IMI-Studie 2015/10

Ethnologie im Kriegseinsatz

Die Geschichte einer Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Geheimdiensten und Militär

von: Benjamin Hirschfeld | Veröffentlicht am: 9. November 2015

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IMI-Studie10_2015_Hirschfeld„Um Einfluss auf das Verhalten einer Gesellschaft zu nehmen, muss man ihre Kultur kennen“, so oder zumindest so ähnlich lautet seit einigen Jahren das Credo vieler Beamter im Dienste des amerikanischen Sicherheitsapparats. Seit Mitte der 2000er Jahre setzen das US-Militär und amerikanische Geheimdienste verstärkt auf die Einstellung von EthnologInnen und die Anwendung ethnologischer Theorien und Methoden zur Datengewinnung und -verarbeitung: Von der geheimdienstlichen Rekrutierung von Regional- und Kulturexperten über die Anstellung von militärischen Truppenberatern mit ethnologischem Hintergrund in Kriegsgebieten bis hin zur kulturwissenschaftlichen Auftragsforschung für das US-Militär in Millionenhöhe entwickelte sich dieses Feld in den letzten zehn Jahren zu einem multidimensionalen Arbeitsmarkt für alle der Ethnologie nahe stehenden Forschungsfächer. Diese Entwicklung hat auch unabsehbare Folgen für die Disziplin(en) als solche. Im Folgenden sollen unterschiedliche Formen dieser Zusammenarbeit im Verlauf des 20. Jahrhunderts aufgezeigt werden. Ein zweiter Teil konzentriert sich auf die Einbettung anthropologischer Konzepte und Methoden in die Doktrin der „Counterinsurgency“ („Aufstandsbekämpfung“) des Pentagons ab Mitte der 2000er Jahre.
Nach einem kurzen Abriss zur Situation in Deutschland bildet eine Reflexion zu den ethischen Problemstellungen und fachspezifischen Implikationen dieser Kooperationen den Abschluss dieser Studie.

INHALT:
Einführung und historische Einbettung
Kolonialzeit und Weltkriege
Nachkriegsdebatten und der Kalte Krieg
„Aufstandsbekämpfung“ und Ethnologie nach 9/11
Das „Human Terrain System“
Forschungskollaborationen mit Universitäten und Studierenden
Kultur für Alle
RAF – kulturbeflissen für den Dauereinsatz
Ausblick: Umfassende Militärische Nutzung sozialwissenschaftlicher Expertise?
Deutsche MilitärethnologInnen
Die fachinterne Debatte, Kritik und Widerstand

Zur Studie als PDF: http://www.imi-online.de/download/IMI-Studie10_2015_Hirschfeld.pdf

Bei der IMI-Studie 2015/10 handelt es sich um eine aktualisierte und ergänzte Fassung des Beitrags „Die Verteidigung der Völkerkunde – Anthropologie und Militär“, der in der bereits Anfang des Jahres im AUSDRUCK (April 2015) veröffentlicht wurde: http://www.imi-online.de/download/April2015_01hirschfeld.pdf

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