IMI-Aktuell 2017/485

Warnung vor dem Tiger

von: 14. August 2017

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Am 26. Juli war in Mali ein Kampfhubschrauber des Typs „Tiger“ abgestürzt und ausgebrannt (siehe IMI-Standpunkt 2017/023). Obwohl das BMVg bislang offiziell keine möglichen Ursachen – auch einen Beschuss – ausschließen möchte, weisen dessen Veröffentlichungen und die öffentlichen Spekulationen fast alle in Richtung technischen Defekt. Zwei Wochen nach dem Absturz machte das BMVg bekannt, dass der Hubschrauber zu einem frühen Zeitpunkt des Absturzes, aber eher nicht ursächlich, seine Rotorblätter verloren habe (IMI-Aktuell 2017/478).

Die These vom technischen Defekt wird nun durch das Verhalten des Herstellers Airbus gestützt. Welt.de berichtet: „Airbus Helicopters erklärt jetzt alle vier Versionen seines Kampfhubschraubers ‚Tiger‘ für unsicher… ‚Da wir aufgrund der unklaren Lage nichts ausschließen können, was die Unfallursache angeht, müssen wir eine solche Warnung herausgeben‘, erklärt der Sprecher… Für Airbus ist das Szenario ein Fiasko. Für einen unsicheren Kampfhubschrauber lassen sich keine Neukunden finden. Bis Ende 2016 wurden insgesamt 151 Tiger an Deutschland, Frankreich, Spanien und Australien ausgeliefert. Damit verblieben nur noch 33 Hubschrauber im Auftragsbestand, die bis 2019 ausgeliefert werden sollen. Nach Recherchen der WELT wurde bei Airbus Helicopters in Donauwörth ‚zur Überwachung und Reduzierung der Risiken im Zusammenhang mit der Schließung der Produktionslinien‘ bereits das Projekt ‚End-of-line Tiger‘ aufgesetzt.“

Die durchaus seriöse NDR-Sendung „Streitkräfte und Strategien“ hingegen macht deutlich, dass es bundeswehrintern trotzdem durchaus Zweifel an der These des technischen Defekts gibt. Hier wird der Vorsitzende der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr, Schlepphorst, zitiert: „‚Es ist auf jeden Fall ungewöhnlich, dass sich während eines Sinkfluges oder während eines Absturzes Rotorblätter aus dem Hauptrotorsystem lösen.‘ Schlepphorst will deshalb in diesem Stadium der Untersuchungen andere Unfallursachen nicht ausschließen. Dazu gehört auch ein möglicher Beschuss des Tigers.“

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