IMI-Aktuell 2017/333

Militärstrukturen: Chancengleichheit?

von: 13. Juni 2017

Drucken

Hier finden sich ähnliche Artikel

Im „Weißbuch 2016 Zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr“ heißt es vollmundig: „Die Förderung von Vielfalt und Chancengerechtigkeit, etwa im Hinblick auf ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, ist eine Führungsaufgabe“ (S. 123). Zudem wird beschworen, dass die Bundeswehr sich als „Rahmennation“ innerhalb der NATO empfiehlt und viel Mut zur internationalen Kooperation aufbringt. Angesichts (erneuter) rechtsextremer und fremdenfeindlicher Vorkommnisse in der Bundeswehr scheinen Anspruch und Wirklichkeit wesentlich auseinander zu klaffen. Aber man will auch lernen, z.B. von den „modernen und erfolgreichen Diversity-Management-Systemen ihrer verbündeten Streitkräfte“ (ebenda S.123). Eines dieser „erfolgreichen“ Systeme ist gerade mal wieder unter massivem Druck. Einer jüngsten Studie zufolge mögen die rassistisch und maskulin geprägten Ungleichheiten in den US-amerikanischen Teilstreitkräften einfach kein Ende finden. So hat die Organisation „Schützt unsere Verteidiger“ (Protect Our Defenders) nicht zum ersten Mal auf die rassistisch motivierte Ungleichbehandlung von Soldaten im Dienst verwiesen. Nach ihrer Studie (Racial Disparities in Military Justice) sind die Chancen für einen farbigen Soldaten ungleich höher einer Disziplinarmaßnahme oder einem Militärgericht unterzogen zu werden. In der Air Force um stolze 70%, in der Navy 40% und in der Army um 61%. Demnach sind die Ursachen für diese Ungleichheit in den nach wie vor bestehenden männlich-geprägten und weiß-dominierten Hierarchien und dem Justizsystem der US-Armee zu finden. Anknüpfend hieran muss man sich ernsthaft fragen, ob militärische Organisationen überhaupt in der Lage sind, gesellschaftliche Vielfalt und Chancengerechtigkeit abzubilden, wenn sie sich nicht auf allen Ebenen in gleicher Weise abbildet. (as)

Ähnliche Artikel