IMI-Standpunkt 2026/035 - in: AUSDRUCK (Juni 2026)
Rheinmetall organisiert den Aufmarsch nach Osten
Convoy Support Center (CSC) und der Operationsplan Deutschland
von: Jonathan Jokisch | Veröffentlicht am: 10. Juni 2026
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Ein zentraler Aspekt der gegenwärtigen Kriegsvorbereitungen besteht in der schnellen Verlegung von Truppen an die Grenze zu Russland. In diesem Zusammenhang ist die zentrale Lage Deutschlands in Europa, zwischen Alpen und Ostsee und als einzige Landverbindung nach Skandinavien, von entscheidender Bedeutung für die NATO.
Für eine möglichst reibungslose Verlegung Richtung Osten ist der „Operationsplan Deutschland“ zuständig[1] – um welche Dimensionen es dabei geht, lässt sich bei der Bundeswehr nachlesen: „Entsprechend der Planungen der NATO müssen hierbei Hunderttausende Soldatinnen und Soldaten mit unterschiedlichen Bereitschaftsgraden durchgängig logistisch und medizinisch versorgt sowie geschützt werden. […] Dies umfasst Unterstützungsleistungen bei Schutz und Sicherung, Verkehrsleitung, Transport und Umschlag auf Straße, Schiene sowie in See- und Flughäfen, Unterbringung und Verpflegung, Betankung und Instandhaltung, medizinischer Versorgung bis hin zur Rechtsberatung.“[2] Kurz gefasst: Deutschland wird Autobahn, Bahnlinie und Hafen für die Verlegung von unzähligen Armeen sein.
Zivil-militärische Raststätten
Ein großer Teil der Erfordernisse wird durch die Convoy Support Center (CSC) – militärische Raststätten – gewährleistet. Sie können in der Regel mindestens die Verpflegung und das Auftanken ermöglichen, aber stellen häufig auch Schlafräume und Reparaturmöglichkeiten für die Fahrzeuge bereit. Umgeben sind diese Gelände von Sicherheitspersonal, das vor Sabotage oder Spionage schützen soll.[3]
Mit dem Beginn des Krieges in der Ostukraine rückte die Logistik für einen Krieg an der Ostfront und damit auch die Rolle Deutschlands als Drehscheibe in den Vordergrund der NATO-Planungen. Seitdem wird der Ausbau der Convoy Support Center (CSC) vorangebracht. Der erste konkrete Schritt erfolgte bereits im Zuge der Durchführung der Großübung „Defender Europe 20“, in deren Rahmen 37.000 Soldaten aus der ganzen NATO in kürzester Zeit an die Ostfront verlegt werden sollten. Das umfangreiche Großmanöver wurde zwar im Zuge der Covid-Lockdowns verkleinert, trotzdem waren allein 1.200 Bundeswehrsoldaten im Einsatz, um Convoy Support Center einzurichten und zu betreiben.[4] Spätestens bei diesem großen Personalaufwand nur für die Versorgung der durchreisenden Truppen hat sich die Bundeswehr dafür entschieden, dass sie ihre Soldaten eher an der Front im Osten braucht als im eigenen Land, um die Logistik zu organisieren.
Vier Jahre später führte die Bundeswehr das erste Großmanöver durch, bei dem sie ein CSC mit zivilen Organisationen einrichtete. In Alsfeld in Hessen band das Territorialkommando Hessen die Feuerwehr und das THW in die Umsetzung eines CSC ein. Nach diesem Testlauf zur Einbindung von zivilen Firmen wurde wenige Monate später eine Ausschreibung für zivile CSC veröffentlicht[5]. Mit 220 bis 260 Mio. Euro sollte der Betrieb von mehreren CSCs von 2025 bis 2027 (mit zwei Verlängerungsoptionen bis Ende 2029) bezahlt werden. Die Aufgaben umfassen auch hier die Bereitstellung von Verpflegung, Sanitäreinrichtungen, Betankung und Sicherung des Geländes. Die hohen Anforderungen in der Ausschreibung, etwa der Nachweis eines Sicherheitsbescheid vom Wirtschaftsministerium, führten dazu, dass die Rheinmetall AG als vertrauter Partner der Bundeswehr für den Auftrag ausgewählt wurde.
Sichtlich erfreut, den Auftrag an Land gezogen zu haben, schrieb Rheinmetall in einer Pressemitteilung: „Der Konzern erweitert sein Portfolio damit um den Bereich der logistischen Unterstützung bei der Verlegung von Kräften. […] Mit dem Auftrag übernimmt die Rheinmetall Project Solutions GmbH als erster industrieller Partner im Rahmen des ‚Operationsplans Deutschland‘ der Bundeswehr die Aufgabe des Aufbaus und des Betriebs von Rast- (Convoy Support Center – CSC) und Sammelräumen entlang von Marschrouten.“[6]
CSC-Übungen
Beim Manöver „Quadriga 2025“ wurde dann im August und September 2025 mit 8.000 Soldaten der Bundeswehr und unter Beteiligung von 13 weiteren Staaten „unter den Bedingungen Krise und Krieg“ die „Verlegung von Truppen und Gerät auf dem See-, Land- und Luftweg nach Litauen“ geprobt.[7] Im Rahmen des Quadriga-Teilmanövers „Grand Eagle“ wurde dabei das erste vollständig „zivile“ CSC von Rheinmetall betrieben. Der Rastplatz wurde innerhalb von 14 Tagen errichtet und war in der Lage, 500 SoldatInnen gleichzeitig mit Essen, Duschen und Diesel für ihre Fahrzeuge zu versorgen.[8] In der Manöverbeschreibung zitiert die Bundeswehr den Rheinmetall-Mitarbeiter Sascha T. zur Leistungsbeschreibung des Unternehmens: „Für den Aufbau eines CSCs brauchen wir knapp zwei Wochen. […] Grundsätzlich hängt das aber immer davon ab, welche Leistungselemente benötigt werden. […] Wir können Unterkünfte bereitstellen und betreiben, kümmern uns um Sanitäranlagen und Verpflegungseinrichtungen sowie den Betrieb von Verkaufseinrichtungen und Betankungsmöglichkeiten. […] Natürlich können wir uns auch um die Energieversorgung, die Abfallentsorgung und um jegliche Bewachungsdienstleistungen kümmern.“[9]
Bemerkenswert ist, dass die hohe Summe von 220-260 Mio. Euro für die Convoy Support Center ausgegeben werden soll. Das ist eine Dienstleistung, die bisher durch einfaches Biwakieren oder Schlafen in den vorhandenen Kasernen gelöst wurde.
Zudem zeigt die vollständige Auslagerung ganzer CSC an zivile Firmen, dass das Verteidigungsministerium an ein Industrieunternehmen eine Kernaufgabe der Bundeswehr abgibt. Diese Privatisierung von Aufgaben im Krieg ist eine seit einigen Jahrzehnten in den USA beobachtete Praxis. Dort wurde der Krieg des Staates zu einem privatwirtschaftlichen Investitionsobjekt gemacht. Eine Folge davon ist, dass Konzerne, die direkt von einem Krieg profitieren, in der Politik immer größeren Einfluss gewinnen.
Anmerkungen
[1] Siehe zum OLAN Kirsch, Martin: Operationsplan Deutschland. Was Militärs und Behörden für die Heimatfront planen, in: AUDRUCK (März 2026), S. 21-23.
[2] Operatives Führungskommando der Bundeswehr: Operationsplan Deutschland. Ein militärisches Kernelement an der Gesamtverteidigung, bundeswehr.de, o.J.
[3] Convoy Support Center, bundeswehr.de, 23.9.2025.
[4] Wienand, Lars: Hunderte US-Panzer rollen durch Deutschland, t-online.de, 14.1.2020.
[5]Wiegold, Thomas: Planungen für NATO-Aufmarsch durch Deutschland: 260 Mio Euro für zivile Dienstleister, augengeradeaus.net, 16.7.2024.
[6] Rheinmetall: Rheinmetall wird Full-Service-Partner der Bundeswehr bei der Verlegung von Kräften – sowie im Bündnisfall, Pressemitteilung, 19.2.2025.
[7] Quadriga 2025, bundeswehr.de, o.J.
[8] Wie Rheinmetall in 14 Tagen mobile Kasernen aufbaut, handelsblatt.de, 9.9.2025.
[9] Grand Eagle 2025: Erstes zivil betriebenes Convoy Support Center im Testbetrieb, bundeswehr.de, 23.9.2025.

