IMI-Aktuell 2026/234
Drohnen: D. als „Hinterland“?
(20.04.2026)
german-foreign-policy.com (gfp) berichtet über die enge Zusammenarbeit deutscher Drohnenhersteller mit den ukrainischen Streitkräften. Dabei sei eine Tendenz erkennbar, über Joint Ventures die Produktion ukrainischer Drohnen nach Deutschland zu verlagern, wo sie vor russischen Angriffen sicher sei:
„Schon im Dezember hatten Quantum Systems und der ukrainische Drohnenhersteller Frontline Robotics das Joint Venture Quantum Frontline Industries (QFI) gegründet, das die Frontline Robotics-Drohne LINZA nun in der Nähe von München in industriellem Maßstab herstellt; die Rede ist von bis zu 10.000 Drohnen pro Jahr. Eine erste Charge wurde Ende März ausgeliefert. Einer der Hauptgründe für die Verlagerung der Produktion nach Deutschland liegt explizit darin, dass sie dort als vor russischen Angriffen sicher gilt; für Fabriken in der Ukraine ist dies kriegsbedingt nicht der Fall. In der vergangenen Woche hat Quantum Systems außerdem zwei weitere Joint Ventures mit ukrainischen Firmen geschlossen. Eines, an dem WIY Drones beteiligt ist – an WIY Drones hält Quantum System seinerseits Anteile –, soll Abfangdrohnen und dazu gehörige Bodenkontrollstationen herstellen. Ein weiteres Joint Venture wurde mit Tencore gegründet. Tencore fertigt unbemannte Bodensysteme, wie sie gleichfalls in der Ukraine schon längst im Einsatz sind. Darüber hinaus haben sich am Rande der deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen Repräsentanten des deutsch-US-amerikanischen Start-ups Auterion sowie des ukrainischen Drohnenherstellers Airlogix geeinigt, ebenfalls gemeinsam Drohnen in der Bundesrepublik zu produzieren. Die Fertigung in einem Werk nahe München wird zur Zeit aufgebaut. Die erste Lieferung soll in wenigen Monaten erfolgen. Ergänzend ist der Bau einer Fabrik an einem ungenannten Ort in in Ostdeutschland geplant.“
Auf die Strategie der Verlagerung der Produktion nach Deutschland habe nun auch Russland reagiert, wie gfp weiter berichtet:
„Mit Blick auf die geballte Unterstützung europäischer Staaten für Kiews Drohnenkrieg hat Moskau in der vergangenen Woche eine Liste mit 21 Unternehmen in mehreren europäischen Staaten publiziert, die Angriffsdrohnen oder zentrale Bestandteile dafür herstellen. ‚Eine Reihe europäischer Länder‘ habe beschlossen, der Ukraine eine große Zahl an Drohnen nicht für den Fronteinsatz, sondern ‚für Angriffe auf Russlands Staatsgebiet‘ zu liefern, heißt es dazu. Man werte dies als einen ‚vorsätzlichen Schritt‘, der die betreffenden Länder ’schleichend ins strategische Hinterland der Ukraine verwandelt'“.