IMI-Aktuell 2026/194

Verwirrung um Drohnen

von: 26. März 2026

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Ist das noch journalistische Voreingenommenheit, oder hat das schon Methode? „Russische Drohne trifft Kraftwerk in Estland“ titelte BILD.de, „Russische Drohne trifft laut estnischem Geheimdienst Kraftwerk in Estland“ Welt.de und ZDFheute schrieb etwas präziser „Drohnen aus Russland stürzen in Estland und Lettland ab“. Dutzende weitere Meldungen v.a. in online-Medien wählten ähnliche Titel und suggerierten einen weiteren russischen Angriff auf NATO-Territorium. Tatsächlich handelte es sich um fehlgeleitete ukrainische Drohnen, die – wie u.a. n-tv.de berichtete, angeblich Teil des „schwerste[n] bislang verzeichnete[n] Drohnenangriff[s] aus der Ukraine“ waren, der in diesem Fall primär auf den russischen Ostseehafen Ust-Luga zielte und dort „mehrere Brände“ auslöste. Tagesschau.de hat es diesmal besser gemacht und titelte zutreffend „Ukrainische Drohnen stürzen in Estland und Lettland ab“.

Während es sich in diesem Fall um Langstrecken-Angriffsdrohnen mit beachtlicher Reichweite handelt, waren im Spätsommer 2025 sog. „Drohnensichtungen“ unbemannter und unbewaffneter Flugkörper mit deutlich geringerer Reichweite ein Aufreger-Thema in Deutschland, die gerne als Beweis für oder Teil eines hybriden Angriffs Russlands auf die NATO interpretiert wurden. Als Konsequenz wurde im vergangenen Dezember in Berlin das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum eröffnet (s. IMI-Aktuell 2025/680), in dem Polizei und Bundeswehr zusammenarbeiten.

Dem stellte nun tagesschau.de in einem u.a. von Florian Flade gezeichneten Beitrag unter dem Titel „Warum die Drohnenabwehr bislang kaum Erfolge zeigt“ ein schlechtes Zeugnis aus:

„Noch immer werden nahezu täglich verdächtige Drohnen gesichtet. Zugleich gelingt die Abwehr fast nie. Wenn dann tatsächlich einmal Verdächtige ermittelt wurden, erhärtete sich der Spionageverdacht nicht. Belege für Ausspähaktionen ausländischer Geheimdienste fehlen weiter. Diese ernüchternde Realität geht aus internen Lageberichten des neuen Zentrums vor, die WDR und NDR vorliegen.“

Es folgen verschiedene Beispiele, in denen sich Drohnensichtungen als völlig harmlose Ereignisse herausstellten. Dies als „ernüchternd“ zu etikettieren, zeugt schon von einem ordentlichen Maß an journalistischer Voreingenommenheit…