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IMI-Aktuell 2026/504

Kaliningrad: Krieg beginnt hier

(8. September 2026)


Die in NATO und Bundeswehr recht frisch eingeführte neue Militärdoktrin der Multi Domain Operations ist explizit dafür gedacht, die in den 1990er und 200er von Russland (Kaliningrad) und China (Südchinesisches Meer) aufgebauten Sperrriegel (Anti-Acess/Asrea Denial, A2/AD) zur Verhinderung einer westlichen Lufthoheit zu durchbrechen. Natürlich versichert die NATO, dies ausschließlich für den Fall eines russischen Angriffs tun können zu wollen. In Russland gibt man sich wiederum sicher, die NATO habe feste Absichten, seinen wohl wichtigsten strategischen Vorposten, Kaliningrad, militärisch einzunehmen.

Dies bildete den brisanten Hintergrund einer kürzlichen Machtdemonstration der NATO, bei der u.a. 50 Flugzeuge Mitte August nahe Kaliningrad zusammengezogen wurden. Ausgehend davon beschreibt der Stern nun unter der Überschrift „Sollte es zum offenen Krieg kommen, dann hier: in Kaliningrad“ die gefährliche Konstellation. Zu dem NATO-Truppenaufmarsch vor wenigen Wochen wird darin u.a. Christian Mölling vom Thinktank European Policy Centre zitiert: „Das war kein Manöver, sondern eine Operation“, so Mölling. „Man ist hier mit einem kompletten Besteck angerückt und hat gesagt: Das würden wir auf den Tisch legen, wenn wir am Anfang einer Operation gegen Russland stehen würden.“

Schon unmittelbar nach der Machtdemonstration ließ der omnipräsente Dampfplauderer Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München in der Welt vom Stapel, man könne „nur hoffen, dass Russland die Botschaft verstanden hat.“ Die Fähigkeit für Angriffsoperationen „verbessere“ die Abschreckung eines russischen Angriffs, so das NATO-Mantra. Schon voriges Jahr prahlte US-General Chris Donahue, die NATO sei in der Lage, Kaliningrad in kürzester Zeit einzunehmen. Wie genau dann Russland in der Lage sein soll, „erfolgreich“ NATO-Territorium anzugreifen, bleibt dabei das Geheimnis derjenigen, die genau dies behaupten. (jw)

IMI-Aktuell 2026/503

VW: Ende mit Frieden

(7. September 2026)


VW steigt nun in die Rüstung ein? Die „intelligente Lösung“, die Konzernchef Blume schon vor längerem für die Schrumpfung des VW-Konzerns ins Spiel gebracht hat, besteht laut Pressemitteilung des Konzerns darin, Standorte an die Rüstung abzugeben. Nun wird das VW-Werk ins Osnabrück abgetrennt und an das Land Niederachsen und eine private Equity-Firma aus Israel verkauft, die dann im nächsten Schritt für Rafeal Advanced Systems Bestandteile von Waffensystemen produzieren. Zudem sollen am Standort Amarok-Fahrzeuge aus Südafrikanischer VW-Produktion zu Waffenträgern für die polnische Armee umgebaut werden. Der Deal soll bis zu 1200 der derzeit 1800 Arbeitsplätze dauerhaft sichern. Gerade da noch nicht alle Details geklärt sind und wiederum VW-Fahrzeuge als Grundlage der Systeme herhalten, kann von einem Einstieg von VW in die Rüstung gesprochen werden. Die „Friedensstadt Osnabrück“ kann sich jetzt überlegen, ob sie ihre Schilder ändert. (as)

IMI-Aktuell 2026/502

Heimatschutz: Neue Standorte

(7. September 2026)


Die Heimatschutztruppe soll enorm ausgebaut werdender. Dazu gehört die Aufstellung von vier neuen Heimatschutzbataillonen, über die der Blog Sicherheit & Verteidigung berichtet. In Münster (Heimatschutzbataillon 121), Leipzig (Heimatschutzbataillon 133), Merzig (Heimatschutzbataillon 132) und Trollenhagen (Heimatschutzbataillon 141).

IMI-Aktuell 2026/501

Aachen: Kaltluftschneise

(6. September 2026)


In Aachen (und nicht nur dort) beschwerte sich der OB kürzlich über die nicht existente Kommunikation der Bundeswehr, was Liegenschaften anbelangt, die die Truppe ggf. entgegen früherer Pläne erneut nutzen möchte (siehe IMI-Aktuell 2026/491). Dort hat sich auch die Initiative „Schutz der Beverau“ gegründet, da die Bundeswehr plant, in Aachen eine wichtige Kaltluftschneise zu bebauen. Fazit in der Aachener Zeitung: „Wenn die Beverau bebaut“ werde, sei dies das Ende einer wichtigen „Klimaanlage für große Teile des Aachener Talkessels“. (jw)

IMI-Aktuell 2026/500

Marine: Israelische Raketen

(3. September 2026)


Deutschland habe „Marinegeschichte“ geschrieben, jubelt Marineinspekteur Jan Christian Kaak und wird damit u.a. in der Rhein-Zeitung (3.9.2026, S.6) zitiert. Gemeint ist damit der testweise Abschuss einer ballistischen Rakete von einer deutschen Fregatte, der in der Nacht vom 1. September (dem Jahrestag des Überfalls auf Polen und Beginn des 2. Weltkrieges) auf den 2. Spetember im Seegebiet zwischen Island und Irland erfolgt sei.

Bei der Rakete handelt es sich um das Modell Lora des israelischen Rüstungsunternehmens IAI, das – so erfahren wir in der Rheinzeitung weiter – von den israelischen Streitkräften bereits für Angriffe auf den Libanon und den Iran eingesetzt wurden (völkerrechtswidrig, wie die Rheinzeitung vergissst, zu erwähnen). Ihre „mögliche Reichweite übersteigt alles, was wir bisher kannten“ wird Kaak dort weiter zitiert – im Artikel und vielen weiteren Beiträgen wird die Reichweite mit mehr als 500km angegeben. Ein ausführlicher Beitrag bei ingenieur.de weist darauf hin, dass die Angaben widersprüchlich sind und vom Hersteller die Reichweite geringer (bis 430km) angegeben werde. Trotzdem sei der Abstand zu bisherigen Waffensystemen deutscher Fregatten deutlich (80km für die 127-mm-Geschütze, 220km bei Harpoons gegen Seeziele). Mit der Lora könnten hingegen Landziele auf große Distanz angegriffen werden. Sie wird in Startcontainern bereitgestellt und kann so relativ unkompliziert von Schiffen und Fahrzeugen gestartet werden – theoretisch auch von zivilen. Ihre Beschaffung soll nach dem erfolgreichen Test nun in die Wege geleitet werden.

Die geplante Anschaffung von Lora reiht sich ein in eine immer intensivere Rüstungszusammenarbeit Deutschlands und Israels – trotz Verfahren wegen Verdacht auf Genozid vor dem IGH und offenkundig völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Iran. Erst letzten Freitag wurde bekannt, dass eine US-israelische Firma ab 2027 nahe Leipzig bis zu 1.000 Mittelstreckenraketen produzieren will – wie u.a. augengeradeaus.net berichtete. Während des Tests der Lora-Rakete befand sich außerdem ein sechstes in Deutschland gebautes U-Boot auf dem Weg nach Israel, wie die junge Welt berichtet. Zitiert wird dort auch der israelische Botschafter Ron Prosor, der auf den zeitlichen Zusammenhang einging: „Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer engen strategischen Zusammenarbeit und einer Partnerschaft, die über Jahre gewachsen ist“.

IMI-Aktuell 2026/499

Afghanistan: Vorauskommando ohne Mandat

(3. September 2026)


Nach NDR-Recherchen sollen Bundeswehr-Spezialkräfte (vermutlich das Kommando Spezialkräfte) bereits als „Vorauskommando“ Richtung Afghanistan aufgebrochen sein, bevor der Bundestag im November 2001 ein Mandat für einen Einsatz erteilt hatte. Weder Parlamentarier noch zum Beispiel Josef Niebecker, damals Militärberater im Kanzleramt, sollen über die Entsendung unterrichtet worden sein. (jw)

IMI-Aktuell 2026/498

Vorteil Defensive

(3. September 2026)


Als „Offense-Defense-Balance“ kommt eine Theorie daher, die die Wahrscheinlichkeit von Angriffen im Zusammenhang mit den jeweils für einen „Erfolg“ erforderlichen Ressourcen setzt. Sind defensive Systeme dominant, werden Angriffe unwahrscheinlicher und umgekehrt. Vor diesem Hintergrund und den militärischen Debakeln Russlands in der Ukraine und der USA im Iran argumentiert nun einer der Altmeister der realistischen Denkschule, Stephen Walt, in der Foreign Policy, sei es eindeutig, dass die neuen Militärtechnologien, insbesondere kostengünstige Drohnen, die Balance massiv zur Defensive verschoben hätten. (jw)

IMI-Aktuell 2026/497

MFG5: Enteignung strittig

(2. September 2026)


Eine der größten Liegenschaften, die sich die Bundeswehr wieder unter den Nagel reißen möchte, ist Holtenau Ost in Kiel, wo Wohnraum für rund 5.000 Menschen geplant ist. Hier sollen Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden, allerdings sind schon reichlich Planungsressourcen in das Projekt geflossen (siehe IMI-Analyse 2026/19). Ein Im Auftrag der Linken erstelltes Rechtsgutachten kommt nun zu dem Schluss, eine Enteignung durch die Bundeswehr sei nicht ohne weiteres möglich, sollte es zu keiner einvernehmlichen Einigung kommen, berichtet der NDR. Der dringende Bedarf an Wohnraum müsse im Einzelfall gegen die Interessen abgewogen werden. (jw)

IMI-Aktuell 2026/496

Risikokapital

(1. September 2026)


Ende Juli wurde die „Startup- und Scaleup- Strategie“ vom Bundeswirtschaftsministerium  veröffentlicht (siehe IMI-Aktuell 2026/431). Darin finden sich auch Angaben zum Umfang des investierten Risikokapitals: „Die DefenceTech-Branche zählt folglich aktuell zu den dynamischsten Segmenten der deutschen Startup- und Scaleup-Landschaft, wobei Deutsch­land europaweit eine Spitzenposition einnimmt.11 Im Jahr 2025 flossen erstmals 1,16 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche DefenseTech-Startups und -Scaleups. Damit entfielen mehr als 50 Prozent der europäischen Venture-Capital-Investitionen in diesem Bereich auf Deutschland. Das Verhält­nis zu den gesamten Investitionen auf dem deut­schen VC-Markt lag somit bei 17 Prozent – deut­lich über dem weltweiten Niveau von 4 Prozent.“ (jw)

IMI-Aktuell 2026/495

RME-Camp: gestartet

(1. September 2026)


Das Protestcamp des antimilitaristischen und internationalistischen Bündnisses „Rheinmetall Entwaffnen“ hat heute in Köln begonnen. „Unter dem Motto ‚Kampf den Kriegstreibern – Für unsere Zukunft!‘ finden bis zum 6. September Workshops, Diskussionsveranstaltungen, Demonstrationen und weitere Aktionen statt. Nach Angaben der Organisator*innen werden im Laufe der Woche mehrere Tausend Teilnehmende erwartet,“ so eine Pressemitteilung.

In dieser wird auch berichtet, „bereits vor dem offiziellen Beginn des Camps“ hätten „sich bewaffnete Feldjäger*innen der Bundeswehr im unmittelbaren Bereich des Camp-Eingangs“ positioniert: „Wir lassen uns davon nicht einschüchtern und setzen unser Programm wie geplant und mit noch stärkerer Kraft fort“, erklärte daraufhin das Bündnis.

Auftakt der Proteste wird eine gemeinsame Demonstration zum Antikriegstag mit dem Kölner Friedensforum sein, die heute (1. September) ab 17:30 am Friesenplatz beginnt. Höhepunkt soll eine große Abschlussdemo am 5. September, 13h ab Hauptbahnhof sein. Dazwischen gibt es ein vielfältiges Programm mit Workshops und Aktionen.

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