IMI-Aktuell 2026/259

Vom Tech-Feudalismus zum Tech-Faschismus?

von: 22. April 2026

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Am 18. April 2026 wurde auf x.com einen 22-Punkte Manifest von Palantir veröffentlicht. Wie schon in der IMI-Analyse „Hobbits gegen Palantir“ (2025/35) hervorgehoben, wecken Palantir und deren Produkte bei Regierungen tech-totalitäre Fantasien, die leider mittlerweile auch Realität sind. Zeigte sich Palantir-CEO Alexander Karp bisher noch als sogenannter Rechts-Libertärer mit Positionen, die selbst aktuellen Faschisierungs- und Autoritarisierungdiskursen aneckten, positioniert er seine Firma nun durch die Veröffentlichung des Palantir-Manifests als ebenfalls faschistoid und verkauft jetzt offen seine Ideologie mit Produktanschluss.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Manifest um eine zugespitzte Zusammenfassung des Anfang 2025 erschienen Buchs: „The Technological Republic. Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West“, geschrieben von Alexander Karp und Nicholas Zamiska. Bisher konnte man, zwar schlecht, aber wenn man dies unbedingt wollte, Palantirs Firmenpolitik und Verwebungen in Kriegsverbrechen und der global eskalierenden Überwachungstechnologie noch getrennt sehen von den politischen Positionierungen von CEO Alexander Karp oder des Head of Cooperate Affairs Nicholas Zamiska. Da nun aber der offizielle X-Account eine stichpunktartige Zusammenfassung des Buches als Manifest ausgibt, markiert sich Palantir selbst nun als politischer Akteur, der von „vital advances“ einiger Kulturen und der Dysfunktionalität Anderer spricht und damit keinen Kulturkonservatismus betreibt, sondern faschistoide Vorherrschaftsfantasien verkündet. Gestützt werden diese Fantasien durch rhetorische Taschenspielertricks, welche den technologischen Angriff rechtfertigen und keinen Realismus, sondern eine Manifestierung des Tech-Faschismus und Herrschaftsanspruchs von Palantir und Konsortien darstellen.

Ein weiterer, für die deutschsprachige Leser:innenschaft und die deutsche Debatte über Deutschlands Kriegstüchtigkeit betreffender Punkt ist folgender: „ […] postwar neutering of Germany must be undone“. Hier freuen sich all jene, die deutsche Großmachtfantasien haben und die „Beendigung der Nachkriegs-Kastration Deutschlands“ anstreben.

Es handelt sich eben nicht mehr um die Reflexionen eines CEOs, der ein, wenn man es so lesen mag, privates Buch schreibt, sondern um ein milliardenschweres börsennotiertes Unternehmen, das Regierungsverträge hat und welches sich nun offiziell und unmissverständlich eine faschistoide Corporate-Identity gibt. Denn die Gefahr liegt nicht darin, dass es sich bei Palantir, Alexander Karp, Peter Thiel und anderen um ein paar Spinner handelt, die gerade für eine Legislaturperiode in Regierungsnähe sind, sondern diese erstens Milliardäre des Tech-Feudalismus sind und zweitens es geschafft haben, globale Abhängigkeiten von ihren Netzwerken und Produkten zu schaffen und drittens, dass eine faschistoide Ideologie mit Produktanschluss verkaufen. 

(L.S)