IMI-Aktuell 2026/036 - in: AUSDRUCK (Juni 2026)

Rheinmetall verdient mit Grenzschutz

von: Jaqueline Andres | Veröffentlicht am: 10. Juni 2026

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In den letzten Jahrzehnten konnte Rheinmetall mit Migrationsbekämpfung millionenschwere Projekte an Land ziehen. Das Rüstungsunternehmen produziert u.a. für den Grenzschutz und liefert Überwachungsequipment – auch außerhalb der EU. Der Konzern ist damit ein zentraler Akteur, der stetigen Militarisierung von Migration und verwandelt nicht nur damit ganze Grenzregionen in Testräume militärischen Geräts.

Rheinmetall militarisiert den Grenzschutz

Lange war es für Rüstungsunternehmen in der Zeit nach dem Kalten Krieg hilfreich, durch die Deklarierung von Produkten für die Migrationsabwehr Gelder von der EU für die Forschung, Entwicklung und den Verkauf akquirieren zu können. Rheinmetall profitierte hiervon, wie u.a. Mark Akkerman in seiner 2018 veröffentlichten Studie „Expanding the Fortress“ für das Transnational Institute in Amsterdam hervorhob.[1]

So setzen Algerien und Jordanien seit mehr als zehn Jahren Rheinmetall Panzer des Typs Marder und Fuchs (an den Grenzen) ein – zur Bekämpfung von Terrorismus und zur Sicherung der Grenzen.[2] Der Grenzschutz in Turkmenistan nutzt ebenfalls seit mehr als zehn Jahren das gepanzerte Sonderfahrzeug Survivor von Rheinmetall.[3]

EU finanziert die Migrationsabwehr

Die EU-Ausgaben für Grenzsicherungstechnologien steigen – so verdreifachte sich der Betrag, den der EU-Haushalt von 2028 – 2032 für die Bereiche Migration und innere Sicherheit bereitstellt und liegt nun bei 81 Mrd. Euro.[4] Wohin die Militarisierung des EU-Grenzregimes technologisch führt, zeigt eine Pressemitteilung von Frontex, die erklärt, auf welche Schlüsselbereiche Frontex seinen Fokus legt: fortschrittliche Überwachungsplattformen (u.a. Drohnen und Hochfliegende Plattformsysteme, wie z.B. Solarsegler, stratosphärische Ballons oder Luftschiffe), die wachsende Nutzung von Satelliten zur Datenübertragung, Multisensoren-Netzwerke, autonome Systeme und KI basierte Anwendungen zur Auswertung der Daten – für Frühwarnsysteme.[5] Dies sind Bereiche, die auch bei Rheinmetall eine wachsende Rolle spielen, nicht zuletzt für die Drohnenerkennung und -abwehr u.a. in der Ukraine.

Aktuell stattet Rheinmetall den ukrainischen Grenzschutz aus. Erst im April 2025 trafen sich hierfür Mitarbeiter*innen und der Generaldirektor von Rheinmetall Landsystems GmbH mit dem ukrainischen Grenzschutz zu einem Arbeitstreffen in der Ukraine. Ziel war es, zu erfahren, was von Rheinmetallprodukten benötigt wird.[6]

Zusammen mit dem estländischen Unternehmen DefSEcIntel stattet Rheinmetall die Ukraine bereits mit dem SurveilSPIRE Überwachungssystem aus. Dieses automatisierte Überwachungssystem besteht aus mobilen Türmen, die auf mitgelieferten Fahrzeugen montierbar sind und über eine tag- und nachtsichtsfähige Kameraüberwachung verfügen, sowie über autopilotgesteuerte Mini-Aufklärungsdrohnen, die für Patrouillen- oder Missionsflüge ausschwärmen und einem mobilen Kontrollsystem, indem die gesammelten Daten via Funk (4G oder Starlink) zusammengeführt und ausgewertet werden. Das Überwachungssystem ist zudem mit Solarzellen ausgestattet, wodurch es unabhängig von einer Stromversorgung ist.[7]

Grenzgebiet wird zum Testfeld

Die Militarisierung der Migrationskontrolle verwandelte die Grenzregionen in Räume, in denen militärisches Gerät zum Einsatz kam und auch getestet werden konnte, so ermöglichte der Einsatz von Drohnen zur Migrationsüberwachung im Mittelmeer und über Libyen europäischen Militärs und Polizeibeamt*innen, Drohnenflüge durchzuführen, die in der EU im zivilen Raum nicht leicht umsetzbar sind.

Es liegt nahe, dass Rheinmetall auch den Krieg in der Ukraine nutzt, um neue Technologien zu testen, die zukünftig sowohl für die Grenzsicherung als auch für das Gefechtsfeld nützlich und vermarktbar sein werden – und damit auch lukrativ.

Anmerkungen


[1]      Mark Akkermann: Expanding the fortress, tni.org, 11.5.2018

[2]      Jacqueline Andres: Rheinmetall und der menschenfeindliche Grenzschutz, IMI-Standpunkt 2019/05, 25.11.2019

[3]      Rheinmetall’s MAN-at-arms, on a crimefighting mission, Motor India Online, 23.2.2022

[4]      Europa schützen, Europäische Komission.

[5]      Frontex and 16 EU science chiefs stress the role of research in future-proofing Europe’s borders, Frontex, 30.4.2026

[6]      Head of the State Border Guard Service Holds Working Meeting with General Director of Rheinmetall Landsysteme GmbH, Government Website of Ukraine, 10.4.2025

[7]      Rheinmetall liefert automatisierte Aufklärungssysteme an die Ukraine, Rheinmetall.com, 28.2.2023