IMI-Studie 2017/11b

Die Schlacht um Mossul

Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention

von: Joachim Guilliard | Veröffentlicht am: 9. August 2017

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Die Schlacht um Mossul
Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention

von Joachim Guilliard

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Das lange dominierende Thema in Bezug auf den Irak war die seit dem 17. Oktober 2016 stattfindende „Schlacht um Mossul“ – und das völlig zu Recht. Allerdings weniger, weil hier, wie es oft heißt, eine Entscheidungsschlacht gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ geschlagen wird, sondern weil sich im Kampf um die zweitgrößte Stadt Iraks zentrale Probleme und Konflikte des geschundenen Landes wie in einem Brennglas bündeln.

Dazu zählen:

  • die Konflikte zwischen dem von schiitisch-islamistischen Kräften dominierten Regime und diversen Bevölkerungsgruppen, insbesondere den Sunniten;
  • das brutale Wirken schiitischer Milizen, die, vom Iran ausgerüstet und angeleitet, mittlerweile einen sehr starken Machtfaktor darstellen;
  • das Streben der Kurdenparteien, zusätzliche Gebiete unter Kontrolle zu bringen;
  • die militärische Intervention der USA und anderer NATO-Staaten, insbesondere auch der Türkei;
  • und natürlich die Präsenz und das Wirken der Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ (IS), des „IS“, oder arabisch despektierlich „Daesch“.

 

Viele der gravierendsten Probleme, unter denen die Iraker leiden, sind noch Folgen der von den USA angeführten Invasion von 2003 und der darauffolgenden Besatzung. Der Krieg ging aufgrund des von den Eroberern eingeführten politischen Systems, das mehr einer Strategie des Teile und Herrsche als einer von Ausgleich und Stabilisierung folgte, und der dadurch geschaffenen oder angeheizten innerirakischen Konflikte auch nach dem Abzug der regulären US-Truppen Ende 2010 nie völlig zu Ende. Diverse Kräfte ‒ einheimische wie ausländische ‒ versuchten die Offensiven gegen den Daesch zu nutzen, um die Karten neu zu mischen. Die Präsenz der dschihadistischen Miliz, die zur Inkarnation des Bösen schlechthin avanciert ist, diente dabei der bequemen Rechtfertigung aller Aktivitäten zur Umsetzung der jeweiligen Ziele. Die Konflikte im Land werden so weiter verschärft. Wenn die grundlegenden Probleme nicht endlich gelöst werden, wird vielleicht der Daesch zurückgeschlagen, der Krieg jedoch weitergehen. Indem die deutsche Regierung zu allem Überfluss auch noch die Gelegenheit nutzt, sich durch eine direkte militärische Beteiligung am Krieg im Irak an eine größere militärische Weltmachtrolle heranzupirschen, macht sie sich mitverantwortlich an den dramatischen Zuständen im Land.

Inhaltsverzeichnis

1 Sturm auf Mossul – 2
1.1 Eroberung durch den Daesch – 2
1.2 Duldung durch Sunniten – 3
1.3 Gräuel schiitischer Milizen – 4
1.4 Vertreibungen im Zuge kurdischer Expansion – 5
1.5 Türkische Intervention – 6
1.6 Offensive trotz absehbarer humanitärer Folgen – 6
1.7 Befreiung durch Zerstörung – 6
1.8 Das Schlimmste zum Schluss – 7
1.9 „Wespennester mit Knüppeln“ – 8

2 Jenseits der Front ‒ ein Land sechs Jahre nach der Besatzung – 8
2.1 „Humanitäre Krise bleibt eine der größten und brisantesten der Welt“ – 8
2.2 Gescheiterte Reformansätze – 9
2.3 Protestbewegungen – 10

3 Konfliktverschärfende Intervention der US-geführten Allianz – 11
3.1 Westliche Interessen – 11
3.2 Auswege aus dem Desaster – 12
3.3 Deutschlands „Verantwortung“ – 13

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