IMI-Aktuell 2018/036

Bundeswehr: militaristisch?

von: 18. Januar 2018

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Der Historiker Michael Wolffsohn meldet sich in der aktuellen Debatte über extrem rechte Einstellungen bei der Bundeswehr häufig zu Wort und ist dabei einer jener – der Bundeswehr nahestehender Kommentatoren – die offen einräumen und kritisieren, dass es diese offenkundig und auch zu oft gibt. Andererseits hält er dieses Problem für lösbar und die von Von der Leyen eingeleiteten Maßnahmen für „konsequent und effizient“, so auch in einem aktuellen Beitrag in der jüdischen Allgemeinen. Darin kommen auch gewisse Inkonsistenzen oder Widersprüchlichkeiten seiner Position zum Ausdruck:

„Die allgemeine Wehrpflicht ist faktisch abgeschafft. Das bedeutet mehr denn je, dass Bürger, die sich links und mitte-links verorten, kaum noch Soldaten werden. Sie meiden die Bundeswehr als ‚militaristisch‘. Das ist zwar Unsinn, aber die in jenem Milieu gültige Meinung. Daraus folgt wenig überraschend, dass in der Bundeswehr deutlich mehr Männer und Frauen mit Mitte-rechts- und Rechtspositionen zu finden sind als sonst.“

Dass rechtes Gedankengut in der Truppe häufiger vorkommt „als sonst“ sei also keine Folge ihrer „militaristischen“ Eigenschaft, sondern im Grunde Schuld der Linken, die aus diesem Irrglauben heraus nicht zur Bundeswehr gingen. Sofern das Wort „anteilig“ nicht versehentlich unter den Tisch gefallen ist, setzt dies schlichtweg voraus, dass auch die Rechten die Bundeswehr für „militaristisch“ halten und genau deshalb zur Bundeswehr gehen. Dass die Rechten und die Linken für Wolffsohn schlicht demselben Milieu zuzurechnen sind, ist durchaus denkbar, da seine Argumentation auch ansonsten eine gewisse Nähe zur Extremismustheorie aufweisen – schließlich sei es ja früher, als das Verhältnis zwischen Rechten und Linken noch ausgeglichener war, besser. Kommt ja irgendwie Mitte dabei raus.

Da aber die Bundeswehr nicht militaristisch, sondern dies nur ein an den politischen Rändern verbreiteter „Unsinn“ sei, reicht es für Wolffsohn, „demokratische Werte und historisch-politisches Wissen systematisch zu vermitteln, um gegenzusteuern“. Diese Annahme, dass sich politische Einstellungen in einer Institution wie der Bundeswehr von oben „steuern“ ließen, trägt selbst Züge eines autoritären – fast schon militaristischen – Denkens.

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