Arno Gottschalk vom Erhard-Eppler-Kreis beschäftigt sich kritisch mit der am 13. Juli 2026 per gemeinsamer Erklärung ins Leben gerufenen Integrated Anti-Ballistic Missile Coalition auseinander. Dabei hätten sich zehn Staaten (Deutschland Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden und die Ukraine) zusammengetan, um eine gemeinsame europäische Raketenabwehr aufzubauen. Zur Entwicklung hätten sich Airbus Defence and Space, MBDA Deutschland, Safran, Thales und Destinus für eine Absichtserklärung zur Gründung des Industriekonsortiums Bliksem EXO zusammengetan.
Frühere Raketenabwehrvorhaben einschließlich der European Sky Shield Initiative (ESSI) wären wenig mehr als „Einkaufsgemeinschaften“ gewesen. Nicht so aber im jüngsten Fall: „Die neue Koalition geht einen qualitativen Schritt weiter. Europa will jetzt eine eigene technologische und industrielle Basis für die Raketenabwehr aufbauen, mit gemeinsamer Forschung, gemeinsamen Anforderungen und einer eigenständigen Entwicklungslinie. […] Das Vorhaben entsteht neben der NATO, neben der EU und neben der ESSI als weitere Struktur in einer ohnehin fragmentierten Landschaft. Zugleich wird es in Paris unverhohlen als europäische Alternative zur Abhängigkeit von amerikanischen Systemen verstanden.“
Das Problem des Systems ergebe sich aus der Kombination mit Offensivwaffen: „Militärplaner legen ihren Kalkülen grundsätzlich den für sie ungünstigsten Zustand gegnerischer Systeme zugrunde. Ein europäischer Schirm, der zusammen mit Tomahawks, neuen Langstreckenwaffen und weltraumgestützter Zielaufklärung entsteht, liest sich aus dieser Perspektive als Architektur, die einen Angriff führbar machen und den Gegenschlag abfangen soll. Ob irgendjemand in Europa das beabsichtigt, spielt für diese Lesart keine Rolle.“ (jw)
