in: Berliner Zeitung 28.03.2002

Tausende zu Ostermärschen erwartet

"Krieg gegen den Terror" mobilisiert Friedensbewegung

von: Kerstin Krupp / Dokumentation / Pressebericht | Veröffentlicht am: 28. März 2002

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BERLIN, 27. März. Die Organisatoren der traditionellen Ostermärsche rechnen in diesem Jahr mit großem Zulauf. „Das Interesse ist gewachsen“, sagt Horst Trapp vom zentralen Koordinierungsbüro der diesjährigen Proteste in Frankfurt am Main. Bislang haben Initiativen aus etwa 70 Städten und Kommunen ihre Teilnahme an den Ostermärschen bestätigt. Das sind deutlich mehr als in den Vorjahren. Die Ankündigung von US-Präsident George W. Bush, das bevorstehende Jahr sei ein Jahr der Kriege, mache den Menschen Angst, vermutet Trapp, der seit 1960 in der Bewegung aktiv ist. „Die Beteiligung steigt mit dem Gefühl der persönlichen Bedrohung.“

Der „Krieg gegen den Terrorismus“ steht im Mittelpunkt der Aktionen. „Viele Menschen fürchten die Ausweitung des Krieges in Afghanistan auf den Irak und auf Somalia“, sagt auch Tobias Pflüger, der als Friedensforscher in der Informationsstelle Militarisierung arbeitet. Er verweist darauf, dass sich in Umfragen 80 Prozent der Deutschen gegen ein Angriff auf den Irak äußern. Vor allem die Ankündigungen aus den USA und Großbritannien, möglicherweise Atomwaffen einzusetzen, alarmiere die Menschen.

Als einzige Partei hat die PDS zur Teilnahme aufgerufen. Der Krieg werde wieder zur politischen Normalität erhoben, sagt Parteichefin Gabi Zimmer. Sie kritisiert, dass der Einsatz von Atomwaffen „öffentlich und ohne Scham“ einkalkuliert werde. Die Bundesregierung solle sich bei den USA gegen eine Intervention im Irak stark machen. An Ostern solle ein klares Signal für die zivile Lösung von Konflikten gesetzt werden.

Aktionen im ganzen Land

Die ersten Ostermärsche beginnen bereits am Karfreitag. Größere Aktionen wird es in Städten wie Frankfurt am Main, Leipzig, München, Hamburg und Berlin geben. In Nordrhein-Westfalen zieht sich der Marsch über mehrere Tage. Die erste Etappe beginnt am Samstag in Duisburg. Köln und Bochum sind weitere Stationen. Auch viele kleine Gemeinden sind dieses Jahr dabei – zum ersten Mal Wolfratshausen, der Heimatort Edmund Stoibers (CSU).

Ihren Ursprung haben die Ostermärsche in den 50er-Jahren in Großbritannien. In einer überparteilichen Kampagne schlossen sich Kriegsgegner zusammen und demonstrierten für eine nukleare Abrüstung. Erster Präsident der Kampagne war der britische Philosoph Bertrand Russell. In Deutschland marschierten die Friedenskämpfer erstmals 1960. Zunächst waren es nur tausend, doch schon 1968 nahmen deutschlandweit 300 000 Menschen teil. Ihren Höhepunkt allerdings erlebte die Friedensbewegung in den 80er Jahren. Mehr als 700 000 Menschen zogen 1983 durch das Land, um gegen den Nato-Doppelbeschluss und damit gegen die Stationierung von Cruisemissiles und Pershing-2-Raketen zu protestieren. (mit dpa)

Termine im Internet unter

http://www.friedenskooperative.de

Original: http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/130170.html

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