IMI-Mitteilung

IMI lädt ein: Bosnien-Herzegowina

Dienstag, 03. Oktober 2017, 19 Uhr

von: 2. Oktober 2017

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Bosnien-Herzegowina, so heißt es immer wieder, sei ein paralysiertes Land, steckengeblieben auf dem Weg nach Europa, weil die lokale Politik ihre Hausaufgaben nicht erledigt. In Wahrheit ist die vielbeschworene „Transition“ längst vollzogen – mit desolaten Folgen: In kaum einem ex-jugoslawischen Land haben die oktroyierten marktwirtschaftlichen Reformen – zunächst unter US-amerikanischer, jetzt unter EUropäischer Ägide – derart nachhaltige Verheerungen hinterlassen wie in Bosnien-Herzegowina. Heute ist das Land mit einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 60 % zum Inbegriff der Perspektivlosigkeit geworden. Sämtliche Teilbereiche der öffentlichen Verwaltung sind vom ethnischen Proporz bestimmt und bilden den Nährboden einer Politikerkaste, die allenfalls noch ethno-nationalistische Symbolpolitik betreiben kann, während sie den neoliberalen Reformvorgaben Folge leistet. Das letzte Wort hat ohnehin der Hohe Repräsentant, Prokonsul der Internationalen Gemeinschaft, dessen Befugnisse so weit gefasst sind, dass er nach Belieben gewählte Staatsbeamte entlassen und Gesetze erlassen kann. Wen verwundert es da, dass vielen bosnischen Serben eine Sezession als Alternative erscheint. Aber es gibt auch wirkliche Hoffnung; so hat Bosnien in den letzten Jahren von der „Baby-Revolution“ bis zum Bosnischen Frühling eine Wiedergeburt radikaler Politik erlebt, die vielen Bosniern neue Perspektiven aufgezeigt hat. Der Vortrag geht auf diese aktuellen Themen ein und zeichnet die Entwicklung eines gescheiterten Pilotprojekts internationaler Ordnungspolitik nach, vom Dayton-Abkommen bis hin zum militärisch gestützten EU-Protektorat.

Im IMI-Büro im Sudhaus (Hechingerstr. 203, Vordergebäude, 1. Stock)

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