IMI-Mitteilung
IMI-Studie zu deutsch-israelischer Militärkooperation veröffentlicht
von: IMI | Veröffentlicht am: 23. April 2026
In einer neuen Studie der Informationsstelle Militarisierung e.V. untersucht Melchior Grabowski die militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland seit dem Verkünden der Zeitenwende. Sie zeigt auf, dass trotz massiver Völkerrechtsbrüche Israels umfangreiche Militärkooperationen zwischen den beiden Ländern stattfinden, die tief in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eingreifen. Damit deckt die Studie auf, welche deutschen Interessen abseits der „Staatsräson“ in der militärischen Kooperation mit Israel bestehen.
Die Studie kann hier heruntergeladen werden.
Im Februar 2022 verkündete Olaf Scholz die „Zeitenwende“, woraufhin große Summen zur Aufrüstung Deutschlands aufgewendet wurden. Im Oktober 2023 griff die Hamas Israel an, welches seitdem fast ununterbrochen Militäroperationen vorgenommen hat. Dabei hat die israelische Armee immer wieder das Völkerrecht missachtet. Die Studie „Aus Völkerrechtsbrüchen lernen? – Deutsch-israelische Militärkooperationen im Zeichen der Zeitenwende“ betrachtet vor diesem Hintergrund die militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten.
Darin werden außerdem die Fragen gestellt, welche Interessen der deutsche Staat in der militärischen Partnerschaft verfolgt, für die er bereit ist, Internationales Recht zu missachten? Und was verspricht sich Israel von der Kooperation?
In der Folge analysiert die Studie die Bedeutung von erprobter Waffentechnologie aus Israel für Deutschland. Außerdem wird betrachtet, wie in puncto Rüstung Deutschland ein wichtiger Partner für Israel ist, um trotz zunehmender internationaler Verurteilung weiter Rüstung zu exportieren. Zudem untersucht die Studie mit Blick auf Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiches Besuch in Israel, wie die deutsche Industrie aus Israels Kriegswirtschaft lernen möchte.
Auch in Hinblick auf ein Abkommen zwischen dem Heer der Bundeswehr und der IDF, das die Einbindung von der Reserve und Frauen thematisiert, liefert die Studie Interpretationen. Der Studie zufolge ist das Gesetz in Israel bisher für die Reserve deutlich strikter als in Deutschland und weder Arbeitgeber noch Reservist*innen selbst können sich dem Dienst ohne Konsequenzen entziehen. In Hinblick auf die Einbindung von Frauen stellt die Studie die These auf, dass die vergleichsweise hohe Quote an Frauen nach der Grundausbildung bei der IDF maßgeblich durch die Erzählung aufrechterhalten wird, dass eine Laufbahn in der Armee ihr Ansehen und ihre Stellung grundsätzlich als Frauen in der Gesellschaft stärkt.
Die Studie schließt damit, dass die militärische Kooperation der beiden Staaten nicht nur Israel in seinen Völkerrechtsbrüchen unterstützt, sondern auch einen Militarismus in Deutschland vorantreibt, der die Problembewältigungsstrategien der deutschen Politik und Gesellschaft auf militärische Lösungen vorbereitet.
„Seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober und dem darauffolgenden genozidalen Vorgehen der IDF in Gaza nimmt deutsches Interesse an israelischer Militärtechnologie zu. Das zeigt sich an großen Rüstungsbeschaffungen der Bundeswehr aus israelischer Produktion“, so Autor Melchior Grabowski.
„Um sich erfolgreich an dem Rüstungswettlauf zu beteiligen, reicht daher für die Rüstungsindustrie der Zeitenwende nicht nur eine große, auf Waffen umgestellte Industrie, sondern sie benötigt auch ein Testfeld, dass die Erprobung der entwickelten Militärtechnologien ermöglicht. Israel bietet vor diesem Hintergrund attraktive Bedingungen für die Entwicklung von Waffensystemen, denn kaum eine andere Nation der Welt besitzt die Kombination hoch moderner Rüstungsforschung, ständiger Kriegsbeteiligung und Überwachung, wie der Staat Israel“, so Grabowski weiter.
