Quelle: Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. - www.imi-online.de

IMI-Analyse 2026/10

Wenn Öl zur Kriegswaffe wird

Umwelt- und Klimakosten des Krieges im Golf

Jacqueline Andres (20.03.2026)

Im Persischen Golf brennen Ölfelder und wecken die Erinnerungen an die Bilder, als die irakischen Truppen 1991 beim Verlassens Kuwaits mehr als 800 von ihnen in Brand steckten. Damals machten die Emissionen der brennenden Ölfelder 2 Prozent der weltweiten Gesamtemissionen des Jahres aus.[1] Eine solche Dimension an umwelt- und klimaschädlichen Schäden durch den Krieg zeichnet sich momentan noch nicht ab, doch die umweltlichen Folgen sind bereits jetzt verheerend und die Energieinfrastruktur in der Region wird verstärkt zum bewusst gewählten militärischen Angriffsziel. Die Investigativjournalistin Antonia Juhasz, die über Energie und Klima berichtet, sagt: „Was wir hier erleben, ist eine der deutlichsten Darstellungen der Fragilität einer globalen Ordnung, die auf fossilen Brennstoffen basiert. Alle Seiten in diesem Krieg nutzen fossile Brennstoffe als Kriegswaffe“.[2] Im aktuellen US-amerikanischen und israelischen Angriffskrieg gegen den Iran setzen die Kriegsparteien Öl- und Gasanlagen gezielt in Brand, der Zugang zum iranischen Öl ist ein Ziel auf dem Weg der USA zur Energiedominanz und Öl wird von allen Kriegsparteien als geopolitisches Machtinstrument genutzt.

Angriffsziel Energieinfrastruktur

Israelische Luftschläge setzten am Wochenende des 7. und 8. März 2026 vier iranische Öllager unweit von Teheran in Brand. Insgesamt griff das israelische Militär 30 Öllager an und eine Raffinerie im Süden des Landes.[3] Schwarzer, ölhaltiger Regen fiel auf die Zehn-Millionen-Stadt Teheran und weitere Regionen im Land. Die Weltgesundheitsorganisation warnte wenig später in einer Pressekonferenz vor den Gefahren der giftigen Rauchwolken, die den Himmel verdunkelten und des schwarzen Regens für die Atemwege.[4] Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, verschmutzt der schwarze Regen, der in die Böden und das Wasser sickerte, die Umwelt. Noch am gleichen Wochenende drohte das iranische Militär bei fortgesetzten Angriffen auf iranische Ölanlagen durch israelische Luftschläge, mit „ähnlichen Vergeltungsmaßnahmen in der gesamten Region“ und griff wenig später die größte Ölraffinerie Israels in Haifa mit Raketen an. Seither ist die Energieinfrastruktur Irans verstärkt Ziel der israelischen “Operation Brüllender Löwe”. Wie die israelische Zeitung Jerusalem Post berichtet, rücken Ölanlagen, die laut dem israelischen Militär direkt in Verbindung zum iranischen militärisch-industriellem Komplex stehen, zu den Hauptangriffszielen auf. Grund sei, dass das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in den letzten Jahren besonders im Ölsektor Anteile übernommen habe.[5] Aus den USA schien es zunächst eine zurückhaltendere Haltung zum massiven Angriff auf die Ölanlagen im Iran zu geben. So berichtete das Wall Street Journal, die USA hätten Israel nach den Angriffen auf 30 Ölanlagen im Iran dazu aufgerufen, keine derartigen Ziele mehr anzugreifen.[6] Doch aktuell eskalieren die Angriffe auf Öl- und Gasanlagen und die USA steigen ein. Nach dem Angriff des israelischen Militärs am 18. März 2026 auf eines der größten Erdgasfelder der Welt, South Pars, im Iran, das das Land mit 70 Prozent seines Erdgasbedarfs versorgt, griff Iran u.a. Ras Laffan an, die weltweit größte LNG-Förderanlage, in Katar. Daraufhin drohte US-Präsident Trump mit Angriffen auf South Pars, das vom Iran und von Katar betrieben wird. Solle Iran wieder Gasanlagen in Katar bombardieren, drohte er mit einem Angriff „mit einer Stärke und Schlagkraft, wie Iran es noch nie zuvor gesehen hat“.[7] Es war nicht der erste Angriff Irans auf Ras Laffan – die LNG-Förderanlage zählt zu den mittlerweile zahlreichen Zielen, die Iran in den letzten Wochen in der Region wiederholt angriff, wie z.B.: in Kuwait das Treibstoffdepot am internationalen Flughafen, das Öl- und Gaskraftwerk Sabiya und die Mina Al Ahmadi Raffinerie; in Saudi Arabien die Ras Tanura Raffinerie von Saudi Aramco, eine der größten der Region mit dem weltweit größten Öl-Verladeterminal und das Schaiba Ölfeld von Aramco; in Bahrein das Treibstoffdepot am internationalen Flughafen sowie die Raffinerie von Bahrain Petroleum Company (BAPCO), in den VAE das Treibstofftanklager in der Gegend von Musaffah nahe Abu Dhabi, die größte Raffinerie des Landes in el Rawais, den Ölhafen Fujairah und das Shah Erdgasfeld; und im Oman das Öllager am Hafen von Salala.[8]

Öltanker und Kriegsschiffe

Die Zerstörung von Marineschiffen und Öltankern stellt ebenfalls ein Umweltrisiko dar – bislang versenkten oder beschädigten die USA laut „Conflict and Environment Observatory“ (CEOBS) iranische militärische Hafenstrukturen und mehr als 43 Schiffe der iranischen Marine, mit dem Ziel diese komplett zu vernichten. Zu den Schiffen zählt die Fregatte „Dena“, die nahe der Küste Sri Lankas getroffen wurde und Öl leckte. Durch das Leck entstand ein 20km langer Ölteppich, der nun Sri Lankas Küstenbiodiversität bedroht. Das Schiff kehrte von einer Militärübung aus Indien zurück und hatte keine Waffen geladen.

Auch der Iran griff Schiffe an, besonders in den ersten Tagen des Krieges, nach der Verkündung der der Schließung der Meeresenge von Hormus, griff der Iran Öltanker an, um zu zeigen, dass die Sperre ernst zu nehmen ist. Laut der NGO Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED) griff der Iran in den ersten zwei Märzwochen mindestens acht Öltanker an, mindestens zwei von ihnen fingen Feuer.[9] Jeder Angriff auf einen Öltanker und auf ein Kriegsschiff stellt ein mögliches Umweltdesaster dar.

Zugang zu Öl – Ein Ziel und Druckmittel?

Der Iran kontrolliert die Meeresenge von Hormus, durch die ein Fünftel der globalen Erdöl- und Erdgastransporte fließen – hauptsächlich an Staaten in Asien. Durch die starke Einschränkung der Nutzung der Meeresenge in Reaktion auf die israelischen und US-amerikanischen Angriffe versucht der Iran die Erdölpreise hochzutreiben, um Druck auf die USA und Israel auszuüben. Erst wenn die Bomben stoppen, will der Iran die Meeresenge wieder frei geben. Die Tanker stauen sich dadurch im Persischen Golf und auf Grund mangelnder Lagerkapazitäten drosselten einige Ölproduzenten in der Region bereits ihre Ölförderung. Die globalen Ölpreise stiegen zeitweise auf über 100 US Dollar pro Barrel an – davon profitieren u.a. US-amerikanische Ölkonzerne, wie der US-amerikanische Präsident Donald Trump auf den sozialen Medien betonte: „Die Vereinigten Staaten sind bei weitem der größte Ölproduzent der Welt, wenn also die Ölpreise steigen, machen wir eine Menge Geld”.[10] Es soll ebenfalls im Interesse der USA liegen, die eigene Position im globalen Energiemarkt zu verbessern – erst ab einem Preis von 70 Dollar pro Barrel lohnt sich Fracking, dass in den USA in den letzten Jahren stark zunahm. Die Zahl der Ölbohrungen wächst in den USA seit Beginn des Krieges. Gleichzeitig versuche Trump somit den Status der USA als „mit Abstand führende Energie-Supermacht der Welt zu zementieren“.[11]

Erst im Januar 2026 verschaffte er den US-Ölkonzernen Zugang zum venezolanischen Erdöl, indem US-Spezialkräfte Venezuela angriffen und völkerrechtswidrig den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores entführten und in die USA brachten, wo sie sich weiterhin in Gefangenschaft befinden. Für das Öl aus Venezuela als auch aus dem Iran, zählte zu den Hauptabnehmern, das China aufgrund der Sanktionen zu Discountpreisen bezog. Zuletzt gingen 80 Prozent der iranischen Ölexporte an China – und ein Ziel der USA sei es, die globalen Ströme fossiler Energien zu lenken und China zu schwächen.[12] Doch die Sperrung der Straße von Hormus und der damit einhergehende Anstieg der Treibstoff- und Düngerpreise setzt Trump innenpolitisch (besonders angesichts der im November anstehenden Midterm-Wahlen) und auch international unter Druck. Bislang versucht Trump erfolglos eine „Hormus-Koalition“ voranzutreiben, die gemeinsam militärisch die iranische Einschränkung der Nutzung der Meeresenge aufbrechen soll – sollte die Meeresenge nicht freigegeben werden, droht der US-Präsident auch damit, die Energieinfrastruktur auf der iranischen Insel Kharg anzugreifen, die 90% der iranischen Öl- und Gasexporte abwickelt. Nachdruck verlieh Trump dieser Drohung durch die vorangegangenen massiven Angriffe der USA auf die Insel, die militärische Ziele zerstörte – laut Äußerungen Trumps auf Truth Social sei die Bombardierung eine der heftigsten „in der Geschichte des Nahen Ostens“[13] gewesen.

Wenn die Zukunft in Flammen aufgeht

Energieinfrastruktur stellt immer wieder militärische Angriffsziele in Kriegen dar, so auch in Russland und der Ukraine. Doch hier am Persischen Golf liegen die erdölfördernden Staaten dicht beieinander und ein Schlagabtausch von Vergeltungsschlägen droht hier nicht nur in einer katastrophalen Wirtschaftskrise zu enden, sondern mit weiteren brennenden Ölfeldern in einem globalen Umweltdesaster und einer weiteren Beschleunigung des menschengemachten Klimawandels.

Erst vor wenigen Tagen, im Schatten des Krieges, veröffentlichte das Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung (PIK) am 6. März 2026 eine neue Studie, die bestätigt, dass sich die Erde in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller erwärmt, als in den Jahrzehnten davor. Die Wissenschaftler*innen vom PIK fordern einen schnellstmöglichen Ausstieg aus fossilen Energien, um den rasanten menschengemachten Klimawandel aufzuhalten.[14] Doch der aktuelle Krieg zeigt, wie weit wir davon entfernt sind und er führt gleichzeitig auch vor Augen, wie gefährlich eine Wirtschaft, die auf fossiler Energie beruht, für uns ist. Den Preis dafür zahlt unsere Umwelt, die Böden, das Wasser und die Luft, die durch die giftigen Rauchschwaden brennenden Erdöls und durch den schwarzen Regen verseuchen. Schon jetzt ist der Krieg katastrophal und hat massive Fluchtbewegungen ausgelöst – im Libanon, ein Land das nur halb so groß ist wie Hessen und wo 5,8 Millionen Menschen leben, sind mittlerweile fast eine Million Menschen auf der Flucht, etwa ein Sechstel der Bevölkerung, viele schlafen in ihren Autos und in Zelten. Im Iran flohen durch die israelischen und US-amerikanischen Angriffe bereits mehr als 3,2 Millionen Menschen. Und der Krieg wirkt sich weltweit aus – durch die steigenden Preise für Treibstoff, für Transportkosten, für Lebensmittel und für Dünger.  Dies gilt besonders für den Globalen Süden und die asiatischen Staaten, die vom Ölexport aus den Golfstaaten abhängig sind – bereits nach den ersten Tagen des Krieges schlossen die Behörden in Pakistan die Schulen bis mindestens Ende März, da sie Erdöl besonders aus den Golfstaaten beziehen und dieses nun einsparen müssen.[15] Der Krieg, der Einsatz von Öl als Kriegswaffe, droht unsere Zukunft in Flammen zu setzen.

Anmerkungen


[1]      Peter V. Hobbs und Lawrence F. Radke. „Airborne studies of the smoke from the Kuwait oil fires.“ Science, vol. 256, no. 5059, 15 May 1992, pp. 987+.

[2]      “Fossil Fuels as a Weapon of War”: U.S.-Israeli War on Iran Exposes World’s Dangerous Reliance on Oil, https://www.democracynow.org/2026/3/10/oil_iran, 10.3.2026

[3]      Christoph Elzer: Kharg Island: Trumps Angriff auf Irans Öl-Insel könnte den Ölpreis auf Jahre ruinieren – Israel als Wildcard, https://www.fr.de/wirtschaft/ruinieren-israel-als-wildcard-kharg-island-trumps-angriff-auf-irans-oel-insel-koennte-den-oelpreis-auf-jahre-zr-94217941.html,17.3.2026

[4]      Weltgesundheitsorganisation warnt vor schwarzem Regen, https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/iran-weltgesundheitsorganisation-who-warnt-vor-schwarzem-regen-a-275d2f2e-fb2d-4d6f-b308-55b54e2e5d76, 10.3.2026

[5]      Yonah Jeremy Bob: Israel Air Force strikes Iranian oil facilities, military source says, https://www.jpost.com/israel-news/defense-news/article-889166, 7.3.2026

[6]      Christoph Elzer: Kharg Island: Trumps Angriff auf Irans Öl-Insel könnte den Ölpreis auf Jahre ruinieren – Israel als Wildcard, https://www.fr.de/wirtschaft/ruinieren-israel-als-wildcard-kharg-island-trumps-angriff-auf-irans-oel-insel-koennte-den-oelpreis-auf-jahre-zr-94217941.html,17.3.2026

[7]      Krieg im Nahen Osten Trump droht Iran mit Bombardierung von Gasfeld, https://www.tagesschau.de/ausland/asien/irankrieg-usa-gas-angriffe-100.html, 19.3.2026

[8]      Iran targets the global oil market: Gulf energy and the Strait of Hormuz are under fire, https://acleddata.com/report/iran-targets-global-oil-market-gulf-energy-and-strait-hormuz-are-under-fire, 13.3.2026, Baghdad’s Green Zone, UAE Oil Field Among Mideast Sites Hit by Iranian Drones, https://www.democracynow.org/2026/3/17/headlines/baghdads_green_zone_uae_oil_field_among_mideast_sites_hit_by_iranian_drones, 17.3.2026, Attacks on UAE’s Fujairah port, Shah gas field add to energy disruptions, https://www.channelnewsasia.com/world/uae-fujairaj-port-shah-gas-field-iran-energy-oil-5998386, 17.3.2026

[9]      Iran targets the global oil market: Gulf energy and the Strait of Hormuz are under fire, https://acleddata.com/report/iran-targets-global-oil-market-gulf-energy-and-strait-hormuz-are-under-fire, 13.3.2026

[10]     Angela Göpfert: Wie Trump den globalen Ölmarkt neu ordnet, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/trump-oelstrategie-geopolitik-iran-china-100.html, 17.3.2026

[11]     Angela Göpfert: Wie Trump den globalen Ölmarkt neu ordnet, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/trump-oelstrategie-geopolitik-iran-china-100.html, 17.3.2026

[12]     Angela Göpfert: Wie Trump den globalen Ölmarkt neu ordnet, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/trump-oelstrategie-geopolitik-iran-china-100.html, 17.3.2026

[13]     Christoph Elzer: Kharg Island: Trumps Angriff auf Irans Öl-Insel könnte den Ölpreis auf Jahre ruinieren – Israel als Wildcard, https://www.fr.de/wirtschaft/ruinieren-israel-als-wildcard-kharg-island-trumps-angriff-auf-irans-oel-insel-koennte-den-oelpreis-auf-jahre-zr-94217941.html,17.3.2026

[14]     Ulrike Brandt : Erde erwärmt sich seit 2015 wirklich schneller, https://www.tagesschau.de/wissen/klima/klimawandek-erderwaermung-folgen-100.html, 6.3.2026

[15]     Iran war fuel crisis forces Pakistan to close schools, take austerity measures, https://www.middleeasteye.net/news/iran-war-fuel-crisis-forces-pakistan-closes-schools-austerity-measures, 9.3.2026

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