Dokumentation

Rezensionen: Kriegstüchtig an allen Fronten

von: 7. September 2026

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— Matthias Rude: Auf dem Weg in die »Militärrepublik«: Jürgen Wagner zeigt, wie Deutschland für den Abmarsch an die Ostfront vorbereitet wird – und wer die Zeche dafür bezahlen soll, in: junge Welt, 7.9.2026

— Karl-Heinz Peil: Buchbesprechung: Kompendium der deutschen Kriegsvorbereitung, in: FriedensJournal – 5/2026 [Link wird nachgereicht]


Karl-Heinz Peil: Buchbesprechung: Kompendium der deutschen Kriegsvorbereitung, in: FriedensJournal – 5/2026

Aus der Einleitung des Autors:

›Wir‹ müssen also aufrüsten, um ›unsere‹ Werte und ›unsere‹ Lebensweise, besonders aber ›unseren‹ Wohlstand zu verteidigen. Es ist schon einigermaßen kaltschnäuzig, wenn Menschen, die sich um die Butter auf ihrem Brot keine Sorgen zu machen brauchen, die ärmsten in der Bevölkerung dazu auffordern, für ›unseren Wohlstand‹ den Gürtel noch enger zu schnallen. Es steht zu hoffen, dass ihnen diese soziale Kälte bei Massenprotesten auf die Füße fällt. Doch dafür genügt es nicht, die Sozialkürzungen lautstark zu beklagen und um den Rüstungselefanten im Raum einen großen Bogen zu machen. Es ist höchste Zeit, die von der Zeitenwende 2.0 ausgehenden Gefahren klar zu benennen und dagegen Stellung beziehen – hoffentlich leistet dieses Buch hierzu einen kleinen Beitrag.

Jürgen Wagner liefert in 15 Kapiteln einen sehr kompakten Überblick über die derzeit laufenden Kriegsvorbereitungen. Die 300 Seiten stehen zwar für ein umfangreiches Buch, jedoch ist die Thematik natürlich sehr umfangreich. Der dahinter stehende Umfang der Ausarbeitung von Jürgen Wagner wird mit den 716 Fußnoten bzw. Quellenverweisen ersichtlich.

Die Prägnanz des Inhalts kommt bereits in den Kapitelüberschriften zum Ausdruck: „Kriegstüchtig: … | Kriegsunion: … | Kriegspakt: … | Kriegsbudget: … | Kriegsdoktrin: … | Kriegsarmee: … | Kriegsgerät: … | Kriegswirtschaft: … | Kriegsdienst: … | Kriegsquartier: … | Kriegsgesellschaft: … | Kriegsgefahr: … | Kriegsrechnung: … | Kriegsuntüchtig: …

Kapitel-übergreifend seien hier nur einige ausgewählte Aspekte gewählt. Mit der Aufrüstung auf EU-Ebene beschäftigt sich Jürgen Wagner – auch in früheren Buchveröffentlichungen – bereits seit mehr als 20 Jahren. Was auch in seinem neuen Buch herausgearbeitet wird, sind die zahlreichen Konfliktlinien innerhalb der EU. Obwohl man diese inzwischen ohne Polemik als Militärunion bezeichnen kann, werden die Widersprüche immer stärker, was sich zuletzt mit dem offiziellen Scheitern des FCAS-Projektes gezeigt hat. Darüber hinaus zeigt sich, dass die von der EU als „Industrieförderung“ deklarierte Aufrüstung tatsächlich eine Gelddruckmaschine für die Rüstungslobby ist.

Breiten Raum nimmt natürlich die Kriegsvorbereitung in Deutschland auf allen Ebenen ein. Dazu gehören die Rüstungsökonomie, die Beschlagnahme von Flächen für neue Bundeswehrkasernen, Operationspläne für zivil-militärische Zusammenarbeit und die Reaktivierung der Wehrpflicht.

Während sich die meisten Kapitel des Buches mit Art und Umfang der Aufrüstung und Militarisierung befassen, sind die letzten Kapitel den Aspekten gewidmet, die argumentativ von der Friedensbewegung aufgegriffen werden können. Dazu gehören zunächst die „Mutmaßungen, Absichten und Kapazitäten“ für die angebliche Kriegsgefahr durch Russland. Des weiteren werden die Konsequenzen behandelt, die sich aus dem Prinzip „Kanonen statt Butter“ ergeben und daraus eine Klassenfrage machen: Wer gewinnt – wer verliert?

In dem letzten Kapitel „Proteste an allen Fronten!“ erfolgt ein stichwortartiger Überblick unterschiedlicher Ansätze, angefangen von dem klassischen Prinzip der „gewaltfreien, sozialen Verteidigung“ bis hin zu „Rheinmetall entwaffnen“ und „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“. Ein solcher prägnanter Blick auf die Friedensbewegung mit unterschiedlichsten Ansätzen ist auch notwendig, um Strategien des notwendigen Widerstandes zu entwickeln.

Das Buch sollte sowohl allen Menschen empfohlen werden, die sich noch nicht mit den Hintergründen der derzeit laufenden Kriegsvorbereitung befasst haben als auch erfahrenen Friedensaktivisten. Für beide Zielgruppen besteht das Problem, „vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen“.

Für die erstgenannte Zielgruppe gilt vor allem das Verständnis dafür, dass die derzeitige Kriegsvorbereitung nicht mit dem Ukrainekrieg 2022 begonnen hat. Im ersten Kapitel: „Kriegstüchtig: Deutschland als (militärische) Führungsmacht“ wird auf die eigentlichen Ursprünge der „Zeitenwende“ verwiesen, die auf das programmatische Projekt „Neue Macht – Neue Verantwortung“ von 2012/13 zurück gehen, d.h. noch vor dem Beginn des Ukrainekonfliktes 2014.

Nützlich hierfür ist die Synopse am Ende des Buches, in der exemplarische Ausschnitte aus diesem und nachfolgenden Konzepten dargestellt werden (Sozialdemokratische Antworten auf eine Welt im Umbruch 2023 und Nationale Sicherheitsstrategie 2023).

Für diejenigen, die das Buch als (zu empfehlendes) Nachschlagewerk benutzen, stellt sich natürlich das Problem, dass eventuell einzelne Aussagen nicht mehr aktuell sind. Leider lässt sich das nicht vermeiden, was aber den Wert des Buches nicht schmälert. Hilfreich ist aber in Zweifelsfällen immer ein Blick auf die Homepage der Informationsstelle für Militarisierung e.V. (IMI-online.de). Dort findet man aktuelle Beiträge von Jürgen Wagner, der seit der IMI-Gründung vor 30 Jahren die Entwicklung von Aufrüstung und Militarisierung in Deutschland und der EU akribisch verfolgt und dokumentiert. Ein Abgleich mit dem Redaktionsschluss vom Juli d.J. dürfte deshalb nicht schwierig sein.