IMI-Aktuell 2017/720

Propagandaopfer taz

von: 5. Dezember 2017

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Beim IMI-Kongress über den „Krieg im Informationsraum“ kam öfters zur Sprache, dass die Propaganda Deutschlands, der EU und der NATO häufig darin besteht, eine Art Rauschen aus relativ unwichtigen Nachrichten zu erzeugen, in denen die eigentlich relevanten Fakten untergehen (der Bericht vom IMI-Kongress findet sich hier). Genau das passiert mit der Youtube-Serie „Mali“ des Bundesverteidigungsministeriums, wie aktuell mal wieder die Tageszeitung (taz) mit einem Artikel demonstriert, der unter dem Titel „Skorpione und Klappklos“ die Serie lobt und zu dem Schluss kommt, dass sie den Einsatz nicht verkläre: „So nah dran an den Soldaten wie in diesen YouTube-Filmen ist der Zuschauer sonst selten… Die Zuschauer bekamen auch Inhalte zu sehen, die potenzielle Rekruten eher abschrecken als anlocken könnten. Los geht das mit der Trennung von der Familie während des Einsatzes (Hauptfeldwebel Marko vor dem Abflug: ‚Es wird sehr, sehr schwer‘). Weiter geht es mit den hygienischen Bedingungen während einer Operation in der Wüste (vier Tage ohne Dusche bei über 40 Grad, Nachtlager mit Skorpionen und Kamelspinnen, Kacken durchs Klappklo auf den Sand). Und es endet mit dem Absturz eines Bundeswehr-Helikopters, bei dem während der Dreharbeiten zwei deutsche Piloten starben.“
Über die dramatische Eskalation der Lage in Mali verliert der Artikel jedoch kein Wort. Auch nicht über die Gefechte vor zwei Wochen, bei denen vier MINUSMA-Angehörige starben und 21 teils schwer verletzt wurden (siehe IMI-Aktuell 2017/707). Auch nicht darüber, dass die Regionalwahlen wegen der schlechten Sicherheitslage verschoben wurden und Verbündete der Bundeswehr für zahlreiche Übergriffe auf die Zivilbevölkerung verantwortlich sind (siehe IMI-Standpunkt 2017/033). Wer dazu schweigt und stattdessen über Klappklos berichtet, ist Opfer und Teil der Propaganda und verklärt selbst den Einsatz. Und beteiligt sich an einer zutiefst kolonialistischen Sichtweise, in der ein Krieg und ein Land auf die banalen Erfahrungen einiger deutscher Soldat*innen reduziert wird.

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