IMI-Aktuell 2026/487

Schularick: Unter Beschuss

von: 27. August 2026

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Offensichtlich geht die Dampfplauderei des Chefs des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, auch politisch völlig anders verorteten Menschen auf die Nerven. Schularicks erneute scharfe Kritik, das Verteidigungsministerium sei „überfordert“, weil „viele Entscheider“ alt und daher „nicht besonders technologieaffin“ seien, brachte nun Hans Christoph Atzpodien auf die Palme. Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, dem größten Rüstungslobbyverband, richtete sich mit einem offenen Brief gegen Schularicks Forderung, das Kanzleramt solle eine neue Strategie vorgeben. Gegen Strategie sei an sich nichts einzuwenden, es sei allerdings „bedenklich“, so Atzpodien, „wenn jemand, der wie Sie oder ich außerhalb des Militärs steht, zu wissen glaubt, was unsere Bundeswehr an Ausrüstung zu bestellen hat.“ Die Situation sei zu „angespannt“, um „über polemisch motivierte Stöckchen zu springen.“

Am Ende dürfte Atzpodien hier allerdings auch nur die Interessen seiner Mitglieder vertreten, zu denen eben auch wesentlich die Hersteller „klassischer“ Rüstungsgüter zählen. Und daher plädiert er für dieselbe Sowohl-als-auch-Rüstung mit einem Mix aus alten und neuen Kriegsgeräten, wie sie auch von der Bundeswehr verfolgt wird: „Am Ende braucht es alle diese Fähigkeiten, um sowohl herkömmliches wie neues Gerät in ausreichender Stückzahl und schnellstmöglich verfügbar zu machen. Die Industrie ist in diesem Zusammenhang der Dienstleister ihrer – in diesem Fall staatlichen – Kunden.“

Ebenfalls interessant ist, dass Schularicks notorisches schönrechnen der wirtschaftlichen Positiveffekte hoher Rüstungsausgaben (siehe IMI-Standpunkt 2025/008) nun ebenfalls aus den eigenen Reihen unter Beschuss kam. Das ebenfalls arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichte unlängst eine Studie mit dem vielsagenden Titel „Verteidigungsausgaben: Warum die Rüstung kaum Wachstum bringt“. Allerdings dürfte auch hier ein Eigeninteresse dahinterstecken, nämlich der Forderung Nachdruck zu verleihen, hohe Verteidigungsausgaben, die nicht grundsätzlich abgelehnt werden, dürften nicht über Schulden, sondern müssten durch massive Sozialkürzungen aufgebracht werden. Weil ein flächendeckender Aufschwung nicht zu erwarten sei, müssten künftig „die laufenden Ausgaben aber aus dem regulären Haushalt bezahlen“, so Klaus-Heiner Röhl, einer der Verfasser der IW-Studie. (jw)