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IMI-Aktuell 2017/499

Schulz: „Sparschwein“?

(18. August 2017)


Die wahlkampfbedingte Debatte um die künftigen deutschen Rüstungsausgaben nimmt wirklich bizarre Züge an. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wirft der CDU nun allen Ernstes vor, die Bundeswehr als „Sparschwein“ benutzt zu haben, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Daran ist natürlich so überhaupt nichts wahr, tatsächlich stieg der Militärhaushalt zwischen 2014 und 2017 um 12 Prozent, wie die CDU unlängst erbost in einem „Faktencheck“ entgegensetzte (siehe IMI-Aktuell 2017/480). Und obwohl der Haushalt auch schon vor 2014 rasant angestiegen war (für Details zur Entwicklung siehe IMI-Analyse 2017/11), plädiert der SPD-Mann für weitere Erhöhungen – zwar nicht in dem von den USA gewünschten Umfang, den dürfte aber selbst in der CDU niemand ernsthaft anstreben. Den diesbezügliche Korridor gibt die Süddeutsche wieder: „Die Bundeswehr sei unter Verteidigungsministern der Union zum ‚Sparschwein‘ geworden. Deshalb halte er drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr mehr für den Verteidigungsetat für erforderlich.“ Da stellt sich doch die Frage 3 bis 5 Mrd. mehr von was bzw. ausgehend von welcher Grundlage? Ausgehend vom aktuellen Haushalt 2017 (37 Mrd.) oder auf Basis der ohnehin schon ausgegebenen Eckwerten des Finanzministeriums, die bereits jetzt eine Erhöhung auf 42,3 Mrd. Euro bis zum Jahr 2021 vorsehen. Doch solche „Details“ interessieren im Wahkampfgetöse augenscheinlich niemanden – weder Schulz noch die ihn interviewenden Journalisten. (jw)

IMI-Aktuell 2017/498

Bayern: Rüstungsexporte

(18. August 2017)


„Mehr als die Hälfte der im Jahr 2015 genehmigten deutschen Rüstungsexporte, rund 59 Prozent, kamen aus Bayern“, so eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die sich auch für das Jahr 2016 nach den Anteilen des Bundeslandes an den Exporten erkundigt. Nach Antwort der Bundesregierung ging dieser bei den Einzelgenehmigungen von 55,1 auf 32,8 und bei den Sammelgenehmigungen von 65,5 auf 54 Prozent zurück. Im Jahr 2015 wurden 55,9 und 2016 39% der Rüstungsgüter aus Bayern in Länder exortiert, die weder zur EU noch zur NATO gehören oder hinsichtlich der Exportbedingungen der NATO gleichgestellt sind.

IMI-Aktuell 2017/497

Militär an der deutsch-dänischen Grenze

(17. August 2017)


Wie die Kieler Nachrichten berichteten, hat der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen auf dem Parteitreffen der liberalen Partei Venstre am 11.08 vorgeschlagen, das dänische Militär ab September bei „Grenzkontrollen und Bewachungsaufgaben“ an der deutsch-dänischen Grenze einzusetzen. Durch die Maßnahme sollen zusätzliche Kapazitäten bei der Polizei freigesetzt werden, vor allem für die Bekämpfung der Bandenkriminalität im Land.

Bereits im Juni 2016 waren über 200 Freiwillige der sog. Heimwehr (Hjemmeværnet), einer Teilstreitkraft aus Reservisten, zur Unterstützung der Polizei bei stichprobenartigen Passkontrollen an die deutsch-dänischen Grenzübergänge abgestellt worden. Dass die Regierung nun mit dem Einsatz der Armee noch einen Schritt weitergehen will, stößt auch in Dänemark auf einige Kritik. Das Nachrichtenportal SHZ etwa berichtet: „So meint unter anderem der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Claus Oxfeldt, dass das Militär für solche Aufgaben nicht ausgebildet sei. Auch die Gewerkschaft der Soldaten steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber“ (SW)

IMI-Aktuell 2017/496

KSK: Hitlergrüße?

(17. August 2017)


Die ARD-Sendung Panorama berichtet vorab über ihren heutigen (17.8.2017) Beitrag zu einer Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des Kommandos Spezialkräfte am 27. April diesen Jahres. Demnach habe der verabschiedete Soldat auf der Feier auf einem Schießstand nahe Stuttgart einen Parcours – u.a. mit Bogenschießen und Schweinskopfwerfen – absolvieren müssen und sollte anschließend „als Preis“ Sex mit einer Frau haben, die extra zu diesem Zweck eingeladen worden war. Soweit bestätige die Bundeswehr den Vorfall, so Panorama. Zum Sex sei es jedoch nicht gekommen, weil der Betreffende zu betrunken gewesen sei. Darüber hinaus berichtet die Frau jedoch, dass auf der Feier auch rechtsradikale Musik gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sei. Dies wollte die Bundeswehr nicht bestätigen, leitete jedoch entsprechende interne Ermittlungen ein. Ob auch eine zivile Staatsanwaltschaft ermittelt, bleibt dabei unklar.

Sollten sich diese Vorwürfe auch nur ansatzweise bestätigen, brächte das die Bundeswehr in arge Bedrängnis. Dass ausgerechnet in einer Eliteeinheit, die weitgehend im Verborgenen und häufig zivil getarnt agiert, rechtsradikales Gedankengut offen gepflegt und von etwa 60 Soldaten – so viele sollen ungefähr anwesend gewesen sein – toleriert wird, wäre eigentlich nicht hinnehmbar. Andererseits handelt es sich um eine zentrale Einheit für Auslandseinsätze, die aufgrund ihrer hohen Leistungsanforderungen systematische Nachwuchsprobleme hat. Dass eine ganze Kompanie aufgelöst wird, ist insofern kaum vorstellbar, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das KSK aktuell und in jüngster Vergangenheit sogar ausgebaut wird. So wurde vor kurzem bekannt, dass das KSK neben ihrem Standort in Calw nun auch noch ein neues Übungsgelände in Nagold/Haiterbach erhalten und den bereits von der Bundeswehr aufgegebenen Standort Hartheim wiederbeleben soll.

IMI-Aktuell 2017/495

Korea: Informationskriegsvisionen

(17. August 2017)


Ein Kolumnist des Boston Globe träumt davon, einen Krieg gegen Nordkorea abwenden zu können, indem dort per Informationskrieg ein Regimewechsel durchgeführt werden sollte: „That does not mean going to war. It does mean working to induce North Korea’s military and political elites to depose the dictator. It means circumventing the information blackout Pyongyang imposes within its borders, and flooding North Koreans with accurate information about the crimes of their rulers — and encouraging them to rise up in their own liberation.“

Außerdem sollte – offenbar nach dem Vorbild Libyens und Syriens – eine Exilregierung aufgebaut und von der USA anerkannt werden. Wenn alles nur so einfach und harmlos wäre, wie in den Köpfen von Kolumnisten…

IMI-Aktuell 2017/494

Korea: Dt. Marschflugkörper

(17. August 2017)


Angesichts der Kriegsgefahr um die koreanische Halbinsel berichtet die Deutsche Welle über Waffenexporte deutscher Hersteller nach Südkorea. Besonders nachgefragt seien Marschflugkörper des Typs „Taurus“, der von einer Tochtergesellschaft der MBDA hergestellt wird, einer der wichtigsten deutschen Firmen für Explosivwaffen mit Sitz in Schrobenhausen nahe Ingolstadt. Die Taurus-Raketen seien darauf spezialisiert, im Tiefflug auch hochentwickelte Luftabwehsysteme zu durchdringen. 177 Stück seien schon geliefert und weitere 90 Exemplare zugesagt, so die deutsche Welle.

Doch auch ansonsten habe sich Südkorea im ersten Halbjahr 2016 zum viertgrößten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie (im Ausland) aufgeschwungen: „The sales encompass a broad spectrum of weapons systems, including, but not limited to, submarine parts, combat ships, missiles, missile defense systems, rocket parts, components for combat tanks and armored howitzers.“

IMI-Aktuell 2017/493

Jemen: Widersprüchlich

(17. August 2017)


Erst vor wenigen Tagen berichteten Medien wie der Independent, aus geleaketen Mails gehe hervor, der saudische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman wolle schnellstmöglich „raus“ aus dem Krieg seines Landes im Jemen. Auf der anderen Seite berichtet Antiwar heute, die Angriffe seien im ersten Halbjahr 2017 noch einmal massiv intensiviert worden: „Throughout 2016, the UN High Commission for Refugees counted 3,936 airstrikes in Yemen. The newly released figures for the first half of 2017 show that previous figure, which covered an entire year, is already far surpassed, with 5,676 airstrikes launched by the end of June.“ (jw)

IMI-Aktuell 2017/492

Angriffe auf MINUSMA

(16. August 2017)


Obwohl knapp 1.000 Soldat*innen der Bundeswehr an der MINUSMA-Mission in Mali beteiligt sind und erst Ende Juli zwei davon bei einem Hubschrauberabsturz getötet wurden, erwähnen nur wenige deutsche Medien die Angriffe auf zwei Stützpunte der MINUSMA am vergangenen Montag (14.8.2017). Spiegel Online berichtet, am „frühen Montagmorgen“ seien „vier Menschen bei einem Überfall auf einen Uno-Stützpunkt in Douentza ums Leben gekommen“. Beim etwas späteren „Angriff“ auf ein Feldlager in Timbuktu „und der anschließenden Verfolgung der Angreifer starben insgesamt 15 Menschen, unter ihnen fünf malische Wachtposten, ein Polizist und ein Zivilist“. Bei der Verfolgung seien auch Hubschrauber zum Einsatz gekommen, wobei nicht genannt wird, welche beteiligte Nation den Hubschraubereinsatz flog. Weiter heißt es, „[s]ieben Personen seien verletzt worden, unter ihnen auch mehrere Uno-Soldaten“. Bemerkenswert ist, dass bei Spiegel Online nicht von getöteten Soldaten die Rede ist.
Bei der jungen Welt heißt es hingegen: „Bei Angriffen mutmaßlicher Dschihadisten auf UN-Stützpunkte in Mali sind mindestens 17 Menschen getötet worden, darunter ein malischer und ein ausländischer Blauhelm-Soldat, ein Polizist und fünf Wachleute.“ Das bestätigt die Stellungnahme des Sprechers des UN-Generalsekretärs. Darin heißt es: A UN peacekeeper, a Malian soldier and a member of the Malian gendarmerie were killed as were six Malian contractors.

IMI-Aktuell 2017/491

Rüstungskooperation: Kostensparend?

(16. August 2017)


Auch wenn es derzeit überall behauptet wird: Es ist keineswegs ein Selbstläufer, dass eine verstärkte europäische Rüstungszusammenarbeit automatisch auch Kosten einspart (siehe IMI-Studie 2015/7). Im Zuge der jüngsten deutsch-französischen Ankündigung am 13. Juli 2017, gemeinsamen ein neues Kampfflugzeug bauen zu wollen (siehe IMI-Aktuell 2017/419), meldet nun auch Spiegel Online – wenn auch vorsichtig – Bedenken an: „Rüstungsprojekte der Europäer – etwa für den Transporter A400 M – zeigen, dass die Kosten oftmals höher sind als ursprünglich geplant und technische Fehler auftauchen können. Zudem besteht wie bei nationalen Projekten die Gefahr, dass mehr Geld für europäische Rüstungsvorhaben von der Industrie auch schamlos ausgenutzt werden kann – für immer neue, kostenintensive Nachforderungen.“ Auch Strategic Forecast sieht in solchen Kooperationsprojekten keineswegs einen Selbstläufer: „As highlighted by France’s departure from the Eurofighter project, disputes over work share and design authority have long plagued joint EU defense projects. Poland recently argued that Western European powers need to look upon it and other Eastern European states as equal industrial participants and not as client states if joint procurement is to be a success. As the dispute between France and Italy over the sale of the bankrupt STX shipyard shows, economic considerations over jobs and proprietary technologies can also pose considerable hurdles to greater collaboration, even when such collaboration is driven by greater strategic considerations — in this case France and Italy’s desire to set up a naval equivalent of the Airbus aeronautics company.” (jw)

IMI-Aktuell 2017/490

Abgerüstet?

(16. August 2017)


Der Focus zitiert im Zuge der Debatte um die deutschen Rüstungsausgaben den „Experten“ Albert A. Stahel, der allen Ernstes behaupten kann, die Bundeswehr sei „abgerüstet“ worden, ohne dass dies von dem Nachrichtenportal wenigstens für die Höhe des Haushalts korrigiert werden würde: „Die Bundeswehr hat bis 2016 abgerüstet. Angesichts der militärischen Lage in Europa und der sicherheitspolitischen Sprunghaftigkeit von Trump ist eine Trendumkehr angesagt.“ (jw)

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