IMI-Standpunkt 2016/020

Bundeswehr-Großprojekte: Airbus A400M vor dem Aus?

von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 10. Mai 2016

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Neben dem Bestreben, bis 2030 insgesamt 130 Mrd. Euro für die Neuanschaffung von Kriegsgerät ausgeben zu wollen, stellt die regelmäßige Evaluation der Bundeswehr-Großprojekte eine weitere Kernkomponente der „Agenda Rüstung“ von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dar (siehe IMI-Analyse 2016/02). Sie wird auch dem Parlament zur Kenntnis gegeben, zuletzt im April 2016 im „3. Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zu Rüstungsangelegenheiten“.

Bundeswehr-Großprojekte-2Untersucht wurden dabei 20 Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von über 60 Mrd. Euro. Dabei kam heraus, dass die vorgesehene Auslieferung um durchschnittlich 40 Monaten hinterherhinkt und die Projekte zusammen Mehrkosten von 12,7 Mrd. Euro aufweisen (siehe Tabelle). Den absoluten Vogel schießt dabei der Eurofighter ab: Bei einer zeitlichen Verzögerung von 136 Monaten belaufen sich seine Mehrkosten bislang auf satte 6,81 Mrd. Euro! Dahinter reiht sich gleich das Transportflugzeug Airbus A400M ein: 107 Monate Verspätung haben hier 1,47 Mrd. Euro zusätzliche Ausgaben verursacht!

Apropos Airbus A400M: In diese Rechnung dürften die neuerlichen Triebwerksprobleme noch nicht einmal eingepreist worden sein, die Ende April 2016 öffentlich wurden. Sie scheinen so gravierend zu sein, dass innerhalb der Bundeswehr sogar darüber nachgedacht zu werden scheint, das Projekt komplett einzustampfen. So berichtete Spiegel Online am 9. Mai 2016: „Die Triebwerke sorgen nun intern für Alarmstimmung. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird in der Führung der Bundeswehr erstmals das Scheitern des gesamten Rüstungsprojekts als Szenario diskutiert. Für den Fall, dass sich die Triebwerksmängel nicht beheben lassen, heißt es, müsse man über einen Abschied aus dem A400M-Programm nachdenken und nach alternativen Transportfliegern suchen.“

Es bleibt abzuwarten, ob das Verteidigungsministerium mit diesen Überlegungen tatsächlich ernst machen wird. Denn ein solcher Schritt wäre sicher ein schwerer Schlag für die Finanzen und das Prestige des „Vorzeigerüstungskonzerns“ Airbus. Andererseits würde es aber der Ankündigung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen entsprechen, die Rüstungsindustrie künftig etwas stärker darauf verpflichten zu wollen, auch austragsgemäß zu liefern.

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