» IMI-Aktuell
Siemens: Geheimniskrämerei
(12. Dezember 2025)Ein „interessantes“ Problem hat die Welt mit dem Siemens-Konzern. Kritisiert wird die „Geheimniskrämerei“ des Konzerns, nachdem das Medium deutliche Hinweise gefunden haben will, dass der „Mutterkonzern“ sich als „Zulieferer mehrerer Rüstungsunternehmen“ betätige und die „Medizintechniktochter Siemens Healthineers“ mit Rheinmetall kooperiere. Nicht der Umstand an sich ist es nun, über den sich der Welt-Beitrag ärgert, sondern dass Siemens weiterhin „betont, man stelle keine Rüstungsgüter her.“ Rüstungsaktivitäten zu „verheimlichen“ sei nämlich Schnee von gestern, heute brüchte es das nicht mehr, Siemens, so die Hauptkritik, „steckt zumindest kommunikativ noch vor der Zeitenwende fest.“ (jw)
FCAS: Zwei Kampfflugzeuge
(12. Dezember 2025)Kurz vor dem wohl entscheidenden Treffen über die Zukunft des deutsch-französischen Luftkampfsystems FCAS zeichnet sich eine „Lösung“ ab. So ließ die IG Metall keine Zweifel daran aufkommen, dass aus ihrer Sicht eine Zusammenarbeit mit dem französischen „Partner“ Dassault nicht mehr möglich sei: „Die deutsche Politik und Industrie haben aus unserer Sicht bei FCAS von Beginn an Zugeständnisse gemacht. Trotzdem ist Dassault von Anfang an bemüht, uns zu diffamieren, zurückzudrängen und gegen uns zu arbeiten“, wird aus einem Brief von Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, und Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Airbus Defence and Space, bei hartpunkt.de zitiert. Adressaten waren Finanzminister Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Es brauche „eine kluge Neuaufstellung von FCAS“, die in Form einer Zwei-Kampfflugzeuge-Lösung denkbar sei. Wie Security.Table (#375) heute berichtet, soll sich auch der einflussreiche Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) für eine Variante mit „zwei leistungsstarken Flugzeugen der nächsten Generation“ ausgesprochen haben. (jw)
KNDS: Rheinmetall-Einstieg?
(11. Dezember 2025)Bereits vor rund zehn Jahren wurde nicht zuletzt von politischer Seite auf eine Fusion der beiden großen deutschen Panzerbauer Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) gedrängt, um so aus einer Position der Stärke ein Zusammengehen mit dem französischen Nexter-Konzern anzugehen. Allerding wurde daraus nichts, sodass KMW und Nexter das Gemeinschaftsunternehmen KNDS gründeten (siehe IMI-Analyse 2015/24).
Angesichts bereits länger anhaltender Spekulationen über einen KNDS-Börsengang (siehe IMI-Aktuell 2025/101) wittert der inzwischen deutlich erstarkte Rheinmetall-Konzern nun die Chance, im großen Stil bei KNDS einzusteigen, wie Bloomberg berichtet: „Rheinmetall-Chef Armin Papperger wirbt Kreisen zufolge erneut für einen Einstieg beim Rivalen KNDS, um einen europäischen Landverteidigungs-Champion zu formen und den fragmentierten Markt auf dem Kontinent zu konsolidieren. […] Papperger habe der KfW, die die Bundesregierung für den Erwerb von Beteiligungen an strategisch wichtigen Unternehmen nutzt, zudem das Modell vorgeschlagen, wonach Rheinmetall den Familienanteil an KNDS übernimmt und Berlin eine Beteiligung an Rheinmetall hält, sagten einige der Personen.“ Damir würde der ohnehin massiv expandierende Rheinmetall-Konzern einen weiteren Coup landen. Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)
Zweibrücken: Weihnachtsmarkt bewaffnet
(11. Dezember 2025)Es ist wohl schon seit Jahren üblich, dass die Bundeswehr auf dem Weihnachstmarkt in Zweibrücken einen eigenen Stand betreibt und dort Erbsensuppe ausschenkt. Zwei Soldaten der dort stationierten Soldaten scheinen das mit der „Zeitenwende“ dann doch noch) etwas zu weit ausgelegt haben. Sie spazierten als Weihnachtsmänner verkleidet mit Schutzwesten und Maschinengewehr und Sturmgewehr über den Weihnachtsmarkt. Teilnehmende alarmierten die Polizei, die feststellte, dass die Gewehre keine Munition enthielten, wohl aber eine ebenfalls von den Soldaten mitgeführte Pistole. Das hätte ziemlich böse ausgehen können. Über den Vorfall berichtet u.a. der SWR und schreibt (etwas arg unaufgeregt), ein juristisches Nachspiel sei möglich:
„Laut dem Kommandeur waren die beiden bewaffneten Soldaten abgestellt, um den Stand der Bundeswehr wie er sagt „militärisch einzurahmen“. Ob das als offizieller Auftrag ausreicht und zum Tragen der Waffen in der Öffentlichkeit berechtigt, müssen nun die Ermittlungen der Polizei zeigen. Die Ermittlungen dauern derzeit noch an. Intern habe die Bundeswehr den Fall bereits aufgearbeitet und klargestellt, dass „die Teilnahme von Soldaten mit persönlicher Ausrüstung und Handwaffen an öffentlichen Veranstaltungen vorab klar geregelt werden und allen Beteiligten bekannt sein muss.“ Sprich: Es hätte einer Anmeldung beim Marktbetreiber, der Stadt und der Polizei bedurft.“
Mittelstreckenwaffen: Stationierung 2026?
(11. Dezember 2025)Mehr oder weniger aus heiterem Himmel kündigten die USA und Deutschland am 10. Juli 2024 die Stationierung diverser US-Mittelstreckenwaffen für 2026 an, die zu einer weiteren Destabilisierung des ohnehin schon schwer zerrütteten Verhältnisses mit Russland beitragen dürften (siehe IMI-Studie 2024/07). Im Sommer war dann davon zu lesen, die Trump-Regierung überprüfe die Stationierungsentscheidung (siehe IMI-Aktuell 2025/396). Ob hier Ergebnisse vorliegen und falls ja, welche, ist nicht bekannt. Nun wird allerdings Kanzler Friedrich Merz u.a. in der Wirtschaftswoche zitiert, er sei „optimistisch“, dass die US-Waffen im kommenden Jahr stationiert würden: „Ich habe im Augenblick keine Veranlassung, an den Verabredungen zu zweifeln, die wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Nato-Bündnis getroffen haben“. (jw)
Helsing: Weltraum-KI
(11. Dezember 2025)Spiegel Online meldete am 10.12.2025 unter dem Titel „Europa rüstet im Weltall auf“:
„Das deutsche Unternehmen Helsing hat am Mittwoch in Berlin eine Kooperationsvereinbarung mit dem norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg unterzeichnet. An der Zusammenarbeit beteiligen sich zudem das in der Nähe von München ansässige Rüstungsunternehmen Hensoldt und Isar Aerospace, Anbieter von Raumflügen und Satellitenstarts. Der deutsche Partner Helsing steuert auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Softwaresysteme bei, die Informationen verschiedener Sensortypen kombinieren und damit neben Aufklärung auch Zielerfassung aus dem Weltraum ermöglichen soll.“
Mittlerweile typisch: Der Beitrag kommt ein wenig wie ein Werbepamphlet für Helsing daher und greift dabei auf viele nicht-öffentliche Quellen zurück. Zitiert wird u.a. aus „der sogenannten Militärstrategie für die Bundeswehr, die Anfang 2026 beschlossen werden soll“ und auf den Inhalt eines vertraulichen Sachstand[s] aus dem Koblenzer Beschaffungsamt von Ende Oktober“, außerdem werden sehr genaue Angaben zu vermeintlich erfolgreichen Tests von Helsings Kamiakazedrohnen durch die Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Munster sowie der britischen Armee in Kenia gemacht – die der Öffentlichkeit ansonsten mit Verweis auf die nationale Sicherheit vorenthalten werden.
Sehr viele Zeitungen berichteten bereits am 9.12.2025 in nahezu gleichlautenden Beiträgen „Bundeswehr testet Drohnen-Schwärme“, darunter die Gießener Allgemeine (Seite 2):
„Die Bundeswehr wertet einen Test von Drohnenschwärmen als Erfolg. Dabei wurde auf dem Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt ein sogenannter Aufklärungs- und Wirkungsverbund aus Aufklärungsdrohnen, einer KI-unterstützten Führungssoftware sowie Kamikazedrohnen („Loitering Munition“) verschiedener Hersteller ausprobiert.“
Die zugrundeliegende Meldung des Planungsamtes der Bundeswehr findet sich u.a. bei augengeradeaus.net.
Elbit: Ausgeschlossen
(11. Dezember 2025)Elbit Systems ist eines der ganz großen israelischen Rüstungsunternehmen, weshalb es u.a. gegen die Deutschlandniederlassung in Ulm immer wieder zu umfangreichen Protesten kommt (siehe IMI-Standpunkt 2025/26). Bereits vor Monaten teilten belgische Ermittler mit, es bestehe der Verdacht, dass Mitarbeiter der Nato-Beschaffungsagentur NSPA vertrauliche Informationen an Rüstungsunternehmen weitergeleitet hätten. Dieses Geld sei dann durch neu gegründete Beratungsfirmen gewaschen worden, berichtet u.a. das Handelsblatt. In diese Vorgänge scheint möglicherweise auch Elbit verwickelt zu sein, wie in dem Artikel weiter zu lesen ist: „Die Nato hat den israelischen Wehrtechnik-Konzern ElbitSystems während laufender Korruptionsermittlungen von der Teilnahme an Vergabeverfahren für Rüstungsaufträge ausgeschlossen.“ (jw)
Satellitenvergabe: Frei nach Schnauze
(10. Dezember 2025)Schneller und “unbürokratischer” soll es mit der Rüstung gehen, heißt es aktuell überall (siehe IMI-Analyse 2025/21). In der Praxis heißt das eigentlich nichts anderes, als das zum Beispiel Aufträge nun frei nach Schnauze vergeben werden können. Spiegel Online berichtet zum Beispiel über den Auftrag für Radarsatelliten der finnischen Firma Iceye mit dem deutschen Vertragspartner Rheinmetall. Damit will man sich unter dem launigen Namen „Spock“ (Spacesystem for persistent operational tracking) unabhängiger von den USA Machen – und da lässt man beim Vergabeverfahren eben auch mal Fünfe gerade sein, auch wenn es dabei um Milliardenbeträge geht: „Der Preis: zunächst 1,76 Milliarden Euro. […] Sollte die Bundeswehr weitere Optionen des Vertrags nutzen, könnte das Gesamtvolumen des Geschäfts bis maximal zum Jahr 2033 auf mehr als 2,7 Milliarden Euro steigen. […] Bemerkenswert ist, dass der Auftrag ohne Ausschreibung als sogenannte Direktvergabe geplant ist. […] Direktvergaben bei größeren Bundeswehrbeschaffungen waren bisher eher unüblich. Durch eine neue gesetzliche Regel aus diesem Sommer (»Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz«) sind sie aber einfacher möglich geworden […]. Laut einem Bericht der »Welt« gibt es an dem geplanten Vertrag für die Radarsatelliten ebenfalls Kritik, diesmal von anderen deutschen Weltraumunternehmen. Branchenvertreter monieren demnach unter anderem die zu beschaffenden Radarsatelliten als »ungewöhnlich teuer«.“ (jw)
Drohnen: Ökosystem
(9. Dezember 2025)Ein Beitrag im Reservistenmagazin „loyal“ beschäftigt sich mit dem entstehenden deutschen Ökosystem zur Drohnenrüstung und zitiert dabei auch Helsing-Manager Simon Brünjes: „Eine sinnvolle Rüstungsstrategie für Drohnen finge bei einer souveränen Herstellung von Chips an, ginge über eine diversifizierte Rohstoffversorgung bis hin zu Baugruppen ‚Made in Europe‘ wie zum Beispiel Batterien. Das ist eine ganze Kette an Maßnahmen, die am Ende zu einem kriegstüchtigen Ökosystem zur Drohnenproduktion in Deutschland und Europa führen würde.“ (jw)
CENTCOM: Drone Dominance
(9. Dezember 2025)„Drone Dominance” nennt sich das von Verteidigungsminister Pete Hegseth initiierte Programm, das laut defence-network.com, „vorsieht, ab Anfang 2026 in vier Phasen Hunderttausende der kostengünstigen unbemannten Luftfahrzeuge anzuschaffen, wobei die ersten Bestellungen 30.000 Einheiten zu je 5.000 US-Dollar umfassen.“ Im Bereich des US-Zentralkommandos (CENTCOM) sei hierfür kürzlich bereits eine Task Force Scorpion Strike (TFSS) geschaffen worden: „Diese Task Force, die vom US-Sonderkommando Central (SOCCENT) beaufsichtigt wird, hat bereits ein Geschwader mit Drohnen des Typs Low-Cost Unmanned Combat Attack System (LUCAS) eingesetzt, die autonom mit großer Reichweite und vielseitigen Startoptionen wie Katapulten oder mobilen Systemen operieren.“ Damit signalisiere die „TFSS einen skalierbaren Schritt in Richtung massiver Drohneneinsätze in der Region des CENTCOM, um Bedrohungen durch vom Iran unterstützte Kräfte zu bekämpfen.“ (jw)
