IMI-Aktuell 2014/560

Monitor: Pazifismusplädoyer

von: 24. Oktober 2014

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Gestern setzte sich gestern ein hervorragender Monitor-Beitrag mit den immer lautstarkeren Forderung auseinander, angesichts des Vorrückens des „Islamischen Staates“ auch die letzten „pazifistischen Vorbehalte“ in Deutschland endgültig in die Tonne zu treten (siehe auch IMI-Standpunkt 2014/060). Doch Argumente der Friedensbewegung gegen ein militärisches Eingreifen seien durchaus schlüssig und würden auch von Regionalexperten geteilt, so der Bericht. Zitiert wird dabei u.a. High Pope von der „International Crisis Group“: „Nur weil wir sehen können, was in Kobane passiert, heißt dies nicht, dass man dort eher intervenieren können als in irgendeiner anderen Phase des syrischen Bürgerkrieges. […] In Syrien findet nicht ein Krieg statt, sondern eine ganze Reihe von Kriegen. Die Vorstellung, dass der Westen nun noch einen Krieg anfängt, eine Flugverbotszone oder Pufferzone errichtet, zusammen mit der Türkei im Nordirak einmarschiert, das würde nur noch einen weiteren Krieg zu den Kriegen hinzufügen, die sowieso schon außer Kontrolle sind. […] Wir brauchen einen Friedensplan. Die Regionalmächte müssen da eingebunden werden, Russland und Amerika müssen an einem Strang ziehen und hier kann Deutschland eine Vermittlerrolle spielen, darauf sollte Deutschland sich konzentrieren.“

Ganz ähnlich kommt auch der Nahostexperte Michael Lüders in dem Bericht zu Wort: „Wenn man nicht die Frage nach den Ursachen stellt, sondern immer wieder aktionistisch versucht, Probleme, die einen langen Vorlauf haben, jetzt gleich und sofort zu lösen und dann nach Möglichkeit auch vornehmlich mit militärischen Mitteln, dann kann man eigentlich nur scheitern. […] Man muss nüchtern sagen, dass es nicht eine einzige militärische Intervention in der jüngeren Vergangenheit in der arabischen Welt gegeben hat, die erfolgreich gewesen wäre. Jede einzelne dieser Interventionen ist gescheitert, hat nicht zu einer Klärung der Verhältnisse beigetragen, sondern zu mehr Chaos, zu mehr Anarchie. […] Eine militärische Intervention in Sachen Islamischer Staat würde keine Probleme lösen, sondern nur neue Probleme schaffen, im Ende dann noch komplizierter wären als die, die wir jetzt schon haben. Wen will man denn militärisch bewaffnen gegen den Islamischen Staat, solange keine Bodentruppen entsendet werden sollen. Würde man Bodentruppen entsenden, was sollen die denn leisten, ganze Städte besetzen? Es würde Widerstand auslösen, es wäre sozusagen eine Endlosspirale in Richtung Abgrund.“ Vom Monitor-Redaktion selbst kommt dann als Schlusssatz und Fazit des Beitrags: „Wer den IS-Terror besiegen will, braucht mehr Pazifismus in der Politik, nicht weniger.“ (jw)

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