IMI-Standpunkt 2016/004

Rubio: Kandidat der Vernünftigen?

von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 2. Februar 2016

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Bei den gestrigen Vorwahlen in Iowa fuhr Marco Rubio, der mit 23,1 Prozent der Stimmen nur knapp hinter Ted Cruz (27,7%) und Donald Trump (24,3%) landete, ein unerwartet starkes Ergebnis ein. Weshalb deshalb allerdings Spiegel Online zu berichten meint, bei Rubio handele es sich um die „letzte Hoffnung der Vernünftigen“, darüber kann man nur rätseln. Womöglich erscheint nahezu jeder Kandidat gegenüber den reichlich aggressiven Hardlinern Trump und Cruz als „moderat“. Wer sich allerdings ein wenig mehr Mühe macht, als der Spiegel-Autor, der findet schnell heraus, dass sich das für Rubio beim besten Willen nicht sagen lässt.

Ein ausführliches Profil seiner außenpolitischen Positionen und v.a. seines Beraterteams erschien bei Foreign Policy in Focus, wo argumentiert wird, Rubio sei der Wunschkandidat der Neokonservativen, die federführend die US-Kriegszüge unter George W. Bush (2001-2009) zu verantworten hatten. Ein erster Hinweis darauf sei der Name seiner Kampagne: “A New American Century”, was eine – wohl nicht von ungefähr kommende – extreme Namensähnlichkeit zum lange Jahre wichtigsten neokonservativen Sammelbecken, dem „Project for the New American Century“ aufweist (siehe auch IMI-Analyse 2003/005).

Insofern verwundert es auch wenig, dass sein Beraterteam sich aus einer Art Who-is-Who neokonservativer Hardliner aus den Bush-Jahren zusammensetzt. Dazu gehören so illustre Gestalten wie Max Boot, Bill Kristol, Elliot Abrams, Stephen Hadley und Robert Kagan. Besonders Robert Kagan dürfte derzeit der wohl einflussreichste Neokonservative sein – und eines seiner wesentlichen Sprachrohre ist die „Foreign Policy Initiative” (FPI), in der er im Vorstand sitzt. Aus dem Hause der FPI kam zB das außenpolitische „Manifest“ namens „An American Century“ des letzten republikanischen Präsidentschaftskandidaten, Mitt Romney, als dessen Chefberater Kagan fungierte (siehe IMI-Analyse 2012/019). Schon im September 2015 sprang ein weiterer ehemaliger FPI-Vorstand, Jamie Fly, auf den Rubio-Zug auf. Fly war bereits der Chef von Romneys Wahlkampagne 2012 und wurde von Rubio als Berater für innen- wie außenpolitische Fragen engagiert, wie der National Review berichtete.

Wie man es also dreht oder wendet: Rubio ist sicher Vieles, aber bestimmt nicht der vom Spiegel herbeifabulierte “Kandidat der Vernünftigen”.

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