» IMI-Aktuell

IMI-Aktuell 2026/456

Dänemark: Wehrdienst

(4. August 2026)


Dänemark verlängert seinen Wehrdienst deutlich von vier auf elf Monate. Zudem solle deren Zahl von 5.000 auf 7.500 steigen, berichtet u.a. tagesschau.de (jw)

IMI-Aktuell 2026/455

NATO-Pipeline: Kostspielig

(4. August 2026)


Schon länger wurde über einen Ausbau des bislang an den früheren Grenzen zur DDR endendenden NATO-Pipelinenetzes (offiziell: Central Europe Pipeline System (CEPS) bis an die Grenzen Russland spekuliert. Im Frühjahr war dann von Kosten von 21 Mrd. Euro die Rede (Reuters, 18.3.2026). Nun scheint mit 27 Mrd. Euro noch einmal ein deutlich höherer Wert bewilligt worden zu sein. Bei einem „Hochintensitätskrieg“ sei es aus Sicht des Bündnisses erforderlich „täglich Hunderttausende Kubikmeter Treibstoff“ transportieren zu können, so Militär Aktuell. (jw)

IMI-Aktuell 2026/454

F-126: Versenkte Kosten

(4. August 2026)


Bislang war die Rede davon, in das mittlerweile versenkte Fregattenprojekt F-126 seien bereits 1,8 Mrd. Euro geflossen (siehe IMI-Analyse 2025/31). Ein neuer Artikel der Europäischen Sicherheit & Technik geht aber von deutlich mehr, nämlich 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro aus, die mit dem Abbruch mehr oder weniger vollständig den Bach runter sind. (jw)

IMI-Aktuell 2026/453

Webserie: Embedded – das was bleibt

(3. August 2026)


Der Schauspieler und Autor Wolfgang Zarnack (unter anderem bekannt aus einigen öffentlich-rechtlichen Film und Serienproduktionen, sowie Theater und Musicalproduktionen) hat eine Webserie namens „Embedded – das was bleibt“ produziert. Am 03.08.2026 feiert die Serie Premiere und umfasst 53 Teile. Diese wird täglich immer um 6:30 Uhr mit 1,5 bis 2,5 minütigen Videos bis zum 21. September – dem Internationalen Tag des Friedens – fortgesetzt und ist zum Ansehen mit dem Smartphone auf YouTube und Instagram optimiert. Auf der Webseite zur Serie heißt es: Die Figur „Markus Berg, 39, ehemaliger Sportredakteur — Hannoversche Allgemeine, Kicker, jahrelang über 4-4-2-Systeme und Trainerwechsel beim Hannover 96 geschrieben. Während im Osten die Welt erodierte. Heute fühlt er sich berufen, endlich zu handeln.

Er hat sich freistellen lassen und versteht sich jetzt als Kriegsreporter aus Überzeugung — mit dem Handy in der Hand und einem Presseausweis um den Hals. Embedded bei einer Truppe, 50 Folgen lang. Vom finalen Briefing bis dahin, wo es ihn hinträgt.“

Zarnack schreibt über seine persönliche Motivation über diese Projekt folgendes: „Mein Vater wurde 1938 in Berlin geboren. Flucht, brennende Städte, gestorbene Geschwister. Ein jüngerer Bruder hieß Wolfgang. Ich trage seinen Namen. Diese Geschichten gehen mir nicht aus dem Kopf, wenn ich höre, wie selbstverständlich hier wieder Kriegstüchtigkeit gefordert wird. Ich habe zwei Kinder. Ich möchte unter keinen Umständen, dass sie etwas Vergleichbares erleben. Mit „Embedded“ zeige ich einen Krieg und einen Menschen darin.“ Drehbuch, Kamera, Regie, Schnitt, Musik, Maske Kostüm und Sounddesign inklusive KI-produzierte Sequenzen in der Postproduction, sowie die Öffentlichkeitsarbeit hat er alleine durchgeführt.

Die Serie, sowie Einblicke, Behind The Scenes, Recherchen usw. können auf folgenden Kanälen verfolgt werden:

Instagram: @wolfgangzarnack LinkedIn: @wolfgang Zarnack  X: @wolfgangzarnack YouTube: Bohei und Chuzpe Film

Zum Trailer & zur ersten Folge

Darüber hinaus bittet Zarnack um Spenden für das Projekt: PayPal: paypal.me/WolfgangZarnack

(rs)

IMI-Aktuell 2026/452

Rüstungsmusterländle: Özdemir

(3. August 2026)


Unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann versuchte Baden-Württemberg mächtig ins Zeug, sich als olivgrünes Musterländle zu präsentieren (siehe IMI-Standpunkt 2025/045). Es war zu erwarten, dass es unter seinem Nachfolger Cem Özdemir nicht besser werden würde. Mit Özdemirs kürzlichem Besuch bei Hensoldt, wurden laut Urteil der Badischen Zeitung die „rüstungspolitischen Ambitionen der Landesregierung unterstrichen.“ Siehe dazu auch den neuesten IMI-Cartoon. (jw)

IMI-Aktuell 2026/451

Petition: Rheinmetall Stiftungsprofessur

(31. Juli 2026)


Wie bereits berichtet, bemüht sich Rheinmetall um eine Stiftungsprofessur an der Hochschule Rhein-Waal – und trifft auf Widerstand (s. IMI-Aktuell 2026/423). Das Campus Solidarity Collective hat eine Petition gestartet, in der u.a. gefordert wird:

„Gerade in Zeiten, in denen militärische Lösungen durch Medien und Politik oft als unumgänglich dargestellt werden, ist es wichtig, dass sich die Uni mit ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion entschlossen für Frieden einsetzt. Unsere Uni ist bereits maßgeblich an Friedens- und Konfliktforschung beteiligt, mit der grundlegenden Überzeugung, dass nur Friedensforschung und Diplomatie positiven Frieden bringen können. Anstatt mit solcher Zusammenarbeit unsere eigene Forschung zu untergraben, sollten dringend mehr Mittel für Friedensforschung eingesetzt werden.
Wir appellieren daher an den Senat, die friedensorientierte Ausrichtung der Hochschule zu bewahren und ein deutliches Zeichen für unabhängige Wissenschaft sowie zivile Forschung zu setzen.“

Die Petition kann hier unterzeichnet werden.

IMI-Aktuell 2026/450

Ukraine-Hilfen: Black Box

(31. Juli 2026)


Georg Ismar problematisiert in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung mangelnde Transparenz bei der finanziellen Unterstützung Deutschlands für die Aufrüstung der Ukraine. Unter Scholz habe die Bundesregierung eine laufend aktualisierte Liste mit Stückzahlen und Typen militärischer Güter veröffentlicht, die mit deutscher Finanzierung an die Ukraine geliefert wurden. Heute würde hingegen zunehmend direkt die ukrainische Rüstungsindustrie gefördert, u.a. bei der Entwicklung weitreichender Drohnen und Raketen. Konkret beschreibt der Artikel:

„Die Süddeutsche Zeitung hat in Kiew mit Botschaftsvertretern und der ukrainischen Armee gesprochen, in Berlin mit Bundestagsabgeordneten von Union, SPD und Grünen. Immer wieder fällt dort der Begriff ‚Black Box'“. Der Bedarf werde von der Ukraine gemeldet und im Sonderstab des BMVg über die Freigabe der Gelder entschieden. Eine Parlamentarische Kontrolle findet de facto nicht statt, Abgeordnete könnten sich nur unter sehr erschwerten Bedingungen in der Geheimschutzzelle des Bundestages informieren – ohne sich Notizen oder Aufnahmen machen zu dürfen.

Zwei Punkte werden in dem Beitrag jedoch nicht angesprochen, obgleich sie der mangenden Transparenz eine besondere Brisanz geben. Erstens sind mittlerweile zahlreiche deutsche Rüstungsunternehmen, insbesondere Startups, Joint-Ventures mit ukrainischen Unternehmen eingegangen, teilweise unterstützt von eben jenem Sonderstab, der über die Geldflüsse entscheidet. Zweitens hat die ukrainische Rüstungsindustrie nach Angaben von Präsidenten Selenskyj in manchen Bereichen bereits bis zu 50% Überkapazität (s. IMI-Aktuell 2026/277) erreicht und wollen stärker in den Export (IMI-Aktuell 2026/395) gehen.

So oder so wird immer deutlicher, dass die „militärische Unterstützung der Ukraine“ auch ein Umverteilungsprogramm ist, bei dem mit deutschen Steuermitteln (bzw. Schuldenaufnahme) auch die Profite deutscher Unternehmen und internationalen Risikokapitals abgesichert werde – auf dem Rücken derer, die an der Front alltäglich sterben und verstümmelt werden.

Ismar gibt auch einen Hinweis, warum die Kritik an der mangelnden Transparenz nur hinter vorgehaltener Hand geäußert werde: „wegen der AfD, den Landtagswahlen in Ostdeutschland im September, und weil man ja für die Unterstützung der Ukraine sei.“ Man will also offensichtliche Missstände nicht anprangern aus Angst vor einer rechtsextremen Partei, die wiederum davon profitiert, dass diese Misstände existieren und von (fast) niemand anderem kritisiert werden. Ob das wohl gut geht?

IMI-Aktuell 2026/449

Grüne: Impulspapier Rüstungshochlauf

(31. Juli 2026)


Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen hat ein „Impulspapier Innovation durch Verteidigung“ veröffentlicht, in dem der Bedarf nach einem „fundamentalen Umdenken, nicht nur in der Verteidigungspolitik, sondern in seiner gesamten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstellung“ artikuliert wird. Nach diesem großspurigen Auftakt folgt aber im Kern ein derzeiot recht handelsübliches Forderungspaket, mit dem sichergestellt werden soll, dass die – nicht zuletzt erst durch die Stimmen der Grünen möglich gewordenen – neuen Rüstungsmilliarden in die Taschen deutscher Konzerne wandern. Das Pamphlet liest sich wie eine Wunschliste aus der Rüstungsindustrie – kein Wunder, zählen doch zum Beispiel Airbus Defence and Space, Hensoldt und andere Rüstungsunternehmen zu ihren Mitgliedern. Die Berliner Zeitung bringt die hier notwendige Kritik gut auf den Punkt: „Im Klartext: Unternehmen, die von einem Rüstungshochlauf unmittelbar profitieren, fordern über einen grünennahen Verband staatliche Garantien, Förderprogramme und Beschaffungsreformen für genau diesen Hochlauf.“

Damit das ganze als möglichst selbstloses Unterfangen daherkommt, wird auch im grünennahen Impulspapier die vor allem vom Kieler Institut für Wirtschaftsforschung, auf das explizit positiv Bezug genommen wird, verbreitete steile These unterstützt, Rüstungsinvestitionen könnten „Innovationswellen auslösen“ und sich sehr positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken (siehe für einen flammenden Verriss dieser Behauptungen zum Beispiel diesen Makroskop-Artikel).

Auch wenn betont wird, die Wirtschaftsvereinigung sei kein offizieller Teil der Partei, wird hier doch einmal mehr deutlich, dass zwischen die Grünen und die Rüstungslobby mittlerweile kein Blatt Papier mehr passt. Dass dies vielleicht doch nicht jedem Mitglied schmeckt, scheint auch der Wirtschaftsvereinigung der Grünen klar zu sein, jedenfalls findet sich am Ende noch der Hinweis, die „Perspektiven und Impulse“ im Impulspapier „müssen nicht in jedem einzelnen Fall mit den Positionen jedes einzelnen Mitglieds übereinstimmen.“

Es wäre dennoch schön, wenn die Grünen-Mitglieder (falls es die überhaupt noch gibt), bei denen dies der Fall ist, dies Partei und Wirtschaftsvereinigung wissen lassen würden. (jw)

IMI-Aktuell 2026/448

F-127: Ohne Aegis?

(31. Juli 2026)


Nachdem in der ersten Zeit sehr viele Rüstungsprojekte des Bundeswehr-Sondervermögens in den USA geordert wurden, ist seit einiger Zeit bemerkbar, dass gezielt versucht wird die deutschen (oder zumindest europäischen) Unternehmen anzufüttern. Einer der wenigen großen Rüstungsaufträge, der an die USA gehen sollte, ist die Ausstattung des Aegis-Kampfsystems für die künftigen F-127-Fregatten. Hierfür erteilten die USA im April eine Ausfuhrgenehmigung im Gesamtwert von 11,9 Mrd. Dollar. Doch laut Welt sei das Verteidigungsministerium nun durch Parlamentarier des Haushaltsausschusses angewiesen worden, „grundsätzlichere Alternativen ohne Aegis prüfen lassen.“ Dies könne „europäischen Anbietern von Radaren, Software und Flugkörpern neue Chancen eröffnen“, so die Einschätzung. (jw)

IMI-Aktuell 2026/447

Leserbrief zu Waldbränden

(30. Juli 2026)


In seinem persönlichen Newsletter zitiert Clemens Ronnefeld die deutsche Übersetzung eines Leserbriefes in dem französischsprachigen Magazin tdg.ch:

„Jeden Sommer brennt Europa ein wenig mehr. Feuerwehrleute kämpfen mit bewundernswertem Mut, aber mit lächerlichen Mitteln angesichts von Feuern, die monströs geworden sind. Und was die Situation noch unerträglicher macht, ist, dass all dies angekündigt wurde. […] Nehmen Sie Frankreich: fast tausend Militärflugzeuge, einen nuklearen Flugzeugträger, kolossale Budgets für offensive Fähigkeiten… und zwölf alternde Kanadaren [Löschflugzeuge], um riesiges Territorium zu schützen. Zwölf Geräte für ein Land mit 67 Millionen Einwohnern. Zwölf für Tausende von Hektar Wald. Zwölf für Sommer bei 40 °C. […] Und solange die Budgets weiterhin kriegsorientiert sind, anstatt das Territorium zu schützen, wird sich nichts ändern.“

Übrigens: Vor gut zehn Jahren, als die Forschung zu unbemannten Flugzeugen auch an deutschen Hochschulen – überwiegend für (vermeintlich) zivile Anwendungsfelder – so richtig Fahrt aufnahm. hat sich die IMI intensiv mit entsprechenden Forschungsprojekten beschäftigt (s. Drohnenforschungsatlas von 2013). Häufig wurde von den Beteiligten damals eine militärische Nutzung bestritten und stattdessen u.a. auf die Bekämpfung von Waldbränden als mögliches Anwendungsgebiet verwiesen. Heute werden in Deutschland tausende militärische Drohnen pro Monat produziert. Bei der Bekämpfung und Verhinderung von Waldbränden kommen sie nur in kleiner Zahl zum Einsatz und können deren Eskalation offenbar nicht verhindern. Sie werfen auch nicht ansatzweise so große Profite ab, wie z.B. Kamikazedrohenen für den massenhaften, einmaligen Gebrauch an der Front…

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