IMI-Aktuell 2018/482

Gamescom: Rekrutierung

von: 23. August 2018

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Die Bundeswehr sorgt – vielleicht nicht unbeabsichtigt – mal wieder mit geschmackloser Werbung für Wirbel, wie u.a. bento.de berichtet. Im Kontext der Computerspielmesse Gamescom in Köln hat sie Plakate aufhängen lassen, die nicht nur optisch and Computerspiel-Werbung angelehnt ist, sondern auch mit entsprechenden Slogans „Multiplayer at its best!“ und „Mehr Open World geht nicht“ aktuelle Buzz-Words aus der Szene aufgreift. Besonders unehrlich wirkt aber, wie die Bundeswehr die Aktion begründet: „Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was wirklich zählt: Krieg spielen oder Frieden sichern?“

Auf der Messe selbst ist die Bundeswehr mit einem großen Stand vertreten, um junge Menschen zu rekrutieren. Deshalb veranstaltet die DFG-VK dort Proteste. In einer Pressemitteilung der Friedensorganisation heißt es hierzu:

„Mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr zur Videospielmesse gamescom nach Köln. Während sich die zumeist sehr jungen Leute auf der Messe über die neuesten Spiele informieren, versucht die Armee sie für den Dienst an der Waffe zu gewinnen. Die Grenzen zwischen Spiel und Militärdienst versuchen die Bundeswehr-Rekrutierer dabei zu verwischen. So wirbt die Bundeswehr im Umfeld der gerade stattfindenden gamescom auf Plakaten mit den Slogans ‚Multiplayer at its best‘ [übersetzt: ‚Mehrspieler(-Modus) vom Feinsten‘] und ‚Mehr Open World geht nicht‘ – offene Spielwelten sind seit Jahren ein Trend in Videospielen. Friedensaktivistinnen und -aktivisten sehen darin einen klaren Trend zur Verharmlosung des Dienstes an der Waffe.
‚Auslandseinsätze in Mali und Afghanistan sind kein Open World-Spiel, sondern tödlicher Ernst‘, so Kathi Müller (29) von der DFG-VK. Die Bundessprecherin des Verbandes ist selbst vor der Messe in Köln aktiv um die jungen Besucherinnen und Besucher vor dem Eintritt in die Armee zu warnen: ‚Die Bundeswehr verschweigt die negativen Aspekte am Dienst an der Waffe und lockt junge Menschen mit Versprechen, die sie nicht halten kann‘, so Müller. Die Karrierechancen seien etwa angesichts eines absehbaren Beförderungsstaus schlecht. Statt Abenteuer drohten jungen Rekrutinnen und Rekruten Traumatisierung im Auslandseinsatz. ‚Wir fordern ‚Game Over‘ für die Bundeswehr auf der gamescom – echtes Militär hat auf einer Videospielemesse nichts verloren‘, erklärt Kathi Müller entschlossen.
Auch am Freitag (24. August 2018) werden Aktive der DFG-VK noch vor der Kölner Messe (Eingang Süd/Bahnhof Deutz) gegen die Armee protestieren und junge Leute aufklären.“

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