IMI-Aktuell 2017/481

FAZ zum Südsudan

von: 11. August 2017

Drucken

Hier finden sich ähnliche Artikel

Erstaunlich wenig ist auch anlässlich der Reise des deutschen Außenministers Gabriel nach Uganda und in den Südsudan in der Presse über die Hintergründe des dortigen Bürgerkrieges zu erfahren. Schuld sind eben meist verfeindete Warlords und Ethnien. Die Presseschau des Deutschlandfunks zitiert etwa die FAZ – warum auch immer:

„Der bitterarme, christliche Südsudan sagte sich 2011 vom muslimischen Norden los. Viele Hoffnungen waren mit der Unabhängigkeit verbunden, die sich bald an der Realität der Warlords zerschlugen. Heute ist jeder dritte Südsudanese ein Flüchtling, viele haben sich vor der Hungersnot und drohendem Völkermord nach Uganda in Sicherheit gebracht. Für den Südsudan gilt bestimmt nicht, was einige interessierte Kreise gebetsmühlenhaft wiederholen: Dass der Westen an allen Konflikten Schuld trage. Die Tragödie geht aber auch uns an.“

Man könnte einmal rekapitulieren: Der Sudan stimmte der Unabhängigkeit des Südens unter Druck von USA, NATO und EU zu. Erstere drohte mit einer militärischen Intervention, letztere flankierte das 2008 durch die Stationierung einer EUFOR-Truppe im benachbarten Tschad. Die NATO übernahm die Logistik für den internationalen Einsatz in Dafur. Noch bevor der Südsudan unabhängig wurde, erhielt das GOSS (Government of South Sudan) – damals eigentlich inexistent, de facto handelte es sich um den militärischen Flügel der Rebellengruppe SPLM – Panzer, Granatwerfer und Gewehre. Geliefert wurden die Waffen in US-amerikanischem Auftrag aus der Ukraine u.a. mit einem Frachter der deutschen Beluga-Reederei. Noch bevor der Südsudan unabhängig wurde, war das Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht an der Ausarbeitung einer Verfassung und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ, früher GtZ) am Aufbau lokaler Polizeistrukturen beteiligt. Weitere Funktionen des Staatsaufbaus übernahm u.a. der Referendum Basket Fund des UN-Entwicklungsprogramm. Die International Organization for Migration (IOM) registrierte auch im nördlichen Sudan zehntausende Menschen mit (angeblichen) südsudanesischen Wurzeln, die für die Unabhängigkeit stimmten und anschließend im neuen Staat angesiedelt werden sollten. Voraussetzung für die Abspaltung des Südsudan war die jahrelange Überzeugungsarbeit gegenüber der Rebellengruppe SPLM, statt auf Reformen im gesamten Sudan auf eine Sezession des ölreichen Südens hinzuarbeiten. Hilfreich war hierbei der Tod des ehemaligen SPLM-Führers John Garang bei einem rätselhaften Hubschrauberabsturz nach einem Treffen mit Vertreter_innen der USA und europäischer Staaten.

Ähnliche Artikel