IMI-Aktuell 2016/591

Afghanistan: Fluchtbekämpfung?

von: 10. Oktober 2016

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Unmittelbar bevor die EU mit der afghanischen Regierung ein Abkommen über die vereinfachte Abschiebung von Flüchtlingen aus afghanistan abgeschlossen und anschließend finanzielle Zusagen auf der sog. „Afghanistan-Geberkonferenz“ gemacht hat, war Deutschlandfunk-Korrespondentin Sandra Petersmann mit deutschen Soldaten in Afghanistan – genauer Kundus – unterwegs. Der erst eine knappe Woche später veröffentlichte Bericht bleibt seltsam vage, insbesondere, was die konkreten Aktivitäten der Bundeswehr wenige Kilometer von der Front angeht. Angeblich seien sie nur als „Berater“ vor Ort, abgebildet werden sie aber mit dem Maschinengewehr im Anschlag im offenen Helikopter. So oder so macht der Einsatz deutlich, dass gekämpft wird und Afghanistan alles andere als sicher genug ist, um Flüchtliche dorthin abzuschieben.
Das innovative an der Reportage Petermanns ist jedoch, dass sie ein neues, „klar formuliertes, gemeinsames politisches Ziel“ der „Geberländer“ ausmacht: „Sie wollen, dass die Afghanen in Afghanistan bleiben. Und sie wollen bereits geflohene Afghanen möglichst schnell hierhin zurückschicken.“ Früher wollte man angeblich die Frauen von der Burka befreien. Die Legitimationsstrategien ändern sich, der Krieg bleibt.

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