IMI-Aktuell 2025/443

USA: Drohnen und Abnutzungskriege

von: 5. August 2025

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Jacqueline Schneider und Julia MacDonald haben auf der Homepage der Zeitschrift ‚Foreign Affairs‘ einen lesenswerten Beitrag unter dem provokativen Titel „How to lose the Drone War“ veröffentlicht. Im Kern geht es darin um die Frage, wie die USA ihre Strategie, ihre Forschungs- und Entwicklungsprogramme anpassen müssten, um sich „der neuen Art der Kriegführung anzupassen, die sich in Konflikten in Europa und dem Mittleren Osten entwickelt“ („adapt to a new way of war already emerging in European and Middle Eastern conflicts“).

Ein wesentlicher Teil des Beitrags besteht aus einer Geschichte der US-Drohnenentwicklung vor dem Hintergrund sich wandelnder globaler Konfliktlagen und damit verbundener US-Strategien. Ausgangspunkt dabei ist der Vietnamkrieg, der bis 1973 von US-Seite auf der Basis der allgemeinen Wehrpflicht mit hohen eigenen Verlusten und entsprechenden Widerständen an der Heimatfront geführt wurde. Seit dem hätten sich die USA bemüht, durch technologische Überlegenheit die personelle Unterlegenheit gegenüber potentiellen Gegnern auszugleichen. Ziel sei es gewesen, „den Feind bei geringem Risiko für die US-Truppen aus der Ferne zu lokalisieren und anzugreifen“, „Kriege aus der Distanz zu gewinnen“. Dazu habe auch die Einschätzung des Militärs beigetragen, dass „die US-Öffentlichkeit nicht bereit wäre, ihr Blut zu opfern, aber bereit wäre, ihr Geld zu geben“. Das Mittel der Wahl seien entsprechend Waffen von großer Reichweite, unbemannte Systeme und dabei teure High-Tech-Varianten gewesen, auf die sich die Entwicklungs- und Beschaffungsprogramme fokussiert hätten und die heute das Drohnen- und Waffenarsenal der USA prägen.

In den Kriegen in Europa und dem Mittleren Osten zeige sich hingegen, dass auf kürzere Distanz eingesetzte, billige und dafür massenhaft verwendete Drohnen mittlerweile das Gefechtsfeld prägen würden. Die USA stünden nun vor der Entscheidung, sich diesen Entwicklungen anzupassen:

„Wenn die Vereinigten Staaten Abnutzungskriege führen und gewinnen will – die Art von Krieg, in dem die Ukraine mittlerweile mit großer Wirkung Drohnen einsetzt – brauchen sie mehr billige Drohnen, die den Kampfeinheiten zugeordnet sind, die sich schnell den [gegnerischen] Anti-Drohnenmaßnahmen anpassen können. Aber sie können nicht einfach die ukrainischen (oder israelischen) Drohnenstrategien kopieren. Bevor man sich übereilt in die Beschaffung stürzt, sollten die US-Strategen eine neue Theorie des Sieges formulieren und die Annahmen überprüfen, welche die letzten 50 Jahre technologische Beschaffungen geprägt haben.“*

An dieser Stelle bricht der ansonsten relativ ausführliche Beitrag allerdings recht schnell ab und kommt innerhalb weniger Zeilen zu dem Schluss, dass das Beschaffungswesen beschleunigt werden müsse und auch Kommandos auf unteren Ebenen der Einkauf von kleineren Drohnen und eigene Drohnenprogramme ermöglicht werden solle. Die angemahnte Diskussion über eine Revision der US-Strategie, bei der es offenbar um eine Rückbesinnung auf verlustreiche Abnutzungskriege auf kurzer Distanz geht, scheint bei den Autorinnen so gleich wieder beendet.

* Originalzitat: „If the United States wants to fight and win wars of attrition—the kind of war in which Ukraine is now using drones to great effect—it will need more low-cost drones attached to combat units that can adapt quickly to counterdrone efforts. But it cannot simply copy the Ukrainian (or Israeli) drone strategies. Before rushing toward procurement, U.S. defense strategists need to articulate a new theory of victory, reviewing the beliefs and assumptions that undergirded the last 50 years of technological acquisitions.