Die in NATO und Bundeswehr recht frisch eingeführte neue Militärdoktrin der Multi Domain Operations ist explizit dafür gedacht, die in den 1990er und 200er von Russland (Kaliningrad) und China (Südchinesisches Meer) aufgebauten Sperrriegel (Anti-Acess/Asrea Denial, A2/AD) zur Verhinderung einer westlichen Lufthoheit zu durchbrechen. Natürlich versichert die NATO, dies ausschließlich für den Fall eines russischen Angriffs tun können zu wollen. In Russland gibt man sich wiederum sicher, die NATO habe feste Absichten, seinen wohl wichtigsten strategischen Vorposten, Kaliningrad, militärisch einzunehmen.
Dies bildete den brisanten Hintergrund einer kürzlichen Machtdemonstration der NATO, bei der u.a. 50 Flugzeuge Mitte August nahe Kaliningrad zusammengezogen wurden. Ausgehend davon beschreibt der Stern nun unter der Überschrift „Sollte es zum offenen Krieg kommen, dann hier: in Kaliningrad“ die gefährliche Konstellation. Zu dem NATO-Truppenaufmarsch vor wenigen Wochen wird darin u.a. Christian Mölling vom Thinktank European Policy Centre zitiert: „Das war kein Manöver, sondern eine Operation“, so Mölling. „Man ist hier mit einem kompletten Besteck angerückt und hat gesagt: Das würden wir auf den Tisch legen, wenn wir am Anfang einer Operation gegen Russland stehen würden.“
Schon unmittelbar nach der Machtdemonstration ließ der omnipräsente Dampfplauderer Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München in der Welt vom Stapel, man könne „nur hoffen, dass Russland die Botschaft verstanden hat.“ Die Fähigkeit für Angriffsoperationen „verbessere“ die Abschreckung eines russischen Angriffs, so das NATO-Mantra. Schon voriges Jahr prahlte US-General Chris Donahue, die NATO sei in der Lage, Kaliningrad in kürzester Zeit einzunehmen. Wie genau dann Russland in der Lage sein soll, „erfolgreich“ NATO-Territorium anzugreifen, bleibt dabei das Geheimnis derjenigen, die genau dies behaupten. (jw)
