Deutschland habe „Marinegeschichte“ geschrieben, jubelt Marineinspekteur Jan Christian Kaak und wird damit u.a. in der Rhein-Zeitung (3.9.2026, S.6) zitiert. Gemeint ist damit der testweise Abschuss einer ballistischen Rakete von einer deutschen Fregatte, der in der Nacht vom 1. September (dem Jahrestag des Überfalls auf Polen und Beginn des 2. Weltkrieges) auf den 2. Spetember im Seegebiet zwischen Island und Irland erfolgt sei.
Bei der Rakete handelt es sich um das Modell Lora des israelischen Rüstungsunternehmens IAI, das – so erfahren wir in der Rheinzeitung weiter – von den israelischen Streitkräften bereits für Angriffe auf den Libanon und den Iran eingesetzt wurden (völkerrechtswidrig, wie die Rheinzeitung vergissst, zu erwähnen). Ihre „mögliche Reichweite übersteigt alles, was wir bisher kannten“ wird Kaak dort weiter zitiert – im Artikel und vielen weiteren Beiträgen wird die Reichweite mit mehr als 500km angegeben. Ein ausführlicher Beitrag bei ingenieur.de weist darauf hin, dass die Angaben widersprüchlich sind und vom Hersteller die Reichweite geringer (bis 430km) angegeben werde. Trotzdem sei der Abstand zu bisherigen Waffensystemen deutscher Fregatten deutlich (80km für die 127-mm-Geschütze, 220km bei Harpoons gegen Seeziele). Mit der Lora könnten hingegen Landziele auf große Distanz angegriffen werden. Sie wird in Startcontainern bereitgestellt und kann so relativ unkompliziert von Schiffen und Fahrzeugen gestartet werden – theoretisch auch von zivilen. Ihre Beschaffung soll nach dem erfolgreichen Test nun in die Wege geleitet werden.
Die geplante Anschaffung von Lora reiht sich ein in eine immer intensivere Rüstungszusammenarbeit Deutschlands und Israels – trotz Verfahren wegen Verdacht auf Genozid vor dem IGH und offenkundig völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Iran. Erst letzten Freitag wurde bekannt, dass eine US-israelische Firma ab 2027 nahe Leipzig bis zu 1.000 Mittelstreckenraketen produzieren will – wie u.a. augengeradeaus.net berichtete. Während des Tests der Lora-Rakete befand sich außerdem ein sechstes in Deutschland gebautes U-Boot auf dem Weg nach Israel, wie die junge Welt berichtet. Zitiert wird dort auch der israelische Botschafter Ron Prosor, der auf den zeitlichen Zusammenhang einging: „Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer engen strategischen Zusammenarbeit und einer Partnerschaft, die über Jahre gewachsen ist“.
