in: Schwäbisches Tagblatt24.07.2002

„Refuseniks“ sind ein Teil des „anderen Israels“- Leserbriefe

Leserbriefe im Schwäbischen Tagblatt zur Nichtberichterstattung über die Veranstaltung mit dem israelischen Kriegsdienstverweigerer (in Tübingen)

von: Dokumentation / Pressebericht / Dokumentation | Veröffentlicht am: 25. Juli 2002

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Anmerkung der Redaktion des Schwäbischen Tagblatts:
„Istraelische Kriegsdienstverweigerer sprachen in Tübingen und nagesichts der Terminfülle des Wochenendes beließen wir es bei einer ausführlichen Ankündigung“.

„Ist mir unverständlich“

Vergeblich habe ich auf Eure Berichterstattung der Veranstaltung mit Omry Yeshurun am vergangenen Samstag im Schlatterhaus Tübingen gewartet. Der 26-jährige Israeli verweigert den Dienst mit der Waffe in den besetzten palästinensischenGebieten, und dem Tagblatt ist dies keine einzige Zeile wert? Menschen, die im israelisch-palästinesischen Konflikt nach Wegen suchen, um der Gewalt und dem Terror ein Ende zu bereiten sind – euphemistisch gesprochen – im Nahen osten nicht in der Überzahl. Darum ist es umso notwendiger, dass sie in den Medien Gehöhr finden, dass über ihre Tätigkeit berichtet wird – auch und gerade dann, wenn sie nicht so bekannt sind wie die Palästinenserin Sumaya Farhat Naser.

Die verantwort der Medien hier in Deutschland besteht meines Erachten gearde darin, den Menschen aus Israel und Palästina ein Podium zu geben, die mit friedlichen Mitteln auf eine Ende der Gewalt hinarbeiten. Dass das Tagblatt diese gelegnheit am Samstag nicht genutzt hat, obwohl die VeranstalterInnen wiederholt auf den Termin hingewiesen haben, ist mir unverständlich

Ines Fischer, Tübingen

„Teil des anderen Israels“

Vergangenen Samstag fand in Tübingen eine Veranstaltung mit Kriegsdienstverweigerern aus Israel statt. Seit dem öffentlichen Aufruf von 50 Reservisten in israelischen Zeitungen Anfang Februar 2002, den Kriegsdienst in den besetzten Gebieten zu verweigern, haben sich dieser Initiative mehr als 1200 Reservisten der israelischen Armee angeschlossen. Die beiden jungen Männer, die in Tübingen waren, sind Mitglieder der Organisation Yesh Gvul („Es gibt eine Grenze“) und saßen für ihre Verweigerungs-Aktion mehrere Monate im Gefängnis. Sehr eindrücklich berichteten sie über die aktuelle Situation in Israel, die auswegslose Politik Ariel Scharons, und die dringend erforderliche Unterstützung ihrer Arbeit, um den mutigen Widerstand der derzeit ca. 100 im Gefängnis einsitzenden „Refuseniks“ zu stärken.

Leider hat das Schwäbische Tagblatt unverständlicherweise nicht über diese Veranstaltung berichtet und auch es auch nicht für wichtig genug erachtet, um ein Interview mit den Gästen aus Israel zu machen. Der Neuen Züricher Zeitung war dieselbe Veranstaltung eine ganze Seite Berichterstattung wert. Dabei repräsentieren diese jungen „Refuseniks“ einen Teil des „anderen Israels“, das sich für eine politische Lösung des Konflikts und ein Ende der unmenschlichen Besatzungspolitik ausspricht. Ihre Arbeit muß unterstützt werden, jedes Zeichen aus dem Ausland ist hilfreich. Unterschriftenlisten und Briefaktionen für Verweigerer im Gefängnis haben sie mitgebracht und sind bei Interesse erhältlich bei IMI (Informationsstelle Militarisierung) und Friedensplenum Tübingen.

Heike Hänsel, Friedensplenum Tübingen

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