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IMI-Aktuell 2025/651

CENTCOM: Drone Dominance

(9. Dezember 2025)


„Drone Dominance” nennt sich das von Verteidigungsminister Pete Hegseth initiierte Programm, das laut defence-network.com, „vorsieht, ab Anfang 2026 in vier Phasen Hunderttausende der kostengünstigen unbemannten Luftfahrzeuge anzuschaffen, wobei die ersten Bestellungen 30.000 Einheiten zu je 5.000 US-Dollar umfassen.“ Im Bereich des US-Zentralkommandos (CENTCOM) sei hierfür kürzlich bereits eine Task Force Scorpion Strike (TFSS) geschaffen worden: „Diese Task Force, die vom US-Sonderkommando Central (SOCCENT) beaufsichtigt wird, hat bereits ein Geschwader mit Drohnen des Typs Low-Cost Unmanned Combat Attack System (LUCAS) eingesetzt, die autonom mit großer Reichweite und vielseitigen Startoptionen wie Katapulten oder mobilen Systemen operieren.“ Damit signalisiere die „TFSS einen skalierbaren Schritt in Richtung massiver Drohneneinsätze in der Region des CENTCOM, um Bedrohungen durch vom Iran unterstützte Kräfte zu bekämpfen.“ (jw)

IMI-Aktuell 2025/650

Wehrdienst: Fragen

(8. Dezember 2025)


Was genau mit dem Fragebogen abgecheckt werden soll, den in Kürze alle Jugendlichen de Jahrgangs 2008 erhalten und männliche Jugendliche auch verpflichtend verantworten sollen, hat die Bild aufgelistet: Geschlecht, Familienstand und Staatsangehörigkeit; Interesse am Wehrdienst?; Körpergröße und Gewicht; Schwerbehinderung vorhanden? Auflistung aller Schulabschlüsse; weitere Qualifikationen; Fitness (Selbsteinschätzung); Wurde ein Wehrdienst in einer ausländischen Armee absolviert? Eine Anleitung, wie mit den Fragen und dem ganzen Prozedere umgegangen werden sollte, findet sich in IMI-Standpunkt 2025/59. (jw)

IMI-Aktuell 2025/649

Personal: Korridor (II)

(6. Dezember 2025)


Gestern wurde mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz der Weg zu einer Re-Aktivierung der Wehrpflicht eingeschlagen. Sollten bestimmte Rekrutierungsziele nicht erreicht werden, soll per Gesetz die Wehrpflicht zurückkehren. Bei Augengeradeaus findet sich die genauen Zahlen des „Aufwuchspfads“, bei deren Nichterreichen die Re-Aktivierung der Wehrpflicht möglich werden soll: 186-190.00 (2026); 190-193.000 (2027); 193-198.000 (2028); 198-205.000 (2029); 204-212.000 (2030); 210-220.000 (2031); 218-230.00 (2032); 228-242.000 (2033); 240-256.000 (2034); 255-270.000 (2035). (jw)

IMI-Aktuell 2025/648

Hybrider Krieg: Begriffsverwirrung

(5. Dezember 2025)


„euro|topics ist ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und wird vom Journalisten-Netzwerk n-ost erstellt“, so lautet es am Ende jeder der täglichen Presseschauen, die der Dienst bereitstellt. Dabei werden oft sehr einseitige und (NATO-)parteiische Kommentare und Artikel zitiert, die durchaus auch mal Un- bis Halbwahrheiten enthalten können. Die aktuelle Ausgabe (5.12.2025) zitiert in ihrem Schwerpunkt zum Streit um den Umgang eingefrorener russischer Vermögen etwa einen Beitrag der FAZ:

„Wer sie [„die Freiheit“] nicht schon in der Ukraine verteidigt, sondern lieber über Haftungsrisiken streitet, läuft Gefahr, in absehbarer Zeit auf eigenem Boden kämpfen zu müssen. Putin drohte nun ganz offen damit, nicht nur einen hybriden Krieg gegen Europa zu führen.

Da gäbe es einiges zu hiterfragen: Was ist „die Freiheit“, womit hat Putin wirklich „ganz offen gedroht“ und was ist „eigener Boden“ bzw. wie realistisch ist „in absehbarer Zeit“ ein Krieg auf dem Territorium Deutschlands? Im Kontext dieser Unschärfen soll es hier aber um den „nicht nur einen hybriden Krieg“ gehen – was ja impliziert, dass ein nicht hybrider Krieg mehr wäre, als ein „nur“ hybrider.

Im IMI-Aktuell 2025/182 wurde bereits eine Begriffskritik von David Goeßmann zitiert, in der es hieß:

„Denn das Konzept des hybriden Kriegs geht ja von einer Mischung von regulären und irregulären, militärischen und nicht-militärischen Konfliktmitteln aus. […] Wenn es aber keinen Krieg Russlands gegen Deutschland und andere EU-Staaten gibt, dann fehlt natürlich auch die Mischung.“

Auch der aktuelle Eintrag „Hybrider Krieg“ in der deutschen Wikipedia beschreibt diesen primär als „Mischform“. Weiter heißt es dort „Der Begriff wurde erstmals 2005 vom US-Marines-Offizier und Militärtheoretiker Frank G. Hoffman im heutigen Sinne definiert“. Tatsächlich geht es in dem entsprechenden (kurzen und groben) Beitrag von Hoffmann aber um US-Einsätze in „failed states“ und einer Erweiterung des Konzept des Three-Block-Wars (organisierte bewaffneter Gruppen, aufgebrachte Menschenmengen, zu schützende Zivilist*innen) um die Ebene der Informationsoperationen – ein reichlich anderes Szenario als die Rivalität zwischen NATO und Russland. Als weiteres zentrales Dokument wird dort auf eine Studie des US Army War College (USAWC) von 2007 verwiesen, in der hybride Kriegführung – wieder ganz anders – als Empfehlung für künftige „Stabilsierungsoperationen in Drittstaaten“ im Rahmen des Global War on Terror konzeptualisiert wird:

„This new concept calls for greatly expanded roles and missions for our ground forces to support the political, informational and economic projections of national power, in addition to conventional military force, to achieve political objectives.“

Der konkreteste und zutreffende Satz bei Wikipedia ist vermutlich: „Der hybride Krieg ist nicht definiert.“ Warum wird er dann eigentlich so oft benutzt und mit welcher Absicht bzw. welchen Folgen?

IMI-Aktuell 2025/647

Drohnensichtungen: kaum Evidenz

(5. Dezember 2025)


Florian Warweg macht in einem aktuellen Bericht aus der Bundespressekonferenz bei den Nachdenkseiten auf eine Analyse der niederländische Tageszeitung Trouw zusammen mit der Organisation Dronewatch aufmerksam. Diese hat Presseberichte und offizielle Statements zu 61 Vorfällen gesammelt und kommt zu dem Schluss, dass es sich ganz überwiegend um Fehlalarme gehandelt habe und nur in wenigen Fällen Hinweise auf feindliche Absichten oder ausländische Akteure vorliegen würden: „in most cases, no drone was ever confirmed — and hard evidence of a foreign actor is almost entirely absent.“

Es wird auch darauf hingewiesen, dass nach der Aktivierung von Erkennungssystemen in Belgien zu einem drastischen Rückgang solcher Meldungen geführt habe – was sich natürlich auf zwei Arten interpretieren lasse::

„In Belgium, the installation of additional detection systems from various countries appears to have made an immediate impact. Interestingly, the number of sightings dropped sharply once the new equipment went online. This may mean that malicious actors were deterred — but it could just as well indicate that many earlier sightings were simply misinterpretations.“

So oder so, die Rüstung dürfte profitieren:

„Panic or not, the recent surge in European drone sightings has prompted many countries to accelerate their investments in counter-drone capabilities. Belgium has purchased new Senhive detection systems, complemented by DroneShield jammers to disrupt suspicious flights. The Netherlands is stepping up as well, ordering 100 IRIS drone radars and deploying SkyRanger rapid-fire cannons to neutralise small unmanned aircraft.“

Erstaunlich auch, dass neben diesen kostspieligen Anschaffung eine stärkere Regulierung sogenannter Hobbydrohnen in keinem der betreffenden Länder mit Nachdruck diskutiert wurde – wäre ja eigentlich naheliegend, angesichts der Panik und der potentiellen Schäden…

IMI-Aktuell 2025/646

FCAS: Kontrollierter Abschied?

(4. Dezember 2025)


In wenigen Tagen soll es auf verschiedenen Ebenen Gespräche über die Zukunft des deutsch-französischen Luftkampfsystems FCAS geben. Dies nutzt der CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Mayer-Lay, Berichterstatter der Unionsfraktion für die Luftwaffe im Verteidigungsausschuss, erneut um auf eine Beendigung der Zusammenarbeit zu drängen. In der Europäischen Sicherheit & Technik wird er mit den Worten zitiert: „Die Deutsche Industrie ist nicht nur in der Lage; sie ist bereit die Verantwortung für die Entwicklung eines Kampfjets der 6. Generation zu übernehmen, ohne dabei dauerhaft von einem Partner behindert zu werden. […] Ein kontrollierter Abschied von FCAS wäre kein sicherheitspolitisches Risiko, sondern die Chance auf einen echten Neustart.“ (jw)

IMI-Aktuell2025/645

Arrow 3: Nutzlos

(4. Dezember 2025)


Aktuell wird in fast allen Medien recht enthusiastisch auf die Inbetriebnahme des ersten Arrow-Raketenabwehrsystems durch die Bundeswehr verwiesen. In einem Stern-Beitrag wird Arrow 3 gar als eine Art Vorzeigeprojekt der Zeitenwende bejubelt: „Zeitenwende in der Luftabwehr: Deutschland spannt mit dem Raketenabwehrsystem ‚Arrow 3‘ einen Schutzschirm gegen feindliche Raketen auf. Wie es funktioniert.“

Die Sache hat nur einen Haken: Das wohl fast 4 Mrd. Euro teure System ist gegen den erklärten Hautgegner der Zeitenwende, Russland, völlig nutzlos, worauf Expert*innen wieder (siehe IMI-Aktuell 2023/628) und wieder (siehe IMI-Aktuell 2024/029) hinwiesen. Das Besondere an dem System ist die erstmalige Fähigkeit zur Abwehr exo-atmosphärischer Angriffe, eine Fähigkeit,  über die Russland aber überhaupt nicht verfügt – leider vergisst es der Großteil der Beiträge, diese „Kleinigkeit“ auch nur zu erwähnen. Eine der wenigen löblichen Ausnahmen ist zum Beispiel ein Artikel bei n-tv: „Die Iraner haben sie, und darum ergibt es für Israel viel Sinn, sich mit Arrow 3 gegen ballistische Raketen zu schützen, die von den Mullahs in Teheran ins Orbit geschossen werden und im Steilflug auf Israel wieder runterkämen. Russland indes hat solche Raketen nicht. Und Russland entwickelt sie auch nicht mit Hochdruck, nach allem, was man weiß über strategische Planungen des Kreml.“ UPDATE: Um ein weiteres Beispiel zu nennen, in dem Arrow 3 direkt mit der „russischen Bedrohung“ verknüpft wird, hier ein Artikel der Deutschen Welle: „Seine Einführung gilt als unmittelbare Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die wachsende Bedrohung durch moderne Langstreckenraketen. Arrow 3 ist ein Baustein der sicherheitspolitischen Neuausrichtung Deutschlands seit 2022 – der sogenannten „Zeitenwende“ -, zu der deutlich steigende Verteidigungsausgaben und der Aufbau einer gestaffelten europäischen Luftverteidigung gehören.“ (jw)

IMI-Aktuell 2025/644

Matching-Plattform

(3. Dezember 2025)


Mit einer „Matching-Plattform“ sollen laut einem ZDF-Artikel zivile Unternehmen den Produktionsausbau der Rüstungsindustrie unterstützen: „Ein erstes solches ‚Matching‘ habe sich bereits ergeben, sagte Reiche. Demnach unterzeichneten der Münchner Drohnenhersteller Helsing und der Autozulieferer Schaeffler am Dienstag eine Absichtserklärung. ‚Schaeffler unterstützt künftig zum Beispiel durch die Bereitstellung von Bauteilen für die Systeme und den Aufbau einer resilienten Lieferkette‘, so die Ministerin [Reiche]. Klaus Rosenfeld, CEO der Schaeffler AG, kommentierte, die Kooperation sei ‚ein erster wichtiger Schritt, um unser Engagement im Verteidigungsbereich auszubauen‘.“ (jw)

IMI-Aktuell 2025/643

Rüstung: Gewinne

(3. Dezember 2025)


Viel Beachtung erhielt dieser Tage der diesjährige Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das erwartbare Allzeithoch der Konzernumsätze im Jahr 2024, sondern dass der Löwenanteil davon auf die Zuwächse europäischer und insbesondere deutscher Unternehmen entfällt. Während die Umsätze der Top-US-Unternehmen „nur“ um 3,8% stiegen, kletterten die europäischer Konzerne um satte 13%. Rheinmetall stieg mit einem Zuwachs der Rüstungssparte um 47% auf 8,24 Mrd. Dollar auf Rang 20 der Toprüster. Bei ThyssenKrupp waren es 12% (2,29 Mrd. Dollar und Platz 61), bei Hensoldt 18% (2,24 Mrd. Dollar und Platz 62) und bei Diehl 53% (2,11 Mrd. Dollar und Platz 67).

Ergänzende Daten liefert der deutlich weniger beachtete Jahresbericht 2024 über die europäischen Rüstungsunternehmen der größten Lobbyorganisation ASD. Demzufolge stieg Umsatz der EU-Rüstungsindustrie von 161.100 Mrd. Euro (2023) auf 183.400 Mrd. Euro (2024) um 13,8% an. Die Beschäftigtenzahl in der EU-Rüstungsindustrie wird für 2024 mit 633.000 und einem Anstieg um 8,6% angegeben. (jw)

IMI-Aktuell 2025/642

ESA: Militärgelder

(2. Dezember 2025)


Die Tage war verschiedentlich vom neuen Rekordbudget der Europäischen Weltraumagentur (engl. ESA) zu lesen. Eine Meldung bei hartpunkt.de weist auf den „interessanten“ Umstand hin, dass Teile des deutschen Beitrags augenscheinlich aus dem Verteidigungshaushalt stammen sollen: „Deutschland [hat]  die Finanzierung von 5,4 Milliarden Euro des Gesamtbudgets von insgesamt 22,1 Milliarden Euro zugesagt. […] Das Bundesministerium der Verteidigung beteiligt sich demnach mit rund 292 Millionen Euro an der ESA-Ministerratskonferenz.“ (jw)

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