» IMI-Aktuell
Japan: Zeitenwende
(21. April 2026)Auch in Japan werden die antimilitaristischen Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg immer gründlicher entsorgt (siehe IMI-Analyse 2022/55). Als jüngstes Beispiel dient die Rüstungsexportpolitik, über die u.a. bei Spiegel Online berichtet wird: „Die japanische Regierung hat ihre historischen Beschränkungen für Waffenexporte ins Ausland weitgehend aufgehoben. […] Damit wendet sich das Land immer stärker von seinem nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschlagenen pazifistischen Kurs ab.“ (jw)
OPLAN-Übung: Orange Road
(21. April 2026)Kern des Operationsplans Deutschland ist die Fähigkeit zur schnellen Verlegung von Truppen und Gerät an die Ostflanke (und von Verletzten und Gefangenen zurück), wofür eine enge Vernetzung mit zivilen Akteuren gesetzt wird (siehe IMI-Analyse 2026/09). Diese Zusammenarbeit wird nun in allerlei Manövern wie etwa Orange Rad 2026 geprobt, über das die Bundeswehr schreibt: „Rund um die Städte Bruchsal, Speyer, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Kehl übt die Militärpolizei ein Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung – gemeinsam mit dem Deutsch/Britischen Pionierbrückenbataillon 130, Sanitätskräften, Behörden und zivilen Hilfs- und Blaulichtorganisationen, unter anderem der Karlsruher Polizei. […] Zu den Übungsschwerpunkten von Orange Road 2026 gehört es, ein Verkehrsleitnetz im rückwärtigen Raum zu errichten und zu betreiben. Denn die Militärpolizei ist im Ernstfall dafür verantwortlich, dass fahrende Truppenteile schnell und sicher ans richtige Ziel gelangen.“ (jw)
Drohnen: D. als „Hinterland“?
(20. April 2026)german-foreign-policy.com (gfp) berichtet über die enge Zusammenarbeit deutscher Drohnenhersteller mit den ukrainischen Streitkräften. Dabei sei eine Tendenz erkennbar, über Joint Ventures die Produktion ukrainischer Drohnen nach Deutschland zu verlagern, wo sie vor russischen Angriffen sicher sei:
„Schon im Dezember hatten Quantum Systems und der ukrainische Drohnenhersteller Frontline Robotics das Joint Venture Quantum Frontline Industries (QFI) gegründet, das die Frontline Robotics-Drohne LINZA nun in der Nähe von München in industriellem Maßstab herstellt; die Rede ist von bis zu 10.000 Drohnen pro Jahr. Eine erste Charge wurde Ende März ausgeliefert. Einer der Hauptgründe für die Verlagerung der Produktion nach Deutschland liegt explizit darin, dass sie dort als vor russischen Angriffen sicher gilt; für Fabriken in der Ukraine ist dies kriegsbedingt nicht der Fall. In der vergangenen Woche hat Quantum Systems außerdem zwei weitere Joint Ventures mit ukrainischen Firmen geschlossen. Eines, an dem WIY Drones beteiligt ist – an WIY Drones hält Quantum System seinerseits Anteile –, soll Abfangdrohnen und dazu gehörige Bodenkontrollstationen herstellen. Ein weiteres Joint Venture wurde mit Tencore gegründet. Tencore fertigt unbemannte Bodensysteme, wie sie gleichfalls in der Ukraine schon längst im Einsatz sind. Darüber hinaus haben sich am Rande der deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen Repräsentanten des deutsch-US-amerikanischen Start-ups Auterion sowie des ukrainischen Drohnenherstellers Airlogix geeinigt, ebenfalls gemeinsam Drohnen in der Bundesrepublik zu produzieren. Die Fertigung in einem Werk nahe München wird zur Zeit aufgebaut. Die erste Lieferung soll in wenigen Monaten erfolgen. Ergänzend ist der Bau einer Fabrik an einem ungenannten Ort in in Ostdeutschland geplant.“
Auf die Strategie der Verlagerung der Produktion nach Deutschland habe nun auch Russland reagiert, wie gfp weiter berichtet:
„Mit Blick auf die geballte Unterstützung europäischer Staaten für Kiews Drohnenkrieg hat Moskau in der vergangenen Woche eine Liste mit 21 Unternehmen in mehreren europäischen Staaten publiziert, die Angriffsdrohnen oder zentrale Bestandteile dafür herstellen. ‚Eine Reihe europäischer Länder‘ habe beschlossen, der Ukraine eine große Zahl an Drohnen nicht für den Fronteinsatz, sondern ‚für Angriffe auf Russlands Staatsgebiet‘ zu liefern, heißt es dazu. Man werte dies als einen ‚vorsätzlichen Schritt‘, der die betreffenden Länder ’schleichend ins strategische Hinterland der Ukraine verwandelt'“.
Australien: Anstieg
(20. April 2026)Auch Australien hebt die Militärausgaben kräftig an, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Australien rüstet so stark auf wie noch nie in Friedenszeiten: Die Regierung will die Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren um rund 53 Milliarden australische Dollar (32 Milliarden Euro) erhöhen. […] Die Ausgaben sollen damit auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Bisher waren 2,3 Prozent geplant.“ (jw)
FCAS: Gescheitert
(19. April 2026)IG Metall und Luftfahrtlobby arbeiten seit einiger Zeit massiv darauf hin, Deutschland größere Anteile am geplanten deutsch-französischen Luftkampfsystem FCAS zu verschaffen, weshalb das Projekt in eine schwere Krise geraten ist (siehe IMI-Analyse 2026/05). Mit einem Vermittlungsversuch wurden der frühere Chef des Panzerbauers KMW, Frank Haun, und der ehemalige französische Rüstungsmanager Laurent Collet-Billon beauftragt – erfolglos, wie das Handelsblatt erfahren haben will: „Dieser ist nun gescheitert, wie aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen verlautet. Kanzler Merz will bis Dienstag eine Entscheidung treffen, ob er dem Projekt trotzdem noch eine Zukunft gibt.“ (jw)
Neues von der Drehtürfront
(18. April 2026)Als „Drehtür“ wird die Wechselei von Politiker*innen in die Rüstungsindustrie bezeichnet (umgekehrt passiert es eher seltener, kommt aber auch vor). Mit der Menge des kursierenden Geldes scheinen dabei auch die Schamfristen kürzer zu werden. Jedenfalls wechselt nun laut Spiegel Online eine Topkraft aus dem Merz-Kanzleramt zum Drohnenhersteller Stark, der erst Ende Februar einen großen Auftrag für den Bau von Kamikaze-Drohnen für die Bundeswehr an Land gezogen hat (siehe IMI-Standpunkt 2026/008). „Das Berliner Rüstungs-Start-up Stark Defense verstärkt sich personell mit einer Einwechslung aus Friedrich Merz’ Regierungszentrale, dem Bundeskanzleramt. Nach SPIEGEL-Informationen will die Juristin Marie Theres Niedermaier aus der Politik zu dem rasant wachsenden Produzenten von sogenannten Kamikazedrohnen wechseln, der gerade erst einen Großauftrag der Bundeswehr an Land gezogen hat.“ (jw)
SATCOMBw 4: Kartellamt
(17. April 2026)Für Unmut bei kleinen und mittleren Herstellern sorgt derzeit die Tendenz der großen Rüstungsunternehmen, sich durch Zusammenschlüsse lukrative Aufträge ohne viel Wettbewerb an Land zu ziehen. So auch beim auf 10 Mrd. Euro geschätzten Projekt SATCOMbw 4, für das sich Airbus, OHB und Rheinmetall zusammengetan haben. Dagegen haben kürzlich über 20 andere Rüstungsunternehmen eine kritische Stellungnahme unterzeichnet (siehe IMI-Aktuell 2026/221). Wie auch schon in anderen Fällen scheint das Kartellamt damit aber laut hartpunkt.de keinerlei Probleme zu haben: „Das Bundeskartellamt hat heute die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens der Rheinmetall Digital GmbH und der OHB SE zur Übernahme eines künftigen Beschaffungsauftrags der Bundeswehr genehmigt.“ (jw)
USA: Nuklearmacht im All
(17. April 2026)Das Pentagon und die US-Raumfahrtbehörde NASA sollen enger zusammenarbeiten, berichtet die Flugrevue: „Mit der ‚Initiative für US-Nuklearmacht im All‘ will die Trump-Regierung Kernenergie in den Weltraum bringen und für die Raumfahrt nutzbar machen. […] Das Pentagon soll eine eigene Strategie verfolgen und trotzdem eng mit der NASA zusammenarbeiten. Im ersten Jahr investiert das Verteidigungsministerium seine verfügbaren Mittel in die Entwicklung der Weltraumbehörde. Ab dem zweiten Jahr soll das Pentagon mindestens zwei konkurrierende Hersteller durch Design und Bodentests führen.“ (jw)
USA: Autos zu Panzern
(17. April 2026)Auch in den USA sollen Autohersteller zunehmend in die Produktion von Rüstungsgütern eingebunden werden, berichtet die Financial Times: „Senior defense officials have talks with GM, Ford and others about shifting some capacity“. (jw)
Holtenau Ost: Entscheidung
(16. April 2026)Im Oktober 2025 kam eine Liste mit Liegenschaften der Bundeswehr an die Öffentlichkeit, die wieder einer militärischen Nutzung rücküberführt werden könnten (siehe IMI-Analyse 2025/34). An vielen Orten wurde bereits mit Planungen für zivile Wohnungsviertel begonnen. Eines der größten sollte Holtenau Ost mit Wohnraum für 5.000 Personen werden. Das bereits an die Stadt Kiel verkaufte Gelände wird nun tatsächlich – als erste Liegenschaft – wieder zurück an Bundeswehr gehen. In einer gestrigen Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums ist zu lesen: „Mit dem heute unterzeichneten Letter of Intent (LoI) haben sich alle Beteiligten darauf verständigt, dass die genannten Bereiche grundsätzlich wieder militärisch genutzt werden. Mit der Unterzeichnung wird erstmals nach der Entscheidung zum Aufwuchs der Bundeswehr die Grundlage für den Rückkauf einer Fläche geschaffen, die bereits an die Stadt verkauft worden war.“ (jw)
