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IMI-Aktuell 2018/698

NDR zur Berateraffäre

(17. Dezember 2018)


Die aktuelle Ausgabe der NDR-Sendung „Streitkräfte und Strategien“ vom 15.12.2018 (hier das Manuskript) befasst sich u.a. mit der sog. Berateraffäre im Bundesverteidigungsministerium. Während in der Berichterstattung zu diesem Thema insgesamt auffällt, dass wenig Fakten auf den Tisch kommen, nennt der NDR einen Grund hierfür: „Die Summen, um die es dabei geht, sind beträchtlich. Die Rede ist von dreistelligen Millionenbeträgen. Wie viel genau – das kann das Ministerium nicht sagen. Weil offenbar Übersichten und Nachweise fehlen.“ Die Rede ist entsprechend viel von „Kontrollverlust“, und für Gewöhnlich ist die NDR-Sendung mit solchen Urteilen nicht vorschnell. Zitiert wird außerdem Verteidigungsministerin von der Leyen mit dem Eingeständnis: „Wir sind uns darüber klar – es hat Vergaberechtsverstöße gegeben. Das hätte
in diesen Teilprojekten nicht passieren dürfen. Das müssen wir abstellen. Gar
keine Frage. Das sehen wir auch ganz klar so.“ Rechtsverstöße – von Rücktrittsforderungen ist dennoch so gut wie nichts zu hören.

IMI-Aktuell 2018/697

Kongo: Die Geister…

(17. Dezember 2018)


Erst entsendete die EU in einem ihrer ersten militärischen Einsätze überhaupt im Jahr 2003 Soldaten in den Kongo, um einen Waffenstillstand zu überwachen und die Einsetzung von Joseph Kabila als Interimspräsident abzusichern. 2006 wurden dann 2000 Soldaten im Rahmen von EUFOR Congo in das Land geschickt, um Wahlen zu schützen, die von der größten zivilen Oppositionspartei UDPS boykottiert wurden, aber Kabilas Machtübernahme demokratische legitimieren sollten (siehe IMI-Standpunkt 2007/009). Ende Dezember 2016 endete die nach der Verfassung der Demokratischen Republik Kongo limitierte Amtszeit Kabilas, er weigerte sich jedoch abzutreten und ließ Proteste dagegen immer wieder gewaltsam niederschlagen. Ob dies der Grund dafür war, oder eher die Tatsache, dass Kabila zunehmend auch mit China im lukrativen Minensektor Geschäfte machte, sei dahingestellt, jedenfalls rückte auch die EU allmählich von ihrem früheren Verbündeten ab. Noch im Dezember sollen nun doch Wahlen durchgeführt werden, bei denen Kabil augenscheinlich den Stab an einen ihm genehmen Nachfolger übernehmen (und wohl später wieder übernehmen) will, berichtet der Deutschlandfunk: „Ende Dezember wird im Kongo ein neuer Präsident gewählt. Die Angst vor Gewalt ist groß. Viele Menschen sind mit der Regierung von Präsident Kabila unzufrieden, doch die Opposition ist schwach und gespalten. […] Jetzt räumt der 47-Jährige seinen Posten und hofft darauf, dass sein Wunschnachfolger gewinnt: Emmanuel Ramazani Shadary, der frühere Innenminister und Generalsekretär der Regierungspartei ‚Volkspartei für Wiederaufbau und Demokratie‘. Die Europäische Union hat Sanktionen gegen Shadary verhängt. Als früherer Innenminister soll er für die gewaltsame Niederschlagung von Protesten gegen Präsident Kabilas Verbleib im Amt verantwortlich sein. […] ‚Auch nach den Wahlen werden im Kongo die gleichen Machtstrukturen herrschen‘, sagt dagegen Gesine Ames [ Koordinatorin des Ökumenischen Netz Zentralafrika]. Kabila habe bereits signalisiert, dass er politisch aktiv bleiben werde. Das könnte sogar bedeuten, dass er 2023 wieder als Präsidentschaftskandidat antrete. ‚Es herrscht viel Angst vor Gewalt im Kongo‘, so Ames düsteres Fazit.“ (jw)

IMI-Aktuell 2018/696

Schattenarmee: Bundesanwaltschaft ermittelt

(14. Dezember 2018)


Gegen das rechte Netzwerk in der Bundeswehr, an dem neben (KSK-)Soldaten auch ein Polizist der Spezialeinheit SEK, ein Anwalt und Maximilian T., der wissenschaftliche Mitarbeiter des AfD-Abgeordneten Jan Nolte, beteiligt sein sollen, ermittelt jetzt der Generalbundesanwalt, so u.a. die Neue Züricher Zeitung. Die Schattenarmee hatte Waffenlager angelegt und sich auf einen „Tag X“ vorbereitet. „Tag X sei das Codewort für den befürchteten Zusammenbruch der staatlichen Ordnung – etwa wegen einer Terrorattacke oder eines Angriffs der russischen Armee. Für dieses Szenario habe das Netzwerk Listen mit Zielpersonen angelegt, die man exekutieren wolle. Getrieben seien die Mitglieder vom Hass auf Linke und Asylbewerber, weshalb auf den Todeslisten linke Politiker und Aktivisten stehen würden.“ Das Verteidigungsministerium leugnet die Problematik: „Derzeit haben wir keine Erkenntnisse über die Bildung oder die Existenz eines extremistischen Netzwerkes innerhalb der Bundeswehr.“ Dass jedoch auch die Bundesanwaltschaft ermittelt, widerlegt die Darstellung des Verteidigungsministeriums.

IMI-Aktuell 2018/695

Kosovo: Armeegesetze

(14. Dezember 2018)


Mehrere Medien berichten, dass das kosovarische Parlament heute (14.12.) Gesetze verabschieden möchte, welche die Umwandlung der Kosovo Security Force (KSF) in eine reguläre Armee vorsehen. „Ein richtiger Staat hat eine richtige Armee“, schreibt hierzu etwa die Basler Zeitung (online): „Die Gründung der kosova­rischen Armee ist ein symbolischer Akt. Die Umwandlung der leicht bewaffneten Sicherheitskräfte wird mehrere Jahre in ­Anspruch nehmen. Derzeit verfügen sie über einen einzigen ­Helikopterpiloten. Für die Sicherheit Kosovos bleibt weiterhin die Nato-Truppe KFOR zuständig. Diese Aufgabe wird das westliche Militärbündnis den lokalen Behörden vermutlich erst dann übergeben, wenn Pristina und Belgrad ihre Beziehungen normalisiert haben.“

Zu ergänzen wäre, dass die Grundlage des KFOR-Einsatzes nach wie vor die UN-Resolution 1244 ist, die sich in ihrer Präambel „zur Souveränität und territorialen Unversehrtheit der Bundesrepublik Jugoslawien“ bekannte, zu der der Kosovo vor der NATO-Militärintervention gehörte. N-tv.de ist insofern in seiner Berichterstattung präziser: „Infolge eines langen Konflikts, in den 1999 die Nato eingriff, spaltete es sich von Serbien ab. 2008 erklärte sich das Kosovo zum unabhängigen Staat. Mehr als 100 Länder, darunter Deutschland, haben ihn anerkannt, nicht aber fünf EU-Mitgliedsländer, Russland, China sowie Serbien.“

N-tv.de berichtet außerdem über Konflikte innerhalb der NATO über den kosovarischen Schritt zum Ausbau der KSF: „Auch einige Nato-Partner hegen Zweifel an den militärischen Ambitionen des Kosovos. ‚Dieser Schritt kommt zur Unzeit‘, kommentierte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vergangene Woche nach einem Außenministertreffen des nordatlantischen Bündnisses. Die USA unterstützen Pristina hingegen in der Armee-Frage. ‚Das morgige Votum über die Umwandlung der KSF ist ein historisches für Kosovo‘, twitterte der US-Botschafter in Pristina, Philip Kosnett. ‚Die USA werden die professionelle Entwicklung und Evolution der KSF unterstützen, die eine positive Rolle für das Kosovo und die Region spielen muss‘.“

IMI-Aktuell 2018/694

Tiger-Absturz: Bericht

(13. Dezember 2018)


Anderthalb Jahre nach dem Absturz eines Kampfhubschraubers vom Typ Tiger hat das BMVg den Abschlussbericht zur „Unfallursache“ an die Obleute des Verteidigungsausschuss vorgelegt. Der Bericht selbst ist akls Verschlusssache klassifiziert, die Medien berichten jedoch ausführlich. Demnach gehe der Tod der beiden Piloten letztlich auf einen Fehler der „betreuenden Industrie“, also drei Mechaniker von Airbus zurück, gegen die die Staatsanwaltschaft Kempten nun wohl ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen hat.

IMI-Aktuell 2018/693

Russlands Nukleardoktrin

(13. Dezember 2018)


Die geplante „Modernisierung“ (sprich: Aufrüstung) des US-Atomwaffenarsenals wird damit begründet, Russland habe sein atomare Einsatzschwelle herabgesenkt. Tatsächlich ist es eher das Gegenteil der Fall, worauf u.a. Kristin Ven Bruusgaard vom Center for International Security and Cooperation (CISAC) im National Interest hinweist (via Bpb-Newsletter): „Russian declaratory strategy is not one of ‚escalate to de-escalate‘ or nuclear preemption. Official communications, including the last three iterations of Russian military doctrine and several statements made by President Putin, Defense Minister Shoigu and General Staff Chief Gerasimov, point to Russian attempts to reduce their reliance on nuclear weapons. In October, Putin explicitly sought to clarify Russian nuclear doctrine to a Western audience: ‚Nuclear preemption is not in our doctrine.‘ Still, U.S. policymakers continue to assert that Russian doctrine is one of preemption. […] New American low-yield nuclear warheads is a strategic response based on not the most likely, but the most dangerous possible interpretation of Russian strategy, one directly at odds with Russian declaratory nuclear strategy.“ (jw)

IMI-Aktuell 2018/692

Haiterbach: Kein Verkauf

(12. Dezember 2018)


Im baden-württembergischen Haiterbach soll ein neues Übungsgelände für das Kommando Spezialkräfte und US-amerikanische Spezialkräfte entstehen. Die Anwohner*innen wehren sich bereits seit fast zwei Jahren gegen das Projekt. Unter anderem erreichten sie einen Bürgerentscheid, der die Stadt Haiterbach für drei Jahre verpflichtet, alles rechtlich mögliche gegen das Militärgelände zu unternehmen (vgl. IMI-Analyse 2017/38b).
Nun erklärten 30 der 33 Grundstückseigentümer*innen, auf deren Flächen das Militärgelände entstehen soll, gegenüber der Presse und den zuständigen staatlichen Stellen, „dass sie auf ihre Flächen angewiesen sind und deshalb nicht verkaufen werden.“ Während das Staatsministerium in Baden-Württemberg mehrfach erklärt hatte, es werde keine Enteignungen geben, drohte das Verteidigungsministerium mit Enteignungen. Die Grundstückseigentümer*innen erklärten, in diesem Fall gerichtlich dagegen vorgehen zu wollen. Außerdem erklärten sie, sie seien zuversichtlich, „falls sich etwa Lage und Größe des geplanten Militärgeländes noch verändern sollten, dass dann auch die neu betroffenen Eigentümer mit unterschreiben werden.“ (ak)

IMI-Aktuell 2018/691

Syrien: US-Beobachtungsposten

(12. Dezember 2018)


Al-Monitor berichtet (online) über den Aufbau von drei Beobachtungsposten der US-Armee an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien, die offenbar einen türkischen Übergriff auf die Gebiete der kurdisch dominierten SDF verhindern sollen, zugleich aber auch als Vorboten einer Dauerhaften US-Präsenz auf syrischem Territorium gesehen werden können. Die Türkei jedenfalls scheint wenig amüsiert und spreche von „Spionage-Türmen“ zum Schutz von „Terroristen“: „The move highlights the complexities bedeviling the United States’ efforts to maintain a military presence in Syria with the help of the Syrian Kurdish People’s Protection Units (YPG), who are the core component of the SDF, while scrambling to appease fellow NATO ally Turkey“.

IMI-Aktuell 2018/690

EVF-Gutachten: Illegal! (II)

(12. Dezember 2018)


Bereits Anfang der Woche berichtete Spiegel Online über ein Rechtsgutachten von Andreas Fischer-Lescano, demzufolge der geplante „Europäische Verteidigungsfonds“ gegen EU-Recht verstoße (siehe IMI-Aktuell 2018/686). Nun findet sich das Gutachten auch online, spannend darin ist auch, dass die verschiedenen Klageoptionen erörtert werden. (jw)

IMI-Aktuell 2018/689

PESCO: Details

(12. Dezember 2018)


Anlässlich des einjährigen Geburtstages der „Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit“, engl. Abgekürzt PESCO, die am 11. Dezember 2017 aktiviert wurde, hat das Verteidigungsministerium eine Seite mit einigen Details der von Deutschland angeführten Projekte online gestellt. Im Novmber kamen zwei weitere hinzu, zur Eurodrohne heißt es : „Bei diesem Projekt steht das zukünftige europäische, ferngesteuerte Flugsystem für mittlere Flughöhen und lange Flugdauer im Mittelpunkt. Schwerpunkt liegt in den Bereichen Betrieb und Nutzung, um Effizienzgewinne bei Kosten und Personal und langfristig damit eine verbesserte Interoperabilität zu erreichen.“ Beim zweiten Projekt geht es um die Unterstützung mit Wetterdaten (GeoMETOC Support Coordination Element), über die das BMVg schreibt: „Durch eine Verbesserung der Geoinformationsunterstützung sowie der meteorologischen und ozeanographischen Beratung (= GeoMETOC) sollen Soldatinnen und Soldaten in EUEuropäische Union Operationen und Missionen, aber auch übergreifend bei NATONorth Atlantic Treaty Organization und den Vereinten Nationen, besser unterstützt werden.“ (jw)

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