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IMI-Aktuell 2026/119

Rantzau-Kaserne: Bundeswehr

(25. Februar 2026)


Gegen Ende letzten Jahres stoppte die Bundeswehr die geplante Abwicklung von rund 200 Liegenschaften (siehe IMI-Analye 2025/34). Das hat in vielen Fällen nicht nur zur Folge, dass geplante Wohnviertel nicht gebaut werden können, sondern teils auch, wie nun im Fall Rantzau-Kaserne in Boostedt (Schleswig-Holstein), dass bereits genutzter Wohnraum bald nicht mehr zur Vefügung steht. Der NDR schreibt: „Nach 2028 werden in der früheren Rantzau-Kaserne in Boostedt voraussichtlich keine Flüchtlinge mehr untergebracht. Hintergrund sind die Bedarfe der Bundeswehr. […] Demnach wurden die bestehenden Mietverträge über November 2028 hinaus nicht verlängert. Im Moment leben nach Angaben des Landes knapp 600 Menschen in der Flüchtlingsunterkunft.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/118

Olympia: Bundeswehr (II)

(25. Februar 2026)


Nachdem sich schon in einer Zwischenbilanz einmal mehr der hohe Anteil an Sportsoldat*innen bei der Winterolympiade abzeichnete (siehe IMI-Aktuell 2026/110), bestätigt sich dies auch in der abschließenden Bilanz. Bei defence-network.com heißt es dazu: „Die Bundeswehr stellte rund 40% aller der für Deutschland antretenden Sportlerinnen und Sportler, die mit 5 x Gold, 8 x Silber und 4 x Bronze insgesamt 17 Medaillen oder auch gut 65 % aller von deutschen Athlet*innen errungenen Medaillen nach Deutschland holen konnten.“ Siehe gundsätzlich zur Frage der Sportsoldat*innen der Bundeswehr IMI-Studie 2019/03. (jw)

IMI-Aktuell 2026/117

Luftwaffe: Angriffsfähigkeiten

(24. Februar 2026)


Das Reservistenmagazin loyal geht auf Aussagen von Luftwaffeninspekteur Holger Neumann ein, denen zufolge die Luftwaffe Offensivfähigkeiten für Angriffe tief im gegnerischen Raum benötige: „Für Neumann ist der taktische Maßstab bei der Luftkriegsführung, in dichte Luftverteidigungszonen eines Gegners eindringen und dort massive Schläge ausführen zu können. […] Entscheidend für die NATO-Luftwaffen seien daher wirksame Offensivwaffen. ‚Die NATO ist eine Verteidigungsallianz. Den ersten Schlag macht immer ein Gegner. Umso wichtiger ist es, mit raschen Gegenschlägen dessen Angriffswaffen – beispielsweise Raketenstartrampen – zerstören zu können.‘ In naher Zukunft soll eine autonome „Jagdbomberdrohne“ die Offensivfähigkeit der deutschen Luftwaffe erhöhen. Wichtig für die Entwicklung der Luftwaffe sei deshalb eine Verstärkung der Kampfjet-Bewaffnung über den kommenden Marschflugkörper Taurus Neo und Deep-Precision-Strike-Systeme.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/116

BAAINBw: Uninähe

(24. Februar 2026)


Angesichts der Flut neuer Beschaffungsvorhaben und anhaltender Pleiten und Pannen im Beschaffungsprozess soll das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz reformiert erdn. Gestern stellte Verteidigungsminister Boris Pistorius Elemente des Reformkonzeptes vor, das noch in diesem Jahr vorliegen soll. Bei bundeswehr.de ist darüber zu lesen, dass am Hauptsitz in  Koblenz festgehalten werden soll, aber auch neue Standorte in der Nähe von Universitäten geplant seien: „Vielmehr gehe es darum, in die Fläche zu gehen – und zwar dorthin, wo kluge und kreative Köpfe sowie neue Talente an möglichen neuen Standorten zur Verfügung stünden. […] Einer dieser Standorte ist schon jetzt das kürzlich eröffnete Innovationszentrum in Erding.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/115

Wirtschaftsinstitut: Zivilklauseln

(23. Februar 2026)


Bereits vor einigen Tagen veröffentlichte das Institut der deutschen Wirtschaft die Studie “Die Rolle der Privatwirtschaft in der Gesamtverteidigung Deutschlands“. Auch die Zivilklauseln kommen darin nicht ungeschoren davon: “Die fehlende Kooperationsbereitschaft mancher Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland, die nach wie vor die Zusammenarbeit über Zivilklauseln ausschließen, ist dabei ein Innovationshindernis, das die Abschreckungsfähigkeit schwächt und die wirtschaftlichen Potenziale vermindert. […] Darüber hinaus sollten die noch weitverbreiteten Friedens- und Zivilklauseln an deutschen Hochschulen oder bei öffentlichen Förderprogrammen überdacht werden, die einer notwendigen zivil-militärischen Forschungs- und Entwicklungskooperation bislang im Weg stehen.” (jw)

IMI-Aktuell 2026/114

Buy European: US-Torpedo

(23. Februar 2026)


Die europäische Union arbeitet an einer aktualisierung ihrer Beschaffungsrichtlinie aus dem Jahr 2009. Dabei sollen wohl Klauseln zur Bevorzugung europäischer Rüstungsunternehmen integriert werden, wovor die USA nun laut Politico recht massiv gewarnt haben sollen: „The U.S. Department of Defense objected to any EU effort to limit American arms-manufacturers‘ access to the European market and warned that would trigger a reciprocal response. […] While the Trump administration has repeatedly told Europeans that it wants them to shoulder the bulk of the continent’s conventional defense, the U.S. doesn’t want that to come at the expense of American defense firms.“

Die Meldung wurde in deutschen Sicherheitskreisen sehr verärgert registriert. Der lange u.a. für die Konrad-Adenauer-Stiftung tätige Nico Lange etwa schrieb in einem Tweet/X: „Das passiv-aggressive Verhalten der Trump-Truppe wird immer absurder: ‚Ihr Europäer sollt bitte Europa künftig allein verteidigen, aber wenn ihr dafür nicht US-Waffen kauft, dann hagelt es Strafen.‘ Wir sollten US-Hersteller zu joint ventures und Lieferketten in Europa zwingen.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/113

Kampfflugzeug: Irrweg

(23. Februar 2026)


Der Ex-Airbus-Chef Tom Enders warnt beim Redaktionsnetzwerk Deutschland vor Forderungen nach dem Bau eines Kampfflugzeugs im Alleingang. Er will das Geld lieber in neue Technologien investiert wissen, was womöglich aufgrund seines Aufsichtsratsposten beim Drohnenhersteller Helsing nicht ganz frei von Eigeninteressen ist. Dennoch sind seine groben Kostenschätzungen interessant: „Selbst konservativ gerechnet müsste Deutschland allein für die Entwicklung einen dreistelligen Milliardenbetrag aufbringen. Einsatzreife: frühestens Ende der 2040er-Jahre. […] Die Zukunft der Luftkriegsführung liegt nicht in immer komplexeren, bemannten High-End-Plattformen mit zwanzigjährigen Entwicklungszeiten. Sie liegt in hochintelligenten autonomen Drohnensystemen – im Jargon Unmanned Combat Aerial Vehicles (UCAV) –, bei denen Software, KI-Fähigkeit und kostengünstige Massenproduktion wichtiger sind als Cockpit-Design oder aerodynamische Perfektion.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/112

Russland: Unplausible Szenarien

(22. Februar 2026)


Dieselben Personen, die eine Aufrüstungwelle riesigen Ausmaßes fordern, um einem russischen Angirff vorzubeugen, weisen gleichzeitig auf Moskaus militärische Schwierigkeiten in der Ukraine hin – ohne darin im Übrigen auch nur den geringsten Widerspruch zu entdecken. So wurde Nato-Generalsekretär Mark Rutte mit den  Worten zitiert. „Dieser sogenannte russische Bär existiert nicht“, sagte er bei der Münchner Sicherheitskonferenz. „Unterm Strich bewegt sich das kaum schneller als eine Gartenschnecke.“

Obwohl er die krasse militärische Überlegenheit der NATO anerkannt, warnt zum Beispiel auch der Professor an der Bundeswehr-Universität in München, Carlo Masala, mit dem „Narwa-Szenario“ vor einem russischen Angriff. Russland könne Nadelstiche versuchen, etwa die Einnahme der estnischen Grenzstadt Narwa, die dann durch eine Drohung mit Atomschlägen abgesichert werde, um so die NATO zu testen. Darauf erwiderte der Ex-Diplomat Hellmut Hoffmann: „Warum Moskau für einen territorial unerheblichen und politisch hochgradig hypothetischen Gewinn nun plötzlich doch einen Krieg mit der Nato riskieren sollte, bleibt ebenso unklar, wie die Antwort auf die Frage, inwieweit weitere Aufrüstung von 32 bereits klar überlegenen Nato-Staaten ein Jota an dem durch eine Nukleardrohung aufgeworfenen Entscheidungsdilemma der Nato ändern würde.“ (siehe IMI-Studie 2025/06)

Denoch bildete das Szenario augenscheinlich eine Art Grundlage für eine Simulation von Welt und Bundeswehr-Universität Hamburg, die die Angreifbarkeit der NATO untermauern soll. Eine Reihe von Medien berichteten darüber, u.a. die Bild: „Die aufwendige Simulation wurde von der WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer) in Zusammenarbeit mit dem ‚German Wargaming Center‘ der Bundeswehr-Universität Hamburg durchgeführt. […] Kreml-Diktator Wladimir Putin erfindet einen Vorwand – eine humanitäre Krise in der russischen Exklave Kaliningrad. Um einen angeblichen humanitären Korridor zu schaffen, marschieren russische Truppen in Litauen ein und besetzen die strategisch wichtige Stadt Marijampolė. […] Mit nur 15.000 Soldaten könnten die Russen die Nato in eine existenzielle Krise stürzen.“

Ziemlich abwegig hält der bei focus.de zitierte Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik, Klemens Fischer, dieses Szenario: „Fischer erklärt, dass die durchgespielte Simulation schon in einem Buch seines Kollegen Carlo Masala […] vorkommt und im Prinzip schon bekannt ist. […] Wenn Russland nach Kaliningrad will, muss es an der Grenze zwischen Litauen und Polen entlang. ‚Diese Grenze nennt man Suwalki-Brücke. Und die ist das bestgeschützte Gebiet der Nato, da stehen unzählige Soldaten, besonders viele Polen. Das Ost-Schild wird gerade ausgebaut.‘ Nach der Einschätzung Fischers kommen die Russen mit 15.000 Soldaten nach Kaliningrad. Aber danach kämen sie nicht wieder zurück und nicht weiter. Die Kapazitäten reichen von russischer Seite nicht aus.“

Ebenfalls einiges an Kritik an der Simulation hat überraschenderweise Ex-NATO-Oberkommandeur Ben Hodges, der sonst zu den absoluten Hardlinern in Sachen Aufrüstung zählt. In der Welt wird er zitiert: „Niemand würde einfach dastehen und sagen: Pech für Litauen. Ich finde, Ihr Wargame erfüllt eine nützliche Funktion, denn die Leute setzen sich mit wichtigen Fragen auseinander. Wann muss man welche Entscheidung treffen? Unter welchen Bedingungen? Ich denke allerdings auch, dass man in jedem Wargame die Annahmen offenlegen muss: Wie viel Vorwarnzeit gab es? Welche Mittel standen zur Verfügung? […] Ich bin mir ziemlich sicher, dass Kaliningrad innerhalb der ersten 24 Stunden ausgeschaltet wäre. Das haben auch andere Kommandeure so gesagt. Ich meine damit keine Bodentruppen, die dort einmarschieren, sondern den Einsatz kinetischer und nicht kinetischer Mittel, um Kaliningrad als militärischen Faktor für die Russische Föderation zu neutralisieren.“

Wer die Fähigkeiten hat, wen anzugreifen, wurde bereits im Sommer 2025 auch durch Aussagen von US-General Chris Donahue bei der in Wiesbaden abgehaltenen LANDEURO-Konferenz deutlich. Das Bündnis könne Kaliningrad mit Leichtigkeit einnehmen, so seine bei Augengeradeaus wiedergegebene Kernaussage: „In dem Zusammenhang erwähnte der General die russische Exklave Kaliningrad, zwischen Polen und Litauen an der Ostsee, und die dort stationierte Möglichkeit der russischen Streitkräfte, eine so genannte A2/AD-Bubble aufzubauen: eine Blase mit Anti-Access/Area Denial, also eine große Sperre rund um das Gebiet von Kaliningrad selbst. Dass Donahue sehr trocken mitteilte, die NATO könne die russischen Fähigkeiten dort ausschalten, und zwar sehr schnell, hat bereits zu empörten Reaktionen aus Russland geführt.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/111

Speyer: Kaserne statt Wohnungen

(21. Februar 2026)


Voriges Jahr stoppte die Bundeswehr die Rückgabe von rund 200 Liegenschaften, von denen für viele bereits zivile Wohnbauporojekt geplant sind (siehe IMI-Analyse 2025/34). Bislang war aber sehr zum Ärger der Kommunen nicht zu erfahren, welche Liegenschaften tatsächlich dauerhaft von der Bundeswehr beansprucht werden sollen. Ein erster Fall wurde nun mit der Kurpfalzkaserne in Speyer bekannt. Dort hätten eigentlich 550 Wohnungen entstehen sollen, woraus jetzt wohl nichts wird, wie beim Mannheimer Morgen zu lesen ist: „Das Bundesverteidigungsministerium ist offiziell noch zurückhaltend, hat aber den Speyerer Landtagsabgeordneten Michael Wagner schon über die Rückkehr in die Kurpfalzkaserne informiert.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/110

Olympia: Bundeswehr

(21. Februar 2026)


Die Sportsoldat*innen der Bundeswehr erzielen einen nicht unbeträchtlichen Werbeeffekt für die Truppe (siehe  IMI-Studie 2019/03). Die diesbezügliche IMI-Studie wird auch in einem aktuellen Taz-Artikel erwähnt: „Genau 14 der 21 deutschen olympischen Plaketten, also zwei Drittel, gehen auf den Einsatz der deutschen Streitkräfte zurück. […] Pistorius hatte schon in der ersten Woche der Winterspiele erklärt: ‚Wer sich die deutschen Medaillenerfolge bis jetzt anguckt, der wird nicht umhinkommen, festzustellen, dass entweder die Medaillen von deutschen Sportsoldaten errungen wurden oder aber mindestens Bundeswehrsoldaten beteiligt waren an den Medaillen.‘ […] Aus dem Etat des Verteidigungsministeriums fließen derzeit 67 Millionen Euro in die Sportförderung.“ (jw)

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