IMI-Standpunkt 2016/33 - in: AUSDRUCK (Oktober 2016)

„Mit Mozart gegen Kampfdrohnen“

Lebenslaute-Sommerkonzert vor dem AFRICOM

von: 17. Oktober 2016

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Die Lebenslaute ist ein Ensemble aus musikalischen Laien und Profis, die mindestens einmal im Jahr mit ihren Instrumenten und Stimmen klassische Musik an Orte bringen, an denen man dies nicht erwarten würde. Sie spielen auf Militärübungsplätzen und Abschiebeflughäfen, vor Atomanlagen und Raketendepots.

Am 29. August 2016 spielten rund 80 Musikerinnen und Musiker der Lebenslaute vor der US-Kommandozentrale AFRICOM in Stuttgart-Möhringen. Vier Stunden eher als angekündigt trafen sie sich am frühen Montagmorgen und begannen, mit eindrucksvollen Konzerten unter freiem Himmel gegen US-Drohneneinsätze zu protestieren.
„In Stuttgart befinden sich mit dem AFRICOM und dem EUCOM zwei der insgesamt sechs US-Kommandozentralen, in denen weltweit alle Einsätze der US-Armee koordiniert werden. Im AFRICOM werden die Todeslisten für den Einsatz von US-amerikanischen Kampfdrohnen erstellt. Die illegalen und völkerrechtswidrigen Tötungen mit Kampfdrohnen geschehen mit stillschweigender Duldung von Oberbürgermeister Fritz Kuhn und der Bundesregierung.“ So begründete ich als Sprecher von Ohne Rüstung Leben vorab in einer Presserklärung meinen  Aufruf zur Teilnahme an der Lebenslaute-Konzertaktion „Schlussakkord dem Drohnenmord“.

Edith Gmeiner, die Sprecherin der Lebenslaute, sagte im Gespräch mit dem SWR, es handele sich um „eine friedliche musikalische Protestaktion. Aber es geht eben auch darum, durch die Aktionsart mehr Aufmerksamkeit zu kriegen; und wir wollen einen politischen Diskurs anregen.“

Bei der Stadt Stuttgart angemeldet hatte ich das Schlusskonzert vor dem Haupttor des AFRICOM  für die Zeit von 10 bis 13 Uhr. Doch schon kurz nach 6 Uhr in der Früh teilten sich die rund 80 Musikerinnen und Musiker auf und blockierten die Zufahrten der vier rund ums Areal gelegenen Zugänge zur amerikanischen Kaserne. „Das machen wir immer so. Wenn wir erst um 10 Uhr gekommen wären, zu der Zeit, zu der das Konzert angekündigt war, hätte die Polizei die Situation besser im Griff gehabt“, sagte ein Lebenslaute-Sprecher und nannte es „Teil des Konzepts“. Denn: „Wir setzen auf zivilen Ungehorsam und nehmen für unsere Ziele auch Gerichtsverfahren in Kauf.“

Der Plan ging insoweit auf, als die städtischen Ordnungsbediensteten und die Polizei eine ganze Weile brauchten, um der Sache Herr zu werden. Durch die Blockaden vor allen Zugängen verhinderten die Musizierenden die An- und Abreise hunderter Soldatinnen und Soldaten sowie von zivilen Angestellten auf bzw. von dem Gelände. Auf der Plieninger Straße staute sich der anreisende Verkehr aus Bussen, Transportern und hunderten Privatfahrzeugen zeitweise hinein bis nach Möhringen.

Nach Schätzungen arbeiten etwa 1500 Menschen auf dem Stützpunkt. Vielen Anreisenden blieb nichts anderes übrig, als sich von der anwesenden Militärpolizei zu Fuß durch die Blockade führen zu lassen. „Today is no anonymous killing“, riefen laut „beobachternews“ einige der Blockierenden den Anreisenden zu. Erst gegen 8.30 Uhr waren die Blockaden an den Nebentoren aufgelöst, 35 blockierende Musikerinnen und Musiker wurden von der Polizei weggetragen.

Vor Beginn des Schlusskonzertes, am Hauptzugang an der Plieninger Straße, gab es eine längere Diskussion darüber,  wo genau sich Chor und Orchester aufstellen dürfen. Chor und Orchester hatten in der Einfahrt Platz genommen – im Versammlungsbescheid wurde lediglich die vorbeiführende Straße als Versammlungsraum ausgewiesen. Auf meine Initiative hin wurde dann der Versammlungsraum um ein paar Meter erweitert

Gegen 10.40 Uhr begann der eigentliche Auftritt. Die mit Orchesterinstrumenten ausgestattete Gruppe samt Chor intonierte klassische Stücke von Mozart und Beethoven, sowie Werke von Leonard Bernstein und Rio Reiser. Zwischen die 13 musikalischen Darbietungen wurden mehrere kürzere Statements eingestreut. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass damit von deutschem Boden Krieg ausgeht und unser Grundgesetz somit jeden Tag missbraucht wird“, prangerte ein Sprecher die „völkerrechtswidrigen Angriffe mit fliegenden Mordmaschinen“ der Amerikaner, aber auch die Duldung durch alle deutschen Instanzen (Bund, Land, Stadt) an.

»Die Herzen der Menschen erreicht«

Das Echo in den regionalen und überregionalen Medien war groß: Ausführlich und meist wohlwollend wurde von der Aktion berichtet. Unter dem Titel „Mit Mozart gegen Kampfdrohnen“ sendete beispielsweise das SWR-Fernsehen einen umfangreichen Beitrag über das Sommerkonzert und die Hintergründe.

Ich freue mich sehr darüber, dass Musikerinnen und Musiker aus ganz Deutschland in ihrer Freizeit mit klassischen Klängen ein lautstarkes Lebenszeichen gegen den Drohnentod aus Stuttgart gesetzt haben. Mit ihrer professionellen Musik hat die Lebenslaute versucht, nicht nur den Verstand, sondern auch die Herzen der Menschen zu erreichen. Viele positive Reaktionen zeigen mir, dass das Sommerkonzert gegen die US-Drohneneinsätze ein großer Erfolg war.

Mehr Informationen, Bilder und Presseberichte zum Lebenslaute-Sommerkonzert finden Sie unter www.ohne-ruestung-leben.de/nachrichten

 

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