IMI-Standpunkt 2015/037

Zum Tod von Peter Strutynski

von: Michael Schulze von Glaßer | Veröffentlicht am: 5. Oktober 2015

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Mit Peter Strutynski verstarb am 27. September 2015 einer der einflussreichsten Aktivsten der deutschen Friedensbewegung im Alter von nur 70 Jahren. Bundesweit hat er sich seit mehr als 30 Jahren gegen Krieg engagiert – sowohl in zahlreichen wissenschaftlichen Schriften als auch direkt auf der Straße. 1981 gründete er das Kasseler Friedensforum und nahm bei unzähligen Protestaktionen das Megafon in die Hand. Zudem war er Hauptorganisator des seit 1994 jährlich stattfindenden „Friedensratschlags“ in Kassel, bei dem man sich nicht nur zu friedenspolitischen Themen weiterbilden konnte, sondern der auch immer ein bedeutendes Vernetzungstreffen war. So hat Peters Arbeit sowohl in die Bundes- und Lokalpolitik als auch in die Friedensbewegung selbst gewirkt. Die Hartnäckigkeit, die Peter dabei an den Tag legte, war beeindruckend. Auch gegen Widerstände ließ er sich nicht kleinkriegen.

Den örtlichen Rüstungsbetrieben dürften die von Peter organisierten Aktionen vor ihren Toren ein Dorn im Auge gewesen sein. Auch die rüstungsnahe Lokalpolitik brachte er immer wieder in Erklärungsnot. An der Hochschule und späteren Universität Kassel, an der er seit 1977 lehrte, gefiel seine Arbeit nicht allen Teilen der Uni-Leitung – den Studierenden hingegen schon. Obwohl Peters Seminare im Wintersemester oft noch in der frühmorgendlichen Dunkelheit begannen, waren sie immer sehr gut besucht. Auch deswegen machte Peter wohl immer weiter und gab trotz Ruhestands auch noch im vergangenen Jahr zwei friedenspolitische Bücher heraus.

Wissenschaftler wie Peter, die – gerade im so wichtigen Diskurs um Sicherheitspolitik – deutlich Position beziehen, sich nicht den Mund verbieten lassen oder sich möglichen Geldgebern unterwerfen, sind rar geworden. Auch wenn man vielleicht nicht immer in allen Punkten mit Peter übereinstimmte und es auch mal unterschiedliche Vorstellungen von Aktionen gab, so ist für jeden das große Loch in der Friedenswissenschaft und Bewegung sichtbar, das Peter hinterlässt. Er hat bei seinem Tun viel erreicht – nun liegt es an uns seine Arbeit fortzuführen.

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