IMI-Aktuell 2017/348

SPON: Putschdebatte

von: 16. Juni 2017

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In einer Kolumne für Spiegel Online teilt Autor Jan Fleischhauer kräftig gegen Verteidigungsministerin von der Leyen aus und nimmt jenen Soldaten in Schutz, gegen den aktuell ermittelt wird, weil er angeblich zum Putsch aufgerufen hätte. Fleischhauer geht sogar so weit, jenen Soldaten, der vor etwa 65 Lehrgangsteilnehmern öffentlich gemeint habe, man solle den Mund auf machen „oder putschen“, als „Staatsbürger in Uniform in Aktion“ zu bezeichnen – als Vorbild also.
Dass gegen ihn ermittelt wird, stellt Fleischhauer nun als Skandal dar. Angeblich würden „[a]lle Lehrgangsteilnehmer … einem peinlichen Verhör unterzogen“. Wenn sich der Vorfall so zugetragen hätte, wie dargestellt, dann müsste das durchaus im Sinne des betreffenden Soldaten sein, denn angeblich hätten alle die „satirische Zuspitzung“ verstanden, der „gesamte Saal“ gelacht. Dass aus so einer öffentlichen „satirischen Überspitzung“ unter „aufgewühl[en]“ Soldaten durchaus Kontakte entstehen können unter denen, die es doch ein wenig ernster meinen, versteht Fleischhauer nicht.
Wie wenig er die Debatte um die Kontinuitäten und Brüche zwischen Wehrmacht und Bundeswehr versteht, stellt Fleischhauer dann noch zum Abschluss seiner Kolumne unter Beweis:
„Vor ein paar Tagen hat die Bundeswehr-Universität in Hamburg das Foto wieder aufgehängt, das den späteren Bundeskanzler Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform zeigt und das Anfang Mai in einem Wohntrakt abgehängt worden war. Das Verteidigungsministerium hat erklärt, das Bild könne wieder gezeigt werden, ergänzt um den Hinweis, dass Helmut Schmidt bereits als junger Reserveoffizier durch kritische Bemerkungen aufgefallen sei. Man kann daraus lernen: Kritik ist in der Bundeswehr durchaus erwünscht. Sie sollte sich nur nicht gegen lebende Vorgesetzte richten.“
Schmidts „kritische Bemerkungen“ sind aus seiner Zeit bei der Wehrmacht überliefert, nicht bei der Bundeswehr. Und sie richteten sich gegen die nationalsozialistische Führung und nicht gegen die Verteidigungsministerin – ein dann doch äußerst unangebrachter Vergleich.

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