» IMI-Aktuell
Rechenzentren im Visier?
(12. März 2026)Telepolis berichtet:
„Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran weitet sich auf ein neues Feld aus: die digitale Infrastruktur. Kürzlich erklärte eine der iranischen Regierung nahestehende Nachrichtenagentur die Büros und Cloud-Anlagen von sechs US-Techkonzernen im Nahen Osten zu militärischen Zielen. Betroffen sind Microsoft, Google, Nvidia, Oracle, IBM und Palantir, wie Al Jazeera berichtet… Dass hinter den Worten bereits Taten stehen, machten Vorfälle von Anfang März deutlich. Iranische Drohnen trafen eine Amazon-Betriebsstätte in Bahrain und zwei AWS-Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Folgen: Stromausfälle und gestörte Cloud-Dienste in der gesamten Region. Teherans Staatsmedien bezeichneten die Treffer im Nachhinein als bewusst gewählte Ziele.“
Surplus zu Startups
(12. März 2026)Das Wirtschaftsmagazin „Surplus“ hat Franz Enders, Verfasser der IMI-Studie „Neue Waffen, neues Geld? ‚Defence-Startups‘ in der BRD“ (IMI-Studie 2025/02) zur Beschaffung von Kamikazedrohnen und den dahinterstehenden Startups interviewt. In der Einleitung des Interviews heißt es:
„Ein Paradigmenwechsel in der deutschen Rüstungsbeschaffung, der Fragen aufwirft: Wer sind diese Unternehmen, und welche Rolle spielt die Disruption durch Künstliche Intelligenz im Kriegsgeschehen? Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) in Tübingen monitort schon seit den 1990er Jahren Aufrüstung in Deutschland – und beobachtet den Aufstieg der »Defence Startups« kritisch.“
Auf die Frage, was es für solche Geschäftsmodelle bedeute, wenn der Krieg in der Ukraine ende, antwortet Enders:
„Das ist tatsächlich ein Problem für diese Unternehmen. Wenn Kriege enden, müssen Rüstungsunternehmen neue Konflikte finden, in die sie ihre Produkte liefern können. Der Vorteil traditioneller Rüstungsunternehmen mit langen Herstellungs- und Innovationszyklen ist, dass Panzer gut eingelagert werden können. Drohnen hingegen sind nach kurzer Zeit veraltet. Die Startups setzen daher gerade noch sehr darauf, in der öffentlichen Agitation zu betonen, dass an der Front in der Ukraine noch viel zu tun sei. Gleichzeitig arbeiten sie mit Grenzbehörden zusammen. Trotzdem könnte dieser steile Höhenflug, den sie gerade hinlegen, ein Ende haben, wenn der Ukraine-Krieg tatsächlich irgendwann eingefroren oder vorbei sein sollte.“
Harz: Karrierecamp abgesagt
(12. März 2026)Für eine Menge Wirbel haben die Bundeswehr-Pläne gesorgt, auf dem Brocken (Harz) ein Karrierecamp zu veranstalten (siehe IMI-Aktuell 2026/058). Unter dem nicht näher präzisierten Verweis auf nicht stimmige „Rahmenbedingungen“ wurde das Camp nun von der Bundeswehr abgesagt. Laut MDR sieht Initiative „Brocken ohne Bundeswehr“ darin hingegen einen „klaren Erfolg des breiten gesellschaftlichen Widerstands“. In dem Artikel findet sich noch eine andere interessante Information am Rande. Das Camp wurde u.a. von Landrat Thomas Balcerowski (CDU) stark unterstützt, was wohl auch damit zusammengehangen haben könnte, dass die Bundeswehr bereit war, finanziell in die Tasche zu greifen: „Teil des geplanten Karriere-Camps soll auch ein von Landrat Thomas Balcerowski (CDU) ins Spiel gebrachter Deal gewesen sein. Hätte die Veranstaltung wie geplant stattgefunden, wären der Stadt Wernigerode die Hälfte der Kosten für die Löschunterstützung der Bundeswehr beim Brocken-Brand 2024 erlassen worden – rund 650.000 Euro.“ (jw)
KI im (Iran-)Krieg
(11. März 2026)Piotr Heller hat unter dem Titel „KI kämpft in Iran längst mit“ in der FAZ einen ausführlichen und informierten Beitrag über die Rolle von KI in der modernen Kriegführung veröffentlicht. Es wird ein weiter Bogen gespannt von den Regulierungsbemühungen auf UN-Ebene über Proteste von Belegschaften großer IT-Firmen gegen die militärische Nutzung ihrer Systeme bis zur nahezu unaufhalsam wirkenden Zunahme von KI-Nutzung auf den Schlachtfeldern im Iran und der Ukraine. Allerdings – und das ist dem Aktikel nicht anzukreiden – was genau passiert, wie und in welchem Umfang KI z.B. im Iran zum Einsatz kommt, bleibt unklar. Das liegt in der Natur der Sache. So wird am Rande auch spekuliert, „ob auch die Bombardierung der Shajareh-Tayyebeh-Grundschule im Süden Irans, bei der mindestens 168 Menschen ums Leben kamen, auf eine KI-gestützte Entscheidung zurückzuführen ist.“ Vermutlich wird auch das ungeklärt bleiben und so bleibt zumindest die Möglichkeit im Raum, dass es sich bei diesem Kriegsverbrechen vielleicht doch eher um einen technischen Defekt, als um ein Verbrechen gehandelt hat – ein weiterer Beitrag zur Erosion des humanitären Völkerrechts.
Insgesamt zeichnet der Beitrag ein nüchternes und düsteres Bild: „Der Strategieexperte Kenneth Payne vom King’s College London ließ gängige KI-Chatbots Simulationen geopolitischer Krisen durchspielen. In 95 Prozent der Fälle steigerte sich die KI in den Einsatz von Atomwaffen hinein. ‚Das nukleare Tabu scheint für Maschinen nicht so stark zu sein“, sagt Payne im ‚New Scientist’…. Es entsteht ein Rüstungswettstreit, bei dem man KI einsetzen muss, um mit dem Feind mitzuhalten. Nicht einmal zum Abnicken der Entscheidung wird Zeit bleiben. Der Preis: Ein kompletter Kontrollverlust an die Maschine.“
Ramstein: Wo ein Wille wäre…
(11. März 2026)Zur grundsätzlichen Möglichkeit, die Nutzung der wichtigen deutschen Militärbasis Ramstein einzuschränken, zitiert die Deutsche Welle William Alberque: „Es wäre sehr schwierig für die Bundesregierung, die US-Operationen in Ramstein zu begrenzen“, sagt der frühere NATO-Direktor. „Wenn sie wollten, könnten sie es tun, aber es wäre sehr ungewöhnlich, und ich glaube nicht, dass sie das wollen.“ (jw)
Iranische Weltraumzentrale zerstört
(10. März 2026)Zahlreiche deutsche Medien berichten mit Rückgriff auf israelische Militärinformationen, dass Israels Streitkräfte die iranische Weltraumzentrale zerstört hätten. So etwa n-tv.de:
„Im Rahmen ihrer Angriffe hätten die israelischen Streitkräfte das „Hauptquartier der Weltraumstreitkräfte der IRGC des iranischen Terrorregimes“ in der iranischen Hauptstadt „angegriffen und zerstört“, erklärte die israelische Armee unter Verwendung der Abkürzung für die Revolutionsgarden. Die Räumlichkeiten dienten demnach der an die Revolutionsgarden angegliederten iranischen Weltraumbehörde als „Empfangs-, Übertragungs- und Forschungszentrum“.
Das ist eine Nachricht, die auch in verschiedenen, vermeintlich zivilen Institutionen in Deutschland für Unbehagen sorgen könnte. Denn auch in Deutschland handelt es sich bei der Weltraum-Infrastruktur um eine hybride Struktur. An der Steuerung der Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten der Bundeswehr und der Verarbeitung ihrer Daten sind neben Unternehmen wie Airbus auch verschiedene Institute des Deutschen Zentrums Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt, auch beim Weltraumlagezentrum handelt es sich um „eine zivil-militärische Dienststelle der Luftwaffe der Bundeswehr und des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“. Im Kriegsfall dürfte es sich kriegsrechtlich um ein legitimes Ziel handeln.
FCAS: Gestärkte Rüstungslobby
(10. März 2026)Auffallend vehement drängt derzeit die Rüstungslobby (und die IG Metall) darauf, dass deutsch-französische FCAS-Projekt abzuschießen und stattdessen auf eine deutsche „Eigenentwicklung“ zu setzen (siehe IMI-Analyse 2026/05). Dieses Verhalten offenbare den zunehmenden Einfluss der Waffenbauer in Deutschland, so Euractiv: „Das Drama um die Entwicklung eines der europäischen Kampfflugzeuge der nächsten Generation, des Future Combat Air System (FCAS), offenbart die sich rasch verändernden Verbindungen Deutschlands zu seiner Verteidigungsindustrie.“ (jw)
SATCOMBw 4: Zusammenarbeit
(10. März 2026)Unter Berufung auf den Spiegel meldet hartpunkt.de, Airbus Defence and Space, OHB und Rheinmetall hätten beschlossen, dem Verteidigungsministerium ein gemeinsames Angebot zum Bau eines Netzwerks von Kommunikationssatelliten vorzulegen. „Als Blaupause für das Projekt gilt das Satellitennetzwerk Starlink des US-Milliardärs Elon Musk. […] Ob die Unternehmen selbst oder durch Hinweise des Auftraggebers zu dem Schluss gekommen sind, dass ein Zusammenschluss am sinnvollsten ist, bleibt in Spiegel-Beitrag offen. […] Bei SATCOMBw 4 handelt es sich wohl um das wohl größte einzelne Satellitenprojekt der Bundeswehr, für das mindestens 10 Milliarden Euro veranschlagt werden und mehrere Hundert Satelliten zu bauen sind. Bis 2029 soll eine sogenannte Anfangsbefähigung vorhanden sein.“ (jw)
Irankrieg: Zwischenbilanz
(9. März 2026)Ralf Borchard gibt in einem Beitrag für BR24 einen nüchternen und kurzen Überblick über Verlauf und Diskurs um den US-israelischen Angriff auf dem Iran, in dem knapp auch die mögliche Gefährdung Deutschlands und Rolle der NATO angesprochen wird. Dass diese Zwischenbilanz als „ernüchternd“ bezeichnet wird, liegt vermutlich v.a. an den relativ unklaren Zielen hinter den Angriffen. Demnach
„… könnten bald Unterschiede in den Kriegszielen beider Länder deutlich werden. Während der israelische Premier Benjamin Netanjahu entschlossen scheint, die Angriffe so lange fortzusetzen, bis das Atomprogramm und die konventionellen militärischen Fähigkeiten Irans nachhaltig ausgeschaltet sind und ein wirklicher Regimewechsel erreicht ist, könnte Donald Trump zunehmend unter innenpolitischen Druck geraten, den Krieg möglichst bald zu beenden. Die Lage der Menschen im Iran selbst bleibt von Angst und Unsicherheit geprägt. Unter dem Eindruck anhaltender Luftangriffe, fehlender Schutzräume und der bleibenden Repression des Regimes könne es keine Demonstrationen geben, betont der frühere deutsche Botschafter im Iran, Hans-Udo Muzel im BR24-Interview…“
Rüstungsexporte: Platz 4
(9. März 2026)Laut den frisch veröffentlichten SIPRI-Zahlen zu den Weltrüstungsexporten ist Deutschland im Zeitraum 2021 bis 2025 gegenüber dem Vorjahresfünft von Platz fünf auf Platz vier geklettert. Der Anteil betrug 5,7% bei einem Anstieg um 15%. (jw)
