IMI-Standpunkt 2026/39 - in: AUSDRUCK (Juni 2026)
„Griff nach dem Marschflugkörper-Markt“
Mit Rheinmetall Destinus Strike Systems wird ins nächste Segment expandiert
von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 10. Juni 2026
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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunktes „Rheinmetall“ in der Juni-Ausgabe des IMI-Magazins, das vollständig wie immer gratis von unserer Internetseite heruntergeladen werden kann.
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Anfang Mai 2026 kündigte die US-Regierung an, die für dieses Jahr geplante Stationierung diverser landgestützter Raketen- und Marschflugkörpersysteme zumindest vorläufig auszusetzen. Besonders die bis dahin vorgesehenen US-Tomahawk-Marschflugkörper eignen sich mit ihrer Lenkfähigkeit und mit Reichweiten zwischen 1.600 und 2.500km „bestens“ für Angriffe mit kurzen Vorwarnzeiten in der Tiefe des gegnerischen (russischen) Raums.
Für Hardliner, wie den medial überaus präsenten Christian Mölling von der Denkfabrik „European Defence in a New Age“ (EDINA), liegt gerade darin der „Wert“ dieser Waffen: „Das ist tatsächlich das zentrale Element einer Abschreckung, weil es hier um Raketen geht, die in der Lage sind, Russland schon im Aufmarsch – also nicht erst, wenn es an die Nato-Grenze kommt, sondern deutlich früher – zu stören und Kommandozentralen auszuschalten.“
Weil man bei derart „nützlichen“ Waffen nicht ewig auf die USA angewiesen sein will, befinden sich europäische Alternativen ohnehin bereits länger in der Entwicklung. Diese Bemühungen sollen nun vor allem im Rahmen des „European Long Strike Approach“, aber auch mit anderen Initiativen beschleunigt werden: „Die Abschreckungslücke endlich zu schließen und Erpressbarkeit durch russische Raketen zu vermeiden – das geht jetzt nur mit Schnellspur-Einführung von eigenen, in Deutschland produzierten und von den USA unabhängigen bodengebundenen Marschflugkörpern“, wird der ehemalige Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung, Nico Lange, in der Welt zitiert.
Und fast schon standardmäßig ist auch der Rheinmetall-Konzern nicht weit, wo neue Rüstungsmilliarden locken. So auch in diesem Fall, in dessen Zusammenhang das niederländische Start-up Destinus interessant ist, das rund 2.000 Marschflugkörper jährlich in Serienproduktion herstellt, darunter laut defence-network.com folgende Modelle: „Der Marschflugkörper Ruta Block2 soll eine Payload von 250 Kilogramm autonom ins Ziel bringen können. Als Reichweite gibt Destinus mehr als 450 Kilometer an. Kryla ist hingegen ein kleinerer Marschflugkörper mit 50 Kilogramm Nutzlast und einer Reichweite von 800 Kilometern.“
Und noch „interessanter“ ist eine Rheinmetall-Pressemitteilung vom 13. April 2026, derzufolge mit dem Unternehmen ein Joint Venture namens „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ eingegangen und in der zweiten Jahreshälfte 2026 gegründet werden solle: „Dieses wird fortschrittliche Raketensysteme herstellen, vermarkten und liefern. Dazu gehören Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie. Rheinmetall wird 51 Prozent der Anteile halten, Destinus 49 Prozent. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen.“
Natürlich ist sich Rheinmetall völlig darüber im Klaren, dass es sich hier um Angriffswaffen handelt, wie aus der Pressemitteilung deutlich ersichtlich wird: „Diese Initiative spiegelt einen umfassenderen Wandel in der modernen Kriegsführung wider: Die Fähigkeiten für Angriffe aus der Distanz entwickeln sich von überwiegend drohnenbasierten Ansätzen hin zu schnelleren, widerstandsfähigeren und industriell skalierbaren Marschflugkörpersystemen. Mit diesem Joint Venture wollen Rheinmetall und Destinus die Lücke zwischen den Anforderungen Europas sowie der Ukraine und den Möglichkeiten der europäischen Verteidigungsindustrie schließen – und zwar in großem Maßstab und im industriellen Tempo.“
„Rheinmetalls Griff nach dem Marschflugkörper-Markt“ (Die Welt) verspricht äußerst lukrativ zu werden: Unmittelbar seien „Tausende Systeme pro Jahr gefragt, im Laufe der Zeit potenziell zehntausende“, weshalb man „kurzfristig eine Marktchance im Bereich von Hunderten von Millionen Euro und langfristig ein Potenzial im niedrigen Milliardenbereich“ wittere, so die Rheinmetall-Pressemitteilung.
Gebaut werden soll das Ganze dort, wo Rheinmetall bereits eine Munitionsfabrik unterhält, meldet der Blog Sicherheit & Verteidigung: „Das neue Unternehmen wird seinen Sitz in Unterlüß, Niedersachsen, haben – einem Standort, in den Rheinmetall bereits erheblich investiert. Laut NDR fließen dort allein 35 Millionen Euro in den Aufbau neuer Produktionsanlagen, der Betrieb der Raketenanlagen soll spätestens 2027 starten.“

