medien wenig bis keine Kritik hieran. Das zweifellos natürlich ebenfalls im Zusammenhang mit den zunehmenden Großmachtkonflikten einzuordnende jüngste chinesisch-russische Manöver in der Ostsee (siehe IMI-Aktuell 2017/423) betitelt die Frankfurter Rundschau dagegen mit „Provokation im Baltikum“: „Drei Kriegsschiffe aus dem fernen China sichern die wirtschaftlichen Interessen Pekings jetzt auch in der Ostsee. So lautet eine der offiziellen Begründungen für das erste chinesisch-russische Seemanöver dort, unweit der schwedischen Insel Gotland und auch nicht so weit weg von Bornholm, das zum Nato-Mitglied Dänemark gehört. […] Alles halb so wild, hieß es zum Manöverauftakt aus Moskau und Peking; beide Länder führten doch schon seit 2012 jedes Jahr gemeinsame Seemanöver durch. Aber eben nicht wie jetzt mitten in einem europäischen Binnenmeer mit sechs Küstenländern aus dem Nato-Kreis.“ (jw)
Afghanistan: Militär gegen Rohstoffe
(27. Juli 2017)Auch wenn es sicher nicht der Hauptgrund für den Krieg in Afghanistan gewesen sein dürfte, wurde schon länger auf die nicht unerheblichen Rohstoffvorkommen im Land verwiesen. Schon 2010 geisterten Meldungen wie diese damals von Spiegel Online durch die Gegend: „Kupfer, Lithium, Eisen, Gold: Die USA haben wertvolle Bodenschätze in Afghanistan entdeckt. Die Mineralvorkommen sind nach ersten Schätzungen fast eine Billion Dollar wert.“ Nun berichtet die New York Times (via Bpb-Newsletter), Präsident Donald Trump habe zusätzliche US-Truppen im Land von einem Zugriff auf die afghanischen Rohstoffe abhängig gemacht: „Mr. Trump has discussed the country’s mineral deposits with President Ashraf Ghani, who promoted mining as an economic opportunity in one of their first conversations. Mr. Trump, who is deeply skeptical about sending more American troops to Afghanistan, has suggested that this could be one justification for the United States to stay engaged in the country. […] Stephen A. Feinberg, a billionaire financier who is informally advising Mr. Trump on Afghanistan, is also looking into ways to exploit the country’s minerals, according to a person who has briefed him. Mr. Feinberg owns a large military contracting firm, DynCorp International, which could play a role in guarding mines — a major concern, given that some of Afghanistan’s richest deposits are in areas controlled by the Taliban.“ (jw)
Mali: Rückzugsforderung
(27. Juli 2017)Anlässlich des Todes zweier Bundeswehrsoldaten in Mali fordert die DFG-VK, den dortigen Einsatz sofort zu beenden. Sie erinnert bei dieser Gelegenheit daran, dass sie bereits am 2. Mai in Fritzlar vor jenem Standort, von dem die beiden Getöteten stammten, gegen den Einsatz protestiert hatte.
Faßberg: Unmut
(27. Juli 2017)Oberstabsfeldwebel Paul Hicks vom Fliegerhorst Faßberg zeigte sich gegenüber der Celleschen Zeitung empört über einen Schriftzug „Soldaten sind Mörder“, den Unbekannte vor dem Tag der Bundeswehr auf der Landesstraße 280 von Unterlüß angebracht hatten: „Es wird hier zwar ,nur‘ auf die Institution Bundeswehr gezielt, aber es geht hier auch um Menschen – um Menschen, die sich gekränkt fühlen und ihren Kindern erklären müssen, warum so etwas gesagt und geschrieben werden darf, und vor allem, warum es so lange auf der Straße öffentlich bleibt“, wird Hicks zitiert. Tatsächlich habe die Straßenmeisterei bereits versucht, den Schriftzug zu entfernen, war daran aber nun gescheitert. Nun wolle man die Stelle „mit einer Bitumenemulsion ansprühen und anschließend absplitten“.
Mali: 2 Tote
(27. Juli 2017)Beim Absturz eines Kampfhubschraubers vom Typ Tiger in Mali sind zwei Soldaten der Bundeswehr gestorben, wie zahlreiche Medien seit gestern Abend übereinstimmend berichten und vom Einsatzführungskommando bestätigt wurde. Im Deutschlandfunk wurde der MINUSMA-Einsatz der Bundeswehr in den entsprechenden Meldungen wiederholt als „Friedenseinsatz“ bezeichnet, obwohl er selbst in Verlautbarungen der UN und Bundeswehr meist als Stabilisierungseinsatz bezeichnet wird. Ebenso melden die Medien nahezu übereinstimmend und im Einklang mit den Informationen des BMVg, dass es bislang „keine Hinweise auf Fremdeinwirkung“ gebe, was die Vermutungen über die Ursache in Richtung technischer Defekt lenkt. Abweichende Informationen liefert der Verteidigungs-Experte der Tagesschau Christian Thiels in einem Blogeintrag, der die frühen Informationen zum Absturz zusammenfasst und die Kommunikationsstrategie des Ministeriums kritisch reflektiert. So sei durch die UN zunächst auch noch von Konfrontationen bzw. Gefechten am Boden die Rede gewesen.
Der Deutschlandfunk interviewte aus diesem Anlass am Donnerstag Morgen Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Dieser kritisierte insbesondere die Medien scharf, weil diese berichtet hätten, bevor die Angehörigen benachrichtigt werden konnten. Außerdem kritisierte er einen Engpass an technisch qualifizierten Personal und zeigte sich – nachdem er natürlich ausgiebig Anteil nahm am Tod der Soldaten – überzeugt von der bevorstehenden Trendwende in Sachen Personal. Darüber hinaus wurde beim Deutschlandfunk bereits zuvor (in einem Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondentin Katharina Hamberger) davon ausgegangen, dass es nun wieder eine intensivierte Diskussion „über die Ausstattung der Bundeswehr“ geben werde – mit einer Diskussion über den Einsatz selbst wird offenbar nicht gerechnet.
Das BMVg kündigte zunächst als Konsequenz an, dass die Kampfhubschrauber Tiger nun vorerst nicht mehr für „Routine-Flüge“ aufsteigen würden, sondern nur noch in Situationen „bei denen Leib und Leben einen Einsatz unbedingt erfordern.“ Die Verlegung der Kampfhubschrauber war Anfang des Jahres v.a. mit der Bergung von Verwundeten (bzw. deren Absicherung) begründet worden (siehe IMI-Aktuell 2017/153). Wobei es sich beim „Routine“-Einsatz der Kampfmaschinen handeln soll, wäre vonseiten des BMVg erst noch klarzustellen.
Ost-Timor: Humanitär?
(27. Juli 2017)Als eine der wenigen „erfolgreichen“ humanitären Interventionen gilt der Militäreinsatz in Ost-Timor 1999. In der aktuellen International Peacekeeping wird dagegen argumentiert, die Militärintervention sei nicht der Grund für das Ende der Menschenrechtsverletzungen gewesen – die Autoren leiten daraus generell ab, Militär sei hierfür nicht das geeignete Mittel: „By combining existing but under-explored data on mass atrocities with eye-witness accounts, new key informant interviews, and a detailed review of secondary sources, we demonstrate that the wave of militia-perpetrated violence in September 1999 was extinguished prior to the arrival of international military forces. We demonstrate the unique effect of national political factors, when combined with the pressures of international diplomacy, which combined to end mass atrocities in this particular case. […] Through our new empirical analysis, and the alternative explanation we present to explain endings of mass atrocities in this case, we challenge the tendency to focus on international military intervention as the means by which mass atrocities come to an end.” (jw)
Sophia: Verlängert
(26. Juli 2017)Gestern wurde der EU-Marineeinsatz „Sophia“ verlängert – meist wird in den deutschen Medien dabei das Bild eines rein humanitären Einsatzes zur „Seenotrettung“ ertrinkender Menschen gezeichnet. Das allein ist schon ein Zerrbild (siehe IMI-Analyse 2015/31), zumal es vor allem um die Bekämpfung von „Schleusern“ und damit illegalisierter Migration geht. Im Zuge der aktuellen Debatte wurde nun besonders scharf argumentiert, wie Spiegel Online berichtet: „Der belgische Außenminister Didier Reynders forderte deshalb, dass die „Sophia“-Schiffe künftig auch in libyschen Gewässern gegen die Schlepper vorgehen. Dafür aber wäre eine Genehmigung der libyschen Regierung notwendig – doch eine solche gibt es in dem Bürgerkriegsland bisher nur in Ansätzen. […] Österreichs Außenminister Sebastian Kurz wiederum verlangt, dass die „Sophia“-Schiffe gerettete Migranten nicht mehr auf das italienische Festland bringen.“ (jw)
Hammelburg: Ausbau
(25. Juli 2017)Anlässlich ihrer „Sommerreise“ besuchte Bundesverteidigungsministerin von der Leyen am gestrigen Montag Kaserne und Truppenübungsplatz Hammelburg an und kündigte dort „investitionen“ in Höhe von 70 Mio. Euro an. „Hammelburg spielt eine große Rolle, auch in Zukunft … Hammelburg ist ein Standort, der Zukunft hat, den wir mit großem, großem Engagement ausbauen werden“, so die Ministerin in einem Video von Reuters auf Stern.de.
Grund sei, dass die Bundeswehr „nach 25 Jahren Schrumpfung … Bundeswehr wieder [wachse] … In den nächsten sieben Jahren sollten 18 000 Soldaten und zivile Mitarbeiter hinzukommen“, so merkur.de. Und Hammelburg sei als zentraler Ausbildungsstandort quasi „die Herzkammer der Infanterie“. (bk)
Trump: Deutsche Elite entspannt
(25. Juli 2017)Ungeachtet manch schriller Töne ob des Gebarens des neuen US-Präsidenten Donald Trump ergab das F.A.Z.-Capital-Elite-Panel, dass die sogenannten Führungskräfte diesbezüglich relativ entspannt sind. Die Elitenbefragung unter 521 Personen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist laut FAZ „die am ranghöchsten besetzte repräsentative Umfrage in Europa. Unter den Teilnehmern sind 85 Vorstände von Unternehmen mit mehr als 20000 Beschäftigten, 24 Minister und Ministerpräsidenten und 33 Leiter von Bundes- und Landesbehörden.“ Die Befragung ergab, „dass die allermeisten Führungskräfte bisher nicht glauben, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis durch Trump dauerhaften Schaden erleidet.“ (jw)
Sanktionen: Knallharte Interessen
(25. Juli 2017)Nachdem nun auch US-Präsident Donald Trump Zustimmung signalisiert hat, dürfte heute das Repräsentantenhaus einen Gesetzesentwurf zur Verschärfung der Sanktionen gegen Russland zustimmen. Vor allem in Deutschland ist man hierüber – vorsichtig formuliert – verschnupft. In den Medien wie hier in der FAZ wird den USA ungewöhnlich offen vorgeworfen, hiermit vor allem die Verdrängung russischen Gases durch daseigene Fracking-Gas anzustreben: „Der Gesetzesentwurf formuliert unverhohlen das Ziel, amerikanischen Gasexport zu fördern, um Arbeitsplätze zu schaffen. Selten haben amerikanische Gesetzgeber so deutlich formuliert, dass ihnen nationale kommerzielle Interessen wichtiger sind als eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Europäischen Union.“ Schon im Juni meldete sich auch die Politik in Form von Außenminister Sigmar Gabriel mit einem ähnlichen Tenor zu Wort: „Es kann nicht sein, dass die Sanktionen jetzt dazu missbraucht werden, russisches Gas zu verdrängen, um amerikanisches verkaufen zu können.“ (jw)
Booklet: EU-Rüstungsausgaben
(25. Juli 2017)Die EU-Abgeordnete Sabine Lösing hat das Booklet „EUropa: Milliarden für die Rüstung“ veröffentlicht. Es kann hier heruntergeladen oder kostenlos hier bestellt werden: hannover@sabine-loesing.de (jw)
WSH-Camp: Inhalte
(24. Juli 2017)Während das War Starts Here-Camp in der Colbitz-Letzlinger Heide die ersten Jahre wie eine Ansammlung schwerstkrimineller behandelt und intensievst überwacht und drangsaliert wurde, scheinen sich die polizeilichen Gemüter mittlerweile beruhigt zu haben. Die Polizei rechne dieses Jahr mit weniger Zulauf und nur einem „kleineren Einsatz“, der entsprechend vom Polizeirevier Salzwedel aus geleitet werde, wie die junge Welt im Vorfeld berichtet. Umso mehr Platz ist bereits jetzt für Inhalte. Die „Themen reichen vom Hunger als Waffe bis zum Eindringen der Rechten in die Friedensbewegung“ so der Artikel mit der einladenden Überschrift „Eine Woche protestieren“.
KIT: Geheimhaltung
(24. Juli 2017)Das wehrtechnisch ausgerichtete Fraunhofer IOSB arbeitet – wie von der Bundeswehr gewünscht – eng mit einigen Lehrstühlen am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) zusammen. Diese Einbindung der Hochschule in die Rüstungsforschung wird seit Jahren von Studierenden kritisiert. Nachdem Hinweise öffentlich wurden, dass einige KIT-Mitarbeiter_innen unmittelbar an Forschungsprojekten des Fraunhofer IOSB beteiligt sind, stellte der AStA des KIT Ende Juni eine offizielle Anfrage an das KIT-Präsidium, in der die Offenlegung der „finanziellen, inhaltlichen und personellen Verflechtungen des Fraunhofer IOSB mit dem Lehrstuhl für Interaktive Echtzeitsysteme (IES)“ gefordert wurde. Offenbar erhielt der AStA darauf bereits eine Antwort, wurde aber zugleich zur Verschwiegenheit über deren Inhalt verpflichtet. So wurde die Anfrage auf der Homepage des AStA mittlerweile mit folgender Erklärung ergänzt:
„Am 30.06.2017 erhielten wir eine Antwort mit folgendem Hinweis: ‚Ich danke Ihnen sehr für Ihren sehr vertrauensvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit oben aufgeführten Informationen und Daten, die selbstverständlich weder für die Öffentlichkeit, noch für außenstehende Personen bestimmt sind! Herzlichen Dank vorab!‘ Entsprechend sind wir noch verunsichert was die Veröffentlichung angeht. Vorerst können Listen des Studierendenparlaments auf Anfrage die Informationen zur Verfügung gestellt bekommen.“
Dietrich Schulze, ehemalige Betriebsratsvorsitzender im Forschungszentrum Karlsruhe und heute aktiv in der Initiative gegen Militärforschung an Universitäten, kritisierte diesen „Maulkorb“ u.a. in einem offenen Brief an den Präsidenten des KIT, Prof. Hanselka: „Die Herabwürdigung des AStA zu einem Geheimnisträger ist völlig inakzeptabel. Wenn dieser Maulkorb nicht umgehend abgehängt wird, muss das KIT-Präsidium mit Konsequenzen rechnen.“
Reservisten: Alte Stärke
(24. Juli 2017)Der Südkurier berichtet, der Reservisten-Verband fordere eine massive Aufstockung seiner Einheiten: „Es klingt wie die Rückkehr in die Vergangenheit. Damals, im Kalten Krieg, da standen Heimatschutzbataillone bereit, Reserveeinheiten der Bundeswehr, die die Truppe im Verteidigungsfall unterstützen sollten. Sie sind seit zehn Jahren Geschichte, die Truppen sind zusammengeschrumpft. Der Reservistenverband aber will zurück zu alter Stärke. [Verbandspräsident Oswin]Veith stellt sich eine „Nationale Reserve“ von rund 30 000 Reservisten vor.“ (jw)
Litauen: Bundeswehr
(22. Juli 2017)Der MDR berichtet über die erneute Verlegung von Kampfeinheiten der Bundeswehr nach Litauen: „Laut Bundeswehr starten zunächst am Freitagabend in Bad Frankenhausen acht Kampfpanzer des Typs Leopard 2 und ein Bergepanzer ‚Büffel‘ mit ihren Besatzungen ins Baltikum. Sie werden auf der Straße nach Sondershausen fahren und dort auf die Bahn verladen, hieß es. Am Sonnabend folgen dann im sächsischen Marienberg rund 400 Soldaten mit 14 Schützenpanzern des Typs ‚Marder‘. Außerdem wird im Rahmen des Nato-Einsatzes ein Zug Panzerpioniere aus Gera mit 30 bis 40 Mann ins Baltikum verlegt.“ Die Einheiten würden dort für ein halbes Jahr im Rahmen der Enhanced Forward Presence stationiert, das Einsatzführungskommando bewerte eine „offene militärische Bedrohung“ der deutschen Truppen durch Russland als „unwahrscheinlich“. (bk)
Syrien: US-Stützpunkte
(22. Juli 2017)Die türkische regierung hat eine Karte veröffentlicht mit den Stützpunkten der US-Armee in jenem Gebiet, das von den kurdisch dominierten Kräften der SDF dominiert wird, wie Telepolis berichtet. Der Artikel enthält einen durchaus interessanten Ausschnitt dieser Karte, auf der zehn Standorte markiert sind, darunter zwei Luftwaffenbasen. Die Veröffentlichung reiht sich ein in eine längere Geschichte der strategischen Entfremdung zwischen den NATO-Verbündeten USA und Türkei, wie der Autor darstellt: „So wurde das Pentagon schon gewarnt, dass bei Angriffen auf die syrischen Kurden durchaus auch mal US-Truppen zur Zielscheibe werden könnten, die sich dort aufhalten. Die Veröffentlichung der Stützpunkte durch die staatliche Nachrichtenagentur ist zumindest als Provokation zu verstehen, auch wenn diese in Syrien bekannt sein werden… Pentagon-Sprecher Adrian Rankine-Galloway erklärte, dass die Veröffentlichung von wichtigen militärischen Informationen die Koalitionsstreitkräfte unnötigen Risiken aussetze und die Anti-IS-Operationen gefährden könnte. Man könne nicht sagen, woher die Informationen stammen, man sei aber sehr besorgt, ‚wenn Angehörige eines Nato-Verbündeten absichtlich unsere Truppen gefährden, indem sie geheime Informationen veröffentlichen'“.
Die Karte ist tatsächlich als Teil eines Informationskriegs zwischen den USA und der Türkei zu verstehen, der womöglich auch auf die Symathisant*innenszene der PKK abzielt, in der intensiv für das „Projekt Rojava“ geworben wird. Dass sich in den vom IS und damaszener Regime befreiten Gebieten ein Netzwerk von US-Militärbasen entfaltet, die sicher nicht so schnell aufgegeben werden, dürfte gerade in linken und antiimperialistischen Kreisen für Diskussionen sorgen. (bk)
Raketenabwehr: Keine Limits
(21. Juli 2017)Tytti Erästö und Roger L. Hale Fellow haben für den Ploughshares Fund die Studie “Between the Shield and the Sword: NATO’s Overlooked Missile Defense Dilemma“ veröffentlicht. In einem Artikel für das European Leadership Network argumentieren sie, Russland habe allen Grund, die NATO-Raketenabwehr skeptisch zu beurteilen, da Washington keinerlei Begrenzungen zu akzeptieren bereit sei. Außerdem sei man weiter wild entschlossen, die Aktivierung von „Phase 3“ des Schildes fortzusetzen, deren Notwendigkeit früher immer mit Verweis auf den Iran begründet worden sei, wovon aber die NATO inzwischen selbst nicht mehr spreche: “If missile defences indeed were limited, Russia would have no reason to be worried. The problem is that there are no guarantees that this will be the case. Largely due to opposition by the U.S. Congress, the United States has repeatedly rebuffed Russian calls for legally binding limits to the anti-missile project. […] The Alliance seems to have completely abandoned the association between missile defence and Iran. As stated in NATO’s official website in late 2015, NATO’s ‘missile defence is not about any one country, but about the threat posed by proliferation more generally.’ […] It is in the interests of regional security that the United States reinstate adaptability to EPAA by suspending Phase III in Poland.” (jw)
Syrien: Keine Waffenlieferungen
(21. Juli 2017)U.a. der Deutschlandfunk berichtet, die US-Regierung habe beschlossen, keine Waffen mehr an „syrische Rebellen“ zu liefern: „US-Präsident Donald Trump hat die verdeckten Waffenlieferungen des Auslandsgeheimdienstes CIA an syrische Rebellen, die gegen die Regierung von Baschar al-Assad kämpfen, stoppen lassen, berichtet die „Washington Post“. Die Entscheidung habe Trump vor knapp einem Monat nach einem Treffen mit CIA-Direktor Mike Pompeo und seinem Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster getroffen, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise.“ (jw)
Rüstung: En Marche!
(21. Juli 2017)Im Tagesspiegel kommt ein Ludwig Biller zu Wort, der als Politikberater von „Polis 180“ vorgestellt wird, den das Blatt als einen „Grassroots-Thinktank für Außen- und Europapolitik“ beschreibt. Betrachtet man dann das Papier „Europäische Verteidigung – En Marche!“, auf das vom Tagesspiegel ebenfalls verwiesen wird und an dem auch Biller mitarbeitete. In ihm finden sich so bewegungsnahe Vorschläge, wie die „Aufstellung einer mit ständig bereitstehenden Soldaten ausgestatteten Crisis Reaction Force“, für deren Einsatz das „Konsensprinzip abgeschafft“ werden soll. Außerdem müsse „in Europa darüber diskutiert werden, wie abschreckende Fähigkeiten durch einen europäischen nuklearen Schutzschirm ermöglicht werden können.“ (jw)
Mossul: Opferzahlen
(20. Juli 2017)In die „Schlacht um Mossul“ waren viele Akteure verwickelt (siehe IMI-Studie 2017/11). Nun sickern allmählich Informationen über die Opferzahlen durch. So veröffentlichte Amnesty International kürzlich die Studie „Iraq: At any cost“, die allein für den Westteil der Stadt. Sie kommt zu dem Ergebnis, allein zwischen 19. Februar und 19. Juni 2017 seien bei den Auseinandersetzungen 5805 Zivilisten ums Leben gekommen. Parallel dazu berichtet der Independent über einen Geheimdienstbericht, der im zugespielt worden sei, demzufolge bei den Kämpfen um Mossul insgesamt 40.000 Menschen getötet worden sein sollen. (jw)
Pack mer’s, Deutschland
(20. Juli 2017)Mit dem Schwerpunkt „Pack mer’s, Deutschland“ bringt sich die „Internationale Politik“, nach Eigenermessen Deutschlands führende außenpolitische Zeitschrift, einmal mehr in die Debatte um die deutsche Rolle in der Welt ein. Mit dabei ist u.a. Jan Techau, der bereits kürzlich unangenehm auffiel, da er (auch in diesem Artikel) Deutschland eine pazifistische „Psychopathologie“ unterstellt (siehe IMI-Aktuell 2017/395). Auch einen Auftritt hat Jörg Lau, der seit Jahren für ein ambitionierteres (militärisches) Auftreten Deutschlands eintritt (siehe IMI-Analyse 2011/030). In seinem Beitrag „Mehr Härte, mehr Großzügigkeit“ plädiert er u.a. für weitere Erhöhungen der Rüstungsausgaben: „Dank Brexit und Trump ist klar geworden, dass es heute, pathetisch gesprochen, um die Selbstbehauptung Deutschlands in einem zerbröselnden Westen geht. […] Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit des altbekannten deutschen Bekenntnisses zum Multilateralismus – und zu seinem sicherheitspolitischen Pendant Artikel 5 – wäre unter heutigen Bedingungen eine spürbar größere Investition in die gemeinsame Verteidigung.“ (jw)
Afghanistan: Bombardierungen
(19. Juli 2017)Der Washington Post zufolge haben die US-Bombardierungen in Afghanistan inzwischen wieder das Niveau des Jahres 2012 erreicht, nachdem sie zwischenzeitlich deutlich zurückgegangen waren: „As of June 30, U.S. and coalition aircraft had dropped or expended 1,634 munitions in Afghanistan so far this year, according to U.S. Air Force numbers. By comparison, in 2015 and 2016, that figure was 298 and 545 respectively.“ (jw)
Cyber: Hemmungslos
(19. Juli 2017)Die Kriminalitätsbekämpfung ist eigentlich nicht Aufgabe der Bundeswehr und schon gar nicht im Inland. Das sollte eigentlich jede_r wissen, erst recht ein Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Wenn die Bundeswehr aber im Ausland angeblich Terroristen (MINUSMA), Piraten (ATALANTA) und Schlepper (EUNAVFOR MED) bekämpft, kann man da vielleicht schonmal durcheinanderkommen. Jedenfalls behauptete Markus Grübel, CDU-Abgeordneter aus Esslingen, in Reutlingen laut Südwestpresse: „Mit einem Personal von 13 500 Kräften will die Bundeswehr gegen die steigende Cyber-Kriminalität vorgehen“. Denn „Angriffe via Internet“ seien „auch verteidigungsrelevant“. Grübel war sich nicht zu schade, davor zu warnen, dass es „durchaus möglich“ sei, „dass Hacker und Leute, die bewusst brisante Falschinformationen (‚Fake News‘) in Umlauf bringen, versuchen könnten, den Ausgang der Bundestagswahl am 24. September zu beeinflussen“. Freilich ist das ein unangenehmer Gedanke, aber wenn dagegen wiederum die Bundeswehr in Stellung gebracht wird, liefe das ja letztlich darauf hinaus, dass die Bundeswehr durch Aktivitäten im Informationsraum den Ausgang der Bundestagswahl beeinflusst. Sollte das tatsächlich ihr Auftrag sein?
Nun sollte man das Gerede eines Abgeordneten aus Esslingen auf einer Veranstaltung der jungen Unternehmer in Reutlingen vielleicht nicht zu ernst nehmen, aber es handelt sich nun mal zugleich um einen Staatssekretär und obendrein um einen, dem der „erste Politikerbesuch beim Kommando Cyber- und Informationsraum“ zugeschrieben wird und demselben gleich einen ganzen Artikel zu widmen. Darin hieß es u.a.: „Insbesondere das neue, sich im Aufbau befindende Gemeinsame Lagezentrum des Kommandos wurde hierbei mit besonderem Interesse betrachtet. Dort wird in naher Zukunft die Lage im Cyber- und Informationsraum umfassend abgebildet, in Teilen anderen Behörden zur Verfügung gestellt, und somit ein wesentlicher Beitrag zur Sicherheit Deutschlands geleistet“. Welche Behörden das sind, wird nicht näher ausgeführt. Von einer strikten Trennung zwischen zivilen und militärischen Aufgaben kann bei der Cybersicherheit jedefalls, spätestens seit Aufstellung des Cyber- und Informationsraumkommandos, keine Rede sein (vgl. IMI-Analyse 2017/31). (bk)
Ostsee: Chinesische Präsenz
(19. Juli 2017)Neben Rufen, die deutsche maritime Präsenz in der Ostsee aufzustocken (siehe IMI-Aktuell 2017/207), macht sich parallel dazu nicht nur Russland, sondern n-tv (via Bpb-Newsletter) zufolge auch China auf, mit Schiffen ein Manöver in der Region abzuhalten: „Mehrere chinesische Kriegsschiffe sind auf dem Weg zu einer gemeinsamen Übung mit der russischen Marine in der Ostsee. […] Die Übung ‚Maritime Zusammenarbeit 2017‘ soll demnach vom 24. bis 27. Juli in der Ostsee stattfinden. Beteiligt sind etwa zehn Schiffe verschiedener Klassen. Auch in der Barentssee und im Ochotskischen Meer in Ostasien sind den Angaben zufolge Übungen geplant.“ (jw)
Kämpfen und Töten
(19. Juli 2017)Spiegel Online (via Bpb-Newsletter) liefert dem Militärhistoriker Sönke Neitzel eine Bühne, der Versuche, die Traditionslinien der Bundeswehr zur Wehrmacht zu kappen, als „historischen Exorzismus“ ablehnt und auch sonst ordentlich auf die Pauke haut: „Reden Sie mal mit Panzergrenadieren oder Fallschirmjägern. Die laufen nicht mit Schaumgummibällen durch die Gegend, die sollen kämpfen und töten können, und zwar weil die Bundesrepublik das von ihnen verlangt. Im Gegenzug muss ich akzeptieren, dass diese Leute, alles Freiwillige, über ein bestimmtes Ethos verfügen. Die sagen nicht: Es ist schrecklich, dass ich Scharfschütze bin. Die wollen ihr Metier beherrschen – so wie Sie gute Journalisten sein wollen und ich ein ordentlicher Historiker sein will. Diesen Leuten kann ich doch nicht lauter nicht kämpfende Vorbilder anbieten.“ (jw)
Afghanistan: Modell MacArthur?
(18. Juli 2017)Zeitweise kämpften in Afghanistan über 100.000 Mitarbeiter Privater Sicherheitsdienste. Im Atlantic wird nun darauf hingewiesen, dass der inzwischen stark zurückgefahrene Rückgriff auf solche Söldnertruppen wieder deutlich an Prominenz gewinnen könnte. Anscheinend wurden Erik D. Prince, der Gründer der privaten Militärfirma Blackwater Worldwide, und Stephen A. Feinberg, der mit DynCorp International verbunden ist, von Steve Bannon und Jared Kushner, beides zentrale Figuren der US-Regierung, um Vorschläge gebeten, wie in Afghanistan zu verfahren sei. Wie diese ausgesehen haben könnten, beschreibt der Atlantic-Artikel unter Verweis auf einen jüngste Veröffentlichung von Prince: „In a recent Wall Street Journal op-ed, Prince laid out a plan whereby the fighting force would be led by an American viceroy who would report directly to Trump. Modeled after General Douglas MacArthur, who ruled Japan after World War II, the viceroy would consolidate all American power in a single person. His mission: Do whatever it takes to pacify Afghanistan. No more backseat driving of the war from pesky bureaucrats in Washington, or restrictive rules of engagement imposed on soldiers. An American viceroy with a privatized fighting force would make trains run on time in Afghanistan—if they had trains.” (jw)
Hochzeit der Hardliner
(18. Juli 2017)Schon im Wahlkampf hatten traditionell eher den Demokraten nahestehende “liberale Internationalisten“ und große Teile der Jahrzehnte im republikanischen Lager verorteten „Neokonservativen“ sich zusammengetan, um eine Präsidentschaft Hillary Clintons zu unterstützen. Damit kam es zu einer Art Verschmelzung der radikalsten Kriegshardliner beider politischer Lager (siehe IMI-Studie 2016/9). Wie Glenn Greenwald bei The Intercept berichtet, hat diese Gruppe nun mit der Alliance for Securing Democracy unter dem Dach des German Marshall Fund eine eigene Denkfabrik erhalten, die vor allem gegen Russland mobil machen soll: „A newly formed and, by all appearances, well-funded national security advocacy group, devoted to more hawkish U.S. policies toward Russia and other adversaries, provides the most vivid evidence yet of this alliance. Calling itself the Alliance for Securing Democracy, the group describes itself as “a bipartisan, transatlantic initiative” that “will develop comprehensive strategies to defend against, deter, and raise the costs on Russian and other state actors’ efforts to undermine democracy and democratic institutions,” and also “will work to publicly document and expose Vladimir Putin’s ongoing efforts to subvert democracy in the United States and Europe.” (jw)
Das Kriegswaffenbündnis
(18. Juli 2017)Das deutsche und das französische (sowie das italienische [2]) Kabinett trafen sich in Paris[1]. Kanzlerin Merkel und Präsident Macron verkündeten danach die Ergebnisse[1]:
Deutschland und Frankreich planen, folgende Kriegswaffen gemeinsam zu entwickeln und zu bauen [1]:
- Der Kriegshubschrauber Tiger soll gemeinsam weiterentwickelt werden [1].
- Ein neues Kriegsflugzeug soll den Eurofighter und die – recht neue – Rafale ersetzen. Bis Mitte 2018 soll ein „Fahrplan“ erstellt werden. Ab 2030 soll das Kriegsflugzeug fertig sein [1]. Erfahrungsgemäß wird aber weder der Zeitplan noch der Kostenrahmen eingehalten werden. Des weiteren sind
- die Euro-Drohne [1],
- Panzer [1],
- Satelliten [1] und
- neue Flottenverbände [1] geplant.
Präsident Macron erklärte – sprich: log dreist: „Das ist eine tief greifende, friedliche [sic!, Kriegswaffen sind nie friedlich, Kommentar vom Säzzer] und kulturelle Revolution.“[1]
Weitere Länder können an der „verstärkten Zusammenarbeit“ teilnehmen, müssten dann aber Ihr Verteidigungsbudget stetig erhöhen und mindestens 20% davon für Investitionen, d.h. für die Entwicklung und den Kauf neuer Waffen ausgeben [1].
Um das zu finanzieren, wird derzeit an der Aufstellung eines EU-Rüstungshaushaltes gearbeitet, mit dem Beschaffungsprojekte künftig zu einem guten Teil aus dem EU-Budget finanziert werden könnten [3]. Außerdem will Kanzlerin Merkel, dass noch 2017 die €uro-Zone vertieft wird: Es soll einen eigenen Haushalt in Milliardenhöhe geben, mit einem €uro-Finanzminister [1]. Macron möchte Teile des €uro-Haushaltes für Transferleistungen von reichen an arme Länder verwenden [1]. Merkel betont hingegen, dass Großinvestitionen damit getätigt werden sollen [1].
Dass Frankreich durch die Aufnahme von Flüchtlingen Italien hilft, wurde nicht erreicht [2]. Die europäischen Spitzenpolitiker*innen können sich offensichtlich viel leichter für Kriegswaffen entschieden als für Menschen.(dw)
[1] = [Christian Wernicke in Süddeutsche Zeitung; 14. Juli 2017, Seite 1, „Paris und Berlin bauen neuen Kampfjet“]; [2] = Süddeutsche Zeitung; 14. Juli 2017, Seite 4, „Blick in die Presse“, Unterpunkt „la Repubblica“ Zum Treffen der französischen, deutschen und italienischen Regierung meint das Blatt aus Rom: …]; [3] = IMI-Standpunkt 2017/15
Exportverbot für Schlauchboote?
(17. Juli 2017)Wie der Bundestagsabgeordnete der „Die Linke“, Andrej Hunko, in seiner Pressemitteilung berichtet, beschließt der Rat für Auswärtige Angelegenheiten der EU heute ein Exportverbot für Schlauchboote und Außenbordmotoren nach Libyen. Die meisten Boote erhalten die Schleusernetzwerke jedoch aus China. Daher sei als nächsten Schritt der EU-Außenminister_innen die Durchsetzung einer UN-Resolution durch den UN-Sicherheitsrat geplant, welche die EU-Militäroperation EUNAVFOR MED zur Durchsuchung von Schiffsfracht nach Außenbordmotoren und Schlauchbooten berechtigen würden. Sollten Schlauchboote schwerer erhältlich werden, ist damit zu rechnen, dass die Schleuser_innen auf alternative Transportmittel, wie Flöße und kleine Holzboote ausweichen werden und das Risiko der Überfahrt für die Migrant_innen erneut steigt. Ein vom UN-Sicherheitsrat erlassenes Exportverbot würde laut Hunko nur die Mafia in Libyen stärken, „die versuchen wird die Außenbordmotoren nach Gebrauch zurückzubekommen“ und die bereits jetzt zum Teil gewalttätigen Auseinandersetzungen innerhalb der libyschen 24 Meilenzone würden zunehmen. Frontex und das Auswärtige Amt bestätigen die Zusammenarbeit zwischen der libyschen Küstenwache und den Schleuser_innen, was die Operation EUNAVFOR MED, die u.a. auch die Ausbildung der libyschen Küstenwache umfasst, nicht nur ad absurdum führt, sondern auch beweist, wie mutwillig die EU durch diese Operation das Leben von Geflüchteten und Migrant_innen aufs Spiel setzt. Das britische Oberhaus hat erst letzte Woche die Mission als Fehlschlag bewertet und betont, „sie habe zu noch mehr Todesfällen im Mittelmeer beigetragen“. Auch der belgische Migrationsminister Theo Francken nannte die Mission einen Irrsinn und forderte die Beendigung der Mission. (ja)
Liebherr: Auftrag
(17. Juli 2017)Die Liebherr-Werke in Ehingen an der Donau, einige Kilometer westlich von Ulm haben einen Auftrag der Bundeswehr erhalten. Sie sollen für etwa 150 Mio. Euro 71 gepanzerte mobil- und Bergekrane liefern, berichtet die Schwäbische Zeitung, die auch genauer auf die Spezifika der gelieferten Fahrzeuge eingeht. Für den Auftrag arbeitet Liebherr mit Rheinmetall zusammen, ein Rüstungsunternehmen, das erst kürzlich einen Großauftrag für militärische LKW (vgl. IMI-Aktuell 2017/398) erhielt. (bk)
Abfangjäger: aufgestiegen
(17. Juli 2017)Nachdem bereits während des G20-Gipfels in Hamburg Abfangjäger der Bundeswehr in der Luft waren (vgl. IMI-Aktuell 2017/396), sind diese letzte Woche zwei weitere Male aufgestiegen, um Passagiermaschinen zu sichten. Am Freitag betraf dies ein ägyptisches Flugzeug, dessen Piloten nach Angaben von Spiegel Online eine falsche Funkfrequenz eingegeben hatten. Nach Korrektur konnte dieses Flugzeug seinen Flug planmäßig fortsetzen. Am Samstag Abend handelte es sich um eine südkoreanische Maschine deren Funkgerät ausgefallen war, die aber ein entsprechendes Ersatzsignal (Squawk 7600) sendete, wie Spiegel Online berichtet. Insofern ist unklar, warum die Abfangjäger und die durch sie erzwungene Notlandung in Stuttgart überhaupt notwendig war: „Warum sind die Eurofighter dann trotz „Squawk 7600“ aufgestiegen? Eine gute Frage – auf die es bislang noch keine Antwort gibt. Christian Hoppe von der deutschen Flugsicherung verweist auf das Standardverfahren, das in solchen Fällen greift: ‚Wenn wir einen ‚Loss of Communication‘ feststellen, melden wir das an das Lagezentrum der Bundeswehr. Das entscheidet dann eigenständig, wie sie darauf reagieren wollen.‘ Im Falle der Maschine aus Ägypten ist der Einsatz der Abfangjäger ja nachvollziehbar: Kein Funkkontakt und kein ‚Squawk 7600‘ – da kann man aufsteigen. Aber bei der Maschine aus Korea gibt es bislang noch keine befriedigende Antwort: ‚Das hat der Generalinspektor entschieden‘ – mehr konnte ein Sprecher der Luftwaffe dazu am Sonntag nicht sagen.
In beiden Fällen hatten die Abfangjäger die Schallmauer durchbrochen und damit Lärm ausgelöst, der viele Anwohner_innen beunruhigt hatte: Im Falle des koreanischen Maschine bei Stuttgart berichtet die Münchner Abendzeitung: „Die Polizei Reutlingen teilte mit, die beiden Düsenjäger seien mit Überschallgeschwindigkeit angeflogen und hätten so die Knallgeräusche erzeugt. Dadurch hätten Polizei und Rettungsdienste vermehrt Notrufe registriert: Bei der Polizei gingen in 30 Minuten etwa 250 Anrufe ein.“ (bk)
Jemen-Krieg: Deutsche Waffen?
(17. Juli 2017)Die deutsche Bundesregierung erlaubte die Lieferung von vier Patrouillenbooten und 110 ungepanzerten Lastkraftwagen an Saudi-Arabien [1]. Außerdem werden für 8,9 Mio. € „militärische Werkzeuge und Ausrüstungen geliefert [2]. Bei den 110 Fahrzeugen handelt es sich um Schwerlast-Sattelzugmaschinen[2]. Entsprechenden Informationen liegen der Süddeutsche Zeitung vor [1]. Dies geschieht ausgerechnet während des Krieges im Jemen, an dem sich die Saudis massiv beteiligen. Und während der Katar-Krise. Kritik daran kommt nicht nur von LINKEN und aus den Grünen, sondern auch aus der SPD [2]. Vor dem Hintergrund, dass die Saudis eine Seeblockade gegen jemenitischer Häfen verhängten und der Spannungen mit Katar, erklärte Rolf Mützenich (stellv. SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzender) diesen Export als nicht zu verantworten [2]. Laut Exportrichtlinie sind Rüstungsexporte in Spannungsgebiete verboten [2]. (dw)
[1] Süddeutsche Zeitung 14. Juli 2017, Seite 1, „Vier Patrouillenboote für Saudi-Arabien; [2] Süddeutsche Zeitung 14. Juli 2017, Seite 5, „Patrouillenboote für Riad“
Rüstungsexporte: Logik
(17. Juli 2017)Verschiedentlich wurde bereits auf die machtpolitische „Notwendigkeit“ von Rüstungsexporten hingewiesen. Kurz zusammengefasst: Für eine ernst zu nehmende Weltmachtpolitik wird eine unabhängige und schlagkräftige Rüstungsindustrie für notwendig erachtet – und die ist eben ohne Rüstungsexporte nicht zu bekommen, da die heimischen Märkte für eine überlebensfähige Branche zu klein sind (siehe IMI-Analyse 2016/11). Ein weiterer „Vorteil“ von Exporten ist, dass sich die Politik von den größeren Auftragsmargen durch Skaleneffekte günstigere Stückpreise verspricht. So wird in der aktuellen Ausgabe von Streitkräfte und Strategien Christian Mölling von der DGAP zitiert: „Es ist aus Sicht der Unternehmen ein ganz wesentlicher Aspekt, ob sie exportieren können oder nicht. Es ist deswegen auch für die Bundeswehr als Abnehmer ein wichtiger Aspekt, weil, wenn es den Export nicht gibt, würden die Produkte erheblich teurer werden.“ (jw)
Stoltenberg: Zocker
(17. Juli 2017)Obwohl es dazu viel berichtenswertes gäbe, halten sich deutsche Spielemagazine zum Thema Politik (und speziell Krieg) und Computerspiele stark zurück (siehe zB IMI-Studie 2015/09); IMI-Studie 2013/01) und das Buch „Das virtuelle Schlachtfeld“). Wenn dann überhaupt mal etwas berichtet wird, dann in die Richtung, wie soeben in der Gamestar, die sich darüber auslässt, N ATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sei begeisterter Zocker, insbesondere von Strategiespielen wie Age of Empires. Das Ganze firmiert dann unter dem Titel „NATO-Generalsekretär – Hat Strategie mit Age of Empires und C&C geübt“. (jw)
Kosovo: Weitere US-Bodentruppen
(14. Juli 2017)Das Pentagon beschloss am 13. Juli 2017 eine 500 Soldat_innen starke Bodentruppe im Rahmen der NATO „peace keeping“ Operation (KFOR) in Kosovo zu stationieren. Diese Operation dauert seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der NATO auf Jugoslawien im Jahr 1999 an und ist damit die am längsten bestehende Mission der Militärallianz, ohne – wie es der Artikel auf antiwar betont – ein Ende in Aussicht zu stellen. Im Juni 2017 verlängerte auch der Bundestag das Bundeswehrmandat für den Einsatz im Kosovo – ganze 800 Soldat_innen können dorthin entsandt werden. Die anhaltende Militärpräsenz der NATO in dem EU-Protektorat Kosovo führt zu keiner Verbesserung der Lage, sondern trägt lediglich zu den schlechten Lebensbedingungen der Menschen vor Ort bei, die versuchen vor der dort herrschenden Korruption, Diskriminierung und Perspektivlosigkeit zu fliehen. (ja)
Chinesische Militärbasis in Dschibuti
(14. Juli 2017)China steht kurz vor der Eröffnung seiner seit zwei Jahren angekündigten Militärbasis im ostafrikanischen Kleinstaat Dschibuti. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, stachen nun am 11. Juli in Zhanjiang in der südchinesischen Provinz Guangdong mehrere Schiffe mit Angehörigen der Volksbefreiungsarmee in See, um die erste chinesische Übersee-Militärbasis überhaupt zu bemannen. China folgt somit dem Beispiel der USA, Frankreichs, Italiens, Spaniens, Japans, der Türkei und Deutschlands (im Rahmen der Anti-Piraterie-Mission „Atalanta“), welche dort bereits seit längerem militärisch präsent sind. Dschibuti liegt strategisch interessant an der Meerenge Bab al-Mandab, die das rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet.
Der Agentur Xinhua zufolge beinhalten die Hauptaufgaben der Basis „China’s performance of missions, such as escorting, peace-keeping and humanitarian aid in Africa and west Asia.“ Zudem ist die Rede von “military cooperation, joint exercises, evacuating and protecting overseas Chinese and emergency rescue, as well as jointly maintaining security of international strategic seaways.”
Wie das Nachrichtenmagazin „The Diplomat“ berichtet, hatte der chinesische Außenminister Wang Yi bereits am 8. März vergangenen Jahres in einer Jahrespressekonferenz anlässlich der Sitzung des Nationalen Volkskongresses mit unverbrämter Offenheit die dahinterstehenden Interessen erläutert: “Like any growing powers, China’s interests are constantly expanding overseas. At present, there are 30,000 Chinese enterprises all over the world… An urgent task for China’s diplomacy is to maintain the growing overseas interests. How to maintain? I would like to tell you clearly that China will never go through the expansion path of the traditional powers, nor will China pursue hegemony. We want to explore a path with Chinese characteristics that both follows the trend of the times and is welcomed by all parties.”
Heckler & Koch: Gelebte Völkerfreundschaft
(13. Juli 2017)Sämtliche Regimenter der französischen Armee sollen bis 2028 mit 102.000 Sturmgewehren der Marke HK416F von Heckler & Koch ausgerüstet werden. Das HK416F wird künftig die Famas-Sturmgewehre aus der seit 2010 geschlossenen Waffenmanufaktur in Saint-Étienne ersetzen. Der deutsche Hersteller hatte den Großauftrag bereits im September 2016 nach einer europaweiten Ausschreibung von der Beschaffungsbehörde „Direction Générale de l’Armement (DGA)“ des französischen Verteidigungsministeriums erhalten. Bereits seit Ende Juni trainiert eine Kompanie des 1. Schützenregiments in Epinal mit der ersten Lieferung deutscher Waffen, wie u.a. „La Voix du Nord“ berichtet.
Die Nachrichtenagentur AFP zitiert die französische Rüstungsdirektion (DGA) mit den Worten, die Bestellung solle auch „die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie weiter stärken“. Weiter heißt es in dem Artikel: „Besonders symbolhaft: Am kommenden Freitag werden bei der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag erstmals Soldaten mit der deutschen HK 416 über die Pariser Champs-Elysées marschieren. Und das einen Tag nach dem deutsch-französischen Ministerrat, bei dem die europäische Zusammenarbeit bei Rüstung und Verteidigung ganz oben auf der Agenda steht.“ (sw)
GA: Hofberichterstattung / Cyber
(13. Juli 2017)Im Zuge des jährlichen deutsch-französischen Ministerratstreffens am heutigen Donnerstag reiste auch Ursula von der Leyen nach Paris und gab im Vorfeld schon einmal die Marschrichtung in einem Interview mit dem Bonner Generalanzeiger vom 12.7.2017 bekannt. Wieder einmal sind es die Themen 2% des BIP für Rüstung, projektierte Verteidigungsunion, gemeinsame Entwicklung und Beschaffung von Rüstungsgütern, Personalentwicklung, Rechtsextremismus in der Bundeswehr, für die wohlgesonnenen Reporter Fragen aufwerfen, die man auch aus den Werbebroschüren der Bundeswehr nicht besser hätte beantworten können:
2 Prozent: alter Hut noch von Grün-Rot und nur ein „fairer“ Beitrag; Verteidigungsunion: Europäer müssen ihre Probleme (in Afrika!?) selbst in die Hand nehmen, Verteidigungsfond ein wichtiger Schritt; gemeinsame Rüstung: Europa verzettelt sich und kann nur gemeinsam kostengünstig entwickeln; Personalrekrutierung: Trendwende geschafft, Bundeswehr ist ein attraktiver Arbeitgeber; Rechtsextremismus: Randerscheinung und ein neues Traditionsverständnis werden uns immunisieren. Ach ja, Ministerin wäre sie gern weiterhin…
Dass all diese Punkte durchaus strittig und mit erheblichen Nachteilen behaftet sind, kommt leider den Journalisten nicht in den Sinn – Hofberichterstattung nannte man das früher. Das ambitionierte Ziel der Erhöhung des Verteidigungsetats auf bald 70 Mrd. Euro, also fast eine Verdopplung, als „fairen Beitrag“ zu markieren, gleicht der Leugnung aller sozialen und sonstigen Probleme in Deutschland. Die zusätzlichen 35 Mrd. € sollten, statt in unproduktiver Rüstung zu verschwinden, gewinnbringend in Bildung und soziale oder gesundheitliche Projekte zu fließen, wo nicht nur mehr Arbeitsplätze geschaffen würden, sondern auch noch was für die Gesellschaft konkret bei rauskommt. Bei der Gelegenheit gälte es daran zu erinnern, dass die „Trendwende“ beim Personal der Bundeswehr mitnichten geschafft ist – mit Bezug zum Cyberthema wird auch deutlich warum: Noch kann die BW die hohen Löhne, die es für die Rekrutierung kompetenten Personals bedarf, gar nicht zahlen. Das wiederum räumt sogar der freundliche GA ein, der sich in einem anderen Artikel freut, dass Bonn mit der Stationierung des Kommandos Cyber- und Informationsraum einen „Hauptgewinn“ gezogen hätte.
Zitat: „‚Das Personal ist die zentrale Herausforderung‘, erklärt General Vetter. Eine Lösung: die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. ‚Was wir nicht selbst können, müssen wir uns kaufen‘, stellt Vetter fest. (GA, Kai Pfundt, 13.7.2017 „Hautgewinn für Bonn“).
Oder anders: Die fortschreitende Militarisierung des Cyberraumes geht mit der Militarisierung der IT-Branche einher – genug Platz, um 35 € Mrd. unproduktiv zu versenken. (AS)
SZ: NATO-Propaganda
(13. Juli 2017)Ob es sich tatsächlich noch um eine „Außenansicht“ handelt, wenn die Süddeutsche Zeitung den Leiter der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) – der vom Bundessicherheitsrat kontrollierten Diskursmaschine für aggressive Außenpolitik – zu Wort kommen lässt, darf angesichts der Nähe des Außenressorts der Zeitung zur NATO und den Transatlantikern durchaus bezweifelt werden. Jedenfalls hat Karl-Heinz Kamp von der BAKS, der sich auch schon für eine größere Rolle von Atomwaffen aussprach, eine Art Gastbeitrag verfasst, in der er vorschlägt, ein neues, offensichtlich noch deutlich aggressiveres strategisches Konzept für die NATO zu erarbeiten. Hintergrund sei folgender:
„Die bis heute gültige Strategie entstand 2010 – zu einer Zeit, als Russland noch als Partner galt, als man im Nahen Osten noch vom Arabischen Frühling träumte und Streitkräfte vor allem als Instrument des Krisenmanagements in Afghanistan und anderswo weitab der Nato-Grenzen gesehen wurden. Präsident Barack Obama hatte zuvor mit seinem Traum von einer nuklearwaffenfreien Welt überall Euphorie ausgelöst. Heute sieht die Lage anders aus. Die nach dem Ende des Ost-West-Konflikts mit Russland geschaffene europäische Friedensordnung existiert nicht mehr – sie wurde Opfer der russischen Aggression in Osteuropa und auf der Krim. Streitkräfte werden wieder primär für die Landes- und Bündnisverteidigung nach Artikel 5 des Nato-Vertrages vorgesehen. Hoffnungen auf Stabilität im Nahen Osten wurden von Bürgerkriegen und islamistischer Gewalt zerstört. Mittlerweile schwelen Konflikte im asiatisch-pazifischen Raum, der internationale Terrorismus ist als Gefahr allgegenwärtig.“
Erstaunlich, dass alle diese Verschlechterungen in der Analyse Kamps natürlich rein gar nichts mit dem Agieren der NATO und ihrer Mitgliedsstaaten zu tun haben, die nun natürlich massiv Aufrüsten und unter dem Verweis auf „hybride Bedrohungen“ auch jenseits des Bündnisgebietes „kritische Infrastruktur funktionsfähig … halten, Kommunikation … gewährleisten oder Propagandaaktionen entgegen[zu]treten“ müsse. (bk)
Stoltenberg: Zocker
(13. Juli 2017)Was die Computer Bild (online) spannend findet: Dass NATO-Generalsekretär Stoltenberg gerne Kriegsspiele (am Computer spielt. „Wer noch immer glaubt, Zocken sei Kinderkram“, werde damit „nun eines Besseren belehrt“: „So räumte der Politiker einst ein, leidenschaftlicher Zocker zu sein. Besonders Strategiespiele haben es ihm demnach angetan. Eigenen Angaben zufolge liefert er sich regelmäßig virtuelle Gefechte in ‚Command & Conquer – Red Alert 2‘, ‚Medieval – Total War‘ und ‚Age of Empires 2′“.
EU-Hilfe für libysche Küstenwache
(13. Juli 2017)Laut einem Bericht der Rheinischen Post plant die EU, die Einheitsregierung Libyens via Italien bei „den rechtlichen und organisatorischen Vorbereitungen zum Aufbau und der Benennung einer eigenen libyschen Seenotrettungsleitstelle“ und einer Seenotrettungszone (SAR) zu unterstützen. Die Inbetriebnahme der Leitstelle, sowie der SAR sei nicht vor 2018 zu erwarten. Dies geht aus der Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Zeitung vorliegt. Überdies erwäge man in der EU, wie Libyen durch die europäische Grenzüberwachungsmission EUBAM unterstützt werden könne.
Der europapolitische Sprecher der Linksfraktion, Andrej Hunko, hatte die einschlägige Zusammenarbeit der EU mit der libyschen Einheitsregierung bereits im April in einer Pressemitteilung unter dem vielsagenden Titel „Mörderische Zweckentfremdung von EU-Entwicklungshilfe“ kritisiert: „Die EU-Kommission zahlt eine Million Euro aus dem Entwicklungshilfe-Instrument an die libysche Küstenwache. Die Truppe soll Geflüchtete außerhalb der libyschen Hoheitsgewässer aufbringen und zur Umkehr zwingen. Hier zeigt sich die mörderische EU-Migrationspolitik, denn die Küstenwache ist für Folter, Misshandlungen und Schüsse auf Rettungsorganisationen bekannt“ (sw)
Stuttgart: Rüstungsmesse
(12. Juli 2017)Die Kontext Wochenzeitung berichtet (online) über „[d]ie heimliche Militärmesse“ ITEC, die in Stuttgart stattfinden soll: „Echte Panzer oder anderes schweres Gerät sind auf ihr nicht zu finden, aber ums Kriegführen, möglichst effektives Töten oder das Üben desselben geht es auch hier. Rüstungsunternehmen aus der ganzen Welt zeigen dem internationalen Fachpublikum aus Militär, Rüstungsindustrie und -forschung unter anderem den neuesten Stand bei Simulationstechnologien, Raketenabwehr- und -leitsystemen oder Drohnentechnik. Die Ausstellungsbereiche tragen so klingende Namen wie Battlefield Digitalisation, Electronic Warfare oder Weapons Simulation and Training.“ Die Messe finde nicht jedes Jahr am selben Ort statt, aber wo auch immer sie ausgerichtet wird, gäbe es meist Proteste, in Amsterdam und Köln wurde sie sogar von den lokalen Parlamenten als „unerwünscht“ erklärt.
Umso bemerkenswerter ist dass sich die Messe Stuttgart, die „zu je 50 Prozent der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg“ gehören soll, offenbar aktiv um die Rüstungsmesse bemüht habe, ohne den Aufsichtsrat zu informieren, der erst heute darüber debattieren wird.
Im Aufsichtsrat vertreten ist u.a. die Grünen-Stadträtin Anna Deparnay-Grunenberg, die sich von der Messe distanziert: „Das ist eine explizite Rüstungsmesse, das passt überhaupt nicht zu unserer Stadt“. finanzbürgermeister Föll hingegen findet Stuttgart für die Messe offenbar passend und verweist nicht ganz unzutreffend darauf, „dass in Baden-Württemberg wichtige Stützpunkte der US-Armee und der Bundeswehr angesiedelt sind“.
Entwicklungshilfe zu Militärhilfe
(12. Juli 2017)Das EU-Parlament nickte letzten Dienstag die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderungen des „Instruments für Stabilität und Frieden“(ISP) ab. Dieses ISP war offiziell einst als Instrument des Entwicklungshilfe zur Armutsbekämpfung gedacht, doch nun soll dieser Fonds um weitere 100 Millionen Euro aufgestockt werden, um dadurch Streitkräfte von sogenannten Krisenstaaten zu stärken. Die Rechtsgrundlagen dieses Schritts sind nicht gegeben: Das ISP basiert auf dem Entwicklungshilfe-Artikel des Lissabonvertrags und kann daher laut der von Jurist_innen der EU-Kommission, des Europäischen Rats und des EU-Parlaments erstellten Gutachten aus dem Jahr 2016 nicht für militärische Maßnahmen genutzt werden. Laut dem Artikel von Spiegel Online geschah dann ‚Erstaunliches‘: „Im Januar 2017 legte der Parlaments-Rechtsdienst eine zweite Expertise vor, die das genaue Gegenteil behauptete. Plötzlich war die Verordnung kompatibel mit EU-Recht. Insider vermuten, dass die Juristen unter politischen Druck geraten waren.“ Im September steht noch die Zustimmung im Plenum des EU-Parlaments und anschließend die Absprache zwischen Parlament, Kommission und dem Rat der Mitgliedsstaaten aus – wobei mit keinen großen Hürden gerechnet wird. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshof könnte bei Erhebung einer Klage diesen Schritt der direkten militärischen Nutzung von Entwicklungshilfe stoppen, die autoritäre Regierungen aufrüstet und im Kampf gegen illegalisierte Migration stärkt – und dadurch eine positive Entwicklung in der Region zwangsläufig hindert. In dem Spiegel-Online Artikel äußert sich der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer folgendermaßen dazu: „Wenn Entwicklungsgelder künftig an die europäische Rüstungsindustrie fließen, wäre das nicht nur ein eklatanter Widerspruch zum Ziel der zivilen Konfliktprävention und der Entwicklungszusammenarbeit. […] Es wäre in diesem Fall auch schlicht illegal.“ (ja)
MoTaKo: 90 Mio.
(12. Juli 2017)Das Bundeswehr Journal berichtet über eines der Aufrüstungsprojekte, die der Haushaltsausschuss in den letzten Sitzungen der Legislaturperiode noch beschlossen hat. Hier geht es um eine „vorgezogene Maßnahme im Programm „Mobile Taktische Kommunikation“ – kurz MoTaKo – zur Digitalisierung der taktischen Kommunikation der Bundeswehr“, konkret um die Ausstattung von 50 Fahrzeugen vom Typ Puma und GTK Boxer mit modernen Funkgeräten. Den Auftrag im Wert von insgesamt etwa 90 Mio. Euro erhielt wenig überraschend das Unternehmen Rohde & Schwarz, das mit besten Verbindungen zum Innen- und Verteidigungsministerium quasi Monopolist bei der Ausstattung von Bundeswehr, Geheimdiensten und Polizei mit verschlüsselter Kommunikationsausrüstung ist.
Nicht wirklich bescheiden schrieb das Unternehmen nach Angaben des Bundeswehr Journals, „dass die Bundeswehr mit SVFuA über ‚alle wesentlichen Mittel zur Gestaltung und vor allem zum Schutz der Informationshoheit‘ verfügen“ würde. (bk)
Munition auf der Stube
(11. Juli 2017)Laut Spiegel Online hortete ein Soldat Tausende Schuss Munition auf seiner Stube an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover. Vorgesetzte fanden „insgesamt 2321 Patronen Gefechtsmunition für Handwaffen, 630 Patronen Übungsmunition und fünf Übungsgranaten im Spind des Soldaten.“ Zu der Überprüfung des Spinds kam nur nachdem der Soldat einer Soldatin anbat, mit der scharfen Munition zu schießen, woraufhin diese Meldung bei den Vorgesetzten machte. Das Motiv des Diebstahls der Munition und des weiteren Militärmaterials ist bislang unklar. Das Entwenden von Waffen und Munition ist nichts ungewöhnliches bei der Bundeswehr: „Laut einer internen Aufstellung des Wehrressorts fehlten nach Schießübungen der Truppe im Jahr 2015 drei G36-Sturmgewehre, zwei G3- Gewehre und eine P8-Pistole. Im Jahr darauf wurden zwei G36, eine P8 und drei Signalpistolen als verschwunden gemeldet.“ Auch der rechtsextreme Soldat Franco A. entwendete über Monate hinweg Tausende Schuss Munition von der Bundeswehr.(ja)
Kiew: NATO-Botschaft?
(11. Juli 2017)Aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums der besonderen Partnerschaft zwischen der NATO und der Ukraine besuchte der NATO-Generalsekretär Kiew, saß dem Treffen der NATO-Ukraine-Kommission vor, sprach vor der Rada und eröffnete eine NATO-Repräsentanz in der Ukrainischen Hauptstadt. So jedenfalls berichtet es die NATO selbst.
Das Handelsblatt (online) spricht dagegen eher von einem „Treffen“ zwischen Poroschenko und Stoltenberg. Sehr knapp bleibt die Zeit (online): „Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat der Regierung in Kiew die Unterstützung des Bündnisses im Ukraine-Konflikt versichert. Zu Beginn einer Sitzung der Nato-Ukraine-Kommission am Montag in der ukrainischen Hauptstadt warf Stoltenberg Russland vor, sein „aggressives Vorgehen gegenüber der Ukraine“ fortzusetzen.“
Euronews hingegen geht auf den Anlass des Besuchs Stoltenbergs gleich gar nicht ein und berichtet: „NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte unter anderem: ‚Die Nato wird die Ukraine weiter unterstützen auf dem Weg zu engeren Beziehungen, sie unterstützt Reformen und das erreichen von Nato-Standards. Die Botschaft heisst: ob die Ukraine Natomitglied wird ist eine Sache zwischen der Ukraine und der Nato. Niemand sonst hat ein irgendwie geartetes Vetorecht.‘ Die Ukraine ist sehr enagagiert, beteiligt sich an allen militärischen Missionen unter Nato-Leitung. Am Wochenende war in der Ex-Sowjetrepublik ein Gesetz in Kraft getreten, das den Beitritt des bisher blockfreien Landes zur NATO als Ziel festlegt.“
Nocheinmal einen ganz anderen Zungenschlag erhält die Berichterstattung auf dem regierungsnahen Infoportal Ukrinform. Dort heißt es einmal von einem Beschluss „die Diskussion über die Einführung des Aktionsplans über die Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato ein[zuleiten]“, und an anderer Stelle wird die Ministerin für europäische und euro-atlantische Integration der Ukraine hinsichtlich der eingeweihte NATO-Repräsentanz mit diesen Worten zitiert: „Das ist wirklich ein bedeutendes Ereignis, weil die Nato zum ersten Mal eine solch einzigartige diplomatische Vertretung im Partnerland einrichtet, das einen Sonderstatus hat. Kein anderes Partnerland hat eine solche vollmaßstäbliche diplomatische Nato-Vertretung.“ (bk)
KSK im Innern
(11. Juli 2017)Dag Baehr, der bis vor Kurzem Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte war, gab der Augsburger Allgemeinen ein Interview, in dem er auch auf die Möglichkeit eines Einsatzes des KSK im Innern angesprochen wurde. Daraufhin räumte er ein, dass dies trainiert würde: „Ich kann das nicht ausschließen. Solange ich das nicht ausschließen kann, muss ich es auch üben. Die Entscheidung darüber treffen aber andere. Die Diskussion über die Einsätze im Inneren ist angesichts der aktuellen Sicherheitslage notwendig.“ Weiter erläutert er: „Wenn Sie sich die potenziellen Gegner – die Terroristen – anschauen, dann sind das alles militärisch gut ausgebildete, auch militärisch ausgerüstete, rücksichtslose Gegner, die mit Verfahren der unkonventionellen Kriegsführung agieren. Solchen Gegnern mit der Polizei begegnen zu wollen, setzt eine Militarisierung der Polizei voraus“. (bk)
Rüstungsatlas: Berichterstattung
(11. Juli 2017)Am 6. Juli veröffentlichte die Informationsstelle eine aktualisierte Version des Rüstungsatlas Baden-Württemberg und hielt hierfür gemeinsam mit Vertretern der Aktion Aufschrei und Ohne Rüstung leben eine Pressekonferenz ab. Die Südwestpresse berichtet hierüber u.a.: „Der 20-seitige Bericht des Tübinger Vereins aktualisiert das Kapitel ‚Rüstungsstandort Baden-Württemberg‘ aus einem umfangreicheren Rapport von 2012. Interessierte können, nach Kommunen aufgeschlüsselt, Betriebe finden, die sich an Rüstungsproduktion im weiteren Sinn beteiligen. Mit mehr als 120 Unternehmen an mehr als 70 Standorten ist der Bestand im Vergleich zur letzten Erhebung gewachsen.“ Ähnlich berichtete die Badische Zeitung. Auch die junge Welt machte auf den Rüstungsatlas und darin deutlich werdende Verschiebungen aufmerksam: „War früher die metallverarbeitende Industrie bei der Produktion von Kriegsgerät führend, so seien es heute vor allem ‚Firmen, die an elektronischen oder optronischen Bauteilen arbeiten‘. Als neuer Schwerpunkt zeichne sich Softwareentwicklung ab. Relevant seien heute viele kleine Firmen, die ‚Komponenten und Bauteile fertigen, die letztlich für den Krieg genauso unerlässlich sind wie die Handfeuerwaffe aus dem Hause Heckler & Koch'“.
Der SWR kündigt darüber hinaus die Aktionswoche an, u.a. an die Veröffentlichung des Rüstungsatlas anschließt: „Am Montag, dem 10. Juli, beginnt deswegen eine bundesweite Aktionswoche gegen deutsche Rüstungsexporte unter dem Motto ‚Grenzen öffnen für Menschen – Grenzen schließen für Waffen‘ mit zwei Mahnaktionen vor den Parteizentralen der CDU und SPD in Stuttgart sowie einer Brückenaktion an der Grenze zur Schweiz in Breisach. Neben Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und Stuttgart finden Aktionen bis zum 15. Juli auch in Bremen, Celle, Vegesack, Köln, Paderborn, Saarbrücken, Trier, Heidelberg, Herrenberg (Kreis Böblingen), Konstanz, Lindau, Mössingen (Kreis Tübingen) und Tübingen statt“. (bk)
G20: Panzer
(10. Juli 2017)Während die Polizeigewalt und die Proteste gegen den G20-Gipfel auf das seit Monaten herbeigeredete Ausmaß hin eskalierten, wurde im Hamburger Stadtgebiet eine kleine Kolonne mit drei Radpanzern vom Typ Fuchs gesichtet. Mittlerweile klärten viele Medien auf, dass die Panzer „nicht im Einsatz“ gewesen, sondern nur „umgeparkt“ worden seien, so auch Tagesschau.de. Aus deren „Faktenfinder“ geht dann aber doch am Rande hervor, dass die Panzer eben doch wegen des G20-Gipfels in der Stadt gewesen wären: „Wegen der angespannten Lage in Hamburg während des G20-Gipfels habe man den Schutz und die Absicherung der militärischen Anlagen und Kasernen in Hamburg verstärkt. Deshalb seien auch die drei Panzer mit speziell ausgebildetem Personal vom Pionierbataillon 803 aus Havelberg vor Ort. Die Transportfahrzeuge haben laut Oberstleutnant Brandel als Standardzubehör u.a. mehrere Rollen Stacheldraht an Bord, um im Bedarfsfall Gebäude absichern zu können.“
Ein Sprecher der Bundeswehr nannte den Zeitpunkt des Umpark-Maneuvers „denkbar ungünstig.“ Ob es sich tatsächlich um einen Zufall handelt, oder sich das Militär hiermit wie nach dem Amoklauf 2016 in München für den Einsatz im Inneren in die Diskussion bringen wollte (siehe IMI-Analyse 2016/33b), sei dahingestellt. Entsprechende Phantasien wurden jedenfalls u.a. bei den Schaumburger Nachrichten (online) angestellt, die gleich mal – inhaltlich leider grob verkürzend bis falsch – die Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr zusammenfassten. (bk)
MAN & Rheinmetall: Großauftrag
(10. Juli 2017)Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat zusammen mit dem Fahrzeughersteller MAN einen Großauftrag der Bundeswehr erhalten. Der Vertrag hat eine Laufzeit von sieben Jahren und sieht die Lieferung von knapp 2.300 LKWs der HX-Serie für 900 Mio. Euro vor und hat der Aktie des Rüstungskonzerns zu Auftrieb verholfen, wie boerse-online.de berichtet. Dort heißt es weiter, dass das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren Gewinne verzeichnete und weitere Zuwächse v.a. über seine Rüstungssparte realisieren will. Bilder und Videos der Militär-LKWs finden sich u.a. auf der Homepage des Herstellers. (bk)
Rostock: Brückenkopf
(10. Juli 2017)Die Marinebasis Hohe Düne soll womöglich zur NATO-Basis ausgebaut werden, berichtet die Ostsee-Zeitung (online). Zukünftig solle die Basis als „Brückenkopf der Nato … gen Osten“ fungieren und „logistische Zwecke“ erfüllen. Außerdem sollen „500 bis 600 zusätzliche Soldaten … mit der Stationierung eines zweiten Korvetten-Geschwaders in Hohe Düne hinzukommen. Mit dem Marinekommando im Stadtzentrum wären rund 3000 Marine-Soldaten und zivile Beschäftigte in Rostock.“
Kampfjets über G-20
(10. Juli 2017)Nach Angaben des Blogs „Augen Geradeaus“, kam es am Freitag beim G-20 Gipfel in Hamburg zu einem Luftüberwachungseinsatz (Combat Air Patrol) der Bundewehr. Wie das Verteidigungsministerium auf Anfrage des Blogbetreibers bestätigte, kreisten am Abend des Sinfoniekonzerts in der Elbphilharmonie zwei Eurofighter-Abfangjäger über Hamburg, um die Überwachung und Sicherung des Luftraums zu gewährleisten. Über Schleswig-Holstein befand sich zudem ein Tankflugzeug zur Luftbetankung der Kampfjets im Einsatz. Es handelte sich dabei nicht um das erste Großereignis, bei dem die Bundeswehr mit dem sogenannten Air Policing eine Aufgabe aus dem polizeilichen Zuständigkeitsbereich übernahm. So kam es bereits während der Fußball-WM und beim G-8 Gipfel in Heiligendamm zu Luftraumüberwachungs-Einsätzen. Als rechtlicher Rahmen für diese Art von Bundeswehreinsätzen, welche keine hoheitlichen Aufgaben beinhalten, dient für gewöhnlich Artikel 35 Absatz I des Grundgesetzes, der alle Behörden des Bundes und der Länder zu gegenseitiger Rechts- und Amtshilfe verpflichtet. Bezugnehmend auf den rechtlichen Aspekt dieser Einsätze urteilt der Autor des Blogeintrags, „[D]er Einsatz der Bundeswehr zur Überwachung und Sicherung des Luftraums [sei] im Vergleich zu einem Einsatz der Streitkräfte im Inland am Boden rechtlich weit weniger problematisch.“ Unerwähnt in dieser Einschätzung bleibt der Umstand, dass eine solche qualitative Unterscheidung zwischen Luft- und Bodeneinsätzen mitnichten aus der Gesetzgebung hervorgeht. „Weniger problematisch“ dürfte ein solcher Einsatz dem Autor vielmehr aufgrund der geschaffenen Tatsachen bzw. Präzedenzfälle der letzten Jahre erscheinen, die zu einer sukzessiven Verschiebung der Akzeptanzgrenzen in der Bevölkerung geführt haben mögen. (sw)
Führungsmacht statt Psychopathologie?
(7. Juli 2017)Der Deutschlandfunk zitiert in einer – wohlwollenden – Besprechung aus dem Buch „Führungsmacht Deutschland“ Politikwissenschaftler Leon Mangasarian und Jan Techau. Darin wird gefordert, Deutschland müsse sich zu einer Führungsmacht aufschwingen, die nicht „nur“ die eigenen Interessen wahrnehme: „Servant Leadership, also dienendes Führen, ist das Denkmodell, [in dem] man diese Stärke, diese Größe, die man jetzt hat, konstruktiv annimmt, aber in den Dienst nicht nur seiner eigenen Interessen, sondern in den Dienst des gemeinsamen europäischen und transatlantischen Anliegens zu stellen. Das ist das Wichtigste. Das klingt erstmal ganz banal. Aber das ist im täglichen politischen Geschäft gar nicht so leicht zu erkämpfen. Denn das muss man ja auch innenpolitisch verkaufen.“ Besonders drastisch wird es, wenn die Autoren fordern, Deutschland müsse seine pazifistische „Psychopathologie“ überwinden: „Das deutsche historische Trauma, die deutsche Psychopathologie in der Außenpolitik wirkt fort. Man hat anders als Franzosen, Amerikaner und Briten und auch andere, kleinere Länder, nicht das Gefühl, dass, wenn man sich exponiert, man automatisch sowieso auf der richtigen Seite der Geschichte rauskommt. Diese Gewissheit ist den Deutschen historisch abhandengekommen. Und das hat dazu geführt, dass sie gerne vermieden haben, sich zu exponieren. Und diesen Luxus kann man sich nicht mehr leisten.“ (jw)
NATO-Binnenspionage
(6. Juli 2017)Nach Informationen, die NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vorliegen sollen, seien türkische Militärangehörige an Botschaften im Ausland und in NATO-Stäben bereits im letzten Jahr angewiesen worden, die Aktivitäten ehemaliger türkischer Militärangehöriger, die infolge des Putschversuches entlassen wurden, auszuspionieren, wie u.a. tagesschau.de berichtet: „Man wolle wissen, welcher Arbeit die Ex-Militärs nachgehen, ob sie Asyl beantragt haben, wie ihr Kontakt zur NATO und zu ausländischen Regierungen sei. Zudem interessiert sich der Generalstab für den Kontakt zur lokalen Bevölkerung, die Adresse und mögliche Medienaktivitäten der entlassenen Soldaten.“
Ascheberg: Partnerschaft
(6. Juli 2017)Nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderates wurde am 3. Juli feierlich die Partnerschaft der Gemeinde Ascheberg mit der 4. Kompanie des Aufklärungsbataillons 7 in Ahlen auf einem Schulgelände besiegelt, wie die Westfälischen Nachrichten (online) berichten: „Ratsvertreter, Abordnungen der Schützenvereine, der Feuerwehr und einige Interessenten waren gekommen, um die Zeremonie, aber insbesondere die Präsentation der neuen Patenkompanie zu erleben“. „Die Drohnen der Aufklärer aus Ahlen lockten vor allen Dingen Technikfreunde an. Die Soldaten erklärten alles geduldig. Auf dem Bolzplatz waren ein Feldlager und Schießstände aufgebaut worden“, so ist einer Bildunterschrift zu entnehmen. Der Bürgermeister der Gemeinde zeigte sich erfreut, dass der Militärstandort in der Nachbarschaft nun wieder anwachsen soll. Und er empörte sich über „Sachbeschädigungen und Beleidigungen“, von der Zeitung als „nächtliche[r] Übergriff auf Gebäude im Umfeld“ bezeichnet. Die Parolen wurden zum Festakt teilweise bereits entfernt und teilweise mit Tarnnetzen überhangen, berichtet die Zeitung, ohne auf deren Inhalt einzugehen. Eine Begründung des Protestes findet sich auf linksunten.indymedia.org. Besonders empören sich die Autor_innen hier über die Einbeziehung von Schulen in die Partnerschaft. (bk)
G20: Amtshilfe
(5. Juli 2017)Spiegel Online berichtet über die Vorbereitung der Bundeswehr auf den G20-Gipfel in Hamburg. der Militärgeheimdienst MAD habe eine eigene Lageanalyse erstellt, einen verbesserten Schutz von Bundeswehrliegenschaften angeordnet und die Soldat_innen aufgefordert, in der Öffentlichkeit zivile Kleidung zu tragen, da sonst spontane Angriffe von Gipfelgegner_innen zu befürchten seien.
Darüber hinaus seien etwa 50 Amtshilfeersuchen an die Bundeswehr ergangen, u.a. zur Bereitstellung von Übernachtungsplätze für Polizeikräfte. Darüber hinaus erstelle die Bundeswehr ein Luftlagebild und kontrolliere den Luftraum. „Für den Abend des 7. Juli, wenn die Staats- und Regierungschefs in der Elbphilharmonie einem Konzert lauschen, gilt: Sollte es dort zu einem Anschlag kommen, würden die Polit-VIPs mit einem Landungsboot abgeholt, auf die gegenüberliegende Hafenseite zum Airbus-Gelände gebracht und von dort ausgeflogen. Die größte Sorge der Militärs ist derzeit ein Einsatz von Dutzenden Stör-Drohnen der Demonstranten. Internen Analysen zufolge könnten sie mit einem Schwarm handelsüblicher Drohnen versuchen, über die Elbphilharmonie oder den Tagungsort zu fliegen.“
BW-Uni: Rechte Netzwerke
(5. Juli 2017)Die Präsidentin der Münchner Bundeswehr-Universität, Merith Niehuss, hat bislang nicht allzu großen Aufklärungswillen in Sachen Rechtsextremismus bei der Bundeswehr gezeigt, obwohl in diesem Zusammenhang immer wieder von der Münchner BW-Uni die Rede ist. Nun hat sie laut sueddeutsche.de erstmals die Existenz rechtsradikaler Netzwerke an der Institution eingeräumt, „einiges“ sei „zu weit nach rechts gekippt“. Zugleich aber versucht sie die Probleme wieder kleinzureden. „Die Zahl der Rechtsextremen an der Hochschule sei ’so verschwindend gering, dass es keine Rolle spielt'“, so sueddeutsche.de in einem Artikel, der zugleich verschiedene Beispiele nennt und v.a. auf die Präsenz der extrem rechten „identitären Bewegung“ an der BW-Uni hinweist. (bk)
Drohnen-Rechtsstreit: Beschluss öffentlich
(5. Juli 2017)Der Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 31. Mai 2017 zum Rechtsstreit über die geplante Drohnenanschaffung ist nun online einsehbar, wenn auch an einigen Stellen gekürzt. Die Entscheidung wird ja, wie bereits bekannt, nicht mehr diese Legislaturperiode fallen, da die SPD dem Vorhaben die Zustimmung verweigerte (mehr dazu in IMI-Standpunkt 2017/17). Interessant am Beschluss ist ein Passus über die geplante Bewaffnung, da dies ja auch zumindest nach außen hin Stein des Anstoßes bei der SPD war. Ein vorgebrachter Grund des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) für die Heron TP war die schnellere Bewaffnungsfähigkeit, nämlich direkt nach der Indienststellung. Die Ausbildung des späteren Bedienpersonals an den favorisierten Waffen sollte zeitnah nach Vertragsschluss beginnen. Bei dem Konkurrenzmodell Certifiable Predator B (CPB), vom Hersteller General Atomics, der vor dem OLG wegen der Vergabeentscheidung geklagt hatte, hätte durch den Wunsch des Bewaffnungstyps erst eine spätere Ausbildung und damit auch Bewaffnung erfolgen können.
Hier der entsprechende Auszug aus dem Beschluss mit ein paar Anmerkungen in eckigen Klammern für ein besseres Textverständnis. Auslassungspunkte wurden durch den Hinweis [gekürzt] ersetzt:
„Unstreitig kann die Antragstellerin [General Atomics] die von der Antragsgegnerin [BMVg] bevorzugte Art der Bewaffnung nicht anbieten [zur Bewaffnung siehe Artikel bei Spiegel Online]. Sie ist dem diesbezüglichen Vortrag der Antragsgegnerin in ihrem Schriftsatz vom 2. Februar 2017 (GA Bl. 337) nicht entgegen getreten. Soweit sie geltend macht, der CPB könne auch mit eigenen Waffen der Antragsgegnerin ausgestattet werden, da standardisierte Schnittstellen vorhanden seien und eine Genehmigung der US-Regierung für diese Bewaffnung unproblematisch – wie im Fall von Großbritannien [Großbritannien hat zunächst 16 Drohnen dieses Typs mit einer Option weitere 10 nachträglich zu kaufen, hier ein Link zur US Defense Security Cooperation Agency mit weiteren Details] – erlangt werden könne, kommt es hierauf nicht entscheidend an. Die Bewaffnung, die die Antragsgegnerin aus sachlich nachvollziehbaren Gründen von Anfang an favorisiert hat, stammt aus [gekürzt, siehe aber SpOn-Artikel zur Bewaffnung] (GA Bl. 337). Hinzu kommt, dass sich ein solches Vorgehen auch noch aus einem weiteren Grund nachteilig auf die geforderte schnelle Systemverfügbarkeit 24 Monate nach Vertragsschluss auswirken kann. Während die Ausbildung auf Heron TP [gekürzt] nach Vertragsschluss [gekürzt] beginnen kann und nach 24 Monaten bereits 24 Crews ausgebildet sind, kann die Antragstellerin die taktische Waffenausbildung in ihrem Simulator nur mit US-amerikanischen Waffen durchführen. Bei Waffen aus anderen Ländern erfolgt die taktische Waffenausbildung durch den Hersteller [der entsprechenden Bewaffnung], wie der Zeuge L. auf Nachfrage bei seiner Vernehmung ausgesagt hat. Dies bedeutet aber, dass die taktische Waffenausbildung und das Bedienen der Waffe am CPB erst nach Integration der (fremden) Waffen und Auslieferung der Drohnen erfolgen können.“(mp)
WSH-Camp: Positionierung
(4. Juli 2017)Die Organisator_innen des diesjährigen War-Strats-Here-Camps haben eine Stellungnahme zu Querfrontaktivitäten in der sog. „Neuen Friedensbewegung“ veröffentlicht. In dieser zeigen sie einerseits Verständnis, dass sich viele Menschen angesichts der aktuellen Weltlage „Frieden“ wünschen:
„Niemand kann mehr die Augen verschliessen vor den Folgen des Kapitalismus, der im globalen Maßstab seine ganze Destruktivkraft entfaltet. Klimawandel, Zerstörung von Umwelt und Lebensbedingungen von Menschen, Wirtschaftskrisen, der Abbau von Sozialsystemen und zunehmende Armut – auch in den reichen Industriestaaten – , Kriege, Terror und Flucht sind eng verwoben mit dem System, das unserem Wohlstand zugrundeliegt. Viele Menschen beginnen sich zu fragen, wie diese Entwicklung weitergehen kann. Gleichzeitig verstärkt sich das Gefühl, wenig Einfluss zu haben auf diese zerstörerische Entwicklung. Das beunruhigt und verunsichert viele Menschen und macht Angst.“
Dieser Begriff von „Friede“ sei jedoch oft „so schwammig, dass es VertreterInnen von rechtspopulistischen und Querfront- Bewegungen sehr leicht fällt, diesen Wunsch – nicht immer sofort offensichtlich – für ihre Agitation zu nutzen“. Von diesen Absichten grenzt sich die Camp-Vorbereitung klar ab: „Rechtspopulistische Bewegungen bieten einfache Lösungen, die auf Abgrenzung und Stärkung zentraler Gewalt setzen. Sie agitieren ‚gegen das System‘ und zielen damit gegen demokratische Errungenschaften. Etablierte Machtstrukturen bekämpfen sie, weil sie die Macht für sich wollen; gegen Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse als solche haben sie nichts. Radikal linke Politik dagegen stellt die Systemfrage, weil es darum gehen muss, Herrschaft und Ausbeutung zu überwinden. Utopie emanzipatorischer Bewegung ist die Befreiung, und zwar für alle: ohne Privilegien für bestimmte Gruppen zu reklamieren.“
Besonders gelungen auch der Abschnitt in der Stellungnahme, in dem die Notwendigkeit von Vielfalt begründet wird, ohne diese zu idealisieren: „[D]ie Welt ist vielfältig, und das ist gut so. Devianz, also die Abweichung von der Norm, ist grundsätzlich nichts, was uns schreckt. Im Gegenteil sehen wir, dass nur darin die Chance auf Veränderung liegt. Wir wissen sehr wohl, dass in der Vielfalt nicht immer nur Schönes und Gutes steckt. Da heißen wir überhaupt nicht alles gut; da braucht es eine Kultur der solidarisch-kritischen Auseinandersetzung. Manchmal strengt das an. Aber das Leben in streitbarer Vielfalt ist uns diese Anstrengung wert.“ (cm)
Geilenkirchen: Protest
(4. Juli 2017)Der NATO-Standort Geilenkirchen an der deutsch-niederländischen Grenze (nur wenige Kilometer neben dem NATO-Hauptquartier Brunssum) ist v.a. als Heimatflughafen der AWACS-Flotte der NATO bekannt. 2015 wurde der Standort überdies zum NATO-Hauptquartier aufgewertet. Am 1. Juli feierte sich der Standort anlässlich seines 35-jährigen Bestehens mit einem „Tag der offenen Tür“. Tatsächlich reicht die Geschichte der militärischen Nutzung des Geländes schon länger zurück und der Eintritt zum „Tag der offenen Tür“ kostete 9,- Euro pro erwachsener Besucher_in.
Und es gab natürlich auch Protest: „Krieg beginnt hier – AWACS-Daten folgt Bombenterror“ und „No NATO, No EU-Army, No War, No Capitalism“ stand u.a. auf den Plakaten der Aktivist_innen, die bei schlechtem Wetter in Sichtweite der Besucher_innen ausharrten.
Zur Rolle der AWACS in Syrien hat die IMI aus diesem Anlass einen Standpunkt veröffentlicht.
NATO: Ausgaben
(4. Juli 2017)Die NATO hat die neuesten Zahlen zu den Rüstungsausgaben ihrer Mitglieder inklusive den Schätzungen für das laufende Jahr veröffentlicht. Demzufolge gaben alle Staaten des Bündnisses 2015 noch 895 Mrd. Dollar aus, 2016 waren es dann 920 Mrd. und für dieses Jahr werden 946 Mrd. Dollar geschätzt. (jw)
Urteil gegen BI
(3. Juli 2017)Das Neue Deutschland berichtet ausführlich über den Prozess gegen Malte Fröhlich von der BI Offene Heide, der vergangenen August den Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide betreten hat als symbolischen Protest, um den dortigen Übungsbetrieb für die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu stören. Der angeklagte Aktivist bestritt die ihm zur Last gelegte Ordnungswidrigkeit nicht, forderte die Justiz jedoch auf, stattdessen Anklage gegen Bundeswehr und Bundesregierung wegen Vorbereitung und Führung von Angriffskriegen zu erheben. In diesem Zuge warf er der Richterin „Strafvereitelung“ vor, woraufhin diese ihn warnte, ihn obendrein wegen Verleumdung anzuklagen. Der Angeklagte hielt dies für eine gute Idee, um somit rechtlich klären zu lassen, ob die Bundeswehr nicht tatsächlich an völkerrechtswidrigen Angriffskriegen beteiligt ist. (bk)
Atomare Aufrüstung: Ursachen
(3. Juli 2017)Viel ist heute in den Medien von den neuen Sipri-Daten zur weltweiten atomaren „Modernisierung“ Aufrüstung – sprich: Aufrüstung – die Rede. Unisono, hier etwa in der Rezeption der Süddeutschen Zeitung, wird geklagt, die „Atommächte investieren in die Modernisierung“, und es gebe „keine Anzeichen für nukleare Abrüstung.“ Ein wesentliches Element dieser Rüstungsspirale findet allerdings keine Erwähnung. So weisen Keir A. Lieber und Daryl G. Press in der aktuellen Ausgabe der International Security zu Recht darauf hin, dass die jüngsten „Fortschritte“ im Zuge der Modernisierung der US-Atomwaffen die Genauigkeit und Durchschlagskraft der Waffen derart erhöht hat, dass Erstschlagsszenarien immer „plausibler“ werden. Um die eigene Zweitschlagfähigkeit zu garantieren, sehen sich damit China und Russland gezwungen, ihre Arsenale ebenfalls aufzurüsten: „Rooted in the computer revolution, these advances are making nuclear forces around the world far more vulnerable than before. In fact, one of the principal strategies that countries employ to protect their arsenals from destruction, hardening, has already been largely negated by leaps in the accuracy of nuclear delivery systems. A second pillar of survivability, concealment, is being eroded by the revolution in remote sensing.” (jw)
13.500 Soldaten für den Cyberraum
(1. Juli 2017)Mit großem Tamtam ist am 30. Juni 2017 das Kommando für die neue Cybertruppe in Bonn an den Kommandeur Ludwig Leinhos übergeben worden, so berichtet der Bonner General-Anzeiger am 1.Juli. Nun liegt das Führungsunterstützungskommando, die Strategische Aufklärung, das Zentrum für operative Aufklärung und andere (siehe IMI-Analyse 2017/31) beim neu geschaffenen Kommando Cyber- und Informationsraum – zusammen 13.500 Soldaten. In seiner Rede hob der neue Kommandeur hervor, dass der Organisationsbereich nun alle relevanten Elemente umfassen, um die eigenen Systeme zu betreiben und zu schützen sowie in fremde Systemen aufklären und „wirken“ zu können. „Wirken“, so muss man heute den Bundeswehrsprachgebrauch übersetzen, meint dabei nichts anderes, als zerstörend eingreifen zu können – offensiv.(as)
US-Kriegskosten
(1. Juli 2017)Anthony Cordesman, einer der renommierstesten US-Militäranalytiker, hat kürzlich eine Zusammenfassung verschiedener Studien zu den Kriegskosten der USA zwischen 2001 und 2017 veröffentlicht. Neben Schätzungen u.a. von Lina J. Blimes, die auf – inoffizielle – Gesamtkosten bis zum Haushaltsjahr 2016 auf 4 bis 6 Billionen Dollar kam, findet sich auch ein Update der offiziellen Einsatzausgaben („Overseas Contingency Operations“): „The Department of Defense’s OCO costs of the Afghan conflict since FY2001 will rise to $840.7 billion—if the President’s FY2018 budget request is met. They will be $770.5 billion for Iraq. The total costs for all OCO spending between FY2001 and FY2018 will be in excess of $1,909 billion.” (jw)
IMI-Lädt ein: Globale Konfrontation in Korea
(30. Juni 2017)Nordkoreanische Raketen- und Atomtests dominieren die Nachrichtenlage über der koreanischen Halbinsel. Die Aktionen des nordkoreanischen Militärs geben Grund zur Sorge und verstoßen klar gegen UN-Resolutionen. Gleichzeitig stationiert die USA ein umfangreiches Raketensystem (THAAD) in Südkorea und führt zusammen mit südkoreanischem Militär aggressive Militärmanöver in Südkorea durch. Claudia Haydt, die wiederholt bei politischen Aktivisten auf der koreanischen Halbinsel zu Gast war, beschreibt beim „IMI-lädt ein“ was in Korea zurzeit geschieht. Dabei werden die politischen Entwicklungen im gesamten Pazifikraum mit berücksichtigt – genauso wie die innenpolitische Dynamik rund um die Demokratiebewegung in Südkorea. Claudia Haydt wird erläutern, wie einerseits die Proteste in Südkorea Chancen für eine demokratische und friedliche Entwicklung eröffneten, während gleichzeitig die globale Konfrontationslage zwischen den USA und China in Südkorea die politischen Spannungen in der Region verstärkt.
Dienstag, 04. Juli 2017
19 Uhr
In gemütlichen Rahmen mit Snacks und Getränken im IMI-Büro im Sudhaus (Hechingerstr. 203)
Bundestag: EUNAVFOR MED verlängert
(30. Juni 2017)Der Bundestag verlängerte die Laufzeit der EU-Marinemission European Naval Forces Mediterranean (Operation Sophia) um weitere 12 Monate, wie die ZEIT berichtet. Ganze 950 Bundeswehr-Soldaten_innen können eingesetzt werden – momentan sind rund 90 im Rahmen von Operation Sophia im Einsatz. Zwar heißt es nach Angaben des Bundesaußenministeriums, dass seit Beginn der Mission fast 40.000 Flüchtlinge gerettet wurden, doch wie Christioph Jakob in der Taz nachrechnet, wurde nur ein „schmaler Anteil“ von 12% der Geflüchteten von der europäischen Marine gerettet. Ihre Präsenz im Mittelmeer und die gleichzeitige Stärkung der libyschen Küstenwache durch Ausstattung und Ausbildung von Seiten der EU gefährden die Migrant_innen und drängen sie zu riskanteren Migrationsversuchen. Der Großteil der Migrant_innen im libyschen Meer wird laut Jakob durch „das mittlerweile knappe Dutzend ziviler NGOs und durch private Handelsschiffe“ gerettet. Diese wiederum sehen sich zunehmend mit Kriminalisierungsversuchen von unterschiedlichen Regierungen und Ämtern konfrontiert.(ja)
Russland: Bedrohungsgefühl
(30. Juni 2017)Radio Free Europe (via Bpb-Newsletter) zufolge hat die “Defense Intelligence Agency” (DIA) des Pentagon einen Bericht veröffentlicht, der zu dem Ergebnis gelangt, Russland sei überzeugt, die USA würden einen Regiemwechsel anstreben. Wörtlich wird auch dem Bericht namens „Russia Military Power: Building A Military To Support Great Power Aspirations” zitiert: „The Kremlin is convinced the United States is laying the groundwork for regime change in Russia, a conviction further reinforced by the events in Ukraine“. (jw)
Rüstungsprojekte: Durchgewunken
(29. Juni 2017)Die Anschaffung von waffenfähigen Drohnen ist – vorerst – erfreulicherweise vom Tisch (siehe IMI-Standpunkt 2017/17), alle anderen Rüstungsprojekte wurden allerdings nun vom Haushaltsausschuss durchgewunken. Nachdem das Gros der Vorhaben bereits vorige Woche abgenickt wurde, ging gestern Augengeradeaus zufolge der Rest über die Bühne. Darunter u.a. 81 Millionen Euro für den Anfang des Aufbaus des System MoTaKo (mobile taktische Kommunikation), 35,5 Mio. für die unbewaffnete Drohne Heron 1, „Patronen DM11 für den Kampfpanzer Leopard 2 für 45 Millionen Euro, bim Schützenpanzer Puma die „Integration der Turmunabhängigen Sekundärwaffenanlage für 92,9 Millionen Euro“ und für Ersatztriebwerke für das Transportflugzeug A400M 303,8 Millionen Euro. (jw)
NATO: Mehrausgaben
(29. Juni 2017)Stolz konnte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg beträchtliche Mehrausgaben der NATO-Länder für dieses Jahr ankündigen: „Nach jüngsten Schätzungen der Nato werden die europäischen Alliierten und Kanada im laufenden Jahr rund zwölf Milliarden US-Dollar mehr für Verteidigung ausgeben als im letzten Jahr. Dies entspricht einem Plus von 4,3 Prozent.“ (jw)
Neue BW-Reality-Show
(28. Juni 2017)Diesen Herbst soll die Bundeswehr eine neue Web-Tv-Serie ausstrahlen, die Soldat_innen „im täglichen Einsatz“ zeigen soll. Dafür zahlt das Verteidigungsministerium laut zwei der WELT vorliegenden Antworten auf schriftliche Anfragen des Abgeordneten Norbert Müller (Die Linke) ganze sechs Millionen Euro aus dem Budget der Nachwuchswerbung. Auch dieses Mal geht der Auftrag an das Düsseldorfer Marketingunternehmen Castenow Communications GmbH. Das gleiche Unternehmen erhielt bereits unterschiedliche Aufträge des „Werbefeldzugs“ der Bundeswehr – u.a. auch für die Produktion Youtube-Serie „Die Rekruten“, die nun bei RTL2 ausgestrahlt werden soll. Die Kosten von „Die Rekruten“ lagen bei 7,9 Millionen Euro: 1,7 Millionen für die Produktion und 6,2 Millionen an Werbekosten. Es ist davon auszugehen, dass auch die kommende Serie die Bundeswehr verharmlosen und beschönigen wird, um die Rekrutierung neuer Soldat_innen anzukurbeln. (ja)
Braunschweig: Nein zur BW-Bahn
(28. Juni 2017)Seit bereits einigen Wochen fährt eine in Bundeswehrwerbung gehüllte Straßenbahn der Verkehrs-GmbH durch Braunschweig. Auf ihr steht u.a. „Bei uns geht es ums Weiterkommen, nicht ums Stillstehen“, sowie ein Verweis auf die Rekrutierungshomepage. Laut news38 fordern die „Braunschweiger Friedensfreunde“ vom Rat der Stadt ein sofortiges Ende der Bundeswehrwerbung an städtischem Eigentum und kritisieren die öffentlichen Rekrutierungsversuche, welche selbst das „Töten und Zerstören“, was mit der Bundeswehr einhergeht, verschweigen. (ja)
PESCO: Exklusiv
(28. Juni 2017)Beim Ratstreffen vergangenes Wochenende wurde beschlossen, innerhalb von drei Monaten die Details zur Aktivierung der „Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit“ (PESCO) auszuarbeiten (siehe IMI-Aktuell 2017/369). Dabei würden dann über Teile der EU-Militärpolitik nur noch die Staaten entscheiden (können), die bestimmte – noch präziser zu definierende – Eintrittskriterien erfüllt haben. Der ehemalige Chef der EU-Verteidigungsagentur, Nick Witney, schaltete sich schon vor einigen Jahren in die Debatte mit der Forderung ein, den Zugang auf möglichst wenige, militärisch besonders „starke“ Staaten zu beschränken (IMI-Studie 2008/8). Im Prinzip ist er weiterhin derselben Meinung, ihm geht es ganz offensichtlich darum, hinderliche kleine und mittlere EU-Länder aus der Entscheidungsfindung herauszudrängen, wie er in einem Text für den European Council on Foreign Relations offen einräumt: „The idea is that an elite group shows the way in combining their defence efforts and resources to get more bang for their euro. […] And, since the treaty authorises the pioneers to self-select, the relatively small number of member states who are serious about defence can aim to press ahead without the further drag of a lot of unwanted hangers-on. […] The sheer mechanical difficulty of getting anything meaningfully discussed and agreed ‘at 28’ has been repeatedly demonstrated. […] So the first move by Paris and Berlin must be to bind in Rome and Madrid. […] So the trick will be to devise a set of criteria and commitments that opens the door to valuable niche contributors such as the Swedes, or Dutch, or Finns, but keeps the initial group to a manageable eight or nine members, at most. And if that proves too tricky, then just start with four.” (jw)
Russland: Hardliner
(27. Juni 2017)Der private Nachrichtendienst Strategic Forecast berichtet, Russland plane seinen bisherigen US-Botschafter abzuziehen und durch einen Hardliner zu ersetzten: „Russia will replace Sergei Kislyak, its ambassador to the United States since 2008, U.S. officials confirmed June 26. Kislyak has stood at the center of a firestorm of suspicions and accusations in Washington over his relationship with the administration of President Donald Trump and the White House transition team. His replacement, Deputy Foreign Minister Anatoly Antonov, is considered a hard-line personality who will hold a stricter line in negotiations.” (jw)
Neues Kampfflugzeug
(27. Juni 2017)Die Zeit berichtet über Pläne zur Entwicklung eines Kampfflugzeugs, an der sich neben Deutschland auch weitere EU-Länder beteiligen sollen: “Die Bundeswehr wünscht sich ein neues Kampfflugzeug und will es nicht allein entwickeln. […] Die Maschine soll die Flugzeuge des Typs Tornado ablösen.“ (jw)
Digitale Bombe
(27. Juni 2017)Die Welt (via Bpb-Newsletter) berichtet über eine “digitale Bombe”, die von den USA per Virus in russischen Computernetzwerken platziert worden sei: „Die Bombe ist digitaler Gestalt, und sie wurde auf Anordnung von Vorgänger Barack Obama über Viren implantiert in russischen Computernetzen. […] Allerdings ist die digitale Bombe, die Obama in Form der Computerviren in russische Computernetze implantieren ließ, noch nicht entschärft. Die US-Geheimdienste könnten sie jederzeit zünden, es sei denn, Trump ruft diese Maßnahme ausdrücklich zurück.“ (jw)
Katar: Inakzeptabel
(27. Juni 2017)Die extrem weitreichenden Forderungen, die Saudi Arabien und andere Golfländer an Katar stellen, um eine Re-Normalisierung der Beziehungen und eine Aufhebung der Blockade zu erreichen (IMI-Aktuell 2017/366), kommentiert Patrick Truffer bei offiziere.ch folgendermaßen: „Im höchst unwahrscheinlichen Fall, dass Katar bei diesen Forderungen einwilligen sollte, würde die Einhaltung der Forderungen durch die vier Staaten im ersten Jahr monatlich, im zweiten Jahr vierteljährlich und in den darauf folgenden zehn Jahren jährlich überprüft werden. Faktisch käme diesem einen Souveränitätsverzicht gleich und ist nur schon von diesem Aspekt her kaum akzeptierbar. […] Bei der über Katar verhängten Blockade und den Forderungen geht es nicht um den Kampf gegen den Terrorismus, sondern um die Unterbindung der zuweilen eigensinnig störrischen Politik Katars im Vergleich zu den anderen Staaten im GCC.“ (jw)
G20: Hamburg rüstet auf!
(26. Juni 2017)U.a. euractiv berichtet über das geplante martialische Aufgebot der „Sicherheitskräfte“ beim G20-Gipfel in Hamburg: „Für Polizeibeamte aus dem ganzen Bundesgebiet wird der Gipfel zum Großeinsatz: 15.000 bis 20.000 Polizisten aus Bund und Ländern sollen das Spitzentreffen gegen militante Gegner ebenso wie Anschläge schützen. […] Dazu kommen 140 Diensthunde, 110 Polizeipferde, elf Hubschrauber, 7,8 Kilometer Absperrgitter und über 3000 Einsatzfahrzeuge. Unterstützung kommt vom Technischen Hilfswerk, das für Verpflegung sorgt. Die Bundeswehr stellt unter anderem Unterwasserdrohnen zur Verfügung, die den Hafenboden auf Sprengsätze absuchen können. Zudem hält die Luftwaffe in Laage eine zusätzliche Alarmrotte aus zwei Kampfjets bereit, um das Flugbeschränkungsgebiet über der Hamburger Innenstadt zu überwachen. Hilfe bekommt die deutsche Polizei aber auch aus dem Ausland, unter anderem von der österreichischen Spezialeinheit Cobra, die ähnliche Aufgaben wie die GSG 9 hat, und einer niederländischen Spezialtruppe, die mit ihren Booten zum Schutz des Hafens eingesetzt werden soll.“ (mb/jw)
Syrien: Umstrittener Giftgas-Angriff
(26. Juni 2017)Als vermeintliche „Rache“ für einen syrischen Giftgasangriff auf Rebelleneinheiten am 4. April 2017 bombardierten die USA zwei Tage später Ziele in Syrien. Der renommierte Enthüllungsjournalist und Pulitzerpreisträger Seymour Hersh bei Welt/N24 zeht nun die Behauptung, es habe ein Giftgasangriff stattgefunden, in Zweifel: „In a series of interviews, I learned of the total disconnect between the president and many of his military advisers and intelligence officials, as well as officers on the ground in the region who had an entirely different understanding of the nature of Syria’s attack on Khan Sheikhoun. […] Some American military and intelligence officials were especially distressed by the president’s determination to ignore the evidence. ‘None of this makes any sense,’ one officer told colleagues upon learning of the decision to bomb. ‘We KNOW that there was no chemical attack … the Russians are furious. Claiming we have the real intel and know the truth … I guess it didn’t matter whether we elected Clinton or Trump.’“ U.a. bei der Tagesschau wiederum wird Hersh vorgeworfen, entscheidende Fakten zu ignorieren und seine grundsätzliche Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. (jw)
PESCO: Historisch
(24. Juni 2017)Lange blockierte Großbritannien die Aktivierung der „Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit“ – englische Abkürzung: PESCO. Ziel der Übung ist es, Teile der EU-Militärpolitik auf eine kleine Zahl von Staaten „auslagern“ und so das Konsensprinzip umgehen zu können (siehe IMI-Studie 2008/8). Seit dem Brexit-Referendum ist wieder Zug hinter das Projekt gekommen und beim Ratsgipfel am 22./23. Juni einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf einen konkreten Fahrplan, mit dem eine baldige Aktivierung immer wahrscheinlicher wird. Als „historischen Schritt“ bezeichnete Ratspräsident Donald Tusk die Entscheidungen, besonders wohl mit Blick auf die Tatsache, dass innerhalb der nächsten drei Monate eine Liste mit „Eintrittskriterien“ formuliert werden soll, gegen die sich bislang viele Staaten aus Sorge von wichtigsten Fragen ausgeschlossen zu werden, gewehrt hatten. In den Schlussfolgerungen des Rates heißt es: „A common list of criteria and binding commitments, fully in line with Articles 42(6) and 46 TEU and Protocol 10 to the Treaty – including with a view to the most demanding missions – will be drawn up by Member States within three months, with a precise timetable and specific assessment mechanisms, in order to enable Member States which are in a position to do so to notify their intentions to participate without delay.“ (jw)
EU-Balkanpolitik: Verriss
(24. Juni 2017)Erfrischend kritisch setzet sich ein Beitrag der Stiftung Wissenschaft und Politik mit der europäischen Balkanpolitik auseinander: „Die mangelnden Erfolge der EU-Erweiterungspolitik im Westbalkan sind nicht schönzureden […]. Dabei haben die Westbalkanländer die grundlegenden von der EU, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds nach den Vorgaben des sogenannten Washington-Konsens geforderten Reformen im Wesentlichen umgesetzt: Sie haben ihre Märkte für die EU geöffnet, ihre Wirtschaft privatisiert und liberalisiert und halten sich an die geforderte Austeritätspolitik. Ziel des Konsens ist, dass die Reformen in Kombination mit der schrittweisen Anpassung an das Gesetzeswerk und die politischen Richtlinien und Aktivitäten der EU zu Marktwirtschaften und der politischen Befähigung zur EU-Mitgliedschaft führen. […] Das Hauptproblem allerdings ist der Hemmschuh in Form der Strukturen der wirtschaftlichen Beziehungen zum EU-Kern, der die Region ausbremst. Die Finanz- und Handelsbeziehungen, die geografische Lage und die politische Anbindung an die EU machen den Westbalkan faktisch schon längst zu einem Teil der Union – allerdings ohne Stimmrecht und mit etlichen Nachteilen. Von einem Aufholprozess kann nicht gesprochen werden: Industrien sind verschwunden, da sie der Konkurrenz aus der EU nicht standhalten konnten; die Auslandsverschuldung wächst, die Arbeitslosigkeit bleibt zu hoch, fast jeder zweite unter 30 hat keinen Job.“ (jw)
Militärausgaben: Kontraproduktiv
(24. Juni 2017)In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Defence and Peace Economics“ erschien ein Artikel, der jedwede „positiven“ wirtschaftlichen Effekte von Militärausgaben, wie sie aktuell etwa von EU-Seite behauptet werden, rundweg abstreitet – das genaue Gegenteil sei sogar der Fall: „[There is] a significant and persistent negative effect of military burden on economic growth that is robust across different country groups, with the largest impact being for OECD countries.” (jw)
Katar: Neue Forderungen
(23. Juni 2017)Nachdem von saudische Seite bereits unmittelbar nach der Blockade Katars diverse Forderungen für eine Re-Normalisierung der Beziehungen gestellt wurden (IMI-Aktuell 2017/324), haben nun wohl Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten nachgelegt, wie Spiegel Online berichtet. Katar habe zehn Tage Zeit, den – extrem weitreichenden – Forderungen nachzukommen, allerdings ist unklar, was passieren soll, wenn dies wie absehbar nicht geschehen sollte: „Vier arabische Staaten haben Katar Bedingungen gestellt, bei deren Erfüllung die Blockade des Emirats gestoppt würde. Zu den 13 Forderungen gehören demnach die Schließung des Senders Al Jazeera, eine Einschränkung der Beziehungen zu Iran, die Auflösung der türkischen Militärbasis in Katar und die Auslieferung aller designierten Terroristen, sagte ein Vertreter einer der vier Staaten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.“ (jw)
Spiel mit dem Feuer
(23. Juni 2017)Die Berichte von Beinahe-Zusammenstößen zwischen russischen und westlichen Flugzeugen häufen sich. Der jüngste Vorfall, über den USA Today berichtet, hört sich allerding besonders wild und vor allem gefährlich an, da in einem der beiden Flugzeuge der russische Verteidigungsminister saß: „A NATO fighter jet buzzed the plane of Russian Defense Minister Sergei Shoigu before being chased off by a Russian jet in what would be the latest aerial confrontation between the West and Russia and its allies, Russian media reported Wednesday.” UPDATE: Focus.de berichtet ebenfalls über den Vorfall: „Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, das Kampfflugzeug der Nato habe versucht, sich der Maschine zu nähern, in der Schoigu in die russische Exklave Kaliningrad reiste. Eine russische Suchoi SU-27, die Schoigus Flug eskortierte, habe daraufhin signalisiert, dass sie bewaffnet sei. Daraufhin habe der Nato-Jet abgedreht, berichtete Interfax unter Berufung auf Journalisten, die an Bord der Ministermaschine waren. Das russische Fernsehen zeigte Bilder des Vorfalls, der sich demnach im internationalen Luftraum über der Ostsee ereignete.“ (jw)
Peschmerga-Ausbildung
(23. Juni 2017)Seit 2015 versorgt die Bundeswehr kurdische Peschmerga-Kämpfer im Irak nicht nur umfassen mit Waffen, sondern bildet sie auch aus. Über die bisherigen „Erfolge“ in diesem Zusammenahng, insbesondere die Zahl der bislang ausgebildeten Soldaten berichtet das Bundeswehr Journal: „Bislang wurden dort und in weiteren Trainingseinrichtungen von deutschen Ausbildern und internationalen Partnern – vor allem Finnland, Großbritannien, Italien, Niederlande und Norwegen – rund 14.000 Angehörige der Peschmerga, der Armee des kurdischen Autonomiegebiets im Irak, geschult.“ (jw)
Rüstungsprojekte: Genehmigt
(22. Juni 2017)Immerhin wurde die Entscheidung zur Anschaffung von Kampfdrohnen in letzter Minute – vorerst – gerichtlich gestoppt (siehe IMI-Aktuell 2017/360). Dennoch wurden gestern eine ganze Reihe neuer Rüstungsprojekte genehmigt, wie u.a. Spiegel Online berichtet: „Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode hat der Bundestag Rüstungsprojekte in Höhe von elf Milliarden Euro freigegeben. Die Parlamentarier des Haushaltsausschusses beschlossenen darunter den umstrittenen Kauf von fünf Korvetten für die Marine für rund zwei Milliarden Euro, wie es aus Teilnehmerkreisen hieß. Ebenfalls beschlossen wurde demnach die Finanzierung der Beteiligung an einer Satellitenmission, gepanzerte Transportfahrzeuge, Kranfahrzeuge und die Umrüstung von Kampfhubschraubern.“ (jw)
Hauptquartier: Perspektiven
(22. Juni 2017)Unter dem Namen „Militärischen Planungs- und Durchführungsfähigkeit“ (MPCC) wurde am 8. Juni 2017 faktisch ein EU-Hauptquartier für Militäreinsätze eingerichtet. Zu Anfang soll das mit 30 bis 35 Personen besetzte MPCC „nur“ nicht-exekutive Einsätze leiten – dabei dürfte es aber nicht bleiben. Der konservative EU-Parlamentarier Michael Gahler wird etwa bei Streitkräfte & Strategien mit den Worten zitiert: „Bisher hatten wir das nur für den Bereich der zivilen Missionen. Jetzt ist es für die Trainingsmissionen in Mali, der Zentralafrikanischen Republik und Somalia vorgesehen. Das ist ein weiterer Schritt, der hinführen wird zu einem gemeinsamen zivil-militärischen Hauptquartier.“ (jw)
Syrien: Selbstverteidigung?
(21. Juni 2017)Die USA schossen am 18. Juni 2017 einen Kampfjet der syrischen Regierungstruppen ab. Als Begründung stützen sie sich auf das „Recht“ auf Selbstverteidigung, was auf einer mehr als wackligen Grundlage steht, wie etwa vom Ron Paul Institute for Peace and Prosperity argumentiert wird: „As with the shooting down of the Syrian fighter jet this week, American forces are invoking „self-defense“ as a legal rationale. But as Moscow has pointed out, the Americans have no legal right to be present on Syrian territory and then, secondly, to be unilaterally declaring „deconfliction zones“ for what are de facto invasive forces.” (jw)
Drohnen-Entscheidung vertagt
(21. Juni 2017)Die für den heutigen Mittwoch geplante Vorlage der Beschlussfassung über das Leasing der ersten bewaffnungsfähigen MALE-Drohnen für die Bundeswehr über den Hauptauftragnehmer Airbus im Haushaltsausschuss ist vertagt worden. Und zwar zunächst auf unbestimmte Zeit. Eine Eilentscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf untersagt es der Bundesregierung den Vertrag abzuschließen. Grund dafür ist die Verfahrensrüge des amerikanischen Rüstungskonzerns General Atomics (siehe IMI-Aktuell 2017/345). Das Unternehmen beanstandete davor in einer Klage vor dem OLG Düsseldorf die Vergabe des Auftrags an den Konkurrenten Israel Aerospace Industies (IAI), unterlag aber vor Gericht.
Die Streitparteien sollen nun, laut Tagesschau, bis zum Freitag, den 23. Juni, Stellung nehmen. Ob das Gericht dann bis zum 28. Juni zu einer Entscheidung kommt, ist fraglich. Der Tag wäre wohl der letzte in dieser Legislaturperiode, um noch über die Anschaffung im Haushaltsausschuss des Bundestages zu befinden.
Laut Augengeradeaus wäre der Termin so oder so auf den 28. Juni verlegt worden. Grund hierfür waren wohl Bedenken der SPD darüber, wie der Bundestag über a) die Beschaffung der (geheimen) Bewaffnung und b) deren möglichen Einsatz im Kampf entscheiden soll. Die zusätzliche Zeit sollte dazu dienen, diese Fragen mit der Unionsfraktion zu klären.(mp)
Zivilopfer: Gründe
(21. Juni 2017)Weil unter Präsident Trump u.a. substanziell mehr Luftangriffe in Syrien und im Irak geflogen würden als unter Vorgänger Obama, seien die Zivilopfer deutlich angestiegen, so die New York Times (via Bpb-Newsletter): „One reason for the huge increase in noncombatant deaths is that the United States is dropping more bombs — a more than 20 percent increase from the last four months of the Obama presidency to the first four under Mr. Trump. Also, more strikes have occurred in populated areas, like Mosul, the Islamic State’s last stronghold in Iraq. (…) Even as the American military has accelerated its bombing, there is no independent assessment of the intelligence used to identify targets. (…) There is also no longer any public accountability. On May 26, an American military press officer confirmed that the Pentagon will no longer acknowledge when its own aircraft are responsible for civilian casualty incidents; rather they will be hidden under the umbrella of the ‚coalition.'“ (jw)
Bamako: Angriff
(20. Juni 2017)Am Donnerstag, den 18. Juni 2017, kam es in der malischen Hauptstadt Bamako offensichtlich erneut zu einem Angriff auf eine „bei Ausländern beliebte“ Hotelanlage. Die Angaben zur Zahl der Angreifer und Getöteten variieren. Ein Artikel auf diepresse.com berichtet von vier Angreifern, die allesamt getötet worden seien sowie von „vier toten Zivilisten und einem toten Soldaten.“ Die EU-Außenbeauftragte Mogherini bestätigte mittlerweile, dass zwei der Toten für die EU gearbeitet hätten, einer davon sei als Portugise an der EU-Militärmission EUTM Mali beteiligt gewesen, in deren Zuge die EU malische Soldaten ausbildet, die im Norden des Landes unter französischer Koordination vermeintliche Terroristen bekämpfen sollen. Auch bei der Beendigung der Geiselnahme im Hotel, die in der Presse fast durchgehend als Terroranschlag bezeichnet wird, seien französische Soldaten gemeinsam mit malischen Kräften zum Einsatz gekommen.
Bereits zuvor gab es Angriffe auf ein von der EUTM-Mission genutztes Hotel, bei dem ein Angreifer erschossen wurde. Im November 2015 wurden bei einem weiteren Angriff auf das Radisson Blu in Bamako 20 Menschen getötet.
Die Bundeswehr ist mit ca. 300 Kräften am EUTM-Einsatz im Süden Malis und mit bis zu 1.000 weiteren an der MINUSMA-Mission im Norden des Landes beteiligt. Beide Einsätze sollten Sicherheit und Stabilität in Mali garantieren, tatsächlich wird das Land jedoch unsicherer und droht zunehmend zu zerfallen. Damit schwindet auch der zunächst vorhandene Rückhalt bei der Bevölkerung im Süden des Landes. (cm)
Bundeswehr-Preis
(20. Juni 2017)Im Zuge der „Attraktivitätsoffensive“ der Bundeswehr wird seit 2015 jährlich der Preis „Bundeswehr und Gesellschaft“ verliehen (vgl. IMI-Analyse 2014/037), was allerdings regelmäßig trotz aufwändiger Pressearbeit recht albern wirkt. Dieses Jahr erhielten am Abend des 19. Juni den Preis in der Kategorie „Gebietskörperschaften“ die Kreisstadt Euskirchen und in der Kategorie „Vereine und Einzelpersonen“ der Foßballverein Herta BSC. Euskirchen habe sich den Preis „durch eine Vielzahl gemeinsamer Aktivitäten“ verdient, darunter „der gegenseitige Austausch bei Informationsveranstaltungen ist, das Anbringen von gelben Solidaritäts-Schleifen an den Ortseingängen oder das gemeinsame Sammeln von Spenden für Bedürftige Menschen.“ Zum Hertha BSC heißt es in der Pressemitteilung des BMVg: „Die Vereinsführung steht hinter der Bundeswehr und würdigt sie mit einer Vielzahl von Aktionen.“ Erst im November 2016 hatten der Landkreis Regen und der Verein „Bundeswehrfamilien Munster e.V.“ den Preis erhalten. (bk)
Afghanistan: Mehr US-Soldaten
(20. Juni 2017)Nicht „ob“, sondern nur „wie viele“ US-Soldaten zusätzlich nach Afghanistan geschickt werden sollen, war lange unklar. Nun scheint sich aber eine konkrete Zahl herauszukristallisieren, wie unter anderem eine AP-Meldung andeutet: „Die US-Regierung von Präsident Donald Trump wird 4000 Soldaten zusätzlich nach Afghanistan schicken, sagte ein Mitarbeiter der Regierung der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag. Eine offizielle Bekanntgabe durch Verteidigungsminister James Mattis werde vermutlich in der kommenden Woche erfolgen.“ (jw)
Böll-Stiftung: Pamphlet
(20. Juni 2017)Die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung (via Bpb-Newsletter) hat einen Reader zu ihrer 18. Außenpolitischen Tagung namens „Krise des Westens“ veröffentlicht. Schon das Vorwort des Referenten für Außen- und Sicherheitspolitik der Stiftung, Gregor Enste, liest sich wie eiens der üblichen x-beliebigen Papiere, mit denen aktuell die massive Militarisierung der EU vorangetrieben wird (siehe IMI-Studie 2017/07): „In einer Welt, in der liberale Ordnungsstrukturen nicht nur von autoritären Regimen gezielt angegriffen werden, muss Europa außen- und sicherheitspolitisch endlich mehr Verantwortung übernehmen. Deutschland und Frankreich sollten dafür, in enger Zusammenarbeit mit Polen, die Initiative ergreifen. Gegenüber der US-Regierung muss Europa außerdem verdeutlichen, dass eine transatlantische Zusammenarbeit ohne freiheitliche Werte nicht zu haben ist. Die Verteidigung der liberalen Demokratie und offenen Gesellschaft, nach innen wie nach außen, ist Europas wichtigste Aufgabe geworden.“ (jw)
Geflüchtete
(20. Juni 2017)Während u.a. die EU ihre Abschottung immer dichtmaschiger macht (siehe IMI-Analyse 2017/21), ist die Zahl Geflüchteter in den letzten 20 Jahren drastisch gestiegen, wie die NZZ (via Bpb-Newsletter) unter Berufung auf neue UN-Zahlen berichtet: „Die Zahl der vertriebenen Menschen hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt: von 33,9 Millionen im Jahr 1997 auf 65,6 Millionen Ende 2016. Das steht in der Jahresstatistik des Uno-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), die heute veröffentlicht wird. […] 84 Prozent der Geflüchteten halten sich in Entwicklungsländern auf. Dabei sind die intern Vertriebenen, die sich fast ausnahmslos in Entwicklungsländern befinden, nicht berücksichtigt – der Anteil wäre sonst noch einmal deutlich höher.“ (jw)
Rüstung: Milliardenkäufe
(19. Juni 2017)U.a. das Handelsblatt berichtet darüber, dass diese Woche kurz vor Ende der Legislatur noch eine Reihe Rüstungsdeals durchs Parlament gewunken werden sollen: „Kurz vor dem Ende der schwarz-roten Regierungszeit bekommt die Bundeswehr nun doch noch einem Teil ihrer dringend benötigten Ausrüstung näher. Am kommenden Mittwoch wird der Haushaltsausschuss voraussichtlich grünes Licht für 13,4 Milliarden Euro an Rüstungsgütern geben. Auf der Liste mit 29 Projekten stehen auch die neuen Korvetten für die Marine, der Leasingvertrag für israelische Drohnen und „einsatzsichernde Maßnahmen“ für das Pannen-Transportflugzeug A400M.“ (jw)
Katar: US-Waffen
(19. Juni 2017)So kann man es auch machen: mitten in schweren Auseinandersetzungen zwischen vor allem Saudi Arabien und Katar schließen die USA, die zuvor die saudische Position unterstützt und das Land mit Waffen beliefert hatten, einen Waffendeal mit Katar ab. Spiegel Online (via Bpb-Newsletter) schreibt: „Erst vereinbart Donald Trump einen riesigen Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien – und jetzt liefern die USA F-15-Kampfjets an Riads neuen Erzfeind Katar. Der Wert des Geschäfts: zwölf Milliarden Dollar.“ (jw)
Afghanistan: Umfrage
(19. Juni 2017)Einer Befragung zufolge, über die im Merkur berichtet wird, spricht sich eine deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung für einen Abzug aus Afghanistan aus: „Die Umfrage führte das Institut Insa für die „Bild“-Zeitung durch. 55 Prozent vertraten die Auffassung, dass die Bundeswehr komplett aus Afghanistan abgezogen werden soll, berichtet das Blatt am Donnerstag. Nur 20,3 Prozent sprachen sich demnach für einen Verbleib deutscher Soldaten in Afghanistan aus.“ (jw)
Documenta: Panzer in Ketten
(17. Juni 2017)Ein selbstgebauter Leopard 2-Panzer – umringt von blauen Panzersperren – hinderte Passant*innen auf dem Opernplatz in Kassel am Vorbeigehen. Junge Friedensaktivst*innen haben während des U35-Treffens der DFG-VK, unterstützt von der lokalen Initiative „Kassel entrüsten“, eine Protestaktion gegen Rüstungsexporte veranstaltet und legten den Panzer in Ketten.
Der Hintergrund: Deutschland gehört weltweit zu den führenden Exportstaaten von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern. Diese Produktion dient der deutschen Wirtschaft, aber nicht dem Frieden. Vermeintlich für ein Kunstwerk gehalten, klärten die Aktivist*innen die irritierten Passant*innen über die Aktion auf.
Geschäfte wie geschmiert
(17. Juni 2017)Wenn deutsche Politik und deutsche Rüstungsindustrie aufeinandertreffen, laufen die Geschäfte wie geschmiert. Während des U35-Treffens der DFG-VK demonstrierten Aktivist*innen auf dem Königsplatz in Kassel dieses Wochenende mit einer Aktion gegen Rüstungsexporte.
Fünf Liter Flüssigseife und ein acht Meter langes Banner mit der Aufschrift „Rüstungsindustrie + Politik = Geschäfte wie geschmiert“ waren Teil der Aktion. Dieses nutzen als Politiker*innen verkleidete Aktivist*innen als Schmiergeldrutsche. Rüstungslobbyist*innen warfen ihnen dabei Geldscheine zu.
In der Vergangenheit sorgten Rüstungsfirmen wie die in Kassel ansässigen Rheinmetall und KMW durch Bestechung griechischer Politiker*innen für Schlagzeilen. Wer sich gegen Korruption aus Politik und Rüstungslobby engagieren möchte, informiere und beteilige sich unter „Kassel entrüsten“ und der „Aktion Aufschrei“.
SPON: Putschdebatte
(16. Juni 2017)In einer Kolumne für Spiegel Online teilt Autor Jan Fleischhauer kräftig gegen Verteidigungsministerin von der Leyen aus und nimmt jenen Soldaten in Schutz, gegen den aktuell ermittelt wird, weil er angeblich zum Putsch aufgerufen hätte. Fleischhauer geht sogar so weit, jenen Soldaten, der vor etwa 65 Lehrgangsteilnehmern öffentlich gemeint habe, man solle den Mund auf machen „oder putschen“, als „Staatsbürger in Uniform in Aktion“ zu bezeichnen – als Vorbild also.
Dass gegen ihn ermittelt wird, stellt Fleischhauer nun als Skandal dar. Angeblich würden „[a]lle Lehrgangsteilnehmer … einem peinlichen Verhör unterzogen“. Wenn sich der Vorfall so zugetragen hätte, wie dargestellt, dann müsste das durchaus im Sinne des betreffenden Soldaten sein, denn angeblich hätten alle die „satirische Zuspitzung“ verstanden, der „gesamte Saal“ gelacht. Dass aus so einer öffentlichen „satirischen Überspitzung“ unter „aufgewühl[en]“ Soldaten durchaus Kontakte entstehen können unter denen, die es doch ein wenig ernster meinen, versteht Fleischhauer nicht.
Wie wenig er die Debatte um die Kontinuitäten und Brüche zwischen Wehrmacht und Bundeswehr versteht, stellt Fleischhauer dann noch zum Abschluss seiner Kolumne unter Beweis:
„Vor ein paar Tagen hat die Bundeswehr-Universität in Hamburg das Foto wieder aufgehängt, das den späteren Bundeskanzler Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform zeigt und das Anfang Mai in einem Wohntrakt abgehängt worden war. Das Verteidigungsministerium hat erklärt, das Bild könne wieder gezeigt werden, ergänzt um den Hinweis, dass Helmut Schmidt bereits als junger Reserveoffizier durch kritische Bemerkungen aufgefallen sei. Man kann daraus lernen: Kritik ist in der Bundeswehr durchaus erwünscht. Sie sollte sich nur nicht gegen lebende Vorgesetzte richten.“
Schmidts „kritische Bemerkungen“ sind aus seiner Zeit bei der Wehrmacht überliefert, nicht bei der Bundeswehr. Und sie richteten sich gegen die nationalsozialistische Führung und nicht gegen die Verteidigungsministerin – ein dann doch äußerst unangebrachter Vergleich.
Mehr Gelassenheit
(16. Juni 2017)Stefan Meister von der DGAP tat sich in der Vergangenheit unangenehm hervor, indem er u.a. mehr oder minder offen forderte, die Vorgänge in der Ukraine – westliche Unterstützung der „Zivilgesellschaft“ mitsamt anschließendem Regimewechsel – in Russland zu wiederholen (siehe IMI-Studie 2015/6). Erfreulicherweise mahnt er nun in der Internationalen Politik zu mehr Vorsicht gegenüber Russland: „Wie soll der Westen reagieren? Mit mehr Gelassenheit. Wir können Russland nicht verändern und müssen es so hinnehmen, wie es ist.“ (jw)
EU: Investitionsbank
(16. Juni 2017)Eine keineswegs kritische, aber dennoch hochinteressante Studie zum Agieren der Europäischen Investitionsbank wurde vom Egmont Institute veröffentlicht. Die Bank unterstütze massiv die – aus kritischer Sicht imperialistische – EU-Außenpolitik, insbesondere im Nachbarschaftsraum, so der Autor Balazs Ujvari. 8,04 Mrd. Euro oder 10 Prozent der Gesamtsumme seien 2016 direkt in die europäischen Außenpolitikprogramme eingebettet gewesen. Gelder seien u.a. für die „DCFTA Initiative East“ verausgabt worden, wodurch der Abschluss von Freihandelszonen und der neoliberale Umbau im Nachbarschaftsraum vorangetrieben wird. Auch die Gesamtsumme ist beachtlich: „Between 2006 and 2016, EIB financing to the EU Neighbourhood had reached almost EUR 23.5bn.“ Wie eng die EIB als Vehikel zur Durchsetzung von EU-Interessen im Ausland fungiert, wird anhand der Politik gegenüber Russland bzw. der Ukraine verdeutlicht: „As an integral part of the EU support package to Ukraine, the Bank successfully delivered on its commitment of scaling up its project pipeline to EUR 3bn between 2014 and 2016, while simultaneously suspending the signature of new operations in Russia at the request of the European Council.” (jw)
Kampfdrohnen: Rechtsstreit
(16. Juni 2017)Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf am 31. Mai 2017 der Bundesregierung grünes Licht für die Vergabe des Auftrags zum Leasing von fünf bewaffnungsfähigen Heron TP Drohnen des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI) über den Hauptaufragnehmer Airbus gegeben hatte, möchte sich das amerikanische Rüstungsunternehmern General Atomics offenbar noch nicht geschlagen geben. Das Unternehmen hatte gegen die Vergabeentscheidung geklagt und dadurch den Beschaffungsprozess verzögert (siehe auch IMI-Analyse 2017-29). Nun, da keine weiteren Rechtsmittel mehr eingelegt werden können, hatte das Unternehmen am Abend des 14. Juni 2017, und damit am letzten Tag der 14-tägigen Frist um diese Möglichkeit wahrzunehmen, eine Anhörungsrüge vor dem OLG Düsseldorf eingereicht. Die Anhörungsrüge zielt auf einen Verstoß einer Entscheidung des Gerichts gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) ab. Auch eine spätere Klage vor dem Bundesverfassungsgericht erwäge General Atomics nach einem Bericht der „Bild“ (via Deutsche Welle). Die vorige Anhörungsrüge kann je nach Fall und Begründung der Beschwerde nötig sein, damit das BVerG die Verfassungsbeschwerde zulässt.
Diese Entwicklung hat erneut das Potenzial, den Zeitplan der Bundesregierung gehörig zu verschieben. Ob sich nun noch, wie bislang geplant, der Haushaltsausschuss mit dem Beschaffungsantrag am 21. Juni 2017 befassen wird, bleibt abzuwarten. Sollte dies nun nicht geschehen, ist die geplante Unterzeichnung des Vertrags diesen Sommer wohl auf der Kippe und somit auch eine Entscheidung in dieser Legislaturperiode. Bislang gibt es aber noch keine Reaktion aus dem Bundesverteidigungsministerium. (mp)
US-Drohnenkriege: Transparenz?
(15. Juni 2017)Die Columbia Law School Human Rights Clinic und das Sana’a Center for Strategic Studies haben gemeinsam den Bericht „Out of the Shadows“ herausgegeben. Darin wird die Entwicklung des Einsatzes von Gewalt im „Krieg gegen den Terrrismus“ nachgezeichnet, gerade die Entwicklung des US-Drohnenkriegs außerhalb von Kriegsgebieten. Auch werden die wichtigsten juristischen/völkerrechtlichen Begriffe erläutert. In dem Bericht wird, wie der Titel schon vermuten lässt, dafür plädiert, dass mehr Transparenz beim Einsatz von Drohnen geschaffen werden muss und es wird eine Bewertung der bisherigen Bemühungen der US-Regierungen auf diesem Feld vorgenommen.
Gerade weil es bislang noch nicht viele ausführlichen Analysen der Politik des sich bald sechs Monate im Amt des Präsidenten befindenden Donald Trump im Hinblick auf Drohnen und deren Einsatz gibt, ist der Bericht interessant. Alex Moorhead, einer der Autoren des Berichts schrieb auf Just Security dazu folgendes kurzes Fazit der Studie: „It is still too early to make a full assessment of the Trump Administration’s approach to these issues, although there is already ample cause for concern. U.S. strike acknowledgments in Yemen, for example, have become even more generalized, with the U.S. military at times acknowledging 80 strikes at a time over a period of several months, rather than the more individualized acknowledgments that were the norm at the end of Obama’s tenure.“ (mp)
BR: Übungsplätze Oberpfalz
(14. Juni 2017)Unter dem Titel „NATO-Manöver sorgen für Jobs aber auch Ärger“ berichtet der Bayrische Rundfunk über die Kriegsvorbereitungen auf den Truppenübungsplätzen Hohenfels und Grafenwöhr und die Auswirkungen auf das zivile Umfeld: „Kneipen, Restaurants, Tattoo-Studios oder Schneidereien können nur existieren, weil Soldaten häufige Kunden sind“, heißt es darin u.a. Auf der anderen Seite sorgen durch Panzer verursachte Schäden und der geplante Ausbau bis nahe an eine Grundschule auch für Unmut. Der Artikel beschreibt jedoch auch, wie unmittelbar hier für eine mögliche Konfrontation mit Russland geübt wird: Im Mai etwa hätten „5.000 Nato-Soldaten aus 13 verschiedenen Ländern“ an einem Maneuver teilgenommen: „Es ging um folgendes ‚Planspiel‘: Ein Nato-Partner wird angegriffen, der Marschbefehl ergeht, das bedrohte Land zu unterstützen. Nur 96 Stunden Zeit haben die Soldaten, um sich in ihren Kasernen vorzubereiten, marschbereit zu sein und schließlich im Operationsgebiet anzukommen“.
NATO-Osterweiterung: Versäumnis
(14. Juni 2017)Vieles spricht dafür, dass die russische Sichtweise, es habe Anfang der 1990er eindeutige mündliche Zusagen westlicherseits gegeben, die NATO nicht nach Osten auszudehnen, der Wahrheit entspricht (siehe IMI-Studie 2015/6). Das Problem war und ist, dass dies nie schriftlich fixiert wurde, wie nun auch der russische Präsident Wladimir Putin bei Sputnik beklagte: „Das war ein direkter Fehler gewesen, aber bereits von Seiten Gorbatschows. In der Politik muss alles fixiert werden, obwohl auch oft gegen fixierte Sachen verstoßen wird. Er aber hatte es einfach mündlich abgesprochen und gemeint, alles wäre damit geregelt. So ist es nicht“. (jw)
Kampfdrohnen: Teuer
(14. Juni 2017)Am 21. Juni wird der Haushaltsausschuss wohl die Beschaffung (bzw. das „Leasing“) von fünf Kampfdrohen vom Typ Heron TP abnicken, die die Zeit bis zum geplanten Start der Eurodrohne 2025 überbrücken sollen. Mehrere Medien unter anderem das Handelsblatt berichten über die erwarteten Gesamtkosten: „In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben des Finanzministeriums an den Bundestags-Haushaltsausschuss werden die Gesamtkosten für die israelischen ‚Heron TP‘-Drohnen inklusive Betrieb, Wartung, Instandhaltung und Ausbildung von Piloten auf 1,024 Milliarden Euro beziffert.“ (jw)
IS: Nützlich
(14. Juni 2017)Beim Forum solidarisch und friedliches Augsburg ist eine Übersetzung eines Artikel in der New York Time vom April 2017 erschienen, der sich mit dem „Wert“ des Islamischen Staates für die USA beschäftigt. Schon vor einiger Zeit wurde u.a. auf Quellen wie Strategic Forecast verwiesen, die argumentieren, dass das „zweitbeste“ Ergebnis nach einem Sturz Assads und der Übernahme Syriens durch pro-amerikanische Kräfte eine Art Dauerbürgerkrieg zur Schwächung des Irans und Russlands wäre (IMI-Standpunkt 2013/27). Und genau dies fordert auch NYT-Autor Thomas Friedman, Chefkolumnist des Blattes und selten um deutliche Worte verlegen: „Warum sollte es gerade jetzt unser Ziel sein, den Islamischen Staat in Syrien zu besiegen? […] Wir könnten einfach den Kampf gegen die „territoriale ISIS“ in Syrien einstellen und dieses Problem allein dem Iran, Russland, Hezbollah und Assad überlassen. Schließlich sind sie es, deren Kräfte in Syrien überdehnt sind, nicht wir. Man sollte sie zu einem Zweifrontenkrieg zwingen – gegen die moderaten Rebellen auf der einen Seite und ISIS auf der anderen.“ Original: „Why is Trump fighting ISIS in Syria?“ New York Times, 12.4.2017 (jw)
Kuba: Ende der Annäherung
(14. Juni 2017)Die Los Angeles Times (via Bpb-Newsletter) berichtet, US-Präsident Donald Trump plane die Teilentspannung im Verhältnis zu Kuba, die unter Vorgänger Barack Obama eingeleitet worden war, wieder rückgängig zu machen: „President Trump is expected to roll back parts of the historic Obama-era opening with Cuba, siding with hawks who oppose detente and rejecting demands from U.S. businesses for whom the island is a ripe potential market.” (jw)
Manöver: Deutsche Führung
(14. Juni 2017)Deutschland führt das NATO-Bataillon in Litauen an, die Bundeswehr befindet sich damit an vorderster Front in den Auseinandersetzungen mit Russland. Dementsprechend ist auch die deutsche Rolle bei einem aktuellen 5300 Soldaten umfassenden Manöver, über das der Deutschlandfunk berichtet: „Angeführt wird der Gefechtsverband von der Bundeswehr. Im Rahmen der knapp zweiwöchigen Übung soll auch die Verteidigung der sogenannten ‚Suwalki-Lücke‘ trainiert werden. Damit ist ein rund 100 Kilometer breiter Landstreifen zwischen Polen und Litauen gemeint, der von der russischen Exklave Kaliningrad im Westen bis Weißrussland im Osten reicht.“ (jw)
G20-Afrikakonferenz
(13. Juni 2017)Heute, am 13. Juni 2017 geht die „G20-Afrika-Partnerschaftskonferenz“ zuende. Die Berichterstattung war verhalten. Der Deutschlandfunk berichtet: „Die Bundesregierung vereinbarte heute mit Tunesien, Ghana und der Elfenbeinküste sogenannte Reformpartnerschaften, um die Bedingungen für private Investitionen in diesen Ländern zu verbessern.“ Die junge Welt formuliert das so: „Es geht um mehr direkte Investitionen deutscher Konzerne, die afrikanische Arbeits- und Absatzmärkte erschließen sollen und wollen. Die Propagandaabteilung macht sich dabei geschickt die Kritik an der bisherigen bevormundenden ‚Entwicklungshilfe‘ zunutze…“, wie bereits in der IMI-Analyse zum deutschen „Marshallplan für Afrika“ im Vorfeld des Gipfels dargestellt.
Der RBB berichtet auch über Proteste. So hätten am vorangegangenen Samstag etwa 1.000 Menschen unter dem Motto „Für globale Bewegungsfreiheit und selbstbestimmte Entwicklung“ demonstriert. Auch während des Gipfels selbst waren Protestaktionen angekündigt. (bk)
Tag der Bundeswehr
(13. Juni 2017)Zum mittlerweile dritten Mal fand am Samstag, den 10. Juni 2017 der sog. Tag der Bundeswehr statt, an dem zahlreiche Kasernen ihre Tore für Besucher_innen öffnen und ein buntes Spektakel zur Selbstdarstellung inszenierten. Der Andrang war groß, blieb aber tendenziell hinter den Erwartungen des Verteidigungsministeriums zurück. Und fast überall gab es Proteste, so auch in und vor der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm (BaWü). Über diese berichten die Beobachternews ausführlich. Der SWR betont in seiner knappen Meldung v.a.: „Die Demonstration blieb friedlich“. Eine reichlich absurde feststellung angesichts der Tatsache dass draußen Pace-Fahnen geschwenkt, während drinnen mit Panzern geprotzt wurde – leider beispielhaft für den in den Medien typischen Begriff von Gewalt. (bk)
Rüstungsexporte: Gemächlich (II)
(13. Juni 2017)Anfang 2016 hatte der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Einsetzung einer Kommission angekündigt, die prüfen sollte, ob es neuer – und mutmaßlich strengerer – Regeln für deutsche Rüstungsexporte bedürfe. Die Kommission nahm zwar im Oktober 2016 ihre Arbeit auf, wann aber Ergebnisse präsentiert werden sollten, war bzw. ist unklar (siehe IMI-Aktuell 2016/532). Augengeradeaus berichtet nun, dass die Resultate der Kommission nicht mehr in dieser Legislaturperiode zu erwarten seien: „Der – erneute – Vorstoß von Außenminister Sigmar Gabriel, die Regeln für Rüstungsexporte zu verschärfen und dem Bundestag ein Mitspracherecht einzuräumen, hat vor der Bundestagswahl selbst nach Ansicht des SPD-geführten Bundeswirtschaftsministeriums keine Chancen auf Verwirklichung. Das früher von Gabriel geführte Ressort sei der Ansicht, dass konkrete Veränderungen eine Aufgabe der nächsten Legislaturperiode seien, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am (heutigen) Montag in Berlin.“ (jw)
Balkanstrategien
(13. Juni 2017)German-foreign-policy.com berichtet über die unterschiedlichen Strategien Russland und des Westens im Ringen um Einfluss auf dem Balken: „Jüngst publizierte Dokumente, die angeblich vom makedonischen Geheimdienst stammen, werfen ein Schlaglicht auf die Ereignisse in Montenegro und darüber hinaus. Demnach sei es russische Strategie, auf dem Balkan einen Gürtel neutraler Staaten zu schaffen. Zu den ‚B-4-Staaten‘ sollen demnach Bosnien-Herzegowina, Serbien, Makedonien und Montenegro gehören. Der jüngst unter maßgeblichem Druck Berlins forcierte Regierungswechsel in Makedonien gegen den auf außenpolitische Eigenständigkeit orientierten Premierminister Nikola Gruewski (german-foreign-policy.com berichtete) steht dieser Strategie ebenso entgegen wie vor allem die Aufnahme Montenegros in die NATO in der vergangenen Woche.“ (jw)
Militärstrukturen: Chancengleichheit?
(13. Juni 2017)Im „Weißbuch 2016 Zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr“ heißt es vollmundig: „Die Förderung von Vielfalt und Chancengerechtigkeit, etwa im Hinblick auf ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, ist eine Führungsaufgabe“ (S. 123). Zudem wird beschworen, dass die Bundeswehr sich als „Rahmennation“ innerhalb der NATO empfiehlt und viel Mut zur internationalen Kooperation aufbringt. Angesichts (erneuter) rechtsextremer und fremdenfeindlicher Vorkommnisse in der Bundeswehr scheinen Anspruch und Wirklichkeit wesentlich auseinander zu klaffen. Aber man will auch lernen, z.B. von den „modernen und erfolgreichen Diversity-Management-Systemen ihrer verbündeten Streitkräfte“ (ebenda S.123). Eines dieser „erfolgreichen“ Systeme ist gerade mal wieder unter massivem Druck. Einer jüngsten Studie zufolge mögen die rassistisch und maskulin geprägten Ungleichheiten in den US-amerikanischen Teilstreitkräften einfach kein Ende finden. So hat die Organisation „Schützt unsere Verteidiger“ (Protect Our Defenders) nicht zum ersten Mal auf die rassistisch motivierte Ungleichbehandlung von Soldaten im Dienst verwiesen. Nach ihrer Studie (Racial Disparities in Military Justice) sind die Chancen für einen farbigen Soldaten ungleich höher einer Disziplinarmaßnahme oder einem Militärgericht unterzogen zu werden. In der Air Force um stolze 70%, in der Navy 40% und in der Army um 61%. Demnach sind die Ursachen für diese Ungleichheit in den nach wie vor bestehenden männlich-geprägten und weiß-dominierten Hierarchien und dem Justizsystem der US-Armee zu finden. Anknüpfend hieran muss man sich ernsthaft fragen, ob militärische Organisationen überhaupt in der Lage sind, gesellschaftliche Vielfalt und Chancengerechtigkeit abzubilden, wenn sie sich nicht auf allen Ebenen in gleicher Weise abbildet. (as)
Entwicklungshilfe für Aufrüstung (V)
(12. Juni 2017)Die Kommission legte im Juli 2016 den Vorschlag für eine Initiative zur „Änderung der Verordnung“ des Friedens- und Stabilitätsinstruments vor, durch die künftig Maßnahmen zur Ausbildung und Aufrüstung („Ertüchtigung“) „befreundeter“ Streitkräfte aus diesem Topf bezahlt und Entwicklungshilfegelder hierfür verwendet werden sollen. Wie tagesschau.de berichtet, ist dies höchstwahrscheinlich ein Verstoß gegen die geltenden EU-Verträge: „[Es] sollen 25 Millionen Euro des Entwicklungshilfefonds umgewidmet werden. 75 Millionen Euro sollen aus anderen vorhandenen Budgets umgeleitet werden. Gleich zwei juristische Gutachten kommen jedoch zu dem Schluss, dass der Vorschlag der Kommission nicht im Einklang mit den vertraglichen Vereinbarungen steht: Die juristischen Dienste des Europäischen Rats sowie des Parlaments, die dem ARD-Europastudio Brüssel vorliegen, kommen zu dem Ergebnis, dass der Kommissionsvorschlag keine Rechtsgrundlage hat. Da das oberste Ziel nicht mehr Entwicklungszusammenarbeit, sondern Sicherheitspolitik sei, müsse dafür auch ein eigener Posten geschaffen werden.“ (jw)
Luftraum: Abfangkurs (II)
(12. Juni 2017)Bereits am vergangenen Dienstag ging ein russisches Kampfflugzeug auf Abfangkurs gegen einen US-amerikanischen B-52-Bomber, der nahe der russischen Grenze flog (siehe IMI-Aktuell 2017/319). Heute berichtet Spiegel Online, fast dasselbe hätte sich dann noch einmal am Freitag ereignet: „Ein russischer Kampfjet hat am Freitag über der Ostsee Flugzeuge des US-Militärs abgefangen. Die Amerikaner hätten sich zu nah an der russischen Grenze aufgehalten, hieß es laut ‚Welt‘ vonseiten Russlands.“ (jw)
Syrien: Koalition unter Drohnenfeuer
(10. Juni 2017)Foreign Policy berichtete am Donnerstag, dass eine Drohne über SoldatInnen der Anti-Daesh Koalition in der Nähe einer neu eingerichteten Basis der USA und der Freien Syrischen Armee nahe al-Zaqaf an der syrisch-jordanischen Grenze flog und Munition auf diese abwarf. Die Bodentruppen seien nicht zu Schaden gekommen und die Drohne sei kurz darauf von einem US-Kampfflugzeug abgeschossen worden. Laut einer Pressekonferenz des Pentagon war die Drohne in etwa so groß wie eine MQ-1 Predator, die auch noch mehr Munition mitgeführt haben soll. Um welchen Typ Munition es sich handelte, wurde auf einer Pressekonferenz nicht mitgeteilt, auch wurde nichts Näheres über die Drohne bekanntgegeben. Der Verdacht, dass es sich um eine Shahed-129 aus iranischer Produktion stammt liegt aber nahe. Dieses Ereignis war laut Militärhistoriker Brian Laslie das erste Mal seit 1985, dass US-SoldatInnen am Boden aus der Luft unter Feuer kamen. (ma)
EU-Rüstungsausgaben
(10. Juni 2017)Das aktuell neu erschienene „Yearbook on European Security“ enthält eine Menge Daten zur EU-Außen- und Militärpolitik. Bemerkenswert sind die Angaben zu den EU-Rüstungsausgaben – und zwar gleich aufgrund zweier Aspekte: Einmal werden die Ausgaben jedes Landes für die Jahre 2014 bis 2016 aufgeführt – die hauseigenen Defence Data der EU-Verteidigungsagentur schaffen es in der aktuellen Variante aber gerade einmal eine Schätzung für 2015 anzugeben. Deshalb behilft sich das YES, indem es auf Daten der NATO, von Sipri und des IISS zurückgreift. Dies führt zum zweiten Aspekt, nämlich, dass die angegebenen Zahlen doch reichlich schwanken: NATO: 223,542 Mrd. Dollar (allerdings nur für die 22 EU-NATO-Mitglieder); IISS: 228,099 (EU-28) und Sipri: 233,503 (EU-28). (jw)
Die Rekruten: Zielgruppenrelevant
(9. Juni 2017)Auf eine Anfrage der Linksfraktion, in der u.a. der „Erfolg“ der Youtube Bundeswehr-Werbeserie „Die Rekruten“ erfragt wird, antwortete die Bundesregierung: „Im Rahmen der Analyse zur Wirkung der Webserie „Die Rekruten“, welche von November 2016 bis Ende Januar 2017 ausgestrahlt wurde, wurden bisher folgende Entwicklungen beobachtet:
– Innerhalb der jungen Hauptzielgruppe haben 40 Prozent die Webserie „Die Rekruten“ verfolgt bzw. kennen diese.
– 17 Prozent der Befragten einer Umfrage unter Personen, die an einem Erstberatungsgespräch in einem Karrierecenter der Bundeswehr teilgenommen haben, geben an, dass sie durch die Webserie „Die Rekruten“ auf die Bundeswehr als Arbeitgeber aufmerksam geworden sind.
– Die Zahl der Zugriffe auf die Karriereseite der Bundeswehr war während des Ausspielungszeitraums von November 2016 bis Ende Januar 2017 über 40 Prozent höher als noch im September und Oktober 2016.
– Auch bei der Karrierehotline hat die Zahl der Anrufe bezogen auf die Vergleichszahlen des Vorjahres um über 20 Prozent zugenommen.“ (jw)
Kanada: Aufrüstung
(9. Juni 2017)Der Guardian berichtet, Kanada erhöhe seinen Militärhaushalt um satte 70 Prozent: “Canada has announced plans to increase its defence budget by nearly three quarters over the next decade, after coming under pressure from the United States to boost military spending. Defence minister Harjit Sajjan said the budget would jump by 73% to C$32.7bn ($24.2bn) in 2026-27 from C$18.9bn in 2016-17, with the biggest increases coming in later years.” (jw)
Montenegro: Strafen
(9. Juni 2017)Erst kürzlich ist Montenegro als 29. Staat der NATO beigetreten, wogegen es in der Bevölkerung sehr große Proteste gab. Die Regierung reagierte nun auf den offensichtlich weitverbreiteten Groll im Land damit, Geldstrafen für die Beleidigung des Bündnisses anzudrohen, wie ORF berichtet: „In Montenegro müssen Bürger, die die NATO-Allianz verspotten, künftig mit einer Geldstrafe in der Höhe von 3.000 bis 10.000 Euro rechnen. […] Aus der Regelung ausgenommen ist, wenn die Verspottung im ‚Rahmen einer ernsten Kritik in einer wissenschaftlichen, literarischen oder künstlerischen Arbeit‘ erfolgt ist“. (jw)
Europas: Globale Behauptung
(9. Juni 2017)Der Chef der konservativen EPP-Fraktion im EU-Parlament Manfred Weber (CSU) sieht im Interview mit der Welt den Untergang des (europäischen) Abendlandes schon kurz vor der Haustür, wenn nicht gehandelt wird: „Die EU befindet sich in einem historischen Moment. Entweder Europa wird erwachsen, oder wir werden das europäische Lebensmodell in der globalisierten Welt nicht verteidigen können. Dazu müssen wir jetzt ein starkes durchsetzungsfähiges Europa aufbauen. Wir müssen uns stärker als Europäer sehen, ein Bewusstsein für unsere europäische Identität aufbauen. Es geht heute nicht mehr um eine deutsche Leitkultur, sondern eine europäische Leitkultur. Denn die Leitkultur in Deutschland unterscheidet sich ja kaum von der in Frankreich, Italien, Österreich. Diese europäische Leitkultur müssen wir verteidigen und wenn möglich, global behaupten. […] Die gemeinsame Verteidigung ist ein Muss! Wir bekommen doch gerade vorgeführt, dass wir uns an der Brust der Amerikaner nicht mehr so ausruhen können, wie wir es in den vergangenen Jahrzehnten getan haben. Deshalb muss Europa sich selbst verteidigen können. Dies ist neben dem Euro die zweite große Weiterentwicklung Europas, die jetzt konkret ansteht.” (jw)
Hauptquartier: Eingetütet
(8. Juni 2017)Nach einigem hin und her beschloss der Rat heute endgültig die Einrichtung eines EU-Hauptquartiers, wenn auch unter anderem Namen. In der entsprechenden Pressemitteilung heißt es: „Am 8. Juni hat der Rat einen Beschluss zur Einrichtung eines militärischen Planungs- und Durchführungsstabs (MPCC) innerhalb des Militärstabs der EU (EUMS) erlassen. Das Mandat des EUMS, der Bestandteil des EAD ist, wurde ebenfalls geändert und gebilligt.“ (jw)
Katar: Ultimatum & Truppenverlegung
(8. Juni 2017)Der russischen Nachrichtenagentur Sputnik zufolge hat Saudi Arabien nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Katar (siehe IMI-Aktuell 2017/322) gestern eine Reihe von Forderungen zur Re-Normalisierung der Beziehungen gestellt, die binnen 24 Stunden umgesetzt werden müssten: „Diplomatische Beziehungen mit dem Iran abbrechen, die Muslimbrüderschaft und die Hamas abschieben, alle deren Konten einfrieren – so lauten einige jener Bedingungen, die Katar erfüllen muss, um die Beziehungen zu Saudi-Arabien zu normalisieren.“ Gleichzeitig berichtet Spiegel Online über den Beschluss der Türkei, wohl etwa 3.000 Soldaten ins verbündete Katar zu entsenden: „Die Türkei hält im Streit in der Golfregion weiter zu Katar. Am Mittwoch billigte das türkische Parlament ein Verteidigungsabkommen mit dem Emirat. Das beinhaltet auch die Stationierung von Truppen. Angaben zur konkreten Zahl der zu stationierenden Soldaten oder zum Zeitpunkt der Stationierung sind in dem Abkommen bislang nicht enthalten.“ (jw)
U-Boote: Top
(8. Juni 2017)Der National Interest (via Bpb-Newsletter) stellt den deutschen U-Booten eine Bestnote aus – und nennt auch die wesentlichen Szenarien, für die sie gedacht sind: „The modern German Navy has two principal missions: participating in expeditionary operations, such as combatting piracy or supporting peacekeeping operations, and sea control of the Baltic Sea — which has grown in importance, given recent tensions with Russia. (…) the fuel-cell boats are at least as stealthy as their nuclear-powered cousins, if not more so, and each individual torpedo carried can be just as deadly. Considering that multiple boats like the Type 212 or 214 can be built for the price of a single nuclear attack submarine, the firepower advantage of the larger submarines is not so clear-cut. This explains why the German submarines have proven so popular with navies across Europe and Asia seeking to assert their control over littoral waters.“ (jw)
Katar: Frontbereinigung
(8. Juni 2017)Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik argumentiert im Interview mit dem SRF, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mehrerer Golfstaaten mit Katar (siehe IMI-Aktuell 2017/318) habe nichts mit der offiziellen Begründung zu tun, das Land unterstütze den Islamischen Staat. Direkt werde der IS nicht unterstützt, „lediglich“ Unterstützung für einige syrische Rebellengruppen werde gewährt. Der Grund für die Krise sei aber woanders zu suchen: „Diese Linie geht einerseits gegen die Muslimbrüder und andererseits gegen den Iran. Offenbar wurden die Machthaber in Saudi-Arabien von Trumps Rede in Riad ermutigt, ihre viel aggressivere Vorgehensweise in die Tat umzusetzen. Insofern nehmen sie sich mit Katar den schwächsten Partner vor und versuchen, die eigene Front zu bereinigen.“ (jw)
Grüner Provinzmilitarismus
(7. Juni 2017)Die Homepage des Zollernalbkuriers berichtet unter dem Titel „Grüne-Kandidat auf Tuchfühlung mit Bundeswehr“ über den Besuch zweier Lokalpolitiker in der Kaserne Stetten am Kalten Markt – dort wo letztes Jahr beim „Tag der Bundeswehr“ kleine Kinder mit Sturmgewehren spielen durften. Erwin Feucht, Bundestagskandidat der Grünen für den Kreis Zollernalb-Sigmaringen lässt sich daraufhin mit den Worten zitieren: „Mit der Bundeswehr in Stetten a.k.M. verfüge die Region über einen wichtigen Arbeitgeber und Ausbilder in Baden Württemberg“. Die Grünen schreiben über ihren Kandidaten: „Schon in seiner Jugend hatte die Berichterstattung über den Vietnam-Krieg ihn politisiert, später war er aktiv in der Friedensbewegung.“ (bk)
Dell: NATO-Aufträge
(7. Juni 2017)Die NATO Communications and Information Agency ist eine sehr interessante Einrichtung, die alle NATO-Einrichtungen und Mitgliedstaaten bei Anschaffungen von IT- und Kommunikationstechnologie berät, entsprechende Rahmenverträge aushandelt, Unternehmen zertifiziert und gelegentlich auch selbst als Käufer auftritt. Nun hat die NCIA einen Rahmenvertrag mit drei deutschen Firmen unterzeichnet, von dem diese wohl umfassend profitieren werden, wie Silicon.de berichtet:
„Ziel des NATO-Auftrags ist es, an den 44 Standorten des Bündnisses eine einheitliche IT-Ausstattung sicherzustellen. Die Bechtle AG tritt dabei als Generalunternehmer auf und arbeitet mit Dell als Herstellerpartner zusammen. Ebenfalls an Bord ist der IT-Sicherheitsspezialisten GBS Tempest & Service GmbH aus Diepholz in Niedersachsen. Er überprüft, ob die Hardware wie im Vertrag verlangt zur Spionageabwehr abstrahlsicher ist.“ (bk)
Luftraum: Abfangkurs
(7. Juni 2017)Es gibt viele Berichte über russische Kampfflugzeuge, die – in internationalem Luftraum, also legal, wohlgemerkt – sich dem Luftraum verschiedener NATO-Staaten nähern würden, weshalb Flugzeuge der Allianz auf Abfangkurs gehen müssten, bis beigedreht würde. Euractiv berichtet nun über einen Vorfall, bei dem es sich wohl genau andersherum verhielt: “Russia scrambled a fighter jet on Tuesday (6 June) to intercept a nuclear-capable US B-52 bomber it said was flying over the Baltic Sea near its border, in an incident that had echoes of the Cold War. […] ‘The Russian SU-27 crew, having approached at a safe distance, identified the aircraft as an American B-52 strategic bomber and escorted it’ until such time as it changed course and flew away from the border area, the ministry [of Defence] said.” (jw)
Katar: Abbruch
(7. Juni 2017)Am 5. Juni brachen Saudi-Arabien, Ägypten, die VAE und Bahrein die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Zudem schottete Saudi-Arabien das Land so ab, dass es nicht mehr auf dem Landweg zu erreichen ist. Der private Nachrichtendienst Stratfor sieht dahinter den Versuch, das Land politisch „auf Linie“ zu bringen: „The actions of the United Arab Emirates, Saudi Arabia and others are part of a coordinated effort to push Qatar to align with the Saudi-led consensus on the Muslim Brotherhood and Iran. Strong support by the United States for the Saudi-led coalition likely bolstered those countries‘ confidence in making the move to isolate Doha to this degree.” (jw)
EU-finanzierte Eingreiftruppe
(6. Juni 2017)Seit vielen Jahren werden über die African Peace Faciliy der Aufbau afrikanischen “Friedenstruppen” sowie „Friedenseinsätze“ der Afrikanischen Union finanziell unterstützt. Nun berichtet die BBC, die EU habe weitere 50 Mio. für den Aufbau einer Truppe der sog. G-5 (Mauretanien, Mali, Tschad, Burkina Faso und Niger) ausgelobt: „Mali’s Foreign Minister Abdoulaye Diop announced on Monday that the new force would have some 10,000 soldiers and police officers and become operational by the end of the year.” (jw)
EU-Rüstungshaushalt: Frühstart
(6. Juni 2017)Die EU ist derzeit mitten dabei, erstmals einen Rüstungshaushalt auf die Schiene zu setzen (siehe IMI-Analyse 2017/27). Morgen sollen Details der Öffentlichkeit präsentiert werden. Schon heute berichtet das Handelsblatt, der Fonds werde wohl nicht wie ursprünglich geplant, 2021 an den Start gehen, sondern wohl bereits zwei Jahre früher: „Schon 2019 und 2020, also noch in der laufenden Haushaltsperiode, stehen dafür insgesamt 500 Millionen Euro aus dem Budget bereit, wie das Handelsblatt erfuhr. Ab 2021 soll die Summe dann auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr aufgestockt werden. “ (jw)
EU: Militarisierungsvision
(6. Juni 2017)Am morgigen Mittwoch will die EU-Kommission ein Diskussionspapier beschließen, in dem drei Szenarien für eine mögliche künftige Außen- und Militärpolitik entworfen werden. Das Papier liegt der Süddeutschen Zeitung vor, die am 2. Juni darüber berichtete (nur Print): „Wirklich in sich hat es das dritte Szenario mit dem Titel „Gemeinsame Verteidigung und Sicherheit“. Da ist von der Durchsetzung von No-fly-Zonen die Rede und auch von Marine-Operationen „in feindlichen Gewässern. Vergeltungsmaßnahmen bei Cyberangriffen werden erwogen und eine stärkere Integration der Streitkräfte der EU-Staaten einschließlich regelmäßiger Übungen. Der europäische Grenz- und Küstenschutz könnte auf Schiffe im ständigen EU-Einsatz zurückgreifen und auf eigene Aufklärungstechnik wie etwa Drohnen. ‚Die EU wäre in der Lage‘, lautet die Vision, ‚High-end-Operationen durchzuführen, um Europa besser zu verteidigen‘.“ (jw)
NATO = Frontex?
(6. Juni 2017)Die NATO führt schon heute Einsätze durch, die zumindest auch der Migrationsbekämpfung dienen. Angesichts von Aussagen von US-Präsident Donald Trump wird im EUobserver unter dem Titel „Will Nato become a transatlantic Frontex?“ spekuliert, ob diese Rolle künftig ausgebaut werden könnte: During his speech, Trump commented that ‘the Nato of the future must include a great focus on terrorism and immigration’. […] By establishing a clear link between terrorism and migration in his speech, Trump qualified migration as a major security threat that requires joint military action in order to be mitigated.” (jw)
Ulm: NATO-TÜV
(6. Juni 2017)Seit 2013 existiert in Ulm das „Multinationale Kommando Operative Führung“, es sei, so die Märkische Onlinezeitung fast bedauernd, jedoch bislang noch nicht eingesetzt worden. Allerdings finde aktuell in Grafenwöhr eine Übung statt, die eine Vorstufe sei, dass Ulm als voll ausgestattetes Kommando in künftigen NATO-Einsätzen aktiv werden könne: „Wenn in Grafenwöhr alles läuft wie geplant, kann [General] Roßmaniths Kommando im Mai kommenden Jahres bei der Übung ‚Trident Jaguar‘ im norwegischen Stavanger den begehrten Nato-TÜV bekommen. Ab Juli 2018 könnte dann theoretisch jederzeit ein Einsatzbefehl der Nato erfolgen. ‚Nach einer Aktivierung würden wir maximal 60 Tage Zeit haben, um alles vorzubereiten – einschließlich der gesamten operativen Planung auch für die Truppen, die dazugehören – und das können einige Zehntausend sein.‘“ (jw)
Kein Tag der Bundeswehr
(6. Juni 2017)Am 10. Juni findet der Tag der Bundeswehr statt. Alle Infos zu Protestveranstaltungen etc. finden sich hier: https://www.dfg-vk.de/pazifismus/call-for-action-keinen-tag-der-bundeswehr (jw)
EU-Waffen für Libyen?
(3. Juni 2017)Der EU-Einsatz Sophia soll offiziell eigentlich auch das Waffenembargo überwachen – wie die Welt nun schreibt, besteht aber der Verdacht, dass EU-Länder selber Waffen nach Libyen verbringen, dabei aber von Sophia nicht kontrolliert werden. Das nennt man wohl den Bock zum Gärtner machen: „Im Juni 2016 wurde der Sophia-Einsatz ausgeweitet. Neben der Ausbildung von Küstenschutzkräften kam die Überwachung des UN-Waffenembargos hinzu. In EU-Kreisen besteht der Verdacht, dass auf Marineschiffen aus einigen Mitgliedstaaten womöglich selbst Waffen geschmuggelt werden könnten, um befreundete Kräfte in Libyen zu unterstützen. Diese Schiffe werden freilich nicht untersucht. Beweise für diese Vorwürfe gibt es aber nicht.“ (jw)
Cyberangriffe: Bündnisfall?
(2. Juni 2017)Der Cyberraum spielt auch in der NATO-Planung eine immer größere Rolle (siehe IMI-Analyse 2016/16). Antiwar berichtet nun über eine NATO-Konferenz, auf der u.a. über die Ausrufung des Bündnisfalles im Falle von Cyberangriffen diskutiert worden sein soll: „NATO officials at a conference in Estonia are discussing the risks of cyberattacks, and talking up the possibility of invoking Article 5, an alliance-wide obligation for member nations to come to the military defense of the attacked nation, in the event of ‘certain’ cyberattacks.” (jw)
Polen: Paramilitärs
(2. Juni 2017)Die taz (via Bpb-Newsletter) berichtet über paramilitärische Kräfte in Polen, die nun gestärkt werden sollen: „Schon die Vorgängerregierung hatte überlegt, wie sie Paramilitärs einbinden soll. Zehntausende Männer und Frauen könnten im Notfall helfen, Häusern zu evakuieren, Lager aufzubauen und zu sichern. Sandsäcke stapeln, wenn ein Fluss über die Ufer tritt. Die neue rechtspopulistische Regierung geht diese Zusammenarbeit nun an. Doch das Verteidigungsministerium will die Paramilitärs nicht nur bei zivilen Krisen einsetzen. Sondern auch bei militärischen Konflikten, als Teil der nationalen Verteidigungsstrategie.“ (jw)
Schulz: Rechtslinksblinker
(1. Juni 2017)Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagt bekanntlich viel, wenn der Tag lang ist. Und in der Regel sagt er auch alles Mögliche, um bei möglichst vielen Wählerschichten zu punkten, egal ob sich die Aussagen dann widersprechen oder nicht. So veröffentlichte er am 25. Mai bei Spiegel Online einen Artikel namens „In den Frieden investieren – nicht in Waffen“, der sich – eigentlich gar nicht so schlecht anhört. Denn es finden sich darin u.a. so Sätze wie: „Wir sind Zeitzeugen einer neuen globalen Aufrüstungsspirale. […] Die Welt braucht nicht mehr Waffen, sondern mehr Gerechtigkeit und Entwicklungschancen. Es ist deshalb höchste Zeit, dass wir das Grundgesetz wieder beim Wort nehmen.“ Dass nicht zuletzt die SPD jeden grundgesetzwidrigen Krieg der letzten Jahre befürwortet hat und die deutschen Rüstungsexporte unter dem damaligen Wirtschaftsminister Gabriel einen Rekord nach dem anderen aufstellenten, verschweigt er geflissentlich – schließlich trug er als einer der führenden Genossen schon damals diese Politik voll mit.
Und so muss es dann auch nicht groß wundern, wenn Schulz wenige Tage später beim Truppenbesuch eine Aufrüstung der Bundeswehr fordert, wie die Welt berichtet: „Doch obwohl er 20 bis 30 Milliarden für zu viel hält, fordert Schulz mehr Geld für die Truppe. ‚Die Bundeswehr benötigt die Ausstattung, die ihr auch zusteht“, sagte der Kanzlerkandidat. Das sei in den letzten Jahren in sträflicher Weise unterlassen worden.‘“ UPDATE: Noch markigere Worte fand der SPD-Kanzlerkandidat tags daraus beim WDR-Europaforum: „Die Bundeswehr ist, was die Finanzen betrifft, in den vergangenen Jahren völlig ausgepresst worden, obwohl sie immer mehr Aufgaben zu bewältigen hat. Das muss man ändern“ (jw)
BMVg: Ausbau
(1. Juni 2017)Laut Augengeradeaus soll das Verteidigungsministerium um 25 Prozent vergrößert werden – 500 neue Stellen sollen hinzukommen: „Das Verteidigungsministerium soll um ein Viertel größer werden: Nach einer Organisationsanalyse der Ressortarbeit kam die Ministeriumspitze zu dem Schluss, dass für die verschiedenen Aufgaben künftig rund 2.500 statt wie bislang festgeschrieben 2.000 Dienstposten im Berliner Bendlerblock und auf der Bonner Hardthöhe erforderlich sind. Die Voraussetzungen für die Aufstockung sollen noch in diesem Jahr geschaffen werden.“ (jw)
EU-Ukraine: Abkommen
(1. Juni 2017)Mit dem EU-Ukraine Assoziierungsabkommen soll das Land fest in die westliche Einflusssphäre integriert werden (siehe IMI-Studie 2015/6). Im April 2016 stimmte die niederländische Bevölkerung in einem Referendum über das Abkommen ab: 61 % der Abstimmenden lehnten es ab, das nötige Quorum wurde dabei erreicht. Aufgrund der nicht-bindenden – aber eindeutigen – Präferenz musste nun der niederländische Senat nochmals über das Assoziierungsabkommen abstimmen. Er sprach sich mit 50 gegen 25 Stimmen fr die Ratifizierung aus. Nun soll das Abkommen schnell endgültig in trockene Tücher gebracht werden. Ukrinform zitiert Kommissionschef Juncker mit den Worten: „Ich würde gerne sehen, dass das Verfahren schnell während des EU-Ukraine-Gipfels im Juli [13. Juli] abgeschlossen wird. […] Der Platz der Ukraine ist in Europa. Die Zukunft der Ukraine liegt in Europa.“ (jw)
Friedensgutachten: EU-Rüstung
(1. Juni 2017)Mit der „Bratislava-Agenda“ hat die EU einen umfassenden Militarisierungsprozess auf die Schiene gesetzt (siehe IMI-Analyse 2017/13). Was dem frisch erschienenen „Friedensgutachten“ dazu u.a. einfällt ist, lobend zu sagen, in der EU seien inzwischen „die Weichen richtig gestellt“ worden: „Da die EU ihre Sicherheit künftig nicht mehr den USA überlassen kann, gilt es, der gemeinsamen Sicherheit und Verteidigung einen höheren Stellenwert einzuräumen, wozu auch die Koordination der Rüstungspolitik gehört.“ (jw)
Deutschland: Drehscheibe
(31. Mai 2017)Augengeradeaus verweist auf den aktuellen Tagesbefehl des Verteidigungsministeriums, mit dem eine Fokussierung der Streitkräftebasis auf die Unterstützung der Ost-Aufrüstung auf den Weg gebracht wird: „Unmittelbare Folge dessen ist die gestiegene Bedeutung Deutschlands als zentral gelegenes strategisches Transitland und logistische Drehscheibe für unsere Verbündeten bei der Stärkung der NATO-Ostflanke. […] Jetzt müssen wir unsere Fähigkeiten für Unterstützungsleistungen ausbauen und multinational abstimmen.“ (jw)
Mittelstand und Bundeswehr
(30. Mai 2017)Um zu „zeigen, welches Potential in der Bundeswehr steckt“ hat der Bundesverband mittelständische Wirtschaft Bundeswehrvertreter_innen und Unternehmen nach Koblenz eingeladen. Gegenüber dem SWR zeigt sich Mario Ohoven als Präsident des Bundesverbandes überzeugt: Der Mittelstand kann „auf die Bundeswehr nicht verzichten“. Die Sprecherin erläutert: „Der Wunsch der Lobbyisten: Mehr Aufträge von der Bundeswehr an den Mittelstand. Und auch die Bundeswehr hält eine engere Zusammenarbeit für eine gute Idee“ – auch weil beide Seiten von einander lernen könnten. Was mittelständische Unternehmen von der Bundeswehr lernen könnten, erläutert anschließend Generalmajor Reinhardt Zudrop, Kommandeur des Zentrums Innere Führung, gegenüber dem SWR: „moderne Menschenführung.“ Bei solcher Propaganda bleibt es, kritische Worte oder Positionen sind dem Bericht nicht zu entnehmen.
Die Rekruten: RTL II
(30. Mai 2017)Die Youtube Bundeswehr-Werbeserie „Die Rekruten“ wird laut filmstarts.de bei RLT II gesendet: „‘Die Rekruten‘ schaffen wirklich den Sprung von YouTube ins TV. RTL II nimmt eine spezielle Schnittfassung der Bundeswehr-Produktion ins Programm.“ (jw)
Manchester: LIFG-Connection
(29. Mai 2017)German-Foreign-Policy.com (gfp) macht in ihrem Newsletter vom 29.05.2017 darauf aufmerksam, dass der Attentäter von Manchester und seine Familie enge Verbindungen zur Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) hatten. Die LIFG kämpfte 2011 gegen den lybischen Machthaber Gaddafi und erklärte seine Zugehörigkeit zum Nationalen Übergangsrat, dem die NATO nach der Niederlage der Gaddafi-Kräfte zunächst die Kontrolle des Landes überließ. gfp vermutet (wie auch der Guardian), dass auch der Attentäter von Manchester selbst – damals noch als minderjähriger Schüler – im libyschen Bürgerkrieg auf Seiten der Nato-unterstützten Kräften gekämpft habe und nennt einige Beispiele, wie sich bereits in der Vergangenheit strategische Partner zu Terroristen und gegen die Gesellschaften gerichtet haben, von deren politischer Führung sie einst aufgebaut und unterstützt wurden.
Trump: Deutsche Supermacht?
(29. Mai 2017)Im National Interest wird die Sorge geäußert, dass US-Präsident Trump Deutschland regelrecht in Richtung einer Supermacht-Politik dränge. Auch wenn dies im Gegensatz zur Auffassung des Artikelschreibers in Deutschland relevanten Kräften, die ohnehin auf eine „profiliertere“ deutsche Rolle abzielen, durchaus recht kommen dürfte, im Endeffekt läuft es auf dasselbe hinaus: “There is little appetite, at least as far as I could tell at a conference in Berlin sponsored by the American Council on Germany at the German Foreign Ministry, for transforming the country into a Fuehrungsmacht, or leading power. But Trump may be accelerating, willy-nilly, a development that he does not fully grasp.” (jw)
CSU: „Wir. Danken. Euch.“
(28. Mai 2017)Zum Tag der Bundeswehr will die CSU eine Werbekampagne Pro-Truppe starten, berichtet die Bild: „Am 10. Juni, dem Tag der Bundeswehr, will der CSU-Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik Flyer und runde Buttons mit weißblauer Raute und Tarnmuster an den bayerischen Kasernen verteilen lassen. Die Kernbotschaft: ‚Wir. Danken. Euch.'“ (jw)
Bundeswehr & Minderjährige
(27. Mai 2017)Dass die Bundeswehr Minderjährige rekrutiert ist schon länger Gegenstand von Kritik (siehe IMI-Sudie 2017/01). RP Online berichtet nun über eine Anfrage der Linken, derzufolge die Zahl einen neuen Höchststand erreicht hat: „Die Bundeswehr hat 25 Prozent mehr Minderjährige eingestellt und damit einen neuen Rekordwert von 1907 Jugendlichen erreicht. Auch die Zahl der weiblichen minderjährigen Bewerber ist so hoch wie nie zuvor.“ (jw)
Vorwärtspräsenz: Fact Sheet
(27. Mai 2017)Die NATO hat ein Fact Sheet mit vielen Details zur „Vorwärtspräsenz“ der NATO in den drei baltischen Staaten und in Polen veröffentlicht. Es enthält nicht nur eine relativ genaue Gesamtzahl der Truppen – ca. 4530 -, sondern auch die Aufschlüsselung jedes der vier Bataillone. Im Falle des von Deutschland in Litauen geführten Bataillons steuert die Bundeswehr 450 Soldaten bei, Belgien 100, Luxemburg 22, die Niederlande 250 bis 270 und Norwegen 200. (jw)
EU-Verteidigungs-Haushalt
(26. Mai 2017)Am 30. November 2016 veröffentlichte die EU-Kommission einen „Verteidigungs-Aktionsplan“, der vorsieht, erstmals einen „Verteidigungshaushalt“ für das EU-Budget 2021 bis 2027 im Gesamtumfang von 38,5 Mrd. Euro einzurichten (siehe IMI-Analyse 2017/2). Ein genauerer Zeitplan für weitere Details blieb lange unklar. Nun berichtet die Tiroler Tageszeitung, dass diese bereits in Kürze vorgelegt werden sollen: „Parallel zum Verteidigungsfonds, der vor der für 7. Juni in Prag angesetzten Europäischen Konferenz über die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik ins Leben gerufen werden soll, werde es ein Reflexionspapier zu den längerfristigen Optionen für die Zukunft im Bereich der Europäischen Verteidigung geben.“ (jw)
Trump: Anti-russisches Zeugnis
(26. Mai 2017)Ted Bromund von der extrem russlandfeindlichen Heritage Foundation ist nicht der Ansicht, dass die neue US-Regierung unter Donald Trump einen sonderlich russlandfreundlichen Kurs eingeschlagen hätte, auch wenn dies von Kritikern ständig behauptet würde. Im Gegenteil stellt er der Regierung für ihre diesbezügliche Politik im Daily Signal ein „gutes“ Zeugnis aus: „If the Trump administration is supposed to be colluding with the Russians, they’re doing a terrible job of it. They’ve opposed Russia in Europe, Afghanistan, Georgia, and Syria, while trying—and this is where the Oval Office meeting comes in—to get Moscow to oppose ISIS. Trump’s effort to win over the Russians testifies to the emphasis the administration is placing on the war against the Islamists. That effort isn’t going to go anywhere: The Russians will play their own game in the Middle East. I wish the Trump administration would recognize this. But I’d rather have an administration that tries to cooperate with the Russians on ISIS alone than one—like Obama’s—which tries to cooperate with them everywhere.“ (jw)
Intensivierte Luftschläge
(24. Mai 2017)Gegenüber dem ersten Quartal 2016 ist unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump nicht nur die Zahl amerikanischer Luftschläge im Irak und Syrien deutlich nach oben gegangen, sondern auch die der Zivilopfer, berichtet Antiwar.com: „ NGOs keeping track of the number of civilians the US is killing show a different story, however, with the Syrian Observatory for Human Rights putting the death toll at 225 over the last month, which by their reckoning is the most civilians the US has killed in any one month span of the ISIS war.” (jw)
Lager in Afrika
(24. Mai 2017)Die Vorverlagerung der EU-Grenzen schreitet immer weiter voran (siehe IMI-Analyse 2017/21). Heute berichtet German-foreign-policy.com nun über Pläne der EU, nicht „nur“ an der Nordküste Afrikas Flüchtlingslager aufzubauen: „Im Rahmen der EU-Flüchtlingsabwehr bereitet Italien die Einrichtung von Flüchtlingslagern in Niger und im Tschad vor.“ (jw)
Afghanische Polizei bei Abschiebung dabei
(23. Mai 2017)Wie die dänische Zeitung The Local berichtet, begleitete die afghanische Polizei eine Abschiebung aus Dänemark nach Afghanistan und schlug die Geflüchteten in Anwesenheit der dänischen Polizei, nachdem diese sich weigerten das in Kabul gelandete Flugzeug zu verlassen. Auch die Bundespolizei ist an der Ausbildung und dem Aufbau polizeilicher Kräfte in Afghanistan beteiligt. (ja)
Deutsche EU-Armee
(23. Mai 2017)Unter dem Begriff der „Ankerarmee“ (früher: Rahmennationskonzept) integriert Deutschland Truppenteile anderer Länder in die Bundeswehr – und unterstellt sie damit deutschem Kommando (siehe IMI-Aktuell 2017/083). Unter dem vielsagenden Titel “Germany Is Quietly Building a European Army Under Its Command” weist die Foreign Policy auf die möglichen Folgen dieser Entwicklung hin: „Berlin is using a bland name to obscure a dramatic shift in its approach to defense: integrating brigades from smaller countries into the Bundeswehr.” (jw)
Bundeswehr & Kirchentag
(23. Mai 2017)Gegen die umfassende Präsenz der Bundeswehr beim Kirchentag wendet sich u.a. die DFG-VK. In einer Pressemitteilung werden die zahlreichen „Berührungspunkte“ aufgelistet: „Auf den Veranstaltungen des Evangelischen Kirchentages in Berlin wird die Bundeswehr auf verschiedene Weise präsent sein:
- Am Abend des 24. Mai 2017 spielt die BigBand der Bundeswehr zur Eröffnung des Kirchentages auf dem Gendarmenmarkt.
- Auf dem Militärgottesdienst am 26. Mai in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche werden Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Militärbischof Sigurd Rink predigen. Hochrangige Vertreter von Politik, Kirche und Militär werden diesen Gottesdienst besuchen. Die Militärpolizei wird die Eingänge bewachen.
- Militärbischof Sigurd Rink lädt am selben Tag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zur Bibelarbeit ein.
- Auf mehreren Diskussions-Podien werden Vertreter der Bundeswehr sitzen, zum Beispiel am 27. Mai auf dem Messegelände.
- Die Militärseelsorge ist mit mehreren Ständen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ vertreten.
- Im Umfeld des Kirchentages und im Zusammenhang mit dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ betreibt die Bundeswehr, Abteilung Militärseelsorge, zusammen mit anderen vom 20. Mai bis 10. September in Wittenberg das ‚Café Friedenswege‘.“ (jw)
USA: Rüstung vs. Sozialabbau
(22. Mai 2017)Mitte März 2017 legte US-Präsident Trump seinen Antrag für den Rüstungshaushalt von Oktober 2017 bis September 2018 (FY 2017) vor, der mit offiziellen 639 Mrd. Dollar deutlich über dem letzten Haushalt von 587 Mrd. seines Vorgängers Obama lag. Rechnet man versteckte Posten mit hinein, ergibt sich Schätzungen zufolge sogar ein Budget von 824,1 Mrd. Dollar für das FY 2017. Gegenfinanziert soll das Ganze u.a. durch massive Kürzungen der Sozialausgaben werden, wie Spiegel Online berichtet: „Der Staat soll sparen: US-Präsident Donald Trump plant, die Versorgung armer und behinderter Bürger mit kostenloser medizinischer Hilfe und Lebensmitteln einzuschränken. In einem Haushaltsentwurf seien tiefe Einschnitte an den entsprechenden Programmen vorgesehen, berichtet die ‚Washington Post‘. […] Das Budget des Programms „Medicaid“, das Menschen mit geringem Einkommen kostenlose Arztbesuche ermöglicht, will Trump demnach in den nächsten zehn Jahren um 800 Milliarden Dollar kürzen.“ (jw)
Atlantikkommando: Wiederbelebung?
(22. Mai 2017)Bis Juni 2003 bestand die höchste strategische Ebene der NATO aus dem Europakommando und dem Atlantikkommando. Damals noch unter dem Eindruck sich verringernder Konflikte mit Russland wurde das Atlantikkommando in der Transformationskommando umgewandelt. In einem weiteren Zeichen, dass die Infrastruktur des Kalten Krieges Stück für Stück wiederbelebt wird, berichtet Defense One nun unter Berufung auf das Wall Street Journal, innerhalb der NATO werde über eine Reaktivierung des Atlantikkommandos nachgedacht: „The Cold War naval command would help “counter Moscow’s increased submarine activity in the Arctic and protect Atlantic sea lanes in the event of a conflict, according to allied diplomats and officials briefed on the planning work,” WSJ reports. The discussions “indicate that the alliance remains focused on improving allied defenses against a resurgent Russia despite the Trump administration’s demand for a greater focus on counterterrorism.” (jw)
US-Saudischer Waffendeal
(21. Mai 2017)Wie diverse Medien berichten, tütete US-Präsident Donald Trump bei seinem jüngsten Besuch in Saudi Arabien einen gigantischen Waffendeal ein: „Das arabische Land will demnach im ersten Schritt Rüstungsgüter im Wert von fast 110 Milliarden Dollar kaufen. Insgesamt soll das Geschäft 350 Milliarden Dollar schwer sein.“ (jw)
EU-Hauptquartier: Ebenfalls beschlossen
(20. Mai 2017)Neben einem Verfahren zur Aktivierung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit besteht ein weiteres Ergebnis des gestrigen EU-Ratstreffens der Verteidigungsminister darin, sich endgültig über die Einrichtung eines „Militärische Planungs- und Führungsfähigkeit“ genannten EU-Hauptquartiers verständigten. Wie Spiegel Online berichtet, wollen sich die Staats- und Regierungschefs beim Ratstreffen im Juni dann auch noch über die Details zum geplanten EU-“Verteidigungs“fonds einigen, womit dann die wesentlichsten Teile der im September 2016 ausgerufenen Bratislava-Agenda in Windeseile umgesetzt wären (siehe IMI-Analyse 2017/13).
Deutsche Tornados: US-Bombardierungen
(19. Mai 2017)Eigentlich schon seit einer ganzen Weile bekannt, aber in den Medien selten thematisiert wird die Tatsache, dass die USA mit aller Wahrscheinlichkeit auch auf Grundlage der deutschen Tornado-Daten in Syrien und im Irak bombardieren. Vor allem dass keinerlei Kontrolle darüber besteht, was mit den Aufklärungsdaten geschieht ist überaus problematisch. Insofern ist es begrüßenswert, dass Spiegel Online kritisch hierauf hinweist: „Die Bundeswehr liefert der US-geführten Anti-IS-Koalition seit knapp anderthalb Jahren ‚Tornado‘-Aufklärungsbilder aus Syrien und dem Irak. Doch sie hat nur sehr begrenzten Einfluss darauf, was die USA und andere Partner mit den Aufnahmen machen. […] Sobald die Bundeswehr ihre Bilder jedoch an die USA übergibt, hat Deutschland keinen Einfluss mehr darauf, was mit ihnen passiert. Auf die Frage, ob Aufklärungsdaten in die Entscheidung des US-Militärs über Luftschläge mit einfließen, antwortet das Verteidigungsministerium lapidar: ‚Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.‘“ (jw)
Kerneuropa: Beschlossen
(19. Mai 2017)Schon seit Jahren wird immer wieder vor der Bildung eines militärischen Kerneuropa aus wenigen Staaten gewarnt, das in Form der sog. Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (SSZ) Teilbereiche der EU-Militärpolitik exklusiv unter seine Fittiche nehmen könnte (siehe IMI-Studie 2008/08). Blockiert wurde das Vorhaben lange primär von Großbritannien, doch durch den bevorstehenden EU-Austritt des Landes scheint nun der Weg frei, um das Projekt zu realisieren. NewEurope zufolge sei faktisch bereits eine Einigung erzielt worden, die SSZ noch in diesem Jahr an den Start zu bekommen: „Ministers have provided their consent on a political level to create a Permanent Structured Cooperation (PESCO) within 2017, based on inputs provided by the EU member states. […] ‘We still have to finalize the legal act but we don’t need any more political decisions, the decision is done, it’s finalised,’ said Mogherini.” (jw)
AWACS: Umquartierung?
(19. Mai 2017)Nach den Forderungen, die Bundeswehr-Tornados aus dem türkischen Incirlik abzuziehen, setzte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel jetzt noch einen obendrauf. Auch die AWACS in Konya stünden zur Disposition, berichtet u.a. Zeit Online: „Die Awacs-Maschinen sind der bisher einzige größere Beitrag der Nato zum internationalen Bündnis gegen den ‚Islamischen Staat‘. Sie sind zu einem Drittel mit Bundeswehrsoldaten besetzt. Bei einem Abzug der deutschen Soldaten wäre der Einsatz insgesamt gefährdet.“ (jw)
Afghanistan: Mehr NATO-Truppen? (III)
(18. Mai 2017)Überlegungen in den USA, die Truppen in Afghanistan wieder deutlich aufzustocken, werden schon länger angestellt. Allerdings war dabei bislang „nur“ die Rede davon, zwischen 3.000 und 5.000 Soldaten zusätzlich zu entsenden (siehe IMI-Aktuell 2017/256). Nun berichtet Bloomberg der Nationale Sicherherheitsberater H.R. McMaster habe sein OK für eine Erhöhung in ganz anderen Dimensionen gegeben, stoße hier aber auf den Widerstand von US-Präsident Trump: “A new Afghanistan war strategy approved last month by President Donald Trump’s top military and national security advisers would require at least 50,000 U.S. forces to stop the advance of the Taliban and save the government in Kabul, according to a classified U.S. intelligence community assessment. […] But other U.S. officials familiar with the internal deliberations tell me Trump has signaled he is in no mood to escalate America’s longest war.” (jw)
Asien: Deutsche Aufrüstung
(18. Mai 2017)Die FAZ berichtet, dass sich in Ostasien vor allem im maritimen Bereich eine massive Aufrüstung ankündige, von der insbesondere deutsche Firmen, allen voran Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS), profitieren dürften: „China und Indien bauen ihre Seestreitkräfte erheblich aus, kaufen zahlreiche Kriegsschiffe und U-Boote. Amerika sorgt sich um seine militärische Dominanz vor Ort, doch zunächst einmal profitiert die deutsche Rüstungsindustrie. […] Der Singapurer Verteidigungsminister Ng Eng Hen erklärt, bis 2030 würden in Asien-Pazifik rund 800 weitere Kriegsschiffe und Unterseeboote operieren.“ (jw)
Soldat getötet
(17. Mai 2017)Vom sogenannten „Fulda Gap“, eine Region zwischen Hessen und Bayern, an der ein Durchbruch sowjetischer Panzertruppen als besonders wahrscheinlich kommuniziert wurde, ist u.a. noch der Truppenübungsplatz Wildflecken, etwa 15km südöstlich von Fulda in Bayern gelegen übrig. Hier wird sehr häufig das Gefecht geübt, auch mit scharfem Schuss und größerem Kaliber. Dort ist kürzlich offenbar ein Soldat der Panzerbrigade 21 bei einer Schießübung getötet worden. Laut Spiegel Online teilte die Bundesverteidigungsministerin dies bei einer Veranstaltung des Reservistenverbandes mit: „Dieser Unfall verdeutlicht wieder einmal auf tragische Weise, was wir unseren Soldaten im Einsatz und in der Ausbildung für den Einsatz abverlangen“, soll von der Leyen demnach den Vorfall kommentiert haben. Spiegel Online schreibt weiter: „Die Truppe ermittelt jetzt, wie es zu dem Vorfall kommen konnte.“ Warum eigentlich nicht die Staatsanwaltschaft?
Welt ohne Waffen
(17. Mai 2017)Seit fünf Jahren existiert die Weimarer Initiative „Welt ohne Waffen“. Nun hat sie eine Broschüre „Abrüstung jetzt – Weimarer Friedensappell 2017“ veröffentlicht. In der begleitenden Pressemitteilung heißt es: „Im Mittelpunkt dieses Aufrufes steht die Realutopie einer kontrollierten Abrüstung, die auf die Perspektive einer militärfreien Welt zielt.“ Tatsächlich werden in der Broschüre sieben Schritte genannt, die zum Weltfrieden führen sollen. Der letzte Punkt des siebten Schrittes lautet: „Das Friedensfest des Planeten wird vorbereitet“. Am 1.1.2050 soll dann die „Proklamation der militärfreien Welt“ stehen.
Make Games – Not War (II)
(17. Mai 2017)Nach ersten Protesten gegen die Zusammenarbeit der Spielefirma Crytek mit der Bundeswehr in Deutschland (siehe IMI-Aktuell 2017/240) kam es nun auch auf einer Fachmesse für militärische Trainingssimulatoren im niederländischen Rotterdam zu einer kleinen Demonstration. Die dazugehörige Pressemitteilung findet sich auf der Kampagnenseite „Make Games – Not War: Nein zur Kooperation von ‚Crytek‘ mit der Rüstungsindustrie“! (jw)
Pegasus-Drohne
(17. Mai 2017)Augengeradeaus berichtet, inzwischen sei ein Name für die geplante Drohennanschaffung gefunden: „Für die hoch fliegende Aufklärungsdrohne Triton aus US-Produktion (Foto oben) mit der deutschen Aufklärungstechnik namens ISIS im System SLWÜA (Signalerfassende Luftgestützte Weiträumige Überwachung und Aufklärung) wurde mit Entscheidung von Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder der Name Pegasus festgelegt.“ (jw)
Korvetten: Verschoben
(16. Mai 2017)Die Anschaffung neuer Korvetten läuft alles andere als reibungslos (siehe IMI-Aktuell 2017/227). Bei Hartpunkt.de heißt es nun: „Die Auftragsvergabe für die Lieferung von fünf neuen Korvetten des Typs 130 dürfte in der laufenden Legislaturperiode nicht mehr erfolgen. Wie aus einer Information des BMVg an den Bundestag hervorgeht, ist die Behandlung der 25-Mio-Vorlage für die Korvetten K130 2. Los bis zur 25. Kalenderwoche unsicher, da ein Nachprüfungsverfahren der German Naval Yards anhängig sei.“ (jw)
EU-Hauptquartier?
(16. Mai 2017)Ein Kernbestandteil auf dem Weg zu einer EU-Verteidigungsunion soll die Einrichtung eines ständigen EU-Hauptquartiers werden, wie es u.a. von Kommissionschef Jean-Claude Juncker in seiner Rede zur Lage der Union am 14. September 2016 gefordert wurde (siehe IMI-Analyse 2017/13). Im Prinzip hatten man sich hierauf bereits Anfang März 2017 verständigt, allerdings scheint es weiter Streit um den Namen zu geben, berichtet der Deutschlandfunk: „Noch immer wartet das bereits Anfang März beschlossene gemeinsame Militär-Hauptquartier für Auslandsmissionen darauf, endlich für zunächst drei EU-Einsätze das Kommando zu übernehmen. Und zwar, weil die Briten blockieren. […] Der Streit dreht sich um den Namen der Führungszelle: Die Briten wehren sich gegen die geplante Bezeichnung ‚operatives Hauptquartier‘. Auf keinen Fall darf aus Londons Sicht der Verdacht aufkommen, man wolle die NATO kopieren. Andere EU-Staaten hingegen wollen den bisherigen, aber sehr sperrigen Begriff ‚Militärische Planungs- und Führungsfähigkeit‘ für die Brüsseler Kommando-Zentrale loswerden.“ (jw)
Vorverlagerung der EU-Grenzen
(16. Mai 2017)Die Vorverlagerung der EU-Grenzen schreitet immer weiter voran (siehe IMI-Analyse 2017/21). Nun berichtet German-foreign-policy.com über Pläne, eine weitere EU-Grenzmission in Afrika zu starten: „Bundesinnenminister Thomas de Maizière verlangt die Entsendung einer EU-Grenzschutzmission an die Grenze zwischen Libyen und Niger. Weil die bisherigen Maßnahmen zur Abschottung dieser Grenze nicht die gewünschte Wirkung entfalteten, müsse man weitere Schritte ergreifen und ‚fact-finding missions‘ in die libysch-nigrische Wüste entsenden“. (jw)
KDV: Asylgrund, gefälligst!
(15. Mai 2017)„Kriegsdienstverweigerer und Deserteure brauchen Asyl“, so eine Pressemitteilung von Connection e.V. zum internationalen Tag der Kriegsdiensverweigerung. Weiter heißt es dort: „Deutsche Behörden und Gerichte argumentieren mit ihren Entscheidungen ganz im Sinne einer Vorrangstellung für das Militär, die den unbedingten Gehorsam auch ungeachtet der Verbrechen eines Krieges fordert“. als skandalöses Beispiel hierfür wird die Entscheidung des OVG Münster angeführt, das einem Syrer den Flüchtlingsstatus versagte, obwohl sich dieser dem Militärdienst entzogen hatte. Weitere Beispiele werden für Kriegsdienstverweigerer_innen aus den USA und Eritrea genannt.
WSH-Camp: Mobi
(15. Mai 2017)Das „War Starts Here“-Camp beim Gefechts-Übungszentrum (GÜZ) in der Colbitz-Letzlinger Heide (Altmark) wird dieses Jahr vom 31. Juli bis 6. August stattfinden. Auf der Homepage des Camps wird aufgefordert, nun in die Mobilisierung einzusteigen. U.a. gibt es dort Flyer und Plakate und die Möglichkeit, Mobilisierungsveranstaltungen zu organisieren.
Moralphilosophischer Flankenschutz
(15. Mai 2017)Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte ein Interview mit dem Moralphilosphen Wilfried Hinsch, der sich voll hinter den neuen deutschen Militärinterventionismus stellt: „Gaucks Rede von 2014 finde ich richtig und wichtig als Mahnung zu einer intensiveren gesellschaftlichen Diskussion. […] Ich verstehe mich nicht als Handlanger für Kriegstreiber. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass es keine moralfreien Zonen gibt. Und der Pazifismus hat die Moral auch nicht für sich gepachtet. Als „aufgeklärter Pazifist“ kann ich sehr wohl vertreten, dass militärische Mittel moralisch geboten sein können.“ (jw)
BW-Uni: Warnung
(12. Mai 2017)Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Email an Studierende der Bundeswehruniversität in München. Darin habe es geheißen, „‚Aufgrund der aktuellen Geschehnisse‘ seien unverzüglich Symbole und Gegenstände, die mit der Wehrmacht und der NS-Zeit in Verbindung gebracht werden könnten, aus den Diensträumen und Stuben zu entfernen. Dazu der Hinweis, diese Anweisung diene ‚Ihrem eigenen Schutz'“. Offenbar zeige die Warnung wirkung, wie ein Soldate berichtet: „Seither sei das ein oder andere gerahmte Bild eines Wehrmachtsgenerals aus den Stuben verschwunden, erzählt er – und der Stahlhelm aus dem Aufenthaltsraum der Vorgesetzten. Die Devotionalien verschwänden meist in persönlichen Spinden im Kasernenkeller.“
Mit solch einer Anordnung unterläuft die Bundeswehr natürlich wieder einmal eine tatsächliche Bestandsaufnahme und Aufklärung. Jetzt wird eben kurz aufgeräumt, danach kann alles weitergehen, wie zuvor, die angekündigten „Razzien“ in den Kasernen werden wenig ans Tageslicht bringen, was über das bekannte Maß hinausgeht.
Noch eine interessante Tatsache aus dem Bericht der Süddeutschen soll hier nicht verschwiegen werden: In einem Internetforum habe ein User geschrieben, „er könne das mit den Durchsuchungen einfach nicht ernst nehmen, solange den Feldjägern ‚Jedem das Seine‘ am Barrett heftete. Die Feldjäger, Militärpolizei der Bundeswehr, tragen ein Abzeichen mit dem lateinischen Spruch ‚Suum Cuique‘, Jedem das Seine. Der Ausspruch wird dem römischen Kaiser Justinian zugeschrieben, doch er prangte auch am Tor des KZ Buchenwald.“
re:publika und Bundeswehr
(12. Mai 2017)Vom 8. bis 10. Mai fand in Berlin unter dem Motto „Love out Loud“ statt, eine jährliche Konferenz zur digitalen Gesellschaft, die sich in der Vergangenheit sehr offen für soziale Bewegungen etc. gezeigt hat. Da sich im Publikum viele Personen finden, die eine Affinität zum Digitalen haben, wollte dieses Jahr auch die Bundeswehr mit einem eigenen Stand präsent sein, um für ihr „Projekt Digitale Kräfte“ zu werben. Angeblich hat sie sich zu spät angemeldet und somit wurde nichts aus dem Stand – ob das den Veranstalter vielleicht gerade recht war, darüber kann spekuliert werden.
Letztlich schaffte es die Bundeswehr trotzdem präsent zu sein – auf einer (unkritischen) Diskussion auf einem Side-Event konnte der Beauftragte für die Arbeitgebermarke der Bundeswehr „vollkommen unhinterfragt die Werbestrategie der Bundeswehr“ darstellen, wie Metronaut berichtet. Da gab es natürlich Protest, der jedoch vom Publikum wenig goutiert und in der Videoaufzeichnung der Veranstaltung auch nicht dokumentiert wurde. Der Metronaut meint, hierin eine generelle Tendenz der Konferenz erkennen zu können: „Dass solche Aktionen stattfinden, zeigt dass die Fliehkräfte der aus der Blogger- und Netzbewegung entstandenen Konferenz mittlerweile überreizt sind. Ein Teil des Publikums findet sich nicht mehr wieder zwischen Google-Ständen, Marketing-Getöse, Mercedessternen und einer Bundeswehr, die ihre Rekrutierungspropaganda auf der Konferenz abfeiern darf. Zugleich sind diese Leute irritiert über ein Publikum, das in Teilen so unkritisch ist, dass das Protestschild-Design der ganzen Konferenz nur noch als schöne Deko wahrgenommen wird, vor deren Hintergrund man hübsche Instagram-Bilder machen kann.“
Wehrpflicht: Reaktivierung? (II)
(11. Mai 2017)Aufgrund der massiven Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr wurde immer wieder über eine Reaktivierung der Wehrpflicht spekuliert (siehe IMI-Aktuell 2017/115). Vor dem Hintergrund der jüngsten Debatte um rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr, wird die Forderung jetzt auf dieser Grundlage wieder aufgegriffen. Die FAZ schreibt: „Angesichts rechtsextremer Umtriebe in der Bundeswehr schlägt der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht vor. Die Aussetzung der Wehrpflicht vor knapp sechs Jahren habe bewirkt, dass die Bundeswehr keinen Querschnitt der Gesellschaft mehr abbilden könne, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. ‚Dabei wäre der Bürger in Uniform ein verlässliches Frühwarnsystem zur Erkennung von Extremismus von links und rechts.‘ Das Aufleben der Wehrpflicht sei daher nicht nur aus Sicherheitsaspekten notwendig. ‚Unsere Zivilbevölkerung ist auch das Immunsystem gegen Demokratiefeindlichkeit.’“ (jw)
Montenegro: NATO-Termin
(11. Mai 2017)Trotz großer Proteste in der Bevölkerung wurde beschlossen, dass Montenegro der NATO beitreten soll. Nun scheint auch der offizielle Termin festzustehen. So berichtet etwa die Tiroler Tageszeitung: „Montenegro wird am 5. Juni auch formell zum neuen NATO-Mitglied. Dies kündigte Ministerpräsident Dusko Markovic nach einem Gespräch mit dem US-Außenminister Rex Tillerson in Washington laut Medienberichten vom Dienstag an.“ (jw)
Rheinmetall: Zahlen und Protest
(10. Mai 2017)Das Neue Deutschland berichtet über die Aktionärsversammlung des Rüstungskonzerns Rheinmetall und die Proteste aus diesem Anlass. Für 2016 steigerte der Konzern seinen Umsatz um acht Prozent, er plant eine Panzerfabrik in die Türkei zu exportieren und wählte Verteidigungsminister a.D. Franz-Josef Jung (CSU) in den Aufsichtsrat, wo bereits der ehemalige Bundesminister für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Dirk Niebel (FDP) vertreten ist.
Die Protestierenden forderten, den Konzern zu Entrüsten und hatten u.a. mit einem ausgemusterten Panzer auf dessen tödliches Geschäft aufmekrsam gemacht. Tobias Pflüger verwies als Redner darauf, dass Rheinmetall zunehmend auch von der zunehmend militärischen Aufrüstung der Polizei profitiere.
Bahrain: Militärgerichte mehr Macht
(10. Mai 2017)Wie Amnesty International berichtet, wird in Bahrain momentan der erste Zivilist seit den brutal niedergeschlagenen Protesten 2011 vor ein Militärgericht gestellt. Zu dem Zeitpunkt der Proteste wurden zahlreiche Menschenrechtsaktivist_innen und allgemein Regimekritiker_innen von Militärgerichten in unfairen Prozessen zu Haftstrafen verurteilt und viele wurden in den Gefängnissen gefoltert. Im April 2017 ebnete der König Hamad bin Isa Al Chalifa durch eine Verfassungsänderung den Weg für eine zunehmende Zuständigkeit von Militärgerichten für zivile Angelegenheiten. Abgesehen von der nun vor dem Militärgericht stehenden Person, Fadhel Sayed Abbas Hasan Radhi, der zuvor sieben Monate von bahrainischen Sicherheitskräften entführt wurde, wird laut Amnesty International vermutlich bald bereits der nächste zivile Fall an ein Militärgericht übertragen. (ja)
FAZ: Wehrmachtsgedenken
(10. Mai 2017)Wie teilweise absurd die Diskussion um rechte Gesinnungen, Traditionspflege und Wehrmachtsbezüge bei der Bundeswehr verläuft, sieht man vielleicht sogar am besten daran, dass einer der treffendsten Beiträge hierzu ausgerechnet in der FAZ erschien. Hier stellt Rainer Blasius zunächst einmal fest, was viel zu oft in dere Debatte untergeht, dass die Gründung der Bundeswehr auf „Offizieren und Unteroffizieren, die in der Exekutions-Gemeinschaft des Nationalsozialismus sozialisiert worden waren“, basierte. „Braune Gesinnung“ bei der Bundeswehr sei „jahrzehntelang verheimlicht“ worden. Wichtig v.a. auch dieser Punkt: „Bedenklicher [als Wehrmachts und NS-Devotionalien] sind pensionierte Generale, die – nachdem sie den bunten Rock mit dem Lodenmantel getauscht haben – als geschichtsklitternde Militärschriftsteller oder schneidige Redner eine neue Karriere beginnen“.
Ob Rainer Blasius hierbei auch an Reinhard Günzel gedacht hat, den ehemligen Kommandierenden des Kommandos Spezialkräfte, dessen Vorträge heute von der Jungen Freieheit gemeinsam mit dem Institut für Staatspolitik vertrieben werden?
Viele weitere solche Fälle finden sich auf dem Blog „Braunzone Bundeswehr“.
NATO-Gipfel: Protestprogramm
(9. Mai 2017)Nachdem der Aufruf zu Protesten gegen den NATO-Gipfel am 24./25. Mai in Brüssel bereits länger online ist, steht mittlerweile offensichtlich die genauere Choreografie der Gegenveranstaltungen fest. Demnach wird es vom 21.-26. Mai ein Protestcamp geben, eine Großdemo am 24. Mai und eine Gegenkonferenz sowie dezentrale Aktionen am 25. Mai. Auf der Website www.stopnato2017.org sind diese und andere Programmpunkte übersichtlich dargestellt.
ECFR: Macrons Außenpolitik
(9. Mai 2017)Dass der neue französische Präsident „erst“ 39 Jahre als ist, ist wohl neben der Tatsache, dass er „für Europa“ ist, die in Deutschland am meisten bekannte und verbreitete Tatsache. Zunehmend wird auch darüber gesprochen, dass er neoliberlae Reformen im Stile der Agenda 2010 planen könnte. Über die sich dabei abzeichnenden Konflikte mit Deutschland berichtet german-foreign-policy.com.
Wenig wird jedoch geschrieben und gesprochen über die Außenpolitischen Vorstellungen Macrons. Das European Council on Foreign Relations hat jedoch kurz vor der Wahl versucht, erste Konturen auszumachen. Demnach sei Kontinuität zu erwarten, etwa durch eine weitere Zusammenarbeit mit dem aktuellen Verteidigungsminister Le Drien. Weiterhin sei eine hohe Bereitschaft zum Einsatz militärischer Mittel abzusehen, was das ECFR offensichtlich als Zeichen einer erwachsenen Haltung in der Außenpolitik wertet: „During the campaign, Macron, whose background is in economic issues, has increasingly placed an emphasis on security, articulating a willingness to act forcefully abroad to defend French interests. This hard-nosed approach helps convey the sense that Macron is no callow youth.“
Raketenabwehr: Offensiv?
(9. Mai 2017)Die „Stiftung Wissenschaft und Politik“ veröffentlichte eine Analyse, in der über einen US-Gesetzesentwurf berichtet wird, der, nun auch ganz offiziell, vorschlägt, im Rahmen der Raketenabwehr formal für „defensive“ Zwecke stationierte „Abwer“raketen offensiv zu nutzen: „Der Gesetzentwurf fordert eine militärische Reaktion der USA, um Russland zu einer Rückkehr zum INF-Vertrag »zu ermutigen«. […] Vorgeschlagen wird auch die offensive Nutzung von SM-3-Raketen, die unter anderem im Rahmen der Nato-Raketenabwehr in Europa stationiert sind. Ein solcher Schritt würde russische Behauptungen stützen, die USA und die Nato wollten Raketenabwehrsysteme auch offensiv nutzen.“ (jw)
Verschlüsselung: Verboten?
(8. Mai 2017)The Times (via Bpb-Newsletter) berichtet, die britische Regierung habe ein Gesetz in der Mache, demzufolge u.a. eine wirksame Verschlüsselung von Daten künftig verboten wäre: „The government has secretly drawn up detailed plans for increased surveillance powers, including the authority to monitor anyone in real time and a ban on unbreakable encryption.“ (jw)
Hafengeburtstag: Proteste
(8. Mai 2017)Erneut gab es Proteste gegen den Hafengeburtstag, bei dem sich die Marine in Hamburg in Szene setzt (siehe IMI-Standpunkt 2016/018). Aus der Pressemitteilung des Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr (BoB)“: „Zwei Kletterer enterten während des „Open-Ship“-Besuchsprogramms die Schiffsbefestigung des Einsatzgruppenversorgers „Bonn“ der deutschen Marine und brachten dort ein 4×1,50m großes, rotes Transparent an. Die Aufschrift des Transparentes in weißen Lettern lautete: „Wir wollen eure Kriege nicht – Bildung ohne Bundeswehr“. Die Klettertruppe wurde von weiteren AktivistInnen mit Transparenten („Bundeswehr Auftritte stoppen – Kein Werben fürs Töten und Sterben“, „Bundeswehr abschaffen“) und Sprechchören, z.B. „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“, und mit Aktionstheater vom Steg unterstützt. Außerdem verlas eine Aktivistin eine Liste der Bundeswehr-Skandale der jüngeren Vergangenheit.“ (jw)
Peng: Fakepreis für Thyssenkrupp
(8. Mai 2017)Die Satiregruppe Peng verlieh den fiktiven „Deutsch-französische Preis für Sicherheit und Frieden“ an den deutschen Kampfschiffbauer Thyssenkrupp. Der Konzern zeigte sich zunächst hocherfreut und wollte den Preis in Form seines „Senior Vice President Politics and Strategy“, wie der Tagesspiegel berichtet: „Es ist nicht ganz klar, wann er es gemerkt hat. Nur, dass es viel zu spät war. Christian Stuve – blauer Anzug, dunkle Krawatte – betritt den Konferenzsaal eines der feinsten Hotels der Stadt. Alle anderen hier tragen auch Anzug oder Kostüm, es gibt Sekt. Alles wie immer. Nur dass vorne neben dem Podium das Logo einer großen weißen Taube prangt und hier der ‚Deutsch-französische Preis für Sicherheit und Frieden‘ vergeben werden soll. Den Preis gibt es nicht, die anderen Gäste sind Schauspieler. Nur Christian Stuve ist echt. Und er arbeitet für einen deutschen Waffenhersteller. Kurz: er hat hier nichts zu suchen, so oder so.“ (jw)
IS: NATO-Beteiligung?
(5. Mai 2017)Spiegel Online berichtet, die USA würden auf einen formalen Eintritt der NATO in den Krieg gegen den Islamischen Staat drängen: „Die Regierung von US-Präsident Donald Trump drängt, dass sich die Nato künftig am Kampf gegen die IS-Terroristen in Syrien beteiligt. […] Trump erhöht damit vor dem Nato-Treffen am 25. Mai den Druck auf die Verbündeten, sich stärker beim Anti-Terror-Kampf einzubringen. Schon heute sind fast alle Nato-Länder Mitglieder der von den USA geführten Anti-IS-Allianz, nicht jedoch das Bündnis als solches.“ (jw)
Neues vom AfriCom
(5. Mai 2017)In den letzten Tagen berichten v.a. afrikanische Medien viel über den eingeleiteten Abzug ugandischer Soldaten und US-amerikanischer Spezialkräfte aus dem Grenzgebiet zwischen Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo (DRC) und der Zentralafrikanischen Republik (CAR), wo diese mit der Jagd auf die Lords Resistance Army (LRA) und deren Anführer, Joseph Kony, beauftragt waren. In diesem Zusammenhang wurde auch auf eine Pressekonferenz des AfriCom-Kommandierenden, Thomas D. Waldhauser, verwiesen, die in mehrfacher Hinsicht lesenswert ist. Hinsichtlich der LRA wird angegeben, dass diese zwar noch existiere, aber nur noch im „Überlebensmodus“ agiere, was für die USA ein tragbarer Zustand wäre.
Spannend sind jedoch auch die Angaben zu Libyen, wo das Africom wohl schon recht autonom über Angriffe auf Einzelpersonen entscheiden kann und Somalia, wo Waldhauser auf eine derart zunehmende Autonomie hofft. Bestätigt wird u.a. die Nutzung eines tunesischen Flughafens als Drohnenbasis.
Gänzlich unerwähnt bleibt in Pressekonferenz wie in der Berichterstattung insgesamt, dass während des Einsatzes der ugandischen Armee und der US-Spezialkräfte in der CAR dort zunächst tschadische Soldaten und Rebbelen die Regierung stürzten, daraufhin christliche Milizen große Teile der muslimischen Bevölkerung vertrieben, Frankreich intervenierte und heute eine EU-Mission versucht, eine Reform des Sicherheitssektors einzuleiten. Tatsächlich waren die zentralafrikanischen Polizei- und Militärkräfte – zuvor von einer früheren EU und anschließenden UN-Mission aufgebaut – während der Krise so gut wie inexistent. Ein Teil der zentralafrikanischen Truppenbeteiligte sich hingegen unter US-Führung am Einsatz gegen die LRA. (cm)
Franco A.: Wahlkampf
(5. Mai 2017)In der Presseschau des Deutschlandfunks vom 5.5.2017 wird die Rhein-Neckar-Zeitung zitiert: „Vielleicht ist der Fall einfach eine Nummer zu monströs, um wirklich detailliert aufgeklärt werden zu können. Es ist Wahljahr, die SPD schießt sich bereits mehr auf die Verteidigungsministerin ein, als auf neonazistische Umtriebe in der Truppe. Die Linke will Kasernen umbenennen, die Union stützt die oberste Kommandierende – und derweil ist noch völlig unklar, ob es sich bei Franco A. ’nur‘ um einen rechtsradikalen Spinner in Uniform gehandelt hat oder ob er wirklich plante, Menschen umzubringen“. Tatsächlich tendieren die Berichterstattung und Stellungnahmen insbesondere der Regierungsparteien dazu, sich um die persönliche Verantwortung der Verteidigungsministerin zu drehen. Die zahlreichen „Pannen“, die wiedereinmal dazu führten, dass ein Mensch mit offenbar extrem rechter Gesinnung Karriere in der Truppe machen konnte, werden so als persönliches Versäumnis an der Spitze stilisiert, während systemische Bedingungen weitgehend ausgeblendet werden. Der Blog „Braunzone Bundeswehr“ etwa sammelt hingegen seit Jahren Berichte über entsprechende Vorfälle. Einem Eintrag vom 30. Mai etwa ist zu entnehmen, dass ein Mitarbeiter des MAD, der ja eigentlich Extremisten von der Bundeswehr fernhalten soll, selbst bei der AfD aktiv ist und seine Vorgesetzten daran nichts zu beanstanden hatten.
Der mit der Deutsch-Französischen Brigade gut vertraute Friedensrat Markgräflerland zieht aus den Vorkommnissen um diese Truppe folgende Schlussfolgerung: „So wichtig auch die Aufklärung dieser (und anderer ähnlicher) Vorfälle in der Bundeswehr ist, das Beste ist ihre Abschaffung“. (bk)
Afghanistan: Mehr NATO-Truppen? (II)
(5. Mai 2017)Inzwischen sind weitere Details zu den möglichen Vorschlägen für einen Truppenaufwuchs in Afghanistan ans Tageslicht gelang. Laut Antiwar sollen sie US-Präsident Trump noch diese Woche vorgelegt werden. Von US-Seite liegen die Vorschläge demzufolge zwischen 3.000 und 5.000 zusätzlichen Soldaten. (jw)
Rüstungsbericht
(4. Mai 2017)Zum mittlerweile veröffentlichte das Verteidigungsministerium Ende April 2017 ihren Bericht über das Rüstungswesen, in dem es einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Rüstungsprojekte gibt. Unter die Lupe werden dabei die zwölf größten Projekte mit einem Gesamtvolumen von 75 Mrd. Euro bzw. von zwei Drittel des gesamten Finanzvolumens laufender Projekte. Interessant sind dabei vor allem die Angaben zu Verzögerungen und Kostensteigerungen. Im Schnitt verzögert sich die Auslieferung um 54 Monate, wobei die ungekrönten Könige der Eurofighter (140), der NH90 (134), der Airbus A400M (108), gefolgt von Tiger (80) und Puma (58). Insgesamt betragen die Mehrkosten 11,774 Mrd. Euro. Auch hier ganz vorn der Eurofighter (6,6), dann kommen A400M (1,5), Puma (1,2) und Tiger (1,1). Zufrieden zeigt sich der Bericht vor allem mit der „Trendwende Finanzen“, der die Basis für verstärkte Rüstungsanstrengungen ist: „Die erforderlichen Maßnahmen der Trendwende Material sind nur im Einklang mit der Trendwende Finanzen zu realisieren. Mit den Plafonds des Einzelplans 14 der Jahre 2016 und 2017 und der Finanzplanlinie bis 2020 wurde bereits eine Trendwende bei der Finanzierung der Bundeswehr eingeleitet, die sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird.“ (jw)
Atomwaffen: Erstschlag
(4. Mai 2017)Dass die US-Nuklearpolitik (und damit auch die der NATO) seit vielen Jahren auf eine Erstschlagfähigkeit gegenüber Russland abzielt, ist relativ bekannt (siehe IMI-Studie 2016/07). Auch mit der aktuellen, etwa 1.000 Milliarden Dollar teuren „Modernisierung“ der US-Nuklearwaffen wird augenscheinlich dieses Ziel verfolgt. So zitiert Foreign Policy in Focus aus einem Artikel im Bulletin fort he Atomic Scientist, der von den drei renommierten Wissenschaftlern Hans Kristensen, Matthew McKinzie und Theodore Postol verfasst wurde: “‘Under the veil of an otherwise-legitimate warhead life-extension program,‘ the U.S. military has vastly expanded the ‚killing power”‘of its warheads such that it can ‚now destroy all of Russia’s ICBM silos.‘ […] ‚Exactly what one would expect to see, if a nuclear-armed state were planning to have the capacity to fight and win a nuclear war by disarming enemies with a surprise first strike.‘” (jw)
Russland: Kürzungen
(4. Mai 2017)Das Institut für Strategie- Politik- Sicherheits- und Wirtschaftsberatung weist in einer Analyse darauf hin, dass während westliche Rüstungshaushalte durch die Decke schießen, Russland seinen Etat massiv kürzt: „Am 17. März 2017 teilte die ‚Defence & Security Intelligence & Analysis‘ (IHS Jane’s)‘ mit, dass der Verteidigungshaushalt Russlands für 2017 um 25,5 % von 3,8 Mrd. Rubel (65,4 Mio. $) auf 2,8 Mrd. Rubel (48 Mio. $) gekürzt worden ist, die größte Kürzung seit den 1990er Jahren.“ (jw)
Werbung: Ja-Sager
(3. Mai 2017)Die Wirtschaftswoche veröffentlichte einen kritischen Kommentar zur Zielgruppe der Bundeswehr-Werbung im Zusammenhang mit den jüngsten Skandalen: „Bundesverteidigungsministerin von der Leyen kritisiert: Die Bundeswehr leide mitunter unter einem falsch verstandenen Korpsgeist. Die Bundeswehr suggeriert jedoch: Wir suchen die devoten Ja-Sager. […] Die Bundeswehr wirbt stattdessen damit, wie schön es ist, unterwürfig zu sein. Dass es wichtig ist, wie akkurat man sein Bett zu machen hat. Ein Ausbilder sagt in die laufende Kamera, er habe sein Bettzeug als Rekrut damals mit Stecknadeln befestigt, damit nichts verrutscht.“ (jw)
Afghanistan: Mehr NATO-Truppen?
(2. Mai 2017)NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg brachte eine Erhöhung und zeitlich stärkere Entfristung des aktuell ca. 13.000 Soldaten umfassenden NATO-Kontingentes in Afghanistan ins Spiel. Eine Entscheidung werde wohl im Juni gefällt. Die Deutsche Welle fasst seine Aussagen folgendermaßen zusammen: „Die Sicherheitslage in Afghanistan sei eine ‚Herausforderung‘, sagte Stoltenberg der ‚Welt am Sonntag‘ (WamS). Daher beschäftige sich das Militärbündnis mit der Frage, ‚ob wir die Ausbildungsmission ‚Resolute Support‘ mit derzeit rund 13.000 Mann personell weiter aufstocken werden‘. Zudem werde erwogen, die Trainingsmission nicht mehr wie bisher von Jahr zu Jahr zu verlängern, ’sondern um einen größeren Zeitraum‘, sagte der ehemalige norwegische Ministerpräsident dem Blatt. ‚Damit würden wir eine längerfristige Perspektive schaffen.'“ (jw)
Montenegro: Strategisch wichtig
(2. Mai 2017)Ende April beschluss das montenegrinische Parlament den Beitritt zur NATO. Die Neue Züricher Zeitung nennt die strategischen Interessen hinter dem Bestreben, Montenegro in die NATO aufzunehmen: „Strategisch ist mit dem Beitritt des Kleinststaates die ganze Adriaküste in der Hand des westlichen Bündnisses. Die Bucht von Kotor war traditionell ein wichtiger Militärhafen der österreichisch-ungarischen und später der jugoslawischen Flotte.“ (jw)
Saudi-Arabien: Deutsche Ausbildung
(2. Mai 2017)Während Saudi-Arabien weiter im Jemen einen blutigen Krieg führt, unterzeichnete die deutsche Kanzlerin Merkel gestern eine Vereinbarung zur Ausbildung saudischen Militärs durch die Bundeswehr, berichtet die SZ: „Deutschland will künftig verstärkt saudi-arabische Soldaten, Polizisten und Grenzschützer ausbilden. […] Wie viele Auszubildende des saudischen Militärs nach Deutschland geschickt werden sollen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Auch blieb unklar, aus welchen Bereichen des Militärs die Armeeangehörigen kommen sollen. Unterzeichnet wurde zudem eine gemeinsame Absichtserklärung zur polizeilichen Zusammenarbeit.“ (jw)
Atomkrieg: Vorschläge zur Entspannung
(1. Mai 2017)Hochrangige NATO-Strategen wie James Stavridis, von 2009 bis 2013 NATO-Oberkommandierender in Europa, warnen davor, es existiere aktuell eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der westlich-russische Konflikt bis hin zu einer atomaren Auseinandersetzung eskalieren könne. Damit dies nicht geschehe, müsse die NATO konsequent aufgerüstet werden, so ihre reichlich kontraproduktive Schlussfolgerung (siehe IMI-Studie 2016/07). Denselben Befund aber eine ganz andere Therapie – nämlich Vorschläge zur Entspannung des westlich-russischen Verhältnisses – legte nun Alexey Arbatov in einer Studie für das European Leadership Network vor: „In the present state of confrontation, a direct military conflict between Russia and NATO in Eastern Europe, the Baltic or the Black seas would provoke an early use of nuclear arms by any side which consider defeat otherwise unavoidable. […] The way to deal with the above-mentioned dangers requires making several moves: The first is to apply a more concerted effort to peacefully settle Europe’s ongoing conflicts, above all in Ukraine and Moldova. Secondly, the INF Treaty must be preserved […]. Thirdly, the scale of military exercises of Russia and NATO should be reduced on a mutual basis and separated geographically. Confidence-building and transparency measures (Vienna Document, Open Skies Treaty) should be expanded […]. Finally, an agreement should be reached to halt the military buildup on both sides of the NATO-Russian border at the present level, with the intention to reduce force deployments in the future.“ (jw)
Montenegro: NATO-Beitritt
(28. April 2017)Die NZZ fasst Kontext und Kontroverse um den nun erfolgten NATO-Beitritt Montenegros in einem kurzen, lesenswerten Beitrag zusammen: „Milo Djukanovic, der starke Mann Montenegros, hat die Adria-Republik in den Hafen der Nato gelotst. Die Russen und die Hälfte der Montenegriner sind damit nicht glücklich.“ (bk)
BW: teurere Auslandseinsätze
(28. April 2017)Die Ausgaben für Auslandseinsätze der Bundeswehr betrugen laut dem Nachrichtenmagazin FOCUS im Jahr 2016 ganze 813,7 Millionen Euro – damit überschritten die Ausgaben mit 393,5 Millionen Euro die ursprünglich im Verteidigungshaushalt für 2016 vorgesehenen Gelder. Im Interview mit FOCUS kritisierte die Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Deutschen Bundestag, Gesine Lötzsch (Die Linke): „Das Verteidigungsministerium täuscht das Parlament seit Jahren, was die Kosten der Auslandseinsätze betrifft. Die Ministerin muss endlich ehrliche Zahlen liefern.“ (ja)
Polen: Militärschulen
(28. April 2017)Laut N-TV verkündete Vize-Verteidigungsminister Michal Dworczyk in einem Interview mit der Tageszeitung „Rzeczpospolita“, „langfristig solle in jedem der über 300 Landkreise mindestens eine Armeeschule entstehen.“ Diesen September werden 50 Projektschulen ihren Betrieb aufnehmen. Diese Schulen richten sich an jugendliche Schüler_innen, die dort wöchentlich ein bis zwei Stunden theoretischen Unterricht und Übungen auf dem Truppenplatz erhalten. Gemeinsam mit den bereits zahlreichen Uniform-Schulen, „an denen Schüler der Oberstufe militärische Grundlagen wie den Umgang mit der Waffe erlernen können“, sollen die Armee-Schulen wohl dazu beitragen, die polnischen Streitkräfte von 125.000 auf 200.000 Soldat_innen zu vergrößern. Ähnliche Entwicklungen der Aufrüstung und der Militarisierung des Schulsystems finden in Lettland statt (siehe IMI-Aktuell 2017/220). (ja)
Sinai: Extralegale Hinrichtungen
(28. April 2017)laut den Menschenrechtsorganisationen Amnesty Interational und Human Rights Watch,unbewaffneter Gefangener im Zuge des Kampfes gegen den lokalen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat im Norden der Sinai-Halbinsel“ verantwortlich. Dabei berufen sich die Organisationen auf von den offiziellen Militärkanälen sowie von anderen Sendern veröffentliches Bild- und Filmmaterial.
Besonders ein vorletzte Woche ausgestrahltes Video erregte Aufmerksamkeit: „Das Video zeigt laut den Menschenrechtlern einen Mann in ägyptischer Militäruniform, wie er zwei am Boden liegende, unbewaffnete Männer erschießt; eines der Opfer soll minderjährig sein. Beide Organisationen identifizieren den Schützen als Mitglied einer lokalen Beduinen-Miliz, die eng mit dem Militär zusammenarbeite und von diesem ausgerüstet und geführt werde. Ein zweiter Mann, der in dem Video zu erkennen ist, trage Abzeichen des Militärgeheimdienstes und überwache die Exekutionen.“
Nach Recherchen der beiden Menschrentsorganisationen seien „die beiden Getöteten auch auf Aufnahmen zu sehen, die das ägyptische Militär Ende 2016 auf Facebook und dem Videokanal YouTube verbreitet habe. In diesen Aufnahmen wurden sie als „Terroristen“ bezeichnet, die während einer Antiterror-Operation gegen deren Stützpunkt und ein Sprengstofflager bei einem Gefecht getötet worden seien. Auf diesen Aufnahmen sind jeweils Waffen neben den Getöteten zu sehen.“
Die ägyptische Militärdiktatur führt seit 2013 offiziell einen „Krieg gegen den Terrorismus“, welcher vielen Zivilist_innen das Leben gekostet hat und zu einer leichteren Rekrutierung neuer Kämpfer_innen für bewaffnete Gruppen beitrug. Der Konflikt zwischen dem Sinai und Kairo ist u.a. das Resultat von Jahrzehnten der wirtschaftlichen und politischen Marginalisierung, Entrechtung und Landvertreibung der im Sinai lebenden Bevölkerung und der brutalen Repression gegen Dissens der Regierung gegenüber. Der Krieg gegen Terrorismus verschlimmert die Lage zusehends. Nichtsdestotrotz unterstützt die BRD die ägyptische Diktatur weiterhin durch Waffenlieferung und polizeiliche sowie geheimdienstliche Zusammenarbeit für einen „erfolgreichen“ Kampf gegen den Terror und die illegalisierte Migration. (ja)
Korea: Aufmarsch
(27. April 2017)„Angesichts der wachsenden Spannungen im Konflikt mit Nordkorea demonstrieren die USA militärische Stärke“, berichtet die taz. Während in dieser Formulierung unter den Tisch zu fallen droht, dass gerade das US-amerikanische Säbelrasseln („Stärke demonstrieren“) die „wachsenden Spannungen“ ausmacht, gibt der Artikel einen guten Überblick über die beiderseitigen Aufrüstungsschritte. Auf Seiten Nordkoreas bestehen diese in „zwei Atomversuchen und zahlreicheichen Raketentests“ (wobei die Atomwaffentests bereits im letzten Jahr stattgefunden hatten), „massiven Schießübungen“ und Drohungen mit „atomaren Erstschlägen“.
Auf Seite der USA sei einerseits mit dem Aufbau des Raketenabwehsystems THAAD begonnen worden, das auch chinesische Interessen berühre. Außerdem sei das atomgetriebene und mit Marschflugkörpern ausgestattete U-Boot USS Michigan am Dienstag vor Busan gelandet. Zudem befände sich weiter ein Flugzeugträgerverband um die USS Carl Vinson auf dem Weg nach Südkorea. Auch von gemeinsamen Schießübungen der südkoreanischen und US-amerikanischen Marine wird berichtet.
Ansonsten wird jedoch über die Position der Südkoreanischen Regierung und auch der Bevölkerung nichts berichtet. Uns erreichten hingegen Berichte, dass zumindest an der Basis Seongju Proteste gegen die Lieferung des THAAD-Systems stattgefunden hätten und von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet gewesen seien. Insgesamt sei die Bevölkerung Südkoreas sehr besorgt und zunehmend kritisch gegenüber Aufrüstung und Kriegsgefahr. (bk)
Ostukraine: russ. Stromversorgung
(27. April 2017)Al Jazeera berichtet, dass die Regierung in Kiew beschlossen habe, wegen unbezahlter Rechnungen die Stromversorgung der ostukrainischen Region Luhansk einzustellen. Dem sei die staatliche Energiebehörde Montag Mitternacht nachgekommen. Nach 40 Minuten ohne Strom sei erfolgreich auf lokale Energiequellen umgeschaltet worden. Bereits am Dienstag versprachen russische Vertreter, die Region zukünftig mit Strom aus Russland zu versorgen. Ein Sprecher des Kreml bezeichnete die Entscheidung aus Kriew als „weiteren Schritt der Ukraine auf dem Weg, Territorium abzustoßen“. Sollten die Berichte zutreffen, sieht die Entscheidung tatsächlich nach einer guten Vorlage aus, die Sezession des Ostens des Landes faktisch voranzutreiben. (bk)
USA: Freie Hand für die Generäle (II)
(27. April 2017)Dass US-Präsident Donald Trump seinem Militär große Freiheiten gibt, ist bekannt (siehe IMI-Aktuell 2017/235). Antiwar berichtet nun aber über ein von Trump abgesegnetes Memo, mit dem er Verteidigungsminister General James Mattis freie Hand lässt, die Truppengröße im Krieg gegen den Terror selbst festzulegen: „Ongoing efforts by President Trump to delegate more and more of his war-making powers directly to the military leadership took a major new step on April 20, when he signed a classified memo delegating all decision-making on US troop levels in the global war against ISIS to Defense Secretary James Mattis.“ (jw)
Make Games – Not War
(27. April 2017)Die DFG-VK startete eine Kampagne gegen die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Videospiel-Hersteller „Crytek“ und Unternehmen aus der Rüstungsindustrie. Unter dem Motto „Love Gamig – Hate War“ heißt es auf der entssprechenden Kampagenseite: „Wir fordern daher ein Ende des Verkaufs der ‚CryEngine‘ an die Rüstungsindustrie. ‚Crytek‘ sollte ein rein ziviles Unternehmen sein und seine Videospiel-Engine nur für Spiele und andere zivile Zwecke nutzen und verkaufen: Hersteller von Unterhaltungsmedien sollten nicht mit Waffenherstellern zusammenarbeiten.“ (jw)
Ostaufrüstung: Weitere US-Kampfbrigade?
(27. April 2017)Anfang des Jahres begannen die USA damit, zusätzlich zu den NATO-Einheiten eine eine schwere Kanpfbrigade von rund 4000 Soldaten nach Osteuropa zu verlegen. Nun berichtet Augengeradeaus, Washington überlege aktuell, eine weitere Kampfbrigade zu entsenden: „Die U.S. Army Europe bereitet sich auf die Verlegung einer weiteren Kampfbrigade nach Europa vor. Dazu ging der Kommandierende General Ben Hodges mit anderen Kommandeuren in dieser Woche auf eine Tour verschiedener Standorte, an denen Gerät vorausstationiert werden könnte – insbesondere in Polen.“ (jw)
Osterpäckchen nach Afghanistan
(26. April 2017)Wie die Rhein-Neckar-Zeitung 13.4.2017 berichtete, initiierte die Lehrerin einer fünften Klasse des Max-Born-Gymnasiums in Neckargemünd eine Osteraktion für Bundeswehrsoldat_innen in Afghanistan. Die Schüler_innen sammelten Süßigkeiten, Dosenwurst und andere „Leckerbissen aus der Region“, die sie dann mit selbstgeschriebenen Grußkarten an die Soldat_innen schickten. Die Soldat_innen seien „tief berührt“ gewesen, so der Kommandant der Truppe und laut der RNZ soll es von nun an weitere Kontakte zwischen den Soldat_innen und den jungen Schüler_innen geben.
Die Kritik der LINKEn zwang die RNZ am 22.4.2017 dann zu einer weiteren Stellungnahme. Die Forderung „Bundeswehr raus aus dem Max-Born-Gymnasium“ von der Parteikreis-Vorständin Anja Lorenz und ihre Kritik zur Rekrutierungshilfe, dass die Kinder so „verfügbar für den Dienst an der Waffe“ gemacht würden, löste laut dem Autor einen „Sturm der Entrüstung“ aus. Nach Darstellung des Artikels stellten sich die Eltern, die Schulleitung, Lehrer_innen und die Stadt mehrheitlich hinter die Osteraktion, über andere kritische Stimmen außer die der LINKEn wurde nicht berichtet.
Neben dem stark tendenziösen Artikel findet sich in der Printversion dann auch noch ein kurzer Kommentar des Autors, in dem er unmissverständlich klar macht, was er von Lorenz‘ Kritik an jener Militarisierung von Schulen hält: „[…] einfach nur link. […] Pfui!“
Afghanistan: Eskalation
(26. April 2017)Time.com nimmt den Angriff der Taliban auf ein Militärcamp in Mazar-e-Sharif mit über einhundert Toten am 21. April 2017 zum Anlass, über die katastrophale und sich weiter verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan zu berichten (wobei im wesentlichen die bereits hier (IMI-Standpunkt 2017/005) angegebenen Zahlen und Quellen wiedergegeben werden). Vor diesem Hintergrund werden auch Gerüchte bzw. Diskussionen zitiert, wonach die Trump-Administration erwäge, die Zahl der US-Soldaten im Land wieder deutlich zu erhöhen. Passend dazu wird auch angedeutet, Russland unterstütze angeblich die Taliban. (bk)
MKS 180: teurer
(26. April 2017)Das Mehrzweckkampfschiff 180, ein Prestigeprojekt der Bundeswehr und der deutschen maritimen Rüstungsindustrie, geht den Weg aller großen Rüstungsprojekte: Es verzögert sich und wird teurer, gleichzeitig werden die ursprünglich von der Rüstungsindustrie in Aussicht gestellten Fähigkeiten reduziert, so berichten u.a. Spiegel Online und das Handelsblatt. Eigentlich sollte der Vertrag für zunächst vier Schiffe (insgesamt sollen es sechs werden), die ab 2023 an die Bundeswehr geliefert werden sollten, noch vor der Bundestagswahl unterzeichnet werden, nun wird er in die neue Legislaturperiode fallen. Zudem sollen die Schiffe erheblich teurer werden – um insgesamt 525 Mio. Euro für vier Schiffe. Zugleich wird an Fähigkeiten gespart, darunter eine Enteisungsanlage für den Hubschrauberlandeplatz, wodurch 300 Mio. Euro eingespart werden. 300 Mio. Euro für eine Enteisungsanlage! Andererseits wird ja der Rüstungshaushalt gerade dermaßen erhöht, dass die Regierung gar nicht weiss, wie sie es der Rüstung in den Hals werfen kann. Ein wenig schnippisch bemerkt auch Spiegel Online: Schließlich dreht sich die Debatte derzeit um das Drängen von US-Präsident Donald Trump, Deutschland möge seinen Verteidigungshaushalt vergrößern. Da kommt die halbe Milliarde plus bei der MKS 180 wohl geradezu gelegen“. (bk)
USA: Freie Hand für die Generäle
(26. April 2017)Streitkräfte & Strategien veröffentlichte einen Bericht zum großen Einfluss der Militärs in der Trump-Administration: „Der neue US-Präsident gibt der Militärführung bei ihren Entscheidungen einen sehr großen Freiraum – ganz anders als sein Vorgänger. [Es] besteht dadurch die Gefahr, dass der Primat der Politik auf der Strecke bleibt, ein Konflikt auf diese Weise angeheizt und eskaliert wird – insbesondere wenn Militäroperationen keine politische Strategie zugrundeliegt bzw. kein politisches Konzept erkennbar ist. […] Eine Direktive sei vorbereitet worden, nach der das Pentagon gezielte Tötungen ohne ausdrückliche Zustimmung des Weißen Hauses durchführen dürfe.“ (jw)
Giftgas in Syrien: Fragliche Urheber
(25. April 2017)Am 4. April 2017 kam es zum einem Einsatz von Giftgas in Syrien – soweit sind sich alle weitgehend einig. Unmittelbar darauf veröffentlichte die US-Regierung den Bericht “The Assad Regime’s Use of Chemical Weapons on April 4, 2017”, in dem kein Zweifel daran gelassen wird, dass der syrische Machthaber Baschar al-Assad bzw. Regierungstruppen die Verursacher der Angriffe gewesen sein sollen. Die Argumente der Regierung wurden von dem prominenten MIT-Professor und ehemaligen Pentagon-Mitarbeiter Theodore Postol geprüft, der am 11. April 2017 zu einem vernichtenden Urteil gelangte (deutsche Übersetzung hier): „Ich habe mir das Dokument aufmerksam angesehen, und ich glaube, dass man zweifelsfrei zeigen kann, dass das Dokument keinen Beweis irgendeiner Art dafür liefert, dass die US-Regierung konkret weiß, dass die syrische Regierung Verursacher des Giftgasangriffs in Khan Shaykhun, Syrien, um ca. 6:00 bis 7:00 Uhr am 4. April 2017.“ Einen Tag später kanm der ehemalige Waffeninspekteur Scott Ritter ebenso zu einem ähnlichen Schluss wie heute der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Philip Giraldi im American Conservative: „[T]here is little in the incidents and the surrounding analysis that can be regarded as hard fact. Little in the National Security Council report is unassailable, and one should note that almost none of it is based on U.S. intelligence resources.” (jw)
Deutschland-USA: Normalisiert
(25. April 2017)Ulrich Speck konstatiert in einer Analyse, dass sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen ungeachtet der Wahl Trumps schnell wieder normalisiert haben: “The widely anticipated clash between Germany and the Trump Administration has not happened. Instead, Berlin and Washington DC seem to be on the way to pragmatic cooperation.“ Die Gründe, die er anführt, sind nahezu dieselben, die zuvor schon Wolfgang Ischinger in einem Plädoyer für ein ungebrochen enges Verhältnis zu den USA nannte (siehe IMI-Analyse 2017/03). Speck schreibt: „First, the US remains vital to German security, especially at times when Moscow is behaving aggressively and working with nuclear intimidation. Secondly, consensus with America is indispensable in order to reach any goals in regions that are of the greatest strategic importance to Germany: Russia and Eastern Europe, the Middle East and Asia-Pacific. Third, Germany needs the US to back up the liberal international order with its power: in a rules-based globalised world, Germany – which is weak on hard power but strong on economic power – has much better cards.” (jw)
Rüstungsausgaben: Steigend
(25. April 2017)Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI hat seine Daten zu den Weltrüstungsausgaben 2016 veröffentlicht. Gegenüber dem Vorjahr sind die Ausgaben um 0,4% gestiegen – nicht zuletzt aufgrund der Aufwüchse in der EU: “Military expenditure in Western Europe rose for the second consecutive year and was up by 2.6 per cent in 2016. There were spending increases in all but three countries in Western Europe. Italy recorded the most notable increase, with spending rising by 11 per cent between 2015 and 2016.” (jw)
Libyen: Zweckentfremdete Hilfe
(25. April 2017)Bei CILIP, Bürgerrechte und Polizei findet sich ein Beitrag über die Einbeziehung von Libyen, Ägypten, Algerien und Tunesien in das Überwachungssystem EUROSUR und über die Einrichtung eines maritimen Lagezentrums in Libyen – mit EU-Entwicklungshilfe: „Die EU-Mittelmeeranrainer errichten ein Netzwerk zur Kommunikation von Militärs und Grenzpolizeien. Auch Libyen, Ägypten, Algerien und Tunesien sollen dort mitmachen. Durch die Hintertür nähmen sie dann am Überwachungssystem EUROSUR teil. Geflüchtete könnten dann auf offener See aufgegriffen und nach Libyen zurückgebracht werden. […] Zur ‚Durchsetzung von Recht und Ordnung‘ auf dem Mittelmeer muss die libysche Marine jedoch zunächst ein maritimes Lagezentrum einrichten, in dem die Daten empfangen und verarbeitet werden können. Unter Federführung der Guardia Civil werden hierzu benötigte Mittel zur Schulung der libyschen Küstenwache nach einem Beschluss der Staats- und Regierungschefs vom 3. Februar 2017 um eine Million Euro aufgestockt. Das Geld stammt aus dem aus dem EU-Instrument für Entwicklungszusammenarbeit.“ (jw)
Sportsoldaten: Rekrutierung
(24. April 2017)Sportsoldaten sollen künftig auch nach ihrer aktiven Karriere bei der Bundeswehr bleiben, meldet u.a. die FAZ: „Die Bundeswehr, größter Förderer des olympischen Sports in Deutschland mit 744 Planstellen, will sich vom Sponsor von Athleten zu deren Arbeitgeber wandeln. Es liege nahe, die ziel- und leistungsorientierten Sportlerinnen und Sportler, die man beschäftige, für eine berufliche Zukunft bei der Bundeswehr zu gewinnen, sagt der für Ausbildung zuständige Brigadegeneral Markus Kurczyk im Kommando Streitkräftebasis Bonn.“ (jw)
NATO: Rekord
(24. April 2017)Verschiedene Zeitungen melden, die NATO hätte 2016 einen neuen „Rekiord“ bei den Alarmstarts hingelegt. Spiegel Online schreibt: „Kampfflugzeuge der Nato haben 2016 so viele Alarmstarts absolviert wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Von europäischen Militärbasen aus seien im vergangenen Jahr rund 780 Einsätze zur Identifizierung und Überwachung russischer Flugzeuge geflogen worden, sagte ein Sprecher des zuständigen Bündnisstützpunktes in Ramstein der Deutschen Presse-Agentur. 2015 waren es mit 410 Einsätzen nur etwa halb so viele gewesen.“ (jw)
Hack-back: Gefährlich
(22. April 2017)Auch wenn darin ansonsten etwa das Kommando Cyber- und Informationsraum begrüßt wird, setzt sich ein Artikel im Tagesspiegel kritisch mit den Problemen eines „Hack-back“ eines möglichen Internet-Gegenangriffs durch die Bundesweher auseinander, über den derzeit diskutiert wird, auseinander: „Weltweit herrscht ein starker Trend zur Militarisierung des Internets. [E]einige Experten [fordern], dass die Bundeswehr bei einem Angriff auf ein Stromnetz den Angriff nicht nur in fremde Server zurückverfolgen, sondern auch zurückschlagen und diese lahmlegen können soll. Das heißt, wir wissen gar nicht, wer verantwortlich ist aber wir schlagen mit unserem Militär zurück. Ein solches Eingreifen der Bundeswehr in die IT-Infrastruktur im Ausland würde nicht ohne Folgen bleiben. Andere Staaten könnten darin einen militärischen Angriff sehen und entsprechend antworten.“ (jw)
Korvetten: Agenda Rüstung
(21. April 2017)Nach Berichten von Handelsblatt und anderen Finanzportalen streiten sich das Konsortium Lürssen-TKMS um den Wert des Nachfolgeauftrags für die zusätzlichen Korvetten mit dem Ministerium. Im Eilverfahren wurde im letzten Jahr noch die zusätzliche Beschaffung weiterer Skandal-Korvetten durch die Bundestagsgremien gedrückt und ohne weitere Ausschreibung an Lürrsen vergeben. Nun hat die Industrie ihr Angebot unterbreitet und will mit 2,9 Milliarden Euro für die fünf Schiffe knapp das Doppelte der vom Ministerium veranschlagten 1,5 Milliarden dafür haben. Dies muss nun schnell verhandelt werden, damit die Beschaffung noch die Ausschüsse passieren kann. Die Aussicht auf sich steigernde Budgets führen offensichtlich dazu, dass die Industrie wieder hinlangt… schade ums Geld.“ (as)
Afghanistan: Psychische Folgen
(21. April 2017)Was „gerne“ übersehen wird, sind die psychischen Folgen der Situation in Afghanistan, über die im Kurier berichtet wird: „Mindestens eine Million Afghanen leiden nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Depressionen und weitere 1,2 Millionen unter Angststörungen. Das sagte WHO-Landesdirektor Richard Peeperkorn bei einer Veranstaltung zum Weltgesundheitstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul am Sonntag.“ (tp/jw)
Verengter Handlungsspielraum
(21. April 2017)Die regierungsnahe Stiftung Wissenschaft und Politik veröffentlichte eine Analyse über die zunehmende russisch-iranische Zusammenarbeit, die nicht zuletzt Deutschlands Handlungsspielraum in der Nahostregion verenge: „Das iranisch-russische Verhältnis hat sich qualitativ verändert. Spätestens seit die Islamische Republik im August 2016 ihren Luftstützpunkt Nojeh für russische Kampfflugzeuge zur Verfügung stellte, ist deutlich geworden, dass die bilateralen Beziehungen in eine neue Phase eingetreten sind. […] Charakter und Intensität russisch-iranischer Kooperation haben sowohl sicherheitspolitische Auswirkungen als auch Konsequenzen für den Handlungsspielraum Deutschlands und der EU in der Nahostregion.[…] Deutschland und die EU müssen sich darauf einstellen, dass Teheran im Nahen und Mittleren Osten auch weiterhin machtpolitische Bündnisse mit Moskau eingehen wird, deren geopolitisches Gewicht nicht ignoriert werden kann.“ (jw)
EU: US-Steilvorlage
(21. April 2017)Die in jüngster Zeit immer lauter werdenden Rufe nach einer „Supermacht Europa“ (siehe IMI-Analyse 2017/02) werden auch von den USA unterstützt. Damit vollzieht US-Präsident Donald Trump, der vor nicht allzu langer Zeit noch den Brexit begrüßt hatte, in einem weiteren Bereich einen Kurswechsel. Zeit Online schreibt: „Ein ‚starkes Europa‘ sei ihm ‚sehr, sehr wichtig‘, betonte der US-Präsident. Denn er sei der ‚sehr festen Ansicht‘, dass dies im Interesse der Vereinigten Staaten liege.“ (jw)
IT-Camps u.a. in Storkow
(20. April 2017)Zur Rekrutierungsstrategie der Bundeswehr gehören auch sog. IT-Camps. Auf der Homepage www.bundeswehrkarriere.de werden die Veranstaltungen so beworben: „Hier erlebst du mit ca. 30 Mädchen und Jungen aus deiner Region spannende Tage bei der Bundeswehr und lernst, auf welche Fähigkeiten es als IT-Soldatin oder IT-Soldat ankommt. Zusammen mit erfahrenen Soldatinnen und Soldaten installierst du ein Netzwerk und testest die Funktionen mit zwei aktuellen Games. Dabei hast du die Möglichkeit, alles über deine beruflichen Möglichkeiten bei uns zu erfahren.“
Ein erstes solches IT-Camp fand bereits auf dem Marinestützpunkt Wilhelmshafen statt. Aktuell (18. bis 21. April) werden solche Camps in Gerolstein, in Murnau und in Storkow durchgeführt. In Murnau etwa ist das Führungsunterstützungsbataillon 293 stationiert, laut merkur.de „so etwas wie die Telekom der Bundeswehr. Die Technik- und Computerexperten sorgen für unterschiedliche Kommunikationsverbindungen – ein Bereich, der immer wichtiger wird. Regelmäßig müssen die Murnauer hohe Kontingente in die Krisenregionen schicken, in denen die Bundeswehr aktiv ist. Heuer sind es rund 100 Soldaten (2016: 33), die im ersten Halbjahr für vier bis sechs Monate ihren Dienst in sechs Einsatzgebieten in Afghanistan, in Mali, im Irak und im Kosovo leisten.“ In Storkow, Brandenburg, ist das Führungsunterstützungsbataillon 381 stationiert. Auch hier arbeiten die Soldat_innen an Kommunikationsverbindungen für die Missionen der Bundeswehr. Auch diese sind bzw. waren u.a. in Mali und Afghanistan im Einsatz. In Storkow wird am 10. Juni der „Tag der Bundeswehr“, eine weitere Propaganda- und Rekrutierungsaktion des Verteidigungsministeriums, stattfinden.
DHL: BW-Kooperation
(20. April 2017)Erneut gibt es eine Kooperation zwischen dem Paketdienst DHL und der Bundeswehr. Hintergrund ist diesmal der hohe Personalbedarf des Postdienstleisters und Logistikunternehmens. Außerdem sei die Paketzustellung „knochenharte Schwerstarbeit. Und die ist nicht sonderlich beliebt“, so n-tv.de. Deshalb vereinbarte das Unternehmen nun mit der Bundeswehr eine Kooperation zur „Integration von ausscheidenden Soldaten in den zivilen Arbeitsmarkt. Jährlich verlassen nämlich zwischen 10.000 und 15.000 Menschen die Streitkräfte.“
Neapel: Anti-Militaristischer Protest
(20. April 2017)Seit dem Beginn der Operation Strade Sicure im Jahr 2008 patrouillieren Soldat_innen die Straßen Italiens. Mittlerweile ist die Zahl der eingesetzten Soldat_innen von anfangs 3.000 auf 7.000 gestiegen. Die auf dem neapolitanischen Dante Platz stationierten Soldat_innen sprachen am vergangenen Sonntag zwei junge Frauen an, die sich auf dem Platz küssten, und riefen die Polizei, die ihre Personalien kontrollierte und ihnen einen Platzverweis erteilten. Seither fanden zwei Protestaktionen auf dem besagten Platz statt. Bei dem ersten, der von der Nacht von Dienstag, dem 18. auf Mittwoch den 19. April stattfand, küssten sich sechs Protestierende vor den Soldat_inen und skandierten u.a. „Militär raus aus der Stadt“, „macht Liebe, keinen Krieg“, „Anti-Militarismus, Anti-Sexismus“ und „Desertiert“. Nachdem die Soldat_innen erneut die Polizei riefen und sich die Protestierenden weigerten, ihre Ausweise zu zeigen, trafen weitere sechs Streifenwagen ein. Von einer Protestierenden wurden die Personalien aufgenommen. Am Mittwoch, den 19. April fand ein weiterer, in diesem Fall angekündigter Protest von rund fünfzig Personen statt, der sich jedoch auf einen anderen Platz mit Militärpräsenz verlagerte, da auf dem besagten Dante Platz an diesem Tag zum ersten Mal seit Jahren kein Militär stationiert war. Dies sind die ersten Proteste in Neapel seit 2012, die sich explizit gegen die Operation Strade Sicure und die damit einhergehende Militarisierung der Stadt richten. (ja)
Lettland: Wehrkunde
(19. April 2017)Im Baltikum wird gegenwärtig umfangreich aufgerüstet. In diesem Kontext ist auch die obligatorische Einführung des Wehrkundeunterrichts in Lettland zu sehen, über die Telepolis berichtet: „In der neunjährigen Grundschule soll Wehrkunde ab dem kommenden Jahr für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend werden. Hier beschränkt sich der Unterrichtsstoff weitgehend auf Theoretisches: Zivilschutz im Kriegsfall, Sozialkunde, Geschichte, zudem Sport. Alle dreijährigen, zur Hochschulreife führenden Mittelschulen sollen ab 2020 Wehrkunde als Auswahlpflichtfach anbieten. Die Schülerinnen und Schüler, die die Wehrkunde wählen, lernen dann auch das Praktische, dazu gehört der Waffengebrauch.“ (cm)
Heer: Umstrukturierung (II)
(19. April 2017)Schon Anfang des Monats wurde über massive Umstrukturierungspläne des deutschen Heeres berichtet (siehe IMI-Aktuell 2017/201). Nun kamen in der Bild (unter Berufung auf die FAZ) weitere Details zum Vorschein. „Das berichtet die FAZ unter Berufung auf die ‚Vorläufigen konzeptionellen Vorgaben für das künftige Fähigkeitsprofil der Bundeswehr‘. Die hat die Planungsabteilung des Verteidigungsministeriums erarbeitet. […] Die Leistungsfähigkeit der Streitkräfte soll sich wieder an der Landes- und Bündnisverteidigung und der Bereitschaft zur Abschreckung ausrichten. Dazu sehen die Planungen den Umbau der bestehenden Heeresstruktur in drei voll ausgerüstete schwere Divisionen vor.“ (jw)
Unterrichtseinheit: Auswertung
(19. April 2017)Horst Leps hat eine ausführliche und lesenswerte Auswertung der Unterrichtsmaterialien „Frieden und Sicherheit“ in der Reihe „Hamburger Studientexte Didaktik der Sozialwissenschaften“ veröffentlicht. Hier die Zusammenfassung der mit über 120 Seiten sehr detaillierten Untersuchung: „Dieser Text beschäftigt sich mit der Unterrichtseinheit (UE) „Frieden und Sicherheit“, die als Schülermagazin 2015/2016 für die Sekundarstufe II mit einer Lehrerhandreichung 2015/2016 im Eduversum-Verlag erschienen ist. Sie wird daraufhin überprüft, ob sie fachdidaktischen Maßstäben für den Politikunterricht entspricht: dem Prinzip des Exemplarischen Lernens und dem Beutelsbacher Konsens. Im Durchgang durch fast jedes vorgeschlagene Modul und fast jede Materialzusammenstellung zeigt sich, dass diese UE einen fachlich viel zu schmalen Zugang zum Gegenstandsbereich hat und deshalb weder dem einen noch dem anderen fachdidaktischen Grundsatz gerecht werden kann. Die Gegenstände des Unterrichts werden den Schülerinnen und Schülern in der Regel in den inhaltlichen Grenzen des Weißbuches 2006 des Bundesverteidigungsministeriums gezeigt.“ (jw)
Nordkorea: „rational“
(18. April 2017)Noch vor dem jüngsten gescheiterten Raketentest Nordkoreas, der lancierten Meldung eines US-amerikanischen Präventivschlages und der anschließenden Intensivierung des Säbelrasselns veröffentlichte Zeit.de einen Beitrag unter dem Titel: „Der Irre von Pjöngjang ist gar nicht so irre“. Darin wird beschrieben, dass Kim Jong Un „mit seinem Atomraketenprogramm eine durchaus rationale Strategie“ verfolgen würde: „Kim setze darauf, durch das nukleare Bedrohungspotenzial Lebensmittellieferungen und andere Hilfen zu erzwingen … Reizen, Aufmerksamkeit erregen, aber nicht zu viel, um keine zu heftige Gegenreaktionen auszulösen“. Darüber hinaus wird berichtet, dass China die UN-Sanktionen mittlerweile aktiv um- und durchsetzen würde: „China hat die Kohlelieferungen aus dem Nachbarland gestoppt und geht rigoros gegen Schiffe vor, die den Importbann zu durchbrechen versuchen. Satellitenaufnahmen zeigen, dass am Wochenende eine Flotte nordkoreanischer Schiffe von chinesischen Häfen abgewiesen wurde und voll beladen zurückkehren musste.“
Der Artikel auf Zeit.de weicht mit seiner rationalen Darstellung positiv von der vorherrschenden Berichterstattung ab. Spiegel Online etwa bezeichnet Kim Jong Un in einem aktuellen Beitrag (nach dem Raketentest) als „atomwaffenwilden Diktator“, während US-Vizepräsident Mike Pence bei seinem Besuch in Fliegerjacke an der Demarkationslinie als besonnen dargestellt wird – und ein wenig sentimental, denn sein Vater kämpfte einst erfahren wir im Beitrag, weshalb Pence mit den Worten zitiert wird: „Für mich und meine Familie ist es sehr bedeutsam, so viele Jahre nach dem Kriegsdienst meines Vaters hier zu sein… Ich glaube, er lächelt gerade vom Himmel auf uns herab.“ Rational ist anders. (cm)
Ostermarsch: Bilanz
(18. April 2017)Das Netzwerk Friedenskooperative zieht in einer Pressemitteilung eine „Positive Bilanz der Ostermärsche 2017“: „Im Vergleich zu den Vorjahren stieg die Anzahl der Veranstaltungen und Aktionen mit rund 90 sogar leicht an. Dort wo das Wetter mitspielte, legten auch die Teilnehmerzahlen leicht zu.“
Redner_innen der IMI sprachen u.a. auf Veranstaltungen in München, Friedrichshafen und Stuttgart. In München beteiligten sich etwa 1.000, in Stuttgart gut 2.000 und in Friedrichshafen am Bodensee, wo viele Rüstungsunternehmen ihren Sitz haben, 800 Menschen.
In der Berichterstattung wird dabei oft betont, dass die Ostermärsche weniger gut besucht wären, als früher, so titelt etwa die Stuttgarter Zeitung „Kundgebung schwächelt trotz Krisenzeiten“, obwohl deutlich mehr Menschen teilgenommen hatten, als in den Vorjahren. Dem hält das Netzwerk Friedenskoopertive entgegen: „Die Ostermärsche zeigen eine lebendige, politisch hellwache und sachkundige Bewegung, die engagiert vor den Gefahren eskalationsträchtiger Machtpolitik warnt und friedenspolitische Alternativen zu Säbelrasseln und militärischer Intervention aufzeigt“. „Für mich ist die Stärke der Friedensbewegung zu Ostern, dass es schon seit vielen Jahren kontinuierlich eine ähnliche Zahl von Veranstaltungen gibt, sowohl in großen als auch in kleinen Städten“, so Kristian Golla. (cm)
Syrien: Zynisches Kalkül
(18. April 2017)Syrien unter Machthaber Assad als Verbündeten der erklärten US-Feinde Iran und Hisbollah zu beseitigen, wurde verschiedentlich – so etwa von US-Senator John McCain – als US-Ziel ausgegeben. Sollte der Sturz Assads fehlschlagen, so könnte, so etwa Spekulationen des privaten Nachrichtendienstes Strategic Forecast, ein fortdauernder Bürgerkrieg in Syrien aus US-Sicht die „zweitbeste“ Option darstellen (siehe IMI-Analyse 2013/27). Genauso argumentiert aktuell der prominente Chefkolumnist der New York Times, Thomas Friedman. Die USA sollten die Bekämpfung des Islamischen Staates einstellen und zuschauen, wie sich IS auf der einen Seite und syrische Regierungstruppen, Hisbollah und der Iran auf der anderen „gegenseitig abschlachten“, um Henry Kissinger zu paraphrasieren. Wörtlich schrieb Friedman in der New York Times (Artikel hinter Paywall, ganzes Zitat bei Fairness & Accuracy in Reporting): „Why should our goal right now be to defeat the Islamic State in Syria? […] We could simply back off fighting territorial ISIS in Syria and make it entirely a problem for Iran, Russia, Hezbollah and Assad.“ (jw)
Neuer Kalter Krieg: Umgepinselt
(15. April 2017)Die Army Times berichtet, dass die US-Einheiten, die derzeit nach Osteuropa verlegt werden, sich aktuell auch optisch auf eine Auseinandersetzung mit Russland vorbereiten. U.a. werden 400 Abrams-Panzer von Wüstenfarbe auf grün umgepinselt, das für ein europäisches Schlachtfeld viel „besser“ geeignet ist.“ (jw)
Afghanistan: MOAB
(14. April 2017)Die USA haben in Afghanistan ihre größte nicht-atomare Bombe vom Typ GBU-43 eingesetzt. Die Funktionsbezeichnung Funktionsbezeichnung Massive Ordnance Air Blast brachte der Bombe mit einer Sprengkraft von elf Tonnen TNT den zynischen Spitznamen MOAB – Mother of all Bombs – ein. The Intercept zufolge wurde die Waffe bislang aus Sorge vor Zivilopfern nicht eingesetzt. Ex-Präsident Hamid Karzai twitterte: “This is not the war on terror but the inhuman and most brutal misuse of our country as testing ground for new and dangerous weapons.” (jw)
Mali: Gefecht
(13. April 2017)Mehrere deutsche Medien und die Bundeswehr selbst meldeten gestern und heute (13.04.2017), dass „Deutsche Soldaten in Mali beschossen“ worden seien. Die knappen angaben Angaben der Bundeswehr lauten „Die Soldaten waren im Zuge einer Patrouille in einem nördlichen Stadtteil Gaos mit zwei geschützten Fahrzeugen unterwegs, als sie gegen 5 Uhr Ortszeit (7 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) von vermutlich zwei Angreifern mit Handfeuerwaffen beschossen wurden. Die Soldaten erwiderten das Feuer und wichen aus. Es gab keinen Personen- oder Sachschaden.“
Welt.de wird da schon genauer: „als die Soldaten in einem nördlichen Stadtteil ihre beiden geschützten Fahrzeuge verließen, wurden sie unter Feuer genommen. Vermutlich zwei Angreifer beschossen die Deutschen mit Handfeuerwaffen. Die Bundeswehrsoldaten erwiderten das Feuer, wichen aus und kehrten in ihr Feldlager Camp Castor zurück.“
USA: Normalisierung?
(13. April 2017)Im inneren des Beraterstabes von US-Präsident Donald scheinen sich zunehmend Vertreter der „traditionellen“ Machtpolitik durchzusetzen. Erst wurde der Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn – mutmaßlich durch die US-Geheimdienste betriebenen – faktisch seines Postens enthoben und nun wird verschiedentlich berichtet, Stephen Bannon, ein rotes Tuch für etablierte US-Kriegszirkel, verliere ebenfalls zunehmend an Einfluss. Dementsprechend bewegt sich die US-Politik auch wieder zunehmend im „gewohnten“ militärpolitischen Fahrwasser, wie spätestens die Bombardierung Syriens untermauerte. (jw)
Helsinki: hybrides Exzellenzzentrum
(12. April 2017)„Die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden, Polen, Finnland, Litauen und Lettland“ wollen „gemeinsam Strategien gegen Hackerangriffe, Propaganda und Desinformationskampagnen entwickeln“, meldet MSN. „Geplant ist, in der finnischen Hauptstadt Helsinki ein spezielles Zentrum einzurichten, dessen Team noch in diesem Jahr auf zehn Mitarbeiter anwachsen soll. Als Budget sind zunächst 1,5 Millionen Euro im Jahr geplant“. Nach einer englischsprachigen Meldung von Reuters soll es sich dabei um ein „Center of Excellence“ handeln, in das auch die NATO eingebunden wäre. So genannte Exzellenzzentren bestehen seit 2004 innerhalb der NATO-Struktur unter der Aufsicht des Allied Command Transformation (siehe IMI-Studie 2016/06), bislang Nicht-Nato-Staaten sind zwar teilweise eingebunden, nicht jedoch als Rahmennation, wie nun offenbar das gastgebende Finnland. Neben der NATO soll beim Zentrum in Helsinki jedoch auch die EU eine Rolle spielen. Insofern scheint es sich beim neuen Exzellenzzenrum selbst um eine „hybride“ Struktur zu handeln. (cm)
Türkei: EUropas offenes Gefängnis
(12. April 2017)Deutliche Worte zum EU-Türkei-Flüchtlingsdeal findet Zeit Online. Die EU habe die Türkei als „offnees Gefängnis gemietet“, so die Kritik: „Über 2,9 Millionen syrische Geflüchtete haben die türkischen Behörden inzwischen registriert, mehr als jedes andere Land der Welt. Nichtregierungsorganisationen schätzen die tatsächliche Zahl der Syrer im Land sogar auf rund 3,5 Millionen, denn längst nicht alle lassen sich erfassen. Im Ausland wurden Bilder der vergleichsweise gepflegten Flüchtlingslager bekannt, die die türkische Regierung nahe der syrischen Grenze hat einrichten lassen. Die Realität sieht anders aus. 90 Prozent der syrischen Flüchtlinge in der Türkei schlagen sich in Städten und Dörfern irgendwie durch.“ (jw)
taz: Wieder Rekrutierung
(11. April 2017)Bereits in der Vergangenheit heit die „tageszeitung“ (taz) mehrfach Werbung für die Bundeswehr veröffentlicht und das – nach eingen empörten Rückmeldungen – mit einer dünnen Argumentation gerechtfertigt: „das Bundesministerium für Verteidigung und die Bundeswehr [sind] nicht grundsätzlich als militaristisch … zu bewerten“. Trotzdem nahmen einige dies zum letzten Anlass, ihr Abonnement zu kündigen, wie etwa Bernd Drücke von der Graswurzelrevolution erklärte.
Nun ist es offenbar wieder passiert, die Bundeswehr durfte auf einer Viertelseite inhaltlich und um Personal für ihre neue Cyber-Teilstreitkraft werben. Häme kam dafür u.a. von der Rechtsaussen-Tageszeitung „Junge Freiheit“, die wir aus guten Gründen hier nicht verlinken. (bk)
Ostseeraum: Verstärkte Präsenz
(11. April 2017)Der Atlantic Council hat eine neue Analyse veröffentlicht, in der ein deutlicher Truppenaufwuchs der NATO im Norden und beonders in der Ostseeregion gefordert wird. Vor allem Deutschland habe damit bereits begonnen: „The European security environment is at its most volatile since the Cold War, and much of the friction between NATO and a newly assertive Russia can be found in the maritime domain, particularly in the Baltic Sea region. This means that NATO must once again address the role of the maritime domain in collective defense and deterrence, and in particular NATO’s ability to conduct sea control and effect reinforcements across the sea. Germany, a key NATO ally in the Baltic Sea region, is currently rebalancing its navy toward the Baltic Sea, and to a lesser degree the North Atlantic“. (jw)
Protest gegen „Rückkehrer“
(10. April 2017)Am 30. März bereitete die Stadt Lüneburg „ihren“ Rückkehrer_innen aus dem Mali-Einsatz einen großen Empfang mit Appell auf dem Marktplatz. Lüneburg ist seit langem Garnisionsstadt und die Stadtverwaltung bemüht sich um eine enges Verhältnis zum Militär. Aus der Bevölkerung kamen jedoch weniger Besucher_innen, als erwartet, und unter diesen waren dann auch noch gut 100 Protestierende, wie die LZ berichtet. Für besonderes Aufsehen hätten zwei „Bundeswehrgegner“, die „sich an der Karstadt-Fassade abgeseilt und ein Transparent entrollt“ hatten. Sie wurden von einem Spezialkommando der Polizei in Gewahrsam genommen und – mitsamt anderen Demonstrierenden – einer Richterin vorgeführt, wie ein Bericht auf Indymedia beschreibt. Dort findet sich auch ein Spendenaufruf, u.a. wegen der Beschlagnahmung zahlreicher Gegenstände.
Mehrheit gegen Luftschläge
(10. April 2017)Florian Rötzer berichtet bei Telepolis von einer Emnid-Umfrage für die Bild am Sonntag. Demnach lehnten in Deutschland 59% der Befragten die US-Luftschläge gegen die syrische Armee ab. Demgegenüber begrüßten 26% die Angriffe und 9% würden sich sogar für weitere Luftschläge aussprechen. 40% der Befragten gaben an, sie befürchteten einen militärischen Konflikt zwischen den USA und Russland.
Telepolis selbst weist darauf hin, dass die Umfrage mit nur 500 Befragten nicht unbedingt als representativ einzuschätzen sei. Außerdem werden keine genaueren Angaben zum Zeitpunkt der Befragung gemacht. Es ist davon auszugehen, dass sich das Meinungsbild gegenwärtig auch schnell ändert. (cm)
Syrien: US-Kurswechsel
(10. April 2017)Bislang schienen die USA – im Gegensatz zu Vorgänger Obama – unter dem neuen US-Präsidenten nicht auf einen Regimewechsel in Syrien abgezielt zu haben. Jetzt könnte es allerdings zu einem Kurswechsel gekommen sein, nachdem die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen faktisch den Sturz von Machthaber Assad forderte. Bei t-online.de heißt es: „Die USA wollen nach dem Angriff auf eine syrische Militärbasis Baschar al-Assad aus dem Amt jagen. Es müsse einen Regimewechsel in dem Bürgerkriegsland geben, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, in einem Interview mit CNN. ‚Es gibt keine Option auf eine politische Lösung mit Assad als Kopf des Regimes‘, sagte Haley. Die Botschafterin, die derzeit den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat innehat, kündigte an, die USA seien bereit ‚mehr zu tun‘ um ihn abzulösen.“ (jw)
Syrien: Hardliner jubeln
(8. April 2017)Es ist atemberaubend, wie schnell die programmatischen Aussagen aus dem Wahlkampf von der Trump-Regierung in die Tonne getreten werden. So kritisierte Trump im Wahlkampf etwa noch: „Am einen Tag bombardieren wir Libyen, um einen Diktator loszuwerden und für Zivilisten die Demokratie voranzubringen. Am anderen Tag sehen wir, wie dieselben Zivilisten leiden, während ihr Land vollständig auseinanderbricht.“ (siehe IMI-Standpunkt 2016/036) Dennoch bombardierten die USA nun als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf Zivilisten, für den der syrische Machthaber Assad verantwortlich gemacht wird, einen Luftstützpunkt. Dieser Angriff auf ein souveränes Land erfolgt, ohne dass schlüssige Beweise geschweige denn ein UN-Mandat vorliegen würden. Selbstredend sind die Hardliner in den USA begeistert: Die Republikaner John McCain und Lindsey Graham, die Trump immer als zu interventsionsscheu kritisiert hatten sind ob der Luftschläge ebenso voll des Lobes wie der demokratische frühere Außenminister John Kerry. Auch Hillary Clinton stellte sich hinter die Angriffe. Und auch von deutscher (wie auch französischer) Seite kommt Unterstützung: „die Schuldzuweisungen gingen an die Adresse des syrischen Machthabers. Präsident Baschar al-Assad trage ‚die alleinige Verantwortung für diese Entwicklung‘, urteilten die deutsche Kanzlerin und Frankreichs Staatsoberhaupt in einer gemeinsamen Erklärung“ schreibt Spiegel Online. „Der Angriff sei angesichts der Dimension der Kriegsverbrechen, angesichts des Leids der unschuldigen Menschen und angesichts der Blockade im Uno-Sicherheitsrat ‘nachvollziehbar‘.“ (jw)
EU: Atomare Supermacht? (III)
(7. April 2017)Die Zeit kann es einfach nicht lassen – erst wurden die Forderungen u.a. von Teilen des deutschen Sicherheitsestablishments, es müsse nun ernsthaft über eine EU-Atombewaffnung erhoben wurde, massiv auch von der Zeit propagiert (siehe IMI-Aktuell 2017/105). Und obwohl diese Forderung in Deutschland eher lauwarm aufgenommen wurde, lässt es sich das Organ nicht nehmen, die Debatte irgendwie am Köcheln zu halten. So lässt die Zeit in einem Beitrag namens „Braucht Deutschland eigene Atomwaffen?“ die Leserinnen und Leser über genau diese Frage abstimmen. Eingeleitet wird das Ganze folgend: „Europäische oder gar deutsche Atomwaffen? Noch vor wenigen Monaten wäre allein der Gedanke absurd erschienen, schließlich stehen Deutschland und Europa unter dem atomaren Schutz der USA. Konkret bedeutet das: Ein Land, das Deutschland oder einen anderen Nato-Mitgliedsstaat angreift, muss mit einem Atomwaffenangriff der US-Amerikaner rechnen. An dieser Garantie gibt es wachsende Zweifel […]. Noch wird die Debatte über deutsche oder europäische Atomwaffen verklausuliert geführt.“ (jw)
Heer: Umstrukturierung
(7. April 2017)Die FAZ berichtet über eine geplante und offensichtlich durch die Eskalation im Verhältnis mit Russland motivierte Umstrukturierung des deutschen Heeres: „Mehr Kampf- und Schützenpanzer und mehr Personal: Das Bundesverteidigungsministerium plant offenbar, die Bundeswehr neu aufzustellen. […] Den größten Zuwachs verzeichnet gemäß den Planungen die Artillerie. Nach dem Kalten Krieg wurde sie von knapp 40 auf drei Bataillone zusammengestrichen. Für Einsätze wie in Afghanistan spielten Geschütze, die Munition über Dutzende Kilometer weit verschießen können, keine große Rolle mehr. Durch die zunehmende Konfrontation mit Russland hat sich das wieder geändert. Künftig soll es 14 Artilleriebataillone geben.“ (jw)
Hof: Gefährliche Panzer am Hbf
(6. April 2017)Ein junger Mann zog sich in der Nacht vom 5. auf den 4. April 2017 schwere Brandverletzungen zu, als er auf einen der dreißig Panzer am Bahnhof in Hof kletterte. Wie Tag24 berichtet, hatte dort ein Zug Halt gemacht, der für die NATO-Übung Atlantic Resolve Panzer nach Osteuropa transportierte. Aus Neugier sei der Mann auf einen Panzer geklettert und „kam dabei gefährlich nah an die Oberleitung“. Dabei entstand ein „gleißender Lichtbogen“ zwischen ihm und der Leitung. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn in eine Spezialklinik für schwere Brandverletzungen. (ja)
Syrien: US-Drohungen
(6. April 2017)Nach dem mutmaßlichen Einsatz von Giftgas bei Chan Schaichun in Syrien nimmt die Debatte um Militärschläge der USA gegen das syrische Regime erstmals seit der Wahl Trumps deutlich an Fahrt auf. Die US-Regierung gibt sich insgesamt überzeugt, dass syrische Truppen für die Freisetzung des Giftgases verantwortlich seien, nun sich habe Trump dahingehend geäußert, dass damit „mehrere“ (tagesschau.de) bzw. „rote Linien“ (Deutschlandfunk) überschritten worden seien. Übereinstimmend wird berichtet, Trump habe mit militärischen Reaktionen gedroht. Die US-amerikanische UN-Botschafterin Haley ließ sich im UN-Sicherheitsrat mit Bildern getöteter Kinder ablichten: „Wenn die Vereinten Nationen durchgehend bei ihrer Aufgabe scheiterten, gemeinsam zu handeln, gebe es Zeiten, in ‚denen wir zu eigenen Maßnahmen gezwungen sind'“, sagte sie nach Angaben des Deutschlandfunk.
Frankreich warnte daraufhin vor einem (verstärkten) militärischen Engagement der USA, der Luxemburgische Außenminister Asselborn hingegen sprach sich dafür aus, dass sich Russland von Assad distanzieren und die USA und Russland gemeinsam den Regime-Change in Syrien vollenden sollten.
Müller in Äthiopien
(6. April 2017)Ausführlich berichten die Medien über den Besuch des deutschen Ministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in den Dürregebieten Äthiopiens und die katastrophale Lage dort. In Äthiopien seien etwa sech Mio. in der gesamten Region über 20 Mio. Menschen von der Trockenheit bedroht, ganze Viehherden sind bereits verdurstet.
Die Frankfurter Rundschau lässt Entwicklungsminister Müller zwar gut aussehen, merkt aber zu Äthiopien auch kritisch an: „Das Land am Horn von Afrika gilt als Musterstaat, in den vergangenen zehn Jahren wurde ein Wirtschaftswachstum von jeweils zehn Prozent erreicht. Die Kehrseite der Medaille: Äthiopien ist eine Entwicklungsdiktatur. In dem Einparteiensystem wird die Opposition unterdrückt und die freie Presse behindert. Nach landesweiten Protesten verhängte die Regierung im vergangenen Herbst den Ausnahmezustand, Zehntausende Kritiker wurden verhaftet. Erst vor wenigen Tagen wurde der Ausnahmezustand um weitere vier Monate verlängert.“ Ergänz werden müsste hier eigentlich, dass der Ausnahmezustand letzten Oktober unmittelbar vor dem Besuch der Bundeskanzlerin Merkel verhängt wurde, bei dem sie das Land als „Stabilitätsanker und ein Beispiel für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung“ lobte und weitere Polizei- und Militärhilfe ankündigte. Anlass ihres Besuchs war die Einweihung eines neuen militärischen Hauptquartiers der Afrikanischen Union, dass die GIZ im Auftrag des Entwicklungsministeriums für 30 Mio. hat bauen lassen. Vermutlich wäre das Geld besser in Brunnen angelegt gewesen: „Seit drei Jahren werden mit Hilfe der bundeseigenen Förderbank KfW Tiefbrunnen gebohrt – doch sie sind extrem teuer und kosten pro Bohrung fast eine Million Euro. Ohne diese Wasserstellen sähe die Lage noch viel schlimmer aus als sie ohnehin ist. Allerdings reichen die Brunnen längst nicht aus, die Nomaden zu versorgen – die Somali-Region hat immerhin die Größe Großbritanniens“, so die FR weiter.
Siemens: Auftrag für US-Militär
(5. April 2017)Wie das Handelsblatt berichtet, erhielt Siemens einen der größten Aufträgen seiner Konzerngeschichte vom US-Verteidigungsministerium, welches zuvor durch die Trump-Administration ein Budgetaufstockungh erhielt. Die Siemens Medizintechniksparte Healthineers liefert Radiologiesysteme inklusive Technik, Zubehör und Schulungseinheiten für insgesamt 4,1 Milliarden Dollar an das US-Verteidigungsministerium. Dieses Jahr will Siemens Healthineers an die Böse bringen.(ja)
Deutsche Waffen an Autokraten
(5. April 2017)Telepolis veröfentlicht einen Auszug aus Markus Bickels neuem Buch Die Profiteure des Terrors, das sich mit deutsdchen Waffenlieferungen an Autokraten beschäftigt: „Unter den Top Ten der Empfängerländer deutscher Kriegs- und Rüstungsgüter fanden sich in den vergangenen Jahren drei Staaten, die in der neben Afrika konfliktreichsten Region der Welt direkt in Kampfhandlungen verwickelt sind. Katar lag 2015 auf Platz 1, Saudi-Arabien 2016 auf Platz 3, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Staaten (VAE) auf Rang 9.Die drei deutschen Verbündeten stehen seit 2015 an der Spitze einer Militärallianz, die das Armenhaus der arabischen Welt, den Jemen, zurück in die Steinzeit bombt – Frontstaaten im religiös aufgeheizten Regionalkampf um die Hegemonie am Persischen Golf.“ (jw)
Cyberrekrutierung
(5. April 2017)IT-Fachleute sind aufgrund zahlreicher gut bezahlter Alternativen Mangelware in der Bundeswehr. Erst kursierte deshalb die Idee, hier vor allem auch auf Reservisten zuzugehen (siehe IMI-Aktuell 2017/172). Nun berichtet Der Westen, das Verteidigungsministerium habe verstärkt Studienabbrecher im Visier und wolle zudem auch die Fitnesskriterien überdenken: „Die Aufstellung einer Cyberarmee für die Bundeswehr erfordert nach Ansicht der Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Katrin Suder, ein Umdenken bei der Suche nach Personal. […] Es gebe viele ‚Nerds‘, die ihr Studium abbrechen. Mittlerweile dürften sie in der Truppe auch mit abgebrochenem Studium bestimmte höhere Laufbahnen einschlagen. Auch der Fitnessgrad müsste bei der Einstellung überdacht werden.“ (jw)
Gibraltar: Säbelrasseln
(4. April 2017)Es ist beileibe nicht das erste Mal, das Großbritannien und Spanien wegen Gibraltat aneinander geraten, nun wurde es aber besonders laut, wie die FAZ (via Bpb-Newsletter) berichtet: „“Der Streit zwischen Madrid und London brach aus, nachdem die EU die Zukunft Gibraltars in die Brexit-Verhandlungen einbezogen hat. Die spanische Regierung bekommt wegen der Halbinsel demnach ein besonderes Vetorecht im Trennungsprozess. Britische Minister bezeichneten diese Bedingung als ‚völlig inakzeptabel‘. […] Großbritannien spricht daraufhin indirekt von Krieg.“ (jw)
Zeitung gegen den Krieg
(3. April 2017)Zu den Ostermärchen erscheint wieder eine neue Zeitung gegen den Krieg. Inhalte der neuen Ausgabe u.a.: Deutsches Aufrüstungsprogramm mit mehr Geld für neue Waffen und Soldaten; US- und NATO-Aufrüstung auf Basis der kriegstreiberischen Formel „2 % des BIP für Rüstung & Krieg“; Interview mit Konstantin Wecker „Aufstehn für den Frieden“; UN planen Ächtung von Atomwaffen – Bundesregierung nicht mit dabei; Nein zur Stationierung von Bundeswehreinheiten in den baltischen Staaten und in Polen; Bundeswehr umwirbt Jugendliche – „Töten ist ein Job wie andere – und ein attraktiver dazu“; Die Notwendigkeit der Konversion der Rüstungsindustrie; Berlin & Brüssel planen die Errichtung von „Auffanglagern“ in Nordafrika für Menschen auf der Flucht; EU forciert Rüstung und militärische Einsätze.
Acht Seiten im Zeitungsformat // Bezugspreise [ACHTUNG: deutlich gesenkte!] wie folgt (jeweils zuzüglich Porto & Verpackung): bei Bestellungen von 1 – 99 Ex.: 25 Cent je Ex. / bei Best. ab 100 Ex: 15 Cent je Ex. [Bestellung ab heute, Vertrieb ab 6. April]
Bestellungen an: zeitung-gegen-den-krieg@gmx.de / Fax 030-227 76 179 + Tel. 030 – 22 77 3179 (MdB-Büro H. Hänsel)
taz: embedded
(3. April 2017)Ein gutes Beispiel für embedded Journalism liefert die taz in ihrer Berichterstattung über Mali. Der Artikel „In der Hitze von Camp Castor“ ended mit den Worten: „Noch einmal schaut K. sein Baby an. ‚Ich glaube an den Einsatz‘, sagt er.“ Herr K. ist Soldat bei den Heeresfliegern und sein „Baby“, dem er schon zu Beginn des Artikels einen „liebevolle[n] Blick“ zuwirft, ein Hubschrauber vom Typ NH90. Der soll Verwundete bergen, wobei die Hubschrauber immer paarweise zum Einsatz kommen, „der zweite bleibt zur Überwachung in der Luft“. Die ebenfalls nach einer Mandatsausweitung im Januar nach Mali gebrachten Kampfhubschrauber Tiger werden hingegen gar nicht erwähnt. Kämpfen tun in diesem Artikel ohnehin nur die anderen, die „schwer bewaffneten Terroristen“ und die Franzosen, die „auf Terroristejagd“ gehen. Eine Spalte am Rand über das „Krisenland Mali“ verrät dann auch, dass Mali „ein wichtiges Ursprungs- und Transitland für Migration in Richtung Europa“ sei. „Die Wirren endeten erst, als 2013 Frankreich eingriff. Die Islamisten wurden zerschlagen, ein neuer gewählter Präsident Malis schloss Frieden mit den Tuareg-Rebellen“. Nun solle „[d]ie UN-Mission in Mali (Minusma) … die Umsetzung des Abkommens mit den Tuareg überwachen“.
Dass die Lage durchaus komplexer ist und gegenwärtig eher eine Destabilisierung stattfindet, kann u.a. der Zeitschrift des Reservistenverbandes (Zitate hier) und einer Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) entnommen werden. (cm)
„Auszeit“ bei der Bundeswehr
(3. April 2017)Die Bundesagentur für Arbeit unterhält u.a. die Homepage Abi.de, die jungen Menschen nach dem Abitur bei der Orientierung auf dem Arbeitsmarkt helfen soll. Die Bundeswehr taucht dort gleich mehrfach auf, etwa wenn es um die Suche nach einem Studienplatz der Humanmedizin geht. Auch wer sich nach dem Polizeiberuf erkundigt, landet über einen Klick auf „Es muss nicht immer die Polizei sein“ bei Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr (und beim Verfassungsschutz).
Oder man klickt sich einfach von der Startseite zur Bundeswehr als Arbeitgeber. Der Weg dorthin ist nicht besonders intuitiv: Hierzu muss man zunächst auf den Reiter „orientieren“ klicken und dann auf den Link „Auszeit nach dem Abi“, der mit einer Strandszene illustriert ist. Wer in der folgenden Auswahl „Freiwillige Jahre“ wählt, die mit einem Bild von Kindern symbolisiert werden, findet hier zwischen „Soziales und Umwelt“ und „Im Ausland“ auch ein freundlich lächelndes Soldatengesicht. Von dort führt dann auch gleich ein Link zur Homepage www.bundeswehrkarriere.de.
Deutscher Sonderweg?
(3. April 2017)Während US-Außenminister Rex Tillerson fordert, dass auf dem nächsten NATO-Gipfel verbindliche Meilensteine für die Umsetzung einer Erhöhung der jeweiligen NATO-Verteidigungshaushalte auf 2% des BIP verabschiedet werden, erteilte Außenminister Sigmar Gabriel dem Vorhaben eine Absage, wie u.a. bei tagesschau.de nachzulesen ist: „Ich halte es für völlig unrealistisch zu glauben, dass Deutschland einen Militärhaushalt von über 70 Milliarden Euro pro Jahr erreicht“. Dabei handelt es sich aber augenscheinlich um keinen Konsens innerhalb der Regierung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen warnte zB vor einem „deutschen Sonderweg“. In der Welt wird sie folgend zitiert: „Das klingt schon wieder sehr nach einem ‚Deutschen Sonderweg‘. Was für alle unsere Partner in der NATO gilt, soll für uns nicht gelten? Die anderen strengen sich an, wir halten uns zurück. So funktioniert die Allianz nicht.“ (jw)
Keine Entspannung
(3. April 2017)Ein spürbare Entspannung im westlich-russischen Verhältnis hört sich anders an. Antiwar zitiert Kreml-Sprecher Dmitry Peskov, die Beziehungen seien „möglicherweise noch schlechter“ als im Kalten Krieg. Auf der anderen Seite kritisierte US-Außenminister Rex Tillerson beim NATO-Außenminstertreffen „Russlands Aggression in der Ukraine und andernorts“, wie u.a. die FAZ berichtete. (jw)
Bundeswehr: Cyberkommando
(1. April 2017)Am heutigen 1. April nimmt das neue Cyberkommando „Cyber- und Informationsraum“ (CIR) der Bundeswehr den Dienst auf: „Damit wird in Deutschland vollzogen, was in anderen Staaten und bei der NATO bereits Realität ist: Cyber-Krieger werden neben Heer, Luftwaffe, Marine zu einer eigenen Waffengattung“, sachreibt der Deutschlandfunk. Ein Überblick zu diesem – offiziell natürlich rein defensiven – Kommando findet sich im aktuellen AUSDRUCK. (jw)
Rheinmetall: Jung Aufsichtsrat
(1. April 2017)Wie u.a. Spiegel Online berichtet, wird der ehemalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung nun mit einem Aufsichtsratsposten beim deutschen Panzerbauer Rheinmetall belohnt: „[E]in Rheinmetall-Sprecher [hat] die geplante Berufung mit der besonderen Expertise von Jung im Verteidigungsbereich begründet.“ (jw)
Zivilopfer durch Tornados
(30. März 2017)Ein US-Luftangriff auf eine ehemalige Schule in Syrien hat wohl 33 Zivilisten das Leben gekostet. Wie Tagesschau.de berichtet, erfolgte die Bombardierung wohl auf Grundlage von Daten der Bundeswehr-Tornados: „Erstmals haben Aufklärungsbilder der Bundeswehr eine Rolle bei einem Luftangriff in Syrien gespielt, der zu einer sehr hohen Zahl ziviler Opfer geführt haben soll. Nach Recherchen von NDR und WDR hatten deutsche Tornados am 19. März 2017 Bilder eines Gebäudekomplexes in der syrischen Ortschaft al-Mansoura, westlich von Rakka, aufgenommen und an die internationale Koalition im Einsatz gegen den sogenannten IS geliefert. Diese Bilder sollen dann einen Tag später mit verwendet worden sein, um den Gebäudekomplex zu bombardieren.“ (jw)
Bosnien: EU-Warnung
(29. März 2017)Seit 2004 bis heute sind in Bosnien-Herzegowina EU-Truppen im Rahmen der EUFOR Althea-Mission stationiert. Sie sollen die dortige Armee ausbilden – augenscheinlich sind sie aber auch zur Rückversicherung dort, dass die Geschicke des Landes den gewünschten Verlauf nehmen. Bereits 2014 kam es zu umfangreichen Protesten gegen den unter EU-Ägide vollzogenen neoliberalen Umbau des Landes, die teils brutal von der – ebenfalls mit EU-Hilfe aufgebauten – bosnischen Polizei niedergeschlagen (Tränengas, Schlagstöcke, etc.) wurde. Damals brachte der mit umfangreichen Vollmachten im Land ausgestattete Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft für Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, auch einen EU-Militäreinsatz ins Spiel: „Wenn die Lage eskaliert, werden wir eventuell an EU-Truppen denken müssen“. Eine solche Drohung sprach nun auch General Anton Waldner bei der Übernahme des EUFOR-Mandates aus – diesmal allerdings wohl eher mit Blick auf das Sezessionsreferendum, das die mehrheitlich serbisch bewohnte Republika Srpska 2018 beabsichtigt abzuhalten. Bei Reuters wird der General mit den Worten zitiert: „There is still an executive mandate which allows significant reinforcement at short notice of (EUFOR). I will not hesitate to call (on) these reserve forces if needed“. (jw)
Arabische NATO (II)
(29. März 2017)Bereits 2014 berichtete Strategic Forecast über Pläne zum Aufbau einer „Arabischen NATO“ (siehe IMI-Aktuell 2014/259). Nach Meinung der National Post (via Bpb-Newsletter) greift der neue US-Präsident Donald Trump aktuell diese Pläne auf – er strebe ein Militärbündnis mit Saudi Arabien und Israel im Zentrum an, um den Iran zu isolieren: „To seal the deal, Trump must overcome Arab fears of being accused of entering an alliance with Israel. Arab leaders have asked Trump to hold off moving his embassy in Israel to Jerusalem, and to prevent Israel from building new settlements, requests with which Trump is complying. In short order, Trump has begun to realign the Arab armies, at the same time indicating he has their back against a nuclear-powered Iran bent on hegemony over the Middle East. Judging by the reaction of Iran, Trump’s approach is working.“ (jw)
Gabriel: Weniger Mitsprache
(28. März 2017)Außenminister Sigmar Gabriel spricht sich der Rheinischen Post zufolge für eine Beschneidung der parlamentarischen Mitspracherechte bei Bundeswehr-Einsätzen aus: „Außenminister Sigmar Gabriel hat sich für eine Begrenzung des Mitspracherechts des Bundestags bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr ausgesprochen. Die Beteiligung der EU an einem UN-Einsatz dürfe beispielsweise nicht am Einspruch des Bundestags scheitern, ‚weil es vielleicht kurz vor einer Wahl ist.‘“ (jw)
Die Rechnung bitte!
(28. März 2017)Die britische Sunday Times berichtet, US-Präsident Trump soll Deutschland eine konkrete – und recht üppige – Rechnung für ausstehende Zahlungen überreicht haben. Der Merkur schreibt dazu: „‚Empörend‘ nannte ein deutscher Minister diese Geste: Wie die britische Times berichtet, soll Bundeskanzlerin Angela Merkel von US-Präsident Donald Trump eine Forderung über 346 Milliarden Euro erhalten haben. Die horrende Rechnung überreichte Donald Trump laut Times bei privaten Gesprächen in den USA. Es handle sich um Deutschlands Schulden bei der Nato, die sich angeblich schon seit 2002 angehäuft hätten.“ Laut Augengeradeaus wurde die Meldung deutscherseits umgehend dementiert, was das Ganze nur noch mehr zur Realsatire macht. (jw)
NATO: Teure IT und Satelliten
(28. März 2017)Der Deutschlandfunk berichtet darüber, dass die NATO plant, beträchtliche Summen in den IT- und Satellitenbereich zu investieren: „Die Nato will in den kommenden Jahren mit drei Milliarden Euro ihre Satelliten und Informationstechnologie modernisieren. […] Allein 1,7 Milliarden Euro sollen in die Satellitenkommunikation fließen, um Bodentruppen, Schiffe und Drohnen besser unterstützen zu können. Außerdem würden das Computersystem für die Raketenabwehr erneuert und die 32 Hauptstandorte des Bündnisses besser gegen Cyber-Angriffe geschützt.“ (jw)
Arge vermittelt Kriegs-Statisten
(27. März 2017)Die Gesellschaft Kultur des Friedens macht auf eine Stellenanzeige der Bundesagentur für Arbeit aufmerksam. Die Firma Optronic HR GmbH mit Sitz in Ottobrunn sucht darin Statisten für US-Militärtrainings: „Gesucht werden Statisten (Civilians on the Battlefield) für Rollenspiele bei Trainingseinsätzen der U.S. Army. Durch die Statisten wird die Zivilbevölkerung in Krisengebieten dargestellt. Dadurch wird ein realitätsnahes Übungsszenario für die Soldaten und somit eine optimale Vorbereitung für deren Auslandsmissionen erreicht.“ Ergänzend heißt es dann auf der Internetseite von „Civilians on the Battlefield“: Die Einsätze finden durchgehend (inkl. Wochenende) auf dem Truppenübungsgelände Hohenfels (zwischen Nürnberg und Regensburg) statt. […] Gute Englisch- und Deutschkenntnisse werden für alle Teilnehmer vorausgesetzt. Zusätzlich gute Sprachkenntnisse in Russisch, Polnisch oder Tschechisch sind von grossem Vorteil. […] Die Teilnehmer spielen kleine Statistenrollen wie z. B. ein Viehzüchter, Ladenbesitzer oder auch der Bürgermeister eines Dorfes in Afghanistan der hin und wieder auch mit den anwesenden U.S. Streitkräften vermittelt und verhandelt. Auf dem Übungsgelände sind bis zu 10 Dörfer künstlich angelegt die jeweils aus 10 bis 30 Häusern bestehen.“ (jw)
Joint Venture taktische Kommunikation
(27. März 2017)Der auf Nachrichtentechnik insb. für deutsche Behörden, Geheimdienste und Armee spezialisierte Elektronikkonzern Rohde & Schwarz hat gemeinsam mit dem Panzerbauer Rheinmetall die Gründung eines Joint Ventures angekündigt. Damit wollen sich die Konzerne für zwei Großaufträge des deutschen Heeres positionieren – die ihnen damit wohl auch sicher sind. Hierbei geht es um die Vorhaben Mobile taktische Kommunikation (MoTaKo) und Mobiler taktischer Informationsverbund (MoTIV). Laut gemeinsamer Pressemitteilung beider Konzerne handelt es sich dabei um „die zentralen Modernisierungsvorhaben der Bundeswehr im Heeresbereich. Der Auftragswert dürfte insgesamt im mittleren einstelligen Milliarden Euro-Bereich liegen, allein tausende von Bundeswehr-Fahrzeugen stehen vor der Umrüstung“.
Falklands/Malwinen: Militarisierung
(27. März 2017)Wie amerika21 berichtet, forciert Großbritannien die weitere Militarisierung der Falkland-Inseln („Malwinen“ im argentinischen Sprachgebrauch). Die Inseln gehören ohnehin schon zu den höchstmilitarisisierten Gebiete der Welt (pro Einwohnerzahl). Die zusätzliche Militarisierung soll trotz der eingeschränkten Bemühungen der argentinischen Regierung von Präsident Mauricio Macri um die Inseln erfolgen (die Inseln werden ebenfalls von Argentinien für sich beansprucht). Mit der Geschichte des Konflikts um die Inseln zwischen Argentinien und Großbritannien hat sich die IMI-Studie 2012/012 befasst. (mp)
Europa-Division?
(27. März 2017)Christian Mölling von der DGAP macht den Vorschlag, Deutschland solle im Rahmen des Ankerland- und Rahmennations-Konzeptes (siehe IMI-Aktuell 2017/083) eine „Europa-Division“ aufzustellen: „Militärische Fähigkeiten kann man nicht herbeireden – man muss sie schaffen und erhalten. Die Europäer müssen zudem glaubwürdig vermitteln, dass sie sie auch einsetzen werden. […] Die Bundesrepublik hat sich mittlerweile selbst in eine Vorreiterrolle manövriert, durch ihre zahlreichen Aussagen zu mehr Verantwortung. Gleichzeitig will sie die Europäisierung der Verteidigungsstrukturen. Diese Ziele ließen sich in einem militärisch sinnvollen Beitrag mit erheblicher Signalkraft bündeln: So könnte Deutschland eine weitere Division aufstellen, ca. 20.000 Soldaten, schrittweise bis 2020, und den europäischen Partnern anbieten, sich in diesen Verband einzubringen.“ (jw)
Somalia: US-Luftschläge?
(26. März 2017)Antiwar zufolge will der Kommandeur des US-Arikakommandos die Autorität erhalten, in Somaöila Luftschläge durchzuführen: „US African Commander Gen. Thomas Waldhauser today confirmed that he is still seeking increased authority to carry out attacks in Somalia, seeking President Trump’s permission for more “flexibility” in carrying out airstrikes and using ground troops in the country.“ (jw)
EU: Rüstungszahlen
(25. März 2017)Das Institut für Sicherheitsstudien der EU in Paris gibt neuerdings „Security Monthly Stats“ heraus, die einige interessante Kernzahlen in dem Bereich enthalten. (jw)
Transportkorridore im Kaukasus
(24. März 2017)Bereits in IMI-Studie 2015/08 wurde die dynamischen Entwicklungen in der kaukasischen Region und die Bedeutung von Infrastrukturvorhaben wie der südkaukasischen Eisenbahn beschrieben. Wie jüngst bekannt wurde, trafen sich der russische Vizeaußenminister Grigorij Karasin und der georgische Repräsentant für die Beziehungen mit Russland, Zurab Abashidze, Anfang Februar 2017 in Prag. Im Namen ihrer jeweiligen Regierungen einigten sich die beiden auf die Eröffnung zweier neuer Transportkorridore in Nord-Süd-Richtung im Kaukasus, wie die neokonservative US-Denkfabrik Jamestown Foundation schreibt. Eine der beiden Routen führt durch Abchasien und die zweite durch Südossetien – beide Gebiete hatten sich Anfang der 1990er Jahre von Georgien abgespalten und werden von Russland als unabhängig anerkannt. Die Eröffnung der Südkaukasischen Eisenbahn über Abchasien hat enorme geopolitische Implikationen für den gesamten Kaukasus, da Russland über diese Eisenbahn Militärgüter nach Armenien transportieren könnte. Armenien ist ein militärischer Verbündeter Russlands, Mitglied des Militärblocks OVKS (Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit) und in den vergangenen Monaten immer wieder in kleinere militärische Auseinandersetzungen mit Aserbaidschan verwickelt. Georgien und Russland wollen die Eröffnung der neuen Transportwege jedoch in „kleinen Schritten“ forcieren. (dn)
ISPK und NATO: Getrennte Wege
(24. März 2017)Die Institut für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel (ISPK) und das Nato Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters (COE CSW) richteten bislang zusammen die „Kiel Conference“ aus, gegen die es auch antimilitaristische Proteste gab (siehe zum auch IMI-Studie 2016/06). Aufgrund nicht näher benannter unterschiedlicher Interessen wird nun in den Kieler Nachrichten berichtet, dass die Zusammenarbeit beendet worden sei. Als neuen Partner habe sich das ISPK das Center for Naval Analysis (CNA) gesucht und aus der Kiel Conference“ werde nun das „Kiel International Seapower Symposium“ (KISS), das am 20. Juni stattfinden werde. (jw)
Heckler & Koch: Gewinne
(24. März 2017)Nach Rheinmetall (siehe IMI-Aktuell 2017/124) gelang es nun laut Focus auch der Waffenschmiede Heckler & Koch ihre Gewinne deutlich steigern: „Bekannt ist bereits, dass Heckler & Koch in den ersten drei Quartalen einen Gewinn von 3,8 Millionen Euro erzielt hat – nach einem Verlust von 10,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.“ (jw)
Estland: NATO-Bataillon
(24. März 2017)Nachdem Anfang des Jahres bereits damit begonnen wurde, ein NATO-Bataillon in Litauen zu stationieren, ist nun das unter britischer Führung stehende Bataillon in Estland an der Reihe, berichtet Augengeradeaus. Die Logistik verläuft dabei wie schon bei den bilateralen Aufrüstungsmaßnahmen der NATO-Ostflanke durch die USA über Deutschland: „‘Das ist der Beginn eines der größten Einsätze in Osteuropa seit dem Kalten Krieg‘, sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon. ‚Bis zum Ende des kommenden Monats werden wir 800 britische Soldaten als gepanzerte Kräfte vor Ort haben, bereit, unsere Verbündeten zu unterstützen und unser Bekenntnis zur Sicherheit Europas zu unterstreichen.‘“ (jw)
Cyber-Kommando als PPP?
(24. März 2017)NDR.de berichtet unter dem irreführenden Titel „Ist ein Cyber-Kommando mehr Schein als Sein?“ über die Bemühungen, qualifiziertes Personal für den Cyberkrieg zu rekrutieren. Dabei strebe „die Bundeswehr eine enge Kooperation mit der Wirtschaft an. Das Verteidigungsministerium kann sich den Austausch von Personal vorstellen… Der stellvertretende Generalinspekteur Markus Kneip will mit diesem Konzept vor allem Reservisten ansprechen. Es sollen aber auch Fachleute gewonnen werden, die bisher nichts mit der Bundeswehr zu tun gehabt haben.“
Zugleich bemühe sich die Bundeswehr darum, „eigene Ausbildungseinrichtungen auf[zu]bauen. „An der Bundeswehr-Universität in München soll ein Cyber-Studiengang eingerichtet werden. Dafür wird schon jetzt intensiv geworben. Angestrebt werden jährlich rund 70 Absolventen. Weiter wird im Umfeld der Bundeswehr-Universität der Aufbau von Cyber-Cluster geplant. Auf diese Weise will die Bundeswehr Forschung und Entwicklung fördern.“ In diesem Zusammenhang ist natürlich auch der Einkauf von Studienplätzen des Fraunstudiengangs Informatik an der Hochschule Bremen zu sehen.
Befremdlich ist, was der NDR zum angeblich rein defensiven Auftrag des Kommandos Cyber und Informationsraum schreibt. Im Weißbuch der Bundeswehr ist explizit von „defensiven und offensiven Hochwertfähigkeiten“ die Rede, letztes Jahr wurde (vermutlich nicht aus Versehen) öffentlich, dass bereits 2015 eine offensive Operation stattgefunden habe – durch jene Einheit in Rheinbach, die zukünftig den Kern des Zentrums Cyberoperationen bilden soll. (cm)
Vom Computerspiel zum Kriegssimulator
(23. März 2017)Bereits in IMI-Analyse 2011/040 wurde darauf hingewiesen, dass der Rüstungskonzern Thales auf Grundlage der für Computerspiele entwickelten „CryEngine 3“ einen neuen Schießsimulator für die deutsche Armee namens Sagittarius-Evolution entwickelt. Damals hieß es: „Das unter der Bezeichnung ‚Sagittarius-Evolution‘ laufende Rüstungsprojekt soll die Armee u.a. in die Lage versetzen mit einfachen Geodaten Übungsszenarien mit unmittelbarem Einsatzbezug erstellen zu können.“ Wie das Bundeswehr-Journal berichtet, wurde nun bereits das zweite Exemplar an die Bundeswehr ausgeliefert: „Das Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) in Eckernförde wurde vor Kurzem mit der mobilen Version des Simulationssystems „Sagittarius Evolution“ ausgestattet. […] Nach der Auslieferung des Systems an das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw zu Beginn des vergangenen Jahres ist dies bereits die zweite mobile Variante der Thales-Simulationsumgebung, die bei der Bundeswehr im Einsatz ist.“ (jw)
Gabriel: EU-Rüstungsplädoyer
(23. März 2017)Im Vorfeld des 60jährigen „Geburtstags“ der Unterzeichnung der Römischen Verträge publizierte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Beitrag in deutschen Zeitungen, in dem er den derzeit allseits verbreiteten Sermon ebenfalls verbreitet: Die EU müsse sich von den USA emanzipieren; das bedeute – mindestens – im erweiterten Nachbarschaftsraum kontroll- sprich interventionsfähig zu sein; und hierfür – das wird nun wiederum eher verklausuliert gesagt – werden mehr militärische Fähigkeiten benötigt: „Es ist Zeit, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass wir in Europa nicht selbst die Verantwortung für unsere Sicherheit tragen. Der Satz ist richtig, dass Europa endlich erwachsen werden muss. Die Partnerschaft mit den USA und die Nato sind die Grundpfeiler der transatlantischen Gemeinschaft. Aber die Europäische Union muss in der Lage sein, Krisen und Konflikte in ihrer Nachbarschaft eigenständig zu bewältigen. Erste Schritte sind getan, weitere müssen folgen.“ (jw)
Merkel: Westliche Fackelträgerin?
(23. März 2017)Unzählige Stimmen rufen wahlweise nach Deutschland bzw. Kanzlerin Angela Merkel, nachdem sich die USA aus dieser Rolle mit der Wahl Donald Trumps verabschiedet hätten, müssten sie nun die Führung des „liberalen Westen“ übernehmen. Selbst der konservative amerikanische National Interest (via Bpb-Newsletter)erhebt diese Forderung: „Chancellor Merkel is the great Western leader left standing, and the world has begun looking to her not only to remain in office, but to lead the West and hold the line against resurgent nationalist, Russian and terrorist forces.” (jw)
EU-Rüstungsforschung: Selbstbedienungsmarkt
(23. März 2017)Ein Journalistennetzwerk hat sich kritisch mit den beiden EU-Sicherheitsforschungsprogrammen FP7 und Horizon 2020 beschäftigt. Sie bemängeln einen regelrechten „Selbstbedienungsmarkt“, in dem vor allem Rüstungsunternehmen und Forschungsinstitutionen, allen voran Fraunhofer, mit teils völlig sinnlosen Projekten von den EU-Töpfen profitieren würden. Bei Zeit Online heißt es dazu: „Einige wenige Konzerne und Organisationen profitieren von dem gigantischen Förderprogramm des Staates, das ursprünglich dazu gedacht war, die Sicherheit Europas zu stärken. Sie bekommen Millionen für abgedrehte Ideen, um Drogenlabore zu finden oder Terroristen unschädlich zu machen. Nur werden viele Ideen nie zu einem Produkt. Millionen und Milliarden wurden dafür verschwendet, an Technologien zu forschen, die sich als überteuert oder unbrauchbar herausstellten. […] Keines der zehn teuersten EU-Sicherheitsforschungsprojekte hat zu einem Produkt geführt, das heute praktisch genutzt wird.“ (jw)
AMISOM: Aufwuchs
(22. März 2017)Ende 2016 machten Ankündigungen die Runde, dass die AMISOM-Truppen ab 2018 aus Somalia abgezogen würden. Voraussetzung seien erfolgreiche Präsidentschaftswahlen und die Ausbildung von 20.000 somalischen Soldaten durch die EU-Trainingsmission in Mogadischu und die AMISOM, die deren Funktion ab 2020 übernehmen sollten.
Die Wahlen waren ursprünglich für den Herbst 2016 vorgesehen, wurden jedoch erst im Februar 2017 durchgeführt und verdienen diesen Namen nicht. 328 Delegierte „wählten“ in einem Hangar auf dem Flughafen Mogadischu – wo sich auch die Feldlager der internationalen Truppen befinden – in mehreren Runden den ehemaligen Premierminister Mohamed Abdullahi Mohamed zum Präsidenten.
In merkwürdigem Kontrast hierzu berichtete der humanitäre Nachrichtendienst der UN, IRIN, von einem „Erdrutschsieg“ des Präsidenten und neuer Hoffnung in den Straßen von Mogadischu. Zugleich wurde jedoch bereits hier angedeutet, dass es für einen Rückzug der AMISOM zu früh sein könnte. Mittlerweile fordert der Leiter der AMISOM-Mission sogar einen nicht weiter spezifizierten Aufwuchs der Truppen, um die Gebiete zu sichern, aus denen sich die Rebellen zurückgezogen haben. Hintergrund dürfte auch sein, dass sich ein Teil der Al-Shabab-Milizen, die weite Teile des Hinterlandes kontrollieren und landesweit Anschläge durchführen, mittlerweile zum IS bekannt haben soll. Das rief auch das US AfriCom auf den Plan, das wieder ein verstärktes Engagement der US-Army ankündigte, wie Today aus Nigeria berichtet.
Trotzdem unterstrich der AMISOM-Leiter, dass die vorwiegend aus den Nachbarstaaten stammenden Truppen nicht für immer in Somalia bleiben könnten und hielt grundsätzlich an einem Abzug zwischen 2018 und 2020 fest. Begründet wird der Abzug hier v.a. mit der „Ermüdung“ der Truppen, die Wahrheit dürfte aber eine andere sein: Finanziert wurde die AMISOM aus dem European Development Fund – zwischen 2007 und 2016 mit über einer Mrd. Euro. Das wurde der EU zunehmend zu teuer und womöglich setzte sich auch unter den EU-Strategen zunehmend die Einsicht durch, dass sie letztlich die Besatzung Somalias durch jene Nachbarstaaten – Kenia und Äthiopien – finanzieren, die langanhaltende Territorialkonflikte mit Somalia ausfechten und somit eigentlich gar kein Interesse an einem stabilen Staatswesen dort haben. Die Entscheidung in Brüssel wirkte sich direkt auf die Bezahlung der Soldaten der AMISOM aus, die zuvor monatlich 1.028 und nun nur noch 822 US$ erhalten, wie IRIN angibt. Dass über die Bezüge kenianischer und äthiopischer Soldaten, die unter „Führung“ der Afrikanischen Union in Somalia kämpfen, in Brüssel entschieden wird, sagt viel über die sog. „African Ownership“ aus, die in EU-Dokumenten stets beschworen wird.
Zwei-Prozent-Ziel: Absichtserklärung
(22. März 2017)In der Süddeutschen Zeitung wird dankenswerter Weise darauf hingewiesen, dass es sich bei der aktuell vielfach beschworenen „Absichtserklärung“, alle NATO-Staaten sollten bis 2024 zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für das Militär ausgeben, keineswegs um eine bindende Vereinbarung handelt. Zum damaligen Abschlussdokument auf dem NATO-Gipfel 2014 schreibt die Süddeutsche: „Am Montag wurde nun der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, in der Regierungspressekonferenz gefragt, wie [das Zwei-Prozent-Ziel] zu interpretieren sei. Daraufhin erklärte Schäfer, auf dem Nato-Gipfel in Wales sei es 2014 ‚in der Tat zu einer Vereinbarung der Mitgliedstaaten gekommen, die jetzt gemeinhin als Zwei-Prozent-Ziel interpretiert wird‘. Tatsächlich aber sicherten die Mitgliedstaaten darin lediglich zu, ‚dass sie sich bemühen werden, auf dem Weg zum Zwei-Prozent-Ziel bis zur Mitte der nächsten Dekade Fortschritte zu erzielen.‘“ (jw)
Montenegro: NATO-Beitritt?
(22. März 2017)Erstmals erklärten die USA laut Antiwar.com in Form von Außenminister Rex Tillerson offiziell ihre Unterstützung für einen NATO-Beitritt Montenegros, der im Land selbst hochgradig umstritten ist: „While the administration had previously not taken any public position on the matter, Secretary of State Rex Tillerson has reportedly written a letter to the Senate urging their ratification of Montenegro’s bid to join NATO as its newest member.“ (jw)
Jemen: Hungersnot
(22. März 2017)Im Jemen, wo Saudi-Arabien mit westlicher, insbesondere US-amerikanischer Unterstützung einen Krieg führt, wird die Ernährungslage immer kritischer, berichtet die taz (via Bpb-Newsletter): „Die internationalen Organisationen haben derzeit zu wenig Mittel zur Verfügung, um die Lage zu managen. ‚Die UNO hat für ihre gesamte Arbeit im Jemen im Februar für das ganze Jahr 2,1 Milliarden Dollar veranschlagt, um diese humanitäre Krise zu managen. Bisher sind nicht einmal mal acht Prozent dieser Summe gedeckt‘, erläutert sie [Reem Nada von der Welternährungshilfe]. Das betrifft auch die Welternährungshilfe. ‚Uns fehlen 460 Millionen Dollar, um für die nächsten sechs Monate genug Nahrungsmittel für sieben Millionen Menschen zur Verfügung zu stellen. Wir geben daher pro Person nur ein Drittel der benötigten Ration aus‘, sagt Nada.“ (jw)
Leitlinie Weltraum
(21. März 2017)German-Foreign-Policy weist auf die „Strategische Leitlinie Weltraum“ des Verteidigungsministeriums hin. Darin werde der Orbit als „militärischer Operationsraum“ definiert, der für die „moderne Kriegsführung“ unerlässlich sei. (jw)
Nordkorea: Zeitbombe
(21. März 2017)Schon auffällig: Kaum ist in den USA ein Präsident an der Macht, der ein geradezu feindschaftliches Verhältnis gegenüber China predigt, vermittelt der strategische Blätterwald recht einmütig den Eindruck, Nordkorea stünde mit seinem Atomprogramm kurz vor dem Durchbruch. Dazu passend verlautbarte US-Außenminister Rex Tillerson kürzlich, die Zeit der „strategischen Geduld“ sei nun vorbei, wie der American Interest ausführlich zitiert. Der Autor bezeichnet Nordkorea als tickende Zeitbombe und wartet mit konkreten Vorschlägen auf. Die USA sollten eine „letzte Runde“ direkter Gespräche ausrufen – v.a. aber um „guten Willen“ zu beweisen, nicht unbedingt, um zu einer Lösung zu kommen. Außerdem könnten die letzten drei Präsidenten – Clinton, Bush und Obama – schriftlich ihre Zustimmung zu einem militärischen Vorgehen erklären. Das beinhaltet sozusagen das Angebot an Trump, durch einen Krieg gegen Nordkorea als Staatsmann endlich Anerkennung zu finden. (cm)
NATO-Kriterien
(21. März 2017)Jahrelang wurde versucht, den Rüstungshaushalt künstlich kleinzurechnen, indem u.a. Ausgaben, die bei der NATO zum Militärbudget gerechnet werden, ausgeklammert wurden. Im Zuge der Debatte um eine „notwendige“ Erhöhung der Militärausgaben scheint laut Tagesspiegel nun überlegt zu werden, diese „NATO-Kriterien“ künftig einzupreisen: „So will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ‚natofähige‘ Ausgaben anderer Ressorts berücksichtigt sehen. Laut Verteidigungsministerium zählen dazu unter anderem Minenräumprojekte, die das Auswärtige Amt finanziert, sowie die Ausgaben für den Wehrbeauftragten des Bundestages und Versorgungsausgaben für ehemalige NVA-Soldaten. Alles in allem kommen so noch einmal 2,5 Milliarden Euro zusammen, was für die BIP-Quote jedoch kaum etwas bringt.“ (jw)
EUPOL: Schlechtes Zeugnis
(20. März 2017)Die EU-Polizeiausbildungsmission EUPOL Afghanistan wurde zum Jahresende beendet, der auf Internationale Politik und Gesellschaft eine schlechte Note ausgestellt wird: „Trotz der teilweise knapp 400 eingesetzten Polizisten und einem Budget von 450 Millionen Euro zwischen 2007 und 2015 ist der Einfluss von EUPOL letztlich als gering einzuschätzen. […] Wenn der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Jahr 2009 von „kriegsähnlichen Zuständen“ in Afghanistan sprach, dann kann heute ohne Zweifel von Krieg gesprochen werden. Der Unterschied ist nur, dass Deutschland das Kämpfen heute der afghanischen Polizei und dem afghanischen Militär überlässt. Insgesamt steigt die Zahl der kriegs- oder konfliktbedingten Opfer seit 2009 kontinuierlich an und verdoppelte sich im Vergleich zu 2013 auf ein neues Rekordhoch von mehr als 17 000 Toten im Jahr 2015. Im Jahr 2016, so schätzen die Vereinten Nationen, waren es etwa 18 000 Tote.“ (jw)
A400M: Ladenhüter
(18. März 2017)Im Februar hieß es noch, die Bundeswehr plane mehr Exemplare des Militärtransporters A400M zu unterhalten, indem auf den geplanten Weiterverkauf von 13 Exemplaren ins Ausland verzichtet würde (siehe IMI-Aktuell 2017/072). Wie jetzige Meldungen aber zeigen, fanden sich für den mit etlichen Pannen behafteten Flieger schlichtweg keine Abnehmer, sodass die Bundeswehr zwangsläufig auf den Exemplaren sitzenbleibt. Bei n24 heißt es: „Trotz jahrelanger Suche hat das Verteidigungsministerium keine Käufer für 13 überschüssige A400M-Transportflugzeuge gefunden. Deshalb sollen sie jetzt von der Bundeswehr zusätzlich zu den 40 bereits eingeplanten Exemplaren genutzt werden. Statt Einnahmen in Milliardenhöhe werden dafür Investitionen von mindestens 505 Millionen Euro fällig.“ (jw)
Effektiv drohen für den Frieden
(18. März 2017)Claudia Major von der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) und Christian Mölling, stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), beschäftigen sich in der „Internationalen Politik“ mit der Frage „Was genau heißt ‚neue Verantwortung‘?“ Aufgrund des in Deutschland scheinbar vorherrschenden pazifistischen Reflexes tue man sich schwer damit, adäquate Antworten zu finden, so ihre Kritik: „Tatsächlich fällt es Berlin schwer, systematisch eine Politik der ‚neuen Verantwortung‘ zu entwickeln. Das liegt nicht zuletzt an der Scheu, sich die Konsequenzen der Rückkehr militärischer Macht als Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik vor Augen zu führen. Wohl werden Krisen nicht durch das Militär gelöst. Aber nicht mit dem Einsatz von Gewalt drohen zu können oder zu wollen, um damit Europa gegen Gewalt und seine Auswirkungen zu schützen, hat zu mehr Unsicherheit in Europa geführt und Handlungsoptionen zunichte gemacht.“
Aus diesem Grund benennen die beiden Autoren abschließend 10 Punkte, die in der kommenden Legislaturperiode bearbeitet werden sollen. Die jeweiligen Überschriften entbehren teils nicht einer unfreiwilligen Komik – da wäre etwa: „(Nukleare) Abschreckung und Dialog: effektiv drohen für den Frieden“; nicht schlecht ist auch: Mehr investieren und mehr riskieren“; oder auch: „Rüstung ist Verantwortung“. (jw)
Allianz der Demokratien
(17. März 2017)Die Erweiterung der NATO um andere ordnungspolitisch ähnlich aufgestellte Länder wie Australien, Südkorea usw. war vor einigen Jahren ein wichtiges Thema (siehe IMI-Analyse 2009/04). Inzwischen hat das Ganze etwas an Schwung verloren, wurde aber kürzlich in einem Beitrag des ehemaligen estnischen Präsidenten Toomas Hendrik Ilves auf Defense One wieder aufgewärmt: „In different contexts, both McCain and Madeleine Albright have proposed a community or league of democracies. Neither proposal went far at the time. But the threats then were minor. Could such an organization help face this new threat? Five years ago, on the sidelines of the Munich Security Conference, I proposed that we consider a cyber defense and security pact for the genuine democracies of the world. After all, Australia, Japan, and Chile, all rated as free democracies by Freedom House, are just as vulnerable as NATO allies such as the United States, Germany or my own country.” (jw)
Eckwerte steigend (II)
(17. März 2017)Nun sind die konkreten Zahlen der „Eckwerte“ des Wirtschaftsministeriums heraus, die u.a. die Planung des Rüstungshaushaltes bis 2021 beinhalten (in Mio. Euro): 37.005 (2017); 38.450 (2018); 39.643 (2019); 40.910 (2020); 42.297 (2021). (jw)
Kriegsabschlag?
(17. März 2017)Mit einem „originellen“ Vorschlag wartet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf. U.a. laut Tagesspiegel will sie, dass die Staaten, die sich umfangreich an internationalen Kriegseinsätzen beteiligen, eine Art „Abschlag“ auf die Höhe der Rüstungsausgaben im NATO-Bündnis erhalten sollen: „Sie schlug einen ‚Aktivitätsindex‘ als zusätzlichen Maßstab vor, der beispielsweise auch die Beteiligung an Einsätzen berücksichtigt.“ (jw)
PfP: Türkei blockiert
(17. März 2017)Wie welt.de bereits am 15. März berichtete, blockiert die Türkei angeblich das NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“. Dieses regelt die Zusammenarbeit mit Staaten, die keine offiziellen Mitglieder der NATO sind. Es umfasst neben der Ausbildung der Armeen dieser Länder v.a. auch Anpassungen an NATO-Standards und damit Interoperabilität für die Teilnahme an Auslandseinsätzen der NATO, die längst keine Seltenheit mehr sind. So spielt zum Beispiel Österreich seit vielen Jahren eine große Rolle beim NATO-Einsatz KFOR im Kosovo. Dieser sei durch die türkische Blockade der PfP gefährdert, deutete bereits welt.de an und wird nun von mehreren Medien wie dem orf aufgegriffen. Tatsächlich beinhaltet die Zusammenarbeit mit Drittstaaten auch den – für gemeinsame Einsätze zentralen – Austausch von geheimen Lageinformationen und eine dauerhafte Blockade könnte sich negativ auf die Einbindung von Nicht-NATO-Staaten auswirken. Trotzdem wirkt die aktuelle Debatte um die türkische Blockade hysterisch. In Wirklichkeit dürften sich viele Österreicher_innen freuen, wenn die umstrittene „NATO-Mitgliedschaft Light“ durch die PfP ins Stocken gerät. (cm)
Mali: Tiger aus Fritzlar
(17. März 2017)Am 26. Januar verlängerete und erweiterte der Bundestag den MINUSMA-Einsatz der Bundeswehr in Mali, bereits am nächsten Tag wurden die ersten Transporthubschrauber NH90 von Leizig ins Einsatzland verlegt. Nun folgen die Kampfhubschrauber vom Typ Tiger aus dem hessischen Fritzlar. Dort wurden die Kampfhubschrauber am gestrigen Donnerstag auf Lastwägen verlegt, um auf der Strasse nach Leipzig transportiert und von dort nach Mali verlegt zu werden, wie die Frankfurter Neue Presse berichtet. Insgesamt wurde der Einsatz um 4 Kampf- und 4 Transporthubschrauber und 350 zusätzliche Kräfte erweitert, darunter die Besatzungen der Hubschrauber und zusätzliche Sicherungskräfte.
Wie die Flug Revue berichtet, kamen die Transporthubschrauber NH90 bereits zum Einsatz, nachdem „ein Bombenanschlag auf einen zivilen Tanklastwagen von MINUSMA … rund 150 Kilometer nördlich von Gao“ stattgefunden hatte. „Dabei wurden zwei für MINUSMA arbeitende Zivilisten (Fahrer und Beifahrer) des Fahrzeugs schwer verletzt“ und von der Bundeswehr evakuiert.
Türkei: Rheinmetall-Panzer
(16. März 2017)Recherchen des Stern zufolge will der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall in der Türkei Panzer bauen: „Der Rüstungskonzern Rheinmetall will in der Türkei des Recep Tayyip Erdogan mit einheimischen Partnern Panzer produzieren und treibt gerade jetzt die Vorbereitungen voran. [B]ei Rheinmetall glaubt man einen Weg gefunden zu haben, wie man der lästigen Genehmigungspflicht entkommt: Man lässt die nötige Technologie in der Türkei neu entwickeln, mit Hilfe von dorthin entsandten Experten.“ (jw)
KSK: Erweiterung
(16. März 2017)Der Schwarzwälder Bote berichtet, dass das Kommando Spezialkräfte zukünftig auch einen nahegelegenen Flugplatz nutzen will: „Bisher war der Name Calw mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) verbunden. Jetzt könnten die Namen Nagold und Haiterbach dazukommen. Denn ein Flugplatz zwischen den beiden Kommunen soll in Zukunft als Absprunggelände für die Elitekämpfer genutzt werden.“ (tp/jw)
Mehr Temporäre Schlachtfelder
(16. März 2017)„Temporäre Schlachtfelder“ lautet der Fachbegriff, mit dem bereits unter US-Präsident Barack Obama Kriegsgebiete ausgewiesen wurden, in denen die USA vor allem Luftschläge und Spezialeinsätze durchführten. Laut Guardian (via Bpb-Newsletter) sollen diese Schauplätze nun unter Donald Trump ausgeweitet werden: „Donald Trump’s administration is considering a military proposal that would designate various undeclared battlefields worldwide to be “temporary areas of active hostility”, the Guardian has learned. If approved, the Pentagon-proposed measure would give military commanders the same latitude to launch strikes, raids and campaigns against enemy forces for up to six months that they possess in Iraq, Afghanistan and Syria.“ (jw)
Nordkorea: US-Cyberangriffe
(16. März 2017)Schon vor einigen Tagen berichtete die New York Times über ein US-Cyberangriffsprogramm gegen Nordkorea: „Three years ago, President Barack Obama ordered Pentagon officials to step up their cyber and electronic strikes against North Korea’s missile program in hopes of sabotaging test launches in their opening seconds.“ (jw)
Ramstein: Ausbau
(15. März 2017)Der US-Militärflughafen Ramstein (Rheinland-Pfalz) soll Berichten zufolge noch einmal erheblich ausgebaut werden: „Der Bürgermeister von Ramstein, Ralf Hechler (CDU), bestätigte gegenüber dem SWR einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung ‚Die Rheinpfalz‘. Demnach sollen bis Ende 2019 rund 750 Militärangehörige nach Ramstein verlegt werden. Außerdem sollen 15 zusätzliche Tankflugzeuge auf der Airbase stationiert werden. Sie kommen von einem US-Militärstützpunkt in Großbritannien, der 2020 schließt.“ (tp/jw)
Südkorea: US-Drohnen
(15. März 2017)Der Faz (via Bpb-Newsletter) zufolge planen die USA die Stationierung von Drohnen in Südkorea (und anderso): „Eine Armeeeinheit und ‚zwei bis drei‘ unbemannte Flugzeuge vom Typ MQ-1C Gray Eagle sollen bis Anfang nächsten Jahres auf dem Luftwaffenstützpunkt Kunsan stationiert werden, kündigte das amerikanische Verteidigungsministerium am Montag an. Dadurch würden die Kapazitäten ‚zur Überwachung und Aufklärung‘ der dort stationierten Truppen sowie der südkoreanischen Verbündeten gestärkt. Die Pläne zur permanenten Stationierung von Kampfdrohnen seien nicht auf Südkorea begrenzt, betonte ein Pentagonsprecher. Auch in anderen Ländern sei dies vorgesehen.“ (jw)
NDR Info zu Mali
(14. März 2017)Die aktuelle Ausgabe der Sendung „Streitkräfte und Strategien“ von NDR Info (11.03.2017) umfasst auch einen Beitrag zu Mali, der ebenso wie kürzlich die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ein düsteres Bild von der Sicherheitslage in Mali zeichnet. Dies gelte insbesondere auch für und insbesondere in Gao, wo neben der Bundeswehr zahlreiche weitere Armeen Stützpunkte unterhalten: „Überfälle, Diebstähle, Drogen-Kriminalität. Milizen behaupten, die Bevölkerung verteidigen zu wollen, weil der Staat es nicht könne. Sie besorgen sich Waffen. Wie sie sich finanzieren ist kaum nachzuvollziehen. Aber die Grenzen zwischen Milizen, Drogen-Banden und Dschihadisten sind fließend.“ Auch in anderen Teilen Malis würden zunehmend Milizen die Kontrolle übernehmen. Das Fazit des Beitrags: „Der Friedensprozess, diese viel beschworene politische Lösung, kommt nicht voran. In Mali nimmt stattdessen die soziale Unruhe, die Wut auf die Regierung und die Unsicherheit immer weiter zu“. (cm)
Grafenwöhr: Artillerieübung
(14. März 2017)Unter Leitung der US-Army beteiligten sich 600 Kräfte des Artilleriebataillons 131 aus Weiden in der Oberpfalz gemeinsam mit Einheiten aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Litauen, Rumänien, Tschechien und der Türkei an einer Übung in Grafenwöhr, bei der der multinationale Einsatz von Artillerie im Mittelpunkt stand. Hintergrund sei das „Sicherheitsumfeld“ in Europa, das sich in den letzten Jahren „stark gewandelt“ habe, wodurch die „Artillerie wieder an Bedeutung“ gewinne.
Zentrales Element war die vernetzung der verschiedenen Artilleriesysteme und ihre gemeinsame Koordination von den USA aus, wie nordbayern.de berichtet: „Für die Zusammenarbeit wurde eine neue Software, das Artillery Systems Cooperation Activities (ASCA), verwendet. ASCA ermöglicht es den Teilnehmern, digital miteinander zu kommunizieren, indem die verschiedenen Systeme verbunden werden. Damit wird ein gemeinsames Lagebild von der Korpsebene bis zur „Schießenden Batterie“ geschaffen. Für Dynamic Front II wurden auch die Stützpunkte Ramstein in Rheinland-Pfalz, Otterburn in Großbritannien und Fort Bragg in den USA digital eingebunden.“
Deutschland: Rücksichtslos
(14. März 2017)Der i.d.R. keineswegs sonderlich deutschlandkritische Journalist Walter Russel Mead meldet sich im American Interest mit einem ungewöhnlich scharfen Verriss der deutschen Ostpolitik zu Wort: „The German establishment is not really aware of how ruthlessly, if unconsciously, nationalist German policy has actually become. Germany’s vision of the future of Eastern Europe, in which it passes from an era of Russian dominance to an era of integration into a German-dominated European order, isn’t just a vision of the rule of law spreading eastward. It is also, and especially from Russia’s point of view, a shift in power — in which Russia abandons its attempt to recover the power lost with the breakup of the Soviet Union and Germany consolidates its position as the leading state of Europe from the Urals to the Atlantic.“ (jw)
Eckwerte: Weiter Steigend!
(14. März 2017)In den Eckwerten vom März 2016 sah das Finanzministerium noch Ausgaben von 39,177 Mrd. Euro für das Jahr 2020 vor. Im aktuellen Plan wird – einmal mehr – substantiell hierüber hinausgegangen. So schreibt die DPA: „Die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2018 sehen eine Steigerung von 37 auf 42,3 Milliarden Euro bis 2021 vor – ein Plus von durchschnittlich vier Prozent pro Jahr.“ (tp/jw)
Bad Tölz: Brief gegen Toy Drop
(13. März 2017)Die Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen wendet sich mit Fragen bezüglich des von der Bundeswehr im Dezember 2016 durchgeführten „Toy-Drop“ in einem Brief an den Bürgermeister von Kochel am See. Bei dem Toy Drop handelt es sich um eine Operation der Fallschrimspringer, die mit Spielzeug in diesem Fall in einem Kindergarten landeten und diese an die Kinder verteilten. Auf der Bundesheer-Seite wurde angekündigt, dass dies in Jahr 2017 erneut stattfinden soll – dagegen wehrt sich die Friedensinitiative und fordet den Bürgermeister Holz auf, dies nicht erneut zuzulassen. U.a. verstösse dies gegen den „UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes“, welcher im Januar 2014 der Bundesregierung empfahl, „‚das Mindestalter der Rekrutierung für die Streitkräfte auf 18 Jahre‘ festzulegen und ‚alle Formen von Werbekampagnen für die deutschen Streitkräfte, die auf Kinder abzielen‘, zu verbieten“.(ja)
Schweden Wehrpflicht
(13. März 2017)Die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Schweden ist laut War is Boring (via Bpb-Newsletter) auch das Ergebnis, dass sich kaum junge Menschen für den Dienst an der Waffe hätten entscheiden wollen: „The inquiry found that only 2,500 of the 4,000 needed training slots had been filled in 2015 and that recruitment would need to increase 47 percent starting in 2017 to fulfill the needed expectation of employed soldiers and officers.“ (jw)
Schweiz: Neutral?
(13. März 2017)Die BZ aus Basel berichtet, wie die Schweizer Neutralität unterlaufen wird: „Bei einem bewaffneten Angriff verteidigt sich die Schweiz als neutrales Land strikt autonom – dachte man bisher. […] Das Verteidigungsdepartement ritzt den Grundsatz der autonomen Verteidigung: Bei einem Angriff sollen die Luftstreitkräfte mit Drittstaaten und Militärallianzen kooperieren.“ (jw)
Hensoldt: Quellen
(10. März 2017)Der Verkauf der Elektronik-Sparte des Rüstungskonzerns Airbus Defence and Space an die US-amerikanische Aktiengesellschaft KKR ist unter Dach und Fach. Betroffen sind v.a. jene Unternehmensteile, die zuvor in der Sparte Airbus DS Electronics and Border Security GmbH zusammengefasst waren und zukünftig unter dem Firmannamen Hensoldt fungieren. Welt.de fasst zusammen: „Airbus hat seine in Deutschland ansässige Verteidigungselektronik-Sparte an die Investmentfirma KKR verkauft – davon sind auch Standorte im Südwesten betroffen. Es handle sich dabei um Ulm mit rund 2000 Mitarbeitern, Oberkochen (Ostalbkreis) mit etwa 450 Mitarbeitern und Friedrichshafen am Bodensee mit rund 400 Mitarbeitern.“ Zu den einzelnen Standorten lassen sich genauere Informationen finden, so nennt ein älterer Beitrag der Augsburger Allgemeinen verschiedene Betriebe in und um Ulm, die vom Verkauf betroffen sind. Die Initiative Waffen vom Bodensee hat ebenfalls bereits Informationen zu Hensoldt zusammengretragen, demnach wird das Airbus-Werk in Immenstaad bei Friedrichshafen wohl als solches erhalten, während diejenigen Mitarbeiter, die zukünftig bei Hensoldt beschäftigt sind, bereits in ein neues Werk umgezogen sind.
Penzing: Konversion gestoppt
(10. März 2017)Die Augsburger Allgemeine Zeitung berichtet, dass der vorgesehene Verkauf des Fliegerhorst Penzings 60 km westlich von München an die anliegenden Gemeinden Penzing und Landsberg (Lech) gestoppt wurde. Grund sei „die neue sicherheitspolitische Lage“, so der Kommodore des bislang dort stationierten Lufttransportgeschwaders 61. Dieses soll weiterhin bis Ende 2017 aufgelöst werden, danach aber keine Konversion des Geländes mehr stattfinden. Stattdessen solle es „in den Status einer Stillstandswartung versetzt“ werden. „Das bedeutet, die Funktionen der Liegenschaft werden zurückgefahren, aber nur so weit, dass eine schnelle Reaktivierung und Belebung jederzeit möglich bleibt“, so die Augsburger Allgemeine. Genaueres zur weiteren Planung könnte jedoch einer „Neukonzeption der Bundeswehr“ zu entnehmen sein, „an der momentan unter Hochdruck gearbeitet werde“ und die womöglich gegen Mitte des Jahres veröffentlicht werde. (cm)
Stuttgart: Protest gegen v.d.Leyen
(9. März 2017)Gestern protestierten rund 50 Kriegsgegner_innen vor der Stuttgarter Liederhallde gegen Bundesverteidigungsministerin von Leyens Auftritt unter dem Motto „Mit der Bundeswehr in die Offensive – warum?“ im Rahmens eines von den Stuttgarter Nachrichten organisierten Podiumsgespräch. Von der Leyen nutze diese Gelegeneheit, um Werbung für die personelle und finanzielle Aufstockung der Bundeswehr zu machen. Ein Artikel mit weiteren Informationen ist auf der Website des Offenen Treffens gegen Krieg und Militär (OTKM) Stuttgart zu finden. (ja)
Südsudan: Hungersnot
(9. März 2017)Im Südsudan seien etwa 100.000 Menschen unmittelbar vom Hungertod bedroht, eine akute Hungersnot drohe etwa einer Mio. Menschen und 5.5 Mio. Menschen seien bald von Nahrungshilfen abhängig, so der UN News Centre anlässlich eines Besuches des UN-Nothilfekoordinators Stephen O’Brien im Südsudan am 4. März 2017. Die Hungersnot ist unmittelbare Folge des Bürgerkriegs im Südsudan, der sich immer mehr zu einem Vernichtungskrieg der Armee des amtierenden Präsidenten Salva Kiir gegen ethnische Minderheiten entwickelt, die entsprechend am meisten von der Hungersnot betroffen sind.
In diesem Kontext ist eine Reportage von IRINNews lesenswert, die an verschiedenen Beispielen darstellt, wie auch die humanitäre Hilfe und die Aktivitäten der UN-Mission UNMISS die Politik der Segregation und Vertreibung unterstützen. (cm)
Tür an Tür: DLR und BW
(8. März 2017)Zukünftig wird die Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Luftwaffe (um genau zu sein dem Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin) am DLR-Standort Köln zunehmen. Gemeinsam soll mehr geforscht („im Hinblick auf Verkehr, Luftfahrt, Raumfahrt und Sicherheitsforschung“) und kooperiert werden und „die vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden“. Am 6. März 2017 erfolgte der erste Spatenstich für ein dazu geplantes neues Gebäude der Luftwaffe auf dem Gelände des DLR – fertiggestellt werden soll das rund 61,5 Millionen Euro teure Gebäude (finanziert vom Bundesministerium für Finanzen und Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) bis 2020. Ministerialdirektorin im Bundesministerium der Verteidigung, Alice Greyer-Wieninger, betonte:“Mit dem Bau dieses neuen Gebäudes stellt sich für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation ein: Neben der fachlichen Kooperation des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe und des Institutes für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR werden mit dem Bau des Gebäudes 22a wesentliche Synergien durch die gemeinsame Nutzung zur Verfügung gestellter Infrastruktur erzielt: Die Arbeit Tür an Tür wird den gegenseitigen Austausch vereinfachen.“ (ja)
DAV: GETEX „überzogen“
(8. März 2017)
Schweden: Wehrpflicht reloaded
(8. März 2017)Schweden führt die Wehrpflicht wieder ein, um die Sollstärke des Militärs zu erreichen, berichtet heise.de. Seit 2010 wurde die Wehrpflicht abgeschafft, doch der mangelnde Rekrutierungserfolg der Freiwilligenarmee haben dazu geführt, dass die schwedische Regierung dieses Jahr 13.000 von etwa 50.000 Frauen und Männer gleichermaßen mustert – 4.000 sollen schlussendlich jährlich eingezogen werden. Zusätzlich ist eine Steigerung der Verteidigungsausgaben um 2,2 Prozent pro Jahr bis 2020 geplant. Erklärt wird die Wiedereinführung der Wehrpflicht (zudem genderneutral) mit der Sicherheitslage und der Bedrohung durch Russland. Damit rutscht Schweden weiter in die Aufrüstungsspirale am Baltikum. (ja)
Technik gegen Terror
(8. März 2017)Die Sendung „Forschung Aktuell“ des Deutschlandfunks hat eine neue Sendereihe unter dem Titel „Technik gegen Terror“ angekündigt, die am 6. März startete. Zur Eröffung veröffentlichte der Deutschlandfunk ein Interview mit dem Redakteur Ralf Krauter, das bereits im Antext eine kritische, „differenzierte“ Bilanz ankündigt. Ein Blick auf das Themenportal mit allen bisher erstellten Beirtägen enttäuscht entsprechende Hoffnungen jedoch schnell. Bereits im Interview mit dem Redakteur wird deutlich, dass sich die Kritik weitgehend darauf reduziert, dass die umfangreichen Forschungsmittel eben nur „manchmal zu marktreifen Produkten“ führen, die dann tatsächlich zur Anwendung kommen. Ähnlich eng geführt wird die „differenzierte“ Betrachtung im Interview mit Jürgen Beyerer, Leiter des Fraunhofer IOSB, das am 7. März ausgestrahlt wurde. Auch hier besteht die kritische Nachfrage darin, dass „sagen wir mal, bei maximal zwei bis drei von zehn Projekten nach Jahren der Entwicklung dann wirklich was Greifbares rausgekommen ist“ und die Diskussion kreist lose um die Frage, „ob uns die Sicherheitsforschung ein sichereres Leben beschert hat“ oder nicht. Tatsächlich hat die Informationsstelle Militarisierung kürzlich eine ausführliche Studie über das Fraunhofer IOSB veröffentlicht, in der nachgewiesen wird, dass hinter der dort betriebenen „Sicherheitsforschung“ primär militärische Interesse standen und die konkret behandelten Fragestellungen hatten auch weniger mit dem Terror, als der Feinderkennung in Afghanistan oder der Detektion illegalisierter Migration auf dem Mittelmeer zu tun. Die Engführung auf technische Herangehensweisen und die Frage nach marktreifen Produkten verschleiert hier den Charakter der Sicherheitsforschung, anstatt einen differenzierten Blick zu ermöglichen. Sonst müsste schon eine zentrale Prämisse der Serie in Frage gestellt werden: Dass die beteiligten „Forscher [uns] vor Anschlägen schützen“ wollen. Hierzu wäre ein Engagement gegen die Beteiligung der Bundeswehr an den Kriegen in Afghanistan, Syrien, Irak, Mali usw. womöglich zielführender – würde aber eben nicht mit Zugang zu umfangreichen Forschungsmitteln belohnt. (cm)
Triton für 2025
(7. März 2017)Laut Süddeutscher Zeitung hat der Generalinspekteur Volker Wieker den Entschluss gefasst, dass die Bundeswehr die Großdrohne MQ-4C Triton des amerikanischen Rüstungskonzern Northrop Grummam anschaffen soll. Die Entscheidung war eigentlich für den Herbst 2016 angekündigt gewesen. Anders als noch bei dem gescheiterten Euro Hawk Projekt, soll hier die US Navy Ansprechpartner gewesen sein und nicht die Herstellerfirma. Die US Navy war freigiebiger mit der Dokumentation über die Drohne. Eine „Zulassungs- und Nutzbarkeitsprognose“ der Bundeswehrplaner war Ende 2016 positiv.
Da die Drohne Euro Hawk keine Zulassung erhalten hatte, war das Projekt 2013 gestoppt worden. Für das Aufklärungssystem „Integrated SIGINT-System“, kurz ISIS, welches für den Einsatz in der Euro Hawk entwickelt wurde, gab es seitdem keine geeignete Trägerplattform. Als diese soll nun die Drohne Triton dienen. Einsatzfähig soll sie ab 2025 sein, zu diesem Zeitpunkt soll auch die Europäische Drohne (siehe dazu IMI-Studie 2016/01) einsatzbereit sein.
Im Artikel der Süddeutschen heißt es zudem, dass keine Erprobung des Überwachungssystems ISIS an der Euro Hawk mehr nötig sei. Anderslautende Berichte gab es im Februar dieses Jahres noch im Spiegel, in dem von Mehrkosten von 150 Mio. € für Testflüge und zusätzlichen 500 Mio. € für die vollständige Entwicklung von ISIS die Rede war.
EU-Militär-Hauptquartier
(7. März 2017)Laut Tagesschau erfolgte der erste Schritt von Seiten der EU-Außen- und Verteidigungsminister in Richtung Schaffung eines EU-Militär-Hauptquartiers für EU-Auslandsmissionen. Bereits im September 2016 wurde die Forderung nach einem militärischen Hauptquartier der EU im Rahmen des Bratislava-Treffens laut (siehe IMI-Analyse 2016/34). Innerhalb eines Monats soll das Hauptquartier in Brüssel funktionsfähig sein und zunächst die Zuständigkeiten für die EU-Ausbildungseinsätze ohne Waffeneinsatz in Mali, Somalia und Zentralafrika bündeln. Es solle zudem offiziell „Militärische Planungs- und Führungsfähigkeit“ genannt werden, „[a]uch um die Briten nicht zu verstören“. Zu einer Europäischen Armee werde es laut EU-Kommissar Günther Oettinger „in Europa in den nächsten zehn Jahren nicht […] kommen. Aber zu einer europäischen Verteidigungs-Strategie“. (ja)
Bergen: US-Stationierung?
(6. März 2017)Mit dem Abzug der britischen Armee 2015 hätte für den Truppenübungsplatz Bergen im Süden der Lüneburger Heide die Möglichkeit einer zivilen Nachnutzung bestanden, die jedoch die Bundeswehr zu vermeiden gesucht und gewusst hat. Zunächst wurde hier das Panzerbataillon 414 stationiert und häufige gemeinsame Übungen mit den Niederlanden, Belgien, Großbritannien durchgeführt. Geübt werden kann hier u.a. aufgrund der Größe – Bergen zählt zu den größten Truppenübungsplätzen in Europa – auch mit großem Kaliber und der Einsatz von Luft-Boden-Geschossen, außerdem werde hier zunehmend der Einsatz von umbemannten Flugzeugen trainiert, so u.a. die Epoch Times Deutschland.
Diese berichtet aktuell auch, dass „die US-Streitkräfte die Stationierung von ca. 4.000 Soldaten auf dem Nato-Truppenübungsplatz Lüneburger Heide in der Nähe von Bergen/Celle“ erwägen würden und bereits ein Erkundungsteam vor Ort gewesen sei, um die Möglichkeiten zu prüfen. Unterstützt werden diese Pläne offenbar von Henning Otte, mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages und Abgeordneter der CDU aus dem Wahlkreis Celle/Uelzen. (cm)
Proteste gegen GETEX
(6. März 2017)Ab morgen, dem 7.3.2017, beginnt in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern die „Gemeinsame Terror-Abwehr Exercise“ GETEX, die erste offizielle Übung, die den gemeinsamen Einsatz von Polizei und Bundeswehr auch mit exekutiven Befugnissen im Inland vorbereiten soll. Während der Bundesinnenminister sich von der Notwendigkeit einer solchen Übung überzeugt zeigt, äußert u.a. der Bürgerrechtler Rolf Gössner im Weser Kurier scharfe Kritik. Das Bremer Friedensforum und der bremer Landesverband der LINKEN haben in Bremen für den 7. März um 16:00 Uhr zu einer Kundgebung gegen die Übung vor der Polizeiwache aufgerufen.
Auch in Bad Canstatt bei Stuttgart werden Proteste gegen die gemeinsame Übung stattfinden, ebenfalls am 7. März, um 17:30 vor der Theodor-Heuss-Kaserne an der Kreuzung Nürnbergerstr./Beskidenstr. (cm)
Daesh: 200 Drohneneinsätze
(6. März 2017)Das Armarment Research Services (ARES), eine Beraterfirma, die Regierungen und NGOs berät, geht durch Interviews und der Auswertung von Fotos davon aus, dass Daesh mindestens 200 bewaffnete Angriffe mit Drohnen in Syrien und Irak im Februar 2017 durchgeführt hat (aus Mangel eines Artikels wird hier auf einen Tweet von ARES verlinkt). Meistens handelt es sich dabei um kleinere Drohnen, die leicht modifiziert werden, um improvisierte Sprengsätze aus der Luft abzuwerfen.
Auf Bellingcat wurde kürzlich eine ausführliche Bildanalyse veröffentlicht, sie kommt zu dem Schluss: „This kind of capability has the potential to have a significant effect on the soldiers fighting IS on the ground, who must now be fully aware of the air as well as ground threat. However, anti-IS forces are certainly aware of this threat, and anti-drone weapons are starting to be seen in theatre. The modifications we have documented do not appear to be particularly advanced or difficult to achieve, although IS does appear to be adept at producing their own weapons and munitions. This demonstrates that the proliferation of small, armed drones is not a futuristic problem, but rather has simply become another part of the modern battlefield.“
Hier eine kleine Auswahl an weiteren Artikeln zu dem Thema: SpiegelPlus (kostenpflichtig), Telepolis, The Telegraph, New York Times und ein Artikel aus dem letzten Jahr aus Foreign Policy. (Mae)
Kritik an al-Sisi
(2. März 2017)Anlässlich der Ägypten-Reise von Angela Merkel, bei der es v.a. um die Bekämpfung der illegalisierten Migration, aber auch die Zusammenarbeit im „Krieg gegen den Terror“ gehen wird, forderte Amnesty International die Bundeskanzlerin in einer Pressemitteilung auf, kritisch zur Menschenrechtslage in Ägypten Stellung zu nehmen. In der Erklärung heißt es u.a.: „Zivilgesellschaft, Medien und die politische Opposition leiden zunehmend unter staatlichen Repressionen, die oftmals unter dem Deckmantel des sogenannten Kampfes gegen den Terrorismus stattfinden. Die Bundesregierung sollte deutlich machen, dass eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit Deutschland nur möglich ist, wenn die Menschenrechte geachtet werden“.
Rheinmetall: fette Gewinne
(2. März 2017)„Das boomende Geschäft mit Rüstungsgütern hat dem Düsseldorfer Unternehmen Rheinmetall 2016 deutlich mehr Gewinn beschert“, so Spiegel-Online über das Unternehmen. Demnach sei allein in der Rüstungssparte der Umasatz zuletzt um 300 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro gestiegen. Nun wolle das Unternehmen sogar expandieren: „Ende vergangenen Jahres verkündete der Konzern die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit der amerikanischen Firma Day & Zimmermann. Ziel der Kooperation ist, Munition für den US-Markt herzustellen.“
Weißbuch: Zukunft EUropas
(1. März 2017)Heute veröffentlichte die EU-Kommission ein „Weißbuch zur Zukunft Europas“. In ihm werden fünf mögliche Entwicklungsszenarien für die Union präsentiert – von einem losen Zusammenschluss bis hin zu einer Art „Vereinigte Staaten von Europa“. In den kommenden Monaten sollen Präferenzen und das weitere Vorgehen ausgelotet werden. Auffällig am Rande ist in dem Papier, dass die Kommission von einer Verdopplung der Weltrüstungsausgaben innerhalb der nächsten 30 Jahre ausgeht. (jw)
Trump-Rede: „Kapitel amerikanischer Größe“
(1. März 2017)Der neue US-Präsident Donald Trump hielt seine erste Rede vor dem US-Kongress. Darin forderte er, die „Zeit des kleinen Denkens“ müsse vorbei sein, kündigte eine große Steuerreform an (ohne allzu viele Details zu nennen) und Kündigte eine „Überabreitung“ (sprich: Verwässerung) der unter seinem Vorgänger eingeführten Gesundheitsversorgung an. Zu den Diskssionen um eine „fairere“ Lastenverteilung innerhalb der NATO äußerte er sich der Rheinischen Post zufolge überaus zufrieden: „Wir unterstützen die Nato stark“, sagte Trump. Er habe eine Ansage gemacht, dass die Verbündeten mehr Geld in die Hand nehmen müssten: „Und nun – dank unserer intensiven und offenen Diskussion – fangen sie damit an, das zu tun. In der Tat strömt das Geld gerade herein.“ (jw)
Anti-Iranische Golf-NATO?
(28. Februar 2017)Spiegel Online zufolge schlägt Israel die Gründung eines NATO-ähnlichen Bündnisses mit anderen Golfstaaten vor, das sich gegen den Iran richten soll: „Israel, Saudi-Arabien und andere Golfstaaten haben nach Ansicht der israelischen Regierung einen gemeinsamen Feind: Iran. Minister Lieberman bringt nun ein Bündnis nach dem Vorbild der Nato ins Gespräch.“ (jw)
IS: US-Schlachtplan
(28. Februar 2017)Schon vor einiger Zeit wies der neue US-Präsident Donald Trump das Pentagon an, neue Pläne zur Bekämpfung des „Islamischen Staats“ auszuarbeiten. Ein Plan mit mehreren Optionen wurde CNN zufolge nun übergeben, wobei genaue Details noch unbekannt seien. Er enthalte aber in jedem Fall auch die Möglichkeit, Bodentruppen zu entsenden: „Details of the new ISIS plan were not immediately available. But CNN learned earlier this month that the possibility of sending conventional ground combat forces into northern Syria for the first time could be among the options presented. US officials emphasized that any American troops put into Syria would not be in direct combat, but would provide combat support such as artillery units.” (jw)
Überparteiliche Strategie
(28. Februar 2017)Wie schon mit dem Bericht „Extending American Power“ der Denkfabrik „Center for a New American Security“ (siehe IMI-Studie 2016/09) versucht sich nun auch die „Brookings Institution“ an einem überparteilichen Bericht, der darauf abzielt, die angekratzte US-Machtposition auszubauen oder wenigstens zu erhalten. „Building “Situations of Strength” nennt sich das Machwerk, an dem so bekannte Namen wie Michèle Flournoy und Martin Indyk (Demokraten) oder auch Robert Kagan und Eric Edelman mitgewirkt haben: „The United States must adjust its strategy to account for the fact that the world is more geopolitically competitive […]. One of the U.S. administration’s strategic objectives must be to create a new and favorable equilibrium across all these regions and domains. “ (jw)
US-Budget: Anstieg
(27. Februar 2017)US-Präsident Donald Trump wiederholte laut Antiwar.com jetzt noch einmal sein Versprechen aus dem Wahlkampf, den US-Militärhaushalt stark anzuheben. Das Geld werde wohl aus den Umwelt- und Außenbudgets kommen: „The expectation is that the EPA and State Department will be asked to shave tens of billions off their budgets, but given the massive size of the Pentagon’s existing budget, anything qualifying as a “sharp increase” seems like it’s going to involve a lot more money than that.” UPDATE: Unter Berufung auf die Washington Post berichtet Augengeradeaus, eine konkrete Zahl, 54 Milliarden Dollar, für den geplanten Aufwuchs des Rüstungsbudgets: „Der US-Verteidigungshaushalt, ohnehin schon der größte weltweit, soll um etwa zehn Prozent steigen; dafür werden Ausgaben im Inland und die Entwicklungshilfe gekürzt.“ (jw)
USA: Atomare Aufrüstung
(24. Februar 2017)Jetzt tritt genau das ein, was von vorneherein das Problem mit dem „New Start“ genannten nuklearen Abrüstungsvertrag zwischen Russland und den USA gewesen ist. Er verpflichtete zwar zu einer – relativ – umfangreichen Abrüstung der Atomwaffenarsenale, bei den Sprengköpfen von 2.200 auf je 1.550 und bei der Anzahl der Trägersysteme von 1.600 auf 800. Allerdings enthält er keine Regelung, dass diese Beschränkungen auch nach 2021 in Kraft bleiben müssen, eine neuerliche Aufrüstung und eine Rüstungsspirale sind dadurch also nicht ausgeschlossen (siehe IMI-Studie 2016/07). Und genau das hat nun US-Präsident Donald Trump auch angekündigt, indem er „New START“ dem Handelsblatt zufolge als „ein weiteres schlechtes Geschäft“ bezeichnete und den Anspruch der USA auf die nukleare Vormachtstellung untermauerte: „Es wäre wunderbar, es wäre ein Traum, wenn kein Staat Atomwaffen hätte“, sagte Trump. „Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen.“ (jw)
Rüstungsindustrie: Nächste Anklage
(23. Februar 2017)Nachdem gestern Anklage gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des Panzerbauers KMW erhoben wurde (siehe IMI-Aktuell 2017/114), sind heutigen Berichten zufolge jetzt fünf Mitarbeiter des deutschen Rüstungsriesen Rheinmetall dran: „Gegen fünf ehemalige Manager der Rüstungsfirma Rheinmetall Defense Electronics hat die Bremer Staatsanwaltschaft einem Medienbericht zufolge Anklage wegen Bestechung erhoben. Vier deutsche und ein griechischer Ex-Mitarbeiter sollen zwischen 1998 und 2011 insgesamt 3,3 Millionen Euro an griechische Amtsträger bezahlt haben, um den Auftrag für ein Flugabwehrsystem zu bekommen.“ (jw)
Wehrpflicht: Reaktivierung?
(23. Februar 2017)Angesichts der Pläne, die Bundeswehr wieder auf 200.000 Soldaten aufzustocken (siehe IMI-Aktuell 2017/111) und vor dem Hintergrund der massiven Rekrutierungsprobleme (siehe IMI-Studie 2017/01) bringt der Reservistenverband laut Bild eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ins Spiel: „Verbandspräsident Oswin Veith (55) sprach sich gegenüber der ‚Heilbronner Stimme‘ für die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht aus. Dabei könnten junge Menschen zwischen Wehr- und Ersatzdienst – etwa in der Entwicklungsarbeit oder bei der Feuerwehr – wählen. ‚Was uns dabei wichtig ist: Es muss ein Modell sein, das für Frauen und Männer sämtlicher Gesellschaftsschichten gilt. Alles andere wäre nicht gerecht‘, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete.“ (jw)
KMW: Angeklagt
(22. Februar 2017)Laut Tagesschau erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Aufsichtsratschef des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann. In die Affaire sollen auch zwei ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete verstrickt sein: „Die Staatsanwaltschaft München hat mit Manfred Bode einen der mächtigsten Rüstungsindustriellen Deutschlands angeklagt. Sie beschuldigt nach Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ den 75-Jährigen, in Steuererklärungen des Panzer-Herstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) Schmiergelder als steuermindernde Betriebsausgaben veranschlagt zu haben. […] Im Zuge dieses Geschäfts soll KMW zwischen den Jahren 2000 und 2005 Honorare von mehr als fünf Millionen Euro an ein „Büro für Südeuropaberatung“ gezahlt haben – eine Firma, die 2006 wieder aufgelöst wurde und den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Luuk und Heinz-Alfred Steiner gehörte. Luuk war damals Griechenland-Expertin ihrer Partei, Steiner Rüstungsexperte.“ (jw)
Mehr Rüstung, weniger Soziales
(22. Februar 2017)Während sein Chef, Finanzminister Schäuble, andeutete, Geld für drastische Erhöhungen der Rüstungsausgaben sei vorhanden und könne etwa bei den Integrationskosten für Geflüchtete locker gemacht werden (siehe IMI-Analyse 2017/03), ging sein Staatssekretär Jens Spahn im Bild-Interview in eine andere, aber ähnlich schlechte Richtung: „Etwas weniger die Sozialleistungen erhöhen in dem einen oder anderen Jahr – und mal etwas mehr auf Verteidigungsausgaben schauen.“ (jw)
Afghanistan: „Bewährte“ Praxis
(22. Februar 2017)Kanzleramtsminister Altmaier verteidigt im Deutschlandfunk die Abschiebungen nach Afghanistan: „Der CDU-Politiker sagte im Deutschlandfunk, er sehe überhaupt keinen Widerspruch darin, Menschen dorthin zurückzuführen, auch wenn das UNO-Flüchtlingshilfswerk davor warne.“ Schon am Tag zuvor plädierte Altmaier laut Zeit Online dafür, „Tunesien, Algerien und Marokko als sichere Herkunftsländer einzustufen“ und „Ausreisezentren“ einzurichten. (jw)
Bundeswehr: 200k
(22. Februar 2017)Augengeradeaus berichtet über Pläne, den Umfang der Bundeswehr wieder massiv aufzustocken: „Die Bundeswehr soll in den nächsten sieben Jahren von derzeit rund 178.000 Soldatinnen und Soldaten auf fast 200.000 Soldaten wachsen. Der so genannte Zielumfang der deutschen Streitkräfte soll sich bis zum Jahr 2024 auf insgesamt 198.000 Soldaten und rund 61.400 zivile Stellen erhöhen“. (jw)
Endlich schießen!
(21. Februar 2017)Spiegel Online berichtet, die US-Regierung würde nicht nur Druck auf mehr Rüstungsinvestitionen machen, sondern auch auf eine „robustere“ Unterstützung Deutschlands: „‘Trump will nicht nur mehr Geld von uns‘, sagte ein Bundeswehrgeneral, ‚wir sollen endlich auch schießen.‘ Der General erinnerte daran, dass schon die Obama-Regierung wiederholt auf eine aktive Rolle der Nato im Krieg gegen den IS gepocht habe. ‚Mit Trumps Truppe wird der Ton nun etwas schärfer‘, glaubt er.“ (jw)
Mossul: Westliche Spezialkräfte
(21. Februar 2017)An der aktuellen Großoffensive zur Eroberung der irakischen Stadt Mossul vom Islamischen Staat nehmen The Times (via Bpb-Newsletter) zufolge auch amerikanische und britische Spezialeinheiten teil: „SAS troops, with US Green Beret and Delta Force commandos, are embedded with Iraqi and Kurdish fighting units in a battle expected to last several months, to free 650,000 civilians. The forces of both countries are supposed to be limited to advisory and training roles, but have been dragged into combat.“ (jw)
Sicherheitsberater: Falke
(21. Februar 2017)Antiwar berichtet, der Nachfolger des zurückgetretenen Sicherheitsberaters von US-Präsident Donald Trump sei ein ausgewiesener Russland-Hardliner: „Earlier today, President Trump selected Gen. H.R. McMaster to be his National Security Advisor, replacing the short-lived Gen. Michael Flynn. Those breathing a sigh of relief that the rumored favorite John Bolton didn’t get the nod may want to hold that thought – and their breath. McMaster is not the man to guide President Trump toward better relations with Russia and less US interference in the internal affairs of others. In fact, he believes the opposite.“ UPDATE: Wirklich sehr schön“ bringt Spiegel Online die Sache auf den Pnukt: „Zusammengefasst: Nachdem sein Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn über geheime Verhandlungen mit Russland stolperte, ernennt Donald Trump als dessen Nachfolger den General Herbert Raymond „H.R.“ McMaster. Der gilt als Querdenker und Russland-Kritiker. Das Echo auf die Personalie ist positiv, sogar Trumps schärfster innerparteilicher Kritiker John McCain zeigt sich hochzufrieden.“ (jw)
Rüstungsausgaben: Skepsis
(20. Februar 2017)Die Welt berichtet darüber, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Erhöhung der Rüstungsausgaben ist: „Nur 32 Prozent der Befragten sprachen sich in einer Reuters vorliegenden Umfrage für die Zeitschrift ‚Internationale Politik‘ dafür aus, der Bundeswehr mehr Geld zu geben.“ Noch deutlicher fällt eine Emnid-Umfrage aus: „In einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage sprechen sich nur 25 Prozent der Befragten dafür aus, den deutschen Rüstungsetat auf Wunsch der USA zu erhöhen. 20 Prozent der Deutschen befürworten ein stärkeres militärisches Engagement der Bundeswehr. Die Mehrheit der Befragten will mit 60 Prozent weder höhere Rüstungsausgaben noch ein stärkeres militärisches Engagement Deutschlands.“ (tp/jw)
Afghanistan: Dreckiger Deal
(20. Februar 2017)Die Tagesschau berichtet über einen schmutzigen Deal, mit dem die EU beabsichtigt Afghanistan die Rücknahme abgelehnter Asylbewerber mit 1,2 Mrd. Euro jährlich zu „versüßen“: „Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz hat die Europäische Union mit Afghanistan einen Kooperationspakt geschlossen: Die EU verspricht dem Land Finanzhilfe, im Gegenzug soll Afghanistan unter anderem der Rücknahme abgelehnter Asylbewerber zustimmen.“ (tp/jw)
EU: Atomare Supermacht? (II)
(18. Februar 2017)Nach der Forderung von Jaroslaw Kaczynski, der Chef von Polens Regierungspartei, nach einer „Atommacht Europa“ (siehe IMI-Aktuell 2017/076) zeigte nsich die FAZ zunächst eher etwas reserviert (siehe IMI-Aktuell 2017/084). Nicht so dagegen Zeit Online, wo eine „ernsthafte“ Debatte darum eingefordert wird: „Muss Europa atomar aufrüsten, wenn Donald Trump den Nuklearschirm zuklappt? Worauf beruht Europas Abschreckung der Zukunft? Die Debatte ist nun eröffnet – und mit der Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende wird sie Fahrt aufnehmen. In Deutschland wird sie bisher verdrängt. […] [H]eute muss Europa womöglich Neues wagen: eine eigene Abschreckung.“(jw)
Syrien: Bodentruppen
(17. Februar 2017)Antiwar.com berichtet, der neue US-Vedrteidigungsminister James Mattis soll die Entsendung von US-Bodentruppen nach Syrien angekündigt haben, ohne dass allerdings bislang genauere Details bekannt wären: „ Following up on yesterday’s report that the Pentagon is likely to recommend a significant deployment of US ground troops to Syria by month’s end, Defense Secretary James Mattis confirmed that the US, as well as NATO as an alliance, are preparing to escalate the fight against ISIS in both Iraq and Syria.” (jw)
Schwarzes Meer: NATO-Präsenz
(17. Februar 2017)Die Pläne für eine permanente NATO-Präsenz im Schwarzen Meer, wie sie vor einiger Zeit u.a. in einer Studie des ehemaligen Chefs des strategischen NATO-Kommandos Operationen, James Jones, gefordert wurde, scheinen noch nicht beschlussreif zu sein. Als Überbrückung beschlossen die NATO-Verteidigungsminister aber nun bei ihrem jüngsten Treffen mehr Manöver. Über diese klar gegen Russland gerichteten Manöver schreibt Spiegel Online: „Die Nato will künftig im Schwarzen Meer häufiger Manöver stattfinden lassen. Das kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel an. […] Ein Nato-Vertreter, der anonym bleiben wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Ziel der verstärkten Präsenz sei unter anderem die Gewinnung von Geheimdiensterkenntnissen etwa zu den in der Region stationierten russischen Boden-Luft-Raketen.“ (jw)
Muskulöse Demokratie
(17. Februar 2017)Zur Einstimmung auf die am Wochenende stattfindende Münchner Sicherheitskonferenz bietet Spiegel Online dem britischen Historiker Anthony Glees eine Bühne, um sich seinem Ärger über Deutschland so richtig Luft machen zu können: „Deutschland eine muskulöse Demokratie werden. Es muss bei Weitem mehr Verantwortung für die physische Sicherheit Europas übernehmen, insbesondere in Osteuropa und im Mittelmeerraum. Bisher hat Deutschland vor allem in einer Hinsicht geführt: Bei der Missachtung von Europas Grenzen, indem es seine Türen für mehr als eine Million Flüchtlinge und Migranten geöffnet hat. […] Die pazifistische Ader der deutschen Politik ist ein Problem.“ (jw)
Königsbronn: Abgesagt
(16. Februar 2017)Am 17. Und 18. März hätte eigentlich das vom Reservistenverband organisierte „Sicherheitspolitische Forum Süd – Königsbronn“ stattfinden sollen. Das Forum, gegen das es in den letzten Jahren auch immer wieder Proteste gab, wurde nun laut einer Pressemitteilung des Reservistenverbandes aus „organisatorischen Gründen“ abgesagt. Näheres war bislang auch auf Nachfrage nicht zu erfahren. (jw)
Bundeswehr-Projekte
(16. Februar 2017)Beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister kündigte Ursula von der Leyen Spiegel Online zufolge mehrere Großprojekte an: „In Brüssel kündigte sie gleich mehrere Projekte an:
- eine deutsch-französische Lufttransport-Einheit, die ab dem Jahr 2021 entstehen soll,
- eine multinationale Flotte von Tankflugzeugen, an der Deutschland, die Niederlande, Luxemburg, Belgien und Norwegen beteiligt sein sollen,
- eine strukturierte Zusammenarbeit der Bundeswehr mit den Streitkräften von Tschechien und Rumänien mit gemeinsamer Ausbildung und ersten Übungen bereits in diesem Jahr, die Entwicklung und Beschaffung von U-Booten und Seezielflugkörpern gemeinsam mit Norwegen, die für eine Beteiligung weiterer Länder offen ist.“ (tp/jw)
US-Drohnen in Deutschland
(16. Februar 2017)Das Neue Deutschland berichtet über den Aufwuchs von US-Drohnen in Deutschland: “Offiziell haben die US-Streitkräfte 155 Drohnen, die zumeist für die Gefechtsfeldaufklärung eingesetzt werden, in Deutschland stationiert. Damit hat sich die Anzahl der unbemannten US-Fluggeräte seit 2014 verdoppelt. Diese Verstärkung steht im Zusammenhang mit der allgemeinen Wiederaufrüstung der US-Streitkräfte in Europa. Man plant, weitere Maschinen nach Deutschland zu bringen.“ (tp/jw)
Syrien: Uranmunition
(16. Februar 2017)Foreign Policy berichtet, die USA hätten 2015 Uranmunition in Syrien eingesetzt: „The United States Used Depleted Uranium in Syria. The airstrikes on oil trucks in Islamic State-controlled areas employed the toxic material, which has been accused of causing cancer and birth defects.” (jw)
Russland: Trumps neue Töne
(15. Februar 2017)Es hat nicht lange gedauert, bis der neue US-Präsident Donald Trump den Ton gegenüber Russland deutlich verschärfte. Spiegel Online berichtet von einer nun offiziellen US-Forderung, mit der ein Ende der Sanktionen und eine schnelle Annäherung in weite Ferne rücken: „Bisher hatte nur die neue Uno-Botschafterin der USA den Ton gegen Russland verschärft, jetzt kommt die Bestätigung durch den Präsidenten: Donald Trump fordere von Russland, dass es die Krim an die Ukraine zurückgibt. […] In Russland löste die Aussage Trumps ein breites Medienecho aus und sorgte für Empörung.“ (tp/jw)
Parlamentsbeteiligung: Vom Tisch
(15. Februar 2017)Der Tagesschau zufolge hat die Union den seit über einem Jahr eingebrachten Gesetzesentwurf für eine Neuregelung der Bundestags-Mitwirkungsrechte bei Auslandseinsätzen versenkt. Weshalb sie dies tat, leuchtet auf den ersten Blick nicht ein, da das Vorhaben es aus friedenspolitischer Sicht einiges an dem Vorhaben zu kritisieren gab (siehe IMI-Analyse 2015/23). Die Tagesschau nennt als Grund, dass der ohnehin schon problematische Gesetzesentwurf aus Unionssicht noch nicht weit genug ging: „Allerdings gab es vor allem unter Verteidigungspolitikern von CDU und CSU Stimmen, die das Gesetz ablehnten, weil sich die Union mit ihrer Maximalforderung nach Vorratsbeschlüssen für bestimmte Auslandseinsätze nicht durchsetzen konnte. Dabei ging es darum, alle Missionen unterhalb von Kampfeinsätzen vorab zu genehmigen – das Parlament hätte dann nur das Recht, die Soldaten nachträglich zurückzurufen.“ (tp/jw)
Drohnen: Datenbasis
(15. Februar 2017)Das “Center fro a New American Security” hat eine Webseite aufgestellt, die detaillierte Informationen über nahezu alle erdenklichen Drohnentypen liefert. (jw)
USA: Kriegserklärung ohne Waffen
(14. Februar 2017)Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz, wird der Ton zwischen den USA und der EU rauer. Angesichts Ankündigungen der US-Regierung, den Austritt weiterer Länder aus der EU zu begrüßen, hieß es umgehend aus Reihen der Konferenzleitung: “Wenige Tage vor der Münchner Sicherheitskonferenz hat deren Leiter Wolfgang Ischinger die neue US-Regierung vor einer Destabilisierung der Europäischen Union gewarnt. ‚Das wäre, ohne Waffen, eine Kriegserklärung‘, sagte Ischinger in Berlin.“ (tp/jw)
Flynn: Kurzes Gastspiel
(14. Februar 2017)Aufgrund scheinbar unerlaubter Kontakte zu Russland vor seinem Amtsantritt trat Michael Flynn, Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, heute Morgen zurück. Bei der FAZ heißt es dazu: „Völlig überraschend kam Flynns Rücktritt nicht. Zu groß war der Druck auf den früheren General geworden, der vor allem wegen eines Telefonats mit dem russischen Botschafter in Washington in die Kritik geraten war. In dem Gespräch, das im Dezember – also noch vor Trumps Regierungsübernahme – erfolgte, soll Flynn der russischen Führung signalisiert haben, dass die kurz zuvor von Präsident Obama verhängten Sanktionen bald aufgehoben werden könnten – obwohl ein Gesetz es Privatbürgern verbietet, Staatsangelegenheiten mit ausländischen Regierungen auszuhandeln.“ (tp/jw)
AWACS II
(14. Februar 2017)Berichten zufolge soll in Kürze über ein Nachfolgemodell der auch in Deutschland stationierten AWACS-Flugzeuge der NATO entschieden werden. Die DPA schreibt dazu: „Die Nato treibt die Modernisierungspläne für ihre in Deutschland stationierte Flotte von Aufklärungsflugzeugen voran. Die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten wollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in dieser Woche den Auftrag geben, ein konkretes Konzept für ein Nachfolgemodell der sogenannten Awacs zu entwickeln. Es wird den Planungen zufolge 2022 in einem Beschaffungsprogramm für neue Aufklärungsflugzeuge münden.“ (jw)
Afghanistan: Abgeschobener verletzt
(14. Februar 2017)Soviel zu den “sicheren” Zonen in Afghanistan. Kurz nachdem er aus Deutschland abgeschoben wurde, wurde ein Afghane bei einem Anschlag verletzt, berichtet der Focus: „Gerade zwei Wochen liegt seine Abschiebung aus Bayern in die afghanische Hauptstadt Kabul zurück, als der 23-jährige Atikullah Akbari dort bei einem Selbstmordanschlag von umherfliegenden Splittern im Gesicht verletzt wird.“ (tp/jw)
Munich Security Report
(13. Februar 2017)Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz wird bereits seit einigen Jahren der „Munich Security Report“ als – in eigenen Worten – „conversation starter“ veröffentlich. Die diesjährige Ausgabe ging heute unter dem Titel „Post-Truth, Post-West, Post-Order?“ online. (jw)
Migrationsabwehr Ägypten
(13. Februar 2017)Wie aus der Antwort auf die Kleine Anfrage „Sicherheitspolitische Kooperation mit der Regierung in Ägypten zur Migrationskontrolle und Grenzüberwachung“ hervorgeht, ist die Bundesregierung bestrebt, die bisherige Zusammenarbeit mit der Militärdiktatur in Ägypten noch weiter auszubauen, um erfolgreicher gegen illegalisierte Migration nach Europa vorzugehen und Geflüchtete schneller nach Ägypten abzuschieben. Eine ausführlichere Analyse der Situation in Ägypten ist hier zu finden: IMI Studie 2016/10. (ja)
Maulkorb (II)
(13. Februar 2017)In IMI-Aktuell 2017/016 wurde über die Pläne des Verteidigungsministeriums berichtet, Soldaten faktisch einen Maulkorb im Umgang mit Außenstehenden aufzusetzen. Laut Tagesschau scheinen diese Pläne aber nun erst einmal vom Tisch zu sein: „Der Verhaltenskodex für Angehörige der Bundeswehr wird nicht wie geplant eingeführt. Das hat das Verteidigungsministerium nach tagesschau.de-Informationen entschieden. Der Kodex war vom Wehrbeauftragten als Misstrauensvotum gegen Soldaten kritisiert worden.“ (tp/jw)
Neapel: NATO-Basis
(13. Februar 2017)Die NATO plant ein Lage- und Koordinierungszentrum im italienischen Neapel, um künftig „besser“ im Süden Krieg führen zu können, berichtet das Handelsblatt: „Die Nato bereitet sich darauf vor, stärker an internationalen Anti-Terror-Einsätzen beteiligt zu werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wollen die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten in der kommenden Woche den Ausbau des Streitkräftekommandos im italienischen Neapel beschließen. Dort soll zunächst ein Art Lage- und Koordinierungszentrum entstehen, das Informationen aus südlichen Krisenstaaten wie Libyen, Syrien oder dem Irak auswertet.“ (tp/jw)
A400M: 1 aus 8
(13. Februar 2017)Nach jahrelanger Verspätung sind inzwischen acht (von insgesamt 53) Militärtransporter A400M an die Bundeswehr ausgeliefert worden. Davon ist ber nur einer einsatzbereit, berichtet die Welt: „Nur einer der acht A400M-Transportmaschinen der Bundeswehr ist einsatzbereit. Das bestätigt das Verteidigungsministerium. Diverse Ausfälle und Pannen begleiten den Airbus.“ (jw)
Snowden: Auslieferung?
(13. Februar 2017)Der Standard meldet, dass der Whistleblower Edwaed Snowden ein Opfer der möglichen amerikanisch-russischen Wiederannäherung werden könnte: „Die Meldung kommt überraschend. Unter Berufung auf Informationen aus US-Geheimdienstkreisen meldet NBC News, dass die russische Regierungsspitze derzeit ernsthaft darüber diskutiere, Edward Snowden an die USA auszuliefern. Quasi als Geschenk an den neuen Präsidenten Donald Trump, der den NSA-Whistleblower in der Vergangenheit als „Spion“ sowie „Verräter“ bezeichnet und ihm mit der Todesstrafe gedroht hat.“ (tp/jw)
Atom-Supermacht: NATO-Gegenwind
(12. Februar 2017)Kürzlich preschte Jaroslaw Kaczynski, der Chef von Polens Regierungspartei, mit seiner Forderung nach einer „Atommacht Europa“ nach vorne (siehe IMI-Aktuell 2017/076). Wie die FAZ nun berichtet ist die NATO (sprich die USA) von diesem Vorschlag nicht sonderlich begeistert: „Die Nato hält nichts von der Idee, dass Europa eine Atom-Supermacht wird. ‚In der ganzen Welt müssen Führer darüber nachdenken, was am besten ihrer Stabilität, Sicherheit und Verteidigung dient. Die Entwicklung neuer Nuklearwaffen trägt nicht zu diesen Zielen bei‘, sagte die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Rose Gottemoeller der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.“ (jw)
Ankerarmee (II)
(12. Februar 2017)Die FAZ legt noch einmal Details zum sog. „Ankerarmee-Konzept“ (faktisch ein neu benanntes „Rahmennationskonzept“, siehe dazu kritisch IMI-Studie 2015/7) nach. Das Blatt hatte schon kürzlich darüber berichtet, dass die Tschechische Republik und Rumänien Teile ihrer Armee der Bundeswehr unterordnen wollen (siehe IMI-Aktuell 2017/081). Nun folgen Details, um welche Einheiten es konkret gehen soll: „Damit soll die 4. Schnelle Eingreif-Brigade der tschechischen Armee der 10. Deutschen Panzerdivision in Süddeutschland beigestellt werden; die 81. Mechanisierte Brigade der Rumänen soll künftig der Division Schnelle Kräfte zugeordnet sein.“ (jw)
Leyen: Zahlungswillig
(11. Februar 2017)N-tv berichtet, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe den USA signalisiert, dass Deutschland innerhalb der NATO mehr Kosten übernehmen werde: Die USA möchten, dass ihre Partner in der Nato mehr Kosten in dem Verteidigungsbündnis übernehmen. Verteidigungsministerin Von der Leyen hat während des Besuchs bei ihrem US-Amtskollegen Entgegenkommen signalisiert. […] ‚Ich finde, das ist eine faire Forderung‘, sagte die Ministerin nach dem ersten Treffen mit ihrem US-Kollegen Jim Mattis.“ (tp/jw)
Ankerarmee?
(10. Februar 2017)Die FAZ berichtet, wie immer größere Teile anderer EU-Armeen faktisch der Bundeswehr unterstellt werden, die sich damit zu einer „Ankerarmee“ entwickle: „Die Bundeswehr entwickelt sich zur führenden Nato-Armee in Europa. Neue Vereinbarungen, die am nächsten Mittwoch auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel unterzeichnet werden sollen, ordnen je eine tschechische und eine rumänische Brigade deutschen Divisionskommandos zu und regeln künftige gemeinsame Ausbildung und Übung dieser Truppen, die damit ihre gemeinsame Kampfkraft (Interoperabilität) steigern sollen. Die niederländischen Streitkräfte sind mit dem Beispiel einer solchen Kooperation vorangegangen, sie haben faktisch zwei Drittel ihrer Heeresverbände mittlerweile in deutsche Kommandostrukturen eingegliedert.“ (jw)
Trump: Scheinheilige Kritik
(10. Februar 2017)Ein deutlicher Verriss der vielfach geäußerten Kritik am neuen US-Präsidenten Donald Trump stammt von Bettina Gaus in der taz (via Bpb-Newsletter): „Alle menschenrechtlichen Erwägungen, die derzeit von Entscheidungsträgern gegen Trump ins Feld geführt werden, sind scheinheilig. Europa verhält sich – im Prinzip – nicht anders als der neue US-Präsident. Das, was ihm wirklich zur Last gelegt wird, ist sein wirtschaftspolitischer Kurs. Anders ausgedrückt: Wenn er sich zu internationalem Freihandel bekennt, dann wird der exportorientierte Rest der Welt mit seinen Menschenrechtsverletzungen schon klarkommen.“ (jw)
Ostukraine: Kiews Verantwortung
(10. Februar 2017)Die Schuld für die jüngsten schweren Kämpfen in der Ostukraine wird nahezu unisono den separatistischen Kräften und Russland zugeschoben. Davon hebt sich ein Artikel in der Foreign Policy (via Bpb-Newsletter) ab, der argumentiert, auch die Regierung in Kiew trage daran eine erhebliche Mitschuld: „“The lack of opposition to Poroshenko’s war rhetoric means that many subscribe to the idea that peace can be won only through war.” (jw)
Monroe Redux?
(9. Februar 2017)Im Christian Science Monitor (via Bpb-Newsletter) wird spekuliert, ob unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump die Monroe-Doktrin, mit der die USA faktisch die Alleinherrschaft über Lateinamerika beanspruchten, wiederaufleben könnte. Der Verweis jedenfalls ist interessant, dass 2013, als der damalige Außenminister Kerry die Doktrin für überhohlt erklärt hatte, Craig Deare, heute Trumps wichtigster Lateinamerika-Berater, eine scharfe Kritik formuliert hatte: „Craig Deare […] denounced Kerry’s statement ‚as a clear invitation to those extra-regional actors looking for opportunities to increase their influence.‘ He specifically mentioned China. A revitalized Monroe Doctrine, however, contradicts the administration’s other strong impulse, present in its statements far beyond Latin America, toward isolationism. Trump is promising to build a literal wall between Latin America and the United States, but the Monroe Doctrine was decisively unilateral and interventionist.” (jw)
US-Kabinett: Neokonservativer
(8. Februar 2017)Antiwar berichtet, aktuell werde die Ernennung des neokonservativen Urgesteins Elliott Abrams zum Stellvetrenenden Außenminister ernstahft erwogen: “Hardline neocon Elliott Abrams is rumored to be under consideration for Deputy Secretary of State in the Trump Administration. He is meeting President Trump today. Abrams has never seen a war, intervention, or regime change that he hasn’t enthusiastically endorsed.” (jw)
EU: Atomare Supermacht?
(8. Februar 2017)So richtig auf die Pauke haute Jaroslaw Kaczynski, der Chef von Polens Regierungspartei, mit seiner Forderung nach einer „Atommacht Europa“. Spiegel Online schreibt: „Er würde die Idee einer atomaren ‚Supermacht‘ Europa begrüßen, sagte der Vorsitzende der Regierungspartei ‚Recht und Gerechtigkeit‘ (PiS) der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ (FAZ). Allerdings müsste man dafür ‚zu gewaltigen Ausgaben bereit sein‘, und das sehe er nicht, so Kaczynski. ‚Eine eigene Atommacht müsste mit Russland mithalten können.‘“ (jw)
A400M: Mehr Pannen!
(8. Februar 2017)Die Pannen des Militärtransporters Airbus A400M reißen nicht ab. Nun berichtet DPA über den jüngsten Triebwerkschaden des Flugzeugs: „Gleich beim ersten Einsatzflug von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit einem A400M hat das Transportflugzeug schlapp gemacht. Die CDU-Politikerin flog mit einer der hoch modernen Maschine nach Litauen, um dort das von der Bundeswehr geführte Nato-Bataillon zu besuchen. Weiter kam sie aber nicht. Der A400M blieb mit einem Triebwerkschaden im litauischen Kaunas liegen.“ (jw)
Mittelmeer: Mehr NATO-Präsenz?
(8. Februar 2017)Euractiv zufolge wollen die Verteidigungsminister mehrere südlicher NATO-Länder mehr Schiffe der Allianz im Mittelmeer: „Die Verteidigungsminister Frankreichs, Italiens, Portugals und Spaniens fordern mehr NATO-Präsenz im Mittelmeerraum.“ (jw)
Syrien: Aufbau
(8. Februar 2017)Der National Interest (via Bpb-Newsletter) schätzt, dass der Wiederaufbau Syriens 1Billion Dollar erforderlich sein könnten. Da aus den Golfstaaten kein Geld fließen dürfte, sollte Assad an der Macht bleiben, sei ein Einstieg Chinas wahrscheinlich, da solch ein Betrag von Russland nicht zu stemmen sei: „Oil-rich Gulf countries will not pay for the reconstruction if Bashar al-Assad stays in power, and neither will Iran, which is already struggling economically and warding off a potential standoff with Donald Trump. China, however, is seemingly both willing and able to pay the lion’s share of reconstruction – if given the proper economic incentives, along with other countries in the BRICS framework, an association of five emerging and powerful economies (Brazil, India, South Africa, and of course, Russia and China).” (jw)
Bundeswehr: Mehr A400Ms
(7. Februar 2017)Laut dem aktuellsten „Bericht zu Rüstungsangelegenheiten“ vom September 2016 summiert sich die Auslieferungsverspätung des Militärtransporters Airbus A400M auf inzwischen 107 Monate, wobei Mehrkosten im Umfang von 1,487 Mrd. Euro (allein der deutsche Anteil) angefallen seien. Hinzu kommt noch eine fast beeindruckende Weise, mit der das Flugzeug eine Panne an die nächste reiht (siehe IMI-Analyse 2016/02). Und weil das alles so gut klappt, sagt sich das Verteidigungsministerium anscheinend aktuell, dass es gerne mehr als die zuletzt anvisierten Exemplare hätte. Ursprünglich sollten einmal 60 Stück bestellt werden, die dann aber auf 53 reduziert wurden, um die Mehrkosten aufzufangen. Zusätzlich wurde beschlossen, 13 Exemplare ins Ausland zu verkaufen, wodurch der Umfang der Flotte als 40 Transporter umfasst hätte. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll dieser Weiterverkauf nun wohl zumindest teils wieder einkassiert werden: „Eine endgültige Entscheidung ist zwar offenbar noch nicht gefallen, doch die Überlegungen sind bereits recht konkret. Demnach soll die Bundeswehr einen erheblichen Teil der 13 Maschinen behalten können.“
Wieviel Militärtransporter genau zusätzlich behalten werden sollen und wie hoch die diesbezüglichen Kosten sein werden, sei laut Süddeutscher noch nicht bekannt. Allein für die nötige Aufrüstung der bislang fürs Ausland vorgesehenen Flugzeuge rechne man aber „man im Verteidigungsministerium mit einem dreistelligen Millionenbetrag.“ Bei einem geschätzten Stückpreis von etwa 180 Millionen Euro wird sich das alles also zu einer „respektablen“ Summe zusammenaddieren. (jw)
Afghanistan: BaWü schiebt weiter ab
(7. Februar 2017)Während einige Bundesländer, zuerst Schleswig-Holstein und Berlin, nun wohl auch Bremen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, Abschiebungen nach Afghanistan aufgrund der Sicherheitslage aussetzen, scheint die Schwarz-GRÜNE Regierung in Baden-Württemberg entschlossen, ihren asozialen Kurs fortzusetzen. Die Stuttgarter Zeitung schreibt: „Im Unterschied zu anderen Bundesländern will Baden-Württemberg an der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan grundsätzlich festhalten. „Eine freiwillige Ausreise hat Vorrang, aber letztendlich sind wir laut Bundesgesetz zur Abschiebung verpflichtet“, sagte Vizeregierungssprecher Arne Braun am Montag in Stuttgart. Dies sei Konsens bei den Koalitionspartnern Grüne und CDU.“ (jw)
Sportsoldaten: Sanktion
(7. Februar 2017)Die Bundeswehr straft den neuen Sprecher Athletenkommission, Max Hartung, für seine scharfe Kritik an der Sportförderung der Bundeswehr ab (siehe IMI-Aktuell 2017/061). Ein Argument Hartung war dabei, dass sich die Athleten, weil sie keine anderen Finanzierungsquellen haben, in eine völlige Abhängigkeit von ihrem Arbeitgeber Bundeswehr begeben müssen. Wie um den Beweis der Richtigkeit dieser Kritik anzutreten, lehnte die Bundeswehr Hartungs Antrag auf die Einberufung zu einer Wehrübung ab, was explizit als Reaktion auf seine kritischen Worte begründet wurde. Wie die FAZ schreibt, handelt es sich dabei für Sportler um eine Möglichkeit, „während eines Großereignisses und der Vorbereitung darauf wirtschaftlich abgesichert zu sein.“ (tp/jw)
Keine Trolle?!
(7. Februar 2017)Die viel beschworene russische Desinformationskampagne, etwa in Form der sog. Internettrolle, mit der NATO und EU ihrerseits Maßnahmen zur „Strategischen Kommunikation“ (also: Propaganda) begründen (siehe hierzu IMI-Analyse 2016/20), scheint – trotz intensiven Bemühens des BND, dafür Beweise zu finden – in der Form überhaupt nicht zu existieren, berichtet die Süddeutsche Zeitung: „Deutsche Geheimdienste haben keine eindeutigen Beweise für eine russische Desinformations-Kampagne gegen die Bundesregierung gefunden, geben aber dennoch keine Entwarnung. Das ist nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR das Ergebnis einer fast einjährigen Ermittlung durch den Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Ursprüngliche Überlegungen, die als geheime Verschlusssache eingestufte Untersuchung zumindest teilweise zu veröffentlichen, wurden fallen gelassen.“ (tp/jw)
US-Geheimtruppe
(7. Februar 2017)Spiegel Online berichtet über eine viele Jahre in Deutschland stationierte US-Geheimtruppe: „Die USA unterhielten offenbar jahrelang eine geheime Antiterroreinheit auf deutschem Boden. Die Zustimmung dafür gab 1986 der damalige Kanzleramtschef und heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble. […] Stationiert war die Truppe auf der Rhein-Main Air Base bei Frankfurt. […] Nach US-Angaben bestand das Team aus bis zu 14 ‚Spezialisten für (die) technische Bewältigung von Krisensituationen‘, zu deren Aufgaben „Fernmeldewesen und ND-Tätigkeit“, also Geheimdienstarbeit, zählten.“ (tp/jw)
SPD: Auffanglager
(6. Februar 2017)Der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, spricht sich nun für die Bildung von „Auffanglagern“ aus, berichtet Spiegel Online: „Die Debatte um Aufnahmelager für Flüchtlinge erhält Auftrieb: SPD-Fraktionschef Oppermann unterstützt jetzt einen Plan von CDU-Innenminister de Maizière – Auffanglager in Tunesien zu errichten.“ (tp/jw)
Libyen: Russische Rolle
(6. Februar 2017)Die FAZ (via Bpb-Newsletter)berichtet über die russische Rolle in Libyen. Während der Westen ausschließlich auf die Einheitsregierung setze, stütze Rusland die „Nationalarmee“ im Osten Libyens, Chalifa Haftar. Interessant ist in jedem Fall die FAZ-Schätzung, auf welche Summe sich die diversen Verluste für Russland addieren, seit der frühere Machthaber Gaddafi mit tatkräftiger NATO-Unterstützung gestürzt du ermordet wurde: „Durch den Sturz des Gaddafi-Regimes soll Moskau Rüstungs-, Energie- und Infrastrukturverträge im Umfang von mindestens vier Milliarden Dollar verloren haben.“ (jw)
DOSB: Erwartbar
(6. Februar 2017)Auf die scharfe Kritik an der Bundeswehr-Sportförderung von Max Hartung, dem neuen Vorsitzenden der Athletenkommission (siehe IMI-Aktuell 2017/061), hat der Deutsche Olympischen Sportbundes (DOSB), wie zu erwarten war, mit einem flammenden Bekenntnis zu dieser Art von Militärpublicity reagiert. Ole Bischof, DOSB-Vizepräsident, schreibt in einer Stellungnahme der Organisation: „Für uns ist die Bundeswehr als institutioneller Partner unverzichtbar […] wir werden selbstverständlich ihre Angebote weiter wahrnehmen. Wir danken der Bundeswehr für ihr Leistungssport-Engagement an zahlreichen und zweifelsohne äußerst wichtigen Stellen auf dem Weg unserer Athletinnen und Athleten in die Weltspitze.“ UPDATE: Auch Innenminister Thomas de Maiziere meldete sich im Deutschlandfunk zu Wort: „Die öffentliche Debatte darüber ist sehr richtig“, meinte er. Selbstredend solle man aber die bisherige Praxis „nicht ändern“. (jw)
H&K: Neue Gewehrgeneration
(6. Februar 2017)Wie geschickt: Erst kommt die Meldung des Verteidigungsministeriums, ab Sommer solle nach einem Nachfolger für das fehlerhafte G36-Sturmgewehr von Heckler & Koch (H&K) gesucht werden. Und nur kurz danach vermeldet ausgerechnet H&K, es habe in Kürze eine neue Gewehrgeneration am Start, die sich, so der nicht so subtile Subtext, ja hervorragend für diese Nachfolge eignen würde. (jw)
Mehr Luftschläge
(6. Februar 2017)Eine Untersuchung der Military Times ergab, dass die US-Armee seit der „Krieg gegen den Terror“ 2001 ausgerufen wurde, weit mehr Luftschläge durchgeführt hat, als der Öffentlichkeit und dem Kongress mitgeteilt wurde. Für Afghanistan etwa spricht die Untersuchung allein für das Jahr 2016 von 456 unberichteten Luftschlägen: „The American military has failed to publicly disclose potentially thousands of lethal airstrikes conducted over several years in Iraq, Syria and Afghanistan, a Military Times investigation has revealed. The enormous data gap raises serious doubts about transparency in reported progress against the Islamic State, al-Qaida and the Taliban, and calls into question the accuracy of other Defense Department disclosures documenting everything from costs to casualty counts.“ (jw)
Ukraine: NATO-Referendum
(3. Februar 2017)Radio Free Europe/Radio Liberty (via Bpb-Newsletter) berichtet, der ukrainische „Präsident“ Petro Poroschenko plane ein Referendum über den Beitritt seines Landes zur NATO. Allerdings – selbst bei Zustimmung – braucht es dafür zwei, nicht nur die Ukraine muss dies wollen, auch die NATO-Länder müssen einstimmig eine Aufnahme absegnen: „‚Four years ago, only 16 percent favored Ukraine’s entry into NATO. Now, it’s 54 percent,‘ Poroshenko told Germany’s Funke Mediengruppe newspaper chain in an interview published on February 2. ‚As president, I am guided by the views of my people, and I will hold a referendum on the issue of NATO membership.‘ He vowed to ‚do all I can to achieve membership in the transatlantic alliance‘ if people vote for that. He said Ukraine’s military will be up to NATO standards by 2020.“ (jw)
Sportsoldaten: Zwangsjacke
(3. Februar 2017)Wie auch in IMI-Studie 1/2017 kritisiert wurde, ist die Bundeswehr-Sportförderung nicht nur moralisch fragwürdig, sondern zusätzlich auch noch reichlich ineffizient. Überraschend deutlich kritisiert nun auch der neue Athletensprecher Max Hartung das Modell. Die FAZ schreibt: „Max Hartung, der Fechter, wird sich auf eine Parade und eine heftige Riposte einstellen müssen. Der neue Vorsitzende der Athletenkommission im Deutschen Olympischen Sportbund hat mit seiner Forderung, die Sportförderung durch die Bundeswehr in Frage zu stellen, an einem Tabu gerüttelt. […] Die Bundeswehr hat das Geld dafür. Angeblich fließen zusammengerechnet 50 Millionen Euro pro Jahr in eine Militär-Leistungssportförderung. Aber darf es sich eine selbsterklärte Sportnation leisten, Athleten in eine Art Zwangsjacke mit militärischen Rangabzeichen zu stecken, damit sie ihr Talent entfalten können? Der Hinweis, jeder in diesem Land habe die Wahl, trifft zwar zu. In der Leistungssportrealität aber sind schon klassische Wehrdienstverweigerer vom symbolischen Dienst an der Waffe überzeugt worden. Und zwar von Sportverbänden, die ihre Unterstützung für Athleten vom Eintritt in die Bundeswehr abhängig machen.“ (jw)
Jemen: Fehlschlag
(3. Februar 2017)Lange wartete der neue US-Präsident Donald Trump nicht, um Luftschläge im Jemen a nzuordnen. Nachdem sich diese als katastrophale Fehlschläge erwiesen haben, regt sich die Kritik an dessen „vorschnellem“ Handeln, berichtet Spiegel Online: „Ein Elitesoldat und mehrere Zivilisten, auch Kinder, wurden beim ersten Einsatz eines US-Spezialkommandos unter dem Oberbefehl von Donald Trump getötet. Militärs werfen dem Präsidenten vor, er habe die Mission im Jemen vorschnell angeordnet.“ (tp/jw)
Iran: US-Verwarnung
(3. Februar 2017)Dass Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn ein Iran-Hardliner ist, ist schon lange bezahlt. Hier liegt womöglich der Grund für die scharfe US-Reaktion auf einen – legalen – iranischen Raketentest, über den Telepolis berichtet: „Statt den Vereinigten Staaten für die Vereinbarung dankbar zu sein, fühlt sich Iran nun ermutigt. Seit heute haben wir Iran offiziell verwarnt“, endet das Statement des Weißen Hauses […]. In Tweets bekräftigte der US-Präsident die offizielle Verwarnung („Iran put on notice“), Vorwürfe gegen die Interventionspolitik Irans im Fall Irak und sein Ceterum censeo, dass der Iran-Atomdeal schlecht ist und Iran das wirtschaftliche Überleben gesichert hat.“ (jw)
Seidenstraßen-Initiative
(2. Februar 2017)Eine erstaunlich positive Beurteilung der chinesischen Seidenstraßen-Initiative liefert die „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ in ihrem jüngsten Arbeitspapier ab. Laut BAKS sei das Ziel des Unterfangen Folgendes: „Hohe Investitionen in unzählige Infrastrukturprojekte im Rahmen der sogenannten Seidenstraßen-Initiative sollen die Vorteile des freien Welthandels auch in Zeiten von wachsendem Protektionismus für China weiter nutzbar machen.“ Womöglich bereits mit Blick auf sich unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump verschärfende Konflikte mit den Vereinigten Staaten könnte es sein, dass hier das Potenzial zur Zusammenarbeit mit anderen Partnern ausgelotet wird, sollten die USA tatsächlich auf einen stark protektionistischen Kurs einschwenken. Jedenfalls ist die BAKS der Auffassung, das chinesische Projekt solle von EU-Seite nach Möglichkeit unterstützt werden: „Europa teilt grundsätzlich das chinesische Stabilitätsinteresse, und die EU sollte daher Projekte zur Verbesserung der Konnektivität im eurasischen Raum und in Afrika dort aufgreifen, wo sie den Vorgaben einer harmonisierten Infrastrukturpolitik, eines fairen Wettbewerbs bei internationalen Ausschreibungen und EU-weiten Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen.“ (jw)
Konfrontation per Dekret
(31. Januar 2017)Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte einen kurzen Überblick über das Wirken in den ersten Tagen der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Per Executive Order gibt es nun Rassismus, Umweltzerstörung, Aufrüstung, Angriff auf Frauen- und Grundrechte, auf die Gesundheitsversorgung und einen starken Einfluss rechtsextremer Kräfte auch auf die US-Sicherheitspolitik. Die einzige Entscheidung, die auf den ersten Blick positiv wirkt, der Ausstieg aus dem Freihandelsabkommen TPP, signalisiert zugleich den Einstieg in einen umfassenden Handelskrieg und nicht in fairen Handel. Einziger Trost: die Proteste in den USA wachsen spürbar. (ch)
Mai: NATO-Gipfel
(31. Januar 2017)Nun wurde der genaue Termin für den nächsten NATO-Gipfel in Brüssel bekanntgegeben: der 24./25. Mai 2017. Das No To NATO-Bündnis lädt am 4. Februar zu einem Treffen in Brüssel ein, um die Proteste vorzubereiten. (jw)
Korvetten: Ausschreibung
(30. Januar 2017)Ende 2016 tauchten Berichte auf, denen zufolge die Anschaffung neuer Korvetten ins Auge gefasst werde (IMI-Aktuell 2016/667). Laut Augengeradeaus sollen nun die Ausschreibungen beginnen: „Das Verteidigungsministerium will für die geplante Beschaffung fünf neuer Korvetten, die weitgehend baugleich sind mit den bereits vorhandenen Kriegsschiffen dieser Klasse, in Kürze die Bauwerften der vorangegangenen Korvetten zu einem Angebot auffordern.“ (jw)
Ostpolitik: Lichtblick
(30. Januar 2017)Einer der eher seltenen Lichtblicke in Fragen der deutschen Russland-Politik ist der Beitrag von Michael Seidel, Chefredakteur der Schweriner Volkszeitung, im Deutschlandfunk (via Bpb-Newsletter): „Die Politik der Konfrontation mit Russland jedenfalls ist gescheitert. Der russische Präsident Putin hat nicht eingelenkt und wird es nicht tun. Die Instabilität droht den ganzen europäischen Kontinent zu vergiften. Vor diesem Hintergrund muss Deutschland aus der bislang eher unkritischen Bündnis-Gefolgschaft heraustreten und die Spirale von Provokation und Gegenprovokation, von Wiederaufrüstung und Wettrüsten verlassen. Es kommt jetzt auf eigene Deutungshoheit an. Es ist Zeit für eine Renaissance der Ostpolitik: Wandel der explosiven Situation durch Annäherung und gegenseitigen Respekt, ohne dabei Zweifel an den eigenen Werten zu lassen.“ (jw)
Transporter: US-Ankauf
(30. Januar 2017)Wohl wegen der fortgesetzten Pannenserie beim „hauseigenen“ Militärtransporter Airbus A400M (siehe IMI-Aktuell 2017/043) scheint sich das Verteidigungsministerium zum Ankauf teurer US-Produkte entschlossen zu haben, berichtet Spiegel Online: „Nach SPIEGEL-Informationen will von der Leyen pünktlich zum Antrittsbesuch des neuen US-Verteidigungsministers James Mattis beim Nato-Treffen Mitte Februar in Brüssel einen Rüstungsdeal über mehr als eine Milliarde Euro auf den Weg bringen. Es geht um den Kauf von bis zu sechs Transportflugzeugen vom Typ C130J „Super Hercules“ des amerikanischen Herstellers Lockheed Martin.“ (jw)
Hybride Kriege
(28. Januar 2017)Nach Lektüre der meisten aktuellen Berichte über die sog. „Hybride Kriegsführung“, die auf einen Mix verschiedener Techniken unterhalb der Schwelle des „klassischen“ zwischenstaatlichen Krieges setzt (zB Spezialeinheiten oder Propaganda) , könnte der Eindruck entstehen, als bediente sich ausschließlich Russland dieser Technik. Insofern hebt sich hiervon ein aktueller Beitrag von Wolfgang Taus („Putins strategische Ziele“) in der aktuellen Österreichischen Militärischen Zeitschrift (1-2017) wohltuend ab, wenn er betont: „Es steht außer Frage, dass auch alle anderen großen Mächte (insbesondre die USA und China) ihr umfassendes Repertoire der ‚hybriden‘ zivil-militärischen Abwehr- und Einfluss-Strategien zum Einsatz bringen, um etwa bestimmte Entwicklungsprozesse und öffentliche Meinungen in jeweils gewünschter Weise im Ausland zu ‚verzerren‘ bzw. zu beeinflussen.“ (jw)
Mali: Größter Einsatz
(27. Januar 2017)Gestern stimmte der Bundestag mehrheitlich für eine Verlängerung und Ausweitung des Mali-Einsatzes der Bundeswehr, der damit zur größten deutschen Militäroperation im Ausland wird. Bei heute.de heißt es dazu: „Künftig können bis zu 1.000 deutsche Soldaten an der UN-Mission zur Umsetzung des Friedensabkommens in dem Land teilnehmen. Bisher waren es maximal 650. Hinzu kommen bis zu 300 Soldaten, die im Süden des von islamistischen Rebellen terrorisierten Landes die Armee ausbilden. Damit werden in Mali bald so viele Bundeswehrsoldaten stationiert sein wie in keinem anderen Land der Welt.“ (jw)
Schwarzes Meer: Hot Spot (II)
(27. Januar 2017)Verschiedentlich wurde auf die geopolitische Bedeutung des Schwarzen Meeres verwiesen, die auch der Grund dafür ist, dass die NATO darüber nachdenkt, dort eine permanente Militärpräsenz zu installieren (siehe IMI-Aktuell 2016/389). Auch das Foreign Policy Research Institute (via Bpb-Newsletter) schreibt: „Rarely has a region figured so prominently in American foreign policy without our even realizing it. We treat Turkey as separate from Ukraine, Romania as wholly distinct from Georgia, and Russia as an aggressive ‚lone wolf‘ in the region. These are different countries, of course, with diverse historical traditions and political structures. But from security to energy to the future of Europe, the Black Sea operates as a united region far more than Americans usually realize. We underestimate regional connections and fail to understand the linkages that drive regional politics.“ (jw)
IS: US-Eskalation
(27. Januar 2017)Antiwar berichtet über Pläne des Pentagons, den Krieg gegen den Islamischen Staat zu intensivieren: „The Pentagon options, unsurprisingly, are centered on significant escalation of US involvement, particularly with the idea of sending more US ground troops into Syria to fight directly, with one plan involving a whole battalion of US troops being deployed around Raqqa.“ (jw)
Syrien: „Sicherheitszone“
(26. Januar 2017)Der neue US-Präsident Donald Trump scheint im Gegensatz zu seinem Vorgänger eine „Sicherheitszone“ in Syrien einrichten zu wollen. Die entscheidende Frage aber, wie und von wem eine solche Sicherheitszone durchgesetzt werden soll, scheint bislang ungeklärt. Wenn ernst gemeint, kann der Vorschlag aber eigentlich nur eine nochmalige Intensivierung der militärischen US-Aktivitäten im Land bedeuten, berichtet u.a. Zeit Online: „Die neue US-Regierung erwägt sogenannte Sicherheitszonen für Flüchtlinge in Syrien. Das geht aus dem Entwurf eines Erlasses hervor, den Präsident Donald Trump in den kommenden Tagen unterzeichnen will. Demnach werden darin das Außen- und das Verteidigungsministerium angewiesen, binnen 90 Tagen entsprechende Pläne zu erstellen. Das Dokument spricht von der Schaffung ‚sicherer Gebiete in Syrien und der umliegenden Region‘. […] Er enthält keine Angaben darüber, wie und wo genau solche Sicherheitszonen errichtet werden sollen. […] Obama hatte davor zurückgeschreckt, weil ein solcher Schritt eine deutliche Ausweitung des Militärengagements der USA in Syrien erfordert hätte.“ (jw)
Atomtest: Panne verschwiegen
(26. Januar 2017)Die Welt meldet, Großbritannien habe eine Panne bei einem U-Boot-Atomraketentest verschwiegen: „Die britische Regierung soll laut „Sunday Times“ das Scheitern eines Atomraketentests bewusst verschwiegen haben. Damit sollte die Glaubwürdigkeit des britischen Atomwaffenprogramms nicht gefährdet werden.“ (tp/jw)
Unterausschuss Cyberfragen
(25. Januar 2017)Mehr am Rande geht aus dem Bericht des Wehrbeauftragten hervor, dass augenscheinlich über die Einrichtung eines Unterausschusses des Bundestags zu Cyberfragen nachgedacht wird, berichtet Netzpolitik.org. (jw)
NATO-Bataillon: Angekommen
(25. Januar 2017)Je ein Bataillon zu etwa 1.000 Soldaten will die NATO in jedem der baltischen Staaten und in Polen stationieren. Die Führung der Einheit in Litauen wird die Bundeswehr übernehmen, von denen nun laut Spiegel Online die ersten vor Ort angekommen sein sollen: „Deutschland übernimmt die Führungsrolle des Gefechtsverbands in Litauen, dem auch Soldaten aus Belgien, den Niederlanden und Norwegen angehören werden. Etwa 450 Bundeswehrsoldaten sowie umfangreiches Material, darunter mehrere Panzer, sollen bis Ende Februar in mehreren Schritten dorthin gebracht werden.“ (jw)
A400M: Flugunfähig
(24. Januar 2017)Der auch als „Pannenvogel“ verschriene Militärtransporter Airbus A400M hat Augengeradeaus zufolge zweimal mehr seine Fluguntauglichkeit demonstriert: „Ein Airbus A400M der Luftwaffe musste am (gestrigen) Montag gleich zwei Mal einen geplanten Flug in den Kosovo aus technischen Gründen abbrechen.“ (jw)
US-Russland-Politik: Plus ça change
(24. Januar 2017)Der private Nachrichtendienst Strategic Forecast geht nicht davon aus, dass die USA unter Donald Trump von dem Ziel einer Eindämmung und Schwächung Russland grundsätzlich abrücken werden: „No matter who is in the White House, Washington’s imperative to contain regional hegemons will continue to be a mainstay of its foreign policy. With Europe becoming increasingly divided since the Brexit referendum, Russia has another chance to recover from its strategic setbacks and regain influence in the Eurasian region in the coming year. […] Ties between Washington and Moscow will certainly evolve under Trump. Some tactical shifts, possibly including adjustments in U.S. sanctions and measured cooperation in Syria, will doubtless take place. Washington’s policy of containment, however, is still very much in force, and it will continue to feature heavily in U.S. strategy well beyond the Trump administration.” (jw)
Syrien: Türkischer U-Turn
(24. Januar 2017)Al-Monitor (via Bpb-Newsletter) zufolge hat die Türkei ihre bisherige Positionen, keine Verhandlungen unter Einbeziehung der Assad-Regierung zu befürworten, aufgegeben, was einen wichtigen Zwischenschritt für die Beendigung des Krieges darstellen könnte: „Turkey’s turnaround on Assad comes as Ankara expects a new beginning in US-Turkey relations with the Trump administration.“ (jw)
Türkei-Putsch
(24. Januar 2017)Diverse Medien, u.a. die Presse, berichten über einen EU-Geheimdienstbericht, demzufolge der für den Putsch in der Türkei im Juli 2016 von der Erdogan Regierung verantwortlich gemachte Fethullah Gülen nicht involviert gewesen sein soll: „Der muslimische Prediger soll laut einem Geheimpapier nicht persönlich in den gescheiterten Putsch im Juli involviert gewesen sein. Der Umsturzplan sei vielmehr ein Versuch gewesen, eine drohende Verhaftungswelle abzuwehren.“ (tp/jw)
Libyen: Flüchtlingsdeal
(24. Januar 2017)Monitor berichtet über die Ausbildung der libyschen Küstenwache zur Flüchtlingsbekämpfung: „Im August unterzeichnete die EU einen Deal mit der libyschen Küstenwache und Marine. Die vertrauliche Vereinbarung liegt Monitor vor. Ein zentraler Auftrag der Küstenwache lautet demnach ‚Strafverfolgung auf See, besonders um Migrantenschmuggel und Menschenhandel von und nach Libyen zu verhindern‘. Seit Oktober werden deshalb angehörige der libyschen Küstenwache ausgebildet, aber in Libyen herrscht Bürgerkrieg, eine richtige Regierung gibt es nicht. Hunderte Milizen ringen um die Vorherrschaft. […] Wieso setzt die EU auf eine so zweifelhafte Gruppe wie die libysche Küstenwache? Was steckt dahinter? Wenn Flüchtlinge in internationalen Gewässern gerettet werden, müssen sie an einen sicheren Ort gebracht werden. Die libysche Küstenwache dagegen bringt die Menschen direkt ins Bürgerkriegsland Libyen zurück.“ (tp/jw)
Jemen: Trump-Drohnenschläge
(23. Januar 2017)Keine Zeit ließ der neue US-Präsident Donald Trump verstreichen, als er unmittelbar nach Amtsantritt eine Direktive unterzeichnete, die die Gesundheitsreform seines Vorgängers zumindest in weiten Teilen wieder zurücknimmt. Demgegenenüber werden die US-Drohnenkriege bis auf Weiteres fortgesetzt. Antiwar etwa weist darauf hin, dass es unmittelbar nach Trumps Amtsantritt zu US-Drohnenschlägen im Jemen mit iener Reihe von Toten kam: „ A pair of US drone strikes in Yemen’s Bayda Province have killed at least 10 people over the weekend, according to Yemeni officials, marking the first drone strikes to be conducted under President Trump”. (jw)
Mali: Kriegszulage
(23. Januar 2017)Auf die gefährliche Situation in Mali wurde schon mehrfach, etwa im IMI-Fact-Sheet zum Thema, hingewiesen. In gewisser Weise trägt dem nun auch das Verteidigungsministerium Rechnung, indem für die dort stationierten Bundeswehr-Soldaten, indem eine „Kriegsprämie“ ausgelobt wird, wie die Bild schreibt: „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will den künftig rund 1000 Bundeswehr-Soldaten in Mali einen Kriegszuschlag gewähren!“ (jw)
Militärbischof: Mehr Einsätze
(23. Januar 2017)Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck macht sich in der WAZ die gesamte, „Deutschland muss mehr Verantwortung und demzufolge mehr Kriegseinsätze übernehmen“-Rhetorik zu Eigen. Das unterstreicht einmal mehr, dass es bei den Militärgeistlichen eben nicht um seelische Beistände gut, sondern – zumindest auch – um Lautsprecher, die für Zustimmung zur deutschen Militärpolitik werben: „Der klassische Auftrag der Landesverteidigung kann nicht mehr ausschließlich an den Landesgrenzen ausgeführt werden. Deutschland ist ein Land in Bündnisstrukturen, von denen wir selbst Nutznießer sind. Das wird auf Dauer mehr Auslandseinsätze zur Folge haben können. Es bleiben weiter besonders der Mittlere und der Nahe Osten im Blick, aber auch Afrika.“ (jw)
Rüstungsexporte: Hohes Niveau
(23. Januar 2017)Die Zahlen der deutschen Rüstungsexportgenehemigungen für das Jahr 2016 sind raus. Nachdem es im Halbjahresbericht noch nach einem Allzeithoch aussah, mit dem der vorherige „Rekord“ des Jahres 2015 noch einmal übertroffen worden wäre, bremste sich die Entwicklung spürbar ab, sodass die Einzelgenehmigungen 2016 laut einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums mit 6,88 Mrd. € unter denen von 2015 lagen (7,86 Mrd. €). Bevor man dies aber zusammen mit dem Wirtschaftsministerium – wohl mit Blick auf das Wahljahr – allzu schnell als Erfolg und als Ergebnis einer „restriktiven und verantwortungsvollen Rüstungsexportpolitik“ feiert, sollte man sich vergegenwärtigen, dass diese 6,88 Mrd. Euro außerhalb von 2015 immer noch den Spitzenwert darstellen (deutlich gesunken scheinen dagegen die Sammelgenehmigungen, die allerdings mit 59 Mio. Euro im Vergleich zu 2015: 4,96 Mrd. Euro so niedrig ausfallen, dass die Frage besteht, ob diese Zahl korrekt sein kann – die niedrigste Zahl hier waren zurückgehend bis 2004 jährlich 3,6 Mrd. Euro). (jw)
Personalstärke: Ziel verfehlt
(23. Januar 2017)Auch dieses Jahr erreicht die Bundeswehr nicht den gewünschten Umfang, wie Augengeradeaus berichtet: „Die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten lag Ende Dezember 2016 zwar mit 168.342 ebenfalls über den 167.940 des Vormonats. Die im bisherigen Personalstrukturmodell vorgesehenen 170.000, die ja nach den Plänen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen um zusätzliche Soldaten aufgestockt werden sollen, wurden jedoch verfehlt.“ Vor allem in diesen Rekrutierungsproblemen liegt der Grund für die massive Bundeswehr-Werbekampagne, die in IMI-Studie 1-2017 ausführlich unter die Lupe genommen wird. (jw)
Inlandseinsätze: Termin
(23. Januar 2017)Die seit einiger Zeit angekündigte gemeinsame Übung zwischen Bundeswehr und Polizei zur Terrorabwehr wird laut RPOnline am wohl 7. März 2017 stattfinden: „Bei der Simulation werde von mehreren Attentaten gleichzeitig ausgegangen, berichtete die ‚Bild‘-Zeitung am Freitag unter Berufung auf ein Übungsszenario des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Darin werde demnach der Einsatz der Bundeswehr im Inneren damit begründet, ‚dass die Kräfteverfügbarkeit der Polizeien weitestgehend erschöpft sind‘.“ (tp/jw)
Die Rekruten: Fortsetzung
(22. Januar 2017)Eigentlich sollte die Youtube-Rekrutierungsserie der Bundeswehr „Die Rekruten“ diesen Monat enden (siehe dazu auch IMI-Studie 2017/01). Augenscheinlich soll die Serie jedoch fortgesetzt werden, wie dwdl.de berichtet: „Im Frühsommer soll über die Arbeit der Rekruten in den neuen Einheiten und Schulen berichtet werden. Wie genau das dann aussieht, steht nach DWDL.de-Informationen derzeit aber noch nicht fest.“ (jw)
Ansbach: Verdreifachung
(21. Januar 2017)Die US-Truppen im Standort Ansbach-Katterbach sollen Verdreifacht werden. Auf ansbachplus.de heißt es: „Derzeit sind in Katterbach 50 Kampfhubschrauber fest stationiert. In Illesheim bei Bad Windsheim sind es 25, die durch Rotationskräfte genutzt werden. Ab März werden bis November neun Monate lang die in Deutschland stationierten Truppen im Rotationsprinzip mit Kräften aus der USA unterstützt, so die Bundesregierung. Nach Katterbach und Illesheim werden 2000 neue Soldaten und 73 Hubschrauber kommen.“ (tp/jw)
Bedrohliche Sicherheitsapparate
(20. Januar 2017)Amnesty International hat die Studie “Dangerously disproportionate” (via Bpb-Newsletter) veröffentlicht, in der die Sicherheitsapparate von 14 EU-Staaten untersucht werden. Diese seien in den letzten zwei Jahren auf gefährliche Weise ausgebaut worden: „[There is] a profound shift in paradigm across Europe: a move from the view that it is the role of governments to provide security so that people can enjoy their rights, to the view that governments must restrict people’s rights in order to provide security. The result has been an insidious redrawing of the boundaries between the powers of the state and the rights of individuals.” (jw)
Brexit-Dividende
(19. Januar 2017)Wie viele andere scheint auch Uwe Optenhögel, der Direktor des Europa-Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brüssel, den Briten keine Träne nachzuweinen. Schließlich verlasse nun ein „Blockierer“ die Union, weshalb dem Ganzen auch positive Seiten abgewonnen werden könnten. Unter dem sinnigen – und keineswegs ironisch gemeinten – Titel „Brothers in arms“ schreibt Optenhögel auf Internationale Politik und Gesellschaft: „Bei rationalen und interessengeleiteten Verhandlungen könnte es im sicherheitspolitischen Bereich sogar eine „Brexit-Dividende“ für die Union geben. […] Für die EU bleibt die Aufgabe, aus der Not eine Tugend zu machen. In der Sicherheits- und Verteidigungspolitik bietet der Ausstieg die Chance, lange anstehende und durch die britische Blockadehaltung verhinderte Schritte der Weiterentwicklung entschlossen zu tun.“ (jw)
Rüstungshaushalt: Steigerung
(19. Januar 2017)Spiegel Online berichtet über die saftigen Steigerungen des Rüstungshaushaltes, dabei sind augenscheinlich nun für den Haushalt 2017 noch einmal mehr als die ursprünglich vorgesehenen 36,6 Milliarden Euro eingestellt worden: „Deutschland hat seine Rüstungsausgaben im Jahre 2016 um mehr als zehn Prozent erhöht. […] Der Wehretat insgesamt vergrößerte sich demnach um 1,1 Milliarden Euro auf 35,1 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen die Ausgaben für die Bundeswehr sogar noch einmal erhöht werden: Der Haushalt 2017 sieht Investitionen von 37 Milliarden Euro in die Armee vor, knapp zwei Milliarden mehr als im vergangenen Jahr.“ (tp/jw)
Selbstverzwergung?
(19. Januar 2017)Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) veröffentlicht regelmäßig Arbeitspapiere zur Sicherheitspolitik. In der aktuellen Nr. 2/2017 wird der „Westen“ zum Thema gemacht. Autor Patrick Keller kreiert dabei den politisch beknackten, aber dennoch reichlich originellen Neologismus der „Selbstverzwergung“, vor der sich Deutschland angesichts der angespannten Situation hüten müsse: „Das bedeutet, dass ‚Selbstverzwergung‘ und Kleinmut nur noch tiefer in die Krise führen. Es gilt, kraftvoll, selbstbewusst und pragmatisch für die offene Gesellschaft einzustehen. Innenpolitisch sowieso, aber auch außenpolitisch: mit Partnern weltweit, in allen Politikfeldern, vom bilateralen Handel bis zur Geheimdienstkooperation. Deutschland und seine Verbündeten sind auf eine stabile, rechtebasierte und liberale internationale Ordnung angewiesen. Die entsteht und überdauert aber nie von selbst; sie muss geschaffen und beschützt werden.“ (jw)
Königsbronner Gespräche
(18. Januar 2017)Am 17. Und 18. März 2017 sollen die 6. Königsbronner Gespräche, eine Art „Mini-Münchner-Sicherheitskonferenz“, stattfinden – nun unter dem Titel „Sicherheitspolitisches Forum Süd“. Dagegen wird es am 18. März 2017 eine Demonstration geben, auf der auch IMi-Vorstand Tobias Pflüger sprechen wird. Alle weiteren Informationen können diesem Flyer entnommen werden. (jw)
Pax Christi: Unwichtig?
(18. Januar 2017)Die SZ berichtet, der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) plane, dem deutschen Zweig von Pax Christi die Zuschüsse in Höhe von 60.000 Euro zu streichen. Bei einer Ausgabenprüfung seien verschiedene Posten mit den Kategorien „wichtig“, „der Prüfung bedürftig“ und „unwichtig“ versehen worden, Pax Christi sei in der Unwichtig-Schublade gelandet: „Für die katholischen Bistümer, die über den VDD ihre Gemeinschaftsprojekte finanzieren, ist das nicht viel Geld – allein an Kirchensteuern nehmen sie gerade mehr als sechs Milliarden Euro ein. Für Pax Christi, das seine Arbeit überwiegend aus Spenden und Beiträgen finanziert, würden jedoch 20 Prozent der Einnahmen wegfallen“. (jw)
Schweden: Pseudoneutral
(18. Januar 2017)Dass Schwedens neutraler Status allein schon durch die enge Zusammenarbeit mit der NATO hochgradig fragwürdig ist, wurde schon vielfach kritisiert. Die NZZ weist aber auch auf einen weiteren Aspekt hin, der eine „aussenpolitische Ambivalenz“ zeige: „Einerseits spielt das Land die Rolle eines humanistischen, friedliebenden Staates, der sich für Menschenrechte einsetzt und grosszügige Entwicklungshilfe leistet. Andererseits ist Schweden der pro Kopf drittgrösste Waffenexporteur weltweit. Kontrovers ist vor allem das Geschäft mit Saudiarabien, so wurden etwa Waffen gemäss einer ATT-Studie von 2016 gegen Rebellen in Jemen eingesetzt.“ (jw)
Datenweitergabe: Widerspruch
(18. Januar 2017)Die Bundeswehr erhält Daten, um damit Jugendlich anzuschreiben, um sie für den Dienst an der Waffe zu gewinnen. Wie die Badische Zeitung schreibt, ist es möglich, gegen diese Datenweitergabe Widerspruch einzulegen: „Wer im Jahr 2000 geboren ist und keine Datenübermittlung an die Bundeswehr wünscht, kann jetzt bei der städtischen Meldebehörde Widerspruch einlegen. Dies teilt die Stadtverwaltung mit. Einmal jährlich übermitteln die deutschen Städte der Bundeswehr die Daten jedes deutschen Staatsangehörigen, der oder die demnächst volljährig wird.“ (jw)
Afrika: Unfairer Freihandel
(18. Januar 2017)Die Deutsche Welle (via Bpb-Newsletter) berichtet kritisch über die seitens der EU mit allen afrikanischen Ländern angestrebte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA, englisch EPA). Durch das Abkommen sollen die afrikanischen Staaten im Tausch von 15 Jahre zollfreien Zugang zum EU-Markt schrittweise ihre Märkte bis zu 83 Prozent für europäische Produkte öffnen: „Das eigentliche Risiko der WPAs sehen mehrere Staaten wie Nigeria, Republik Kongo und Gabun in der Öffnung ihrer Märkte. Sie fürchten, nicht mit den europäischen Importen konkurrieren zu können, sobald diese zollfrei in ihre Länder kommen. Zudem würden den afrikanischen Ländern Zolleinnahmen wegbrechen. Die Weltbank schätzt, dass Zölle in afrikanischen Ländern südlich der Sahara bis zu 10 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen. […] Kenia als Teil der ostafrikanischen Gemeinschaft, hatte sich zunächst geweigert das WPA zu unterzeichnen. Die EU verhängte daraufhin 2014 für drei Monate Einfuhrzölle auf kenianische Produkte. Unter diesem Druck unterzeichnete das Land schließlich doch.“ (jw)
Manning: Begnadigt
(18. Januar 2017)Immerhin hat sich US-Präsident Barack Obama zum Ende seiner Amtszeit entschlossen, Chelsea (Bradley) Manning zu begnadigen, an der für die Weitergabe von Dokumenten zum Irak-Krieg mit einer Verurteilung zu 35 Jahren Gefängnis ein Exempel statuiert wurde, wie u.a. die Welt berichtet: „Die frühere Wikileaks-Informantin Chelsea Manning wird nach einem Beschluss des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama am 17. Mai vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Obama gewährte der wegen Spionage zu 35-jähriger Haft verurteilten Manning in einer seiner letzten Amtshandlungen einen deutlichen Strafnachlass, wie das Weiße Haus am Dienstag mitteilte.“ (jw)
Optimistische Rüstungsindustrie
(17. Januar 2017)Die Rüstungsindustrie reibt sich die Hände: Unisono wird derzeit die „Lehre“ aus der kritischen Haltung des neuen US-Präsidenten Donald Trump gegenüber der NATO in die Welt hinausposaunt, nun seien die EUropäer gezwungen, massiv aufzurüsten. Bei Airbus zum Beispiel blickt man laut Spiegel Online überaus optimistisch in die Zukunft: „Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus kann dem Streit über die Zukunft der Nato auch etwas Gutes abgewinnen: Das Management rechnet mit steigenden Rüstungsausgaben der Europäer. ‚Meine Vermutung ist, dass wir bereits 2018 in den Budgets erste Veränderungen sehen werden. Die Diskussionen zeigen, dass die Bereitschaft in unseren Heimatnationen zunimmt‘, sagte Airbus-Rüstungschef Dirk Hoke der Nachrichtenagentur Reuters. […] Airbus hat dabei vor allem das nächste Großprojekt zum Bau eines neuen Universalkampfjets im Blick.“ (tp/jw)
Norwegen: Stationierung
(17. Januar 2017)Im Zuge der Truppenstationierungen im Umfeld Russlands wird aktuell berichtet, dass nun auch 300 US-Soldaten in Norwegen „rotierend“ (das neue Wort für quasi-permanent) stationiert und bereits eingetroffen seien. Bei n-tv heißt es dazu: „Offiziell geht es um einen einjährigen Test, bei dem die Marines besser mit der norwegischen Armee trainieren und gemeinsam Manöver unter harten Bedingungen abhalten sollen. Dennoch hatte die russische Botschaft in Oslo Protest angemeldet und erklärt, die „Sicherheitslage in Nordeuropa“ werde sich dadurch ‚sicherlich nicht verbessern‘.“ (jw)
Jemen: 10.000 Tote
(17. Januar 2017)Antiwar berichtet über eine UN-Untersuchung, der zufolge im vom Westen unterstützten saudischen Krieg im Jemen inzwischen 10.000 Menschen ihr Leben verloren haben sollen. Siehe dazu auch IMI-Analyse 2016/09. (jw)
NATO: Obsolet?
(16. Januar 2017)Während sein Verteidigungsminister Mattis vor wenigen Tagen noch die Bedeutung der NATO hervorhob, schlug Donald Trump, der in wenigen Tagen das US-Präsidentenamt übernehmen wird, gegenüber der Bild-Zeitung andere Töne an. Der Deutschlandfunk fasst seine Aussagen folgendermaßen zusammen: „In einem Interview mit der ‚Bild‘-Zeitung und der Londoner ‚Times‘ sagte er, die Nato habe Probleme. Sie sei obsolet, weil sie erstens vor vielen Jahren entworfen wurde. Zweitens zahlten die Mitgliedsländer nicht, was sie zahlen müssten. Das Bündnis sei auch deshalb obsolet, weil es sich nicht um den Terrorismus gekümmert habe.“ (jw)
Maulkorb
(14. Januar 2017)Laut tagesschau.de sollen Soldaten künftig im Umgang mit Medien strengen Regeln unterliegen: „Die Verteidigungsministerin will der Bundeswehr einen Verhaltenskodex mit restriktiven Regeln für den Umgang mit Parlament und Medien vorschreiben. Die Soldaten empfinden das als Misstrauensvotum, der Wehrbeauftragte spricht von unnötigem Generalverdacht.“ (jw)
Stärke zeigen?
(14. Januar 2017)Was die „Lehren“ aus der Wahl Donald Trumps für die europäische Sicherheitspolitik anbelangt, singen in Deutschland nahezu alle Medien vom selben Blatt. So wird auch in der Internationalen Politik gefordert, nun müsse mit der EU-Aufrüstung ernst gemacht werden: „Die EU muss ihr Schicksal in die Hand nehmen und sich wieder in eine Position der Stärke bringen. […] Entschiedenheit sollte Europa in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik demonstrieren. Die europäischen NATO-Mitglieder sollten klarstellen, dass sie ihren Verpflichtungen in Sachen Verteidigung und Rüstung nachzukommen gedenken – nicht nur über mehr Verteidigungsausgaben, sondern vor allem durch eine verbesserte Fähigkeit zur Zusammenarbeit und durch Integrationsinitiativen zwischen EU-Staaten.“ (jw)
SiKo: Mobivideo
(13. Januar 2017)Am Samstag den 18. Februar (Beginn 15h) findet die zentrale Demo gegen die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz statt. Dazu gibt es inzwischen auch ein Mobilisierungsvideo. (jw)
Afghanistan: Düstere Bilanz
(12. Januar 2017)Der Deutschlandfunk berichtet heute über Aussagen des Spezialinspekteur des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan, Sopko, in denen er die Lage am Hindukusch überaus skeptisch bewertete: „Er legte heute eine Liste mit den größten Bedrohungen für einen Erfolg des militärischen und zivilen Einsatzes vor. Darin zeichnet er ein düsteres Bild und führt mehrere Risikofaktoren an. Die bedeutendsten seien die immer noch mangelhaften Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte sowie die weit verbreitete Korruption im Land.“ (jw)
Verfassungsschutz: Cyberoffensive
(12. Januar 2017)Obwohl immer gebetsmühlenartig wiederholt wird, Cyberkapazitäten würden „nur2 zur Verteidigung abgeschafft, ist schon länger bekannt, dass die Bundeswehr auch an Offensivkapazitäten arbeitet (siehe IMI-Analyse 2016/17). Nun forderte auch Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, Deutschland müsse in der Lage sein, auf Attacken mit „Gegenangriffen“ zu reagieren. Bissig kommentiert netzpolitik.org: „Hans-Georg Maaßen geht in die ‚Cyber-Offensive‘. Er wünscht für das Bundesamt für Verfassungsschutz, das auch in der Abwehr von Spionage tätig ist, dass es im anstehenden Wahljahr potentielle Angreifer auch mal gepflegt wegcybern darf.“ (jw)
Hamburg: Demo
(11. Januar 2017)„Anti-Militaristisch- / Friedensbewegte aus verschiedenen Hamburger Gruppen“ rufen am 13. Januar um „3 vor 12“ ebenfalls zu einer Kundgebung gegen die Verlegung von US-Truppen über Deutschland nach Osteuropa auf. Proteste gegen den von der Bundeswehr mit organisierten Transport von 4.000 Truppen und 2.000 Fahrzeugen fanden zuvor schon in Bremerhaven und Lehnin statt, weitere Kundgebungen werden entlang der Strecke geplant.
„Krieg beginnt mit Manövern – Wir erklären der Bevölkerung in Rußland den Frieden“, so der Aufruf zu Hamburg.
Rüstungsexporte: Maritime Agenda 2025
(11. Januar 2017)Verschiedentlich wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Politik von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit seinem Ruf, kritisch gegenüber Rüstungsexporten eingestellt zu sein, herzlich wenig zu tun hat (IMI-Standpunkt 2014/056). Augengeradeaus verweist nun auf die von Gabriel vorgelegte und vom Kabinett verabschiedete „Maritime Agenda 2025“, die dies erneut bestätigt. U.a. unter Bezugnahme auf das „Strategiepapier der Bundesregierung zur Stärkung der Verteidigungsindustrie in Deutschland“ (siehe IMI-Analyse 2016/02) wird darin der verstärkte Export von Kriegsschiffen gefordert: „Angesichts der zunehmenden Bedeutung sicherer Seewege für die Weltwirtschaft, des sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeldes sowie der wachsenden Bedrohungen für die maritime Sicherheit wird die Bedeutung des Schiffbaus künftig weiter steigen. Die globalen sicherheitspolitischen Entwicklungen und der Wandel an erforderlichen militärischen Fähigkeiten führen derzeit sowohl in Teilen der westlichen Industriestaaten als auch weltweit zu einem erneuten Anstieg der Verteidigungsbudgets und zu veränderten Beschaffungsbedarfen; das gilt auch für die Deutsche Marine. Vor diesem Hintergrund sind Exporterfolge auf Auslandsmärkten und nationale Referenzprojekte von zentraler Bedeutung für die Grundauslastung der deutschen Marineschiffbauindustrie und den Erhalt einer leistungsfähigen nationalen wehrtechnischen Industrie in diesem Bereich.“ UPDATE: Auch Björn Müller von „Pivot Area“ kritisiert dien Maritime Agenda 2025 als „Exportförderpolitik für die maritime Wehrindustrie“. (jw)
Strategieprogramm 2025
(11. Januar 2017)Die Badische Zeitung berichtet über das „Strategieprogramm 2025“ aus dem Verteidigungsministerium, in dem der dringende Bedarf nach neuen Rekruten klar artikuliert wird: „Es ist zu erwarten, dass bisherige Ansätze zur Personalgewinnung und- bindung künftig nicht ausreichend sein werden, um diese Herausforderungen sowohl für den militärischen als auch für den zivilen Personalkörper erfolgreich bewältigen zu können“. (jw)
Afghanistan: Abschiebung
(10. Januar 2017)Obwohl u.a. Spiegel Online berichtet, dass die Zahl der Binnenflüchtlinge in Afghanistan aufgrund der Kriegssituation immer weiter zunimmt, will die Bundesregierung weiter Menschen nach Afghanistan abschieben: „Das sind 40.000 mehr als noch Mitte Dezember. Damals hatte die Uno 580.000 Flüchtlinge gemeldet. Grund für den Anstieg der Flüchtlingszahlen sind laut den Vereinten Nationen die anhaltenden und sich ausbreitenden Konflikte im Land. Hinzu kommen Mangelernährung und die Gefahr durch explosive Kriegsrückstände. […] Trotz der Notlage will die Bundesregierung Flüchtlinge aus Afghanistan abschieben, wenn sie aus sicheren Regionen stammen.“ (jw)
Afghanistan: Mehr Luftschläge
(10. Januar 2017)Antiwar.com berichtet, im vergangenen Jahr hätten die US-Luftschläge in Afghanistan um 40 Prozent zugenommen: „That’s 1,337 weapons dropped by US forces in Afghanistan in 2016, with no sign the escalation is slowing down.“ (jw)
Fischers EU-Strategie
(10. Januar 2017)Mit einer ganz ähnlichem Wortwahl wie bereits Einpeitscher und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker (siehe IMI-Analyse 2016/34)fordert nun auch Ex-Außenminister Joschka Fischer in der Süddeutschen Zeitung, die EU könne „nicht länger eine reine ‚Soft Power‘ bleiben.“ Stattdessen brauche die EU eine eigene Verteidigungsstrategie, so die Aussage Fischers: „Die alte EU konnte sich im Schutz der amerikanischen Sicherheitsgarantie als Wirtschaftsmacht entwickeln. Fällt diese aber weg, so wird der EU nichts anderes übrig bleiben, als selbst eine ernsthafte machtpolitische Dimension zu entwickeln. Frankreich und Deutschland sind jetzt ein weiteres Mal, sechzig Jahre nach den römischen Verträgen, durch die Geschichte und ihren Verlauf gefragt, Europa zu gestalten.“ (jw)
Staatliche Rüstungsförderung
(10. Januar 2017)Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Nicole Gohlke geht hervor, dass seitens des Forschungsministeriums umfassend Gelder an die Rüstungsindustrie geflossen sind, berichtet der Tagesspiegel: „Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat in den beiden vergangenen Jahren über 13 Millionen Euro Forschungsförderung an Unternehmen gegeben, die im Bereich der Rüstungsindustrie aktiv sind. […] Der größere Teil der Projekte wurde demnach vom EADS/Airbus-Konzern durchgeführt […]. Andere unterstützte Firmen sind KraussMaffei, ThyssenKrupp oder der Triebwerkhersteller MTU Aero.“ (jw)
NATO-Umzug: Verschoben
(9. Januar 2017)Verschiedene Medien berichten über eine Verzögerung des geplanten Umzugs des NATO-Hauptquartiers, das aber auch in Zukunft in Brüssel liegen soll. Die Presse nennt auch einen Betrag, was das Ganze kosten soll: „Die künftige Zentrale des Militärbündnisses steht auf einem Gelände in unmittelbarer Nähe des alten Hauptquartiers im Nordosten der belgischen Hauptstadt. Das gigantische Gebäude soll auf mehr als 245.000 Quadratmetern Platz für insgesamt rund 4000 Mitarbeiter und Diplomaten bieten. Die Kosten für das Projekt wurden zuletzt mit rund 1,1 Milliarden Euro beziffert.“ (jw)
Bundeswehr-Tram: Verlängert
(9. Januar 2017)Wie die Sächsische Zeitung berichtet, fährt auch im neuen Jahr eine Bundeswehr-Tram durch Dresden: „Eigentlich sollte das Tarnmuster längst weg sein. Nun haben sich die Bundeswehr und die Dresdner Verkehrsbetriebe aber dazu entschlossen, auch 2017 eine Straßenbahn in Flecktarn durch Dresden rollen zu lassen.“ (jw)
Ischinger: EU-FBI?
(9. Januar 2017)Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, fordert in der Deutschen Welle, sicherheitspolitisch zum großen Schlag auf EU-Ebene auszuholen: „Was wir eigentlich brauchen, ist eine Art europäisches FBI“. (jw)
Stationierungskosten
(9. Januar 2017)Im Trierischen Volksfreund findet sich ein Artikel über die deutschen Zuschüsse für die Stationierungskosten von US-Soldaten hierzulande: „Eine Volksfreund-Anfrage beim Bundesbauministerium zeigt, dass Deutschland in den vergangenen zehn Jahren rund 600 Millionen Euro für die Baubetreuung von US-Kindergärten, -Flugzeughangars oder -Fitness-Centern gezahlt hat. […] Hinzu kommen jährlich „Verteidigungsfolgekosten“ von zig Millionen Euro: Sozialausgaben für entlassene Zivilangestellte der Amerikaner, Zahlungen für Schäden, die das Militär verursacht hat – sei es durch Autounfälle oder durch freigesetzte Schadstoffe – oder Grundsteuern für die Stützpunkte. 2015 summierten sich diese Kosten auf 56,4 Millionen Euro. 2016 werden es wohl 42,3 Millionen Euro.“ (jw)
Winterpause
(21. Dezember 2016)Das Büro der Informationsstelle Militarisierung wird vom 21.12.2016 bis 9.1.2017 nur sehr sporadisch besetzt sein. Neben den Feiertagen stehen auch kleinere Umbaumaßnahmen an. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir in diesem Zeitraum keine neuen Artikel und Nachrichten („Aktuell“) online stellen und Anfragen und Bestellungen nicht sofort bearbeiten werden.
Wir wünschen unseren Freund_innen eine gute Zeit zwischen den Jahren und uns allen ein friedlicheres Jahr 2017.
Frontex: Problematische Partner
(20. Dezember 2016)Die taz beleuchtet in einem Artikel kritisch die Kooperationspartner der EU-Genzschutzagentur Frontex: „Die EU baut Frontex zu einer Full-Service-Agentur um. Dabei arbeitet sie mit zwielichtigen Regierungen zusammen. […] Mit 18 Staaten auf der ganzen Welt hat Frontex Working Arrangements. Darunter Länder in Osteuropa, USA, Kanada, Kap Verde und Nigeria. Doch es laufen Verhandlungen für weitere Abkommen: mit Libyen, Marokko, dem Senegal, Mauretanien, Ägypten und Tunesien. ‚Nordafrika ist für neue Kooperationen unser wichtigster Schwerpunkt‘, teilt Frontex mit.“ (jw)
GKKE: Rüstungsexportbericht
(20. Dezember 2016)Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung hat kürzlich ihren alljährlichen Rüstungsexportbericht veröffentlicht: „Im Jahr 2015 hat die Bundesregierung hinsichtlich kommerzieller Rüstungsexporte insgesamt Einzel- und Sammelausfuhrgenehmigungen im Wert von knapp 12,82 Milliarden Euro erteilt. Dies stellt eine Steigerung von 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar.“ (jw)
Luftwaffe-Eliteeinheiten
(20. Dezember 2016)Neben dem Kommando Spezialkräfte des Heeres und den Kampfschwimmern der Marine soll nun auch die Luftwaffe eine eigene Eliteeinheit bekommen, wie die Bundeswehr auf ihrer Homepage mitteilt. Dabei soll es sich um die Kräfte der 4. Staffel des Hubschraubergeschwaders 64 in Laupheim (Baden-Württemberg) handeln, die schon zuvor – obwohl zur Luftwaffe gehörend – eng an die Division Schnelle Kräfte des Heeres angebunden war und den Einsatz mit Spezialkräften des Heeres trainierte. Nun wird die Staffel selbst offiziell als Spezialeinheit geführt, wie aus einer Weisung des Generalinspekteurs Wieker vom 11. November hervorgeht.
Die Zeitung Bild am Sonntag berichtete bereits im Oktober über den Einsatz der „Kampfretter – so nennt sich diese Einheit der Luftwaffe, die in Afghanistan nun erstmals zum Einsatz kommt“
Kriegszustand?
(20. Dezember 2016)Wie zu befürchten war, melden sich nach dem mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin nun allerlei Scharfmacher zu Wort. Am lautesten sticht dabei der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU), hervor, der von einem „Kriegszustand“ spricht. In der Huffington Post wird er mit den Worten zitiert: „Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten. […] Wir werden, wo wir es für erforderlich halten, auch mit schwerem Gerät antreten“, so der CDU-Politiker. Zum Einsatz kommen sollen „Langwaffen, Kurzwaffen, Maschinenpistolen“. UPDATE: Laut Tagesschau-Newsticker habe sich Bouillon inzwischen von seiner Wortwahl distanziert: „Später zog Bouillon seine Worte zurück. Künftig wolle er das Wort ‚Krieg‘ nicht mehr in diesem Zusammenhang verwenden.“ (jw)
Journalisten: Überwachung
(20. Dezember 2016)Netzpolitik.org (via Bpb-Newsletter) stellt eine Studie zur Pressefreiheit im Westen vor: „Westliche Demokratien laufen mit ihrer Überwachungsaufrüstung Gefahr, investigativen Journalismus zu unterdrücken, wie wir es bisher nur aus autokratischen Regimen kennen – das zeigt eine neue Studie der Universität Wien.“ (jw)
Mali: Warnungen
(19. Dezember 2016)Im Vorfeld einer erneuten Reise der Verteidigungsministerin von der Leyen in den Sahel keimt Ansatzweise eine Debatte um den derzeit gefährlichsten Einsatz der Bundeswehr in Mali auf. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, habe Koordinierungsschwierigkeiten und Probleme bei der Wasserversorgung bemängelt. Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, André Wüstner habe vor überzogene Erwartungen gewarnt und eine bessere Zusammenarbeit mit zivilen Organisationen angemahnt, so u.a. der Deutschlandfunk und n-tv.de.
Bremen: Gegen Bundeswehrausbildung
(19. Dezember 2016)Gegen die Ausbildung von Informatikerinnen für die Bundeswehr an der Hochschule Bremen gibt es nun auch Widerstand außerhalb der Uni. Wie der Weser Report berichtet, hat der Beirat Neustadt die Universität aufgefordert, „die Kooperation mit der Bundeswehr zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu beenden und sich wieder auf die selbst formulierten ethischen Grundsätze zu besinnen“.
Afghanistan: Abschiebung
(19. Dezember 2016)Recht freimütig beschreibt die FAZ die vermutlichen Motive der Bundesregierung, nun Afghanen abzuschieben, die einem recht nüchternen Kalkül folgen: „Das hat zwei Gründe, über die nicht ganz so laut geredet wird […] Wenn wir keine Flüchtlinge nach Afghanistan zurückschicken könnten, dann wäre der inzwischen schon anderthalb Jahrzehnte währende und gerade erst verlängerte Bundeswehreinsatz dort vergeblich gewesen – mit all seinen menschlichen und finanziellen Opfern. Es wäre das Eingeständnis eines Scheiterns, das die Bundesregierung unbedingt vermeiden will. Der andere Grund erschließt sich bei einem Blick in die Statistiken, die über Bildungsstand und Integrationschancen der Flüchtlinge zumindest eine ungefähre Auskunft geben. Sie zeigen, dass viele Afghanen deutlich schlechtere Voraussetzungen mitbringen als die Mehrzahl der Syrer oder Iraker.“ (tp/jw)
Lernkurve?
(19. Dezember 2016)Erinnernd an Barack Obamas ursprüngliche Ankündigung, eine Annäherung mit Russland anzustreben, dann aber den neuen Kalten Krieg sogar noch beschleunigt zu haben, hofft Klaus-Dieter Frankenberger in der FAZ (via Bpb-Newsletter) bei Donald Trump auf eine ähnliche „Lernkurve“. „Theatralisch stellte Barack Obama Amerikas Beziehung zu Russland vor acht Jahren auf ‚Neustart‘. Mittlerweile ist der politische Abkühlungsprozess ins Unermessliche gestiegen. Vielleicht hat Trump eine ähnliche ‚russische Lernkurve‘“. (jw)
Atomwaffen: Bankenfinanzierung
(17. Dezember 2016)Entwicklungspolitik Online berichtet über die neue Studie „Don’t Bank on the Bomb“ der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und der niederländischen Friedensorganisation PAX: „Deutsche Finanzinstitute haben im Jahr 2016 erneut einen Milliardenbetrag in Atomwaffen-Hersteller investiert. […] Demnach haben zehn deutsche Finanzdienstleister seit Januar 2013 den Atomwaffen-Produzenten rund 9,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.“ (jw)
Mangelnder Führungswillen?
(16. Dezember 2016)In der FAZ lamentieren Johannes Becker, Direktor am Institut für Finanzwissenschaft der Uni Münster, und Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, über einen angeblich mangelnden deutschen Führungswillen in der EU: „Die deutsche Politik verweigert sich einer Führungsrolle, auch wenn es manchmal gegenteiligen Anschein hat. Sie schwankt zwischen kurzfristigem Krisenmanagement und Verdrängung, beschränkt sich ansonsten auf das Ausbremsen der Initiativen anderer Mitgliedstaaten und wirkt insgesamt orientierungslos.“ (tp/jw)
Norddeutsche Drehscheibe
(16. Dezember 2016)Die junge Welt berichtet über die zentrale Rolle Norddeutschlands als Drehscheibe für die Aufrüstung der NATO-Ostflanke: „Norddeutschland wird im Januar die Drehscheibe für eine Verlegung von US-Streitkräften nach Mittel- und Osteuropa. Anfang des Jahres sollen rund 4.000 US-Soldaten mit ihren Fahrzeugen und ihrer Ausrüstung unter anderem in Bremerhaven eintreffen, von dort geht es weiter nach Polen.“ (tp/jw)
Leopard II explodiert
(16. Dezember 2016)Der Exportschlager Leopard II – angeblich einer der besten Panzer weltweit – hat sich bei den ersten größeren Gefechten, in denen er nun zum Einsatz kam, als sehr angreifbar erwiesen so stern.de. Schon länger wird v.a. von kurdischen Gruppen berichtet, dass die Türkei in Syrien deutsche Leopard II einsetze. Nun sind offenbar drei davongetroffen worden, zwei wären sogar explodiert, ohne jede Überlebenschancen für die Insassen. Womöglich wurden die Panzer sogar von Pnazerabwehrwaffen aus den 1970ern besiegt worden, so stern.de weiter.
Ausnahmezustand verlängert
(15. Dezember 2016)Die Tagesschau (via Bpb-Newsletter) berichtet über die Verlängerung des Ausnahmezustandes in Frankreich: Als Begründung gab die Regierung das erhöhte Anschlagsrisiko vor den Wahlen in Frankreich im nächsten Jahr an. Mehrere Abgeordnete forderten einen Ausstieg aus dem Dauer-Ausnahmezustand. Der ist damit nun schon zum fünften Mal ausgeweitet worden. Mit 288 gegen 32 Stimmen und fünf Enthaltungen fand der Beschluss allerdings eine sehr breite Mehrheit.“ (jw)
Afghanistan: Sammelabschiebung
(15. Dezember 2016)Trotz der verheerenden Situation in Afghanistan (siehe IMI-Analyse 2016/24) wurde gestern von Frankfurt aus die erste Sammelabschiebung in das Land durchgeführt, wie u.a. der Tagesspiegel berichtet: „In der Nacht und am Morgen kam die Bundespolizei und nahm abgelehnte Flüchtlinge aus Afghanistan mit, die in Deutschland kein Bleiberecht haben. 34 von ihnen wurden noch am Mittwochabend dann vom Flughafen Frankfurt in die afghanische Hauptstadt Kabul geflogen. Damit hat Deutschland die erste sogenannte „Sammelabschiebung“ vollzogen – also eine gebündelte Abschiebung in ein Land, in denen den zurückkehrenden Menschen angeblich keine Verfolgung droht.“ (jw)
Hardheim (BaWü): Konversion rückwärts
(14. Dezember 2016)Eigentlich war die Schließung der Carl-Schurz-Kaserne in Hardheim am nördlichsten Ende Baden-Württembergs längst beschlossene Sache. Zwischenzeitlich waren hier Flüchtlinge und die letzten Soldat_innen zeitgleich – getrennt durch einen Zaun – untergebracht, im Sommer 2016 verließen dann die letzten Uniformierten die Kaserne und im Herbst auch die Geflüchteten. „Eine nachhaltige Nutzung der Liegenschaft war in der strukturschwachen Region in weiter Ferne“, so die Rhein-Neckar-Zeitung, die nun Grund zum Jubeln findet: „[S]eit Montagabend hat die Kaserne wieder eine Perspektive: Der Standort wird ab dem zweiten Halbjahr 2017 die Heimat einer Stabs-/Führungsunterstützungskompanie… Die neue Kompanie wird zunächst mit 175 Soldaten bis Ende 2019 aufgestellt und ab 2020 den Gefechtsstand eines NATO Special Operations Component Command (SOCC) bilden.“
Ob es weitere Fälle von Liegenschaften gibt, die nach dem Stationierungskonzept von 2011 geschlossen werden sollten, nun aber doch weiter betrieben werden, ist nicht bekannt. (cm)
Militärlogistik Norddeutschland
(14. Dezember 2016)Der NDR kündigt für Januar eine massive Verlegung von US-Truppen- und Waffensystemen über Norddeutschland nach Polen an. Insgesamt sollen 4.000 Kräfte und 2.000 Fahrzeuge transportiert werden, organisiert von der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt aus: Die Soldaten werden von Bremerhaven mit der Bahn durch Norddeutschland nach Osteuropa gefahren. Und nicht nur die: „Etwa 900 Waggons mit militärischem Material werden per Eisenbahn von Bremerhaven nach Polen gebracht. Dazu kommen ungefähr 600 Frachtstücke, die vom Truppenübungsplatz Bergen-Hohne ebenfalls per Bahn nach Polen transportiert werden. Knapp 40 Fahrzeuge werden direkt über die Straße von Bremerhaven nach Polen bewegt“, hieß es von der Pressestelle der Bundeswehr.
Panzergrenadiere nach Litauen
(14. Dezember 2016)Am heutigen Mittwoch, 14. Dezember 2016, lud die Bundeswehr zu einem „Medientag“ auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr, um den letzten Übungen des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach beizuwohnen. „Mit Schützenpanzern Marder übt eine Panzergrenadierkompanie das beweglich geführte Gefecht mit realer, scharfer Munition, inklusive Panzerabwehrlenkraketen Milan“, so die Einladung des Presse- und Informationszentrums des Heeres.
Die Soldaten aus Oberviechtach sollen im Januar nach Litauen verlegt werden und dort den Kern jener etwa 1.000 Kräfte starken Battlegroup stellen, die zunächst für ein halbes Jahr dort stationiert und dann durch andere Einheiten aus Deutschland ersetzt werden. Die rotierende, aber letztlich permanente Präsenz solcher Kampfeinheiten in Litauen hatte Deutschland auf dem NATO-Gipfel 2016 in Warschau zugesagt. Diese „verstärkte, vorgeschobene Präsenz“ soll explizit der „Abschreckung“ Russlands dienen. Litauen hat bereits umfassend in die Infrastruktur für die deutsche Truppenpräsenz investiert, außerdem schafft sich das Land nun verstärkt Waffensysteme aus Deutschland an.
US-Außenminister: Überraschung
(13. Dezember 2016)Nachdem über einen längeren Zeitraum alle möglichen Namen für den Posten des US-Außenministers unter Donald Trump gehandelt wurden, berichtet nun u.a. Spiegel Online, dass nun ein Öllobbyist ernannt wurde: „Nun ist es offiziell: Donald Trump holt den Chef des Mineralölkonzerns ExxonMobil in sein Kabinett. Rex Tillerson wird ab Januar US-Außenminister.“ (jw)
EU: Überwachungsstaat
(13. Dezember 2016)Der Tagesspiegel (via Bpb-Newsletter) veröffentlichte einen sehr ausführlichen und lesenswerten Überblick über die Militarisierung der EU-Außengrenzen und die Profiteure aus der Rüstungsindustrie: „Militärisch organisierte Lagezentren, Datenbanken über zig Millionen Menschen, großflächige Überwachung mittels ferngesteuerter Drohnen, dazu milliardenschwere Fonds für Forschung und die anschließende Beschaffung der benötigten Technologie – kaum bemerkt von ihren Bürgern betreiben die Regierungen der Europäischen Union ein folgenschweres Langzeitprojekt: die großtechnische Aufrüstung zur Kontrolle der Außengrenzen.“ (jw)
Rekrutierung: Überblick
(13. Dezember 2016)Einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Werbe- bzw. Rekrutierungsmaßnahmen der Bundeswehr liefert Zeit Online: „Seit dem Ende der Wehrpflicht vor fünf Jahren hat die Bundeswehr große Nachwuchssorgen: Junge Leute kommen nicht mehr einfach als Zwangsverpflichtete in die Truppe. Die Bundeswehr liefert sich mit der Wirtschaft einen Wettkampf um die besten Köpfe – und den scheint sie bislang zu verlieren.“ (tp/jw)
Trump: F-35-Kritik
(13. Dezember 2016)Alle, die im künftigen US-Präsidenten Donald Trump primär einen Rüstungslobbyisten erblicken, dürften über die Meldung überrascht sein, dass er heftige Kritik am F-35-Programm geäußert hat. Dabei handelt es sich um einen Tarnkappenbomber, dessen kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind, über den aber die vorherigen Präsidenten allesamt die Hand hielten. Der Standard schreibt: „Der designierte US-Präsident Donald Trump hat die hohen Kosten für den Tarnkappenbomber F-35 der Firma Lockheed Martin scharf kritisiert. ‚Das F-35-Programm und seine Kosten sind außer Kontrolle geraten‘, schrieb Trump am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. ‚Nach dem 20. Jänner können und werden Milliarden an Militär- (und anderen) Ausgaben eingespart werden.‘“ (tp/jw)
Rheinmetall: Modernisierung
(13. Dezember 2016)Spiegel Online berichtet über einen neuen Auftfag im Umfang von 135 Mio. Euro für den deutschen panzerbauer Rheinmetall: „Die Krisen in der Welt bescheren den Waffenproduzenten gute Geschäfte. Zu den Profiteuren gehört auch der Rheinmetall-Konzern. Die Düsseldorfer bringen jetzt 90 Fuchs-Panzerwagen auf den neuesten Stand.“ (jw)
Bundeswehr erweitert Malieinsatz
(12. Dezember 2016)Nach Berichten der Frankfurter Rundschau will das Verteidigungsministerium den Bundeswehreinsatz in Mali erweitern. Im Januar 2017 soll der Bundestag über die Entsendung weiterer 350 Soldat_innen nach Mali entscheiden – damit würden die aktuell 650 Soldat_innen auf 1000 aufgestockt. Diese Erweiterung sei notwendig, um der Vereinbarung zwischen der BRD und den Vereinten Nationen nachzukommen, ab Frühjahr die Rettungskette im Norden Malis von den Niederländischen Streitkräften zu übernehmen. In dem Artikel wird von der Leyen mit folgenden Worten zitiert: „Wir stellen Rettungshubschrauber und zu deren Schutz Kampfhubschrauber, um im Notfall verletzte Soldaten ausfliegen zu können“. Obwohl der Mali-Einsatz laut der Verteidigungsministerin „mit das gefährlichste Mandat, das die Bundeswehr zurzeit erfüllt“, sei, scheint dies für die Bundesregierung nicht in einem Widerspruch mit dem Abschluss des Rücknahmeabkommens von Mali mit der EU zu stehen – die Niederlande haben für die EU am Sonntag, den 11.12.2016, ein Abkommen unterzeichnet, was die Abschiebung von Menschen aus Mali leichter gestalten wird. Zu der Lage in Mali und zu weiteren Bundeswehreinsätzen in Afrika äußerte sich Christoph Marischka auf der Demonstration gegen die Mandatsverlängerungen am 10.12. in Stuttgart. Zum Konflikt in Mali und der deutschen und europäischen Beteiligung hat die Informationsstelle Militarisierung dieses Fact Sheet erstellt.(ja)
Jordanien: Deutsche Aufrüstung
(12. Dezember 2016)Deutschland beliefert Jordanien Spiegel Online zufolge umfangreich mit Equipment: „Mit Schützenpanzern rüstet die Bundesregierung Jordanien für den Kampf gegen den IS auf. Was Berlin nicht sagt: Die IS-Jäger bekommen nach SPIEGEL-Informationen auch hochmoderne Spionagetechnik für Lauschattacken.“ (tp/jw)
Litauen: Investitionen
(12. Dezember 2016)Deutschland wird das NATO-Bataillon in Litauen anführen, das dort ab 2017 dauerhaft gegen Russland stationiert werden soll. Für diesen Zweck soll der DPA zufolge nun in die Infrastruktur investiert werden: „Litauen wird 5,8 Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur für die Stationierung des von Deutschland angeführten Nato-Bataillons in dem Baltenstaat investieren.“ (jw)
Raketenschild: Deutsche Marine
(9. Dezember 2016)N-tv zufolge will sich die deutsche Marine Radarsysteme beschaffen, die nicht nur recht teuer sind, sondern auch zum NATO-Raketenschild gehören sollen: „Die Luftverteidigungs-Fregatten der deutschen Marine sollen mit neuen Radargeräten ausgerüstet werden, die auch in den Weltraum schauen und damit einen Teil des Nato-Raketenschildes bilden können. […] Nach früheren Angaben von Fachleuten dürften die Kosten für derartige Radare bei etwa 450 Millionen Euro liegen.“ (tp/jw)
Anti-Iran-Front
(9. Dezember 2016)Eine deutliche Verschärfung des Kurses gegenüber dem Iran, das könnte einer der Punkte sein, mit dem sich auch die bisherigen Nominierungen des künftigen Kabinetts Trump anfreunden können. Sowohl Sicherheitsberater Michael Flynn als auch Verteidigungsminister James Mattis gelten als ausgewiesene Iran-Hardliner (siehe IMI-Standpunkt 2016/036). Nun berichtet Antiwar.com über die Organisation „United Against a Nuclear Iran” (UANI), die ebenfalls Druck in diese Richtung ausübt: „ United Against a Nuclear Iran (UANI), an organization packed to the gills with a bipartisan who’s who of hawkish figures, held an event on the “Future of Iran Policy” in Washington DC.” (jw)
Von der Leyen in Riad
(8. Dezember 2016)Bei ihrem Besuch in Saudi Arabien will „Verteidigungsministerin“ von der Leyen die Militärkooperation mit Saudi Arabien weiter ausbauen. Zukünftig sollen nicht nur saudische Soldaten in Deutschland ausgebildet werden, sondern auch deutsche Soldaten nach Saudi Arabien entsandt werden, u.a. um sich an einem gemensamen Hauptquartier sunnitischer Kräfte (der Islamic Military Counter Terrorism Coalition) zu beteiligen. Letztlich läuft dies immer deutlicher auf eine offene Unterstützung des völkerrechtswidrigen und verheerenden Krieges Saudia Arabiens im Jemen hinaus. Matthias Gebauer formuliert das in einem Artikel für Spiegel Online (der auch sonst eher wie eine Pressemitteilung des BMVg daherkommt) so: „Die Forderungen der Saudi-Araber kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Zwar gibt es mit vielen Ländern Austauschprogramme, bei denen ausländische Soldaten an der Bundeswehr-Universität oder anderen Institutionen ausgebildet werden. Die Kooperation mit den Saudi-Arabern aber erscheint schon wegen des von Riad brutal geführten Kriegs im Jemen und der ständigen Missachtung von Menschenrechten im Inland problematisch. Von der Leyen setzt trotzdem darauf, den Austausch auszubauen.“
Von Riad aus soll die Ministerin dann nach Jordanien weiterreisen, um Schützenpanzer vom Typ Marder symbolisch zu übergeben, die dem jordanischen militär zuvor von der Bundesregierung geschenkt wurden. (cm)
Ägäis-Einsatz: Streit
(8. Dezember 2016)Anlässlich des NATO-Außenministertreffens in Brüssel berichten mehrere Medien von Streit oder Diskussionen über den NATO-Einsatz in der Ägäis, wie etwa der Deutschlandfunk. Demnach habe sich die Türkei erneut für eine Ende der NATO-Präsenz zwischen Griechenland und der Türkei ausgesprochen, die offiziell die türkische Küstenwache dabeiunterstützen soll, die Weiterreise von Flüchtlingen zu unterbinden.
Beobachter_innen gehen jedoch davon aus, das Militär und Regierung der Türkei selbst in die Schlepperei verwickelt seien und das Ende des Ägäis-Einsatzes der türkischen Regierung die Möglichkeit eröffnen solle, Migration gegenüber Deutschland und anderen EU-Staaten als Druckmittel einzusetzen. (cm)
Mali: Mission Creep
(8. Dezember 2016)In einem Beitrag für die Stiftung Wissenschaft und Politik warnt Denis M. Tull vor einem „Mission Creep“ in Mali, also der beständigen Ausweitung eines Militäreinsatzes der gar nicht mehr erfolgreich sein kann. Seine Bilanz der Situation ist ungeschminkt: Der „Friedensprozess“ werde nicht umgesetzt, den Norden Malis beherrschen bewaffnete Gruppen und die Sicherheitslage habe sich „im gesamten Land dramatisch verschlechtert“: „Von Ende 2015 bis September 2016 kam es zu 52 Anschlägen auf MINUSMA; dabei starben 30 Menschen. 52 Todesopfer gab es zwischen Juni und September bei Attacken auf die Armee“. Insbesondere hätten nun auch in Zentralmali „Rechtlosigkeit und Gewalt … Fuß gefasst“ und würde der Konflikt auch auf die Nachbarstaaten übergreifen.
Die Hauptverantwortung für diese negativen Entwicklungen sieht Tull bei der malischen Regierung, die internationale „Partner“ wie die französischen Truppen und die maßgeblich von Deutschland geführte MINUSMA-Mission als „Sicherheitsdienstleister“ nutze und zugleich von den Konflikten im Norden auch profitiere: „Solange dort Konflikt und Instabilität andauern, kann die Regierung von Reformstau, Korruption und wachsenden sozialen Protesten ablenken“, so Tull. Kritik wird jedoch auch an der jahrelangen „Ertüchtigung“ – Aufrüstung – der Region und der EU-Trainingsmission EUTM geübt: „dass EUTM Mali seit 2013 mehr als 8000 malische Soldaten (60 Prozent der Landstreitkräfte) ausgebildet hat“ habe die Erosion der Sicherheitslage jedenfalls nicht verhindert.
EU-NATO: Aktionsprogramm
(7. Dezember 2016)Schon auf dem NATO-Gipfel in Warschau wurde eine gemeinsame NATO-EU-Erklärung verabschiedet, in der eine engere Zusammenarbeit anvisiert wurde (siehe IMI-Analyse 2016/29). Laut aktuellen Medienberichten wurde dieses Vorhaben nun mit einem Programm konkretisiert: „Die NATO und die EU haben ein 42-Punkte-Programm für eine engere Kooperation beschlossen. Sie wollen bei Marineeinsätzen, der Cyberabwehr und in der Rüstungsforschung stärker zusammenarbeiten, um besser auf neue Bedrohungen reagieren zu können.“ (jw)
Psychische Erkrankung
(7. Dezember 2016)Unter Berufung aus eine Anfrage der Linksfraktion berichten Medien über eine Zunahme von Fällen psychischer Erkrankung unter Soldaten: „Im Jahr 2015 wurden demnach 694 Soldaten wegen einer „einsatzbedingten psychiatrischen Störung“ behandelt, 2014 waren es 645 Soldaten“. (jw)
Agenda Rüstung: Kritik
(7. Dezember 2016)Mit Ursula von der Leyens „Agenda Rüstung“ sollte alles besser werden – Rüstungsprojekte sollten zeitiger ausgeliefert und deutlich günstiger werden. Alles Quatsch, Ziel verfehlt, kritisiert nun die Welt: „Mehr Betriebswirtschaft, Wettbewerb und Transparenz. Weniger Kungelei, Missmanagement und Politik. […] Im Rüstungsbereich unter von der Leyen geht es genauso chaotisch und industriepolitisch motiviert weiter wie unter ihren Vorgängern.“ (jw)
EU-NATO: Cyberzusammenarbeit
(6. Dezember 2016)Die Wahl Donald Trumps als zukünftigen US-Präsident beschleunigt nicht nur die Aufrüstung der EU, sondern führt auch zu eiligen Erklärungen, die Zusammenarbeit zwischen NATO und EU zu intensivieren. So erklärte NATO-Generalsekretär am gestrigen Montag, dass beide Bündnisse zukünftig verstärkt bei Marineeinsätzen und der Cyberkriegführung zusammenarbeiten werde. Entsprechende Beschlüsse werden vom heutigen Außenministertreffen erwartet, wie u.a. der (deutschsprachige) Belgische Rundfunk berichtet. Die Zusammenarbeit zwischen den Marinemissionen EUNAVFOR MED (Sophia), dem NATO-Ägäis-Einsatz und der Operation Sea Guardian der NATO (zuvor Active Endeavour) war jedoch längst beschlossene Sache und Praxis. Nun sei darüber hinaus „eine enge Abstimmung bei Strategien gegen Cyberangriffe geplant.“ (cm)
Dt. Panzerhaubitzen in Litauen
(6. Dezember 2016)Aus Übungen wird eine Vorwärtspräsenz: Von 21. bis 24. November wurde in Litauen im Rahmen der Übung „Iron Sword“ mit deutschen Panzerhaubitzen 2000 sowie Raketenwerfern des Typs MARS II scharf geschossen „und zwar mit großem Kaliber“, wie die Bundeswehr betont. Im Zuge der Übung wurden auch litauische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet, nachdem sich Litauen zum Kauf der Waffensysteme der deutschen Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall entschieden hat. Die Übung soll im Jahre 2017 in eine dauerhafte Vorwärtspräsenz eines deutschen Battaillons in Litauen übergehen, wie auf dem NATO-Gipfel in Warschau 2016 unter dem Operationsnamen „Enhanced Forward Presence“ beschlossen.
Ob die u.a. in Tübingen gesichteten Transporte von Panzerhaubitzen 2000 hiermit in Zusammenhang stehen, ist bislang ungeklärt. (cm)
Instandsetzung: Reprivatisierung
(6. Dezember 2016)Welt.de berichtet, das die Instandsetzung des Heeres wieder verstärkt an die Industrie ausgelagert werden soll. 2005 gründete der Bund gemeinsam mit Rüstungsunternehmen die HIL GmbH, die sich um die Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge des Heeres kümmern sollte. Ziel war es damals, „Heer und Streitkräftebasis … dadurch von Aufgaben, die nicht zu den militärischen Kernaufgaben gehören“, zu entlasten (siehe IMI-Studie 2009/10). Später ging die HIL GmbH in den alleinigen Besitz des Bundes über. Nun habe das Verteidigungsministerium „Unternehmen in Europa und Nato-Staaten aufgefordert, Interesse anzumelden“, wie welt.de berichtet: Zu den Interessenten für die Werke dürften Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall zählen. Sie könnten sich auf einen größeren Auftragsschub freuen. Die Zahl der Rad- und Kettenfahrzeuge des Heeres wird derzeit wieder aufgestockt.“ (cm)
Großbritannien: Deutsche Panzer?
(5. Dezember 2016)Die Welt berichtet über den geplanten britische Ankauf deutscher Panzer: „Europa rüstet auf. Nun will Großbritannien kurzfristig 500 Radpanzer beschaffen, und das deutsche Boxer-Modell hat beste Chancen. Doch noch ist die Konkurrenz aus den USA und Frankreich im Rennen.“ (tp/jw)
Jemen: Zulieferer
(5. Dezember 2016)Die Süddeutsche Zeitung berichtet über deutsche Waffenlieferungen an Saudi Arabien, das aktuell in einen erbitterten Krieg im Jemen verstrickt ist: „Der heikelste Punkt auf der Liste ist Nummer 7. „Artilleriemultifunktionszünder“ steht dort, Anzahl: 41 644, Endempfängerland: Saudi-Arabien. Zu finden sind die Angaben in der neuesten Übersicht zu Rüstungsexporten, die kürzlich der geheim tagende Bundessicherheitsrat genehmigt hat.“ (tp/jw)
Rheinmetall: US-Joint-Venture
(3. Dezember 2016)Die Rüstungskonzerne Rheinmetall aus Düsseldorf und Day & Zimmermann aus Philadelphia, PA, gründen laut Spiegel Online ein Gemeinschaftsunternehmen. Day & Zimmermann steht laut Forbes auf Platz 179 der größten Privatunternehmen der USA mit 23.000 Beschäftigten und mit einem Jahresumsatz von 2,5 Mrd. US-$ in 2014. Das Unternehmen gehört mit zu den größten Produzenten von Munition in den USA.
Im Spiegel Artikel heißt es weiter: „Das Unternehmen soll etwa Munition für den Strike Fighter F 35, das neueste Kampfflugzeug der US Air Force, liefern. Sitz der Gesellschaft, die Rheinmetall und Day & Zimmermann zu gleichen Teilen gehört, wird Rosslyn im US-Bundesstaat Virginia sein. „Der Fokus der Gesellschaft liegt auf Munitionstypen aus den Bereichen Mittelkaliber und indirektes Feuer“, hieß es.“
Heron in Mali
(2. Dezember 2016)Mittlerweile sind offenbar drei Drohnen des Typs Heron I für die Bundeswehr in Mali und haben dort wohl schon 177 Flugstunden absolviert, wie das Flensburger Tageblatt berichtet. Gesteuert wird die Drohne wohl aus Westafrika, die Bildauswertung erfolgt jedoch auf dem Fliegerhorst Jagel in Schleswig Holstein, der schon länger als wichtigster Drohnenstandort in Deutschland gilt.
BND-Leak
(2. Dezember 2016)Wikileaks hat nach Informationen des Spiegel Dokumente aus dem NSA-Untersuchungsausschuss veröffentlicht. „Die Unterlagen böten nicht nur einen detaillierten Einblick in die Arbeit dieser Behörden, sondern auch in die ‚Taktiken der Nachrichtendienste im Rahmen der parlamentarischen Untersuchung'“, so der Spiegel. Auch die Zeit berichtet über den Leak: „Jeder der will, kann nun nachvollziehen, wie Nachrichtendienste arbeiten und denken. Auch lässt sich erkennen, wie die Bundesregierung sich bemüht, so wenig wie möglich über die Arbeit und die Kooperationen der Nachrichtendienste preiszugeben. Politisch interessant sind all jene Unterlagen, in denen das Parlament Fragen an die Bundesregierung gestellt hat. Denn in dem Leak lässt sich nachvollziehen, wie Regierung und Dienste versuchen, die großen und kleinen parlamentarischen Anfragen so nichtssagend wie möglich zu beantworten.“
Investitionsbank: Keine Rüstung
(2. Dezember 2016)Der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) erteilte den Plänen der EU-Kommission für eine starke Rolle der EIB bei künftigen gemeinsamen Rüstungsprojekten der EU eine Absage. „Eine Ausweitung des Mandats der Bank auf Verteidigungsprojekte kommt für uns nicht infrage“ sagte Werner Hoyer nach Angaben der Süddeutschen Zeitung und begründete auch gleich weshalb: Die Bank habe etliche Investoren, etwa Lebensversicherungen oder Investmentfonds, die überhaupt nicht in Anleihen investieren dürften, die mit Rüstung zu tun haben, so die SZ. Potential sieht Hoyer jedoch für eine starke Rolle der EIB bei Forschung und Entwicklung, solange die betreffenden Technologien auch einen zivilen Nutzen hätten, also „Dual Use“ seien. Ab 2020 will die EU jährlich 500 Mio. Euro für die gemeinsame Rüstungsforschung ausgeben. EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska ist jedoch eine Beteiligung der EIB an Dual-Use-Forschung nicht genug. „Die Regeln müssen geändert werden“ habe sie laut SZ auf die Absage Hoyers reagiert. (bk)
Schulabbrecher
(2. Dezember 2016)Die dpa berichtet über neue Ideen der Bundeswehr, an ausreichend Rekruten zu gelangen: „Die Bundeswehr will als Arbeitgeber attraktiver werden und deshalb Schulabgängern ohne Abschluss künftig besondere Anreize bieten. “ (tp/jw)
Syrien: Uranmunition
(1. Dezember 2016)Laut Telepolis kam nun heraus, dass die USA Uranmunition in Syrien einsetzen würden: „Im März 2015 hatte das Pentagon noch erklärt, als die ersten A10-Bomber eingesetzt wurden, dass man keine Uran-Munition in Syrien und im Irak verwenden werde, da der Islamische Staat kaum über Panzer verfüge, während zuvor erklärt wurde, dass man erwäge, möglicherweise Uran-Munition gegen gepanzerte Ziele einzusetzen. […] Das Zugeständnis aus dem Pentagon, doch wieder Uran-Munition eingesetzt zu haben, während die USA sich an deren Beseitigung im Irak nicht beteiligen, kam kurz nach einer erneuten Abstimmung während der Generalversammlung über die Resolution, die im Oktober Indonesien eingereicht hatte.“ (tp/jw)
Drehscheibe Ramstein
(1. Dezember 2016)Laut Tagesschau.de haben nun auch die USA die zentrale Bedeutung von Ramstein für die US-Drohnenkriegsführung eingeräumt: „Jahrelang hatte die Bundesregierung die Bedeutung der US-Basis in Ramstein für den Drohnen-Krieg heruntergespielt. Nun musste sie einräumen, dass von dort Drohnen-Einsätze überwacht und Livebilder ausgewertet werden.“ (tp/jw)
SIKO-Aufruf: online
(30. November 2016)Der Aufruf zu den Protesten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz (SIKO) am 18. Februar 2017 ist online und kann hier unterzeichnet werden. Einleitend heißt es im Aufruf: „Auf der sogenannten Münchner Sicherheitskonferenz (SIKO) im Februar 2017 versammeln sich die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Machteliten, vor allem aus den NATO-Staaten, den Hauptverantwortlichen für das Flüchtlingselend, für Krieg, Armut und ökologische Katastrophen. Ihnen geht es – entgegen ihrer Selbstdarstellung – weder um die friedliche Lösung von Konflikten, noch um Sicherheit für die Menschen auf dem Globus, sondern um die Aufrechterhaltung ihrer weltweiten Vorherrschaft und um die Profitinteressen multinationaler Konzerne.“
CIMIC-Preisverleihung
(30. November 2016)Zum zweiten Mal wird am 30.11.2016 der Preis „Bundeswehr und Gesellschaft“ verliehen. Die erste Preisverleihung hatte erst im Februar 2016 stattgefunden, ab nun soll der Preis jährlich vergeben werden. Preisträger im Februar waren die „Wirtschaftsjunioren Cham“, die als Unternehmer Willkommensbanner für rückkehrende Soldat_innen, Dankes- und Grußpostkarten an die Einheiten im Auslandseinsatz und Besuche von Uniformierten in Schulen organisiert haben (siehe Eigendarstellung).
Ende November wurden nun der Landkreis Regen in Niederbayern für seine gute Zusammenarbeit mit dem Panzergrenadierbataillon 112, der Verein „Bundeswehrfamilien Munster e.V.“ und Frau Irmengard Röhle „für ihr außerordentliches Engagement bei der Initiative, Organisation und Durchführung des ‚Marsches der Verbundenheit'“, wie die Celler Presse berichtet, die zugleich von einer „hohen Auszeichnung“ spricht, was etwas übertrieben sein dürfte.
Die Celler Presse beschreibt auch Gestalt und Symbolik des Preises selbst genauer: „Die durch die Künstlerinnen Anja Lapatsch und Annika Unger geschaffene Preisskulptur in Form eines Kubus mit einer Seitenlänge von 10,5 cm besteht aus drei sich ergänzenden Teilen. Der äußere tragende Teil aus Eiche symbolisiert die Gesellschaft. Die zweite darin eingebettete Komponente aus Corian, einem mineralisch-organischen Verbundwerkstoff, steht für die Personen der Gesellschaft, die sich für die Bundeswehr einsetzen. Das dritte, die Skulptur vervollständigende Element, ein Kubus aus Messing, stellt die Bundeswehr dar und ist dabei selbst zu 100% Gesellschaft.“ (bk)
Dammbruch EU-Rüstungsfonds
(30. November 2016)Lange wurde Artikel 41(2) des EU-Vertrages so ausgelegt, dass er militärische Ausgaben aus dem EU-Haushalt grundsätzlich verbietet. Nun gibt es schon seit einiger Zeit Bestrebungen, diesen Finanzierungsvorbehalt zu kippen (siehe IMI-Studie 2016/03). Laut dem EUObserver scheint nun die Einrichtung eines EU-Rüstungshaushaltes beschlossene Sache zu sein: „The proposal, due out in Brussels on Wednesday (30 November) and seen by the Reuters news agency, says member states should pool money into a “European Defence Fund” that could be used to purchase items such as helicopters, warships, and drones.“ UPDATE: Tagesschau.de zufolge sollen auch Gelder der EU-Entwicklungsbank künftig für Militärisches verwendet werden können: „Außerdem will die EU-Kommission offenbar der Europäischen Investitionsbank (EIB) die Finanzierung von Rüstungsprojekten erlauben.“ UPDATE II: Zeit Online nennt nun auch noch einen konkreten Betrag: „Jährlich sollten fünf Milliarden Euro bereitgestellt werden, etwa zum Bau von Drohnen oder um neue Generationen von Kampfhubschraubern anzuschaffen.“ (jw)
Termin Inlandsübung
(29. November 2016)Für die gemeinsame Übung von Bundeswehr und Polizei steht nun nicht nur ein Termin fest, wobei sich die Zahl der teilnehmenden Länder scheint sich einem Bericht des Südwestrundfunks nach von anfangs drei noch einmal deutlich erhöht zu haben scheint: „Polizei und Bundeswehr sollen vom 7. bis 9. März 2017 erstmals gemeinsam für einen Einsatz bei einem Terroranschlag üben […] Nach seinen [Saarlands Innenminister Bouillon] Angaben werden sechs Bundesländer dabei sein, neben Baden-Württemberg auch Bremen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern und das Saarland.“ (jw)
Libyen: Sicherer Drittstaat?
(29. November 2016)Die taz (via Bpb-Newsletter) berichtet über Pläne, Libyen zum sicheren Drittstaat zu erklären: „Ausgerechnet das im Chaos versunkene Libyen soll zum sicheren Drittstaat erklärt werden. Wohin die Menschen nach einer Rückschiebung kommen sollen, sondieren nach Angaben von Scopigno derzeit Beamte von Eubam Libya.“ (jw)
Polizei: Maschinenpistolen
(28. November 2016)Der SWR berichtet über die Aufrüstung der Polizei Baden-Württembergs: “Die Polizei Baden-Württemberg rüstet Streifenwagen mit Maschinenpistolen aus. […] Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich um Maschinenpistolen des Oberndorfer Waffenherstellers Heckler & Koch. Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums bestätigte die Bestellung und sprach von 3.000 Waffen, die Anfang 2017 ausgeliefert würden.“ (tp/jw)
Spezialeinheiten: Kompetenzzuwachs
(28. November 2016)Der Washington Post (via Bpb-Newsletter) zufolge erteilte US-Präsident Barack Obama den US-spezialeinheiten weitreichende Befugnisse, um weltweit auf „Terroristenjagd” zu gehen: „The Obama administration is giving the elite Joint Special Operations Command — the organization that helped kill Osama bin Laden in a 2011 raid by Navy SEALs — expanded power to track, plan and potentially launch attacks on terrorist cells around the globe, a move driven by concerns of a dispersed terrorist threat as Islamic State militants are driven from strongholds in Iraq and Syria, U.S. officials said.” (jw)
ESIF: Anzapfbar? (II)
(26. November 2016)Kürzlich wurde – noch eher hinter versteckter Hand – erstmals berichtet, in EU-Kreisen werde darüber nachgedacht, die Gelder des Struktur- und Investitionsfonds, satte 315 Mrd. Euro in den nächsten drei Jahren, erstmals für Rüstungsausgaben zu öffnen (siehe IMI-Aktuell 2016/619). Nun spekuliert aber auch eine Analyse des EU-Instituts für Sicherheitsstudien ganz offen hierüber: „Financial contributions towards defence could be made via the European Fund for Strategic Investments (EFSI), which aims to leverage €315 billion worth of investment in the EU over a three-year period.“ (jw)
U-Boote: Korruption
(25. November 2016)Klasse gegen Klasse berichtet über Korruptionsverdacht hinter dem israelischen Kauf deutscher U-Boote von ThyssenKrupp: „Vor Kurzem gab Regierungschef Netanyahu bekannt, sein Militär bräuchte drei neue deutsche U-Boote mit ’nuklearen Fähigkeiten‘, Gesamtkosten 1,5 Milliarden Euro. Warum reichen die sechs U-Boote, die schon gekauft wurden, nicht für ein Militär aus, dessen hauptsächliche Aufgaben im Kampf gegen Steinschleudern und Küchenmessern bestehen? […] Journalistische Enthüllungen zeigen die korrupten Verbindungen zwischen der israelischen Marine und deutschen Waffenproduzenten.“ (tp/jw)
Gabriel: Rüstungslobbyist
(25. November 2016)Verschiedentlich wurde darauf hingewiesen, dass Wirtschftsminister Gabriel keineswegs der „Totengräber der Rüstungsindustrie“ ist, als der er von der Branche gerne beteichnet wird (siehe IMI-Analyse 2016/11). Dies wird auch durch eine neue Meldung von Spiegel Online bestätigt: „Ungewöhnlich direkt mischt sich das Wirtschaftsministerium von SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel in einen der größten Rüstungsdeals von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE drängte Gabriels Staatssekretärin Brigitte Zypries, den geplanten Kauf von bis zu sechs US-Transportflugzeugen zu überdenken – der Deal hat einen Umfang von mindestens einer halben Milliarde Euro. Stattdessen solle die Bundeswehr alternative Angebote prüfen, von denen auch die deutsche Rüstungsindustrie profitiere, so Zypries.“ (jw)
Drohnen: Unklare Kosten
(25. November 2016)Tagesschau.de berichtet darüber, dass trotz der Entscheidung, bewaffnete Drohnen anzuschaffen, noch völlig unklar ist, wieviel sie kosten sollen: „Die Bundeswehr will Drohnen anschaffen, die auch bewaffnet werden können. Die Maschinen des Typs „Heron TP“ könnten allerdings deutlich teurer werden als bislang geplant. Eine detaillierte Übersicht über die Kosten hat das Ministerium bis heute nicht vorgelegt. […] Eine detaillierte Kosten- und Leistungsaufstellung will das Verteidigungsministerium aber erst im April kommenden Jahres vorlegen – rund 15 Monate nach der Entscheidung für die israelische Drohne. Das ist selbst für Bundeswehr-Verhältnisse ziemlich lang.“ (tp/jw)
Intensivierung der EU-Propaganda
(24. November 2016)Wie die Zeit berichtet, hat das Europaparlament am Mittwoch (23.11.16) eine Entschließung angenommen, welche u. a. „antieuropäische Propaganda Russlands in der EU und ihrem Umfeld“ anprangere. Der Artikel bezieht sich auf die Entschließung zum Thema „Strategische Kommunikation der EU, um gegen sie gerichteter Propaganda von Dritten entgegenzuwirken“, welche mit 304 Stimmen angenommen wurde, bei 179 Gegenstimmen und 208 Enthaltungen. In dem besagten Dokument wird die Intensivierung der EU-Aktivitäten im Bereich der sogenannten Strategischen Kommunikation gefordert. Wörtlich heißt es da, „dass die EU ihre positive Botschaft bezüglich ihres Erfolgs, ihrer Werte und ihrer Grundsätze nach außen hin mit Entschlossenheit und Mut vertreten und dabei offensiv statt defensiv agieren muss“. Weiterhin wird „betont, dass die Zusammenarbeit zwischen der EU und der NATO im Bereich der strategischen Kommunikation erheblich intensiviert werden sollte“. Neben der verstärkten Kooperation mit der Nato wird auch eine bessere Koordination aller an den Kommunikationsaktivitäten der EU beteiligten Akteure gefordert, hierunter fallen bspw. der Europäische Auswertig Dienst, der Europäische Demokratiefonds, das Europäische Nachbarschaftsinstrument und die einzelnen Mitgliedstaaten. Darüber hinaus sollen auch europäische Nachrichtendienste stärker in diesen Bereich eingebunden werden: „fordert, dass die Nachrichtendienste der EU-Mitgliedstaaten intensiver zusammenarbeiten mit dem Ziel, den Einfluss von Drittstaaten zu bewerten“.
Was die Informationskampagnen gegenüber den europäischen Nachbarstaaten betrifft, so wir u. a. gefordert, dass „der Einfluss der EU auf Drittländer hervorgehoben werden muss, einschließlich der humanitären Hilfe der EU sowie der Möglichkeiten und Vorteile, die Drittstaatsangehörigen und insbesondere jungen Menschen durch eine engere Assoziation und Zusammenarbeit mit der EU entstehen“.
Führt man sich die bisherigen Aktivitäten der EU und insbesondere auch der Nato im Bereich der Strategischen Kommunikation vor Augen, so dürfte auch dieser neue Forderungskatalog nicht dazu beitragen, dass die EU ihrem Anspruch gerecht wird, keine Gegenpropaganda zu betreiben. Im Gegenteil wird auch weiterhin einer einseitigen Betrachtung des Konflikts mit Russland als auch der eigenen Aktivität in der östlichen und südlichen Nachbarschaft weiter Vorschub geleistet. Das dabei vorherrschende „positive Narrativ“, mit dem die EU ihre eigenen Aktivitäten schildert, scheint keinen Raum für eine kritische Reflektion der eigenen Rolle in den zahlreichen Konflikten in der EU-Nachbarschaft zu bieten. (CS)
Rüstungshaushalt: Generaldebatte
(24. November 2016)„Merkel will aufrüsten“, auf diesen treffenden Nenner fasste die Bild-Zeitungen die Rede der Kanzlerin während der Generaldebatte im Bundestag zusammen. Neu waren dabei vor allem ihre Ausgaben zu der Absichtserklärung, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Militär auszugeben. In Zahlen würde das bedeuten, das Budget von aktuell ca. 34 Mrd. Euro auf über 60 Mrd. anzuheben. Bislang hat Merkel „nur“ davon gesprochen, man müsse sich diesem Ziel annähern. Nun hat sie die Wortwahl hier gewechselt: „Wir müssen das Zwei-Prozent-Ziel erreichen.“ (jw)
Trump: NATO-Bekenntnis
(24. November 2016)Nach teils scharfer NATO-Kritik scheint der designierte US-Präsident Trump nun wieder auf das Bündnis zuzugehen. Zeit Online berichtet über ein Telefonat mit dem NATO-Generalsekretär: „Der zukünftige Präsident der USA, Donald Trump, hat erstmals seit seiner Wahl mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefoniert. Trump habe der Nato zugesichert, dass sie auch in Zukunft wichtig sein werde, teilte das Militärbündnis mit.“ (tp/jw)
Verteidigungsunion: Vorlage
(24. November 2016)Finanztreff berichtet über die Beschlussvorlagen zur Militarisierung der Europäischen Union, die beim Ratsgipfel am 15./16. Dezember verabschiedet werden sollen: „Neben einem dauerhaften Planungs- und Führungszentrum für Auslandseinsätze sollen eigene Fähigkeiten in der militärischen Aufklärung etwa durch unbemannte Luftfahrzeuge und Satelliten entwickelt werden. Darüber hinaus soll die finanzielle Lastenteilung bei Auslandsmissionen unter den Mitgliedstaaten überarbeitet werden. ‚Ziel ist es, schneller und wirksamer reagieren zu können und die Einsatzbereitschaft der EU-Krisenreaktionskräfte zu erhöhen‘, erklärte das Verteidigungsministerium.“ (tp/jw)
„Renaissance der Nordflanke“
(23. November 2016)Um die „Renaissance der Nordflanke“ sei es dem Bundeswehr-Journal zufolge bei einem Symposium im Marinekommando in Rostock gegangen: „Vizeadmiral Krause bezeichnet die Lage im Nordflankenraum der Allianz als „massiv verändert“. Entscheidende Koordinaten dieses geostrategischen Wandels auch im Ostseebereich sind die völkerrechtswidrige Annexion der Halbinsel Krim durch Russland im März 2014 und der anschließende russisch-ukrainische Dauerkonflikt. Der Marineinspekteur sagte dazu im „Hansesaal“ des Marinekommandos: „Heute müssen wir die Geografie, in der wir operieren, wieder neu entdecken.“ Denn im Krisenfall werde das Seegebiet zwischen Dänemark und dem Baltikum „zur Lebensader“ für die NATO-Partner Estland, Lettland und Litauen.“ (jw)
Anwerbung Minderjähriger
(22. November 2016)Eine Anfrage der Grünen ergab, dass die Bundeswehr gezielt in großem Stil Minderjährige anschreibt, so die taz: „Demnach verschickte das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr in Köln im laufenden Jahr „Informationsschreiben“ an 1.033.043 Personen, die nach Angaben der Meldebehörden im kommenden Jahr volljährig werden. Zum Zeitpunkt des Versandes können die Angeschriebenen also noch 16 Jahre alt sein.“ (jw)
Türkei: Richtungsentscheide (II)
(22. November 2016)Schon früher hatte die Türkei unter Präsident Erdogan angedeutet, sollte sich das Verhältnis mit den westlichen Verbündeten nicht verbessern, sei auch ein Beitritt des Landes zur chinesisch-russisch dominierten Shanghaier Vertragsorganisation möglich (siehe IMI-Aktuell 2013/016). Wie der Christian Science Monitor (via Bpb-Newsletter) berichtet, wurde diese Drohung jüngste erneuert: „Turkish president Tayyip Erdoğan indicated in a recent interview that he was fed up with waiting for the European Union to accept Turkey as a member state, indicating that he would be willing to consider joining the Russia-led Shanghai Cooperation Organization (SCO) as an alternative to the Western bloc.” (jw)
US-Armee: Aufwuchs
(22. November 2016)Die NZZ liefert noch einmal genaue Zahlen, in welchem Umfang der neue US-Präsident Donald Trump beabsichtigt, das US-Militär aufzurüsten: „So will er, dass künftig 350 Kriegsschiffe und U-Boote der US-Navy auf den Weltmeeren unterwegs sind. Heute sind es 276. Die Truppenstärke soll von 479 000 auf 540 000 steigen. Und die US-Luftwaffe müsse über 1200 Kampfjets gebieten können – über 100 mehr als heute.“ (tp/jw)
KMW-Nexter: Zukauf
(21. November 2016)Vor ca. einem Jahr fusionierte der deutsche Panzerbauer Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) mit seinem französisches Pendant Nexter zusammengeschlossen. Nun plant die neue Firma laut der Welt den Zukauf der Rüstungssparte von Volvo: „Nach Recherchen der ‚Welt‘ erwägt KMW-Nexter den Kauf der Rüstungssparte der schwedischen Volvo Group. Zu den Schweden gehören mehrere Marken und Tochterfirmen, wie etwa Renault-Militär-Lkw und Panhard als Ausrüster der französischen Streitkräfte sowie der US-Militär-Lkw-Hersteller Mack Defense.“ (jw)
Zeit: Weltmacht! Echt jetzt?
(21. November 2016)In der Zeit findet sich ein von zehn Redakteuren unterzeichnetes Plädoyer namens „Weltmacht! Echt jetzt?“: „Nach der Wahl Donald Trumps erkennen die Europäer, dass sie künftig selbst ihre Interessen durchsetzen und ihre Sicherheit garantieren müssen – und was dem noch alles im Wege steht. […] Europa muss nicht ‚Weltmacht‘ werden im amerikanischen Sinne, mit Flugzeugträgergruppen, die stählern durch alle Weltmeere pflügen. […] Europa hat Interessen in Afrika, in einem Teil von Asien (Syrien! Afghanistan!) und an all seinen Außengrenzen, vom Balkan bis Marokko, vom Atlantik bis tief ins südliche Mittelmeer. Hier Mitverantwortung zu übernehmen, weit über den eigenen Kontinent hinaus – auch das ist Weltmacht. Regional begrenzte Weltmacht ganz gewiss, aber auch zum Glück. Aber für eine ziemlich große Region.“ (jw)
EUropäische Heuchelei
(21. November 2016)Die taz schreibt über EUropas Empörung über Donald Trumps „Mauerpläne“: „Donald Trump wird es nicht nötig haben, auf Europa und seine Heuchelei zu verweisen. Vielleicht wird er es aber auch doch tun, einfach weil er Bock drauf hat, wieder mal eine neue Volte auszuprobieren. Denn er könnte, wenn er wollte, ja mal nachfragen, wie die EU ihre unsichtbare Mauer an der Mittelmeerküste eigentlich nennt – und wie viele Flüchtlinge die EU dieses Jahr schon im Mittelmeer hat absaufen lassen. Die Antwort müsste lauten: so viele wie noch nie. Seit 2014 sind es über 10.000, davon allein in diesem Jahr 4.600. Schon jetzt ist 2016 das tödlichste europäische Jahr für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.“ (jw)
Osteuropa: Verdruss
(17. November 2016)Dankenswerterweise verweist die NZZ (via Bpb-Newsletter) darauf, dass die jüngsten Wahlsiege – eher – pro-russischer Kandidaten in Osteuropa viel mit der Politik der EU zu tun haben: „Bulgarien und die Moldau haben am gleichen Tag prorussische Präsidenten gewählt, welche die Westbindung infrage stellen oder zumindest relativieren. Im Wahlresultat spiegelt sich die verschärfte geopolitische Konfrontation im Osten des Kontinents – noch stärker ist es aber Ausdruck des Verdrusses über das uneingelöste europäische Versprechen auf ein besseres Leben.“ (jw)
Afghanistan: Folter?
(16. November 2016)Augengeradeaus berichtet über Vorwürfe, denen zufolge die USA in Afghanistan systematisch gefoltert haben sollen: „Der Internationale Strafgerichtshof (International Criminal Court, ICC) in Den Haag wirft den US-Truppen und dem US-Geheimdienst CIA über Jahre systematische Folter im Afghanistan-Einsatz und bei der Vernehmung von mutmaßlichen Aufständischen auch außerhalb Afghanistans vor. “ (jw)
Woolsey Chefberater
(16. November 2016)Die widersprüchlichen Signale was die künftige Trump-Regierung anbelangt, nehmen kein Ende. Nach durchaus positiven Signalen etwa bezüglich der möglichen künftigen Syrien-Politk (IMI-Aktuell 2016/674) scheint nach den Spekulationen, ob der neokonservative Hardliner John Bolton zum Außenminister ernannt wird (siehe IMI-Aktuell 2016/677) eine weitere problematische Personalie bereits entschieden zu sein. Laut The Intercept soll mit James Woolsey ein weiterer Hardliner und vehementer Irak-Krieg Befürworter aus der Bush-Ära zum Chefberater in nationalen Sicherheitsfragen ernannt werden: „Woolsey, by contrast, was a key member of the Project for the New American Century — a neoconservative think tank largely founded to encourage a second war with Iraq. Woolsey signed a letter in 1998 calling on Clinton to depose Saddam Hussein and only hours after the 9/11 attacks appeared on CNN and blamed the attacks on Iraq. Woolsey has continued to insist on such a connection despite the complete lack of evidence to support his argument. He also blames Iran.” (tp/jw)
Türkei: Inlandsdrohnen
(15. November 2016)Laut Telepolis setzt die Türkei bewaffnete Drohnen im Inland ein: „Kaum beachtet wurde bislang, dass die Türkei Ende Oktober erstmals im Land selbst gebaute Kampfdrohnen eingesetzt hat. Damit wurden nicht nur Stellungen der PKK im Nordirak angegriffen, wo die Türkei seit Beginn der wieder aufgeflammten Kämpfe im Sommer 2015 diese mit Flugzeugen bombardiert, sondern auch erstmals im Inland.“ (tp/jw)
Japan: Kampfeinsatz
(15. November 2016)Seit Jahren findet eine Militarisierung der japanischen Außenpolitik statt (siehe IMI-Analyse 2015/32). Mit einem Einsatz im Südsudan, über den u.a., Spiegel Online berichtet, scheint nun eine neue Qualität erreicht zu werden: „Bislang nahmen Japans Streitkräfte ausschließlich an friedenserhaltenden Einsätzen teilen. Nun hat das Militär den ersten Kampfeinsatz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Im Krisenland Südsudan sollen die Soldaten bedrängten Uno-Friedenstruppen und verbündeten Einheiten helfen. Im Rahmen eines Uno-Einsatzes sind japanische Soldaten bereits seit 2012 im Südsudan, um die Infrastruktur aufzubauen. Nun dürften japanische Soldaten im Südsudan auch Warnschüsse abgeben, auf lebensbedrohliche Gefahren sowie gegnerisches Feuer reagieren“. (jw)
Bolton Außenminister?
(15. November 2016)Aktuell wird spekuliert, ob John Bolton Außenminister in der Trump-Regierung werden könnte. Bolton ist einer der altgedienten neokonservativen Hardliner (siehe IMI-Analyse 2002/30). Im American Conservative (via Bpb-Newsletter) heißt es dazu: „Even before the Iraq War, John Bolton was a leading brain behind the neoconservatives’ war-and-conquest agenda. Long ago I wrote about him, in ‚John Bolton and U.S. Lawlessness,‘ ‚The Bush administration’s international lawlessness did not come from nowhere. Its intellectual foundations were laid long before 9/11 by neoconservatives.‘ I quoted Bolton, ‚It is a big mistake to for us to grant any validity to international law … because over the long term, the goal of those who think that it really means anything are those who want to constrict the United States.‘ (…) The risk is that Trump’s foreign-affairs transition team becomes infiltrated. Much of the transition is being run out of the Heritage Foundation, which was a big promoter of the Iraq War. Mainly, however, Vice President Mike Pence, who heads up the transition team, was another war wanter and still supports the neoconservative agenda—e.g., he strongly supported the attack on Libya. He also wants much more military spending.“ (jw)
Mogherini: EU-Supermacht
(14. November 2016)Und wieder prescht die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini nach vorn, berichtet tagesschau.de: „Mogherini fordert wie Deutschland und Frankreich seit langem die Vollendung der EU-Verteidigungsunion und scheut in diesem Zusammenhang auch nicht mehr den Begriff ‚Supermacht‘. […] Diese „Supermacht“ wäre aber kein Weltpolizist à la USA – die Ziele fallen bescheidener aus: gemeinsame Rüstungsprojekte, ein gemeinsames Sanitätskommando und bessere Planung und Leitung der bereits laufenden EU-Militärmissionen durch ein gemeinsames Hauptquartier in Brüssel, ohne dass dabei die anderen bereits bestehenden aufgegeben werden.“ Kurz zuvor hatte sie laut Guardian bereits in einer Rede vor der EU-Rüstungsagentur erklärt: „There is and there will be an increasing demand for a principled global security provider, for a superpower that believes in multilateralism and cooperation”. (tp/jw)
NATO-Gipfel: Vertagt
(14. November 2016)Spiegel Online berichtet, aufgrund der US-Wahl habe sich die NATO entschieden, ihr Gipfeltreffen zu vertagen: „Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte sich fest darauf eingestellt, beim nächsten Gipfeltreffen Hillary Clinton als amerikanische Präsidentin begrüßen zu können. Bei diesem Anlass sollte zugleich das neue Gebäude der Allianz in Brüssel eingeweiht werden. Doch nach der Wahl Trumps hat sich das Bündnis nun kurzfristig entschieden, den ursprünglich für das Frühjahr geplanten Gipfel der Staats- und Regierungschefs auf einen Termin im Sommer zu verschieben.“ (tp/jw)
Syrien: Ende US-Unterstützung?
(12. November 2016)Antiwar verweist auf ein aktuelles Interview des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, demzufolge er beabsichtige, die US-Unterstützung für „moderate“ Aufständische in Syrien zu beenden: „In a new interview with the Wall Street Journal, President-elect Donald Trump said that he is likely to end the US support of ‘moderate’ Syrian rebel groups, saying that ‘we have no idea who these people are’ and that the US needs to focus on defeating ISIS.” (jw)
Trump: Mehr Einsätze!
(11. November 2016)In den Chor derjenigen, die als wichtigste Konsequenz aus dem Wahlsieg Donald Trumps die intensivierte Militarisierung EUropas fordern (siehe IMI-Standpunkt 2016/036), stimmt auch Henning Otte, der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, mit ein. Im Merkur wird er mit den Worten zitiert: „Wir können uns weniger darauf verlassen, dass die USA sich in den Krisengebieten der Welt engagieren und damit auch zur Sicherheit hier in Europa beitragen […] Das wird mehr Einsätze für die Europäer bedeuten, speziell für die Rahmennation Deutschland“ (jw)
Attac: Gemeinnützig!
(11. November 2016)Wiederholt haben wir über die Versuche berichtet, Attac die Gemeinnützigkeit zu entziehen (zB IMI-Aktuell 2016/603). Nun fuhr der Versuch vor Gericht an die Wand. In der Pressemitteilung von Attac heißt es: „Attac ist gemeinnützig. Das politische Engagement gegen die neoliberale Globalisierung steht seiner Gemeinnützigkeit nicht entgegen. Das hat das Hessische Finanzgericht in Kassel am heutigen Donnerstag entschieden. Die Richter gaben damit der Klage von Attac gegen das Finanzamt Frankfurt statt. Dieses hatte dem Netzwerk im April 2014 die Gemeinnützigkeit entzogen mit der Begründung, es sei zu politisch. Eine Revision ließen die Richter nicht zu.“ (jw)
Trump: Deutsche Unterstützer
(11. November 2016)Das Greenpeace-Magazin berichtet darüber, welche deutschen Konzerne Donald Trump im Wahlkampf unterstützt haben. Neben „HeidelbergCement“ werden u.a noch folgende Unternehmen genannt: „Wie eine Recherche der Zeitung ‚Welt‘ ergab, haben US-Niederlassungen namhafter deutscher Großunternehmen mehr als zwei Drittel ihrer US-Wahlkampfspenden den Republikanern zukommen lassen. Darunter die Konzerne Bayer, Siemens, Allianz, BASF und – ganz vorne mit dabei: Die Deutsche Bank.“ (jw)
Minderjährige: Höchststand
(11. November 2016)U.a. Spiegel Online berichtet über den Höchststand bei der Zahl minderjähriger Soldaten der bundeswehr: „Die Zahl der minderjährigen Rekruten bei der Bundeswehr hat einen neuen Höchstwert erreicht. Zum Stichtag 1. November waren 1576 Bundeswehrangehörige noch nicht volljährig. Das ergab eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion an das Bundesverteidigungsministerium“. (tp/jw)
Trump: Profiteur Rüstungsindustrie
(10. November 2016)Berichten zufolge stürzen sich Anleger nach dem Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl am 8. November vor allem auf Rüstungsaktien. So heißt es etwa bei n-tv: “Der Schock nach dem unerwarteten Wahlsieg von Donald Trump währt nur kurz: Am Aktienmarkt stellen sich Investoren schnell auf die neue politische Realität in den USA ein. Die Aktien von Rüstungsunternehmen sind auffallend stark gefragt.“ (jw)
Atomwaffen: Vermisst
(10. November 2016)Die Welt berichtet über “vermisste” US-Atomwaffen: “Die A-Bombe, die jetzt vor Kanada entdeckt wurde, ist kein Einzelfall. Allein für die USA werden 700 Zwischenfälle geschätzt. Wie viele Kernwaffen andere Mächte „verloren“ haben, weiß niemand.“ (tp/jw)
Flotte: Mehrbedarf
(10. November 2016)Pünktlich parallel zu den Überlegungen, fünf neue Korvetten anzuschaffen (siehe IMI-Aktuell 2016/611), sickert ein „vertrauliches“ Papier an die Süddeutsche Zeitung durch, demzufolge die Marine dringenden Mehrbedarf an Schiffen habe: „Die Marine läuft nach Angaben der Bundesregierung Gefahr, künftig die mittelfristigen Planungsziele der Nato zu verfehlen, wenn sie keine zusätzlichen Schiffe bekommt. Das geht aus einem als Verschlusssache eingestuften Bericht des Verteidigungsministeriums an den Bundestag hervor.“ (tp/jw)
Autonome Roboter
(9. November 2016)Colin Roberts von der der US-Airforce nahestehenden Rand Corporation (via Bpb-Newsletter) wartet mit einem „kreativen“ Vorschlag auf. Da autonome Militärroboter aktuell eher mit Skepsis betrachtet würden, sollte man alle künftigen Systeme mit zuschaltbaren autonomen Fähigkeiten ausstatten, die dann aktiviert werden könnten, wenn sich die Stimmung ändere: „Given the evolutionary nature of societal values, why not design systems with adjustable degrees of autonomy, ranging from a human fully in control on one end of its capability to a computer fully in control on the other.“ (jw)
Zivilklausel: Gutachten
(9. November 2016)Obwohl die Uni Bremen über eine Zivilklausel verfügt, ging der internationale Frauenstudiengang Informatik (IFI) eine enge Kooperation der Hochschule Bremen mit der Bundeswehr. Nachdem es einige Auseinandersetzungen hierum gab, wartete der Senator für Justiz und Verfassung mit einem Gutachten auf, in dem er zu dem Ergebnis kam, die Zusammenarbeit sei mit der Zivilklausel zu vereinbaren, schließlich diene auch die Bundeswehr „friedlichen“ Zielen (siehe IMI-Aktuell 2016/526). Die NaturwissenschaftlerInnen-Initiative Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit (NatWiss) gab daraufhin ein Rechtsgutachten bei Dr. Bernd Hoppe in Auftrag, das zu einem gänzlich anderen Ergebnis gelangte: „mit dem Begriff ‚friedlich‘ in den Zivilklauseln ist nicht lediglich verträglich, versöhnlich, ruhig, still oder vom Frieden erfüllt gemeint. Vielmehr richtet sich dieser Begriff gegen alles Militärische. Damit ist jede Kooperation der Hochschule Bremen mit der Bundeswehr ausgeschlossen.“ (jw)
NATO: Alarmbereit
(8. November 2016)Im Augenblick dauere es sechs Monate, um 300.000 Soldaten an die Ostgrenze des Bündnisgebietes verlegen zu können, berichtet der Focus unter Verweis auf einen britischen Nato-Vertreter. Deshalb solle nun diese Zahl an Soldaten in eine höhere Alarmbereitschaft versetzt werden, um der postulierten Bedrohung eines russischen Angriffes rasch entgegentreten zu können: „Rund 300.000 Soldaten will die Nato nicht nur sammeln, sondern auch in hohe Alarmbereitschaft versetzen. Es ist eine Reaktion auf russische Manöver und soll im Falle eines Angriffs Moskaus die Nato-Staaten schützen.“ (jw)
Libyen: Weitere Luftangriffe?
(8. November 2016)Antiwar zufolge haben die USA angeboten, mit ihren Luftangriffen gegen den „Islamischen Staat“ fotzufahren, sollten sie von der Einheitsregierung darum gebeten werden: „The Pentagon says their planes are ready for more airstrikes whenever asked, while conceding that ISIS “no longer controls much territory there.” Officials have claimed ISIS was on the verge of being wiped out in Sirte for months now.” (jw)
Clinton: Außen pfui…
(8. November 2016)In der IMI-Studie „Hochzeit der Kriegstreiber“ wurde darauf hingewiesen, dass sich der Großteil der aggressivsten US-Neokonservativen hinter Hillary Clinton gestellt hat. Auch aus Sicht von John Feffer, der in In These Times (via Bpb-Newsletter) schreibt, deutet dies auf eine besonders militaristische Außenpolitik im Fall ihrer Wahl hin, der allerdings eine vergleichsweise moderate Innenpolitik gegenübergestellt werden könnte: „In one sense, Clinton may well resurrect the neocon legacy by embracing a more or less progressive domestic policy (which would satisfy the Sanderistas) and a more hawkish foreign policy (which would satisfy all the foreign policy mandarins from both parties who supported her candidacy).“ (jw)
Salis: Verlängert
(7. November 2016)Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet über die Verlängerung des Auftrages, bei dem Transportflüge der Bundeswehr von russischen bzw. ukrainischen Antonovs über den Flughafen Halle/Leipzig abgewickelt werden: “Beide zusammen verfügen über insgesamt 19 AN 124, die je bis zu 150 Tonnen Fracht aufnehmen können. Zum Vergleich: Die der Bundeswehr derzeit zur Verfügung stehenden Militärtransporter vom Typ Transall können nur acht Tonnen Fracht tragen. Auch der neue Militärtransporter A400M kann nur maximal 30 Tonnen transportieren. Kurz: Will die Bundeswehr schweres und sperriges Gerät fliegen, muss sie die Antonov ordern. […] Neu ist, dass das bisherige russisch-ukrainische Konsortium Ruslan Salis nicht mehr Auftragnehmer ist, sondern Russen und Ukrainer nun getrennt die Flüge abwickeln werden. Die politischen Spannungen zwischen beiden Staaten sind dafür verantwortlich.“ (tp/jw)
Campact: Auf Kriegskurs
(7. November 2016)U.a. die Nachdenkseiten kritisieren eine Mail von Campact, in der überaus problematisch zum „Handeln“ im Syrien-Krieg aufgerufen wird: „Die Mail von Campact einschließlich der Umfrage ist ausgesprochen einseitig und hochmanipulativ: die Geschichte und das Leid Syriens werden verkürzt erzählt. Es wird so getan, als wäre Russland von Anfang an im Spiel. Ich zitiere: ‚Statt Bomben braucht es endlich Frieden. Doch Russland verhindert seit fünf Jahren eine UN-Resolution für ein Ende der Gewalt in Syrien.‘ – Welche UN Resolution soll denn da gemeint sein? Seit wann ist Russland in Syrien militärisch tätig? Russland ist seit 2015 auf Initiative von Syrien am Konflikt militärisch beteiligt. Vorher,seit 2011, lieferten die USA, die NATO und die Golfstaaten Waffen und rüsten Rebellen auf – auch Kräfte des islamischen Staates.“ (jw)
Afghanistan: Zivilopfer
(7. November 2016)Offiziell kümmert sich die NATO-Mission “Resolute Support” in Afghanistan “nur” um die Ausbildung von Regierungstruppen. Seit Langem mehren sich jedoch die Berichte, dass dort immer „robuster“ vorgegangen würde. Dies zeigt auch ein Bericht von Al Dschasira (via Bpb-Newsletter), demzufolge bei einer NATO-Bombardierung 30 Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen: „At least 30 civilians, including women, children and babies, have been killed and dozens wounded in a NATO air strike in the northern province of Kunduz, Afghan officials have said.“ (jw)
Machtpolitik dominiert
(5. November 2016)Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des EU-Parlamentes, Elmar Brok schreibt in der November-Ausgabe der Europäischen Sicherheit und Technik über die „Notwendigkeit“ sich als EU mehr militärische Mittel zu verschaffen: “Machtpolitik dominiert in den internationalen Beziehungen wie selten zuvor; unsere militärischen Fähigkeiten sind daher entscheidend für unseren Einfluss in diplomatischen Gespräche.”
Ostaufrüstung: US-Kampfbrigade
(4. November 2016)Die NATO beschloss auf ihrem Gipfeltreffen im Juli 2016, vier Bataillone zu je ca. 1.000 Soldaten dauerhaft in Osteuropa zur „Abschreckung“ Russlands zu stationieren (siehe IMI-Analyse 2016/29). Zusätzlich kündigten die USA an, eine Kampfbrigade in Länder an der unmittelbaren Grenze zu Russland verlegen zu wollen. Wie Augengeradeaus berichtet, sind dazu nun genauere Einzelheiten bekannt geworden: „Die Truppen werden vorwiegend an der Ostflanke des Bündnisses unterwegs sein; dabei ist eine Verzahnung mit der Enhanced Forward Presence der NATO beabsichtigt, für die die Bundeswehr den Kern eines Bataillons in Litauen stellt. Deutschland spielt darüber hinaus eine weitere wichtige Rolle: Als Ankunftsort in Europa und für die Einlagerung von schwerem Gerät.“ (jw)
Rheinmetall: Profitabel
(4. November 2016)Der Panzerbauer Rheinmetall hat 2016 seine Umsätze erheblich steigern können, wie Zeit Online berichtet: „In den ersten neun Monaten steigerte der Konzern seinen Umsatz um 9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis lag mit 99 Millionen Euro um 55 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen in Düsseldorf mitteilte.“ (jw)
Südsudan: Robuste Eingreiftruppen
(4. November 2016)Systematisch hat der Westen die Abspaltung des Südsudan vom Sudan mitbetrieben (siehe IMI-Analyse 2014/01) und hat demzufolge auch eine erhebliche Mitschuld an den aktuellen heftigen Auseinandersetzungen im Süden des Landes. In dieser Situation wird nun in der taz eine „robuste Eingreiftruppe“ gefordert: „Der erste Schritt zu einer Lösung müsste also in der Bereitschaft bestehen, robuste Eingreiftruppen zu stationieren, die rasch aktiv werden, ohne die Schwerfälligkeiten der UN-Kommandoketten. Solche Eingreiftruppen gibt es bei anderen großen afrikanischen UN-Missionen – Kongo, Zentralafrika, Mali –, nicht aber im Südsudan und auch nicht im sudanesischen Darfur.“ (jw)
Deutsches EUropa
(2. November 2016)German-Foreign-Policy.com rückt die jüngste Ernennung des CDU-Politikers Günther Oettinger zum neuen EU-Haushaltskommissar in einen breiteren Zusammenhang. Sukzessive würden mehr und mehr Schaltstellen in Brüssel mit deutschen besetzt, wobei Jean-Claude Junckers‘ Kabinettschef eine besonders bedeutende Rolle spiele: „Die Affäre um den designierten EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger wirft ein Schlaglicht auf die dominierende Stellung, die deutsche Politiker und Diplomaten mittlerweile in den EU-Apparaten innehaben. Im Zentrum steht dabei der Kabinettschef von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Martin Selmayr. Der 45-jährige Deutsche, der 2001 als Leiter der EU-Vertretung des Bertelsmann-Konzerns nach Brüssel ging, machte dort seit 2004 als Sprecher, seit 2010 als Kabinettschef der luxemburgischen EU-Kommissarin Viviane Reding Karriere. Bereits damals hieß es über ihn, ‚mancher in Brüssel‘ sehe in Reding ‚nur noch die Puppe von Bauchredner Selmayr‘, der als ‚eigentliche(r) Kommissar‘ eingestuft werde.[1] Seit November 2014 amtiert der Deutsche nun als Kabinettschef von Kommissionspräsident Juncker. Beobachter urteilen, er sei ‚wohl der mächtigste Stabschef in der Geschichte der Kommission‘; der Einfluss, über den er verfüge, übersteige denjenigen so manchen Kommissars bei weitem.“ (jw)
Rüstungshauhalt: Noch mehr?
(2. November 2016)Trotz der drastischen Steigerungen des Rüstungshaushaltes in den letzten Jahren kann der Bundeswehrverband augenscheinlich den Hals nicht voll genug bekommen, wie das Handelsblatt berichtet: „Der Bundeswehrverband fordert zusätzlich zu geplanten Ausgabenerhöhungen weitere sechs Milliarden Euro für die Streitkräfte bis 2021.“ (jw)
Afghanistan: Offenbarungseid
(1. November 2016)Augengeradeaus schreibt über den neuen Bericht des Sonderbeauftragten der US-Regierung für den Wiederaufbau Afghanistans, der ein überaus negatives Bild über die jüngsten Entwicklungen zeichnet: „Past gains are eroding: poverty, unemployment, underemployment, violence, outmigration, internal displacement, and the education gender gap have all increased, while services and private investment have decreased.” (jw)
USA: Interventionsunwillig
(31. Oktober 2016)Der American Conservative (via Bpb-Newsletter) zitiert au seiner neuen Umfrage des Charles Koch Institute und des Center for the National Interest, derzufolge die US-Bevölkerung mehrheitlich keine Ausweitung der US-Militärinterventionen wünscht: „‘Only 25 per cent of Americans would like the next president to expand the role of the US military overseas, according to a poll that underlines the cautious mood of voters about foreign policy.‘ In the poll, only 14 per cent of respondents said US foreign policy had made the country more secure since 9/11.” (jw)
Rheinmetall: Hemmungslos
(30. Oktober 2016)Zeit Online berichtet über die Studie die Studie „Hemmungslos in alle Welt“, die sich intensiv mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall beschöftigt: „Der Rüstungskonzern Rheinmetall umgeht mit Tochterfirmen im Ausland deutsche Exportkontrollen und verdient prächtig. Auch am Bürgerkrieg im Jemen.“ (jw)
Hahn: Rüstungslobbyist
(29. Oktober 2016)Spiegel Online berichtet über eine Sendung über den CSU-Bundestagsabgeordneten Florian Hahn von Report Mainz. Hahn war vor seiner Bundestagstätigkeit Mitarbeiter der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann: „Die bezahlten Nebentätigkeiten eines CSU-Politikers sorgen für Diskussionen über Interessenkonflikte im Bundestag. Der Abgeordnete Florian Hahn sitzt im Verteidigungsausschuss des Bundestages und ist gleichzeitig Aufsichtsrat der Firma Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) in Ottobrunn. Für seine Tätigkeit erhält Hahn laut Bundestagsverwaltung bis zu 30.000 Euro jährlich.“ (jw)
Brexit: Deutsche „Verantwortung“
(29. Oktober 2016)Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat ein Gutachten zu den Auswirkungen des britischen EU-Austritts auf die europäische Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik erstellt. Die Kernbotschaft des Papiers lautet, Deutschland sei nun aufgefordert, die sich auftuende militärische Lücke im Sinne der neuen „Verantwortungspolitik“ zu schließen: „Beim Schließen der durch den britischen EU-Austritt entstehenden Lücken in den Bereichen Finanzen, Personal, technologischem Know-how und militärischen Fähigkeiten kommt Deutschland mit seiner Wirtschaftskraft und seinem Anspruch, europäische Politik maßgeblich mitzugestalten, eine besondere Rolle zu. Hier könnte Deutschland zeigen, dass es, wie spätestens seit der Münchner Sicherheitskonferenz 2014 von zahlreichen deutschen Spitzenpolitikern wiederholt gefordert, wirklich noch stärker zur Übernahme internationaler Verantwortung bereit ist.“ (jw)
Cyberkommando: Kriegsbereit
(28. Oktober 2016)Defense One berichtet, das US-Cyberkommando habe nun seine Einsatzbereitschaft erklärt. Es verfüge nun über 5.000 von im Endstadium derzeit 6.2000 geplanten Soldaten. Wie selbstverständlich wird dabei erwähnt, auch Offensiveinsätze gehörten zum Repertoire des Kommandos: „The group’s primary missions include defending DOD networks, defending combatant commands from cyberattacks and defending U.S. critical infrastructure and launching offensive cyber operations when directed by the president.” (jw)
Ostasien: EU-Rolle?
(28. Oktober 2016)Schon länger gibt es in der EU Diskussionen über eine „profiliertere“ militärische Rolle in Ostasien (siehe zB IMI-Aktuell 2016/510). Wohl nicht zuletzt angesichts der jüngsten US-Positionsverluste in Ostasien, v.a. in den Philippinen (siehe IMI-Aktuell 2016/645), fordert nun ein Papier (via Bpb-Newsletter) des den US-Demokraten nahestehenden Center for a New American Security, an dem u.a. die Clinton-Vertraute Julianne Smith beteiligt war, genau eine solche stärkere europäische Rolle ein: „Understandably, Europe’s primary focus will be on political and security challenges closer to home. But given the stakes, the two sides of the Atlantic need to ensure that Asia remains a key component of their shared agenda.” (jw)
Philippinen: US-Abzug in 2 Jahren?
(28. Oktober 2016)Der Konfrontationskurs des neuen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte gegenüber den USA beschleunigt sich (siehe auch IMI-Aktuell 2016/524). Laut Washington Post (via Bpb-Newsletter) soll er nun angekündigt haben, er erwarte einen möglichst schnellen Abzug der US-Truppen und nannte einen Zeitraum von zwei Jahren: „Philippine President Rodrigo Duterte said Wednesday he wanted U.S. troops out of his country, perhaps in the next two years, underlining his intention to press ahead with a major realignment of his country’s foreign and security policies.” (jw)
Clinton: Auf Aggressionskurs
(28. Oktober 2016)Wie schon in der IMI-Studie „Hochzeit der Kriegstreiber“ prognostiziert, deutet einiges darauf hin, dass nach der inzwischen relativ wahrscheinlichen Wahl Hillary Clintons zur US-Präsidentin der Kurs gegenüber dem Iran wieder verschärft wird. Zu dieser Einschätzung gelangt auch The Intercept (via Bpb-Newsletter) nach Besuch einer Veranstaltung des Clinton-nahen „Center for American Progress“: „American Progress hosted a sort of preview of Hillary Clinton’s Middle East policy on Tuesday, with a Clinton adviser and a Gulf state diplomat agreeing that the next president should double down on support for the Gulf states, including Saudi Arabia, while ramping up action against Iran.” (jw)
Rüstungsexporte: Expertenliste
(27. Oktober 2016)Die deutschen Rüstungsexportkriterien sollen auf den Prüfstand (siehe IMI-Aktuell 2016/532). Laut taz wurde dafür mittlerweile eine Kommission gebildet: „Eine Kommission im Wirtschaftsministerium berät seit drei Wochen über eine Reform der Rüstungsexportkontrolle. Neun Referate des Ministeriums sind in dem Gremium vertreten, bis zum Frühjahr wollen sie elf externe Experten anhören.“ Die taz hat auch die Liste der 11 Experten online gestellt, die das Gremium bis zum Frühjahr anhören will. Sie ist nicht ganz so schwer zu ertragen wie manch andere Zusammensetzungen solcher Expertenrunden, immerhin finden sich neben den obligatorischen Rüstungslobbyisten auch Vertreter etwa von Amnesty, SIPRI und der GKKE, die allesamt recht kritische Positionen vertreten. Einmal mehr aber abwesend ist aber leider ein Vertreter der Friedensbewegung, wie etwa von der „Aktion Aufschrei“. (jw)
Diyarbakir: Putsch
(27. Oktober 2016)Die junge Welt berichtet über die Festnahme kurdischer Regionalpolitiker durch türkische Regierungsbeamte: „Nach Monaten andauernder Angriffe gegen demokratisch gewählte Regionalverwaltungen im Südosten der Türkei hat Ankara am Dienstag abend die beiden Kobürgermeister der Millionenstadt Diyarbakir (kurdisch: Amed) verhaften lassen. Gültan Kisanak und Firat Anli sollen laut türkischer Behörden Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sein.“ (tp/jw)
Panzer nach Osteuropa
(27. Oktober 2016)Auf dem NATO-Gipfel in Warschau wurde beschlossen, vier Bataillone mit jeweils 1.000 Soldaten an der NATO-Ostgrenze zu stationieren. Deutschland wird die Führung des Bataillons in Litauen übernehmen, das ab 2017 vor Ort sein soll. Neben der genaueren Zusammensetzung wurden nun auch Teile der Bewaffnung der Einheiten bekannt, über die u.a. Focus Online berichtet: „Deutschland wird laut Bundesverteidigungsministerium zwischen 400 und 600 Soldaten der insgesamt rund tausend Soldaten stellen. […] Die Verbände sind auch mit Panzern und schwerem Gerät ausgerüstet. Die Bundeswehr plant, zumindest zeitweise Artillerie zu stationieren.“ (jw)
IGH: Tribunal gegen Afrikaner
(27. Oktober 2016)Nachdem zuerst Südafrika und Burundi den Internationalen Gerichtshof (IGH) verlassen habe, zog nun auch Gambia nach. Weshalb das einstmals mit großen Erwartungen gestartete Projekt augenscheinlich gegen die Wand fährt, erläutert u.a. ein Beitrag im Deutschlandfunk (via Bpb-Newsletter): „Gambias Informationsminister Sheriff Bojang sagte, das Tribunal sei faktisch ein internationales Gericht der Weißen zur Verfolgung vor allem von Afrikanern – ein Vorwurf, den mehrere afrikanische Länder erheben. Er warf dem Gericht in Den Haag die ‚Verfolgung und Demütigung von Menschen mit dunkler Hautfarbe, insbesondere von Afrikanern‘ vor. Die ‚Kriegsverbrechen‘ westlicher Politiker ignoriere das Gericht hingegen völlig, beklagte der Minister. Als Beleg für eine Voreingenommenheit des Strafgerichtshof nannte er die Weigerung des Gerichts, den früheren britischen Premierminister Tony Blair wegen des Irak-Kriegs anzuklagen.“ (jw)
Syrien: Zivilopfer
(27. Oktober 2016)Antiwar berichtet über Meldungen von Amnesty International, denen zufolge die US-geführte Koalition die Zahl der Zivilopfer infolge ihrer Bombardierungen in Syrien stark untertrieben habe: „The new report centered on Syria, noting that the US-led coalition had killed at least 300 civilians in Syria, and had not admitted to the vast majority of those slain.“ (jw)
Mali-Einsatz: Ausweitung
(26. Oktober 2016)Bereits jetzt sind knapp eintausend deutsche Soldat_innen in Mali stationiert, über die Hälfte davon im umkämpften Norden des Landes wo es regelmäßig Angriffe auf die Soldaten der MINUSMA-Mission gibt und auch das deutsche Feldlager bereits beschossen wurde.
Anfang nächsten Jahres soll dieser Einsatz nun offenbar „massiv“ ausgeweitet werden, wie u.a. die Deutsche Welle mit Berufung auf die dpa berichtet. Geplant ist die Entsendung von acht zusätzlichen Hubschraubern und einer dreistelligen Zahl zusätzlicher Kräfte ab März oder April nächsten Jahres. Hierfür wird auch eine Erweiterung des Bundestags-Mandates nötig. Ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung zieht einen – allerdings schlecht informierten – Vergleich zu Afghanistan: „Ja, das erinnert, zumindest vom Grundmuster her, an das deutsche Engagement in Afghanistan. Schon richtig, von der Dimension her sind die beiden Missionen nicht vergleichbar, auch nicht von der (derzeitigen) Bedrohungslage. Aber war es nicht auch in Afghanistan so, dass die Bundeswehr erst Brunnen bohrte und sich am Ende heftige Gefechte mit Aufständischen lieferte – also plötzlich in einem Einsatz steckte, den so zumindest anfangs niemand gewollt hatte?“
Dass die Bundeswehr dort zunächst lediglich „Brunnen bohrte“ ist ein Mythos und die derzeitige Bedrohungslage im Norden Malis ist höher, als jene in den deutschen Einsatzgebieten in Afghanistan über lange Strecken des langen ISAF-Engagements. Über Hintergründe und Inhalt des Mali-Einsatzes der Bundeswehr informiert u.a. ein Fact Sheet der IMI.
B-61: Teure Modernisierung
(26. Oktober 2016)Die “Modernisierung” der in verschiedenen europäischen Ländern stationierten taktischen US-Atomwaffen – faktisch eine Aufrüstung gegen Russland gerichtete Aufrüstung (siehe IMI-Studie 2016/07) – wird wie üblich deutlich teurer als ursprünglich angekündigt. Noch im Jahr 2012 berichtete u.a. Spiegel Online darüber, es werde von Kosten in Höhe von 6 Mrd. Dollar ausgegangen. Nun berichtet Defensenews von einem ungleich höherem Gesamtbetrag: „The life-extension program for the B61-12 atomic bomb will cost just over $8.25 billion, according to a new estimate from the National Nuclear Security Administration (NNSA). […] That cost does not include the estimated $1.3 billion that the Department of Defense plans to spend on developing and procuring tailkits for the weapons. With that included, the total cost for the program sits at roughly $9.5 billion.” (jw)
Rüstungsexporte: Tendenz weiter steigend
(25. Oktober 2016)Das Handelsblatt zitiert Wirtschaftsminister Gabriel, der ankündigt, trotz aktueller Rekordwerte würden die Rüstungsexporte auch künftig weiter steigen: “Vor dem Hintergrund globaler Krisen und terroristischer Bedrohungen sei ‚auch in kommenden Berichtszeiträumen mit hohen Genehmigungswerten‘ in verbündete Länder zu rechnen.“ (jw)
Norwegen: US-Soldaten
(25. Oktober 2016)U.a. der Standard berichtet über das nächste gegenüber Moskau gebrochene Versprechen: „Die norwegische Regierung hat der Stationierung von US-Soldaten in ihrem Land zugestimmt. […]Die US-Soldaten sollen nach Ministeriumsangaben aus Oslo rund 1.000 Kilometer von der Grenze mit Russland entfernt den Einsatz unter arktischen Bedingungen üben. Norwegen ist seit 1949 Mitglied der NATO; zur Besänftigung Moskaus hatte Norwegen damals zugesagt, keine ausländischen Kampftruppen in das Land zu lassen, sofern es nicht selbst angegriffen wird.“ (jw)
BICAS: Verdeckte Rüstung
(25. Oktober 2016)Zur Installation „Dual Use“ von Franz Wanner und einer daraufhin von der Grünen Fraktion des bayrischen Landtags eingebrachten Frage zur Finanzierung von Rüstungsforschung sendete die KulturWelt des Bayrischen Rundfunks einen Beitrag unter dem Titel „Verdeckte Rüstungsforschung“. Über die Anfrage wurde etwa deutlich, dass die bayrische Landesregierung die Fortentwicklung des Quasi-Satelliten Zephyr des Airbus-Konzerns wesentlich finanziert hat. Obwohl dieses explizit für den militärischen Markt beworben wird und bislang nur an militärische Abnehmer verkauft wurde, hält die Landesregierung an ihrer Aussage fest, dass keines der geförderten Projekte eine „militär bzw. rüstungsrelevante Zielsetzung“ verfolge.
Weniger Kleinwaffen, mehr Munition
(25. Oktober 2016)Zum jüngsten Rüstungsexportbericht wurden insbesondere über die Verschiebung im Kleinwaffenbereich berichtet, etwa von Spiegel Online: “So hat die Bundesregierung die Ausfuhr von Kleinwaffen im ersten Halbjahr leicht zurückgefahren, doch haben sich zugleich die Exporte von Munition für diese Waffen verzehnfacht. Auffällig sind auch Verschiebungen in der Liste der wichtigsten Bestimmungsländer. So rückte etwa die Türkei seit Beginn der Flüchtlingskrise von Platz 25 auf Rang 8 vor.“ (jw)
Jemen: Kriegsstrategie
(25. Oktober 2016)Robert Fisk argumentiert im Independent (via Bpb-Newsletter), Saudi Arabien würde im Krieg gegen die Houthis im Jemen gezielt industrie- und Agrarinfrastruktur vernichten, um das Land künftig in enger Abhängigkeit halten zu können: „Increasing evidence suggests Kingdom is not merely bombing civilians in neighbouring country, but systematically targeting infrastructure survivors will need to avoid starvation when the war is over“. (jw)
Marinekonferenz: Dreizack
(25. Oktober 2016)Mit dem Titel für eine vom 22 bis 24 Februar stattfindende Marinekonferenz schießt das stets recht militärnahe „Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel“ (ISPK) endgültig den Vogel ab: „Der Dreizack gehört in unsere Faust“. (jw)
Dülmen: US-Depot
(24. Oktober 2016)Die USA haben angekündigt, Material für die Verlegung einer Panzerbrigade (5.000 Soldaten) an die Grenzen Russlands in Europa Vorpositionieren zu wollen. Wie die junge Welt berichtet, scheint hierbei Dülmen in NRW eine wichtige Rolle zu spielen: „Die USA bauen ihre militärische Präsenz in Deutschland weiter aus. Dabei gewinnt unerwartet nun das nordrhein-westfälische Dülmen an Bedeutung für ihre Kriegspolitik. […] Anfang Oktober 2016 hat die US-Armee, in der Öffentlichkeit kaum beachtet und für die lokale Politik sehr überraschend, die Befehlsgewalt über dieses 46 Hektar große Areal übernommen. […] Die Zeitschrift der US-Streitkräfte, Stars and Stripes, zitierte am 15. Juli den US-Army-Sprecher in Europa, Donald Wrenn: »Das Areal mit großen Lagerhallen und einem funktionierenden Bahnanschluss (…) ist gut geeignet, unsere kurzfristigen Lagerbedarfe abzudecken.« Es geht in diesem Bericht unter anderem um bewaffnete und gepanzerte Fahrzeuge. Am 1. September machte Stars and Stripes klar, wohin die Reise gehen soll: Seit der »Annexion der Krim (…) hat das Europäische Kommando der USA nach Möglichkeiten gesucht, seine Präsenz in Europa auszubauen.«“ (jw)
Bundeswehr: Reality-Show
(24. Oktober 2016)Bei finanznachrichten.de findet sich der Hinweis, dass die Bundesswehr ab 1. November ihre eigene Online-Reality-Show starten will: „Die Kosten für eine neue Reality-Doku der Bundeswehr sorgen für Ärger. Das Verteidigungsministerium will ab dem 1. November mit einer täglichen Reality-Doku ‚Die Rekruten‘ auf YouTube Nachwuchs werben: ‚Die Kosten für die Produktion der dreimonatigen Serie betragen 1,7 Millionen Euro‘, sagte Dirk Feldhaus, Kommunikationschef für die Arbeitgebermarke Bundeswehr, der ‚Bild am Sonntag‘.“ UPDATE: Die Kosten von 1,7 Mio. wurden in den meisten Medien genannt, scheinen aber deutlich zu niedrig zu sein, wie nun Augengeradeaus meldet: „Das bedeutet, wenn ich das nicht falsch verstehe, dass diese Serie zusammen mit den dafür vorgesehenen Werbemaßnahmen insgesamt mit knapp acht Millionen Euro zu Buche schlägt.“ (jw)
Vom BND zur NATO
(24. Oktober 2016)Verschiedene Medien berichten, dass der ehemalige BND-Vize Arndt Freytag von Loringhoven zum Chef der Schlapphut-Abteilung der NAGTO ernannt wurde: „Ein Deutscher wird erster Geheimdienst-Chef der Nato. Arndt Freytag von Loringhoven soll mit einem Team Geheimdienstdaten effektiv auswerten und sicherstellen, dass die Nato die richtigen Informationen bekommt.“ (jw)
Flüchtlingsboot angegriffen
(23. Oktober 2016)Das Handelsblatt berichtet über einen Angriff auf ein Flüchtlingsboot: „Die libysche Küstenwache hat nach Angaben der Hilfsorganisation Sea Watch am Freitag ein Flüchtlingsboot angegriffen und den Tod mehrerer Menschen verursacht. Die Besatzung eines Speedbootes mit der Aufschrift „Libysche Küstenwache“ habe das Schlauchboot mit etwa 150 Menschen an Bord geentert und sei mit Knüppeln auf die Migranten losgegangen, teilte die deutsche Hilfsorganisation mit.“ (jw)
IS-Terror: Afghanistanerfahrung
(21. Oktober 2016)ProPublica berichtet über die vermeintlichen Ergebnisse der Recherchen von US-Geheimdiensten über die „Hintermänner“ der Anschläge des IS in Europa. Als ein wichtiger Planer der Attacken in Paris und Brüssel wird Abdelilah Himich (aka Abu Sulaiyman al Fransi) angenommen, der sich vermutlich noch in Syrien aufhalte. Er habe zuvor in der französischen Fremdenlegion in Afghanistan gedient und dann eine Gefängnisstrafe wegen Drogendelikten abgesessen, bevor er sich dem IS angeschlossen habe und dort „wegen seiner militärischen Erfahrung und seiner Kenntnis Frankreichs“ zur „Schlüsselfigur“ einer Einheit des IS zur Ausführung von Operationen im Ausland geworden sei. (bk)
Mittelmeer: Marineaufmarsch
(21. Oktober 2016)Zahlreiche Medien berichteten am 20. Oktober 2016, dass sich große russische Marineverbände auf dem Weg ins Mittelmeer befänden. Nach Angaben aus NATO-Kreisen handele es sich dabei um „die gesamte nordische und einen Großteil der baltischen Flotte“, so vermeldet der Focus, nach dem es sich damit um den größzten Flotteneinsatz seit Beendigung des Kalten Krieges handele. Die Schiffe hätten u.a. Jagdbomber an Bord, welche in der Schlacht um Aleppo zum Einsatz kommen könnten. NATO-Generalsekretär Stoltenberg äußerte sich „besorgt“, die britische Marine entsandte ihrerseits einen Flottenverband, um die russischen Kriegsschiffe „auf Schritt und Tritt [zu] beobachten.“
Tatsächlich ist der Marineaufmarsch im Mittelmeer alarmierend, allerdings bereits viel länger im Gang und von NATO und EU unter tatkräftiger Beteiligung Deutschlands vorangetrieben. Allein Deutschland ist gegenwärtig an zwei NATO-Missionen und einem EU-Einsatz im Mittelmeer beteiligt, bei zweien hat es sogar die Führung übernommen. Auch das Mandat zur Bekämpfung des IS in Syrien und Irak hatte eine maritime Komponente, den Schutz des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle vor den Küsten Syriens. Diese maritime Aufrüstung im Mittelmeer wurde jedoch von der deutschen und europäischen Presse deutlich weniger alarmierend berichtet. Auch das ein Anzeichen dafür, dass er einen Teil seines Ziels bereits erfüllt hat, nämlich das Mittelmeer zu einem „Mare Nostrum“ zu erklären, wo die Präsenz von NATO- und EU-Truppen als selbstverständlich, diejenige russischer Kriegsschiffe jedoch als „Eindringen“ wahrgenommen wird (bk).
Kampfschwimmer gegen Flüchtlinge?
(20. Oktober 2016)Die EU-Marinemission zur Migrationsbekämpfung im Mittelmeer wird durch Kampfschwimmer der Bundeswehr verstärkt, einer Eliteeinheit der Bundeswehr, die wie das Kommando Spezialkräfte unter strenger Geheimhaltung operiert. Der Spiegel schreibt hierzu: „Mit kleinen U-Booten zum Beispiel können sie sich unter Wasser an verdächtige Schiffe anschleichen, die Motoren lahmlegen und die Schiffe dann entern. Ihre jahrelange Ausbildung zielt letztlich auf alle Arten des Nahkampfs.“
Die Verlegung von Kampfschwimmern ist auch ein Zeichen für die kontinuierliche Ausweitung des Einsatzes sowohl in räumlicher Dimension wie auch hinsichtlich der Aufgaben. Die ursprünglich zur Bekämpfung von „Schleusernetzwerken“ ins Leben gerufene Mission soll mittlerweile auch Waffenlieferungen an einzelne Konfliktparteien in Libyen unterbinden und die Ausbildung anderer Konfliktparteien beinhalten (s. Mission Creep im Mittelmeer). Nach aktuellem Operationsplan sollen die Kampfschwimmer zunächst noch nicht gegen Flüchtlinge zum Einsatz kommen, gab das Verteidigungsministerium an.
Drohnen: Proliferation pazifizierend?
(20. Oktober 2016)Auf War on the Rocks (via Bpb-Newsletter)ist ein Beitrag der Auffassung, die Verbreitung von Drohnen werde zu tiefgreifenden Änderungen des taktischen Umfelds führen, da Einsätze für intervenierende Staaten künftig deutlich teurer werden würden: „At the tactical level, these ‚flying IEDs‘ will raise the cost of protecting forces in country by heightening the threat to bases and lines of communications. (…) To counter this threat, state military forces will have to harden some targets and provide air defense for critical elements that cannot be hardened. Command posts, ammo dumps, fuel farms, living spaces, and all other fixed soft targets will have to be hardened.” (jw)
Irak: Ausbildungsmission
(19. Oktober 2016)Pars Today meldet, die auf dem NATO-Gipfel in Warschau beschlossene Ausbildungsmission im Irak solle Anfang 2017 beginnen. (jw)
