in: Junge Welt 12.01.2002

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Neues Einsatzführungskommando in Potsdam-Geltow leitet Mission in Afghanistan von Thomas Klein

von: Dokumentation / Thomas Klein / Pressebericht | Veröffentlicht am: 12. Januar 2002

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Neues Einsatzführungskommando in Potsdam-Geltow leitet Mission in Afghanistan

Thomas Klein Alle reden vom Wetter. Zur Zeit ganz sicher auch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Zumindest werden die Offiziere in der streng von der Öffentlichkeit abgeschirmten Operationszentrale in der Henning-von Tresckow-Kaserne im brandenburgischen Potsdam-Geltow in den letzten Tagen öfter mit bangen Blicken auf die Wetterkarte geschaut haben. Nicht auf die deutsche, sondern auf die Weltkarte.

Ausgerechnet über der Türkei, Zwischenstopp für ein Vorauskommando der Bundeswehr auf dem Weg nach Afghanistan, hatte in den letzten Tagen ein so heftiger Schneesturm getobt, daß 70 deutsche und 30 niederländische Soldaten zwei Tage in der türkischen Stadt Trabzon festsaßen. Die Ankunft des deutsch-niederländischen Voraustrupps in der afghanischen Hauptstadt Kabul verzögerte sich. Erst am Freitag früh war es soweit: Mit zwei Tagen Verspätung landeten zwei niederländische Herkules-Maschinen mit den Soldaten auf dem Flughafen Bagram, 40 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt.

Doch das alles sind nur Details einer jetzt anlaufenden Operation, die von Geltow zu planen und zu führen ist. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg werden bis zu 3900 deutsche Soldaten weit außerhalb Europas in einen Einsatz geschickt. Und nach Ansicht von Oberstleutnant Dietmar Jeserich vom Geltower Führungskommando ist dieser Einsatz die „logistisch größte Herausforderung für die Bundeswehr“.

Man gibt sich dennoch selbstbewußt: Obwohl das Land mit Minen und Sprengkörpern übersät sei und es jede Menge Waffen in den unterschiedlichsten Händen gebe, so die Lageeinschätzung des Führungsstabs, habe man die Soldaten gut vorbereitet und könne durch die Erfahrungen vergangener Einsätze auf dem Balkan auf eine gewisse Routine zurückgreifen. Für einige Soldaten sei es immerhin schon der zweite oder dritte Auslandseinsatz. In der Geltower Operationszentrale sichtet ein zwölfköpfiges Team rund um die Uhr alle wichtigen Informationen über die laufenden deutschen Auslandseinsätze. Neben Angaben von Erkundungskommandos werden dort auch Daten des Amtes für Nachrichtenwesen oder des Streitkräfte-Unterstützungskommandos gesammelt und ausgewertet. Dazu gehören auch Daten „befreundeter“ ausländischer Nachrichtendienste. Ein eigenesGeografie- und Wetterdezernat liefert wichtige Informationen.

In der Geltower Kaserne ist das Einsatzführungskommando erst im vergangenen Juli in Betrieb genommen worden. Ab April 2002 sollen von hier aus alle Einsätze der Bundeswehr geleitet werden. Hier zeigt sich, was die in den zurückliegenden Jahren vorangetrieben Umstrukturierungen der Bundeswehr für einschneidende Veränderungen gebracht haben.

Umstrukturierungen, mit denen die Bundeswehr nach Ansicht des Friedensaktivisten Tobias Pflüger von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung an eine gefährliche Tradition anknüpft: Denn es sei ganz klar eine Hierarchisierung der Befehlsstruktur entstanden. „Das politisch Gefährliche an diesem Einsatzführungskommando ist, daß man im Grunde genommen wieder politisch-militärische Befehlsstrukturen innerhalb einer deutschen Armee aufgebaut hat. Was man nie mehr haben wollte, gibt es nun wieder, einen deutschen Generalstab.“ Dieses Kommando sei das zentrale Element einer neuen Streitkräftebasis. Und bedeutsam sei auch, daß diese Militärzentrale ihren Sitz nahe der Hauptstadt erhalten habe.

Pflüger hatte schon bei der Indienstnahme des Führungskommandos gefordert, Gruppen der Friedensbewegung müßten dieses „Kriegsführungskommando“ politisch thematisieren. Der Krieg läuft, Proteste vor der Kaserne blieben aus.

Ähnlich, wenn auch in andere Worte gekleidet, lauten die offiziellen Stellungnahmen zum neuen Führungsstab in Potsdam-Geltow. Nach Ansicht des Verteidigungsministeriums ist der Stab ein „Kernelement“ der von Minister Rudolf Scharping (SPD) verfügten „Erneuerung der Bundeswehr von Grund auf“, die einst unter dem ehemaligen Hardthöhen-Chef Volker Rühe (CDU) auf den Weg gebracht worden war.

In der Amtssprache heißt das, in Potsdam-Geltow werden „die ministeriellen Weisungen für die Auslandsmissionen der Bundeswehr umgesetzt“. Und Geltow nehme nun „in der Bundeswehr der Zukunft einen bedeutsamen Platz ein „, so Minister Scharping anläßlich der Einweihung des Führungskommandos im letzten Jahr. Mit diesem zentralen Kommando beherberge die Stadt „eine der bedeutendsten Dienststellen der Bundeswehr“. Was die Auslandseinsätze deutscher Soldaten angeht sogar die wichtigste.

Originaladresse: http://www.jungewelt.de/2002/01-12/007.php

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