Kürzlich kündigten die USA die Nicht-Verlegung einer mit Mittelstreckenwaffen ausgestatteten US-Multi-Domina Task Force an (siehe IMI-Standpunkt 2026/26). Als Konsequenz fordert unter anderen der ehemalige Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung, Nico Lange, eine Eigenentwicklung solcher Waffen: „Die Abschreckungslücke endlich zu schließen und Erpressbarkeit durch russische Raketen zu vermeiden – das geht jetzt nur mit Schnellspur-Einführung von eigenen, in Deutschland produzierten und von den USA unabhängigen bodengebundenen Marschflugkörpern.“
In diesem Zusammenhang womöglich interessant ist das Start-Up Destinus, das mit „Ruta Block 2“ an einem Mini-Marschflugkörper arbeitet, der es auf eine Reichweite von über 450km bringen soll. Und noch „interessanter“ ist die kürzliche Ankündigung in einer Pressemitteilung, Rheinmetall wolle mit dem Unternehmen ein Joint Venture eingehen. „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ solle in der zweiten Jahreshälfte 2026 gegründet werden: „Dieses wird fortschrittliche Raketensysteme herstellen, vermarkten und liefern. Dazu gehören Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie. Rheinmetall wird 51 Prozent der Anteile halten, Destinus 49 Prozent. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen. […] Diese Initiative spiegelt einen umfassenderen Wandel in der modernen Kriegsführung wider: Die Fähigkeiten für Angriffe aus der Distanz entwickeln sich von überwiegend drohnenbasierten Ansätzen hin zu schnelleren, widerstandsfähigeren und industriell skalierbaren Marschflugkörpersystemen. Mit diesem Joint Venture wollen Rheinmetall und Destinus die Lücke zwischen den Anforderungen Europas sowie der Ukraine und den Möglichkeiten der europäischen Verteidigungsindustrie schließen – und zwar in großem Maßstab und im industriellen Tempo.“
Weiter wird in der Presse berichtet, Rheinmetall plane in Unterlüß ein „zweites Werk für die Herstellung von Marschflukörpern zu errichten.“ (jw)
