Das Massaker in Afghanistan

Der Film von Jamie Doran wurde am 18.12.2002 in der ARD ausgestrahlt

von: Jamie Doran / NDR / Eric Fiedler / Dokumentation | Veröffentlicht am: 17. Dezember 2002

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Das Erste online – Das Massaker in Afghanistan
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Ein Film von Jamie Doran

Unter dem Oberkommando der Amerikaner verschwanden im November 2001 in der Nähe der afghanischen Stadt Masar-iScharif 3.000 von insgesamt 8.000 gefangenen Taliban. Die entwaffneten Gotteskrieger sollten von der Festung Kalai Dschangi in das Gefängnis der Stadt Scheberghan überführt werden, doch viele kamen niemals dort an.

Jamie Doran hat Beweise dafür zusammengetragen, dass diese Männer ermordet wurden. Ihre Leichen – so zeigt er in seinem Dokumentarfilm – liegen in einem Massengrab in der afghanischen Wüste bei Dasht Leili.

Die Dreharbeiten wurden behindert

Bei den Dreharbeiten wurde Doran sowohl von dem örtlichen Warlord General Dostum als auch von der amerikanischen Armee massiv behindert. Doch trotz der extremen Schwierigkeiten gelang es ihm, Zeugen zu finden, deren Aussagen den Weg der 3.000 Taliban in den Tod nachzeichnen.

Todesfalle Container

Demnach wurden die Gefangenen zu Hunderten bei 40 Grad Hitze in Containern zusammengepresst – Todesfallen ohne Luftlöcher. Ein von Doran befragter afghanischer Soldat sagt aus, dass er den Befehl erhielt, wahllos in die verschlossenen Container zu schießen – angeblich um Luftlöcher zu schaffen, tatsächlich jedoch wurden bei dieser Aktion wahrscheinlich hunderte hilflose Männer getötet.

Der anschließende stundenlange Transport durch die glühende Hitze forderte weitere zahlreiche Opfer. Ein Augenzeuge, der bei der Öffnung der Container in Shebergan anwesend war, berichtet vor Dorans Kamera, dass sich in den Todesfallen ineinander verschlungene, blutüberströmte Leichen türmten.

Das Massengrab in der Wüste

Was dann – laut den im Film präsentierten Augenzeugen – unter tätiger Mithilfe von US-Soldaten geschah, wird folgendermaßen beschrieben: Die toten Taliban wurden gemeinsam mit noch lebenden, ohnmächtigen oder schwerverwundeten Gefangenen auf Lastwagen verladen und in die Wüste von Dasht Leili transportiert. Dies geschah unter Aufsicht amerikanischer Soldaten. Dort wurde ein Massengrab ausgehoben, an dessen Rand diejenigen, die noch lebten erschossen wurden. Anschließend mussten alle Toten verscharrt werden. Auch bei den Erschießungen in der Wüste sollen – so sagen die Zeugen in Dorans Film – amerikanische Soldaten anwesend gewesen sein.

Augenzeugen bezahlen mit dem Leben

Dorans Recherchen haben Staub aufgewirbelt – in Afghanistan und im Pentagon, wo Doran auf eine Mauer des Schweigens stieß. Vor einigen Wochen hat die UN nun aufgrund von Dorans Recherchen eine Untersuchung der Ereignisse angeordnet. Alle von Doran befragten Zeugen haben sich bereit erklärt, vor einem Ausschuss der UN auszusagen. Allerdings gibt es ein Problem: Die Sicherheit der Augenzeugen kann nicht gewährleistet werden. In den Wochen nach den Dreharbeiten wurden bereits zwei der Männer ermordet.

Redaktion: Eric Friedler

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IMI-Beirat Daniel Weitbrecht hatte im übrigen am 22.11.2001 auf das mögliche Massaker aufmerksam gemacht…

IMI: Plan zur Verhinderung eines Massakers in Kunduz: zivile UN-FriedensbeobachterInnen von Daniel Weitbrecht (IMI)
Tübingen, den 22.11.2001 5:20
http://www.imi-online.de/2001.php3?id=223

Weitere Informationen zum gleichen Sachverhalt auf der IMI-Homepage:

Dokumente eines Kriegsverbrechens
IM NORDEN AFGHANISTANS WURDEN HUNDERTE VON KRIEGSGEFANGENEN GETÖTET
in : Le Monde diplomatique 13.09.2002
http://www.imi-online.de/2002.php3?id=281
13.9.2002, JAMIE DORAN

„Der Todeskonvoi von Afganistan“
in: Newsweek 26.8.2002, Übersetzung Dagmar Hoffmann (Friedensgruppe Heidenheim)
http://www.imi-online.de/2002.php3?id=293
2.12.2002, Dokumentation / Babak Dehghanpisheh, John Barry and Roy Gutman / Newsweek / Übersetzung Dagmar Hoffmann

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