Es gehört schon ein gehöriges Maß an militarisiertem Denken dazu, Sönke Neitzel auf eine Art zu interviewen, dass dieser eher beschwichtigend wirkt. Dirk Eberz hat dies in der Rhein Zeitung vom 24. September 2025 geschafft und unter dem Titel „‚Wir werden keinen Luftkrieg über Koblenz haben'“ veröffentlicht. Darin antwortet Neitzel auf Fragen wie „Können wir uns in Rheinland-Pfalz noch in Sicherheit wähnen, nur weil wir ziemlich weit weg von der Nato-Ostgrenze sind?“ und spekuliert darüber, welche Standorte wohl mit welchen Waffen angegriffen würden. Auf die Frage „Was ist denn Ihrer Ansicht nach ein realistisches Szenario?“ antwortet Neitzel:
„Wir in Deutschland denken immer gleich an den Weltkrieg. Aber selbst wenn es zu einer Auseinandersetzung mit Russland und der Nato käme, kenne ich eigentlich niemanden, der das als realistisches Szenario annimmt. Wahrscheinlicher ist ein begrenzter militärischer Konflikt, der mit 60.000, 70.000 Soldaten im Baltikum geführt wird. Das wäre schlimm genug, aber natürlich kein Dritter Weltkrieg.“
Befremdlich wirkt auch die aus der Zeit gefallene und diskriminierende Formulierung, „[d]er Truppe gehen die Indianer aus“, welche Dirk Eberz gleich zweimal benutzt, einmal im Antext und dann im Interview selbst mit der Frage:
„Auch Sie gehören zu den scharfen Kritikern der Bundeswehr. Sie haben ausgerechnet, dass es etwa so viele Hauptgefreite wie Oberstleutnante gibt. Gehen der Truppe die Indianer aus?“ Gemeint sind mit „Indianern“ also offensichtlich Krieger niederen Ranges.
