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Drohnenabwehrzentrum
(18. Dezember 2025)Am 17.12.2025 hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in Berlin das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum eröffnet, wie eine Pressemitteilung des BMI informiert:
„Das GDAZ ist als gemeinsame Koordinierungsstelle der Polizeien von Bund und Ländern, des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei sowie der Bundeswehr eingerichtet. Es ist bei der Bundespolizeidirektion 11 am Schöneberger Ufer angesiedelt. Mit dem symbolischen Anbringen des Türschilds nimmt die zentrale Plattform zur Bündelung der deutschen Drohnenabwehrkompetenzen offiziell ihre Arbeit auf.“
Wieder ein kleiner Schritt in Richtung Auflösung der Trennung von Innerer und Äußerer Sicherheit – passend flankiert von einem aktuellen Beitrag im Verfassungsblog, der mit Verweis auf die Beschreibung hybrider Angriffe im Weißbuch der Bundeswehr den Verteidigungsbegriff erschreckend weit auslegt.
GKKE: Exportbericht
(18. Dezember 2025)Die GKKE hat gestern ihren Rüstungsexportbericht 2025 veröffentlicht. Obwohl zum Beispiel in den EU-Rüstungsexportrichtlinien eigentlich weiter der Grundsatz gilt, dass keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete exportiert werden sollten, hält der GKKE-Bericht Rüstungsexporte an die Ukraine „grundsätzlich für rechtmäßig und legitim.“ Immerhin werden die Exportpläne der Regierung kritisiert: „2024 genehmigte die Bundesregierung insgesamt Rüstungsexporte im Wert von 15,69 Milliarden Euro. […] Hauptempfängerland 2024 war mit weitem Abstand die Ukraine (8,1 Milliarden Euro), gefolgt von Singapur, Algerien und der Türkei. […] Die schwarz-rote Bundesregierung bekennt sich in ihrem Koalitionsvertrag zu einer ‚strategisch ausgerichteten Rüstungsexportpolitik‘, die stärker an außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitischen Interessen orientiert ist. […] Die GKKE bewertet diese Neuausrichtung als deutlichen Rückschritt.“ (jw)
FASER: Preisschild (II)
(18. Dezember 2025)Den größten Batzen der gestern vom Haushaltsausschuss bewilligten Rüstungsprojekte verschlingt das Projekt FASER („Feld Ausstattung Soldat Erweiterte Reserve“) ein. Dabei geht es um unterschiedliche Bekleidungssätze sowie persönliche Schutzausstattung für 460.000 Soldat*innen und 80.000 Zivilist*innen, für die zunächst 19 Mrd. Euro veranschlagt wurde (siehe IMI-Aktuell 2025/618). Die gestern bewilligten Gelder umfassen jetzt allerdings 21 Milliarden Euro freigegeben, mit denen das Projekt im Zeitraum 2026 bis 2034 realisiert werden soll, wie hartpunkt.de berichtet. (jw)
Pannenpanzer Puma: Mehr davon!
(17. Dezember 2025)Der Schützenpanzer Puma hat eine spektakuläre Pannengeschichte vorzuweisen – Verspätungen, Verteuerungen und Fehlfunktionen pflastern seinen Weg. Obwohl im Dezember 2022 bei einer Übung 18 von 18 eingesetzten Panzer den Geist aufgaben, wurde einige Zeit später weitere 50 Exemplare geordert (siehe IMI-Analyse 2023/02). Ende Oktober tauchte dann eine Liste bei Politico auf, derzufolge das Verteidigungsministerium die Anschaffung von 600 weiteren Pumas zum Preis von 14 Mrd. Euro planen würde, wodurch der Bestand dann auf rund 1.000 Panzer steigen würde (siehe IMI-Aktuell 2025/599).
Die Bild zitiert nun aus einem anderen Papier des Verteidigungsministeriums, demzufolge bis 2030 „nur“ 200 Exemplare zulaufen sollen (ob die in der Politico-Liste auffindbare Zahl von 400 in den Folgejahren erreicht werden soll, geht aus dem Artikel nicht hervor). Spektakulär ist dabei, dass man anscheinend selbst im Verteidigungsministerium skeptisch ist, dass der Produzent KNDS fristgerecht liefern können wird. Bild zitiert aus dem BMVg-Papier: „Die von der Auftragnehmerin angegebene Lieferkapazität liegt deutlich über der bisherigen Lieferkapazität. Laut BMVg besteht daher das Risiko, dass die Auftragnehmerin die angegebenen Stückzahlen nicht fristgerecht liefern kann.“
Trotz der Pannen, die das Projekt auf dem Kerbholz hat, beschloss das BMVg nun durch eine Vorabfinanzierung den „Puma im Sack „ zu kaufen, wie die Bild ziemlich deutlich kritisiert: „Das Verteidigungsministerium hat sich deshalb eine bemerkenswerte Bezahlmethode überlegt: Eine Vorauszahlung in Höhe von rund 885 Millionen Euro (entspricht den ersten 50 Fahrzeugen) wird an den Rüstungskonzern KNDS vorgestreckt – für noch nicht gebaute Schützenpanzer, die in der Vergangenheit vor allem durch Pannen auf sich aufmerksam gemacht haben.“ UPDATE: Wie erwartet genehmigte der Haushaltsausschuss am 17. Dezember 4,2 Mrd. Euro für die besagten 200 Exemplare (allerdings mit einer ganhen Reihe von Maßgabebeschlüssen). Außerdem sollen wohl hartpunkt.de zufolge darüber hinaus weiterhin 200 weitere Pumas beschafft werden: „Gut unterrichteten Kreisen zufolge beabsichtigt das Heer in den folgenden Jahren die Puma-Flotte auf über 1.000 Schützenpanzer anwachsen zu lassen.“ (jw)
Arx Robotics: Interview
(17. Dezember 2025)Nachdem aus dem wachsenden Feld der deutschen Rüstungs-Startups (s. IMI-Studie 2025/02) für unbemannte Systeme zunächst v.a. die Gründer/CEOs von Helsing, und Quantum Systems bzw. Stark offensiv die Öffentlichkeit suchten, scheinen mittlerweile auch jene von Donaustahl und Arx Robotix nachzuziehen. Letzterem bot am 14.12.2025 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ein großes Forum mit einem Interview, das fast die ganze Seite vier füllte. Frontmann und CEO Marc Wietfeld, der das Unternehmen erst 2022 „mit Kameraden aus der Bundeswehr“ gegründet hatte, kann sich dort ausführlich zu seinem Verhältnis zur Bundeswehr, den vermeintlichen Missständen im Beschaffungswesen, der mangelnden Kampfgeist in Deutschland usw. auslassen. Nebenbei erfahren wir, dass auch der Cyber Innovation Hub (s. IMI-Analyse 2025/36) an der Entscheidung Wietfelds beteiligt war, selbst ein Rüstungsunternehmen zu gründen:
„Es gab einen Ideenwettbewerb vom Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Ich wurde von meiner Universität der Bundeswehr München aufgefordert, etwas einzureichen, ich hätte in der Vorlesung doch immer so tolle Ideen gehabt. Mein Beitrag war dann ein Roboter, klein wie ein Laptop. Der hatte einen Täuschkörper, konnte so tun, als wäre er ein Maschinengewehrschütze, und so den Feind verwirren.“
Interessant auch, dass sich Wietfeld damit brüstet, dass sein Unternehmen auch „an der Front“ in der Ukraine tätig sei:
„Also haben wir ein Werk im Raum Kiew aufgebaut. Ich bin oft dort. Es ist bedrückend zu sehen, seit wie langer Zeit meine ukrainischen Mitarbeiter unter Beschuss leben. Und das hört ja nicht auf in Kiew. Wir haben ein Servicenetzwerk, wir gehen bis an die Front mit den Soldaten und unterstützen sie im Einsatz, bei der Wartung und der ständig nötigen Adaption der Systeme.“
Auf die Frage, „Was ist bis dahin [dem bevorstehenden russischen Angriff 2029] zu tun?“ sieht Wietfeld die Automobilindustrie am Zug:
„Die 40.000 Mitarbeiter von Rheinmetall werden Europa nicht kriegstüchtig machen können. Wir brauchen dafür die zivile Wirtschaft, Automotive und Maschinenbau. Dort haben wir zwei Millionen Mitarbeiter und Werke zur Serienfertigung. Mit unseren Audis, unseren Schaefflers, unseren Deutz kann ich bei der Drohnenproduktion in die Hunderttausende gehen, da liegt die Lösung.“
BaWü: Bauturbo im Kabinett
(17. Dezember 2025)Der Baden-Württembergische Ministerrat hat am Dienstag, 16. Dezember 2025, beschlossen, das „Gesetz zur Förderung von Bauvorhaben der Bundeswehr“ in den Landtag einzubringen, wie die Landesregierung auf ihrer Homepage mitteilt. Bauministerin Nicole Razavi, deren Ressort die Federführung beim Gesetzentwurf zum sog. „Bau-Turbo“ (s. IMI-Standpunkt 2025/055) hatte, wird dort mit folgenden Worten zitiert:
„‚Wir befreien die Bundeswehr beim Bau von Anlagen, die der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands dienen, von allen materiell-rechtlichen Vorschriften des Landes.‘ Das betrifft unter anderem das Bauordnungsrecht, das Denkmalrecht, das Straßenrecht, das Wasserrecht und das Naturschutzrecht…“
Arktis: Militärisches Engagement
(17. Dezember 2025)Fregattenkapitän Helge Adrians fordert bei der Stiftung Wissenschaft und Politik „konkrete Schritte zur Wahrung deutscher Interessen“ in der Arktisregion zu definieren. Dies erfordere ein (auch militärisch) größeres Engagement: „Die Arktis und der arktisch-nordatlantische Raum gewinnen aufgrund der besseren Zugänglichkeit arktischer Seewege und Ressourcen an geopolitischer Relevanz. Deutschland sollte sich in diesem Raum stärker politisch, militärisch und wirtschaftlich einbringen.“ (jw)
Venezuela: Blockade
(17. Dezember 2025)Das muss wohl die praktische Anwendung des Trump-Zusatzes zur Monroe-Doktrin sein, der kürzlich großspurig in der Nationalen Sicherheitsstrategie auftauchte. Im Kern ist es der Anspruch, in Lateinamerika schalten und walten zu wollen, wie es ihnen beliebt – während gleichzeitig ohne rot zu werden Eingriffe in die staatliche Souveränität gegeißelt werden. Als erstes Land bekommt Venezuela dies nun zu spüren, wo die USA unter Vorwürfen wie Drogenschmuggel oder Sanktionsbruch in einem Akt internationaler Piraterie Schiffe aufbringen. Die Griephan-Briefe (Nr. 50/2025) schreieben dazu: „Dieser Vorfall kann keinen rechtsstaatlichen Ansprüchen standhalten, selbst den eigenen amerikanischen nicht. Schon hören wir, dass es erste Bemühungen amerikanischer Behörden gibt, bei deutschen Partnerbehörden den Boden für die inhaltliche Zustimmung und darüber hinaus für zukünftige strategische und robuste (!) Zusammenarbeit beim Thema Counter narcotics zu bereiten. Hier soll höchst opportunistisches Machtgebaren einseitig normalisiert, ausgeweitet und international legitimiert werden.“
Nun ging Trump noch einen Schritt weiter, schreibt Spiegel Online: „»Heute ordne ich eine totale und vollständige Blockade aller sanktionierten Öltanker an«, die Venezuela anlaufen oder verlassen würden, schrieb Trump. […] Er beschuldigt den linksnationalistischen Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, Drogenbanden zu kontrollieren und gezielt gegen die USA einzusetzen. Deshalb, so Trump weiter, werde die Maduro-Regierung »zu einer ausländischen Terrororganisation erklärt«.“ (jw)
Sardinien: RWM blockiert
(17. Dezember 2025)Letzten Sonntag, am 14. Dezember 2025, blockierten rund 1.000 Aktivist*innen mit einer Demonstration die einzige Zufahrtsstraße des Produktionswerkes von Rheinmetall Waffe Munition (RWM) auf Sardinien, wie das Nachrichtenoutlet Pressenza berichtet. Aufgerufen dazu hatte u.a. das Sardische Komittee in Solidarität mit Palästina und zahlreichen Gruppen schlossen sich dem Protest an. RWM produzierte hier die Bomben, die nachweislich im Krieg in Jemen eingesetzt wurden. Momentan stellt RWM hier zusammen mit dem israelischen Unternehmen UVision Kamikazedrohnen bzw. Loitering Munition der Serie Hero her.
Ein Aktivist berichtet, RWM habe die Nachmittagsschicht vormittags noch vor Beginn der Demonstration in die Fabrik fahren lassen – und die Frühschicht konnte die Fabrik bis Ende der Demonstration gegen 17 Uhr abends nicht verlassen. Damit sei es dem Protest gelungen, Rheinmetall durch die Sonderzahlungen an die Arbeiter*innen ökonomisch zu schaden.
Der Protest richtete sich gegen die Waffenhersteller RWM und UVision, aber auch an die Präsidentin der Region Sardinien, Alessandra Todde, die darüber entscheiden soll, ob die rechtswidrig gebaute Erweiterung der Bombenfabrik betrieben werden darf. Der Bau verstößt u.a. gegen die Umweltauflagen. Seit 2016 kämpft die Kampagne Stop RWM gegen die Waffenproduktion und ihre Erweiterung von Rheinmetall Waffe Munition auf Sardinien. (ja)
Quantum Frontline Industries
(16. Dezember 2025)Im Rahmen des Programms „build with Ukraine“ soll ausländische Rüstung in der Ukraine angesiedelt und ukrainische Unternehmen im westlichen Ausland produzieren. Ein Beispiel ist das Gemeinschaftsunternehmen Quantum Frontline Industries, über das u.a. t-online.de berichtet:
„Die Ukraine lässt selbst entwickelte Kampfdrohnen in industriellen Stückzahlen in Deutschland bauen. Produziert werde im Auftrag des Kiewer Verteidigungsministeriums, teilten der ukrainische Drohnenbauer Frontline Robotics und die deutsche Rüstungsfirma Quantum Systems beim Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum in Berlin mit. Der Leiter des Gemeinschaftsunternehmens Quantum Frontline Industries, Matthias Lehna, sprach vom Bau Zehntausender Drohnen im Jahr und einem Volumen im dreistelligen Millionenbereich.“
Weitere Informationen finden sich in einer Pressemitteilung von Quantum Systems. Dort wird Sven Kruck, Co-CEO von Quantum Systems u.a. mit diesen Worten zitiert: „Ukrainians have revolutionized the drone war, now we will revolutionize the industrial war together.“
