In einem kürzlich erschienenen Interview des Nachrichtensenders ntv mit dem Völkerrechtler Matthias Goldmann wurde Merz’ Reaktion auf den Angriff von USA und Israel auf den Iran als „Dammbruch“ benannt. Dabei ist ntv, das in enger Verbindung zum privaten Medienunternehmen Bertelsmann steht, nicht gerade für seine friedenspolitische Haltung bekannt. Goldmann findet zur völkerrechtlichen Einordnung des Angriffs allerdings klare Worte, so sagt er: „Um es kurz zu machen: Das, was die USA und Israel im Iran jetzt führen, ist ein verbotener Präventivkrieg und damit völkerrechtswidrig.“
Der Bundeskanzler hatte zuvor den Angriff damit legitimiert, dass man dem Iran zuviel durchgehen lassen habe und es an der Zeit sei, grundlegende Interessen durchzusetzen (siehe IMI-Aktuell 133/2026). Goldmann ordnet dies folgendermaßen ein: „Weil andere Staaten das Geschehen genau beobachten und merken, wie selektiv Europa sich auf das Völkerrecht beruft. Wer das internationale Recht nur gegenüber Gegnern hochhält, verliert massiv an Glaubwürdigkeit.“ Und er fügt hinzu: „Das ist umso bedenklicher, als es sich hier nicht um ein kleines Scharmützel handelt, sondern um einen großangelegten Angriff, der politisch gebilligt wird, ohne dem Recht einen Wert beizumessen. Diese Reaktion von Merz und E3 auf den Iran-Angriff ist ein Dammbruch.“
