„euro|topics ist ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und wird vom Journalisten-Netzwerk n-ost erstellt“, so lautet es am Ende jeder der täglichen Presseschauen, die der Dienst bereitstellt. Dabei werden oft sehr einseitige und (NATO-)parteiische Kommentare und Artikel zitiert, die durchaus auch mal Un- bis Halbwahrheiten enthalten können. Die aktuelle Ausgabe (5.12.2025) zitiert in ihrem Schwerpunkt zum Streit um den Umgang eingefrorener russischer Vermögen etwa einen Beitrag der FAZ:
„Wer sie [„die Freiheit“] nicht schon in der Ukraine verteidigt, sondern lieber über Haftungsrisiken streitet, läuft Gefahr, in absehbarer Zeit auf eigenem Boden kämpfen zu müssen. Putin drohte nun ganz offen damit, nicht nur einen hybriden Krieg gegen Europa zu führen.
Da gäbe es einiges zu hiterfragen: Was ist „die Freiheit“, womit hat Putin wirklich „ganz offen gedroht“ und was ist „eigener Boden“ bzw. wie realistisch ist „in absehbarer Zeit“ ein Krieg auf dem Territorium Deutschlands? Im Kontext dieser Unschärfen soll es hier aber um den „nicht nur einen hybriden Krieg“ gehen – was ja impliziert, dass ein nicht hybrider Krieg mehr wäre, als ein „nur“ hybrider.
Im IMI-Aktuell 2025/182 wurde bereits eine Begriffskritik von David Goeßmann zitiert, in der es hieß:
„Denn das Konzept des hybriden Kriegs geht ja von einer Mischung von regulären und irregulären, militärischen und nicht-militärischen Konfliktmitteln aus. […] Wenn es aber keinen Krieg Russlands gegen Deutschland und andere EU-Staaten gibt, dann fehlt natürlich auch die Mischung.“
Auch der aktuelle Eintrag „Hybrider Krieg“ in der deutschen Wikipedia beschreibt diesen primär als „Mischform“. Weiter heißt es dort „Der Begriff wurde erstmals 2005 vom US-Marines-Offizier und Militärtheoretiker Frank G. Hoffman im heutigen Sinne definiert“. Tatsächlich geht es in dem entsprechenden (kurzen und groben) Beitrag von Hoffmann aber um US-Einsätze in „failed states“ und einer Erweiterung des Konzept des Three-Block-Wars (organisierte bewaffneter Gruppen, aufgebrachte Menschenmengen, zu schützende Zivilist*innen) um die Ebene der Informationsoperationen – ein reichlich anderes Szenario als die Rivalität zwischen NATO und Russland. Als weiteres zentrales Dokument wird dort auf eine Studie des US Army War College (USAWC) von 2007 verwiesen, in der hybride Kriegführung – wieder ganz anders – als Empfehlung für künftige „Stabilsierungsoperationen in Drittstaaten“ im Rahmen des Global War on Terror konzeptualisiert wird:
„This new concept calls for greatly expanded roles and missions for our ground forces to support the political, informational and economic projections of national power, in addition to conventional military force, to achieve political objectives.“
Der konkreteste und zutreffende Satz bei Wikipedia ist vermutlich: „Der hybride Krieg ist nicht definiert.“ Warum wird er dann eigentlich so oft benutzt und mit welcher Absicht bzw. welchen Folgen?
