IMI-Aktuell 2015/196

Ukraine: Neuverteilung der Oligarchenpfründe

von: 9. April 2015

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Nicht dass man allzu großes Mitleid mit Rinat Achmetow haben müsste, aber schon seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass der Oligarch zu den großen Verlierern der Ereignisse in der Ukraine zählen wird. Sein Vermögen schrumpfte innerhalb von etwa einem Jahr von knapp 12 Mrd. Dollar auf 6,9 Mrd. im April 2015. Nun soll ihm das Energieunternehmen DTEK Dniproenergo entzogen werden, weil es 2012 unter dem damaligen Machthaber Janukowitsch „illegal“ privatisiert worden sei. So richtig dies sein dürfte, handelt es sich hierbei aber keineswegs um eine Anti-Korruptionsmaßnahme, vielmehr dürfte es sich hier um einen großangelegten Auftakt zur Neuverteilung der Oligarchenpfründe handeln. Achmetow hat massiv an Einfluss in Kiew eingebüßt und der private Nachrichtendienst Strategic Forecast geht davon aus, dass bei der Neuausschreibung des Konzerns dann einer der aktuell am Ruder sitzenden Oligarchen zum Zuge kommen wird: “On April 7, Ukrainian authorities legally challenged the privatizations of several companies that former President Viktor Yanukovich’s government sold in 2012 and 2013. Although Ukrainian President Petro Poroshenko presented the decision as a step toward reducing the influence of Ukraine’s oligarchs, this move may be designed to give some oligarchs, including Poroshenko, the opportunity to redistribute coveted assets among themselves.”

Interessanterweise deutet Stratfor auch an, dass dies nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch im Westen nicht besonders gut ankommen würde. Schließlich sitzen dort genug Unternehmen, die sich ihrerseits gerne einige der zum Verkauf stehenden Firmen einverleiben würden: „Once these assets are up for auction, international bodies and governments will want to ensure that the reforms and anti-corruption measures that Ukraine’s government pledged to implement in exchange for extensive financial assistance are actively enforced. They will also make sure politicians and oligarchs associated with the coalition do not use their positions to gain an unfair advantage. Western companies, concerned about property rights, will follow these developments closely as well. At the same time, in the eyes of Ukrainian voters who supported the Maidan movement and new coalition government with the expectation of reforms and better governance, the outcome of reprivatizations will be a key test of the government’s commitment to change.” (jw)

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