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Kampfpanzer als PESCO-Projekt?

(17. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/484): Hinter dem deutsch-französischen Kampfflugzeug („Future Combat Air System“) stellt der gemeinsam geplante Kampfpanzer („Main Ground Combat System“) das aktuell wohl wichtigste europäische Rüstungsvorhaben dar (siehe IMI-Analyse 2019/03). Obwohl es bei der Anbahnung des Projektes, das auf einen Gesamtumsatz von bis zu 100 Mrd. Euro geschätzt wird, permanent Knatsch um die genaue Einfluss- und Rollenverteilung der interessierten Konzerne gibt, scheint nun versucht zu werden, das MGCS in die nächste PESCO-Runde hineinzudrücken, die bis Ende des Jahres stehen soll. PESSCO-Projekte haben den unschätzbaren Vorteil, für eine bevorzugte Finanzierung aus dem geplanten „Europäischen Verteidigungsfonds“ qualifiziert zu sein, wodurch sich die Entwicklung von Rüstungsprojekten mit Milliardenbeträgen aus dem EU-Haushalt querfinanzieren lässt.

Diese Themen sollen Gegenstand der Gespräche zwischen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihrem polnischen Pendant Mariusz Błaszczak gewesen sein, über die gestern die Deutsche Welle (polnische Ausgabe) berichtete (per translator.eu): „Er [Błaszczak] bewertete auch, dass es aus polnischer Sicht eine gute Idee wäre, die Arbeiten am deutsch-französischen Projekt zum Bau eines Panzers zu beschleunigen und EU-Mittel im Rahmen einer dauerhaften strukturierten Zusammenarbeit im Bereich der PESCO-Verteidigung zu erhalten. Das Main Ground Combat System Project wurde 2018 angekündigt. Die deutsche Gruppe Rheinmetall und die deutsch-französischen KNDS waren eingeladen, an den Vorbereitungsarbeiten teilzunehmen.“

Justyna Gotkowska, Expertin am Centre for Eastern Studies (OSW), berichtet außerdem in einem Tweet, dass Polen gerne von Anfang an bei einem PESCO-MGCS-Projekt dabei wäre, Deutschland und Frankreich dem aber lauwarm begegnen würden. „Polish Defence Minister @mblaszczak was the first foreign guest of @akk in Berlin. One of the topics: making the Franco-German project of the new generation battletank a PESCO project, open for 3rd parties. Poland repeatedly showed intent to join. Not much interest so far in DE&F“ (jw)

Grace 1: Beschlagnahmung

(17. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/483): Der schier endlose Konflikt um den iranischen Tanker „Grace 1“ geht in die nächst Runde. Nachdem Gibraltar entschieden hatte, das Schiff freizulassen, konkretisieren die USA nun ihre zuvor bereits geäußerten Drohungen. Tagesschau.de berichtet: „Im Streit um den vor Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker hat ein US-Bundesgericht die Beschlagnahme der ‚Grace 1‘ angeordnet. Das US-Justizministerium begründete den Schritt mit der ‚illegalen Unterstützung‘ von Lieferungen an Syrien durch das Schiff.“ (jw)

Bundeswehr: Bahn Frei!

(16. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/482): Bild meldet, in den kurzzeitig festgefahrenen Verhandlungen zwischen Bundeswehr und Bahn um Gratisfahrten für (uniformierte) Soldaten sei eine Einigung erzielt worden – dabei scheint die Bahn nun deutlich weniger als die ursprünglich geforderten 38 Mio. Euro erhalten. Dies gilt scheinbar generell für ICEs und ICs, wie es mit Nahverkehrszügen aussieht, scheint noch verhandelt zu werden: „In einem geheimen Treffen im Bundesverkehrsministerium haben sich Vertreter der Deutschen Bahn, der Bundeswehr und der CSU-Landesgruppe am Donnerstagvormittag geeinigt, dass Soldaten in Uniform in Zukunft gratis Züge der Deutschen Bahn im Fernverkehr nutzen dürfen. […] Für die Fahrten in den Zügen der Deutschen Bahn soll die Bundeswehr nach Informationen von BILD am SONNTAG pauschal jährlich rund 4 Millionen Euro bezahlen.“ (jw)

Von der Leyens Vermächtnis

(16. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/481): Gestern wurde Ursula von der Leyen per großem Zapfenstreich nach Brüssel verabschiedet. In der Rede ihrer Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer „würdigte“ diese von der Leyens „Verdienste“ nicht zuletzt um den Militärhaushalt: „Nach 25 Jahren des Sparens wächst die Bundeswehr wieder und sie wird modernisiert. Und zwar in allen Bereichen: Bei Personal, Material und Finanzen geht der Trend nach oben. Wie deutlich, das zeigt sich anschaulich beim Verteidigungshaushalt: der ist von 2014 bis 2020 um 40% gestiegen. Und das Geld wurde Jahr um Jahr vollständig ausgegeben.“ (jw)

US-Marineeinsatz: Polen dabei

(16. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/480): Polen will sich an einer US-geführten „Schutzmission“ am Persischen Golf beteiligen, berichtet heute u.a. Zeit Online: „Kurz vor Donald Trumps Besuch hat Polens Außenminister Jacek Czaputowicz den USA seine Unterstützung beim Schutz von Handelsschiffen zugesagt. Deutschland kritisierte er.“ (jw)

Grace1: US-Intervention

(15. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/479): Einigen Berichten zufolge stand die Freigabe des in Gibraltar beschleunigten iranischen Tankers Grace 1 kurz bevor – nun hat sich laut Zeit Online aber die USA eingeschaltet: „Seit mehr als einem Monat dauert der Streit um den in Gibraltar festgesetzten iranischen Tanker an. Jetzt haben die USA eine Freigabe in letzter Sekunde gestoppt. Die USA haben die Beschlagnahme beantragt.“ (jw)

Afghanistan-Opfer – Hände weg von Iran!

(15. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/478): Erstmals seit zehn Jahren töteten Regierungstruppen und ihre NATO-Verbündeten unter Führung der USA mehr afghanische Zivilisten als die Taliban und der Islamische Staat (IS) zusammen. Die UN assistance mission in Afghanistan dokumentierte im ersten Halbjahr 2019 über 700 zivile Opfer durch Angriffe der US-Luftwaffe und afghanische Regierungssoldaten. Über 500 zivile Opfer töteten die Taliban, der IS und andere Milizen, wie u.a. der Guardian berichtet. Dieses niederschmetternde Ergebnis der über 17 lange Jahre US-geführten Intervention in Afghanistan spricht gegen eine Eskalation am Persischen Golf und Militäroperationen gegen die herrschenden autokratischen iranischen Mullahs in Teheran.

Offiziell beendeten die USA ihren Militäreinsatz in Afghanistan 2014. Operativ sind allerdings immer noch US-Spezialkommandos am Boden und die US-Air Force in Afghanistan im Einsatz, um afghanische Regierungstruppen zu unterstützen. Es ist der von den USA geführten Militär-Allianz und der US-freundlichen Regierung in Afghanistan nicht gelungen, eine stabile Demokratie aufzubauen: vor wenigen Wochen wurde ein Wahlkandidat für das Amt des afghanischen Vizepräsidenten in der Hauptstadt Kabul Ziel eines Selbstmord- und Terroranschlags. Zwanzig Menschen wurden dabei getötet und fünfzig verletzt, der Wahlkandidat überlebte. Es ist zu befürchten, dass eine Intervention im Iran eine ähnlich instabile politische Lage provoziert.

Die USA führen derzeit in Katar mit den Taliban Friedensverhandlungen – ohne Beteiligung der afghanischen Regierung in Kabul. Sie machen mit diesem Alleingang deutlich, wie gering sie eine unabhängige, zivile und demokratische Entwicklung schätzen. Der iranischen Bevölkerung könnte eine ähnliche Bevormundung und Geringschätzung drohen, wenn die US-Administration und andere Regierungen ihre Militäroperationen am Persischen Golf weiter verschärfen. Die Militärmaschinerie Washingtons ist für zwei gleichzeitige internationale Kriegseinsätze ausgelegt – und fährt derzeit vermutlich mit deutlich unter 50 Prozent ihrer Kapazität. Wahrscheinlich also warten schon einige ehrgeizige US-Generäle auf den nächsten Krieg – sei es gegen ein angebliches Atombombenprogramm, für den freien Welthandel, aus „humanitären“ Gründen oder anders schöngeredet.

Saudi-Arabiens Regierung muss mit dem jüngst vollzogenen Abzug der Verbündeten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vermutlich aufgeben, den Jemen-Krieg gegen die schiitischen Huthis zu gewinnen. Die Konfrontation der USA mit den schiitischen Mullahs im Iran könnte für die sunnitischen saudischen Herrscher die Gelegenheit sein, von der von Ihnen angerichteten Katastrophe im Jemen abzulenken und dazu Militäroperationen gegen die Golf-Nachbarn und Rivalen in Teheran zu befeuern.

In der Türkei, Griechenland und auch hier in der Bundesrepublik Deutschland würde bei militärischen Auseinandersetzungen im Iran vermutlich die Zahl geflüchteter Iranis steigen. Zu den Opfern eines neuen Golfkriegs dürfte auch die Umwelt zählen. Insbesondere könnte ein Krieg gegen die gut gerüstete Regionalmacht Iran Milliarden-Summen von Steuergeldern verbrennen, die dann für Investitionen gegen den Klimawandel fehlen. (jwi)

Marineeinsatz: Debatte

(15. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/477): Augengeradeaus berichtet, Kanzlerin Angela Merkel habe angegeben, die Frage eines europäischen Marineeinsatzes am Persischen Golf werde Ende des Monats debattiert. Wörtlich wird sie folgendermaßen zitiert: „Es wird, wenn ich das sagen darf, in Finnland ein informelles Treffen der Verteidigungsminister und dann der Außen- und Verteidigungsminister geben. Ich denke, dass dort die Frage der europäischen Mission noch einmal diskutiert wird, denn diese Diskussion hat noch gar nicht überall stattgefunden. Insofern glaube ich, dass die finnische Präsidentschaft diesbezüglich auch eine koordinierende Rolle haben wird. “ (jw)

Technologiekonflikt

(14. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/476): Infineon-Chef Reinhard Ploss vertritt im Handelsblatt die Auffassung, der gegenwäritge Streit zwischen den USA und China sei im Kern ein Technologiekonflikt: „Die USA haben seit Jahrzehnten eine technologische Führungsrolle, in die China sich entwickeln will. Die USA versuchen jetzt, China auf Abstand zu halten. Die Volksrepublik hat sich zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz (KI) beeindruckend entwickelt. Dass sich die USA um ihre Spitzenposition sorgen, ist nachvollziehbar. Damit ist der Handelskonflikt eigentlich ein Technologiekonflikt.“ (jw)

Verteidigungshaushalt: Billige Propaganda

(13. August 2019)


(IMI-Aktuell 2019/475): Es ist schon ein Armutszeugnis, wenn Karl-Heinz Kamp, der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, in der NZZ, in der Debatte um den deutschen Verteidigungshaushalt nassforsch beklagt, diese sei von „Mythen“ geprägt und dies u.a. damit begründet, es sei falsch, dass 2-Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu einem unverhältnismäßig hohen Militärhaushalt führen würden. Begründet wird dies u.a. mit dem – man muss es leider so deutlich sagen – hirnrissigen Argument: „Dieser Einwurf erstaunt, denn eigentlich bedeuten zwei Prozent lediglich zwei Cent von einem Euro. Es dürfte schwerfallen, den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die vom Parlament in gefährliche Einsätze geschickt werden, zu erklären, dass dasselbe Parlament nicht bereit ist, zwei Cent von einem Euro für ihren Schutz und ihre Ausrüstung auszugeben.“

Vielleicht würde es den aufgeregten BAKS-Chef ja beruhigen, wenn ihm jemand erklären würde, dass der deutsche Rüstungsetat bereits bei den aktuell etwa 1,3% des BIP mit 43,2 Mrd. Euro den zweitgrößten Posten im Bundeshaushalt 2019 darstellt. Er verschlingt rund 12 Prozent des Gesamthaushaltes – und das ist die Zahl, auf die es ankommt und nicht das Verhältnis zum BIP. Aber da diese Tatsachen Kamp durchaus bekannt sein dürften, sind seine Ausführungen NZZ-Ausführungen nichts anderes als billige Propaganda!

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