Pressebericht / in: Business Crime Magazin, Jahrgang 11, Nummer 1, März 2003, S. 33

Buchbesprechung

Hans See über Jürgen Wagners "Das ewige Imperium - Die US-Außenpolitik als Krisenfaktor"

von: Pressebericht / Business Crime Magazin / Hans See | Veröffentlicht am: 11. August 2003

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Der Autor, Jürgen Wagner (Jg. ’74), gehört zur jüngeren Wissenschaftlergeneration. Er ist nicht mehr so stark vom Kalten Krieg geprägt wie viele seiner älteren Kollegen und auch nicht in einer karriereträchtigen Stellung. Er ist Vorstandsmitglied des Gemeinnützigen Vereins „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) und leitet dessen Büro in Tübingen. Er gilt als Experte der US-Außen- und Sicherheitspolitik und hat zu diesem Themenkomplex schon mehrere sehr lesenswerte Studien vorgelegt.
„Das ewige Imperium“ setzt sich mit der Behauptung der außenpolitischen Eliten der USA auseinander, die US-Außenpolitik diene ausschließlich der Sicherung des Weltfriedens. Seine Untersuchung, die nach dem 11. September und vor dem Irak-Krieg verfasst worden ist, kommt zu einem völlig anderen Schluss: Die Außenpolitik der USA ist nach seinem Ergebnis nur auf die Maximierung des politischen Einflusses der USA gerichtet. Das Ende des Kalten Krieges und der Verlust des Hauptfeindes der Nachkriegsepoche ermutigte die nun noch einzig verbliebene Supermacht dazu, das entstandene Machtvakuum auszufüllen und seine Weltherrschaft nachhaltig zu festigen.
Die Terroranschläge des 11. September 2001 lieferten den USA – nicht nur aus ihrer eigenen Sicht – die moralische Legitimation, ihre mit der Kriegserklärung gegen den internationalen Terrorismus auf einen neuen Feind einzustellen.
Mit ihrer imperialen Macht- und Kriegspolitik verhindern die Eliten der Vereinigten Staaten genau den Weltfrieden, den sie angeblich sichern wollen. Wagner analysiert anhand der außenpolitischen Präferenzen der USA an sehr unterschiedlichen Beispielen die Merkmale des Systems internationaler Beziehungen, setzt sich mit der Frage der kulturellen Vorherrschaft auseinander, mit „reich“ und „arm“, mit den Hauptfragen der Globalisierung und Demokratisierung, wobei er die These der Demokratisierung in Frage stellt. Interessant ist Wagners Analyse der „Schurkenstaaten“, weil auch er bestätigt, dass diese zum großen Teil ihre Existenz der US-Außenpolitik verdanken.
Wagner zeigt, dass einer der Krisenfaktoren unserer Gegenwart eben diese US-Außenpolitik ist, die uns den Frieden sichern soll. Ihre Politik, wenn auch nicht ihre allein, ist maßgeblich für das Scheitern entwicklungspolitischer Konzepte verantwortlich und damit auch dafür, dass immer größere Teile der Weltbevölkerung keine Menschenwürdige Existenz aufzubauen vermögen. Zumindest mittelbar ist dies eine der Hauptursachen der Zunahme des Terrorismus, der dann wieder die Argumente für nackte Kriegspolitik liefert.
Wagner erkennt auch die Konflikte im zwischenstaatlichen Bereich und die ständige Eskalationsgefahr schon vor dem Irak-Krieg, den er kommen sah. Aus Wagners Sicht produzieren die USA das genaue Gegenteil dessen, was sie propagieren, und erweisen sich damit als permanenter Krisenfaktor unserer Gegenwart.
Angesichts dessen denkt er auch über die künftige Rolle der EU und der NATO nach. Aber leider nicht über die Rolle jenes Teils des Kapitals, der dazu benutzt wird, am geltenden nationalen und internationalen Recht sowie an der demokratischen Willensbildung vorbei die politischen Ziele der Wirtschaft und der politischen Eliten durchzusetzen.

Jürgen Wagner: Das ewige Imperium. Die US-Außenpolitik als Krisenfaktor. VSA-Verlag, Hamburg 2002, 172 Seiten, 12,80 Euro

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