in: Neues Deutschland 07.05.2002

Nach „Erfurt“: ILA bietet Killer-Training

Kamow u. a.

von: Dokumentation / René Heilig / Neues Deutschland | Veröffentlicht am: 7. Mai 2002

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Nach dem Massaker von Erfurt wird angeblich gehandelt. Was will man alles verbieten… Seltsamer Weise wird eine Ursache, die zur inneren Entmenschlichung vor allem junger Menschen führt, völlig ignoriert. Das Töten in staatlichem Auftrag, genannt Krieg. Man wiegle nicht ab, von wegen, der findet ja nicht in unseren Breiten statt. Gerade weil uns – zum Glück! – die Erfahrung von Leid zufügen und Leid erleiden fehlt, wird Totmachen im Geist so einfach. Auf der High-Tech-Messe ILA, die wieder zum übergroßen Teil eine Militär- und Rüstungsshow ist, kommt zur politisch unreflektierten Selbstverständlichkeit das Gefühl der technisch-technologischen Überlegenheit hinzu. Zusammen suggeriert das so etwas wie »Recht haben« und »alles dürfen«.

Man stelle sich mal ein paar Minuten vor Bildschirme, die der russische Hubschrauber-Konzern Kamow aufgestellt hat. »Chirurgisch perfekt« knallt dort ein Hubschrauberpilot beliebige Ziele ab. Immer wieder geht sein Daumen zum Auslöser, ihm kann keiner… Vor der Halle fasziniert Fluggerät mit angehängten angeblich intelligenten Waffen. Zum Gutteil kriegserprobte Techniker des Tötens geben Auskunft. Ab Donnerstag auch ganz normalen Besuchern. Übrigens: Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Früh übt sich, was später mal ein Killer werden kann. Oder verbietet der Kanzler noch schnell alle ILA-Mörderspielzeuge?

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